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R« f , F 3
ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH
DER
ROMANISCHEN SPRACHEN.
ETYMOLOGISCHES
WÖRTERBUCH
DER
ROMANISCHEN SPRACHEN
VON
FRIEDRICH DZEZ.
VIERTE AUSGABE.
MIT EINEM ANHANG
VON
AUGUST SCHELER.
BONN,
BEI ADOLPH MARCUS.
1878.
Das Recht der Uebersetzung ist vorbehalten.
LORENZ DIEFENBACH
SEINEM VEREHRTEN FREUNDE
GEWIDMET.
VORREDEN DES VERFASSERS.
I. Die aufgäbe der etymologie ist, ein gegebenes wort auf seinen
Ursprung zurückzuführen. Die eur lösung dieser aufgäbe angewandte Methode
ist aber nicht überall dieselbe: leicht läßt sich eine kritische und eine un-
kritische wahrnehmen. Die unkritische nimmt ihre deutungen auf gut
glück aus einer äußerlichen ähnlichkeit der form} oder erzwingt sie bei
geringerer ähnlichkeit7 ja selbst bei gänzlicher Verschiedenheit derselben,
durch eine reihe willkürlich geschaffener mittelglieder. Ein in seinem
grundsatze so fehlerhaftes verfahren, dessen ungeachtet doch da, wo wüz
und divinationsgabe nicht fehlten, mancher treffliche wurf gelang, hat bei
vielen die ganze etymologische kunst in miscredit gebracht, während sie
sich andern durch die leichtigkeit ihrer ausübung, wozu sich jeder ohne
beruf und Vorbereitung aufgelegt fühlte, empfahl. Jene irren in ihrer ab-
neigung, diese in ihrer Zuneigung. Im gegensatze zur unkritischen methode
unterwirft sich die kritische schlechthin den von der lautlehre aufgefundenen
principien und regeln, ohne einen fußbreit davon abzugehen, sofern nicht
klare thatsächlicHe ausnahmen dazu nöthigen; sie bestrebt sich dem genius
der spräche auf der spur zu folgen, ihm seine geheimnisse abzugewinnen; sie
wägt jeden buchstäben und sucht den ihm in jeder Stellung zukommenden
werlh zu ermitteln. Und doch, wie wenig vermag sie oft, wie zweifelhaft
sind ihre erfolge! Das höchste, was der etymologe erreicht, ist das bewußt-
sein wissenschaftlich gehandelt zu haben; für absolute gewißheit hat er
keine gewähr, eine unbedeutende notiz kann ihm das mühsam erworbene
zu seiner beschämung unversehens unter den fußen wegziehen. Dergleichen
wird bei jeder forschung vorkommen, bei der etymologischen gehört es zu
den täglichen erfahrungen, die auch dem scharfsinnigsten nicht erlassen
werden. Darum bescheidenhext, selbst wo alles unsre deiäungen zu unter-
stützen scheint! Mit welcher strenge ich in dem vorliegenden buche meine
früheren etymologien gerichtet und gesichtet habe, wird man ohne mühe
erkennen; was ich aber gegen mich selbst angewandt, konnte ich auch
gegen andre nicht unangewandt lassen. Etwas habe ich durch vidjährige
erfährung auf diesem gebiete gelernt, was sich zwar von selbst versteht,
aber nicht von allen verstanden sein will: daß zu wissenschaftlich sicherem
urtheUe sich nur der durcharbeitet, der den gesammten wortvorrath der
VIII VORREDE.
spräche bis in ihre Mundarten hinein zu bewältigen nickt ermüdet Wer
nicht so weit vorzudringen tust hat, der beklage sich nicht, wenn er jeden
augenblick den boden verliert. Es ist kein wunder, wenn manche auf
andern Sprachgebieten ausgezeichnete forscher auf dem romanischen so
oft fehlgreifen, da sie nur das einzelne in einer bestimmten gestalt auf-
fassen, ohne seine geschickte und seine beziehungen nach allen Seiten hin
erkannt zu haben. Die romanische Wortforschung hat eben so dunkle
partien zu beleuchten wie vielleicht irgend eine andre; selbst die erkenntnis
des lateinischen Stoffes ist in zahlreichen fällen nicht bequemer als die des
fremden. Man schlage einmal die spanischen mit ch oder mit z anlautenden
Wörter nach und man wird von der richtigkeit dieser behauptung eine
ähnung bekommen. Erschöpft man auch alle von den einschlägigen sprachen
gebotenen mittel, z. b. für das spanische den lateinischen, griechischen,
baskischen, celtischen, germanischen, semitischen wortvorrath, es bleibt ein
großer rest, für den es keinen rath gibt Freilich fließen manche sprachen,
woraus der Romane schöpfte, für uns nur noch in spärlichen quellen.
Eifriger und umsichtiger forschung aber wird sicher gelingen noch manches
räthsel zu lösen, das bis jetzt unlösbar schien.
Ein f ortschritt ist, hoffe ich, in dem gegenwärtigen versuche geschehen;
der lautlehre, die sich an den schätzen, welche die etymologie zu tage
fordert, erfrischt und belebt, wird dies dereinst zu gute kommen. Aber
auf die bezwingung des ganzen konnte ich nicht eingehen, und wer möchte
muth und kraft und Selbstverleugnung genug dazu heben? Gleichwohl
wünschte ich ein ganzes zu geben, sei es auch nur ein bedingtes, und so
richtete sich mein augenmerk 1) auf üblichere Wörter, solche die in rede
und schrift häufiger wiederkehren, mit ausschluß aller derer, die man sich
ohne mühe aus dem latein erklärt, die also der Untersuchung nicht anheim-
fallen können; 2) auf weniger übliche, aber etymologisch bedeutsamere,
wohin ich vornweg Partikeln, einfache verba, zumal aber einfache adjeetiva,
demnächst viele von Ungutsten mehrfach besprochene, zu einem gewissen
rufe gelangte Wörter rechnete. Aber auch solchen, die weder zur einen
noch zur andern classe gehören, sollte der eintritt unverwehrt sein, nur
fiel hier jede Verbindlichkeit der aufnähme weg: fülle ist besser als mangel
und am ende kann jedes wort zur kenntnis der bestandtheile einer spräche
beitragen. Es gibt aber auch Wörter, deren bereits vorhandene deutung
nicht zu weiterer prüfung veranlaßt; andre nicht genügend oder gar nicht
gedeutete, die zwar dUe rücksicht verdienen, aber diesmal nicht zur Unter-
suchung reizten : gehen sie auch leer aus, sie dienen doch anzudeuten, was
einer spräche seltenes oder merkenswerthes angehört. Jene sind hier mit
dem eingeklammerten namen ihres erklärers bezeichnet, diese ohne irgend
eine beurtheilung hingesetzt worden und somit anderweitiger Untersuchung
empfohlen. Sparsamkeit in der abfassung der artikel war mir gesetz:
VORREDE. IX
darum wählte ich aus den volksmundarien meist nur unmittelbar zum ziele
führendes; darum vermied ich, den Ursprung des aufgestellten etymons, so
wie, vorwärts gewandt, die Verbreitung des romanischen abbüdes über
fremdes gebiet su verfolgen; darum berichtete ich nicht über alle vorge-
brachten meinungen; daß ich seichten erklärungsversuchen die thüre schloß,
versteht sich*).
Die emtheüung des Stoffes wird man. billigen. Es kam darauf an,
schon, in der äußeren einrichtung zu einer tyaren Übersicht desselben zu
gelangen. Zu diesem zwecke mußten zwei theile gebildet werden. Der
erste umfaßt ziemlich vollständig den gesammt- oder gemeinromanischen
d. h. den auf allen drei gebieten, dem italienischen, dem spanisch-portu-
giesischen und dem provenzalisch-französischen, ja selbst den auf nur
zweien derselben einheimischen sprachstoff, in der reget wenigstens sofern
dieser den neueren Schriftsprachen angehört. Der italienischen räumte ich
in den einzelnen artikeln den vortritt ein, wozu sie tiire heimath und ihr
genauerer anschluß an die lateinische berechtigte; selbst wo sie sich weiter
von der urform entfernt als die schwestersprachen, konnte nicht füglich
vom prineip abgewichen werden. Oder war es nicht rathsamer das mittel-
lateinische alle andern umfassende wort voranzustellen? Allein das mittel-
latein ist selbst vielformig und konnte nicht anders sein: sollten aber die
von manchen und notarm geschaffenen sprachformen der volksüblichen rede
den weg zeigen? Mit diesem mittellatein läßt sich viel unfug treiben.
In den früheren Jahrhunderten, als die Volkssprachen der lateinischen näher
standen, ist es allerdings eine für die Wortforschung höchst wichtige quelle,
weil es reine formen gewährt. Seitdem aber jene sprachen selbst in schrift
auftraten, kann die Wissenschaft es fast entbehren, ja sie muß es nicht
selten von sich stoßen. Wie ungeschickt man seit dem zwölften Jahrhundert
latinisierte, davon reden beispide wie sessicare = altfr. Bescher; gordns
= altfr. gort, lat. gurges ; hommagium = altfr. hommage d. i. hominaticum.
Welch ein falsches bild gibt bos8a = /r. bosse; grasales^r. grazal, wo-
für bocia, gradale zu erwarten war! Der zweite theü enthält den jedem
der drei gebiete ausschließlich eignen sprachstoff **). In dem dritten dieser
gebiete habe ich, nicht ohne einiges bedenken, die französische form als die
bekannteste der provenzalischen voranzustellen mir erlaubt, um das nach-
schlagen zu erleichtern. Der walachischen in der fremde erzogenen, mit
den übrigen nicht aufgewachsenen tochter der römischen mutter habe ich
*) Ich bemerke hier noch: um nicht mit formen zu ermüden, habe ich im
L theile die port. form, wenn sie der span. gang nahe lag, häufig unterdrückt; seltner
die prov., da diese zugleich das höhere alter eines Wortes bezeugt.
**) Von den zahlreichen arabischen Wörtern im span. und port. konnte nur eine
auswahl aufgenommen werden. Sie sind mit latein. buchstaben geschrieben und zur
beglaubigung aus Crohns9 oder Freytag1 8 Wörterbüchern nachgewiesen.
X VORREDE.
*
keine eigne stelle eingeräumt, sie nur zur vergleichung zugelassen, nicht
anders die churwälsche. Die volksmundarten bieten der forschung ein
unschätzbares, nie zu erschöpfendes material, welches häufig Über buch-
stabenverhältnisse und begriffsentwicklung Überraschenden aufschluß gibt:
ich habe sie daher Überall zu raihe gezogen, so weit die mir gestatteten
hülfsmittd ausreichten, ihnen auch zuweilen beispiels halber kleine artikel
vergönnt Schade, daß wir nicht über recht viele derselben so einsichtige
und gewissenhafte Untersuchungen besitzen wie über die wallonische. Durch
die bemerkte Zerlegung des Stoffes wird auf den ersten blick klar, was
alle gemeinschaftlich besitzen, größtentheils das alte römische erbtheil, und
was jede noch besonders sich angeeignet hat; nur darf ich nicht unbe-
merkt lassen, daß ich die französische als die uns am nächsten liegende
vor den andern, wenigstens der spanischen, begünstigt habe. Von diesem
partiellen eigenthume der sprachen sind freilich viele der aufgenommenen
artikel als gesammtromanisclie abzurechnen, welche nicht wohl in die erste
abtheilung paßten, weil ihre etymologie in den übrigen sprachen auf der
hand lag. So schien z. b. das lat. apium (sp. apio, it. appioj in seiner
franz. form ache fremdartig genug, um in der partiell franz. abtheilung
eine stelle zu finden. Kleine inconsequenzen in der vertheilung der Wörter
mögen vorkommen, sie werden dem ganzen wenig schaden: das register
bürgt zuletzt für alles. Eine größere inconsequenz wird man vielleicht
darin finden, daß zietnlich regellos hier ein verbum, dort ein notnen an
der spitze eines artikels steht. Es ist in der that oft schwer zu sagen,
welche der beiden Wortarten als die primitive anzunehmen sei. Gewöhnlich
wird dies durch die etymologie entschieden, in andern fällen wird es
nicht zu kühn sein, sich in einer sachc von so geringer bedeutung durch
das gcfüfä leiten zu lassen.
Über die unlateinischen demente in den neuen sprachen habe ich
mich vor jähren ausführlich geäußert und finde an meiner damaligen auf-
fassung der sache nichts wesentliches zu ändern. Richten wir aber noch-
mals den blick auf die Ursprachen, um etwaigen charakterzügen oder resten
derselben in den einzelnen gebieten auf die spur zu kommen.
Für die kenntnis der italischen Ursprachen sind in neuerer zeit
wieder bedeutende denkmäler aris licht gezogen und der bau jener sprachen
so wie ihr Stammverhältnis zum latein sorgfältig erörtert worden. Die
wichtigste der unteritalischen durch höhlere ausbildung, längere dauer und
durch grösseren umfang ihrer Überreste ist ohne zweifei die pskische. Ver-
gleicht man sie nun mit der italienischen, so verräth diese nicht das ge-
ringste von den lautgesetzen der ersteren. Die oskische abneigung vor der
assimilation der consonanten ist grade das gegentheil des lateinischen im
italienischen noch weiter ausgebildeten Verfahrens. Man )iat den oskischen
VORREDE. XI
gebrauch, gewissen vocalen ein i vorzusetzen wohl mit einem ähnlichen
neapolitanischen verglichen, gewiß aber nicht in der Voraussetzung eines
historischen Zusammenhanges, um so weniger als der neap. gebrauch unter
einen andern gesichtspunct, den der diphthongierung zu stellen ist, die
sich übrigens ganz auf den vocal e beschränkt. Als ein bedeutsamerer
beriihrungspunct dürfte die osJcische neigung, tenuis in media zu verwandeln,
bemerkt werden, aber auch hieraus würde sich keine folgerung für das
italienische ziehen lassen. Jene neigung ist gemeinromanisch, hat in den
verschwisterten mundarten noch weit stärker eingegriffen und läßt eine
tiefere nicht bloß durch berührung mit einer nachbarsprache geweckte an-
läge vermuthen. Doch sind solche gemeinsame züge, welche verschiedene
sprachen auf einem und demselben boden zu erkennen geben, der erwähnung
nicht unwerth, und so möge denn auch noch an den umbrischen und vols-
kischen Wegfall des flexivischen t in der conjugation (habia = habeat) er-
innert werden. Von der etruskischen spräche aber darf man völlig absehen:
was man fast nur aus eigennamen Über ihre stammesart und über ihren
bau weiß oder vermuthet, findet auf dem ganzen römischen gebiete keinen
anklang. Diese abwesenheit oder dieses nur in leichten und zweifelhaften
spuren hervortretende dasein grammatischer züge der altitalischen idiome
in der römischen Volkssprache, soweit die vorhandenen mundarten auf
deren gestalt zu schließen berechtigen, hindert indessen nicht, das ganz,
naturgemässe eindringen zahlreicher provincialismen aus den untergegangenen
idiomen in dieselbe anzunehmen, ja diese annähme ist eine durch die läge
der sache gebotene, da sie allein den zufluß heterogener im italienischen
enthaltener, in keiner der angränzenden sprachen vorfindlicher demente zu
erklären vermag. Nachweislich sind diese demente freilich nicht mehr, da
die Wörterbücher der untergegangenen sprachen fehlen. Ungeachtet des
einflusses dieser altitalischen demente ist die italienische spräche unzweifel-
haft unter den romanischen die am wenigsten gemischte. Dies gilt aber
nur von den mittleren dialecten, welche das lateinische erbtheil am reinsten
in sich begreifen. Die südlichen lassen manches griechische und einiges
arabische erkennen, das den andern abgeht. Durchmustert man aber, über
die gränzen des alten Italiens hinausgehend, die nördlichen, die cisalpi-
nischen mundarten, so glaubt man sich in eine andre weit versetzt: in
dieser weiten landschaß, zumal in der großen ebene zwischen den Alpen
und dem Po, hol die gewaltige römersprache die volksmundarten nicht be-
wältigen, sich des einflusses andringender barbarensprachen nicht erwehren
können. Der zufluß deutscher, zum theil recht merkwürdiger Wörter kann
hier nicht überraschen; wer aber celtische reste von einiger erheblichkeit
erwartet, wird sich bald getäuscht sehen: das gesammte italienische gebiet
möchte deren nur wenige aufweisen, die Schriftsprache enthält vielleicht
nicht ein einziges wort dieses Stammes, welches sich nicht auch im proven-
XII VORREDE.
edlischen oder französischen vorfände. Eine sorgfältige etymologische
Untersuchung besonders der zunächst an den Alpen oder in denselben
liegenden dialecte würde der Sprachgeschichte reichlichen gewinn zuführen:
Monti's comaskisches Wörterbuch liefert für einen (heil derselben schon ein
treffliches material, das in Verbindung mit dem ertrage churwälscher und
andrer Wörtersammlungen die linguistische Bedeutsamkeit jener dialecte
hinlänglich übersehen läßt
Wenn in Italien die alten landessprachen so weit ausgerottet wurden,
daß keine von ihnen in ihrem selbständigen dasein auch nur das Au-
gustische Zeitalter erreichte, so lebt in Spanien die iberische Ursprache
dagegen bis auf den heutigen tag im baskischen fort. Aber auch diese
Sprache kann Zeugnis ablegen, wie weit die zerstörende gewalt der römischen
sich erstreckte, da wo es galt eine nationalität zu vertilgen. Denn daß
es jener gelang, in einer entlegenen gebirgsgegend ihr dasein fortzusetzen,
sagt wenig gegen die allgemeine niederlage. Man weiß, daß schon Sträbo
(3, 2 extr.) den Turdetatiern, einem gebildeten südspanischen volke, das
eine einheimische litteratttr aufweisen konnte, den gänzlichen Umtausch ihrer
spräche gegen die lateinische nachrühmt; dass der spätere Columdla viele
provincialismen des bereits über das platte land der halbinsel verbreiteten
lateins anführt; daß aber auch andrerseits Cicero (de divin. 2, 64) des
daseins einer hispanischen spräche gedenkt; und daß nach Tacitus (annal.
4, 45) ein landmann aus dem diesseitigen Spanien vor gerieht die spräche
seiner väter redete. Aber seit der erwerbung der römischen civität wurden
die spanischen Völkerschaften wie die italischen sehr bald in Römer ver-
wandelt. Sehen wir jedoch näher zu, ob sich in der spanischen mundart
nicht noch irgend ein baskischer zug entdecken läßt. Als einen solchen
führt Larramendi in seiner grammatik (p. 10. 11) die mit der endung ez
gebildeten patronymica an, Rodrigo Rodriguez, Fernando Fernandez nach
dem bask. berun blei, berunöz von blei. Aber verdacht gegen diesen Ur-
sprung erregt die von seinem Verfechter selbst eingestandene thatsache,
daß sich die Basken dieser form für patronymica nicht einmal bedienen,
daß sie z. b. Manuel de Garagorri sagen statt Garagorriez. Vielmehr
scheint ez, ursprünglicher ix, nichts anders als die gofhische genitivendung
ig, wobei filius zu supplieren: Roderiquiz in Urkunden, später Rodriguez
ist = goth. Hröthareikis, Fredinandiz Fernandez = goth. Frithanantis.
Diese endung wird denn auch auf unpassende fälle angewandt: statt
Flori, Fortuna, Pelagii, Petri, Sanctii sprach man Floris Florez, For-
tunez, Pelaez, Perez, Sanchez, genau wie man in den tagnamen die genitive
Miercoles = Mercurii, Lunes = Lunae (dies) der grammatik abtrotzte.
Was Larramendi sonst noch hervorhebt, das ableitungssufßx eria (sp.
porqu-eria von puerco = bask. ero-querfa von erö, p. 262), oder in der
conjugation die Umschreibung mit habere (p. 48), zerrinnt von selbst in
VORREDE. XIII
nichts. Sollte aber das span. lautsystem, vornehmlich da wo es sich vom
lateinischen oder dem der schwestersprachen lossagt, nichts vom iberischen
Charakter verrathen? Zu vergleichungen sind hier besonders die lippen-
buchstaben geeignet. Anlautendes lat. p wird im baskischen nicht selten
zu b (botherea = sp. poder, lat. posse) und dies ist ganz unspanisch. Der
Baske hat eine nicht zu verkennende scheu vor dem f ; nicht so der Spa-
nier, wenigstens ist die ihm eigene Verwandlung des anlautenden f in h
etwas später entwickeltes, seiner ältesten spräche noch fremdes. V fehlt
dem Basken gänzlich: seine stelle versieht b, ja selbst m, letzterer Über-
gang dem Spanier ganz unbekannt. Das unlateinische im spanischen ein-
heimische ch ist allerdings auch ein sehr üblicher baskischer laut, der aber
etymologisch mit dem spanischen buchstaben wenig berührung hat, indem
er häufig spanischem g, c, z, j, x entspricht; auch haben die schwester-
sprachen ihn eben so wohl entwickelt. Doch wäre es nicht unwichtig zu
wissen, ob dieses polatale ch nebst ts, z, tz, wie Humboldt voraussetzt,
wirklich alte iberische laute gewesen: darüber konnte erst die entzifferung
des einheimischen alphabetes aufschlug bringen. Ein andrer unlateinischer
laut, das aspirierte g oder j, fehlt im baskischen, dafür sieht y (sprich
wie itai. j), d. h. die spräche beharrte bei dem erweichten oder halbvoca-
tischen g, woraus, wie aus dem latein. j, die span. ausspräche nachher
eine aspirata machte (Born. gr. i*, 268 — 9), z. b. bask. yendea = sp.
gente. Ohne mühe lassen sich noch andre nicht minder scharfe Wider-
sprüche in beiden sprachen auffinden, z. b. das im baskischen vor anlau-
tendem t vorschlagende a oder e (arraza = sp. raza, erribera = ribera).
Dagegen treffen sie zusammen in dem ganz unlateinischen gebrauche, das
anlautende s impurum auf ein vor gefügtes e zu stützen; auch darf noch
ein punct, worin sie sich beide zu begegnen scheinen, erwähnt werden.
Der Baske, dem zusammentreffen von consonanten überhaupt nicht hold,
schiebt gerne zwischen muta und r oder auch zwischen muta und 1 einen
vocal ein: apirilla (aprilis), guiristinoa (sp. cristiano), liburua (libro),
khumtzea (crutz), poroganza (probanza), pulumpatu (pr. plombar). Das-
selbe thut auch der Spanier und Portugiese, z. b. sp. engarrafar (für
engarfar), taragona (draco), pg. caranquejo (pr. cranc), bara$a (bra^a),
coro^a (croca), sp. coronica (chronica), pg. gurumete (neben grumete)
gurupa (neben grupaj, sp. filibote (neben flibotej u. dgl.; doch ist dabei
nicht unbemerkt zu lassen, daß auch andern roman. mundarten dies aus-
einanderhalten der consonanten nicht fremd ist, wenn sie auch einen
mäßigeren gebrauch davon machen, überblickt man solche thatsachen, so
wird man sich überzeugen müssen, daß sich unter dem eisernen joche der
latein. spräche von den naturanlagen oder den grammatischen eigenheiten
der iberischen in der spanischen wenig hat behaupten können. Nicht ein-
mal läßt sich eine irgend erhebliche anzahl baskischer Wörter in den an-
XIV VORREDE.
grunzenden rotnan. sprachen nachweisen: sie werden sich, manche zweifel-
hafte mitgerechnet, noch nicht auf hundert belaufen. Freilich ist dies nur
der ertrag einer bloß auf die Oberfläche gerichteten prüfung; ihn zu ver-
mehren, wird dem tiefer eindringenden äuge des kenners sicher gelingen.
Ohne zweifei aber hat das von fremden sprachen eingeengte baskische gebiet
einen großen theil seines alten Wortschatzes eingebüßt. Eben darum ist
die Untersuchung des Span, sprachstoffes so schwierig. Wörter baskischen
Ursprungs hat unter andern Larramendi in großer zahl zusammengetragen
und gedeutet. Seine deutungen aus aneinandergefügten oft unscheinbaren
dementen rechtfertigt allerdings die natur der baskischen spräche; wenn
aber aus dieser Zergliederung ein dem warte nicht wesentlich zukommendes
merkmal hervorgeht, so können sie höchstens nur auf den ersten blick
täuschen. Span, lona heißt Segeltuch, vom bask. lo-ona d. i. guter schlaf,
weil es sich zu zelten eignet, und in zelten schläft sichs gut. Solcher
etymologien finden sich hunderte bei ihm. Ich habe indessen aus seinem
Verzeichnis, mit wenigen ausnahmen, alles was mir auch nur leidlich
haltbar schien, in gegenwärtiges buch eingetragen. Wichtig ist hier die
frage: soll man alle spanische Wörter, die man außerdem nur in jener
Ursprache bemerld, daraus herleiten? Soll man letztere in so weit gleich-
stellen mit der arabischen oder deutschen? Mir scheint bei der starken
mischung des baskischen mit romanischem die baskische herkunft eines
Wortes nur da annehmbar, wo .sich seine ursprünglichkeit auf diesem boden
nachweisen läßt, eine f orderung, welche auf die nicht romanisch versetzten
sprachen keine anwendung findet. Aber wo dieser forderung genüge ge-
schieht, mag der baskische Ursprung bei partiell spanischen Wörtern dem
gothischen vorangehn, nicht eben dem arabischen. Wie kommt es aber,
daß so viele baskische im spanischen vorhandene Wörter, fast zwei drittel
von allen, dem Portugiesen fehlen, ohne daß er eines ähnlichen Schatzes
ihm ausschließend eigner Wörter aus jener spräche sich rühmen kann?
Waren die Iberier, wie auch Humboldt in seinen Untersuchungen über die
urbewohner des landes feststellt, in Lusitanien weniger verbreitet, so daß
ihre spräche daselbst einen geringeren eindruck zurückließ, oder drangen
jene Wörter erst später aus dem baskischen in das nahe spanische gebiet
ein, ohne das entlegenere portugiesische gebiet zu erreichen?
Die wichtigste der Ursprachen Frankreichs ist die celtische. Ich
habe, als ich die bestandtheile der romanischen sprachen untersuchte, dem
cellischen demente wenigstens nach allgemeiner Schätzung sein recht wider-
fahren zu lassen mich bemüht und die zweifei an seinem Vorhandensein
bestritten; ein genaueres eingehn in die sache durfte ich mir bei mangelnden
Vorstudien nicht erlauben. Seit jener zeit aber sind wir durch eindringliche
forschung über den grammatischen bau und zumal über den Zusammenhang
der celtischen sprachen mit den indo-germanischen besser aufgeklärt worden
VORREDE. XV
und diese beobachtungen dürfen auch an der romanischen etymologie nicht
ohne erfolg vorübergehn. Das Stammverhältnis der neueren celtischen Völker,
der Iren, Gaden, Kymren und Bretonen zu den alten wird von den ge-
schichtschreibern zwar sehr verschieden und oft in ganz entgegengesetztem
sinne beurtheilt; wie aber diese fragen einst gelöst werden mögen, für die
beurtheilung des celtischen dementes in den aus dem latein entstandenen
sprachen scheint diese lösung nicht von großem belang. So viel darf als
thatsache, gewiß keine unerhebliche, ausgesprochen werden, daß die franz.
und prov. spräche, auf die es hier am meisten ankommt, der kymrischen
naher stehen als der irisch- gaelischen sowohl in betreff der menge als auch
der gestalt der dem celtischen und romanischen gebiete gemeinsamen Wörter.
Auch die westromanische scheu vor anlautendem s impurum findet sich
nur in dem kymr. zweige wieder. Manches gewährt die bretonische mund-
art, was die übrigen verweigern, und wohl darf man acht celiisches, vielleicht
selbst altgdllisches, darunter vermuthen, allein die erstaunliche mischung
derselben mit französisch macht diese quelle, wo sie für sich allein fließt,
für die kritische etymologie fast unbrauchbar, fast nur zur verglekhung
noch tauglich. Dagegen vergönnt diese mundart der roman. Sprachforschung
einen andern vortheil, der den etymologischen wohl noch überwiegen dürfte:
sie ist nicht allein eine fundgrübe altfranzösischer Wörter und bedeutungen,
sie liefert auch zur geschickte der französischen ausspräche schätzbare
aufUärungen.
Die art des Übertrittes aus der celtischen in die romanische sprach-
form hat nichts besonderes, so weit sich bei der geringfügigkeit des Stoffes
bestimmte gesetze aufstellen lassen. Das was dem etymologen manches
bedenken macht, ist die collision des celtischen Stoffes mit dem germanischen,
und hierüber jemals ganz ins reine zu kommen d. h. zu bestimmen, welcher
von beiden Sprachfamilien der Romane ein in beiden vorhandenes wort
zunächst schulde, ist kaum zu hoffen. Doch gilt dies nur in einzelnen
fällen, denn nicht selten läßt sich aus inneren oder äußeren gründen die
frage zum vortheil der einen oder der andern dieser sprachfamüien ent-
scheiden. So wird man bei gleichen formdien ansprüchen ausdrücke für
naturgegenstände als alteinheimische lieber zum celtischen als zum germa-
nischen demente rechnen. Die Verbreitung eines Wortes durch mehrere
sprachen des einen gebietes gegenüber dem vorkommen desselben in einer
dnzdnen spräche des andern wird für seine ursprünglichkeit in dem
ersteren Zeugnis ablegen, wo nicht besondere anzeichen für das umgekehrte
Verhältnis sprechen. Entscheidender aber sind gewisse formelle kennzeichen,
wie denn die form dem etymologen überall den sichersten, von subjectiver
auffassung unabhängigsten anhält bietet. Solche kennzeichen liegen unter
andern in einzdnen spuren der deutschen lautver Schiebung, wenn z. b. das
itcd. tetta auch citta, cizza lautet, cdtisch aber nur teth. Sodann in dem
XVI VORREDE.
deutschen ableitenden i oder j mancher Wörter, wie itcd. boriare, althochd.
burgan, altgael. aber schlechtweg bor. Wo es aber an allen inneren und
äußeren henneeichen gebricht, da ist in betracht des unverhältnismäßigen
übergewichtes der deutschen besfanätheüe die Wahrscheinlichkeit für diese
spräche, für die celtische nur die möglichkeit. Dieses übergewicht des
deutschen dementes über das alteinheimische ist eine unläugbare thatsache
und jedes sträuben gegen seine anerkennung eine thorheit. Wahrlieh, die
Römer müssen reine arbeit gemacht haben, als germanische Völker sich in
Gallien festsetzten! Es wird kaum übertrieben sein, wenn man behauptet,
daß der einzige buchstabe H im französischen nicht viel weniger deutsche
als alle buchstaben zusammengenommen celtische Wörter in sich begreifen.
Erinnert man sich freilich des umstandes, daß die Franken mitten unter
den Romanen ein halbes Jahrtausend hindurch die spräche ihrer väter
fortredeten, daß in demselben maße wie die deutschen Wörter im franzö-
sischen zunahmen, die ceitischen abnehmen mußten, denn jede spräche sucht
sich ihres Überflusses zu entledigen, so erklärt sich diese er scheinung auf
die natürlichste weise.
Sollte es aber auch dieser Ursprache nicht gelungen sein wenigstens
ein fünkchen ihres geistes im französischen fortglimmen zu sehen? Es
mangelt in der that nicht an zusammentreffenden zügen. So das genus,
welches in beiden sprachen nur zweierlei ist, männlich und weiblich, früher
dreierlei war. Aber der Untergang des neutralen geschlechtes im fran-
zösischen ist sicher älter als im ceitischen und zum theil von andern um-
ständen begleitet, indem dort zahlreiche neutra in ihrer pluralform zum
feminin, hier alle zum masculin übertraten. Giengen doch auch die ver-
schwisterten mundarten denselben weg ohne rücksieht auf die sitte altein-
heimischer oder später eingebrachter sprachen: überall ward das masculin
und feminin festgehalten, das neutrum aufgegeben. Nicht anders wird es
sich mit einem andern gemeinschaftlichen zuge, der präposüionalen decli-
nation, verhalten. Selbst die altfranz. oder prov. Unterscheidung des casus
rectus und oHiquus (nom. sg. amic-g, acc. amic, pl. amic, acc. amic-sj,
worin man einen wiederschein der gadischen einrichtung (nom. sg. bard,
gen. baird, nom. pl. baird, gen. bard) zu erblicken glaubt, schmiegt sich
innig an das lat. Verhältnis, so daß sie sich gar wohl ohne äußere ein-
wirkung entwickelt haben kann, wie denn auch die gaelische einrichtung
in einem erheblichen puncte von der romanischen abweicht, da sie den dativ
sing, dem nominativ gleichbildet. Offenbar celtisch aber ist im französischen
das zählen mit zwanzigen, welches neben der lateinischen methode in an-
Wendung blieb: altfranz. treiö yinz (60), treis vinz e dis (70) u. s. f.
Auch scheinen in der syntax einige celtische spuren durchzublicken: an
eine fremde Wortfügung, wobei es auf eine völlige verläugnung des ein-
gesogenen Sprachgefühles ankommt, gewöhnt man sich minder leicht als an
VORREDE. XVII
fremde Wörter und flexionen. Dahin dürfte man etwa rechnen, daß es
im hymrischen dem genitiv vergönnt ist, ohne präposition hinter dem
regierenden nomen platz zu nehmen wie im franz. hötel dien; daß, gleich-
falls im hymrischen, das possessive Verhältnis eines Substantivs durch die
präp. i = roman. a = engl, to bezeichnet wird wie im cdtfranz. la gent
an roi, engl, servant to bis master; daß im gaelischen die Bedeutung ge-
wisser adjectiva durch ihre Stellung vor oder hinter dem Substantiv bedingt
ist wie im franz. hoimSte homme und homme honnete; daß daselbst
gleichnamige personen durch cardinalzahlen unterschieden werden wie im
franz. Henri qnatre ; und wieviel der Meinen züge sonst noch sein mögen,
auf die man sich hier berufen könnte.
Aber edles was fremde sprachen beigetragen haben, wiegt noch nicht
den zehnten theil des lateinischen bestandtheiles auf. Ihm fallen fast
sämnUliche grammatische Wörter (partikeln, pronomina), ohne die es kaum
möglich ist auch nur einen salz zu sprechen, ihm die wichtigsten begriffe
zu, die das leibliche und geistige leben berühren. Darum ist dem Romanen
latein gleichbedeutend mit spräche, mundart, und lateinisch gleichbedeutend
mit deutlich, leicht, bequem. Bei weitem die meisten stamme der alten spräche
behaupteten sich in der neuen, und um den vertust zu ersetzen, spalteten
sich viele Wörter in mehrere formen mit eignen bedeutungen, welche die
stelle selbständiger Wörter einnahmen. Daß diesem bestandtheüe sein recht
gewahrt werde, gehört zu den grundsätzen der romanischen Wortforschung:
unfehlbar wird demselben bei aufmerksamer Beobachtung noch manches
miskannte wort wieder zugeführt, manches neue gewonnen werden. Dazu
muß man alle quellen der lateinischen spräche benutzen, denn die roma-
nische birgt mehr dÜerthümtiches oder verschollenes in sich, als man ihr
obenhin angesehen zutrauen möchte (man lese Potts inhaltreiche abhandlung
Plattlateinisch und romanisch), und in so fern kann sie auch der latei-
nischen Sprachkunde, was von den pflegern derselben noch nicht in rechtem
maße erkannt worden, hülfreiche hand leisten.
Einige gegenstände von praktischem belang lassen sich besser hier als
in dem wörterbuche selbst anbringen.
Die etymologie hat ihre wissenschaftliche grundlage in der lautlehre:
bei jedem schritte, den der etymologe thut, muß er sie im sinne haben.
Es kommt indessen vor, daß die spräche in der büdung oder ausprägung
der Wörter von ihren eigenen gesetzen abweicht und sich ganz von dem
gefühle des Wohllautes oder der Zweckmäßigkeit leiten läßt, indem sie z. b.
die Wiederholung eines buchstabens entweder meidet oder herbeiführt, oder
indem sie verwandte begriffe formell zu nähern, unverwandte oder weniger
verwandte zu trennen sucht. Diese kleinen gefühlsäußerungen der spräche
kann die lauÜehre allenfalls unberührt lassen, sie fällen aber recht eigent-
lich der etymologie anheim und dürfen hier nicht unerwähnt bleiben. Es
B
XVffi VORREDE.
sind hauptsächlich folgende. 1) Assimilation getrennter conso-
nant en. Sie setzt die Organenverwandten (zuweilen selbst unverwandten)
anlaute zweier auf einander folgenden silben gleich, z. b. it. Giciglia für
Siciglia, fr. chercher für cercher, picard. chorchier für sorchier (fr.
sorcierj, champ. chouche für souche, sp. salchicha für salsicha, aUcat.
xixanta für sixanta, it. zezzo für sezzo, pipistrello für vipistrello, fan-
faluca für panfaluca, sp. nono für nono, limous. mamela für lamela,
neupr. founfoni für symfoni. — 2) Dissimilation (Potfs Forschungen
II, 66 ff.). Vermöge derselben wird ein consonant, der sich in einer der
folgenden silben wiederholt, in einen andern desselben Organs umgesetzt: it.
veleno für veneno, fr. nomble für lomble, pr. namela für lamela, it. pelle-
grino für peregrino, fr. flairer für frairer, sp. sastre für sartre, altfr.
varvassor für vasvassor, veron. lolpo für polpo, fr. vague für gague und
zahlreiche andre. Die Verwandlung trifft zuweilen auch den zweiten
consonant en: it. filomen»/ur filomela, fr. crible für cribre, gencive für
gengive. Nicht selten muß einer der anstößigen consonanten weichen,
gewöhnlich der erste: sp. postrar für prostar, pr. penre für prenre, ital.
cavicchia für chiavicchia (ch = cl), fr. foible für floible, it. ghiado für
ghiadio (i = l), sp. cribar für cribrar. — 3) Vereinfachung schein-
barer reduplication. Auf die unter 1. bemerkte weise entsteht für das
gehör eine art reduplication. Dagegen wird, wenn die erste und zweite
silbe eines Wortes mit demselben consonanten anheben, worauf derselbe
vocal folgt, die erste sübe als ob sie eine unnütze reduplication wäre, zu-
weilen abgestoßen: it. cenno wohl von cincinnus, zirlare von zinzilulare,
neap. tellecare von titillicare, fr. gourde von Cucurbita, pr. paver von
papaver, ähnlich sp. Santa Cilia (ortsname) von Sancta Caecilia. Die
der spraclie der kinder abgelernte getnination (fr. bobo, dodo) hat nur in
volksmuhdarten würzet gefaßt. — 4) Auch die vocale unterliegen eupho-
nischen eintoirkungen. Beachtenswerth für die etymologie ist die begün-
stigung des a in erster unbetonter silbe in der art, daß e und i
häufig in diesen vocal verwandelt werden. Es geschieht dies am liebsten,
wenn die betonte zweite silbe ein a enthält, aber auch ohne dies oft genug.
Einige beispide sind: it. baleno, bardosso, ciascuno, danaro, ganascia,
guareuto (alt), lattovaro, laveggio, magrana, marangone, inaraviglia,
margotto, marmaglia, racchetta, salvaggio, sampogna, tanaglia, taradore,
tramaglio. Am häufigsten kommt dies vor im franz., welches sonst a in e
zu schwächen geneigt ist: balance, barlong, barette, calandre, carcan,
carmin, chacun, craanter (alt), cravanter (alt), dauphin, falaise, farouche,
garant, garou, ganache, jaloux, marchand, marcotte, panacke, paresse,
rangon, raquette, sarcelle, sauvage, tarin, tariere, tramail u. dergl. —
6) Ein andrer dieser züge ist die anbüdung} vermöge welcher ein wort}
sei es nun ein vorhandenes oder ein erst zu schaffendes, einem andern,
VORREDE. XIX
begriffsverwandten in seiner gestalt angenähert, gewöhnlich in seiner endung
gleichgesetzt wird. So ist alt fr. octembre gebildet nach septembre, no-
vembre, decembre, fr. mensonge nach chalonge, chapuiser nach menuiser,
ältfr. boisdie nach voisdie, it. böffice nach söffice, sdrucire nach cu-
cire, neap. Carella (Carybdis) nach Scella (Scylla). Ital. greve ist eine
anbildung an seinen gegensatz leve, pria mit seinem a an poscia. —
6) Durch mischung der stamme einigen sich zuweilen zwei begriffsver-
wandte in einem und demselben warte, es wird gewissermaßen ein reis auf
einen fremden stamm geimpft. An fr. rame z. b. haben remutf und ramus
theil ; an selon secundum Und longum, an haut altus und unser hoch, an
refuser sowohl recusare wie refutare, an it. carcame sowohl arcsftne wie
carcasso. — - 7) Wie in dem letzten feile zwei Wörter in eins zusammen-
fließen, so kann auch um der begriffsunterscheidung wüten, ohne rücksicht
auf die lautregel, ein wort in zwei auseinandergehe z. b. it. manco
mangelhaft, monco verstümmelt, beide von maneus; rifutare widerlegen,
rifiutare verschmähen, von refutare ; sp. calar niederlassen, eallar schweigen,
von yaXtfv; fr. däsigner anzeigen, dessiner zeichnen, von designare.
Weit häufiger geschieht dies vermittelst erlaubter formveränderungen wie
im it. rio schlimm, neben reo schuldig, pesare wägen, neben pensare
denken. Eine andre art dieser scheideformen ist, wenn ein wort, um
nicht mit einem andern, gleichlautenden zusammenzufallen, eine mehr oder
weniger starke formveränderung annimmt: so it. pioppo von pöpulus
pappd, wegen popolo volk; melo von malus apfelbaum, wegen malus böse;
pigliare nehmen, von pilare, wegen pillare stampfen, von plla; sp. cerrar
schließen, von sera, wegen serrar sägen, von serra; pr. monestar mahnen,
von monitare, wegen raontar steigen, von mons; fr. ätang teich, von
stagnum, wegen 6tain zinn, vom altlat. stagnum. — 8) Nicht selten wird
ein in seinen Bestandteilen unverständliches wort durch theilweise ver-
tauschung oder Übersetzung mit einem ähnlichen romanischen gedeutet, ein
sinnreiches mittel fremdlinge ganz heimisch zu machen. Beispiele dieser
umdeutung sind: it. battifredo, badalisco, guiderdone, Gibilterra (Gi-
braltar), malvagio, sp. malenconico, it. manovaldo, altfr. mainbournir,
candelarbre, nfr. choucroute, orange, worin man leicht die mit battere,
badare, dono, terra, male, mano, arbre, chou, or vollzogene umdeutung
erkennt. Im fr. main de gloire (für mandegliere aus mandragora) be-
schränkt sich die umdeutung nicht auf einen theil des wortes. Span. Sierra
morena (schwarzes gebirge) soll aus mons Marianus abgeändert sein. Be-
kannt sind Longobardus und baccalaureus.
Dem naturausdruck als bildungsmittel der neuen spräche ist kein zu
weites fdä einzuräumen: manches wort, das man auf diesem wege ent-
standen wähnt, kann sich noch als Sprößling eines alten Stammes aus-
weisen. Doch hat dieses mächtige bildungsmittel hier, wie überall, reichlich
XX VORREDE.
gewuchert und seine fruchte können ihre Herkunft so wenig verläugnen,
daß mir ihre vollständige aufnähme überflüssig schien. Viele dieser natur-
producte lassen sich mit ähnlichen in fremden sprachen zusammenstellen,
aber nicht mit Sicherheit daraus herleiten.
Es wären noch manche für die etymologie nicht gleichgültige beob-
achtungen zur spräche zu bringen. Da sie aber alle in das gebiet der
grammatik gehören, so lasse ich sie hier unberührt; nur einigen dringenden
fragen aus der Wortbildung kann ich die erwägung auch an dieser stelle
nicht versagen. Die latein. spräche sieht unbedenklich adjectiva aus verbal-
stammen durch bloße anfügung nominaler suffixe: fidus, parcus, vivus,
congruas entstehen aus fidere, parcere, vivere, congruere. Rom. gramm.
[1. ausg.] II, 235 hatte ich diesen Vorgang in den neuen sprachen als
einen höchst seltenen zugelassen: er ist aber gar nicht einzuräumen: die
spräche erfreut sich eines solchen Überflusses ausdrucksvoller adjectiv-
suffixe, daß sie neuen bildungen jener art ganz entsagen durfte. Allerdings
gibt es mehrere romanische adjectiva, die sich zu verbis zu verhalten
scheinen wie die eben genannten lateinischen. Es sind etwa folgende:
sp. furo, verbum lat. furere; it. folle, fr. fou, vb. lat. follere; pr. clin,
vb. clinare; fr. mundartl. gonfle, vb. gonfler; fr. morne, vb. goth. maür-
nan. Furo und folle lassen sich von den Substantiven für und follis her-
leiten; clin und gonfle sind abgekürzte participien = it. chino, gonfio;
für morne endlich wird man ein deutsches adjectiv muthmaßen dürfen.
— Etwas bedenklicher ist eine andre, ganz verwandte frage. Werden
substantiva persönlicher bedeutung auf eine eben so einfache art, ohne
syllabisches sufßx, aus verbis gezogen wie substantiva sächlicher bedeutung?
Die latein. spräche ist mit solchen bildungen sehr sparsam: scriba, coquus,
dux, rex sind beispiele, andre bemerkt man in cofnpositis. Es ist der
mühe werth, die romanischen falle, die eine solche entstehung zu fordern
scheinen, mit einiger Vollständigkeit zusammenzustellen. Masculina sind
it. furbo, vb. forbire ; it. mundartl. lecco, vb. leccare ; it. allievo, fr. 61eve,
vb. allevare, elevare; sp. trasgo, vb. trasegar; fr. juge, vb. jnger. Furbo
und lecco können in gleichlautenden ahd. Substantiven ihren grund haben;
allievo und 61dve verhalten sich nach ihrer bedeutung mehr wie sächliche
als persönliche Wörter und dürfen darum beseitigt werden; trasgo ist
zweifelhaft, da trasiego zu erwarten stand; unläugbar aber ist juge, das
jedoch nicht ohne grund aus juger gezogen ward, s. IL c. Was die aus
verbis gezogenen masculina auf a betrifft, so hatten sie früher wohl eine
rem sächliche bedeutung und wurden nachher auf personen übertragen,
wie das nicht verbale boja die bedeutungen fessel und henker ausdrückt:
so denn auch sp. boga rüderer, von boga, in derselben bedeutung auch
feminin (eigentl. rüder, wiepg. voga), so it. spfzzeca knicker (hneipzange?)
von pizzicare; bei andern wie sp. farfulla Stammler, von farfullar, pg.
VORREDE. • XXI
beberrica trinket, von beberricar, ist dies weniger ersichtlich. Die aus
verbis gezogenen feminina sind ursprünglich abstracta gewesen und in
concrete persönliche bedeutung übergetreten: so it. ascolta schildwache
(aufhorchung), scorta begleiter (begleitung), pr. bada Wächter (obacht),
uca ausrufer (ausruft crida schreiet (schrei), it. gonfia glasmacher (auf-
blasung); bei it. trecca höfierweib, vb. treceare betrügen, mag diese be-
griffsenttcicklung zweifelhafter sein. Aus dem allem ergibt sich aber doch
die ungewißhext dieser ableitungen, mit deren annähme also der etymologe
vorsichtig verfahren muß.
Bonn im juli 1853.
II. In der vorliegenden zweiten ausgäbe habe ich einen großen
theil der in der ersten enthaltenen artikel einer neuen prüfung unterzogen,
welche nicht selten auf andre ergebnisse geführt hat. Zu dieser prüfung
gaben die seit der herausgäbe des buches in etymologischen Schriften jeder
ort erschienenen sehr zahlreichen bemerkungen, so weit sie zu meiner
kenntnis gelangt sind, den hauptsächlichsten anlaß. Die meisten derselben
wurden schon vor einigen jähren in einer kleinen schrift 'Kritischer an-
hang zum etymologischen wörterbuche genauer von mir besprochen; einen
theil ihres ifüialts habe ich den betreffenden artikeln dieser neuen ausgäbe
entweder in klammern beigefügt oder in den text einfließen lassen. In-
dessen trat die nothwendigkeit dieser ausgäbe so rasch und unerwartet
ein, daß ich nicht im stände war, auf alle ausgesprochenen deutungen
und einwürfe, selbst nickt auf alle diejenigen, welche zu meiner kenntnis-
nähme bestimmt schienen, einzugehen. Sofern ich sie unberührt lasse,
konnte ich ihnen auf meinem standpuncte allerdings nicht beipflichten, bin
aber weit entfernt, ihr verdienst in abrede zu stellen, überdies habe ich
das buch mit einigen hundert artikeln vermehrt, viele andre, wo es
wünschenswerth schien, etwas genauer ausgeführt.
Bonn im September 1861.
III. Da man in etymologischen dingen nicht überall zu unwiderruf-
lichen resultaten gelangt, so tritt auch diese dritte ausgäbe nicht unver-
ändert in die öffentlichkeit. Auch ist ihr ein Zuwachs von neuen artikeln
zu theil geworden. Das register hat mit rücksicht auf einen vielfach aus-
gesprochenen wünsch eine mehr praktische einrichtung erhalten.
Bonn im october 1869.
VORREDE ZUR VIERTEN AUSGABE.
Alle diejenigen, welche nicht nur Diezens lehre hochhalten und pflegen,
sondern auch seine eigenart, was methode und darstellung betrifft, zu
würdigen wissen, werden dem Verleger des Etymologischen Wörterbuchs
dank wissen, daß er diese vierte aufläge in unveränderter gestalt erscheinen
läßt. Sie werden mit ihm es , für gerathen, ja von den pflichten der pietät
für geboten halten, die werke des uns entrückten meisters so lange einer
um- oder Überarbeitung zu entziehen, als im kreise der schüler und nach-
eiferer der hauch seines genius noch lebendig empfunden wird. Man
hüte sich ebensosehr davor, dem worte eines edlen todten, der großes ge-
schaffen, eine unantastbare atäorität beizulegen, als seine persönliche arbeit
unter noch so preiswürdigem flickwerk zu verwischen.
Wenn es jedoch den Verleger drängte, unser buch, so wie es zuletzt
aus der feder des Verfassers geflossen, auf den markt zu geben, lag es
ihm nicht minder daran, dem unaufhaltsamen f ortschritte der Wissenschaft
rechnung zu tragen und die abnehmet der vierten aufläge für die diesmal
ausbleibenden Zusätze und Verbesserungen des autors einigermaßen dadurch
zu entschädigen, daß die wichtigeren ergebnisse der etymologischen forschung,
so weit sie seit dem erscheinen der dritten ausgäbe zu tage getreten und
den speziellen inhalt des Dicz' sehen Werkes berühren, in einem Anhang
zusammengestellt würden.
Daß ich auf sein ersuchen diese aufgäbe bereitwillig übernahm, möge
damit entschuldigt werden, daß es sich ja weniger ury eigenes schaffen
und urtheilen als um das sammeln, sichten und darlegen fremder arbeit
handelte und daß mir dadurch eine erwünschte gelegenhext geboten wurde,
dem dahingeschiedenen altmeister, in seinem geiste wirkend, den tribut
meiner Verehrung zu entrichten.
Ich habe zur erfüllung des mir gewordenen auftrags alles, was mir
in meiner isolirten Stellung zu Brüssel an Zeitschriften, commentaren,
Wörterbüchern und einschlägigen sonderarbeiten zu geböte stand, sorgfältig
durchmustert und dasjenige ausgezogen, was irgendwie für oder gegen die
VORREDE. XXIII
Dias* sehen aufstellungen verwerthet werden konnte. Selbstverständlich habe
ich nur solches aufgenommen, wozu sich ein berufener, mehr oder weniger
auf der hohe der wissenschaß stehender gewährsmann aufweisen ließ.
Einige wenige streng berücksichtigte notigen ausgenommen, fand sich im
nachlaß des seligen Verfassers kein tnaierial zur Vorbereitung einer -neuen
aufläge vor; nicht einmal ein zu diesem behufe annotirtes handexemplar
konnte ausfindig gemacht werden.
Sei der druck-revision des Diez'schen Werkes hatte ich manche ver-
anlassung, druckfehler, die sich in die früheren ausgaben eingeschlichen
hatten, zu beseitigen. Bei genauer nachträglicher prüfung haben sich im
ersten theile noch einige f eider als übersehen eruriesen; dieselben sind unten
angegeben. Das register habe ich erheblich, etwa um ein viertel der Wörter
vermehrt, so daß dasselbe bei dem gebrauche des Werkes als ausreichend
befunden werden wird.
Brüssel, im august 1878.
A. Scheler.
ABKÜRZUNGEN.
abl. ableüung.
ags. angelsächsisch.
ahd. althochdeutsch.
aJban. albanesisch.
altn. altnordisch.
alts. altsächsisch.
andal. andalusisch {nach dem wb. der
span. Äkad.).
arag. aragoncsisch.
bearn. bearnesisch (nach Honnorat).
bergatn. bresc. bergamaskisch und bres-
dänisch (nach G. Rosa),
berr. mundart von Berry (nach Jaubert).
bret. bretonisch,
bürg, burgundisch d. i. bourgognisch (nach
De la Monnoye, Mignard, dem Vocab.
langrois, dsgl. nach Monnier Vocab.
du Jura in den Mim. des antiq. de
France VI.),
cot. catalanisch.
champ. champagnisch (nach Saubinet Vo-
cabulaire rhnois und Tarbe).
chw. churw. churtcälsch (nach Conradi
und Carisch).
cimbr. eimbrisch, spräche der sieben und
dreizehn gemeinden (nach Schmeüer).
com. comask. comaskisch (nach P. Monti).
cremon. cremonesisch (nach Peri).
dauph. dauphinesisch (nach ChampoUion).
flor. florentinisch (nach verschiedenen
werken),
fr. französisch,
frs. friesisch*
gaüic. gaüicisch, in Spanien,
gase, gasconisch (nach Honnorat u. a.).
gen. genuesisch (nach Olivieri, ausg. von
1851).
genf. genferisch (nach dem Dict. gene-
vois),
hd. hochdeutsch,
henneg. hennegauisch oder rouchi (nach
Hecart).
it. italienisch.
Um. limous. limousinisch (eigentl. nieder-
limousinisch, nach B&ronie).
lomb. lombardisch,
lothr. lothringisch (nach Oberlin. dem Dict.
patois par L. M. P., Nancy 1842, und
Jaclot, Par. 1854).
mail. maüändisch (nach Cherubim. 2. ausg.
1839—43. IV.).
mhd. mittelhochdeutsch,
mlat. mittellateinisch,
mnd. mittelniederdeutsch,
mndl. mittelniederländisch,
moden. modetiesisch (nach Muratori u. a.).
ndd. niederdeutsch,
ndl. niederländisch,
nds. niedersächsisch,
neap. neapolitanisch (nach Galiani).
nfr. neufranzösisch,
nhd. neuhochdeutsch,
norm, normannisch (nach E. und A. Du
Mtrü).
npg. neuportugiesisch,
npr. neuprovenzalisch.
nsp. neuspanisch,
obd. oberd. oberdeutsch,
occ. occit. oecitanisehy mundart von Iam-
guedoc (nach Sauvages, dem glossar zu
Goudelin u. a.).
parm. parmesanisch (nach Peschieri und
Malaspina),
pg. portugiesisch.
pic. picardisch (nach H&cart und Corblet).
piem. piemontesisch (nach ZaUi u. Ponza).
pr. provenzalisch.
romagn. romagnolisch (nach Morri).
sard. sardisch (nach Porru, Spanu und
den gedienten Purqueddu's).
8 chw 2. schweizerisch.
sie. sicil. sicüianisch (nach M. Pasqualino
und Biundi).
sp. spanisch.
ABKÜRZUNGEN.
XXV
trient. trientinisch und roveretanisch (nach
AzzoUni).
val. valencianisch.
ren. venez. venezianisch (nach Patriarchi).
veron. veronesisch (nach Angeli).
vrlt. veraltet,
wal. walachisch.
teald. waldemisch (bei Raynouard, Hahn
u. a).
waUon. wallonisch (nach Eemacle und
Grandgagnage),
zsgs. zusammengesetzt,
zsgz. zusammengezogen,
zss. Zusammensetzung, Zusammensetzungen.
Agol. Agolant, im Ferabras.
Alex. Alexandre, ed. Michelant.
Alexs. Alexis, ed. Gessner.
Alx. Alexandro, p. p. Sanchez.
Anal, gramm. s. App. ad Prob.
Antioch. Chanson d'Antiochc, p. p. P.
Paris.
Apol. Apokmio, p. p. Ochoa.
App. ad Prob. Appendix ad Probum in
Analect. gramm. ed. Eichenfeld et End-
licher, p. 444 ff.
Archiv, stör. ital. Archivio storico italiano.
Aubery, p. p. TarbL
Aubri, im Ferabras.
B. Bartsch, Denkmäler der provenzalischen
litter atur.
Bari. Barlaam und Josaphat herausg. v.
Meyer und Zotenberg.
Bc. Berceo, p. p. Sanchez (Mtl. Milagros
de N. Ä; MM. San Millan; SDom.
San Domingo cet.).
Ben. Chronique de Benott, p. p. Michel.
Bert. Berte, p. p. P. Paris.
Bonves. Bonvesin, ed. Bekker.
Brand. Brandaine, p. p. Jubinal.
Briq. Briquigny et la Porte du Theü,
Diplamata Um. I. (ältere ausgäbe).
Brt. Brut, p. p. Leroux de Lincy.
Brun. Brunetti, Codice diplomatico, tom. I.
Bth. Poeme sur Boece, p. p. Raynonard.
Cal. e D. CaUla e Dymna, p. p. Gayangos.
Canc. de B. Cancionero de Baena.
Corp. Carpentier, Glossarium novum cet.
Cos. litt. Casae litterar um, ed. Lachmann.
Ccy. Histoire du chatelain de Coucy, p.p.
Crapelet.
C. d. Poit. Boman du comte de Poitiers,
p. p. Michel.
Charl. Charlemagne, p. p. Michel.
ChCyg. Le Chevalier au cygne, p.p. Beif-
fenberg.
ChLy. Le chevalier au lyon, ed. Holland.
Chr. d? Esel. Chronique deBernat d'Esclot,
p. p. Buchon.
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rabras.
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Yep. Yepes, Cronica de la orden de S.
Benito.
ERSTER THEIL.
GEMEINROMANISCHE WÖRTER.
A.
A und ad it., sp. pg. &, pr. a u. az, fr. k, wod. a, präposition, vom
lat. ad, vornehmlich auch als casuspartikel angewandt. Ob das rom. a
in gewissen fällen nicht vielmehr aus apud abgekürzt sei, darüber s. Born.
gramm. III, 160, 161. Eine zss. ist it. da, churw. dad, von de ad, be-
reits in Urkunden des 7. und 8. jh. vorhanden t (Born, gramm. II, 25),
entsprechend dem ahd. fona, nhd. von, atis af ana, nach Grimm IV, 782.
üeber das diesem ital. da begegnende oskisciie dat sehe man Bugge,
Ztschr. für vergl. sprachf. III, 419. Für da sprach man dltsardisch
daba, nach Delius nicht von de ad, sondern von de ab, s. dessen schrift
Ober den sard. diaiect p. 4.
Ab ig so it., pr. abis und abisme, fr. abtme, sp. pg. abismo, sard.
abismu abgrund, hoUe; vb. it. abissare und sobbissare, pr. abissar,
sp. abismar, fr. abimer, in den abgrund versenken u. dgl.; von abyssus
(aßvcoog). Wir haben, tote es scheint, in abisme, abismo einen substan-
tivischen Superlativ wie etwa in dem üblichen mlat. dominissimus vor uns,
man wollte damit den tiefsten abgrund, den der hölle, stärker bezeichnen;
übrigens ist aßvooog von hause aus ein adjectiv, mithin zur gradation
berechtigt. Abyssissimus konnte in abyssimus zusammengehn wie metip-
siraimus in metesme. Man hat auch an abyssismus gedacht, aber das
suffix ismus gibt in den Jüngern sprachen nur abstracta, höchstens collec-
tiva. Andre vermuthen eine accusativform darin, aber wäre alsdann das
franz. wort nicht abisson gewesen, wie suum son, Carolum Gharlon er-
gab? Zu merken die ital. nebenform nabisso aus der üblichen Verbindung
in abisso wie ninferno aus in inferno entstanden (ininferna in einer alten
messe, Mone p. 20), daher das dtsche nobis, s. Qtrimm, Myth. 766, Hoff-
mann, Hör. bdg. V, 38.
Abrigo sp. pg., pr. abric, fr. abri schütz; vb. sp. pg. abrigar,
pr. abrigar, abriar, fr. abriter (für abrier mit eingeschobenem t wie oft)
schützen, decken. Umsonst hat man sich bemüht, dem lat. apricus den
sinn des rom. Wortes zu entlocken: was die sonne bescheint, ist und bleibt
unbedeckt. Läßt sich letzteres aus keiner andern spräche nachweisen, so
darf als etymon ein ahd. bi-rfhan decken (ant-rihan enthüllen findet sich)
vermuthet werden. Für abriter sagt man in Berry abrier, im Jura
ayriller, was wohl nur diminutivisch ist. Die bearn. mundart spricht mit
temiis aprig&. — [Gegen Mahn und Littre, welche diese herleitung ange-
fochten haben und für apricus eingetreten sind, bemerkt der Krit. anftang
4 L ABRIGO-ACABAR.
folgendes. 'Man deute an dem worte, wie man will, in den neuen sprachen
bleibt schütz, obdach der grundgedanke, nicht bloß der schütz vor regen
und Mite, sondern auch der vor der sonne, denn man sagt z. b. ce Heu
est ä Tabri du soleil (Dict. de Trev.). Se mettre ä Tabri de la pluie
ist darum dasselbe wie se mettre ä couvert de la pluie5, und schon ein
iroubadour sprach: m'abric sai on sol non fer ich bin hier unter dach,
wo keine sonne hin scheint. LR. c Wem fallt dabei nickt das horazische
quidquid in occulto est, in apricum proferet aetas ein, wo apricum ge-
rade das gegentheil aussagt von occultum, also ungefähr auch das gegen-
theil der roman. bedeutung? Solche Übergänge mögen allerdings in den
sprachen vorkommen, sie müssen sich aber schritt vor schritt verfolgen
lassen, was wenigstens mir bei der fraglichen etymologie nicht gelingen
wül\ Der schatten schützt, nicht die sonne, das sagen die sprachen selbst:
lat. umbra, it. ombra, sp. sombra ist schatten und schütz. * Verdächtig
wird die lat. herkunß des Wortes schon dadurch, daß es (mit ausnähme
der sardischen mundart, die bekanntlich viele Wörter aus Spanien bezogen)
dem ital. gebiete abgeht, denn aprico ist ein dem latein abgeborgter poe-
tischer ausdruck mit lat. bedeutung, und apricare fehlt ganz. Die eigent-
liche heimath von abrigo scheint Spanien; hier wenigstens hat es nicht
wenige ableitungen und Zusammensetzungen entwickelt, wie abrigada, abri-
gano, abrigamiento, abrigador (pg.), desabrigo, desabrigar cet. Larra-
mendi verweist auf das bekannte in städtenamen vorkommende briga, allein
daraus wird das wort nicht Mar, Auch aus sp. abra (bucht) läßt es sich
nicht gewinnen, da mit ig nicht abgeleitet wird. Ich stellte darum das
ahd. rfhan (decken) auf, zsgs. birihan, ags. bevrthan (bedecken); man setzte
a vor, was zumal in Spanien sehr häufig geschieht. Nicht unmerkwürdig
ist die altfr. bed. bedecken in einer stelle bei Guill. Guiart Roq. app.: la
tres precieuse corone que Jhesu Crist ot en sa teste, si com li Juis
Ten abrierent (damit bedeckten, nicht: schützten/. Und in einer noch
älteren stelle: si ot d'une chape forr6e abri6 et vestu son cors R. de la
rose, s. P. Paris, Dict histor. p. 30. 'Aber auch zu erwägen ist das in
allen deutschen sprachen vorhandene bergan, präs. birgu (bergen, in Sicher-
heit bringen), mit versetztem r, wie oft. Dem subst. berc, geberc (ver-
steck, Zufluchtsort) würde abric von Seiten der bedeutung ein gut theil
näher liegen als dem lat. apricum*.] Das cot. abrig wird gradezu mit
sp. albergue übersetzt. Sichtlich von bergan ist das altfr. em-berguer
lcouvrir, mettre ä Vabn Roq. — Wenn R. Stephanus in seinem wörter-
buche sagt: ung abri ou le soleil frape tousjours apricus locus, so muß
er um der etymologie willen dem franz. worte eine demselben nicht zu-
kommende bedeutung aufgedrängt haben. Denn wenn Livet, Gramm,
frang. 476, ihn damit entschuldigt, daß das wort später diese bedeutung
geändert haben könnte, so stehen die prov. Zeugnisse damit im Widerspruch,
Man vgl. übrigens Mahn p. 113 ff.
Acabar sp. pg. pr., achever fr. ausführen, vollenden; von caput,
roman. nicht nur den anfang, auch das ende eines dinges bezeichnend.
I. ACCATTARE-ACERO. 5
Accattare it., ultsp. acabdar, altpg. achatar SRos. ein gut erwerben,
attfr. acater verschaffen Alexs. 8, neufr. acheter kaufen, so auch altit.
neap. accattare; jsbst. it. accatto, pr. acapta, acapte, fr. achat. Es ist
von ad-captare (mlat. accapitare) an sicJi nehmen, kaufen, eine erst im
franz. entwickelte Bedeutung, welcher Festus stelle emere, quod nunc est
mercari, antiqui accipiebant pro sumere zur Unterstützung gereichen kann.
Eine zss. ist it. raccattare, pg. regatar, fr. racheter loskaufen; wofür
sp. rescatar, pg. resgatar uus re-ex-captare, sbst. rescate, resgate.
Acceggia it., sp. arcea, fr. mundartl. acäe Schnepfe, tnlat. accia,
acceia; soll in acies oder äxrj spitze (vogel mit spitzem Schnabel) seinen
Ursprung haben, s. Menage und Carpentier. Ein altes Zeugnis für dieses
wart enthalten die erfurter glossare p. 259b accega 'holtana,' Variante
acega 'holthana d. i. ags. holt-hana (holz-hahn= Schnepfe), vgl. Haupts
Ztsehr. V, 197b.
Accia, azza it., sp. hacha, pg. facha, acha, pr. apcha für acha,
fr. hache (h asp.), daher mhd. hätsche und hasche, axt, beil; vb. it.
acciare, fr. hacher klein hacken. Gegen lat. ascia als etymon sprechen
die formen; wohl aber stimmt die franz. zum nhd. ndl. hacke Werkzeug
zum hauen, ein in der alten spräche nicht vorfindliches, aber durch das
masc. hacco (haken) und das ags. vb. haccan = engl, hack gestütztes
wort. Die deutsche keMtenuis erhielt sich im picard. vb. h&juer holz
hacken = fr. hacher. Aus dem franz. werte aber flössen die übrigen,
unter welchen das pg. facha mit seiner lippenaspirata die reine aspirata
nachzubilden sucht, s. unten arpa. — Davon zu trennen ist it. ascia,
pr. aissa, vom lat. ascia; span. aza oder axa fehlt, aber eine abl. altsp.
axada, nsp. azada, pg. enxada, dsgl. sp. azuela haue, hacke, ist vor-
handen.
Acciajo it., sp. acero, altpg. aceiro, neupg. a$o, pr. fr. acier, wal.
otzel (ungr. atz£l), mlat. aciare, aciarium stahl (s. z. b. Class. auct. VI,
502h); von acies sc. ferri härteres eisen. Eine andre, gleichbed. abl. ist
it. acciale, ven. azzale u. s. w., ahd. ecchil, mhd. eckel.
Accidia it., altsp. acidia, pr. accidia, altfr. accide fahrlässigkeit,
Verdrossenheit; vom mlat. accidia, acedia, gr. äyirjdla, dass.
Acciuga it., sp. anchoa, pg. anchova, enchova, fr. anchois Sar-
delle. Aus aphya (acpvrj) oder besser am apya (zu schließen nach apua)
konnte mit dem sufßx ug unzweifelhaft das it. acciuga (zunächst aus
apj-uga) entstehen, woraus denn die andern Wörter verderbt sein müssen.
Mundartliehe formen sind piem. sie. anciova, veron. ancioa, gen. anciua,
ven. anchioa. — [Mahn erkennt darin ein iberisches wort = bask. antzua
trocken, denn die Sardelle ist ein getrockneter (eingesalzener) fisch, s. seine
Etym. Untersuchungen p. 5.]
. Accordo it., sp. acuerdp, pg. acordo, pr. aecort, fr. aecord über-
Hnstimmung, vertrag; vb. aecordare u. ff.; gebildet nach concordare, dis-
cordare, also von cor, nicht etwa von chorda.
Acero it., pg. acer, altsp. asre, neusp. umgestellt arce, cat. ars
6 I. ADDOBBARE-AERE.
dhorn; von acer aceris. Der Franzose nennt denselben bäum 6rable (m.):
aus lat. acer wäre are oder aire, ftre geworden; um dem worte mehr um-
fang ,zu geben, sagte man acer arbor, zsgz. esrarbre 6rarbre, dissimiliert
6rable, neuprov. in Grenoble aber noch izerablo. Menage nimmt dafür
eine hier ganz unpassende büdung acerabulum an. [Die hier ausge-
sprochene deutung wird unterstützt durch die florentinische glosse Ecc.
986b acer arbor cgundereba vel mazziltira d. i. mafiholder. Man hatte
sich in den schulen an die Verbindung beider tbörter gewöhnt, die alsdann
in das leben übergieng.]
Addobbare it., altsp. adobar PC. u. s. w., cdtpg. adabar SRos.,
pr. adobar, aUfr. adouber ausrüsten, nsp. npg. zubereiten, würzen. Das
wort kommt von ags. dubban, dltn. dubba einen streich geben (watton. in
Namur dauber schlagen) und ward vorerst vom ritterschlag gebraucht,
ags. dubban tö riddere zum ritter schlagen (a. 1085, s. Bosworth), fr.
addubber ä Chevalier Havelok p. 28; demnächst hieß es die mit der feier- ,
lichkeit verbundene ausrüstung, vgl. Raoul l'adoube qui estoit ses amis:
Premiers li chausse ses esperons massis e puis li a le branc au costel
mis, en col le fiert si con il ot apris DG. v. adobare; daher adouber
richement herrlich ausrüsten, se douber sich waffnen ChCyg. 1628 (diese
einfache form selten). Man sehe Wächters glossar. germ. p. 22, Grimms
Rechtsalt p. 333, überdies Scheler s. v. adouber, E. Müller s. v. dub.
Sousa's und anderer herleitung des Wortes aus dem arah. ist sieher verfehlt.
Aere, aire, it., sie. ariu, sp. aire, pg. ar, pr. aire, air, fr. air,
wal. aer (alle masc.) lüft, wind; von aer. Das üblichere ital. wort aber ist
nicht aere, sondern das fem. aria, welches entweder im mlat. plur. aera
(s. Schneider, Lat. gramm. II, 92), oder im adj. aerea seinen grund
haben muß; doch ist erster es selbst in den mundarten heimisch und wird
auch im altsp. und prov. in seiner buchstäblichen form aör hier und da
angewandt. Dasselbe roman. wort hat noch andre nah zusammenliegende
urdat. bedeutungen, die mit luft gar nichts gemein zu haben scheinen, näm-
lich üal. (aria) äusseres ansehn, sp. pg. dass., auch art und weise im be-
nehmen, dsgl. anstand, anmuth, Zierlichkeit, franz. gleichfalls art und
weise des benehmens, haltung, miene. Auch weise in der musilc, modus,
melodie bedeutet es. Adj. it. arioso luftig, wunderlich, hübsch, ansehnlich,
sp. airoso luftig, zierlich, auch siegreich, fr. aireux fehlt. Wie kam man
von luft auf haltung, anmuth, melodie u. dgl.P Vielleicht schlug aer in
den tochtersprachen einen ähnlichen weg ein wie in der grundsprache
spiritus die bewegte luft, ton, stimme, geist, hoher geist, stolz; an geist
zunächst konnte sich wesen, art des benehmens knüpfen; airoso, sofern es
eitel heißt, trifft sogar mit aerius zusammen. — Ferner, in den alten
mundarten Frankreichs heifit aire auch famäie, geschlecht, z. b. Amors
nasquet en un gentil aire LB.; tot mon linh e mon aire vei revenir cet.
ds.; et as plus bomes morz non sai retraire, e lor ers apovris e tot
lor aire GBoss. Mich. 358; il fu estrais de gentil aire (stammte aus
edlem geschlecht) PMousk. s. Gachet. Auf dieses wort hat aer keine
L AFFANNO. 7
Sollte es aus ager agrum stammen, g in i aufgelöst wie in
flairar aus {ragrare? Ager hei fit acker, haus mit acker, in weiterem sinne
flur, fddmark, und letzteren sinn vertritt das ndat. arum oder arus, z. b.
in der stelle in pago Arvenica, in aro, quae vocatur cet., anderswo in
pago 6., in agro S. (DC. v. arum u. arva). Arum, ager war also ein
(heil des pagus. Aus der engeren bed. haus und hof konnte die bed.familie,
geschiecht erfolgen wie anderwärts, vgl. gr. olxog, lat. domus, sp. solar.
Gleichberechtigt mit ager ist wohl auch atrium als der platz im hause,
wo das hochzeitbett stand. In den bekannten Verbindungen de bon aire,
de mal aire, de gentil aire, de put aire bedeutet aire die ort, das heifit
das geschlecht, wie lat. genus, sp. linage. Die itcd. spräche entnahm der
prov. ihr di bon aire, das sie nachher in di baon' aria abänderte. — End-
lich ist hier noch des specieU frans, aire (f.) hörst des raubvogels eu ge-
denken. Afe'ria latinisiert es eine Urkunde v. j. 1215 DC, aber die be-
zekJmung wäre viel eu allgemein; eben so wenig verträgt es sich mit aire
tenne, dem es die akademie euweist. Dieses aire ist wiederum nichts
anders als- das zum feminin gewordene pr. aire geschiecht (vgl. z. jb. pr.
aise m., fr. aise f.), und noch jetzt sagt man im iaucon de bonne aire
ein faUce aus gutem neste = von guter herkunft. — Zu erwähnen ist noch
Menage s nicht ungeschickte deutung von aire aus dem derivatum vei-aire
gesichtsbildung, miene, woraus es abgekürzt wäre, und auffallend, dafi
auch das sp. aire mit einem derivatum don-aire in der bedeutung (an-
stand) zusammentrifft. Diese etymologie würde alle Schwierigkeiten des
Wortes in seinem abgeleiteten sinne lösen, allein die abkürzung scheint zu
stark.
Äff anno it., sp.pg.pr. afan, altsp. afaüo kummer, angst, ermüdung,
fr. ahan saure arbeit ; vb. it. affannare (trans.) bekümmern, sp. afanar,
fr. ahaner (intr.) saure arbeit verrichten, pr. afanar (trans. intr.) ermüden,
sich abmühen. Altfr. oder mtat. wird das wort gerne von der fddarieit
gebraucht, terram ahanare, daher ahans angebaute fdder, ahanables,
noch henneg. ahan bestdlung des feldes; allein die erreichbar älteste be-
deutung ist körperliche pein: so in der Passion Christi 1. 4. 123 (afans),
73 (ahanz), im Leodegar 1 (aanz), so auch im Alexiusliede, aber im Boe^
Ünusliede 72. 108 kann es kummer bedeuten. Carpentier bemerkt auch
ein einfaches altfr. haner arbeiten, woraus die häufig vorkommende zss.
enhaner, z. b. an cortil einen garten bearbeiten. Da Frankreich das ein-
fache wort aufzeigen, kann, so ist dieses land wohl auch die eigentliche
heimath des weder im latein. noch im deutschen vorhandenen Stammes: das
fr. h konnte in den schwestersprachen als i auftreten. An herkunft aus
it. afa (beängstigung) ist wenigstens nicht zu denken, da kein roman.
suffix ann bekannt ist, vielmehr scheint afa aus affanno abgezogen. Du-
eange u. a. lassen es aus einer interjection entstehen, worin sich eine den
athem beengende körperliche anstrengung ausspricht (han), einer interjec-
tion, die auch, wie man weiter bemerkt, in dem henneg. e-han-cer 'ausser
athem sein enthalten ist, vgl. ven. afanä keichend, Dante con lena affannata
8 I. AFFAKE-AGIO.
mit erschöpftem athem. Ahan wäre einer der vielen naturausdrücke, welche
die spräche sich selbst verdankt und die Untersuchung konnte geschlossen
sein, wenn nicht die celtischen sprachen ähnliche Wörter darböten. Zwar
gael. fann müde, fainne müdigkeit, welchen das gleichbed. kymr. adj. gwan
entsprechen muß, scheint wenig rücksicht zu verdienen, da gael. f = kymr.
gw romanisch durch v wiedergegeben wird, nicht durch f ; aber in dem
kymr. afan streit, .unruhe, auf rühr, welches Owen aus einem dem bar den
Taliesin zugeschriebenen gedickte anführt, liegt die ganze büdung vor und
es ist nur zu erwägen, ob dies auf eine der cdt. mundarten eingeschränkte,
auf keine einheimische würzet gegründete wort nicht selbst ein fremdling
ist oder überhaupt mit dem roman. zusammenhängt. Weiteres über altfr.
ahain bei Gachet s. v.
Affare it. (m.), pr. afar, afaire (m.), fr. af faire (f, altfr. m.),
daher cdtsp. afer Alz. angelegenheit ; entstanden aus dem präpositionalen
infinitiv in phrasen wie avere a fare con uno; in der romagnol. mundart
dafe d. i. da fare. Ein zweites Beispiel dieser Zusammensetzung ist it.
awenire, fr. avenir sbst. Zukunft = il tempo a venire.
Affrontare it., sp. afrontar, afrentar, pr. afrontar, fr. affronter
angreifen, beschimpfen; von frons stirne, eigentl. einem ins gesicht hinein
sprechen oder handeln. Daher sbst. tf.affronto, fr. affront, sp. afrenta
beschimpf ung. Franz. effrontä, pr. esf rontat, it. sfrontato unverschämt,
von effrons bei Vopiscus.
Agazzare it., agacer fr. (auch pg. agastar?) reizen; vom ahd.
hazjan, nhd. hetzen, mit vorgesetzter roman. partikel a, wodurch h inlau-
tend ward und sich um so leichter in g verdichten konnte. Seltsam ist fr.
agacer les dents die zahne durch eine säure stumpf machen, eine bedeu-
tung, in welcher es manche für eine dbleitung aus lat. acere (sauer sein)
halten. Folgendes stehe hier als anspruchlose vermuthung. Unser nhd.
ätzen heißt 'durch säuren auf einen gegenständ einwirken : war ein älteres
gatzen (= ahd. ga-azjan) schon dieser bedeutung fähig, so ist demfranz*
worte geholfen.
Aghirone it., pr. aigron, cat. agrö, sp. airon^ altfr. hairon, nfr.
höron (h asp.), in Berry egron ein vogel, reiher; dimin. fr. aigrette
(mit abgestoßenem hauchlaut) kleiner weißer reiher; nicht vom gr. iQiodwg,
es ist vom ahd. heigir, heigro, wozu alle laute passen.
Agina, gina it. geschtoindigkeit, stärke; adverbial aina PPS. II,
250, a grande aina Dante De vülg. eloq. 1, 11, altsp. agina FJ.} auch
ahina, altpg. aginha eilig, geschwind. Ein ndat. glossar hat agina ct. q.
festinancia et inde agino festinare. Mit lat. agina bei Festus (scheere
an der wage, worin die zunge spielt) kann es nickt identisch sein: es
gieng aus agere wie ruina aus ruere hervor, wie es denn auch der bedeu-
tung von agitatio sehr nahe tritt. Der nordwesten kennt dies wort nicht,
doch möge das neupr. agis s. v. a. fr. actions erwähnt werden.
Agio it. {selten asio), pr. ais, aise (m.)9 fr. aise (f.), pg. azo ge-
mäcldichkeit; adj. pr. ais, fr. aise (schon in der alten spräche, s. TFr.
I. AGRESTO-AGUGLIA. 9
p. 612) fröhlich, engl, easy; adverbial it. ad agio, pr. ad als, altfr. ä aise,
nfr. äl'aise bequem, dahersbst.it. ad agio, altfr. aaise (ahaise LRs.66),
altpg. aaso SRos. bequemlichkeit; vb. it. agiare, ad agiare, pr. aisar,
altfr. aisier, aaisier versorgen, pflegen, part. it. agiato, fr. ais6, behaglich,
wohlhabend. Die prov. spräche hat der ableitungen noch mehr hervorge-
bracht: aisir ins haus aufnehmen, aisi wohnung, aisina leichtigkeit, gc-
legenheit, aizinar einrichten u. a., vermutlich ist das wort von hier aus-
gegangen. Seine herhmft ist unsicher. Menage deutet es aus otium,
Ferrari ganz ungeschickt aus adaptare, Frisch nicht besser aus dem
dtschen behagen. Es verlangt ein etymon ais oder asi. Nach Perion De
ling. galL p. 45a ist es vom gr. atowg glück verkündend, dsgl. erforder-
lich, gehörig, woraus sich auch das adjeetiv gut erklären würde ; xdaioiov
wäre das gehörige, passende, bequeme. Andre, wie Junius, Schilter, Casti-
glione, erkennen darin eine nur der goth. spräche bekannte in dem adj.
azets leicht, bequem, sbst. azeti annehnüichkeit, enthaltene würzet, eine
vermuthung, welcher auch J. Grimm, Wien, jahrbb. XLVI, 188, nicht
abhold ist, vgl. auch seine Gesch. der d. spr. 352, wo das goth. wort zu
ags. eadhe, ahd. ödi gestellt wird. Prov. viure ad ais ist gleichbed. mit
goth. vizön in azetjam in annehmlichkeiten, in luxus leben. Freilich müßte
man alsdann ein gothisches subst. azi annehmen dürfen, was nicht ohne
bedenken ist, wiewohl die seltensten deutschen Wörter ihren weg ins roma-
nische fanden. Oder ist für ais baskischer Ursprung anzunehmen? in
dieser spräche heißt aisia ruhe (labort.), aisina mufie. Aber aisina ist
seiner ganzen bildung nach so acht provenzalisch, es geht überdies nach
einer häufig hervortretenden prov. sprachsitte mit einem synonymen mos-
ctdin so sicher hand in hand (aisi aisina wie plevi plevina, trahi trahina),
daß dem bask. derivatum besser prov. Ursprung zukommt, wodurch denn
auch der bask. Ursprung des primitivs verdächtig wird: aisia kann dem
pr. aise, wofür sich eine ältere form aisi vermuthen läßt, sein dasein
danken, wie das adj. aisa zum pr. ais stimmt. Eine zss. ist fr. malaise
mgemaeh. Das mit doppeltem g geschriebene it. aggio (aufgeld) ist eine
bloße scheideform von agio: in der piem. mundart z. b. vereinigt letzteres
beide bedeutungen.
Agresto it., sp. agraz, pg. agra^o, pr. agras, altfr. aigret lien.,
dauph aigrat, wal. agris unreife traube, saß davon, eigentl. Säuerling;
von acer, altsp. agre, fr. aigre, mit dem suffix as u. s. f., im ital. mit
est vertauscht. Agraz entspricht in seiner bildung genau dem lat. von
Hieronymus gebrauchten piracium birntrank.
Aguglia it., sp. aguja, pg. pr. agulha, fr. aiguille nadel. Nicht
von aculeus: die ital. nebenform agocchia verlangt lat. aeueula, in wel-
ches acicula, während c. noch guttural lautete, abgeändert ward, vgl. ge-
nuculnm für geniculum Rom. gramm. II, 326; aeueula aber findet sich
in der thai in mehreren handschriften des Codex Theodos., sonst auch
nüat. acncla. Abgel. ist sp. aguijar, pg. aguilUar stacheln, das sicli
dem fr. aiguille nähert.
10 I. AJUTO— ALBERCOCCO.
Ajuto it. hülfe, von adjutus bei Macrobius; sonst fem. sp. ayuda,
pg. pr. ajuda, altfr. aüe, pie. aYude, in den Eiden adiudha, aiudha; vb.
it. ajutare, sp. ayudar, pg. pr. ajudar, wal. azudä, von adjutare. Da-
neben entsprang noch eine verkürzte form it. alta, pr. ahia, altfr. aYde
{getvöhnl. al'e), nfr. zsgz. aide; vb. it. aftare, pr. aidar, fr. aider. Beide
letztere lassen sich aus syncopiertem aj'tare deuten, nicht so attare, präs.
aito rrtit betontem i.
AI altsp. altpg., pr. al (als), altfr. al, el, neutrales pronomen, zu-
weilen mit einem Substantiv verbunden (al ren, ren al). Es bedeutet aliud;
aber dessen i konnte nicht spurlos untergehn, vielmehr verlangte das laut-
gesetz sp. allo oder ajo, pr. alh: will man nun nicht annehmen, die spräche
habe dem i oder seiner Wirkung entsagt, um der Verwechslung mit allium
(sp. ajo, pr. alh) auszuweichen, so sieht man sich auf das alt und volks-
mäßig lat. alid, neutr. von alis, verwiesen, das zuerst bei Lucüius, dann
bei Catull, endlich bei Lucrez, später aber nicht mehr vorkommt (worüber
Ritschi De declinatione quadam latina reconditiore, 1861).
AI ab ar da, labarda it., sp. pg. alabarda, fr. hallebarde (h asp.)
eine waffe, die den spieß mit dem beil vereinigt, hellebarte; vom mhd.
helmbarte, helnbarte, über dessen Zusammensetzung sehe man Frisch I,
442* , Schmeller II, 182, Grimm III, 442, Weigand I, 496: es ist eine
barte d. h. ein breites beü zum durchhauen des helmes. Die getreueste
form ist churw. halumbard.
Alano it. sp., pg. aläo, altfr. alan dogge, bullenbeißer; gewiss von
einem völkernamen. Menage zeigt, daß man Alanus für Albanus gesagt
habe, und so ist ihm alano ein hund aus dem heutigen Albanien = Epirus
s. v. a. lat. molossus, gleichfalls aus Epirus.
Alba it. sp. pr., pg. chw. alva, fr. aube morgenröthe; von albus
hell, heiter, wie in Stella alba, wal. zioej albe heller tag: vgl. lux albescit,
coelura albet, bei Dante il sol imbianca i fioretti die sonne färbt die
blümchen weiß. Aber Ariost gestellt dem morgenroth mehr färben zu:
poi che Faltro mattin la bella Aurora Taer seren fe' bianco e rosöo
e giallo 23, 52. Wal. aurore3, das volksübliche wort aber ist zörile
(Clemens worterb. 334), das aus zi tag und oare zeit zusammengesetzt
scheint.
Alb an pr., dsgl. albanel, it. albanello, fr. aubrier ein stoßvogeh
Das entsprechende pg. alväo (Constancio, fehlt bei Moraes) soll einen
andern vogel bezeichnen. Die etymologie betreffend, so erklärt das Dict.
de Trevoux aubrier aus aubfere weiß und gefleckt, von albus.
Alberare it., sp. arbolar, enarbolar, fr. arborer aufrichten (wie
einen mastbaum), von arbor, it. albero, altit. albore u. s. f. Das verbum
drückt hier eine thätigkeit aus in der weise seines primitivs: so lat. vitu-
lari springen wie ein kalb, it. piombare fallen wie blei, brillare glänzen
wie beryll, braccare umherspüren wie ein brocke.
Albercocco, auch albicoeco und bacoco it., sp. albaricoque, pg.
albricoque, fr. abricot, neugr. ßeQVAoxov eine frucht, aprikose; von prae-
I. ALBERGO-ALCUNO. 11
coquus frühzeitig, weil sie früh reif wird, früher zumal als ihr nächster
verwandter der pfirsich. Im mittelgr. nqar/.6niuov, nQanöxxiov hat das
lat. wart sein sorgfältigstes abbüd gefunden; auf die rom. formen aber
hat das arab. al-berqüq, worin das dem Araber fehlende p zu b werden
mußte, denn es ist ein fremdes wort (Freyt. I, 112b), sichtbarlich einge-
wirkt. Im neapolitanischen haftet noch das aus dem griechischen gebil-
dete crisuommolo (xqvo6-iit}Iov). — [S. dazu Mahn p. 49, Engelmann 13,
Dozy, Oosterlingen p. i.]
Alb ergo it. altsp., nsp. pg. albergue, pr. albere, dltfr. herbere
(helberc Jlexs.65), dsgl. fem. pr. alberga, altfr. herberge das. 116 und
überall oft, nfr. auberge wirthshaus; vb. it. albergare, sp. albergar,
pr. albergar und arbergar, fr. höberger (ohne asp.) altfr. herbergier;
vom ahd. heriberga (f.), altn. herbergi (n.), vb. ahd. heribergön. Das
altfr. bewahrte noch die alte bed. Icriegslager: ses herberges et ses foil-
lies zdte und hätten des heeres Brt. II, 160, les herberges de Tost das.
p. 163. Das schwanken im genus mag in der gleichen erscheinung der
deutschen Wörter seinen grund haben.
Aleali it. sp. u. s. f., vom arab. al-qali aschensedz Freyt. III, 494".
Alchfmia it., sp. pg. alqufmia, pr. alkimia, fr. alchimie, mittelgr.
dgxtyua die hunst gold zu machen, dsgl. it. sp. pg. ehimica, /r.^chimie
scheidekunst; vom arab. al-k!mi& Freytag IV, 75h, das aber aus keiner
einheimischen tcurzel herrührt; gr. x^ula erst bei Suidas. Das genaueste
darüber hat Mahn p. 81—85 geliefert, welcher unter den verschiedenen
herleitungen der aus gr. fvn6$ (flüssigkeit, soft) den Vorzug zuerkennt.
Alcohol reinster Weingeist; vom arab. al-kofhl einpülver die äugen-
brauen zu schwärzen, $. Golius 2007, Freytag IV, 15* : wegen der fein-
heit dieses pulvers ward der name auf den Weingeist übergetragen, eine
der arab. spräche unbekannte bedeutung. So Pihan gloss. des mots frang.
tires de Varäbe. — [Genaueres bei Mahn p. 107.]
Alcöva it., sp. pg. alcoba, fr. alcöve (f.) nebenzimmer. Grimm
III, 429 und andre Sprachforscher halten es für deutsch, indem sie ein
ahd. alah-kovo annehmen (alah heißt tempel, kove wäre das nhd. kofen).
Da es indessen erst aus der span. in die übrigen mundarten eingeführt
und darum auch nicht ins mitteUatein aufgenommen ist, so werden es die
Spanier wohl aus dem arabischen geschöpft haben: hier bedeutet al-qobbah
gewölbe oder zeit Freyt. III, 388* und kommt auch (in der form Alcoba)
als name eines portugies. dorfes vor, s. Sousa. Im prov. findet sich über-
dies aleuba GO, Flam., im altfr anz. aueube, welche derselben herkunft
sein müssen und die arab. bed. zeit bewahrt haben, wie sich z. b. aus der
stelle tendre les aueubes de lin die leinenen zelte aufschlagen Er. En.
4102 klar ergibt.
Aleuno it., sp. alguno, pg. algum, pr. aleu, fr. aueun, unbestimmtes
pronomen, zsgs. aus aliqui unus. Es gibt ein altfr anz. ursprünglich bur-
gundisches pron. alquen, auquen, alcon masc. (fem. aueune), bei welchem
zu untersuchen bleibt, ob es aus aliqui homo (alc'uen alc'on) zusammen-
12 I. ALENARE-ALLODIO.
gesetzt ist, wiewohl es übrigens auch adjectivischen gebrauch erlaubt: ju
querroie aucuen solaz SB. 572 ; mit sp. alguien kann es wenigstens nicht
identisch sein. Die norm, mundart kennt auch das parallele cascons für
quisque s. Wright, Anecd. p. 88, chescon Ben. app. IIL, 471; überdies
ascons (aliquis horao?) LG. 50, ascun Wright, Polit. songs p. 137.
Alenare it., pr. cot. alenar athmen, fr. halener (h asp.) tcittern;
sbst. it. alena, lena, pr. aleua, fr. haieine (ohne asp.) atJiem. Das ver-
bum ist umgestellt aus lat. anhelare keichen, bei späteren auch athmen:
it. anelare, sp. anhelar (letzteres bei Pougens, Arch. fr. I, 50); das sbst.
entsprang aus dem verbum, wenigstens steht seinem- ableitung aus halare die
Seltenheit und Unsicherheit des suffixes ena entgegen. Über sp. aliento s. IL b.
Alf ido, auch alf iere it., sp. alfil, arfil, pg. alfil, alfir, ältfr. aufin
lauf er im schach ; vom pers. fil elephant, mit arab. artikel al-fil, s. Du-
cange y. alphinus, vgl. dagegen Pott in Lassens Ztschr. IV, 12.
Algebra it., sp. älgebra, fr. algöbre buchstabenrechnung; vom arab.
al-gabr Wiedereinrichtung zerbrocJiencr dinge, eine dem Span, worte noch
anhängende bedeutung, daher Vereinigung zu einem ganzen, darstellung
verschiedener Operationen mit wenigen zeichen. S. Golius 462, Freytag 7,
239b. . Es ist gegen die regd, daß in diesem worte der accent auf dem
arab. artikel ruht.
Algo sp. pg., pr. alque, alques, altfr. auques (noch jetzt lothr.
öque, champ. yauque u. dgl.) neutrales pronotnen; von aliquod, aliquid.
Dsgl. sp. alguien, pg. alguem, vom acc. aliquem.
All arme it. (m.), sp. pr. alarma, fr. alarme, wal. lärme, lärm,
lärmschlagen; vb. allarmar e ff. ; von dem ausruf all1 arme! zu den waffen!
Daher occ. alarmo interjeetion der Verwunderung, it. arm' arme! Buom-
mattei trattat. 18, 3.
Allegro it., sp. pr. alegre, fr. alfegre munter, nebst vielen ableitun-
gen; von alacer alacrem, mit fortgerücktem accent alacrem. Das wort
scheint in betracht seines aus a entstandenen Umlaufes e ursprünglich
französisch, wenigstens war ältfr. halaigre ein sehr üblicher ausdruck und
hat sich auch als geschlechtsname Aligre fortgesetzt. Die ursprünglichste
form zeigt das bask. alaguera.
Allevare it., pr. alevar fr. elever aufziehen, erziehen, von alle-
vare, elevare ; eigentl., nach einer alten sitte, ein kind vom boden aufheben
um es zu erziehen, lat. tollere puerura in gleichem sinne. Es hängt also
nicht zusammen mit dem religiösen gebrauche des hebens aus der taufe,
mlat. levare de sacro fönte, der sich nur auf den pathen bezog. Daher
sbst. altsp. alevo täufling, it. alievo, fr. öleve zögling.
Allojlio it., sp. alodio, pr. alodi und aloc, alo, fr. alleu freies
erblehcn. Sämmtliche formen passen in das mlat. alodium, selbst das pr.
aloc, dessen auslaut aus derselben Verhärtung des di = dj entstand, wie
der von fastic, lat. fastidium ; zu aloc aber verhält sich fr. alleu wie zu
foc feu, zu loc lieu. Alter als alodium ist alodis in der L. Säl. und mü
diphthong statt des langen vocals alaudes in westgoth. Urkunden. Grimm,
L ALLODOLA— ALMIRANTE. 13
Rechtsalt. p. 493. 950, verfnuthet in diesem wort ein deutsches composi-
tum al-öd cganz eigen \ Müllenhoff zur L. Sal. p. 278 wendet einen for-
mdien mangel ein, da ahdeutschem 6t salisches aut (alaudis für alodis)
entsprechen müßte und nimmt lieber fremden Ursprung an. Von roman.
seite läßt sich nur erinnern, daß die form alodis besser befriedigt, daß
alaudis regelreckt pr. alau (alauc), altfr. aloi erzeugt hätte (vgl. pr.
And-oart = westgoth. oder bürg, aud —), daß also die roman. formen
genau zu der salischen stimmen. ' Wenn das spätere mlatein alödium
scandierte (alodium fundum dicas, fundum raaris imum s. Ducange), so
ist dies für die etymologie ohne bedeutung.
Allodola, lodola, it., bei Dante Par. 20, 71 alodetta, sie. lodana,
altsp. aloa J. Manuel ed. öayangos p. 250h, aloeta (aluda Canc. de B.),
nsp. alondra, pr. alauza, alauzeta, altfr. aloe (davon altn. 16a nach Grimm,
Reinh. Fuchs p. 370), nfr. alouette, mlat. laudila Gl. lind., laudula
Nyerup. 268, Hoffm. Sumerl. 10*, 27b ein vogel, lerche. Von alauda,
gallisch nach Plinius und Sueton, daher Gregor v. Tours 4, 31 sagt:
avis corydalus, quam alaudam vocamus (wir Gallier). J. Grimm über
MarceUus Empir. findet das gallische wort im Tcymr. uchedydd schweben-
der vogel, lerche, andre verweiseti auf das bret. alc'houöder, Tcymr. alaw-
adar vogel der harmonie, s. Le Gonidec Dict. fr. bret. p. p. Villemarque
p. rtt. Man sehe die neueren Untersuchungen von Mahn p. 22, Diefenbach,
Orig. europ. p. 219. Den äußersten westen und osten des gebietes hat
dieser fremdling nicht erreicht: der Portugiese sagt dafür cotovia, der
Wdlache ciocerlän.
>
Almanacco it., sp. almanaque, fr. almanac kalender. Man hält
es, von der silbe al verführt, für arabisch und erklärt es aus dem vb.
mana'ha zählen, welches aber nicht arabisch, sondern hebräisch ist An-
dre, auch Jos. v. Hammer, denken an al-mana'h (oder, wie Mahn in seiner
gelehrten Untersuchung berichtigt, al-minhat) gesehen!: vom verb. manarha
schenken Freyt. IV, 213a, der kalender wäre ein geschenk. Aber auch dies
ist sehr zu bezweifeln, da die kalender der Araber sich durchaus nicht
zu geschenken eignen, ihr name auch ein ganz andrer ist, taqutm. So
bleibt die herkunft des Wortes noch unentschieden; s. Dozy., Oosterl. p. 11.
Almirante it. sp.pg., pr. amiran, altfr. aiuirant, dsgl. pr. amirat,
entsprechend altfr. amirö und oft amiraut (nom. — aus, — aux), ferner it.
almiraglio, ammiraglio, pr. amiralh, alt- und neufr. amiral und admiral
(so noch bei Nicot und weit späteren), mlat. amiratus, admiratus, adini-
raldus, admiralins, admirabilis (altfr. amirafle) fürst der Sarazenen, be-
fehlshdber einer flotte; vom arab. aintr fürst, befehlshaber Freyt. I, 59*.
Erst durch die Sicilianer und Genuesen soll das wort seine specielle jetzt
noch gültige bedeutung empfangen haben, s. Ducange v. amir. Die mit
al anhebenden formen danken diese silbe der einmischung des arabischen
artikels. Nach Mahn p. 7 und Engelmann p. 54 ist das fr. amir-al die
dem original am nächsten kommende dar Stellung, insofern sie nämlich den
arabischen £tfcJanifr-al-bahr d. i. befelilshaber des meeres, allerdings nach
14 L ALMÜSSA-AMALGAMARE.
dbfall des letzten Wortes, buchstäblich wiedergibt. Vergleicht man indessen
almir-ante, worin eine anbädung an command-ante oder imper-ante nicht
zu verkennen ist, so fühlt man sich gedrungen, auch in amir-al eine solche
und zwar etwa an Wörter wie general (fddherr), oficial (officier) u. a. an-
zuerkennen, während die sufßxe anderer formen gar keine oder wunder-
liehe bedeutungen ausdrücken. Im prov. und (üt franz. heifit unser wort
ohnehin niemals seebefehlshaber, sondern beherrscher der ungläubigen ; ein
troubadour nennt selbst den belierrscher der Deutschen mit diesem namen:
dels Alamans, s'ieu fos lur amiratz LR. LL, 72. Bekannt ist aus den spa-
nischen romanzen der titel almirante de la mar, dessen letzte worte den sinn
Ergänzen müssen. [Dieser ansieht ist auch Dozy, Osterl. p. 5, beigetreten.]
Almussa pr., fr. aumusse, altfr. aumuce {daher mnett. almutse,
amutse), sp. almucio (Seckendorf), pg. mursa; dimin. pr. almucela,
attpg. almucella, almocella, sp. almocela, in Urkunden almucella, almo-
$ala, dsgl. altfr. aumucette, sp. muceta,#. mozzetta. Diese Wörter bedeu-
ten eine bis auf die schultern herabfallende kopfbedeckung zumal der geist-
lichen, oder auch, in den diminutiven formen, ein kurzes mäntelchen. Der
arab. spräche gehören sie nicht, wenn sie auch, wie viele andre, zum theä
den arab. artikel an sich gezogen haben: sie sind offenbar identisch mit
unserm mutze, ndl. mutse, das man aus dem vb. mutzen (abstutzen) er-
klärt. Vgl. unten mozzo.
Alna, auna, alla it., altsp. dltpg. pr. alna, nsp. ana, fr. aune eUe.
Zunächst gewiss vom goth. aleina, ahd. elina, wozu auch das genus stimmt,
aleina aber nach Grimm III, 559 aus dem lat. ulna geformt. Ziemlich
vollständig spricht sich das deutsche wort aus im ndat. alena Eist, du
Dauphine II, 283.
Altresi it., sp. otrosf, pg. outrosim, pr. altresi, atresi, altfr. au-
tresi, adverUum der vergleichung; von alterum sie.
Altrettale it., sp. otro tal, pg. outro tal, pr. altretal, atretal, altfr.
autretel, pronomen; von alter talis. Prov. atrestal von alterum-sic talis.
Altrettanto it., sp. otro tanto, pg. outro tanto, pr. altretan, atre-
tan, altfr. autretant, pronomen; von alter tantus. Prov. atrestan von
alterum-sic tantus.
Alzare it., sp. alzar, pr. alsar, ausar, fr. hausser (h asp., vgl.
baut IL c), wal. inaltzä erhöhen; von altus, gleichsam altiare. Erwäh-
nung verdient das franz. compos. exbausser (pr. eissausar, sp. ensal-
zar), weil es in exaucer eine besondere form mit der bed. 'eine bitte er-
hören angenommen, denn dieu a exauce mes prieres heißt ursprünglich
'gott hat mein gebet erhöht, begünstigt*.
Amäca it., sp. hamaca, umgestellt amahaca, pg. maca, fr. hamac
(b asp.) hängebett; vom ndl. hangmat, hangmak. Das wort findet sich
auch im karaibischen und soü nach einigen durch die westindischen See-
räuber verbreitet worden sein, s. Pott, Doppelung cet. p. 83.
Amalgamare it. u. s. w. verquicken d. h. ein metall mit Queck-
silber verbinden; vom gr. fidkayfia erweichung.
I. AMARICARE-AMBASCIATA. 15
Amaricaretf., auch amareggiare, sp. pg. pr. amargar bitter machen,
erbittern von amarus, das verbum bereits im frühsten nilatem, s. Ducange
undClass. auct. VI, 606b ; adj.sp.pg. amargo, cal. amarg, dsgl. amar-
g0 80, spätlateinisch amaricosua Quicherat Add., sbst. amargo r, letz-
tere durch eintcirkung des verbums so gebildet. Zsgs. it. rammaricarsi
sich beklagen, ramm&rico klage, verdruß, vgl. adj. amaro kränkend,
beschwerlich^ sie. amaru betrübt, wal. amar interjeetion des Schmerzes,
ebenso attpg. amaro de mi! GVic. II, 465.
AmsitTSLYsp.pg., amarrer fr. ein schiff festbinden; sbst. amarra,
amarre das dazu dienende tau; dsgl. fr. dämarrer ein schiff losbinden.
Nach Pougens, Trisor I, 56, vom arab. marra ein seil drehen, marr seil
Frei/tag TV, 163k. Es fehlt allerdings nicht an arab. schifferausdrücken
im roman.; nähere ansprüche aber hat sicher das ndl. marren, merren,
mhd. merren anbinden, befestigen, ags. merran zurückhalten = ahd. marr-
jan, vgl unten marrire.
Ambasciata und imbasciata it., sp. embaxada, pr. ambaissada
und masc. ambaissat, fr. ambassade, it. auch ambasceria, botschaft,
gesandtschaß; it. ambasciadore ff. botschafter. Ambasciata stammt
vom mlat. ambactia dienstverricktung , auftragt si in dominica ambactia
(cd. ambaxia) fuerit oecupatus L. Sah, auch in der L. Burg., bei Colum-
banus (um 560) u. a.; dies muß eine abteitung sein aus dem von Caesar
De bell. galt. 6, 15 für dienstmann gebrauchten ambactus: (equites) cir-
cum se ambactos clientesque habent, und zwar eine noch in römischer
seit, wenigstens vor festsetzung des romanischen sprachcharakters, ent-
standene ableüung, da der Romane das Substantivsuffix Ta zu neubüdun-
gen nickt zuläßt. Ambactus also gab das abstractum ambactia, welches
man, seit t vor tonlosem i zum Sibilanten geworden, d. h. im ersten mittd-
atter, in Frankreich ambaesia aussprechen, ambaxia schreiben mußte:
hieraus erst das it. ambasciata, welches nicht zu ambactia passt, denn
scia aus ctia wäre beispiellos; denselben durchgang durch das fr. ambaxia
muß auch das sp. embaxada genommen haben. Auch das vb. ambasciare
eine botschaft verrichten war dem früheren mtatein bekannt, woraus sich
die an der spitze dieses artikels stehende participialableitung zunächst er-
klärt; das prov. mascuUn findet sich schon im Capittdare de vülis (am-
baseiatum) vorgebildet. Ambactus, bemerkt Festus, apud Ennium Lingua
gallica' serrus appellatur. Hiernach ist es ein gallisch-lat. wort, und da-
bei kann die romanische etymologie stehen bleiben. Bekanntlich erkennen
Zeuß und Glück darin das kymr. amaeth ackersmann, werkmann, für
ambaeth, J. Grimm das goth. andbahts diener9 ahd. ambaht; man sehe
darüber Diefenbachs neue Untersuchung des Wortes, Orig. europ. p. 226. —
Zu ambasciata gesellt man auch das it. am ba scia angst, beklemmung,
bei Dante zweimal infernale ambascia höllenpein, vb. ambasciare keichen,
athendos sein, angst empfinden, zsgs. trambasciare und strambasciare.
Daß die Vollziehung eines auftrages beschwerlich sein kann, versteht sich,
aber beklemmung ist keine nothwendige begleiterin derselben; selbst tra-
16 I. AMBIARE— ANCA.
vaglio ist nie zu dieser höhe der bedeutung hinaufgestiegen, Erich (Ericus)
in seiner wenig bekannt gewordenen ldv&Qio7voyXioTToyovia Venet. 1697
§. 417 zieht dies wort darum aus dem gr. dqxxola Sprachlosigkeit, stumm
machende angst; ist nun die Variante duqxxoia nicht eine bloß poetische
dem metrum zu gefallen geschaffene, so verdient diese deutung alle rück-
sieht: die lat. betonung war amphäsia, it. amfascia (vgl.ayoQaaia, it. gras-
cia), durch einen tausch des labials, vielleicht um die erinnerung an fas-
cia wegzuräumen, ambascia. Daß es den schwestersprachen versagt ist,
gibt der herleitung aus dem griech. einige berechtigung. Hierzu abait II. c.
Ambiare it., sp. pg. pr. amblar, fr. ambler den pass gehen (von
pferden), mlat. ambulare, in dieser ausschließlichen bedeutung unclassisch
und erst etwa seit dem 9. jh. im gebrauch. Dem wal. umblä fehlt diese
bedeutung, t dagegen ist es in der ursprünglichen ganz volksüblich geblieben.
Ambra it. (f.), sp.pg. ämbar und alambar, alambre (m.), fr. ambre
(m.) bernstein, mhd. amber, ämer, nhd. ambra, ein harziger stoff aus dem
Orient; zunächst von dem arab. canbar (zugleich name eines Seefisches),
das aber in dieser spräche selbst keine würzet hat, s. Freytag III, 227b.
Ämido it., pg. ämido, amidäo, sp. almidon, fr. amidon stärke zum
steifen der wasche; von amylum (afivlov) kraftmehl. Es ist das einzige
beispiel eines gemeinrom. Überganges von 1 in d, mlat. am i dum Dief.
Gloss. lat. germ.
Ammainare it., sp. pg. amainar, fr. amener (Jes voiles) die segel
einziehen.
Amonestar sp. pr., pg. amoestar, altfr. amonester, nfr. admon&er
warnen, ermahnen, prov. auch monestar; altfr. sbst. monneste TFr. p.
446; weder im italienischen bekannt noch im mütellatein. Doch wohl von
monitare bei Venantius Fort., aber mit eingeschobenem 8, um nicht mon-
tar zu sprecJien, wie vantaf aus vanitare ward; also eine scheideform,
aber eine der seltsamsten. Darum gebührt der folgenden deutung eines
französischen etymologen genaue erwägung. Der Romane muß admönere
gesprochen haben, wie er summönere (semondre) sprach: jenes verbum
gewährte ihm ein partieip admonestus, daher admonestare, admon^ter.
S. Littre, Hist. d. I. I. fr. I, 34. Genau erwogen, gewahrt es ihm ein
pari, admost nach dem muster von somost, vielleicht selbst admonst, da
die substantiva somosta* und somonsa vorkommen, daher denn das verbum
admonstar, zur tilgung der härte admonestar. Diese hülfeleistung des e
vor s scheint aber nicht minder bedenklich als die des s vor t.
Ananas it. sp. fr. eine südamericanische staude sowie deren frucht,
pg. ananaz in letzterer, ananazeiro in ersterer bedeutung) der name mit
der sache nach Europa gekommen.
Anappo, nappo it., pr. enap, altfr. hanap, henap (h asp.); vom
ahd. hnapf, früher hnap, im munde der Romanen hanap (so bereits in
den Casseler glossen), nhd. napf. Eine ableitung ist altfr. hanepier hirn-
schale, eigentl. gefäß, in beziehung auf ihre form, wie testa.
Anca it. sp.pg.pr., hanebe fr. (h asp.), daher engl, hauneb, hüfte,
L ANCHE. 17
plur. sp. pr. ancas kreuz der lastthiere; zsgs. it. sciancato, fr. 6hanch6
lendenlahm. Zwei etymologien liegen vor: vom gr. ayxt] bug, biegung,
und vom dtschen anke, ahd. ancha genick, eigentl. wohl einbiegung. Den
griech. stamm hat die roman. spräche auch sonst benutzt (vgl. anco II. b)
und Festus erwähnt selbst ein lat. ancus (gui aduncum brachium habet
ut exporrigi non possif. Aber das deutsche Wort lag7 zumal in seiner
speciellen anwendung (gelenk), dem Romanen näher als das griechische und
das su den alterthümern der spräche gehörige lateinische. Entschieden aus dem
ahd. ancha in der bed. tibia, crus ist fr. anche röhre, wovon banche durch
die aspiration (vgl. dazu fries. hancke, hencke KU.) geschieden ward.
Anche, anco it., chw. aunc, aunca, partikel s. v. a. lat. etiam (auch,
noch), pr. anc, altfr. ainc s. v. a. unquam, wai. ince s.v. a. adhuc. Im
Leodegar trifft man hanc in itdl. bedeutung: hanc la lingua auch die
zunge 27, et hanc en aut merci si grand er hatte auch so große gnade
mit ihm 31. Dazu die Verbindungen pr. anc mais, anc sempre, ancse.
Die entstehung dieser partikel läßt sich auf verschiedene weise denken.
Prov. anc z. b. könnte aus fr. onc (unquam) entstanden sein etwa wie
ara aus ora ; es wird ebenso nur verneinend gebraucht und nur auf die
Vergangenheit bezogen: anc non fo hom = onc ne fut hom, und so ist
auch anc mais = fr. onc mais, it. unque mai. Aber es ist nicht rath-
sam, das prov. wort von seinem ital. gefährten zu trennen, mit dem es in
einem alten denkmal gleichbedeutend erscheint. Zu erwägen ist femer
adhuc, dessen sinn (bis jetzt, noch dazu, sogar) das rom. wort vollkom-
men ausdrückt: auf diese weise würde sich auch das sp. aun (wofür der
Portugiese ainda setzt) damit vereinigen lassen. Dessen herkunft aus ad-
huc ist unzweifelhaft: mit eingeschobenem n entstand ädunc äunc, mit
apocopiertem c dun, welches von den Alten noch zweisilbig gesprochen und
darum auch ahun geschrieben ward, s. Tierceo p. 154, 320. 203, 172.
368, 628; denselben Vorgang zeigt aitsp. nin = lat. nee, pg. assim =
sie, allin GVic. 93* = illic. Darf man ein solches rhinistisches adunc
annehmen, das auch durch das altfr. ainsinc aus aeque sie unter-
stützt wird, so konnte dies im itdl., worin d zwischen vocalen nicht leicht
ausfällt, kaum anders lauten als ad'nc ai\p anche. Damit trifft das pr.
anc zusammen, wiewohl a hier vielleicht aus au vereinfacht ist, vgl. anta
aus aunta. Es ist noch eine dritte etymologie gedenkbar, aus hanc sc.
horam {vgl. wegen des zu supplierenden Substantivs it. issa sc. hora), von
seiien des buchstabens geunss die einfachste, von Seiten des begriffes aber
in so weit minder genügend, als außer horam auch noch ad suppliert
werden muß. — Für altfr. ainc wird zuweilen mit beigefügtem s ains
gesetzt, z. b. Alexs. 66, 3, was von ains = sp. antes zu scheiden ist. —
Hier kommen noch zwei composita in erwägung: pr. anc-ui, altfr. enc-ui,
altit. u. mdartl. anc-oi heute; pr. anca-nuech, altfr. enque-nuit, diese
nacht. Das darin enthaltene anc konnte unser rom. wort sein, im zweiten
compositum euphonisch erweitert in anca (vgl. chw. aunca); der eigent-
liche sinn wäre alsdann *noch heute, noch diese nacht3.
2
18 I. ANCINO— ANDARE.
Ancino it., sp. anznelo, pg. anzol, fr. hameQon haken, angel;
sämmtlich aus hamus abgeleitet
Andana com.piem. 1) gang d. i. Haltung im gehen, auch lebensweise,
2) räum, den der mäher mit einem schritt durchmißt, fr. andain (m.) in
der zweiten bedeutung, norm, andain (m.) schritt, in Berry läge des ab-
gemähten grases, sp. andana, pg. andaina überh. läge, reihe. Nahe liegt
andare gehn, wiewohl das franz. wort nicht mit aller zusammentrifft; die
grundbedeutung wäre schritt, woran sich der räum eines Schrittes in dem
bemerkten sinne, endlich läge, reihe knüpfte: auch unser Schwaden be-
zeichnet sowohl den von der scnse bestrichenen räum als auch die reihe
oder läge der abgemähten Halmen. Dazu kommt noch ein wort mit un-
gewöhnlichem nicht sicher zu beurtheilenden suffix, altsp. andamio Hal-
tung im gehn, mlat. andamius (aera 1036) gang, Zugang, cdtpg. andamo
mit ders. bed., vgl. henneg. andame = fr. andain; auch sp. andamio,
pg. andaimo, andaime, bask. aldamn gang auf dem wall oder der mauer,
dsgl. baugerüste, in welcher bedeutung man es für arabisch hält, kann
hieher gehören.
Andare it., sp. pg. andar, cot. pr. anar, wäld. annar, lomb. anä
gehen. Der Franzose hat ein anderes wort, aller; dem Churwälschen
und Walachen fehlt das eine wie das andre: jener setzt sich ein verbum
zusammen aus ire, vadere und meare (doch hat man neuerlich in einem
theile dieses gebietes auch amnar entdeckt, Zeitschr. für vergl. sprachf.
VIII, 231), dieser braucht mearge, dessen starke flexion (mearsei, mers)
latein. Herkunft verräth, also etwa auf emergere (hervorkommen) zurück-
zufuhren ist, wenn nicht das alban. mergönem 'ich entferne michy auf
seine bedeutung eingewirkt hat Im span. und port. ist das verbum voll-
ständig, im ital. war es ehemals gleichfalls vollständig und ist es noch in
mundarten z. b. der sardischen,' ergänzt oder mischt sich aber jetzt in der
art mit vadere, daß jenes die flexionsbetonten, dieses die stammbetonten
formen hergibt: vo, vai, va, andiamo, andate, vanno; andava; andai
u. s. f. Der grund dieser mischung liegt ziemlich nahe. Schon im latein
steht rädere defectiv da, es entbehrt des peffects nebst den daher abge-
leiteten Zeitformen; nur der späte ^Tertullian sagt einmal vasit. Für dies
fehlende tempus konnte die neue spräche das umfanglose ivi, das noch
dazu in ii zusammenschwinden mußte, nicht brauchen; sie schuf sich ein
bequemeres verbum, andare, das nicht nur in das perfect und imperf. conj.
(andai, andassi), sondern, da es im infinitiv flexionsbetont ist, allmählich
in alle flexionsbetonte stellen des Schemas eintrat, während das stammbe-
tonte vadere in den stammbetonten stehen blieb. Es findet also hier ein
Wechsel statt, dem sich der zwischen esco von exeo, und nscire, das sich
an ostium anlehnt, vergleicJten läßt: esco, esci, esce, usciamo, uscite,
escono. — Was nun den Ursprung von andare betrifft, so könnte man
die sache kurz abthun: es wäre umgestellt aus lat. adnare Her schwimmen,
welches Papias gradezu mit venire übersetzt, die prov. form würde sich
gut aus annare erklären; ward ja doch auch arrivare durch eine ähnliche
I. ANDARE. 19
ansehauung aus adripare anlanden. Doch ist es rathsam sich weiter um-
zusehen. Vor allem ist ein lat. verbutn von ähnlichem klänge, ambulare,
zu erwägen, das um so mehr berechtigt scheint, als das frühste mlatein
sich dessen ganz im sinne von andare bediente (letzteres erst in Urkunden
v. j. 972 u. 986, s. Muratori s. v. andare), wie z. b. ein longob. gesetz
in der phrase ad maritum ambulare = it. andare a marito; es macht
sich sogar der eben berührte Wechsel zwischen diesem verbum und vadere
bemerklich, der freilich nicht regelmäßig sein kann, da die Volkssprache
selbst noch das vollständige andare besaß. So liest man z. b. ambulando
ubi voluerit . . . vadat ubi voluerit Brun. 532 (v. j. 749); qui ad ma-
ritum ambulaverint ... et postea vadant Lup. 646 (v. j. 806). Allein
dieser nüat. brauch zeigt nur, daß man ein bekanntes lat. wort einem
ähnlich lautenden roman. unterschob, wie man z. b. corte, fr. cour, häufig
mit curia wiedergab; er beweist nichts für den Ursprung von andare. In
der (hat ist seine entstehung aus ambulare wenigstens auf ital.' gebiet
gegen alle analogie; auf spanischem kann sie sich auf einen einzelnen
ähnlichen fall, sendos aus singulos, sing los berufen, aber das formell
nähere amylum gab doch amido, nicht ando. Vollständiger genügt ein
aus ambire abgeleitetes verbum, ambitare, entsprechend dem lat. itare aus
ire, zsgs. ambtare amtare, mt aber ward zu nd wie in conde, duendo,
lindar, senda aus com'tem, dom'tum, lim'tare, sem'ta. Der Frovenzale
sagt anar mit syncopiertem d; da aber seiner mundart diese syncope sonst
nicht zusagt, so ist einfluß des cat. anar, das sich verhält wie manar oder
fonar aus mandar, fondar, anzunehmen. Indessen steht dieser etymologie
die ital. form andare im wege, indem diese mundart mt niemals durch
nd wiedergibt, einfuhrung aber eines Wortes dieser ort aus Spanien ganz
unwahrscheinlich ist. Muratori räth, vielleicht nach Ferraris schwankender
andeutung, auf lat. aditare und ohne zweifei hat er das richtige getroffen.
Ennius braucht es einmal (ad eum aditavere) ; seine bedeutung ist coft
hinzugehen, also chin und hergehen, und grade diese bedeutung spricht
sieh noch in verschiedenen roman. ableitungen aus wie im sp. andante hin
und hergehend, daher caballero andante ein irrender ritter, andorro hin
und herschweifend, sard. andareddu mit derselben bedeutung. Die form
macht nicht die geringste Schwierigkeit: n ward vor d eingeschoben um
dem warte auf roman. weise mehr umfang zu geben wie in rendere aus
reddere, ein verfahren, das sich mit dem Substantiv desselben Ursprunges
it. sp. ändito aus aditus belegen läßt, mlat. v. j. 800 cum viis et aquis
et anditis suis, s. Muratori und Ducange, und was den Schluß des Wortes
betrifft, so ist altsp. altit. renda aus reddita zu vergleichen, der tägliche
gebrauch verkürzte anditare endlich in andare. Günstiger für Muratori's
etymologie wäre freilich antare gewesen, indessen erweicht sich nt wenig-
stens im span. oft in nd, im ital. kommt dies seltner vor, aber es kommt
vor (endivia, polenda, lomb. anda = fr. tante u. a.) — Andare hat
etwas merkwürdiges in seiner flexion, indem das perf. altit. andiedi, an-
detti, altsp. andide, andude lautete. Diese formen bewogen J. Grimm
20 L ANDARE.
das räthsdhafte verbum aus dem deutschen herzuleiten: andettero (3.plur.)
entspräche einem altern goth. ididedun, prät. von gaggan gehn, dessen
stamm in der longob. mundart and lauten mochte. Diese herleitung leidet
an zu großer künstlichkeit und entbehrt alles historischen anhaltes. Andare
und stere geben der roman. spräche zwei ganz parallele hülfsverba ab: ist
es ein wunder, daß diese spräche auch ihre flexionen in einMang zu brin-
gen suchte? Solche anbüdungen sind ja nichts seltenes. Sp. anduve ist
daher = estuve, andido = estido, andudo = estudo, beide letztere ver-
altete perfecta; ältit. andetti = stetti, andiedi = stiedi. Auch andre
verba erster conj. wagte der Spanier so zu flectieren: entrido von entrar,
catido von catar, demandudo von demandar. — Sonst wird andare auch
vom deutschen wenden, wandern, wie aller von wallen hergeleitet; wer
dies thut möge aber vorher den abfall des deutschen anlautes w als etwas
auch nur einigermaßen übliches nachweisen. Span. Andalnz, Andalucia,
wenn -es, was nicht ganz sicher ist (s. Bios, Lit. esp. II, 10), von Wan-
dolus kommt, wäre freilich ein beispiel, allein dieses wort gieng durch den
mund der Araber, welchen die roman. ausspräche des w wie gu in Guan-
dalnz, Guandalucfa nicht zusagte und so findet sich auch impla für
guimpla in einem mozarabischen missal. Wenden, goth. vandjan, ward
richtig guandir, wallön hätte fr. ganler werden müssen. Mit besserm
rechte könnte man ein celtisches verbum, kymr. athu, ir. eath (gehen) in
anschlug bringen, genügte die herleitung aus der nächst berechtigten spräche
nicht vollständig. Die franz. mundart hat weder ander noch aner,
doch kommen in alten werken unzweifelhafte spuren des letztern vor: in
der Chron. de Benoit I, p. 92 si qu'en exil nos en anium (wofür frei-
lich auch aujum gelesen werden könnte), im Tristan (Chx. VI, 300) que
vosanez por moi fors terre. Dafür bietet sie aller, altfr. aler (aber
allar bereits Pass. de J. C. 114), das sich*ebenso mit vadere mischt wie
das it. andare, nur daß es das ganze präs. conj. von dem eigenthümlich
roman. verbum, das futur von ire entlehnt; eine volksmundart soll (für
irai) vrai von vadere brauclien, s. Fuchs, Zeitwörter p. 311 (wenn dies
nicht aus viendrai zusammengezogen ist). Was aller betrifft, so kann
jenes veraltete nur vom norden des franz. Sprachgebietes eine Zeitlang fest-
gehaltene aner kein bloßer provenzalismus, es muß ein achtes franz. wort
sein; aner und aler, dieses aus jenem entstellt, können neben einander ge-
golten haben wie venin und velin (venenum), orphenin und orphelin, so
daß alle drei formen, andar, anar, aler, auf ein und dasselbe wort der
lingua rustica zurückleiten, daß also auch hier ein zusammentreffen der
mundarten statt findet, wie oft in noch abweichenderen gebilden. Vielleicht
lassen sich noch reste ursprünglicherer formen von aditare hervorziehen.
Comask. aitöe s. v. a. andato, ist es nicht unmittelbar aus aditato mit
syncopiertem d entstanden, oder wie erklärt es sich sonst? Venez. aida
s. v. a. vanne (imperat.), ist es nicht genau das gleichfalls syncopierte
adita? Ja das walach. dem gr. devQO, devti, dem goth hin, hirjitb
entsprechende defectiv aide, aidatzi (bei Clemens), passt es nicht ebenso
I. ANGOSCIA-ANZI. 21
zu adita, aditate, oder wäre es fremdes Ursprunges, da auch der Serbe
ajde, äjdate spricht? Aus dem primitiv adire aber entstand vielleicht
das bürg, sii (aYr) s. v. a. aller, in der mundart des Jura. — Von aller
leitet sich das sbst. alläe gang, baumgang, das Ducange aus la 16e (laie
IL c) entstanden wähnt, vgl. it. andata. ~ [Die Wichtigkeit des verbums
andare hat später noch andre deutungsversuche hervorgerufen, die aber
an dieser stelle nicht auseinandergesetzt werden können. Nur soviel werde
bemerkt, daß man der oben zuerst aufgestellten deutung aus adnare den
preis zuerkannt hat, ohne sie jedoch mit neuen argumenten zu unter-
stützen.]
Angoscia it., allsp. angbxa, pr. engoissa, fr. angoisse angst; vb.
angosciare, angoisser ängstigen; von angustia enge, noth. Der neusp.
ausdruck ist congoxa, auch pg. cot. congoxa, worin das vermeintliche
präfix an mit con vertauscht ward, während der Provenzaie es sich durch
en verdeutlichte.
Anima it., pr. anma JBth., altfr. anme, nfr. äme, dsgl. mit 1 it. sp.
pg. alma (in ersterer spracJie nur poet.), chw. olma, mit r pr. arma, altfr.
arme, airme seelc, weil, inime seele, auch herz im physischen sinne; von
anima athem, leben. Das masc. animns fehlt franz. und prov. und wird
in einer seiner bedeutungen mit courage, coratge ersetzt.
Ansia it. sp. pg., pr. aissa, altfr. ainse, aisse (s. glossar zu JBenott)
angst, ängstliches verlangen, mlat. anxia Dief. Gloss. lat. germ. ; vom adj.
anxins. Abgd. it. sp. ansioso, pr. aissos, altfr. ainsos ängstlich, sehn-
süchtig. Die prov. mundart besitzt noch ein masc. ais, welches Widerwille
zu bedeuten scheint: tant es cortesa senes ais M. 39, 5; no tem lo seig-
nor del Bais, anz en mou contr1 el tal ais LR. III, 610 (mit aide über-
setzt): ob es = sp. asco ist, wie Raynouard meint LR. II, 41, steht da-
hin: man müßte eine Umstellung acs annehmen.
Antano sp., altpg. antanho, alt- und npr. antan, altfr. antan, en-
tan adverbium für nähere Vergangenheit, im gegensatz zu hogano (s. ngu-
anno) : pr. antan aic d'amor ses falha, mas non ai ognan sonst hatt9 ich
liebe genug, jetzt haV ich keine mehr Chx. III, 268. Von ante annum.
Abgd. altfr. antenois, lat. annotinus.
Anzi it., sp. pg. äntes, pr. cot. ans, altfr. ans, ains präposition
und adverb 1) vor. ante, 2) vielmehr, potius; von dem in den meisten
sprachen noch fortdauernden ante mit angefügtem adverbialen s, so daß
die ital. form eigentlich für ansi stefd, vgl. diesen wandet des s bei vor-
hergehendem n in senza, manzo u. a. Der herleitung aus antea wider-
spricht die span. form und selbst im ital. war alsdann anza (vgl. poscia)
zu erwarten, dagegen ist i eine bevorzugte endung der partikeln. Nur ist
bei anzi zu erinnern, daß ein paragogisches s dem ital. Sprachbau wider-
spricht: man müßte also hier die silbe zi als paragogisch annehmen, wie
bei senza die sübe za. Menage stimmt für das unvorhandene, aber leicht
einzuräumende antius, als comparativ von ante, welches sowohl anzi wie
ains befriedigt, antes aber aus dem spiele wirft. Und doch muß es ein
22 I. APE— ARANCIO.
leitender grundsatz der Wortforschung sein, sofern der buchstabe nickt
entschieden widerspricht, am gemeinsamen Ursprung gleichbedeutender und
formell nahliegender Wörter verschiedener schwestersprachen festzuhalten.
Eine dbleitung unmittelbar von ante ist it. anziano, sp. anciano, pr.'
ancian, fr. ancien alt. Zss. mit präpositionen: it. avanti, pr. abans,
avant, fr. avant, von ab ante, letzteres schon auf einer röm. inschrift; vb.
it. avanzare, sp. pr. avanzar, fr. avancer fordern; sbst it. vantaggio
für avantaggio, pr. avantatge, fr. avantage, sp. ventaja, pg. ventagem
vortheil. Dsgl. it. d avanti, altsp. devant, pr. davans, fr. devant, von
de ab ante; vb. pr. davancir, fr. devancer. Ital. innanzi, innante,
altsp. enante, pr. enan, enans; vb. j?r.#enantar, enantir. Ital. di-
nanzi, sp. denante, delante, pg. diante, pr. denan; it. dianzi u. a. m.
Ape it., altfr. pic. es für eps biene, von apis; it. pecchia, sp.
abeja, pg. pr. abelha, fr. abeille, von apicula, dimin. norm, avette. Da-
her ferner it. apiario, pr. apiari, fr. achier (vrlt.) bienenhaus, lat. volks-
mäßig apiarium nach Gellius, s. Born, gramm. I, 8. Auf waiachisch heißt
das thierchen albine. von alvus bienenkorb.
Appena it., sp. pg. ap&ias, fr. ä peine, adverb für lat. vix, von
poena, wörtlich 'mit pein, mit noth\ also ungefähr wie lat. aegre oder
ahd. kfimo mit beschwerlichkeit. Vix, das sich im sp. av6s erhalten, s. IL b.
Appo it., präposition; von apud. Desselben Ursprunges ist pr. ab,
amb, am, npr. emb, bearn. dap, cat. ab, wald. au (neben cum Ghx. II,
cxlii), altit. am, altfr. ab (nur in den Eiden), sonst auch a und mit
rücksicht auf das ursprüngl. d od, verkürzt o, im Leodegar auch ob.
Schon im ältesten mlatein ward apud, später ab, für cum gebraucht
(beisp. Born, gramm. III, 174), aber die erste bedeutung behauptet noch
ihr recht, z. b. encusar ab alcun bei einem verklagen SLeg. 13, aprendre
ab alcun bei einem lernen PO. 142; fud enseveliz od ses ancestres LRs.
304. Zsgs. ist fr. avec, s. dies wort II. c.
Ar ab es co it., üblicher rabesco, sp. arabescos, fr. arabesques Ver-
zierungen mit laubwerk in der bildhauer- und malerkunst, meistens phan-
tastischer ort; nach den Arabern genannt, deren religionsgesetze menschen
oder thiere abzubilden verbieten.
Araldo it., sp. haraldo, heraldo, alt haraute, pg. arauto, fr. häraut
für höralt (h asp), sp. pg. auch faraute herold; vom mlat. haraldus, he-
raldus, dem ein ahd. hariowalt lieerbeamter entsprechen konnte; als eigen-
name ist bekannt Chariovaldus, alts. Hariolt, altn. Haraldr.
Arancio it., mail. naranz, fem. ven. naranza, sp. naranja, pg.
laranja (bask. larania), cot. taronja, wai.- neranze, mgr. vtQavtfyov, ngr.
vBQctvrti, franz. aber orange, eine südliche frucht, pomeranze; zsgs. it.
melarancia. Die alten nannten die äpfel der Hesperiden, sagt Scdma-
sius zu Solin p. 955, aurea mala, das mittelalter vertauschte das ent-
sprechende aurata mit dem pari. präs. aurantia um einen goldapfel zu
benennen: hieraus entsprang fr. orange, und aus in -aurantia = inaurata
das it. arancio. Allein aus aurantia, wenn man diese verirrung der
I. ARATRO-ARDIGLIONE. % 23
spräche zugibt, konnte nur orance werden, nimmer orange. Das wort
kam vielmehr aus dem persischen durch das arabische nach Europa, wo
es sich leicht einführte, weil ein bestimmter lat. ausdruck fehlte, pers.
näreng, aardb. n&rang, Gol. 2346. Daß die frans, form aus einer um-
deutung durch aurum entstand, ist unschwer zu erJcennen, rnlat. (ende des
13. jh.) schrieb man noch arangia. — Von arancio ist das üal. adj.
rancio, sofern es eine färbe bedeutet.
Arätro, aratolo it., sp. pg. arado, cot. arada (f.). val. aladre, pr.
andre, altfr. aröre, südwal. aratru, aratu pflüg. Nicht alle sprachen sind
dem lat. worte treu geblieben. Im neueren franz. sagt man dafür charrue,
von carruca kutsche, tragsessel, die lat. bed. noch im prov. und im mlatein,
s. b. carruca, in qua sedere consuevi Breq. n. 250 (v. j. 700), die franz.
bereits in den legg. barb., z. b. si quis caballum, qui carrucam trahit,
furatus fuerit L. Sal. Nicot hat noch araire, nennt es aber ein mot lion-
nois. Das franz. wort gelangte nach Portugal, wo es die form charrua
annahm und eine besondere art des pfluges, und, da pflüg und schiff etwas
verwandtes haben, auch ein lastschiff bedeutet. Auch pflüg ist dem roman.
gebiete nicht fremd. Die L. Long, hat: si quis ploum (cd. plouum) aut
aratrum alienum . . scapellaverit DG.: diesem plo-um entspricht das
lomb. piö d. i. plö (Biondelli 75), der Variante plou-um oder plov-um
das wälschtyrol. plo! (Azzolini). Die nordwal. mundart hat plug aus
dem slavischen. Hin andrer ausdruck ist piem. sloira, lomb. sciloira:
ihnen würde ein altfr. silleoire, silloire entsprechen, von silier das meer
durchfurchen = nord. slla. Piem. ar n aber ist wohl entstellt aus aratrum.
Arcione U., sp. arzon, pg. ar$äo, pr. arso, fr. argon Sattelbogen,
sattel. Von arctio (zusammenziehung) ist logisch allzu künstlich. Es
entstand vermittelst der ableitung ion aus arcus wie fr. cler^on aus cler'cus,
oison aus auca, £cusson aus acutum, lat. gleichsam arcio arcionis, und
bedeutet also etwas gebogenes, mhd. bogen.
Arcobugio, archibuso it., arcabuz sp., arquebuse fr. kugelbüchse;
von arcus bogen und it. bugio, buso durchbohrt, also eine fait einer röhre
versehene feuerwaffe, die den namen bogen behielt, weil sie in der neuern
kriegskunst an dessen stelle getreten war. So Ferrari u. a. Aber ein
durchbohrter bogen ist eine eben so unstatthafte auffassung wie die an-
wendung eines in der alten kriegskunst nicht vorkommenden namens auf
die neuere eine grundlose Voraussetzung ist. Besser erklärt man es darum
mit hinsieht auf das ältere fr. harquebuse, wallon. harkibuse (h asp.),
aus dem ndl. haakbus Hakenbüchse, s. Grandgagnage I, 266. 278.
Ardiglione it., fr. ardillon, pr. ardalho dorn in der schnalle; von
ungewisser Herkunft. Ein altes glossar hat ardelio 'acutus* Class. auet.
VI, 609", es wird aber wohl glutus zu lesen sein. Gegen Gasaubonus,
der es aus dem gr. aQdig pfeilspitze ableitet, wendet Menage mit recht
die unublichkeit dieses Wortes ein. Ihm selbst scheint es ein diminutiv von
dard und unläugbar konnte sich dardillon, das im neuprov. noch vor-
kommen soll, durch dissimilation in ardillon, oder, da ein consonantanlaut
24 ARDIRE-ARINGA.
nicht leicht wegfällt, in lardiüon, l'ardillon verwandeln. Das Span, wort
für diese sache ist rejo spitze.
Ardire it. sich erkühnen, pr. ardir, cnardir, fr. enhardir kühn
machen. Lot. ardere ist aus dem spiel zu lassen: man brennt vor leiden-
schaft, nicht vor kühnheit, audacia ardere wäre wenigstens ungewöhnlich;
doch ist dies der hauptgrund nicht gegen diese herleitung. Menage dachte
anfangs an audere, it. aldire (aldace kommt vor), endlich ardire; dies
ließe sich für Italien hinnehmen, nicht für die andern provinzen. Das
fr. hardir (mit asp. h) weist auf deutschen Ursprung, der sich im ahd.
hartjan stärken, kräftigen findet. Auf hart verwies später auch Menage,
so Caseneuve, Wächter u. a. Das adj. ardito, ardit, hardi (kühn) läßt
sich fast nur als particip dieses Zeitwortes begreifen, da adjectiva auf -it
wie lat. auritus, pellitus im romanischen selten sind; an das particip von
ardere, welches ars lautet, ist nicht zu denken. Im span. aber hat man
ardido allmählich auf arder bezogen und ihm die bed. ' erhitzt beigelegt;
altsp. f ardido <kühn führt aber mit seinem anlaut noch unmittelbar
auf fr. hardi; vgl. Rom. gramm. I, 320. Ein artiges zusammentreffen
ist es, daß die picard. mundart hardiment ganz wie das ahd. harto als
adverb des grades verwendet: hardiment dur = harto herti. Daher auch
sbst. pr. ardit, altsp. ardil kühnheit; aber sp. ardid listig, sp. pg. ardid
list scheinen aus artitus herzurühren, s. unten artigiano; freilich ist als-
dann assimilation des t (ardid aus artid) anzunehmen.
Ärgano it., sp. drgano, Organa und argtte (m.), cat. arga hebezeug,
krahn, winde, pg. argao weinheber, fr. argue (f.) maschine in form einer
schiffswinde zum durchtreiben der gold- und silberstangen (Trev.); abgel.
it. arganello dimin., sp. arganel kleiner metallener ring, fr. arganeau
eiserner ring auf den schiffen, durch welchen die seüe laufen. Ferrari
gibt ergäta {eQyattjg) eine Vorrichtung lasten zu heben, Menage Organum
(oQyavov) Werkzeug als etymon. Jenes trifft die bedeutung von argano
besser: es konnte sich unter dem volke, welchem die endung ata fremd
war, leicht in letzteres verwandeln; mlat. findet sich auch argata tannulus
crassior Dief. Gloss. lat. germ. in Übereinstimmung mit arganel, arganeau.
Arg ine it. (m.) dämm. Dies aus agger entstandene wort (vgl.
cecino aus cicer und die venez. form ärzare, worin sich das auslautende
r erhielt) ist merkwürdig genug. Man weiß, daß die alten Römer ar für
ad gebrauchten, daher arcessere für adcessere; da nun ägger eigentlich
für adger von adgerere gilt, so vergegenwärtigt uns das roman. argine
augenscheinlich ein lat. volksübliches arger. Nur so erklärt sich die form,
nicht etwa durch rohe emschiebung eines r, die an dieser stelle ganz gegen
den geist der spräche wäre. Das sp. drcen rand, brustwehr muß das-
selbe wort sein, vergl. arcilla aus argilla. Ein anderes beispiel dieser
art ist das venez. arfiare von adflare. S. auch Ferrari und zumal Pott,
Plattlat. 326, der armessarius L. Sah und wäl. armesariu für admissa-
rius anfuhrt, femer Mussafia, Über die ital. Grescentia.
Aringa it., sp. masc. arenque, pr. arenc, fr. hareng (h asp.), wal.
L ARINGO-ARMELLINO. 25
bering ein fisch; vom ahd. harinc, ags. nhd. hering, gewöhnlich aus lat.
halec (salzfisch) erklärt
Aringo it. rednerplatz, tummdplatz, rennbahn, fem. aringa, sp.
pg. pr. arenga, fr. harangue (h asp.) öffentliche rede; vb. aringare,
arengar, haranguer eine öffentliche rede halten, feierlich anreden; it.
aringhiera, ringhiera rednerplaJtz, rednerstuhl. Der frans, anlaut gibt
den Ursprung des Wortes deutlich zu erkennen: es ist vom ahd. bring,
mhd. ring, kreiß, Versammlung, schau- oder kampfplatz, gerichtsstätte u. dgl.,
daher die roman. bed. das vor einer Versammlung vorgetragene: arenga
est apta et Concors verborum sententia etc. Breviloquus, s. Ducange,
vgl. lat. concio 1) Versammlung, 2) rede vor derselben.
Arista it. rücken des Schweines, eigentl. börste, sp. aresta Sacklein-
wand, fr. arete gräte, it. resta granne des kornes; von arista granne, gräte.
Arlecchino it., sp. arlequin, fr. arleqnin (früher auch harlequin
gesehr.) eine komische maske der ital. bühne, überhaupt possenreißer, hans-
wurst, sp. arneqnin gliedermann. Es ist ein späteres wort von unbekann-
ter vielleicht gane zufälliger entstehung. Etymologien sehe man bei Flöget,
Gesch. des grotesken p. 36; für ihre Wiederholung ist hier kein räum.
Eine neuere, von GSnin, aus Ariecamps, name eines kirchhofes zu Arles,
für Elycamps d. i. Champs-£lys6es, in nächster bedeutung gespensterchor,
Hellequin, dann das haupt dieses chores auf maskeraden ins lächerliche
entstellt, ist zwar sinnreich ausgeführt (Variat. du lang. fr.p. 461—469),
bedarf al>er vor allem etymologischer rechtfertigung. Am leichtesten ist
noch Zusammenhang zwischen harlequin und hellequin zuzugeben. Das
älteste franz. zeugnis scheint das folgende, worin das mit schellen rasselnde
gefolge harlekins erwähnt wird: ä sa siele et ä ses lorains ot eine cent
eloketes au mains (au moins), ki demenoient tel tintin con li maisnie
hicrlekin Ren. IV, 146. Das wort ist also ein so altes französisches, daß
seine herkunft aus Italien noch sehr zweifelhaft erscheinen muß; es hat
sogar niederländ. klang. — Weiteres darüber findet sich bei Gachet 252.
Arlotto it., sp. arlote, pr. arlot, aitfr. pic. arlot, harlot (herlot Trist.
I, 173) fresset, müßiggänger, altengl. harlot, herlote lotterbube, neuengl.
harlot wetze, s. E. Müller. Menage' s deutung aus helluo hat das gegen
sich, daß die allerdings häufige einschiebung des r nur hinter, nicht vor
consonanten statt zu finden pflegt. Ist das wort aus latein. stoff, so
entwickelt es sich leichter aus ardalio müßiggänger, das in den Isid. glos-
sen unter der form ardelio mit 'gluto3 übersetzt wird, so daß es grade die
roman. bedeutungen umfaßt: die zusammenziehung von ardaliotto in ard-
lotto arlotto scheint keine Schwierigkeit zu haben. Noch leichter würde es
aus gr. agdalog entspringen, von dem man ardalio herzuleiten pflegt;
aber dies liegt schon weiter ab. Der Portugiese hat ein vb. alrotar ver-
spotten, verhöhnen, altpg. bettelnd umherziehen SRos., das aus arlotar
umgestellt sein kann wie bulra aus burla.
Armellino und ermellino it., sp. armino, pr. ennini, ermin, alt fr.
enne, ermine JRCam. 219, neufr. hermine (h stumm) eine wieselart, hermelin,
26 I. ARNESE-ARPA.
berühmt wegen seines feiles, nüat. hermellinus, herminiae oder arminiae
pelles. Eine geschickte etymologie gab Ducange in seinem glossar zu
Villehardouin v. hermine; sie ist die folgende. Die Römer nannten das
hermelin mus ponticus, weil sein feit zunächst aus dem lande Pontus kam.
Seit aber die Neueren es aus Armenien empfiengen, womit sie eine genauere
handelsverbindung hatten, tauschten sie den namen und nannten das (hier
armenius mit weglassung von mus, wie auch der spätere Grieche schlecht-
weg 7iovTtxoQ sagte. Hiezu ist zu bemerken, daß die angegebene bedeu-
tung von mus ponticus nicht ganz sicher, aber nicht unwahrscheinlich ist.
Daß Armenien altfr. Ermenie heißt, käme Ducange' s ansieht zu statten.
Ital. armellino müßte diminutiv und aus armenino abgeändert sein. Nach
andern (z. b. Wackernagel) ist das wort nicht auf diesem umwege zu uns
gelangt: es ist deutsch, wie auch das thier in Deutschland gefunden wird:
ahd. harmo, dimin. harmelfn, mhd. hermelin, hieraus das rom. armellino,
und dieses harmo antwortet buchstäblich dem lithauischen szarmu {zweifel-
hafte form, sicherer szarmonys) wiesei. Vgl. Weigand I, 500.
Arnese it., sp. pg. pr. arnes, fr. harnois, harnais (h ctsp.) rüstung,
geschirr; dsgl. altfr. harnas für harnasc, vb. nfr. harnacher, pr. arna-
scar, arnassar anschirren; davon mhd. harnasch, nord. hardneskja. Von
herleitung aus altn. iärn, järn (eisen) ist abzusehen, da sich der roman.
anlaut anders gestaltet hohen würde, man erwäge fr. joli von jol. Den
stamm des Wortes bildet vielmehr kymr. haiarn, altbret. hoiarn, ir. iaran
eisen, die mit dem ätschen tsarn identisch sind, Zeuß I, 45. 63. 114.
120. 145; die Suffixe sind romanisch. Aber es liegt nicht in der natur
der sprachen, aus fremden stammen, die sie nicht in sich aufgenommen,
ableitungen zu ziehen, wiewohl einzelne ausnahmen vorkommen mögen; der
Romane muß also das abgeleitete wort bereits vorgefunden und sich assi-
miliert haben, auch muß dies erst spät geschehen sein, da es im altern
mlatein keine spur hinterlassen hat. Möglich wäre es nun, daß sich aus
dem kymr. haiarnaez eisengeräthe (s. Villemarque v. houarnach) zuerst
das engl, harness, hieraus das roman. wort gebildet hätte. Das genaueste
über den deutschen und celtischen wortstamm nebst ableitungen bei Diefen-
bach, Orig. europ. p. 367 ff.
Arnia it., ama sp.cat. bienenkorb, fehlt pg. Unbekannter herhunft:
etitsteMung aus alveare wäre zu stark. Einigermaßen erinnert es an gael.
ärcan korkholz: beide bedd. korkholz und bienenkorb umfaßt auch sp.
corcha und pg. corti^o. — [Mahn p. 104 muthmaßt iberischen oder in
beziehung auf das ital. wort selbst türkischen Ursprung. Eine befriedi-
gende aufklärung bleibt noch zu versuchen.]
Arpa it. sp. pg. pr., harpe fr. 1) harfe, 2) sp. pr. neap. auch
kralle, haken; vb. pr. arpar, altfr. harper, it. arpeggiare harfe spielen;
SP» P9- Pr- arpar, nfr. harper packen, anhaken, zerreißen; it. arpi-
care, iuerpicare klettern; fr. harpin haken, daher se harpigner
und se harpailler sich raufen; it. arpignone großer haken, arpione
thürangel; sp. arpon, pg. arpäo, fr. harpon lwrpune; dsgl.fr. harpeau
I
I. ARRESTO-ARTICIOCCO. 27
enterhaken. Alle diese bildungen {franz. mit asp. h) haben ihren Ursprung
im deutschen harte, ahd. harpha, altn. harpa, ags. hearpe: Venantius
Forty bei dem sich harpa sturst findet, nennt sie ein barbarisches d. h.
germanisches instrument: Romannsque lyra, plaudat tibi Barbarus harpa
7, 8. Zu ihrer hakenähnlichen gestalt passt die zweite der angegebenen
bedeutungen. Das gr. ag/rrj (sichel) würde nicht leicht ein franz. aspirier-
tes harpe hervorgerufen haben; eben so wenig ist das aspirierte harpon
aus tat. harpago herzuholen, wie denn auch Icein altfr. harpaon, harpeon
statt findet. — Die bed. haken des sp. arpa vertritt pg. farpa, sicher
dasselbe wort, worin, wie in anderrf fällen, h mit i vertauscht ward, daher
denn auch farpäo neben arpäo, farpar neben arpar: sofern es, nebst sp.
farpa, spieß oder spitze einer fahne bedeutet, erinnert es an aräb. 'harbah
kurzer spieß Freyt. I, 36 lb. JfaZ.~frappa ausgeschnittene zacke im tuch,
frappare auszacken, zerfetzen, sind sie aus dem letzterwähnten farpa?
Auch pg. farapo (für frapo?), sp. harapo läppen, fetzen, müssen hier
noch erwogen werden. Man sehe hierzu Dief. Orig. europ. p. 305.
Arresto it. altsp., aresto pg. aus dem fr. arret urtheü eines höhern
gerichtshofes, wovon keine appellation statt findet; eigentl. Schluß der
gerichtsverhandlung, von arrestare, arreter hemmen, einhalten, lat. ad-
restare, vgl. unser beschlufs d. i. beendigung. Das zusammentreffen
dieses tcortes mit dem gr. dgiovov ist zufällig, wiewohl Budaeus es daraus
herleitet, s. ff. Stephani Thes. graec. ling. s. v.
Arrivare it., sp. pg. arribar, pr. aribar, fr. arriver anlanden, an-
kommen; von ripa, nüat. adripare ans ufer treiben, it. arripare, daher
auch noch altfr. arriver la nef (transitiv) das schiff anfahren lassen.
Durch dieses neue verbum ward advenire aus seiner bedeutung verdrängt,
s. unten awentura.
Arsenale und arzana it., sp. fr. arsenal zeughaus, mittelgr. aQO€-
raA^*; dazu it. därsena, sie. tirzanä abgescKtoßner theil eines hafens,
sp. atarazana, atarazanal, pg. taracena, tercena schuppen, fr. darse, dar-
sine = it. darsena; vom arab. där^anah (dessen anlaut d frühe abfiel)
haus der betriebsamkeit, haus, wo etwas gemacht wird, worunter man im
dllgemeinen schiffe verstand (s. die Wörter Freytag II, 69n, 526a), pers.
tarsanah. Vgl. über dieses wort auch Muratori, Antiqq. ital. II, 525, S.
Rosa II, 341h, suppl 14", Cabrera I, 63, Pihan p. 42, Engelmann 64,
Dozy Oost. 16.
Articiocco it., fr. artichaut eine frucht, artischoke, vom arab. ardt
sohaukt d. i. erd-dorn Freyt. I, 27 a; dsgl. it carciofo, sp. alcarchofa,
alcachofa, pg. alcachofra, nach Sousa vom arab. al-charschufa. — [Dozy,
Oosterl. 18, hat diese Wörter einer neuen prüfung unterworfen. Das arab.
ardt schaukf besteht aus zwei adjeetiven und bedeutet erdartig-dornig,
passt also schlecht zu einem substantivbegriffe. Die verschiedenen roman.
ausdrücke müssen abänderungen desselben wortes sein. Auf arabisch heißt
die bemerkte frucht harschet, woraus nachher charschof geworden, daher
das sp. al-carchofa, it. carciofo. Neben letzterem brauchte man das, wie
28 I. ARTIGIANO-ASPO.
es scheint, daraus entstandene, bei dem Niederländer Dodonaeus (f 1575)
vorkommende als italienisch citierte arciocco, welches sich leicht in arti-
ciocco verwandelte. Dieses gieng durch den verkehr zu den Orientdien
über und erfuhr im arab. ar di-scbauk! eine umdeutung, da die frttcht
dornig ist und am boden wächst.]
Artigiano it., fr. artisan, sp. artesano, pg. artezäo künstler, hand-
werkcr; muthmaßlich s. v. a. artitianus vom adj. artitus cbonis instructus
artibus* Fest., <artibus edoctus Gl. Placid., ^rawax^og, daldalog' Gl. lat.
gr. In diesem falle aber muß das span. wort aus artizano abgeändert
sein. Nicht anders entstand partigiano Parteigänger aus partitus, s.
Rom. gramm. II, 335.
Artiglio it. kralle, sp. artijo, pg. artelho glied, gelenk, pr. altfr.
arteil (so noch in franz. mundarten z. b. zu Langres), nfr. orteil zehe;
von articulu8 gliedchen. Vgl. ardigas 'zaehun Gl. cassdl.; articula 'zaehd
Gl. Rhäban.
Artilha, pr. festungswerk, schanze (?); vb. altfr. artillier befesti-
gen; pr. artilharia, altfr. artillerie, altpg. artelharia SRos. sppl. wurf-
geschütz oder damit beladener wagen (artillerie est le charroi qui . . est
chargte de quarriaus en guerre, d'arbalestes, de dars, de lances et de
targes G. Guiart, s. DC), nfr. artillerie, it. artiglieria etc. grobes ge-
schütz. Von ars artis kunst, kunstgriff, wie fr. engin von ingenium, vgl.
vb. artiller in der bed. aussinnen, auf listen denken Antiöch. I, p. 88.
Altfr. artilleux listig. Nach Borgnet, Chev. au cygnelll, p . *«, kommt
das wort artillerie nicht lange vor dem gebrauche der feuerwaffen vor,
d. h. nicht vor dem 14. jh., und zwar zuerst bei Joinville.
Ascella it., pr. aissela, cot. axella achsel; von axilla, woraus nach
Cicero ala flügcl, achsel entstand, ersteres schon bei Isidorus in ascilla ver-
dreht. Mundartl., z. b. genuesisch, bedeutet ascella achselhohle.
Ascla pr. cot. Splitter, vb. asclar spalten*; von astula (in manchen
handschriften für assula, vgl. Dief. Gloss. 56r) spänchen, brettchen, wel-
ches ast'la, euphonisch ascla ergab. Von demselben worte ist auch sp.
astilla, altfr. astele Splitter, neu fr. attelle (/wrätelle) beinschiene, schon
pr. astela in dieser bedeutung. Für aschia spricht die neap. mundart
asca, die port. acha. Die occit. mundart hat die pleonastische Zusammen-
setzung fendasclat = fr. fendu.
Ascoltare, scoltare it., altsp. ascuchar, neusp. escuchar, pg. escu-
tar, pr. escoutar, fr. 6couter, altfr. auch ascouter hören, horchen; von
auscultare, worüber Caper (Putsch p. 2247) bemerkt, man dürfe nicht
ascultare sprechen, so daß ihm die roman. form schon bekannt sein mußte.
Daher it. ascolta, scolta, sp. escucha wache, schildwache
Aspo und naspo it., sp. aspa, altfr. hasple, pic. haple garnwinde;
vom ahd. haspa, haspel. Für aspo war, wie im span., aspa zu erwart en9
allein das getius richtete sich nach dem aus dem vb. in-aspare neu ge-
bildeten naspo, welches romagnolisch sowohl naspa wie nasp lautet, sard.
naspa.
I. ASSAI— ASTORE. 29
Assai it., altsp. asaz, pg. assaz, pr. assatz, fr. assez, adverbium,
von ad satis, einem ähnlichen pleonasmus wie im mlat. adplene.
Aggaggino it., sp. asesino, pr. assasgi, angeggi, fr. assassin Meuchel-
mörder, ffach Süvestre de Sacy's Untersuchung (Mem. de V Institut 1818.
IV, 21 ff.) entstand das wort aus dem arab. 'haschigchin, womit man die
glieder einer secte im Orient benannte, die durch einen aus der hanfpflanze
bereiteten trank chaschisch (Gol. 613) berauscht jeden von ihrem ober-
haupte, dem herrn des berges (schajch algabal), geforderten mord zu ver-
üben gelobten: que van neyg, si era part Franga, tan li son obedien,
aucire gos guerrierg mortals die, wenn es selbst über Frankreich hinaus
wäre, so gehorsam sind sie ihm, seine todfeinde zu tödten gehn Chx. V, 10.
Das wort kann nicht vor dem 12. jh. in Europa bekannt geworden sein:
drum ist eine Urkunde v. j. 814, worin assassinium vorkommt Mural. Ant.
Hol. III, 31, HPMon. n. 17 falsch oder verfälscht.
Assettare it. einrichten, ordnen, zieren, zu tisch setzen, pr. assetar
in letzter bedeutung; zsgs. it. rassettare; sbst. it. assetto putz, pr.
assieta einrichtung, fr. assiette läge, zustand, eintheüung, platz der tisch-
genossen (s. Caseneuve), daher auch teller. ltal. assettare heifit über-
dies verschneiden (castrieren) und muß in diesem sinne von secare sectus
herstammen, aber selbst die bed. ordnen knüpft sich an die von secare
abtheilen, ebenso ahd. skeran abschneiden, skara abschnitt, gkerjan abthei-
len, ordnen. Das goth. gatjan (setzen) kann gegen das lat. wort nicht in
betracht kommen. Ital. assetto brettchen ist von assis.
Aggo it., sp. pr. fr. ag, pg. az die zahl *elns auf würfeln oder
karten; vom lat. ag, das eine einheit ausdrückt. Muratori ließ sich durch
die redensart lasciare uno in aggo d. i. einen im suche lassen, zur deu-
tung des Wortes aus dem mlat. absus cager incultus* verleiten, da diese
redensart vielmehr, wie vielleicht auch die entsprechende deutsche (stich =
punct, as), aus dem spiele entlehnt sein kann.
Agtore it., altsp. aztor PC, nsp. pg. SLZor,pr. augtor, alt fr. ogtor,
nfr. autour habicht. Die übliche herleitung ist von astur asturischer vogel,
bei Firmicus Matemus (4. jh.), allein die lautgesetze widersprechen : agtur
konnte nur agtre geben. Der grammatiker Gaper (bei Putsch p. 2247,
vgl. das. Beda p. 2778) kennt acceptor als einen volksüblichen ausdruck
für accipiter (so auch in hss. der L. Sal. tit. 7) und hierzu stimmt der
buchstabe, z. b. sp. azor = acceptorem wie rezar = recitare. Wohl mag
die lingua rustica an acceptor von accipere gedacht haben, als sie das
mit diesem verbum ganz unverwandte accipiter umformte, s. Pott, Etym.
forsch. U, 54, Benfey, Ztschr. f. vergl. sprachf. IX, 78. Freilich ist pr.
augtor unorganisch für astor, es verhält sich aber wie anstronomia zu
agtronomia; besser neupr. astou. Von azor, nicht etwa von accipitrare
zerfleischen, von Gellius cüiert, leitet sich das span. vb. azorar schrecken,
verwirren, ursprüngl. von vögeln, die der habicht verfolgt, iperdiz azorada;
nach Larramendi vom bask. zoratu den verstand verlieren, allein das
ganz entsprechende sp. vb. amilanar schrecken, entmuthigen, von milano
30 I. ASTRO— ATTURARE.
hühnergeier, so wie das gleichbed. cot. esparverar von esparver sperber,
erheben jene herleitung über jeden zweifei.
Astro it. sp. pg., astre pr. fr. gestirn, auch geschieh, glück; von
astrum. Daher sp. pg. astroso unglücklich, bei Isidor astrosus 'quasi
malo sidere natus', bei Papias astrosus 'quasi modo astro natus; altsp.
astrugo Bc.j pr. astruc glücklich (welches Littre, Hist. litt. d. I. Fr.
XXII, 36, ohne dem ende des Wortes rechnung zu tragen, mit Menage aus
altfr. mal-estruit erklärt), zsgs. pr. benastre, benastruc, altsp. mal-
astrugo Alx., pr. malastre, malastruc, altfr. inalostru für malastru,
daher nfr. malotra, suffix -uc an die stelle von -os getreten, bei Rabelais
malautru s. Gachet; dsgl. it. disastro, sp. desastro, pr. fr. däsastre Un-
stern, vgl. alteat. per astre o per desastre Chr. d'Escl. 711*.
Astuccio it., sp. estuche (estui bei Berceo), pg. estojo, pr. estug,
estui, fr. 6tui futteral, behältnis; vb. pg. estojar, pr. estuiar, estoiar,
altfr. estuier verwahren. Estug, £tui fügen sich in das mhd. stäche stauche,
futteral für den arm, schon nach Adelung; astuccio aber (veron. besser
stuccio) würde sich genügend nur aus einer ahd. form stüchjo, wie
guancia aus wankja, herleiten lassen. — [Estui, £tui deutet Langensiepen
(Herrigs Archiv XXV) aus Studium, von seiten der form vollkommen ge-
nügend und selbst von Seiten des begriff es zu rechtfertigen: es hieße sorg-
falt, sorgfältige aufbewahrung, it. studiato heißt sogar 'sorgfältig bewahrt*.
Diese etymologie wird noch unterstützt durch die altfr. form estudier sich
vorsehn, sich verwahren Gayd. p. 251, welches nach Borel (s. Bog.) für
estuier gesetzt, ward. Aber mangelhaft ist, daß das etymon nicht die
völlig gleichbed. ital. und span. werter umfaßt, sie müßten getrennt werden.]
Ataballo, taballotY., sp. atabal, pg. atabale maurische pauke, sonst
auch it. timballo, sp. timbal genannt; vom arab. al-'tabl attabl Freytag
III, 40*.
Ataud sp.pg., pr. taut, taüc, so altfr. taut, taüc, neap. tavuto lade,
sarg; vom arab. al-tabüt attabüt mit ders. bedeutung (Sousa; fehlt bei
Engelmann, der es also nicht als arabisch anerkennt).
Attillare it., sp. atildar, pg. atilar, pr. atjlhar niedlich putzen.
Ital. titolo heißt der punet auf dem i, sp. tilde, pg. til ein nöthiger strich
über gewissen buchst aben: daher konnte man mit attitulare (eigenÜ. wohl
'kein jota vergessen) die Sorgfalt im putze ausdrücken. Das mlat. verbum
findet sich überhaupt für bezeichnen (schmücken?) : crucis signaculo fron-
tem eius attitulans DG.
Atturare it. verstopfen, sp. pg. aturar aushalten in der arbeit
{wohl für aturarse), cat. pr. aturar anhalten, aufhalten, refl. pr. s1 aturar
sich stützen, sich anstrengen, sbst. atur anstr engung; mit vertauschter
Präposition von obturare stopfen, daher hemmen, aufJuüten und, wie im
deutschen, sich aufhalten bei einer sacJie, nicht davon abgehen, ausdauern.
Das span. wort hört man noch jetzt in lat. bedeutung. Für atturare
findet auch turare (daher tura dämm), sp. tu rar statt, worin nur eine
abkürzung, nicht etwa das verlorene lat. simplex turare, zu erkennen ist.
I. AUGE-AVAMA. 31
Auge it., sp. äuge, pg. äuge höchster puyct; vom arab. aug, einem
astronomischen ausdruck aus dem pers. auk, s. Freytag I} ß9a, Vullers I,
140-, 143".
Augur io it., sp. agüero, pg. agouro, pr. auguri, augur, agur, Vor-
bedeutung, syncopiert pr. aür (ahur), altfr. etir, neufr. heur glück; vb. it.
augur are, sp. augurar, pr. agurar, fr. augurer weissagen, pr. ahurat,
altfr. heür6 beglückt, wal. urä glück wünschen; von augurium, augurare.
Zsgs. pr. bonaürs. Honnorat, altfr. bonettr, neufr. bonheur; mal -aür,
maletir, malheur und so altfr. bonetir^, bonetiretö; it. sciagurato, zsgs.
sciaurato (dreisäb.), ältsp. xaurado, nsp. xauro elend, verlassen, von
exauguratus; sbst. it. sciagura, sciaüra. Auch it. uria, pluralbildung
von augurium, ist hieher zu nehmen. — Bonheur und malheur erklärt man
aus bona hora, mala hora, welche gleichfalls und zwar in ähnlicher be-
deutung vorhanden sind, aber von den ersteren getrennt werden müssen.
Ln altfr. etir ward eü durch synärese endlich zu eu wie in peur aus
peür, und in dieser gestalt tritt es sehr früh neben eü auf. Für eur
schrieb man oft heur, vermuthlich weil man an hora dachte. Wäre letz-
teres aber das etymon, so müßte sich sein genus geändert haben, was hier,
wo das fem. heure in jedermanns munde war, schwerlich angenommen
werden dürfte; ferner müßte sich, die alten formen erwogen, langes lat. o
(höra) gegen das lautgesetz als pr. oder fr. u dargestellt, und endlich der
einfache vocal eu in den mehrfachen e-u gespalten haben, was unmöglich
ist. So entspricht auch heureux dem cdtfr. eüreux = pr. atiros, it.
auguroso, nUat. auguriosus; horosus kennt weder der Lateiner noch der
Romane.
Aura, ora it., sp. pg. pr. chw. aura, altfr. ore (la ore LJ. 486»,
bone ore Rou II, 146, bon' ore eurent e suef vent MFr. I, 364) luft,
sanfter wind; von aura. Abll. sind: pr. au rat, altfr. orö; pr. auratge,
altfr. orage windeshauch (lo dous auratge zephyr, lo fer auratge Sturm-
wind), nfr. orage, woher sp. orage, stürm; vb. sp. orear, cot. oretjar
erfrischen, auslüften, daher sbst. or6o, oretj, dsgl. it. oreggio, pr. aurei
frisches lüftchen. Verschieden von oreggio scheint it. orezzo {auch
orezza), das auf eine abl. auritium weist, verkürzt rezzo küJde, schattige
stelle; in einer andern form arezzo verflachte sich der lat. diphthong zu
a wie in ascoltare, wenn hier nicht vielmehr aer eingegriffen hat.
Avania tt pg., avanie fr. Schabernack, plackerei, dsgl. kopfgeld
der Christen unter türkischer herrschaft; soll ein türkisches oder vielmehr
semitisches wort sein, neugr. aßavia, s. Ducange, Glossar, med. graecit.
Avaria it. pg., sp. averia, haberia, fr. avarie, ndl. avarij, haverij,
dtsch. hafarei, havarie Seeschaden, schaden an schiff oder ladung auf der
see; adj. sp. averiado, fr. avariä durch das seewasser beschädigt (von
waaren). Daneben gelten noch andre bedeutungen: abgäbe der schiffe zur
Unterhaltung des hafens (franz. dtsch.) oder abgäbe von waaren, die über
see gehn (span.). Die gewöhnliche herleitung ist von hafen; sie nimmt
also an, daß die zuletzt genannten bedeutungen vorausgiengen, wiewohl
32 I. AVOCOLO-AZZARDO.
das italienische und niederländische dieselben nicht zu kennen scheinen»
Dozy, Oosterl. 22, hat dem wort im arabischen, und zwar im classisch
arabischen, eine neue quelle eröffnet. Hier bedeutet cawär sbst. gebrechen^
auf waaren bezogen beschädigung : das wort kam mit dem handd nach
den italienischen seeslädten, romanisiert avaria. In der niederl. Variante
haverij stammt h aus dem arabischen laute ain, welches auch anderwärts
vorkommt.
Avocolo, vocolo it., fr. aveugle blind; vb. it. avocolare, fr.
aveugler, pr. avogolar blenden. Das gemeinromanische adjectiv ist caecus,
auch im cdtfr. ciu vorhanden TCant. app., nur dem Dacoromanen ab-
gehend, der es mit orbus ersetzt, s. unten, ltal* avocolo ist außer ge-
brauch gekommen, avocolare dauert, selbst in mundarten, noch fort. Was
das adjectiv betrifft, so muß man die erklärung mit ab-oculus, gebildet
wie ab-normis, a-mens, so daß es 'ohne äugen bedeutet, gelten lassen, wie
denn auch die mittelgr. spräche dno ofifuazcov oder d/io^fnarog für e£o/u-
(xavog sagte; es mag aber eine erkünstelte bildung sein, da sie sich schlecht
assimiliert hat. Die Gasseier glossen eiifhalten albios oculos * staraplinter \
nach Eckhart s. v. a. albioculus, qui nil nisi album in oculis habet; aber
in albioculus ist wohl eher eine umdeutung denn eine alte form von
aveugle zu suchen. S. Altrom. glossare p. 120.
Avoltore, avoltojo it., pr. voltor, fr. vautour geier; von volturius
raubvogd; sp. buitre, pg. abutre, von vultur. Abgel. sp. buitron reö-
hühnernetz, fischreuse; auch fr. öpervier hat die bedd. sperber und fischnetz.
A vor io it., pr. avori, evori, fr. ivoire (m.) elfenbein; vom ad-
jectiv eboreus.
Avventura it., sp.pg. pr. aventura, fr. aventure (daher unser aben-
teuer, mhd. äventiure f.) ereignis, seltsames ereignis, zufall, glück, gefahr
(aventure de mort todesgefahr Ren. I, 46), besonders auch ritterlicher
Zweikampf; von advenire ankommen, woraus die ausschließlich rom. bed.
begegnen; ebenso einigt fr. arriver beide begriffe. Aventura vertrat auch
die stelle der göttin Fortuna: de las grausas dels homes fo Aventura
faita deuessa LR. III, 505.
Azzardo it., fr. hasard (h asp. mhd. hasehart), pr. azar, cot. atsar
Wagnis, glücksfall, sp. pg. azar unglückswurf, unglückskarte, Unglück, im
spätem nüat ludus azardi glücksspiel; vb. azzardare, hasarder aufs
spiel setzen, wagen, miat. ludere ad azarum. Altfr. hazart bedeutet auch würfel-
spieler, hazarder dem Würfelspiel ergeben sein, s. Garpentier. Anderswo
dient es zur Verstärkung der negcUion, d. h. es drückt eine unbedeutende
sache aus: ne valent pas un hasart NF. Jub. II, 90. Üblich ist der
ausdruck geter hasart FC. III, 288, Ren. II 159. Vergleicht man die
franz. form mit den übrigen, so scheint d zugesetzt wie in blafar-d, ho-
mar-d u. a., it. azzardo aber daher entlehnt: das acht ital. wort ist
augenscheinlich das veraltete zaro PPS. II, 255, jetzt fem. zara spiel mit
drei würfeln (il giuoco della zara Purg. 6, 1), eigentl. wurf von drei assen.
An versuchen, dem schwierigen worte auf die spur zu kommen, fehlt es
I. AZZÜRRO— BACCALARE. 33
nicht; Raynouard hatte sogar zu den nordischen Äsen seine Zuflucht ge-
nommen. Gegen die beliebte herleitung aus dem lat. as in der bed.punct
im Würfelspiel, geringster wurf, daher wagnis, gefahr (Le Duchat) streitet
leider das rom. z, das sich als ts im cot. atsar zumal deutlich ausspricht.
Besser nähme man azar für eine abl. aus dem altsp. auce (abce) Schick-
sal (s. IL b), woher auch aci-ago unglücklicher zu fall; war aber alsdann
nicht azi-ardo zu erwarten? Doch ließe sich zur Unterstützung dieser
etymologie noch das gleichfalls auf einen stamm az weisende cdtfr. haz-
eter (würfeln) geltend machen. Weder dem buchstaben noch dem begriff
genügt arab. 'darr schade Freyt. HI, 10b. Besser in beiden beziehungen
passt hebr. zarah bedenkliche sache: ihm ober würde eher ein roman.
feminin entsprechen, das sich nur in dem erwähnten neuitäl. zara findet.
Man erwäge daher noch arab. jasara würfeln, jasar Würfelgesellschaft,
würfdpartie, dem man den Vorzug vor allen zuerkennen dürfte (denn arab.
8 [sin] kann roman. z werden), wäre der wegfdtt des anlautes so leicht
hinzunehmen; in Jasmin findet er nicht statt. — [Die bed. würfet befrie-
digt vollkommen: da aber in jasara ein ansloß zu liegen scheint, so bietet
Mahn p. 6 das vtdgär-arab. zehär Würfel, zsgz. zär, wie es auch türkisch
heißt, mit artikel azzar. Eine andre vermuthung bei Jos. v. Hammer:
sp. azar komme von arab. assr Schwierigkeit, was von Seiten des begriffes
wenig zusagt — Von einer würfelparthie erzählt das artige fabliau de
S. Pierre et du jougleor FC. III, 282, woraus über die art und weise
dieses spids einiges zu lernen ist.]
Azzurro, azzuolo it., sp. pg. azul, pr. fr. azur dunkelblaue färbe;
vom pers. lazvard, daher lapis lazuli, der saphir der aiten, arab. läzvardt
lazurähnlich Freyt. IV, 76b. Das anlautende 1, welches man, wie Bösler
bemerkt, für den artikel halten mochte, fiel im romanischen ab.
B.
Babbäo, babbaccio, babbano, babbuasso it. schwachkopf,
gimpd; pr. babau, pic. baba geck; it. bäbbole, fr. babioles kinderpossen.
Denselben stamm fühlt man im synonymen lat. babulus Apulej., wozu man
noch nehme baburrus ^stultus Gl. Md., baburra 'stv&titia Gl. Placid.y vgl.
ir. Jcymr. baban Und, puppe, engl, babe, babby.
Babbuino it., sp. babuino, fr. babouin eine art äffen, pavian;
augenscheinlich gleiches Stammes mit dem fr. b ab ine offen- oder kuhlefze,
muthmafilich verwandt mit dem mundartl. deutschen bäppe maul; vgl.
unten beffa.
Baccalare it., pr. bacalar, fr. bachelier, aus letzterem it. baccel-
liere, sp. bachiller, pg. bacharel. Die eigentliche heimath dieses Wortes
ist Frankreich und der span. nordosten, wo baccalarius zunächst der be-
sitzer eines großem bauerngutes, einer baccalaria war (seit dem 9. jh.
vorkommend). Sodami gieng der ausdruck auf den ritter über, der zu
3
34 I. BACCHETTA— BADARE.
unvermögend oder noch zu jung war, um ein eignes ba/mer zu führen,
und wohl einem fremden folgte; endlich, und dies ist die heutige bedeu-
tung9 auf den der sich im besitz einer dem doctorgrade untergeordneten
akademischen würde befindet, in welchem sinne es in baccalaureus umge-
deutet ward: so bei Camoens do baccharo e do sempre verde louro Lusiad.
3, 97. Was die etymologie betrifft, so ist hier nur zu verneinen: bas-
cavalier niederer rüter kann es nicht sein, das verbietet die geschickte des
wortes und die grammatik, die für das verschwinden des s keinen grund
kennt; auch baculus fügt sich nicht in die form, vollkommen zwar das
mit baculus gleichbed. gad. bachall, ir. bacal, allein über den logischen
Zusammenhang werden sich nur unsichere vermuthungen vorbringen lassen.
— [Eine neue Untersuchung theilt LUtre mit, s. den Kritischen anhang
p. 14. Bachelier scheine aus vassal entstanden, mit dem es die doppelte
bed. lehne- und kriegsmann gemein habe; das fem. bachelette, wofür sich
auch baisselette finde, sei offenbar derselben herkunft; b aus v mache
keine Schwierigkeit, auch ss könne in ch übergehn, daher das mlat. ca in
bacalaria. Allein ch aus ss ist vorsichtiger weise nur da anzuneh-
men, wo letzteres ein 9 repräsentiert: lest, faciam, fr. fasse, pic. fache.
Ferner, sicher ist, daß wenn man ein franz. wort latinisierte, che in ca
verwandelt ward; ob aber diese Verwandlung bei einem so früh vorkom-
menden worte wie bacalaria anzunehmen sei und ob die prov. spräche ihr
bacalaria aus lat. Urkunden geschöpft habe, ist eine andre frage. Später
hat Gachet dieses wort behandelt Auch er bringt es mit vassal in Ver-
bindung, tritt aber in betreff seiner herkunft Chevället bei, der diese im
celt. bachan (klein) u. s. w. findet.]
Bacchetta it., baqueta sp., baguette fr. dünner stecken, gerte;
von baculus mit verändertem suffix, s. solche fälle Rom. gramm. II, 280.
Bacino it., altsp. pr. bacin, fr. bassin becken. Die älteste spur
desselben scheint bei Gregor v. Tours vorzuliegen: cum duabus pateris
ligneis, quas vulgo bacchinon vocant, s. Ducange, worin bacchinon
(bacchinos?) mit cch an Bacchus angeknüpft sein könnte, s. Wadcer-
nagel, Umdeutschung p. 15. In den Isidor. glossen findet sich auch das
einfache baeca €vas aquarium. Man leite es nicht aus unserm becken,
dem nur ein it. bacchino, fr. baquin gerecht wäre, da deutsches k nicht
in c ausartet, vgl. unten franco. Aus demselben gründe muß auch das
ndl. bak napf, mulde zurücktreten. Das wort kann in früher zeit aus
einem alteinheimischen stamme, z. b. dem celt. bac höhlung abgeleitet sein,
so daß es anfangs bakinus (woraus ahd. bechin), nachher bacinus ge-
sprochen ward. Muthmafilich desselben Stammes ist it. bacioecolo
beckenartiges tonwerkzeug, dessen primitiv in bacioca 'patera* Gloss. er-
ford. p. 278a vorzuliegen scheint. Vgl. bacia II. b.
Bacio it., richtiger, aber minder üblich bagio, sp. beso, pg. beijo,
pr. bais kufi; vb. baciare ff. küssen, auch als Substantiv gebraucht; von
basium, basiare, meist bei dichtem.
Badare it., pr. cot. badar, altfr. baer, beer, nfr. bayer, noch
L BADILE— BAGASCIA. 35
mundartl. (in Berry) bader. Es bedeutet 1) den rnund aufsperren, gaffen:
so im prov. cat. franz., so im altitäl. boca badhadha Bonves., bocca
badada Mur. Ant. ital. IV, 434, prov. auch verhöhnen (?), occ. badado
hohngdachter ; 2) verweilen, harren, vergeblich harren (dastehn mit offnem
maul), Hol. prov. altfr. ; 3) nach etwas verlangen, trachten, ital. altfr. (das
maul darnach aufsperren, lechzen). Sbst. pr. bada schildwache, adv.
de bada, en bada, altfr. en bades umsonst, it. stare a bada mit offnem
maule dastehn, harren. Für dieses wort gibt es alte Zeugnisse, mit rück-
sickt auf welche die bed. \das maul aufsperren an die spitze gestellt wer-
den mußte, nämlich in den Isid. glossen badare 'hippitare, oscitare, in
den Erfurter glossen p. 276" battat 'ginatti d. i. gähnt, besser batat
'ginath* in einer andern hs. Mone's Anzeig. VII, 137. Es ist von nicht
ganz gesichertem Ursprünge. Die celtischen sprachen scheinen keine pas-
sende würzet zu enthalten: bret. bada staunen wird wohl eben so gut
romanisch sein wie badalein (l mouille) gähnen, das nicht aus ersterem
herstammen kann, sondern das pr. badalhar sein muß ; doch läßt sich
etwa altirisch bäith thor, pinsd (maulaffe) Zeuß I, 37 anmerken. Buch-
stäblich genügend ist ahd. beitön, früher baidön, säumen, harren, doch
hängt einiger zweifei daran, weil es der offenbar ältesten bedeutung von
badare nicht genügt. Letzteres konnte selbst aus einem naturausdrucke
ba, der das aufthun des wundes bezeichnete, entstanden sein, so daß man
etwa ba-are ba-d-are zu gründe legen müßte. — Abgeleitet ist it. badig-
liare, sbadigliare, sbavigliare, pr. badalhar, altfr. baailler, nfr. bäiller
gähnen; fr. badaud, jw. badau maulaffe, geck; ebenso pr. badoc, baduel,
badin; auch fr. badin scherzhaft, badiner scherzen, indenwbb.desl6.jh.
mit ineptus, ineptire übersetzt; it. baderla einfältiges weib, vb. com. ba-
derlä die zeit verlieren, chw. baderlar schwatzen, plaudern.
Badile it., badil, badila sp. feuerschaufd; von batillum.
Baga sp. packseü, pr. bagua, altfr. bague bündd, vgl. lomb. baga
icemschlauch; daher abgel. it. bagaglia, pr. fr. bagage gepäck. Das
unlat. wort, über welches Diefenbach, Goth. wb. 1, 343. nachzulesen ist,
findet sich wieder im gad. bag, kymr. baich, bret. beac'h last, bündd, vb.
gad. bae hindern, nord. baga dass.
Bagascia it., sp. bagasa (umgestdlt gavasa), pg. bagaxa, pr. ba-
gnassa, altfr. bagasse, bajasse u. s. f. feile dirne. Eine bedeutung wie
diese ist so verschiedenen auffassungen unterworfen, daß die ausdrücke
oft schwer zu ergründen sind. Stellt die endung assa das roman. suffix
= lat. -acea vor, ital. in ascia verwandelt, so müßte das wort aus baga
(pack) abgeleitet sein, was keinen befriedigenden sinn gäbe. Vielleicht ist
es cdtiseh: kymr. baches bedeutet weibchen, von bach klein; oder ardb.,
b&gez schändlich Freyt. I, 139", worauf schon Muratori vermuthete, oder
bagf metze Freyt. I, 140*. Vom altfr. wort, das gleich dem arab. bagl
auch dienerin heißt (NFC. I, 104), bildete sich das dimin. baisele
dienstmädchen, auch bachele, wofür man ein primitiv bagache ver-
mufnen mu/*.
36 I. BAGATELLA-BAILO.
Bägatella it. Kleinigkeit, taschenspielerei, daher sp. bagatela, fr.
bagatelle in ersterer bed., der alten prov. spräche noch nicht bekannt.
Muratori zieht es aus dem modenes. vb. bagattare pfuschen, hudeln,
das er aus dem arab. bagata (mischen) entstehen läßt. Eigentlich aber
setzen beide Wörter, nebst bagattino kleine Kupfermünze, ein subst.
bagatta oder baghetta voraus, das etwa aus dem alten rom. baga (s. oben)
abgeleitet eine geringe habseligkeit ausdrücken mochte; im parmesan. ist
bagata in dieser bedeutung vorhanden.
Bagno it., sp. baüo, pr. banh, fr. bain bad; vb. bagnare ff., fr.
baigner; von balneum mit ausgestoßenem 1, da balgno nicht zu sprechen
war (daraus auch das bask. mainhua). Das weil, bae (fem. plur.) ent-
stand aus dem lat. bajae, von dem die übrigen sprachen keinen gebrauch
gemacht haben.
Bagordo und bigordo it., altsp. bohordo, bofordo, altpg. bofordo,
bafordo (in Urkunden bufurdium), pr. beort, biort, zsgz. bort, altfr. bo-
hort, bouhourt, behort ein ritterliches spiel, dsgl. die waffe dazu; vb. it.
bagordare ff. lanzen brechen. In Frankreich rannte man einzeln zu
pferd mit der lanze nach der quintaine (s. Ducange v. quintana, Aubri
im Ferabr. p. 158—162, Alex. 14, 30J, in Spanien schleuderte man den
bafordo nach dem tablado (Jlx. 666, vgl. bornaren [bordaren?] etiraren
a taulat Chr. d'EscL 587b), in Deutschland war der bühurt ein kampf-
spiel, wo schaar gegen schaar stand. Daß bohorder, denn von der franz.
form ist auszugehn, ein ursprünglich deutsches wort sei, lehrt fast mit
gewißheit die aspirata, die sich im spanischen als f (man erwäge
faraute von höraut), im ited. als g (gufo für huette) darstellt. Offenbar
ist es ein compositum, das zweite wort führt natürlich auf hurten stoßen,
allein dies letztere gestaltete sich im roman. so verschieden (altfr. hurter,
nicht horder), daß man davon abgehen und sich an das deutsche hürde,
ahd. hurt, altfr. horde, vb. horder, halten muß, auch stimmt hordeYs Um-
zäunung formell genau zu bohordeYs ritterspiel. Hourdum bedeutet tnlat.
s. v. a. das erwähnte sp. tablado gerüste s. Garpentier, noch jetzt im
Hennegau hourd. Ganz zweifelhaft bleibt das erste wort der Zusammen-
setzung. Ist die waffe die grundbedeutung, so könnte es aus botar her-
rühren: bot-hort bohort (t schwand vor der aspirata) würde etwas nach
dem gerüste stoßendes bedeuten. — Einen weiteren beürag zur deutung
dieses Wortes liefert Gachet p. 60b.
Bailo, balio it., sp. bayle, pg. bailio, pr. baile, altfr. bail pfleget,
er 'zieher ', Verwalter, amimann, fem. it. baila, balia, pr. chw. baila amme;
it. balia, sp. pr. bailia, altfr. baillie Verwaltung, vogtei; it. balivo, pr.
bailieu, fr. bailli landvogt; vb. it. balire, pr. bailir, altfr. baillir ver-
walten, dsgl. pr. bailar, altfr. bailler darreichen, wal. beiä pflegen, er-
ziehen, daher b?iat Knabe (pflegling). Lat. bajulus heißt träger, tnlat.
(z. b. bei Lupus Ferr.) erzieher, hofmeisier, eigentl. wer kinder trägt oder
leitet, ganz deutlich im fem. baila ausgesprochen, daher pfleget, land-
pfleg er. Aus bajulus baj'lus ward das roman. bailo; lat. bajulare tragen
I. BAIRE— BALCO. 37
erhielt sich buchstäblich im altfr. und tndaril. bailler, vgl. sard. baliai
ertragen.
Baire it. erstaunen; altfr. adj. baYf, henneg. bahi erstaunungsvoll;
zsgs. it. sbaire, pr. esbahir, fr. äbahir, s. v. a. baire, wohl auch sp.
embair einem ein blendwerk vormachen, eigenfl. in erstaunen setzen, be-
täuben? Man hält es für einen naturausdruck, indem man das darin vor-
kommende bah als eine bezeichnung des erstaunens nimmt und wirklich
kommt eine solche interj. im neuprov. vor, s. Honnorat: es wäre also mit
badare von verwandter entstehung. In dem von einem etymologen heran-
gezogenen ahd. abahön verabscheuen widerstrebt vornweg die bedeutung.
Baja it., sp. pr. sard. bahia, fr. baie bucht, hafen. Isidorus führt
dieses dtroman. wort als ein lateinisches an: hunc portum veteres a ba-
jtüandis mercibus vocabant baias. Frisch findet seinen Ursprung im fr.
bayer den mund offen haben, klaffen, wie denn auch baie überhaupt für
ettcas offen stehendes gebraucht wird, und diese erklärung scheint sich
durch die catal. form badia von badar (öffnen) zu bestätigen, deren d im
span. schon vor Isidors zeit ausgefallen wäre. Andre erblicken in bahia
ein bask. wort, daher der name Bayona zsgs. aus baia hafen und adj.
ona gut; andre ein cdtisches, gael. bädh oder bägh, wozu die verschiedenen
roman. formen recht wohl zu stimmen scheinen.
Baja it., sp. pg. vaya, fr. baie posse, fopper ei; davon it. bajuca
posse, JÜeinigkeit. Stammt es aus Italien, so dürfte man an gr. ßaiog
(klein, gering) denken; aus Frankreich, so könnte es identisch sein mit
baie beere d. h. unbedeutende sache. Der specielle sinn des Wortes aber
verträgt sich besser wohl mit pr. bada, dem das altfr. baie entspricht,
vergebliches harren, adv. en bada umsonst; zur posse, fr. donner la baie,
sp. dar vaya einem etwas nichtiges vormachen, einen anführen, vgl. oben
badare mit seinen ableitungen.
Bajo it., sp. bayo, pr. bai, fr. bai braun (von pf erden); von dem
seltnen tat. badia s, das Varro gleichfalls von der färbe der pferde
braucht. Eine abl. ist fr. baillet bleichroth (wieder nur von pferden),
latinisiert badiolettus; pr. baiart s. v. a. bai; eine andere it. bajocco
eine kupfermünze, von der färbe benannt wie das fr. blanc, das dtsche
wei&pfennig.
Balascio it., sp. balax, balaxe, pg. balais, balache, pr. balais,
balach, fr. balais ein eddstein, genannt nach seinem fundorte, dem chanat
Badakschan (Balaschan, Balaxiam) in der nähe von ßamarkand. Man
sehe Ducange v. balascus, Ritter7 Erdkunde von Asien V, 789.
Balaüstro it., balaüstre sp., balustre fr. Meine säule eines gelän-
ders; daher it. bai aust rata u. s. w.; von balauetium (ßahxvariov)
Uüthe des wilden granatbaumes, it. balaüstra, wegen einer ähnlichkeit der
form (Crusca, Caseneuve).
Bai co und palco it. gerüst, Stockwerk, von letzterer form das sp.
pg. palco; abgel. it. balcone, sp. balcon, pg. balcäo, fr. balcon erker.
Sämmtlich aus dem ahd. balcho, palcho balken, ndd. balke kornboden,
38 I. BALDACCHINO -BALISA.
vgl. altn. bälkr v er zäunung. Die pic. mundart besitzt das deutsche wort
in seiner eigentlichsten Bedeutung, bauque poutre. Andre finden den Ur-
sprung von balcone im pers. balkan zinne der mauer (Vutters I, 260*).
Baldacchino it., sp. baldaquin, fr. baldaquin thronhimmel; vom
ital. Baldacco Bagdad, woher ursprünglich der dazu gebrauchte aus gold-
fäden und seide gewebte stoff kam; diese Bedeutung zeigt noch das aitfr.
baudequin, z. b. lors veissiez genz acesmer de samiz, de dras d'outremer,
de baudequins d'or ä oiseaus Bomvart p. 582, und altsp. balanquin:
balanquines e purpuras, xamit et escarlata Bc. p. 276, 21. Vgl.Frisch
I, 61c.
Baldo it., pr. baut, altfr. aiUcßt. baud keck, üppig, fröhlich; pr.
baudos dass.; sbst. it. baldore, pr. altfr. baudor übermuth, fröhlichkeit,
it. baldöria freudenfeuer; vb. altit. sbaldire PPS. I, 66, pr. altfr.
esbaudir heck, üppig, fröhlich werden; vom goth. balths (bei Jemandes
und im adv. balthaba), ahd. bald u. s. w. kühn, freimüthig, vb. goth.
balthjan ff. sich erkühnen. Die südwestlichen sprachen besitzen einen
gleichlautenden stamm in folgenden und einigen andern Wörtern: baldo
leer, entblößt, de balde und en (em) balde vergebens, unnütz, baldio
unbenutzt, brach, balda unnütze Sache, mangel, schwäche, baldar hin-
dern, lähmen (unnütz machen), bald od, baldao beschimpfung (eigentl.
wohl unnützlichkeit, vgl. altsp. en baldon = en balde, daher werthlosig-
keit, schimpf), baldonar, baldoar beschimpfen. Sind diese werter gleich-
falls germanischer herhmft, so gieng der begriff der keckheit in den der
eitdkeit über, wie z. b. das ahd. gemeit übermüthig und vergeblich zugleich
bedeutet. Dieser Vorgang ist aber nicht wahrscheinlich, theils weil der
grundbegriff 'kühn im span. nirgends vertreten ist, theils weü die span.
derivata von den Übrigen ganz verschieden sind. Man hält sich also
besser an die herleitung aus dem arab. ba tala unnütz sein Gol. 287, das
sich in batla balda verwandeln konnte wie spatnla in espalda, rotulus
in rolde.
Balicaretf. (nur balica lonib.), altfr. baloier sich hin und herbe-
wegen, schwanken, flottem, cat. balejar, sp. pg. a-balear gäreide schwing
gen; etwa von ballare tanzen? oder entstellt aus banicare? s. banda.
Prov. balaiar flattern, peitschen läßt sich formell nicht damit vereinigen.
Balla it., sp. pr. bala, fr. balle kugel, runder pack; augm. it.
ballone, sp. balon, fr. ballon. Da die ital. spräche für balla, ballone
auch palla, pallone erlaubt, so ist die nächste herkunft des roman. Wortes
aus dem gleichbed. ahd. balla, palla, mhd. bal, altn. böllr (von Benecke
aus einer deutschen würzet erklärt) fast unzweifelhaft, welche formen sich
dem Italiener unmittelbarer darbieten mußten als gr. ßctlletv, ndkkeiv,
sbst. nakla.
Balisa sp.pg., balissa cat, balise fr. pfähl, reisbündd, tonne u. dgl.
zur bezeichnmg gefährlicher stellen am eingange der häfen (Dict. de VAc.
fran$.), ndd. bake. Ein it. baligia fehlt, daher die franz. -ital. Wörter-
bücher balise umschreibend übersetzen, der prov. ausdruck ist gaviteou.
I. BALLARE-BAMBO. 39
Es ist nicht zu ermitteln, ob das wort nur den zweck der bemerkten gegen-
stände, also z. b. merkeeichen, warnung, oder ob es einen dieser gegen-
stände selbst ausdrücken soll. Indem man von der letzteren ansieht aus*
gieng, haben einige es aus palus pali abgeleitet, palitia, wiewohl sich das
anlautende p gerade im sporn, und franz. fast niemals zu b herabläßt:
dem qp. paliza (prägel d. h. schlage) ist diese abkunß nicht zu bestreiten.
Chevallet entgeht dieser Schwierigkeit, indem er es aus dem ndl. balie
(zuber) leitet; aber ein zuber ist nicht mit tonne zu verwechseln, abgerech-
net daß der Niederländer sein balie nicht in dem sinne von balisa an-
wendet. Der herkunft des seemännischen Wortes ist also noch nachzuspüren.
Ballare it., sp. pg. bailar, pr. balar, altfr. baier tanzen; sbst. it.
ballo, sp. pg. baile, pr. fr. bal tanz. Schon im ältesten tnlatein trifft
man choreis et ballationibus Gl. Isid., wofür ein kritiker helluationibus
vorschlägt (Jahrb. f. phü. XIII. suppl. p. 238), wiewohl es diesen glossen
an unlat. Wörtern nicht fehlt. Ballare scheint abgeleitet aus dem roman.
balla kugd, ball, daher ital. auch pallare wie palla; das sp. bailar ruht
auf einem ursprünglichen balear (vgl guerrear, manear) mit Versetzung
des e baelar bailar, altsp. noch bailar, pg. balhar. 'Das ballwerfen war
im Mittelalter wie bei den Griechen ein mit gesang und tanz verbundenes
spiel, daher in den romanischen sprachen ballare tanzen. So Wacker-
nagel, Altfr. lieder p. 236. Wie das ballwerfen auf das tanzen über-
getragen ward, so im altsp. bailar auf das singen; im walach. erfolgte
das tanzen, zucare, aus dem spielen. Eine abl. ist it. ball ata ff. tanzlied.
Balzare it. hüpfen, springen, in die höhe prallen, pr. balsar?
Fer. 275; sbst. it. balzo, cot. bals, altfr. bausiüCaw. 320 prall, Sprung,
ital. auch Hippe, wofür überdies fem. balza; verstärkt it. sbalzare
schleudern, sich schwingen, sbst. sbalzo. Die heimath des Wortes ist sieht-
barlich Italien, wo es sich am meisten ausgebreitet (vgl. noch balzellare,
balzelloni): um so wahrscheinlicher Ast herkunft aus gr. ßaMdfyiv hüpfen,
springen, tanzen.
Bambagio, bambagia it. baumwolle, maü. bombäs; von bombyx
(ßopßvt;) seide, baumwolle, mittetgr. ßajußaxiov, mlat. bambacium. Daher
it. bambagino, sp. bombasf, fr. bombasin, basin baumwollner stoff,
lat. adj. bombyemus.
Bambo it. kindisch, einfältig, sp. bamba einfältiger mensch (nach
Covarruvias) ; abgel. it. bambino, b&mbolo und b&mbola, bamboccio
(hieraus fr. bamboche), sp. bambArria (m.) Und, puppe, kindischer
mensch u. dgl., Ostreich, bams fand, bützel. Der stamm dieser bildungen
ist der des lat. bambalio bei Cicero, des gr. ßafißalog, vb. ßafußall&iv,
ßaftßaiveiv stammeln. Auchimsp. bamba schaukel, bambolear schau-
keln, wiegen, bambdn, norm, bamboler dass., wäUon. bambi wackeln,
bürg, yambe bewegung der glocke ist er anzunehmen, wie auch it. bambo-
leggiare schäkern, kindereien treiben (von bambolo kind) buchstäblich mit
sp. bambolear zusammentrifft. Vgl. auch das verwandte babbeo. Ital.
bimbo kind scheint nichts anders als eine ablautende form von bambo.
40 I. BANCO-BANDO.
Banco it. sp. pg., fr. banc tafel oder tisch z. b. der Wechsler,
ruderbank, Sandbank, zimmerbock u. dgl., das span. wart auch m der bed.
scamnum, pr. banc nur in letzterer und so fem. it. sp. pg. pr. banca,
fr. banque (auch banche felsengrund in der see Dict. de Trev.) ; vom
ahd. bartch (f.), mhd. banc (m. f) scamnum. Zwar auch hymr. banc
{gacl. binnse), aber die ital. nebenform panca spricht deutsche herkunfl
an. Abgel. it. banchiere ff. Wechsler, mensarius; banchetto ff. bärik-
chen, dsgl. gaster ei: da sich aber beide bedeutungen ziemlich ferne liegen,
so scheint man die zweite aus dem vb. banchettare gastereien heilten,
welches ursprüngl. 'tische und bänke rüsten bedeuten konnte, gezogen zu
haben, entsprechend dem mhd. benken: hie wart gebenket schöne, tuoch
unde br6t fif geleit Wb. I, 84.
Banda it. sp. pr., bände fr. binde, streif, bände d. i. trupp; vom
goth. bandi (f.), ahd. band (n.) Dsgl. it. bandiera, sp. bandera, pr.
bandiera, baneira, fr. banniere fahne (daher unser panier), vgl. goth.
bandva zeichen, und Paul. Diac. 1, 20: vexillum, quod bandum appel-
lant; s. darüber Muratori, Ant. ital. II, 442; ferner it. bandolo, ban-
doliera, fr. bandouli&re u. dgl. Das einfache bannum findet sich nur im
attfr. ban, sofern es die bed. fahne zeigt, beispide bei Ducange; dieprov.
denkmaler gewähren nur das edmpos. auri-ban, weiches Raynöuard un-
richtig mit arriere-ban übersetzt, vgl. die stelle on a mot auriban e trop
mot ric penon GAlb. 2637; es ist goldbanner wie auriflamma. Vb.
sp. bandear, pr. bandeiar, baneiar hin und her schwenken (wie eine
fahne), intrans. sich bewegen, flattern, attfr. banoier G. Guiart II, 341,
esbanoier dass., gleicher bed. mhd. baneken s. Grimm II, 1000, worin
noch die älteste roman. form banicare zu erkennen ist, die sich auch
deutlich im comask. bangä schwanken ausspricht.
Bando it. sp. pg., pr. ban, fr. ban öffentliche Verkündigung; vb. it.
bandi re, sp. pr. bandir, pg. bandir, banir, fr. bannir öffentlich verkün-
digen, daher partie. it. bandito öffentlich ausgerufener, verwiesener, Straßen-
raubet. Das wort kommt frühe im ndatein vor, wo bannum edictum, inter-
dictum, bannire edicere, citare, relegare heißt. Es ist deutscher herkunfl
(Grimm, Rechtsalt. 732); zu beachten ist aber, daß das rom. bandire,
bannire nicht wohl aus dem starken vb. bannan entstehen konnte, welches
bannare, banner gegeben hätte, es stimmt mit seiner coryugationsform
besser zum goth. bandvjan bezeichnen, andeuten, dessen nebenform banyjan
zugleich das roman. bannir zu erklären scheint; andre deutsche dialecte
können das im gothischen so einflußreiche ableitende v entbehrt haben.
Vgl. den vorigen artikel, der mit dem gegenwärtigen innerlich zusammen-
hängt. Auch die gael. spräche besitzt bann in der bedeutung des engl.
band und ban; das sogleich zu nennende altfr. arban kann aber seine
herkunfl aus dem deutschen gar nicht verläugnen. S. über bando auch
Diefenbach, Goth. wb. I, 299, wo germanischer Ursprung oder wenigstens
sehr frühe aneignung vermuthet wird. — Eine abl. ist pr. attfr. bandon,
fast stets mit vorgesetzter partikel ä, 1) = ban: vendre gage a bandon;
L BARA-BARATTO. 41
2) wütkür, eigenÜ. preisgebung: prenez tot k vostre bandon. Aus diesem
adv. ä. bandon gestaltete sieh wieder ein sbst. pr. fr. abandon, it. ab-
bandono, abgekürzt bandono hingebung, vb. abandonar ff. hingeben,
überlassen. Eine zss. ist fr. arri&reban auf gebot zum Kriegsdienst, ent-
stellt oder umgedeutet aus ahd. hariban heerbann, mlat. haribannnm, arri-
bannnm; näher der urform liegt das altfr. arban frohndienst, s. Du-
cange s. v. heribammm. Eine andre zss. ist altfr. forbanir durch öffent-
lichen ausruf des landes verweisen (for = lat. foras), ital. nur forban-
nnto, altfr. sbst. forban Verweisung, dsgl. (concret) verwiesener, Seeräuber,
nfr. noch in letzterer bedeutung, mlat. forbannitus in der L. Rip., ferban-
nitns in der L. Sah, beide nach MüUenhoff (zur L. Sah p. 282) von ver-
schiedener Zusammensetzung. Ein weiteres compositum ist it. contrab-
bando, fr. contrebande Übertretung einer Verordnung, Schleichhandel.
Bara it., fr. bar Dict. de Trev., üblicher bifere, pr. bera todtenbahre,
tragsessd, chw. bara leiche; vom ahd. bära, ags. baer, bere, ndl. berrie;
tf» letzteres fügt sich auch neupr. berio (für beria) tragkorb.
Baracane it., sp. barragan, pg. barregana, pr. barracan, fr. bar-
racan, bouracan, ein stoff von Ziegenhaar, daher nhd. bercan und bar-
chent; vom arab. barrakän, barkan eine (schwarze) Meldung Gol. 263,
Freyt. I, 113h, nach Sousa persischen Ursprungs, s. baraka Jcleid oder
stoff aus kamedhaar Vüllers I, 224*.
Baracca it., barraca sp., baraque fr. hätte, zeit; abgeleitet aus
barra Stange wie it. trab-acca aus trabs. Span, etymologen holen es aus
dem arabischen.
Baratto it., altsp. barato, pr. barat, fr. barat, fem. ältsp. cot. pr.
barata, altfr. barate betrügerischer handd oder tausch; vb. it. barat-
tare, altsp. pg. cot. pr. baratar, altfr. bareter bösen handd treiben,
prellen, rupfen, überhaupt tauschen und täuschen, altpg. baratar zerstören,
SRos.; zsgs. it. sbarattare, sp. pr. desbaratar, cdtfr. desbareter zu
gründe richten (einen um alles bringen); selbst nfr. baratter buttern
(durcheinander rühren, verwirren?) dürfte hieher zu rechnen sein. Aus
it. barare (betrügen) konnte baratto auf regelmäßige weise nicht entstehen.
Die dUnord. spräche besitzt barätta kämpf und Dante Inf. 21, 31 braucht,
wie Muratori in dieser beziehung anmerkt, baratta in gleichem sinne, allein
es bedeutet ihm gewiß nichts anders als das altfr. barate Verwicklung oder
getriiM in der schlacht s. Ch. des Sax. II, 30, altsp. barata PC; auch
wurden die begriffe kämpf und betrug (Verwicklung) schwerlich hand in
hand gehn. Die ahd. spräche bietet bala-räti nequitiae Graff II, 467,
dies würde jedoch fr. banrai oder baudrai hinterlassen haben. Ein wort,
das dem begriffe genügt, ist gr. nqcaxuv handeln, geschäfte machen,
kniffe brauchen (wofür jetzt irqay^axsvuv gesagt wird); von den griechi-
schen kaufleuten konnte es das abendland entlehnen. Wegen b aus gr. n
vgl. boite von nvl-ig u. a. und wegen der einschiebung eines vocales in
den Gomplicierten anlaut it. calabrone von clabro für crabro (andre bei-
spiele Born, gramm. I, 302). Der Serbe hat augenscheinlich dasselbe wort,
42 I. BARBACANE-BARDASCIA.
bar&tati geschäße treiben. — Das neusp. barato heifit wohlfeil, ohne mühe*
subst. wohlfeüheit, baratar unter dem werthe verkaufen, und wird von
J. v. Hammer aus dem arab. barät (bara h) immunxtas Freyt. I, 102* er-
klärt. Dagegen ist einzuwenden, daß die arab. substantiva auf at im
span. die spätere oder vulgäre form ah reflectieren (bara müßte es heißen)
und daß diese bedeutung sich doch den obigen anknüpfen läßt.
Barbacane it. (m.), sp. pr. barbacana, pg. barbacäo, fr. barba-
cane brustwehr mit Schießscharten vor der hauptmauer einer festung,
churw. vrlt. barbachaun Stützmauer; nach Vossius De vit. serm., arabischer
herkunft, was aber Muratori, Ant. itcU. II, 456, bestreitet, Pougens,
Tresor I, 137 wieder behauptet. Persischen Ursprung erkennt ihm Wedg-
wood su, nämlich von bäla-khaneh oberes zimmer (woher aucAbataone
stammen soll), ursprüngl. ein vorragendes fenster tum schütze des ein-
gangs,
Barbecho sp., barbeito pg. brachfdd; von vervactum dass. Im
nordwesten ward anlautendes v wie in andern fällen, zu g und so ent-
sprangen die formen pr. garag, fr. guäret, denen im Süden vol. guaret,
cot. guret entsprechen. Im ital. ist das wort nur mundartlich, wie sard.
(logud.) barvattu; dafür hat die Schriftsprache maggese.
Barca it. sp. pg. pr., barc^ wal., barque/r. kleines lastschiff, schon
im frühesten mlatein: barca, quae cuncta navis commercia ad Utas portat
Isid. 19, 1, 19. Das übliche prov. bar ja, altfr. bärge, nfr. berge (bar-
que ist fremd) verlangt jedesfalls bärica als älteste* fortn (vgl. carrica
charge, serica serge) und diese könnte erwachsen sein aus gr. ßaQig kakn
(baris bei Properz) wie auca avica aus avis ; der griech. schifferausdrücke
gibt es im romanischen mehrere. Dagegen verweist Wackemagd (Haupts
Ztschr. IX, 573) auf altn. barkr, das sich mit börkr zusammenstdlen
lasse, ein aus rinde (borke) gebautes schiff.
Bar da it. sp., barde altfr. pferdeharnisch van eisenblech, aUfr.
champ. barde auch zimmeraxt GVian. 1998, wal. bard? dass., dauph.
partou hackmesser, dsgl. pg. barda, fr. barde speckschnitte, die man um
ein stück braten legt, port. auch sattel; ab gel. fr. bar de an schindet, it.
bardella, fr. bardelle, pr. bardel platter sattel, reitküssen; it. bardotto,
fr. bardot lastthier, das der treiber reitet (sattelthier). Diese büdungen
erinnern theüs an ahd. barta, ndl. barde hacke, theils an nord. bardi
schild; aber pg. barda in der bed. hecke, zäun, span. dornichte mauerbe-
Ueidung, sind sie mit Larramendi auf bask. abarra da d. h. 'es ist ge-
zweige zurückzuführen? Das sp. albarda saumsattd (auch speckschnitte
= pg. barda) leitet man dagegen aus dem arab. al-bardafah unterläge
des satteis Gol. 253, Freyt. I, 106b, s. Monti, Agg. cd vocab. II, 2,310.
Bardascia it., bardaxa sp., bardache fr. (m.) pathicus; vom arab.
bardag sklave? Gölius p. 253. Das lomb. und piem. bardassa bedeutet
überhaupt nur knabe, bei bardassa ist = bei fanciullo, und auch das
sard. bardascia hat diese bedeutung neben der andern. Über altfr. bar-
dache stange s. Qrandgagnage v. bardahe.
I. BARGA— BARONE. 43
Barga sp. cdtpg., fr. berge hohes abhängiges ufer; vielleicht ein
uraltes wart, wenigstens kein germanisches, vgl. kymr. bargodi überMngen,
hervorspringen, bargod rand, dachtraufe.
Bargagno it., pr. barganh, fem. pg. pr. barganha Unterhandlung,
aitfr. bargaine ceremonie Roq.; vb. it. bargagnare, pg. pr. barganhar
feilschen, handeln, /Vvbarguigner (für bargaigner, vgl. grignon IL c.)
knickern, zaudern. Das mlat. barcaniare Gap. Cor. Gcdv. bezeugt, daß g
aus c entstand und so ruht das wort vielleicht auf barca fahr zeug, das,
nach Isidors definition, die waaren hin- und herbringt, so daß bargagno
das hm- und herhandeln bedeutete. Das suffiz aneum bildet zwar sonst
keine abstracta aus concreten begriffen, allein seine bedeutung läßt sich bei
der spärlichkeit seines Vorkommens überhaupt nicht auf das genaueste be-
stimmen. Genin, Beer. phü. I, 279, erkennt in diesem wort ein compo-
situm, bestehend in der vornan, partikel bar (für bis) und gagner; aber
sowohl das mlat. barcaniare wie die unwandelbare gestalt der silbe bar,
die weder in bis noch in bes noch in ber umschlägt, hauptsächlich aber
die form gagn, wofür guadagn u. s. w. zu erwarten war, kurz, alles ist
gegen ihn.
Bargello it., sp. pg. barrachel, altfr. barigel häscherhauptmann;
vom mlat. barigildns (barigildi et advocati in einem capitular v. j. 864),
sieher ein deutsches wort, aber von unklarem Ursprung. 8. Grimm, Rechts-
Baritono it. sp., pg. baritom, fr. vrlt. baryton stimme zwischen
tenor und bass; vom gr. ßaQurovog grobstimmig, nicht vom lat. barritus,
woraus nur baritöne werden konnte. .
Baro und barro it. falscher Spieler, schurke; augm. barone; vb.
b arare, barrare Schelmerei treiben. Die herkunft dieses Stammes, der
so einfach nur im ittü. vorkommt, ist noch unauf gehellt; buchstäblich passt
zwar zu baro, barone das mlat. barns, baro, die begriffe aber einigen
sieh nicht. Desselben Stammes sind etwa folgende Wörter: pr. baran be-
trug; it. baroeco wucher; altsp. baruca list; it. barnllo Obsthändler
(vgl. treccare betrügen, trecca hökerweib); sp. baraja, pg. pr. baralha,
altfr. berele Ruteb. I, 78. U, 117 Verwirrung, hader; vb. baraja r, ba-
ralhar, bamlhar durcheinanderwerfen, in Unordnung bringen.
Barone it., sp. varon, pg. varäo, pr. bar (acc. barö), altfr. ber
(ace. baron), nfr. baron ursprüngl. mann wie lat. vir, auch ehemann: pr.
lo bar non es creat per la femna, mas la femna per lo baro non est
creatus vir prqpter midierem, sed mulier propter virum. Daher bedeutet
es auch mannhaft, kräftig; altfr. Karlemaine nostre emperere ber Rol.
ed. Mich. p. x vi; ne sui pas si preux ne si ber NF. Jub. L p. 214;
pr. barnatge, altfr. baronie, barnie tapferkeitl embarnir kräftig
werden LR. Daneben zeigt sich bereits im prov. und altfr. die bed.
großer des reiche, lehensträger, so z. b. im Leodegar str. 9 baron franc
fränkische große. Die ältesten deutschen rechtsbücher nehmen es gleich-
falls für mann im gegensalz zum weihe: tarn baronem quam feminam
44 L BARONE.
L. Rip., barum vel feminam L. Älam., in der L. Sal. ist baro der frei-
geborene, in den capütdarien Karls des kahlen sind barones die proceres
oder vassallen, daher auch baro dem Joh. de Garlandia 'gravis et authen-
tieus vir bedeutet, gravis vielleicht mit anspielung auf das lautverwandte
gr. ßaQug. Neben dem mlcU. und romanischen begegnet noch ein das-
sisches baro ; bei Cicero, der es öfter braucht, heißt es thor, pinsel ; dies
aber könnte andrer herkunft sein. In den schollen zum Persius wird ihm
die bed. servus müitum beigelegt und gallische herkunft angewiesen, und
ziemlich übereinstimmend übersetzt es Isidorus mit mercenarius und leitet
es aus gr. ßaQvg stark, grob, *fortis in laboribus\ Auch in einer elantan-
nischen 'Urkunde v. j. 744 sind parones servi. Die notiz des scholiasten
muß irgend einen grund haben. Sucht man im celtischen, so findet sich
ein altgael. bar held, also zusammentreffend mit dem altfr. ber, sofern
dies einen tapfern mann bezeichnet. Eine zweite gael. bed. trefflicher
mann rührt an die des Joh. de Garlandia. Als eigennatnen bemerkt man
das wort im frühen mlatein nicht unhäufig, z. b. bei Fumagcdli p. 91 (v.
j. 792); davon zu unterscheiden ist Bero ursus. Dies sind in aller kürze
die das wort betreffenden thatsachen; seine herkunft ist noch nicht mit
Sicherheit ermittelt. Vor allem muß seine abstammung aus dem celt. bar
als eine den prov. und franz. Sprachgesetzen widersprechende hypothese
abgelehnt werden. Es fiectiert mit beweglichem accent (bar barön) und
alle Wörter dieser classe rühren entweder aus dem latein. (drac dragön,
läire lairön) oder aus dem deutschen (Uc Ugön) her; der celt. Sprachbau
bot keinen anlaß zu solchen flexionen. Es bleibt also hier nur zweierlei
übrig. Entweder ist unser baro lateinisch, wozu die bemerkung des scho-
liasten aber nicht wohl passt, oder es ist germanisch und dem widerspricht
die bemerkung des scholiasten nicht, da die Römer germanische leicht mit
gallischen Wörtern verwechselten. Zu der bed. servus müitum (last- oder
packträger der Soldaten) stimmt nämlich ahd. bero (acc. berun, beron) träger,
vom vb. beran, goth. baf ran, welches Ulfilas für qtoqtiv und ßaatateiv gebraucht.
Das Substantiv hat sich im althochd. nicht erhalten, ist aber nach dem
altfries. bera vorauszusetzen. Hieraus das altfr. ber, acc. baron mit üb-
licher Verwandlung des tonlosen e in a. Dabei muß freilich eingeräumt
werden, daß der Provenzale, dem der Wechsel zwischen e und a (vgl. auch
altfr. lerre larron) nicht genehm ist, den vocal des accus, auch auf den
nomin. übertragen habe. Aus der bed. träger, lastträger müßte sich die
bed. starker bursche, kerl (fortis in laboribus) und endlich hieraus die
bedd. mann, lehensmann entwickelt haben. Es bleibt aber auch dies eine
hypothese, die, wenn sich der latein. Ursprung des wortes gegen die sage
von seiner fremden herkunft begründen läßt, von selbst verschwindet. Man
vgl. noch mhd. bar Wb. I, 88. 142. In ital. mundarten tritt unser wort
in einem bescheideneren sinne auf: com. bergam. bar, piem. berro, romagn.
berr heißt widder, lothr. berra (d. i. b^rard) dass., man sehe einen ent-
sprechenden fall unter marrone II. b. — [Herkunft aus beran vermuthete
auch Müllenhoff zw L. Sal. p. 279. Weitere Untersuchungen über das
wichtige wort s. bei Diefenbach, Orig. europ. p. 250.]
I. BAKRA-BASTARDO. 45
Barra it. sp. pr., barre fr. stange, riegd; daher sp. birrio, pr.
cal.#barri schutzwehr, wall, Vorstadt, miat. barrium (aera 987); fr. bar-
reau; it. barriera, sp. barrera, fr. barri&re u. a.; vb.sp. barrar, bar-
rear, fr. barrer. Aus dem celtischen : hymr. bar (m.) ast u. s. w. s. Diefen-
bachy Celt. I, 184, vgl. mhd. bar, barre in den rotnan. bedeutungen. Das-
selbe wort ist auch enthalten im ahd. sparro, vb. sperran, woraus sich die
üal. formen sbarro, sbarra, sbarrare gestaltet haben können, nicht
eben müssen, da diese Sprache den anlaut häufig mit s verstärkt. Noch
sind einige Meitungen zu erwähnen: sp. bar ras stange, zsgs. sp. emba-
razo, fr. embarras Sperrung, hindernts, vb. embarazar, embarrasser,
dsgl. fr. däbarrasser; wohl auch sp. barrica, fr. barrique tonne, daher
barricata verrammelung (aus fässern und ähnlichen Sachen bestehend);
it. barile, sp. pg. barril, fr. baril, kymr. baril, gael. baraill, wozu noch
sp. barral große flasche kommt. Auch franz. Ortsnamen wie Bar-sur-Aube,
Bar-le-Duc werden zu diesem stamme gerechnet. S. auch baracca.
Basso it., sp. baxo, pg. baixo, pr. bas, fr. bas niedrig; vb. bas-
gare ff. Das Isid. glossar hat bassus 'crassus, pinguii, das Gloss. vetus
p. 511 bassas 'pingues oves\ bassum cnon altum', Papias bassus 'curtus,
humilis (nicht profundus). Die grundbed. ist also wohl die erstere: in
der that heißt it. bassotto dick, dttfr. bas breit, gedrungen, z. b. une
maison longhe et assez basse SSag. p. 169; ele a basses banches et
bassee jambes NF. Jub. II, 260, wo an die bed. tief nicht zu denken ist.
Man erinnert, was seine herkunft betrifft, an gr. ßaoocov und celt. bas,
welchem letzteren die rotnan. bed. seicht zusteht) aber ist dies nicht ent-
lehnt und würde sich bas so leicht in span. baxo verwandeln, das ein
doppeltes* verlangt? Das wort muß vielmehr ein acht latein. sein: schon
das alte Rom kannte es als zunamen, dergleichen auf körperliche eigen-
schoflen zielend sich viele vorfinden, und hier passt die bed. der glossen
trefflich. Auch Papias sagt basus 'curtus a base, et (nomen) proprium
est Als eigentlicher name begegnet es z. b. in einer Urkunde des 6. jh.
Marin, p. 197*, die zss. Campobassum in einer andern v. j. 635 Briq.
p. 136h. Diefenbach, Goth. wb. I, 282, ist geneigt, bassus 'diele ganz
von bassus * niedrig* zu trennen, vielleicht ohne noth: bassus konnte das
in die breite, nicht in die höhe gehende, das gedrungene bezeichnen, worin
sich die begriffe dick und kurz berühren. — Aus dem adjeetiv entstand
das sbst. it. basso untertheü, fr. bas strumpf (eigentl. abgekürzt aus bas-
de-chausse, vgl. haut-de-chausses), sp. baxos, pg. baixos (pl.) unter-
üeider, auch fußbekleidung, ein wort, womit das lat. baxea (ort schuhe,
bei Plautus), welches fr. baisse erzeugt haben würde, gewiss nicht zu-
satnmenhängt.
Bastardo it. sp. pg., bastart^r., bätard/r., miat. bastardus wenig-
stens seit dem 11. jh. uneheliches Und. Entstehung aus dem folgenden
basto ist wohl kaum zu bezweifeln, da auch dttfr. fils de bast, entstellt
fils de bas, gesagt ward: fille de bast schon im Aubery p. 11, fröre de
bas bei Carpentier, fille le roy Henris de bas (im reime) DC. Aufweiche
46 I. BASTO-BATTERE.
anschauung sich aber dieser ausdruck €kind des saumsattels* besieht, ist
nicht so leicht ins klare zu bringen. — [Mahn p. 17 gibt eine anspre-
chende erldärung dieses ausdrucks. Das deutsche bankert kommt bekannt-
lich von bank und heißt eigentlich der auf der bank, im gegensatze mm
bett, erzeugte (vgl. Grimms R. A. 475). Der roman. ausdruck kind des
saumsattels gieng dagegen im Süden, in der Provence oder Spanien, am
den sitten der maulthiertreiber hervor, die sich in den wkrthshäusern ihre
betten van saumsätteln machten und dort mit den mägden verkehr hatten.
Ein beispiel dieses Verkehrs findet sich im D. Quixote 1, 16. — Auch
Gachet hat sich an diesem worte versucht. Nach ihm ist bastard nur ein
bildlicher ausdruck und bezeichnet eigentlich den nebenschoßling oder
schmarotzerzweig eines baumes, der am fuße desselben hervorwächst, vgl.
dazu avoutre IL c. Man hätte also an bas 'tief unten zu denken,- aber
dem widerspricht die form mit st bast entschieden.]
Basto it. sp., bast pr,, b&t fr. saumsaüd; vb. pr. bastar, fr.
bäter satteln. Man erinnert an das deutsche bast, weil die sättd etwa
damit befestigt worden seien. Vergleicht man aber bastone stock, so
wird man für basto eher auf die bed. stütze, unterläge, worauf die last
ruht, verwiesen, und vielleicht haben wir in ihm ein wort der römischen
Volkssprache vor uns, zusammenhängend, wie man auch sonst schon be-
hauptet hat, mit gr. ßaovaueiv stützen, ßaaza^ lastträger; an diesen stamm
mahnt auch das spätere lat. basterna sanfte, worüber J. Grimm, Gesch.
d. d. sp. p. 461, allerdings andrer meinung ist. Dem gr. ßaoraj; aber
entspricht buchstäblich das gleichbed. pr. bastais, cot. bastax, sp. bastage,
it. bastagio. Desselben Ursprunges ist, außer dem eben erwähnten it.
bastone (fr. bäton, woi. beston u. s. f.), auch it. bastire, altsp. pr.
bastir, fr. bätir bauen (eigentl. stützen?), woher altsp. pr. bastida, it.
bastia, bastione, fr. bastille u. a.; dsgl. sp. pg. basto angefaßt,
dicht (daher die eigenthümlich span. bed. dick, grob, auch im morat.
sinne); vb. it. bastare, sp. pg. pr. bastar hinreichen (eigentl. ausfüllen,
wie sp. harto gefallt, hinreichend), ven. bastare hemmen (stopfen), altsp.
auch bastir versorgen PC. = bastir bauen. — Eine andre bedeutung
zeigen die Wörter it. sp. pg. cat. basta heftnaht, Steppnaht, fr. bätir, sp.
bastear, it. imbastare, sp. cat. embastar mit weiten sticken 'nähen. Sie
erinnern an ahd. bestan flicken, mhd. besten schnüren, dies vom sbst.
bast; aber bastire reicht dafür aus, wenn man die im prov. üblichen bedd.
einrichten, zusammenfügen, berücksichtigt.
Battere it., sp. batir, pg. bater, pr. batre, fr. battre, wal. bäte,
auch serb. bätati schlagen; von batuere, auf roman. weise in batere ver-
kürzt. Wie selten man dies wort bei den Alten liest, um so üblicher ist
es schon im frühesten mlatein. Es mußte sich jedoch eine neue flexion
gefallen lassen: perf. battidi L. Sah, L. Long, (wie prendidi, ostendidi),
pari, battutus Decret. Child. (um 595). Unter den zahlreichen ableitun-
gen ist zu erwähnen it. battaglia, sp. batalla, fr. bataiüe, wal. b$täe
Schlacht, schon bei Adamantius Martyr. batualia, quae vulgo battalia
I. BATTIFREDO-BECCO. 47
dicuntur; ferner it. battaglio, batacchio, sp. badajo für batajo klopfet;
it. battigia fallende sucht; sp. batan Walkmühle; pr. bataria Schlägerei,
fr. batterie aufgestelltes geschätz.
Battifredo it., beffroi fr., alt berfroi, beffroit, wachtthurm; vom
mhd. bercvrit, bervrit zum schütz oder angriff dienender thurm, mlat.
berfredus, belfredus. Die ital. form lehnt sich durch umdeutung an battere.
Batto it. ruderschiff; daher battello, sp. batel, pr. batelh, fr.
bateall naehen; stimmt zu ags. bat, altn. bätr kleines schiff, vgl. kymr.
bäd boot.
Baüle it., sp. baül, pg. bahül, bahü, pr. baue, fr. bahut koffer,
feUeisen. Unter diesen abweichenden formen die ursprünglichste zu er-
mitteln, ist nicht wohl möglich. Besitzt sie z. b. der Spanier, so könnte
das wort aus bajnlus träger wie gerla tragkorb aus gerula sich gestaltet
haben, indem der accent fortrückte, wie dies in casulla aus casula aner-
kannt werden muß. — [Die bekannte deutung französischer philologen
aus dem deutschen behüten war unzulässig, weil nur ein Substantiv genüge
ihat. Ein solches weist nun Mahn p. 89 aus den unterdess erschienenen
Wörterbüchern nach: mhd. behuot bewahrung, schütz Müller 1, 732, behut
magazin Grimm. Daß hochd. uo = gofh. 6 romanisch als u, nicht als
o auftritt, ist selten und läßt spätere einfuhrung vermuthen.]
Bara it^ sp.pg. baba, fr. bave genfer; vb.pg.pr. barar, fr. baver,
sp. babear geifern. Es scheint ursprünglich ein naturausdruck, das mit
lallen (gr. ßaßaCetv, vgl. alban. beb?, kleines Jcind) begleitete geifern der
Säuglinge zu bezeichnen, darum heißt dttfr. bave eben sowohl unverstän-
diges kindisches geplauder, baveux, bavard, pr. bavec plauderhaft,
und das steil, vava einigt die begriffe geifer und Jcind. Hieher sp. ba-
bieea albern (urspr. geifernd, daher pf er dename?), babosa Schnecke u. a.,
vb. eat. embabieear, pg. embabacar, sp. embaucar hintergehen, zum
besten haben.
Bazza it., sp. baza, cat. basa, gutes glück, stich im kartenspiel;
affenbar das seltne mhd. bazze gewinn, gleicher herkunft mit baz (besser)
s. Mhd. wb., ein vermuthlich durch deutsche söldner verbreitetes wort.
Abgd. it. b&zzica ein kartenspiel, bazzicare mit jemand verkehren.
Beccabungia iL, sp. pg. becabunga, fr. b£cabunga, auch russ.
ibunka, eine ort der veronica; vom ndd. beckebunge (beck back, bunge
hnotlen), nhd. bachbunge, einer der sehr wenigen gemeinrom. pflanzen-
namen, die aus dem deutschen genommen wurden. Das franz. wort ist
schlecht assimiliert und wohl kein volksübliches: man sagt dafür berle de
rm&re, auf prov. creissoun kresse.
Becco it., pr. fr. bec, pg. bico Schnabel, spitze, sp. bico schnabel-
förmige spitze von gold an der mutze. Celtisches wort: cui Tolosae nato
cogaomen in pueritia Becco fuerat, id valet gallinacei rostrum Sueton.
m Viteü. c. 18; gael. beic, bret. Wk, auch ndl. bek. Daher pr. beca
haken, vermuthlich auch fr. beche für beche grabscheit, wiewohl dltfr.
besehe gesehrieben wird; vb.it. beccare,jpr. bechar, fr. becquer hacken,
48 I. BEFFA-BERBICE.
bScher graben, nhd. bicken, picken; daher ferner it. beccaccia, fr.
b^casse, cat. becada Schnepfe (langer Schnabel); fr. böquille krüeken-
stock. Zsgs. fr. aböquer junge vögel füttern; pg. debicar eine speise
leicht berühren. Im ital. bezzicare mit dem Schnabel hacken (picken)
mögen sich die stamme becco und pizza (s. unten) gemischt haben.
Beffa it., sp. befa, cdtfr. beffe, mit a altsp. (Alex.) und pr. bafa
Verspottung; vb. it. beffare, sp. befar, alt bafar verspotten, fr. bafouer
(mit erweiterter form, etwa lothringisch) verächtlich behandeln; dazu sp.
bef o Unterlippe des pferdes, als adj. dicklippig, in welcher bedeutung
auch belfo gesagt wird, cat. bifi, occ. befe; dsgl. pic. bafe lecker-
maul, mautschelle. VermutJüich aus dem deutschen, vgl. bair. ndl. beffen
bellen, keifen. Zu thüring. bäppe maul Frisch J, 45'' stimmt mail. babbi,
com. bebb, occ. bebo lippe\ gen. !ä beffe heifit die lippen gegen einen
spitzen. Eine abl. ist fr. befiler spotten, engl, baffle.
Beiare it., beler fr. blöken; von belare, einer seltnen von Varro
gebrauchten form für balare, vgl. in dem Vocabutarius S. GaU. belat
*pläzif (blökt). Daher romagn. be geblöke, cat. be schaff norm, bai harn-
mel, vgl. aber auch ähnliche ausdrücke s. v. bidet II. c.
Ben da it.pr., lomb. binda, sp. venda, fr. bände vitta, taenia, fascia,
vb. bendare ff. fasciare (ältfr. bender vincire z. b. DMce. p. 16h 13);
vom ahd. binda, vb. ahd. goth. bindan. ühserm bündel, engl, bandle ent-
spricht ältfr. boundel Boq. II, 518.
Benna it. korbschiitten, comask. karren, auch der dazu gehörige korb,
churw. fuhrwerk auf schleifsohlen, fr. banne korb für lastthiere, großes
tuch zum schute der waaren, altfr, benne; abgel. com. benöla, chw. ban-
aigl, fr. banneau, benneau, bannet on u. dgl. Von dem auch durch
die german. sprachen verbreiteten worte sagt Festus: benna lingua gallica
genus vehiculi appellatur, und in dieser bedeutung und in der eines ge-
fäfies braucht es auch das nüatein, z. b. Haec omnia vehiculo, qnod
vulgo benna dicitur, imposuit Flodoard. Coxit panes et carnes et ac-
cepit ceryisiam in vasculis, prout potuit, quae omnia in vase, qnod
vulgo benna dicitur, collocavit Vit. S. Remig (DG). Damit ist au ver-
binden sp. cat. neupr. banasta, altfr. banaste großer korb: stammt es,
was kaum zu bezweifeln ist, von benna, so muß, da ein selbständiges
suffix ast unerweislich ist, dies aus dem suffix aster abgekürzt sein, wie
denn das wort cdtfr. auch banastre Ren. I, 149, piem. ebenso lautet; aus
goth. bansts a7to$rjY.r] konnte banasta nicht entstehen, weil eingeschobene
voccie nicht betont zu werden pflegen, und ein dem goth. worte entspre-
chendes ahd. banasta annehmen, ist bei dem grade vor s oder st selten
vorkommenden eintritt des derivativen a jedenfalls bedenklicher als der
durchgang von banasta durch ein rom. ban&stra. Buchstäblich dem goth.
banst entspricht nur das mundartl. fr. banse (f.) großer korb, wiege, mlat.
bansta, vgl. GruSrard, Polypt. d!Irmin. p. 315, auch im deutschen einhei-
misch, s. Grimms wb. v. banse.
Berbice it., pr. berbitz, fr. brebis, pic. berbis (f.) schaf, wal, ber-
I. BERGAMOTTA-BERTOVELLO. 49
beace widder; von berbex, einer bei Petronius vorkommenden gemeinen
form für vervex hammel, s. Schneiders Lot. gramm. II, 227, mlat. berbix
in den ältesten Schriftwerken. Daher pr. b er gier, fr. berger schäfer,
in frühem mlatein berbicarius; altfr. bercil schafstall, gleichsam vervecile;
nfr. bercail dass., mit vervecale zu erklären.
Bergamotta sc. pera it., sp. bergamota, fr. bergamote eine art
birnen; aus dem türkischen beg armödi d. i. herrenbirne, so genannt wegen
ihres Wohlgeschmacks.
B6rnia und sbernia it., sp. bernia, fr. bernie, berne (bei Nicot)
ein grober stoff zu mänteln so wie der daraus verfertigte mantel; von
Hibernia, woher der stoff kam (Nicot, Covarruvias, Menage). Entsprechend
sp. holanda holländische lemwand, vom ländemamen Holanda u. a. fälle.
Berretta it., sp. birreta, pr. «berreta, barreta, fr. barrette mutze,
masc. dUsp. barrete, pr. birret dass.; vom spätem lat. birrus (byrrhus)
iZeid von flockigem stoff, s. bujo. Eine Urkunde v. j. 532 Breq. p. 47
hat birreto auriculari.
Berta it. fopperei} lomb. piem. elster, plaudertasche; vb. berteg-
giare foppen; pr. bertaut armer wicht? PO. 134, henneg. bertaud
castriert, vb. bertaud er castrieren, fr. bretauder, com. bertolda die ohren
stutzen, die haare abscheren, altfr. foppen, quälen NFC. II, 184; it. b er-
töne pferd mit gestutzten ohren; bertuccio äffe. Woher dieser stamm
bert oder bret, der Verstümmelung, Verhöhnung bedeuten muß? Darf man
erinnern an aMn. britia in stücke schneiden, oder an bretöu im Bude-
brandslied, das Lachmann verstümmeln, Grimm IV, 710 zermalmen über-
setzt? Ital. berta heißt aber auch ein Werkzeug, womit man pfähle in die
erde stampft, ramme, Jungfer, fr. demoiselle, russ. bdba weih, ramme.
und wenn man erwägt, daß die grauenhafte eiserne Bertha der deutschen
sage auch den namen Stempfe führt, mit deren stampfen oder treten die
kinder bedroht wurden {Grimms Myth. p. 256), so ist die herkunft des
ital. Wortes deutlich genug. Ob etwa auch die übrigen roman. Wörter da-
mit zusammenhängen oder eigne quellen haben, wird sich minder leicht
ins reine bringen lassen.
Bertesca und baltresca it. streitgerüste an mauern oder thürmen
zum aufziehen und niederlassen, pr. bertresca, altfr. bretesche kleines
hölzernes mit zinnen versehenes castell} deren mehrere zw befestigung
eines ortes angelegt wurden, z. b. et a una bertresca sobre cascun pilar
e podon en cascuna xx cavayer estar Fer. 2337, vgl. Ducange v. bre-
taehiae. Seine herkunft betreffend, so hat das von Chevallet aufgestellte
deutsche brett-dach in dieser spräche selbst kein dasein und befriedigt
nicht einmal die form. Eine besser begründete deutung aus dem ein-
fachen breit mit romanischer endung gibt Mahn p. 121. Auch m pre-
della II a und in brelan II. c hat, der Romane das deutsche wort benutzt.
Bertovello it. fischreuse. Wer fühlt nicht darin das bekannte
vertebolum der L. Scd., womit ein geräthe zum fischfang benannt wird?
si qtris statuale, tremacle aut vertebolum (al. vertivolo) furaverit. Aus
4
50 I. BETULA-BIADO.
vertebra floß vertebulum, hieraus entstand mü vertauschtem suffix (wie
aus martulus martello) das ital. wort, ven. bertevolo, piem. crem. mail.
bertavel, com. bertavelle und bertarel; in ollen diesen mundarten heißt es
auch ein ähnliches geräthe zum Vogelfang. Vertebulum aber zog seine
bedeutung unmittelbar aus dem vb. vertere, nicht aus vertebra: die reuse
heißt so, weil ihr hals nach innen gekehrt, umgewandt ist. Für diese
auffassung gewährt die ital. spräche einen unzweifelhaften beleg, indem
der hals oder die mündung der reuse ritroso = retrorsus (etwas rückwärts
gekehrtes) genannt wird. Bertovello bedeutet auch ofenbrücke, ein Werk-
zeug zum umwenden der kohlen. Es ist also an verriculum (zugnetz)
nicht zu denken, woraus das salische wort grammatisch nicht entstehen
konnte. Aber auch im franz. läßt es sich wahrnehmen: verveux, richti-
ger verveu, wie man sonst schrieb, heißt eine reuse von garn, für vertveu
= vertovello, bertovello; näher jedoch kommt letzterem das limous.
vertuel. Man sehe Pott, Platflat. 402, wo bereits verveu mit vertebolum
verglichen ist. •
Bätula, betulla it. pg., dsgl. it. bedello (crem, b^ddol), cot. bedoll,
sp. abedul, pic. champ. boule {für beoule?), daher fr. bouleau (dimin.
für beouleau) birke; von betula, betulla, celtischen Ursprungs, in primi-
tiver gestalt neupr. cat. bes = com. betho, bezo, kymr. bedu, bret. b6z6,
gael. beth, s. Diefenbach, Orig. eurqp. p. 257.
B^vero it., sp. bibaro, alt befre, fr. bievre, wal. breb, neupr. vibre
ein in den nördlichen gegenden lebendes säugethier, biber, altn. bifr, ags.
befor, beofer, aM. bibar, lith. bebru, russ. bober, gael. beabhar, com.
befer. Es ist identisch mit lat. fiber, dessen aspirata im germanischen,
lithauischen, slavischen und celtischen nach gemeiner regel zur media wer-
den mußte, vgl. Zeuß, I, 44. Bebrinus adj. findet sich in den scholien zum
Juvenal 12, 34.
Biado it., pr. cat. blat, cdtfr. bied, bleif, nfr. bW, fem. it. biada,
mail. ven. piem. biava (vgl. Rovigo aus Bhodigium), altfr. bl6e getreide,
sowohl der heim wie das körn; fehlt span. Daher pr. bladaria, cdtfr.
biairie weidezins] zsgs. it. imbiadare, fr. embiaver (für embla-er) mit
getreide besäen. Die gewöhnliche herleitung ist aus dem ags. blsed (f.)
frucht, glück, segen; wie aber überhaupt nur sehr wenige alte roman.
worter aus der landwirthschaft den german. sprachen entlehnt sind, so ist
eine solche entlehnung aus dem entlegeneren angelsächsischen kaum anzu-
nehmen, ja blaed mag aus dem roman. entlehnt sein wie ahd. fruht aus
lat. fructus. J. Grimm gesch. d. d. spr. p. 69 denkt lieber an kymr.
blawd mehl, dem aber, so wie es vorliegt, das roman. wort nicht gemäß
ist. Der ausdruck ist wichtig genug um hier eine noch unversuchte deu-
tung zu rechtfertigen. Lat. ablata (neutr. plur.) gab mit dem roman. ar-
tikd r ablata, V abiada, la biada, als masc. behandelt il biado: es bedeutet
das davon getragene, was auch unser getreide aussagt, den ertrag, das
geemtete: ähnlich scheint unser herbst so wie das gr. xaQnog das geraffte,
gesammelte zu bezeichnen (s. Schwencks d. wb.), noch abstracter ist das
I. BIANCO— BIAVO. 51
sicil. lavuri arbeit, fddfrüchte. Mlat. ablatum, abladus, abladium für
messis kommt wirklich vor. Die erMärung von la biada aus dem articu-
lierten V abiada ist nicht einmal streng nöthig, aus ablata konnte durch
aphärese biada entstehen. Unter den italischen mundarten braucht die
cremonesische biada auch für oblata, fr. oublie. — [In besiehung auf
Mohns vertheidigung der celtischen herkunft p. 19 bemerkt der Krit. an-
hang: 'Eine formelle Schwierigkeit liegt nicht vor, denn den anlautenden ton-
losen vocal gibt die Sprache auch sonst auf und hier mochte es um so
eher gescheht*, als man ihn in der weiblichen form zum artikel rechnen
konnte: l'ablata lautete wie la blata. Auch die doppelform nach beiden
geschlechtem ist dieser herleitung günstig: biado ist = ablatnm, biada
= plur. ablata. Die herleitung aus kymr. blawd (mehl), wofür aber das
gacL Math (blüthe, frucht) passender wäre, da jenes ein rom. blaud, blöd
gegeben hätte, ist sicher aller beachtung werth: ich konnte mich aber nicht
darauf einlassen, weil ich mein princip, die lateinische herkunft eines
wortes so lange festzuhalten, als buchstabe und begriff es erlauben, nicht
ohne noth verlasse**]
Bianco it., sp. blanco, pg. branco, pr. blanc, fr. blanc weiß; vom
ahd. planch, mhd. u. s. w. blanc glänzend weiß, uberh. weiß, verwandt
mit blinken (fehlt goth. alts.). Im roman. ward es der eigentliche, volks-
übliche ausdruck für tat. albus, welches im nordwesten trotz zahlreicher
derivata gänzlich erlosch, im Südwesten (sp. albo, pg. alvo) die bed. schnee-
weiß, im Hat. die bed. trüblich entwickelte. Nur im churw. und walach.,
worin blank keine aufnähme fand, blieb ihm sein volles recht.
Biascin sard., pr. val. altcat. biais, neucat. biax, fr. biais (sämmtl.
tnasc.) quere, schiefe, daher wohl pg. viez schrägheit, mit vorgefügtem s
it. sbiescio schräg (vgl. piem. sbias, npr. esbiai); vb. sard. sbiasciai,
pr. biaisar, fr. biaiser. In den Isidor. glossen liest man bifax cduos
Kobens öbtutus, also mit doppeltem blick, schielend, wie sp. bis-ojo doppel-
augig, schielend heißt, bair. zweiäugeln schielen Schmeller IV, 299. Aus
bifax (bis-fax für bis-oculus) konnte pr. bifais biais werden (vgl. wegen
des syncopierten f refusar reusar, profundus preon) und zwar erst als
adjectiv mit der bed. schielend oder quer (denn auch als adjectiv begegnet
es: via biayssa Ghx. V, 64, , paranlas biaisas GProv. 85, estivals biais
Harn. 2208), nachher als Substantiv gebraucht. Mlat. bifacies, bifaciare
Corp. stimmen ganz zu biais, biaisar.
Biasimo it., dUsp. blasmo, pr. blasme, fr. bläme tadel; vb. bia-
simare ff. tadeln; von ßlaoq>rj^ov adj., ßhxag>rj/i€lv. Ein zweites aus
ßXaaq>T]juia entstandenes wort mit unorganischer Vertretung des f durch t
ist it. biastemma, bestemmia, chw. blastemma, pr. blastenh, altfr.
blastenge, wäl. biestern lästerung; vb. biastemmare u. s. f. lästern,
fluchen; mit abgeworfenem anlaut (wie in lacio für flacio) sp. pg. lästima
Schimpfwort, wehklage, vb. last im ar mishanddn, beleidigen, zum müleid
bewegen.
Biavo it. mdarti. z. b. venez., auch bei BojarUo 2, 37, altsp.
52 I. BICCHIERE-BIGIO.
blavo, pr. blau (fem. blava), fr. bleu (wie peu aus pau), cfaAer it. blü
caertdeus; dirn. it. biadetto; zsgs. sbiavato, sbiadato; vom ahd. blao,
blaw. Das ti7or^ hat sich im prov. am meisten verbreitet: blavenc, bla-
veza, blaveiar, blavairo, emblauzir.
Biccbiere it., chw. bich^r trinkgefäß, übrigens mit anlautender
tenuisit. p 6c eher o pocal, wal. pehar (wegen des letzteren vgl. Miklosich,
Slav. demente im Rumun. p. 35), pr. altfr. piehier, pechier, sp. pg.
pichel, bask. pitcherra gefäß zu verschiedenen zwecken: die IAvr. d. rois
p. 256 übersetzen z. b. auch hamula (kleiner eimer) mit picher. Im
späteren mlatein bicarium, picarium, altn. bikar, ahd. pehhar, nhd. becher.
Festus verzeichnet ein ähnliches wart bacar *vas vinarium', wovon aber
bicchiere mit seinem radicalen i weit genug absteht; zu ihm bekennt sich
das sieü. b&cara kleiner krug. Ital. beeco Schnabel bedeutet auch die enge
mündung eines gefäßes, diese bedeutung wäre jedoch auf einen becher übd
angewandt Mit recht mag man es darum aus dem griechischen herüber-
leiten, worin ßinot; ein irdenes gefäß ist: hochdeutscher einfluß konnte
b in p schärfen, it. p6cchero hat sogar deutschen accent.
Bicocca, auch bicciocca, bicicocca, it. warte oder Meines schloß
auf einem berggipfel, ven. bicoca baufälliges haus, sard. bicocca häuschen,
treppe mit zwei absätzen, terrasse, lomb. gamwinde, sp. bicoca steinernes
Schilderhaus, enges stubchen, schlecht befestigter ort, fr. bicoque mit letzterer
bed., b i co q (m.) geißfuß, ein Werkzeug mit gespaltenem ende zum herauf-
ziehen einer last; vb. lomb. bicoca hin und her schwanken. Dahin wohl
auch einige ausdrücke für kopfbedeckungen: sp. bicoquete eine bauern-
mütze, bi co quin mutze mit zwei zipfeln, piem. bicochin eine priester-
mütze. Unsichere herleitung: soll man ein derivatum oder ein composi-
tum darin annehmen? Menage räth auf vicus. Das vortreten der zwei-
zahl (zwei absätze der treppe, gespaltenes d. h. doppeltes enäe, zwei zipfel)
läßt auf zss. mit bis schließen, minder klar ist der sinn von cocca in den
verschiedenen und sehr abweichenden bedetUungen des Wortes.
Bidello it., sp. pr. bedel, fr. bedeau gerichtsbote; fußt genau auf
dem ahd. petil emissarius Diut. II, 47, minder genau auf dem ags.
bydel praeco = ahd. putil, nhd. büttel.
Bigio it., pr. fr. bis hdlgrau, aschgrau, schwärzlich. Damit ist zu
verbinden piem. pr. bisa, fr. bise (auch sp. brisa?) nordwind, bret. biz
nordostwind, altfr. auch nördliche gegend, norden, z. b'. contre bise Brand,
p. 131, devers bise Antioch II, 11: denn den norden nannte man dunkel
oder schwarz,, so lat. aquilo von aquilus. Den namen des windes bisa kennt
schon unsre älteste hochd. spräche, Schweiz, bise, beise. Ist nun die'
wurzel deutsch und der name der färbe aus dem der weltgegend abge-
leitet? Isaac Vossius (Menage, Orig. d. ling. ital. p. 609) gibt eine
etymologie, die alle rücksicht verdient. Er verweist auf das formell genau
zustimmende lat. bysseus, welches baumwollenzeug heißen müßte, in seiner
bedeutung aber, wie andre ausdrücke für färben, ausgeartet wäre. Aber
ßiooog bedeutet auch die braune seide der pinna marina, die viel verwebt
I. BIGLIA-BINOCOLO. 53
ward, und in dieser hinsieht würde bysseus ganz wohl passen. Was
dieser herleitung aber noch besseren halt gibt, ist das mit bigio gleichbed.
pg. buzio, welches gleichfalls aus bysseus entstehen konnte, da ja das
griech. v mit i sowohl wie mit u ausgedrückt ward; dies letztere wort
kennt auch Älfric in der form busius falb, s. Ducange. Die Vereinfachung
des es im fem. bisa, bise macht keine Schwierigkeit: sie ist dieselbe wie
im partic. misa, mise = lat. missa. Abgel. it. bigione feigendrossel,
fr. biset holetaube, beide nach der färbe benannt. — [Mahn p. 87 be-
zweifelt die obige deutung aus einem unvorhandenen bysseus und gründet
das wort auf bask. baltza oder beltza schwäre, wofür er die formen baza,
beza als berechtigte aufstellt. 'Aber auch diese syncopierten formen können
das rotnan. wort nicht befriedigen, welchem, vornehmlich dem it. bigio,
nur ein radicdles i gerecht ist, denn dieser vocal repräsentiert in tonsilben
(ein paar fälle vor mehrfacher consonanz abgerechnet) überall den gleichen
vocal der grundsprachen. Gegen die herkunft eines ital. prov. franz. dem
»Spanier unbekannten, wenigstens in derselben form unbekannten Wortes
aus dem baskischen kann ich überhaupt meine zweifei nicht überwinden.
Menage dachte an piceus, dllein die bedeutung pechschwarz schreckte ihn
ab. Das wäre nun kein großes bedenken, denn das pech ist nicht so
schwarz, wie man es macht; allein die erweichung eines anlautenden p in
b ist ein seltener und immer nur auf einzelne Wörter einzelner gebiete be-
schränkter Vorgang, so daß ich nicht darauf einzugehen wagte. Neben
dem oben aufgestellten bysseus dürfte auch bombyeius erwogen werden,
dessen erste silbe wegfiel, wofür es nicht an Zeugnissen fehlt (mlat. bacius
Dief. Gloss. lat. germ. 78r, it. baco, sard. basinu, fr. basin, für bomba-
cius cet.), dessen zweite silbe formen mit u und a zeigt (bambucinum u.
bumbaciura DC, it. bambagio), daher das pg. buzio und wohl auch das
sp. bazo, weiches eher hieher gehört als zu dem bereits in bayo vorhan-
denen badius, pan bazo wäre also genau das fr. pain bis. Seidne und
baumwollene Stoffe kamen in Scharlach oder purpur gefärbt nach Europa,
vgl. mlat. bombicina Scharlach Dief., it. bambagello purpurschminke, ahd.
sidin €coccineus* Grajf. Die grundbedeutung unseres wortes war dunkel-
farbig, altfr. azur bis ist dunkelblau, vert bis dunkelgrün; die bed.
schwärzlich erfolgte hieraus. Bombyeius empfiehlt sich besser als bysseus,
theüs weil es ein vorhandenes wort ist, theils weil sämmtliche formen, mit
i, u und a, darin ihre rechtfertigung finden. Man scheint die erste silbe
abgeändert oder weggelassen zu haben, um die erinnerung an bombus zu
beseitigen. Aus dem Krit. anhang.]
Biglia it., sp. billa, fr. bille kugel von bein; vermuthlich vom mhd.
bickel knöchlein, würfet, ndl. bikkel beinchen, womit die kinder spielen.
Daher abgel. fr. billard kugelspiel, billot Motz. Pr. bilha 'ligneus
ludus GProv. 63*.
Bilancia it., maü. ven. sp. balanza, pr. balansa, fr. balance wage;
van bilani bilancis.
Binocolo it., binoele fr. fernglas für zwei äugen; zsgs. aus bini oculi.
54 L BIONDO— BIRRA.
Biondo it., pr. blon (fem. blonda), fr. blond, daher sp. blondo?
(fehlt pg. und cot.), nhd. blond gleichfalls aus dem franz. (dafür mhd.
val falb). Man hat auf apluda hülsen des getreides, kleie, auch auf
bladum, fr. bl6, verwiesen, weil die färbe des reifen getreides der blonden
ähnlich sei. Das einzige buchstäblich zutreffende etymon, das die sprachen
gewahren, findet sich im ags. blonden-feax mischhaarig d. h. grauhaarig
(s. Dief. Goth. wb. I, 304), aber der Übergang vom grauen durch das
weiße oder hellfarbige zum blonden ist bei aller Veränderlichkeit der färben-
begriffe (s. z. b. pardo II. b) nicht unbedenklich. Vielleicht hilft ein
anderes deutsches wort. Ist blond, das nur vom haar gebraucht wird,
etwa eine rhinistische form aus dem ältn. bland, dän. blöd, schwed. blöt
sanft, weich, nämlich von färbe oder beschaff enheit? Dem entspricht auch
ein bret. blöd, über dessen verhalten in den schwestersprachen s. Dief.
I. c. p. 308. Zu beachten ist, daß der Älbanese beide begriffe, blond und
sanft, mit demselben worte (russ) ausdrückt. Zu blond kommt noch die
prov. und aitfr. nebenform bloi, welche unmittelbar auf blöd {vgl. dUfr.
goi aus god) leitet. Bloi ist lichtfarb oder gelb, besonders von blumen
und vom haupthaar gebraucht, in späterm mlatein bloius, blodius. Das
haupthaar der schonen Isolt wird daher ohne unterschied blond und bloi
genannt : pr. Yseut la blonda PO. p. 9, Ysseulz ab lo pel bloy Chx.
III, 204. Eine äbl. ist it. biondella tausendgülderikraut, weil es zum
blondfärben gebraucht wird.
Biotto it. armselig, elend, lomb. biott, blot, chw. blutt nackt, ven.
bioto einfach, lauter, pr. altfr. blos entblößt, beraubt (in letzterer spräche
selten, s. Altrom. sprachd. p. 51), neupr. blous pur (z. b. aigua blousa),
moden. bioss nackt, auch bask. buluza. Deutsches wort, bair. blutt,
Schweiz, blutt und blutz, vb. blatten, mlat. in der L. Long, blutare aus-
leeren, dsgl. mit z mhd. blöz, woher das pr. blos, dem bereits ein ahd.
bl6z die form gewiesen haben muß. Im maüänd. ist nudus durch biott
fast ganz verdrängt worden.
Biroccio, baroccio it. zweirädriges fuhrwerk, daher sp. barrocho;
sicher von birotus, aber, wie es scheint, dem suffix occio, z. b. in car-
roccio, angebüdet. Das franz. wort ist brouette zweirädriger hand-
wagen, für bi-rouette, wallon. berwette, bei Ph. Mousket bouroaite. Von
biroccio ist unser birutsche; von der form birozzo (venez.) scheint protze,
protzwagen, die syncope des i auch im sie. brocciu, chw. bröz.
Birra it., fr. biere, wal. beare ein getränk. Das ital. wort. (ven.
bira) ist aus dem nhd. bier, das franz. aus dem mhd. bier ; der genus-
wechsel hat wenig zu bedeuten. Altere deutsche formen sind ahd. beor,
bior, ags. beor, aitn. bior. Auch die celtischen sprachen besitzen es:
gaü. beöir (f.), bret. biorc'h (m.). Aber weder im deutschen noch im
celtischen scheint es seine würzet zu haben. Nach Wackemagtls ver-
muthung (Haupts Ztschr. VI, 261) ist das deutsche bier vielmehr aus dem
syncopierten lat. infinitiv bibere, der schon im ältesten latein in der form
biber als Substantiv üblich war und trank bedeutete (mlat. biberes 'potiones
I. BIS-BITTA. 55
vd parvi calices* Gl. paris. 2685 Fb.), it. b6vere bäere bere, sard. biere,
und dieser ansieht neigt sich auch Grimm im wb. zu. Schon Vossius
hatte sie: a biber extrito b est belgicmn bier, s. Etym. lat. s. v. bibo.
Auch im wal. heißt bier beutnre d. i. trank (IAvadit Dictzionar); engl.
bevor vesperbrot. — Eine neuere deutung leitet das ahd. bior auf ein goth.
*bius, dies auf skr. ptv, ptb = pä trinken zurück, worin auch slav. pivo
seine quelle hat, s. Ztschr. für vergl. sprachf. V, 369, VII, 224. Dem
Spanier fehlt das wort, dessen stelle vertritt cerveza, so auch pg. cer-
veja, pr. cerveza Eluc., altfr. cervoise, it. cervigia, cervogia, cervosa
(beide letztere aus dem franz.) = lat. cerevisia, cervisia, sicher der ältere
romanische über alle provinzen verbreitete ausdruck.
Bis eigenthümlich vornan, nur in Zusammensetzungen übliche Par-
tikel, die das ungehörige, unächte, verkehrte ausdrückt und sich zuweilen
in die formen ber oder bar kleidet: it. biscantare nicht ordentlich singen,
trauern, pr. beslei verkehrter glaube, it. barlume für bislume schwaches
licht, fr. bertouser (bei Menage) ungleich scheren, piem. berliche ein
wenig belecken, berlaita molken (unächte, geringe milch, fr. petit lait),
vgl. Born, gramm. II, 435. Aber woher diese partikd? Gegen lat. bis
sträubt sich der begriff, gegen das deutsche miß die form, gegen bret. besk
(abgestutzt) beides, besk-aigre z. b. hätte unfehlbar fr. böchaigre gegeben
statt besaigre; zusammenziehung aus fr. biais wäre zu stark. Sollte es
aus lat. vice entstanden sein? Vicedominus *. b. ist der Stellvertreter
des herrn, nicht der rechte herr, und so biscantare nicht das rechte singen,
bislume nicht das rechte licht. Lat. v als anlaut wird ital und span.
lackt zu b, franz. freilich nicht so leicht, und eben darum ist diese er-
Uärung oder die aus vix, die man etwa noch vorbringen könnte, nicht zu
halten. Aber möglich wäre, daß man das Zahladverb bis, sofern es in
Zusammensetzungen aus dem begriffe des doppelten in den des schiefen
übergeht, wie im sp. bis-ojo doppdaugig, schielend, fr. bi-ais doppelsicht,
schiefe, am ende auch auf alles verkehrte, ungehörige angewandt hätte,
wie im altfr. bes-ivre schlimm betrunken, bes-order übel beflecken, piem.
bes-anca verrenkt (eigentl. schlecht in den hüften sitzend) heißt. An den-
selben Ursprung mahnt sp. bisel, occ. bizel, fr. biseau schiefe ebene.
Bisaccia it., sp. bisaza, fr. besace quersack; von bisaccium eigentl.
doppelsack, plur. bisaccia, bei Petronius. Dsgl. pr. fr. bissac, piem.
bereac, bersacca, sard. brisacca, barsacca, von bis-saecns. Für bisaza
findet sich sp. biaza, vermuthlich durch anlehnung an via, viage reise, da
8 sonst nicht ausfällt; auch neupr. biassa.
Bisante it., sp. pg. besante, pr. bezan, fr. besant eine byzan-
tinische münze, mlat. byzantius, auch byzantus, gr. ßvtavxtog, dessen %
hier keine schärfung in z erfuhr.
Biscotto it., sp. bizcocho, pr. biscueit, fr. biseuit, ztvieback; von
bis coctuß. So auch it. guascotto adj. halbgar, von quasi coctus.
Bitta it., sp. cot. bita, fr. bitte stück holz zu verschiedenem gebrauch,
pfähl; wohl vom alin. biti querbalken, engl, bit, Schweiz, bissen ; vgl. in
den Erfurter glossen p. 279* bitus 'lignum, quo vineti flagellantur.
56 I. B1ZZAKB0-B0CA.
Bizzarro it. zornig, eigensinnig, seltsam, lebhaft, $p. pg. bizarro
ritterlich, prächtig, freigebig, fr. bizarre wunderlich. Für das ital. wort
gibt es ein primitiv bizza zorn, das, wenn es nicht etwa deutschen Ur-
sprunges ist (vgl. ahd. bizön knirschen), aus dem fremden bizzarro abge-
zogen sein muß, da arr kein ital. suffix ist. über das spart, wort läßt
sich nur sagen, daß es sich mit gleicher bedeutung auch im baskischen
findet und daß hier noch ein subst. bizarra bart vorkommt, welches Larrar
mendi in biz arra 'er sei männlich' zerlegt und die weiteren span. be-
deutungen daraus ableitet. — [Mahn, Etym. unters, p. 137 ff., leitet es
entschieden: aus dem bemerkten bask. bizarra, worin biz die würzet, arra
die endung, tapfer die Urbedeutung sein muß.]
Blasone it. Wappenkunde, sp. blason, pg. brasao wappen, dsgl.
rühm, preis, fr. blason wappen, Wappenkunde, engl, blazon; vb. it. bla-
sonare, fr. blasonner wappen malen, sp. blasonar rühmen, sich rühmen.
Am frühsten bemerkt man dies wort in Frankreich, wo es schild, eigentl.
wohl Wappenschild bedeutet (Aubri im Fer. 161h, Alex. p. 22, 29), im
prov. hat es die ziemlich abweichende form blezo, blizo: blezos cubertz
de teins e blancs e blaus wappenschilde mit weißen und blauen färben
bedeckt LR. I, 338. Der valencianische wappendichter Jaume Febrer
(gegen ende des 13. jh.) braucht blasö theils für wappen oder wappen-
zeichen (armes 6 blasö str. 9), theils für rühm oder glänz (llustre 6 blasö
str. 2), also schon ganz im neuspan. sinne; die bed. Wappenkunde ist erst
später und zwar in Frankreich hineingelegt worden. Sein Ursprung kann
kaum zweifelhaft sein : er liegt im ags. blase, engl, blaze, mhd. blas bren-
nende fackel, daher glänz sowohl als auszeichnung im Schilde wie auch
als prunk oder rühm verstanden. 8. darüber Bernd, Wappenwissenschaft
I, 344. 345, E. Müller s. v. blaze.
Bliaut #r. Chx. V, 153, auch blizaut Fer. 707, dsgl. blial, bliau,
cdtfr. bliaut ein kleidungsstück von verschiedenem stoff (nüat. z. b. bliaa-
dus canabinus, fustaneus, fr. bliaut de soie, sebelin HBord.), eine tunica
sowohl für mannet wie für frauen, sp. pg. brial bloß für frauen, fehlt
ital., findet sich aber in Frankreich mundartlich in mancherlei formen,
bürg. z. b. bei La Monnoye biaude mit der bed. souqueniile. Während
das roman. wort nur ein kleidungsstück zu bezeichnen scheint, wird unter
dem mhd. bitalt, bltat ein seidner goldstoff zu kleidern, bettdecken und
dgl. verstanden. Wo findet sich der stamm blt oder bltd (letztere form
nach pr. blizaut zu vermuthen), mit dem sich die Suffixe ald und al ver-
banden? Ist es orientalisch? Mahn p. 40 findet seinen Ursprung im
persischen baljäd ein kleidungsstück, Vullers I, 262b. Ducangc verweist
aufkymr. bliant feines leinenzeug, das im celtischen selbst nicht tourzelnd
mit dem roman. wort zusammenhängen dürfte, cdtengl. bleaunt, blehand
Halliwell.
Boca it., sp. pg. boga, pr. buga, fr. bogue (Nemnich) ein fisch ,
meerbrassen; vom lat. box bocis (m.) bei Plinius, nach dem gr. ßoa§, /Jci£.
Taulus in seinen excerpten aus Festus gibt bereits eine halbroman. form7
I. BOCCA-BOLLA. 57
weiche 0. Mutier für einen acc. plur. halt : bocas cgenus pisds a boando
appellatur.
Bocca it., sp. pg. pr. boca, fr. bouche mund; von bucca backen,
auch für mund oder tnatd gebraucht, die erstere Bedeutung nur im wal.
buce erhalten. Prov. bucela, von buccella bei Martial; dsgl. bossi,
altfr. boussin bissen, gleichsam bucclnum; sp. bozal maulkorb, gleichsam
bucceale von buccea bissen.
Boccale it., sp. fr. wal. bocal krug, becher, pokal; vom nüat.
baucalis, dies vom gr. ßavxdktov gefäß, ßavxalig auf einem papyrus, s.
Letronne im Journ. d. sav. 1833 p. 478.
Boja cdtit. s. Lex. rom., pr. boia, altfr. buie kette, fessel, daher
mhd. boije dass.; von boja bei Plautus und andern: bojae 'genus vincu-
lorum tarn ferreae quam ligneae Festus. Dasselbe wort ist der Schiffer-
ausdruck sp. boya, pg. boie, alt fr. boye, nfr. bou^e, dtsch. boje u. s. w.
ein auf dem wasser schwimmendes mit einem seä (boja) befestigtes stück hol*.
Boja it. henker, auch altsp. boya, neupr. boiou, wallon. boie, chw.
bojer. Ehe man sich in Untersuchungen über dieses wort vertiefe, erwäge
man, daß die ital. spräche keine mascülina auf a bildet, wohl aber femi-
nina auf a als mascülina behandelt (il camerata, lo spia), das wort muß
also ein schon vorhandenes sein, vorhanden aber ist im latein. und altit.
boja fessel, namentlich hdlsfessel, vgl. Papias bogia 'torques damnatoruni ,
wozu die venez. form bogia passt. Dem Spanier ist ruthe und henker
dasselbe, s. verdugo ZT. b.
Bolgia it., altfr. böge ranzen, neufr. bouge stübchen; abgel. sp.
burjaca schnappsack; fr. bougette reisesack, daher altengl. bogett,
bougett, neuengl. budget, letzteres wieder ins franz. eingeführt. Es ist
das lat. bülga bei Lucilius, welches Festus ein von den Galliern gebrauch-
tes wort nennt: bulgas Galli sacculos scorteos vocant, altirisch bolc
Zeuß 1, 17, gael. builg, eben sowohl ahd. bulga (aus dem vb. belgan
schwellen). Übrigens fließen die roman. formen, wie oft, aus einer latein.
adjectivbildung bulgea (bulgia), keineswegs aus dem celtischen oder deut-
schen. Man sehe über dieses wort Diefenhach, Goth. wb. I, 271, Orig.
europ. p. 274.
Bolla und bulla it., sp. pr. bola, bula, pg. bolha, bulla, fr. boule,
bulle blase, kugd, daher Urkundensiegel (für letztere bedeutung gilt meist
die form mit u); masc. it. bollo Siegel, sp. bollo beule; von bulla Wasser-
blase, beule, buckel. Span, bola, nebst altfr. pic. boule urindbeutelei, be-
trug, gehen auf die bed. Wasserblase zurück; daher vb. bouler den kröpf
aufblasen. Abgel. it. bolletta, bulletta, fr. biliet zettel, eigentl. besiegeltes
blättchen; it. bollettino, fr. bulletin berichtzettel; dsgl. sp. bollon,
fr. boulon naget mit dickem köpf, altfr. bolzen: ebenso heißt lat. bulla
köpf des nageis. Desselben Stammes, von bullire, ist it. bollire, sp. pr.
bullir, pg. bulir, bolir, fr. bouillir sieden, wallen, in unruhe sein ; hieraus
das sbst. it. b o 1 1 o n e , fr. bouillon aufwällung, auch fleischbruhe (ähnlich
sp. caldo mit letzterer bedeutung, eigentl. hitze, pic. caudiau, altfr. caudel
58 I. BOLZONE— BORBOGLIARE.
GNev. p. 117); dsgl. sp. bulla, pg. bulha unruhe, auf rühr, daher cat.
esbullar verwirren, zerstreuen, und wohl auch pg. esbulhar genau
durchsuchen, berauben (eigentl. ver stören?), das man sonst aus spoliare
erklärt.
Bolzone it., altsp. altfr. bozon, pr. bosso pf eil mit stumpfem ende,
dsgl. mauerbrecher ; kann, ohne anlehnung an das deutsche bolz, bolzen,
mittelst des Suffixes cion aus bulla nagdkopf (woher auch fr. boulon bol-
zen) wie fr. haraeQon aus hamus abgeleitet sein. Die roman. urform
bulcio bultio ist in altdeutschen glosasaren zu finden.
Bomba jpr., auch altval. bei A. March, prahlerei, gepränge; dsgl.
it. bombanza jttftrf, altfr. bombance bei Menage, gewöhnlich bobance,
pr. bobansa s. v. a. bomba; pr. bobans für boban, altfr. bobant dass.
Von bombus gesumse, geräusch, adj. bombicus geräuschvoll, prahlerisch,
bei Venant. Fort. Daher denn auch Wörter wie bomba ein summendes
geschoß, dsgl. bombarda, vb. it. rimbombare wiederhallen.
Bomba sp. pg. cat., fr. pompe, engl, pump eine maschine zum
wasserschöpfen, pumpe. Nach Adelung vom geräusch, das sie macht; zu-
nächst wohl vom roman. vb. bombare trinken, schlürfen, denn die pumpe
saugt,1 aber auch dies verbum ist ein naturausdruck, s. bobo 11. a. Der
Italiener nennt sie tromba, nicht weil sie ein trotnpetenartiges geräusch macht,
was nicht der fall ist, sondern weil tromba, wie es scheint, aus lat. tuba
entstand und dies 1) trompete, 2) röhre in einem druckwerke heißt.
Bonaccia it., pr. bonassa, fr. bonace, sp. mit eingeschobenem n
bonanza meeresstille; eigentl. heiteres weiter, von bonus, vgl. sp. bonazo
friedlich und wal. resbune es heitert sich auf Das gegeniheil davon ist
altsp. malina ungewitter von malus.
Bonete sp. pg:, pr. boneta, fr. bonnet mutze. Ursprünglich name
eines Stoffes: ab illo tempore nunquam indutus est squarleto Tel panno
viridi seu bonneta Guül. de Nangiaco (um 1300). Woher dem stoff
dieser name geworden, muß dahingestellt bleiben. Indessen erkennt J.
Grimm zu Merkel L. Sal.p. liv in dem malbergischen ob-bonis (ob-pinis,
abonnis unterhaübe, haarbinde) ein dem roman. bonneta bereits ver-
wandtes wqrt.
Borbogliare it., pic. borbouller murmeln, sp. borbollar, pg. bor-
bolhar, borbulhar sprudeln, blasen werfen, cat. borbollar verwirren, be-
trügen; sbst. sp. burbuja, pg. borbulha Wasserblase, knospe (etwas her-
vorquellendes). Die hispan. verba erklären sich vielleicht aus einem ver-
stärkten lat. bullare, bei den andern mag dies zweifelhafter sein, wiewohl
die begriffe sprudeln und murmeln sich nahe berühren. Neben borbogliare
stellt sich nämlich das gleichbed. borbottare, altfr. borbeter Ben. I1I9
529, pic. borboter, neben sp. borbollar ebenso das gleichbed. borbotar,
ohne zweifel naturausdrücke wie gr. ßoQßoQvtetv brausen, gad. borbaa
gemurmel, vermutlich auch it. bärbero mürrisch. Eine andre form mit
der bed. murmeln lehnt sich an barba: sp. barbotar, maxi, barbotta,
pic. barboter, cat. barbotejar. Dazu noch it. barbugliare, sp. barbullar
unverständlich sprechen.
L BORDA-BORGO. 59
Bordapr. cot., borde altfr. baräke; vom goth. baurd, dltn. borä,
ahd. bort tafel, brett, vgl. ir. gael. börd, Jcymr. bwrdh. Daher it. bor-
dello, pr. fr. bordel, sp. burdel (auch adj.), ursprüngl. hüttchen, s. die
stellen bei Ducange, altfr. auch fem. bördele schlechte hätte SB. 555.
Borde sp.f pr. bort, altfr. borde, sard. burdu sbst. u. adj. bastard,
nebenschöfiling. Es ist augenscheinlich das primitiv des späteren lat. burdo
maulthier, bastard des pferdes (burdonem producit equus conjunetus
asellae, s. Ducange), welches aber selbst ein fremdwort sein muß und von
einigen etymologen mit dem deutschen beran (tragen) zusammengestellt
wird, s. Schwende, Beiträge zur lat. wortforsch. I, 17, Graff III, 1 63.
Burdo fehlt in diesem sinne dem roman. gebiete, denn das im prov. JElu-
eidari, dem nicht überall zu trauen ist, angeführte burdo ist offenbar
lateinisch.
Bordo it. pg., sp. bordo, borde, fr. bord, fem. altsp. pg. bor da
rand z. b. des Verdeckes, wal. boarte kränz; vom ahd. bort, alts. bord
rand, schiffsrand, vgl. ahd. borto band. Daher sp. bordar, fr. border,
engt, border einfassen. Das span. wort bedeutet auch sticken, wie sich denn
beide handlungen nahe berühren, allein dafür besitzen andre sprachen eine
besondre form: cat. brodar, fr. broder, engl, broider, kymr. brodio, zu-
sammenfallend mit dem gael. brod, altengl. brode stechen, denn auch
stechen und sticken, fr. brocher, sind verwandte handlungen. Eine andre
form ist wallon. brosder, altsp. altpg. broslar für brosdar (mlat. brosdus
oms dem 10. jh., später brustus gestickt), offenbar vom gleichbed. ahd. ga-
prorton, sofern dies nebst ags. brord, dltn. broddr spitze, Stachel auf ein
goth. bruzdön zurückfuhrt, vgl. Grimm I2 319, Diefenbach, Goth. wb. I,
285, 286, Mussafia, Gloss. zu Prise de Pampelune s. v. brusti und zu
Monum. ant. s. v. enbrostar.
Bordone it., sp.pr. bordon, pg. bordao, fr. bourdon stütze, püger-
stab. Der wandrer konnte den stob, auf den er sich stützte, vergldchungs-
weise sein lastthier nennen und so wäre bordone nichts anders als das so
eben berührte lat. burdo, welche uralte etymologie zu unterstützen Covar-
ruvias treffend das sp. muleta (maulthier und' krückenstock) anführt. —
Nach GachePs vermuthung gehört das wort zur zahlreichen familie des
goth. bafran; es möchte aber nicht leicht sein es daraus zu construieren.
Bordone it., sp. bordon, pg. bordao, fr. bourdon bass, basssaüe,
fr. auch hummel, vgl. atticus (attacus) vel burdo Gl. Adfr.; vb. fr. bour-
donner summen. Ist es richtig, daß die langen trompeten oder Orgel-
pfeifen diesen namen führten (Ferrari, Ducange), so konnte man ihn von
dem der langen pügerstäbe (s. den vorigen artikel) entlehnt haben und
hiernach wäre das gael. bfirdan gesumme, altengl. bourdon, von außen
eingeführt.
Borgo #., sp. pg. burgo, pr. bore, fr. bourg kleine stadt, flecken.
Dasselbe wort ist in allen germanischen sprachen heimisch und seine
würzet darin nachweislich, goth. baürgs, ahd. bürg, von bairgan, bergan.
Indessen kannten auch die spätem Römer das wort burgus und zwar als
/
60 L BORINO-BORRAGGINE.
ein vulgäres: castellum parvum, quem burgum vocant, sagt Vegetius De
re fnüit. 4, 10 (vgl. die stellen beiBöcJdng, Annot. adNotit. Occ. p.704)\
und wenn es aus dem deutschen in das latein übergieng, so scheint es
wenigstens seine ausprägung als masculin dem gr. ni-gyng zu danken.
Aus diesem längst vor dem falle des westlichen reiches dem Römer be-
kannten burgus ist, genau genommen, das rom. borgo herzuleiten, nicht
unmittelbar aus dem deutschen bürg, aus welchem sich die abl. it. borge 8 e,
sp. burges, pg. burgel, fr. bourgeois nicht entwickeln konnte {vgl. unten
franco), d. h. in der römischen Volkssprache muß schon burgensis gegolten
haben, bis durch einfluß des deutschen bürg die form mit gutturalem
g, it. borghese, pg. burguez, pr. borgues, <ütfr. borgois daneben aufkam.
Auch im span. Ortsnamen Burgos hat sich das wort erhalten, es ist eine
pluralform, lat. Burgi Burgorum, wie denn die stadt mit Vereinigung
mehrerer dörfer(imj. 884) erbaut ward, s. Esp. sagr. XXVI, 169. Über
die weite Verbreitung dieses wortes vgl. Diefenbach, Goth. wb. I, 264.
Borino it, burin fr., sp. pg. buril, ältsp. boril grabstkhel; wohl
vom ahd. bora terebra, borön terebrare.
Bornio it., borni cot., borgne fr., borli limous. einäugig; vb. aitfr.
borgnoier, im Voc. duac. Tbomier mit der bed. lippire. Meß es ur-
sprünglich schielend, eine bedeutung, die ihm das bemerkte glossar von
Douai beilegt (borne *strabo*) und die sich auch in einer mundartl. zur
sammensetzung mit oculus ausspricht (bornicle schielendes auges Dict.
genev. p. 42, im Jura bournicler schielen), so ist sp. bornear krümmen,
ausweichen gleiches Ursprunges: in derselben spräche heißt tuerto ge-
krümmt, schielend, einäugig, turnio schielend, von tornear drehen. Woher
aber dies wort? Das bret. born steht zu einzeln im celtischen da, um
nicht verdacht der entlehnung aus dem franz. zu erregen. Es findet sich
ein henneg. bigornier schielen, welches Hecart aus bicornis zu deuten
geneigt ist, aber die syncope wäre zu ungewöhnlich. Ital. borniola
falsches urtheil wird wohl hieher zu stellen sein.
Borra it. sp. pr., bourre fr. scherwolle, abgeschorenes haar von
tüchern, grobe wolle, flocUen von haar. Wir hoben hier, wie schon Aldrete
fol. 47* anmerkt, den Singular des bei Ausonius vorfindlichen burrae
possen, lappalien (auch it. borre, sp. borras in demselben sinne) vor uns ;
flocke und posse berühren sich öfter. Aus diesem burra bildete das ältere
mlatein ein adj. reburrus struppig, kraus. Dahin gehört auch sp. borra,
borro junges schaf, mit kurzer wolle, obgel. borrego dass.; it. borrac-
cia, sp. borracha weinschlauch (von ziegenf eil?); pr. borräs, fr. bourras
grobes tuch, nüat. borratium; vb. fr. bourrer, it. abborrare mit wolle
ausstopfen, sp. pg. borrar sudeln, klecksen (aus der bed. von borra un-
nützes zeug in Schriften); sbst. sp. b orr o n, pg. borräo klecks. Vgl. burro.
Borrace it., sp. borrax, fr. borax ein aus China und Japan kom-
mendes mittelsalz; vom arab. bflraq Golius 260, Freytag 7, lllh.
Borraggine it., zsgs. borrana, auch borrace, sp. borraja, pg. bor-
ragem, pr. borrage, fr. bourrache, wal. borantze ein kraut, borretsch%
I. BORSA— BOTTARE. 61
borrago Linn. Das Vaterland dieser pflanze soll die Levante, namentlich
die umgegend van Aleppo sein, und daher konnte auch der name 'kommen.
Indessen hat borraggine ein acht ital. gepräge, indem diese spräche eine
anzahi pflanzennamen mittelst des Suffixes aggjne = lat. ago neu bildet
(capr-, fus-, lent-, ulivaggine). Ist nun der stamm nicht ein erweislich
fremder, so dürfte man in beziehung auf die haarichten blätter des krautes
wohl an das oben genannte borra, besonders an dessen span. bed. strup-
piges barthaar und an die franz. bed. rauhe haut über den hervorbrechen-
den äugen des weinstockes. so wie an die ital. form borrace, sofern sie
dem fr. bourras (grober Stoff) zu entsprechen scheint, erinnern.
Borsa it. pr., sp. pg. bolsa, fr. bourse geldbeutd, börse, Versamm-
lungsort der kaufleute; vom mlat bursa, byrsa, gr. ßvgoa, feil, leder.
Borzacchino it., sp. borceguf, fr. brodequin ort halbstiefel; vom
tnndl. broseken KU., in älterer gestäU brosekin, dimin. von broos (f.)
mit gl. bed., vermutlich umgestellt aus byrsa leder, wie auch leerse Stiefel
aus leer (leder) entstand.
Boseo it., sp. pg. bosque, pr. bosc, fr. bois? mlat. boscus und
buscus gehölz. Dieses wort darf nach J. Grimm, Über diphthonge (vgl.
gramm. II, 277, wb. v. busch) auf eine deutsche tourzel zurückgeführt
toerden, bauen, wovon eine ahd. adjectivform buwisc, buise baumaterial,
holz (wie fr. bois) anzunehmen wäre; auch das sbst. busch brauchte nicht
eben aus dem romanischen zurückgekehrt zu sein (doch wohl mhd. bosche?)
Das deutsche ü müßte sich also im roman. durch Position gekürzt haben,
daher bosco für busco, s. busca. Die franz. abll. bosque t und bo-
cage, für die veralteten boschet, boschage, schließen sich mit Ihrer kehl-
tenuis den südlichen formen (ö. boschetto, sp. boscage) an; auch bouquet
blumenstrauß für bousquet (vgl. lat. silva wald, dsgl. menge pflanzen) ist
hieher zunehmen. Zsgs. ist it. imboscare, sp. pr. emboscar, fr. em-
busquer (äU embuscher und embuissier) in den busch d. h. in den hinter-
halt legen, daher im Garin en un bruillet (gebüsch) les a fait embuschier
DC. v. brolium; engl, ambush hinterhält
Bosso it., sp. box, pg. buxo, pr. bois, fr. buis buchsbaum; von
baxus. Daher äbgel. it. buscione, fr. buisson, pr. boisson Strauch
(nickt von bois, bosc, welchen nur ein pr. boscon gemäß sein würde);
dsgl. it. bössolo buchsbaum und büchse, sp. brüxula compass (mit einge-
schobenem r, vgl. pr. brostia unter boite II. c), fr. boussole, so wie
sp. bnxeta, pr. bosseta, fr. bossette schocktet vonbuchs, überhaupt büchse.
Botta it., altfr. botte, auch boz Ben. II, 152, kröte, champ. dauphin.
böte ; scheint aus deutscher tourzel in bözen stoßen, treiben, so daß es das
aufgetriebene thier bezeichnete. Auch sp. boto adj. stumpf, fr. bot in
pied bot Jäumpfuß, botte klumpen, chw. bott hügel, tiaZ. butaciu stumpf,
blöde (ungr. buda) müssen dieser tourzel zufallen: nhd. butz, butzen, ndd.
butt bedeuten etwas abgestumpftes.
Bottareä. in dibottare durcheinander schlagen, dsgl. buttare
ausschlagen (von bäumen), sp. pg. pr. botar, fr. bouter stoßen ; vom mhd.
62 L BOTTE-BRACA.
bözen stoßen, Klopfen. Sbst. mail. butt knospe, it. botto, botta, sp. böte
fr. botte stoß, bout endey spitze (obd. btitz brustwarze), daher debout auf-
recht, mettre debout mit dem ende hinstellen, aufrecht stellen, dsgl.
aboutir zu ende gehen. Abgel. it. bottone, sp. pr. boton, fr. boaton
knospe, knöpf eigentl. etwas hervorstoßendes, ausschlagendes, vielleicht
buchstäblich das ahd. bözo bündel (knollen?). Auch kymr. bot, böth run-
der korper ist verglichen worden, die ital. doppelform aber mit t und z
in bottone und bozza (s. unten) scheint deutschen Ursprung anzuzeigen.
Botte it., sp. pr. bota, fr. botte, boute, wal. böte, bute haben die
bedd. faß, kübel, schlauch, stiefel u. dgl. Die Wörter singt vielen sprachen
gemein, z. b. gr. ßovxtg, ßvttg flasche, ags. butte, nhd. btttte ein großes
gefäß, gael. bot Stiefel. Butte begegnet schon in einer Urkunde v. j. 664
Marin, p. 124. AbU. sind it. bottiglia, sp. botilla, botija, fr. bou-
teille, mlat. buticula, in den Gasseier glossen puticla, in einem scherz-
haften artikd zur L. Sei. (cod. gudf. 8. jh.) aber schon botilia ; dsglh it.
bottino Wasserbehälter, ahd. bat in, ags. byden u. a. m.
Bottega it., sp. botica, pr. botiga, fr. boutique kramladen; von
apotheca vorrathskammer, neap. mit tenuis potega, sie. putiga. Der weg-
fall des a kann darin seinen grund haben, daß man in l'apotheca es zum
artikel rechnete.
Bottino it., sp. botin, beide wohl aus dem fr. butin beute; vom
nord. byti, mhd. bfiten, s. Mhd. wb.
Bozza it., pr. bossa, fr. bosse, pic. boche beule; adj. fr. bossu
buckelig, bosseler bucklig machen, beulen oder getriebene arbeit machen9
bosseln; dsgl. it. boccia knospe, kugel, sp. bocha mit letzterer bed., pg.
bochecha aufgeblasener backen. Im latein sucht man diesen stamm
vergebens; leicht aber erkennt man darin das unter botta schon erwähnte
hochd. butze, butzen etwas abgestumpftes, klumpenartiges, vgl. ndl. butse
beule, vom mhd. bözen stoßen (hervorstoßen), s. oben bottare. Ital.
bozza und bozzo bedeuten auch einen grob bearbeiteten d. h. einen noch
unförmlichen stein, daher das vb. abbozzare aus dem rohen arbeiten,
pg. esbo$ar, aitsp. sbst. esbozo = it. abbozzo, wogegen das sp. bosque-
jar eine sehr abweichende gestalt zeigt. — Derselben herkunft wie die
obigen formen mit radicalem o sind andere mit u: it. buzzo bauch,
nadelküssen, sp. buche busen, kröpf, magert, auch bausch eines Meides;
sp. buchet e s. v. a. bochecha; fr. but erhabene mitte eines dinges, ziel
des schützen, daher zweck (wie auch, das letztere deutsche wort ursprüng-
lich den nagelkopf im mittelpunct der Zielscheibe bedeutet), zsgs. de but;
fem. butte aufgeworfener erdhaufe (altn. bütr abgestumpftes ding). Von
buzzo ist maü. buzzecca, piem. buseca, it. busecchio gedärm, vgl. ahd*
gebuzze 'exta Graff III, 233. An sp. buche scheint sich auch zu schlie-
ßen bucha brotbehalter, Sparbüchse, vb. buchar verstecken.
Braca it., sp. pg. braga, pr. braya, aitfr. braie hose (gewöhnt, im
plur.), sp. braga, nfr. braie windet; vom lat. braca, in frühem mitteUatein
braga, angeblich ein gallisches wort, bret. bragez.
I. BRACCO-BRANDO. 63
Bracco it., sp. braco, pr. brac, fr. braque Jagdhund, Spürhund; vb.
it. braccare nachspüren; vom ahd. braccho, nhd. bracke. Span. adj.
braco stumpfnasig. Aus der altfr. form bracon floß braconnier wild-
dieb, vb. braconner in fremdem gehege jagen.
Bragia, brascia, bracia it., sp.pr. brasa, ^r. braza, fr. braise glühende
kohle, fläm. brase KU.; vb.fr. braser löthen, altfr. brasoier rösten DMce.
p. 58, 11, brasiller dass. Roq.; zsgs. it. abbragiare, sp. abrasar, fr.
embraser anzünden, altfr. esbraser LRs. 307. Vom ältn. brasa löthen,
schtced. brasa flammen, wie Diefenbach, Goth. wb. I, 327, gegen die
deutung aus ags. blase fackel (wovon blason) mit recht behauptet; dies
nord. brasa wäre dann das ags. bräsian vererben, woraus sich die ital.
form bragiare gut erklärt, braeia aber ist ausgeartet wie cacio von caseus.
Dieselbe deutung schon bei Wächter, Gloss. germ., und Löscher, Literatur
celta p. 94. Zu merken ist noch mail. brascä anzünden.
Brago it., äUsp. bray Gonq. Ultram., pr. brac, altfr. brai schlämm,
daher le pays de Bray nach Ducange, pr. auch eiter, cot. brac geschwür;
adj. pr. bragos, altfr. brageux schlammig. Die herkunft dieses, wie man
sieht, gemeinrom. Wortes steht nicht sicher. Menage verweist auf ein gr.
ßQctyog = ?Aog sumpf teich bei Hesychius, und Isaak Vossius in seinen
anmerkungen macht das ndl. braak (bruch) davon abhängig. Das griech.
etymon genügt buchstäblich und erregt auf das ital. wort angewandt am
wenigsten bedenken. Neufr. brai hat nur die bed. theer, daher wohl sp.
brea, pg. breo dass., vb. brayer, brear theeren.
Bramare it., chw. brammar heftig verlangen, sp. pr. bramar, fr.
bramer schreien, neupr. bram& mit beiden bedd., vgl. altcat. glatir bellen,
neucal. begehren, und Festus stelle: latrare Ennius pro poscere posuit
Es ist das ahd. breman, ndl. bremmen brüllen, entsprechend dem gr.
ßoifuiv,
Branca it. altsp. altpg. pr., fr. brancbe, pr. auch masc. branc
kralle, zweig, wal. brencf hand, vorderfuß, mlat. branca leonis eine pflanze
(um 1070). Verwerflich ist die deutung aus brachium mit eingesetztem
n, da eine solche form immer nur brancia ergeben konnte. Unzweifelhaft
ist branca ein sehr altes roman. wort, ja vielleicht schon der römischen
Volkssprache bekannt: für ersteres spricht die üal. abl. brancicare mit
polatalem c, indem solche bildungen nur aus alten stammen hervorgiengen
oder doch in alter zeit entstanden ; für letzteres das dasein des Wortes im
walach. mit eigenthümlicher bedeutung. Zusammenhang desselben mit dem
dUgael. brac, com. brech (e aus a), hymr. breich arm (des baumes äste
sind seine arme) mit ausgefallnem n muß man anerkennen und vielleicht
vergegenwärtigt das bret. brank noch die reinere form. Vgl. Diefenbach,
CeU. I, 210. Von branca kommt it. brancolare tappen u. a. m.
Brando it., pr. bran, altval. brant (noch bei A. March), altfr. brant,
branc, bran schwertklinge (branc de l'espäe); vom ahd. brant titio, altn.
brandr gladius, vgl. wegen der bedeutungen den span. schwertnamen
Tizon = titio, später in Tizona verändert, s. Sanchez, Colecc. I, 227.
64 L BRANDONE-BRAYO.
Daher it. brandire, pr. fr. brandir, sp. blandir den degen, die lanze
schwingen; ditn. fr. brandiller schwingen, dsgl. branler, zsgs. äbranler,
für brandoler. Eine andre all. ist pr. brando, fr. brandon, sp. blandem
f aekel; altfr. brander brennen, in flammen stehn s. Chron. de Fantosme
v. 958, pr. brandar, neupr. brandA, piem. brande kochen, wällen, altpr.
abrandar in brand selten.
Brandone it., zsgz. brano, fetzen fleisch oder tuch, cltsp. brahon
{für bradon) tuchlappen, pr. bradon, brazon, braon, altfr. braion, hthr.
bravon, engl, brawn wulst fleisch, dickbein; vb. it. sbranare, altfr.
esbraoner zerfleischen; vom ahd. bräto (acc. brätun, bräton) fleischiger
theil, wade.
Brasile it., sp. pg. brasil, fr. br£sil (l mouille) eine ort höh zum
rothfärben, das sich in großer menge in Brasilien findet, woher der natme
des landes. Das mittelälter bezog es von einem andern bäume aus ver-
schiedenen gegenden des Orients: grana de brasile (brasilienscharlach) er-
wähnt bereits eine italische Urkunde von 1193 s. Ducange; andre nUat.
Schreibungen sind brasilium, bresillum, braxile, pr. brezilh, bresil, altfr.
wie neufr. und oft neben orientalischen färbestoffen und gewürzen genannt.
Aber das wort verweigert der Orient, der Araber z. b. nennt die sache
baqqam. Geht .man von der prov. form aus (und Marseilles Welthandel
berechtigt dazu), so darf man mit fug an eine ableitung aus briza krüm-
chen denken (s. briser U. c), woher auch brezilhar zerkrümeln, noch jetzt
fr. brösiller (bres für bris euphonisch wegen des folgenden i), so daß es
etwas zerbröckeltes bedeutete, denn das brasilienholz kommt und kam wohl
auch sonst gewöhnlich in kleinen spänen nach Europa. Auch andre han-
delsartikel dieser ort, wie Scharlach (grana), zimmet (cannella) nannte
man nach der gestait, in der man sie empfieng. Diese grammatisch und
logisch begründete herleitung wird sich besser empfehlen als die gewöhn-
liche aus brasa glühende kohle (in beziehung auf die färbe), denn das
naturreich hätte schicklichere vergleichungen dargeboten. Überdies müßte
man alsdann die span. form zu gründe legen, deren suffix il aber dem
begriffe wenig angemessen scheint, abgesehn davon, daß der Provenzale
keinen grund hatte, von dem buchstaben des bei ihm gleichfalls einhei-
mischen brasa abzugehn. — Das it. brasile nebst brasiletto haben erst
neuere Wörterbücher; dafür ist verzino (bereits beiL. Pülci) üblich. Nach
der strenge des lautgesetzes stimmt es nicht zu brasil oder brasil; erwägt
man indessen das ven. verz-el-ä d. i. verz-el-ato, das sowohl mit seiner
bedeutung (fleischfarbig) wie mit seinen suffixen das sp. bras-il-ado reprä-
sentiert, so wird man auf die möglichkeit einer identität von brasil und
verzino geleitet. Aber letzteres fordert noch die vergleichung eines arab.
Wortes. Vars ist eine als gelb, häufiger als roth bezeichnete zum zeug-
färben und schminken gebrauchte, im handel befindliche pflanze Arabiens:
gegen dieses etymon würde wenigstens die grammatik keine Schwierigkeit
erheben.
Bravo it. sp. pg., brau pr. (f. brava), brave fr. (hieraus unser brav,
I. BRAZA— BRENNO. 65
seit dem 17. jh. im gebrauch); dbgel. sp. pg. bravfo. Die älteste noch
im Südwesten fortdauernde bedeutung ist 'unbändig, stürmisch', dalier sp.
braviar brüllen, altsp. abravar in wuih bringen Conq. Ultram.; aber
auch im dUitcl. liest man unde brave stürmische wogen s. Archiv, stör.
ital. app. num. 18, p. 60. Besonders braucht man es von ungezähmten
thieren, selbst von wilden pflanzen: nüat. bravus bog, it. bue brado (für
bravo) junger noch nicht ans ziehen gewöhnter ochse, npr. brau stier, cot.
kalb, sp. ganso bravo wilde gans, pg. uva brava wilde traube. Daran
knüpft sich die bed. stürmisch im kämpfe, tapfer, sodann tüchtig, trefflich,
stattlich. Das fr. brave, welches jene grundbedeutung nicht anerkennt,
muß erst später aus dem ital. oder span., in welchen sprachen, der letz-
teren besonders, unser wort die meisten sprossen getrieben, entlehtU sein;
es fehlt der älteren spräche, worin es brou oder breu hätte lauten müssen,
die ursprüngliche form und bedeutung aber blickt noch hervor aus £brouer
brausen, rabrouer grob anfahren, die aus brau entstanden wie clouer
aus clau, wiewohl Le Duchat rabrouer aus lat. abrogare deutet. Die
Herkunft von bravo ist nicht gesichert. Drei Wörter aus drei verschiedenen
sprachen bieten sich der erwägung dar: lat. pravus verkehrt, unrecht,
kymr. braw sbst. schrecken, ahd. raw roh. Aus pravus konnte it. bravo
geworden sein, nicht leicht sp. bravo oder pr. brau, aber die bedeutungen
stoßen sich ab; übrigens findet sich das lat. wort außer im it. sp. pravo
auch im pr. prau richtig geformt und ganz in seinem lat sinne. Daß
das derivatum pravitas, it. pravitä, sp. pravedad, dem mit b anlautenden
stamme gänzlich fehlt, wollen wir nicht zu hoch anschlagen. Bessere an-
Sprüche scheint das ganz formgerechte braw zu haben, allein ist es nicht
verdächtig, daß es dem Romanen in seiner eigentlichen geltung als Sub-
stantiv fehlt? Das bret. bra6 (schön, lieblich) ist nebst dem gleichbed.
ndl. brauwe (s. Küian) nicht celtischer, sondern franz. herkunft. Wie
aus dem lat. crudus konnten sich aus dem ahd. raw leicht die bedd. un-
biegsam, wild, rauh, tapfer entfalten; hier muß eine Verstärkung des an-
lautenden t durch b angenommen werden, die auch in andern fällen
(bruire, brusco, braire cet.) vorzuliegen scheint, deren verhältnismäßige
Seltenheit aber auch diese deutung nicht zu voller glaubwürdigkeit gelangen
läßt Sollte ein Zusammenhang anzunehmen sein zwischen brau und dem
unten vorkommenden briu kraft, oder zwischen brau und braire pr.
schreien, braidiu hitzig, stürmisch, vgl. das oben erwähnte it. brado für
bravo? Aber der Wechsel zwischen den diphthongen au und iu oder au
und ai gründet sich auf zu wenige fälle für eine solcte annähme. Die
alte herleitung aus ßQaßsiov können wir bei seite setzen. Grimm D. wb.
gibt auch noch das slav. pravi (recht, acht) zu bedenken, aber gestalt, be-
deutung und selbst heimath dieses Wortes scheinen es nicht zu empfeMefi.
Braza sp. pg., pr. brassa, fr. brasse ein längenmaß, Klafter ; vom
plur. brachia die (ausgestreckten) arme, daher altfr. brace lev6e mit offnen
armen Antioch. I, 47.
Brenn o genues., sard. brinnu, piem. comask. pr. altfr. altsp. bren,
ö
66 L BRESCA-BRIBE.
piem. auch bran Meie, nfr. bran dbfall, auswarf; nach Dieferibach, Goth.
wb. 1, 321, auch sp. brana abfall von bäumen, Viehweide, brana schon im
8. jh. Yep. III} n. 17 (v.j. 780), später auch branea; ein celt. wort, gad.
bran, kymr. brän, bret. brenn Meie.
Bresca mantuan. sard. sp. cot. pr., vriscastc, bresche altfr. honig-
wabe, in späterem tnlat. brisca. Villemarque, Dict. fr. br. p. vu. erklärt
es für celtisch: ir. briosg, kymr. bresg, bret. break, aber die lexica ver-
sagen diese Wörter. In deutschen glossaren wird brisica mit *wirz über-
setzt, dies bedeutet mit honig gemengtes wasser (Mhd. wb. III, 751, Dief.
Gloss. lat. germ.), allein dieser umstand führt uns der quelle des Wortes
nicht näher. Mahn gesellt es zum pr. brusc bienenlcorb.
Brete sp. fußschellen, pg. vogelschlinge, pr. bret (bretz? LB. II,
256) nebst altfr. bret mit letzterer bed.; abgel. altfr. broion schlinge
Sax. I, 233, II, 85, Og. 1939; bret eile tragband, comask. bretela, bar-
tela Schwanzriemen. Diese Wörter scheinen stammgenossen, und Mahn
p. 64 deutet sie passend aus ahd. brettan stringere. In diesem falle Team
also das hochd. t, wie in einigen andern, namentlich dem wurzelverwandten
it. brettine (s. unten brida), in anwendung, Rom. gramm. I, 314.
Brettonica it., sp. pg. bretonica eine pflanze; von betonica, nur
wegen des eingeschobenen r zu erwähnen, fr. b6toine.
Brezza it., fr. brise, engl, breeze kühler windesJwuch, maü. brisa
kühles lüftchen aus norden, altsp. pg. briza, neusp. brisa nordostwind;
zsgs. it. ribrezzo frost, Schauder. Von unsicherer herkunft; sp. brisa
könnte selbst aus bisa entstellt sein. Es gibt ein oberdeutsches britzen,
britzein fein regnen, rieseln, das aber dem begriffe nicht genügt. Besser
nimmt man, von Italien ausgehend, in brezza eine Verstärkung des an-
lautes von rezza für orezza sanfter windeshauch an, wodurch zugleich
detn abweichenden genus in ri-brezzo genüge geschieht, da auch orezzo
vorhanden ist, s. oben aura.
Bribe fr. stück übrig gebliebenes brot, wallon. brib almosen; vb.
wällon. brib er, pic. brimber auf bettelei ausgehn. Die picard. form für
bribe ist brife, daher altfr. brifer gierig essen (wie der betüer das brot)7
brifaud fresser, auch bret. brifa, brifaod, wohl auch it. briiialda dirney
landstreicherin. Denkt man sich bribe aus ahd. bilibi brot, naJirung ent-
standen, indem 1 in r übertrat, so erklärt sich zugleich das picard. f aus
ndd. form, z. b. ags. bilifen; doch findet sich vielleicht eine einfachere er-
Märung. Man hat freilich auch auf kymr. briw etwas abgebrochenes, vb.
briwo, verwiesen; kann aber aus kymr. w ein rom. b oder f hervorgeht?
Offenbar derselben herkunft ist sp. bribar ein landstreicherleben führen
= wallon. briber ; sbst briba, it. birba landstreicherleben; sp. bribon,
it. birbone, birbante, altfr. briban landstr eicher. — [Gegen den vorge-
brachten deutungsversuch wendet Wackernagel die muthmaßliche betonung
bilibi ein. Entscheidend möchte der einwand doch wohl nicht sein, da der
Romane den deutschen accent leicht fortrückt, für bilibi also bilibi, end-
lich blibi sprechen konnte.]
I. BRICCO -BRILLARE. 67
Bricco it., brique fr. Ziegelstein; vom ags. brice abgebrochenes stück;
engl, brick, ursprüngl. also ein bruchstein. Henneg. und bürg, bedeutet
brique Überhaupt ein stück: brique de pain ist = ags. hl&fes brice. Bim.
it. briccolino Stückchen. Zu demselben stamme gehört wohl auch it.
bricca rauhe gegend, pieni. brich cdpe, comask. sbrich, mail. bricol ab-
sture, steile höhe.
Bricco it. in s-bricco, daher briccone, pr. bric, bricon (auch fem.
bricona), aitfr. = prov. schelm, spitzbube (gesellt sich gerne zu fol, s.
Gar. II, 24, LR. II, 258). Nach Ducange vom roman. briga zank,
wozu aber die kehitenuis nicht passt. Näher liegt ahd. brecho verletzer,
störer, vgl. büs-brecho praedator, ags. brica, dsgl. altfries. breker Ver-
brecher.
Brida sp. pg. pr., fr. bride, citfr. bridel, it. predello zäum; vom
ahd. brittil, pritil (mhd. brlten weben). Eine andre form ist it. briglia
aus dem zsgz. britl, daher entlehnt das wal. bregle; eine dritte it. bröt-
tine (für brettile?)
Briga it. dltpg., altfr. brigue (broie NFC. I, 297?), sp. pg. pr.
cot. brega zank (ital. auch geschäft, cat. lärm, getümmel, nfr. bewerbung);
vb. it. brigare, fr. briguer eifrig streben, dringend bitten, sp. bregar,
pg. brigar zanken, sich anstrengen, pr, cat. bregar, fr. broyer zerreiben ;
dsgl. it. bri gante aufwieglet (adj. geschäftig), pg. brigäo zänker, sp.
bergante, pg. bargante spitzbube, schelm, fr. brigand Straßenräuber; it.
brigata gesdlschaft, rotte, heerschaar, daher fr. brigade. Daß sich alle
diese Wörter zu einem stamme brig mit kurzem i bekennen, ist leicht zu
ermessen; die grundbedeutung mochte unruhe, geschäftigkeit sein. Die
gertnan. sprachen bieten diesen stamm nirgends, bekannt ist dagegen das
cell, briga in städtenamen (Humboldt, Urbewohn. Hisp. p. 143) und das
kymr. brig gipfele aber auch nur der buchstabe gewährt anlehnung. Son-
derbar liegen grade im ital. die worte am vollständigsten und reinsten
vor {vgl. auch noch die zsgs. disbrigare, imbrigare), während im Süd-
westen der stamm zwischen brig, breg, berg, barg schwankt. Das span.
Wörterbuch stellt auch ein veraltetes briga Stadt, flecken auf, es ist aber
nur ein von den gelehrten eingetragenes wort. Brigante ist im ital. ein
klares particip, das keiner herleitung aus dem celt. völkernamen Brigantes
bedarf, die franz. und port. formen brigand, brigäo aber haben etwas
fremdartiges, sie erinnern an truand, truäo (s. das.). Im mlatein verstand
man unier brigantes leichtes fußvolk, daher fr. briga ndine drt panzer;
das it. brigantino soll ursprünglich raubschiff bedeutet haben. Man sehe
auch Diefenbach, CeU. I, 212 ff., Goth. wb. I, 322, Orig. europ. p. 2 71.
Brillare it., sp. pr. brillar, fr. briller glänzen, funkeln. Da die
ital. spräche nickt brigliare gibt, so enthielt auch das etymon, wenn nicht
eUes trügt, die doppehonsonanz 11, die sich in den übrigen sprachen ohne
Schwierigkeit erweicht, und so ist die bekannte herleitung aus beryllus
(in der parmes. mundart brill) name eines wasserheUen edehteines, gram-
matisch vollkommen richtig, ja das pr. und fr. 11 ließe sich auf die alte
68 I. BRIN-BROCCO.
form bericle aus beryllus bestehen. Dem begriffe etwas naher läge zwar
vibrillare von vibrare funkeln, glitzern, aber das suffix ill würde it. eil
(brellare) verlangen; für vibriculare war brigliare zu erwarten.
Brin arag. pr., pg. brim, fr. brin faser; scheint gleiches Ursprun-
ges mit bren, s. brenno.
Brio it. sp. pg., briu pr., altfr. bri (selten, z. b. DMce. p. 161, 21)
lebhaftigkeit, kraft, tnuth; daher pr. brivar, abrivar drängen, part. abri-
vatz, altfr. abriv6 (oft abrievä geschr.) eilfertig, sp. brio so kraftvoll,
brigoso im Canc. de Borna; ob auch it. abbrivo voller lauf des Schiffes,
abbrivare absegeln, und nicht von ab-ripare? Nahe liegt gr. ßgiifv stark
sein; näher aber doch .wohl das altirische brfg Zeuß 1, 26, gael. brigh
kraft, leben, vgl. wegen u aus g pr. crau aus crag.
Brocca it., pr. fr. broc kanne, krug, daher das Schweiz, broke,
brög kübd. Nach Ferrari vom gr. nQo%ovg wasserkrug; nicht verwerf-
lich, da der griech. anlaut n in einigen fällen zur media wird. Wer
steht aber dafür, daß dies wort nicht mit dem folgenden identisch sei, in-
dem man die kanne nach ihrer hervorstehenden mündung oder schnauze
(lat. nasus, rostrum) benannte? Schon Le Duchat dachte daran. Ein
diminutiv ist pr. broisson hals der flasche {gleichsam lat. broceio), pic.
brochon auch visier des helmes (ursprüngl. etwas hervorstehendes).
Broc co it. (verstärkt sbrocco, sprocco) spitzes abgebrochenes hölz-
chen, auch sprößchen, parm. broch ast, altfr. und noch picard. broc spitzef
spieß, dsgl. mit c piem. brocio = it. brocco, lomb. broc = broch, fem,
it. brocca oben gespaltener stecken, sie. brocca dass., auch pfropfreis,
würzeichen, piem. parm. ven. broca kleiner nagel, lomb. ast (wie das masc.)y
sp. broca spule, bohrer, schuhmacherzweck, pr. broca, fr. broche spieß,
hölzerne nadel (s. brocca DG.); dimin. it. bröecolo koMsprosse (vgl. die
bedeutungen des it. sverza kohl und Splitter); vb. it. broccare, pr. brocar,
fr. brocher stechen, sticken, daher broccato, brocard ein mit blumen durch-
wirkter stoff. Dieses rom. brocc würde dem lat. broecus entsprechen,
wenn die bedeutung der lexica * einer der hervorstehende zahne hat, dsgl.
ein solcher zahn selbst* oder 'hervorstehend, von zahnen (Freund), haltbar
wäre, welches aber Schwenck, Deutsch, wb. p. xvi, toiderlegt, indem er dem
worte nur die bed. dicklippig oder kurzlippig (so daß die oberen zahne
nicht bedeckt sind) als eine mögliche zugesteht. Merkwürdig ist, daß diese
bloß auf die lippen bezogene bedeutung auch die der alten lat. -deutschen
glossare ist: chochleftzig, hochmundig\ oder 'des syne oeverste lypp dicke
is' Dief. Gloss. lat. germ. 82a, eine bedeutung, die freilich schon in dem
Gloss. vetus 512 vorlag: brocca 'labrosa, oder in einem der Erfurter glos-
sare p. 278b: broecus cqui labrum super justum modum habet \ Broecus
ist also nicht* zu brauchen, ober was bleibt übrig? Frisch verweist auf
das deutsche sprot, sprofs, das aber trotz der ital. form sprocco nicht
passt. Menage und Ferrari gewinnen das roman. wort aus lat. veru
mittelst des Suffixes oc: veroc vrocc brocc; aber dies suffix wird schwer-
lich auf den in broc enthaltenen begriff angewandt, nimmt auch im span^
L BRODO— BRONZO. 69
regelmäßig die form uec an. Noch weniger geht verüculum. Was das
deutsche brocken und brach betrifft, so geben sie immer nur den sinn des
abgebrochenen, der im roman. nicht entschieden vertreten ist. Vollkommen
befriedigt ir. gael. brog (verb.) stacheln, brog ahle (mit verschiedenen
derivaten), wenn dieser stamm nicht aus dem roman. entlehnt ist.
Brodo, broda it., sp.pg. brodio, bodrio, pr. bro, daher fr. brouet
brühe; vom ahd. brod, ags. brodh, ir. broth, gael. brot, alle mit derselben
bedeutung; rtüat. brodium, Kbrueg% Voc. opt. 10, 142 und anderwärts.
Broglio und bruolo it. (s. erster es bei Ferrari), pr. bruelh, fr.
breuil, fem. pg. brulha, pr. bruelha, altfr. bruelle umzäuntes gebüsch
oder baumstück, bruhl; vb. it. brogliare, altsp. brollar, pg. pr. brolhar,
fr. brouiller, pg. auch abrolhar sprossen, sprudeln, sich empören (hervor-
brechen), it. broglio emporung. Ein altes Zeugnis gewährt das Capit. de
vMi»: luco8 nostros, quos vulgus brogilos vocat, sonst auch broilus, bro-
lins im ndatein. Das wort wird für cdtisch gehalten: kymr. brog hei fit
auf Schwellung, ein mit keimen und sprudeln verwandter begriff; brog-il
aber mit dem sufßxe il hat sichtbarlich deutsche ausprägung erfahren,
wenn nickt die wureel selbst deutsch war (vgl. mhd. brogeii sich erheben),
wie denn das wort auch in alten deutschen Ortsnamen vorkommt, Graff
III, 282, Forstemann II, 298. Abgeleitet von fr. brouiller vermengen,
verwirren, trüben, ist brouillon Unruhstifter, dsgl. coneept (eigentl.
sudelllatt), aber wohl nicht brouillard nebcl, s. brou£e II. c.
Bro n co it. stamm, stock, ast, sard. bruneu Schößling (dsgl. schnauze,
wofür auch runeu), fem. fr. bronöhe Strauch, altsp. broncha ast; abgel.
it. broncone abgehauener ast; vb. fr. broncher straucheln (wie it.
cespo Strauch, cespicare straucheln), pr. abroncar anstofien, anklopfen.
Vergleicht man formen wie parm. brocon = it. broncone, maü. brocca
ast = altfr. bronche, so könnte n eingeschoben sein und bronc könnte zu
brocc gekoren. Doch mag, da bronc eher etwas stumpfes als etwas spitzes
bedeudet, noch erwogen werden ahd. brach, ndl. brok etwas abgebrochenes,
abgestumpftes (daher Strauch, staude), dem das pr. bruc in jedem sinne
entspricht, s.ILc. Dieselbe herkunß verräth auch das sp.pg. adj. bronco
rauh, plump, stumpf von geist (vgl. für diese bildliche anwendung lat.
truneus und nhd. klotz), so wie pr. bronc grobheit; in ersterem erblickt
Aldrete fol. 47* entschieden das lat. broneus.
Bronzo it., sp. bronce {auch umgestellt brozne), fr. bronze eine
metaUmischung, glockenspeise, erz; adj. it. bronzino erzfarbig, mgr.
i%bi xai dio rtoQrag ngovr^iveg ehdhne thüren DC. gloss. graec; vb. it.
abbronzare verbrennen, schwärzen (von der sonne), altsp. bronzar, fr.
bronzer eine erzfarbe geben. Obryzum aurum, xqvoiov oßQvtpv, ist gold,
da» die feuerprobe bestanden hat, in mittdlat. glossaren, z. b. bei Papias,
auch 'splendor aur% : sollte man obryzum auf die nach ihrem gusse gold-
ähnliche erzmischung übertragen haben? Hat man doch auch das messing
gclderz genannt, s. unten oricalco. Das roman. wort müfite in Italien
geprägt worden sein, wo der anlaut o leicht abfallen und n vor dem dental
70 I. BROTE— BRUCIARE.
leicht eintreten kannte. Aber sicherer erklärt man es doch wohl mit Mu-
ratori und andern aus bruno, so daß es für brunizzo stände, weiches
bräunlich heißen konnte, freilich mit einer Zurückziehung des accentes, die
in nominalableitungen nur selten, z. b. im iL pincio aus piniceus, vor-
kommt; brunitius aber findet sich, von der färbe der pferde gebraucht, in
den Gloss.trev.Hoffm.p.3, 36: mannus brun tos, quem vulgo brunicum
vel brunitium vocani Wegen der bedeutung vergleiche man auch brunire
glänzend machen, metdllglanz geben. Ein treffliches etymon wäre engl.
brafs erz, hupf er, ags. bras, ließe sich a so leicht in o verdrehen. In der
venez. mundart heißt bronza glühende kohle, vielleicht das dtsche bremst
gluth. — [Dieser deutung stellt sich eine neuere gegenüber, aus dem per-
sischen buring oder piring, bei Richardson copper, voiuable mountain brass,
orichalk, s. Dozy 26, auch von Diefenbach ausgesprochen, der übrigens
gesteht, daß der vocal nicht stimme und Zwischenstufen nicht bekannt seien.]
Brote, brota sp., pr. brot, fr. brout (fehlt it. pg.) knospe, auch sp.
pr. broton; vi. sp. pr. brotar knospen; vomahd. broz sprosse, brozzen
sprossen. Cdt. beziehungen in Diefenbachs Goth. wb. I, 322.
Broza sp. abfall von bäumen, rinde, blätter, pr. brossa, fr. brosse
kleines borstiges gestrüpp, heidekraut, dsgl. sp. broza, bruza bürste, so
auch fr. brosse, masc. pr. brus bruybre L.Rom.; daher fr. broussaille
Strauchwerk, wohl auch it. bruzzaglia gesindel. Erwägt man die altfr.
nebenform broce, pic. brouche, so muß ss = st sein und auch pr. brostar,
fr. brouter (für broüter) abweiden (altfr. broust weide, blätterdbfall) ist
hieher zu ziehen; it. brustia (bei Ferrari) = sp. bruza zeigt gleichfalls
st. Im gad. bruis bürste, abfalle, oder kymr. brwys üppiger wuchs ist
broza nicht zu suchen, da die form sich nicht hinein fügt; genau passt
ahd. burst, brusta d. i. börste, kämm (etwas struppiges), besonders deut-
lich hervortretend im fr. compos. rebours gegenstrich, rebourser, re-
brousser gegen dm strich d. h. gegen die börste eines thieres fahren, vgl.
mlat. rebursus struppig. Die form mit st erinnert dagegen unmittelbar
an alts. brustian sprossen, bret. broust Strauch, brousta abweiden.
Bruciare, brusciare (in abbrusciare) it., pr. bruzar, bruizar, chw.
brischar verbrennen; daher abgel. #. brustolare, abbrustiare, pr. bruslar,
fr. brüler. Da sich zu diesem begriffe nirgends ein stamm bruz oder brüst
bietet, so darf eine nicht ungeschickte deutung MuratorVs aus einem tat.
compositum hier eine stelle finden. Aus perustus fließt ein frequentativ
perustare, welches romanisch in prustare syncopiert ward, daher mit er-
weichung des anlautenden p in b brtistare, wofür es mehrere unzweifel-
hafte fälle gibt, endlich mit bekannter behandlung des st, it. brusciare,
entstellt in bruciare (vgl. cacio für cascio u. a.), pr. bruzar statt brussar.
So von dem hypothetischen perustulare it. brustolare u. s. w. Woäwch
diese deutung einigen anhält gewinnt, ist daß brustolare, brusler formell
zu dem vorhandenen roman. verbum ustolare d. h. zu dem gleichfalls
vorhandenen lat. ustulare passt, so daß die formen, mit anlautendem b
nur daraus erweitert zu sein scheinen. Dieses ustulare findet sich auch
im altsp. uslar JBc, pr. usclar (für ustlar), wal. ustura.
I. BRUCO-BUBBONE. 71
Braco it. raupe, sp. brugo erdfloh, von brächus (ßQOv%og) heur
sehrecke, hei Prudentius; daher auch it. bracare des lautes berauben,
abblatten? Eine andre itdl. form, brucio, weist auf eine abl. brucheus.
Vgl. weil, vruh maihäfer.
Brugna it., pg. brunho, abrunho, sp. bruno, fr. brugnon, mail.
brugnoeu, dsgl. fr. brignole pflaume, Pflaumenbaum. Sie sind augen-
scheinlich verschiedener herkunft. Da neben it. brugna auch prugna,
neben brugnoeu auch prugnölo besteht, so ist eine erweichung des anlautes
p in b anzunehmen, indem sich prugna aus prunea, wie ciriegia aus
cerasea, erklärt Sp. bruno schwarze pflaume scheint aber auf das adj.
bruno zurückzugehen. Im fr. brignole erkennt man den narrten der
pflaumenberühmten Stadt Brignole (Broniolacum nach Menage).
Bruire it., fr. bruire, pt. brugir, bruzir, comask. brügi, alteat.
brogir rauschen, murmeln; sbst. it. brufto, fr. bruit, pr. brüit, brüida.
Nicht unwahrscheinlich ist, schon nach Menage, dem lat. rugire, sbst. ru-
gitus, um der onomatopöie willen ein b vorgesetzt, wenn nicht bereits in
der römischen Volkssprache eine form brugire, dem gr. ßQv%siv nahe
liegend, vorhanden war. In der L. Alam. begegnet für rugit die lesart
brugit. Prov. bruzir würde sich freilich auch ins lat. rudere fügen.
Bruma sp. pg. pr., fr. brume, cat. ausgeartet in broma dunst, nebel,
wal. brume reif; von bruma kürzester tag, winterzeit, bereits in den
Lindenbr. glossen bruma 'ripho* reif, vgl. auch die Flor, glossen (Diu-
tiska II, 233).
Bruno it. sp. pg., pr. brun, fr. brun fuscus; vom ahd. brön, nhd.
braun. Daher vb. it. brunire, sp. brunir, bronir, vgl. pg. brunir, bor-
nir, pr. fr. brunir polieren, wie mhd. briunen glänzend machen.
Brusco it. sp., brusc fr. (woher unser brtlsch), pg. fem. brusca
myrtendorn, Stechpalme, mittelgr. urtQovoxog', von ruscum (woher auch
nhd. rusche) mit verstärktem anlaut: nicht anders verhält sich pr. brusc
rinde, bienenkorb zum gleichbed. rusca, it. bruscare abrinden zum com.
rusca mit ders. bed. Dahin auch pr. cat. brusca gerte (wie fr. houssine
von honx, 8. das.).
Brusco it. etwas herb von geschmack {z. b. wein), dsgl. mürrisch,
unfreundlich, sp. pg. brusco auffahrend, verdrießlich, finster (z. b. vom
hitnmel), fr. brusque auffahrend, hitzig; vb.fr. brusquer grob anfahren.
Nicht unpassend erklärt es Ferrari aus dem adj. labruscus in vitis oder
uva labrusca wilde d. i. herbe traube; die erste sübb fiel auf itdl. weise
ab und so wanderte das wort in die andern gebiete. Eben so gut mit dem
buchstaben, theilweise mit dem begriffe genügt ihm ahd. bruttisc, zsgz.
brutt'sc, finster, grimmig, doch mag das lat. wort auch hier den Vorrang
haben.
Bubbone it., sp. bubon, pg. bubäo, fr. bubon, wal. buboiu baue,
geschunUst; vom gr. ßovßiov dass. Hieraus zog man ein primitiv sp.
buba, bua, pg. bouba, bubo, fr. bube, wal. bube; ein auch bei mehreren
andern romem. Wörtern wahrzunehmendes verfahren, $. Born. Gramm. 1, 29.
72 BUCATO-BUF.
Bucato it., sp. pr. bugada, fr. bu6e das waschen in lauge, bürg.
buie lauge; vb. nur altfr. buer, chw. abgel. buadar in lauge waschen,
bret. buga, das auf ein älteres fr. buguer deutet. Es ist augenscheinlich
unser nhd. bauchen, ndd. bücken, aber nicht daher entlehnt. Passend
leitet es Ferrari (mit welchem Weigand bei Diefenbach, Goth. wb. I, 278,
zusammentrifft) vom it. buca loch (bucare durchlöchern), weil die lauge
durch ein mit kleinen löchern versehenes tuch geseiht werde; im span. wird
darum dieselbe Handlung colada {durchseihung) genannt, wie Schneller s. v.
sechteln anmerkt.
ßucherame it., cot. bocaram, pr. bocaran, boqueran, fr. bougran,
mhd. buckeram ein steifes gewebe von leinen oder baumwolle, ursprüng-
lich, wie man glaubt, von Ziegenhaaren, daher der name (boc, boc-ar-an) ;
nach Schmeller 111, 413 aber vom it. bucherare durchlöchern, also eigentl.
lockerer erst durch leim gesteifter zeug.
Buco it. sp. loch (fehlt pg.)9 dsgl. sp. buque gehält hohler korper,
bauch der laute, rümpf des Schiffes, cot. buc wie sp. buque, dsgl. bauch
des menschen, und nebst pr. altfr. buc bienenkorb, com. bugh rümpf, fem.
nur it. buca loch, höhle; vb. it. bucare durchhöhlen; vom ahd. bfih,
das im mhd. buch, im altn. bükr, im mndl. buk, buik (Huydecoper zu
Stoke III, 469) bauch und rümpf hieß, also beide roman. bedeutungen
(bauch = höhle) einschloß, im älteren ndl. biebuyck KU. auch die bed.
apiarium hatte, vgl. Adelung, Mithr. II, 536. Damit ist zsgs. sp. pr.
trabucar, fr. tröbucher zu boden werfen, (intr.) stürzen, purzeln, eigentl.
mit dem rümpf aus der richtung bringen oder kommen, gleichsam Über-
rümpfen, vgl. it. tram-bustare umstürzen, von busto rümpf. Von trabucar
ist sbst. sp. trab u co, pr. trabuc, trabuquet, fr. Umbuchet ein wurf-
geschütz. Als eine auf bocca (mund) zurückgeführte umdeutung fasse
man it. traboccare, trabocco, trabocchetto, mlat. tribocus Voc. qpt.y
mhd. triboc, s. Müller im Wb. III, 89; dafür richtiger ven. trabucare,
(Mit. trabucco PPS. I, 21, com. trabuc, veron. strabuco.
Budello it., altsp. budel Alx., so auch pr., fr. boyau (alt boel)
dorm; von botellus ivür stehen, bei Martial; die rom. bedeutung schon
im frühen nüatein, z. b. L. Angl. si intestina vel botelli perforati claudi
non potuerint. Nach Gellius 17, 7 war botulus ein nur dem volke an-
gehöriges wort; nicJtt dies, sondern das diminutiv, hat sich behauptet.
Buf pr. fr. interjeetion; it. buffo, mail. boff Windstoß; it. buffa,
sp. bufia posse (daher buf föne), cdtfr. buffe schlag, stoß, bufet ohrfeige,
wcdlon. bofet nadelküssen (d. i. etwas aufgeblähtes, ausgestopftes), sp.
bofeton = altfr. bufet, neupr. buffo hinterbacken, altfr. buffoi hochmuth;
vb. it. buffare, parm. boffar, sp. pg. pr. bufar, fr. bouffer und bouffir,
neupr. buffä, bouffä, blasen, aufblasen, altfr. buffier bcohrfeigen; abgel.
neupr. bouffigA sich aufblasen, bouffigo blase im leibe. Die berührung
von blasen und schlagen ist nicht ungewöhnlich, fr. souffler und soufflet
liefern ein nahe liegendes beispiel. Die german. sprachen besitzen den-
selben wortstamm, ziehen aber die tenuis im anlaute vor: mhd. buf, puf,
L BUGIA-BUGNA. 73
nhd. puff als interj. und sbst., dsgl. puffe, paffen, puffer, so auch fr.
ponf interj., vb. poaffer bersten, weil, puf&iu aufgeblasenhext. Entlehnung
dieses weitreichenden naturausdruckes aus dem deutschen anzunehmen, thut
aber nicht noth: läßt es sich doch in unsern ältesten mundarten nicht
nachweisen. Merkenswerth ist noch das it. adj. b Office bauschig, eine
offenbare anbüdung an söffice ; piem. schlechtweg bof. — Welcher umstand
dem credenztische franz. den namen buf fet gab (schon altfr., s. Fer. 155h),
ist unbekannt; sp. bafete heißt Schreibtisch: waren diese möbelstücke etwa
hauchig, gleichsam aufgetrieben?. Nach Mahn p. 106 ist baffet eigent-
lich prunktisch, von buffer aufblasen, worin der begriff der pracht und
des prunkes stecke, daher auch ältfr. bufoi pomp.
Bagfa it., lomb. busfa lüge, pr. bauzia, bauza, altfr. boisie trug,
Hinterlist; vb. bngiare lügen, bauzar, boiser hintergehen-, pr. baussan
(fem. -ana) betrüger; auch sp. bausan Strohmann den feind zu täuschen?
Die stammvocate u, au, oi zielen unläugbar auf ein urspr. au, vgl. it.
rubare = pr. raubar, altfr. poi = pr. pauc: nur, so scheint es, in un-
betonter silbe {also nicht in bauza) kann pr. au aus o entstehen. Muth-
maßlich ist das wort deutsch: ein vb. bausjan, bausan würde bauzar,
boiser, bugiare nebst mlat. bausiare umfassen. Beruhte das ahd. pösi
schlecht, gebrechlich, nichtig, nhd. böse, auf einem altern bausi, was bei
der Unbestimmtheit des ahd. 6 nicht schlechthin anzunehmen ist (das wort,
dessen deutschheit GHmm 1* 100 zweifelhaft schien, die er aber später
zugab s. Über die namen des donners, fehlt goth. ags. altn.), so wäre der
form damit genüge zu thun; bösa bedeutet posse (ganz das pr. bauza),
bosön lästern, vielleicht auch lügen wie lat. nugari. Ital. bugiare, busare
heißt auch durchlöchern, bugio loch (ältsp. buso), adj. bugio, buso durch-
löchert, leer, bedeutungen, die gleichfalls in bösi (eitel, gehältlos) ihre
befriedigung finden würden. Man sehe auch Schwende v. posse. — Neben
altfr. boisie begegnet noch eine form boisdie (adj. boisdif), die eine
bloße anbüdung an das sinnverwandte voisdie (5. unten vizio) sein muß,
da kein adj. bois£, woraus boisedie boisdie werden konnte, vorliegt.
Bugia it., so auch sp. pg., pr. bogfa (v. j. 1460), fr. bougie (v. j.
1312, s. Roquef zu Mar. de Fr. 1, 63) wacliskerze ; von Bugie in Nord-
africa, woher sie ehemals durch den handel nach Europa kamen (Menage).
Bugna mail. venez., romagn. bogna, neupr. bougno, altfr. bugne,
nfr. bigne (bei Menage beugne) beule, masc. mail. bugn, sard. bugnu
dass., romagn. bogn finne (kleine beule); dbgel. veron. bugnon stoß;
crem, bugn occa beule; npr. bougneto, fr. beignet, bignet, sp. buüuelo
ein aufgelaufenes backwerk, limous. bouni. Gleichbed. mit pr. bougno ist
boudougno (s. bouder II. c.) : sollte jenes aus diesem contrahiert und so
in die übrigen sprachen eingedrungen sein? Verwandtschaft mit ahd.
bnngo, mhd. bunge knollen, altn. bflnga, alt engl, bung nebst bunny ge-
schwulst liegt nahe genug, schwerlich ist aber das rom. wort aus dem
deutschen, dem eine form bonga besser entsprochen hätte ; aus becke-bunge
machte der Italiener becca-bungia, was aber wohl ein wort von spätem
74 I. BUJO-BUSCA.
gepräge ist. Bei fr. bigne ist die identität noch fraglich, da die ausartung
des u in i eigentlich nur in mundarten geltung hat.
Bujo it. dunkel, lomb. bur. Seiden formen kann nur ein etymon
bureus, burius genügen und hiermit verträgt sich auch sp. buriel, pr.
burel braunroth, ältfr. buire (cape buire G. d'Angl. p. 104) dass., neufr.
buret purpurschnecke; it. burella und bujose (plur.) dunkler Tcerker.
Bei Festus findet sich burrum antiqui quod nunc dicimus ruf um: dieses
altlat. wort, das man aus dem gr. nvfäog herleitet (womit auch Diefen-
bach, Orig. europ. p. 260, einverstanden ist), scheint sich erhalten eu
haben, und wiewohl weder form noch begriff genau eu bujo sich schicken,
so dürfte dieses doch, wenn man sich eine abl. burrius denkt (vgl. fujo
von f urvius d. i. furvus u. dgl. Rom. gramm. II, 301) und den bei färben
üblichen wandet der bedeutung in anscUag bringt, seine erUärung darin
finden, wie auch schon andre vermuthet haben. Oft gibt die färbe dem
stoff dm namen: daher fr. bure grobes wollenes tuch; sp. buriel, pg.
pr. burel, fr. bureau dass., in letzterer spräche auch eine mit solchem
tuche bedeckte tafel; it. buratto, und andere abll. Schon das lat. wort
bezeichnet in der form birrus (i so gut wie u aus gr. v) ein kleidungs-
stück, oberkleid bei Vopiscus, zottiges kleid bei Papias, vgl. oben berretta.
Burla it. sp. pg., npr. bourlo posse, spass, spott; vb. it. burlare,
sp. pg. burlar spott treiben, verhöhnen; pr. nur sbst. burlaire, aitfr. nur
bourleur; adj. it. burlesco u. s. f. Ausonius hat tyirra lappalie (urspr.
wohl zotte, rom. borra, s. oben, vgl. it. fioeco flocke und posse), hieraus
entstand, wie schon Menage behauptet, burrula (so im sard.), burla, wohl
auch sp. borla troddel.
Burrasca it. (aber mit o borrascoso), sp. pg. cot. borrasca, fr.
(entlehnt) bourrasque sturmwetter mit regen. Wie aus sp. nieve nevasca,
so erwuchs aus it. borea, mail. ven. romagn. bora nordwind = lat. boreas,
mit Verdoppelung des r, borrasca, burrasca. Sicil. burraseuni heißt dünner
nebet, berührt sich also von Seiten des begriff es mit dem im it. brina IL a.
gemuthmaßten stamme.
Burro sp. pg. esd. Daher mit gleicher bed. pg. burrico, sp.
neap. borrico, fr. bourrique, lomb. borich, it. brieco; daher auch pr.
burquier, wenn es eselsstall heißt. Buricus klepper ist ein sehr altes wort,
das sich schon im 5. jh. bei Paul. Nolanus vorfindet; davon sagt Isidorus:
equus brevior, quem vulgo buricum vocant. Vermutlich nannte man
den esd burro von seinem zottigen haar (borra s. o.): in der mundart
von Berry, die ihn bourru d. i. zottig nennt, ist dies deutlich ausgespro-
chen. Sonst wird das mlat. buricus (büricus soll man sprechen) von
burrus röthlich (s. oben bujo) abgeleitet. Vgl. Diefenbach, Orig. europ.
p. 378. 379.
Busca lomb. piem. pr., sie. vusca, altfr. busche Splitter, ccrf.busca,
brusca ruthe, gerte, fr. buche scheit; vb. fr. buch er holz hauen, pr.
buscalhar holz lesen GProv. 62''. Es ist wahrscheinlich mit bois, bosc
(s. oben bosco) gleicher herkunft, indem es mit seinem vocal auf die älteste,
BUSCARE-CABALA. 75
freilich nur hypothetische form buwisc, buisc zurückleitet: seine Urbedeu-
tung wäre hiernach bauhole, gespaltenes holt, scheu, demnächst span.
splitter. Die vergleichung des altfr. embuscher mit dem it. imboscare
muß dieser herleitung eur bestätigung dienen, nicht weniger das dem fr.
buche begrifflich entsprechende henneg. boisse.
Buscare it. erhaschen, sp. pg. buscar, altsp. boscar suchen, nach-
spüren, fr. busquer nachtrachten, nachstreben; sbst. it. sp. pg. busca
nachsuchung. Des wortes eigentliche heimath ist Spanien, wo es den dienst
des it. cercare, fr. chercher thut, prov. fehlt es. Befriedigend ist die alte
deutung aus bosco gebüsch, so daß es urspr. heißt 'durch das gebüsch
gehen (vgl. montar auf den berg gehn), daher jagen, nachspüren, sp.
busca Spürhund, altsp. busco fährte des wildes.
Busto it. sp. pg., pr. bust, fr. buste (m.) rümpf, bruststück, brüst-
büd; in den Lindenbr.. glossen busta *arbor ramis truncata. Gegen das
lat. bustum (verbrannter leichnam) streitet der begriff, und auch unser
deutsches brüst kann nicht in erwägung kommen, da der ausfall des r,
dem eine anlautende muta vorausgeht, dem französischen wenigstens und
italienischen Sprachcharakter völlig zuwider und mit keinem beispiele zu
belegen ist, es müßte denn ein zweites r im worte enthalten sein, so daß
der grund des ausfalles ein euphonischer wäre. Für busto sagt man ital.
auch fusto, wie man bioccolo für fioccolo, bonte für fönte sagt, und so
liegt die vermtähung seiner entstehung aus fustis nahe genug, und schon
Ferrari dachte daran; aber alsdann müßte diese form von Italien aus-
gegangen sein, was allerdings zweifei erregt. Dagegen wird keinem ety-
mologen die beobachtung entgangen sein, daß sich die sprachen für rümpf
oder brüst solcher Wörter zu bedienen geneigt sind, welche behälter, gefäß
bedeuten: so mlat. arca (s. Ducange), so it. casso (capsus), so engl, ehest,
so unser rümpf, ursprünglich ein gefäß aus baumrinde (wie pr. brusc).
Warum sollte sich diese Übertragung nicht auch bei busto ereignet haben?
Mlat. busta, bustula bedeutet arca, arcula, die änderung des genus ist
ein häufiger Vorgang, s. Rom. gramm. II, 18, wo zahlreiche beispiele ge-
geben sind; beide mlat. Wörter aber sind aus buxida, pyxida geformt, s.
boite II. c. Eine zss. ist it. im busto schnürleib, brustlatz, sp. embuste
flitterstaat, lug und trug, embustero Heuchler (nach Larramendi vom bask.
eman geben, uste hoffnung), it. trambustare umwerfen.
c.
Ca dUit. altsp. altpg. conjunetion s. v. a. lat. nam, quia; wohl von
qua re (pr. fr. car), nach andern von quia. Das churw. sard. und lomb.
ca stimmt begrifflich zu que (daß) und könnte daraus entstellt sein. Altit.
altpg. ca hinter dem comparativ PPS. II, 79. 95, D. Din., Trov. weist
auf quam.
C&bala it. sp. pg., cabale fr. geheimnisvolle erklärung des alten
testamentes u. dgl., auch hinterlistige Verhandlung; vom hebr. kabalah
76 I. CACAO-CAFFE.
Überlieferung, geheimlehre. Die von mehreren angenommene herleitung aus
engl, cabal als acrostisch aus den namen von fünf staatsräthen Karls IL
widerlegt Mahn p. 68.
Cacäo, caccdo, iL, sp.pg. fr. cacäo die frucht eines südamerikani-
schen bautnes, span. port. auch der bäum selbst; vom mexican. kakahuatl.
Der bäum heißt überdies sp. cacagual, pg. cacaoeiro, fr. cacaoyer,
cacaotier.
Cacciare it., sp. pg. cazar, pr. cassar, altfr. chacier, nfr. chasser
jagd machen auf etwas, dsgl. verjagen; sbst. caccia, caza, cassa, chace,
chasse jagd. Das entsprechende lat. venari ist in den locktersprachen
allmählich untergegangen. Noch im altspan. sagte man venar (z. b. CdL.
e D. 29b. 56*. 66b), ebenso pr. venar GRoss., altfr. vener; gänzlich fehlt
es im port. catal. ital. churw., nur im wal. venä, präs. venez, lebt es
fort. Was nun cacciare betrifft, so mögen unter den wenigstens nicht
unverständigen deutungen des vielfach besprochenen Wortes nur erwähnt
werden die aus cassis jägergarn, das aber ein ital. vb. cagiare oder altfr.
chaisier erzeugt hätte; die aus unserm hatzen, dessen anlaute jedoch der
romanische widerstrebt; die aus dem engl, catch, das gleichfalls Schwierig-
keiten in der form bietet; die aus laJt. capsus (s. Ducange), das sich ebenso
verhält wie cassis. Das beste hat Menage getroffen, der es vom lat. cap-
tare herleitet: captare feras hieß schon dem Römer wild jagen, und ein
altes glossar setzt d-rjQevTTjg 'captator, vetiator. Eigentlich aber leitete
der Romane sein wort vermittelst des suffixes iare aus dem part. captus,
also captiare cacciare cet. s. Rom. gramm. II, 402. Nur mit captiare
vertragen sich die formen aller mundarten; altsp. schrieb man sogar cabzar.
Dieses captiare ward aber der allgemeine ausdruch für venari, welches
sich nur im prov. und altfr. behauptete. — [Mit reclti fügt Gachet p. 77*
vorstehender deutung das in einer Urkunde v. j. 1162 vorkommende sbst.
captia d. i. venatio bei.]
Cadaüno, caduno it., sp. cada uno, pg. cada hum, pr. cada an
(noch jetzt cadun), altfr. cadhun in den Eiden, später cheun LRs. 26,
pronomen für quisque. Muthmaßlich ist caduno eine abkürzung von U8;
que ad unum d. i. nullo excepto, wofür churw. s-cadin (s. v. a. scadun)
mit seinem anlautenden s deutlich spricht; doch darf auch an quisque ad
unum (altsp. quiscadauno PC, altpg. quiscadaun FGrav. 387) gedacht
werden. In diesem sinne wird lat. ad unüm omnes von Gellius, Ammia-
nusx Apulejus öfters gesetzt. Hiervon müflte sich denn cad, euphonisch
cada, abgelöst haben, um im sp. pg. pr. altfr. (kiede) ein selbständiges
pronomen zu bilden. Etwas ganz analoges bietet das ngr. xa&ivag für
quisque, entstanden aus xa#' eva (einzeln) und ebenso wie cada hat sich
das adj. xa&e davon abgesondert: xa&e divdQov = sp. cada arbol. Ist
die deutung richtig, so beruhen die ital. formen mit t catauno, catuno auf
einer falschen Schreibung.
Caffe it., caf6 sp. fr. ein trank, vom arab. qahvak eigenÜ. wein,
dsgl. ein aus beeren gekochter trank Freyt. III, 511b mit Verweisung auf
I. CALAFATARE-CALANDRA. 77
SUvestre de Saetfs Chrestomathie; vgl,, wegen des rom. i aus arab. h sp.
aljöfar von algaühar.
Calafatare it., sp. calafatear, pr. calafatar, fr. calafater, calfeutrer,
rmttelgr. xalcupaveiv die ritten besonders eines Schiffes verstopfen oder
theeren, vgl. pr. una caxeta (kistchen) empeguntada e calefatada LR.;
vom arab. qalafa ein schiff verkitten Freyt. III, 491a, türk. qalfät getheer-
ter stopfen Pihan p. 76, vgl. Monti, Agg. cd voc. IL 1, 312. — Diese
bekannte herleitung beanstandet Engelmann und zieht das wort aus tat.
calefectare, denn die frühere bedeutung sei gewesen 'ein schiff heizen .
Augenscheinlich haben indessen die roman. formen eitlen fremden anstrich
und konnten, da sie sich der bildungsregel nicht unterworfen haben (cale-
fectare hätte z. b. pr. calfeitar geben müssen), erst aus dem lat. Wörter-
buchs in die neuen sprachen gelangt sein.
Calamandr6a it., sp. camedrfo, fr. germandräe eine pflanze, ga-
ntander, gamänderlein; von chamaedrys (xajdalÖQvg).
Galami naria sc. pietra it., sp. pg. calamina, fr. calamine kiesel-
haltiger sink; vom glekhbed. cadmia (xadpeia, xadpia) mit adjectivsufßxen,
dtsch. galmei.
Galamita it. sp. pg. (ital. zuerst bei G. GuiniceUi, PPS. I, 73),
pr. cot. caramida, fr. calamite, neugr. xalafika (alle fem.) magnetnadd,
auch magnet. Von calamus, weil die nadel in einen halm (oder auch in
ein Stückchen kork) gesteckt und so in ein gefäß mit wasser gelegt ward:
en an festu Font couchiä, en Feve le metent sanz plus et li festuz la
tient desuz, puis se torne la pointe toute contre l'estoile si sanz doute
cd. Guiot de Prot. FC. II, 328 (eine den nautischen gebrauch des mag-
netes um den anfang des 13. jh. beweisende stelle, s. z. b. Hüllmann,
Städtewesen I, 131); qui une aiguille de fer boute en un poi de liege
Michel, Lais ined. pag. ///. Die anwendung des Suffixes ita auf sächliche
gegenstände ist übrigens im romanischen so selten, daß man auch in ca-
lamita schwerlich eine solche annehmen darf Man konnte, etwa in Italien,
das im latein vorhandene calamites (laubfrosch) in hinsieht auf dessen
herkunft von calamus auf die neue Vorrichtung anwenden, wobei man aber
das genus änderte und in einigen sprachen auch die endung mehr roma-
nisierte d. h. ida für ita sprach.
Galandra it. pr., sp. cot. calandria, pg. calhandra, neupr. calian-
dro, cariandro, fr. calandre, mhd. galander Wb. I, 457, eine art lerchen,
Haubenlerche. Es soll aus dem gleichbed. galerita oder aus caliendrum
(haube) entstellt sein; eine zweite span. form caladre zeugt für xctQaÖQiog,
dessen bedeutung zwar nicht mit der von calandra, calandria, wohl aber,
wie Menage, Orig. ital., zeigt, mit der des dimin. calandrino zusammen-
trifft. Dazu kommt, daß in glossarm caradrius gewöhnlich mit ahd.
lerihha (lerche) übersetzt wird. Über die Verwechselung beider geschlechter,
des charadrius und galander, s. W. Grimms neue anm. zu Freidank
143, 7. — [Zu dieser bis lieute öfters besprochenen und anerkannten ety-
mologie von calandra aus charadrius macht Stier, Ztschr. f. vgl. sprachf.
78 I. CALARE-CALMA.
XI, 221, die überraschende bemerkung, daß dieses zurückkommen auf das
zweifelhafte %aQaÖQiog unbegreiflich sei, da xakavöga schon im griechischen
vorkomme, was denn die Wörterbücher auch bestätigen.]
Calare it., sp. pg. pr. calar, fr. caler niederlassen] vom gr. xcäu^v
nachlassen, lat. chalare bei Vitruv, daher churw. calar aufhören, pic.
caler nachgeben, sich zurückziehen, auch junge werfen d. i. niedersetzen,
mettre bas. Aus der bed. nachlassen entfaltete sich im pg. pr. calar die
bed. schweigen, wofür der Spanier die form callar erfand. Beide bedd.
herablassen und schweigen einigt auch das neupr. cala. Von calare ist
das sbst. it. sp. pg. pr. cala, fr. cale, dsgl. it. neupr. calanca kleine
bucht d. h. eine stelle, wohin man vom hohen meere hinabsteigt, auch gad.
cala hafen, bucht, rhede, vb. cal in den hafen einlaufen. Vielleicht ist
auch hieher zu nehmen sp. cala sondc, Zäpfchen, ursprünglich wohl etwas
zum einsenken dienliciies, sp. pg. einschnitt, vb. calar eindringen, durch-
dringen, und selbst fr. cale plattes stück holz als unterläge eingeschoben,
vb. caler: denn das von Servius aus Lucilius angefitiirte cala passt mit
seiner bed. stück brennholz, xakov, nicht wohl zum franz. worte, zum Span,
gar nicht.
dal da ja it., sp. caldera, pr. caudiera, fr. chaudiere kessd, ndat.
caldaria Greg. Tur.; von caldarius zum wärmen bestimmt; augm. ü.
calderone, sp. calderon, fr. chaudron.
Calere it., altsp. pr. caler, fehlt pg., altfr. chaloir vb. impers. mit
dem dativ der person, wichtig sein, gelegen sein, z. b. it. non me ne cale,
pr. no m'en cal, altfr. il ne m'en chaut es liegt mir nichts daran, altsp.
dellos poco min cal PC. 2367, poco me cala Alz. 140, non te cal 72.
Es ist vom lat. calere aliqua re erhitzt sein von etwas, aber, wie andre
verba, in unpersönliche anwendung ausgeartet: calet mihi es ist mir heiß
um eine Sache, sie liegt mir am lierzen. Man vgl. wegen der bedeutung
z. bn gr. SaXueiv brennen, fig. sorge machen, kümmern : epi oväiv &äknei
*£q$os an gewinn liegt mir nichts. Zsgs. nfr. nonchalant nachlässig,
nonchalance nachlässigkeit.
Cal esse, calesso it., sp. calesa, fr. calfeche, (f.) ort haschen; vom
böhm. kolesa, eigentl. räderfuhrwerk (russ. koleso rad).
Galibro it., sp. fr. calibre innerer umfang einer röhre; nach Her-
belot, wie Menage sagt, vom ardb. kalib modelt. Freytag III, 485 hat
qälab form zum erzgiessen, modelt, qaltb brunnen. — [Mahn p. 5 erklärt
dieses wort aus der frage qua libra? von welchem pfund oder gewicht?
auf den durchmesset der kugeln angewandt. Wenn er aber qalib darum
verwirft, weil ihm das r fehlt und weil die bed. modelt nicht passt, so ist
in betreff der ersten einwendung zu erinnern, daß der Romane diese
liquida einem consonantauslaut oft anfügt und daß im altspan. sogar eine
form calibo vorliegt; in betreff der zweiten, daß das franz. wort auch das
moddl bedeutet, wonach ein schiff gebaut wird.]
Galma it. sp. pg., daher fr. calme (m.) windstille, ruhe, ndl. kalm,
kalmte; vb. calmare ff. beruhigen, reinfranz. chommer für chaumer
I. CALZADA— CAMICIA. 79
feiern. Von calare nachlassen? allein raa ist kein rom. suffix. Sp. pr.
calma bedeutet auch die heiße tageszeit, wahrscheinlich vom gr. xavpa
brand, hitze, im mlat. für Sonnenhitze ganz üblich, z. b. dum ex nimio
caumate lassus ad quandain declinaret umbram (bei Ducange). Selten
zwar entstand al aus an (vgl. unten gota), aber hier könnte es sich aus
anlehnung an calor erklären. Die heiße tageszeit nöthigt, schatten und
ruhe zu suchen wie in dem mitgetheilten beispiele, und so mochte das
wort die bed. feierzeit, stille, ruhe entwickeln. Neupr. chaume heißt ruhe-
seil der heerden, chw. cauma schattiger ort für dieselben.
Galzada sp. pg., pr. caussada, fr. chaussäe dämm, dammweg;
gleichsam calciata von calx, eigentl. mit kalk gemauerte straße, wie auch
der auf dem trocknen stehende theü einer brücke, da er mit kalk aufgeführt
ist, diesen namen trägt.
Calzo, calza it., sp. calza, pr. caussa, fr. chausse, abgel. calzone
ff-, fr. chausson un@ cale^on, eine fuß- und beinbekleidung; von calceus.
Zsgs. it. discalzo, scalzo, sp. descalzo, pr. descaus, pic. däcaus, lothr.
deichaux u. s. w. barfuß, mlat. discalcius L. Sal. tit. 58, für discalceatus.
Camaglio it., pr. capmalh, altfr. camail hals des panzerhemdes,
womit auch der köpf bedeckt werden konnte, s. Jubinal, Sur les armes
defens. p. 20, nfr. mäntelchen ; von cap köpf, oberer theü, und malha
panzer. Auch sp. camal halsring muß hieher gehören, wohl auch gra-
malla panzerhemd, dsgl. eine amtstracht.
Gamarlingo it., sp. camarlengo, pr. camarlenc, altfr. chambrelenc,
nfr. chambellan, vom ahd. chamarlinc, nhd. kämmerling.
Cambellotto, ciambellotto (Marco Polo), cammellino it., sp.
canielote, chamelote (Covarruvias), pg. chamalote, camelao, fr. camelot
ein vornehmlich aus Ziegenhaar und wolle, früher nach alten Zeugnissen
aus kameelhaar gewebter, namentlich von den mönchen (s. Ducange) ge-
tragener stoff, mlat. camelotum, camelinum, bei Joinville und im Renart
camelin. Nicht unwahrscheinlich hat camelot, da das suffix ott in älteren
zeugnamen nicht angewandt erscheint, seinen Ursprung im gr. xa^Xonij
komeelhaut.
Cambiare, cangiare it., sp. pg. cambiar, pr. cambiar, camjar, fr.
cfaanger tauschen; sbst. it. sp. pg. cambio, pr. cambi, camje, fr. change
tausch, Wechsel; im frühsten mlat. z. b. der L. Sal. und schon bei den
fddmessem cambiare neben cambire, letzteres bei Apulejus {%&(atitbiv^
xafißuv). Zsgs. it. acambiare, wcd. schimbä u. $. f.
Garn er ata it. (m.), sp. camarada (m., pg. m. f.), fr. camarade
(m. f.) geführte (gefährtin); seiner bildung nach urspr. ein collectiv, nach-
her auf eine einzelne person angewandt, eigentl. Stubengenossenschaft, und
in dieser bedeutung im ital. span. port. vorhanden aber veraltet, la came-
rata ff. Analog ist das piem. mascrada maskenzug, einzelne maske.
Camicia, camiscia it., sp.pg.pr. camisa, fr. chemise, wdl. cemase,
alban. cemise leinenes Unterkleid, hemä; daher pr. altfr. chamsil Pass.
de J. Chr. 86 leinenes Kleidungsstück oder zeug (camiza d'un ric camsil Jfr.),
80 I. CAMINATA-CAMMEO.
•
mkU. camisile, campsile ; desgl. it. camiciola, sp. camisola, fr. cami-
sole vorhemdchen, westchen; zsgs. it. incamiciata, sp. encamisada, fr.
camisade nächtlicher Überfall (wobei die Soldaten ein hemd über der
rüstung trugen um sich zu erkennen). Das erste Zeugnis bei Hieronymus:
volo pro legentis facilitate abuti sermone vulgato: solent militantes
habere lineas, quas camisias vocant, man sehe Ducange, Forcellini.
Demnächst bemerkt man es in der Lex Sal., bei Gregor d. gr., Venant.
Fort., Isidorus, in alten Urkunden e. b. Marini p. 125 v. j. 564. War
es ein vocabulum castrense, wie Hieronymus vermuthen läßt, so konnte es
aus einer entlegenen spräche eingeführt sein, was seinen Ursprung noch
mehr verdunkeln muß. Findet man diesen im ahd. hamidi, hemidi indu-
sium, dessen arüaut h aüfränk. in ch, demnächst in c verhärtet wäre,
so bleibt das suffigierte isia immer noch unklar, was auch bei Isidors her-
leitung aus cama (bett) der fall ist: camisias vocamus, quod in his dor-
mimus in camis, also bettgewänder ; oder bei der von andern versuchten
deutung aus cannabis. Hier ist nun zu bemerken, daß eine noch einfachere
bildung vorhanden ist, die nicht wohl aus camisia mit zurückgezogenem
accent abgekürzt sein kann, it. cAmice (m.), altfr. chainse (m. f.) lei-
nenes gewand, messhemd der priester, auch im slavischen, z. b. illyr. kamsa
chorhemd. Diese bildung findet sich allerdings in einigen sprachen fast
buchstäblich wieder. Arab. qami$ heißt Unterkleid Gol. 1965, Freyt. III,
497; aber theils hat es in dieser spräche keine etymologie, denn die wur-
zel, der man es zutheilt, ist logisch unverwandt, theils ist eine so alte
entlehnung aus dem arabischen gegen alle Wahrscheinlichkeit und eher der
umgekehrte Vorgang anzunehmen. Auch fehlt es im syrischen und hebräi-
schen. Mahn p. 21 hält es gleichwohl für ardbisch, stammend aber aus
dem indischen kschauma leinenzeug. Ferner findet sich das rom. chainse
im altirischen caimmse 'nomen vestisy cod. Prisciani, also von hohem alter,
kymr. camse langes kleid, und hierin erkennt Zeuß II, 749 das unzwei-
felhafte etymon von camisia, ohne übrigens auf das radicale Verhältnis
des cdtischen wortes einzugehn. Gewiss ist, daß der rom. spräche eine
wurzel cam nicht genügt, daß nur eine form cämis befriedigen kann,
woraus ein adjeetivisches camisia abgeleitet ward. — [Was Mahns her-
leitung von qamif aus kschauma betrifft, so hätte der Araber (nach der
bemerkung eines gelehrten Orientalisten) die indische nominalivendung
hierzu anwenden müssen, während er alle wirklich indische Wörter ohne
diese endung übernimmt, sie auch nicht mit LP ausgedrückt haben würde]
Caminata, camminata it. saal, fr. cheminäe rauchfang. Dasndat.
caminata, schon in einer fränk. Urkunde v. j. 584 solarium cum cammi-
nata Breq. p. 79°, hieß ein mit einer feuerstätte (caminus) versehenes ge-
fnach, daher die glosse Alfrics caminatum fyrhus (feuerhaus)} ahd. che-
minäta. S. besonders Schmeller II} 295.
Gammeo it. (z. b. bei Benvenuto Cellini, mitte des 16. jh.), fr.
caniäe (m.) und camaieu, sp. camafeo (fehlt den altern ausgaben der
akademie), pg. camafeo, camafeu, camafeio, mhd. gämaheu bei Konr. v.
I. CAMMINO. 81
Wurzburg {die media wie in gompost, gugele, gulter), nüat. camaheu
1376 Paris, camahelus (nach einer franz. form camayeul?) 1321 Paris,
camahutus 1295 London, camahotns 1315, in heutiger bedeutung ein aus
zwei verschieden gefärbten schichten bestehender erhaben geschnittener
stein, im weiteren sinne überhaupt ein erhaben geschnittener stein. Aus
der stelle unua lapis de camaheu zu schließen, hieß es auch die erhabene
arbeit oder figur auf dem stein, wie noch im ital. Man faßte solche
steine in ringe, vgl. annülos auri novem cum saphyris, unum cum cama-
huto ; das port. wort bedeutet daher auch siegdring, namentlich den der
konige und in den Alfonsinischen Verordnungen das königliche bildnis auf
mausen (Gonstancio). Die deutung von cammeo ist eins der schtoieri-
geren probleme romanischer etymologie. Frisch erklärte es aus dem sp.
cama läge, schuht (was wäre alsdann feo in camafeo?); Lessing aus
gemma onychea; Bapp, Gramm. IL a, 127 aus dem slav. kamenj stein
(dann müßte man diese kunstarbeiten von den Slaven belogen haben).
Scharfsinniger deutet Mahn p. 73, indem er gleichfalls auf gemma /zu-
rückgeht: citfranz. lautet es auch game und dessen g konnte sich leicht zu c
verhärten, also came, vgl. dhd. kimma. Aus came entstand ein adj.
cammaeu8, daher das it. cammeo. In cammahutus ist hutus das fr.
haut, jenes bedeutet also cammaeus altus, ein erhaben geschnittener stein.
Indessen, genau erwogen, stehen auch dieser auslegung einige nicht uner-
hebliche Schwierigkeiten entgegen. Die härtung der anlautenden kehlmedia
in tenuis ist zwar im aithochd. am rechten ort, nimmer im romanischen;
das mit aeus abgeleitete adjectiv wäre das einzige beispiel dieser ort; die
zss. cammahotus statt cammahota ist wenigstens au/fallend. Romanische
' Wörter sind ursprünglicher und gesünder als mittellateinische, die des vor-
liegenden f alles auch älter: in camaheu und camafeu trifft Frankreich
mit Spanien und Portugal zusammen, was dieser form gewicht gibt; das
span. i antwortet dem fr. h, aus der franz. form konnte sich die ital. ge-
kürzt haben. Aber damü rückt man dem etymon nicht naher. Folgendes
ist nur eine bescheidene vermtähung; in schwierigen dingen kann mehr-
seitige betrachtung förderlich ausschlagen, und namentlich ist eine verfehlte
äymclogie nicht immer eine verlorene arbeit. Griech. xo/ti^a heißt einge-*
schnittenes, auch schlag, prägung; ein roman. diminutiv davon wäre com-
matulum, dem ein fr. camaYeu entsprechen würde wie dem lat. vetulus
das fr. vieux entspricht; der anlaut ca für co wäre nicht unregelmäßiger
als ca für ge und findet sich z. b. auch in calessa für colessa, calandre
für colandre, canapö für conopä. Aber auch hier ist ein bedenken. Wie
kam man zu dieser anwendung des griech. wortes, das man aus dem latein
nur in einer grammatischen bedeutung kannte? Das einzige, womit sich
Mohns auslegung unterstützen ließe, wäre die annähme, daß das wort
nicht auf dem wege nationaler ßprachbüdung entstanden, daß es von künst-
lem und fachkennern erfunden worden sei. Doch wird die vorhergehende
deutung etwas mehr Wahrscheinlichkeit für sich haben.
Gammino it., sp. Camino, pg. caminho, pr. cami, fr. chemin weg;
6
82 I. CAMOZZA— CAMPAGNA.
vb. camminare, caminar, cheminer weg machen, wandern. Uc Faidü
sagt: caminar 'equitare per stratas, es heifit jedoch eben sowohl zu fuße
gehn. Caminua für via liest man schon in einem spanischen actenstück
des 7. jh.: Oxoma teneat de Furca usque ad Aylanzon, qnomodo currit
in camino S. Petri, qui vadit ad S. Iacobum (DG.). Ferrari halt cam-
minare für eine äbleitung aus xa/dnr, gamba bug, bein, es heiße eigentlich
die beine bewegen; aber ein verbalsuffix in ist nicht nachweislich. Das
Substantiv würde sich allerdings als camm-in auffassen lassen; aber der
sinn d. h. die herleitung von *weg oder auch von Kgang* aus 'bein* mitteilst
dieses Suffixes ist schwerlich statthaft. Glaublicher noch wäre eine zss.
cambe-menare = it. menar le gambe. Nach Bapp, Gramm. II. a, 127,
ist cammino ein slav. wort, eig. steinweg, von kamenj stein; allein theüs
ist diese bedeutung nirgends ersichtlich und dem Slavcn selbst unbekannt,
theils hatte der Romane kein bedürfnis, ein wort wie dieses aus dem
Slavenlande bei sich einzuführen. Vielleicht ist es ein alteinheimisches:
eu dieser vermuthung berechtigt kymr. cam schritt, caman weg, s. Dief.
Celtica I, 109.
Camozza it., sp. camuza und gamuza, cot. gamussa, pg. camu$a,
camur$a, masc. fr. chamois, neupr. camons, chw. camuotech, chamotech
ein der ziege verwandtes in den alpengegenden lebendes thier, gemse;
dazu it. camoscio gemsbock, oberd. der gems. Die suffixe in den verschie-
denen formen decken sich nicht. Ital. ozz ist ein übliches, wenn auch
nicht auf thiernamcn (außer in bacherozzo wurm) angewandtes suffix,
daraus muß oscio entstellt sein; die mundarten kennen diese abweichung
nicht, z. b. tyröl. camozza, camozz, piem. camossa, camoss. Span, uz
und fr. ois sind andre, sprachrichtige ableitungsformen. Die herkunß des
Wortes ist ungewiß. Im latein ist dieser name des thieres nicht bekannt,
es heißt rupicapra, auch der Baske besitzt nur ein entsprechendes compo-
situm basauntza (basa wild, auntza ziege), der Walache hat capr^ selba-
tece. Offenbar trifft camozza mit dem mhd. gam-z, auch im suffix, zu-
sammen, wenn man ein älteres gam-uz (wie hir-uz hirsch) annimmt, kann
aber nicht wohl daraus geformt sein, weil die gemeinrom. Steigerung des
anlauts ohne ein schwanken in die media (denn auf sp. gamuza kann
gama eingewirkt haben) ein allzu seltenes ereignis ist; auch kennt man
keine deutsche würzet. Gegen das erwähnte sp. gama = lat. dama er-
hebt sich dasselbe bedenken, die bedeutung hol weniger zu sagen. Steub,
Rhätische ethnologie p. 185, vermtähet Ursprung aus cdtisch cam krumm,
so daß gemse das thier mit den krummen hörnern bedeuten konnte; damit
würde man aber nichts gesagt haben, was dieses thier von den verwandten
hörnerträgern unterschiede.
Campagna it., sp. campaäa, fr. campagne (statt des veralteten
Champagne, das auf die benennung einer landschaft in Frankreich einge-
schränkt ward) flaches gefUde, flur; von Campania, welches als appdlativ
schon Gregor v. Tours gebraucht, s. Ducange. Bei den feldmessern ist
das adj. campaneus, campanius üblich.
I. CAMPANA- CAMUSO. 83
Campana it. sp. cot. pr., campainha pg. glocke, (Man. cambane;
im frone, durch cloche ausgedrückt, aber doch südlicheren mundarten be-
kannt, Umous. campano glocke, in Berry campaine schelle, in einer hs.
der L. Sei. als malb. glosse campania mit ders. bed. (Pardessus p. 85).
So genannt von der landschaft Campania, wo die glocken zuerst für den
gottesdienst eingeführt wurden, s. Ducange. Das älteste Zeugnis des wertes
bei Isidor 16, 24: campana lstatera unius lancis e regione Italiae nomen
aeeepit; ihm also bedeutet es schnellwage von der ähnlichkeit der einrich-
tung, und entsprechende bedeutungen hat auch das wal. cumpene wag-
schale, brwmetischwengel. Bei Beda und fast allen späteren zeigt cam-
pana oder campannm nur die bed. glocke; Anastasius, Biblioth. (9. jh.),
kennt beide bedd. glocke und schnellwage.
Campeggio it., sp. campeche, fr. campeche eine holzart zum
färben, aus der bai von Campeche in Centralamerica.
Campo it. u. s. w. in der bed. Schlachtfeld wie schon lat. campns,
das aber im mittdlatein auch den kämpf selbst d. h. den Zweikampf be-
deutete, der auf einem eingeschlossenen platze vorgieng: de pugna duorum,
qnod nostri campum vocant Begino, s. DG., daher entlehnt ahd. kamf
fdudlumy. Abgel. it. campione, sp. campeon, pr. campio, fr. champion,
ahd. kamfjo, mhd. kempfe, nhd. kämpe, ags. cempa, oXtn. kappi kämpf er,
fechter, zurikU einer der für einen andern einen gerichtlichen Zweikampf
ausficht, mlat. campio 'gladiator, pugnator Gl. Isid., gebildet wie tabellio
von tabella. Vb. sp. campar sich lagern, daher fr. camper, aber ahd.
kämpf jan pradiari und so altfr. champier Er. En. 3030; dsgl. it. cam-
peggiare einen streifzug machen, sp. campear das feld halten, fr. cham-
poier Bog. Aus campear ist campeador, bekannt als beiname des Cid
Buy Diaz, arab. cambeyator schon um 1109, s. Dozy, Becherch. II, 63,
2* id. (welchem Schriftsteller es sich aber von selbst versteht, daß das
wort nichts gemein habe mit campus, sondern vom deutschen kämpf her-
rühre).
Camnso it., sp. fehlt, pr. camus, gamus (fem. -usa), fr. camns
plattnasig, pr. auch albern, camusia albernheit. Cam ist auch im gleich-
bed. fr. cam-ard vorhanden und kann das celtische auch im latein. ein-
heimische cam sein, dessen bed. gekrümmt d. h. eingedrückt nicht unpassend
scheint. Da indessen ein nominalsuffix us nicht vorkommt, so muß es,
vielleicht unter einwirkung von muso (schnauze), in einer entstellung seinen
grund haben. Andre erklären das wort aus lat. cämurus mit wandet des
r in g wie im fr. chaise und einigen andern, wodurch die endung gerecht-
fertigt wäre, bedenken aber nicht, daß dieser wandet weder im ital. noch
im prov. anerkannt ist und daß auch der accent toiderspricht. — Für
camnso sagt man ital. auch camoscio, und dies führt auf das bekannte
franz. adj. camoissiä, welches gequetscht oder von Verletzungen gefleckt
heißen muß: se don hanbert ne fast qnassez et camoisiez et debatuz
Er. En. 3225; cataosez fu del bon hauberc BCam. p. 219; que tot a
le yis eamoisfliä (vom schlag mit einer tatze) Ben. III, 163; pr. Jaufrä
84 I. CANAGLIA— CANNIBALE.
ab lo vis camnzat Fer. 2135 (gefleckt von narben, nicht Scachi, wieüayn.
übersetzt); vgl. henneg. canioussä pockennarbig. Dazu ein prov. Sub-
stantiv: totz era ples de sanc e de camois GRoss. 5554 voll von blut
und Quetschungen oder blauen flecken. Zu nennen ist noch das vb. camos-
ciare it., altfr. camoissier leder sämisch gerben, rauh oder kleinnarbig
arbeiten (s. Corp.), welches auf camoscio gemse bezogen wird. — [Gleich-
zeitig hat Mahn, was camuso betrifft, p. 112 dessen rein celtische her-
kunft dargelegt, nämlich aus dem oben nur als mögliche quelle bezeich-
neten cam und dem suffix us, woraus das vorhandene irische camus bucht
d. i. biegung, welches also das romanische wort sein muß.]
Canaglia it., sp. canaüa, fr. Canaille, altfr. chienaille gesindd,
eigentl. hundevolk, wie sp. perreria.
Gänape it., wdl. c?nep$, sp. c&fiamo, pr. canebe, cambre, fr. chan-
vre, hanf; von cannabis, cannabus. Daher it. canavaccio, sp. cana-
mazo, pr. canabas, fr. canevas grobe Umwand.
Gancellare it., pr. chancelar, fr. chanceler fallen wollen, wanken;
eigentl. die beine übereinander kreuzen um nicht zu fallen, vom tat. can-
cellare guter förmig machen, daher ins kreuz setzen: die gleiche bedeutung
entwickelte unser mhd. schranken (vom sbst. schranke cancelli). 8. Altrom.
glossare p. 46, wo bereits die glosse des 8.jh. nutare *cdneeltare vorliegt.
Man hat angemerkt, daß im 12. jh. Petrus von Blois sich des worte& als
eines lateinischen bedient: in hoc modico cancellavit Plato.
Gandire it. in zucket sieden, ft. se candir sich krystallisieren,
dsgl. it. zucchero candito und candi, sp. azucar cande, fr. sucre candi
krgstallisierter zucker. 'Den meisten zucker, den die Venetianer einführten,
holten sie von Kandia (kandis-zucker/ sagt Hüllmann, Städtewesen 1,75;
aber das factum, daß vornehmlich Kandia kandiszucker geliefert habe, •
- scheint nicht verbürgt und candire passt schlecht zu dem namen der insel.
Arabisch heißt dieser zucker gleichfalls qand oder qandat, schon in einem
wörterbuche des 10. jh. (cunde forte vulgo saccharum candi' Golius 1970),
aber das wort wurzelt in dieser spräche nicht, sondern geht bis ins indische
zurück, worin khanda stück, dsgl. zucker in krystallartigen stücken (wür-
zet khand brechen) bedeutet, s. Mahn p. 47.
Cänfora it. sp., fr. camphre ein harz, kämpf er; vom arab. al-käfür
Freyt. IV, 47b mit eingeschobenem n oder m, sp. auch alcanfor; ohne
diese einschiebung it. cafura wie mhd. gaffer. Ursprünglich aus dem
indischen.
Gangrena it. sp., fr. cangrene, besser sp. gangrena, fr. gangrene
eine krankheit, krebs; von gangraena (yayyQaiva)T dessen anlautende media
durch einmischung von cancer in tenuis verwandelt werden mochte.
Cannamele it., sp. canamiel, rrilat. canamella Zuckerrohr, eigentl.
honigrohr.
Cannella it., sp. pg. pr. canela, fr. cannelle, daher ndl. kaneel
zimmet; von canna röhre, weil er gerollt ist.
Cannibale it., sp. canibal, fr. cannibale roher, grausamer mensch;
I. CANNONE— CAPERE. 85
eigenfl. menschenfresser auf den Antillen, in dortiger spräche. Dafi im
deutschen das wort bereits im j. 1644 vorkomme, bemerkt Weigand 1,201.
Span, caribe, d. i. Caraibe, braucht man in derselben bedeutunp.
Gannone it., sp. canon, fr. canon röhre, demnächst flinterUauf,
schweres geschütz; von eanna.
Canopfe it., wal. canapen, sp. fr. canap£ (altpg. ganapö SRos.)
ruhebett; von conopenm (xcov(07t2iov) mückennetz, also ein mit einem sol-
chen netz versehenes ruhebett, wie fr. bnreau teppich und damit bedeckter
tisch hei fit.
Cantiere it., pg. canteiro, fr. chantier unterläge, wohl auch sp.
cantel strick zur befestigung der tonnen; von canterius jochgeländer,
sporne, bair. gander.
Canto it. sp. pg., cant altfr. ecke, winket, sp. pg. auch stein, itdl.
auch seite, gegend. Die hier einschlagenden thatsachen sind etwa folgende.
Griech. yjxvd-og ist winket des auges, reif um das rad; lat. canthus hat
die letztere bedeutung und wird von Quintilian für africanisch oder hi-
spanisch erklärt. Kymr. cant heifit Umzäunung, kreifi, radschiene, rand,
stimmt also treffUeh zum lat. worte und mufi, wie Diefehbach, Celt. I, 112,
bemerkt, eben das von Quintilian gemeinte barbarische wort sein; diegael.
mundart kennt es nicht. Altfries, kaed, nord. kantr, nhd. kante scharfe
seite, auch rand eines dinges. Logisch passt nun das rom. wort, dessen
grundbed. ecke ziemlich alte mlat. stellen verbürgen, durchaus nicht zum
latein. oder celtischen; Vermittlung aber gewährt das deutsche, welches als
ein nicht auf heimischem boden wurzelndes cdtischer herkunft sein mag,
auf das roman. aber wieder eingewirkt haben kann. Die bcgriffsfolge
wäre hiernach celt. kreifi, rand, dtsch. rand, scharfe seite, ecke, rom. ecke,
auch seite, gegend. Abll. sind it. c an tone, sp.pr. fr. canton ecke, land-
schafl (dieselben bedd. im bair. ort), wald. canton abtheilung Hahn 577;
sp. cantillo steinchen. pr. cantel, fr. chanteau stück; auch it. sp. can-
tina, fr. cantine kdler, eigentl. winket, nach einer andern ansieht zsgz.
aus canovettina dimin. von canova keller, welches letztere übrigens nur
die ital. spräche kennt. Zsgs. ist it. biscanto Schlupfwinkel, piem. bes-
cant quere, schiefe. — - Eine neue tief eingehende Untersuchung des wichti-
gen Wortes danken wir Diefenbach, Orig. europ. p. 278.
Capanna it., sp. cabafia, pg. pr. piem. u. s. w. cabana, fr. cabane
hätte. Schon aus dem 7. jh. bekannt: hanc rustici capannam vocant,
quod unum tantnm capiat, sagt Isidorus. Nicht aber von capere, da die
rom. spräche kein sufßx anna anerkennt; eben so wenig also auch von
dem subst. cappa mantel, welches altspan. (s. Alex.) und mailänd. auch
hütte bedeutet: das wort mufi, wie es da ist, aufgenommen sein und hier
ist an das gleichbed. kymr. caban (m.), dimin. von cab, zu erinnern; hier-
aus engl, cabin, fr. cab inet, it. gabinetto, sp. gabinete.
Capere it., sp.pg.pr. caber, vb. intr. mit der bed. platz haben, so
daß die phrase totus prbis id non capit durch id non capit toto in orbe
ausgedrückt ward; so bereits in der Vulgata senno mens non capit
86 I. CAPITANO— CAPPA.
I
(xwqsT) in vobis Ev. Joh. 8, 37, in der waldens. Übersetzung ed. GUUy
la mia parolla non cap en vos, in der prov. aber li mieua paraala non
pren en vos, im ahd. Tatian ni bifähit. Capere und prendere bedeuten
hier eigentlich wured fassen, platz greifen, stelle einnehmen. Venard.
Fort, sagt 3, 26 in quo cnncta capit 'warin alles enthalten ist\
Gapitano it., alt cattano, sp. capitan Hauptmann, gleichsam capi-
tanus von caput; dasselbe wort mit anderm suffix mlat. capitaneus bereits
in einer urk. v. j. 651 Marin, p. 182°, pr. capitani, fr. capitaine, alt
chevetaine, chataine, engl, chieftain.
Capitello it. Köpfchen, Jenauf, sp. caudillo, altsp. capdiello, pr.
capdel Oberhaupt, Häuptling; von capitellum für capitulum köpf. Daher
vb. sp. acaudillar, pr. capdelar, aitfr. cadeler Roh, caieler DMce.
p. 260. 263 führen.
Capitolo it., sp. capitulo, cabildo, pg. cabido, pr. capitol, fr.
chapitre in der bed. Versammlung eines geistlichen oder weltlichen Ordens ;
von capitulum hauptstück einer schrift, weil die in capitd getheilten ordens-
statuten daselbst verlesen wurden, oder weil auf den grund derselben ver-
handelt ward. In Südfrankreich führte auch der municipalrath den
namen capitöl, ja der einzelne schoffe, daher das fr. capitoul.
Caporale it., altsp. caboral und caporal adj. hauptsächlich, subst.
anführ er, befefdshaber, henneg. coporal, corporal, it. auch caporano, dass.;
ein in Italien entstandenes aus capo (haupt) durch einschiebung fast selt-
sam gebildetes, möglicherweise dem adj. und subst. generale nachgeformtes
wort.
Cappa it., sp. pg. pr. capa, fr. chape mantd. Ein sehr altes wort,
vielleicht noch aus der röm. Volkssprache: capa, quia quasi totum capiat
hominem, bemerkt Isidorus 19, 31, 3, wo er die capa auch capitis orna-
mentum nennt, denn man zog sie über den köpf; cappa findet sich in
einer urk. v. j. 660, s. Breq. n. 146 und später oft, e. b. mitra kappa
Gl. ant. (Class. auetores). Man leite es nicht von caput, woraus wohl
capo, schwerlich ein in seiner bedeutung so sehr abweichendes fem. capa
cappa werden konnte. Die einfachen substantiva entspringen hauptsäch-
lich aus verbis und so entsprang cappa, wie auch Isidor sagt, aus capere
und bedeutet das umfangende: so hei fit ahd. gifang Meid von fähan fan-
gen, mhd. vazzen ist sowohl capere wie vestire. Das doppelte p (auch
span. scheidet sich capa vom vb. caber) ist kein einwand: schärfungen
eines consonanten in einem bestimmten worte sind nicht selten, eine solche
begegnet auch in cappone von capo. Abll. in menge, e. b. it. capello,
fr. chapeau hut, altfr. cbapel kranss statt des hutes getragen (cappello
ghirlanda secondo il volgar francese Boccac. dec. 1, 1)\ it. cappella
u. s. f. ursprüngl. kurzer mantd, speciell das stück eines mantds des heil.
Martinus, das in einer kleinen hofkirche aufbewahrt wurde, daher über-
haupt kleine hirclie, s. Ducange; it. cappotto, sp. capote, fr. capot
mantel mit einer kappe; it. cappuccio, sp. capuz, capucho, fr. capuce,
capuchon mönchskappe, und wegen einer ähnlichkeit capuccio und fr.
I. CAPPERO-CARA. 87
cabus Kohlkopf, kappes; it. capperone, fr. chaperon, pr. capairö mutze
ca.; wohl auch sp. capazo, capacho lederner eimer, kiepe, großer korb,
pg. oapacho mit plüsch gefütterter korb.
Cäppero iL, fr. cfipre ein gewürg, kaper; von capparis, arab. al-
kabar Gol. 1996, hieraus sp. pg. alcaparra, arag. einfach caparra.
Gappio iL schleife, knoten, sp. pg. cable, fr. cäble seil, tau, anker-
tau. Es ist ohne zweifei das mlatein. capulum, das auch Isidorus kennt:
capulum 'funis a capiendo; caplum 'funis* Gl. Isid.; mittelgriech. xantiov,
ndl. kabel. Wer es aus dem arab. (habl erklärt, der bedenkt nicht, daß
das eindringen arab. Wörter erst lange nach Isidors seit anfteng, noch daß
sich anlautendes arab. ch (-) nie in c verhärtet. Das gleichbed. sp. pg.
cabo, welches sich logisch nicht wohl zu caput schickt, mag aus capulum
abgekürzt sein.
Capriccio it., daher sp. capricho, fr. caprice wunderlicher einfall;
von capra ziege, in beziehung auf das benehmen dieses thieres, man er-
wäge das synonyme ticchio II. a und füge noch hinzu comask. nucia =
capretta, nucc = Capriccio.
Car, quar pr. fr. altsp. altpg. partikel für tot. nam, quia; von
quare, womit es ursprünglich gleichbedeutend war: morz a me quar no
ves? tod warum kommst du nicht zu mir? Bth. 130, vgl. Rom. gramm.
III, 214. Dem Italiener fehlt das wort, denn Dante7 s und Cecco9s quare
Inf. 27, 72, Acerb. 4, 1 ist latinismus. S. oben ca.
Gara sp. pg. pr., p&tfr. chiere, daher entlehnt it. chw. cera antlitz.
Noch die franz. wbb. des 16. jh. so wie die heutige norm, und lothr. mund-
art kennen die alte bedeulung : so findet sich bei Nicot avoir la chere
baicuräe vultum demittere; aber schon damals galt die darin entwickelte
bed. miene, freundliche oder unfreundliche aufnähme (noch jetzt il ne sait
quelle ch&re lui faire welche aufnähme), bis das wort endlich auf die
water daraus entfaltete bed. bewirthung, gastmahl eingeschränkt ward.
(Eine genauere geschickte seiner bedeutungen gibt Gachet p. 88.) Cara
'anüitz' braucht schon, wiß Ferrari anmerkte, ein dichter des 6. jh., Co-
rippus De laud. Justini 2, 412, 413: postquam Teuere verendam Cae-
saris ante caram. Daß der africanische dichter, natürlich ohne alle be-
ziehung auf die römische Volkssprache, ein griech. wort xctQa, äol. xctQrj
haupt, aber auch antlitz (s. die commentatoren zur stelle, ausg. v. Bekker
p. 399) in seinen totein. text einführte, ist nicht zu verwundern; daß
dieses wort aber in der letzteren seltneren selbst dem Neugriechen un-
bekannten bedeutung, ohne das mit griech. bestandtheilen am meisten ver-
setzte ital. oder watoch. gebiet zu berühren, seinen weg in die westlichen
mundarten fand, ist überraschend und entschuldigt den gegen diese etymo-
hgie erhobenen zweifei. Aber es gibt keine bessere. [Dagegen hat Lorenzo
titta Modignani später (1867) in einem mit classischer gelehrsamkeit
geschriebenen aufsatz gezeigt, daß das ital. cera, welches bereits in den
ältesten denkmalern dieser spräche vorkomme und gesichtsfarbe, demnächst
gesichtsbUdung bedeute, von cara abzusondern und auf tot. cera in den
88 CARABA-CARDO.
bedd. färbe, porträt zurückzuführen sei.] — Zss. sind sp. carear, acarar,
altfr. acarier confrontieren; nfr. acariätre hartnäckig, wunderlich. Nach
Huet gehört hieher auch fr. c ont re car rer zuwider handeln, besser aber und
im einklang mit dem buchstaben deutet es Frisch aus fr. carrer = lat.
quadrare in Ordnung bringen, vgl. contrecarre antisophisma bei Nicot. —
Entstand wct. ocäre schimpf etwa aus a-carare, gebildet wie affrontare?
Cdraba sp. ein fahr zeug; van carabus € parva scapha Isid. 19, 1, 26,
gr. x&Qaßog; daher sp. carabela, it. caravella, fr. caravelle.
Carabina it. sp. pg., fr. carabine ein feuergewehr, fr. carabin ein
damit bewaffneter reiter. Für letzteres gibt es eine ältere form calabrin
Boquef., it. calabrino, und so läßt sich carabine aus dem pr. caläbre
wurfgeschütz (s. caable IL c) ableiten: daß man waffennamen älterer
hriegshunst auf neuere übertrug, kann nicht befremden.
Garacca it., sp. pg. fr. carraca, carraque, ndl. kraecke eine ort
grosser schiffe; nimmer vom aräb. 'harraqah brander (Monti, Agg. cd voc.
II, 2, 313), da anlautendes aräb. (h kein c ergibt, s. cappio.
Caraffa it., sp. garrafa (so auch ältvcd., JFebr. str. 154), fr. ca-
raffe, sie. carrabba flasche mit weitem bauch und engem hals; vgl. aräb.
giräf ein maß für trockne dinge, vb. garafa schöpfen Freyt. III, 270b. —
[Neue bemerkungen s. bei Dozy.]
Caragollo it. (nach Ferrari), sp. pg. fr. caraeol, cot. caragol
Schnecke, Wendeltreppe, Wendung mit dem pferd, in letzterer bed. it. cara-
collo. Man deutet es aus dem aräb. karkara sich im kreiße drehen Freyt.
IV, 28* , was übel angeht, da ein aräb. subst. fehlt. Besser würde passen
das gaet. carach gewunden, gedreht.
Garato it., fr. carat, sp. pg. quilate, altpg. quirate ein kleines ge-
wicht, karat; vom aräb. qtr&'t, dies vom gr. xegannv hülsenfrucht als
gewicht gebraucht, man sehe Freyt. III, 427". Isidorus nennt es cerates,
was der span. form ganz nähe kommt: cerates oboli pars media est, sili-
quam habens unam et semis. Venez. carato same des Johannisbrotbaumes.
Carcass ()•#., sp. carcax, pg. carcas, fr. carqaois (für carqaais)
köcher, altfr. auch brustkasten, thorax DMce. 285; dsgl. it. pg. carcassa,
sp. 'fcarcasa, fr. carcasse gerippe. Der zweite theü dieses zsgs. Wortes ist
offenbar capsns (s. unten casso), der erste scheint caro zu sein* und die
ursprüngl. bed. rümpf oder bruststück eines thieres, buchstäblich fleisch-
kosten, fleischgerippe, übertragen auf den von reifen zusammengehaltenen
köcher, wie carcassa auch eine mit reifen umgebene bowibe heißt. Zu
widersprechen scheint it. carc-ame geripp, das einen stamm carc fordert,
also auch carc-asso ? Allein asso ist kein suffix: carcame entstand durch
einmischung von carcasso aus arcame, das aus arca kästen abgeleitet
ward. Die parmes. mundart sagt für carcasso cassiron.
Gardo it. sp. pg. distel, kardendistel zum wollkratzen, von Carduus;
abgel. sp. pr. cardon, fr. chardon; vb. it. cardare ff. aufkratzen, käm-
men; zsgs. it. scardo krämpel, fr. ächarde Stachel der distel, splitter (so
auch neap. scarda); sp. escardar disteln ausjäten, norm, öcharder ab-
I. CARESTIA-CAERIERA. 89
schuppen. Verschieden von 6charde und deutscher herkunft ist Kenneg.
fcard, wailon. hard scharte s. Qrandgagnage, vb. 6carder, harder schartig
machen, ahd. scartf, altn. skard bruch, einschnitt, ahd. skertan, altn.
skarda einschnitte machen u. s. w.; auch cot. esquerdar brechen, spalten
ist dieses Ursprunges.
Carestia it. sp. pg. pr., mlat. caristia, so auch sp. pg., altsp. ca-
rastia Apol. str. 66 theurung, Mangel; it. carestoso, pr. carestios
Flam. nothleidend; augenscheinlich aus carus, aber wie abgeleitet oder
zusammengesetzt? Vgl. bask. garestia (labort. carastia) adj. = carus.
In den Joyas dd gai saberp. 264 wird sogar caristia gesprochen, reimend
auf b&tia, aber, die richtigJceit dieser betonung vorausgesetzt, läßt es sich
doch mit dem nichts weniger als sinnverwandten griech. charfstia plur.
(freudenmahl) nicht vereinigen. Eine occit. abl. ist carestia. — [Hat
eucharistia auf die büdung dieses wertes eingewirkt? fragt Wackernagel.]
Caricare, carcare it., sp. pr. cargar, pg. carregar, fr. charger
Maden; sbst. ü. carico, sp. cargo, pr. carc, fem. it. carica, sp, pr.
carga, fr. charge last, figürl. amt. Carricare, von carrus, findet sich bei
Hieronymus (nach Ducange), discarricare bei Venant. Fort., discargare
in der L. Sali Das it. caricare bedeutet auch überladen, übertreiben in
rede oder Zeichnung, daher caricatura Zerrbild.
Carmesino, crämisi, cremisino it., sp. carniesf, fr. cramoisi subst.
und adj., eine hochrothe färbe bezeichnend; vom arab. qermez Scharlach,
adj. qermazt Freyt. III, 434a. Das wort, seinem Ursprünge nach indisch,
entspricht dem sanskr. krimi-dscha d. i. wurmerzeugt (Pott in Lassens
Ztschr. TV, 42). Derselben herkunft ist it. carminio, sp. carmin, fr.
carmin«
Carogna it. pr., sp. carrona, fr. charogne fleisch, aas, adj. sp.
carrono verfault; jedesfdls von caro, wenn auch im Widerspruche mit den
zahlreichen ableitungen aus dem thema carn, indem man, wie es scheint,
durch caruncula verführt, in car den eigentlichen stamm dieser ableitungen
fühUe.
Garpa sp., fr. carpe, wal. crap, pr. escarpa, it. carpione ein fisch,
iarpfen; vom mlat. carpa, schon bei Cassiodor, s. Vossius De vit. serm.,
einem weit verbreiteten schwerlich aus cyprlnus entstellten worte.
Carpentiere it. wagner, Zimmermann, sp. carpintero, pr. carpen-
tier, fr. charpentier nur in letzterer bed.; von carpentarius wagner, im
mlatein üherhaupt holzarbeiter, carpentarius Kzimbermann Gloss. Herrad.
Franz. char pente (f.) zimmerwerk, tat. carpentum wagen.
Carriera it., fr. carri&re laufbahn, sp. carrera laufbahn, Straße,
pr. carriera straße; eig. fahrweg, von carrus. Besser als carrtere ist die
aUfr. und mundartl. form charriere, da ersteres auch steingrube bedeutet
und in diesem sinne aus einer andern würzet herrührt^ s. quadro. Andre
abll. von carrus sind: it. carrozza, sp. carroza, fr. carrosse kutsche,
mhd. k&rrosche, karrutsche; fr. carrousel ringelrennen, daher it. caro-
sello, garosello.
90 L CARRUBA-CASERMA.
Carruba ü., sp. garroba, algarroba, garrofa, pg. alfarroba, fr.
caroube, carouge Johannisbrot; it. carrobo, carrubbio, sp. garrobo, al-
garrobo, pg. allarrobeira Johannisbrotbaum; vom gleichbed. arab. charrfib
Freut. I, 471:
Carvi it. sp. fr., neupr. charui feldkümmel, karbe; von careum
(xagnv). Derselben herJcunft ist arab. al-karavia Gol. 2028, wodurch die
roman. Wörter vielleicht näher bestimmt wurden, übrigens auch sp. al-
caravea.
Casa it. sp. pg. pr., casA wal. für lat. domus seit dem frühsten
mlatein, daher casa dei Ghron. Laurish., casa regia L. Long., casa do-
minica L. Baiw. Ital. mundarten verkürzen es in ca. Unter den abtt.
zu erwähnen chw. vb. casar wohnen, hausen, it. casare, sp. pg.pr.es&zx
verheirathen, eigentl. häuslich einrichten, ausstatten; so mhd. heiraen hei-
rathen, von heim haus. Grimm, Rechtsalt. p. 420, vergleicht altn. byggja
saman zusammen wohnen. Die sard. mundart bewahrt domu und braucht
es ganz wie das ital. casa.
Casacca it., sp. pg. casaca, fr. casaque lange überjacke; von casa
hütte, mit einer begriffsübertragung wie im nüat. casula (s. casipola);
auch unser hose ist mit casa gleicher würzet, s. Wackemagel b. Haupt
VI. 297. Dasselbe sufftx im it. guarnacca überkleid.
Gasamatta iL, sp. casamata, fr. casemate waUJcdler; aus gr.
%aajna grübe, höhte, plur. yaojuara, deutet Menage. Eine Zerlegung in
casa-matta versucht mit glück Mahn p. 6. Matto nämlich habe in einigen
Verbindungen die bedeutung des deutschen matt: carro matto leiterwagen
z. b. sei der schwache, rohe, unvollkommene wagen, und so sei casa matta
das schwache, todte, versteckte haus. Im mailänd. heifit matt s. v. a.
pseudo: perla matta ist perla falsa, giussumin matt gelsomino sävestre,
unter unserm worte läfit sich ein haus denken, das diesen namen nicht
verdient. Im sicil. bedeutet matta düster, in dieser mundart würde man
ein düsteres haus darunter verstehn. Bezeichnender noch ist Wedgioood's
auslegung des wortes aus sp. casa und matar tödten, entsprechend dem
deutschen mordkeller und dem in diesen^ sinne veralteten engl, slaughter-
house, nur ist für das hier unstattJuxfte vb. matar das subst. mata zu
setzen, so daß der sinn ist 'haus der metzelet.
Gascio y cacio it., sp. queso, pg. queixo käse; von caseas, vgl. für
das span. wort denselben lautübergang in qnepo von capio.
Gaserma iL, wal. cesarm^, richtiger sp. pg. caserna, fr. caserne
soldatenhütte; von casa wie lat. caverna von cava. — [Caserma, cesarme
nebst dem volksmäßigen deutschen casarm machen diese deutung, wie
Mahn p. 6 einwendet, zweifelhaft und es sei die herleitung aus casa d'arme
vorzuziehn. KIch habe die formen mit m denen mit n nicht als gleichbe-
rechtigt entgegenstellen wollen, weil caserma, wenn es ein gutes mit arma
zusammengesetztes ital. wort sein sollte, doch casarma oder eigentlich
casarme lauten müßte, die wal. und deutsche form aber den grammatischen
werth der span. und franz. nicht aufwiegen können. Überdies scheint
I. CASIPOLA-CATACOMBA. 91
waffenhaus für soldafenhütte etwas pretiös. Das sufßx erna ist allerdings
ein selten angewandtes, aber wie leicht konnte das beispiel von cava ca-
verna verfuhren, ihm ein casa caserna an die seile zu setzen? Krit.
anhang.]
Casipola, casupola it. hüttchen, daher fr. chasuble messgewand.
Das span. wort ist c aBulla in letzterer bedeutung (altfr. casule Gloss.
de Lille 22*) = mlat. casula nach Isidor quasi minor casa eo quod
totum hominem tegat; vielleicht formte man casipola nach dem muster
des von manus stammenden manipulus. Wie sich übrigens die begriffe
hätte und mantel berühren, zeigt auch das in ersterer bedeutung gebrauchte
cappa, s. capanna.
Casa pr. altfr. gebrochen, gebeugt: briste et cas Sax. U, 185; vb.
pr. cas aar, nfr. casser brechen; von quassus, quassare. Ital. accasciare
ermatten erfordert eine dbl. quassiare. Dasselbe wort mit eingeschobenem
n ist oitsp. canso müde, nsp. cansar müde machen (die kraft brechen),
das sieh vom it. cansare durch seine bedeutung scheidet; zsgs. sp. dea-
cansar ruhen, prov. dass. GRoss. 1137.
Gassa it., sp. caxa, pg. caixa, pr. caissa, fr. caisse leiste, dsgl. fr.
ch&sse einfassung; von capsa behäUnis. Abgd. it. cassetta, casset-
tone, zsgz. castone {wie parmes. castäina aus cassettina). Zsgs. pg. en-
caixar, fr. enchässer einfassen, einfügen; gleichbed. cat. encastar, sp.
engastar, it. incastrare, pr. encastrar, fr. encastrer; so wie pr. enca-
stonar, pg. encastöar, sp. engastonar, vgl. mlat. incastratura.
Gas so it. sp. pg., pr. cas, altfr. quas leer, unnütz; von cassus.
Dsgl. vb. cassare ff., fr. casser zu nichte machen, lat. cassare für cassum
reddere bei Sidonius und Cassiodorus.
Cas so it. brüst, thorax, mlat. cassum, cassus; von capsus behältnis,
wie auch ndat. arca denselben begriff erfüllt. Prov. cais kinnlade ist
gleichfalls von capsus wie eis von ipse, nicht von cassar brechen (als
etwas zermalmendes), da der diphthong ai widerstrebt. Endlich muß im
gleichbed. pg. queixo (cat. quex), woher queixada, sp. quixada und
wohl auch sp. quixera beschlag am schoß der armbrust (backenstück),
dasselbe cais oder capsus anerkannt werden.
Catacombatl., sp. pr. catacumba, fr. catacombe unterirdische
grüß. Offenbar ein compositum, in dessen erstem theile man gewöhnlich
die griech. präp. xara9 in dem zweiten das sahst, tumba erkennt, cata-
cumbae wäre also = ad tumbas an den grüßen. Es ist aber nickt ein-
tuschen, warum die spräche, wenn man auch die einmischung einer griech.
Partikel zuläßt, die grüß als etwas an der grüß befindliches aufgefaßt
haben sollte. Vielleicht ist cata eben nur das rom. vb. catar schauen
(s. unten) und comba entweder durch assimilation an den anlaut c (in
cata) entstellt aus tomba (sp. catatumba findet sich in Bengifo's reimbuch,
maä. catatomba bei Cherubini) oder auch unentstellt, da es im span.
gewolie bedeutet, so daß also cata-comba schau-gruß heißen würde. Die
römischen cataeamben bargen nämlich die korper von märtyrem und hei-
92 I. CATAFALCO-CATAR.
ligen und wurden darum von andächtigen Christen besucht, s. die stelle
des h. Hieronymus bei Ducange. Man könnte selbst das satanische cumba
heranziehen, wovon Festussagt: cumbam Sabini vocant eam, quam mili-
tares lecticam, also sanfte, tragebett (s. K. 0. Müller zu der stelle), wäre
tomba oder comba nicht der sache angemessener. Die hier ausgesprochene
deutung könnte gleichwohl gewagt scheinen, fände sie nicht in den beiden
folgenden artikeln Unterstützung, fast bestätigung. — [Bettermann, Über die
ältesten christl. begräbnisstätten p. 7, nimmt eine griech bildung xora-
rvjußiov dafür an.]
Catafalco it., sp. cadafalso, cadahalso, cadalso, pr. cadafalc, alt-
cot. cadafal Chr. d'Escl. 597", val. carafal, altfr. escadafaut, cadefaut,
chafaut, nfr. ächafaud, mndl. scafaut, nhd. schafott gerüste zu verschie-
denen zwecken, trauergerüste, blutgerüste u. dgl. Die reinste form ist
catafalco; das sp. cadafalso mit s für c ist unklar, muthmaßlich hat sich
falso adj. in der Verbindung edificio falso gebäude, das auf keinem festen
gründe ruht, oder das rothwälsche falso henker eingemengt; im altfr. es-
cadafaut gieng auslautendes c in t über wie in Estrabort für Estraborc,
nfr. Strasbourg. Das wort ist zsgs. aus catar schauen, prov. erweicht in
cadar, und aus falco, entstellt etwa im munde der Deutschen, denen p
leicht zu ph oder f ward, aus ital. palco gerüst, das selbst wieder deut-
schen Ursprunges ist, also schaugerüste, gerüste zu öffentlicher schau. Un-
mittelbar aus dem ital. entlehnt ist fr. catafalque, sp. cadafalco. Jault
will in falco das aräb. falak anhöhe Freyt. III, 372* erkennen, (Mein
warum sollte die spräche dieses wort nur in einem compositum aufbewahrt
haben? selten wenigstens geschieht dergleichen in unlat. Wörtern. Ducange
setzt es zusammen aus gr. xava und lat. palus oder fala (gerüst), womit
aber die endung c unerklärt bleibt, andre haben ein deutsches schauhaus
oder ndl. schauvat (schaufaß) dafür aufgestellt.
Cataletto it. paradebett, buchstäblich schaubett; von catar und letto,
s. die beiden letzten artikd. Dem entspricht buchstäblich sp. cadalecho
binsenlager, neupr. cadaliech, altfr. kaalit Hliord. p. 147, neufr. chälit
spannbett, fufigestell des bettes, letzteres gewöhnlich aus chasse-lit erklärt.
Catar dltsp. sehen, schauen, (catö ä todas partes PC. 357), ebenso
altpg. (com quaes olhos vos catey D. Din. p. 38 und öfter), nsp. pg.
versuchen, untersuchen, nachsuchen; sbst. cata Untersuchung; zsgs. reca-
tar wieder kosten, dsgl. sorgfältig bewahren, recato vorsieht, geheimnis;
acatar untersuchen, verehren, acatamiento ehrfurcht u. a. m. Im prov.
ist das wort nicht einheimisch und wird darum im Elucidari erklärt:
catar vol dire vezer (sehen) LB.; eben so wenig besitzt es der Franzose,
doch fuhrt Menage eine abl. catiller 'ausspähen aus Monstrelet an. Churw.
aber heißt catar finden, ebenso parm. venez. catar, lomb. catä finden, er-
greifen; daß es im ital. auch vorhanden war und schauen hieß, scheint
sich aus cata-comba, cata-falco, cata-letto zu ergeben, welchen Span, com-
posita wie cata-lecho, cata-ribera, cata-viento entsprechen. Dem Walachen
endlich bedeutet ceuti schauen, suchen, hüten. Schon Isidorus kennt das
I. CATASTKO-CAVIALE. 93
wort in seiner altspan. bed.: cattus (kotze), quod cattat (cd. catat, captat)
i. e. videt 12, 2, 38. Die Herkunft desselben vom lat. captare (lauern)
kann nicht zweifeüuxft sein. In der L. Sal. emend. wird noch captare
gesehrieben, aber auch hier ist die bed. schauen, gleichsam octdis captare,
nickt zu verkennen, s. Pott, Plattlateinisch 392. Das it. cattare ist nebst
sp. captar, fr. capter erst später aus dem classischen latein aufgenommen
worden. — Seltsam ist das it. cata-colto €ertappt\ für catato-colto, ein
offenbarer pleonasmus um das unverständlich gewordene catato mit einem
synonymen ausdrucke zu erklären.
Catastro it. sp., cadastre fr. (it. auch catasto) Steuerregister; gleich-
sam capitastrum kopfsteuerliste. Das frühste mitteldlter brauchte dafür
capitularium Greg. Tur. 9, 30 mit dem zusatz in quo tributa contine-
bantur, eigentl. eine in capitula abgetheüte Schrift; capitastrum aber ent-
stand gewiß unmittelbar aus caput wie sp. cabezon steuerliste aus cabeza.
Catrame it., pg. alcatrao, sp. alquitran, fr. guitran, goudron, nüat.
catarannus theer; vom arab. alqacträn dass. Freyt. III, 464h.
Cattivo it., sp. cativo, pr. caitiu, fr. ch&if elend, schiecht; von
eaptivos gefangen, in knechtschaft, daher unglücklich nebst den wettern
bedeutungen; die ursprüngliche wird durch cattivo it., cautivo sp., captif
fr. vertreten.
Cavallo it., sp. caballo, pr. caval, fr. cheval, wal. cal (auch cdban.
cale, calle) pferd; von caballus (yuxßalkyg), nach A. W. Schlegels muth-
mafiung ein italisches bauernwort, womit das pferd in der landwirthschaft
bezeichnet ward, s. dessen Ind. bibl. I, 240. Daher it. caval care, sp.
cabalgar, fr. chevaucher (fehlt wal.) reiten, wie gr. \itizevtiv von Xnnoq,
in der L. Sah caballicare und zwar caballicare caballum wie rom. caval-
care an cavallo. Von equus blieb nur das fem. sp. yegua, pg. egoa,
pr. egua, dttfr. aigue, wal. eap$, sard. ebba. Aus caballus leitet sich
ferner nüat. caballarius Gl. Isid., it. cavaliere, sp. caballero, pr. cava-
lier und cavayer, fr. Chevalier und cavalier ritter, reiter ; >dsgl. ü. caval-
letta, sp. caballeta grüne heuschrecke, pferdchen genannt wegen der ahn-
lichkett ihres köpf es mit einem pferdekopfe, heupferd.
Cavezza it. halfter, altfr. chevece kragen, sp. pg. cabeza köpf, auch
pr. cabeissa; dsgl. sp. pg. cabezo, pr. cabes der obere theil eines
dinges; abgd. it. cavezzone, fr. cave<;on kappzaum, sp. cabezon hemd-
Iragen ; von caput Daß chevece und cabeza eins seien, ist unzweifelhaft ;
aber auch cavezza stimmt dazu, wiewohl capezza (vgl. capezzale aus ca-
pitium bei Gellius) erwartet werden durfte. Kragen als köpf des hemdes
ist der mittelbegriff zwischen haupt und halfter, doch könnte sich sp.
cabeza auch unmittelbar auf capitium in der bed. einer kopfbedeckung be-
ziehen, in den Er f. glossen 283a wird es mit dem ags. 'hood3 pileus über-
setzt. Ital. seavezzare abhauen ist = scapezzare, sp. descabezar.
Gaviale it., sp. cabial, pg. fr. caviar, ngr. xavictQi eingesalzener
rogen des in edlen europäischen gewässern heimischen störs und einiger
andern fische.
• 9
94 L CAVICCHIA— CEDRO.
Cavicchia, caviglia #., pg. pr. cavilha, fr. cheville, pflock, masc.
it. cavicchio, caviglio dass. Lot. clavicula tcard durch dissimüation
in cavicla vereinfacht um das doppelte cl zu beseitigen: ohne diese eupho-
nische rücksicht dürfte eine Schwächung des anlautes nicht angenommen
werden. Der Spanier behielt cl in clavija, worin jene rücksicht wegfiel,
Cavolo it., sp. col, pg. couve, pr. caul, fr. chou kohl; bemerkens-
wert^ weil diese formen so wie das kymr. cawl, das bret. kaol auf caulis,
nicht auf das anscheinend volksmäßige colis weisen.
Cayo sp. (nur im plur. Üblich), altfr. caye Sandbank, mit anderer
bed. pg. caes (sg. und pl.), fr. quai dämm an fiüssen, deich, ndl. kaai,
engl, kay, ndd. kaje. Alle vier roman. Wörter sind formell eins und auch
die begriffe liegen sich nicht fem. Ein altes Zeugnis dafür gewähren die
Isid. glossen: kai 'cancellae\ kaij (kaji?) 'cancelli' schranken. Unpassend
bringt dies Scaliger mit dem Plautinischen cajare (schlagen) in Verbin-
dung: es ist augenscheinlich, wie schon Ducange behauptet, das kymr.
cae zäun, umzäunung, bret. ka£ auch deich, k&6a einzäunen; vielleicht
darf auch an ahd. cahot munimentum, bair. kachet zäun Graff IV, 361
erinnert werden. Dagegen ist bair. kai hegung, als eine spätere Verhär-
tung aus gehai von haien hegen (Schmeller II, 129), nicht in anschlag
zu bringen. Warum aber fr. quai und nicht chai? muthmaßlich weil
das wort ein erst später aus dem picard. oder gascon. (vgl. cayum haus
bei Ducange, gael. cai dass.) aufgenommenes ist.
Cazza it., cot. cassa, altfr. pic. casse, masc. chw. caz, sp. cazo
pfanne mit einem stiel; vom ahd. chezi, kezi, altn. kati ein kochgeschirr,
woher unser kessel. Abgel. it. cazzuola, sp. cazuela, mit einmischung
eines r (wie in mouch-er-olle, mus-er-olle u.a.) fr. casserole bratpfanne,
woher it. casserola, pic. champ. castrole, dtsch. castrol. Ein altes Zeugnis
des Wortes in den Wiener glossen Hoffm. p. 58, 15 gazza ^chetta* =
churw. caza schöpf kelle.
Cece it., sp. chf charo, pr. cezer, fr. chiche {gewöhnt, vi. pois chiclies)
kichererbse, von cicer; it. cicerchia, sp. cicercha, von cicercula.
Cicero it. schwan, alt c6cino, mlat. cecinus L. Sal. tu. 7, ricinus
€olor (ollo ms.) Gl. Paris, ed. Hild., item Papias; vom tat. cicer, das im
it. cece knollen am schnöbet dieses vogels heißt. Besser aus cecinus als
aus cygnus erklärt sich auch das sp. pg. altfr. cisne (altpg. cirne Moraes),
da einschiebung des s für die südwestl. spractte nicht annehmbar ist.
C6dola it., sp. pg. pr. cädula, fr. c£dule zettel; von schedula wie
cisma von schisma. Aus einer andern ausspräche (skedtda) entsprang
sp. esquela.
Cedro &, cidra sp. pg., in letzterer spräche auch cidräo, fr. citron
eine frucht, citrone; it. cedro, sp. cidro, fr. citronnier citronenbaum; von
citrus citronen* oder pomeranzenbaum, citreum dessen frucht. Der bäum
heißt ital. auch cederno, geformt wie lat. quernus von quercus. Die zwei-
felhafte quantität des i in citrus erklärt die roman. formen mit e und i.
Das vornehmste wort für citrone aber ist ein fremdes, limone (s. das.).
L CELATA— CERCARE. 95
AbU. sind: U. cedronella, sp. cidronela, fr. citronnelle melisse, dtrago;
it. citri uolo, cedriuolo gurke, fr. citrouille Mrbifi, wegen der ähnlich-
keit dieser fruchte mit der citrone.
Gel ata it., sp. celada, fr. salade heim, pickelhaube, engl, salad,
hymr. saled ; mit recht wegen des darauf vorkommenden büdwerkes von
caelata (cassis caelata bei Cicero) hergeleitet, wahrscheinlich in Italien
aufgekommen. Es ist also hier ein epitheton ornans zum namen der Sache
geworden. Im mittdhochd. findet sich gleichbedeutend salier, welches
romanischen Hang hat, aber aus diesen sprachen nicht nachweislich ist,
auch aus caelata nicht abstammen konnte.
Cenno it., chw. ein wink, sp.ceho runzeln der stirne; vb. pr. cennar,
oltfr. cener c. acc. HBord. p. 178, 1, it. accennare, altsp. bevüsn Älx., altfr.
acener zuwinken. Cinnus, zu unterscheiden von dem acht lat. cinnus (Ver-
mischung mehrerer dinge), begegnet in alten glossaren; eins der Erfurter z. b.
p.287k hol cinnus 'tortio oris\ inde est dictum cincinus und cynnavit
tnmuitJpromisity} auch die Isid. glossen kennen das wort} das wahrscheinlich
aus cincinnus locke (xixivvog) abgekürzt ward, indem cinnare, cennare eine
eigenschaß der locken, das wallen oder winken ausdrückte.
Centinare it., fr. cintrer wölben, bogenrund machen; daher sbst.
ü. conti na, fr. cintre (m.) gewölbe, rüstbogen zu einem gewölbe; von
cineturare, das man sich aus cinetura ableitete: ital. n aus r wie in cecino
aus cicer. Über die beriüirung der begriffe gewölbe und umgürtung
s. Rödiger und Pott in Lassens Ztschr. III, 59. Das catäl. wort ist
cindria, das span. aber eimbria, eimbra, mh vielleicht durch einmischung
von eimborio kuppet.
Cercare it., wal. cercä, pr. cercar (sercar), nfr. chercher, altfr.
cerchier durchsuchen, suchen, aus diesem das engl, search. Die erstere
ist die grundbedeutung: in derselben braucht es noch Dante in einer
mehrfach misverstandnen stelle Inf. 1, 84 che m'han fatto cercar lo tuo
Yolume, vgl. altfr. cerchier les montagnes die berge durchsuchen und
ähnliche stellen. Span. port. cercar bedeutet einschließen, citpg. aber
gleichfalls durchsuchen: andou em busca delle cercando toda aquella
terra & Constancio. Cercare ist das wenn auch nicJU von Properz 4, 9,
36, doch von den fddmessern gebrauchte circare um etwas herumgehen,
es umgeben : circat montem Cos. litt., in den lsid. glossen circat 'circum-
venit\ daher mlat. circa die runde, circator Wächter, vgl. alban. k$rcöig
suchen, durchforschen, vom gr. xiqxovv umgeben, umringen; kymr. kyrchu,
bret. kerchat werden aus derselben quelle sein wie cercare. Es bedarf
also zur erktärung desselben keines neuen Wortes quaericare. Zwar
schreibt der Sarde von Logudoro quireare, aber er schreibt nur so, die
ausspräche ist kircare wie im latein. Die franz. form chercher hat ihren
grund offenbar in bequemerer ausspräche des richtigen cercher, pic. cer-
quier (welches letztere aber, gleichfalls durch assimilation der ersten an
die zweite silbe, auch in der form querquier vorkommt), vgl. it. Giciglia
für Siciglia. Eine zss. ist pr. ensercar unterscheiden, pg. enxergar;
96 L CERCETA- CHETO.
ein frequentativ im alteren mittdlatem ist circitare (circat, circitat ycvxkdu
Gl. lat. gr.), hieraus wal. cerceta untersuchen, besuchen, das der herkunft
aus quaericare entschieden widerspricht,
Cerceta, zarzeta sp. pg., pr. sercela, fr. cercelle, sarcelle, cot.
masc. xerxet ein wasservogel, Jcriechente; van querquedula. Daraus ent-
stellt scheint it. garganello, engl, gargane, s. Ferrari; Ncmnich fuhrt
auch cercedula, cercevolo an.
G6 reine it. (m.) ring, ringartige sache, fr. cerne (m., aus certfne)
hreiß, sp. c&rcen, pg. cerce; vb. iL fehlt, fr. cerner umzingeln, aber
sp. cercenar ringsum beschneiden, eig. abrunden, cortar ä cercen glatt
abschneiden. Die Wörter sind von circinus zirkel, circinare abzirkeln.
Cerfoglio it., sp. cerafolio, fr. cerfeuil ein küchenkraut, körbel;
von caerefolium (xaigiq)vllov).
Cernecchio it., sp. cerneja, pg. cernelha haarbüschel. Cabrera's
deutung aus criniculus, wogegen begriff und buchstabe streiten, durfte
nach der von Ferrari aus discerniculum Haarnadel facus, quae capülos
disseparat' Nonius), dsgl. abgctheiltes haar, nicht mehr aufgestellt werden.
Cervello it., pr. cervel, fr. cerveau hirn, dsgl. fem. dem itat.
plur. cervella entsprechend chw. pr. cervella, fr. cervelle; von cere-
bellum, dessen roman* gestalt cervellus schon . der Vocab. S. Gdlli kennt,
cervella das Gloss. Salom., cerevella das Gloss. von Schlettstadt. Die
sporn, und port. spraefte haben nur das primitive celebro, cerebro, so auch
die walach., deren erferi (plur.) aus cerebrum, umgestellt creebrum, ge-
bildet sein wird.
Cetto it., attsp. altpg. cedo (encedo Ghron. del Cid ed. Huber
p. 203) adverbium, von cito.
Chaveco pg., sp- xabeque, it. sciabeeco (?), fr. chebec, dtsch.
schebecke, ein kleines dreimastiges kriegsschiff, welches rüder fuhrt; soll
türkisch oder arabisch sein, ist aber nach Dozy p. 28 unentschiedener
herkunft
Che it., sp. pg. pr. fr. que (auch alban. che) geschlechtloses relativ-
pronomen und conjunetion; wahrscheinlich von quid, s. Born, gramm. III,
322—324, wo auch von wal. ce, ce, ca die rede ist. Franz. quoi (alt
quei) hat seinen grund in dem bestreben der spräche, gewissen einsilbigen
Wörtern mehr umfang zu geben, vgl. moi, mei aus me. Itcd. chi, fr. qui,
von quis; sard. chini, sp. qnien, pg. quem, vom aecusativ quem, s. IL b.
Cheto it., sp. pg. quedo, altfr. coit, coi, recoi ruhig, von quietus,
daher vb. it. chetare beruhigen, sp. pg. quedar ruhig lassen, (intr.)
ruhig bleiben; fr. coiser s. v. a. it. chetare, gebildet tote hausser von
altus. Ein lat. vb. quietare bei Priscian ist bestritten, vgl. Struve, Lat.
decl. und conj. 117. Dasselbe quietus setzte mit der bed. 'ledig3 eine
zweite keine Verwandlung des t in d erlaubende form ab, eine scheideform,
gleichsam quitus: fr. quitte, alt cuite, pr. quiti, sp. quito, dtsch. quitt;
daher sp. pg. quitar ledig machen, frei lassen PC. 537. 894. 1043,
wegnehmen, eigentl. losmachen, fr. quitter losgeben, gehen lassen, verlassen>
CHIAMARE-CIANCIA. 97
it. quitare, chitare sein recht aufgeben. Die bedeutung kennt schon die
Lex. Long.: sit quietus d. i. sit dbsotutus. Für cheto sagt man ital. auch
chiotto (zweisüb.), vielleicht aus dem fr. coit mit eingeschobenem i = 1,
map. cuoto.
Chiamare it.} wal. chi^mä, sp. Uamar, pg. chamar rufen, nennen,
pr. clamar, aitfr. claimer ausrufen; von clamare. Die bed. nennen läßt
sich bereits im ältesten mlatein nachweisen, 0. b. si quis alterum vulpem
clamaverit L. Sal. tit. 30.
Chiarina, clarinetto, clarone iL, sp. darin, clarinete, fr.
clarinette, clairon, altfr.pr. clarion blasinstrumente; von ciaras hell tönend.
Chiasso it. aus dem pr. clas geschrei, ältfr. glas (chlaz Trist. II,
80) glockengeläute, nfr. ansehlagen der todtenglocke, wohl auch ir. glas
wehklage, das Pictet p. 70 eu sanshr. Was gesellt; von classicum signal
mit der trompete, mlat. in der aitfr. bedeutung, vgl. conclassare 'concla-
mare Gl. Md. Das nah liegende glatir war anlaß, daß man das wort
gerne vom hundegebdl brauchte. Wal. glas schall, stimme ist das gleich-
bed. serb. glas.
Chiglia it. (bei Barberino chiela), sp. quilla, fr. quille kiel des
schiffes; vom ahd. kiol, altn. kiölr. Sofern fr. quille Icegel bedeutet, floß
es aus ahd. kegil, was schon Frisch erkannte; eigentlich passen auch die
andern Wörter ', wie man leicht sieht, besser in dieses etymon als in das
erstere, aber die bedeutung entscheidet.
Chimera it., sp. quimera, fr. chimöre hirngespinst ; von Chimaera,
dem mythischen ungeheuer.
Chiocciare, crocciare it., sp. cloquear, neupr. clouchä, fr. glousser,
wal. clocei glucksen; naturausdrücke wie das dtsche wort und das lat.
glocire, wenn nicht zum theil aus diesem entstanden, vgl. ags. cloccan.
Sbst. it. chioccia, sp. clueca, pg. chöca, wal. 6loc$, nhd. glucke brütende
henne, daher ein adj. it. chioccio, sp. clueco, llueco glucksend, heiser.
Chitarra it., sp. pg. pr. guitarra, fr. guitare'em Saiteninstrument;
vom gr. xi&aQa. Vom lat. cithara aber ist it. cetera, cetra, pr. cidra,
citöla, aitfr. citole, mhd. zitole u. s. w. Cithara, non cetera bemerkt ein
grammatiker in besiehung auf die volksübliche form, s. Anal, gramm. p. 443.
Chiudere it., sp. cluir in compos.} cdtpg. chouvir, pr. claure, fr.
clore schließen; von cludere und claudere. Zsgs. pr. esclaure, fr.
£elbre, von ex und claudere; pr. esclure, fr. exclure, von excludere.
Giabatta it., sp. zapata, fr. savate abgenutzter schuh, pr. sabata
überh schuh, und so sp. pg. zapato; it. ciabattiere ff. Schuhmacher.
Nach Sousa vom arab. sabat, dies vom vb. sabata beschuhen, das bei
Freytag II, 275* diese bedeutung nicht hat. Mahn p. 16 findet seine
quelle im baskischen.
Giancia it. geschwäie, possen, vb. cianciare schäkern, possen treiben,
chw. cioncia geplauder, sp. pg. chanza spass; naturausdruck? vgl. aber
auch nhd. zänzeln kosen Frisch II, 464b, mhd. zSnselen, zinselen dass.,
sp. ch&chara gesehwä&ze, ngr. itpitjula gleichbed.
7
y\
98 L CIARLARE-CIFRA.
Giarlare #., sp. pg. charlar, vol. charrar, norm, charer schwatzen;
it. ciarlatano (woher fr. charlatan) Marktschreier, Windbeutel. Seltsam
* leitet es Muratori, Ant. üal. II, 846, von Charles, Charlemagne, einem
namen, den die französischen bänkelsänger in Italien stets im munde ge-
führt hätten. Menage verweist auf lat. circulari (circ'lari) das gewerbe des
marktschreiers treiben; gewiß passend, wäre nur der ausfall des c vor 1 nicht
anstößig. Ciarlare kann auf romanischem boden gewachsen, es kann ein
naturausdruck sein, wenn man nicht vielmehr eine ablautform von zirlare,
sp. chirlar, darin erblicken will, vgl. bask. chirchila = charlatan. Das
mit ciarlatano gleichbed. it. cerretano soll nach einigen von dem städte-
namen Cerreto herrühren.
Giascnno it., altsp. cascun.Bc., pr. cascnn chascun, altfr. chascnn,
auch chescun, neufr. chacun {nicht chäcun), pronomen, von quisque unus,
quisc1 unus, vgl. chaque J7. c; it. auch ciascheduno von quisque et unus
oder quisque ad unum, wie altsp. quiscadauno, s. cadauno. Eine alte
genues. form cascha-un s. Archiv, stör. üal. app. num. 18, p. 20 und öfter.
Ciborio it., so auch pg., fr. ciboire geMuse für die geweihten hostien,
dsgl. pr. cibori, altfr. chiboire, sp. pg. cimborio schirm oder kuppet über
dem altar, ndat. ciborium, mittelgr. ußtügiov; werden aus dem gr. 7ußu>Qiov
fruchtgehäuse einer pflanze, auch becher, hergeleitet, man sehe Ducange
und Menage.
Cica it. kleinigkeit. adj. cigolo, einfacher sp. chico, cot. xic chic
klein, gering, fr. chiche knauserig (vgl. gr. ajuixgög klein, GfiixQivrjg geiz-
hals), fr. chiquet bißchen, chicot splitter, knoten, sp. chicote ende eines
taues, chichota kleinigkeit; vb. fr. chichoter über Kleinigkeiten zanken,
altsp. chicotar Canc. d. JB., wohl auch sp. cicatear knausern. AUe von
ciccnm kleinigkeit, mit palataler ausspräche des c wie im sp. chfcharo,
fr. chiche von cicer. Verwandt scheint alban. tzice ein wenig. Hieher
wahrscheinlich auch fr. chicane, das ursprüngl. krümchen brot bedeutet
haben soll, daher unnütze Spitzfindigkeit, hader um nichts. Wegen des
adj. chico aus dem sbst. ciccum vgl. wal. mic Mein, von lat. mica. —
Bei diesem stamme bot sich herleitung aus dem bask. chiquia * winzig
leicht dar, aber ein so weit verzweigter stamm, gegen dessen latein. Ur-
sprung nichts vorliegt, warum sollte er anderswo gesucht werden? Dem
lat. ciccum non interduim entspricht ja wörtlich das üal. non darei cica.
Aus sp. chico hätte freilich bask. chicoa werden müssen, nicht chiquia,
aber auch aus bask. chiquia nur span. chiquio, nicht chico. Ital. cica
für cicca könnte bedenken machen, stände nicht bereits im latein häufig
genug c neben cc (baca bacca, braca bracca, sucus succus, mucus muccus).
Ciclaton sp., pr. sisclato, altfr. siglaton, singlaton kleidungsstück
unten rund zugeschnitten, dsgl. Stoff, woraus es verfertigt ward; von
cyclas cycladis staatskleid der frauen, woher auch mhd. ziklät (gen.
ziklades), ein mit gold durchwehter Seidenstoff. Nach andern arabischer
herkunft, von Engelmann aber nicht aufgenommen.
Gifra, cifera it. geheimschrift, sp. pg. cifra Zahlzeichen, fr. chiffre
I. CIGALA— CINGHIAKE. 99
mit beiden bedd. ürspr. ein Zahlzeichen ohne absoluten werth, null, im
Brevüoquus cifra 'figura nihüt und so noch wai. cifr^. Von den Arabern
empfieng Europa das indische Zahlensystem, arabisch kann also wohl auch
das wart sein. Hier heißt $afar, gifr (gifron) leer, letzteres als sbst. das
zeichen null, arab. meist durch einen punct ausgedrückt, s. Gol. 1363,
Freyt. 77, 503*. Den namen dieses Zeichens übertrug man nachher auf
die übrigen neun. Genaueres bei Mahn p. 46, Dozy 30.
Cigala it. pr. cot., cigale fr., cigarra sp. heuschrecke; von cicada,
statt dessen wegen der formen mit 1 nicht einmal cicadula angenommen
zu werden braucht, da Übergang des d in 1 kein seltenes ereignis ist Die
span. form chicharra soll wohl den zirpenden laut des thierchens nachahmen.
Cima it., so auch sp. pg. pr., fr. cime gipfd. Von cyma zarte
sprosse, wal. chim$ keim, vgl. oltsp. cima zweig, ursprünglich also der
oberste theil der pflanze, sodann spitze, berggipfel, wie it. vetta diese be-
detdungen einigt. Sanchez, Coleec. II, 492 bemerkt ein mundartlich span.
quima, das gradezu auf gr. xv/ua zurückgeht. Abget. it. cimiero, fr.
cimier, sp. cimera zeichen oder schmuck oben auf dem helme, weil, tzimiriu
kenneeichen, schüd, mhd. zimier, zimierde.
Cimeterio it., sp. cimenterio, fr. cimetiere (m.) kirchhof; von
coemeterium eigenÜ. schlafstätte, xoifirjTtiQtov. Ein andrer ausdruck für
eine begrabnisstatte ist it. carnajo, sp. carnero, pr. carnier, fr. charnier,
ahd. charnare, mhd. gerner beinhaus; von carnarium fleischbehälter.
Cin&bro it., sp. pg. cinabrio, fr. cinabre, pr. aber cynobre ein
mineral, zinnober, von cinnabaris; wal. chinovär vom gr. TuwaßaQig.
Cincel sp., pg. sizel, cot. sisell, fr. ciseau meißel, pl. ciseaux
scheere; vb. ci sei er ff. ausmeißeln. Nach einigen von caesus: wie aber
das diminutiv eines solchen particips (caesillus) die active bedeutung eines
Werkzeuges annehmen konnte, ist schwer begreiflich, abgesehen davon, daß
der meißel ein sclmeidendes, kein hauendes Werkzeug ist. Plautus hat si-
cilicula (von sicilis, daher wal. se&cere?) Ideines Werkzeug zum schneiden,
dies konnte auf roman. weise in sicilicellus, scilceilus abgeändert werden,
woraus die obigen formen. Für scilceilus spricht das schwanken zwischen
dem anlaute c und s, ja selbst das span. n für 1, das man auch in zonzo
aus insulsus wahrnimmt: sonst könnte man eben so wohl secellas, von
secuta sichd, heranziehen. — [Das breton. kizel = ältfr. cisel verträgt
sich, wie Diefenbach einwendet, nicht mit scilcel oder secel, es verlangt
den anlaut c. Hiernach wäre ein besseres etymon cisorium Werkzeug zum
schneiden Veget., altfr. cisoir dass., woraus mit vertauschtem suffix ciseau
entstehen konnte, angebildet dem begriffsverwandten couteau.]
Ginghia it., wal. chinge, pg. cilha, pr. singla, fr. sangle gurt;
vb. cinghiare ff. gürten, umgürten, umfassen; von cingula; dsgl. it.
cinto, cinta, sp. cinto, cinta, cincha, altfr. Qaint, pr. cinta, vom sbst.
cinctus. Eine neue bildung aus dem vb. cingere ist it. cigna, pr. cenha,
altfr. segne, schon in den Cass. glossen cinge nach W. Grimm p. 18.
Cinghiare, cinghiale, cignare, cignale it., pr. senglar, fr. sanglier,
100 I. CIO— CIUFOLO.
wüäer eher, keüer, tnlat. singularis €epur (eher) Voc. S. Oätti. Er hat,
wie Cujacius lehrt, den namen daher, weil er einsam lebt (ausgenommen,
wie Menage anmerkt, in den beiden ersten jähren, wo er träte de com-
pagnie heißt) : auf dieselbe eigenschaß bezieht sich sein griech. beiname
(toviog so wie das sard. sulone, das doch wohl aus solus zu erklären ist.
Ital. cinghiale ist also verderbt aus singhiale wie concistorio aus con-
sistorio. Das span. wort ist jabalf. In den sardischen mundarten findet sieh
außer sulone noch porcabru, eine offenbare Zusammensetzung von porcus
und aper. — [Auch der raubvogel lebt einsam, daher der griech. name
olwvog von olog, wie IAebrecht (Oachet 422*) zu sanglier anmerkt.]
Gib it., pr. aisso und so, altfr. i$o, 50 (geschr. ceo), nfr. ce, pro-
nomen, von ecce hoc; dazu pr. aquo, aco, von eccu' hoc.
Giocciare it. saugen, zutschen; ciötola näpfchen zum trinken,
vgl. Schweiz, zotteli dass., nhd. zaute; sp. chotar saugen, choto zicklein,
comask. ciot kind, ciotin lämmchen, chw. tschutt dass.; champ. tuter an
den fingern saugen (von hindern) und ähnliche Wörter, sämmttich natur-
ausdrjicke.
Ciocco it. Motz, stück holz, attfr. choque, chouquet stamm,, nfr.
choc, sp. choque stoß, ruhst chocar, choquer anstoßen, dtsch. schock,
schocken, vgl. auch it. ciocca büschd mit schock häufe, anzafü. Wie
sich klotz und stoß berühren, zeigt auch toppo.
Gioccolata it., chocolate sp., chocolat fr. ein geträhke; nach span.
etymologen vom mexican. chocollatl, zsgs. aus choco cacao und latl wasser.
Man sehe bei Cabrera und Monlau.
Ciriegia, ciliegia it., sp. cereza, pg. cereja, pr. serisia, fr. cerise,
wal. ciräs$ (cireäse), pr. auch cereira und so cot. cirera Tdrsche; it. ciri-
egio, ciliegio, sp. cerezo, wal. cir££u, pg. cerejeira, fr. cerisier, pr.
serier, cot. cirer, cirerer kirschbaum. Nicht, wie unser kirsche, früher
kirsa, kirse ans c£rasum, cärasus, das beweist schon der roman. accent
der zweiten silbe (vgl. auch veti. cier&a, sie. ciräsa, sard. cerexia, chiri-
£xa, cariäsa cet.), sondern gleich andern baumnamen (faggio, prugno,
quercia) aus einem adjeetiv, ceraseus, daher ital. richtig ciriegia (ie durch
einmrkung des folgenden e = i wie in primiero aus primarius, gi aus
si), sp. cereza, pg. cereja, für cereija. Pr. cereira muß früher cereisa
gelautet haben (s in r geschwächt), daher mit i fr. cerise (fr. i = pr. ei
Born, gramm. I, 412) und so verhält sich auch cot. cirera.
Cisma it., so auch sp., pr. scisma, altfr. cisme Spaltung, zteist;
von schisma.
Cittä it., wal. cetate, sp. ciudad, pr. ciutat, fr. cit£ Stadt, dazu
die nominativform pr. cfu, altfr. cit; von civitas.
Ciüfolo, ztifolo it., sp. chufa, pr. chufla, altfr. chufle, dsgl. sp.
pr. chif la pfeife, auspfeifung, Verspottung; vb. it. zufolare ff. pfeifen,
verspotten; naturausdrücke mit anlehnung an lat. sifilare und sufflare, s.
süfler IL c. G. Gälvani aber vermuthet in züfolo das tuscische subulo
flötenspider, s. Archiv, stör. ital. XIV, 364.
I. CIUKMA-COCCA. 101
Ciurma it., sp. chusma, pg. chusma, churma, chulma, cat. xurma,
fr. chiourme gesammtheit der ruderknechte eines Schiffes. Die arglose
herleitung aus tat. turma findet anstoß in der behandlung des anlautes;
überdies passt dazu nicht einmal das innere des Wortes, dessen ursprüng-
lichste form, da nach gemeiner reget wohl r aus s, nicht umgekehrt s aus
r entspringt, die spanische sein muß, vgl. sp. usma, iL orma, oder pg.
cisne cirne. Zu der span. form gesellt sich noch eine genues. ciusma
(altgenues. geschr. chusma Archiv, stör. num. 18 p. 34). Man muß sich
also nach einem andern Ursprünge umsehen. Wie usma hat das wort
griechisches gepräge, und hier bietet wilücommne auskunft xeksvapa, ce-
leusma, womit das commando des aufsehers der ruderknechte, im roman.
die ganze sohl derselben bezeichnet wird, wie unser commando sowohl den
befiehl wie auch die unter dem befeJd stehende mannschaft bedeutet. Aus
xikevofta ward clensma und endlich chusma wie aus clamare chamar und
dasu stimmt auch die sicü. form chiurma für ciurma, ciusma, während
die ital. sich schon weiter entfernt, d. h. ciurma entstand aus chiurma wie
etwa morcia aus morchia. Derselben herkunft ist doch wohl auch das
ital. vb. ciurmare durch geheimnisvolle worte und winke bezaubern,
eigenÜ. seichen und befehle geben.
Clayicembalo, gravicembalo it., sp. clavecimbano, fr. clavecin
ein Saiteninstrument, das mit tasten gespielt wird, sonst auch clavicordio
genannt; von clavis Schlüssel, im sinne von taste (daher fr. clavier reihe
der tasten) und cymbalum.
Cobalto it. sp. pg., cobalt, cobolt fr. ein miner al; aus dem deutschen
kobalt, welches Frisch I, 171* auf das böhm. kow metaU zurückleitet,
Weigand für eine andre form von kobold (berggeist) erklärt.
Co b rar sp. pg. pr., aUfr. coubrer bekommen, in besitz nehmen,
fassen, ahd. koborön; von recuperare, mit abgeschnittener partikel um die
Vorstellung der Wiederholung zu beseitigen, ein verfahren, dem vielleicht
kein zweites beispid zur Seite steht. Das vollständige verbum erhielt sich
gleichfalls, aber neben der alten gewann es eine neue stark abweichende
bedeutung: it. ricovrare sich flüchten, sich retten, sp. recobrarse, pr. re-
cobrar, dttfr. recouvrer wieder zu sich kommen, sich erholen, sich erkobern;
schon im altern mtatein: rex graviter aegrotavit, quo recuperaute filius
ejus aegrotare coepit Gest. reg. Fr. In dieser bedeutung ist überall das
reflexivpronomen zu supplieren, welches nur der Spanier setzt: sich wieder-
erlangen, sich zurückbekommen, daher wieder zu sich kommen, ital. sich
zurückbegeben. Dieselbe begriffsentwicklung in ressortir (s. sortire 2) so
wie im gr. dvaKopi&o&at 1) zurückbekommen, 2) sich zurückbegeben, sich
retten.
Gocca it., pr. coca (zu schließen aus encocar), fr. coche, engl, cock
kerbe z. b. an der armbrust; vb. it. coccare die sehne einlegen, scoccare
abschnellen, fr. encocher u. s. w. Von dunklem Ursprung. Das altgael.
adj. coca 'hohl' wird man nicht hieher ziehen wollen, eben so wenig mit
Menage cavica von cavus. Armstrong fuhrt ein gad. sgoch mit der be-
102 I. COCCA— CODARDO.
deutung von cocca an, das mit diesem in etymologischem zusammenhange
stehen dürfte.
Cocca it., sp. coca, dltfr. coque, nfr. coche (f.) kleines fahr zeug.
Papias bietet caudica lnavicula\ aber nicht einmal in der form codica
wäre es dem it. cocca angemessen. Es ist von concha muschelschale, ge-
faß (it. auch conca, sp. cuenca, concha), vgl. wegen der form it. cocchiglia
von conchylium, wegen des begriff es dltfr. coquet schiff und gefäfi (letztere
bed. bei Ducange). Das wort ist eben sowohl in den germanischen und
ceitischen sprachen vorhanden, z. b. ahd. koccho, ndl. kog, kymr. cwch
(m.), bret. koked. Es tritt aber noch in andern bedeutungen aufy die
sich gleichfalls an concha knüpfen: sp. coca muschelschale, nußschale,
hirnschcde oder köpf für letztere bedeutung sard. conca (vgl. lat. testa
und gr. xoyxrj), fr. coqne eier- und nußschale. Abgd. sp. cogote, pr.
cogot hinterkopf; fr. cocon gehäuse der Seidenraupe, wofür auch coque.
Aus dem adj. conchens it. coccio scherbe, coccia kopf7 sp. cnezo, cueza
kubel.
Gocchio it. wagen fürpersonen, kutsche, Streitwagen der alten und
dgl.; für coclo von cocca fahr zeug (diminutiva nehmen häufig männliche
form an). Wie nun aus ital. nicchia fr. niche und hieraus sp. nicho,
so konnte aus cocchio das entsprechende fr. coche, und aus diesem das
sp. coche nebst unserm kutsche (schon tbei Keisersberg f 1510 gutsche)
so wie das ndl. koets (vgl. rots aus röche) entstehn. Weil sich das wort
auch in den westlichen Slavenlanden findet, wie bohm. kotgeh cet., so hält
man es} ohne es in diesen sprachen etymologisch zu begründen, für slavisch.
Sonst galt es für das ungar. kotsi, woher wal. cocie gekommen sein kann.
Schon Avüa (1653) sagt von Karl V. se puso k dormir en nn carro
cnbierto, al quäl en Hungria llaman coche, el nombre y la invencion
es de aquella tierra (nach Cabrera I, 66). Sicher ist: it. cocchio läßt
sich nur aus den eignen mittein dieser spräche und nicht aus dem slavi-
schen erklären, fr. coche kann ohne slavischen beistand aus dem ital. er-
klärt werden.
Cocciniglia it., sp. cochinilla, fr. Cochenille ein mexicanisches
insect, das eine scharlachfarbe gibt; vom lat. coccinus scharlachfarbig.
Cochiglia iL, coquille fr. muschel; von conchylium, die form con-
quilium in einem alten glossar, Mone's Anzeiger VII, 138b. Dem Spanier
genügt concha.
Coda it., pr. ooa, fr. queue, sp.pg. cola für coda (wie esquela/wr
esqueda = scheda u. a.), dUsp. coa schwänz ; von cauda. Daher z. b.
it. codione, codrione bürzelder vögel, altsp. codilla steiß, kreuz,
wohl auch codaste hintersteven am schiffe; vb. it. scodare, fr. £couer
den schwänz abstutzen.
Codardo it., tsp. pg. cobarde, altsp. cobardo (aus co-ardo für co-
dardo, wie juvicio aus ju-icio), pr. coart, fr. couard feige, memmenhaft;
vb. altsp. co bar dar, dltfr. couarder. Zwei etymologien kommen in er-
wägung, welche beide schon Nicot kennt. Von cauda im eigentlichen sinne,
I. COFANO— COLCAEE. 103
weil der hund und ihm verwandte ihiere aus furcht den schwane ein-
stehen, s. Eckhardt zur L. Sah und Grimm, Reinh. p. XLI und CCXXXV.
Van cauda im abgeleiteten sinne, wonach es den hintern theil eines dinges,
schleppe, nachtrab u. dgl. bedeutet: codardo ist einer der sich hinten hält,
sich nicht hervorwagt. Die erstere deutung ist ansprechender, weil sie aus
einer naturanschauung genommen ist, allein sie legt etwas in das wort,
das sich, streng genommen, mit seinem Suffixe nicht verträgt, indem co-
dardo nur geschwänzt oder schwänzelnd heißen könnte: sie weicht also in
einen zu specialen sinn aus. Die dichter der thierfabel wenigstens müssen
diese anschauung nicht getheilt haben, da sie grade dem hosen diesen
namen beilegten. — [Nach Mahn p. 76 wäre die eigentliche bedeutung
* kurzgeschwänzt' und käme dem hosen mit vollem rechte zu. Dagegen
wird der löwe, der den schwänz eingezogen trägt, in der heraldik Hon
couard genannt, s. Gachet 102b, was der ersteren auslegung zu statten
kommt.]
Cöfano it., sp. pr. cofre, fr. coffre kiste, sp. cuebano großer korb,
sp. pr. cofin, fr. coffin korbchen; von cophinus. Verkürzt sp. cofe, it.
coffa mastkorb.
Cogliere it.} sp. coger, pg. colher, pr. culhir, fr. cueillir, wal.
cule&ge sammeln, lesen, pflücken; von colligere. Eine zss. ist sp. esco-
ger ff. auswählen; sbst. altpg. escol SRos. suppl. auswahl, ausbund, pr.
escolh ort und weise, gattung. (escolhz 'color GProv. 64a).
Coglione it., mundartlich cojon, sp. cojon, pr. fr. coillon testiculus;
von coleus dass., pr. altfr. coil, wal. coiu. Itcd. coglione auch für memme,
schuft gebraucht, daher sp. collon, fr. coyon.
Cognato it., sp. cufiado, pr. cnnhat, wal. cumnat Schwager, fem.
eognata ff.; von cognatus blutsverwandt, mlat. in roman. bedeutung bei
Jok de Janua. Dafür fr. beau-fr&re II. c.
Coitar, cochar altsp. pg. pr., altfr. coiter antreiben, drängen;
übst, altsp. pr. coita u. s. w. bedrängnis; adj. coitoso bedrängt, ange-
trieben, eilfertig. Das verbum erklärt sich aus dem unlat. frequentativ
coctare, welchem die in dem primitiv coquere schon enthaltene bed. äng-
stigen zugewandt ward. Bewiesen wird dieser Ursprung durch das sp.
cöchar, dem in der (hat neben der eben bemerkten noch die eigentliche
bedeutung von coquere zusteht: cochado = cocido FJ., so wie durch das
citpg. coito = tat. coctus, s. S. Rosa. — [Gachet 94" denkt bei coitar
lieber an qnatere und quassare, weil der eigentlich sinn (z. b. einpferd
antreiben) dem figürlichen (quälen) vorgehen müsse, bleibt aber die buch-
stäbliche nachweisung schuldig.]
Coitare aUit., sp. pg. pr. cnidar, altfr. cnidier denken, sorgen; von
cogitare. Sbst. dttit. coto, altsp. cuida, pg. cnido, pr. cuit, cuida, altfr.
cnide; sp. pg. cuidado sorge. Zsgs. it. tracotanza,/>. outrecuidance
vermessenheü, gleichsam nltracogitantia.
Cola it., sp. acullä, pg. acolä, wal. coleä, ortsadverb, rott-eccu' illac.
Colcare, corcare, coricare it., wal. culcä, pr. colgar, fr. coucher
104 I. COLLA— COMBO.
niederlegen, zu bette legen, sp. pg. colgar aufhängen, behängen (entbin-
den an namenstagen), cot. bedecken z. b. pflanzen mit erde, reiben einsenken
(wie auch it. coricare); sbst. pr. colga, fr. couche lager; von collocare
setzen, legen, hinstrecken, in hss. der L. Sah culcare.
Co IIa it., sp. cola, fr. colle leim; vom gr. xoXXa dass.
Colmo it. sp., fr. comble häufe, Übermaß, gipfel, als adj. übervoll;
vb. colmare u. s. f. aufhäufen, überfüllen; zsgs. sp. cogolmar gleichbed.
für cocolmar (durch dissimilation, wie in cogombro, cogullo). Das Sub-
stantiv entspricht in seiner bedeutung theils dem lat. cumulus gehäuftes
maß, theils dem lat. culmen; in seiner form mehr dem letzteren, wenigstens
ist ein it. colmo aus cumulus kaum anzunehmen und die gleich gestalteten
Wörter churw- culm berg, culmen gebirge, wal. culme gipfel, vielleicht
auch bair. kulm weisen auf culmen wie pg. colmo stroh auf culmus. Zu
ungetrübter darstellung gelangte culmen im sp. cumbre für culmbre,
pg. cume gipfel, so wie cumulus im pg. cömoro, combro erdhaufe
(nüat. combrus), pr. cömol (als adj. = it. colmo) ; mit letzterem ist zsgs.
pr. fr. encombre, it. ingombro hindernis, encombrar, encombrer, in-
gombrare hindern; dsgl. fr. döcombres schutt; it. sgombrare weg-
räumen u. a. Nhd. kummer schutthaufe und gram, nihd. kumber, aus
dem romanischen.
Colpo it., altsp. colpe Bc., nsp. pg. golpe, pr. colp, fr. coup hieb,
schlag; vb. it. col-pire* schlagen, altsp. colpar, fr. couper abschlagen,
abschneiden. Die herleitung aus dem ndl. klop, kloppen, ist abzulehnen,
da die roman. spräche den arilaut kl eher herbeiführen als zerstören würde.
Leitet man es etwa vom ahd. kolpo, kolbo, nhd. kolben (vgl. pr. colbe
für colp) oder vom kymr. colp, womit Werkzeuge zum stechen oder hauen
bezeichnet werden, so entfernt man sich nicht zu weit vom begriffe, aber
näher liegt doch das lat. colaphus faustschlag, das auch keine formelle
Schwierigkeit bietet, da ph (f) leicht in p übertritt (it. Giuseppe, zam-
pogna, sp. soplar, pr. solpre) und mehrmals, z. b. in, der L. Sal. tu. 40
und in alten glossaren wie dem Keronischen, die form colapus, anderswo,
z. b. in hss. der L. Alam., colopus wirklich vorkommt. Ein älter gram-
matiker warnt schon vor der Verwechselung des ph mit p: stropha, non
stropa; amphora non ampora s. Anal, gramm. p. 446. 446.
Cöltrice it. (für colcitre), altsp. colcedra, pr. cousser, cosser
federbett, Unterbett, von culcitra dass.; dsgl. it. coltra, coltre (f.), altfr.
cotre, vom syncopierten culctra; endlich sp. pg. colcha, von culcta für
culcita, worauf auch fr. coite, couette, altfr. coute, keute, quieute (für
colte u. s. w.), pr. cota (für colta, vgl. mot für molt) zurückgeführt wer-
den dürfen; dem gr. xoirrj bleiben keine ansprüche. Ein dimin. von cul-
cita, gleichsam culcitinum culgtinum, ist it. cuscino, sp. coxin, /r.cous-
sin kleines polster, daher unser küssen, ahd. chussln.
Combo sp., comb pr. gekrümmt; sbst. sp. comba krümmung, pr.
comba, altfr. combe tiefes thal, schluckt (s. zu Garin I, 96), üal. in
Ortsnamen wie Alta-comba, Comba-longa so wie impiem. conba, im com.
I. COME— COMINCIAKE. 105
gomba, ja, wie man behauptet, im Ortsnamen Como (P. Monti, Vocab.
p. XXVIII) •, pr. auch combel; vb. sp. com bar krümmen, wohl auch gen.
ingumb&se sich krümmen; dem Portugiesen fehlt das wort. Sein alter
kann eine Urkunde v. j. 631 bezeugen, worin der geographische name
Cnmba vorkommt, Breq. 136b; auch in gumba 'cuneus, cripa (cripta)
Gl. Isid. will man cumba wiedererkennen. Ducange und andre erblicken
darin die mlat. form cnmba für cymba kahn, gr. wußt], wegen der
ähnlichen gestalt, andre das kymr. cwm (m.) tiefes thal; allein bei erster em
ist die begriffsubertragung unstatthaft, bei letzterem bleibt das zugetretene
b anstößig (bret. komb kann aus dem franz. herrühren), auch fehlt das
adj. dem Gelten ganz. Konnte combo nicht aus concavus, combar nicht
aus concavare entstehen, welche die bedd. hohl und gekrümmt, höhlen und
krümmen in sich fassen? Dactylisch abfallende Wörter zog die Volkssprache
häufig zusammen; daß sich aber in conc'vus c nicht behaupten konnte,
versteht sich; daß nv mit mv oder mb vertauscht ward, kann nicht be-
fremden, hat doch der Italiener imboto aus invoto (Veneroni), der Spanier
ambido8 aus invitus, comboi aus convoi, der Provenzäle amban aus
anvan, der Franzose embler aus involare geformt. Auch für das sbst.
comba bietet sich ein unmittelbares etymon in dem plural concava hohle
örter, wie sich oft roman. feminina aus dem plural lateinischer neutra
festsetzen. Das mlatein braucht letzteres wort häufig und ganz im sinne
von comba: concava vallis Venant. Fort. 10, 19, vallium concava Esp.
sagr. XI, 90 (9. jh.), per concava montium HLang. J, col. 31, gr. ra
xotXa. — fCombe, cumba ist bis jetzt zweifelhaften Ursprungs; das an-
gebliche ags. comb darf kaum angeführt werden Diefenbach in Kuhns
und Schleichers Beiträgen I, 260. Man nehme den obigen versuch für
einen ersten schritt zur aufJdärung des Wortes, der überall aufconstruction
aus lat. dement gerichtet sein muß. Erwägungen andrer art können frei-
lich mit recht über solche berechnungen hinausgehn.]
Come it. altpg. (Trovas), sp. pg. altit. (noch bei G. Cavalcanti)
como, steil, comn, altsp. altpg. pr. ältfr. com, cum, letztere form auch
wal., nfr. comme, auch prov. zuweilen coma, eine partikel ; von quomodo,
wofür BiondeUi ein lomb. comod anmerkt. Zsgs. mit dem adverbialen
mentepr. comen, fr. comment, sard. comenti; eine andre zss.pr. cossi,
noch jetzt coussi, von quomodo sie. Für com brauchte der Provenzäle
auch co, entweder durch weitere abkürzung oder unmittelbar aus quo für
quo modo, s. Oudendorps register zum Aptdejus.
Cominciare it., sp. pr. comenzar, pg. comegar, fr. commencer an-
fangen; zsgs. aus com und initiare, mail. inzi. Vielleicht steigt dieses
cominitiare noch in römische zeit hinauf, da sich der Romane der müßigen
oder nur verstärkenden composition mit cum, wie im lat. comedere, con-
fringere, fast durchaus enthielt. Altspan, sagte man mit eingeschobenem
p compenzar PC. 2594, auch compezar, und dieselbe einschiebung zeigt
das noch gebräuchliche aus in-initiare zsgs. sp.pg. empezar, vgl. sard.
incumbenzaL Diese einschaltung der labidltenuis in empezar ist allerdings
106 I. COMPAGNO-CONCERTARE.
etwas unübliches, allein man ist zu dieser deutung, im hinblick auf das
zur seife gehende compenzar, besser berechtigt als zur annähme eines
darin enthaltenen aus pieza gebildeten verbums mit der bed. anschneiden,
demnächst anfangen, wie im fr. entamer (s. IL c), da ein solches verbum
zerstächen, nicht anschneiden, bedeutet haben würde. Der Walache besitzt
dafür das achtere incepe von incipere, auch chw. antschtiver, der Pro-
venzale besaß auch enquar von inchoare.
Compagno it., sp. compaöo, pr. altfr. compaing geführte; daher
compagnia u. a. dbll.; vb. compagnare, accompagnare ff. begleiten.
Es ist das nüat. companium geseüschaft L. 8dl., zsgs. aus com und panis
nach dem muster des ahd. gi-mazo oder gi-leip brotgenosse (ahd. gi =
lat. cum). Aus compaganus landsmann (s. Grut. Inscr. 209, 1, v. j.
946 V. C.) würde sich compagno nur durch accentverschiebung (compa-
ganus) deuten lassen, die aber bei einem so üblichen suffixe nicht voraus-
zusetzen ist. Eher dürfte an compaginare (zusammenfügen) gedacht wer-
den, allein das prov. und cot. companatge, womit jedes gericht bezeichnet
wird, wozu man brot ißt, gibt den ausschlag: com-pan-aticum floß eben
sowohl aus panis wie com-pan-inm. Das älteste zeugnis des rom. Wortes
begegnet in den Vatic. glossen ed. W. Grimm: ubi (h)abuisti mansionem
(h)ac nocte, conpagn?
Compasso it. pg., compas sp. pr. fr. zirkel als Instrument; vb.
it. compas sare ff. abzirkeln, altfr. auch bauen, künstlich bilden, z. b.
nn chastel Rou I, p. 20, une esp^e GVian. 2694, qne [dieus] chiel et
terre fist et tout a compasso DMce. p. 206. Dies wort berührt sich mit
einem celtischen: kymr. cwmp kreiß, davon das glbd. cwmpas; aus kreiß
wäre dann das ihn beschreibende Werkzeug geworden wie im deutschen
zirkel. S. Diefenbach, Celt. I, 112. Indessen läßt es sich ohne zwang
der lat. spräche zuweisen, geht man nur auf die älteste bedeutung zurück.
Prov. und altfr. ist compas gleicher schritt, mitschritt, von com-passus,
z. b. eil ä cheval e eil ä pte . . tindrent lor eire e lor compas . . ke
Tun l'altre ne trespassont die zu ross und die zu fuß hielten ihren marsch
und ihren gleichen schritt, so daß keiner dem andern zuvorkam, s. Lex.
rom. Daher bedeutet es eben sowohl, wie auch im span., tact, versmaß,
"* überhaupt maß und das Werkzeug zum messen. Gompassar gleichen schritt
halten bildet den gegensatz zu traspassar überschreiten, wie in der ange-
führten stelle. Die bed. nautisches Instrument hat sie/* später eingefunden.
Concertare it., sp. concertar, fr. concerter verabreden, anordnen;
concerto, concierto, concert Verabredung, verabredete sache; von con-
certare zusammen streiten. Zusammen verabreden und zusammen streiten
liegen sich nahe genug: mlat. placitare heißt eben sowohl streit führen
tüie vertrage schließen; in beiden fällen ist der mittelbegriff worte wechseln.
Span, concertar heißt auch ausbessern, etwas zerbrochenes wieder herstellen,
nach Cabrera von consertare für conserere, was möglich ist. Unter tsoncerto
di musica kann man ursprünglich nur eine Verabredung oder anordnung
zum zwecke der musik verstanden haben; an concentus ist nicht zu denken.
I. CONDORE-CONVEGNO. 107
Condome &, sp. condor, fr, condor ein südamericanischer raubvogel,
vtdtur gryphus; das wort aus der heimath des thieres.
Confortare it., sp. conhortar, pr. conortar (vgl. den ausfall des f
in preon van profundus), fr. conf orter stärken; vom spätem lat. con-
fortare.
Coniglio it., sp. conejo, pg. coelho, pr. altfr. connil, mit ver-
tauschtem sfiffix fr. eonnin, connine (jettt l&pin) kaninchen ; von cuniculus.
Vb. fr. coniller ausfluchte suchen (den kaninchen ähnlich, die sich in
ihre gange zurückziehn).
Gonocchia it., fr. quenouille Spinnrocken; im altern mlatein
e. b. L. Ripuar. conucula für colucula vom lat. colus (f.), ahd. kuncla,
nhd. kunkel.
Contare it., sp. contar, pr. comtar rechnen, erzählen, fr. compter
in jener, conter in dieser bedeutung; von computare berechnen, ebenso
ahd. zeljan numerare, enarrare. Sbst. it. cömputo, conto, sp. cuento,
cuenta, pr. compte, comte, conte, fr. compte? conte, lat. computus bei
Firm. Maternus.
Conte it., sp. pg. conde, pr. coms, altfr. quens, accus, in beiden
sprachen und nfr. comte graf; von comes, begleiter des fürsten, demnächst
hoher beamtet, richtet eines größeren bezirks. Daher it. contado ff.
grafschaft, landschaft, contadino landmann.
Contestabile, connestabile it., sp. condestable, fr. connätable in
erster bedeutung oberstaUmeister ; von comes stabuli.
Conto it., cointe altfr. kundig (vgl. Alexs. 43 dunt il ja bien fut
cointe), demnächst altfr. so wie pr. cointe, coinde, zierlich, anmuthig;
muß in cognitus seinen Ursprung haben mit der grundbed. bekannt, ver-
traut, angenehm, wie mhd. maere bekannt und lieb heißt. Dalier vb. pr.
coindar eu erkennen geben, altfr. cointer und cointoier unterrichten,
schmücken, zsgs. pr. a coindar, fr. accointer bekannt machen, engl.
acquaint, mied, adeognitare ; s'aeeointer ä qqun sich mit einem befreunden,
it. aecontarsi sich besprechen; pr. aeoindansa, altfr. aeeointance Ver-
traulichkeit. Dazu kommt pereoinder kund thun (*percognitare) Pass.
de J. C. 29. In einem glossar des 12. jh. liest man cogniter vel cognite
'benigne, humane Class. auet. VIII, 155h. Vgl. conciare II. a.
Contrata aitit., jetzt mit d contrada, pr. dass., fr. contrfe gegend;
eigenÜ. das entgegenliegende, vom adv. contra mit dem suffix ata, das
sich sonst nicht an Partikeln fügt, vielleicht eine nachahmung des deutschen
gegend, mhd. gegenöte. Indessen sagt man prov. in diesem sinne auch
eneontrada von encontrar begegnen, woraus contrada recht wohl abgekürzt
sein könnte. Diese form mit en beseitigt zugleich die von mehreren vor-
gebrachte herleitung aus conterrata, s. bei Ducange.
Convegno it., sp. convenio, cot. conveni, pr. fehlt, altfr. convin,
convine, convigne (m.) Übereinkunft, fr. auch vorhaben, treiben, benehmen,
daher attengl. covin, covine einverständnis, kabale; dazu fem. it. con-
vegna, pr. covina GAlb. 1060, mtat. convenia v. j. 679. * Die mascutina
108 I. CONVITARE— CORDOVANO.
drücken das vom Romanen wenig angewandte sufßx ium (conviv-ium) aus, die
fetninina sind daraus mo viert. Daß convenire zu gründe liegt, versteht sieh.
Convitare it., sp. pg. pr. convidar, fr. convier einladen; daher
sbst. it. convito, sp. pg. convite, pr. convit, ältfr. convi einladung,
gastmahl; von invitare mit vertauschter präposition unter einwirhung von
convivium.
Goppa it., sp. pg. pr. copa, fr. coupe, wal. cofe becher, masc. U.
coppo, pg. copo trinkgefäß, pr. cob-8, *testa capitis3 GProv. 53u; von
cuppa, nebenform von cüpa faß, s. Schneider, Lot. gramm. I, 426; ndat.
gleichfalls cuppa, aber mit roman. bedeutung. Der lateinischen blieben
die formen mit u getreu, sp. pg.pr. cuba, fr. cuve, ahd. kuba (wal. cupe
maß). AbU. sind pr. cubel Jcübd; sp. cubilete, pr. fr. gobelet becher,
ndat. gubellus u. a. m.;t auch it. cupola, woher sp. ctipula, fr. coupole
halbkugelförmiges dach, kuppd, franz. auch schlechtweg coupe, von der
gestcdt einer umgestürzten schale so genannt. Dieselbe anschauung im
altfr. cope, pic. coupet, couplet berggipfd, gipfel überhaupt, kymr. cop
und copa, ndl. kop, nhd. köpf und kuppe (wie ahd. stouf becher und
felsgipfel); dbgel. nfr. coupeau, sp. pg. copete, letzteres nebst copo auch
büschd, vgl. unten toppo.
Gopparosa it., sp. pg. caparrosa, fr. couperose vitriol; von cupri
rosa s. v. a. gr. xaXxav&nv kupferblume.
Coppia it., couple fr. das paar, von copula; so auch aUit. cöb-
bola, pr. cobla, fr. couplet Verknüpfung von versen d. i. Strophe. Zsgs.
it. scoppiare ein paar trennen, verschieden, von scoppiare plateen,
s. schioppo II. a.
Coraggio it., sp. corage, fr. couräge herzhaftigkeit, muth, in älterer
spräche gemüthe; vom lat. cor cordis ohne einmischung des radiccden d,
wie dies auch in andern abll. aus diesem worte der faU ist.
Corazza it., sp. coraza, pr. coirassa, fr. cuirasse panzer; von
corium, gleichsam coriacea lederwerk.
Corbacho sp., cravache fr., dtsch. karbatsche, name der nubischen
aus rhinoceroshaut geschnittenen geissei, türk. kyrbätsch, russ. korbatech
u. s. w., vgl. Schmäler II, 326, J. v. Hammer num. 329, Weigand 1, 663.
Corbeta sp., corveta pg., corvette fr. kleineres kriegsschiff zwischen
fregatte und brick; von corblta lastschiff, mit romanisierter endung.
Cordoglio it., sp. cordojo, pr. cordolh, chw. cordoli herzdeid;
von cordolium, nur bei Plautus und später wieder bei Aptdejus. Mit
dolium trifft auch fr. deuil, it. doglia zusammen.
Cordovano it., sp. cordoban, pr. cordoan, fr. cordouan eine sonst
von den Mauren in Spanien zubereitete sorte ziegenieder; nach Gordoba
benannt, woher es bezogen ward. Der frühere name, zu Ludwigs des
frommen und Karls des kahlen zeit, war cordovesus, cordebisus nach lat.
eordubensis, sp. cordobes; das arab. kortob an i, d. h. von Cordova, aber
verdrängte die einheimische ableitungsform. Daher it. cordovaniere,
fr. cordonnier, alt cordoanier, Schuhmacher.
I. COREGGIA-COSA. 109
Goreggia it., sp. pg. correa, pr. correja, fr. courroie, wal. cureä
riemen; von corrigia. Daher auch it. scoreggia peitsche.
Cornamu8a it. sp. pg.pr., cornemuse fr. sackpfeife sott awscornu
Musae zusammengesetzt sein. Prov. corna, altfr. corne heifit hörn als
tongeräthe, musa, altfr. muse, pfeife, flöte, aber die compositum ist für
die sache nicht bezeichnend.
Cornia und corniolo it., sp. cornizola, pg. cornisolo, fr. cornouille,
wal. coarne kornelhirsche; ü. cornio und corniolo, 5p. cornizo und cor*
nejo, pg. corniso, fr. cornouiller, wal. com kornelbaum; von cornum,
corous, zum theü aber vom adj. corneus, corneolus (vgl. über baumnamen
aus adjectiven ciriegio) oder vom sbst. corniculum (cornejo), cornuculum
(cornouille).
Cor nie e it., sp. cornisa, fr. corniche, wallon. coroniss, nhd. carnies
kranzleiste am hauptgesimse, die figur eines S bildend; von coronig
(xoQwvig) verschlungenes zeichen, im roman. verwechselt mit cornix, wie
auch gr. xoqiovtj krümmung, kränz und krähe bedeutet.
Corniola it., sp. cornerina, pg. pr. cornelina, fr. cornaline ein
stein, cameöl; von cornn, weil seine färbe der des (aus hörn gebildeten)
nageis am finget gleicht, darum auch gr. owg genannt.
Corruccio it., sp. fehlt, pr. corrotz, fr. eourroux ärger, zorn; für
collernooio u. s. w. van cholera gaUe, gaüensucht. Davon it. corruc-
ciare, crucciare, pr. corrossar, fr. courroucer erzürnen. Altfr. corine
groll, gleichsam cholerina.
Corsare, corsale it., sp. corsario, cosario, pr. corsari, fr. corsaire
Seeräuber; von cursus, woher auch sp. corsa äusfiug zur see.
Corte it. sp. pg., pr. cort, fr. cour, wal. carte hof; bekanntlich von
ehore chortis Viehhof, vgl. Schneider I, 188. Ableitungen, die sich der
roman. bed. fürstlicher hof anschließen, sind z.b. it. cortese, sp. cortes,
fr. courtois höflich, gleichsam cortensis; hieraus sp. cortesano> fr. cour-
tisan, it. cortigiano höfling, schon im frühen nUatein cortisanus (wie it.
Parmigiano aus Parmensis); vb. it. cort egg iare, sp. cortejar und
cortezar, fr. courtiger den hof machen ; sbst. it. corteggio gefolge, daher
fr. cortöge.
Corteccia it., sp. corteza, pg. cortina schale, rinde, kruste, vom
adj. corticeus aus cortex; vb. it. scorticare und so pr. escorgar (in
der neuen spräche noch escourtegi), fr. 6corcher, sp. pg. escorchar die
rinde oder haut abziehen, in der L. Sal. exeorticare, von cortex.
Cortina it. sp. pr., courtine fr., cortine wal. bettvorhang, schon
bei Isidorus vorkommend : cortinae sunt aulaea. Es weist auf chors Um-
zäunung, wie aulaeum auf aula. Mlatein. bedeutet es höfchen, mauer
zwischen bastionen, Vorhang um den (Mar, überhaupt etwas schützendes,
und ist im gründe mit dem classischen cortina rundung, kreifi identisch.
Corvetta it., sp. corveta, fr. courbette mittlerer sprung des pferdes;
eigenU. krummer sprung, von curvus.
Cosa it. sp. pg. pr., chose fr. sache, ding; vom lat. causa Ursache,
110 L COSCIA— COSTUMA.
das bereits in der L. Sal., bei Gregor v. Tours u. a. diese bedeutung
zeigt, recht handgreiflich im Capitulare de villis: non porcellum, non
agnellum nee aliam causam. Der Wälache wählte dafür lucru von
lucrum, dessen erste bedeutung arbeit oder werk ist. Für den ursprüng-
lichen begriff blieb die ursprüngliche form, it. sp. causa, pg. cousa,
fr. cause, wal. cause, nur pr. causa vertritt auch den neueren sinn.
Dieselbe begriffsentwicklung zeigt unser sache so wie das ngr. nQay/na,
beide sonst für Ursache gültig. Vom vb. causari ist it. cusare behaupten,
pr. chausar, altfr. choser zanken; nfr. causer plaudern, welches weder
zu cause nooh zu chose passt, dankt seine form vielleicht unserm kosen,
ahd. chösön, das aber selbst aus causäri herstammt.
Coscia it., sp. fehlt, pg. coxa, pr. cueissa, fr. cuisse, wal. coapse
oberer Schenkel, bein zwischen knie und hüfte; von coxa hüfte, mit abge-
änderter bedeutung, entsprechend gr. juyQiov hüfte, neugr. /AfjQi schenket.
Adj. sp. coxo, cat. cox hinkend, ein altes wort: catax Lclaudus, cooeus
Gl. Isid., vgl. catax dicitur, quem nunc coxonem vocant Non. MarceUus.
Daher sp. quixote, vol. cuixot beinharnisch, fr. cuissot Schlägel des
wildprets.
Gosi it., entsprechend altsp. ansi, altfr. ainsinc (noch bürg, ansin,
pic. ensin), auch issi z. b. HBord., DMce., nfr. ainsi, nsp. asf, pg. assim,
pr. aissi (nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden ortsadv.), wal.
asä, adverbium der vergleichung. Diese verschiedenen in ihrem ersten
theile ziemlich unähnlichen formen mögen doch von derselben Zusammen-
setzung sein. An eceum zu denken leidet der begriff nicht, besser fügt
sich aeque, woraus der Italiener, der den vocalanlaut leicht abstößt und
qu wie cu ausspricht, cu und so cusi, cosi machen konnte, sie. aecussi.
Der Spanier stellt auslautendes c wohl als n dar (aun von adhuc, nin
von nee, sin von sie) und so konnte aus aeque d. i. ec bei dem bekannten
übertritt des anlautenden e in a die form an, daher ansf, durch Unter-
drückung des n asi entstehen. Merkwürdig ist, daß die handschrift des
prov. Boethius v. 146 aesi für aissi setzt, das in der that auf aeque sie deuten
könnte, ihm schließt sich das romagn. acs&, dsgl. iesi aus der mundart
von Brescia {Ferrari v. insi) so wie das lomb. insci für cosi an. Frän-
kische Urkunden brauchen oft ac si, aber als conjunetion für lat. licet. —
Von derselben Zusammensetzung sind die gleich unten zu nennenden cotale
und cotanto. Andrer natur aber ist das ital. präfix co in colui, costui,
cotestui: mundarten scheiden beiderlei präßxe auch durch die form, die
römische z. b. spricht quelui, questui, nicht aber quesi, quetale, quetanto.
Costa it. pg. pr., cuesta sp., cöte fr. rippe, seite, auch käste; von
costa rippe. Daher it. costato, sp. costado, fr. cot6 seite; it. cös-
tola rippe, costolina, fr. cötelette rippchen; it. costerella kleiner hügd,
fr. coteau für coteau abJiang eines berges; vb. iL accoBtare, sp. pr.
acostar, fr. aecoster nähern, eig. zur seite stellen, vgl. die prov. präpos.
costa, altfr. encoste juxta.
Costuma it. pr., sp. costumbre, fr. coutume (alle fem.), it. pg.
I. COTALE— COTTA. 111
co8tnme, pr. cot. costum, fr. costume (edle tnasc, das cot. wort auch
fem.) gewohnhett, sitte. Schlechtweg aus consuetudin, zsgz. costudn, läßt
es sich nicht construieren, da ein gemeinrotn. Übergang des inlautenden
n in m ein ganz vereinzeltes ereignis wäre. Vielmehr ward dem lat.
worte bei der Schwierigkeit, sein suffix udin zu behandeln, das sufßx
amen angepasst, womit die roman. spräche eigenschaften bezeichnet (it.
asprume, pg. ciume, pr. frescum): dasselbe widerfuhr auch andern Sub-
stantiven jener ableitung, wie mansuetudo, sp. mansedumbre, pg. manse-
dume, und noch auf andre art suchte man dem suffix udin auszuweichen,
pg. mansidäo, pr. mansueza, it. testuggine, s. Rom. gramm. II, 340.
So ist also die männliche form costume die ursprünglichere, die weibliche
fehlt sogar dem Portugiesen ganz, doch ist sie alt, da man in einer Ur-
kunde v. j. 705 bereits coustuma findet, s. Garpentier.
Gotale it., wal. cutare, pronomen, von aeqne talis? Dahin auch
sp. atal, entsprechend pr. aital, dUfr. aintel, itel, norm, entel, itäl. bei
einem alten pisan. dichter aitale PPS. I, 467. S. oben cosi. Die capi-
ttdarien Karls d. kahlen brauchen häufig hie talis; sollte es eine nach-
büdung des altfr. itel sein, früher gesprochen ictel?
Cotanto ital. pronomen, von aeqne tantns? Desselben Ursprunges
scheint aitsp. atanto, pr. aitant, altfr. itant. Man sehe oben cosi.
Cotenna, codenna it., pr. codena, fr. couenne schwarte, sp. co-
dena dichtigkeit des tuches. Nahe liegt allerdings cutis, aber ein suffix
enna fehlt; nur wenn man couenne für couaine und dieses für ein altfr.
codaine nimmt, woraus erst codena gebildet worden, läßt sich das wort
deuten, nämlich aus cutaneus. Port, cödea rinde könnte imnüat. cutica
seinen grund haben, wovon auch it. cotica (parm. codga, ven. co6ga,
gen. qula) und cuticagna.
Cotogna it., pr. codoing, fr. coing, wal. gutuie quitte; von cydo-
nia, Avdwviov, bei den feldmessern cotoneum, cotonium, mlat. cottanum
Hoffm. Sumerlaten, nach der Stadt Cydon auf Greta benannt; ahd. kutina,
mhd. küten, quiten ebendaher.
Co tone iL, fr. coton, sp. algodon baumwolle (daher unser kattun);
vom aräb. qo'ton al-qocton Gol. 1093, Freyt. III, 46 9b. Sp. algodon
und alcoton heißen auch watie, davon pr. alcoto, altfr. auqueton, nfr.
hoqueton (h asp.), mndl. acottoen gestepptes wamms (man zog es über die
chemise Sax. I7 p. 229); nach Perizonius vom gr. 6 %iTii>v, ganz un-
statthaft.
Gotta it., sp. pg. pr. cota, altfr. cote langes oberkleid, neufr. cotte
Unterrock, cotte de maille panzerhemd, masc. pr. cot = cota; mlat.
cotta, cottus (9. jh.); abgel. fr. cotillon, cotteron u. a.; zsgs. pr.
fr. surcot, im Vocabularius optimus 13, 67 surcotus csurcof, letzteres
als deutsches wort hingestellt. Die gewöhnliche herleitung ist aus engl.
cot = ags. cote hütte, und wir wissen aus mehr als einem beispiel, daß
man die worter für hütte oder haus auch auf Meidungsstücke übertrug;
oder auch am dem deutschen kotze, ahd. chozzo (m.) grober wollener
112 L COVARE-CRESCIONE.
stoff, zottige decke, das aber nebst dem engl, coat selbst erst aus dem
tntatcin. oder romanischen eingebracht ist. Bleibt man auf latein. gebiet,
so würde sich nur cutis (f.), das, wie manche andre, in die 1. declin.
versetzt werden konnte, darbieten und man konnte sich etwa auf unser
mhd. hüt (cutis) berufen, das in tarn-hüt als ein den ganzen körper um-
hüllendes gewand gedacht wird. Vgl. Diefenbach, Neue jahrb. für Phü.
u. Päd. LXXVIl 768.
Covare it., coar pr., couver fr. brüten; von cubare im sinne von
incubare. Sbst. it. cova, covo wildlager, sp. cneva höhle; von cubare
im eigentlichen sinne. Sp. coba bereits in einer Urkunde des 9. jh. Esp.
sagr. XXXVII, 339. Aus pg. cova entstand wohl auch das adj. covo
hohl, das also mit it. cupo II a. gar nicht verwandt wäre.
Gozzare it., sp. cozar fehlt, fr. cosser, pic. coissier und cochier
mit den hörnern stoßen; sbst. cozzo stoß. Nach Frisch vom dtschen hutzen,
aber härtung des reinen hauchiautes in gutturales c ist nicht einzuräumen.
Vielmehr wird sich auch dieses wort dem röm. demente zuweisen lassen.
Von co-icere (zusammenstoßen) würde das part. prät. co-ictus (coctus)
lauten, hieraus das vb. cozzare, wie aus directus dirizzare, also ein par-
ticipidlverbum. An diesen Ursprung des Wortes erinnert auch die itci.
construction cozzare con uno mit einem zusammenstoßen, co-icere cum
aliquo.
Gozzone it., pr. altcat. cussö, dttfr. cosson JRoquef., wallon. goson
möikler besonders im pferdehandel, prov. als Schimpfwort gebraucht. Ohne
zweifei vom gleichbed. cocio bei Plautus, nach Gellius 16. 7 ein plumper
volksausdruck Festus (Paulus) schreibt coctio, und sonderbar, daß die
roman. formen, entschieden die ital., diese Schreibung verlangen, welcher
auch das nüatein in coccio oder coqcio offenbar beipflichtet. Zsgs. it.
scozzone einer der die pferde zureitet.
Cravatta it., sp. corbata, fr. cravate halsbinde; späteres wort, in
Frankreich seit der ersten hälfte des 17. jh. (Menage), gebildet aus dem
völkernamen Cravate Croate (sp. Corvato), da man die Sache von diesem
volke entlehnte, daher it. auch croatta, henneg. croate, croyatte.
Crebantar^r., altfr. cravanter, sp.pg. quebrantar brechen (tt ans.);
von crepare, part. crepans.
Grema it. sp. pr., crSme fr. rahm, mlat. crema (n.) bei Venant.
Fort.; abgeändert aus cremor milchsaß.
Crepare it., pr. crebar, fr. crever, sp. pg. durch Umstellung que-
brar bersten, brechen; von crepare, dessen bed. ein geräusch machen in
den jüngeren sprachen erloschen ist. Zsgs. it. screpolare aufspringen,
seräpolo riß; sp. requebrar die stimme biegen (vgl. pr. refranher dass.),
daher artigkeiten sagen, sbst. requiebro liebesrede, liebkosung.
Grescione it., fr. cresson, neupr. creissoun, cot. crexen eine pflanze,
kresse; a celeritate Crescendi so genannt, wie C. Stephanus mit recht
bemerkt, also ein prägnanter ausdrucke Aus dem roman. ist unser kresse,
ahd. kresso, nicht umgekehrt, da dieses im deutschen keine würzet hat
I. CROCCIA-CROSCIARE. 113
und roman. pflanzennamen nur selten aus jener spräche herstammen. —
Weigernd, Wb. I, 638, weist nunmehr eine deutsche wursel nach, das ahd.
starke verbum chr€san kriechen, prät. chras, aus letzterem das subst.
chrasja, chressa, chresso (ss aus sj) ; der wurzdvocal wäre dann nicht 6,
wie man nicht streng erweislich annimmt, sondern e, der ausdruek besöge
sich auf die kriechenden Stengel der brunnenkresse. Sicher, wenn keine
andre spräche sich meldet, dankt entweder die roman. der deutschen oder
die deutsche der roman. das auch im russischen, lettischen und esthnischen
bekanfUe wort. Nach dem buchstaben kann cresson sowohl vom lat. cres-
cere {altfr. crestre, präs. nons cressons) wie vom deutschen kresso, acc.
kresson, stammen. Ist das letztere der fall, so hat das roman. wort
wenigstens eine umdeuiung mit crescere erfahren, worauf schon die itcU.
und prov. form anspielt, und eine umdeutung ist eine Wiedergeburt. Das
cat. cr&cen läßt sich nicht mehr aus dem deutschen ableiten, es ist dem
präs. ind. von cröxer entnommen und heißt csie wachsen (diese hräuter).
Croccia, gruccia it. krücke, cruccia grabscheit, dltsp. croza, pr.
croasa, fr. Crosse krummst ab. Die herleitung aus dem fr. croc (haken)
findet Schwierigkeit im buchstaben, dem nur ein fr. croche gerecht wäre.
Wie pancia, panza, pause aus pantex, so konnte croccia mit seinen
genossen aus crux, leichter noch, in betracht der doppelconsonanz cc,
ss, aus dem adj. crucea entstehen, woraus auch ahd. krukja entstanden
scheint.
Crollare it., pr. crollar, crotlar schütteln, fr. crouler einstürzen,
aÜfr. croler, erodier, crosler wie prov. Wohl dürfte man bei diesem wort
an das nord. krulla (verwirren) denken, böte sich kein lat. etymon. Prov.
1 crotlar nämlich (offenbar älterthümlicher als crollar, wiewohl dies schon
die Passion Christi kennt, str. 81) führt auf crotolar und dies konnte
aus co-rotulare zusammengebogen sein, womit auch das einfache rotlar =
rotulare überein stimmt. Ebenso stimmt fr. crouler zu rouler, ja es thut
in der redensart crouler un bätiment 'ein schiff vom ufer rollen lassen
völlig dessen dienst, und ebenso ist altfr. crouller les iex DMce. p. 249, 2
so viel als rolller les iex ds. 271, 21 'die äugen rollen lassen. Im
ganzen kommt das neue vb. co-rotulare auf die bedeutungen von volutare,
volutari (wälzen, rollen, schwanken, schwanken machen) heraus.
Crosciare it., sp. cruxir, pr. altfr. croissir, wallon. crohl knirschen,
knirschen machen. Weder die lat. noch die celt spräche gewährt ein
etymon, dagegen besitzt die goth. das ganz gleichbedeutende kriustan, z. b.
kriustith tunthuns Marc. 9, 18 lautet Span, cruxe los dientes, pr. cruis
las dens Chx. II, 148, gr. TQiCßi zovq odovtag. Aber nicht leicht un-
mittelbar aus kriustan konnten die rom. formen, wenigstens nicht die itäl.,
sich hervorbüden: es ist ein abgel. kraustjan (vgl. kiusan kausjan, fr.
choisir) dafür anzunehmen, stj = it. sei wie in angustia angoscia. Merk-
würdig ist, daß auch bildungen desselben verbums nach der zweiten rom.
conj. vorkommen, so cat. cröxer, chw. s-cruscer, altfr. croistre, so daß alle
drei conjugationen an diesem verbum theü haben.
8
114 I. CTJBEBE— CIJCCO.,
Cubebe it. (m.), sp. pg. pr. cubeba, fr. cub£be name einer indi-
schen pflanze, die eine art pfeffer gibt] arab. kabäbat Freytag IV, 2*.
Cübito it., sp. codo, alt cobdo, pg. cövado, coto, pr. coide, code,
fr. coude, weil, cot eilenbogen; von cnbitas. Andre iial. formen sind
gömito (bereits im Voc. S. Gatt, cumitus *dlinpogo), mit eingeschobenem
m gömbito, churw. cümbet. Daher pg. cotovello = coto, umgestellt
aus covetello? sp. codillo vorderfuß der thiere vom knie aufwärts. Zsgs.
sp. recodo winket, biegung, bucht, wie gr. ayuuav.
Cucc agna it., sp. eucana, fr. cocagne, alt engl, cokaygne Schlaraffen-
land; vom dtschen kuchen, weil die hauset daselbst mit kuchen gedeckt
seien, bemerkt J. Grimm, Ged. auf Friedr. p. 96. Gegen die Vorstellung
ist nichts au erinnern, doch läßt sich das wort aus rotnan. quelle ableiten:
kuchen heißt cot. coca, chw. cocca, occit. coco, pic. couque, von coquere
backen, also gebackenes, so torca gedrehtes von torquere. Auch das ital.
kinderwort cueco ei, ovum kommt hier in ansehlag, grade weil es ein
kinderwort ist, und an gesottenen eiern wird es im schlaraffehlande nicht
fehlen: watton. bedeutet cocogne Ostereier. In Neapel war enecagna ein
zur Volksbelustigung aufgeführter berg, welcher wurste und andre eß-
waaren ausspie, um die das volk sich schlug. Hierauf besieht sich z. b.
ein sieü. gedieht La enecagna conquistata, Palermo 1674. Das wort
kommt also, bemerkt Genin, Recreat. II, 89, vom fr. coq und bedeutet
gleichsam ein hahnengefecht. Aber die hauptidee dabei war nicht die bal-
gerei, sondern der freigebige berg.
Cucchiajo it., altpg. colhir, pr. culhier, fem. it. eucchiaja, sp.
euchara, pg. colhfr, fr. cuiller, cuill&re löffel; von cochlearium, cochle-
aria. In colher und cuiller, wozu noch ein altsp. cuch&r kommt, vermisst •
man die weibliche endung; diese Wörter nehmen also im gründe ein fem.
cochlearis in ansprach. Der wal. ausdruck ist lingurf = lat. lingula.
Cuccio, cöcciolo it., sie. guzzu, guzza, euccia, pr. goz, gossa, sp.
gozque (was soll hier die zweite sübe?) Meiner hund, vgl. gotz 'parvus
canis GProv. 57. Im catdl. ist gos der übliche ausdruck für hund über-
haupt, so daß Jaume Febrer das von ihm gebrauchte can erklären oder recht-
fertigen zu müssen glaubte: un gos que en bon Uemosf can es nomenat
str. 151. Im wallon. ist go der männliche, in der Schweiz göschli der
weibliche hund. Ital. eucciolo, sie. guzzu bedeuten als adjeetiva klein:
beide Wörter könnten in beiden Bedeutungen aus cueco nestling, liebling
entstanden sein, denn eucciolo ist namentlich schooßhündchen. In ansehlag
zu bringen ist aber vor allem, daß das wort oder ein ganz ähnliches auf
fremden dem ital. nah liegenden Sprachgebieten heimisch ist: ein kleiner
hund heißt illyr. kutze, ungr. kuszL
Cueco it. kukük (in dieser form und bedeutung nur in voUcsmund-
arten, ven. cueo, romagn. cocch u. dgi.), pr. cueo (wenn nicht syncopiert
aus cueuloj dass.; von dem seltnen cueus, bei Isidor 12, 7 (auch bei
Plautus?). Dsgl. it. cueulo, pr. cogul, fr. cocu, coueou, von cuculus,
span. umgebildet in cuquillo, abgel. cuclillo. Meist bedeuten diese Wörter,
I. CUCINA-CUFFIA. 115
cocu heut zu tage ausschließlich, auch hahnrei, in welchem sinne sich noch
pr. cogotz (vgl. cot. cucnt), zsgz. coutz, altfr. cons, hinzu gesellt. An lat.
c&rruca ist dabei nicht zu denken, allzu detälich hat die spräche den
hahnrei mit dem Jcukuk zusammengestellt: gab man, nun etwa dem betro-
genen ehemann per antiphrasin den namen des vogds, der seine eier in
fremde nester legt? Sp. cucar verhöhnen ist augenscheinlich aus dem
namen des höhnenden vogds abgeleitet und geht auf die form cucus zurück.
Cncina it., cocina sp., cuisine fr., cocne toal. küche, so auch ahd.
kuchina, ags. cycene, altir. cugann Zeuß I, 80, kymr. cegin; von co-
quina für culina im spätesten latein. Vb. cucinare ff. die küche be-
sorgen^ von coquinare, vielleicht nur bei Plautus.
Cucire it., richtiger cuscire (sc aus s entstanden), sp. coser, cusir,
pg. coser, pr. cöser, cusir, fr. coudre, wal. coase nahen; von consuere,
dem schon in den Isidor. glossen cusire zur Seite steht, so denn auch
cosire Gl. Paris, ed. Hüd., cusebat Gl. Seiest. 9, 5. Äbgel. it. costura
neben cucitura, gleichsam consutura, fr. couture naht, nahterei, daher vb.
fr. accoutrer zurecht machen, zubereiten, herausputzen, raccontrer wieder
zunähen, flicken. Auftrennen heißt it. sdrucire, sdruscire, ohne zweifei
entstanden aus dem gleichbed. resuere, mit vorgesetztem privativen s s-rescire,
mit euphonisch eingeschobenem d sdrescire, mit anbildung an cuscire
sdruscire. — [Bei accoutrer ließe sich auch an cultura erinnern (s.
Seheier), um so mehr als es nichts von der bedeutung seines oben aufge-
stellten primitivs verräth. Bei Nicot heißt accoustrer aptare, parare,
omare, accammodare u. dgl., accoustrement ornatus, cuUus. Andrerseits
hat freilich auch das altfr. couture = cultura nur den beschränkten con-
creten sinn angebautes land. Die grundbedeutung des franz. verbums,
wenn man es zu consuere stellt, müßte sein: eine naht machen, demnächst
verbinden, zusammenfügen (vgl. sp. coser nähen, verbinden), endlich zu-
recht machen (pr. aparelhar vereinigen, zubereiten). Auch bastire bauen,
einrichten, nähen dürfte verglichen werden.]
Cucuzza it. 1) kürbiß, 2) köpf, altfr. cosse Boq. (beide bedd. hat
auch serb. tikva); entstellt aus Cucurbita. Daneben tritt noch mit der
zweiten bed. it. zucca, woher pr. zuc, suc, zuquet, altfr. suc, nach Ma-
nage vom gr. oinva länglichter kürbiß; ist es aber nicht vielmehr umge-
stdlt aus cuzza für cucuzza? doch mag daneben das neupr. tuca (mit
beiden bedd.) erwogen werden. Zu Cucurbita gehört auch fr. gourde
kürbißflasche, bei Perion gougourde, neupr. cougourdo; auch courge,
im Jura coudre, muß sich hieraus gestaltet haben.
Cuffia und scuffia it., sp. cofia, escofia, pg. coifa, alt escoifa,
fr. coiffe (coeffe), wal. coif (m), mndl. coifie haube. Die erreichbar
älteste form ist cofea bei Venant. Fort., eine spätere cuphia u. dgl. Man
hott es aus dem hebräischen, worin kobha (kova) heim bedeutet, aber die
bildvng des roman. Wortes widerstrebt. Andre weisen auf unser haube,
ndl. huif, allein die altfränk. Verhärtung des anlautenden h zu ch oder c
hat kein roman. appeUativ getroffen. Gleichwohl floß es zunächst aus der
116 I. CUGINO-DALA.
deutschen spräche. Ahd. kuppa kuppha heifit müra, daneben läßt sieh
eine form mit dem in der ältesten spräche sehr wirksamen suffix j kuphja
(vgl. krippa, kripja) voraussetzen, genau das mlat. cofea, cuphia. Jenes
kuppha dber scheint nichts anders als das lat. cuppa gefäß, becher (s.
oben coppa): Verwandlung der lat. lippentenuis in aspirata kann leicht
bis auf Venantius zeit hinaufreichen, da das uralte hochd. denkmdt, das
Cassder glossar, bereits choffa, chupf u. a. fäMe enthält. Wie sich aber
Jcopfbedeckung und gefäfi berühren, zeigt unter andern das lat. galeola.
Cugino it., pr. cosin, fr. cousin vetter, eugina /f. base; zsgz. aus
consobrinus, wie dies die churw. formen cusrin, cnsdrin erweisen. Cosina
'magiri (verwandte) hat schon der Vocab. 8. Gaü. (7. jh.) Der span.
ausdruck ist das unverkürzte sobrino.
Cüpido it., pr. cobe gierig, zumal geldgierig; daher it. cupidi-
gia, cupidezza, 5p. codicia, alt cobdicia, pr. cobiticia, cobezeza, fr. con-
voitise (für covoitise), lat. gleichsam cupiditia; vb. ü. cubitare, pr.
cobeitar, fr. convoiter. Der Frovenzale besitzt auch ein einfaches verbum
cobir mit der bed. 'zu theil werden, das fast nur mit joy verbunden
wird: jois m'es cobitz freude ist mir zu theil geworden, vergönnt worden;
es ist von cupere alicui einem gutes wünschen, chw. cuvir dass.; zsgs.
pr. encobir, altfr. encovir begehren.
C u r a 5p. pg. (m.) pfarrer, eigentl pfleger, in welchem sinne das
wort schon bei den Römern und im frühsten nUatein als mascutin ver-
wendet ward. Gleichbed. mit sp. cura ist it. curato, fr. cur6, d. h. mit
der .sedsorge, cura, beauftragt. Dahin ferner it. eurattiere (für cura-
tiere), pk. couratier, zsgz. fr. courtier mokier, von curatus besorger von
geschafften (curatarius).
D.
Dado it. sp. pg., dat .pr., A6 fr. würfet; wird aus dare in der bed.
werfen (dare ad terram u. dgl.) erklärt, wonach es also etwas auf den
tisch geworfenes bezeichnen würde. Nach Golius p. 808 wäre es vom
arab. dadd lusus, res ludicra; was sich wenig empfiehlt.
Daga it. sp., pg. außer daga auch adaga, fr. dague kurzer degen,
dolch, ndl. dagge dass., engl, dag, kleines Schießgewehr, dsgl. dagger
dolch. Hieraus ist unser im 15. jh. eingeführtes degen, s. Weigand, Syn.
wb. 11, 1193. Auch celt. sprachen kennen es: gad. dag pistole, bret. dag,
dager dolch (über die Verwechslung beider dinge s. unten pistola); ob es
von da ausgegangen, steht dahin. Ungr. däkos. Abgel. ist fr. dagnet
Spießhirsch.
D ala sp. pg., fr. dalle rinne auf dem verdeck der schiffe das wasser
aus der pumpe abzuleiten. Nach Frisch vom ahd. dola röhre, rinne, aber
der abweichende stammvocal erregt Zweifel. Die span. form a-dala ent-
hält eine anspielung auf arab. Herkunft: in dieser spräche heißt dalla
leiten, d&lälah leitung Gol. 849, welches letztere der Vereinfachung in dala
kaum widerstehen konnte; vgl. auch it. doccia rinnef von ducere.
/
I. DALLE— DES. 117
Dalle sp. (m.), pr. dalh, dUfr. dail, dauphin. dailli sichel; vb. pr.
dalhar mit der sichel schneiden, altfr. dailler hauen, fechten Chr. de
Langioß (Wright p. 295), s'entredalier zusammen streiten LRs. 236.
Scheint diminutiv von daga dolch (dagol?).
Dam a 8 co it. sp., fr. damas, it. auch damasto ein gewebe mit ein-
gewirkten figuren, damast; van der stadt Damascus, wo dieses gewebe ver-
fertigt ward. IUÜ. damaschino u. s. w. damascener Hinge, aus stahl
von Damascus.
Danzare it. (für dansare wie anzare für ansare), sp. pg. pr. dan-
• aar, fr. danser, wci. dtjntzui scUtare; sbst. it. danza/f. saltatio; vom ahd.
dansön ziehen, dehnen, dies vom starken vb. dinsan, goth. thinsan (prät.
thans), unser tanzen aber aus dem romanischen.
Dardo it. sp., pr. dart, fr. dard, wal. darde (f.), auch slav. ungr.
d&rda, Wurfspieß, wurfpfeä (er konnte gefiedert sein, dart empennö DMce.
302, 26; ihn führte der knappe, die lanze der ritter, z. b. Jfr. p. 67a);
vom ags. daradh, darodh, engl, dart, oitn. darradhr, ahd. tart spieß; da-
zu als primitiv dttn. dörr. Nach einigen von doqv öoQarog.
D&ttero it., sp. pr. dAtil, pg. dätile, fr. datte eine frucht, dattel;
von dactylus.
Däzio it., sp. däcio, altfr. dace (f.) aufläge, Steuer; von datio, dem
das miatein, z. b. in einem actenstück v. j. 826 DG., dieselbe bedeutung,
gezwungene gäbe, beilegte.
Demonio it. pg., sp. demonio, dirnoüo, pr. demoni teufet; von
daemonion böser geist, bei Tertullian.
Denaro, danaro it., sp. dinero, pg. dinheiro, pr. fr. denier eine
geringe münze; von denarius römische silbermünze ursprüngl. von zehn
asses, später und im mittelcdter von verschiedenem werthe. Daher it.
derrata, sp. dinerada eigentl. summe 'oder werth eines denarius, fr.
denröe eßwaare, gleichbed. bair. pfennwerth d. i. werth eines Pfennigs.
Dentello it., dentelh pr., dentellon sp. einschnitt an gesimsen u.
dgl., it. dentelli (plur.), fr. dentelle ein gewirk, spitzen, wegen der zackigen
form; von dens zahn.
Derrengar sp., pg. derrear (für derrenar), pr. desrenar, deregnar,
aitfr. öreiner, nfr. öreinter kreuzlahm machen, das kreuz brechen; von
ren niere, renes lenden; die span. form zu erklären mit dis-ren-icare.
Itci. nur sbst. direnato Verletzung der lenden, aber piem. derae = pr.
desrenar.
Des altsp. dttpg., in der neuen spräche des-de, pr. des, deis, fr. des,
Präposition theüs für das lat. zeitliche ex, it. da, theils für das örtliche
usque a, inde a: z. b. sp. desde aquel tiempo, fr. des ce temps-lä, lat.
ex illo tempore, it. da qnel tempo. Man hat an eine zss. von de und
ipse gedacht, dös ce temps-lä wäre = de ipso illo tempore; die ganz
präposüioncde natur des Wortes aber, die keine adverbiale anwendung, wie
die büdungen mit ipse, erlaubt, läßt eher auf ex mit vorgesetztem sinn-
verstärkenden de vermuthen: fr. dös lors scheint = de ex illa hora, dös-
118 I. DESINARE.
ormais = de ex hora magis von stund? an. Ganz deutlich tritt die
zss. mit ex hervor im altfr. desanz = de exante, im altsp. desent = de
ex inde, desi = de ex ibi, im nsp. despues (s. poi) = de ex post;
exante und exinde sind ja der lat. spräche wohlbekannt.
Desinare, disinare it., pr. disnar, dirnar, dinar, altcat. dinar Chr.
d'Escl. p. 69P, fr. diner eu mittag essen. Die ergründung dieses wortes
wird durch die zweifelhafte natur des darin enthaltenen s erschwert, da
es sich fragt, ob dieser buchstabe radical oder bloß eingeschoben, ob diner
aus disner, disinare verkürzt oder ob es die buchstäblich getreue form sei.
Altfranz, schrieb man häufig disgner, aber schon die ziemlich alte hand-
schrift der Livr. d. rois hat digner. Indessen kann sich disnare als die
älteste form ausweisen: in den Vatic. glossen ed. W. Grimm (9.jh.) heifit
es: disnavi me ibi; disnasti te hodie? und auch Papias schreibt mit s:
jantare disnare dicitnr vulgo. Man leitet es vom gr. devivelv die haupt-
mahlzeit halten, romanisch in dinar, disnar verwandelt; alsdann müßte es
von der Provence ausgegangen sein. Dsgl. vom lat. dignare domine an-
fang eines tischgebetes; dies stimmt trefflich zum altfr. digner, wäre die
Sache nur erst gehörig erwiesen oder diese form als die älteste anzuer-
kennen. Man könnte an decima hora denken, wie ja auch altfr. noner,
von nona hora, zu mittag speisen bedeutet, aber decima für mittagszeit
ist nicht gebräuchlich, wenn man auch den Übergang des m in n zugibt.
Besser erklärt es sich aus de-coenare, mit verschobenem accent präs. däceno
desne dtne, vgl. däcima desme dfme, it. bnccina busna. De in dieser
Zusammensetzung steht freilich ziemlich müßig, (Mein das spätere latein
verwendet es häufig in dieser weise, so in debattiere Petron., defrui Symm.,
defagare Theod. Prise., delaborare Afran., delustrare Aptd., deoptare
Hyg., depetere Tertull., despernere Colum., in welchen fallen das einfache
wort ausreichen würde; übrigens dürfte man bei decoenare an unser ab-
speisen erinnern. Auch Pott, Forsch. IT, 282 denkt an coenare; zur
Unterstützung der thatsache, daß auch Frankreich das lat. coenare kannte,
läßt sich noch altfr. re einer abendbrot essen, von recoenare, anführen,
wiewohl sich dies nicht in resner verkürzte. Man dürfte bei dieser ety-
mologie vielleicht selbst den activen gebrauch des rom. und lat. partiäps
anschlagen: il est mal dfnä = male coenatus est; dieser gebrauch kennte
sich im roman. allmählich auf das ganze verbum erstreckt haben, daher
disner quelqu'un de qch., reflexiv se disner, wie schon in der vaticanischen
stelle. — [Man hat an decoenare den mangel des rom. s ausgesetzt.
Diesem übelstand läßt sich einfach mit Verweisung auf it. pu-signo —
post-coenium abhelfen. Wie unser wort aus dem an die stßtte von de-
coenare gesetzten dis-jejunare, welches in d6-jeüner die richtige form ge-
funden, habe entstehen können, ist schwer zu fassen : der ganze stamm,
mit dem langen u, wäre geschwunden. Wunderlich wäre ferner, wenn
der Franzose, der das frühstück mit recht als ein fastenbrechen betrachtete,
dieselbe anschauung auch auf das mittagessen erstredet hätte. Mahn p. 19
hebt hervor, daß r in der prov. form dirnar auf s (nicht 9) weise; man
I. DESTKIERO-DIO. 119
sattle aber denken, ein secundäres s, da es dieselbe ausspräche hatte wie
ein primäres, könnte eben so wohl in r geschwächt werden. S. Krit. an-
hing p. 15.]
Destriero it., destrier pr. citfr. streitross, mlat. dextrarius, weil
der knappe es zur rechten seines eignen pferdes führte, ehe der ritter auf-
stieg: (V escndiers) lhi menet en destre son bon destrier GRoss. 3275;
les valets les menoient en dextre sur antres roussins, man sehe Ducange.
D i am ante it. sp.,pr. diaman, fr. diamant ein edelstein; aus adanias
adamantis entstellt, vielleicht mit rücksicht auf diafano durchsichtig. Eine
zweite form ist pr. ädiman, aziman, aftnan, citfr. aYmant, nfr. aimant,
sp. pg. iman, das in die bed. magnet ubergieng, in welcher sich auch
mlat. adamas findet, s. das nähere bei MSnage v. aimant
Diaspro it., sp. diaspero ein stein; von jaspis jaspidis, mit dar-
Stellung des j durch di wie im mundartl. it. diacere von jacere Born,
gramm. I, 274, wohl eine in Italien entstandene form. Dasselbe wort
ist pr. citfr. di&spe bunter stoff nach art des jaspis, adj. fr. diaprö
bunt gezeichnet.
Dieta it. sp., diete fr. lebensordnung ; von diaeta (diaita) gleich-
bedeutend.
Dieta it. sp., diäte fr. reichstag, itci. auch tagereise; von dies, vgl.
die mlat. abl. dietim für quotidie.
Diga it., digne fr., diqne sp. (m.) schutzdamm gegen das wasser,
auch pr. die? Rayn. Lex. rom.; zunächst vom ndl. dyk, ags. die.
Dilegnare it., pr. deslegar, fr. d&ayer flüssig machen; von dis-
liqnare. Das span. wort ist desleir, das aber aus dieser quelle nicht
fließen konnte. Woher nun ? weder deliquescere noch diluere erlaubt der
buchstabe. Altsp. desleido, deleido Bc. 8. Dom. 540. 590 bedeutet para-
lytisch, des-leir ist also = /tagaXvstv: sollte man leir aus Xveiv gesogen
haben? dem gr. v widerspricht sp. i oder e nicht. Zwar Larramendi
leitet desleir aus bask. desleyatu, von leya kälte: man sieht aber leicht,
daß ersteres aus dem pr. deslegar gebildet, letzteres, wofür auch yela ge-
sagt wird, aus dem sp. yelo umgestellt ist.
Dio it., sp. diös, altpg. sard. d&ts. neupg. däos, (deös GVic. I,
p. 256), pr. dteu, fr. dieu (älteste form deo in den Eiden), wal. fehlt
das einfache wort. Die südwestl. spräche behandelt deus wie einen eigen-
namen und ließ ihm das flexivische s wie in andern fällen (Garlos, Mar-
cos, Reynaldos), die tonverschiebung trat später ein; eben so anomal ist
der plur. dioses, wofür man im Alex, dios findet, von Sanchez und Los
Bios IM. esp. 27, 567 dfos betont. Aber mit der Heiligkeit eines namens
hängen suweüen anomedien der form und flexion zusammen (Grimm P.
1071, Dief. Goth. wb. II, 416): der Spanier wagte deus nicht einen
buchstaben absubrechen, es nicht umzuformen wie meus. Eine übliche
Zusammensetzung ist it. domeneddio,j>r. dame-dieu, dltfr. dame-dieu,
dombre-dieu u. s. w. herr-gott, wal. dumne-zeu, welches das einfache zeii
ganz aus der spräche verdrängte und auch von abgöttern gebraucht wird.
120 I. DIPANAKE— DOCCIARE.
Über it. iddio s. Rom. gramm. 1/7, 25. Eine bekannte formet ist it.
addio, sp. & dios, fr. adieu, vollständiger pr. a dien siatz, altfr. adieu
soyez, altcat. a dien siau gott befohlen LR. III, 32. Die betheurung
it. madiö, sp. madios, fr. maidien erklärt man mit m'aide dieu, altfr.
si m'ait dieus = ita dens me adjuvet, s. Menage; eine andre deutung
des ital. wortes (ma von mai = magis) gibt Blanc, Gramm. 546.
Dipanare it., pr. debanar, sp. devanar abhaspeln; von panus
büschel wolle zum spinnen.
Dirupare it., pg. derrubar, sp. derrnmbar von einem f eisen, rupes,
hinabstürzen; daher dirupo absture, altfr. desrube Agol. 316, Beb. le
diable F. P col 2, desruble NF. Jub. I, 98, dsgl. desrubant schluckt,
pr. deruben; altfr. desrnbison Antioch. II, 130; auch sp. derrubio erd-
fall an ufern.
Dfscolo it. sp. pg. mürrisch; vom gr. diaxoXog dass.
Disegnare, designare it. 1) anzeigen, 2) zeichnen, sp. designar,
alt desenar, pr. desegnar, designar, fr. d&igner in ersterer bed., sp.
disefiar, fr. dessiner in letzterer; sbst. it. disegno, sp. diseno, designio,
fr. dessein, dessin entwarf, Zeichnung. Vom tat. designare, dessen im
ital. noch zusammentreffende bedeutungen der Spanier und Franzose durch
die form zu trennen suchten, vgl. sp. signo neben sena, fr. signe neben
seing.
Disfidare, sfidare it., pr. desfizar, fr. däfier, sp. pg. desafiar,
altpg. desfiar SRos. I, 371 herausfordern zum streit, eigentl. einem die
treue oder das vertrauen, fides, aufsagen, einen verläugnen: ains me
lairoie tos les menbres coper qne ja Mahon soit par moi desftäs eher
wellte ich mir alle gUeder abhauen lassen, als Mahomet verläugnen Og.
3058; li miens cners te deffie mein herz entzieht dir edles vertrauen
Antioch. I, 82.
Disio it., sp. deseo, pg. desejo, cot. desitj, fehlt fr., Sehnsucht; vb.
disiare, desear, desejar, desitjar. Nicht von desiderium, die formen
passen sehr wohl zu dissidium (deutlich zumal das cot. desitj), so daß es
gleich dem pg. saudade eigentl. trennung, zunächst das daraus hervor-
gehende verlangen nach Wiedervereinigung ausdrückt.
Di vi so it., pr. fr. devis eniwurf, wünsch, fem. it. divisa, sp. divisa,
pr. devisa, fr. devise abtheäung, wohl, Wahlspruch, sinn und bedeutung;
vb. it. divisare, sp. divisar abtheilen, unterscheiden, auseinandersetzen.
Wie schon lat. dividere unterscheiden bedeutet, so pr. devire, woran sich
die bed. auseinandersetzen "knüpfte, die denn auch auf das freguentativ
devisar übergieng. Man vergleiche dieselbe begriffsbildung z. b. im sp.
departir 1) theilen, trennen, 2) unterscheiden, 3) auseinandersetzen, er-
klären: departeme eso que has dicho i erkläre mir, was du gesagt hast*
Cal. e D. p. 66b. Lat. visns ist hier nicht im spiele.
Docciare it. begießen, sbst. doccia, fr. douche, sp, dncha wasser-
röhre, rinne; von dnetiare leiten (vom wasser), das man aus dem pari.
duetns bildete, wie succiare aus suetns. Aus dem sbst. dnetus entstand
I. DOGA— DOGANA. 121
aüfr. duit LBs. 408, norm, doui; aus ductio das /em. pr. dotz, dttfr.
dois (la dois et la fontaine G. d'Angl. p. 75, vgl. Gar. J, 264).
Doga it. pr. cot., wdl. doagp, alban. dog?, wendisch doga, duga,
mit v /r. donve, mail. dova seitenbrett des fasses, mndl. duyghe, nwß.
du ig, scAw*. dauge, nhd. daube; abgd.sp. dovela, duela, aduela, norm.
douvelle, douelle, lothr. doule. Prov. doga (w der neuen mundart dougo)
verhält sich zu fr. douve wie rogar zu dltfr. rouver, g fiel aus und v
fort ein, selbst die mittlere form doa (doha DG.) ist vorhanden. Damit
trifft ein wort anderer bedeutung buchstäblich zusammen, pr. doga, norm.
douve, das man gewöhnlich mit fosse (graben) übersetzt, das aber auch,
wie schon Garpentier erklärt (vgl. Trevoux), die fassung des grabens,
mauer oder dämm desselben hei fit, mlat. douvam sive aggerem (v.j. 1269)
bei Garpentier; les doves des fossez Ben. I, p. 492; de morz est si la
dove emplie U, 127; pr. doga del vallat; mlat. juxta dogas vallatorum
murorum; dtifr. qui a douhe, il a fossö (rechtsgrundsatz). Itäl. doga
heifit auch rings umlaufender streif an einem Meide, sp. dogal strick um
den hals, was der bed. einfassung zusagt. Der Zusammenhang dieser mit
der bed. daube oder eigentl. gesammtheit der dauben eines fasses liegt am
tage. Ein sehr altes Zeugnis hat man bei Gregor v. T. gefunden, wo es
aber canal zu bedeuten scheint: fossas in circuitu basilicae fieri jussit,
ne forte dogig occultis lymphae deducerentur in fontem. über die her-
kunfl des Wortes sind die meinungen verschieden. Frisch denkt, sofern
es graben heifit, an lat. ducere, und in der that das synonyme doccia
hat denselben Ursprung: u konnte kurz gesprochen werden wie in dux
ducis, daher das rom. o. Besser erkennt Ducange darin ein schon vor-
handenes lat. doga, das ein gefäfi oder ein mafi (s. Freund) bedeuten mufi:
facta erat ratio dogae cuparum navium et operum Vcpisc, dazu doga
ßovTrrjg (ßovrrig) Gl. Phüox. Es leitet sich vom gr. doxy receptaculum,
und diese bedeutung ist fest zu hoiten; Hesychius erklärt svQmoq (meer-
enge) mit doxy vdaztov, s. Vossius De vit. serm. Also Wasserbehälter,
graben, fassung des grabens, fassung eines gefäfies d. i. fafidaube sind
die bedeutungen.
Dogana it., pr. doana, fr. douane, sp.pg. aduana zotthaus, mauth,
auch die von den waaren zu entrichtende abgäbe; man sehe Boccaccio9 s
beschreibung Dec. 8, 10. Der etymologien sind mehrere. Frisch leitet es
aus ducere in beziehung auf das einfuhren der waaren, ohne zu bedenken,
dafi sich das sufßx an nicht an verba fügt. Ferrari läßt es aus doga
entstehen, weil die waaren in fässer gepackt werden; doga ist aber nicht
der amdruck für fafi. Weit passender erklärt es Menage aus dem gr.
doxavr] ort zur aufnähme, daher ort, wo man die abgäbe einnimmt; be-
fremdlich ist aber, dafi weder die mittel- noch die neugr. spräche diese
anwendung des Wortes kennen. Diese drei erMärungsversuche sind eben
so viele verirrungen. Mit recht erblicken neuere grammatiker in doana
das bekannte arab. divän addivän staatsrath, indem sie ihm die bed.
staalsrath für abgäben beilegen: der halbvocäl v löste sich gleich dem
122 I. DOMENICA-DONNO.
(tischen w in o oder u aw/" (diuana doana duana), im üal. ward g ein-
geschoben. Beachtenswert)* ist dabei, daß der Spanier für divan in seiner
eigentl. bed. auch duan sagte. Offenbar knüpfen manche stellen aus der
mittleren litteratur das wort an arabisches gebiet: multi Saracenorum,
qui in duanis fiscales rcditus colligebant, sagt Hugo Falcandus; in
douanam i. e. in domum Soldani eum ducentes Vinc. Bettov.; pr. si son
en terra de Sarrazis, en doana o pauzon Lex. rom. Am besten vielleicht
faßt man dfvän in seiner bed. rechnungsbuch Gol. 888, Freyt. II, 74* ,
vgl. bei Boccaz i doganieri poi scrivono in sul libro della dogana a
ragione del mercatante tutta la sua mercatanzia. — [Das arab. aus dem
persischen entlehnte dtw&n, bemerkt Engclmann, heißt register, gedichte-
sammlung, dann bureau, staatsrath, audienzsaal, canzlei, endlich mauth-
bureau: daher aduana. Vgl. Doey p. 33—35.]
Domenica it., sp. pg. domingo, pr. dimenge, dimergue, fr. di-
manche sonntag; ital. aus dominica, span. pg. aus dominicus, prov. franz.
aus dies dominicus, daher altfr. diemenche (viersilb.) tag des herrn, gr.
%vQiaxrr Keine rom. spräche kennt solis: sie enim Barbaries vocitare
diem dominicum consueta est Greg. Tur. Hist. 3, 15.
Dominio it. sp. pg. herrschest, eigenthum, besitzung, fr. domaine
(m.) in speciellerer bed. erbgut, krongut, daher die prov. und span. formen
domani, domanio ; von dominium. Adj. it. dominicale, sp. pr. dominical,
fr. domanial herrschaftlich, gutsherrlich. Bemerkenswert ist hier nur die
franz. formung des Wortes, worin lat. i zu ai ward; aber man schrieb
auch altfr. mainer neben mener fuhren, und noch jetzt zeigt daigner oder
Sardaigne ai für \. Eine stärkere abänderung, deren grund wohl nur
in der Veränderlichkeit der tonlosen ersten silbe zu suchen ist, liegt vor
im altfr. demaine, demenie, dem ein altit. diminio entspricht, im späteren
mittellatein demanium, noch engl, demain. Dieses altfr. demaine bedeutet
überdies als Substantiv einen dienstmann (z. b. li demaine et li pair), ofe
adjeetiv eigen, angehörig (ma chambre demaine, mon demaine lit), trilat.
demanius; prov. lautet es als adjeetiv domini (domini ser LR. III, 71
eigner knecht) und scheitU aus dominicus, das auch im mlatein proprius
bedeutet, abgekürzt wie gramazi aus grammaticus.
Donno, donna it., sp. don, dona, duena, pg. dorn, dona, pr. don
(dons von frauen), dombre (in dombre-dieu), domna, altfr. masc. dame
(in dame-dieu), dan, dant, alt- und neufr. fem. dame (daher pr. sp.
dama), Wal. domn, doamne; alle von dominus, domina, wofür schon auf
rom. inschriften domnus, domna, im ersten mlatein donnus, donna (z. b.
Breq. p. 27d, v. j. 528) vorkommt. Dimin. sp. doncel, doncella, pr.
donsei, donsella, altfr. damoisiel (danzel), damoisele, nfr. damoiseau,
demoiselle, hieraus it. damigello, damigella, sp. pr. damisela; lat. gleich-
sam dominicillus, wal. domnisor. Vb. pr. domneiar, altfr. donoier
buhlen, daher it. donneare, sbst. domnei, donoi buhlschaß. Wegen des franz.
a der Stammsilbe vgl. altfr. damesche von domesticus, danter van domi-
tare. Eine prov. und catal. abkürzung von dominus unmittelbar vor
I. DRAGOMANNO-DKUDO. 123
eigennamen ist En (dom-en für dorn- in), von domina Na (dom-na) z. b.
En-Barral (daher it. Imberal CNA.), Na Maria, vgl Raynouard, Chx.
VI, 95.
Dragomanno it., sp. dragoman, pr. drogoman, fr. drogman, mhd.
tragemunt, dolmet scher, in andrer form it. turcimanno, sp. trujaman,
fr. trucheman, truchement; vom arab. targomän, torgomän, ausleger, dies
von targama auslegen, ursprünglich chaldäisch und von den Juden den
Arabern überliefert (Dozy 35).
Drappo it., pr. cot. fr. drap tuch, daher drappello, drapeau
fetzen, fahne. Drappas kennt das frühere mlatein: si quis altero per
mano aut per drappo iratus priserit Capü. ad L. Alam. Im span. und
port. hat es die tenuis mm anlaut: trapo, trapajo, trapero, traperia,
wiewohl auch drapero, in Urkunden draper ius gesagt wird; man sehe
Ducange. Die Verschiedenheit des anlautes scheint deutsche herhunft an-
suseigen, denn d würde den niederdeutschen, t den hochdeutschen lautge-
säzen entsprechen. Frisch verweist auf unser trappen derb auftreten, so-
fern es für dicht treten, wirken angewandt werden konnte; es käme nur
drauf an, die Verwandtschaft von treten und wirken oder weben mit an-
dern beispielen eu belegen. Ein zuverlässigeres etymon scheint aber das
in einem hochd. glossar des 12. jh. enthaltene subst. trabo 'trama, extrema
pars vestimcnti, fimbria Qraff V, 480: der einschlag oder auch der säum
des tuehes konnte auf das ganze tuch übertragen werden.
Drog,a it. sp. pg. pr., drogue fr. specerei, gewürz, farbwaare; vom
ndl. droog trocken, also eigentl. trockne waare (Frisch). Adj. pr. droguit
bräunlich, schwärzlich.
Drudo it. altpg., pr. altfr. drut, fem. drnda, drue freund, freundin,
geliebter, geliebte; ab gel. altfr. drugun TCant. 20, 8, besser druiun Fan-
tosme v. 716 vertrauter. Drudo steht an der gräme zwischen celtisch und
germanisch: gael. drüth dirne, meretrix, ahd. trüt, drfit, auch drfld Otfr.
1, 4, 5, in comp. Drudbald, Wieldrud, (aus triuwi treu hergeleitet) lieb-
l**9t freund, gefahrte, diener, fem. triutin geliebte. Offenbar schließt sich
das rom. wort mit seiner bedeutung dem deutschen auf das genaueste an,
fem von jedem Vorwurf bezieht es sich eben sowohl auf vertraute freund-
schaft wie auf liebe: der drut ist der getreue, der anhanger, das wort
sucht darum die gesellschaft von ami: mes drus et mes amis; ses amis
et »es drus; vos amis et vos drus; in einem capitülar Karls des kahlen
gesdU es sich ztt vassall: sine solatio et comitatu drudorum atque vas-
sorum. Das Otfriedische gotes drüt würde sich daher ganz wohl durch
drut dieu übersetzen lassen. Neben dem Substantiv ist noch ein adjectiv
zu erwägen, it. drudo verliebt, artig, dsgl. wacker, fr. dru munter, üppig:
ces moineaux sont drus sind munter, wollen ausfliegen, Therbe drue das
üppige, dichte gras, la pluie tombe dru der regen fällt dicht, altfr. teus
puet estre riches et drus mancher kann reich und üppig sein, daher vb.
endruir dicht machen NFC. II, 116, genues. druo dicht, dick, drueza
(s. das alte denfonal dieser mundart Archiv, stör. itäl. app. num.
124 I. DUCA-DUNQUE.
18, p. 21, 58), piem. neupr. dru üppig, fruchtbar (vom boäen). Wenn
nun auch die ideenfolge 'vertraut, verliebt, üppig an sich nichts auffei-
lendes hat, so wird man doch hier auf celt. adjeetiva, wie gad. drdth
muthwülig, kymr. drud kräftig, kühn, oder mit Gachet auf das altn.
driugr, schwed. dryg derb, voll, deren bedeutungen das üppige näher sieht
als denen des hochd. Wortes, hingeführt. S. vor edlem Dief. Goth. wb.
U, 679.
Duca iL, wal. duc$, sp. pg. dnque, pr. duc, fr. duc führer, hersog;
it. ducato, sp. pg. ducado, pr. ducat, fr. duchä (bei den alten fem.,
daher it. dueäa) hereogthum, im spätem latein schon ducatus für duetus.
Nicht unmittelbar aus dux konnte sich ein itäl. masc. wie duca gestalten,
dessen richtige form doce (mlat. dox docis L. Long, ven. doge) gewesen
sein würde; es gieng euvor durch den mund der Byzantiner, welche mit
doi%, acc. dovxa, oder mit dov%ag lange vor der litterärischen seit der
itäl. Sprache den kriegsobersten einer provinz oder Stadt benannten. S.
Ducange Gloss. graec. — Von duca ist auch it. ducato, ducatone,
sp. ducado, ducaton, fr. ducat, ducaton eine silber- oder goldmünze, zu-
erst in Italien, wie es scheint, unter Boger II., könig von Sicüien, in be-
ziehung auf das hereogthum Aptdien (ducato d'Apuglia) seit 1140 ge-
prägt, s. Ducange Gloss. lat. s. v.
Duello it., sp. duelo, fr. duel Zweikampf; von einer veralteten,
wenn auch im Augustischen Zeitalter noch angewandten form dueilum für
bellum. Das wort ist kein altromanisches : man nahm es erst% später auf
den grund einer misverstandenen etymologie aus dem latein auf; dem
mittelalter genügte battalia auch für diesen begriff, daher in einer stelle
aus dem anfange des 13. jh.: permitto battalias omnes, quas grammatici
duella vocant DG. Sonst romanisch auch battaglia singulare wie ahd.
einwte einzelkampf.
Du na it. sp., vom fr. dune sandhügel am meere; dies zunächst vom
gleichbed. ndl. duin (n.) = ags. dün (f.), engl, down, deren Ursprung
aber im celtischen zu liegen scheint ; altir. dün, kymr. din hügel, urspr.
befestigter ort, daher die städtenamen mit dunum (Augustodunum, Lug-
dunum u. s. f.) s. Zeufi I, 29. 30. 64. 118, oder befestigte anhohe s.
Richards, Welsh dict. v. din. Weiteres über dies wort bei Du Meril,
Formalion d. I. I. frang. 35, Mahn, Etym. untersuch, p. 30, Diefenbach,
Orig. europ. 325 ff.
Dunque, adunque it., alt donqua, adonqua und dunche, adunche,
cdtsp. doncas, fr. donc, conclusivpartikel. Altfr. dune (so schon im Fragm.
v. Valenciennes), donc, donques, adunc, pr. dune, adonc, sind zeitpartikeln
und entsprechen dem lat. tum und unserm dann: erst hieraus entfaltete
sich die conclusive bedeutung, wie dies auch sonst wahrzunehmen ist, z. b.
'igitur* apud antiquos ponebatur pro inde et postea et tum, sagt Festus;
ahd. danne gilt für tum und ergo; ähnlichen Übergang von der zeit zur
folgerung zeigt sp. pues und luego. Was nun den Ursprung des Wortes
betrifft, so sträubt sich gegen de unquam der begriff; es muß vielmehr
I. DURAKE-ECCO. 125
wm tunc mit vorgesetztem a oder ad herrühren, so daß das dadurch zum in-
laut gewordene t in d, atunc in adunc übergehen konnte; dies wäre also
die ursprüngliche, dune ist eine abgekürzte form. A tunc und ad tunc
trifft man in Urkunden nicht selten, z. b. HLang. I, 25 (v. j. 782), 99
(v. j. 852). Muratori erklärt sich für ad hunc sc. modum, finem, aber
die seitliche bedeutung scheint dies nicht zu gestatten. — Itcd. dunque ist
also aus dunche entstellt, die reinere form lebt in den mundarten fort,
e. b. com. donch, ven. donca, neap. addonca.
Du rare it., sp. durar, fr. durer währen, mhd. düren, tfiren, nhd.
dauern, engl. dure. Das etymon ist bekannt, hat ober die bed. härten
eingebüßt, wofür indurare bestimmt ward. Dagegen drückt es neben der
ausdehnung in der zeit nun auch die im räume aus, namentlich im prov.
und ättfranz., z. b. un bosc que dura ben xx. legas ein wald, der sich
20 meilen weit erstreckt Jfr. 164a; Babiloine dure xx. liuesFJ. Bl.1787.
Tant que la laoce dure, so weit sie reicht, liest man häufig.
E.
Ea sp. (auch bask.), pg. eia, dsgl. pr. eia (eya) Flam. 2311, cdtfr.
aye (aia tutti 'wda olle Gl. Cass.), sicil. jeja, interjeetion der aufforde-
rung oder Verwunderung; stimmt überein mit lat. eja, gr. eia, mhd. eiä,
letzteres nach Grimms vermuthung III, 301. 778 aus dem lateinischen
eingeführt, was von den romanischen Wörtern noch zuversichtlicher aus-
gesprochen werden darf.
Ebbio it., sp. yedgo, yezgo, pg. engo, pr. evol, fr. hifcble (h asp.)f
in Berry gdble, venez. gövalo attich; von ebulum. In yedgo läßt sich
d zwar aus 1 erklären (vgl. sendos von singulos), im übrigen aber bleibt
die entstetlung des Wortes stark; man hat darum selbst an eine Verwechse-
lung mit a&culus gedacht, Mein beide . gewächse sind grundverschieden.
Ebbridco, imbriaco, ubbriaco, briaco iL, altsp. embriägo, pr.
ebriac, wald. ubriart, fr. (in Berry) ebriat, imbriat betrunken; vom lat.
vermuthiieh nur volksmäßigen ebriäcus bei Plautus nach Nonius, gebildet
wie meräcus aus merus, wiewohl die lexica ebriäcus, als sei es griechisch,
setzen. Daher rührt der pflanz enname pr. abriaga, fr. ivraie trespe,
taubkraut, rauschkorn, ein Unkraut mit berauschender kraft.
Ecco it., wal. eace, pr. ec, altfr. eke, adverbium, von eceum, häu-
fig mit einem Personalpronomen verknüpft: it. eecomi, eccoti, eecolo, ec-
cola, eecoei u. s. f., wal. eaceme, pr. eevos, altfr. ekevos; aber sieher
auch sp. ele, elo, eia (für ec-le, ec-lo, ec-la), &ele (= it. eecotelo), nicht
etwa für hele oder feie aus vele (s. he II. b), da der abfall des an-
lautenden h für f = v minder leicht vor sich geht, niemals z. b. emencia
für hemencia, femencia = vehementia gesagt wird. Eine cumulation
ist pr. vec aus ve {imper. von vezer, lat. vide) und ec, daher veevos,
zsgz. veus; so auch in itcd. mundarten vecco, veccolo, dessen v Salviati,
Awertim. (Mü. 1810) II, 132, für reinen zusale hält. Aus ecce ist
126 L EDERA-ERA.
altfr. eis, es, ez mit angefügtem vos, wozu man einen plurcd mit
verbalflexion es-tes-vos schuf, nicht unähnlich dem it. egli-no; auch pg.
eis scheint aus ecce. Diese lat. partikel wirkt in vielen cotnpositis form-
und begriffsverstärkend, vgl. unten qua, quello, questo, qui.
Edera, ällera it., sp. hiedra, pg. hera, pr. edra, fr. lierre (aus
altfr. pic. hierre, yerre mit agglutiniertem artikd, den auch neap. lellera,
gen. lellua neigt) epheu; von hedera.
Egli it., sp. 61, pg. eile, pr. el, elh, fr. il, wal. el, pronomen.
Die- formen erklären sich theils aus ille, theüs aus illic für ille (^ei
Terenz). Dsgl. it. pr. fr. wal. lui (im prov. Boeth. lui accentuiert), muth-
maßlich aus ill-uic, s. Rom. gramm. II, 82; fem. it. pr. wal. lei7 altfr. (bürg.)
lei und eben sowohl Ii6, von illae für Uli; jrfur. tfc loro, pr. wal. lor, /r.
leur, von illorum {sard. insora v. ipsoram). In den seltsamen ital. plurcd-
formen egli-no, elle-no ist no ein offenbares verbalsufßx: egli-no canta-no.
Elce it., sard. 61ighe, pr. euze, fr. yeuse steineiehe, von ilex; it.
leccio, vom adj. ilicens. Gleicher bedeutung ist das abgd. it. elcina,
sp. encina, pg. enzinha, azinho, gewöhnlich azinheira, pr. olzina GO., vgl.
das adj. illicinas Yep. IV. num. 13 (aer. 952). Ital. lecceto stein-
eichenwaldj von ilicetum.
Elissire it., sp. elixir, fr. älixir eine auflösung verschiedener arznei-
Stoffe in Weingeist; vom ardb. el-iksfr stein der weisen, dieses aber, nach
Dozy, kein achtes arabisches, sondern ein dem griechischen entlehntes und
abgeändertes wort. Aus lat. elixus, welches andre aufstellen, würde sieh
die endung ir nicht erMären.
Elmo it. pg. altsp., nsp. yelmo, pr. elm, fr. heanme (h asp.); vom
ahd. heim, altn. hiälmr, goth. hilms. Eine altpg. bedeutung ist decke
(etwas schüttendes): unum elmum laboratum pro saper ipsum altare urk.
v. j. 1087 SRos. Abgd. sp. pg. almete für elmete vielleicht nach dem
altfr. healmet; aus almete aber scheint sich tpiederum das fr. armet
Pickelhaube zu erklären.
Endivia it. sp. pg. pr., endive fr. ein kraut, endivie; vom lat.
intybus (intibus, intubus Schneider 1, 47), genauer von dem unvorhan-
denen adj. intybeus, intybea.
Enola, ella, lella it., sp. pg. £nula und ala, fr. aunöe eine pflanze,
alant; von inula, gr. itevtov. Alter und volksüblichkeit der zweiten
span. form ergibt sich aus Isidors stelle: inula, quam alam rustici vocant
Letzteres scheint, wie Weigand bemerkt, noch in unserm aalbeere für
alantbeere durchzublicken.
Era it. sp., ere fr. Zeitrechnung d. h. die folge der von einem festen
zeitpuncte an gezählten jähre. Dem Römer waren aera, plur. von aes,
rechenpfennige, dsgl. die posten in einer rechnung. Erst die späteste la-
tinität machte hieraus einen sing, aera, gen. aerae (roman. beispide
dieser art s. Gramm. II, 23) und brauchte das neue wort theils in dem
bemerkten sinne, theils für eine gegebene zahl, wonach eine rechnung an-
gestellt werden soll, theils endlich für die epoche, von der man in der
I. ERMO— ESCIRE. 127
Zeitrechnung ausgeht, letztere bedeuiung bei Isidorus, s. Freund s. v. Im
span. bedeutete das wart, so lange die aera hispanica dauerte d. h. bis 1383,
schlechtweg so viel als ano = annus; es aber darum aus dem gothischen
zu schöpfen, worin jSr, pl. jSra, dieselbe bedeutung hat, ist verlorene mühe.
Ermo iL, sp. yermo, pr. cdtfr. ernie, henne, wal. ermu, basJc. eremu
einsam, als sbst. einöde; vom gr. eQiyiuog, sbst. fj i'Qrj^os, lat. eremus, bei
Frudentius eremus (fervebat via sicca erfemi serpentibas atris), mlat.
ermus, heraus, so daß die rotnan. spräche hier dem griech. accent folgte.
Abgel. neupr. hermas heide.
Ervo und lero (aus Tervo) it., sp. yervo, yero, pr. fr. ers eine
Hülsenfrucht; von ervum, die form ers vielleicht durch einwirkung des
dtschen erbse, ahd. arwiz. Aus dem abgeleiteten lat. ervilia (wiche) ent-
stand sp. arveja, alverja, com. erbeja, it. rubiglia, letzteres mit umge-
stelltem r (ebenso rigoglio neben orgoglio), dsgl. mail. erbion für erviglione.
E sca it. pr., altfr. eche G. Guiart I, 156, sp. yesca, wal. easc^
sunder; vom lat. esca lockspeise (des feuers). Schon Isidorus kennt die
neuere bedeutung: esca vulgo dicitur (fungas), quod sit fomes ignis.
Das einfache vb. escar in der bed. ködern besitzet nur die prov. mund-
art, pr. iscar hei fit die angel mit köder versehen, sard. escai ätzen, füttern;
zsgs. it. adescare, sp. enescar. Von esca ist auch sp. es quer o großer
lederner beutet für feuerzeug u. dgl.
Escamel sp. pg. ein bankartiges geräthe der schwertfeger, pr. es-
caimel, altfr. eschamel ein bänkchen, schemel; nicht von scabellum (it.
sgabello, fr. escabeau, cot. escambell u. s. w.)9 wie Grandgagnage I, 269
richtig bemerkt, sondern von der form scamellum (al. scamillum, scam-
nellum) bei Priscian aus Aptdejus.
Escanciar sp., escancar pg., eschancer altfr. einschenken (chw.
schanghiar schenken, dono dare); sbst. /r. echanson, sp. escanciano,
pg. escangäo der schenke; vom ahd. scencan, sbst. scenco, ursprünglicher
scanejan, scancjo, woher zunächst das mlat. scancio, scantio L. Sal. 11, 1
(cod. fuld.). Vom nhd. schenken aber leitet man fr. chinquer zechen,
wofür mundartlich aber auch chiquer vorkommt, s. Biet. Genev. v. chique.
Die üal. spräche hat scanefa, scansfa gesteil mit fächern für gläser
oder bücher = mlat. scancia schenke, bair. schanz.
fescara it., sp. pg. escara, fr. escarre schorf, grind; vom lat.
eschära (£o%aQa).
Escire it., gewöhnt, uscire, wal. esi, altsp. exir, pr. altfr. eissir,
issir, ussir ausgehn; von exire. Zsgs. it. ri uscire, fr. röussir wohl aus-
gehen, gelingen, altfr. rissir wieder ausgehn. Was die formen uscire und
issir betrifft, so darf einmischung des sbst. uscio, altfr. us thüre ver-
muthet werden; Castdvetro II, 261 leitet das verbum gradezu daher ab.
Man lebt im hause, nicht im freien : thüre wird darum zuerst als ausgang,
nicht als eingang, gefaßt, lat. foras ire, gr. xtvQaCe eQxeo&au, drücken die
Bewegung von innen nach der thüre und durch dieselbe aus; bask. athea
ist = it. uscio, atheratu = uscire.
128 I. ESCLUSA-ESSEKE.
Esciusa sp., äcluse fr. schleuse, mUst. exclusa, sclnsa L. Sei., Greg.
Tur., Venant. Fort.; von excludere, nicht vom ahd. sliozan schließen,
das eher fr. öcluce, äclusse erzeugt haben würde, darum auch ndl. slnys,
nicht gluyt.
Escupir sp. pg., pr. dltfr. escopir, escupir, und. scuipa speien,
alb. scüpira auswurf. Umstellung aus exspnere (ecspuere) wäre nicht
gegen den geist wenigstens der span. spräche, aber dem weit verbreiteten
warte (vgl. Dief. Goth. wb. II, 296) scheint eine eigne würzet zuzukommen.
Esmar j?r., dltfr. esmer, oitsp. altpg, asmar, osmar Trav. schätzen;
sbst. pr. dltfr. esme, cot. esma, acc. Ime, lothr. aume Schätzung; von
aestimare. Zsgs. pr. azesmar d. i. adaestimare (oft asesmar geschr.)
berechnen, bereiten (Übergang vom gedanken zur that, wie etwa im mhd.
reiten computare, parare): a son colp azesmat er hat seinen streich wohl
berechnet, hat wohl gezielt Fer. 1636; mit Wandlung des s in r azermar,
endlich auch sermar. Von azesmar ist das dltfr. acesmer ordnen z. b.
la bataille, altgenues. acesmar Arch. stör. Ual. num. 18, p. 34. 39, gewiß
auch Dante' s accismare zurichten Inf. 28, 37, das man sonst aus cisma
(oxiotia) erklärt; aber auch azzimare, sp. azemar, welches mit gr. aCpilog
nichts gemein haben kann. Esmar, pic. amer, findet sich wieder im engl.
aim beabsichtigen, zielen, mhd. amen, aemen mit letzterer bedeutung.
ßssere it., pr. chw. 6sser, fr. fetre, sp, pg. ser vb. sein. Daß man
lat. esse, um ihm die gestalt eines rom. infinitivs zu leihen, in essere
erweiterte (sard. neben essiri noch essi), liegt auf der hand, und diese
büdung kommt in alten Urkunden mehrmals vor, z. b. impf. coty. esseret
Fumag. p. 18 (vor dem j. 750), vgl. Ducange. Franz. mußte sich das
wort in die form estre, fetre kleiden wie tessere (texere) in die form
tistre, tttre, und auch jene form läßt sich früh nachweisen. Span, ser
aber, das in der alten spräche seer geschrieben und zweisilbig gesprochen
ward, kann nur von sedere lierrühren, wie Born, gramm. II, 174 aus-
geführt ist. Dies verbum hatte schon im latein die bed. sich wo befinden,
bleiben oder wohnen entwickelt, und so brauchte es das mittelatter sehr
häufig: wenn es der Römer z. b. hin und wieder einmal auf die läge
einer stadt anwendet (Campo Nola sedet), so ist es später der übliche
ausdruck bei städten oder bergen, z. b. mons in valle sedet Venant. Fort.
3, 10; dltfr. ü Borne seit wo Rom liege Brt. I, p. 3, ebenso sied bei
Froissart; it. siede la terra sulla marina Inf. o, 97 ; rivo o fönte siede
ombrosa valle Petr. canz. 17, 1. Gerne verband es sich zumal, als ein
intensiveres hülfsverb, mit participien: ut orbata filiis sedeas Greg. Tur.
5, 40; de hac causa ductus sedeat Form. Marc. 1, 38; besonders häufig
in Spanien: non sedeat dimissum sei nicht entlassen Esp. sagr. XXXVI,
p. XXVIII (v.j. 1020); quod sedeamus perjuratos XL, 411 (v.j.1032);
sedeat excusato SRos. I, 54 (v. j. 1189). So denn auch aitsp. seo bien
pagado Bc. Mil. 816; en la su merced seo Bc. SDom. 757. Endlich
mischte sich sedere entschieden mit esse, es lieh ihm den imperativ (s6,
sonst sey), das gerundium, das particip. prät. (sido, sonst seYdo), den
I. ESSO-ESTRIBO. 129
»
infinüiv, vielleicht auch das präs. conj. (sea, sonst seya), zuweilen auch
das mperfect (altpg. sia für era, SBos. v. syha). Man halte dazu goth.
visan tooAn^n, bleiben, sein, Grimm IV, 821.
Esso it., alt isso, sp. ese, pg. esse, .pr. eis, älter eps JBtfA., Pass.
(fe J. Chr., wal. insu, pronomen, von ipse, a&sp. essi von ips' hie. -4fe
JMitfrum oder adverbium verbindet sich esso 0/2 mft Partikeln, wie im it.
lunghesso, sovresso, im pr. aneeis (?), demanes, vgl. lat. nunc ipsum,
isthuc ipsum Terent. Andr. 1, 2, 13, sp. ahora mismo; mit dem dtschen
da-selbst stimmt das pr. aqui eis (im Jaufre oft) wörtlich Hierein. Eine
zss. für lat. nunc (auch perpetuo) ist it. ade s so, altsp. adiesso, pr.
atifr. ades von ad ipsum; gleichbed. altit. issa (churw. ussa) von ipsa
sc. hora = altsp. esora. Ein andres adverb. kennt nur der nordwesten:
pr. epsamen, eissamen, altfr. esement Ben. III, 400, essement Carp.,
essiment Greg. 441. 443, s. v. a. lat. eodem modo, pariter, wofür altfr.
ensement {mit eingeschobenem n) weit üblicher, pr. ensament ziemlich
selten ist, da es wohl nur im Jaufre vorkommt. Vgl. auch des.
Esto altit., sp. pg. este, pr. est, altfr. ist (in den Eiden) \ wal. ist,
aist, pronomen, von iste. Zsgs. it. questo, eotesto s. II. a.
Estribo sp. pg., cot. estreb, pr. estrep Jfr., estreup (estruep Chx.
III, 143), estriub, estrieu, estriop GO., altfr. estreu Ben., estrief PMousk.
Steigbügel; abgd. sp. estribera, pg. estribeira, pr. mit u für i estru-
bieira, fr. ötriviere und masc. 6trier (zsgz. aus ätrivier?). Das itdl. ge-
biet setzt staffa an die stelle dieses wortes. Estribo und estriub, für die
doch schwerlich zwei verschiedene quellen anzunehmen sind, decken sich
nicht vollkommen, da pr. u dem sp. b hinlänglich antwortet (vgl. sp. es-
cribo, pr. escriu, escrieu), b oder p also nochmals beigefügt sein müßte:
in der form estrubieira ist einfluß des diphthonges (in) anzunehmen und
es scheint nicht nöthig, strüpus {für struppus) zu hülfe zu rufen. Die
frans. Wörter zeigen dagegen nichts anomales. Entschieden abzulehnen ist
Salmasius' herleitung (von ätrivi&re) aus gr. doTgaßr] hölzerner sottet, in
den Isid. glossen Habella, in qua pedes requieseunf, also fußbänkchen, in-
dem weder die bedeutung noch der tonvocäl passen, s. Caseneuve v. ätrieu.
Frisch II, 348 führt das rom'. wort auf das nds. striepe lederschlinge
zurück. Wackernagel verweist dagegen auf mhd. stege-rei^ mndd. sti-reip,
für die bedeutung genügend und auch der form nicht widersprechend, wenn
man es in streep zusammenzieht; das engl, stirrup könnte uns sogar das
pr. estreup erklären, wenn jene form hoch genug hinauf gienge (ags.
stfgrap, stlrap). Zu dem Substantiv gesellt sich noch ein verbum: sp. pg.
pr. estribar, cot. estrebar stützen, sich stützen (der bügel ist des reitet s
stütze), port. auch den fuß in den bügel setzen, altfr. des-estriver aus
dem bügel bringen (del destre pi6 l'a tout desestrivä RCam. p. 159) ;
eine prov. nebenform estrubar knüpft dieses verbum fester mit dem Sub-
stantiv zusammen. Dazu kommt ein altsp. compositum eostribo stütze,
costribar sich anstrengen. Merkwürdig ist, daß dieses costribar auch die
bed. von constipare, so wie sp. estribar die von stipare hat d. h. stopfen,
9
130 I. ESTKO— FACCIA.
anfüllen : sollten sie mit eingeschobenem r daraus entstanden sein ? AUein
ihr Zusammenhang mit estribo ist evident; stipare kann sich eingemengt
haben. Entschieden erinnert estribar an unser streben, estribo heißt auch
Strebepfeiler, aber die bed. bügel ist unserm strebe fremd. WoJd aber passt
streben zu alt fr. estriver kämpfen, (mhd. z. b. mit dem tievel streben),
sbst. estrif kämpf (woraus bret. strif, engl, strife), auch pr. estri-s. Frei-
lich estrit im Leodegar str. 10 trifft genau mit ahd. strft Busammen, und
selbst estriver konnte aus strttan entstehen. — Wir haben hier wieder ein
beispiel von der Unsicherheit etymologischer kunst auf einem gebiete, wo
sich sinn- und lautverwandte Wörter berechtigter sprachen von edlen Seiten
zudrängen, ohne daß es sich entscheiden läßt, ob eins oder mehrere der-
selben an einem roman. produete theil haben mögen. — Nicht verschieden
von dem behandelten werte scheint sp. estribo, estribillo schlußreim, refrän,
eigentl. worauf man sich stützt wie auf den Stegreif, worauf man stets
zurückkommt. Daher vermuthlich in hinsieht auf die poetische form, altsp.
estribote (escarnios & laydos estribotes Bc. SDom. 648), altfr. estri-
bot, estrabot (vers ne firent e estraboz ü out assez de vilains moz
s. Ben. I, p. 288), pr. estribot PO. p. 324 spottlied. Vgl. strambo.
Estro it. sp. begeisterung ; von oestrus (oiotqoq) gleichbedeutend.
F.
Faccenda it., pg. pr. fazenda, sp. hacienda, oitfr. faciende ge-
schaß ; plur. des partieips faciendum. Span. port. bedeutet es zumal Ver-
waltung der guter so wie die verwalteten guter selbst, Oberhaupt habe,
vermögen, daher it. azienda. Geschäfte und landgut heißt auch das pr.
afar, s. oben affare.
Facchino it., sp. faquin, fr. faquin sackträger. In dieser bedeu-
tung führt Nicot das franz. wort an, aber als ein aus Itcdien gekommenes.
Jetzt heißt es wicht, scheint, stroh- oder hclzfigur, wonach man rannte,
mdartl. (norm. pic. betr. u. s. w.) geputzter mann, stutzet. Läßt sich sein
früheres vorkommen im franz. erweisen, so ist vermuthlieh ein älteres ndl.
vant-kin (veyntken KU.) = neundl. ventje junger bursche (kerlchen)
darin enthalten und das wort hat sich in derber bedeutung (kerl) aus
Frankreich weiter verbreitet. Die herleitung aus fascis kann natürlich
nicht genügen; eher wäre arab. faqir arm, dürftig Freyt. III, 363* her-
anzuziehen. Sicil. facchinu heißt schenkwirth. — [Schder unterstützt die
obige vermuthung noch durch hinweisung aa/"maimequin: auch dieses gieng
von der bed. männchen aus und gelangte zur bed. hölzerne puppe.]
Faccia it., wal. fatze, pr. fassa, fr. face, dsgl. pr. fatz, sp. haz
(facha aus dem ited.), pg. face gesicht; von facies, doch führen die vier
ersten formen auf ein altrom. fecia, das sich bereits in den Gasseier glossen
vorfindet: facias 'wangun. Dieselbe form bekennt auch das span. eis
Präposition für lat. versus gebrauchte häcia (fäcia): andaba hacia (&)
la puente heißt eigentl. "er gieng das gesicht nach der brücke gewandt9,
I. FAGGIO-FALAVESCA. 131
vgl Mayans y Sisear I, 70. Zsgs. pr. es-fassar, /r. effacer auslöschen,
fügen, eigenÜ. das ansehn entstellen, unkenntlich machen.
Faggio it., fetj cot., fem. sp. haya, pg.pr. faia buche, altfr. fage
(f.) buchenwald; vom adj. fageus, fagea, eine für verschiedene namen der
bäume gewählte form. Aber auch das sbst. fagns verlor sich nicht: toal.
fag, sie. fegu, fau, pr. chw. henneg. fau, altfr. fo, feu LR., lomb. gen. fo ;
schon in den Erfurter glossen 322, 34 ganz romanisch fau carbor i. e.
boc (buche). Eine abl. ist fr. fouteau buche, früher wahrscheinlich fou-
eao, wie noch pic. fo-iau s. H&cart, nachher t eingeschoben; fr. fatne
buchecker, altfr. lothr. fitfne, vom adj. faginea, zsgz. fdgina, wie schon in
den Schlettst. glossen VI, 214 aeeentuiert wird; dafür it. faggiuola, sp.
Muco (statt fagueo) mit demselben suffix wie in almendrueo mandel, cot.
fatja d. i. fagea.
Fag otto, fangotto it., pr.fr. fagot, sp. fogote reisbündel, reiswelle,
daher engl, faggot, kymr. ffagod (f.). Auch ein blasinstrument wird so
genannt, wahrscheinlich, weil es sich in mehrere theüe zerlegen und wie
ein reisbündel Jmsammenpacken läßt. Fax facis bedeutet ursprüngl. ein
bündd Späne, gr. qxxxelog, hieraus fagotto mit anschtießung an die nomi-
nativform fac-s {nicht an fac-em, it. face) und erweichung der kehltenuis
in die media wie im it. sorgo aus sorec-8, sp. perdigon aus perdic-s,
pr. lugor aus luc-s; wegen der ähnlichkeit mit einem bündel späne konnte
der name einer reiswelle aus fax gebildet werden, um so mehr als sie
gleichfalls zum brennen bestimmt war. Das sp. fogote ist wohl aus dem
frone, entlehnt und dankt seine abweichende form einer umdeutung mit
fuego, dem Portugiesen und Catalanen fehlt das wort ganz. Fax scheint
sich erhalten zu haben im wal. hac reisbündel (so ja auch nuc von nux),
das nickt von fagus, wal. fag, herrühren kann. Von fagus leiten andre
auch fagotto, aber wäre daraus nicht fr. fayot geworden? wenigstens haben
wir eben gesehen, daß fagus seine kehlmedia nirgends festhält
Fafna it., ebenso mit radicalem a cot. fagina, neupr. faguino, fa-
hino, altfr. fayne, mit radicalem ou neufr. fouine, daher wohl sp. fuina,
pg. fuinha, vgl. ven. fuina, foina, lomb. piem. foin marder. Nach Adelung
vom dtschen fehe ausländischer marder, ags. fag, fah bunt, gemalt, glän-
zend, goth. f&ih (letzteres von Grimm P. 94 gefolgert). Im franz. müßte
der stammvocal ausgeartet sein, fast wie in poele aus patella. Dagegen
deutet Diefenbach das wort mit berufung auf die catal. form und auf
unser 'buchmarder aus fagus. Dieser deutung beistimmend darf man sich
m betreff des fr. fou-ine auf das altfr. fo (s. oben faggio) berufen. Seit-
sam ist das churw. fierna, fiergna. Von dem subst. kommt ein verbum
genf. fouiner, henneg. founier, lomb. fognä, ausspüren, durchsuchen, wie
fr. fureter durchstöbern von füret frettchen, it. braccare nachspüren von
braeco Spürhund. Das wallon. vb. fougnl hält Grandgagnage lieber für
das /r. fouiller: fouine lautet hier faweine.
Falavesca it. (s. Menage) flugasche, pg. fafsca, altsp. fufsca funke;
vb. pg. faiscar sprühen. Falavesca ist versetzt aus favalesca für favil-
132 I. FALBALA- FALDA.
lesca von favilla glühende asche, mundartl. z. b. veron. parm. cretnon.
faliva; faisca entstand vermöge der bekannten abneigung des Portugiesen
vor 1; faisca steht wohl für foisca, dies für fovisca felvisca (vgl. topo,
lat. talpa). Das ahd. falawisca ist, wie Diefenbach bemerkt, romanischer
herkunft. Dasselbe suffix zeigt auch das synonyme fr. flammöche von
flamma.
Falbalä it. sp. pg. fr., span. auch farfalä, cremon. parm. frambalä,
pietn. farabalä, henneg. febala gefältelter besäte an weiberröcken, falbel.
Unbekannter herkunft Es ist kaum der erwähnung werth, daß es Genin,
Recreat. philol. I, 11, aus einer Verlängerung des sinnverwandten sp.
felda erklärt.
Falbo it., sp. fehlt, pr. falb, fr. fauve helvus, güvus. Nicht wohl
von flavns, denn 1 pflegt die anlautende muta nicht zu verlassen; sicherer
vom ahd. falo, flectiert falwer, dessen w im ital. eben sowohl wie im nhd.
falb zu b werden konnte. Falbus Gl. Paris, ed. Hild., falwug GL Lin-
denbr., falvus ^fvlvus, dvus color Papias.
Falcare, diffalcare it., sp. pg. desfelcar, fr. däfelqner einen ab-
zug machen von einer summe. Die übliche herleitung ist von feix, so daß
es hieße absicheln, was zu seiner bedeutung übel passt. Es ist vielmehr
ganz deutsch: ahd. falgan berauben, abziehen, nach härterer ausspräche
felcan. Wäre das deutsche wort aus dem romanischen, so lautete es fei-
chan, felachan.
Falcone it., sp. halcon, pg. falcäo, pr. felco, fr. fencon, spätgr.
qxxkmov (Suidas), nebst den nominativformen it. falco, pr. falcx, aitfr.
faucs ein raubvogd, ahd. falcho; vom lat. felco, erst bei Servius ad Arn.
10, 146, gebildet von feix, also eigentl. sichelträger wegen der stark ge-
krümmten krallen des vogels, vgl. felcnla kleine stehet, kralle. Nach
Festus nannte man falcones auch menschen mit eingekrümmter großer
zehe, quorum digiti pollices in pedibus intro sunt curvati. Über das
Verhältnis des gael. feolchon und kymr. gwalch zum neulat. warte s.
Diefenbach, Orig. europ. p. 340. — Dem Mittelalter, welches die beize
liebte, lag es nahe, einer Schußwaffe oder einem wurfgeschütz den namen
eines stoßvogels beizulegen, welcher name denn auch auf die feuerwaffm
der neueren zeit übergieng, und so heißt falcone, felcon, fencon (woher
unser falkanne) ein schweres geschütz, falconetto, falconete, fouconneau
ein leichteres, fddschlange. Vgl. unten moschetto, sagro, terznolo.
Falda it., sp. falda, halda, pg. fralda, pr. feuda, oXtfr. feude der
untere faltige theil eines kleidungsstücks, schooß, säum; vom ahd. feit, ags.
feald plica, welcher bedeutung sich das chw. falda genauer anschließ.
Das it. sp. pg. wort bedeutet amh die biegung oder den abhang eines
berges bis zu seinem fuße d. h. den untern wie bei einem rock sich aus-
breitenden theil desselben: es ist also nicht nothwendig, ihm in diesem
sinne das ahd. halda, nhd. halde unterzulegen, auch kommt f aus h vor
vocdlen im span. wenig, in der ital. Schriftsprache gar nicht vor, Vb. altfr.
fand er plier Bog., von fei tan.
I. FALDISTORIO-FANGO. 133
Faldistorio it. sp. pg., altfr. faudestaeil, nfr. fauteuil lehnsessel;
vom ahd. faltstuol, weil er zusammengefallen werden konnte wie die römische
sella curulis. Für faldistorio findet sich aitsp. auch facistor, facistol,
das jetzt hirchenpult bedeutet, vermutUich von falz-stuol. Dahin auch it.
palchistuolo Wetterdach (von palco).
Fallire it., altsp. altpg. fallir falir (jetzt fallecer falecer), pr. fr.
faillir fehlen, verfeMen, täuschen, daher unser fehlen, mhd. vaelen; von
fidlere. Aus den starken formen des fr. faillir, das ehedem im perf. und
im part.prät. doppelformig war, gestaltete sich ein zweites, unpersönliches
verbum mit der bed. nöthig sein, präs. fant, pf fallut, part. fallu, inf.
falloir, altfr. faldre, faudre NFC. I, 26: il me fant = tat. me fallit
es entgeht mir, ist mir nöthig. Aus fallire ist das subst. it. fallo,
falla, aitsp. falla Sanchez gloss., und so pr. falha, altfr. faule, selbst
Mit. faglia Trucch. I, 52. 86, PPS. I, 48 mangd, fehler; freilich schon
tot. bei Nonius falla, fala für fallacia, allein gegen diesen Ursprung zeugt
das erweichte 11 der franz. formy da dies regelrecht nur vor oder nach
i aus lat. 11 entspringt. Aus dem Substantiv floß das vb. it. fallare täu-
schen, sp. fallar verläugnen, chw. fallar fehlschlagen.
Falö it. freudenfeuer, fr. falot laterne; von q>avog leuchte, oder von
(paQog leuchtthurm, vgl. piem. farö, ven. fand. Adj. it. falotico wunder-
lich (flackerig?). Von q>avog ist auch it. f anale, sp. fr. fanal schiff s-
laterne.
Faltare it., sp. pg. faltar mangeln, fehlen; daher sbst. it. sp. pg.
falta, fr. fante mangd, fehler, und aus diesem subst. das sp. pg. adj.
falto mangelhaft; zsgs. it. diffalta, pr. defanta, altfr. defaute, masc.
neufr. d6faut s. v. a. falta. Das verbum ist ein rom. iterativ von fallere,
also syncopiert aus fallitare.
Famiglio it., altsp. altpg. famillo, familio, churw. famaigl diener,
häseher; moviert aus familia, vgl. sp. manceba aus mancipium, worin
ein feminin aus einem neutrum moviert ward, Rom. gramm. II, 297.
Fanfa altsp. pr ahler ei; it. fdnfano, sp. fanfarron, fr. fanfaron
prahlerisch, fanfare trompetenschall; dsgl. sp. farfante, occ. farfan-
taire großsprecher; wohl nur naturausdrücke.
Fanfalnca it. loderasche, figürl. possen, fr. fanfreluche, alt fanfe-
lue, flüterbram, norm, fanflue blitzen vor den äugen. Die Flor, glossen
haben: famfaluca graece, bnlla aqnatica latine dicitur. Es ist entstellt
aus pompholyx, das zugleich Wasserblase und hüttenrauch bedeutet. Eine
abkürzung scheint maü. fanfhlla, com. fanfola, sie. fanfonj (pl.) possen;
eine noch stärkere das ältfr. falue Parton. I, 30; eine ableitung fr. fre-
luquet geck, Stutzer, für fanfreluquet.
Fango it. sp., pr. altfr. fanc, fem. lomb. fanga, pr. fanha, fr.
fange, norm, fangue schlämm. Vom goth. fani (n.), gen. fanjis, dessen
i oder j sich in fanha phonetisch ganz richtig durch h darstellte, sonst
aber zieh zu g oder c verhärtete, vgl. lat. venio, ü. vengo, pr. venc.
Die Bretonen haben fank aus dem altfranz., wenn auch Pictet p. 32 es
X
134 L FARDO— FASTIDIO.
nebst dem ir. fochall zu sanskr. panka ordnet. Das adj. fangoso, fen-
geux, stimmt zwar buchstäblich zu dem von Festus angeführten famicosus
palustris (von famex nach 0. Müller), muß aber folgerecht auf fango
zurückgeleitet werden. Vgl. hiereu Grandgagnage II, p. XXIII.
Fardo sp. pg. schwerer pack, ballen; sp. fardillo, pg. pr. fardel
bündel, reisesack, fr. fardeau last, bürde; sp. farda, alfarda kerbe in
einem bälken, dsgl. eine gewisse abgäbe, pg. farda, alfarda soldatenrock;
sp. farda ge, pg. fardagem, it. fardaggio soldatengepäck. Die nur im
Südwesten heimischen primitiva lassen arab. Ursprung vermuthen. Hier
heißt far d (fardon) kerbe des pfeils, gesetzliche Zahlung, löhnung des
Soldaten, tuch, Meldung Freyt. III, 335", und hierzu passen die bedeu-
tungen von farda. Weniger die von fardo, aber sein dimm. fardel be-
deutet doch auch die ausstattung einer braut mit kleidern, nicht bloß
bündel: sonst dürfte man auch cm arab. chard impedimentum Gol. 695
denken.
Farfalla it. Schmetterling, auch figürlich flotter geist, wal. ferf&le mit
letzterer bedeutung (aus dem ital.?), bask. nlifarfalla (ulia mucke); pg.
farfalhas plur. metallschnitzd vom prägen, dsgl. auf Schneiderei; vb. it.
sfarfallare aufschneiden, wind machen, neupr. esfarfalhä ausstreuen
(fr. ^par piller). Aus papilio ward it. parpaglione und vielleicht durch
einfluß des ahd. fifaltra (Schmetterling) farfaglione, farfalla. übrigens
trifft man farfall auch im schwedischen. Menage' s erklärung aus gr. (paklrj
(fj neTiüftivt} xpvxfj Hesych.), durch reduplication fafalla farfalla, seiet
einen Vorgang voraus, den nur franz. mundarten (henneg. beträte von träte)
kennen. Anzumerken ist noch comask. farf&tola in der bemerkten figür-
lichen bed. flattergeist, sard. parabatula, barabatula in der eigentlichen.
Etymologisch zu trennen von farfalla ist churw. fafarinna d. i. lat. fac
farinam mach' mehl: der Schmetterling wird müller genannt, weil er be-
stäubt ist; auch bei uns nennen ihn die kinder müller mahler. Damit
trifft der sardische ausdruck faghe-farina zusammen.
Farfogliare neap., lomb. farfojä, sp. farfallar, henneg. farfoulier
stottern; von ähnlicher bedeutung arab. farfara viel und verworren reden
Freyt. III, 339h.
Farsa it. sp.pg. aus dem fr. farce dramatische posse, ursprünglich,
wie noch im franz., füllsel, daher nach der ansieht der franz. litterär-
historiker ein gemenge von allerhand gegenständen; vom pari, farsus aus-
gestopft, woher auch it. farsetto wams d. h. etwas ausgestopftes. Daß
die begriffe des lat. satira denselben gang genommen, erinnert Wacker-
nagel. Von farsa ist wohl auch pg. disfarzar, sp. disfrazar (cat. dis-
fressar!) verkleiden, maskieren, wie in den Schauspielen.
Fascio it., sp. faxo und als zweite form haz, pg. feixe, fr. faix
bund, bürde; von fascis. Abgel. it. fastello (für fascettello), fr. feis-
ceau bündel; it. fascina, sp. faxina, hacina u. s. w. reisbündd; vb. pr.
affaissar, fr. affaisser niederdrücken.
Fastidio it., sp. fastio, hastfo, jenes auch pg., cat. fastig, pr. fastig,
L FATA-FELCE. 135
fastic, fasti, altfr. fasti Roq. Überdruß, Widerwille, von fastidium; daher
vb. it. fastidiare, altsp. hastiar, pr. fastigar, fasticar, fr. fascher,
facher Überdruß machen, ärgern; adj. it. fastidioso, altsp. hastioso,
cot. pr. fastigos, fr. facheux, lat. fastidiosus. Auffallend ist in einigen
sprachen der ungesetzliche übertritt des lat. di oder dj in gutturales g
oder c, der sich kaum anders als aus einer dbleitung fast-icare erMären
lassen möchte.
Fata it., sp. fada, hada, pg. pr. fada, fr. fge, dauphin. faye, mhd.
feie, feine ein dämonisches schicksalbestimmendes wesen; vb. it. fatare,
sp. hadar, pr. fadar, altfr. föer, feer, mhd. feinen verhängen, bezaubern,
fest machen (dex l'a faä gott hat ihn fest, unverwundbar gemacht DMce.
p. 121, 26); vom lat. fata für parca, schon auf einer münze Diocletians,
vgl. auch fatis für diis manibus auf einer inschrift ohne datum Grut.
869, 11. Es ist aus fatum moviert gleich dem masc. fatus bei Petronius,
wiewohl auch die herleitung des rom. wortes aus fatua Wahrsagerin Mar-
cid». Gap. nicht regelwidrig wäre. Andre deutungen erwähnt Müller,
Mhd. wb. IU, 289.
Fattizio it. ff. durch kunst hervorgebracht, lat. facticius; sbst. sp.
hechizo, pg. feüi§o Zauberei, wie ahd. zoubar von zouwan machen
(Grimm, Myth. p. 985); daher sp. hechicero, pg. feiticeiro Zauberer,
it. fattucchiero. Auch factura gieng auf diese bedeutung ein: it. fattura,
pr. faitura: vb. it. fetturare, pr. faiturar; sbst. pr. fachnrier, dauph. fai-
turier. Prov. faitilha bezauberung muß gleichfalls aus facere abge-
leitet sein.
Favola it., fr. fable, pr. faula mährchen, sp. fabla, habla, pg. falla
rede, von fabula, it. favella spräche, von fabella, masc. sard. fueddu
rede, wort; dimin. fr. fabliau, altfr. pr. fablel Meine er Zählung; vb. it.
favolare, favellare, sp. hablar (woher seit dem 16. jh. fr. habler mit
asp. h), pg. fallar und so pr. favelar, faular, altfr. fabler erzählen, reden,
wdl. heblei plaudern, von fabulari, mlat. fabellari Gl.' Paris, ed Hildebr.
Die Uci. nebenform fola ist = pr. faula; fiaba = altfr. flabe, mit ver-
setztem 1.
Fggato it., sp. hfgado, pg. figado, pr. fetge, fr. foie (m.) leber;
vom mlat. ficatum sc. jecur, eigentlich die mit feigen gemästete gänseleber
(pinguibus et ficis pastnm jecur anseris albi Horat. sat. 2, 8, 88), dem-
nächst Über überhaupt, vgl. ngr. oixozi aus ovxcotov rjnaQ. Die ausspräche
ficatum mag früh aufgekommen sein, da sie gemeinromanisch ist, die
Cassder glossen bringen bereits figido, worin die zweite sübe, da sie &
mit i tauschen konnte, unbetont gewesen sein muß. Nur der Sarde spricht
figiu, der Venezianer figi, der Wcdache fic&t Durch Umstellung entstand
das lomb. fidegh aus flghed, letzteres dem erwähnten figido ganz nahe
stehend.
Felce ü., sp. helecho, fr. fougfere farrenhraut; das erste (nebst
democc. feouze) von filix, das zweite von filictum, das dritte (für feugere)
von dem unlat. filicaria.
136 I. FELLO— FELTRO.
Fello it., pr. altfr. fei grausam, gotttos; it. fellone großer böse-
wicht, altsp. felon, fellon Bc. s. v. a. it. fello, fr. fflon auch meineidig,
rebellisch; it. altsp. fellonia, pr. felnia, feunia ruchlosigkeit, fr. fölonie
Verletzung der vassaUenpflicht, lehensfrevel, und so auch nsp. felonia.
Mlat. felo im 9. jh. : non tibi Bit curae, rex, quae tibi refenmt illi fe-
lones atque ignobiles Gap. Car. C. Man leitet das wort wohl vom lat.
fei, adjectivisch gebraucht, so daß es gallicht, zornig bedeutete (vgl. pr.
fin e lial e senes fei treu, redlich und ohne galle M. I, p. 212"), aber
es verschmäht überall den grammatisch wohlbegründeten im it. fiele, sp.
hiel, fr. fiel vorliegenden diphthong. Das vorhandene adj. felleus würde
nur zur prov. form felh stimmen. Eine neue bildung fello fellonis wäre
ungewöhnlich und ergäbe schwerlich ein it. fello, denn solche nominativ-
formen scheinen nur aus vorhandenen lat. Wörtern herzustammen (ladro,
ladrone). Dagegen sieht Hickes seinen Ursprung in dem bei Sommer ver-
zeichneten ags. feil böse, grausam, engl, feil = ndl. fei. Sehen wir aber
von diesem in den quellen nicht vorkommenden ags. worte ab, dessen deutsch-
heit noch dahin steht, so bietet sich uns das ahd. vb. fillan: davon ist ein
sbst. fillo geissder, schinder (und die grundbedeutung von fello ist 'grau-
sam, unbarmherzig^) anzunehmen, dem sowohl fello wie fellone gemäß ist.
Das offne ital. e hindert nicht, es ist auch in vfello von lat. villus. Diese
etymologie wird noch durch eine Wahrnehmung an dem rom. worte unter-
stützt. Die ursprüngliche declination im prov. und altfr anz. ist nom. sg.
fei (fels), acc. felon (so durchaus in der Passion Christi und im Leodegar),
der nom. felon ist selten und eine spätere verirrung. Alle ableitungen,
selbst das fem. felona (fella ist unbekannt) fließen aus dem casus obliquus.
Das wort verlangt also ein etymon, dessen accus, die endung on zeigt,
d. h. ein thema felon, und dies gewährt das deutsche fillo, acc. fillan,
fillon. — [ Was sich allein gegen diese deutung einwenden läßt, ist daß
sie auf ein nur vorausgesetztes, wenn auch mit grund vorausgesetztes wort
gebaut ist. Aber die quellensprachen verweigern ein besseres. Man könnte
noch an kymr. ffell (verschlagen, weise) denken, wäre dessen bedeutung
passender und ließe sich die prov. declination damit in einUang bringen.]
Felpa it. sp. pg. eine art plüsch, pelzsammet, dtsch. felbel, schwed.
fälp ; ein fr. fenlpier verzeichnet Roquefort und erklärt es mit fripier,
auch sagt man bürg, poil feulpin milchhaar. Ferrari halt das ital. wort
für deutsch, Adelung das deutsche für ital., aber aus lateinischem Stoffe
ist es sichtbarlich nicht gebildet. Bair. felber (m.) ist zugleich der name
der salweide, ahd. felwa: sollte man den stoff nach diesem bäume wegen
seiner wollichten oder filzigen blätter benannt haben ? Aber die vermuthung
ist gewagt, da es an ähnlichen Übertragungen fehlt. Zu merken sind
noch einige formen: it. pelpa (bei Veneroni), sie. felba, sard. cot. pelfa.
Im dtport. heißt falifa Schafpelz.
Feltro it., sp. fieltro, pr. fr. feutre, mlat. filtrum, feltrum, L.Baiw.,
mittelgr. dcpelexQov dichtes gewebe von haaren; vb. iL feit rare, sp. fil-
trar, fr. filtrer durchseihen; vom ahd. filz, ags. feit, mit angefügtem r,
L FERLINO— FIANCO. 137
was hinter t nicht selten vorkommt, Born, gramm. L 344. 361. 451. Es
gibt ein altfr. verbum fautrer prügeln: batre et fautrer; povres clers
est iauträs, quant du portier est enconträs, s. Carpentier, der es aber
unrichtig übersäst. Dieses wort, für welches Oachet ein mlat falcästrare
aufstellt, verhalt sich buchstäblich ebenso zu filzen wie fautre (denn auch
diese form ist vorhanden) zu filz, fitzen aber heifit walken d. i. stampfen,
schlagen.
Ferlino it., altsp. ferlin, altfr. ferling ferlin eine münze, viertel-
denar; vom ags. feordhling.
Feluca it., sp. faluca, pg. falua, fr. fölouque kleines rüder schiff;
nach Engelmann und andern Orientalisten vom arab. folk schiff, dies vom
vb. falaka rund sein Freyt. III, 373a, nach Dozy vielmehr vom arab.
harrika kleines see- oder flußschiff.
Ferrana it., pg. ferräa, 5p. herren, (f) mengfutter; von farrago,
ü. auch farraggine, pg. farragem.
Fetta it. schnitte, fettuccia scfrnittchen, bändchen, altsp. fita band
Suva ed. Grimm p. 252, so auch port. Herkunft aus vitta (binde) ist bei
der seltnen vertauschung des anlatdes v mit {wenig wahrscheinlich: dieses
wort zeugt it. vetta, 5p. pr. veta. Ein passenderes etymon scheint ahd.
fiza band, faden, womit auch nhd. fetzen (chw. fetza) zusammenhängen
mag. Man sehe Weigand, Syn. wb. I, 276, Diefenbach, Goth. wb. I, 373.
Fiacco it., sp. flaco, pg. fraco, pr. altfr. flac, flaque matt, schwach;
vb. fiaccare matt machen, brechen; von flaccus schlaff. Aber das neufr.
flasque kann, genau erwogen, nicht unmittelbar aus flaccus gebildet sein,
und da Umstellung aus ahd. sclaf für die franz. spräche zu stark wäre
(in der span. könnte man sie zugeben), so wird es wohl aus flaccidus ge-
sprochen flaxidus, umgestellt flasquidus (vgl. laxus lasque lache) ent-
standen sein, wenn auch d in dem suffix idus nicht leicht schwindet. Zu
flasquidus stimmt auch lothr. fläche und comask. fiasch weichlich.
Fi&ccola it., sp. hacha {daher henneg. hache, hace), pg. facha,
pr. fidha, altfr. faule LB. fackel; von facula, dies von fax. Über das
eingeschaltete i = 1 in fiaccola s. Rom. gramm. I} 305. Facla für fax
rügt ein grammatiker App. ad Prob. p. 445, es kam also vor.
Fiadone it. honigwabe, pr. flauzon (flazon?), sp. flaon, fr. flan
ssgz. aus dem alten flaon, engl, flawn, platter kuchen, auch münzplatte.
Ein altbezeugtes wort, da bereits Venant. Fort, flado gebraucht, wofür
andre flato schreiben. Dasselbe wort ist ahd. flado und fem. flada (über-
setzt durch laganum, placenta, torta, libum, favus), ndl. vlade (f.), eigentl.
etwas flaches, gr. nhniq, was im deutschen auch mit platz ausgedrückt
wird.
Fiama piem., sp. fleme (m.), pr. flecme, fr. flamme (f.), engl, fleam,
flam ein Werkzeug zum aderlassen, Schnepper; vom gleichbed. Phlebotomus
(in die oder schneidend), wolier auch ahd. fliedimä, mhd. verkürzt fliede,
nhd. fliete. Im pr. flecme rührt c aus t her.
Fianco it., pr. fr. flanc der weiche theil unter den rippen, die
138 L FIASCO.
seite, sp. flanco militärischer ausdruck aus dem frane. Wir nennen diesen
theil des Jcörpers weiche, tnhd. hieß er krenke von kranc d. h. schwach.
Es wäre also von seilen des begriffes nichts dagegen zu erinnern, wenn
man sich das wort aus flaccus weich, schwach (so heifit es im roman.)
entstanden dächte, wobei n, wie öfter vor Kehllauten (it. fangotto, pr. en-
gual, fr. ancolie, Jongleur) eingeschoben sein müßte. Dagegen weist
Wächter auf das gleichbed. ahd. lancha, woraus, wenn man die form
hlanca Haltemer I, 299° unterlegt, durch übertritt des h in das verwandte
f der anlaut fl entstehen konnte. In diesem falle kann das wort nicht von
Frankreich ausgegangen sein, wo der deutsche anlaut h, namentlich in den
Verbindungen hn, hr, sich erhielt, nur das altn. hr sich in einer späteren
sprachperiode zu fr gestaltete. In Italien härtete sich anlautendes h einige-
mal zu g (s. gufo IL a), auch macht Wackernagel zur Unterstützung der
letzteren etymologie (Haupts Zeitschr. II, 556, vgl. Grimm das. VII, 470)
den ital. namen Fiovo aus Chlodoveus (chl frank, für hl) geltend, der
in den Reali di Francia vorkommt, nimmt aber an, die Verwandlung sei
nicht eben durch die Romanen, sondern durch die Deutschen selbst ge-
schehen. Indessen liegt noch eine nicht zu überseihende Schwierigkeit für
diese etymologie im genus, da fast ohne irgend eine ausnähme (it. solcio
aus sulza) die in großer zahl eingeführten deutschen feminina auf a ihr
genus und ihren endvocal (fr. e) im rotnan. behaupten. Überdies ist in
hlanca das anlautende h zwar gesetzlich, aber in den ältesten denkmalern
schon geschwunden, und für flanca gibt es nirgends ein Zeugnis. Und so
scheint die entstehung von fianco aus lateinischem dement, wenn auch
nicht ganz gesichert, doch voller beachtung werth
Fia8CO iL, sp. flasco, frasco, pg. fraeco, fem. it. fiasca, ältfr.
flasche, nfr. nur flacon für flascon, ein gefäfi, auch in germ. und cell,
sprachen heimisch, dsgl. serb. ploska, wal. plosc£, ungr. palatzk, lith.
pleczca, mhd. plasche neben vlasche. Die weite Verbreitung dieses Wortes
erschwert die erforschung seiner Herkunft. Im mlatein tritt es sehr frühe
auf: dno lignea vascula, quae vulgo flascones vocantur Greg. M. Dial.
2, 18; flascae pro vehendis ac recondendis phialis primum factae sunt,
postea in usum vini transierunt Isidor. 20, 6, 2. Nach dem letzteren
Zeugnisse käme es von phiala, man sieht aber leicht, daß der ursprüngliche
gebrauch der sache erst aus dieser etymologie herausgedeutet worden ist.
Die Isid. glossen geben, wie es scheint, eine andre form desselben Wortes:
pilasca lvas vinarium ex corw, bei Joh. de Janua pilasca lvas vinarium
corio püoso opertum, also von pilus, aber fiasca ist älter als pilasca.
Nach form und inJialt unverwerflich, mithin ziemlich gesichert, ist folgende
nicht eben neue aber besser begründete herleitung aus dem lateinischen.
Wie durch Umstellung des 1 ital. fiaba (für flaba) aus fabnla, pioppo aus
populus, sp. bloca aus buccula, blago aus baculus, pr. floronc aus furun-
culus geformt wurden, ebenso fiasco aus vasculum mit einer härtung des
y zu f, die hier nicht ausbleiben konnte (vgl. parafredus für paravredus)
und selbst vor vocälen zuweilen eintritt (via I, biffera II. a, he II. b).
I. FICCABE-FILA. 139
Vasculum erschöpft alle bedeutungen des rem. oder celt. Wortes, es ist ge~
faß im weitesten sinne, von metall oder holz, auch bienenkorb, also nicht
eben diminutiven Sinnes. Selbst das schwanken im genas verdient beach-
tung, da dies den ursprünglichen neutfis besonders eigen ist. Daß Gregor
und ebenso die Keron. glossen flasco mit vasculum übersetzen, trifft zu
ohne zu beweisen. Nach Grävius kannten die Isid. glossen bereits jene
Verwandlung des v in f, allein ob daselbst das mit dxscum übersetzte fas-
culum unser wort sei, steht noch dahin. Ins deutsche ward es sehr früh
eingeführt, schon die Cass. glossen übersetzen das rom. puticla mit flaseä.
Ficcare it., dltsp. pg. pr. ficar, fr. ficher, mit eingeschobenem n
dltsp. pg. fincar, neusp. hincar eintreiben, einheften, refl. it. ficcarsi, sp.
fincarse auf etwas bestehen; zsgs. it. af ficcare, pr. aficar, fr. afficher
anheften, dltsp. ahincar drängen. Form und begriff zeigen auf tigere
und affigere, und doch ist unmittelbare entstehung daraus oder aus fixus
grammatisch unmöglich. Der Romer leitete mit dem Suffixe ic verba aus
verbis, fodicare aus fodere, vellicare aus vellere, der Romane that das-
selbe, lieber zwar bei verbis erster conj., aber doch auch zweiter und dritter;
gemicare, voMcare (dltsp. volcar), pendicare, sorbicare. Dürfte man
darum in ficcare nicht eine form figicare vermuthen urspr. mit diminu-
tivem oder frequentativem sinne? Seltsam stimmt das schwed. reflexiv
fikas in seiner bedeutung zum roman. ficcarsi: ist ein historischer Zusam-
menhang zwischen beiden anzunehmen? Das mhd. ticken (heften) nebst
unserm ficke (tasche) ist aus dem roman., s. Weigand s. f., so auch das
mndl. fiecken figere. Die Picarden haben ein vb. hinquer sich bestreben
(h asp.) vermutlich aus dem genannten sp. hincar.
Fiera it., sp. feria, pg. pr. feira, fr. foire Jahrmarkt; von feria
aus feriae feier- oder festzeit, weil die Jahrmärkte an kirchlichen feier-
tagen gehalten wurden, wo das landvolk die stadt zu besuchen pflegt.
Ebenso knüpft sich das deutsche messe an die kirchenfeier. Aus forum
hätte nickt einmal das fr. foire werden können, das schlechthin auf feira,
feria zurückdeutet.
Fievole it., sp. pr. fehle, pg. febre, fr. foible, alt floible LJ.503"
und floibe, schwach, matt, chw. fleivels; von flebilis kläglich, mit eupho-
nischer tägung des ersten oder zweiten l. Vergleichung gewährt von Seiten
ies begriff es z. b. unser schwach 1) flebilis, miser, 2) debilis, s. Schmeller
III, 528; oder, wie Wackernagel hiezu erinnert, unser wenig 1) flebilis,
2) parvus, paueus.
Fila it. sp. pg. pr., file fr. reihe, ursprüngl. schnür, von ü\ma faden,
das feminin fila im älteren mlatein: habent breves filas. Vb. fr. filer
und dlfiler in einer reihe hinter einander gehen, daher sbst. d6fil6 enger
weg. Auch it. sp. filo, fr. fil schärfe oder schneide einer waffe gehört
hieher und heißt eigentlich die feine linie oder kante der Hinge; vb. it.
affilare schärfen, auch reizen (wie acuere), afilar sp. in der ersten, pg.
in der zweiten bed.; pg. enfiar einfädeln, durchbohren (wie der faden
die nadel), metaph. erschrecken, bleich machen.
140 I. FILIPENDULA-FIO.
Filipendula it. sp. pg., filipendule fr. roiher Steinbrech; so ge-
nannt weil an den fadenartigen würzeichen dieser pflanze viele knallen
hangen.
Finanza it. Quittung, fr. finance geldsumme, die man dem könig
für den genuß einer pfründe u. dgl. bezahlt, plur. finanze, finances Staats-
einkünfte, daher sp. finanzas vrlt. (Seckendorf). Prov. altfr. fin heißt ende,
friede, abschluß einer sacke, rilog; speciell wird es van der beilegung
eines rechtsstreites gebraucht, gewöhnlich wenn dies vermittelst Zahlung
einer summe geschieht, mlat. finis 'finalis concordia, amicabüis compositum,
finem facere (faire fin) 'componere de lue vel de crimine DG., engl, fine
gddbuße für eine beleidigung, s. E. Müller I, 378. Entsprechend heißt
das vb. finar, finer, finire eine vertragsmäßige summe entrichten. Diese
summe ist eigentlich la finance, wiewohl jede summe so genannt werden
konnte, denn schon das altfr. fin war dieser letzteren bedeutung fähig,
beispiele Gachet p. 212b . Mlat. financia ist überhaupt praestatio pecu-
niaria, vgl. pr. demandar de nn presonier finansa d'aur e d'argen LR.
III, 333, altengl. finaunce = neuengl. fine. Erst in späterer zeit ward
es auf die gegenwärtige bedeutung eingeschränkt.
Fino it. sp. pg., in erster er spräche auch fine, pr. fr. fin adj., daher
mhd. fin, nhd. fein, ahd. finliho (10. jh.). Die grundbedeutung ist 'voll-
kommen, acht, lauter1: pr. fin aur, fin1 amor, fina vertatz, altfr. de fine
ire aus lauter zorn Ren. I, p. 91. Es ist kaum zu zweifeln, daß dieses
weitverbreitete wort abgekürzt sei aus finitns vollendet, vollkommen. So
kürzte sich pr. clin aus clinatus, sp. cuerdo aus cordatus, Ü. manso aus
mansuetus, und was die bedeutung anlangt, so heißt sp. acabado, pr. aca-
bat 1) beendigt, 2) vorzüglich, vollkommen (proeza acabada Chx. IV, 153),
ebenso verhält sich lat. perfectus, gr. tiXeiog. — [Hiezu verweist Gachet
212" noch auf die stelle im Gormond: vos estes en dol tut fin6 ganz
vollkommen, vollendet.]
Finocchio it., sp. hinojo, pg. funcho, pr. fenolh, cot. fonoll, fr.
fenouil fenchel; von foeniculum, mlat. fenuclum z. b. Hattemer 1, 293*.
Zu bemerken ist pg. funcho wegen des verlegten accentes, worin es zufällig
mit dem deutschen worte zusammentrifft.
F i o it., pr. altcat. feu (daher altpg. feu SRos.), fr. fief (aus dem
alten fieu) lehngut, lehnzins; vb. fr. fieffer (aus dem alten fiever), pr.
affeuar zu lehen geben. Unmittelbar stimmen die roman. Wörter zum
longob. flu in faderfiu-m väterliches gut, ahd. fihu, fehu vieh, goth. fafhu
vermögen, altfries. fia mit beiden bedd. vieh und vermögen: h fiel aus,
kurzes e in fehu ward diphthongiert (ebenso pr. mieu aus lat. meus) undt
pr. u franz. in f consonantiert (fr. juif aus pr. Juden), welches f auch
inlautend in fieffer seine stelle behauptete (vgl. ensuifer neben ensuiver).
Im sicil. fegu stellte sich h als g dar, und dies ist der üblichere fall, s. Born,
gramm. I, 320. — Aus feu ist ein hochwichtiges wort des mitteUateins,
das etwa im 9. jh. auftretende feu dum, feodum, erwachsen: um nämlich
nicht feu-um sprechen zu müssen (denn man rechnete, wie zumal die prov.
I. FIONDA-FLAUTO. 141
und frans, form beweist, u zum stamme), schob man ein euphonisches d
damischen, ein auch in andern Wörtern, z. b. im it. ladico für laYco oder
in dem ganz analogen chiodo für chio-o (lat. clav-us clau-us) vorkom-
mendes hiatustügendes mittel. Provenzal. Urkunden setzen dafür gradezu
feum, 0. b. allode, quod Grimaldus habet a feo MabilL Dipl. p. 572
(v.j. 960). Hiernach ist feu-d-um romanische umprägung eines deut-
schen wertes und vermögen sein grunäbegriff, der strenge juristische sinn
trat später hinzu. Eine ganz abweichende deutung von feod, aus dem
gotk thiuth äyad-ov (sbst. das gut), gibt Wackernagel in Haupts Ztschr.
U, 657 und dbh. über die spräche der Burgunden 24.
Fionda it., pr. fronda, fr. fronde Schleuder; von funda (auch it.
fonda, altfr. fonde), entweder 1 (= ü. i) oder r eingeschoben, ersteres
auch im oeett. floundo.
Fioretto iL, sp. florete, fr. fleuret rapier; so genannt von dem
knopfchen an der spitze, das einer blume ähnlich sah.
Fiorino it., sp. florin, fr. florin, ursprüngl. eine florentinische gold-
tmmze mit dem zeichen der Ulis, von fiore blume. Das gleichbed. altpg.
frolen$a für florenga SEos. I, 482 sucht den namen der Stadt auszu-
drücken.
Fiotta, frotta it., sp. flota, pg. frota, altfr. flöte, masc. it. fiotto,
frotto (vgl. fragello* von flagellum), fr. flot schwärm, fluth; von fluetus.
Tb. it. fiottare ff. schwimmen, lat. fluetuare. Von frotta ist it. frot-
tola scherzhaftes aus einzelnen Sprüchen zusammengesetztes gedieht, comask.
frotola posse.
Fitto #., sp. hito, pg. fito eingesteckt,, geheftet; sbst. sp. hito, pg.
fito in den boden gesteckter pfähl, gränzpfcM, hita pflock; auch it. fitto
zins (das festgesetzte?). Von dem alterthümlich lat. pari. Actus für fixus
bei Lucrez und Varro, vgl. petra fita Tep. II, num. 13 (aera 684). Selbst
das fr. fiche pflock = sp. hita würde sich hieherziehen lassen, wenn
auch das vb. ficher besser zu ficcarc gestellt wird. S. Rom. gramm. 1, 16.
Flanella, frenella it., sp. franela, fr. flanelle, engl, flannel ein
wollener stoff. Das primitiv wird man im altfr. flaine anerkennen müssen,
welchem Roquefort die bed. bettüberzug beilegt: der name des Stoffes konnte
seinem vornehmsten gebrauche entnommen sein, auch gael. cfiraing heifit
1) Überzug, 2) flanell. Möglicherweise entstand also flaine aus velamen
v'lamen wie flasca aus vlasca. Ganz anomal ist die port. form farinella.
Flauto it., wal. flaute, sp. pr. flauta, fr. flute ein blasinstrument,
flöte; vb. pg. frautar, pr. flautar, fr. flfiter. Um diesem worte auf den
grund zu kommen, ist zuerst die ursprünglichste form desselben aufzu-
suchen und diese bietet das altfränkische. Hier heißt das Instrument
flahute flaute (noch jetzt picard.), auch wird mit eingeschobenem s flahuste
gesehrieben, vb. flahuter flaüter. Aus dem zweisilb. att machte der Pro-
venzale den diphthong au (toie in aul aus a-ul avol) und so wanderte
flauta nach Spanien und Italien, wo sein der umbüdung in 0 entgangener
diphthong für die späte einfuhrung des fremdartigen Wortes zeugt. Flaüter,
142 L FLOSCIO-FOLLE.
denn das verbutn gieng dem subst. voran, steht nun durch lautversetzung
für flatuer (wie cdtfr. veade für vidue, pr. teune für tenue), dieses ward
aus dem, auch van den Alten auf das blasen der flöte angewandten, subst.
flatus gebildet mit beobaehtung des ableitenden u, vollkommen wie in flat-
u-eux, welchem, wohl tu merken, kein lat. flatuosus das muster vorhielt.
Ein dimin. von flaute ist pr. flau toi, flaujol (gleichsam flau[t]iolus),
dltfr. flajol, nfr. flageolet. Die Italiener haben ein vb. fiutare anriechen,
das sich aus einem älteren flautare erklärt, ganz analog dem vb. rubare
vom dtschen rauben.
Floscio it., sp. floxo, pg. frouxo, pr. fluis schlaff; vom part. fluxus
flüssig, schlotternd; eben daher auch it. flusso vergänglich, eitel.
Flotta it., sp. flota, pg. frota, fr. flotte. Die alten roman. ausdrücke
für das lat. classis sind it. armata, sp. armada, pr. estol, fr. estoire.
Das altfr. flöte hieß menge, schwärm (von fluctus, s. oben flotta), man
sagte so gut flöte de gens wie flöte de nefe (selbst flöte de poil haarflocke
DMce. p. 210, 11), es stammt also nicht vom altn. floti oder ags. flöta,
es war vorhanden, ward aber später durch einfluß des ndl. vloot oder
schwed. flotta in seiner bedeutung näher bestimmt und theüte sich so den
südlichen sprachen mit. Zusammenstellung mit deutschen Wörtern s. t»
Diefenbachs Goth. wb. I, 387.
Focaccia it., sp. hogaza, fr. fouasse kuchen, mhd. p6gatz; dbgd.
von focus, also etwas auf dem herde gebackenes, bei Isidor 20, 2, 15:
ciaere coctus et reversatus est focacius.
Fodero it., sp. pg. ferro, fr. feurre, pr. cdtfr. fuerre, mit verschie-
denen bedeutungen: ital. scheide, unterfutter, futter eur nahrung, Span,
port. unterfutter, prov. altfr. scheide, nfr. futter; abgd. fr. fourreau;
sp. forrage, fr. fourrage, fourrure, fourrier u. dgl.; vb. it. foderare,
sp. forrar, pr. folrar, fr. fourrer. Vom goth. födr scheide, ahd. fuotar
scheide, futter zur nahrung, altn. födr scheide, unterfutter.
Follare it., sp. hollar, pr. folar, fr. fouler (daher engl, feil) walken,
niedertreten; sbst. it. f olla, sp. folla, fr. foule (davon pg. fula) gedrängc,
eile (entsprechend it. calca menge, gedränge von calcare treten); dsgl. sp.
huella fußtapfe, huello tritt. Ein vb. fullare hat die lat. litteratur nicht
aufbewahrt, wohl aber sbst. fullo, walket, gleichbed. it. follone, fr. foulon.
Neben folla stellt sich eine zweite ital. vermuthlich aus dem prov. ein-
gedrungene auch in mundarten vorhandne form fola, woraus folata
schwärm, schwcdl. Zsgs. it. affollare drängen, attsp. afollar, pr. afolar,
altfr. afoler beschädigen, verderben, eine auch dem einfachen fr. fouler
zustehende bedeutung.
Folie it., altsp. fol Bc., Alx., pr. fol und folh, fem. fola, fr. fou,
feile, sbst. und adj. narr, närrisch, cat. foll zornig; daher z. b. eilt- und
neufr. affoler zum narren machen (verschieden von afoler verderben, s.
vorigen artikel), pr. afolir zum narren werden. Die herleitungen aus dem
gr. (pavkog, dem dtschen faul, dem celt. fol können bei Seite gesetzt werden.
Die lat. spräche bietet follere sich hin- und herbewegen (bei ERerongmus),
I. FONDACO-FONDO. 143
follis blasbalg d. h. etwas sich hin- und herbewegendes, eine bedeutung,
die im it. folletto, pr. cot. fr. follet, bearn. houlet poltergeist, neckischer
geist, wie Grimm sagty Myth. p. 475, oder im fr. feu follet irrlicht klar
hervortritt, aber auch in unserm rom. folle (possenhaft, grillenhaft) noch
su fühlen ist. Nur darf letzteres nickt als eine neue bildung aus follere
aufgefaßt werden, da aus verbis, wie es scheint, keine substantiva dritter
declin. und schlechthin keine adjeetiva ohne suffix gewonnen werden; folle
ist das als adjeetiv gebrauchte follis selbst So und nicht follus heifit es
bei einem Schriftsteller des 9. jh. Joh. Diaconus: ille more gallico (=
francogallico) sanetum senem increpitans follem ab eo quidem virga leyiter
percussus est; desgl. bei Ouül. Metensis: follem me verbo rustico appel-
lasti . . . ut qui follis extiti, non fierem follior DC. Im prov. und franz.
ist das adjeetiv also erst später zweier endungen geworden. Andre er-
Hären das roman. wort gleichfalls aus dem lat. Substantiv, aber in be-
sidmng auf die den köpf des narren bezeichnende leere des blasbalges;
allein theäs ist dies eine zu abstracte auffassung, theils läfit sich das ab-
geleitete follet (unruhiger geist) nicht füglich damit in einklang bringen.
Bemerkenswerth ist noch, daß in einem altfr. psalter die stellen erravi
sicut ovis qtrae perit; de mandatis tuis non erravi übersetzt werden
foleai si cum oeille que perit ; de tes commandemenz ne foliai LB., wo
also folier irren, abirren im eigentlichen und bildlichen sinne bedeutet.
In roman. gestdtt und bedeutung kommt unser wort zuerst in den von W.
Grimm her aus g. Altdeutschen gesprächen vor: ausculta fol 'gahörestu
narro\ Eine ableitung ist sp. follon träge, auch betrügerisch, im alt-
span. prahlerisch (aufgeblasen) PC. 968; dsgl. das bürg, feulteu wohl-
thätiger geist, der des nachts die hausthiere besorgt, es müßte fr. folietot
lauten.
Fön da co it., sp. fundago, altfr. fondique magazin; vom arab.
fondoq, al-fondoq (daher die span. form alhöndiga, pg. alfandega) her-
berge der kaufleute, wo sie mit ihren waaren einkehren Gol. p. 1826,
Freyt. III, 375b (dies vom gr. navdoxelov, navdoxtov gasthaus?). Zwar
erinnert fondaco an mlat. funda (s. fonda II b), aber das suffix Tc ist
in der roman. familie so wenig üblich, daß man sich besser an das arab.
wort hält. Näheres über dasselbe J. v. Hammer num. 352.
Fondo it. cot., sp. hondo, ältsp. pg. fundo tief. Man konnte es für
kürzung von profundus nehmen mit besiehung auf it. tondo von rotundus,
widerspräche nicht die große Seltenheit so starker kürzungen; es ist also
von fundus grund, sp. fondo, pg. fundo u. s. w., das Substantiv als ad-
jeetiv angewandt. Anders ergieng es diesem Substantiv im nordwesten:
pr. f o n s {neupr. adj. founs, fem. founso), fr. fonds (neben fond) erstarrten
aus dem nomin. fundus wie fr. fils aus filius, und die ableitungen flössen
theils aus dieser flectierten form, wovon man sonst im franz. kaum eitv
beispiel findet, theils aus dem wahren stamme: pr. fonsar, fondar, fr.
foncer, fonder grund haben, dsgl. pr. afonsar, fr. enfoncer, altfr. afonder
auf den grund gehen. Aber auch vom pr. preon (profundus) entspringt
144 I. FONTANA-FORESTA.
preonsar mit der bed. von afonsar, wovon es eine nachbüdung sein mag.
Noch ist zu merken, daß einige Wörter dieses Ursprunges ein eingeschobenes
r geigen: pr. es fondrar, fr. effondrer, so auch afondrer Brt. I, 205,
allein dieses r ist, nach dem it. sfondolare zu schließen, aus 1 entstellt.
Fontana it. sp. pr., fr. fontaine, wal. funtene quelle; eine uralte
abl. aus fons, vgl. fontana L. Long., ad Albam Fontanam in einer fränk.
Urkunde v. j. 667, Breq. n. 165, per fontanam, qnae vocatur Dianna
v. j. 670, das. n. 168.
Forbire it., pr. forbir (furbir LR. I, 309), fr. fourbir glätten,
putzen; vom ahd. furban reinigen, abwischen: da lor costnmi fa che tu
ti forbi Inf. 15, 69. Dahin auch it. furbo, fr. fourbe schelm, betrüget,
einer der wegputzt, wie fripon von friper reiben, sp. limpiar putzen und
entwenden.
Forcatura it., pr. forcadura, altfr. fourchöure, sp. horcajadara
die gegend des körpers, wo die schenket sich öffnen wie eine gäbet (furca),
sp. horcadura der obere theil eines Baumstammes, wo die äste anfangen.
Derselben herkunft ist it. forcella, pr. forsela, altfr. fourcele, deren
Bedeutungen Gachet p. 217b erläutert.
Foresta it., sp. pg. cot. floresta, pr. forest (auch foresta), fr. foret
(f.) wald, gehölz. Span, floresta ist entlehnt und hol sich wunderlich mit
flor gemischt, daher es auch eine blumige wiese, figürlich eine blumeniese
bedeutet. Das roman. wort ist schon im frühen nüatein, z. b. in der L.
Long., in carolingischen Urkunden und capitularen, sehr üblich und zeigt
hier die formen forestis (f., woher fr. forSt), foreste (n.), forestus, fores-
tum, forastum, foresta, forasta. Mlat. und altrom. bedeutet es den dem
wildbann unterworfenen nicht eingezäunten wald; der eingezäunte hieß
parcus, für den offenen gibt es ein sard. padenti, das aber in die allge-
meine bed. wald übergegangen ist. Auch die zum ßschfang gehegten teiche
führten diesen namen, vielleicht nur weil sie in dem forstgebiete lagen:
man unterschied daher zuweilen zwischen foresta venationis und foresta
piscationis. Was die herkunft des Wortes betrifft, so hielt man es sonst
für deutsch, entlehnt aus unserm forst; schon eine alte glosse lautet vurst
'nemus, lucus\ dicitur enim Francorum lingua foresta Graff HL, 698.
Jetzt erklärt man umgekehrt das deutsche wort aus dem romanischen, in
diesem aber erkennt man eine abl. aus dem ahd. foraha föhre oder aus
forehahi föhrenwald (s. Grimm I*. 416). Will man auch über das ver-
schwinden des h wegsehen, so ist ein suffix ast unromanisch, est wenn
auch nicht unerhört, doch höchst selten oder zweifelhaß. Nach andern,
z. b. Frisch I, 287 b, ist das wort lateinischer herkunft, aus dem adverb
foris, foras, womit auch die doppelform forest, forast übereinstimmt, iras
von belang ist. In der that kennt schon der grammatiker Placidus fojas-
ticus 'ezterior, abgeleitet wie cras-tinus oder rus-ticus, ein wort der spä-
testen latinität (auch beim h. Bonifacius), woraus man im frühen mittel-
älter forastis, forestis abziehen konnte mit der bed. 'das was außerhalb
liegf, was ausgenommen ist, nicht betreten werden darf. Dieselbe aus
I. FORFARE-FORNIRE. 145
foris hervorgehende bedeutung * extra spürt man noch in forestiere, sofern
es fremder, auswärtiger, exter, extrarius heißt Aber auch jenes forasticus
hat sich in den neuen sprachen erhalten: it. forastico, steil, furestico,
pr. foresgue, cot. feresteg wild, rauh, störrig, waldens. forest fremd Hahn
p. 585. Eine dem sinne nach ähnliche abl. wie foras-ticus ist daspicard.
hors-ain landvolk, eigentl. was außerhalb (der stadt) ist, so ndl. buiten-
man latidbewohner. — Foresta findet sich auch im hymr. fforest wieder,
welches Zeuß II, Sil unter den ableitungen dieser spräche anführt: bei
der klaren beziehung zum latein bedarf indessen das rom. wort dieses
fremden (selbst entlehnten) etymons nicht — Man höre darüber noch
Weigand, Synon. wb. II, 103.
Forfare dUit, pr. fr. forfaire, fehlt span., mlat. foris facere, in
den Isid. glossen foris facio 'offendo, noceo\ Die grundbedeutung muß
sein 'über die rechte gründe hinaus handeln, daher übel thun, missethun,
und diesen intransitiven sinn hat es noch immer, indem es ganz dem goth.
fra-vaurkjan (sündigen) entspricht. Ebenso hieß foris consiliare übel
rauhen, verrathen. Frov. und altfr. wird forfaire mit dem dat. der person
verbunden, s. Altrom. sprachdenkm. p. 64; reflexiv sagte man auch se
forfaire envers qqun LBs. 295 = se möfaire vers qqun RFlor. p. 19.
Mit dem acc. der sache heißt es csich eines dinges durch gesetzwidrige
handlung verlustig machen z. b. forfaire son fief, mhd. yerwtirken, ags.
forvyrcean. Das pari, forfatto, forfait zeigt als Substantiv gebraucht
zwei bedeutungen, eine persönliche, nur altfr. z. b. Ben. I, 337, mlat.
forisfactus L. Rip. übelthäter, schuldiger, eigentl. übel geschaffener, goth.
fravaürhts (Wackernagels Leseb. v. verwtirken), oder einer der übel thut,
übel that? (solche partieipien Rom. gramm. III, 253); eine sächliche,
mlat. forisfaetnm missethat, goth. fravaürhts (f.).
Forgia piem., sp. pg. forja, fr. forge, anders gestaltet pr. farga,
sp. fraga schmiede; von fabrica werkstätte; vb. forgiare ff. schmieden,
fabricare. Der vocal o erklärt sich aus au von ab, die mundart des prov.
Gir. de Ross. hat daher faur = faber, eine auch im walach. vorhandne
form, altfr. aber fevre, noch in orfövre (aurifaber aurifex) erhalten.
Formaggio it., pr. formatge, fromatge, fr. fromage, pic. u. s. w.
formage, kaum sp. formage, käse. Das lat. wort wäre formaticus, von
forma: käse ist etwas in einer form, einem geflochtenen gefäße verfertigtes:
liquor in fiscellas aut in calatbos vel in formas transferendus est Colu-
mdla 7, 8; fiscella forma, ubi casei exprimuntur Gl. Isid. In der neupr.
mundart hat auch das primitiv fourmo = forma diese bedeutung. Die-
selbe mundart besitzt noch einen ausdruck für den frischen ungesalzenen
käse, tumo (f.), auch piem. toma, sicil. tuma, worin man das gr. zofiirj
etwas abgeschnittenes, in formen abgetheiltes erkennen will, s. auch Ducange
v. toma.
Fornire it., sp. pg. pr. fornir, fr. fournir versorgen, ausstatten.
Es wird van farnus hergeleitet, so daß es bedeuten müßte ^vermittelst des
ofens zubereiten, backen, was einen allzu eingeschränkten sinn gäbe.
10
146 I. FORO— FRAG RARE.
Neben fornir findet sich prov. noch das weit üblichere formir, farmir voll-
bringen, ausführen, befriedigen, ein genüge thun, ohne zweifei identisch
mit fornire, da letzterem im itäl. altfr. prov. diese bedeutungen gleichfalls
zustekn; inlautendes m muß sich also in n, oder n inm verwandelt haben,
welches beides selten vorkommt. Nimmt man aber zu formir die neben-
form fromir Chx. III, 475, GRiq. p. 32. 130 (auch ein ital. fronire kennt
Galvani, Osserv. p. 124, dazu sard. frunire), so leitet dies unwiderstehlich
auf ahd. frumjan fördern, vollbringen, schaffen, dessen u sich sogar aus
einer diesem vocal abgeneigten spräche nicht ganz verdrängen ließ. Die
bed. ausstatten konnte sich leicht aus < fordern, vorwärts bringen, Vorschub
thun entwickeln. Das eine nur ist befremdlich, daß r gegen den gewöhn-
lichen brauch vom anlaute abgetrennt ward, der es sonst, wie in fro-
mage, anzuziehen pflegt, doch fehlt es auch dafür nicht an beispielen, Rom.
gramm. I, 224.
Foro. it.pg., sp. fuero gericht, gesetz, pr. for, altfr. feur gesetz, faxe;
von forum markt , gerichtsstätte. Daher sp. pg. pr. aforar, altfr. afeurer
taxieren. Von forensis ist sp. forense fremd, it. forese bauer, unter ein-
Wirkung der bed. von foras 'außerhalb der Stadt*.
Forza it., sp. fuerza, sp. forsa, fr. force stärke; vb. forzare ff.
zwingen. Schon das frühste mlatein, z. b. L. Rip., Baiw., Long., kennt
forcia (so noch im span. Alex.), eigentl. fortia, eine vielleicht bis in die
römische Volkssprache hinaufreichende abl. aus fortis, da man später gewiß
fortia, wie aus falsus falsia, gebildet haben würde. Oder floß forza nicht
vielmehr aus dem vb. fortiare, dies aus fortis mit beobachtung des ab-
leitenden i, wie dies im mlat. graviare von gravis, leviare von levis ge-
schah? Abgeleitet ist z. b. it. sforzare, sp. esforzar, fr. efforcer, hier-
von sbst. it. sforzo, sp. esfuerzo, pr. esfortz, fr. aber effort für effora
(esfort schon bei den Alten), indem man s = pr.z für eine flexion nahm
und abstieß, vgl. älan unter lancia.
Fracassare it., sp. fracasar, fr. fi$casser zerschmettern; sbst.
fracasso, fracaso, fracas, chw. farcas. Dasselbe wort scheint pr. fras-
car (lansas frascar, escutz traucar e fendre elmes brunitz LR.), umge-
stellt aus fracsar wie läse aus laxus. Das wort kann nicht als eine abl.
frac-assare verstanden werden, da im ital. kein sufßx ass vorkommt. Es
ist vielmehr, wie auch Menage meint, eine vermutlich in Italien entstan-
dene zss. fra-cassare hineinbrechen, von einander brechen, die sich dem
lat. interrumpere (it. fra s. v. a. lat. inter) vergleicht. Andre erblicken
darin eine zss. aus frangere und quassare.
Fragrare, fiagare, flairar, sämmtlkh in den sard. mundarten, pr.
cat. flairar, fr. flairer, pg. cheirar (ch = fl) duften; sbst. sard. fragu,
fiagu, altfr. pic. flair, pg. cheiro, cat. fem. flaira duft, auch cornisch
flair Zeuß I, 189; von fragrare, durch dissimilation flagrare. — Altfr.
flairer hieß sowohl olere wie odorari; die neue spräche beschränkt dieses
verbum auf letztere bedeutung und drückt olere mit fleurer aus. Bemer-
kungen darüber bei Gachet 213. 214.
I. FRANCO-FREGATA. 147
F ran co it. sp. pg., pr. fr. franc frei, aufrichtig, letztere bedeutung
noch im neupr. Sprichwort fran coumo Tor lauter wie gold. Man leitete
dies adjectiv aus dem völkernamen Francus, der zugleich der natne des
freien mannes war, ahd. Franco, diesen aus dem ags. franca Wurfspieß,
dimin. zu framea bei Tacüus (Wackernagels glossar); J. Grimm erkennt
nun darin ein ursprüngliches adjectiv aus der goth. würzet freis = nhd.
frei, woraus erst der völkername und aus diesem der name der waffe ent-
stand, Gesch. d. d. spr. p. 512 ff. Zu bemerken ist bei diesem worte, daß
in den ableüungen mit einem der hellen vocale ursprüngliches c sich
theüs als q oder c, theils als k (ch, qu) darstellt: it. francese, sp. fran-
ces, fr. fran$ais, dagegen it. franchezza, sp. franqueza, fr. franchise
(fr. ch ist hier = it. ch, vgl. duchesse, Sachet u. a.): die bildungen mit
c sind aus dem lat. Francia, die andern aus dem deutschen Franco, denn
die gutturalen buchstaben deutscher stamme bleiben auch in der ableitung
guttural. Andre bemerkungen über das auch im celtischen vorhandne
wort s. bei Diefcnbach, Goth. wb. I, 403.
Frangia it., sp. franja, fr. frange, daher ndl. frangie, nhd. franse.
Buchstäblich fugt sich dies eigentlich franz. wort zu dem bekannten dtschen
framea wie vendange zu vindemia. Fransen sind herabhangende spieße
oder spitzen wie der rockschooß ein breites speereisen (s. gherone). Diese
etymologie ist grammalisch und logisch untadelhaft, die folgende hat
bessern historischen boden, da die volksublichkeit eines wortes wie framea,
wiewohl Gregor von Tours es noch häufig im munde führt, nicht sicher
steht. Lat. fimbria konnte sich in frimbia fringe frange verwandeln und
wirklich hat der Walache (aus der alten Volkssprache?) frimbie und im
ältesten prov. (Bth. v. 192) trifft man fremna, wo aber doch frembia zu
erwarten war. Hennegauisch lautet das wort frinche, das sich offenbar
an frimbia hält, auch das sicil. frinza weist auf ein älteres fr. fringe.
Frecßia it., ältsp. pg. frecha, richtiger mit 1 nsp. pg. pr. flecha,
fr. fleche, piem. sard. flecia,*m andern ital. mundarten mit i frizza,
watton* fliehe pfeil ; vom ndl. flits dass., mhd. vliz bogen, daneben auch
flitsch Frisch I, 27 8a, woraus sich die formen mit ch besser erklären.
Vgl. Weigand i, 253. Gegen diese herleitung macht Grandgagnage v.
fliehe die altfr. form mit dem kehllaute flique geltend, die sich allerdings
mit flitz nicht verträgt. Aber flique scheint überall nur die auch in fleche
enthaltene bed. speckschnitte zu vertreten, s. letzteres II. c.
Fregare it., sp. pg. pr. fregar, fr. frayer, richtiger altfr. froyer,
O?0f. plicare ployer) reiben, streifen; von fricare. Daher it. frega lüstern-
heit, fr. frai das laichen der fisclhe, altfr. fraye, chw. frega, it. fregola
dass. Zsgs. sp. refregar reiben, refriega streit; it. sfregare, pg. es-
fregar, span. entstellt in estregar s. v. a. fregare.
F reg ata it., sp. pg. cot. neap. fragata, fr. ffrSgate ursprünglich
Meines- ruderschiff \ Vülehardouin, Jayme Febrer, Boccaccio kennen das
wort bereits. An unser fähre, schwed. färja, ist dabei (mit Chevallet) nicht
zu denken: höchstens würde sich die erste silbe daraus erklären. Es soll
148 I. FREGIO-FRIZZARE.
aus Italien stammen; die span. und franz. form zeigen in der that eine
ital. endung. In Italien nannte man ein schiff bastimento d. h. etwas
gebautes: eben sowohl konnte man es etwas gezimmertes nennen, fabricata
zsgz. fargata, fregata. Herleitung aus dem arab. weist J. v. Hammer ab.
F regio it., sp. friso, freso, fr. frise, fraise (altfr. frese geschrieben)
krause Verzierung, franse u. dgl.; vb. it. fregiare, fr. friser, fraiser
kräuseln, verzieren, sp. frisar tuch aufkratzen; abgel. it. frisato gestreif-
tes tuch, fr. fraisette handkrause (dahin auch sp. frezada, frazada lang-
haarige decke?). Phrygiae vestes bei den Alten waren gestickte hleider:
aus dem adjectiv konnte wohl it. fregio, nimmer fraise, frise entstehen,
eher kann das ital. wort aus dem franz. entlehnt sein, wie auch fregione
dem fr. frison entspricht. Als grundbedeutung des verbums ist kräuseln
anzunehmen: bedeutet nun wirklich der deutsche völkername Frisa, Fresa
* gelockt', so bedarf es keiner weitern Untersuchung, s. Grimm Js. 408
(bezweifelt in der Gesch. d. d. spr. 669), wenigstens läßt sich das roman.
wort im fries. frisle, engl, frizzle wiedererkennen. Das engl, fleece wol-
liges fett, vlies, liegt jedenfalls weiter ab. Sind die frisii panni des mit-
telalters friesische oder ge flockte? saga fresonica, pallia fresonica, vesti-
menta de Fresarum provincia werden im früheren mittelalter erwähnt,
man sehe Ducange v. sagum. — [Gachet p. 344h bemerkt, daß die rohen
tücher von Friesland mit den goldstoffen von Phrygien keine gemeinschaft
hätten. Dies ist gut. Wenn er aber bei der alten herleitung aus phry-
gius stehen bleibt, so hätte er den buchstäblichen Zusammenhang zwischen
diesem und dem franz. worte nachweisen sollen. Das deutsche Frisa oder
frisle ist oben nur als etymologisches dement, nicht in beziehung auf die
heimath der stoffe benutzt worden. — Auf eine neue Untersuchung des
schwierigen wortes von Atzler p. 98, anknüpfend an das deutsche friesel
(schauer, gleichsam kräuselung der haut), ist hier etwa noch hinzuweisen.]
F res co it. sp. pg., pr. fresc, fr. frais, (fem. fraiche), watton. friss
frisch, jung, neu ; vom ahd. frise, auf welches it. fresco mit geschlossenem
e streng zurückweist; ags. ferse, kymr. fresg, bret. fresk.
Fr et fr. (mit hörbarem t), pg. frete, sp. flete miethe eines Schiffes;
vom ahd. frfeht verdienst; oder vom. ndl. vracht?
Frettare it., pr. fretar fegen, reiben; sbst. it. fretta, neupr. freto
eilfertigkeit ; von fricare, frictum. Die franz. spräche bietet dafür frotter,
das sich, freilich gegen die regel, aus froiter vereinfacht haben müßte, im
bürg, fretter (hecheln) hätte sich der richtige vocal behauptet. Aus der
franz. form wäre denn auch sp. frotar, flotar entnommen, das dem Por-
tugiesen fehlt. Ein diminutiv von frotter ist fr. fr 61er anstreifen, für
frotler, dessen norm, form freuler unmittelbar auf das lat. etymon zurück-
zugehen scheint. Vgl. auch das mundartl. dtsche fretten Frisch I, 291,
das schon Muratori anführte; Zusammenstellungen bei Diefenbach, Goth.
wb. I, 102. 103.
Frizzare it. stechen oder fressen unter der haut, sp. frezar fressen,
reiben, wühlen, neupr. frizä zerreiben; sbst. sp. freza, pr. fressa spur.
I. FRONCIR-FURON. 149
Die Wörter mahnen an das dhd. frezzan, goth. fritan; vergleicht man aber
frizzare, frezar mit dirizzare, derezar von directus, so tvird man auf
frictus, particip von fricare, geführt und diese deutung gewinnt an wahr-
scheinlichkeit, wenn man den seltnen Übergang des goth. t in sp. z an-
schlägt. Ein franz. fresser fehlt.
Froncir dUsp. PC. 1752, nsp. fruncir und so auch cot. frunsir,
sard. frunziri, pr. dltfr. froncir, neufr. aber froncer in falten legen, ndl.
fronsen; daher sbst. dltfr. fronce falte, sard. frunza. Froncer, gleichsam
frontiare, kann eine handlung der stirne ausdrücken wie ciller eine hand-
lung der wimpern, pg. olhar eine der äugen; die auffallendste handlung
der stirne aber ist ihre fältelung und so konnte froncer fälteln bedeuten;
vgl. bair. 'ein gestirn (d. i. eine stirne) machen die stirne falten SchtneUer
III, 659. Das pg. franzir beruht wohl nur auf einer ent Stellung.
Frugare it., sp. hurgar, pg. forcar, neupr. furgÄ, dltfr. furgier
Ben. I, p. 21 durchstöbern, umrühren; von furca gabel. Einen einge-
schobenen vocal erkennt man im ven. furegare und sard. forogai. Die-
selbe begriffsentwicJdung im it. rinvergare aufspüren, von verga stab,
piem. fustignd durchsuchen, von fustis.
Fuoco it., sp. fuego, pg. fogo, pr. fuec, fr. feu, weil, foc feuer;
von focus herd, poetisch auch feuer, in letzterem sinne entschieden seit
dem ersten mittelalter, z. b. in der L. Alam., daher focum facere ignem
excitare. Die neue spräche traf diese wähl, weil sie das ausdruckslose
ignis ( Dante' s igne ist IcUinismus) nicht brauchen konnte. Vor der Ver-
wechslung warnt der Vocab. optimus p. 18: non focus est ignis, immo
proprie locus ignis. Von focus ist it. focile, fucile, fr. fusil feuerstein,
feuer geweht, vgl. unser flinte von flint kieset. Für das zsgs. it. infocare,
dUsp. enfogar glühend machen ist das alte Zeugnis infocare ^ignicare
Gloss. vet. 527 zu bemerken.
Fuora und fuori it., sp. fuera, alt fueras, pg. fora, pr. foras, fors,
fr. hors (h asp.), vrlt. fors (schon in den Vatican. glossen ed. W. Grimm),
wal. fere, neue präposition mit der bed. extra, von foras hinaus, foris
draußen, s. Ducange v. foras. Auch das churw. ora, or ist dieser her-
kunft. Zsgs. pr. forceis ausgenommen LR. III, 372 für fors-eis = foras
ipsum (vgl. anceis, aingois); fr. hor-mis = foras missum herausgelegt,
aus dem spiel gelassen. Abgel. ist sp. foraneo, forano, fr. forain fremd,
dltfr. deforain u. a.
Furon dUsp., nsp. huron, pg. furäo, dltfr. fuiron, mit einem an-
dern suffix it. furetto, fr. füret, ndl. füret, foret, fret eine art wiesei,
f rettet, zum jagen der kaninchen gebraucht, occ. fur6 maus; vb. sp. huro-
near, sard. furittai, fr. fureter durchsuchen, durchstöbern. Auch von
diesem muthmaßlich noch aus der römischen Volkssprache herrührenden
worte hat Isidorus künde: furo, sagt er, a furvo dictus, unde et für:
tenebrosos enim et occultos cuniculos effodit. Es kann nur von für dieb,
woher auch it. furone erzdiebf abstammen (im frühern mlat. furo furonis,
vgl. Pott in der abh. Plattlatein). Leitet man füret vom kymr. fifared =
150 I. FUSTA-GAFA.
engl, ferret, so steht sowohl das uralte suffix on wie auch der in allen
obigen bildungen auf ü deutende stammvocal im wege. Besser würde man
mit Villemarque bret. für 'klug, verschlagen anführen.
Fusta it. sp. pg., fr. fuste ruderschiff; von fustis prügel, sp. fuste,
pr. fust, nüat. fustis bäum, holt, vgl. it. legno fahrzeug, von lignum. Mit
fr. fflt ist zsgs. äff fit schüft, lavette, vb. affüter, it. affustare Schäften.
Fustagno, frustagno it., sp. fustan, pr. fustani, fr. futaine ein
baumwollener Stoff, barchent; so genannt nach der Stadt, wo er verfertigt
ward, Fostat oder Fossat (Cairo), s. das wort Gol. 1798, Freyt. II I, 347b.
G.
Gabarra sp. cot., fehlt pg., fr. gabare ein plattes und breites fahr-
zeug; woher?
Gabbano it., sp. altfr. gaban regenmantd; von ungewisser her-
kunft, vielleicht aus gleichem stamme mit cabana, gabinetto (s. oben ca-
panna), denn hütte kann als der umhüllende schützende mantel aufgefaßt
werden.
Gabbia, gaggia it., sp. pg. gaxin,, neupr. gavi (m.), mit tenuis fr.
cage (f.), altfr. caive, ven. sard. cabbia käfig, zum theil auch mit der unlat.
bed. mastkorb; von cavea. Ein dimin. ist it. gabbiuola, sp. gayola,
pg. gaiola, altfr. gaole, jaiole (datier die Span, nebenform jaula), nfr.
geöle käfig, kerker, fr. geölier kerkermeister ; vb. fr. cajoler liebkosen
mit worten (behandeln wie einen vogel im käfig); dsgl. zsgs. enjöler
schmeichelnd hintergehn, urspr. in den käfig locken wie sp. enjatflar in
den käfig thun.
Gabbo it., pr. altfr. gab spass, spott; vb. gabbare ff., auch altsp.
gabar Alx.; vgl. nord. gabb Verspottung, gabba hintergehen. Über mög-
lichen celt. Ursprung s. Diefenbach, Goth. wb. I, 169.
Gabe IIa it. pg., sp. pr. gabela abgäbe, Steuer, fr. gabeile salzsteuer;
vb. it. gäbe IIa re versteuern. Man findet seine quelle im gleichbed. ags.
gaful, gafol, engl, gavel (s. Ducange), vom vb. gifan, goth. giban Grimm
II, 24, daher mlat. gablum, gabulum, endlich gabella (eigentl. plural von
gabellum aus gabulum?). Diese herleitung ist grammatisch die sicherste:
die aus aJid. garba manipulus setzt einen vor b nicht üblichen ausfcül
des r voraus, die aus dem arab. vb. qabala (einnehmen) eine sonst nicht
vorkommende erweichung des arab. anlautes q M) zu g. [Dem argumente
gegen das arab. etymon stimmt auch Engelmann bei p. 19.]
Gafa sp. pg., sard. gaffa, fr. gaffe, pr. gaf eiserner haken, engl.
gaff, adj. sp. gaf o krampfhaft (von nerven), wohl auch comask. gab haken,
gavöl krummes stück werkholz; vb. sp. gafar, fr. gaffer häkeln, gascon.
gaha üblicher ausdruck für prendre; vom deutschen gafel, gabel nach
Frisch, besser aber vergleicht man das obd. gaifen krumm ausschneiden,
gaifung eiserner ring, und, mit Diefenbach, gad. gaf.
I. GAGGIO— GAJO. 151
Gaggio it., sp. gage, pg. pr. fr. gage pfand, gewahrleistung, sold
(besonders im plur.), prov. auch, zumal in den formen gadi, gazi, letzter
wiUe, testament; vb. pr. gatjar, altfr. gager pfänden, nfr. wetten, besol-
den; zsgs. it. ingaggiare, pr. engatjar, fr. engager verpfänden; fr. d6-
gager auslösen, los oder frei machen. Man bemerkt diese Wörter im
ältesten mlatein, am häufigsten in den germanischen gesetzen: vadium oder
mit w wadium bürgschaft, pfand L. Älam. (donet legitimum vadium),
Chron. Laurish., Odo Cluniac., fem. vadia L. Long, (vadiam dare), vb.
wadiare (z. b. bannum), invadiare, disvadiare, revadiare. Daher neugr.
ßadiov, bask. bahia. Abzuweisen ist Ducange's etymologie aus lat. vadum
in der redensart res est in vado ist in Sicherheit, da hieraus kein vb. va-
diare abgeleitet worden wäre. Aus vas vadis könnte der Romane ein vb.
radiäre, hieraus wieder ein sbst. vadium, vadia ableiten, aber der durch-
greifende anlaut g für gu, gestützt auf die uralte Schreibung mit w, leitet
auf deutsehe quelle zurück: das rom. wort ist, wie vide dieser gattung,
aus dem germanischen rechtswesen entlehnt : goth. vadi pfand, ahd. wetti,
mhd. wette, oitfrs. ved pfand, bürgschaft, Verheißung, auch ersatz, geld-
buße, nhd. wette sponsio, vb. goth. gavadjön geloben, mhd. wetten pfand
geben, altfrs. vedia bürgen, gewette zahlen u. s. w., vgl. Grimm, Rechts-
alt. 601. Den Ursprung von vadi findet man theils in dem starken ver-
bum vidan binden s. Grimm II, 26, Diefenbach, Goth. wb. I, 140, theils
im lat. vas vadis.
Gagliardo it., sp. pg. ebenso gallardo, pr. galhart, fr. gaillard
munter, üppig, kräftig, kühn, frech. Aus gala konnte dies adjectiv nickt
entstehen, es würde galardo lauten. Schwerlich auch aus gajo, da man
einmischung des Suffixes igl annehmen müßte (gaj-igl-ardo). Keine for-
male Schwierigkeit läge ijn ags. gagol, geagle muthunllig, üppig. Aber
wahrscheinlicher noch birgt das roman. wort eine celtische würzet, kymr.
gall kraß, eitgad. galach muth, tapferkeit: erweichung des 11 ist wenig-
stens im prov. und span. sehr üblich.
Gaglioffo it., sp. gallofo schelm, taugenichts, landstreicher, henneg.
galoufe, woilon. galofä, gaioufe fresser; dsgl. sp. gallofa stück bettelbrot,
chw. gaglioffa, lomb. gajoffa schleppsack (bettelsack?). Nach Covarruvias
zsgs. aus Galli offa älmosen, das man in den klöstern den nach S. Jago
pilgernden Franzosen reichte. Die erklärung hat den anstrich einer ety-
mologischen erfindung, dllein das Wörterbuch zeigt wirklich diese bedeutung.
Die catal. form galyöfol ist dann aus Galli offula.
Gajo it., altsp. gayo (Seckendorf), pg. gaio, pr. gai, jai, fr. gai
munter, lebhaft; leitete schon Muratori vom ahd. gähi rasch, kräftig, nhd.
jähe, mit ausgestoßenem h. (Prov. gau, welches Raynouard hieherzieht
LR. III, 441, steht für gai haJm: del prumier gau ist = sp. al primer
gallo T>eim ersten hähnenschrei.) Damit trifft zusafnmen der name eines
vogds, den die alten dichter Frankreichs zur nachtigall gesellten, sp. gayo,
gaya, pr. gai, jai, attfr. pic. gai, nfr. geai holzhäher, markolf, also der
muntere oder der bunte, denn gajo hat auch diese letztere bedeutung (altfr.
152 I. GALA-GALEA.
piaus gaies et noires bunte und schwarte fdle G. SAngl. p. 119), sp.
gayar bunt machen.
Gala it. feierkleid, busenstreif der frauen (Boccaccio), di gala mun-
ter, lustig, sp. pg. gala feierkleid, anstand, anmuth, fr. gale munterkeit,
ergötzlichkeit, freudenfest (Froissart, A. Chartier, Coquillart, s. Borel);
abgel. it. gallone, sp. galon, fr. galon borte, tresse; it. galante, fr.
galant artig, sp. galante artig, freigebig, daher galanteria, galanteggiare
u. s. w.; sp. galano, galan hübsch, geputzt, sinnreich, davon galania,
galanura; auch ein altfr. adj. galois zieht man hieher, s. Roquefort und
Du Meril, Dict. norm. Ein einfaches verbum ist altfr. galer feste feiern,
schwärmen: je plains le temps de ma jeunesse, auquel ay plus qu'en
autre temps gal6 (Villon); il y aura beu et gall6 (Pathelin). Merkwür-
dig ist, daß gala nebst seinem ganzen gefolge im prov. noch nicht vor-
kommt und daß auch im franz. des 12. und 13. jh. gale nicht vorhanden
scheint; es fehlt daher auch im mittellatein. Was seine herkunft betrifft, so
erklärt es Perion nicht ungeschickt aus gr. xalog schön, lieblich, anständig,
xa xaXa die annehmlichkeiten deslcbens: nicht unhäufig entsteht anlauten-
des g aus der tenuis. Andre verweisen aiuf äyalluv schmücken, ayalleodm
sich schmücken, sich brüsten, sich freuen; schwerlich aber würde der Ita-
liener, der doch wohl das wort eingeführt haben müßte, das doppelte 1
mit einfachem vertauscht haben. Auch auf ein ardb. etymon wird vertciesen:
chalaa'h ehrenkleid als fürstliches geschenk. Indessen gewähren die
Wörterbücher dieser spräche nur chilaa'h und es ist unerweislich, daß das
vulgär-arabische in Spanien i mit a tauschte; Engelmann bemerkt diesen
Wechsel nicht, verwirft übrigens die deutung aus einem andern gründe
(p. 107). Ehrenkleid entspricht überhaupt dem begriffe des roman. Wortes
nicht: gala ist ursprünglich ein abstr actum und. heißt putz, staat, beiAnt.
Nebrissensis 'elegantia vel lautitia vestium', vestido de gala staatsJdeid.
Bessere ansprüche als das arabische wort scheint ein deutsches zu haben:
ahd. geil! (f.) prunk, stolz, mhd. geile Üppigkeit, lustigkeit {wie fr. gale),
geilen erfreuen (fr. galer = sich geilen).
Galanga it. sp. pg., altsp. garingal Conq. Ultram., altfr. galange,
häufig garingal (poivre, canele et garingal Fl. Bl. 2029), engl, galingal,
ahd. mhd. galgan, nhd. galgant, eine aus China und Java kommende
wurzel. Es ist das ardb. chalan', ursprüngl. persisch Gol. 752.
G&lbero it. (Jagemanns Wb.), mail. comask. galbö goldamsd; lat.
galbula, bei Martial und Plinius, muthmaßlich dasselbe wort. Zu einer
andern lesart bei dem letzteren Schriftsteller galgulus stimmt sowohl sp.
galgulo wie it. ri-gögolo, rigoletto, beide letztere ohne zweifei aus
aurigalgulus. Das parm. galböder, cremon. galp£der, entstand offenbar
aus galbicterus. Der Spanier nennt den vogel auch oro-pendola gold-feder.
Gal6a it. altsp., pg. gal£ (f.), pr. galöa, galeya, gal6, altfr. galäe,
galie, mittelgr. yalta, yaXaia ursprüngl. ein langes ruderschiff: tunc rex
jussit cymbas et galeas i. e. longas naves fabricari, sagt Asser (9. jh.),
s. Voss. Vit. serm.; it. galeotta, sp. pg. galeota, altfr. galiot leichte
I. GALERNO-GALOPPARE. 153
galea; it. galeazza, sp. pg. galeaza, fr. galäasse großes schiff dieser
art; it. galeone, sp. galeon, pg. galeäo, fr. galion großes fahrzeug.
Gleichbed. mit galea ist it. sp. pg. pr. galera, fr. gal&re: abstammend
aber von jenem müßte es it. galiera, pg. galeira, fr. galiöre lauten, nur
die sp. form wäre richtig und diese müßte sich den übrigen mundarten
mitgetheiit haben. Einige leiten galea vom lat. galea heim als abdeichen
eines schiff es, wie desjenigen, welches den dichter Ovid trug: a picta cas-
side nomen habet Trist. 1, 10 (Voss. I. c); aber aus gälea wird nicht
gal£a, und cassis steht da als name des einzelnen Schiffes, nickt einer art
von schiffen. Nach andern entlehnte man den namen wegen einer ahn-
lichkeit der gestalt vom gr. yalsog haifisch, und galeotta aus gleichem
gründe von yaXf.coxr^ Schwertfisch. Das letztere gleichnis wäre besonders
passend, man erwäge die beschreibung der galea in der Hist. Hieros. DG.,
worin es heißt: lignum a prora praefixum habet et vulgo calcar dicitur,
quo rates hostium transfiguntur percnssae. Auch galeotta für galeota
läßt sich mit ähnlichen beispielen, wie patriotta, Candiotta, rechtfertigen.
Daß dieses wort aber auch auf roman. weise aus galäa abgeleitet sein
kann, versteht sich. Noch ein anderes griechisches erst bei Hesychius vor-
kommendes wort ist in betracht gezogen worden: yakt] = igiÖQag eldog,
also eine ort gatlerie, und sehr wohl konnte ein langes schiff mit einem
langen bedeckten gange verglichen werden; man sprach mit betonung des
gedehnten endvoccis gal6 (vgl. akorj, aloö) und fügte das weibliche a an.
Von diesem galä oder zunächst von galera ist denn auch das bekannte
rom. galleria, das wenigstens schon im 9. jh. vorkommt: tres domos
cultas, videlicet galeria posita via Aurelia . . . reliquas vero duas i. e.
galeriam positam etc. DG; hier scheint es ein zierliches gebäude zu heißen;
in spätem stellen, aus der ersten hälfte des 11 jh., ist es ein eingeschlossener
ort, ein hof: in galeria intra castellum vel de foris habitantibus Ughell.
J, p. 121° ; curtem, quae dicitur galeria, in qua est ecclesia S. Mar. das.
p. 136". Aber so wie jene älteste stelle es gibt, stimmt es besser zur rom.
bedeutung. Noch einer etymologie ist zu gedenken. Muratori vermuthet
den Ursprung von galea und galeone im arab. chalaia und chalion;
wendet man sich an Golius, so erfährt man (p. 753. 754), daß chali
(chalion) leer, frei, demnächst (in einem wb. vor d. j. 1000) bienenkorb,
großes schiff, weil es frei sei von ruderwerk, bedeutet. Weder J. v. Ham-
mer noch Engelmann sind hierauf eingegangen.
Galerno sp. pg., galerna pr., galerne fr. nordwestwind, vgl. bret.
gwalern, gwalarn, gwalorn. Die irische spräche besitzt das einfache gal
Windhauch, die engl, gale kühler wind. Für begriffe dieser dasse liebt
die prov. spräche das sufftx erna (bolerna stürm, buerna nebd, suberna
Strömung), es ist also wohl zunächst eine prov. bildung, aber, so scheint
es, cms cdtischem stoffe, wiewohl Nicot erklärt €nom de vent, qui fait geler
les vignes*. 2hi vergleichen ist aber' auch, was engl, gale und ir. gal be-
trifft, Dief., Goth. wb. II, 439, E. Mütter v. gale.
Galoppare it., sp. pg. galopar, pr. galaupar Fer. 469, fr. galoper
154 I. GALOSCIA— GAMBA.
sich in Sprüngen fortbewegen (von pf erden), galoppieren, prov. und franz.
auch in galopp setzen; daher sbst. galoppo ff. Faidü definiert galopar
Unter trotar et currere^ zwischen treiben und laufen, GProv.31. Sdlmasius,
Vossius u. a. sahen darin das gr. xalnifv traben, trott gehen, mit einge-
schobenem o, aber eingeschobene vocdle betont man nicht. Es ist das goth.
hlaupan mit vorgesetztem ga, ahd. gahlaufan, ags. gehleapan, nhd. laufen,
eine durch die prov. form bestätigte herleitung, indem hier an dem deut-
schen diphthong an gleichsteht: aunir = haunjan, raubar = raubön, raus
= raus. Oder sollte der anlaut g ein verkapptes w sein, da man mndl.
walop, walopeeren, mhd. walap, walopieren findet? Dies ist aber nur
einem fr. walop, waloper nachgesprochen, indem sich in nordfranz. mund-
arten g manchmal in w verirrt, woher auch it. gualoppare, vgl. gar$on
war$on, gaignon waignon (hund), wohl auch gaqutere waquiere (jach&re).
An diesen Übergang des g in w gewöhnt sprach der Niederländer auch
Walewein, franz. gewöhnlich Galyain, wiewohl fr. g hier zufällig ßr
ga steht, kymr. Gwalchmai. Das persönliche subst. sp. galopo, it. ga-
luppo beiläuferi daher fr. galopin (in der thierfabd name des als böte
gebrauchten hosen) wird dem ahd. hloufo nachgebildet sein. [Hierzu eine
beachtenswerte randglosse Wackernagels: c Galoppare möchte ich kaum
auf gahlaufan mit dieser hier so zufälligen und bedeutungsleeren vorsylbe
zurückfuhren. Vielleicht g&ho hloufan' i Es möchte dagegen zu erinnern
sein, daß grade der Romane die bedeutungsleere der partikd, die er auch
sonst mehrfach aufnahm, am wenigsten fühlte, er liebte verstärkte. Wörter.
Das wirkliche vorkommen eines compositums gählouf würde, versteht sich,
entscheiden.]
Galoscia it., galocha sp., galoche fr. Überschuh; vom lat. gallica
pantoffd, mit verstärkter form oder eigentlich mit vertauschtem suffix, $.
Rom. gramm. II, 319. Das ited. wort scheint aus dem franz. entlehnt,
in welchem g hier eben so wenig zu j ward wie in gal (gallus), Gaules
(Galliae). Andre leiten es von calceus, was die lautgesetze nicht gestatten,
oder von caliga, welches jedesfalls weiter abliegt als gallicus. Gleichbed.
ist das sp. haloza.
Garn b a it. sp. cot., pr. gamba in gambaut, pg. gambia,. fr. jambe bein
vom knie bis zum fuß, Schienbein. Neben dieser form mit anlautender
media stellt sich eine gleichfalls weit verbreitete mit anlautender tenuis:
altsp. camba Alx., so auch pr. sard., churto. comba, vgl. alban. khembe.
Einer dritten form fehlt der letzte consonant: altsp. camaPC, gleichlaut
cat. bearn., cdtfr. aber jame. Daß die tenuis der media vorangegangen,
camba alter als gamba sei, leidet kaum einen zweifei; beide konnten neben*
einander fortbestehen wie it. castigare und gastigare, pr. cat und gat.
Zwischen camba und cama aber ist es theoretisch zweifelhaft^ ob b ein-
geschoben oder ausgefallen sei, ob man also camb oder cam als {heim
anzunehmen habe. Die grundbed. von camba muß bug, kniebug gewesen
sein, wie andre bildungen desselben Ursprungs bezeugen: pg. camba rad-
feige (krummes holz), cambaio krummbeinig, altsp. encamar (s. v. a. en-
I. GAMBAIS- GANTA. 155
cambar) beugen s. Sanchez zum. Cid, wohl auch bürg, (in Berry) cam-
boisser krümmen, dsgl. mlat. cambuta krummst ab, das in der form cabtita
schon in einer Urkunde v. j. 533 Breq. n. 15 erscheint. Die würzet findet
sich auf lat. Sprachgebiete in cain-urus, cam-erus krumm, cam-era Wölbung,
cam-erare wölben (fr. cambrer), einfach im celt. cam gebogen, gekrümmt
(kymr. camineg radfeige, wie pg. camba), ihre weitere ausprägung in
camba lag vielleicht schon im latein vor, da auch die griech. Sprache
miinij hat und celt. cam auf SUeres camb (vgl. Cambodunum u. a. geogr.
namen, Zeuß J, 75. 96) zurückzuführen ist. Aber gamba für ungula bei
Vegäius jß. V. ist ein unclassisches wort. Vom deutschen hamma oder
wampa ist ganz abzusehen. Zu gamba gehört noch sp. Jamba pfosten,
iL gambo stengel (bein der pflanze), nfr. jambon, sp. jamon Schinken,
dtfr. ga mache beinbekleidung.
Gambais pr., altfr. gambais, wambais, altsp. gambax Alx., altpg.
canbas SEos., daher mhd. wambeis, wambois, wambis, nhd. wams, im
späteren nüatein mit schwankender endung gambacium, wanbasium, fehlt
üd.; dsgl. pr. gambaiso, altfr. gambeson, wambaison, spätmlat. gambaso
gambasonis ; ein den Oberleib bedeckendes Meidungsstück. Nicht von gamba;
auf goth. vamba, ahd. wamba (bauch) leitet namentlich der franz. anlaut
w. Was aber die endung betrifft, so ist ein ahd. wambaiz bei der Selten-
heit und Ungewißheit des Suffixes aiz, eiz nicht zu vermuthen, daher im
rom. ais das lat. aceus, in gambois, mlat. wambosiam, eine unächte form
anzunehmen. Gayangos zieht ein arabisches etymon vor: gonbäz (spccies
vestimenti cra$si,*quo Collum tegitur' Freyt. III, 298* (ohne wurzelverbum).
Gämbero it., sp. gdmbaro, altfr. jamble, npr. jambre, dauph.
chambro kreis; von cammarus seekrebs.
Gameila sp. pg., gamelle fr. hölzerne Schüssel für matrosen oder
Soldaten; von camella trihkgeschirr (wie noch im span.).
Gana it. sp. pg. cot. heßige begier. Es läßt sieh nur behaupten,
daß es grammatisch zum ahd. geinön passe, dessen bed. den mund auf-
sperren in die bed. lechzen übergehen konnte, wie pr. badar, lat. hiare,
gr. %aivetv beide bedeutungen umfassen. Vgl. unten guadagnare.
Ganascia it., fr. ganache kinnbaeken (des pferdes); toird mit recht
für ein angmentativ von gena gehalten, welches letztere die spräche früh
aufgab. Menage führt auch ein sp. ganassa an, von dem die Wörterbücher
nichts wissen.
Gan cio it., sp. pg. gancho haken, vielleicht auch fr. ganse schlinge,
die als knöpf loch dient. Span, etymologen lassen gancho aus gr. yafiifJOQ
(eingekrümmt) entstehen, aber ps wird sich schwerlich in sp. ch verwan-
deln: wohl pl in dem synonytnen xa/nnvlog, womit aber das Hei. wort
unerklärt bliebe. XJngr. gants gleichbed. wird aus letzterem herrühren.
Ganta pr., noch itzt ganto, storch, kranich, wüde gans (ardea nigra
nach Hannorat), altfr. gante Og. 4266, gente DC. v. auca. Für dieses
wort hat man ein uraltes zeugnis: Plinius 10, 22 sagt .von den gänsen:
candidi ibi (in Germania), vero minores, gantae (al. ganzae) vocantur.
156 I. GARB1N0— GAROFANO.
Eine mittellat. stelle ist: Conspicit innumerabilem multitudinem avium,
quas vulgus gantas vocat Mirac. S. Genulfi, DG. Venard. Fort, unter-
scheidet zwischen ganta und anser, indem er gras, ganta, anser, olor als
verschiedene gattungen zusammenstellt Daher das rom. ganta = ndd.
gante, ndl. gent, mhd. ganze, ahd. ganazzo. Dem wal. gunsce, gunsac
erkennt Müdosich slavische herkunft zu. Der Spanier benutzte die hochd.
form gans zu seinem ganso (denn gänazzo hätte ihm eher ganzo oder
gan&zo gegeben), das ihm auch als adjectiv dumm, dem Catoianen ab-
gefeimt, eigentl. sich dumm stellend, bedeutet] die gleiche Übertragung im
wal. adj. lad dumm, vom ungr. lad, gans. — Eine ausführliche Unter-
suchung des Wortes bei Diefenbach, Orig. europ. 347 ff.
Garbino it. sp., garbin neupr. südwestwind im mittelländischen
meere; leitet man richtig aus dem arabischen: hier heißt garb! westlich,
vom vb. garaba weggehen, untergehen (von der sonne) Freyt. III, 267*,
daher auch pg. garabia westen. Die itdl. form a-gherbino scheint an
diese arab. herkunft zu erinnern.
Garbo it. sp. pg. anstand; vb. it. garbare anstand verleihen, sp.
garbar sich zieren; pr. nur garbier prahlerisch; vom ahd. garawf, garwf
schmuck, vb. garawan, nhd. gerben, ndl. gaerwen bereiten, schmücken, b
aus w auch im it. falbo von falawer. Schon Frisch I, 342c sagt: das
itdl. garbato schon, artig, gebutzt etc. kommt von diesem verbo gärben,
sofern es mit kleidern auszieren bedeutet; s. auch Schmeller II, 64. Das
bask. garbata wird von der Zubereitung des flachses gebraucht. Auch
an das formell weiter abliegende gr. yavQOv stolze hütung hat man
gedacht.
Garbaglio it., sp. garbullo, eiffr. garbouil, grabouil lärmender
häufe, Verwirrung. Sicher ein compositum. Das erste wort ist wahr-
scheinlich von garrire schwatzen, das andre ohne zweifei von ballire brau-
sen, sbst. sp. balla, it. baglione, cot. ballanga verworrenes geschrei.
Gargatta it., altfr. pic. gargate s. Roquef. und Brut I, 103, und
so churw. gargata, in Genf gargataine, im Jura garguelotte u. dgl., auch
bret. gargaden, altengl. gargate, sp. pg. cot. mit eingeschobenem n gar-
ganta gurgel; abgeleitet von garges mittelst des Suffixes att unter, einwir-
kung des naturäusdruckes gargarizare gurgeln, sp. gärgara gegurget =
arab. gargara (vb.), vgl. it. gorgogliare, gorgozza abgeändert in gargagli-
are, gargozza. Auch sp. gärgola, fr. gargoaille speiröhre der dach-
traufe wird hieher zu stellen sein. Seltsam ist pr. gargamela gurgel, fr.
gargamelle bei Rabelais, noch jetzt lothringisch, vom gase, gamo, man sehe
Dict. de Trevoux und Oberlin (Patois lorr.), vgl. auch pg. gorgomilos
(pl.), sp. gorgomillera Schlund. Eine Zusammenstellung mundartlicher
mit garg gebildeter Wörter findet sich bei Honnorat. Hieher wohl auch
pr. gargar ßinsprudeln?) M. I, 19 1°. 202°.
Garöfano it., sp. girofle, girofre, pr. fr. girofle würznelke; von
caryophyllum mit dem griech. accente in xaQvoqtvllov gesprochen, wal.
aber caroffl, garoffl.
I. GARRA-GAS. 157
Garra fcp. pg. kralle, pr. garra kniebug? (vgl. sguarar couper le
jarret GO.), limous. jaro, genf. jaire. Daher it. garretto, dltfr. garret,
nfr. jarret, sp. jarrete, pg. jarrete kniebug, kniekehle; neupr. garrou
schweinshammc; sard. garroni = garretto; dsgl.fr. garrot gelenk, fuge,
knebel, sp. pg. garrote mit letzterer bedeutung. Vom kymr. gär Schenkel,
brä. gar Schienbein; vgl. kymr. cämez gär kniebug, bret. garan einschnitt.
Berührung der begriffe glied, gelenk, kralle lehrt oben artiglio. Weiteres
bei Diefenbach, Cdt. I, 129.
Garzone it., sp. garzon, pg. gar^ao, fr. gargon, pr. auch gartz,
dttfr. gare knabe, bursche, junggesell, fem. fr. garce liederliche dirne.
Die üblichste bedeutung dieses Wortes, das im mlatein erst spät auftaucht,
war im altfranz. nicht knabe, dafür brauchte man lieber danzel oder
vaslet, es hieß diener, handlanger, trossknecht, zumal ober in moralischer
beziehung lotterbube; auch der port. Codex Alfons. braucht gargom in
letzterem sinne SRos. s. v. Dagegen hieß das fem. garce ursprüngl. mäd-
chen, wohl auch dienstmädchen, ohne Übeln nebenbegriff (Le Glay zum
Raotd de Cambr. p. 156) und schon hieraus ist zu schließen, daß die
grundbedeutung der mannlichen form garzon die des tot. puer war, wie
auch die Wörterbücher des 16. jh. übersetzen, daß es aber, wie unser trabe,
in üblen sinn ausartete. In der mundart des Jura heißt noch jetzt gars
söhn, garse tochter, gleichfalls ohne schlimmen nebenbegriff. Was nun
seine herkunfi betrifft, so sind alle vorgebrachte deutungen bodenlos. Der
miaut g kann deutschem w nicht entsprechen, da kein it. guarzone statt-
findet, die zuweilen vorkommende prov. Schreibung guarso beruht auf un-
genauigkeit; auch nicht bretonischem gw in gwerc'h Jungfrau (Pott,
Forsch. II, 347). Die gael. spräche hat freilich ein wort garsan, aber
aus dem franz., sie verwandelt oft das rom. on in ihr eigenes suffix an,
vgl. caban, baran, bfirdan, ladran, fr. chapon, baron, bourdon, larron.
Das wort erklärt sich wie so viele, die man in der ferne sucht, Mar und
einfach aus dem tot. sprachstoff. Mit garzone nämlich ist augenscheinlich
gleiches Stammes it. garzuolo herz des kohles, mail. garzoeu knospe, von
cardnag (s. unten IL a), hiernach ist knabe etwas noch unentwickeltes,
knospe, butzen, Strunk, eine anschauung, die sich auch im it. toso, im fr.
petit trognon, im dtschen kleiner bützel, im gr. xoQog, im gael. gas aus-
spricht, ja das mail. garzon bedeutet außer knabe auch eine distelartige
pflanze und leitet dergestalt unmittelbar auf Carduus zurück. Wie willig
aber in Carduus die tenuis der media wich, bezeugt auch das lothr. gade
= carde, gada = carder. — Ist nicht auch it. sp. garza reiher identisch
t*ü fr. garce mädchen, indem man den vom köpfe zurückwallenden feder-
busch dieses vogels mit dem herabfallenden kurzen haar eines kleinen
mädchens verglich? Oder sollte der ital. mundart, worin das wort am
reichsten gewuchert hat und woher es ausgieng, das feminin gefehlt haben?
span. garceta heißt kleiner reiher und herabfallende haarlocke. Über den
zioeifelhaften arabischen Ursprung des Wortes s. Engelmann p. 81.
Gas ein lußstoff; von dem altern van Helmont erfundenes, vielleicht
15S I. GASALHA— GAVETTA. .
aus ndl. geest d. i. geist gebildetes wort (Adelung). Weigernd J, 390
vermuthet vom deutschen gäschen schäumen.
Gasalha pr., altfr. gazaille, mlat. gasalia gemeinschaß, gesell-
schaft (nicht gewinn, wie Lex. rom. III, 449 bestimmt wird); dahin auch
pg. agasalhar und gasalhar (nach dem subst. gasalbado Lus. 2, 16 zu
schließen), sp. agasajar, gasajar freundlich aufnehmen, altpg. agasalhar-
se com huma mulher sich verheirathen SRos. append. Vom ahd. gisello,
in älterer form gasaljo, nlhd. geselle geführte, freund, vb. goth. saljan,
ahd. ga8elljan. In einer span. Urkunde v. j. 804 Esp. sagr. XXVI, 445
liest tnan: feci ibi presuras cum meis gasalianibus (theilhabern) mecum
commorantibus, worin gasalianes nach dem goth. plural gasaljans geformt
sein muß. Menage erwähnt auch ein it. ghisello compagno; aus welcher
mundart soll dies geschöpft sein? S. Rosa verzeichnet ein altpg. gas-
villado asociado, was vielleicht aus gasaillado verschrieben ist.
Gatto it., sp. gato, cot. gat, pr. cat, fr. chat, fem. gatta, gata,
cata, chatte, ngr. yaca kotze, fehlt dem Walachen, der mutze und pisfee
dafür hat. Felis aber fehlt allen; nur im picard. Wörterbuch wird feie
als ein seltner ausdruck bemerkt und aus felis hergeleitet, was hier auf
sich beruhen möge. Das neue wort ist auch durch die celtischen und
german. sprachen verbreitet: ir. cat, kymr. cäth, ags. cat, altn. köttr. Ein
lat. cätus kommt erst spät, bei Pattadius und bei einem dichter vor (s.
Freund), ist aber vielleicht schon in cätulus enthalten, verwandt mit
cänis (Schwenck); bei Isidorus gilt es noch für ein wort des gemeinen
lebens: hanc (murionem) vulgus catum a captura vocant 12, 2. 38. Die
herleitung aus captare, altrom. catar, ist indessen unstatthaft da, abge-
sehen vom lat. catus für captus, auch im roman. sich die anlaute und
irdaute widersprechen, it. gatto und catare.
Gavela pg., sp. gavilla, pr. guavella GO., fr. javelle reisbündel,
welle, handvoü Öhren, span. auch häufe menschen (ebenso val. gavella J.
Febr. 64). Grammatisch unbefriedigend ist die erklärung vonFtischaus
dem dtschen gaufei; nicht besser die aus dem ahd. garba, denn r duldet,
wie schon unter gabella erinnert ward, vor b keinen ausfall; unnöthig die
von Menage aus einem hypothetischen capus als primitiv von capulus.
Es kommt, wenn man die bed. handvoll aus handhabe oder griff folgern
darf, unmittelbar von capulus, umgebildet in capellus, capella, um so
wahrscheinlicher, als ein neupr. masc. gavel, pic. gaviau vorliegt;
ebenso verwandelte sich martulus, scrophula roman. in martellus, scro-
phella (Gcrouelle). Frane. j aber konnte aus lat. c entstehen, wie dies in
jambe und geöle anerkannt werden muß. Im engl, gavel treffen gavela
und gabella (abgäbe) zusammen, gleichwohl scheint es je nach seiner be-
deutung verschiedener herkunft. S. auch E. Müller v. gavel.
Gavetta it., sp. gabata, fr. jatte höherner napf oder schüssd; von
gabata eßgeschirr, ahd. gebita, mlat. capita, vgl. nord. jata krippe. Frone.
jatte aus gabata verhält sich lautlich wie dette aus debitum. Picard,
p sagt man gate, norm, gade, jade, daher altfr. ja de au. Auch sp. ga-
V veta Schublade wird derselben abkunft sein.
I. GAVIA-GECCHIRE. 159
Gavia sp. ein vogel, möwe; ist das lat. gavia bei Plinius, für
welches die bed. möwe nur auf vermuthung beruht, durch das roman. wort
aber gerechtfertigt wird. Daher die gleichbed. abU. sp. gaviota, pg.
gaivota; sp.'pr. neap. gavina; it. gabbiano, pg. gaiväo, letzteres eine
schvcaibenart.
Gazza iL, gacha pr., besser pr. agassa, fr. agace elster, krähe;
vom ahd. agalstra, was eine zweite ital. form g&zzera noch anschaidicfwr
macht; die Verbindung st stellte sich romanisch durch z, c, ss dar. Die
Flor, glossen geben agaza als deutsches wort und übersetzen es mit pica.
Zu merken ist noch die romagn. form argaza. Der sinn des deutschen
ä-gal-astra ist nach Grimm II, 367 der rauhschreiende krächzende vogel.
Gazzella it., gazela sp., gazelle, algazelle fr. ein säugethier im
Orient und Nordafrica; vom arab. gaz&l junge gazeüe Freyt. III; 274*.
Gazzetta it., gazeta sp., gazette fr. zeitung; eigentl. name einer
ital. münze (von gaza schätz?), wofür man das zeitungsblatt kaufte. So
Menage und Ferrari. Nach Schmellers vermuthung aber ist gazzetta das
diminutiv von gazza elster, indem die ersten zeitungsblätter etwa das
emblem des geschwätzigen vogels getragen hätten, Bair. wb. IV, 293. —
[Mahn p. 90 tritt Menage bei. Die ersten zeitungsblätter, bemerkt er,
erschienen zu Venedig (lf)63?) und waren geschrieben; für die erlaubnis
sie zu lesen zahlte man eine gazetta, daher der name dieser blätter, denn
sie konnten bei der dürftigheit ihres inhaltes nichts weniger als geschwätzig
genannt werden; auch sei es nicJU wahrscheinlich, daß die Verfasser ein
solches emblem gewählt hätten, da man sich nicht leicht selbst verspotte. —
Dagegen möchte sich doch wieder einwenden lassen, daß was man für
eine bestimmte münze kauft, schwerlich mit dem namen derselben benannt
tcorden wäre (dafür hatte man das suffix ata wie in derrata, quattrinata),
ferner daß wenn auch nicht der Verfasser, doch das publicum eine zeitung
füglieh eine plaudertasche nennen konnte, weil ihre nachrichten oft genug
grundlos sein mochten.]
Gecchire it. in aggecchirsi sich demüthigen, sich unterwerfen (alt
gicchito demüthig, s. Perticari p. 300, giachito PPS. II, 175, mail.
gecchiss d. i. gecchirsi), pr. gequir, altsp. jaquir überlassen, aUcat. jaquir
erlauben, altfr. gehir geskiien, sagen. Alle diese Wörter lassen sich auf
eins zurückbringen, das ulid. jehan aussagen, zugestehen, vgl. mhd. jehen
c. dat. einem den sieg zuerkennen, sich Überwunden geben. Ital. aggec-
chirsi, das Ciampi (zu Cino) gegen die grammatik aus abiettito (abjeetus)
erklärt, bedeutet sich einem zugestehen, sich einem überlassen, h durch ch
vertreten teie in annichilare. Ebenso das prov. wort: qui tot non lor o
gic wer ihnen nicht alles zusagt, überläßt Chx. IV, 344; se gequir de
una reu sich von etwas lossagen. AUcat. nos jaqnesca escapar er erlaube
uns zu entrinnen, lasse uns entrinnen RMunt. 114". Am nächsten schließt
sieh die bedeutung des altfr. wortes an die des deutschen: jehir ses pe-
chtes seine sünden beichten Gar. II, 222; ist doch beichte, ahd. bigiht,
selbst aus jehan entstanden. Was die begriffsentuncklung betrifft, so ist
160 I. GELDRA-GERGO.
besonders zu vergleichen goth. gakunnan gik sich bekennen, sich unter-
werfen, v7toTcm;€od'ai.
Geldra it. lumpenvolle, pr. gelda, altfr. gelde trupp besonders von
fußvolk: trente milie de gelde triginta milia peditum LRs. 15, vom nüat.
gelda congregatio, dies aus dem deutschen: ags. gild cultus, sodalüas,
gegilde sodalis, ndd. gilde. Auch ein altfr. gueude findet sich (gn neben
g z. b. in gueule, geule): la soci&6 yalgairement appelöe gueude mar-
chande kaufmannsgilde, s. Menage. Von pr. gelda ist geldon lanzen-
träger, daher it. gialdoniere dass. Altit. gialda lanze erinnert zwar an
goth. giltha sichel, hippe: man kann aber die waffe nach den leuten be-
nannt haben, die sie tragen, vgl. partigiana. S. auch Füomena ed. Ciampi
p. 143.
Gengiva it. pg. pr., sp. encfa, fr. gencive, wal. gingie Zahnfleisch;
von gingiva, mit abänderungen, um das sich wiederholende g zu beseiti-
gen, vgl. auch sard. sfnzia, pr. angiva, cot. geniva, fr. in Berry gendive
u. a. formen.
Gente altit. (wohl aus dem prov.), altsp. gento (gente Mar.
Egipc. nach Pidai ist unrichtig, s. Janer 313b), pr. gent, fem. genta,
altcat. gint, ginta, altfr. (noch in Berry) gent, gente artig, hübsch; vb.
agenzare, agensar, agencer gefallen. Von gentilis mit zurückgezogenem
accent und weggefallnem suffix wäre nicht gegen die grammatik, man be-
denke sp. manso aus mansuetus u. a. Vielleicht aber findet sich ein
naher liegendes wort. Buchstäblich passt nur genitus, worauf schon
Sanchez, Colecc. tom. III, vermuthete. Homo genitus konnte einen mann
von hcrkunft, einen edeln bedeuten, wie man einen solchen, aber minder
kühn, mhd. von geburt, fr. homme de naissance nennt, und hieraus
konnte sich die bed. artig entwickeln, die auch gentilis d. i. qui gentem
habet annehmen mußte. Vgl. Grandgagnage v. ajancener.
Gergo it., sp. xerga; it. gergone, fr. jargon; altsp. girgonz Alx.
(gebildet wie vascuence = vasconice), nsp. gerigonza kauderwelsch, roth-
walsch, so pr. gergons 'vulgare trutanorumi spitzbubensprache GProv.94.
Nicht unpassend nennt Charles von Orleans die spräche der thiere ein
jargon, eine für utis unverständliche rede: il n'y a ne beste ne oyseau
qu'en son jargon ne chante et crie. Altfr. sagte man für jargonner auch
gargoner Roquef., Hob. le diabl. IIP. col. 1, altengl. gargoun Hallitc.:
hieraus folgt 1) daß trotz dem pic. gergon (denn diese mundart pflegt
das gutturale g zu bewahren) ga der ursprüngliche anlaut war, 2) daß
das wort von Frankreich ausgegangen. Gleichwohl ist sein Ursprung nicht
sicher, wenigstens läßt es sich aus dem nord. jarg Salbaderei, wenn man
auf ga als dem richtigen anlaute besteht, nicht herleiten. Man sagt fr.
le jars jargonne der gänserich schnattert, allein die ort der ableitung von
jargon aus jars läßt sich nicht klar machen. Es möchte also wold
gebildet sein aus dem roman. stamme garg (s. oben gargatta), so daß es
eigentl. gegurgel, widerliches unverständliches gerede bedeutete. Vgl. audi
das sp. guirigay kauderwälsch.
L GERLA-GHIADO. 161
Gerla it., neupr. gerlo, altfr. geurle NFC. 1, 220, jarle Boq. trage-
korb, eimer; von gernlas tragend, in den Gasseier glossen gerala tina
'zuuipar9 (zuber).
Gesmino it. (entstellt in gelsomino), sp. Jasmin, in der alten prov.
litteratur nicht vorhanden, neupr. jaussemin, gensemil, fr. jasmin ein
Staudengewächs; vom pers. jäsemtn, auch arab. j&samün, das Frey tag IV,
514h als ein fremdes wort gibt.
Gesta it., geste altfr., wohl auch pr. gesta geschlecht, stamm. Lot.
gesta als singtdar gebraucht (man sehe Ducange) nannte das mittelalter
die thaten eines vornehmen geschlechtes, sodann die beschreibung derselben,
die chronik, endlich, vermöge einer Übertragung der sacken auf die per-
sonen, die geschlechtsfolge, den stamm selbst. Altfr. beispiele der beiden
lästeren bedeutungen sind: an (en) la geste est escrit Sax. II, 151; en
yielle geste le trueve Ton lisant Born, de Uoncev. p. 67; Clodol's qui
commen$a la bone geste NF. Jub. II, 19; la geste Mahom der stamm,
das volk Mdhomets Sax. II, 84; li varlet de haute gieste Eracl. 3362.
Auch das oitsp. wort heißt chronik: aquis' ccmpieza la gesta de mio Cid
PC 1093.
Gettare, gittare it., sp. jitar, pr. getar, gitar, fr. jeter, sp. mit ab-
gestoßenem j echar, werfen; von jactare oder, wie der allgemeine über-
tritt des a in e vermuthen läßt, von ejectare, wal. ajeptä. Sbst. fr. j et
wurf, auch Schleuder, strick, pr. get, it. getto, geto. Zu merken ist pg.
deitar = fr. däjeter, von dejectare, welches Gellius aus Mattius an-
fuhrt; die ältere spräche aber kennt auch geitar. — [Diese detUung von
gettare aus ejectare, gegenüber der herkömmlichen aus jactare, ist von
achtbarster seile bestritten worden. Sie kann sich aber unter andern dar-
auf berufen, daß im italienischen aus der lat. silbe act niemals ett oder
itt wird, und daß auch die wal. form, (deren aniaut a so gut zu lat. e
passt wie in alege von eligere u. a.) gleichfalls ein radicales e zeigt]
Gherooe, garone iL, sp. giron, pg. giräo, fr. giron, altfr . auch
gneron zsgz. gron Comte de Poit. p. 14 (so noch picard) schooß, schleppe,
in der wappenkunst dreieck; aus dem ahd. gero, acc. gerun, mhd. gere,
altfries. gare eingesetztes keilförmiges stück in einem kleide, um es bau-
schig zu machen, von ger speer wegen der ähnlichkeit : ebenso mlat. pilum
vestimenti speer des gewandes, oder das in einem glossar (Graff IV, 225)
mit gfero übersetzte romanische lansa. S. Grimm, Rechtscdt. 168.
Ghiado it. äußerste kälte, pr. glay schrecken, cat. erstaunen; zsgs.
pr. cat. es glay s. v. a. glay, altsp. aglayo; vb. it. aggMadare vor
kalte erstarren, altsp. aglayarse erstaunen, pr. esglayar erschrecken, nieder-
schlagen, cat. in erstaunen setzen. Prov. glay bedeutet auch schwert, von
gladius, vgl. die form desglayar tödten, neben desglaziar (mlat. degladi-
aodi ( deoeeidendi* Class. auet. VI, 520°); auch altfr. glaive ist dietödt-
liche waffe und der tödtliche schrecken; it. morto a ghiado heißt erstochen
(com. parm. ghiä stächet), agghiadare auch erstechen, niederhauen, pic.
aglaver umkommen. Schrecken oder kälte werden als ein herzdurchdrin-
162 I. GHIATTIRE-GHIGNARE.
gendes schwert gedacht. Konnte aber it. ghiado aus gladius entstehen? durch
dissitnilation allerdings, da ghiadio mislautete.
Ghiattire und sghiattire it., pr. altfr. glatir, nüat. glattire Dief.
Voc. lat. germ., neufr. clatir, sp. pg. latir klaffen, bellen, anschlagen;
subst. pr. glat, wohl auch altfr. glai (lärm, geschrei); naturausdruck wie
nhd. klatschen, ndl. klat-eren, gr. nkaCeiv, ylafyiv, lat. lat-rare.
Ghiazzerino it., sp. jacerina, pg. jazerina, pr. jazeran, altfr,
jazerant, jazerenc, daher pg. jazeräo, panzerhemd aus Meinen ringen zu-
sammengesetzt; npr. jaziran, bürg, jazeran haXsband der weiber. Eigent-
lich ist das wort ein von seinem Substantiv getrenntes adjectiv, sp. cota
jacerina, fr. hauberc jazerant, vgl. pr. Tausbercs fon jazerans daspanzer-
hemd war von ringen. Le Duchat leitet es vom dtschen ganz-rinc, das
aber nicht vorhanden ist, Reiffenberg zu Chev. au cygne I, p. 71 von
jaque acerin staMjacke, allein jaque ist kein altes wort. Andre haben
an das einfache acerin oder an das altdeutsche Isarn (eisen) gedacht, ohne
über das vortretende j rechenschaß abzulegen. Span, jazarino heißt al-
gierisch, vom ardb. gazäir Algier: bezog man etwa die besten geringelten
Panzerhemden von dort? Covarruvias v. Argel versichert dies ohne be-
denken. Die Hist. de las guerras civiles de Granade cap. 8 kennt wenig-
stens eine jacerina labrada en Damasco. In Wolframs Willehalm 366,
12 aber fuhrt der könig der Berberei ein in Jazeranz gearbeitetes panzer-
hemd mit sich: der künec von Barberie bräht im einen halsperc: in
Jazeranz daz selbe werc worhte derz wol künde. Aus keinem altfr.
gedieht ist diese auffassung bekannt, die ubrigetis der deutung aus jazarino
zu statten kommen würde. [Dieser deutung stimmt Engelmann bei, p. 83.]
Ghignare und sghignare it. heimlich lächeln, sp. gainar,pr. guinhar,
fr. guigner mit den äugen winken, seitwärts blicken, spähen, pg. guinar
von dem wege abweichen; sbst. it. guigno, sp. guino, pr. guinh. Ent-
stehung aus dem ahd. winkjan winken (in welchem falle it. gh sich ver-
halten müßte wie in ghindare für guindare) setzt ausfall des k zwischen
n und j voraus, wofür sich kein zweites beispiel vorfindet: aus winken
ward vielmehr norm, guincher wie aus dem buchstäblich nahe liegenden
wenkjan altfr. guenchir, nicht guegnier. Da die picard. mundart nicht
winier, sondern guinier spricht, so ist es nicht einmal rathsam, den atüaut
aus ursprünglichem w herzuleiten und so kann denn auch das kymr. gwing
Wendung, wink nicht in betracht kommen. Ags. ginian, altn. gina, ahd.
ginen heißt gaffen: hieran konnte sich etwa die franz. bed. *mit den äugen
verfolgen und daraus wieder die andern entwickeln, vgl. fr. b6er gaffen,
beträchten; aber der grundbegriff des rom. Wortes ist doch offenbar winken,
anlächeln, und so passt es besser zu ahd. kinan, wovon ein altes glossar
sagt chinit 'adrisit* Graff IV, 450, wiewohl übrigens anlautendes deut-
sches k bei folgendem vocal selten zu roman. media wird. Auch bask.
quenua, kheinua bedeutet toink, es fragt sich nur, ob es ein eingeborenes
oder aus Spanien eingewandertes wort ist. Span, g härtet sich sonst
nicht zu bask. qu, aber die bildung hat roman. gepräge, vgl. bask. ceinua
I. GHINDARE-GIA. 163
= pr. genh, esteinna = pr. estanh. [Sollte vielleicht engl, squint zu
berücksichtigen sein?' fragt Atzler. Man sehe das wort bei E. Müller.]
Ghindare iL (für guindare), sp. pg. guindar, fr. guinder aufwin-
den; vom ahd. windan. Daher it. guindolo (entartet in bindolo, trient.
binda), sp. guindola, fr. guindre winde, hasjyel u. dgl.; sp. pg. guin-
daste, fr. guindaa und vindas, aus dem ndl. wind-as (windachse), daher
brä. gwindask, engl, aber windlass.
Ghiotto it., pr. altfr. glot Vielfraß, schlemmer; von glütus, wofür,
nach gluttire zu urtheilen, auch gluttus stattfand, daher das roman. o.
Dsgl. it. ghiottone, sp. pr. gloton, fr. glouton, von gluto bei Festus
s. v. ingluvies; vb. it. inghiottire, pr. englotir, fr. engloutir ein-
schlucken, von gluttire. Aus derselben quelle ist pr. glot bissen, schluck,
und selbst das gewöhnlich von gutta hergeleitete it. ghiozzo, worin sich
tt in zz verwandelte.
Ghirlanda it., sp. pg. guimalda, altsp. guarlanda, pg. guirnalda,
grinalda, pr. cot. garlanda, fr. guirlande, altfr. auch garlande kränz.
Ungeachtet der alten formen mit radicalem a scheinen die mit i ursprüng-
licher, da dieses in erster tonloser silbe leicht mit a, nicht leicht a mit i
vertauscht wird. Das suffix anda muß dasselbe sein wie im it. lavanda
oder im fr. girande, es setzt also ein vb. ghirlare voraus, das ober nicht
vorhanden ist. Schwieriger ist der anlaut. Ist g, gh7 gu = g oder =
w ? It. ghirlanda spricht für erster es, aber nicht entscheidend, denn auch
in ghindare ist gh = w. Altsp. guarlanda zeugt stark für w, ein
stärkeres zeugnis noch wäre ein altfr. wirlande. Geht man von g aus,
so kommt tnan auf gyrus, woraus man gyrulare ableiten muß, girillare
(winden, garn winden) kommt im mlatein vor und wird von Joh. de Janua
aus gyrus erklärt. Allein warum alsdann nicht girlanda? Jault erinnert
an ags. gyrdan gürten, sbst. gyrdel, aber rom. i = ags. y ist sehr pro-
blematisch und auch die bedeutung sagt wenig zu. Geht man von w afis,
so geräth man mit Frisch, unter Voraussetzung einer abl. wierelen, auf
mhd. wieren einfassen, umflechten, schmücken, sbst. wiere eingelegte arbeit,
ring mit solcher arbeit, ahd. wiara Corona, cristaS Oberitalien besitzt
noch ein mit ghirlanda formell übereinstimmendes wort ghirlo vortex
(Bionddli, Azzolini), vom dtschen wirbel d. h. etwas das sich im kreiße
bewegt, aber die Übertragung auf kränz wäre kühn. Des Wortes herleitung
ist unsicher.
Ghiro it. ein säugethier, ratz, pr. glire, fr. loir Siebenschläfer; von
glis gliris. Abgel. fr. liron, sp. liron, pg. liräo mit ders. bed. Aus
einem diminutiv aber scheint npr. greoule entstanden. Erwähnenswerth
ist in besiehung auf die des anlautes verlustig gewordenen formen ein
altes deutsch-lat. glossem lirun, €glires\ bei Schmeller II, 472, der dabei
an das mundartliche leinl (kleine Haselmaus) erinnert, insofern dies aus
leir-lein entstellt sein könnte (leir würde also wohl romanischer abstam-
mung sein).
Giä iL, sp. altpg. ya, npg. pr. altfr. ja adverb, von jam; nfr.zsgs.
d£ja = it. di giä.
164 I. GIACO-GIGA.
Giaco it. (in einigen wbb.), sp. jaco, fr. jaque (f) kurser oberrock
der kriegsleute, daher unser jacke. Ein späteres wort wohl von zufälligem
Ursprung; nach Ducange's vermuthung, die wenigstens die lautlehre nicht
verletzt wie die herleitung aus sagum, von Jaque, dem namen eines Häupt-
lings von Beauvais um 1368. Ein altes span. beispid un jaque de seda
bei L. de Ayala (gegen ende des 14. jh.)
Giallo it., sp. jalde, pg. jalne, jalde, jardo, fr. jaune gelb. Die
franz. form, urspr. jalne, ist offenbar von gälbinus (wal. gdlbin), aus
jalne aber ward mit einer kleinen euphonischen Veränderung jalde, lomb.
giald. Ital. giallo erklärt sich mit minderer Schwierigkeit aus ahd. gelo
= nhd. gelb als aus fr. jaune, vgl. a für e im altit. gialura von gelu
kalte PPS. I, 520.
Giara it., sp. jarra, pg. pr. jarra, fr. jarre großes gefäß mit zwei
henkeln; masc.it. giarro, sp. jarro, pg. jarro krug u. dgl., vom arab. garrah
wassergefäß Freyt. I, 260*. Im altport. trifft man überdies die form
zarra SRos.
Giardino it., sp. jardin, pg. jardiin, pr. jardi, gardi, jerzi, fr.
jardin, mdartl. gardin, dsgl. fem. pr. giardina garten; vom ahd. garto
(gen. dat. gartin) oder, wozu die büdung giardina fast nöthigt, roman.
ableitung aus ahd. gart, ursprüngl. gard, Umzäunung, goth. gards behau-
sung, womit auch gael. gart, kymr. gardd zusammentrifft, selbst altfr.
jarz Er. En. 5694. Wal. gard (zäun) ist buchstäblich das goth. gards
und nebst alban. garde vielleicht (nach Miklosich schwerlich) daher ent-
lehnt, wogegen gredine (garten) auf das gleichbed. alban. g$radfn$, serb.
grädina (von gräd festung, russ. görod) zurückgeht.
Giavelotto it. wahrscheinlich aus dem fr. javelot, alt gavelot,
fehlt pr., bret. gavlod, mhd. gabilöt Wurfspeer; mit anderm suffix it. gia-
velina, sp. jabalina, fr. javeline, auch bret. gavlin. Außer der her-
leitung aus jaculum, gegen welche aber schon der altfr. anlaut g sich er-
hebt, sind zwei in betracht zu ziehen. Nach Grimm III, 443 nämlich
hol es seine quelle im engl, gavellock, ags. gafläc, einem compositum,
dessen erste hälfte sich in dem altn. speernamen gefja wiederzufinden
scheine, die zweite das ags. läc (spiel) sein müsse. Pott, Forsch. II, 107
verweist lieber auf ir. gabhla speer, vgl. auch Diefenbach, Celt. 1, 137,
Goth. wb. II, 402. Die zss. gaf-läc ist, zumal neben den formen gafeloc,
gafeluc, altn. gaflok, allerdings nicht unzweifelhaft, das wort konnte so-
gar seinen grund Jiaben im kymr. gafl-ach gefiederter speer, einem gram-
matisch richtigen derivatum aus dem sbst. gafl: wenigstens wäre das um-
gekehrte Verhältnis nicht wahrscheinlich, da auslautendem ags. c (engl, k)
regelmäßig kymr. g, nicht ch antwortet (parwg, cög, dug = ags. parruc,
cöc, engl, duke u. dgl.). Ohne etymologische bedeutung scheint die altfr.
nicht unhäufige fonn gaverlot Brt. I, 296, zsgz. garlot Gl. de Lüle
p. 9 (19 Seh.).
Gigatt. altsp'.pr., gigue, gigle altfr. ein Saiteninstrument, nsp. giga,
nfr. gigue ein tanz mit musikbegleitung; vom mhd. gige, nhd. geige, dies
I. GIGLIO-GIRFALCO. 165
vom starken vb. gfgen, s. Grimm II, 47, Mütter, Mhd. wb. J, 511. Da-
ter fr. gigot hammelskeule (wegen der ähnlichkeit), sp. gigote gehackt
fleisch (nämlich von der hammelskeule, tote Covarruvias bemerkt).
Giglio it., sp. pg. lirio, pr. Uli, liri, lis, auch lir LR. I, 408, fr.
lis, überdies piem. mail. liri, sard. lillu, oitsp. lilio, churw. fem. gilgia,
mhd. gilge, schwz. jilge, ilge, Wie. Ein bemerkenswerthes beispiel von
dissimilation: um dem wiederholten 1 auszuweichen, ward theils der erste
dieser buchstaben in g, theils der zweite in das verwandte r umgesetzt; gr.
UIqiov hat schwerlich theü daran. Die franz. mit s ausgestattete form
aber ist eine nominativische lilius, wie denn das wort auch im ahd. lilio,
mhd. gilge als masc. behandelt ward. Der walach. ausdruck ist crin,
vom gr. xqivov. Vgl. Pott, Forsch. II, 99.
Ginepro it., sp. enebro," pg. zimbro (z für g selten), fr. geni&vre
tcachholder; von juniperus. E oder i für u verräth franz. einfluß, vgl.
g&iisse II c, daher auch ndl. jenever, dän. enebaer.
Gineta sp., pg. gineta, fr. genette, engl, genet, fehlt itdl., eine ort
der viverra, in der Levante, bisamkatze. Im ältpg. findet sich pelle de
janeta = zabeüinas urk. v. j. 1137, s. Santa Rosa I, 472. Die neupr.
form ist chäino. Der name, den uns Menage aus faginetta = fouinette
deutet, wird wohl der Levante angehören.
Ginocchio it., wal. genunche, sp. hinojo, oitsp. ginojo, pg. giolho,
joelho, fr. genou aus genouil knie; von genuculum für geniculum z. b.
schon in der L. Sal. tit. 44, in Rothari Legg. u. s. w.
Giocolaro, giullaro it. gaukler, spielmann, von jocularius; sp.
jogla'r, juglar, pr. joglar dass., von jocularis; it. giocolatore, altfr.
jogleor, nfr. Jongleur dass., von joculator; vb.pic. jongier scherzen, von
joculari.
Gioglio it., sp. joyo, pg. joio, pr. juelh unkraut; von lolium, vgl.,
wegen des anlautes giglio von lilium. Aber auch it. loglio, arag. lnello
h. s. w. Daher pg. joeira getreideschwinge das unnütze abzusondern.
Giorno it., pr. altcat. jorn, fr. jour tag; von diurnum taglang
(ndat. jornus, z. b. in einer Urkunde v. j. 897 DC), das in einigen
sprachen über das klanglose dies die Oberhand gewann: noch it. dl, sp.
pg. pr. neucat. dia. Zsgs. it. soggiorno, cdtsp. sojorno Rz., pr. sqjorn,
fr. säjour aufenthalt u. a.
Giovedi it., fr. jeudi, pr. cat. dijous donnerstag, von Jovis dies,
dies Jovis; sp. juejves, pr. auch jous, vom genitiv Jovis, woi. joi, ven.
romagn. zobia. Dafür pg. quinta feira wie ngr. 7ti(X7zzr) und mhd.
pfinztac, man sehe über letzteres so wie Über diese ort, die tage zu be-
nennen, Schmäler J, 321.
Giraffa it., sp. girafa, fr. girafe kameelparder; vom arab. zarräfah
Fregt. II, 234*.
Girfalco, gerfalco it., sp. gerifalte (aus dem franz.), pr. girfelc,
fr. gerfaut; ndat. gyrofalco, a gyrando, quia diu gyrando acriter prae-
dam insequitur Albertus M. s. Ducange, nicht von einem dtschen glr,
166 I. GIR0-G1ULIV0.
geier, welches wohl selbst erst aus gyrare herrührt. Jenes umherkreißen
der raübvögel heißt sonst auch it. ruota, ven. ronda; das gr. xiqxoq be-
deutet darum 1) ring, kreiß, 2) falke. Da ein andrer stoßvogel den
natnen sagro trägt (s. unten), so construierten andre für girfalco ein
etymon hiero-falco.
Giro it., sp. giro, pr. gir kreiß, unüauf y umfang; von gyrus. Mtfr.
findet sich plur. gires geburtswehen QFA. 783, vielleicht von den drehun-
gen des kindes bei der gehurt so genannt, mundartlich (in Berry) girande,
gerente kreißendes wcib (womit also der sinn des deutschen Wortes zu-
sammentrifft, wenn es von kreifs, nicht von kreisten d. i. stöhnen her-
kommt). Daher vb. it. girare ff., altfr. girer sich im kreiße drehen,
mlat. gyrare L.Alam.; it. girändola, sp. girdndula, -fr. girandole feuer-
rad, von einem verlorenen giranda, entsprechend dem erhaltenen fr. gi-
rande; fr. girouette Wetterfahne für girotette (vgl. it. girotta), nicht
durch ou erweitert aus girette.
Giubba, giuppa it., sp. al-jnba, pr. jupa, fr. jupe, dsgl. mit i
com. cremon. gibba, mail. churw. gippa, mhd. gippe, Joppe; abgd. it.
giubbone, sp. jubon, pg. jubao, gibäo, cot. gipö, pr. jubo, fr. jupon,
auch wal. zubeä ein kleidungsstück, jacke, wams. Die Span, form fuhrt
auf arab. algubbah (al-gobbah) baumwoünes Unterkleid, in einem wb. aus
dem ende des 10. jh., s. Gol. 460, Freyt. I, 238*. Das radicale i in
mehreren mundarten hat vielleicht nur im fr. u seinen grund. Hieher
auch sp. chupa jacke, weste, it. cioppa langes oberUeid derfrauen? Unser
deutsches schaube, früher schuba, hat dieselbe quelle, Schmeller III, 306.
Giubetto, ginbbetta it., fr. gibet galgen, daher engl, gibbet. Die
itcd. form weist sich deutlich aus als diminutiv von giubba, so daß es
ursprüngl. den strick um den hals bedeutete, Jäckchen, kollerchen, kragen.
Durch einen ähnlichen schere bezeichnet der Spanier mit jnbon die strafe
des Staupbesens, da sie den rücken trifft. Über i aus u vgl. g£nisse II. c.
Giubilare it., sp. Jubilar frohlocken, jauchzen; von jubilare ein
wildes geschrei erheben, die roman. bedeutung auch in unserem jubeln, ju-
bilieren. Aber Sardinien legt seinem giuilare noch die alte bed. rufen,
schreien bei (chiamare, gridare, s. Spanu voc. sard.) und construiert es
auch mit dem acc. wie der Lateiner sein jubilare. Dazu Born, gratnm.
I, 19.
Giüggiola it., sp. jujuba (in einigen wbb.), fr. jujube brustbeere;
von zizyphum. Das üblichere Span, wort ist azufaifa IL b.
Giulebbe it., sp. julepe, pr. fr. julep ein kühltrank; vom arab.
golab, dies vom pers. gul rose und ab wasser, also rosenwasser, s. Gol.
518, Freyt. I, 290°.
Giulivo it., pr. altfr. joli für jolif fröhlich, nfr. joli, sp. juli Canc.
de B. artig, hübsch; vb. altfr. joliver, jolier sich freuen und andre
abll. Nicht von jovialis, es ist ein von der Normandie ausgegangenes
wort, altn. jol freudenfest zur Weihnachtszeit, schwed. dän. jul weihnachts-
fest, goth. jiuleis julmonat.
I. GIUNARE— GIUSO. 167
Giunare it., wal. azunä, sp. ayunar, pg. jejuar, pr. jeonar, fr.
jeaner fasten; von jejunare bei Terttdlian. In ayunar ward a vor
[je]junare gesetzt vgl. a-yer aus heri, in jeüner fiel j aus. Für it. giunare
ist üblicher diglunare mit fast bedeutungslos, vorgesetzter partikel, pr. cat.
dejunar, adj. digiuno, dejun (jejunus). Eine andre ess. ist fr. döjeüner,
pr. desdejunar, sp. desayunar, wal. dejunä frühstücken, eigentl. fasten-
brechen wie engl, break-fast.
Giunchiglia it., sp. junquillo, fr. jonquille eine art narcissen;
von juncas, weil sie binsenartige blätter hat, narcissus juncifolius. Daß man
nicht ginnciglia bildete, zeigt eine spätere Entstehung des Wortes an, aber
man behandelte juncetum auf dieselbe weise, indem man giuncheto sprach.
Giusarma it., pr. jusarma, altfr. jusarme und zuweilen gisarme,
gisarne Alex. 289, 29, wie altengl. gisarm, gysarn cet., dsgl. mit guttu-
ralem g altfr. guisarme, pr. gasarma, auch altfr. wisarme, visarme (letz-
teres PDuch. ed. M. p. 145, aber jusarme ed. G. et L.p.57), wozu altsp.
bisanna stimmt; bedeutet eine leichtere waffe, vgl. die stelle falces, gisar-
mas, cnltellos et alia arma minuta DG. v. gisarma, und zwar eine schnei-
dende, z. b. ä nuit, fet il, la teste m'oste ä ceste jusarme trenchant
NFC. I, 19. Des Wortes herkunft liegt noch im dunkeln, die verschiede-
nen formen sind für seine aufhellung nicht förderlich, doch lohnt es der
mühe eine deutung su versuchen. Man bemerkt es öfters in gesellschaft
von falx, fauchon, faussart, s. Ducange u. Roquef.I, 725, so daß es eine
siehel- oder säbelartige waffe zu bedeuten scheint. Falx, falcastrum wer-
den ahd. mit get-isarn (Jäteisen) übersetzt, s. Docens Miscell. II, 231,
Schleust, glossen 6, 237, und dies konnte sich leicht in get-s&rna gisärna,
durch umdeutung mit arma (waffe) in gisarma verwandeln. Zur form
wisarme, die übrigens kaum vorkommt, mochte der übliche Wechsel zwi-
schen gu, g und w m andern Wörtern verführt haben (guivre givre wivre,
gacbiere jachtere waquiere). Aber warum soll das wort nicht aus dem
gallischen gaesum und arma zusammengesetzt sein? Weil diese Zusam-
mensetzung schleppend und pedantisch wäre, wie denn auch arma nie in
eine solche interpretierende Stellung eintritt. — [Wie problematisch die
vorstehende etymologie sein mag, so sind es die späteren doch nicht minder.
Gachet p. 242 glaubt gisarme in gysarum, das im englischen mittellatein
vorkommt und ein kurzes schwert bedeuten soll, wiederzuerkennen, indem
er es für eine Verlängerung von gaesum hält; diese Verlängerung wäre
seltsam genug. Diefenbach, Orig. europ. p. 353, denkt sich unser wort
aus gesara (s. unten gese //. c.) entstanden, doch auch bei dieser an-
nähme bleibt die buchstäbliche fortbildung ungerechtfertigt, wenn man nicht
arma zu hülfe ruft]
Giußo it., abgekürzt giü, altsp. yuso, ayuso und jus Alx., altpg.
juso FSant. p. 531, pr. jos, jotz, jus, altfr. jus, wal. din ios, partikel
für lat. infra; von deosum für deorsum, im frühen mlat. bereits josum,
jusum wie jornus von diurnus (et pausant arma sua josum L. Alam.),
im altsp. noch diuso: de parte de diuso de la cabeza Cabrera II, 703.
168 I. GIUSQUIAMO-GOLPE.
Ginsquiamo it., sp. josquiamo, fr. jusquiame (f.) büsenkraut;
von hyosciamus (voaxvafiog) schon bei PaUadiüs entstellt in jusquiamus.
Die Jcehltenuis in diesem worte ist aus dem griechischen.
Giusta und giusto it. (ebenso contra, contro), pr. josta, altfr. joste,
juste; von juxta, roman. auch für secundum gebraucht wie bereits im
classischen und häufiger im mittellatein. Datier vb. it. giustare, gio-
strare, sp. justar, pg. justar, pr. jostar, justar, fr. jouter, alt joster,
juster 1) vereinigen, 2) zusammentreffen mit den waffen, zusammenstoßen,^
tumieren; sbst. it. giostra,j?r. josta, justa, fr. joute turnier, mhd. tjost,
mndl. joeste. Nach Ferrari u. a. von justa in dem sinne von pugna
partum s. aequalium. Die grundbedeutung hat sich am besten in der
mundart von Berry erhalten: mon champ joute au sien grämt oder stößt
daran. Zsgs. pr. ajostar, fr. ajouter vereinigen, beifugen.
Gobbo it., churw. gob buchet, fr. gobin bucklig; von gibba, gib-
bus. Das kymr. gob häufe, dämm liegt mit seiner bedeutung mehr ab
als das lat. gibbus mit seiner form, denn hier ist nicht eu übersehen, daß
das frühere mlatein häufig mit y gybbus schrieb (gr. xv<pog) und gewiß
auch sprach (z. b. Gl. Cass., Gl. bibl. Hattemer p. 227h, Gl. IAndenbrJ;
ein vocabularius hat gradezu mit u = rom. o gupios 'hover (höcker)
Haupts Ztschr. III, 373.
Godere und gioire it., altpg. gouvir, pr. gauzir, jauzir, fr. jouir,
pic. se gaudir sich freuen, genießen, von gaudere; sbst. pg. goivo, pr.
gaug und joi, wald. goy freude, dsgl. fem. it. gioja, sp. joya, pg. pr.
joia, fr. joie freude, kleinod (sp. pg. letzteres, fr. ersteres, it. pr. beides),
von gaudium, pl. gaudia; abgel. it. giojello, sp. joyel, pr. joiel, altfr.
joel, nfr. joyau juwel, nüat. unrichtig jocale für gaudiale oder besser für
gaudiellum. Hieher auch pr. jauzion, fem. jauzionda, von gaudibun-
dus bei Apülejus und im mlatein, noch jetzt Jausion als familiennasne
im Süden Frankreichs.
G o f f o it., sp. göfo, fehlt pg., fr. goffe plump, tölpelhaß, iidl. auch
plump gearbeitet, mdartl. engl, gof, guff Halliw. Ist es auch enthalten
in der Isid. glosse bigera 'vestis gufa vd villata, wo es grob zu bedeuten
scheint, so ist uns seine herkunft gleichwohl verborgen. Man hat an gr.
xwyog dumm, stumpf erinnert; ganz unstatthaft leitet es Frisch vom
dtschen gauch geck; aber bair. goff dummkopf kann Zusammenhang mit
dem roman. worte nicht verläugnen.
Golfo it. sp. pg. meerbusen, daher fr. golfe, pr. golfo, das eigent-
liche fr. wort ist gouffre (m.) abgrund, Strudel, eine auch dem span. worte
nicht versagte bedeutung s. Covarruvias. .Auch dieser Schifferausdruck ist,
wie mancher andre, aus dem griechischen : von xolnog (meerbusen, höhlung)
ward 7t aspiriert, was z. b. auch in trofeo von xqonalov geschah, und
schon ein altes glossar gewahrt x6lq>o$ 'sinus' s. Ducange, Gloss. graecum.
Die niederl. spräche hat gulp, golf, veraltet golpe, golve Strudel, fluth.
Golpe it. (flor.), so auch altsp. im Alex., chw. guolp, golp, daher
altsp. gulpeja Bz., altfr. goupille, gourpille, gewöhnlich masc. goupil,
I. GOMONA-GORDO. 169
gourpil, mundartl. wourpille, werpille, werpil fuchs; vb. altfr. goupiller
sich verkriechen wie der fuchs, sich feige benehmen; nfr. goupillon wedel,
eigenil. fuchsschwane. Wegefi der votliegenden behandlung des anlautes
in vulpes s. Born, grarntn. I, 288. Prov. blieb volp unverändert. Andre
namen des fabelberühmtcn thieres sind: fr. renard, pr. guiner, cot. guineu,
sp. raposa, zorra, altsp. marota (nach Seckendorf), gulhara Bz., sard.
margiani (vgl. neugr. juagyiolog verschlagen), mazzone, lodde, occit. man-
dro bei Gouddin.
Gömona, gömena, gumina it., gdmena sp. pg., goumene fr. tau,
ankertau; nach Muratari und älteren etymologen vom arab. al-gommal
schiffseil (?).
Gonfalone it., altpg. gonfaläo, pr. altfr. gonfanon, nfr. gonfalon
kriegsfahne; vom ahd. gundfano, dies von gundja kämpf fano tuch. Auf
die form mit anlautender tenuis cundfano weist piem. sp. confalon, pr.
confano, altfr. confanon, sie. eunfaluni, ven. confaloniero.
Gonfiare it., fr. gonfler, wäl. gunfa aufblähen; von lat. conflare
für inflare (neupr. mit tenuis confld): intestina conflata für inflata Coel.
Aurd. Adj. it. gonfio, in Genf gonfle = fr. gonflö, wie daselbst auch
enfle für enfte gesagt wird, dsgl. bürg, gönfle, neupr. coufle. Auch npr.
gofe vollgestopft, goufä blähen, bauschen, genf. goffet dick, fett, scheinen
hieher zu gehören und nicht zu goffo.
Gonna it. weiberrock vom gürtet bis zur ferse reichend, altsp. gona
Canc. de B., und so pr. gona, altfr. gone rock zumal der manche, mlat.
gunna beim h. Bonifacius, mittdgr. yovva s. v. a. diq>&€Qa feil, Meid von
feil, olban. gune mantel, rock. Varro L. L. kennt gaunacum zottige decke
oder bddeidung: der Wegfall der letzten säbe (wie im it. chiasso aus
classicum, im altfr. rüste aus rnstiens) läßt sich zugeben; im itäl. aber
ist es nicht üblich, das auf lat. au gegründete o durch doppelconsonanz
su kürzen, auch würde der Provenzede lieber gauna gesagt haben. Eben
so wenig ist es von yovva: umgekehrt wird dem Neugriechen das rom. o
oder lat. 8 zu ov (ßovla, fiovt^og, xovna, oovna, ßovQtta = it. bolla,
mozzo, coppa, fr. sonpe, brosse). Es fragt sich nun: ist kymr. gwn =
engl, gown acht cdtisch? Sonst kann dies nebst seinem dimin. gynnel
recht wohl aus gone, gonelle entnommen sein wie etwa fWl aus fol. Der
Ursprung des wortes ist also noch aufzuklären.
Gonzo, engonzo pg., sp. gonce, gozne, fr. gond, pr. gofon für
gonfon thürangd. Nicht alle gleiches Ursprungs: gonzo könnte von con-
ti« spieß, freilich mit einer nicht gewöhnlichen schärfung des t herrühren;
gofon fuhrt auf gomphus pflock, im mlat. häufig gebraucht, vom gr. yoptpog;
gond neigt sich mehr zum ersteren worte, ist aber wohl, mit hinsieht auf
das gleichbed. lothr. angon, von ancon haken.
Gordo sp. pg., gort pr. dick, fettt altsp. einfaltig, stumpfsinnig, fr.
gourd steif, ungelenk; vb. gourdir (Nicot) und engourdir erstarren
machen; vom lat. gurdus bei Laberius nach Gellius zeugnis, auch von
Quhtiilian erwähnt, der ihm die bed. stolidus beilegt und die sage mit-
170 I. GORGO— GRADO.
(heilt, es sei aas Spanien gekommen, ex Hispania duxisse originem au-
divi; in glossaren übersetzt mit obtusus, surdus, inutilis, stutius, s. Du-
cange. Über seifte spuren im baskischen Diefenbach, Orig. europ. p. 364.
Die Verwandtschaft der begriffe dick und dumm berührt Rom. gramm. J, 93.
Dem Italiener, selbst dem Sardent fehlt gordo; jener hat ein compos. in-
gordo gefräßig, unmäßig, übermäßig, welches Menage unstatthaft, weil
der gefräßige fett werde, aus gurdus lierleitet: was soll alsdann die Zu-
sammensetzung mit in? Es scheint vielmehr aus in gurgitem cw die gur-
gele hinein entstanden, vgl. denselben fall beim altfr. adj. enfrum IL c,
und das it. vb. ingordarsi gefräßig sein, buchstäblich das lat. se ingur-
gitare sich überladen.
Gorgo it., pr. cUtfr. gorc, gort, nfr. gour Strudel; dsgl. it. sp. pr.
gorga, mit palatalcm g it. gorgia, fr. gorge Strudel, Schlund, gurgel;
von gurges, dem nur die erste bedeutung zukommt. Gurga für gurges
bei den feldmessern (Cos. litt p. 330). Prov. gorgolh von gurgulio,
vb. it. gorgogliare u. s. w.
Gorra it. sp. pg., sp. auch gorro eine art mutzen; von unbekannter
herkunft. Die grundbedeutung mag band oder binde gewesen sein, da
das itdl. wort auch weidenzweig, das port. auch binsenstrick heißt, ein
altfr. gorre (bei Roquef.) mit ruban übersetzt wird. — [Mahn p. 15
leitet es mit bestimmtheit aus dem bask. gorria roth, als einer lieblings-
farbe für dieses kleidungsstück bei deti Basken.]
Gota it., pr. gauta, fr. joue (daher wohl engl, jaw, altengl. jowe,
wie auch E. Müller vermathet) kinnbacken, wange; in mundarten 1 für u,
cat. galta, moden. golta (trient. gouta), chw. gaulta ; der Spanier hat nur
galtera backen am heim. Bei der erklärung dieses Wortes gilt es um
den prov. diphthong au, woraus o, al, ou hervor giengen; gauta ist lat.
gabata, mlat. gävata zsgz. gau'ta, wie parabola paravola parau'la er-
zeugte. Gabata bedeutet eßgeschirr (occ. gaoudo) und so verräth gauta
eine der Volkssprache durchaus gemäße auffassung menschlicher körpertheile,
die auch in andern Wörtern begegnet. Das der lat. form noch näher tre-
tende dem fr. joue gleichbed. bret. gaved (fehlt kymr.) muß jeden zweifd
an der rkhtigkeit dieser herleitung beseitigen.
Gotta it., sp. pg. gota, fr. goutte gicht, wal. gute, it. gocciola
schlagfluß; von gutta, dtsch. troph Vocab.opt. p. 41h, tropfen 'apoplexia*
wb. v., 1445 bei Schmeller 1, 499, vgl. Frisch II, 389r , so genannt, weil
man die Ursache dieser krankheiten gewissen aus dem hirn herabfallenden
tropfen zuschrieb. S. auch Ducange s. v.
Gracco, graeculo, gracchiatf., sp. grajo, graja, pg. gralho, gralha,
pr. in letzterer form und so altfr. graille elster, dohte; von graculus, mW.
gracula.
Gracidare it. quaken (vom frosch), sp. pg. graznar krächzen
(vom raben); lehnen sich dem lat. crocitare an.
Grado it. sp. pg., pr. grat, fr. gr<5 belieben, dank; von gratum ge-
fälligkeit. Zsgs. it. mal grado, pr. malgrat, fr. malgrä schlechter dank,
I. GRAFFIO-GRANJA. 171
adverbial gewöhnlich mit unterdrückter präpos. (a) malgrado ff. zum Un-
dank, wider Witten, zum trotz, vgl. lat. male gratus nicht recht dankbar.
Vb. it. gradire, pr. grazir zu dank aufnehmen, freundlich aufnehmen;
zsgs. it. aggradire, aggradare, sp. agradar, pr. agradar, agreiar, fr.
agr&r genehmigen, gefallen, von a grado u. s. w. tu danke; adj. it. ag gra-
de vole, sp. pr. agradable, fr. agräable angenehm, lieblich.
Graffio it., sp. garfio und garfa, pr. grafio haken, kralle; vb. it.
graffiare, bürg, graffiner (sbst. graffin) kratzen; zsgs.fr. agrafe klam-
mer; it. aggraffare, sp. agarrafar, engarrafar, wallon. agrafer ergreifen.
Gewöhnlieh halt man graffio für das lat. graphium griffet, aber die bed.
haken widersteht. Diese bedetdung aber findet sich im ahd. krapfo, krafo,
wofür auch krapfjo, krafjo zu vcrmuthen ist. Ihm geht zwar auch ein
kymr. craf oder crap zur seile, bei dem sich aber das dem stamme ange-
fügte i in graffio minder leicht würde erklären lassen.
Grama sp. romagn., it. gr&mola, pg. gramadeira hanfbreche,
sp. gramilla Schwingmesser, hanfschwinger; vb. pg. graraar, romagn.
grame hanf brechen, sp. graraar tctg kneten, it. gramolare mit beiden be-
dcutungen. Entsprechend bair. gramel, graraeln = gramola, gramolare.
Nach Frisch I, 371a von carminare, nicht gegen die lautgcsetze. Vgl.
auch Diefenbach, Goth. wb. II, 425.
Gramo it., pr. gram, altfr. gram, graim Alexs. 26 betrübt; sbst.
altfr. graigne Antioch. I, 68; vb. it. gramare, altfr. gramoier, gre-
moier betrüben; vom ahd. gram erzürnt, unmuthig, gram! erbitterung,
gramjan, gramen aufreizen. Dieselbe Wendung in den bedeutungen nahmen
z. b. das nhd. gram und das pr. ira kummer.
Grampa it. kralle, aggrampare häkeln, fr. crampe krampf, cram-
pon klammer, bürg, sc crampir sich anklammern, altfr. cranpi zusammen-
gekrümmt Ren. I, p. 52; vom ahd. cramph gekrümmt, nhd. krampf.
Grana it. sp. pr., pg. gräa, altfr. graine ein färbestoff, scharlach-
oder färbebeere, coccus ilicis, dsgl. scharlachfarbe, scharlachtuch, im span.
auch Cochenille (coccus cacti), mlat. grana, mhd. gran; von granum kern,
wie gr. xoxxog kern, Scharlachbeere, Scharlach.
Granchio, grancio it., cranc pr. cot., auch kymr. cranc, bret.
krank, wallon. cranche krebs, fr. chancre kreibsgeschwür ; umgestellt aus
lat. Cancer cancri. Eine abl. ist pg. granqnejo und mit eingeschobenem
a garangnejo, span. aber cangrejo, gleichsam cancriculus. Daher auch it.
grancire anpacken, ergreifen?
Granito it., sp. granido, fr. granit ein harter stein; von granum,
weil er mit körnem durchsetzt ist, partic. des roman. vbs. granire körnicht
machen.
Gran ja sp., pg. pr. granja, fr. grange scheune; eigenÜ. kornboden,
vom adj. granea, schon im frülisten mlatein gebraucht: si enim domum
infra cnrtem incenderit aut scnriam aut graneam vel cellaria L. Alam.
81, 2. Außer granea begegnet auch granica: ad casas dominicas, sta-
bnlare, fenile, granicam cet. L. Baiw. 1, 14, sicher das altfr. granche,
172 I. GRAPPA-GREPPIA.
pr. granga. Die speciell span. bedeutung ist meieret, daher vb. gran-
gear bewirthschaften, bauen, pflegen.
Grappa it., sp. pr. grapa klammer, kralle, masc. it. grappo das
zugreifen, pr. graps 'manus curva GProv. 40«, sp. grapon dass.; fr.
g rappin ariker, ven. grapeia Jdette; vb. it. grappare, aggrappare, norm.
grapper, pic. agraper packen (agrape, waüon. agrap = fr. agraf e). Vom
aAd.krapfo, nhd. krappen, vgl. kymr. crap. Zu demselben stamme bekennt
sich it. grappo, grappolo, fr. grappe, altfr. pic. champ. crape trauben-
kämm, traube u. a., ndl. grappe, krappe Kit., engl, grape.
Grass o it., sp. graso, pg. graxo, pr. chw. wal. fr. gras adj. fett;
von crassus, mlat. grassus, vgl. naynq grassitndo Gl. gr. lat.; aber auch
it. pg. crasso, sp. craso, crasio, fr. crasse dick, grob.
Grata it., sp. grada, pg. grade (f.) guter, sp. pg. auch ege, it.
gradella geflochtener fischbehälter ; von crates. Aus dem dimin. craticola
(mlat. graticula Hattemer I, 246a) entstand fr. grille, gril, mail. grella
röst, guter, vb. fr. griller rösten, eigentl. für grafile graille (wegen des
neufr. i aus altfr. ai s. chignon und grignon II. c), cdtfr. sonst auch
grafl Jubinoü Jon gl. et trouv. 133, vb. graelier GVian. 2744, g&aillier
Brt. I, p. 165, NFC. II, 101, dsgl. grefslier DMce. p. 130, noch jäzt
in Berry gräler.
Grattare it., sp. pr. gratar, fr. gratter kratzen; vom ahd. chrazon,
ndl. krat-sen u. s. w. Daher fr. gratin scharre, ögratigner kratzten,
ritzen, dsgl. mit seltnem suffix it. grattugio, dauph. gratusi raspel,
reibeisen, vb. it. grattugiare, pr. gratnzar, altfr. gratuser.
Grena sp. verworrnes haupthaar, so auch pg. grenha, aber pr. gren
(m.) bart; daher altsp. grenon, griüon Bc , Alx. s. Sanchez gloss. und
Ochoa p. 569a, pr. altfr. grignon, grenon, guernon bart sowohl der Ober-
lippe wie des kinnes: pr. los grenons loncs sobre la boca Jfr. 64"; altfr.
a son menton n'avoit ne barbe ne grenon Fl. Bl. p. 89. Granus hat
schon Isidoru$: videmus granos et cinnabar Gothorum; granones, gre-
nones das spätere mlatein. Das wort ist über das deutsche gebiet ver-
breitet, #. b. ahd. gran (f.) pl. grani übersetzt mit grenones, mhd. gran
(f.) barthaar der Oberlippe, nl\d. granne Stachel der ähre, altn. grön bart
u. s. w.; aber auch dem celtischen bekannt, z. b. gael. granni langes haar,
kymr. grann cilium, palpebra. Es konnte indessen kaum ausbleiben, daß
man das lat. erinis mit dem deutsch-celtischen worte verwechselte, indem
man altfr. crenu bemähnt (von pferden, vgl. crin rosshaar) unbedenklich
grenu und guernu schrieb (s. Gachet 246b); selbst die obigen formen mit
radicalem \, wenn nicht die mit e, zeigen einmischung des lat. Wortes an.
Eine handschriß des Papias gibt daher auch crinones für grinones. Vgl.
Grimm, Rechtsalt. 283, Diefmbach, Goth. wb. ' I, 317. II, 427; Orig.
europ. 363.
Greppia it., mdartl. creppia, pr. crepia, crepcha, altfr. crebe
Roquef, greche Ruteb. II, p. 6, nfr. creche krippe; vom ahd. krippa
krippea, welche letztere bei Graff nur einfach belegte form, nach den
I. GHETTO— GRISO. 173
romanischen zu schließen, die älteste oder üblichste gewesen sein muß,
auch atts. cribbia. Frov. crupia, piem. ven. grupia, gen. groeppia, romagn.
gropia schließen sich dem ndd. krubbe an, s. Brem. wb.; die bask. spräche
besitzt das ganz ähnliche khorbua. Der Spanier bewahrt das lat. wort
für diese Sache: pesebre, so lomb. pars&v, presäf.
Gretto it. geiz, hnickerei, adj. knickerig; vom mhd. grit gier, hab-
sucht, adj. gritec. Derselben herkunft mit niederd. d für t ist fr. g red in
ipic. guerdin, lothr. gordin) bettelhaft, armselig, vgl. goth. grfcdus, altn.
gr&d, engl, greed hunger, gier. S. Frisch I,*374b, Diefenbach, Goth. wb.
II, 428.
Greve it., pr. greu, altfr. grief (nfr. sbst. grief), wal. greu schwer;
von gravis; abgeleitet it. aggrevare, altfr. agrever, pr. aber agreujar
(gleichsam aggraviare aggreviare), altfr. agregier beschweren, wie auch
nfr. rengröger verschlimmern. Sprach man grevis, um das wort seinem
gegensalze levis anzugleichen? man erwäge die prov. formet ni greu ni
leu * weder schwer noch leicht*. Stark zusammengezogen ist das altfr.
gri6t6 = gravitas.
Gridare it., ep. pg. mit t gritar, fr. crier schreien, daher engl.
cry, vielleicht auch mhd. krten Wb. I, 879; sbst. it. grido, grida, sp.
grito, fr. cri schrei, ruf. Dazu mdartl. formen wie parm. cridar, ven.
criare, mail. criä, altsp. cridar gridar, crida grida grido. Dem hier be-
merklichen schwanken zwischen tenuis und media unterliegen auch andre
Wörter und so kann dies keinen grund Im geben, die formen zu trennen
und aus verschiedenen quellen zu leiten. Man findet diese z. b. im goth.
gretan weinen, oder im ndl. kryten schreien, oder auch in celtischen
Wörtern. Aber die nächste quelle bietet das lat. Sprachgebiet selbst. Schon
Scaiiger (zu p. 68 der Catalecta) verwies auf das gleichbed. qulrltare,
romanisch ausgesprochen kiritare, welches sein kurzes tonloses i im laufe
der zeit nicht retten konnte und in critare, gridare übergehen mußte; ein
ganz ähnliches beispiel ist der franz. eigenname Cricq aus Quiricus Voc.
hagid. oder auch triaca aus theriaca. Aber im frühern mittdlatein be-
gegnet noch die unverkürzte form: quiritant vermes, cum vocem dant
Gl. Lindenbr., vgl. it. gridalto vom frosche gebraucht; wahrscheinlich auch
quaeritat 'clamaC Gl. erford. 369, 13 und anderwärts. In der altrom.
Passion Christi str. 72 findet sich die abl. cridarun, offenbar verschrieben
für cridazun, buchstäblich das lat. quiritatio. Eine zss. ist it. s gridare,
dtfr. escrier, welches letztere zur Iierleitung aus ahd. scrian verführen kann.
Grill o sp., pg. grilho, pr. grilho, fr. grillet hand- oder fußschellen;
sicher von gryllns wegen des tones, wie auch altfr. gresillon grille und
fessd heißt.
Grinar pr. grinsen, knurren; vom ahd. grfnan, nhd. greinen; dsgl.
& digrignare, com. bergam. einfach grignä, champ. pic. grigner les
denta, so auch in Berry u. s. w., von einer ahd. form grinjan = ags.
grinian. Sbst. chw. grigna fratze.
Griso, grigio it., sp. pg. gris, fr. gris adj. grau, dsgl. sp. pr.
174 I. GRONDA-GROTTA.
aUfr. gris sbst grauwerk; daher it. gris et to, sp. griseta, fr. grisette
ein urspr. grauer stoff, franz. auch eine person geringen Standes. Vom
ältsächs. gris *canu& in glossen des 8—9. jh. s. Graffs Diutiska II, 192,
mhd. gris, grise, nüat. griseus (9. Jh.), von letzterer form grigio so wie
chw. grisch, dsgl. altsp. griseo.
Gronda it., chw. grunda, fr. säveronde, henneg. souvronte, aUfr.
souronde Wetterdach; von subgrunda bei Varro, wo es dieselbe bedeutung
hat. Im franz. ward g elidiert.
Groppo, gruppo it., sp. grapo, gorupo, fr. groupe klump, knoten;
dsgl. it. groppa, sp. grupa, pg. garupa, pr. cropa, fr. Croupe kreuz des
pferdes (vgl. beide bedd. im fr. trousse) ; vb. altfr. croüpir hocken, kauern,
nfr. stocken. Die wurzel findet sich mit der bed. einer zusammengeballten
sac)ie sowohl in den german. wie in den celt. sprachen, z. b. ahd. kropf^
nord. kryppa höcker, ahd. crupel krüppel, vb. nord. kriupa, ndd. krupen
hocken, gael. erup zusammenziehen, kymr. cropa kröpf. Unter den äbld-
tungen ist neben dem it. groppone und fr. croupion zu bemerken das aUfr.
crepon kreuz an menschen und thieren (et li pristrent ä batre le dos
et le crepon seil, a Rollant s. Fer. p. 157b, vgl. BMce. p. 14, 3, Ben.
II, 122), dessen radicales e wohl in dem nord. krippa, das die stelle des
älteren kryppa einnahm, seinen grund hat.
Grosella sp. cat., fr. groseille, comask. crosela (pg. groselheira
Nemnich) Stachelbeere, Johannisbeere. Es trennt sich schon durch den
buchstaben, d. h. durch das einfache s, von grossus dick oder grossns un-
reife feige, wozu auch das henneg. grusiele und wallon. gruzale stitnmt,
und ist augenscheinlich germanischer Herkunft, indem man die erste be-
deutung als die ursprüngliche nimmt: hd. krausbeere, kräuselbeere, schwed.
krusb&r, ndl. kruisbezie eine art rauher (krauser) Stachelbeeren, darum
auch it. uva crespa. Das gael. gröisead wird aus dem franz. herrühren.
Zu bemerken ist noch eine stelle aus dem anfange des 10 jh. : radix sacrae
spinae, quae vulgo groselarium vocatur, fr. groseillier, s. Haupts Zeit-
sehr. V, 204.
Grosso it. pg., sp. grueso, pr. wal. fr. gros dick, daher sbst. gros
name einer münze. Das wort kommt schon in der Vulgata und bei Sulp.
Severus (vestem respuit grossiorem) vor und kann mit dem deutschen
gröz grandis, crassus, welches prov. vermuthlich graut ergeben hätte, nichts
gemein haben. In einer franz. mundart, der von Berry, läßt sich aber
auch das deutsche wort entdecken, wo es die form grot, grout angenom-
men: grot homme dicker mann, groute orge dicke gerste, les grous die
großen, die reichen.
Grotta it., sp. pg. gruta, fr. grotte, pr. altfr. mit tenuis crota,
crote höhle, daher bürg. genf. encrotter begraben; von crypta (yiQvntrj)
kdler, wal. cripte; adj. it. grottesco wunderlich, phantastisch, nach art
der grottengemälde. Raynouard's deutung aus dem pr. cava rota ge-
brochener kdler LR. ist mehr sinnreich als richtig. Grupta gewährt
schon eine ital. Urkunde vom j. 887 DC.
L GRUGNIRE-GUADO. 175
Grugnire it., sp. grufiir, pr. gronhir, gronir, watton. grognl grun-
zen, murren; von grnnnire. Nach erster conj. gebildet it. grugnare,
fr. grogner. Daher sbst. it. grugno, pr. gronh, fr. groin, altpg. gruin
SRos. rüssel, eig. grunzer. Vgl. denselben stamm im ahd. grün, grnnni,
engl, groan, hymr. grwn u. s. w. Aus der vorclassischen von grammatikern
erwähnten nebenform grundire ist pr. grondir, altfr. grondir und grondre,
neufr. gronder. Altfr. groncer aber ist vom ahd. grunzen.
Grumo ü. sp. pg. Mümpchen, spart, auch knospe, altfr. grame
allerlei getreide Roquef, bürg. traübenkeme, it. grümolo herz des JcoJdes
(von den zusammenschießenden blättern gebildet), sp. gramete Meiner
junge, Schiffsjunge (vgl. oben garzone), daher fr. gourmette; fr. se gru-
meler sich klumpen, gerinnen; von grümus, grümulus häufchen.
Guadagnare it., chw. gudoignar, pr. gazanhar für gadanhar, altfr.
gaagner, neufr. gagner erwerben, gewinnen, altsp. guadanar mähen (bei
Seckendorf); sbst. iL guadagno, pr. gazanh, fr. gain gewinn, sp. gua-
dana, pg. guadariha sichel, sense. Das wort muß in betracht seines an-
lautes deutsch sein und vermuthlich liegt seine grundbedeutung im altfr.
gaaigner das feld bauen (daher gaagnage, gaaignerie LBs. 436 ausge-
stellter acker, dsgl. ertrag desselben), woraus die bed. erwerben erfolgte.
Die form führt auf ahd. weidanön jagen, weiden oder a/uf weidanjan, wie
Wackernagel, Altfr. lieder p. 156, lieber will: ja auch ableitung aus
weida (weide, jagd) mit dem rotnan. suffix agn ist denkbar. Der begriff
konnte sich von dem jagd- und hirtenleben auf den ackerbau erstrecken.
Neben guadagnare steht noch pg. ganhar, alt guanhar D. Din. p.132,
cat. val. schon im 13. jh. guanyar erwerben, vermuthlich nur aus erster em
zusammengebogen, worauf auch das altpg. gaanharia SRos. (für gadan-
haria) weist. Aber sp. altpg. ganar ist schwerlich daraus syncopiert, da
seine form durch sehr alte Zeugnisse geschützt wird, z. b. in einer Urkunde
wm j. 747 Esp. sagr. XL, 357 (quiequid potui ganare vel applicare),
oder, da deren ächtheit eweifettiaft ist, in einer andern vom j. 990 (gana-
vimus et emimus villas) s. Ducange. Am passendsten stellt man es zum
sbst. gana (s. oben); denn das ziel des begehrens ist das erreichen : ähn-
lich heißen sp. alcanzar, lat. consequi sowohl verfolgen wiem erreichen. Das
arab. ganla (nutzen ziehen) hätte eher ganar oder ganir gegeben. Von
ganar ist pg. ganancia, zsgz. gan;a, vb. ganhar, wogegen sich altpg.
guaan$ar wieder guadagnare annähert. — Dante braucht ringavagnare
Inf. 24. 12, aus dem altfr. regaagner mit eingefügtem hiatustilgenden v.
Guado it., auch vado, sard. vadu, sp. vado, pg. vao, alteat. guau,
neucai. gual, pr. gua, ga, fr. gu6 seichte stelle im wasser, fürt; vb. it.
guadare, sp. pg. vadear, pr. guasar GO. (für guazar) durch das wasser
(fdutf fr- guäer abspühlen. Daß die mit v anlautenden formen zum lat.
radum, vadare (letzteres nur bei Vegetius) gehören, versteht sich; bei den
mit g anlautenden ist wenigstens emfluß des ahd. mhd. wat, altn. vad
fürt, vb. ahd. watan, mhd.nhd. waten anzunehmen. Zu den verzeichneten
wortern kommt noch sp. esguazo, esguazar, aus dem prov., so auch it.
176 I. GUADO-GUANTO.
guazzo, guazzare. Letzteres heißt auch abspühlen, abschwemmen, guazzo
heißt auch pfütze, dazu noch guazza tliau, so daß man an ahd. wazzar
denken könnte; allein fr. guäer hat die nämlichen bedeutungen hervorge-
bracht wie guazzare: aus dem waten ergab sich das abspähten, da dies
an seichten stellen des flusses geschieht. Aber einfluß des prov. z muß
angenommen werden: schärfung des d zu z ist im ital. selten und geschieht
wohl nur nach n und r. Hieher vielleicht auch sp. guAcharo wasser-
süchtig, guacha-pear das wasser mit den fußen trüben. Vgl. dazu Diefenbach,
Goth. wb. I, 248.
Guado it., fr. guede (f), in der alten spräche gaide, waide G.
ö!Angl.p. 129, mdartl. vouede eine pflanze, waid; ist das ahd. weit, ags.
väd, s. Grimm IL 67. Aus der bekannten altfr. einschiebung des s
(guesde) entstand nüat. waisda, guasdium, guesdium, waüon. waiss
adj. königsblau (für waist, wie cress für crest, lat. crista; aouss für
aoust, lat. angustus). Sp. pg. it. glasto ist buchstäblich das gallische
glastum. Auch hier, wie so oft, wäre Diefenbach zu vergleichen, Cdt. I,
139, Orig. europ. 360.
Guai it. sp. pg., altfr. wai SB,, nfr. ouais, interjection für lat.vae;
sbst. it. guajo, sp. pg. guaya; vom goth. vai, ahd. wS, vgl. kymr. gwae.
Die altmaä. mundart hat sich auch ein adj. guajo geschaffen.
Guaime it., altfr. gal'n Ren. II, 133, wailon. wayen, lothr. veyen,
nfr. zsgs. re-gain grummet; kann nicht aus gagner, urspr. gaagner, ge-
formt sein, füglich aber aus ahd. weida futter, gras, nhd. weide, oder
aus weidön füttern, mit dem roman. suffix ime guad-ime gua-ime: so
floß it. guastime aus guastare. Das urspr. m hat sich auch im henneg.
waimiau behauptet. Normann. lautet das wort mit euphonisch abgeän-
dertem stammvocal vouin (für gouin, gal'n), altfr. vuin (nicht win su
lesen) : aussi qu'an vuin 'sicut in tempore aulumpm Brand, p. 103 u. 51.
Guafna it., fr. gaine, alt gaine, henneg. waine, auch kymr. gwain
scheide; von vagina. Den hiatus zu beseitigen spricht der Mailänder
guadinna, der Venezianer guazina.
Gualda sp., pg. gualde, fr. gaude, it. guadarella (Nemnich)
eine pflanze zum gelbfärben, reseda luteola, datier adj. sp. gualdo, pg.
gualde gelb, und wohl auch altsp. guado gelbe färbe; vom engl, weld,
nhd. wau.
Gualdrappa it., sp. pg. gualdrapa lange Satteldecke, bair. wal-
trappen. Ferrari erinnert an das seltsame vastrapes ytfuvdfoa (feminalia)
in den glossen des Phüoxenus, da eine solche decke wegen ihrer ähnlichen
Bestimmung sich einer beinbekleidung wohl vergleichen lasse; andre sehen
darin eine Zusammensetzung mit drappo, wissen aber für gual keinen rath.
Guanto it., sp. pg. guante, pr. guan, fr. gant Handschuh; das
eigcntl. port. wort aber ist lua, guante bedeutet panzerhandschufi. Mlat.
wantus liegt in sehr alten Zeugnissen vor, schon Beda erwähnt sein vor-
kommen in Gallien: tegumenta manuum, quae Galli wantos i. e. chiro-
thecas vocant. Das altfr. wanz kennen die Casseler glossen. Das wort
L GUAPPO-GUARI. 177
ist ein deutsches, wiewohl es in der hochd. ags. u. a. mundarten fehlt,
aber altn. vöttr ist = vantr, schwed. dän. vante. S. darüber Grimm,
BechtsaU. 162, Gramm. III, 451.
Guappo neap., mail. guapo hochmüthig, com. vap eitel (v steht hier
öfters für gu), sp. pg. guapo kühn, galant, schön geputzt, auch gase.
gouapou; sbst sp. gaapeza praJüerei; vb. norm, gouaper scherten.
Der anlaut gu spricht für einen deutschen stamm und dieser findet sich,
wenn man das prahlerische oder eitle als grundbegriff voranstellt, im ags.
yapul pompholyx, Wasserblase (bei Somnerus), vb. vapolian sprudeln, ndl.
wapperen flattern. Wohin gehört aber wallon. wapp wässerig, süßlich?
doch wohl zu ndl. weepsch mit gl. bed.
Guaragno it., sp. guaranon, alt guaran (val. guari), pr. (nach
Ducange) guaragnon hengst; vom nüat. waranio L. Sal. u. s. w., dies
aus dem deutschen, altndd. wrSnjo, mndl. wr§ne, ahd. reinneo, vgl. Graff
J, 978, Grimm zur L. Sal. p. XXVIII, Gesch. d. d. spr. 30. Das franz.
wort ist ätalon, das üblichere ital. ist Stallone, das weil, armesariu = ad-
miggarius.
Guar dar e it., sp.pg.pr. guardar, fr. garder hüten, vom ahd. warten
acht haben; sbst. it. sp. guardia (f.), pr. guarda (f.), fr. garde (f. m.)
wache, Wächter, vom goth. vardja, ahd. warto (m.), warta (f.). Daher
ferner it. guardiano, sp. pr. guardian, fr. gardien hüter; it. guardingo,
sp. pg. gardingo behutsam. Eine compos. ist it. sguardare, altsp. es-
guardar, altfr. esgarder, eswarder.
Guarento altit., sp. garante, pr. guaran und guiren, fr. garant
gewährsmann, nüat. warens, allfries. werand, warend; aus dem ahd. weren
leisten, verbürgen, s. Grimm, BechtsaU. p. 603. Die prov. form guiren
ist die reinste, in den übrigen ward i mit a vertauscht. Vb. it. guaren-
tire, sp. garantir, garantizar, pr. garentir, fr. garantir, altfr. auch ga-
randir gewährleisten.
Guari it., pr. cot. gaire, fr. guere, guferes, ein synonym des lat.
muUum; dagegen neuwald. gaire für lat. quot. Der Provenzale hat außer
gaire noch ein ähnliches wort, zusammengesetzt aus grandis res, gran-
rän, ganrln, und mit oder ohne negation gebraucht, wogegen gaire nur
dubitativ oder mit non negativ steht. Als partitiva stimmen beide nach
bedeutung und construetion ganz zusammen und werden z. b.'une adjeetiva
ohne weitere Vermittlung dem Substantiv vorgesetzt: ganren vegadas, gaire
companhos wie it. guari tempo. Gleichwohl sind sie nichts weniger als
identisch, indem der anlaut in gaire, wie das uralte fr. waires (z. b. in
den Serm. de Bern.), das lothr. vouere, das pic. w&re, das wallon. wair
und das chw. uera zur genüge lehren und auch das it. guari bestätigt,
deutsches w vertritt. Aber welches ist das deutsche wort? Buchstäblich
passt kaum ein anderes als das ahd. wäri verus, aus dem sich iL guari,
prov. mit versetztem i dem brauche dieser mundart gemäß guaire gaire
gestalten konnte: man muß e$ adverbial im sinne des lat. probe genommen
haben, wie denn auch das sbst. gawäri probitas bedeutet. Die prov.
12
178 I. GUARIRE— GUASTARE.
phrase non o pretz gaire wäre hiemach 'ich schätze es nicht wahrhaft,
nicht sehr. Von 'sehr aber bif 'viel3 ist nur ein kurzer schritt. Zsgs.
ist fr. na guere = il n' a guere, it. non ha guari 'es ist nicht lange her;
piem. pa-vaire wenig, nicht viel =■ pr. pas guaire. Im altfr. guer-soi
viel durst (beim zutrinken) Ruteb. I, 93, vgl. 239, Ben. I, p. 120 zeigt
sich guere ganz in positivem sinne. Für guari findet sich in der comask.
mundart gerr, sicher kein eignes wort, sondern, wie auch P. Monti meint,
aus altit. gueri (das aber zuerst in gheri übergieng). — [Die vorstehende
deutung von guari aus wäri kann sich des Vorwurfes niclU erwehren, daß
sich ein dem romanischen entsprechender deutscher gebrauch des urwortes
nicht nachweisen läßt. Aber noch ein anderes deutsches wort verdient ge-
nannt zu werden. Mhd. unweiger heißt 'nicht vid\ z. b. diu stunde
was unweiger lanc = it. Tora non fu guari lunga. Das einfache weiger
muß also 'vieC bedeutet haben, und so bemerkt man es einmal im dtthochd.,
worin ne weigaro das lat. non mtdtum ausdrückt, s. Mhd. wb. III, 556.
Eine merkwürdige Unterstützung dieser etymologie gewährt die älteste
prov. form gaigre Bth. v. 13, die das deutsche wort so vollkommen wieder-
gibt wie möglich. Ist dies die richtige lösung? Wenn sie es ist, so muß
das nur in wenigen stellen vorliegende weigar sehr volksüblich gewesen sein,
da es in alle roman. sprachen einzudringen vermochte.]
Guarire, guerire it., altsp. aitpg. guarir (jetzt guarecer), pr. altfr.
garir, nfr. guärir heilen, genesen; vom goth. varjan, ahd. werjan ver-
theidigen, nhd. wehren. Sichtbariich von demselben verbum ist pg. gua-
ri ta, sp. garita, altfr. garite, nfr. gu6rite sicherer ort (vgl. die franz.
phrase gagner la gu£rite sich durch die flucht retten), daher Schilderhaus,
warte auf mauern oder häusern (altfr. gariter befestigen). Das suffix
dieses Wortes setzt eigentlich eine ital. participiaibildung guarita als nächste
quelle voraus, wie fr. räussite auf it. riuscita zurückgeht, aber selbst die
heimischen Wörter, piem. garita, ven. gareta, cremon. garetta weisen mit
ihrem anlaut auf franz. Ursprung; das acht span. wort ist guarida Zu-
flucht, pr. guerida, das dem ahd. warid, werid (geschützter ort im wasser,
werd, werder) ähnlich sieht, ohne davon abstammen zu müssen. Vgl. Dief.
Goth. wb. I, 205.
Guarnire und guernire it., altsp. guarnir (jetzt guarnecer), pr.fr.
garnir verwahren; vom gleichbed. ahd. warnön, nhd. warnen, oder mit
genauerem anschluß an den buchstaben vom ags. varnian sorge tragen,
hüten, dltfries. wernia verbürgen, daher auch chw. varniar — wogegen
das lomb. guarnä ganz zu dem ahd. worte passt, da es den ableitungs-
vocal i nicht hervortreten läßt. Altfr. garnir heißt auch benachrichtigen
LRs. 366, Rou I, p. 149, FC. II, p. 51, wie ahd. warnön, ags. varnian
admonere. Desselben Stammes ist it. guarnaccia, guarnacca, sp. gar-
nacha, pr. gannacha, fr. garnache Überrock, mhd. garnaesch, vgl. ahd.
warna, mhd. warne für sorge; so auch it. guarn.ello Unterrock.
Guastare it., altsp. altpg. pr. guastar, nsp.npg. gastar, fr. gater
verderben, verzehren. Stammt es vom lat. vastare oder vom ahd. wastjan
I. GUATARE-GUERRA. 179
(letzteres aus dem sbst. wastjo und dem mhd. wasten zu folgern)? Da
das adj. it. guasto, pg. gasto, altfr. guaste, noch jetzt mundartl. (z. b.
in Berry) gäte, sich in vastus, das zsgs. diguastare, degastar, dägäter
in devastare wiederfindet, so ist herhunft aus dem latein, aber unter ein-
fluß des deutschen anlautes w, wie bei einigen andern mit gn anlautenden
roman. Wörtern, einzuräumen. Die bed. beschädigen Kennt schon die L.
Sai. tu. 9: penitus eum (caballum) vastare non debet. Als eine unmit-
telbare büdung aus wastjan darf eiber das altfr. gastir Ben. I, 256 an-
genommen werden. Abgd. altfr. guastine wüste LBs. 103 (adj. gastin
Sax. J, 209). '
Guatare it., pr. guaitar, fr. guetter anschauen, beobachten, lauern;
Ast. cremon. pr. guaita, altfr. guette, nfr. masc. guet wache; vom ahd.
wallten wache halten; sbst. wahta, nhd. wacht, goth. vahtvö. Zsgs. it.
agguatare, sp. pr. aguaitar, altfr. aguetier s. v. a. guatare; sbst. it.
aguato, sp. agait, fr. agnet (nur noch im plur. üblich) lauer, daher
altfr. daguet (= d'aguet) heimlicher weise;
Gubia sp., pg. goiva, npr. gubio, fr. gouge (f.) hohlmeißel. Schon
Isidorus 19, 19 fuhrt neben taratrum und scobina ein Werkzeug an, das
die ausgaben theils guvia, gubia, theüs gulvia, gulbia schreiben. Die
Casseler glossen setzen gulvium für das dtsche noila hobel. Die Variante
gulbia weist sich als eine nebenform aus durch das it. gorbia, sgorbia,
welches andre aus dem gr. ygoocpog herholen. Das wort scheint iberisch:
bask. gubia bogen, gubioa kehle in W. v. Humboldts Verzeichnis, vgl.
wegen der begriffe unser kehle und kehlleiste d. i. gehöhlte leiste. Larra-
mendi erklärt das bask. gubia aus gurbfa oder gurbiaz, wodurch sich
vielleicht die formen mit 1 oder r rechtfertigen lassen.
Guercio it. (com. verstärkt sguerc), chw. guersch, uiersch, altsp.
guereho, aber pr. guer, guerle, dauph. guerlio schielend. Sie setzen einen
deutschen anlaut w voraus und so konnten sie aus ahd. twer, dwerch
d. i. quer, nach abgestoßenem dentcdlaute, entstanden sein, vgl. gualiar
II. c. — [Diese ansieht auch bei Diefenbach, Goth. wb. II, 721.]
Guerra it. sp. pg. pr., guerre fr. krieg (daher engl, war, früher
warre, werre, Grimm, Recht salt. 603, E. Müller s. v.) ; vom ahd. werra,
mhd. mndl. altengl. werre zank, zunetracht, vb. ahd. werran verwirren:
rixas et dissensiones seu seditiones, quas vulgus werras nominat Cap.
Cor. C. Bellum (kymr. bret. bei) war dem Romanen neben dem adj.
bellus, welchem pulcher hatte weichen müssen, unbrauchbar geworden und
lebt nur in ableitungen und Zusammensetzungen fort; das einfache vb.
belar 'betta facere steht nur in einem prov. Wörterverzeichnis GProv. 29.
Man suchte ersatz im deutschen: das übliche wie mochte etwas zu klang-
los sein, werra gefiel besser. Auch der Baske sagt guerla, der Walache
ersetzte das lat. wort mit dem slav. resboi plünderung, was die gramma-
tiker des landes freilich von rebellare herleiten. Zu merken ist, daß das
von guerra abgeleitete guerrier im altrom. die bed. feind, Widersacher
(ursprüngl. verwirrer?) zeigt, z. b. prov. (wo dies am üblichsten ist)
180 I. GUIDARE-GUISA.
aucire sos guerriers mortals seine todfeinde tödten Chx. V, 10; fr. ainc
en nule maniere ne forfis que fuissiez ma guerriere Born. fr. p. 88; ü.
che non mi sea guerrera Trucch. I, 194, vgl. 205; contra li nostri
guerrer ella ö molt forte guerrera Bonves. p. 479, 43 ; sp. semejasme
guerrero Apol. 275.
Guidare it., sp. pg. guiar, pr. guidar, guizar, guiar, fr. guider
leiten, zurechtweisen; sbst. it. guida, sp. guia, pr. guida und guit, dttfr.
gui-s, nfr. guide fuhrer. Für die deutschheit des Wortes redet ziemlich
unzweideutig der anlaut gu, zu welchem stamme aber gehört es? Nach
der lautregel verlangt es goth. veid, ahd. wft, allein dieser stamm gewährt
keinen angemessenen begriff. Nimmt man goth. vitan beobachten, bewachen
als etymon, so ist gegen den begriff zwar nichts zu erinnern, auch ü.
scorgere heißt wahrnehmen und leiten, allein die darstdlung der goth.
tenuis durch die rom. media wäre ungewöhnlich. Gleichwohl ist diese
deutung zulässig: auch altfr. hadir, halft entsprang mit derselben lautver-
Schiebung aus goth. hatan (Rom. gramm. I, 312); selbst das sbst. guida
schließt sich alsdann dem ags. (und goth.?) vita ältester, rathgeber un-
mittelbar an, vgl. das prov. masc. guit, fr. guide. [Wackernagel gibt auch
das alts. gi-wttan zu bedenken, dessen bed. 'gehen doch etwas entfernter
zu liegen scheint] Von guidare ist fr. guidon fahne u. a. m.
Guiderdone it., auch guidardone, pr. guazardon (für guadardon),
guiardon, guierdon, altfr. guerredon, guerdon, sp. galardon (gualardon
FJ. Cal. 6 D.), pg. galardao, altcat. guardö, nüat. widerdonum (unter
Karl d. kahlen) Vergeltung; vb. guiderdonare ff. belohnen. Der erste
theil des Wortes macht keine Schwierigkeit, es ist das dtsche wider, in
älterer form widar, das auch in dem gleichbed. widrigilt vorliegt; a für
i in der ersten sübe von guazardon, gualardon, wird nicht stören, man
sehe die bemerkung oben in der vorrede. Widerdonum ist eine leichte
entstellung des ahd. widarlön recompensatio Graff II, 220, ags. widher-
leän, wozu erinnerung an lat. donum verführen konnte. Das sp. galar-
don ließe sich selbst aus einer in dieser spräche ziemlich üblichen Umstel-
lung der buchstaben (für gadarlon) deuten, wäre es nicht rathsam, sämmt-
liche sprachen an demselben vor gange theü nehmen zu lassen und 1 auf d
zurückzuleiten. Merkwürdig ist das synonyme pr. guazardinc, keine
nebenform, sondern durch das longob. thinx und garathinx als ein selbst-
ständiges wort gerechtfertigt.
Guisa it. sp.pg. pr., guise fr. iveise, art, beschaff enheit, daher engl.
guise; vb. sp. altpg. guisar zubereiten; zsgs. pr. desguisar, fr. d6-
guiser entstellen, die gestcdt benehmen. Das etymon ist unschwer zu finden,
da fast alle germanischen gebiete dasselbe wort besitzen: ahd. wfs, alts.
wisa, nhd. weise, ags. wise, altn. vis. Selbst die adverbiale anwendung wie im
ahd. in wis, zi wis (quomodo) spiegelt sich ab im rom. in guisa, a guisa. Fer-
raris lat. etymon vice (z. b. vice canis = more canis) genügt dem buchstaben
nicJd, Menage9 s visus, visa eben so wenig dem begriffe. Aber pr. guia s. v. a.
guisa scheint aus via entstanden, da s zwischen vocalen kaum ausfällt.
I. GUSCIO— HENN1R. 181
Guscio it. schäle der nüsse, eier, schalthiere u. dgl., Überzug, ven.
sgusso und fem. gussa, sgnssa dass., auch hülse des kornes, spreu, maü.
gH88, gussa, romagn. goss, gossa ebenso, fr. gousse (f), hülse, schote;
vb. it. Bgusciare schalen. Von zweifelhafter herkunft. Folgende Wörter
dürften in betracht kommen. Der grammatiker Placidus Jcennt gallici-
ciola tcortex nucis juglandis: ist dieses ungeschlachte wort Schreibfehler
für galliciola, so führt es auf ein adjectivisches primitiv gallicia (von nux
gallica waUnuß), das sich ital. in galcia galscia guscio, fr. gausse gousse
verwandeln mochte. Das ursprüngliche all hätte alsdann auch in dem
diphthong des comask. s-gausc für sgalsc seinen ausdruck gefunden. Ahd.
gabissa, garissa spreu, wegwurf. Ahd. hulsa und hülst, worauf Scheler
hinweist, scheinen mit ihrem anlaute nicht zum franz. worte zu stimmen,
wohl gihulsi, das aber nicht nachweislich ist. — Die Wörter für schale,
schote, hülse sind in den roman. sprachen und mundarten zahlreich und
oß schwierig zu deuten. Die obige deutung aus gallicia aber hat sich die
beistimmung Mussafia's erworben, der auf die übereinstimmende toscanische
form gallessa verweist, s. Zeitschr. für vergl. sprachf. XV, 397.
H.
Haca sp.y altsp. pg. faca, dltfr. haque (h asp.) Roq. Tdepper; altfr.
haquet, sie. acchettu dass., pic. haguette kleine stute; nfr. haquet karren.
Ist hier h oder f der richtige laut? Faca könnte sich auf cdtn. fäkr pferd
berufen, allein wie hätte sich dieser poetische ausdruck nach Spanien ver-
irren sotten? Es kann mit der bekannten span. dar Stellung der franz.
aspiration. (vgl. oben arpa) von haque hergenommen sein, dies aber vom
engl, hack miethklepper : dafür spricht auch die engl. zss. hack-ney, ndl.
hakke-nei (engl, nag, ndl. negg, nhd. nickel pferdchen), wovon fr. ha-
quenäe, altsp. pg. facanea, nsp. hacanea, it. acchinea, üblicher chinea.
& auch Diefenbach, Goth. wb. I, 30. II, 122.
Halar sp.9 haier fr. (h asp.), alar pg. ziehen am seile; vom altn.
hala ziehen, ahd. halön.
Hennir fr. (spr. hanir, h asp.) wiehern. Diesmal ist es die franz.
spräche, die das tat. original am genauesten wiedergibt. Die ital. hat
dafür nitrire, annitrire, sbst. nitrito, von hinnitus mit bekannter einschie-
bung eines lautverstärkenden r. Die erzeugnisse der übrigen sprachen
weichen noch mehr ab, so daß die etymologische rechenkunst nicht überall
ausreicht. Sie haben sich alle zur 1. conj. geschlagen. Span, lautet das
wort relinchar, älter rei'nchar Conq. ültram., pg. rinchar. Verkürzt man
das bei Lueilius vorliegende hinnilitare in hinniltare, so gewinnt man sp.
hinchar/ dem man zum unterschiede von hinchar = inflare die partikel
re oder red vorsetzte; das darin enthaltene d aber trat auf spanische
weise leicht in 1 über. Ein vorgesetztes re zeigt sich auch im cat. renil-
lar. wofür der Provenzale einfacher enilhar, inhilar, aber auch endilhar
182 I. IERI-IMPROVERARE.
spricht. Im sard. anninnijare endlich glaubt man deutlich die stimme des
pferdes (hin hin) zu vernehmen; andre mundarten derselben provinz haben
dafür annirgai und anniggia. Das wal. wort ist r^nchezä (ronchissare).
i. j.
Ieri it., sp. ayer (bei Berceo eri), pr. her, fr. hier, wal. eri adverb,
vom lat. heri. Sp. ayer ist nickt = adheri, a ist vielmehr ein euphoni-
scher Vorschlag vor y wie in ayantar, ayuso statt yantar, yuso, und so
mag sich auch das cot. ahir, das sie. ajeri verhalten.
II, lo, la it., sp. el, lo, la, pg. o, a, alt. el, lo, la, pr. lo> la (il), fr.
le, la, alt li, lo, la, wal. le (1), la (oa, a) artiJcd, von ille, illam, Rom.
gramm. II, 15. 27 ff. Sardisch su, sa, von ipse, ipsa.
Imbuto it., sp. embudo, pg. fehlt, pr. embut GProv. 59 trichter;
von butis faß, also wie fr. entonnoir, sagt Menage ; vgl. auch it. imbotta-
tojo mit ders. bed., von botte = butis.
Immantinente it., pr. mantenen, fr. maintenant, eeitadverb, illico,
sine mora. Es ist kein partieip des rom. vb. mantenere, so daß es dem
lat. in continenti gleich wäre, wozu die begriffe nicht stimmen, sondern
eine selbständige Zusammensetzung in manu tenens in der hand lialtend,
in bereitschaft, ohne Vorbereitung, ohne aufschub. Prov. auch de mantenen,
altfr. de maintenant. Wald, atenent Hahn p. 573.
Imprenta und impronta it., sp. pr. emprenta, fr. empreinte ge-
präge, abdruch; vb. it. imprentare, improntare,. sp. emprentar, daher ndl.
printen, engl, print. Von imprimitare, meint Ferrari. Da die neuen
sprachen indessen nur wenige iterativa, diese aber immer mit iterativer in
imprentare gar nickt fühlbarer bedeutung schufen, das verbum auch im
franz. und prov. nicht vorhanden ist, so sucht man seinen Ursprung wohl
richtiger im franz. partieip empreint: um so eher konnte der Italiener
das fremde in seinem Ursprünge ihm unverständliche wort in impronta
entstellen.
Improntare it., emprunter fr. entlehnen, borgen, sbst emprunt.
Nach Muratori, Ant. ital. I, 1895, wäre das ital. wort aus dem franz.
Pecuniam alicui promere heißt einem geld hervorlangen: wollte man nun
mit impromtum, impromtare das einnehmen des geldes ausdrücken? Das
gezwungene dieser vermuthung wird einleuchten. Diesmal fährt die walach.
spräche auf die richtige spur. Sbst. inprumut heißt borg, vb. inprumuta
auf borg geben oder nehmen, vom lat. promutuum darlehen, zsgs. in-pro-
mutuum, in-promutuare, was denn leicht improntare ergab. Seltsam ist
fr. u für o : sollte es der einwirkung des ausgefallenen u in der sübe mut
sein dasein danken? Der Wallone sagt epronter, aber o vertritt ihm oft fr. u.
Improverare, rimproverare it., sp. improperar, fr. vrlt. impro-
pörer vorwürfe machen; sbst. it. rimproverio cet. Vorwurf; von im-
properare hineineilen Varro, vorwerfen Petron., eig. drauf losfahren, wie
Pott deutet, improperium Vulg., s. QuicheraJt Add. s. v.
I. INCALCIARE— INGANNO. 183
■
Incalciare, incalzare it., altsp. encalzar -4fo., pr. encausar, altfr.
enchaucer nachsetzen, verfolgen, daher sbst. cütsp. encalzo, altpg. ebenso
encal^o SRos., pr. encaus, altfr. enchaux; eigentl. einem auf der ferse
sein, von calx.
Incanto it., encante altsp., enquant encant pr., encan fr. Ver-
steigerung, mhd. gant; d. i. für wie viel, wie hoch? von in quantum; vb.
it. incantare, pr. enquantar, altfr. encanter versteigern, verganten. Nicht
von incantare, wenn sich auch altfr. durch umdeutung enchanter (en-
chantement Assis, de JSrus.) findet. Vgl. Grimm, Rechtsalt. p. 610.
Inchioßtro it. tinte (richtiger altmaä. incostro Bonves.); von en-
caastam (i'yxavorov) rothe tinte, womit die griechischen Jcaiser unter-
schrieben; dasselbe wort, mit griechischer betonung, ist fr. encre, sonst
auch enque, die stärkste abküreung, die in dieser spräche vorkommt, sicil.
inga, ndl. inkt, engl. ink. Atramentum blieb im pr. airamen, altfr.
errement. Tinta ist der sp. pg. cot. sard. ausdruck, schon ahd. tincta,
dincta. Der Walache empfieng vom Slaven, dem er auch die buchstäben
verdankte, den ausdruck für tinte, cerneale d. i. schwärte.
Incinta it., pr. encencha, fr. enceinte schwanger. Davon sagt
Isidorus: incincta praegnans eo quod est sine cinctu d. h. incincta ist s. v. a.
discincta entgürtet, weil sie keinen gürtet tragen kann: ne me puis ceindre
sagt eine solche, FC. IV, 275. Andre auslegungen s. bei Menage, vgl. auch
Galvani im Archiv, stör. ital. XIV, 362. Das franz. sbst. enceinte Um-
zäunung aber ist von incinctus in seiner classischen bedeutung.
Ine ade und ineüdine, aneüde und aneüdine it., sp. yunque, ayunque,
pg. ineude (poet.), pr. encluget, fr. enclume amboß: von ineus ineüdis,
mm theil sehr entstellt.0 Das it. ineudine beruht auf der falschen decli-
nation ineudo ineudinis, ungefähr wie das sp. hambre auf fames faminis.
Das sp. yunque entstand aus incu'e durch Versetzung des u. Die piem.
form aneuso, die catal. enclusa scheinen aus dem nominativ entstanden.
Indaco it., altsp. ändico, fr. indigo, pr. indi, endi eine blaue färbe,
indig; vom lat. indicum blaues pigment aus Indien. Hieraus ein adj.
altsp. yndio Chron. rimad. p. p. Michel v. 117, pr. indi, altfr. inde.
Indi it., alt ende, enne, daher en und das jetzt übliche ne, altsp.
dtpg. ende, pr. en und ne (letzteres z. b. in dem halbfranz. Leodegar str.
11), altfr. int (in den Eiden), ent, nfr. en, wal. inde, ortsadverb und
pronominalpartikel, s. Born, gramm. III, 55. Näher dem urworte als das
fr. en steht das henneg. end in end-aler = fr. en aller, abgekürzt d (i
d1 a requeu ü^n a recupSre). Im altüal. inclinierte ende = neuit. ne
sehr häufig z. b. nonde campo non ne campo PPS. II, 33, nulland'
onoro nuMa ne onoro 71, peronde temo perb ne temo 73, vgl. Diane,
ltal. gramm. 305. 306. Zsgs. ist sp. den de präposüion für desde,
altsp. dent, altpg. dende, altfr. den Pass. de J. Chr. str. 30, SLeg. 21,
van de-inde.
Inganno it., sp. engano, pg. engano, pr. engan betrug; vb. in-
gannare, enganar, enganar, altfr. enganer betrügen, weil, ingtjnä (aus
184 I. INGEGNO— 1NTERO.
dem itcd. ?) verhöhnen. Das einfache wort findet sich im altern mlatein :
gannat xlevatpi Gl. lat. gr., sbsi. gannum spott Gest. reg. Fr., ganna-
tura Bonif., Rh. Maur., Aldhehn; der Proveneale hat ganhar lachen,
spotten, es scheint aber nicht dasselbe wort. Wer gannum aus ingenium
entstehen läßt, der setzt sich über die handgreiflichsten lautregeln hinweg ;
auch die herleitung aus dem ahd. geinön den mund aufsperren ist nach
begriff und laut unhaltbar: in letzterer beziehung würde sich doppeltes
aus einfachem n nicht rechtfertigen lassen. Möglich aber ist entstehung
aus ahd. gaman spiel, scherz, ags. gamen scherz, spott, höhn, zsgz. gamn;
man erwäge dieselbe behandlung der Verbindung mn in damnum, it. danno,
sp. dano, pg. dano, pr. dan. Spiel und betrug berühren sich nah, vgl. it.
giuoco spiel, hunstgriff, com. gioeuch (göch) betrug, fr. jouer qqun einen
betrügen. Das gael. gang-aid betrug hätte andre formen erzeugt.
Ingegno it., altsp. engeno, pr. engeinh, engin, fr. engin erfindungs-
kraft, dsgl. künstliche maschine; von ingenium. Daher cdtfr. engignier
überlisten, pr. engenhar nachstellen, it. ingegnarsi, nfr. s'ingönier auf
mittel sinnen; sbst. pr. enginhaire, fr. ing&rieur, it. ingegnere, ndat.
ingeniosus kriegsbaumeister. Aus lat. genius geschmack, witz leitet sich
it. genio, sp. genio, fr. g6nie. Pr. geinh aber, gleichbed. mit engeinh,
wie ginhos mit enginhos, scheint aus ingenium abgekürzt.
Inguine it., sp. engle (/ör.engne), neupr. lengue (für engue),
fr. aine (f.) weiche am menschlichen körper; von inguen. Itcd. anguinaglia
von inguinalia.
Insegna it., altsp. ensena, neusp. pg. insignia, pr. ensenha, fr.
enseigne zeichen, kennzeichen, it. pr. fr. auch fahne; von insignia, plur.
von insigne. Das einfache Signum gab sp. sena, pg. pr. gleichlautend.
Insegnare it., sp. ensenar, pg. ensinar, fr. enseigner lehren. Von
insinuare bekannt machen; oder ist es neues wort, in-signare einzeichnen,
einprägen? vgl. iyxaQaoaetv 'insignare, incisare Gl. gr. lat. Nicht nur
der begriff, auch der buchstabe redet für das letztere, dessen stamm ganz
mit Signum in den acht roman. formen segno, sena, senh zusammentrifft;
volle bestätigung gewährt ober das wci. insemnä anzeigen, von semn =
Signum, also insignare.
Insembre, insembra it., altsp. ensembra, ensemble, altpg. ensem-
bra, fr. ensemble, dsgl. it. insieme, pr. ensems, altwäld. ensemp, adverb
für lat. una; von insimul, dessen 1 zum theil in r verwandelt oder apo-
copiert ward; wäl. aseämene von ad simul. Einfaches senps = simul findet
sieh in der Pass. Christi str. 104. Vgl. unten sembrare. •
Intlero und intägro it., sp. entero, pg. inteiro, pr. enteir, fr. entier
vollständig, ganz, altfr. in der bed. unverletzt: li sain et li entier DMce.
p. 176 j von integer integri, lomb. und wal. intreg. Abgel. pr. altfr. adj.
enterin vollkommen, vb. altfr. enteriner gerichtlich gut heißen. Da in-
tero auch grade oder aufrecht bedeutet, so knüpft sich hieran das vb. in-
tirizzare, pg. inteiri^ar starr maclien, starr werden (adj. inteiri^o voll-
ständig, dsgl. starr) : die physische und moralische bed. fest, unbeugsam
I. INTRAMBO-LACAYO. 185
hat auch unser steif. Abgeändert aus diesem verbum mit vertauschung
der partikel ist aitpg. sp. aterir, aterecer, span. auch ateritar.
Intrambo, entrambi it., sp. entrambos (getrennt entre Kachel e
Vidas a parte yxieron amos PC. 191), pr. entrambs beide, alle beide,
ssgs. mit der partikel inter, welche die bed. lunter sich, miteinander, zu-
sammen angenommen hatte, also beide zusammen, s. Rom. gramm. III,
408 note.
Inverno und verno it., sp. invierno (yvierno PC. ed. Jan. v. 1620),
pr. iveni, fr. hiver, wal. earnej unnter ; vom adj. hibernus, Mbernum, dem
das unbildsame hiems weichen mußte.
Investire it., sp. embestir, fr. investir einen platz berennen, ein-
schließen, auch ihn angreifen; von investire bekleiden, und schon im la-
teinischen umgeben, z. b. focum investire sich um den herd stellen.
I o it., sp. yo, pg. wal. eu, pr. gallic. ieu, eu, altfr. eo, ieo, jeo, jo,
nfr. je; von ego, syncopiert eo, woraus sich alle romanischen formen er-
Haren, die neufranzös. durch consonantierung des anlautenden i, das mit
e zu einem diphthong verbunden in kurzem lat. e (vgl. dien aus deus)
seinen grund hatte.
Issare it., sp. pg. izar, fr. hisser (h asp.) in die hohe ziehen; vom
sckwed. hissa, ndd. hissen.
Iva sp. pg., if fr. (m.) taxusbaum; ist das ahd. iwa, nhd. eibe,
ags. iv, engl, yew, kymr. yw (f., sg. ywen), com. hivin.
Ivi, vi it., aUit. i, altsp. altpg. pr. hi, y, fr. y, nsp. pg. (mit vor-
geschlagenem a wie in ayer von heri) ahi ortsadverb, von ibi. '
Jnsbarba sp. mäusedorn, fr. joubarbe, pr. barbajol hauswurz; edle
entsprechend dem lat. Jovis barba bei Plinius (anthyllis barba Jovis L.),
it. barba di Giove. Span, chubarba scheint eine andre form desselben
Wortes, vgl. in betreff des avlautes chupa = fr. jupe.
L.
La it., sp. alld, altpg. alä SRos., npg. lä, pr. la, lai, fr. lä ortsad-
verb, von illac.
Lacayo sp. pg., fr. laquais, daher it. lacchfe diener, der seinen
herrn zu fuße begleitet, pedissequus. Im span. ist dies wort nicht alt,
wenigstens erklärt es Covarruvias für ein erst mit könig Philipp (I.) aus
Deutschland gekommenes, es fehlt daher auch bei Antonius Nebrissensis.
Weit früher muß Frankreich es gekannt haben, da schon Froissart (vor
1400) sagt: en France il y a cent ans, que les pages vilains allans ä
pied onfr commanc6 d'estre nommez laquets et naquets (Menage). In
einer Urkunde y. j. 1470 liest man: gens arbalestiers appellez laquaiz:
leichte truppen wurden also damals so benannt, was der nachweislich älte-
sten noch jetzt üblichen bedeutung nichts schadet, s. darüber bei Garpentier.
Man hat es wohl aus dem arab. hergeleitet, von dem formell ganz un-
186 I. LACCA-LAIDO.
passenden laqft ausgesetzter knabe Freyt. TV, 119*, oder lakfa schmutzig,
niedrig 123*. Larramendi führt es zurück auf bask. lacun, lagun geseU-
schaff hülfe, und ayo einer der wartet und folgt: kennet dieser spräche
haben zu entscheiden, ob aus dieser Verbindung das bask. lacayoa erwachsen
konnte oder ob es dem span. entnommen ward. Indessen bedarf es für
tmsern zweck dieser prüf ung nicht einmal. Seihen wir uns nämlich auf
roman. gebiete um, so begegnet uns das alte prov. lecai naschhaft, üppig
(s. unten leccare), neupr. (limous.) mit bekannter Verwandlung des ton-
losen e in ä laccai nebenschößling des getreides (passend zu dem begriffe
naschhaft), dsgl. diener wie im franz. Leicht konnte man den seinem herrn
fest anhängenden ihm überall nachtretenden diener mit einem unnützen
üppigen von der pflanze lebenden Schößling vergleichen; das dltpg. leeco,
buchstäblich = pr. lec, dem primitiv von lecai, hat sogar ohne dbleüungs-
suffix die bed. von lacayo entwickelt s. S. Eosa, was dieser vermuthung fast
zur bestätigung gereichen kann. Zu bemerken ist auch noch, daß eine der
baskischen mundarten, die labortanische, mit e für a lekhayoa sagt, der
alten prov. form gemäß.
Lacca it., sp. pr. laca, fr. laque, mlat. laca (1327) ein ostindisches
harz; pers. lak, sanskr. läkschä.
Laccia it., sie. alaccia, neupr. alacho Honnor. alse, maifisch, sp.
alacha, andal. lacha (Nemnich) Sardelle (alse, Sardelle, hering gehören zu
einer und derselben gattung, clupea) ; muthmaßlich entstellt aus halec, nach
Diefenbach, Orig. europ. 222, aus dem celt. alausa. Entschieden aus
halec ist it. dlice (f.), sie. al6ci Sardelle, sp. &16ce (m.) ragout von fiscJi-
lebern, dsgl. sp. haleche eine art der makrele, aus welchem fisch die
Römer ein treffliches garum machten.
Laccio it., sp. pg. lazo, pr. latz, fr. lacs, weil, latz schnür; von,
laqueus; vb. it. lacciare, allacciare u. s. f., fr. lacer. Aus dem roman.
auch unser latz Mappe.
Lacerta it., gew. lucerta, lucertola (sard. caluscerta, caluxertula),
sp. pg. lagarto, fr. 16zard, bürg. fem. lözarde und so altfr. laissarde
RMont. 399, 30, Voc. d' Evreux p. 20, chw. lusciard eidechsc (pg. la-
garta raupe); von lacerta, das aber fast gemeinromanisch seine endung
mit dem auf viele thiernamen angewandten suffix ard vertauschen mußte.
Der Spanier mag frühe lacarta für lacerta gesprochen haben.
Lagnarsi it., altsp. lanarse, pr. se lanhar, altfr. laigner sich be-
klagen; sbst. it. lag na, pr. lanha klage, jammer; von laniare se (prae
dolore), wie Ferrari und Muratori mit grund vermuthen, vgl. pg. carpir-
se weinen, sich beklagen, exgentl. sich zerreißen, oder die minder starken
lat. und griech. ausdrücke plangere und '/.onTeo&ai.
Laido it. altsp. dltpg., pr. lait, fr. laid häßlich; vom aAd/leid ver-
faßt, altn. leidhr, ags. lädh; altfr. il in'est lait = mhd. mir ist leit, das
gegentheil von il m'est bei == mir ist liep. Altfr. auch sbst. lait (faire
lait a qqun wie ahd. leit tuon), dsgl. chw. laid, bask. laidoa. Vb. it.
laidare, altsp. laizar Bc.Mil. 394 (aus dem prov.), dltpg. laidar SRos.,
I. LAMA-LANDRA. 187
pr. laizar dltfr. laider kränken, verletzen, von leidön, leiden, dsgl. it.
laidire, pr. aitfr. laidir von leidjan, ags. lädhjan. Eine bemerkenswerte
abl. ist dltfr. laidenge kränkung (vb. laidengier), pr. ledena Bth. 73
für laidenha, vgl. ahd. leidunga beschtddigung.
Lama it. sp. pg., dauph. lamma sumpf; von dem seltnen lat. lama
{für lac-ma, vgl. lac-us), wovon Festus sagt: aquae collectio, quam lamam
dicunt, übrigens von Horcus gebraucht. In demselben sinne findet es sich
auch bei Dante, wiewohl manche seiner ausleget es anders deuten, s. Fer-
rari s. v. und Muratori, Ant. itäl. II, col. 1105. Bekanntlich führt
Paulus lama als ein longob. wort an, s. darüber Grimm, Gesch. d. d. spr.
p. 694.
Lama it. pr., lame fr. platte, klinge, cdtsp. lana Scheibe, riemen; von
lamma. Dasselbe etymon hat dltfr. lame gröbstem. Abgel. altfr. lemele,
alemele Brt. I, p. 108 (letzteres aus l'alemele für la lemele), nfr. entstellt
in alumelle. Daher mhd. lämel.
Lambicco, limbicco it., sp. alambique, pg. lambique, pr. elambic,
fr. alambic destiUierkolben; vom arab. al-anbfq, welches aber selbst in
diese spräche eingeführt sein soll, Gol. 165, vgl. Freytag I, 62b.
Lambrusca it. sp., lambruche fr. wüde rebe; von labrusca dass.
Lampo it. sp. pg., pr. lamp, lam, neupr. lan blitz; eigentl. schein
wie fr. öclair, von lampas, aber neu gebildet aus dem stamme lamp ohne
rücksicht auf die ableitung lanip-ad, ein noch stärkerer fall als capo cap-
accio aus cap*nt. Eine ableitung mit derselben bed. ist cot. llämpeg,
sp. pg. ssgs. rel&mpago.
Lampreda it., sp. pg. lamprea, fr. lamproie ein fisch, lamprete;
umgestellt aus lam-petra steinlecker (lambere), weil sich dieser fisch mit
dem maul an die steine anhängt. S. Voss. Etym. v. petra. Das lat. wort
ist unclassisch und kommt erst in den glossen des Philoxenus vor: lam-
petra hvqcuvci (meeraal).
Lancia it., sp. lanza, pr. lansa, fr. lance, wal. lance Speer, vom
lat. lancea, nach Varro bei Gellius ein hispanisches, nach andern ein
gallisches oder germanisches wort (das genaueste darüber bei Diefenbach,
(Jrig. europ. 372); vb. it. lanciare ff., lat. lanceare erst bei Tertullian;
daher it. lancio, sp. lance, pg. lan<jo, pr. lans schwung, sprung. Zsgs.
it. slanciare, pr. eslansar, fr. Cancer schwingen; sbst. fr. 61 an für
61ans Sprung, säte.
Lan da it. pr., so auch cdtsp. s. Carte, de B., lande fr. heide, ebene,
aitfr. lande saltus LRs. 86. 186. 351, Gloss. de Lille 15 (Seh. 34), daher
lande follie GVian. 3011, also auch buschgegend; bask. landa feld. Das
wort hat deutsches aussehn: goth. land (n.) %wQa, äyQog; mit seiner be-
deutung aber neigt es sich entschiedener zum breton. lann stacheliger
strauch, pl. lannou steppe, man vgl. denselben begriffsübergang im fr.
brande Strauch, pl. brandes heidefeld. Lann aber, in älterer form land,
scheint acht cdtisch, s. Zeuß I, 168.
Landra, slandra it. metee, feile umherstreifende dirne, dauph.
188 I. LANIERE— LASCIARE. *
landra dass. s. Champottion; ab gel. neupr. landrin, landraire tagcdieb;
com. slandron landstr eicher, ven. slandrona metze; vb. neupr. landra
pflaster treten (auch se landä Bonn.). Zsgs. it. malandrino, sp. neupr.
malandrin, henneg. limous. mandrin Straßenräuber, landstreicher, tauge-
nichts, für mal-landrino u. s. f., comask. fem. malandra meretrix, occ.
mandro (f.) name des fuchses, mandrouno kupplerin (nach Sauvages von
matrona), wohl auch sp. molondro Müßiggänger; ferner adj.pt. vilandrier
pflaster tretend, für vil-landrier. Aus it. slandra ist weil, suleandre (durch
einschiebung wie zumaltz aus nhd. schmalz). Es gibt ein ahd. lenne me-
retrix s. Freidank p. 363 (1. ausg.), dem aber dr nicht ohne grammati-
schen grund hätte angefügt werden können. Besser zu treffen scheint unser
mhd. lenderen Wb. I, 963, oder ndl. slenteren, nhd. schlendern müßig
umhergehen. Zu beachten ist auch das ahd. für lat. latro gebrauchte
lantderi einer der land und leuten schadet, passend zumal für mal-landr-
ino. Doch mag man sich weiter umsehen und z. b. auch das bask. lan-
derra fremd, dürftig Larram. I, XXI heranziehn.
Laniere it., pr. fr. lanier, engl, lanner, eine geringere faXkenart,
waektelfaike, würget; wird von laniarins geleitet, a laniandis avibus. Adj.
lanier gierig.
Lanzichenecco it. (abgekürzt lanzo), sp. lasquenete, fr. lans-
quenet deutscher soldat zu fuß; bekanntlich von landsknecht d. i. knecht
oder bewaffneter im dienst des landes (im mhd. nicht vorhanden), daher
auch ein von den landsknechten eingeführtes kartenspiel.
Lapo sp. schlag mit flacher klinge; vom ahd. lappa, nhd. läppen,
vgl. das verwandte dtsche Aap, welches läppen und schlag mit etwas flachem
heißt. Gleicher herkunft comask. lapina ohrfeige, fr. in Berry lapigne
lumpen, läpeau träger mensch, churw. lapi wicht, pinsel = nhd. läpp
schlaff. Zsgs. sp. solapar das Tdeid überschlagen.
Lappare it. (in oberital. mundarten), fr. laper, pr. lepar, cat.
Hepar auflecken; = nhd. läppen, altn. lepia, kymr. llepio, gr. lartxuv
u. s. w., ein weitverbreitetes wort.
Lar sp. pg. occit., llar cat. herd; offenbar das lat. Lar, das bereits
bei den Bömern aus der bed. hausgott in die bed. herd Übertrat, s. z. b.
Schwenck, Rom. myth. 237. Dasselbe wort ist gewiß das it. alare
feuerbock, worin schon Redi das lat. lar anerkennt, s. dessen Etitnol. ital.
Auch sp. llares kesselhaken (plur.) mag dieses Ursprunges sein.
Lasciare, lassare it., altsp. lexar, leixar, pg. leixar, pr. laissar,
fr. laisser, wal. l$sä, chw. abgekürzt schar lassen; von laxare schlaff
machen, nachlassen (sp. laxar nur in dieser bed.). Zsgs. pr. s' es laissar,
altfr. s'eslaisser sich wohin stürzen, eigentl. sich loslassen, sbst. eslais
stürz, Sprung, it. slascio. Dahin auch adj. it. lasco, pr. läse, lasch, fr.
lache, henneg. lake träge, vb. sp. lascar, altpg. laiscar SRos., pr. las-
car, laschar, pic. laskier, fr. l&cher (alt lasquer Rol. p. 150), von lascus
umgestellt aus laxus, vgl. denselben Vorgang im gael. leasg, ir. leisg, kymr.
Uesg = lat. laxus; gael. asgall, com. ascle = lat. axella; gael. flusg =
I. LASSO— LATINO. 189
lat. fluxus u. a., aber auch in roman. Mundarten: champ. figquer = fixer,
lusqne = luxe. — Merkwürdig ist das henneg. norm, laier für laisser,
das auch im altfranz. häufig genug "begegnet. Ist es das ndl. laten? denn
das ahd. läzan würde sein z nicht so leicht preis gegeben haben und an
das abgekürzte mhd. län ist, als eine zu späte form, sicher nicht zu denken.
Aber laier scheint in einer entfernten roman. mundart seines gleichen zu
haben: das buchstäblich zutreffende lomb. lagä thut ganz den dienst von
lasciare, mit dem es übrigens keine gemeinschaß haben kann; es muß
vielmehr aus legare (hinterlassen) entstanden sein, dem auch eine henneg.
form leier entspricht (vgl. EscaUier, Sur le patois p. 109). Vielleicht
aber läßt sich laier von lagare trennen und mit laisser verbinden. Das
fut. laisserai lais'rai nämlich konnte in lairai syncopiert werden wie
gesirai in gerrai, und diese syncqpierte form konnte auf die gestc&t des
verbums einfluß üben. Aber die erste erklärung scheint sicherer. Gael.
leig, attirisch leic zulassen.
Lasso it. pg., sp. laso, fr. las müde, unglücklich, interj. it. ahi
lasso, fem. ahi lassa, pr. ai las, altfr. ha las, engl, alas, nfr. h£las (s.
hl IL c), vom lat. lassus müde; vb.it. lassare ff. ermüden, von lassare.
Aus dem adj. entstand auch das altfr. sbst. laste Eracl. 2346, laste Bert. .
1092 (ed. Schder) müdigkeit, kummer, aitsp. lasedad.
Lasto it., sp. lastre (m.), fr. laste (m.) ein schiffsgewicht, last; vom
ahd. hlast, altfrs. hlest, ags. last onus. Daher auch fr. lest (m.) ballast.
Span, lastre zeigt ein eingeschobenes r und trifft zusammen mit lastre, pg.
lagtro ballast (vb. lastrar mit ballast beladen), dsgl. Steinplatte, für letzteres
auch fem. lastra, und so it. lastra stein- oder metallplatte, bedeutungen,
welche diese Wörter dem gr. t^nhxaTQOv (s. piastra) näher rücken als
dem deutschen last.
Latino it., sp. latin, pg- latim ff. bedeutet zuerst die lateinische
spräche, ward aber auch auf Wissenschaft oder kenntnisse ausgedehnt wie
bei uns, wenn wir sagen: er ist zu ende mit seinem ledein. Alsdann nahm
man es auch in malam partem: sp. saber mucho latino schlau sein, sp.
pg* adj. (mit d für t, besser romanisiert) ladino schlau, listig. Aber was dem
gelehrten das latein, das war dem ungelehrten seine muttersprache : so kam
es, daß man das wort auf jede mundart übertrug, selbst die arabische:
pr. parlar en son lati heißt in seiner mundart reden, und auch die vögel
reden in ihrem latein, in ihrer mundart, denn ein anderes latein ver-
stehen sie nicht: pr. l'ausel canton en lor latis und bei Dante reden
ebenso gli augelli eiaseuno in sno latino; bei Gottfried von Straßburg
hießen diu wilden waltvögelln si willekomen stn vil snoze in ir lattne.
War man einmal bis zur bed. muttersprache vorgerückt, verstand man
unter dem latein namentlich das romanische, so konnte man mit dem
Italiener dem adj. latino oder ladino die bedd. leicht, bequem, zugänglich
(verständlich lag in der mitte) beilegen, wie sich dies schon bei Dante
findä: si che m'& piü latino d. i. piü facile Par. 3, 63; latino di dar
audienza facüis aUoquio, ladino della mano promtus, expeditus, welchen
190 I. LATTA— LEGA.
sinn auch das churw. ladin ausdrückt Ferrari deutet dieses adjediv
lieber aus latus weit, daher bequem. Van latin ist pr. aUfr. latinier
sprachkundiger, dolmetscher, altengl. latynere, latymer, Ivg. bei Ducange:
latinier fa, si sot parier roman, englois, gallois et breton et norman.
Dazu Genin, Recreations phüol. II, 71.
Latta it., sp. pr. lata, fr. latte flache hölzerne Stange, stück blech;
nicht vom lat. lata breit, unmittelbar vom ahd. latta, ags. lätta, vgl. kymr.
lläth (f.). Der Walache hat dafür das masc. latz.
Lattovaro, lattuaro it., sp. electuario, alt lectuario, pr. lactoari,
lectoari, fr. ölectuaire, alt lectuaire latwerge; nebst andern formen aus
lat. electarium, wofür auch electuarium vorkommt.
Lavanda, lavfridola it., sp. lav&ndula, fr. lavande ein wohl-
riechendes kraut, lavendel; soll seinen namen daher haben, weil es zum
waschen des körpers (lavare) gebraucht wird, wie denn it. lavanda auch
Waschung bedeutet.
L&zaro sp. betfler, mail. l&zzer schmutzig, pic. lazaire arm, elend,
pr. fr. ladre aussätzig; öbgel. altsp. lac£rla armuth, dsgl. aussatz; it.
lazzeretto, sp. lazareto siechenhaus; it. lazzarone. Von dem namen
des siechen bettlers Lazarus Ev. Luc. c. 16. Die älteste prov. oder frans,
form war sicher lazer, vgl. Pass. de J. Chr. str. 8 lo Lazer und die an-
merkung dassu; wie zr zu dr, so ward auch sr zu dr in madr6 von ma-
sar, in S. Ludre von S. Lusor Voc. hagiol.
Leccare it., pr. liquar, lichar, lechar, fr. lecher, chw. lichiar, wci.
licei lecken; dafür sp. lamer, cot. Hepar. Neben it. leccatore, altfr. lecheor
leckermaul, Schmarotzer gut auch pr. lec, lomb. piem. ebenso lech, sie.
liccu, it. leccone. Auch gibt es ein prov. adj. lecai, licai (sbst. licai-
aria) und licaitz (sbst. licaz-aria), beides seltne bildungen. Die älteste
künde des roman. Wortes findet sich in den Isid. glossen: lecator (gulosus\
Vom gr. leixeiv kann es nicht abstammen, dies hätte it. licare, bei Isidor
licator gegeben, doch mag dem wälach. worte dieser Ursprung zugestanden
werden. Leccare ist das ahd. lecchön, alts. liccön, leccön, ags. liccian;
lec, leccone würden einem ahd. sbst. lecco entsprechen, wenn ein solches
vorhanden wäre. Kaum zwar kennen die Isid. glossen ein deutsches wort,
gegen lecator aber ist schwerlich etwas einzuwenden. Wenn es jedoch an
einer andern stelle dieser glossen heißt leno 'lecator, mediator, lenulus
lparvtts lecator , lenocinium *lecaeitas ', so mag diese bedeutung aus dem
gr. laixdCeiv abstrahiert sein, denn lecacitas erinnert so stark an das
pr. lecaitz (gleichsam lecax), daß es keine trennung davon gestattet.
Aber auch das rom. lecheor hatte eine üble bedeutung, es war ein Schimpf-
wort für spielleute geworden (parasitus ^spileman Schlettst. gloss. 29,62;
39, 422) und ist nicht herzuleiten vom ahd. leichari bänkelsänger, wie
J. Grimm will, Oed. auf Friedr. p. 17, um so weniger eis nirgends eine
form lacheor sich darbietet (ahd. ei = rom. a).
Lega it. pr., besser pr. sp. legua, pg. legoa, fr. lieue ein längen-
maß, meile; von leuca meile bei den Galliern: mensuras viarum nos mil-
I. LEGA-LEONINO. 191
Maria dicimus, Galli leucas Isid.; Xsvyr] (dhQov xi rakdvaig Hesych. Das
wort erhielt sich besser im roman. als im celtischen; hier besitzt es die
breton. mundart in der form lev (leö), es setieint aber dem roman. ent-
lehnt, und das gad. leig ist offenbar das engl, league. Die roman. for-
men beruhen auf einer Umstellung von leuca oder leuga in legua, franz.
mit diphthongierung des e und ausfall des g lieue. Im altfr. bedeutete
es auch einen Zeitraum, s. RCam. p. 264, FC. I, 194, IV, 39, Eracl.
935, Journ. d. sav. 1832 p. 161; so das it. miglio Bocc. Dec. 6, 10
(im schere), das mhd. mtle Wb. II, 170. Eine abl. ist altfr. lo6e mei-
lenweite. Man sehe Mahn p. 37, Diefenbach, Orig. europ. p. 374.
Lega it., sp. ley, fr. loi, aloi gesetzlicher geholt der münzen; vb.
it. allegare, sp. alear, fr. aloyer legieren; von lex, ad legem, vgl. pr.
aleyalar justifier.
Löndine it., sp. liendre, pg. lendea, pr. lende, fr. lente niß; von
lens lendis, wofür das volk, durch ähnliche fälle verführt, lendinis gesagt
zu haben scheint; selbst fr. lente könnte aus dem gemeinrom. lendine
(auch wci. lindine) abgekürzt sein wie page aus pagina. Auffeilen muß
das cot. U&nena: ist es umgestellt aus llenema llendema (d nach n fällt
hier häufig aus), so läßt sich m kaum anders denn als aecusativendung
fassen.
Lenza it. binde von leinwand, sp. lienzo Schnupftuch; von lintea,
linteum. Abgel. it. lenzuolo, sp. lenzuelo, pg. langol, pr. lensol, fr.
linceul leintuch, betttuch, lat. linteolum.
Leonin o it. sp. u. s. w.} nüat. leoninus adj. mit versus verbunden
(z. b. in einer handschrift des 12. jh. s. Ältd. blätter I, 212) ist ein
hexameter oder pentameter, deren mitte und ende zusammen reimen wie
in dem hexameter contra vim mortis | non est medicamen in hortis. Daß
ein pariser dichter Leonius gegen imde des 12. jh. dergleichen verse zuerst
oder wenigstens mit Vorliebe gebraucht habe, ist eine zur deutung des
Wortes aufgebrachte sage (Hist. litt de la France XIII, 446), sie kom-
men schon bei den Hörnern und zumal häufig seit anfang jenes jahrh. vor
(Mural. Ant. üal. III, 686, besonders W. Grimm, Zur gesch. des reims
107— 160). Bei den (ütfranz. dicMern aber ist rime leonime etwas anders,
es ist ein endreim, der das eigne hat, daß er nicht bloß die betonte, son-
dern auch ixe vorhergehende unbetonte silbe wie in cassons: passons, oder
selbst drei süben beherrscht wie in vraiement: paiement. Die neueren
nennen ihn rime riche. Wackernagel, Altfr. lieder p. 173, trennt dies
leonime von leoninus und erklärt es aus einem griech. worte Xecovv/aog
(von letog). Dies hieße also glattnamig und man könnte dabei an ital.
vereo piano den glatten, ebenen d. h. den weiblichen vers erinnern. Aber
rathsam scheint es doch, in dem franz. worte nur eine andre form des
lateinischen anzunehmen, sofern es sich mit letzterem in der sache einigen
läßt, und dies ist möglich. Sollte nämlich der reim in der lat. poesie
recht ins gehör fallen, so machte man ihn zweisilbig wie in dem obigen
vers (auch der einsilbige, wie wenn es contra vim mortis | non est medi-
192 I. LESINA— LIA.
camen in arvis hieße, war zulässig) und dies geschah besonders seit dem
11. jh. (Grimm l. c. p. 160). Dem Franzosen nun, der mortis, hortfs
accentuierte, traf dieser von andern Völkern als weiblich aufgefaßte reim
mit seinem reichen männlichen (cassöns: passöns) zusammen und konnte
ihm nicht unschicklich auch den namen leihen. Daß man leonime und
nicht leonine sprach, mag einen euphonischen grund haben wie das neufr.
venimeux für venineux.
L6sina iL, lesnasp., besser sp. alesna, pr. alena {aber limous. lerno,
r für s), fr. alene ein Werkzeug, ahle; vom ahd. alansa, umgestellt alasna,
Schweiz, alasme, mlat. alesna Dief. Gloss. lat. germ. Wie es kam, daf>
lesina, woher fr. 16sine, auch knauserei bedeutet, darüber höre man Menage.
L6sine, du livre Italien, intituW Della famosissima Compagnia della
Lesina: lequel contient divers moyens de manage. L'Auteur de ce livre,
qui est un nommä Vidtardi, feint que eette Compagnie fut ainsi appelte
di certi Taccagnoni, i quali, per marcia, miseria, et avarizia, si mettevano
insino a rattacconar le scarpette e le pianelle, con le Uro proprie mani,
per non ispendere. E perche tat* mestier del rattacconar e non si puo fare
senza lesina, anzi e lo stromentoprincipale,presono questo nome della Lesina.
Lesto it. pg., fr. leste, sp. listo gewandt, flink, ital. auch geschickt,
klug, listig; vb. it. alles tare, allestire zurecht machen; vom goth. lis-
teigs, ahd. Hatte kunstreich, mit abgeworfenem suffix wie im it. chiasso
von classicum, attfr. rüste von rnsticus u. a. Sbst. t churw. list (masc. wie
ahd. mhd. list).
Lettiera it. bettgestdl, sp. litera, pr. leitiera, fr.Aiti&re sanfte,
mlat. leetaria; von leetus.
Levante it. sp. pg., levant fr. osten; eigentl. Sonnenaufgang, ove
il sole si leva; ahnlich pg. nascente, cot. solixent, sämmtlich partieipia
wie lat. oriens, oeeidens, vgl. unten ponente.
Levistico, libistico it., fr. liv&che (levesse Menage) liebstöckd,
ein kraut; von ligusticum, bei Vegetius De re veter. levistienm. Ein pg.
levistico bei Nemnich.
Levriere it., sp. lebrel, fr. Wvrier Windhund; von leporarius
hasenhund.
Li it., sp. allf, pg. allf ortsadverb; von illic.
Lia sp. weintrester, pg. lia, pr. lhia, fr. lie, engl, lee, bret. ly hefe
(auch venez. lea schlämm d. i. bodensatz des wassers, oder etwa vom gr.
ikvg ikvog?), bei Papias lia 'amurea ölsatz. Lix licis lauge oder' asche,
worauf einige verweisen, verlangt sp. liga und dem käme neupr. ligo, bask.
liga (Humboldt, Scdaberry, lia Larramendi) zu statten, hätte die alte form
lhia nicht größeren werth, denn g kann eingeschoben sein; fr. lie aus licera
wäre möglich, wenn man berlue aus lucem vergleicht. Ist die zweite be-
deutung die ursprüngliche des wortes, so leitet man es der form und dem
begriffe entsprechender mit Diefenbach, üelt. I, 63 von levare, wie auch
unser hefe von heben, das gleichbed. bärme vom alten heran (tragen)
kommt, vgl. levain IL c.
I. LIBECCI0-L1LAC. 193
Libeecio it., sp. lebeche, pr. labech (jetzt abech), altfr. lebeche,
lebech südwestwind; vom gr. Xixp Xißog mit gl. bed., alban. live. Die
itd. form lieh den andern das muster.
Libello it., pg. pr. livel, nivel, sp. nivel, fr. niveau, bret. Iiv6
säßwage; vb. sp. nivelar, fr. niveler; von libella. Anlautendes n für 1
muthmaßlich durch dissimüation.
Liccia, lizza it., sp. liza, pr. lissa, fr. lice, engl, list (E. Müller)
schranke des turnier- oder kampfplatzes, auch der platz selbst, spätmlat.
licia (sämmiliche Wörter meist im pluräl gebraucht). Lat. licium passt
nur mit dem fiucfistaben, nicht mit dem begriffe. Abkürzung aus pa-licci-
ata palizzata it., sp. palizada ff. pfahlwerk, so daß man zuerst licciata,
dann schlechtweg liccia gesagt hätte, ist, was den anfang des etymons be-
trifft, unbedenklich einzuräumen, da viele nicht minder starke beispiele
dieser ort vorliegen (Rom. gramm. I, 294, 4. ausg.), nicht so was das
ende betrifft. Sollte das wort nicht deutsch sein wie so viele aus dein
hriegswesen? Mhd. letze, vom ahd. lazf, heißt schutzwehr (letzen ab-
halten) ; der ahd. form entspricht vollständig die bei Guir. Riquier mehr-
mals vorkommende form laissa (las layssas son ben acairadas die palis-
saden sind hübsch viereckig zugehauen p. 104), kaum aber das gemein-
rom. lissa, da der Umschlag des ai oder der des kurzen e in i (letze,
lisse) ein unüblicher ist. Zu prüfen wäre noch ein celtisches wort: gael.
Hos einzäunung, befestigter ort, palast, kymr. Uys gerichtshof, fürstlicher
hof, bret. 16z hof (auch rand, säum, was an lisiere erinnert).
Licorno und alicomo it., pg. alicornio, fr. licorne (f.) einhorn;
entstellt aus nnicornis, sp. unicornio u. s. w.
Lieve it., sp. pg. leve, pr. leu leicht, von levis; fr. lief fehlt; ital.
leggiero, pr. leugier, fr. 16ger, gleichsam leviarius; vb. pr. leujar er-
leichtern = mlat. leviare für leväre Gap. Gar. Calv., auch aleujar (ale-
viar), it. alleggiare, sp. aliviar (sbst. alivio), fr. all6ger. Das an den
stamm gefugte i zeigt auch das sard. dem it. lieve entsprechende lebiu.
Lievito it., romagn. leud, sp. leudo (liebdo Bc.), pg. tevedo auf-
gegangen (vom teig); vb. it. levitare, sp. leudar, Ueudar, aleudar, ale-
vadar, pg. levedar aufgehen lassen (gleichfalls vom teig). Aus levare
machte man in frühester zeit nach dem vorgange von cubare cubitus,
domare domitus ein partic. levitus, daher das roman. wort. Solche un-
classische participien sind überdies dolitus statt dolatus Varro ap. Non.,
vocitus statt vocatus, provitus statt probatus bei Gruter, s. Struve, Lat.
decl. u. conj. p. 185. 186; die L. Sah kennt rogitus für rogatus, vgl.
Pott in der cibhandlung Plattlatein 324. Man nehme also levitare nicht
für ein iterativ von levare, woraus nachher lievito entstanden sei, denn
dem iterativ kommt auch im Span, ein t zu. Eine andre form ist pr.
Ievat, cat. llevat, wal. aluat Sauerteig; auch der Neapolitaner sagt levato,
der Piemontese und Mailänder levä = it. lievito. Churw. levont vom
part. präs.
Lilac it. sp., pg. lila, fr. lilas ein Strauch, sy ringe; soll ein pers.
13
194 I. LIMONE-LISTA.
wort sein, agem lilac (agem bedeutet persisch, eigentl. barbarisch, nicht-
arabisch). Vtdlers findet das wort nur bei Meninski, Complementum ihe-
sauri linguarum Orient., unter dem lat. syringa persica, wo leil&k steht,
das wahrscheinlich türkisch ist.
Limone it., sp. pr. limon, pg. limäo, fr. limon citrone, it. sp. pg.
auch lima, it. lomia, sie. lumiuni; it. limone, sp. limon, pg. limoeiro, fr.
limonnier citronenbaum; vom pers. limü, welches die frucht und den bäum
bedeutet, dies aus dem indischen nimbüka, bengal. nimbu, nibu, daher
auch ardb. laimfin.
Limösina it., altsp. pr. almosna, nsp. limosna, pg. esmola (umge-
stellt aus elmosa), fr. aumöne almosen; von eleemosyna.
Lindo it. sp. pg., neupr. linde hübsch, geputzt, zierlich, von lim-
pidus klari daher die bed. aufrichtig im piem. lindo. Itcd. auch limpido,
sp. limpio: dieselbe doppelform in nitido netto, torbido torbo u. a.
Linea it. sp. in der bed. geschlecht, geschlechtsfolge aus der eigent-
lichen bed. reihe abgeleitet, cdtval. linia JFebr. 55, bask. leinua, ndat. bei
Gregor VII. linea sanguinis. Daher fr. lignöe, dttpg. linhada u. a. mit
ders. bed.; pr. schlechtweg linh (m.) von lineus, vgl. sp. lino reihe; altfr.
ohne erweichtes n lin, das Genin, Variat. de 1. 1. fr. p. 221 aus lignage ab-
gekürzt wähnt, wiewohl es nichts anders ist als das einfache linum schnür.
Lisca it. halm, gräte, piem. lesca, mail. lisca, fr. laiche (für leche)
riedgras; ahd. lisca farrenkraut, ried, ndl. lisch. Dasselbe wort ist it.
lisca, piem. lesca, cat. Uesca, neupr. lisco, lesco, fr. Ige he (nicht laiche
geschr.) mit der bed. feine schnitte von etwas; vb. cat. Uescar in schnittchen
zertheüen. Eine altndd. glosse Graff II, 281 lautet lese 'scirpus, papirui,
die zweite bedeutung der zweiten romanisclien ganz nahe liegend; ein an-
deres setzt gradezu lisca 'sniede Nyerup p. 285.
Liscio it., sp. pg. liso, pr. lis, fr. lisse glatt, mit vielen abU.; vb.
it. lisciare, ligiare, sp. alisar, pr. lissar (lipsar GProv. 31), fr. lisser
glätten, polieren. Zu erwägen ist das gleichbed. gr. faooog und das ahd.
lisi leise, sanft; für letzteres spricht der vocal (I = rom. i, T = e) und
selbst das it. sc = si. Daher die verba sp. deslizar ausgleiten, cat.
Uiscar (mit ableitendem c) dass. Zu ahd. leisanön nachahmen (im geleise
gehen) scheint sich zu fügen ältsp. deleznar gleiten, adj. lizne glatt;
deutlich entspricht churw. laischnar neben lischnar. Norm, alise geleise
des wagens ist desselben Stammes.
Lisciva it., wal. lösie, sp. lexia, fr. lessive, pr. lissiu (m.) lauge,
so auch kymr. lisiu ; von lixivia, lixivium, wofür der vocabularius S. Gaüi
das halbrotnan. leeiva setzt, s. bei Hattemer.
Lista, listra it. pg., sp. lista, pr. lista, listre, fr. liste streif, borte,
Verzeichnis d. i. papierstreif; vb. it. listare, sp. listar, alistar, pg. lis-
trar, pr. listar, listrar, altfr. lister streifen, bordieren; vom ahd. lista,
mhd. liste säum, borte, part. gelistet mit einem säum versehen, im roman.
mehrmals mit eingeschobenem r. Eine abl. ist fr. lisi&re (woher sp.
lisiera) säum, für listtere.
I. LIUTO— LOCCO. 195
Liüto, leüto, liüdo it., sp. laüd, pg. alaüde, pr. laut, alt fr. leüt,
nfr. luth, «ooZ. läute, al^ute, ngr. Xaov&o, nhd. laute, name eines Saiten-
instrumentes. Wäre dieses vielbesprochene wort etwa das lat. lituus ge-
krümmter stob und name eines blasinstrutnentes, durch Versetzung it. liüto,
span. entstellt in laüd? Allein grade die ital. spräche meidet solche Ver-
setzungen und würde selbst in diesem falle wenigstens liuto accentuiert
haben. Name und Sache rühren von den Arabern her, welchen cüd 0^)>
mit artikel af fid (in einem werterbuche um das j. 1000, s. Gol. 1665,
Freyt. HI, 240*), jenes tongeräthe, ursprüngl. aber etwas hölzernes be-
zeichnet. Aus dem orientalischen worte bildete sich laüd, indem man
den eigentümlichen arab. hauchlaut ain (vor ü) mit dem nahe liegenden
a auszudrücken suchte. Die port. form zumal weist, wenn auch nicht
entscheidend, auf ein arab. etymon, das entlegenere Italien empfieng das
wort schon in etwas veränderter gestalt. Wackernagel, Litt, gesch. p. 19,
vermuthet in dem rom. worte unser von saitenspiel unzertrennliches lied,
vgl. goth. liuthön zur Imrfe singen: liegt- nicht schon in dieser begriff s-
Übertragung etwas ungewöhnliches, so ist es vollends die darstellung des
deutschen diphthongs in in den roman. formen, welche ganz andre vocale
verlangen würden, Born, gramm. I, 310.
Liverare, livrare it., pr. liurar, fr. Hvrer übergeben, liefern, in
diesem sinne auch zuweilen sp. librar, pg. livrar, auch mlat. liberare
z.b. dona Cap.Car.Calv.; dsgl. fr. Iivr6e, itf. livrea, sp. librea Kleidung,
die der herr dem bedienten gibt, eigentl. geliefertes, ursprüngl. auch auf
lebensmittd bezogen, mlat. liberata, liberatio; zsgs. fr. d 61 irrer s. v. a.
livrer, mlat. deliberare Gap. Cor. M. Nicht von librare wägen in der
bed. zuwägen, zutheüen, sondern, in Übereinstimmung mit den mlat. und
ital. formen, von liberare frei machen, losmachen, daher aus der hand
geben; dieselbe begriffsentwic/dung ist z. b. auch im sp. soltar (lösen, los-
lassen, ausgeben) wahrzunehmen. Die lat. bedeutung vertritt it. liberare,
sp. librar, pr. liurar, fr. d&ivrer.
Locco it. in mundarten (neap. sicü., aber auch oberital. z. b. cremon.
loucch) dummkopf, sp. adj. loco, pg. louco, npr. locou thöricht, ein im
spanischen besonders übliches wort, daher die Sprößlinge locura, loquear,
aloear, enloquecer u. a. Man könnte versucht sein, diesem worte celtische
herkunft beizulegen. Irisch logaidhe, ersisch loguid bedeuten narr; Pictet,
Ztsehr. f. vgl. sprachf. VI, 331, gesellt sie zum sanskr. locaka narrheit,
ohne des rom. locco zu gedenken. Welches nun auch der Ursprung des
rom. wortes sei (denn selbst unser deutsches eule dürfte in erwägung
kommen), es findet sich etwas ganz ähnliches, wie auch schon Ferrari und
andere erkannt haben, bei Servius zu Virg. Ed. 8, 55: ululae and zov
olokvt/uv nomiuatae, quas 'vulgus' ulucos (al alucos) vocant : der lesart
uIucob entspricht daspiem. comask. oloch, der andern das it. alocco allocco,
weiche sowohl eule wie dummkopf bedeuten, beide bedeutungen einigt auch
das parm. ciö. Bestimmter würde sich urtheüen lassen, wenn die Quanti-
tät der zweiten silbe des roman. Wortes bekannt wäre.
196 I. LOCO— LONZA.
Loco aititai. ortsadverb, hie, z. b. Brunetto, Tesor. ed. Zannoni
p. 66. 90. 221, PPS. II, 26, dsgl. sp. luego, pg. logo, pr. luec, luecx,
altfr. luec, lues, wci. de loc zeitadverb, statim; von locus, loco.
Loggia it., pg. loja, pr. lotja, fr. löge, sp. lonja gdUerie u. dgl.;*
vom ahd. lauba, genauer laubja, nüat. laubia, nhd. laube, darum noch
altfr. löge in (2er ferf. #eft, Attöfe, welche bedeutung ihm auch im neufr.
noch zusteht. Denselben wandet des bi zeigt unter andern cangiare, chan-
ger aus cambiare. Wie laubja aus laub folium, so entsprang altfr. foillie
hütte Brt. I, 160, II, 160 aus feuille. Am genauesten erhielt sich die
ursprüngliche form im chw. laupia emporkirche und im lomb. piem. lobia.
Ab gel. fr. loger, it. alloggiare herber gen; fr. logis wohnung u. a. m.
Die bekannte herleitung von loggia aus gr. loyelov oder Xoytov, lat. lo-
geum, loglum vorderer (heil der Schaubühne, proscenium genügt allerdings
dem buchstaben, keineswegs dem begriffe. Nicht aber den buchstaben, d. h.
die gesetze der lautlehre, befriedigt die neuerlich wieder vorgebrachte deu-
tung von loger aus locare, welches entweder louer oder höchstens, ois
bastardbüdung, loquer erzeugen mußte.
Logoro it. (für logro?), pr. loire, altfr. loirre, nfr. leurre (m.),
engl. Iure stück leder, um den falken damit zurückzulocken; ist das gleich-
bed. mhd. luoder, welches Weigand II, 70 aus einer deutschen wurzd
leitet; im ital. trat g an die stelle von d wie in ragunare aus radunare.
Die übliche deutung aus lat. lorum ist mit den roman. formen unverträg-
lich. Vb. pr. loirar, fr. leurrer anlocken, verführen, betrügen, gewiß
aber auch it- logorare, das mit seiner bed. verzehren, schwelgen ganz zum
mhd. luodern passt, wiewohl Muratori es vom lat. lurcari (fressen) her-
leitet. Vgl. lodier IL c. S. auch Blanc, Vocdb. Dantesco v. logoro.
Lontano it., pr. lonhda, fr. lointain entfernt; würde ein lat. lon-
gitanus fordern und stützt sich in jedem falle auf eine ableitung mit t
wie in longiter. Festus hat überdies longitrorsus, wonach 0. Müller ein
altes adj. longiterus vermuthet.
Lontra it., in oberit. mundarten lodria, ludria, sp. lutria, nutria,
pg. wie it., pr. loiria, luiria, luria, fr. loutre fischotter; von lutra, gr.
eyvÖQig, dem sich das sp. nutria anzuschließen scheint. Ein altes zeug-
nis für das franz. wort ist loutrus 'octur (otter) in den Erfurter glossen
345, 58.
Lonza it., mit weggeworfenem anlaut sp. pg. onza, fr. once (ottfr.
Ben. II, p. 112) ein thier aus dem katzengeschlecht: leggiero piü che
lonza o liopardo PPS. II, 186. Die übliche herleitung dieses durch
Dante zu einer gewissen berühmtheit gelangten Wortes aus lynx oder auch
dem adj. lyncea hat grammatisch nichts gegen sich: neben it. lince, sp.
lince, fr. lynx (m.) kann eine volksüblichere form mit o aus dem griech.
v in kvyl; bestanden haben, vgl. borsa, tomba, torso aus ßvQat], Tvfißog,
üvqooq. Wackernagel verweist auf gr. Xsovciog löwenartig, was allerdings
zu beachten ist. Dem ital. wort entspricht ein mhd. nur bei Konrad von
Würzburg vorkommendes lunze, das aber löwin heißt.
I. LORDO— LUSINGA. 197
Lordo it. schmutzig, auch lurido; offenbar von luridus gelblich,
zsgz. lurdus. Buchstäblich dasselbe wort ist fr. lourd, sp. pg. lerdo (für
luerdo wie frente für fruente u. a.) träge, schwerfällig, dumm, letzteres
gewöhnlich von lentus hergeleitet; ob auch das gUichbed. pr. lot, fem. Iota,
steht sehr dahin, es erinnert mehr an luteus. Auch altit. lordo muß die
frans, bedeutung gehabt haben, man sehe Ducange v. lurdus. Die entwick-
lung der ital. bed. schmutzig aus der classischen gelblich läßt sich ver-
schieden auffassen, so viel aber darf man behaupten, daß das wort schon
im frühen mlatein die bed. faulig, faulend angenommen (gelblich, eiter-
farbig, eiterartig?), wenigstens übersetzen es die Rhaban. glossen mit ful.
Den Übergang aber von dieser bedeutung zur bed. träge (nichtsnutzig)
büden uns auch andre sprachen vor: fr. pourri verfault, wällon. pourri
träge, dsgl. ahd. fül putridus, ndl. vuil sordidus, nhd. faul segnis. Oder
entstand lordo, wie andre wollen, aus horridus, it. ordo mit vorgefügtem
artikel? Aber nichts nöthigt zu dieser annähme, die auch durch das über-
aus seltne oder zweifelhafte vorkommen des mit adjectiven verwachsenen
artikels (s. lazzo II. a) nur schwach unterstützt wird. Die norm, mund-
art hat sich auch ein vb. lourder geschaffen. — Eine zss. ist fr. balourd
tölpel, daher it. balordo, chw. balurd, sp. palurdo und vilordo: das vor-
gesetzte ba scheint aus dem vb. baer, bäer, woraus auch das synonyme
badaud entstand, und der sinn des compositums gaffender dummkopf.
Losa piem.sp., pg. lousa, pr. lausa, altfr. lauze Roq., bask. ar-lauza
(am stein) grabstein, Steinplatte, eig. grabschrifl, vom lat. laudes, wie auch
sp. lauda das grab bedeutet. Wegen des buchstabens (s für d) vgl. unten
lusinga.
Lotto it. glückstopf, pg. lote (m.) sorte, anzahl, fr. lot antheil (altfr.
MFr. I, 418: a sun los ne retient que treis); pg. lotar die zahl oder
sorte bestimmen, taxieren; altfr. lotir das loos werfen, weissagen : Galabre
la reyne le m'avoit bien loty Gachet 288h, neufr. lotir theilung machen;
loter ie ein glücksspiel, vgl. lot in der bed. lotterieloos, lotteriegewinn,
woher das neuere sp. lote. Deutsches wort, goth. hlauts, altn. hlutr, ahd.
hlöz u. s. w., nhd. loos idiJQog, sors, ahd. hluz durch das loos zugefallene
sache, aUn. hlut theil, antheil.
Lumaccia it., sp. limaza, pg. durch Umstellung lesma, fr. limace
limafon, pr. Ihimatz LB. V, 50a, und mit gutturalem c oder g it. lumaca,
chw. limaga, ven. limega, cat. llimac Schnecke; von limax.
Lunedi it., fr. lundi, pr. dilus, cat. dilluns montag, von Lunae
dies, dies Lunae; sp. lunes, pr. auch luns mit derselben endung wie in
marte8 (s. martedi), wal. lüni, und so auch ven. luni, romagn. Ion. Da-
für pg. segunda feira wie neugr. devreQa.
Lusinga it., sp. lisonja, pr. lauzenga, lauzenja, altfr. losenge
schmeichelet, bask. lausengua; vb. lu 8 ingare, lisonjar, lauzengar, losen-
ger schmeicheln; sbst lusinghiere, lisongero (losengero Alx.), lauzengador
und lauzengier, losengeor Schmeichler. Daspr. lauz-enga (denn von dieser
spräche ist auszugehen) bildete sich aus lauzar, lat. laudare, mittelst des-
198 I. MACCHIA-MACCO.
selben Suffixes, das im altfr. ha-enge oder laid-enge oder cost-enge oder
im nfr. vid-ange vorliegt; die form losenge dankt ihr s vielleicht nicht
einmal dem pr. z = lat. d, sondern dem subst. los, von dem aus der
kirchensprache bekannten als einheit gefaßten laudes lobgesang, woher das
vb. aloser lobpreisen, norm, einfach loser. Bas itdl. und span. wort sind
aus dem nordwesten eingeführt; doch kommt das einfache loso auch im
nördl. Itcdien, z. b. in alten genues. gedickten (Archiv, stör. ital. app.
num. 18. p. 11. 42) vor, ebenso lox im altmail. bei Bonvesin. Im nfr.
louange, louanger, louangeur ist nicht etwa s ausgefallen, es sind neben
losenge stehende eigentlich richtigere bädungen. Aus laudare in den
eigenthümlich roman. bedd. zustimmen, rathen machte das spätere nüatein
landimium, landemia (nach Pott in der abhandl. Platflat 387 das er-
kaufen der laus d. h. der bewilligung des lehnshenm, also eine dem lat.
vindemia nicht unähnliche formation) und aus diesem juristischen worte
gestaltete sich das pr. laudeme, lauzimi, lauzisme, it. sp. laudemio.
Bas altfr. los hat sich in der gleichfalls juristischen formet los et ventes,
lods et ventes erhalten, s. Bucange v. laudare. Nach Fallot p. 649
stammt losenger vom deutschen lobsingen, aber schon die erste sübe der
prov. form lauzenjar ist dagegen. Bessere anspräche hätte das mhd. lösen
mit falschheit schmeicheln, wiesen die roman. Wörter in ihrer bedeutung
nicht zugleich auf fa£. laudare: altfr. alos6 z. b. ist ein beiwart der helden,
der hochgepriesene. Menage dachte an ludus, andre sogar an luscinia,
passender verwies der oben p. 16 citierte Erich §. 399 auf lenocinia.
Die wahre herkunft des Wortes traf schon ein alter dichter, wenn er mit
den worten spielend sagt: de lauzengiers mi lau je me loue des louangeurs
Chx. III, 396.
M.
Macchia it., sp. pg. mancha (für macha) fleck, auch ein stück
buschwerk (w<ü. mägure waldgebirg), vgl. unser flecken bewohntes stück
land; in anderer form it. maglia, sp. pg. pr. gleichlautend, fr. maille
masche, ringlein; alle von macula. Eine dritte darstellung ward diesem
wort im pg. mägoa fleck, betrübnis, vb. magoar. Auch sp. mancilla
fleck, wunde, mitleid gieng vermöge der öfter angewandten Umbildung des
suffixes ul in ill aus macula hervor, im Alex, ohne n maciella.
Macco it. gemetzel (eigentl. zerquetschung, vgl. vb. ammaccare, daher
auch bohnenbrei, com. mach gestampfte gerste), sp. maca Quetschung an
fruchten, fleck, altfr. maque hanfbreche (werkzeug zum quetschen), henneg.
maca dicker hammer, maquet ort bolzen, wallon. maclott (f.) kolben; vb.
it. maccare, macare (nur mundartlich), am-maccare, s-maccare, chw.
smaccar, sp. cot. macar, pr. macar, machar, altfr. maquer quetschen,
stampfen; sbst. neap. maccaria, altfr. machettre (beim Rabbi Scd. JarcM
genes, cap. 4 maccature) metzdei u. a. Für diesen gememrom. nur dem
I. MADRIGALE-MAGAGNA. 199
Portugiesen fehlenden stamm scheint sich in den nahliegenden sprachen
kein taugliches etymon zu finden. Das bret. vb. mäc'ha (pressen) mag
mit den roman. Wörtern aus derselben quelle geflossen sein. Diese ver-
rmdhet Grandgagnage in dem verlorenen primitiv des lat. mactare d. h.
in macare, was scharfsinnig y aber bedenklich ist, da man kaum annehmen
kann, daß die römische Schriftsprache der volksmundart ein so wichtiges
stammverbum ausschließlich überlassen haben sollte, ein Vorgang, der sich
in der (hat auf diesem gebiete mit keinem andern beispiele unterstützen
läßt. Le Pelletier vermuthet diese quelle im gleichbed. hebr. mahach,
richtiger makkah das schlagen, dsgl. die niederUxge im kriege. Eineeine
hebräische Wörter fanden allerdings eingang in die occidentalischen, zumal
auch in die roman. sprachen, doch ist es rathsam sich weiter umzusehn;
Diefenbach, Goth. wb. II, 58, z. b. liefert reiches material dazu. Daß
das zerquetschen die roman. grundbedeutung ist, bezeugen die aufgestellten
worter: daran ist festzuhalten. Ital. macco, macca schwere menge, dltfr.
maquet häufe, wallon. a make in menge, scheinen sich der bed. * etwas
gestampftes, zusammengedrängtes anzuschließen.
Madrigale it., sp. fr. madrigal eine liedergattung ; nicht unwahr-
scheinlich, da man ital. früher mandriale (se il madriale o mandriale non
perdiamo Varchi), sp. mandrial (nach Bengifo cap. 88 mandrigal) sagte,
von mandria, lat. mandra herde, also hirtenlied, s. Blanc, Ital. gramm. 787.
■ Maestro, mastro it., sp. maestro, maestre, alt maese, pg. mestre,
fr. raaitre aus dem alten maYstre, wal. melter Vorsteher, vorgesetzter u.
dgl.; von magister. Der häufige gebrauch dieses auch über andre euro-
päische sprachen verbreiteten wertes hat die beiden ersten silben früh in
eine zusammengezogen; die Legs d' amors erlauben schon die contrahierte
form: e devetz saber qu'om pot dire mayestre en tres sillabas e maystre
per doas sillabas I, 48. Eine abl. ist it. maestrale, sp. maestral, cat.
mestral, fr. mistral nordwestwind, prov. auch schlechtweg maestre, meister
der winde wegen seiner stärke genannt.
Magagna it., cremen, matt. piem. mit n mangagna gebrechen, leih-
licher fehler, dltfr. möhaing, meshaing (m.) Verstümmelung, krankheit
(m6haigne s. Roq.), wallon. mehaing mangel, im späteren mlatein maha-
mium, z. b. mah. dicitur ossis cnjuslibet fractio, vel testae capitis in-
cossio, vel per abrasionem cutis attenuatio Reg. majest. DG.; vb. it.
magagnare, pr. maganhar, dltfr. möhaigner verstümmeln, zu gründe
richten. In der franz. form ist ein aspiriertes h anzuerkennen, da dieser
buchstabe hier keine zusammenziehung wie in brähaigne braigne duldet,
und dieses inlautende h konnte sich anderwärts durch g darstellen. Wäre
etwa ein edles deutsches man-hamjan zu vermuthen (man mensch, hamjan
verstümmeln), gebildet wie man-slago todtschläger? Die bret. spräche
bietet mac'han verstümmelt: ist dies nicht vielmehr aus dem franz. und
würde sich umgekehrt bret. c'h in franz. h verwandeln und nicht
vielmehr in c oder g? Merkwürdig ist, daß in der mundart von domo
neben magagn (also masetdm wie mähaing) auch mäga gebraucht wird,
200 I. MAGAZZINO-MALATO.
das auf einen stamm mag fuhrt. Muratori, Ant. itai. II, 477, erklärt
sich magagna aus manganuin wurfgeschütz, womit sich die bedeutung
schwerlich verträgt, wenn auch itai. mundarten die form au stützen scheinen.
Magazzino it., sp. magacen, almagacen, almacen, pg. armazem,
fr. magasin vorrathskammer; vom arab. machsan almachsan scheunc,
waarenniederlage, s. Gol. 707, Freyt. I, 484b.
Magione it., pr. altsp. mayson, aitpg. meisom (12. 13. jh.) SRos.,
fr. maison (aus letzterem das neusp. meson) haus, behausung; von mansio,
in diesem sinne bei Palladius. Eine abl. ist it. masnada, sp. mesnada,
manada, pr. mainada, altfr. maisntäe hausgenossenschaft, gefolge, trupp,
gleichsam mansionata (it. manata, sp. pr. manada handvoll, ronmanus);
eine abl. von masnada, gleichsam masnadino, ist it. mastino, sp. pr.
mastin, pg. mastim, fr. mätin Haushund, ursprüngl. Hausgenosse oder einer
vom gesinde wie altfr. mastin Fl. Bl. 1910, Gar. I, 154.
Maglio it., sp. pg. gleichlautend, pr. fr. mail, weil, main Schlägel,
von malleus; vb. it. magliare, sp. majar, pg. pr. »malhar, fr. mailler
hämmern, zerstoßen, von malleare, wovon sich nur das partic. malleatus
vorfindet.
Magr&na und emigrania it., sp. migrana, fr. migraine; vom gr.
tj/MXQavia einseitiges hopfweh.
Mai, ms. it., altsp. pg. pr. mais, nsp. pg. pr. auch mas, fr. mais
Partikel; von magis, in bestimmten formen (it. ma, sp. pg. mas) auch als
conjunetion für lat. sed angewandt, vgl. goth. mais für magis und potius,
mlat. sed magis für sed potius Briq. p. 81* (v. j. 584), mhd. mSr für
sed. Zsgs. sp. demas für caeterus, lat. de magis bereits bei Festus, wo
es aber mit minus erklärt wird, und bei Nonius; daher äbgel. dema-
siado für nimius.
Majo it., sp. mayo, fr. mai, prov.fem. maia art birken, maibaum,
maie, weil sie im mai grünt, dsgl. ein grüner bäum, den man vor einem
hause aufpflanzt, oder, z. b. in Itcdien, ein grüner zweig, der in der ersten
mainacht an der thüre der geliebten befestigt wird. S. darüber Schneller
II, 533. Ghurw. maig Strauß, blumenstrauß.
Majorana, maggiorana it., sp. mayorana, pg. maiorana und man-
gerona, fr. marjolaine ein kraut, majoran, mhd. meigramme; entstellt aus
dem gleichbed. amaräens. Aber sp. almoradux, cot. moradux sind vom
arab. maTdaqüsch Freyt. IV, 168a. Die form majorana mag in irgend
einer umdeutung mit major ihren grund haben.
> Mala sp. pg. pr., fr. malle felleisen; gael. mala, ahd. malaha,
malha, mhd. malhe tasche, sack, ndl. maal, maale. Vgl. Diefenbach,
Goth. wb. I, 271.
Malato it. altsp., fr. malade, pr. malapte, malaut, cot. malalt krank;
it. malattia, altsp. malatia, fr. maladie, pr. malaptia, malautia, malatia,
cat. malaltia krankheit. Die prov. formen malapte und malaut weisen
offenbar auf male aptus untauglich, wie unser unpässlich auf passen
aptare; das cat. malalt ist daraus abgeändert wie galta aus gauta. Die
I. MALLEVARE-MANCO. 201
entsprechenden franz. und itdk formen wären malate und malatto statt
malade und malato. Soll man darum ein volksmäßiges lat. malatas von
malam annehmen wie barbatus von barba? vgl. malatus ozvyvoq Gl. gr.
lat. Eben so leicht konnte malatto dem partic. ammalato von ammalare
angepasst d. h. in malato verwandelt werden, wahrend malattia dessen
einfluß nicht erfuhr und nicht erfahren konnte, da die ableitung solcher
substantiva aus participien unüblich ist: nur so erklärt sich das einfache
t im adjectiv neben dem doppelten im Substantiv. Ob nun die frans, form
selbständig und im einMange mit den Sprachgesetzen aus male aptns,
oder ob sie aus malatas, malato durch die gewöhnliche Verwandlung der
tenuis in media entstand, bleibt zu erwägen: für erster es zeugt die uralte
form malabde Pass. de J. C. 116, worin beide tenues in ihre mediae er-
weicht erscheinen.
Mallevare it. bürgen, sp. pr. manlevar, altpg. malevar SBos. bür-
gen, borgen; von manum levare die hand erheben, feierlich geloben, mlat.
jedoch mit mann levare ausgedrückt. Lat. malluvium für manluvium
zeigt dieselbe assimüation wie das ital. wort.
Malvagio it., pr. malvais, fr. mauvaie böse, schlecht; sbst. it. mal-
vagitä, pr. malvastat, malvestat, altfr. manvaistiä (noch bei Nicot),
attsp. malvestad (aus dem prov. ?). Das adjectiv scheidet sich bestimmt
von malvat = male levatus, indem es ein auf si ausgehendes etymon ver-
langt; es hat überdies das gepräge eines compositums. Im goth. findet
sich balvavesei bosheit, wonach ein adj. balvavesi-s anzunehmen ist, dem
ein ahd. balväsi entsprechen würde; rom. balvais aber wäre in malvais
(von mal)' umgedeutet oder übersetzt worden, ein in der Wortbildung nicht
unüblicher auch in dem ursprünglich deutschen guiderdone (I.) und main-
bour (II. c) erkennbarer Vorgang, s. vorrede. — Auch dichter waren zu
grammatischen grübeleien aufgelegt: toie der Provenzcde P. Cardinal mal-
vais mit vas in Verbindung bringt, sehe man bei Mahn 982, 2.
Malvavischio it., sp. malvavisco (fr. mauvisque hat Nemnich)
eibisch, von malva ibiscnm (ißiaxog)] umgekehrt ibiscum malva, mlat.
bismalva Capit. de vülis, so auch ital., fr. gnimauve für vimauve, in-
dem ursprünglich inlautendes b sich in v erweichte.
Mamma it., sp. mama, fr. maman, wäl. mame mutter (in der kin-
dersprache), genues. u. s. w. mamma amme; vom lat. mamma 1) brüst,
mutterbrust, wie noch it. sp. pg.7 2) mutter, Varro ap. Non., Inscr. Im
walach. kam mater durch das kinderwort ganz außer gebrauch wie pater
durch tatq. Die franz. form hat das ansehn einer accusativischen, stimmt
aber doch nicht zu nonnain, Evain und ähnlichen (Rom. gramm. II, 47),
vernmthlich weil mamain in seiner endung zu weit von papa abgewichen
wäre. Bin vb. ist sp.pg. mamar an der brüst saugen: mammare schon
bei Augustinus, Opp. ed. Bened. IV, 1039. Dem deutschen memme feig-
ling entspricht das neap. mammamia (masc.) eigentl. einer der seine mutter
zu hälfe ruft. Vgl. zu diesem artikel Henr. StephMex. graec. v. nanna§.
Man co it. sp. pg.} manc pr. altfr. mangelhaft; von mancus ver-
202 I. MANDORLA-MANGIARE. *
stümmelt. Daher fr. manch ot = it. manco d'una mano, einhätidig,
dsgl. it. sp. manca linke hand, die verstümmelte, schadhafte, s. gauche
IL c. Vb. iL mancarc, sp. pr. mancar, fr. manquer mangeln. Für
die lat. bed. verstümmelt wich it. manco aus in monco, vb. moncare ver-
stümmeln (vgl. chw. muncar = mancar), wobei aber in betreff der seltenen
Verwandlung des a in o wahrscheinlich anlehnung stattfand an lomb.
moch adj. stumpf mit abgebrochner spitze (vgl. ahd. far-muckit hebetuäo
Graff II, 655, mhd. mocke masse, brocken, altengl. mock sbst. stumpf
Halliw.), wenigstens ist it. moncone = romagn. mucön.
MAndorla, mdndola it., sp. almendra, pg. amendda, pr. amandola,
fr. amande, nüat. amandola Form. Marc, eine frucht, mandel, ndl. aman-
del; entstellt aus amygdala (ä/nvydakrj), wal. migdale neben mandule.
Eine starke zusammenziehung zeigt die prov. form mella, npr. amello,
wozu das occ. amenlou den Übergang bildet.
Mane it., altsp. man (f.) Sanchez Colecc, pr. ma, altfr. main, wal.
muine eine tageszeit, morgen, in ital. Urkunden auch für osten z. b. HPMon.
143. 145; von mane, dessen adverbiale natur noch im pr. lo be ma Btk
= dem classischen bene mane sich geltend macht. Daher adv. it. di-
mani, doniani, pr. dema, fr. demain, wal.de muine, wofür sp. manana,
pg. & manhäa. Eine zss. ist das fr. subst. lendemain, pr. lendema
der morgende tag, für le en demain, vgl. eine ähnliche zss. im cdtcat.
1-en-de-mig 'das in der mitte d. h. mittlerweile, en aquest endemig Chr.
d'Escl. p. 600° ; in le lendemain, welches z. b. schon Froissart braucht,
verdoppelt sich also der artikel, altfr. nur l'endemain. Von matutinum
ist it. mattino, pr. matin, fr. matin, mit der schwer zu erklärenden
nebenform pr. u. oberit. maitin, altfr. maitin Rq. Für domani brauchen
ital. volksmundarten, z. b. die sicil., noch crai = cras, während das span.
cras veraltet ist.
Mdngano it. Schleuder; daher manganello armbrust, pr. manganel,
altfr. mangoneau Steinschleuder, wal. mung^u rotte, mange; vom gr.
fiayyavov mit gl. bed., ahd. mango, nhd. mangel maschine. Daher auch
sp. manganilla listiger streich.
Mangiare it., altpg. pr. manjar, fr. manger, dsgl. it. manucare,
manicare, altfr. manner (mit ausgefallnem c), wal. manca, munenca
essen, prov. und altfr. häufig mit radicalem e menjar, menjier, limous.
mit i mindzä; von manducare eigentl. kauen, später sehr üblich für essen:
manducat et bibit = eo&iei xai nivsi Vülg. Matth. 11, 19; manducantes
simul atque bibentes Greg. Tur. 5, 18; in bendo (tisch) manducassent
L. Sal. Seltsam ist das pr. manjuiar, altfr. manjuer (präs. conj. man-
juce), das sich schwerlich anders als aus einer Umstellung mandeuare wird
deuten lassen; norm, sagt man moujouer und manjusser. Zsgs. fr. do-
rn an ger, piem. smang£ jucken, eigentl. fressen, wie das gleichbed. sp.
comer von comedere; bereits in einem alten Reichenauer glossar (Bz.)
demandueavit 'conrodit, delaceravit\ desgl. demanducare 'corrodere Gloss.
arab. lat. DQ.
I. MANICO— MARAVIGLIA. 203
Mänico it., sp. pg. mango, pr. margne, fr. manche (m.) tieft, griff.
Von manas mittelst des suffixes ic wäre möglich; da aber dieses suffix
fast nur feminina gibt, so ist es rathsam, in manico eine (Abänderung des
tot. manica (ermel, Handschuh) anzunehmen, um so mefir als das it. raa-
nica auch die bed. heft entwickelt hat Merkwürdig ist lomb. ven. mänega,
sp. pg. manga in der bed. anzahl, trupp, häufe, dem man eine auch den
neuen sprachen bekannte bedeutung des lat. manas übertrug; das goth.
managei = nhd. menge würde man anders wiedergegeben Jhdben.
Ma niero it., sp. manero, pr. manier was sich in der hand tragen, sich
behandeln läßt; von manarius für manuarius handlich, vgl. mannaja IL a.
Von diesem adjeetiv ist auch das subst. maniera it., sp. manera, pg.
pr. maneira, fr. maniere ort und weise, eigentl. Handhabung, benehmen.
Maniglia und smaniglia it., sp. manilla armring, fr. manille im
kartenspül; von monile, pl. monilia, vielleicht, was die erste säbe betrifft,
mit einmischung des ahd. mänili mondförmiger schmuck, da o nur höchst
selten in a entstellt wird. Zu vergleichen Diefenbach, Orig. europ. p. 377.
Manöpola it., sp. pg. manopla panzerhandschuh; nicht zsgs. mit
dem fremden onhov, es ist von manupulus für manipulus, dem man, von
manag ausgehend, die bedeutung einer handbekleidung beilegte; dazu
stimmt mit seinem genus das mlat. manipala Handtuch.
Manovra it., sp. njaniobra, pr. manobra GRoss., fr. manoeuvre
Handgriff, kunstgriff u. dgl.; wörtlich hand-werk, hand- arbeit. Vb. sp.
maniobrar mit den Händen arbeiten; so auch cdtfr. manovrer, z. b.
quant li chastiau[s] fa faiz et tres bien manovrez als das schloß gemacht
und seh»* wohl gearbeitet war PDuch. p. 51.
Man so it. sp. pg., mans pr. zahm; abgekürzt aus mansuetus (vgl.
oben fino). Daher sp. manso leithammd, leitochse, it. manzo (für manso)
ochse überhaupt, eigentl. zahmer ochsey entgegengesetzt dem bue brado un-
gezähnter stier } der noch nicht am pflüge geht; comask. trient. manza
junge kuh.
Mantenere it., sp. pr. mantener, pg. manter, fr. maintenir auf-
recht Halten; von manu tenere, manum tenere, wie nhd. hand-haben, ndl.
band-haven, letzteres mit der bed. erhalten, schirmen; vgl. mallevare und
lat. manstutor. Synonym sind pr. cap-tener, dltsp. cab-tener Bc., von
caput tenere; wal. mun-tui von manu tueri.
Manto und ammanto it., sp. pg. manto ein kleidungsstück, fem.
sp. pr. manta, fr. mante decke, verkürzt aus lat~ mantelum; dsgl. it.
mantello, fr. manteau, sp. mantilla, von mantellum; it. mantile. sp.
mantel, von mantile, mantele. Ein sehr altes Zeugnis für das sp. manto
findet sich bei Isidor: mantum Hispani vocant, quod manus tegat tan-
tum : ein noch älteres in einer Urkunde v. j. 642 mantum majorem Breq.
num. 23; manta und mantus in einer spanischen Yep. III, num. 17,
aer. 818.
Maraviglia it., sp. pg. gleichlaut., etymologisch richtiger it. pr.
meraviglia, fr. merveille wunder; vom plur. mirabilia wunderbare dinge.
204 I. MARCA-MAKMITA.
Marca it. sp. pg. pr., fr. marque, marche zeichen, grätige; it. sp.
pg. mar co, pr. fr. marc, altfr. auch merc zeichen, maß; vb. it. mar-
care, marchiare, sp. pg. pr. marcar, fr. marquer, altfr. auch merker,
merchier bezeichnen, marchir angränzen; dsgl. sbst. it. marchese, sp.
pr. marques, fr. marquis markgraf, mlat. gewöhnlich marchio, das auf
roman. boden kein cibbild hat. Vom gofh. marka, ahd. marcha, ags.
mearc gränze7 altn. mark (n.), mhd. marc (n.) zeichen, vb. ahd. markön
begränzen, bezeichnen, nhd. merken.
Marca ss ita it., sp. marcasita, marquesita, fr. marcassite eine ort
Schwefelkies; nach Sousa vom arab. markazat, dies vom vb. rakaza erzc
finden; beiFreyt. I, 17 lh heißt dies miner cd marqaschita.
Mare fr. (f.) ansammlung von w asser, teich: super lacum, quem
usu quotidiano loquendi maram vocamus Gruill. Gemet. Die latinisierung
mara ist ganz richtig: dem lat. mare kann das franz. wort buchstäblich
nicht entsprechen. Indessen sagte 500 Jahre früher Isidorus : omnis con-
gregatio aquarum, sive salsae sint sive dulces, abusive maria nuncupan-
tur. Eine Urkunde enthält villam sitam inter duo maria Breq. p. 107.
Lat. mare wird also wohl die bemerkte bedeutung in sich aufgenommen
haben, wofür sich im franz. eine eigne der 1. decl. entsprechende form
einfand. Abgel. sind die ungefähr gleichbedeutenden it.. marese lache,
sumpf, altfr. marese, nfr. marais, welches letztere formell sowohl zu
marese wie zu marese passt; altfr. marescot, maresqael, maraischiere,
marescage; dsgl. neufr. marage, mar£cage; it. marazzo. Zum theü können
diese Wörter auch in verwandten deutschen ihre quelle haben, wie im ndl.
maar, maerasch, ndd. marsch: namentlich läßt sich das pr. marcx (für
marsc?) LR. IV, 153 nickt aus lat. mare ableiten, es muß unser marsch
sein, und vielleicht gehört auch das altfr. marchais hieher. Merkwürdig
ist, daß die span. spräche an diesen ableitungen keinen theil nimmt; hier
jedoch ist marisma (atis maritima?) ein durch das austreten des meeres
M
entstandener see, was auch für die übrigen Wörter zu bemerken ist. Über
einschlägige deutsche, celtische u. a. Wörter wäre Diefenbachs Goth. wb.
II, 44 nachzulesen.
Margotta it., champ. henneg. margotte, fr. marcotte absenker, ein-
leger; von mergus dasselbe. Daher auch das gleichbed. it. margolato,
wozu ein vermittelndes vb. margolare fehlt
Mariscalco, maniscalco, maliscalco it., sp.pg. mariscal, pr. mane-
scalc, fr. marächal hufschmied; vom ahd. marah-seale, mhd. mar-schalc
pferde-knecht, später ein natne hoher beamter geworden. Am nächsten der
ahd. form liegt das trient. marascalco.
Marmita it. (in lomb. mdarten), sp. cot. dass., fr. marmite fleisch-
topf von metdl; daher it. marmitone, sp. marmiton, fr. marmiton küchen-
junge; fr. marmiteux (altfr. schlechtweg marmite) armselig, eigentl.
bettelhaft, hungrig, in besiehung auf die marmite des pauvres, die armeti-
suppe. Die herkunft ist unsicher, am meisten empfiehlt sich noch FriscVs
deutung, der einen naturausdruck, vom sieden des wassers (vgl. marmotter
L MARMOTTA- MARTORA. 205
summen) darin erkennt ; und die von Marina aus arabisch marmicd ort wo
fleisch gebraten wird (würzet ramacda Freytag II, 193).
Marmotta, marmotto it., sp. pg. marmota, fr. marmotte murmel-
tkier. Churwälsch heißt es montanella und (nach Blumenbach) mnrmont,
welches letztere denn nebst dem ahd. muremunto, murmenti, Schweiz.
mannet aus mus niontanus oder genauer mus montis entsprang und all-
mählich in marmotta abgeändert ward.
Marrir^>r. cdtfr. sich verirren, marrir chemin den weg verlieren
Ruteb. II, 228, as tu le sens raari? HBord. 39, 10; zsgs. esmarrir,
it. smarrire hindern, verwirren, cAw. smarir verlieren; vom goth. marzjan,
ahd. marran (für marrjan), ags. mearrian ärgern, hemmen, nüat. legem,
bannnm, vel praeceptum marrire Gap. Gar. M. ann. 802. Eine andre
confugation wählte der Spanier in marrar fehlschlagen, abirren, wiewohl
ihm auch ein part. marrido, amarrido betrübt = pr. marrit, piem. mari,
pic. amari zu geböte steht. Aus demselben stamme ist wohl auch das
span. marafia Verwirrung, maraüar verwirren. Vgl. Diefenbach, Goth.
wb. II, 47.
Marrochino it., sp. marroquf, fr. marroquin eine feine sorte leder,
Saffian; nach Marrocco genannt, wo es bereitet wird.
Martedi, marti it., fr. mardi, pr. cot. dimars dienstag, von Martis
dies, dies Martis; sp. martes, pr. auch mars, vom gen. Martis, weil.
mdrtzi, ven. mArti, romagn. mert. Dafür pg. ter$a feira, ngr. tqity].
Martello it. pg., sp. martillo, fr. marteau hammer; von martnlns,
bereits in den Cassder glossen martel chamar, als beiname bekannt in
Carolas Martellas.
Martin pescatore it. ein seefisch, sp. martin pescador, auch paxaro
de San Martin, sard. puzone de Santn Martinu (Nemnich I, 159), fr.
martinet pecheur eisvogd, sp. martinete Meiner weißer reiher, ardea
garzetta, fr. oisean S. Martin, dtsch. martinsvogel, falco cyaneus, fr. mar-
tinet hausschwalbe, auch leuchter mit einer handhabe (in form eines
Schwalbenschwanzes), it. martinetto winde die armbrust zu spannen
(ebenso); alle von dem namen Martinus, aber aus welchem atüaß? Die
legenden über diesen heiligen geben keinen aufschlug s. Grimm, Mythol.
1083. 1233 (3. ausg.).
Martirio, martiro it., sp. martirio, pr. martire, martir, fr. martyre
quäl, pem, leibliche wie geistige; vb. it. martirare, martirizzare, sp. mar-
tiriar, martirizar, pr. martiriar und martnriar, fr. martyriser; von martyr
zeuge, bei den kirchenvätern einer der für die Wahrheit des christlichen
glaubens quäl und tod erleidet, zunächst von martyrinm. Die ungriechische
bed. quäl, quälen, die sich auch auf einigen fremden gebieten eingefunden
hat, verschmäht unter den Romanen allein der Wciache, welchem mar-
tyrinm fehlt, m^rtnrisi aber nur bezeugen heißt, ftaQTVQelv. Zu erwähnen
ist hier etwa noch das aus dem falschen genitiv martyrorom geschaffene
pr. martror z. b. in festa de martror.
Martora it., sp. pg. marta, pr. mart, fr. marte, martre (f.) ein
\
206 L MARZAPANE-MASCHERA.
säugethier der nördlichen länder, mar der; vom lat. martes in einer stelle
bei Marticd, wiewohl sich martora, martre dem deutschen worte zunächst
anschließen. ■
Marzapane it., sp. mazapan, fr. massepain Zuckerbrot; aber neap.
marzapane, sie. marzapanu schächteichen. Das beste über dieses neuere
wort bei Mahn p. 89, der das lat. maza mehlbrei darin vermuthet.
Mas trient. pr., mas, mes ältfr. hufe, bauemgut, wohnstätte7 cot.
mas landhaus; vom altern nüat. mansus, mansum, dies wahrscheinlich
von manere wohnen, weil die coloni auf dem grundstücke zu wohnen pflegten
(Grimm, Rechtsalt. p. 536), vgl. in cujus pago manet L. Sal. tu. 85;
daher pr. man er, fr. manoir wohnung; pr. manen, altfr. manant wohl-
habend, nüat. manens cölonus. Derselben herkunft ist sp. masa, maü.
massa, altfr. mase meierhof, nüat. mansa, massa; it. massaro, altfr.
mansiaire hausverwaUer, nebst vielen andern ableitungen.
Mäschera it., sp. pg. mdscara, fr. masque (m.) larve, mlat. mascus
^grima* Gl. lat. anglos. (s. Mone's Anzeiger VII, 144, in der erf.'hs.
marcus). Die form masca ist historisch die ältere, man trifft sie bereits
in longob. gesetzen in der bed. hexe: striga, quod est masca; striga, quae
dicitur masca. Noch piem. heißt masca hexe, mascra aber larve, neupr.
masc hexenmeister, dim. mascot (Honnorat). Grimm, Myth. 1036, führt
dieses masca bedeutsam auf das vb. masticare zurück, die hexe heißt so,
weil sie kinder verzehrt, wie mandueus bei Flautus popanz bedeutet; da-
bei kann es gleichgültig sein, ob man hexe oder ob man larve (etwas mit
offnem maule) als grundbedeutung annimmt. Ähnlichen Ursprungs ist
auch das occit. roumöco popanz (altpr. wäre romeca), wenn man es vom
lat. ruma gurgd, Schlund, wie baveca von bava, herleiten darf, so daß
es ein verschlingendes wesen bedeutete (Honnorat leitet es aus roumec dorn-
Strauch), und in der romagn. mundart heißt papon fresser und popanz.
Nach andern, a. b. Kilian, ist das wort deutsch, ahd. mascä netz, nhd.
masche, vgl. persona adjicitur capiti densusve reticulus Plin. 12, 14,
und dies masca wird von mäsa mahl, fleck abgeleitet. Erwägt man oder
erkennt man an, daß namen von personen oder persönlich gedachten gegen-
ständen kaum ohne ableitungssufßx aus verbis geformt wurden, so hat diese
letztere deutung einen kleinen grammatischen vorzug vor der ersteren, aber
diese scheint treffender, bezeichnender. Beide lirfern offenbar zuverlässigere
Wörter als die von Salmasius, welcher masca aus gr. ßäoxa bei Hesychius
erklärt. Dies wird nämlich mit ficmilr] {fiaxelXa) breite hacke, so wie
mit ßaaxavla tadelsucht übersetzt, letzteres trifft mit ßaonaviov, nQoßa-
otxxviov amulet gegen bezauberung, f ratze, verwandt mit maske, zusammen;
für ßaoxa aber muß auch judoxa gegolten haben, da es Hesychius mit
dixeXhx zweizinMge hacke {fast glekhbed. mit ^tayJlrj) übersetzt. Man
fühlt aber leicht das gekünstelte dieses Zusammenhanges. Wie verhält sich
aber mäscara zu masca? Etymologisch betrachtet kann dies eher aus
jenem abgekürzt als jenes aus diesem verlängert sein, denn ein suffix ära
erkennt die spräche nicht an. Erklärt man sich indessen mäscara aus
I. MASSIMA-MATTO. 207
mascra, wie es ja auch in pietn. mundart lautet, dieses durch häufig vor-
kommende lautverstärkende einschiebung von r aus masca entstanden, so
sind beide formen identisch, ähnlich entstand sp. cäscara aus casco, cat.
plätara schüssd aus plat, it. tartaruga aus tartuga. Ugutio (12. jh.) kennt
beide formen, die mit r aber ist ihm die volksübliche: masca simulacrum,
quod vulgo dicitur mascarel (/. mascara?), quod apponitur faciei ad
terrendos parvos. Ein compositum gleichfalls mit der bed. larve ist das
mlat. ursprüngl. deutsche tala masca, in einem alten glossar delusio
imaginaria 'talemasca'; anderswo larvae daemonum, quas yulgo talamas-
cas dicunt; talamascae litterae geheimschrift; altfr. talmasche, vb. en-
talemaschier entstellen LRs. 328; auch in deutschen glossen talemasge
'larva' s. Schmeller II, 640, GraJff V, 397, mnttt. talmasche. — Derselben
herkunfl ist ohne zweifei wal. mescdre schimpf (Schandfleck), pg. mas-
cärra, cat. mascara schwarzer fleck im gesteht; vb. pg. mascarrar, pr.
mascarar, altfr. mascurer Antioch. II, 42, nfr. machurer, bürg, macherai
schwärzen, beflecken, mndl. maschel, mascher, ags. mäscre fleck, letztere
unmittelbar an maschera erinnernd. Alban. mascarä possenreißer aus
dem itai. — [Eine neue (biet* nicht zu prüfende) Untersuchung über dieses
tcort (heilt Mahn mit, p. 60. Nach ihm ist mascara vom arab. mascharat
gelochter, dies von der würzet sachira verspotten FreyL II, 295. Franz.
masqae sei aus mascara abgekürzt, vielleicht durch einfluß von masca hexe.]
Mässima it., sp. mäxima, fr. maxime grundsatz, von maxima sc.
sententia, s. Menage.
Masticare it., wal. mesteca, sp. pg. masticar, mastigar, mascar,
pr. mastegar, maschar, fr. mächer, chw. mastiar, bask. mascatu kauen;
von masticare, einem nachclassischen bei Apulejus u. a. vorkommenden,
im roman. aber sehr üblichen worte, gr. fiaozaKuv. Daher neap. genues.
masca kinnbacken, wange.
Masto, mastro pg., pr. mast, fr. mät, sp. mastil mastbaum; vom
ahd. mast, aitn. mastr, ags. mäst.
Hatassa it., sp. madexa, pr. madaisa, altfr. madaise strähne,
flechte, wal. metase seide; von mataxa rohseide, dsgl. seil, faden, aus dem
spatern griech. paraga, fxiza^a.
Haterasso it., fr. materas, matelas, mhd. matraz, cat. mataläs,
pr. almatrac, sp. pg. almadraque küssen, polster, matratze, prov. auch
abgekürzt matre Arn. Vid. Die span. form läßt arab. Ursprung annehmen
und muß in diesem fälle die genaueste sein; aus dem prov. nomin. alma-
tracs konnte die franz., hieraus die ital. entstehn. Als das arab. etymon
gibt Sousa al-ma'trah an, aus der würzet ctara(ha, dem er die bedeutung
der roman. Wörter beilegt; bei Freytag III, 47" heißt es nur 'locus, quo
quid prejicitur, aber auch in der bed. küssen wird es angeführt (Dozy
p. 63), welche bedeutung auch ein anderes wort aus derselben würzet,
ohne vorgefügtes m, '^>\Jo ausdrückt. Dahin pg. madrago fautenzer?
vgl unten poltro. *
Matto it., sp. pg. mate, pr. fr. mat schachmatt, pr. altfr. auch
208 L MATTONE— MEDES.
niedergeschlagen, traurig, daher mhd. mat, nhd. matt, s. Grimm IV, 881,
Weigernd, Synon. wb. II, 306 ; abgekürzt aus it. scaecomatto, sp. xaque
y mate, xaquimate, fr. 6chec et mat, vom pers. schäch mat 'der könig
ist todt\ Vb. it. mattare, pr. matar, fr. mater matt setzen im schach
{sp. dar mate), dsgl. demüthigen; altfr. amatir LEs. 25, MGar. v. 805.
Mat tone it. backstein, fr. mdartl. maton, cat. matö r ahmkäse. Man
darf es wohl wagen, diese Wörter als identisch zusammenzustellen und sie
aus dem dtschen matz, matte (käsematte) herzuleiten, pic. matte, da sich
der backstein nach Zubereitung und formung dem käse vergleicht, überdies
altfr. maton sowohl eine art käskuchen wie auch backstein bedeutet. Mura-
tori9s herleitung von mattone aus lat. maltha ist ganz unstatthaft. Hieher
wohl auch lomb. natta schlechter käse (n öfter aus m).
Mazza it., sp. pg. maza, pr. massa, fr. masse (sonst mace geschr.)
kolben, streitkolben; dsgl. it. mazzo, sp. mazo sdüägd, auch bündd;
vb. it. mazzare (in mazza-sette u. a., auch comask. maza), chw. sp.
mazar, pr. massar prügeln, niederschlagen, it. ammazzare, daher wohl
unser metzen. Eine weitere dbl. ist altpg. massuca, massua SRos., fr.
massue, pic. machuque heule, ngr. fiattpi-nux, wal. meciuee. Mazza macht
kein großes bedenken, es ist lat. matea (vgl. piazza aus pl&tea), wovon
sich in einer stelle bei Cato R. R. nur die dbl. mateöla schlaget erhalten
hatr it. mazznola, pr. massola kleiner klöpfel.
Medaglia it., sp. medalla, fr. mödaille Schaumünze; augment. me-
daglione ff. Die bemerkte bedeutung hat das wort erst später empfamr
gen. In der ersten hälfte des 12. jh. ist lat. medallia, medalla eine ge-
ringe münze und diese bedeutung hat auch altit. medaglia, altpg. inealha
SRos., altsp. meaja Bc., pr. mealha GO., fr. maille statt m6aille; die
formen mit d sind wahrscheinlich aus dem ital. Gleichbedeutend ist das
aus dem mlatein geschöpfte ahd. medilla, medili, mhd. medele, doch
brauchte man das wofi in Frankreich auch von goldmünzen (medailhe
d'aur DC). Aus medius, medialis für dimidius konnte es nicht entsprin-
gen trotz der deutung des Guill. Brito: obolus dicitur medalia i. e. me-
dietas nummi, es hätte it. mezzaglia oder wenigstens mediaglia geben
müssen; auch nicht wohl unmittelbar aus metallum. Es hat vielmehr seinen
Ursprung, wie zahlreiche andre substantiva, in einem adjeetiv mü dm
sufßx eus, metalleus, metallea; daher auch sp. metalla goldblättchen.
Auch im fr. m&ail für mötal, pr. metalh, spürt man die einwirkung des
adj. metalleus, das übrigens nicht classisch ist.
Med es altpg., pr. medeis, meteis, in der alten Pass. Chr. noch
medeps; von met-ipse, met-ipsum: per mi meteis = per memet ipsum,
se mezeis == semet ipsum u. s. w. - Eine superlativische form davon iti
pr. smetessme im Boethius, sonst medesme, altfr. meisme, nfr. ni&ine,
altsp. meismo, neusp. mismo, pg. mesmo, it. medesimo, chw. medem, auch
venez. und piem. ohne s medemo, medem, wald. meseynie, lat. gleichsam
semetipsiraus, metipsimus für semetipsissimus, metipsissimus, s. Rom.
gramm. II, 449.
I. MEGE-MENTAR. 209
Mege, menge altsp., cltpg. meye, pr. metge, altfr. mege arzt, noch
jetzt limous. medze wundarzt, {hier arzt; von medicus. Daher altsp.
mengia arzenei. Ein andrer Sprößling von medicus ist altfr. medicien,
neufr. niädecin: so altfr. Philist ien, neufr. Philistin.
Membrare it., altsp. pr. membrar, altfr. membrer, mit anlauten-
dem n altsp. nembrar Alx., FJ., attpg. pr. dieselbe form, mit aniaut. 1
pg. lembrar, occit. lembrä erinnern; von memorare, woher auch das adj.
membrado, membrat, membrä besonnen, klug. Seltsam ist das neupr.
memembri, das an meminisse erinnert, ober doch wohl nur aus remem-
brä entstellt ist AUpg. reimbrar SRos. wird aus renimbrar syncopiert sein.
Menare it., altsp. pr. cot. menar (erster es Alx., Rc.), pg. fehlt, fr.
mener führen, leiten, figürl. betreiben, verrichten, ausführen, daher sbst.
it. pr. mena betreibung, geschäß, auch beschaff enheit. Neben lat. minari
drehen bestand ein unclassisches activ miliare das vieh antreiben durch
drohungen und andre mittel, und so braucht es Apulejus: asinos et equum
sareinis onerant et minantes baculis exigunt, vgl. agasones equos agentes
i. e. minantes Paulus ex Festo. Bei dieser bedeutung ist die wal. spräche
ungefähr stehen geblieben, muna heißt treiben z. b. ochsen, wegtreiben, ver-
jagen, aber doch auch eine Sache, ein geschäß treiben. In den übrigen
sprachen ward ihm allmählich die bed. ducere, deducere zu theil: mener
nn cheval ist etwas anders als equum minare, wiewohl es in seiner an-
Wendung auch mit dem lat. worte zusammentreffen kann, denn mener les
betes boire ist minare (appellere) bestias ad bibendum. Jene wahrhaft
roman. aus dem gemeinen redegebrauch entwickelte bedeutung ist auch
dem ndatein früh geläufig geworden: minare, sagt Papias, c ducere de loco
ad locum, promovere' Die gleichfalls nur bei Apulejus vorßndliche zss.
prominare s. v. a. minare fand nur im franz. aufnähme, aber aus dem
alten und richtigen pourmener spazieren führen, se pourmener spazieren
gehn, machte man später promener, se promener, das B. Stephanus (1539)
noch nicJd hat, Nicot (1573) *chon kennt, und so ward auch pourmenoir
Spaziergang durch das Hausierende promenade verdrängt. Über mhd.
meuen s. Wb. II, 135.
Menoscabo sp. pg., altpg. mazeabo SBos., pr. mescap, fr. mäcbef
vertust, unheil; eigentl. Übler ausgang, von cabo ende, lat. caput; vb. nie-
noscabar, mescabar, altfr. meschever (meseaver Antioch. I, 40).
Menovare it., sp. menguar, pg. mingoar, pr. minuar, cot. minvar,
fr. di-minuer vermindern; sbst. sp. mengua, pg. mingoa mangel. Lat.
minuere ist eins der wenigen verba dritter conj., die schon in frühester
zeit in die erste auswichen: minuare liest man in Urkunden des 6. 7. und
8. jh. nicht selten, s. z. b. Rreq. num. 13 (v. j. 528), n. 131 (v. j. 653),
auch Esp. sagt. XI, 129. Im sp. menguar härtete sich der diphthong
u4 in gua, wie dies ja mit deutschem ud (wa) gleichfalls geschah; ein
andres beispid dieser ort ist mangual aus manualis, s. Rom. gramm. I, 325.
Mentar sp. pg., altfr. menter (qui li mentoit la mort RCam. p.
326) erwähnen, erinnerlich machen; zsgs. it. ammentare, ramuientare,
210 I. MENTE-MENTRE.
altpg. amentar SRos., altsp. enmentar z. b. Apol. 629. 682 mit gl. bed.;
von mens, wobei vielleicht ammentare die älteste büdung ist. Eigenthüm-
lich hat sich dies verbum in den nordwestlichen sprachen gestaltet: pr.
mentaure, amentaver, dltfr. mentoivre, mente voir, amentoivre, amen-
tevoir, ramentevoir (letzteres noch bei Moliere), worin man eine zss. aus
mente habere, ad mentem habere, vgl. it. avere a mente, erkennt, so daß
es aus seiner ursprünglichen bed. gedenken in die faäitive gedenken machen
übergetreten wäre (beispide dieser ort Rom. gramm. III, 114). Vielleicht
ist das sonst unerklärliche it. mentovare aus men tevoir verderbt. Hie-
her auch it. elementare, sp. elementar bethören, dltfr. dementer toben,
sich unsinnig gebärden, lat. dementare in letzterer bed. bei Lactantius;
dsgl. it. dimenticare vergessen.
Mente it. sp. pg. (altsp. mientre), pr. men, fr. ment, wal. fehlt,
adverbialsuffix gefügt an das feminin der adjeetiva, s. das nähere Born,
gramm. II, 462, Blanc 620. Es ist der ablativ des lat. mens sede, ge-
danke, absieht, von den Römern nur im eigentlichen sinne (bona, devota,
placida, celeri mente), allmählich aber in der bed. ort und weise ange-
wandt, indem man die absieht oder meinung auf die erscheinung hinaus-
führte und also auch breve-mente, perfetta-mente, altra-mente auf kurze,
vollkommne, andre weise u. dgl. sagte. Dieselbe anwendung gestattet,
wenn auch in beschränkterem maße, das mhd. ahte 1) ansieht, gesinmmg,
urtheü, 2) ort und weise, so wie das bair. meinung (auf die meinung —
auf die weise u. s. f., s. Schmäler, der auch mente vergleicht). Die sub-
stantivische natur des roman. Suffixes aber macht sich noch darin gellend,
daß es, wenn mehrere dieser adverbia auf einander folgen, im span. und
port. nur an dem letzten derselben ausgedrückt zu werden pflegt (bella y
sutilmente), ja daß in alleren mundarten auch das erste adverbium jenes
suffix für die übrigen vertreten kann: pr. sanetament e devota Chx. VI,
315, alteat. fellonament et desordenada Chr. (TEscl. p. 602*.
Mentre it. pr. dltfr., sp. mientras, altsp. mientre, altpg. mentres,
Partikel, dem lat. dum oder auch interim entsprechend; dsgl. altit. do-
rn entre, altsp. demientras, pr. domentre, dementre, dltfr. dementre,
dementres, überdies auch dltfr. endementres, altpg. emmentres u. dgl.
Darf man das veraltete domentre als die grundform annehmen, so liegt,
wie schon Muratori wollte, die entstehung aus dam interim (mit regelrecht
abgestoßenem auslautenden m) nahe genug und grade der pleonasmus ist
ganz volksmäßiger ort; das anlautende do konnte im gefuhl analoger bU-
dungen (domani, domandare) leicht mit der partikel de verwechselt und
darum als nicht wesentlich abgestoßen werden. Herleitung aus dnm mente
(wie quasimente) findet in dem ausbleiben der form domente (ohne r)
ihre schtoierigkeit, nur im altgenues. begegnet demente, s. Archiv, stör,
ital. app. num. 18. p. 33, im altmaü. auch domente (Bonvesin), ünprov.
das ganz vereinzelte mens que, domenhs que. Für den bemerkten Ursprung
läßt sich auch das dltfr. dementiers, dementieres anführen, das zwar
nicht aus dum interim, wohl aber aus dem nahe liegenden dum int&ea
L MENZOGNA— MERLO. 211
mit diphthongierung des betonten e entstehen konnte. Für das altfr. en-
tremente, das hier noch heranzuziehen ist, würde sich allerdings interea
mente aufstellen lassen; piem. tramantre (tra = fr. entre) zeigt wieder
das kritische r. Pott, Forsch. II, 100, construiert mentre aus in inter
mit Verwandlung des ersten n in m; wirklich kennt die mail. mundart
eine präp. in-enter, Bonvesin ein adv. mintro (für infino, z. b. mintro mö
fin qui), das sich nur aus in intro deuten läßt, aber solche aissimüationen
sind selten gemeinromanisch und selbst die anwendung der haaren präp.
inter als conjunction eine ungewöhnliche freiheit. Im altitcd. begegnet
noch ein adv. intröcqne Inf. 20, 130 für interea, das sieh aus inter hoc
mit euphonischem suffix erklären muß.
Menzogna it., pr. mensonga, mensonja, fr. mensonge lüge. Non
a raentis somnium, quod est Sylvii somnium, bemerkt Ferrari v. men-
tovare gegen Syltrius. Es ist zunächst aus mentitio, pr. mentizo, gewiß
aber, da sich nur sehr wenige ableitungen mit oneus und darunter gar
keine abstraeta vorfinden, eine bloße ahbüdung an das sinnverwandte
ealogna, calonja, chalonge verläumdung. Die prov. form mesonega Ev.
Joh. 8, 44 (ed. Qiüy) wird diese deutung nicht entkräften, zu abgeschmackt
wäre eine abl. mentitionica: e ist bloß eingeschoben. Das Span, und port.
wort ist mentira: dafür besitzt der Catalane so wie der Sarde das rich-
tig gebildete mentida, und nur als eine entstellung desselben läßt sich das
unbegreifliche span. wort, welches vielleicht auch das picard. menttrie her-
vorgerufen, begreifen, vgl. lampara aus lampada. Aus der altmail. mund-
art kann man noch eine zweite anbildung dieser ort aufzeigen, cativonia
Schlechtigkeit Bonves. disp. muscae cum formica v. 35. 160.
Merce it., sp. merced, pg. pr. merce, fr. merci gnade, auch dank;
van merces lohn, im frühsten ndatein, z. b. bei Gregor d. gr., schon in
der bed. misericordia. Daher pr. merceiar, altfr. mercier, nfr. remer-
cier danken.
Mercoledi, mercordi it., fr. mercredi, pr. dimercres, cot. dimecres
mütwoch, von Mercurii dies, dies Mercurii; sp. miörcoles, pr. auch
mercres mit derselben endung wie in martes (s. martedi), it. auch m£r-
core, toal. miärcmi. Statt dessen sagt man in ital. mundarten mez-
6dima = media hebdomas mittewoche, mittwoch, s. Cherubini und Archiv.
star. üal. app. num. 20, p. 41, churw. maz-eamda; man gab also den
gatternamen auf wie im deutschen, worin, nachweislich nicht vor dem ende
des 10. Jahrhunderts, der mittwoch an die steile des wodanstages trat.
Auch slavisch heißt er die mitte, slovenisch z. b. sreda. Für das sp.
miercoles hat der Portugiese das den tag zählende quarta feira wie ngr.
Merlo, merla it. zinne der mauer; abgel. sp. merlon, pg. merläo,
/r.merlon; vb. it. merlare, pr. merlar mit zinnen versehen. Ansprechend
ist die bei Bclza, Vocab. genet., bemerkte herleitung aus dem archaisti-
schen auch auf einer inschrift Orell. n. 566 vorkommenden moerus für
mnrus, dimin. moeralus, und nur aus dem offenen e, das dem lat. oe
212 I. MERLUZZO— META.
sonst nicht gemäß ist, läßt sich ein leichter einwand dagegen erheben.
Nach Menage kommt es vom lat. mina, dimin. minula, endlich mirula
u. s. w.; besser als von mirari, woraus Muratori, Ant. ital. II, 468. es
deuten möchte. In anschlag kommt endlich auch das sie. mergula (altsard.
merguleri Spanu) mauerzinne, das aus lat. merga gäbet abgeleitet sein
muß und ursprünglich zinke der gäbet bedeuten mochte, womit sich die
zacken der mauer passend vergleiclien ließen.
Merluzzo iL, pr. merlus, fem. sp. merluza, fr. merluche Stock-
fisch; wird für eine Zusammensetzung aus marislucins (seeheckt) gehauen,
um so richtiger als in der catal. mundart schon das einfache llus (lucius)
dem begriffe genügt, also keine ableitung marl-uzzo gestattet ist.
Merme altfr. klein, gering; von minimus wie arme von anima.
Daher sbst. sp. merma, pr. mermaria Verringerung; comask. marmaria,
ital. marmaglia geringes volk; comask. marmel, cremon. marmeleen
kleiner finget; vb. sp. pr. m er mar sich vermindern.
Meschino it., sp. mezquino, pr. mesqui, fr. mesquin, altfr. auch
ine8chin arm, elend; vom arab. mesktn mit gl. bed., dies vom vb. sakana
Freyt. II, 335b. Die herkunft des Wortes ist eine altbekannte: Saraceni
mischinum mendicum vocant Gloss. paris. (Pfeiffers Germama VIII, 395).
Prov. und altfr. heißt es auch schwach, zart, meschin daher knabe, me-
schine magdlein, it. meschina, wallon. meskene magd.
Messa it., sp. misa, fr. messe messe, messopfer; bekanntlich von
missa est sc. concio, mit welchen Worten der diaconus die Versammlung
entließ. Andrer meinung ist Ferrari, der messa für gleichbed. hält mit
oblatio, gäbe, opfer. S. Ducange.
Mestiero, mestiere iL, sp. altpg. menester, neupg. mister, pr.
menestier, mestier, fr. mutier geschäft, hantierung, gewerbe, handwerk;
von ministerium dienst, Verrichtung, nUat. muliercula, quae textrieis fun-
gebatur officio . . . habebat cooperatricem, quae ejusdem erat mini-
sterii Aimoin. Daher sp. pr. menestral, pg. menestrel, altfr. menestrel,
später inenestrier, män&rier handwerker, künstler, musiker, nüat. mini-
sterialis diener des hauses, wie noch altfr. im Alexiuslied 65; eine noch
ältere franz. form in den Liv. d. rois p. 235: d^meiseles menestrales
mulieres meretrices. Wie mestiere die bed. von opus ausdrückt, so aucJi
it. e n^estiere, fa mestiere, sp. es menester die von opus est.
Mestizo sp., pr. mestis, fr. mätis, iL (in einigen wbb.) metiecio
Und von altern verschiedener race, ursprünglich auch verschiedenes Stan-
des; gleichsam mixticius.
Meta it. (mit geschlossenem e) misthaufe, lomb. meda häufe heu,
holz u. dgl., sard. überhaupt menge, sp. pg. meda häufe garben, altfr.
moie; von meta kegelförmige figur. Abgd. pg. medäo häufe, medäo de
areia sandhügel, sp. in letzterer bed. m£dano und selbst durch vertau-
schung des d mit g m6gano; dsgl. sp. al-mear heuschober für almedar.
Das lat. wort spaltet sich eigentlich in zwei romanische mit verschiedener
bedeutung: neben den genannten fonnen steM it. meta (mit offnem e), sp.
I. METTERE-MIGLIO. 213
meta, c&tfr. mete, mette, noch jetzt picard. niäte, gränzstein, gränze, ge-
wohnlich eines grundstückes, aber auch eines Staates.
Metter e it. ff. (fehlt weil.) legen, setzen. Lot. mittere (gehn lassen,
schicken) war schon fähig, die nahliegende bed. ponere auszudrücken: so
sagt Seneca rnamis ad arma mittere, so Lactantius gleichbed. fundamenta
ponere und fundamenta mittere, so später die L. Seil, super cubitum
manum mittere, mittere manum super fortunam alicujus, caput mittere
in palo (hineinstecken), s. Pott über die Lex. Sal. 166, PUxttlat. 388.
Die grundbedeutung aber schwand dem Romanen, ausgenommen in trans-
mitted, völlig.
Mezzo it., wal. mez, sp. medio, pg. meio, pr. mieg muten, halb,
von medius; präpositional fr. parmi = it. per mezzo; pr. enmieg, altfr.
enmi = it. in mezzo. Abgd. it. mezzano, sp. mediano, pr. meia, fr.
moyen, von medianus bei spätem; it. meta, mitad (meatad PC. 522),
pr. meitad, fr. moitiä hälfte, von medietas, das Cicero ungerne, die
spätem aber häufig brauchten ; daher fr. mötayer, npr. meytadier pach-
ter oder meier, der den ertrag zur hälfte mit dem eigenthümer theüt, hal-
fen, mlat. medietarius: fr. m&airie meierhof — Aber altfr. mit an (m.),
woher mitanier pachter und wohl auch nfr. mitaine fausthandschuh (ge-
theilter handschüh) werden sich schwerlich aus medietas ableiten lassen
und scheinen, wie schon andre aufgestellt haben, aus unserm mitte ent-
standen, nach Grandgagnage aus ahd. mittamo.
Mica, miga it. pr., fr. mie eine partikel zur Verstärkung der ne-
gation; von mica krumchen, bißchen, daher auch wal. nimic für Tat. nihil.
Subst. fr. midie stück brot.
Miccia it., sp. pg. pr. mecha, fr. m&che docht, lunte; von myxa,
eigentl. diile der lampe, aber schon im altern nüatein, wo es auch nixa
lautet (vgl. niccia MSnage, Orig. ital., limous. netse), s. v. a. ellychnium.
Das wort muß aber aus dem franz., wo sich x in ch umbilden kann
(laxus lache) den übrigen sprachen mitgetheilt sein, wie es denn auch
dort zu den meisten bedeutungen gelangt ist. — Prov. findet sich auch
meca, das sich zu mecha verhält wie coca zu cocha: die mit c sind un-
organische durch den häufigen Wechsel zwischen c und ch (boca bocha,
lecar lechar) veranüaßte formen (rückbildungen).
Micio, micia it, sp. micho, mizo, miza, miz, wal. mutzu, mutzij,
altfr. mite kotze; naturausdruck d. h. ein nach der stimme des (hier es
gemachter schmeichdname wie unser miez (über welches jedoch Weigand
II, 159 andrer meinung ist). Abgd. fr. mitou und matou kaier, ähnlich
wd. mntöc. Zsgs. fr. chatte -mite Schmeichlerin, vgl. das Sprichwort
«e Fune est chate, l'autre est mite Ren. I, p. 6, vollkommene gleichheit
der gesimiung auszudrücken. Eine andre form für it. micio ist muci,
mucia, muscia, latinisiert niusio, welches Papias gegen die lateinischen
Sprachgesetze, die jedenfalls murio verlangten, aus mus herleitd.
Miglio it., fr. mille (m., aus dem ital.), sp. pr. fem. milla ein
längenmaß ursprünglich von tausend schritten, besonders in Italien üblich,
214 I. MILAN0-M1NA.
ahd. mila, milla, nhd. meile ; von millia für mille passns, daher der itai.
plur. miglia, woraus der sing, erst entstanden sein muß.
Milano sp., pg. milhano, pr. fr. milan kühner geier; von milnanus
abgd. aus miluus, woraus erst später milvus geworden (Ritschi im Rhein.
Museum für phä. N. F. VII, 598) zur aufhebung des hiatus. Zu miluus
stimmt auch das bask. mirua für miruua, indem tat. 1 hier öfters in r
übergeht. Vb. sp. amilanar, s. oben astore.
Milza it., sp. melsa, neupr. melso, dauph. milza, bürg, misse müz;
vom ahd. milzi (n.?) vgl. aiban. meltzi lebet. Andre formen sind: maü.
nilza, chw. snieulza, weit stärker abweichend neupr. melco und melfo, s.
Honnorat. Sonderbar ist das venez. spienza, worin sieh spien und milz
begegnen; erster es findet sich auch im sard. spreni, im wal. splene. Dasu
das ital. adj. smilzo schlaff, leer des leibes, mutlos.
Mina it. sp. pg., pr. mina, mena, fr. mine, wallon. meinn schockt,
erzgrube; vb. it. minare, sp. pg. pr. minar, fr. watton. miner untergra-
ben. Daher altsp. minera, pr. meniera, fr. minifere bergwerk, wal.
minere erzstufe; hiervon it. minerale, sp. pr. miaersA, fr. minäral. Man
findet den Ursprung des wortes im tat. minare oder rom. menare führen,
betreiben, vgl. pr. meHar secretz geheimnisse betreiben, mlat. minare con-
8iliom einen anschlag bereiten, minas parare nachstettungen ins werk
setzen. Hiernach ist mina zuerst geheimer anschlag, getriebe, in beziehung
auf einen belagerten ort geheimer gang zur Untergrabung der mauer,
demnächst auf den bergbau angewandt. Dieser wandet des begriffs hat
nichts unwahrscheinliches: ganz ähnlich legte man dem it. doccia von
ducere die bed. canal bei. Auffallend ist nur die Abweichung des richtigen
e in i; geschah es zur Unterscheidung der begriffe c führen menare und
1 graben minare? Buchstäblicher Zusammenhang mit hymr. mwn masse,
mine, ist nicht anzunehmen; wie sich gael. m&n zu engl, mine, rom. mina,
verhält, wäre wohl noch genauer festzustellen, s. über letztem punct Diefen-
back, Cdt. I, 71. — Mine fr. Haltung, gebärde, ansehn, daher nhd. miene,
engl, mien, scheint man ohne gründ vom gesammtrom. mina zu trennen,
da es gleichfalls von menare (pr. mena, s. oben) herstammen kann, indem
es die äußere führung oder haltung, etwa wie gestus von gerere, aus-
drückt: pr. se menar in der bed. sich benehmen, s. das Katharische
ritual p. 30.
Mina dUUmous. großmütterchen, gase, menina, sard . minnanna dass.,
pg. minino, menino knäbchen, minina, menina mädchen, sp. menino edel-
knabe, menina hoffräulein, neupr. menig klein, bearn. menit Und, norm.
minet, minette dass., wohl auch romagn. minen, fr. minon, minette Kätz-
chen, (bair. minni), henneg. minette mädchen, cot. minyö bübchen, welches
aber an fr. mignon erinnert; auch sicil. minna mutterbrust? Der stamm
fordert langes i (das erst in abll. zu e wird) und dies bietet das gael.
adj. min Mein, artig, das sich wohl zur bildung von kosewörtern eignet.
— [Beachtenswerth ist, was Mahn p. 120 einwendet. Das gaelisch-irische
min laute bretonisch man und dessen aneignung würde dem Romanen
I. MINACCIA-MODANO. 215
doch wohl näher gelegen haben als die des ersteren Wortes. Zeuß I, 117
stellt irisch min, kymr. mwyn, bret. moan zusammen: ich erblickte, viel-
leicht irrthümlich, in min die primäre celüsche form, auf welche es bei
einem über alle romanischen provinzen verbreiteten worte ankommen mußte.
Nach Mahn hat dieses wort eine ganz nah liegende, lateinische quelle,
minimus, erweitert miniminus, mit ausgestoßenem im mininus. Aber
wäre der sprachgesetzliche Vorgang nicht minminus miminus gewesen?]
Minaccia it., sp. amenaza, pr. menassa, fr. menace drohung; von
minaciae für minae, nur bei Plautus.
Miniare it. fein illuminieren, sp. miniar punctieren, mlat. miniare
mit mennig, minium, schreiben und zeichnen, daher miniatura kleines ge~
meide, wie es in Handschriften vorkommt. Von minium leitet Menage
auch it. mignatta blutegd, weil er roth gezeichnet sei.
Minato it., sp. menudo, pg. miudo, pr. menut, fr. mena klein;
von minatas. Sbst. it. sp. minuto, fr. minute (f) der 60. theil einer
stunde, eigentt. minato primo die erste Verkleinerung oder eintheilung;
minuto gecondo, fr. seconde (f.) der 60. theil einer minute, die zweite
eintheilung; minuto terzo, fr. tierce (f.) der 60. theil einer secunde. Von
fr. menu «Ernennet tanz mit kleinen schritten. Vb. minuzzare it., pr.
menuzar, dttfr. menuiser klein machen, zerschneiden, gleichsam minutiare.
Hieven das franz. sbst. menuisier sehr einer.
Mirabella it., sp. mirabel, fr. mirabelle eine art kleiner gelblicher
pflaumen. Italien nennt diese pflaume auch mirabolano ; das gleichlautende
span. wort aber, so wie das fr. myrobalan = gr. fitQoßaXavog bedeutet
eine aus Indien kommende pflaume, woraus die Alten eine salbe (hvqov)
bereiteten. Man scheint also in Italien den namen der indischen frucht
auf eine einheimische übertragen und ihn nachher durch eine Umbildung
sich näher gerückt zu haben, wobei man das Originalwort (mirabolano)
auf den bäum beschränkte, während es im span. die doppelte bed. frucht
und bäum behauptet.
Mis it., fr. m&, m6, pr. mes, mens, sp. pg. menos in compositis
mit der bed. € nicht recht, nicht gehörig', ungefähr dem tat. male, besser
noch dem deutschen mis entsprechend, beweist seine herkunft von minus
durch die südwestliche form, und hat mit unserm mis, woraus es zuweilen
noch hergeleitet wird, keinen Zusammenhang. Ein beispiel ist mis-pregiare,
mens-, mes-prezar, m6-priser, menos- preciar misachten, s. Rom. gramm.
11,434.
Mischiare und mescolare it., sp. pg. pr. mezclar, mesclar, fr.
meler mischen, im altern mlatein misculare, sbst. it. mifcchia ff.; von
m
miscere. Eine abl. ist fr. m Klange (noch bei Nicot fem., jetzt masc),
pr. mesclanha gemischt vgl. dasselbe suffix in louange, laidange.
Mita sp., mite fr. milbe; vom ahd. mizä, ags. mite, ndd. myte, 5.
Grimm IU, 366.
Mödano, mödine it., sp. pg. umgestellt molde, pr. molle, fr. moule,
sard. mogliu muster; von modulus, woraus auch mo d eil o, modelo, modele.
216 I. MODERNO-MONTONE.
Moderno it. sp., fr. moderne heutig; von modernus, das sieh erst
bei Priscian und Cassiodor findet, abgel. vom adv. modo in der dem frü-
heren miatein geläufigen bed. nunc, daher amodo 'von jetzt an, vgl. die
ebenfalls aus adverbien abgeleiteten hodiernus, hesternus, sempiternus.
Die erklärung aus dem subst. modus verträgt sich nicht mit der bedeutung
dieses Wortes, eben so wenig die aus dem erst später entstandenen franz.
fem. mode.
Moggio it., sp. moyo, pr. muei, fr. muid ein getreidemaß, scheffel;
von modius. Ein sehr altes beispiel des frane. Wortes ist in den Cass.
glossen moi cmutt%, vgl. W. Grimms anmerhung.
Moja it., fr. muire (Trfo.) Salzquelle, Salzwasser, vielleicht auch sp.
murria salbe von Jcnoblauch, essig und salz; von muria. Zsgs. it. sala-
moja, sp. sal-muera, pg. sal-moura, fr. sau-mure, wie gr. äX-fivQig.
Molla it., pg. niola, sp. muelle (m.) Stahlfeder, im plur. zange, sp.
molla krume, auch wade; abgel. it. molletta, sp. molleta lichtputze
(eigentl. kleine zange), molledo nebst fr. mollet fleischiger theil, wade,
sp. molleja kalbsdrüse, it. möllica brosame u. a. m.; sämmüich von mollis
weich (daher die bed. krume und ebenso wade d. h. weicher theil im
gegensatz zum Schienbein), biegsam (daher Stahlfeder, staMzange). Zu
merken noch ital. adj. molle feucht, gleichfalls von mollis in der bed.
weich; daher denn auch vb. it. möllare nachgeben, ammollare netzen,
in letzterer bedeutung pg. pr. molhar, cot. mullar, fr. mouiller, sp. mojar,
d. i. molliare {wie roman. levi-are, gravi-are aus levis, gravis); sbst.pg.
mölho, sp. moje brühe. Span, mollera s. IL b.
Molo it., sp. muelle, fr. m61e (m.) hafendamm; vom gleichbed. moles.
Monna it., sp. pg. mona, neupr. mouno, bret. mouna affin, äffe,
daher fr. monnine. Monna hat auch die bed. von madonna, woraus es
zusammengezogen ward: muthmaßlich brauchte man es als schmeichelwort
von der affin.
Monocordo it., umgedeutet mit hinsieht auf manus, sp. pg. mani-
cordio, fr. manicordion ein Saiteninstrument; vom gr. jttovdxoQÖov, weil es
nur eine saite enthielt, vgl. die prov. stelle manicorda ab una corda LB.
M ontone it.,pic. monton, ven. moltone, pr. cot. moltö, pr. altsp. (Älx.)
moton, fr. mouton hammel. Ein mlat. multo geht vielleicht bis in das 8.
jh. hinauf: multones et verveces 'widert (hämmel) Gl. Schleust. 34, 2,
multo K wider Gl. Flor. p. 289b. Ln der angegebenen bedeutung treffen
olle sprachen zusammen, wenn auch wohl einmal, wie Livr. d. rois p. 141,
arieß mit mouton übersetzt oder wenn es alteat. durch moltö entegure'
(lat. integer) ausgedrückt wird. Das wort begegnet auch auf andern
Sprachgebieten und zwar in primitiver gestalt, z. b. bair. motz (von matzen
schneiden ? fragt Schmaler), allein die herleitung daraus würde die probe
nicht bestehen, zu deutlich zeigen die mundarten die form molt, abgeändert
in mont. Ferner altir. molt vervex Zeuß I, 78, gael. mult, kymr. mollt,
corn. molz, bret. maout, aber eine überzeugende cdt. würzet fehlt. Ein
besseres und ganz bezeichnendes primitiv gewährt die roman. spräche
I. MORA-MOSCIO. • 217
selbst: neupr. mout, com. mot, chw. mutt verstümmelt, welches ohne Schwie-
rigkeit aus tat. mutilus mit versetztem 1 entstehen konnte, vgl. neupr. cabro
monto {attpr. wäre cabra mouta) eine der hörner beraubte siege, wörtlich
Columella's eapella mutila, Schweiz, muttli. Das aus diesem adjediv ab-
geleitete mouton bedeutet also, wie unser hammel, ein verstümmeltes (hier. —
[Beistimmt Oaehet p. 322h, der auch ein entsprechendes dttfr. wort für
hammel, castrois, anführt]
Mora it. sehober abgehauener zweige, sp. moron hügel, fr. (Schweiz)
moraine steingeröUe; vgl. bair. mur losgebrochenes gestein, Schmeller
TT, 612. — [Nach Weigernd II, 213 scheinen diese Wörter auf das mit
mürbe wurzelverwandte altn. mor (feiner staub) zurückzugehn.]
Morchia und morcia it., sp. morga, richtiger cot. mail. morca
olschaum; von amurca.
Morello it., ältfr. morel, moreau, aber sp. pg. moreno schwarz-
braun; von morus maurisch, schwärzlich. Daher auch it. pr. morella,
fr. morelle eine pflanze, nachtschatten. Weiteres bei Roesler, Etymologie
der farbenbezeichnungen p. 6.
Morione it., sp. morrion, alt murion, pg. morriäo, ältfr. morion
Pickelhaube; von Ungewisser herhunft. Man erinnert dabei an das sp.
morra schadet.
Mormo pg., sp. muermo, pr. vorma (jetzt borm m.), fr. morve (f.),
sie. morvu schleimige feucktigkeit der nase, im span. und port. eine pferde-
Irankheit. Man leitet diese Wörter aus morbus, was weder den begriff
noch die form recht befriedigt, wenigstens wäre nach den franz. lautge-
setzen morbe alsdann richtiger denn morve. Das pr. vorma nähert sich
auffällend dem fr. gourme II. c.
Mortajo it., sp. mortero, pr. fr. mortier, wai. mozäriu mörser
und mörtd (ital. wal. nur ersteres) ; von mortarium in beiden bedeutungen.
Moschetto it., sp. mosquete, fr. mousquet ein feuergewehr, ältfr.
mon8chete, ndat. muscheta ein Wurfgeschoß, bolzen ; ursprüngl. eine kleinere
ort zur beize dienender Sperber, sp. mosquet, mosqueta, fr. 6mouchet,
it. moscardo. Waffen nach jagdvögeln benannt s. unter falcone. Mosquet
aber hieß dieser Sperber von der gesprenkelten gleichsam mit mucken,
mouches, gezeichneten brüst, daher auch fr. moucheter sprenkeln. S.
Frisch II, 310 • v. sprinz.
Moscio it. schlaff, welk, sp. mustio, cat. mox düster, nachlässig,
pr. raois düster, tückisch, ältfr. mois Ben., woilon. muss {für must wie
cregs für crest, lat. crista) trübsinnig. Buchstäblich lassen sich alle diese
formen im lat. musteus vereinigen, das aber fast das entgegengesetzte aus-
sagt (jung, frisch). Sind sie aus mueidus entstanden, das sich durch
Umstellung in mugdius mustius verwanddte ? Wie aus der bed. schimmlig
die bedd. träge, verdrießlich erfolgen können, zeigt der artücel muffo.
Denselben stamm verräth cat. müstig schlaff. Auch limous. mousti,
churw. muost, lomb. moisc feucht (dumpfig) scheinen dieses Ursprunges.
Abgd. ist it. ammoseire ermatten, welken, pr. amosir düster werden Bth. 203.
218 I. MOSTACCIO-MUFFO.
Mostaccio it., sp. mostacho, fr. raoustache, wal. mustatze knebd-
bart; vom gr. /uvorat; mit gl. bed., Man. niustake, im lateinischen nicht
vorhanden.
Mo 8 tarda it. pg. pr., fr. moutarde, sp. aber mos taza senf; von
mustum, weil er mit most angemacht wird.
Motta it. her abgeschwemmte erde, sp. pg. mota erdaufwurf, fr.
motte erdscholle, altfr. mote aufgeworfene anhohe mit festem schloß, altpr.
mota schutewerk eines Schlosses. SBos. Unzweifelhaft findet sich das wort
in deutschen mundarten wieder. Bair. mott aufgehäufte moorerde, schwz.
matte ausgestochener rasen, ndl. mot dhfaJl von torf, fries. mote lohkuchen.
Span, mota, sofern es knoten im tuche, Meiner fehler bedeutet, sieht Lar-
ramendi aus dem bask. motea knospchen, womit auch das ndl. moet, urspr.
mot, kleine erhabenheit, knöpf chen, fleck oder fehler zusammentrifft] pg.
mouta Meines gebüsch läßt sich unter vergleichung des it. macchia (fleck,
buschwerk) damit verbinden. Außer motta besitzt die ital. spräche mota,
gleichbed. mit malta II. a. und daraus entstanden, aber auch motta hat
diese bedeutung. Daß auf das altfr. mote das irische die bed. berg oder
hügel ausdrückende mota (m.) anspräche mache, ist noch anzufügen.
Motto it., sp. pg. mote, pr. fr. mot wort, Spruch, pr. auch vers;
vom lat. mutire mucksen, mfal/muttum; 'muttum nullum emiseris' pro-
verbialiter dieimus, id est verbum Cornutus in Persii sat. I. Mit mutire
aber trifft zusammen sard. mutire rufen, pr. altfr. motir anzeigen.
Mozzo it., sp. mocho, pr. mos (fem. mossa), fr. mousse stumpf, ver-
stümmelt; vb. mozzare, smozzare, mochar, ämousser abstumpfen; vom
ndl. mots, schwz. mutz abgestutzt, ndl. motsen, mutsen abstutzen, nhd.
mutzen. Aus dem franz. aber ist entnommefi it. smussare, smusso. Abgcl.
sp. mochin Scharfrichter r eigentl. verstummter. Oder ist sp. mocho von
mutilus, wie man cachorro aus catulus leitet? Das bask. mutila knabe
(kleiner stümmel) könnte diese ansieht unterstützen.
Muffare it. in camuffare Verkappen, für capo-muffare den köpf
vermummen; vom deutschen muf, entstellt aus mhd. mou, mouwe ermd,
s. J. Grrimm über diphthonge. Desselben Stammes ist fr. moufle faust-
handschuh, ndat. muffula, daher ndl. moffel; dsgl. adj. pr. moflet,
(neupr. moufle), pic. mouflu, wcdlon. mofnes' weich, elastisch (nach art des
Muffs), und vermuthlich auch, mit rücksicht auf die ausstopfung desselben,
fr. moufle r die backen aufblasen, sp. mofletes hausbacken, pic. mouflu
wohl ausgestopft, henneg. moflu dickbackig, doch ist hier auch mufle IL c-
in anschlag zu bringen, vgl. Grandgagnage v. moufler, wo diese Wörter
mit großer genauigkeit abgehandelt sind.
Muffo it. schimmlig, com. romagn. moff bleich oder graulich; sbst.
it. muffa Schimmel, pg. mofo, sp. mobo Schimmel, moos, fr. moufette
moderdunst; vb. it. muffare, lothr. mouffä, neupr. muffir schimmeln; aus
dem deutschen, ndl. muf schimmlig, hd. muff Schimmel, vb. mtlffen. Mit
demselben stamme werden figürlich auch üble fnoralische eigenschaflen
ausgedrückt: sp. moho trägheit, mohino verdrießlich, boshaft, pg. mofino
L MUGAVERO— MUNON. 219
knickerig, venee. muffo schwermüthig : es sind begriffe, die sich dem Schim-
mel als schmutz oder fäulniss anschließen, vgl. nhd. faul putridus und
piger, sehtet, auch malus. Doch ist noch eu vergleichen bair. niuffisch
mürrisch, muffen murren, schmollen. Der Spanier nennt auch den maul-
esd mobino wegen seiner tücke, ein wort, das Cabrera gegen die sprach-
gesäse aus mulus hinnus construiert.
Mugaväro it., sp. almogavar, almogarave, pg. almogaure, alteat.
almugaver Chr. d'Escl. 603b, altval. almugaber JFebr. str. 21, almugavar
220 partheigänger ; vom arab. al-mogävir Streiter Freyt. III, 302", vgl.
auch Monti, Agg. dl vocab. II, 2, 306, und S. Rosa s. v. Im ital. gut
es auch für einen Wurfspieß, wie die mugaveri ihn führten.
Mugghiare it., sp. mujar fehlt, fr. mugler, meugler brüllen; nilat.
singulare, frei gebildet aus mugire.
Mäggine it., sp. müjol, mügil, pg. magern, fr. muge ein seeßsch-,
von mugü. Fron*, malet aber entspringt besser aus mullus.
Mala it., male fr., mulilla sp. pantoffel; nach Frisch u. a. von
malleus schuh von rothem leder; nicht unbedenklich.
Malino it., molino sp., moinho pg., moulin fr. mühle; von molina
für mola, bei Ammian. Marceil. Daher it. malinaro, mugnajo (wie
balneam, bagno), sp. molinero, fr. meunier muller. Eine *ss. ist it. ri-
molinare , sp. remolinar, pg. remoinhar, altfr. remouliner sich im kreiße
drehen, wirbeln, it. $p. remolino, pg. redomoinho (mit einmischung von
retro) Strudel, Wirbelwind, altfr. remoulin stern am köpf eines pferdes
(haanvirbel) Roq. Auch das einfache it. mulinello bedeutet Wirbelwind.
Von re-molere, remoudre aber ist fr. remous (m.), remole (f.) wasser-
wirbel, meeresstrudd. Der alten prov. spräche scheinen die *ss. mit re
zu fehlen, es bleibt daher au überlegen, ob in f evolina GO., revolinar LB.,
zumal da diese worter den schwestersprachen abgehen, nicht eine Umwand-
lung des m in v statt gefunden, indem an volvere gedacht ward; molinar
ltourbülonner hat Raynouard.
Mummia it., sp. momia, fr. momie, mumie ein einbalsamierter
und getrockneter leichnam; vom gleichbed. pers. mümijä, dies von mfim
wachs, womit die leichen Überzogen wurden. Scaliger weist dagegen auf
gr. aftwpov ein gewürs. Sp. adj. momio abgemagert.
Manger e, magnere it., sp. (arag.) muir, pg. mungir, pr. molser
GO., teal. malge melken; von mulgere. Das übliche span. wort ist or-
defiar IL b., das fr. traire, aber die alte spräche kannte mulger LRs. 66,
noch pic. moudre. Andre mundartl. formen sind lomb. molg, pietn. monse,
sard. mulliri, chw. mulger, cot, mufiir. Von maugere ist das ital. adj.
manto, smunto hager, abgemergelt, nicht von emanetas.
Mnfion sp., cot. manyö, sie. magnani großer armmuskel, wohl auch
fr. moignon fleischiger theil, stück fleisch (Trev), stümmel eines abgenom-
menen gUedes; vb. comask. magna abstutzen. Die einfachste form gewährt
das bret. den übrigen cdtischen sprachen unbekannte mofi, moufi ver-
stümmelt an hand oder arm. Als primitiv des span. Wortes bietet sich
220 I. MUR— MUSO.
das bask. mufi dotier: die begriffe dotier und tnuskel begegnen sich auch
im lat. torulus, U. tuorlo. Welcher spräche aber dieser stamm eigentlich
angehöre, bleibt ungewiß. Eine ableitung daraus ist sp. muüeca handr
wurzel, faust, puppe, in letzterer bed. auch mufieco; romagn. mugnac IdoU.
Mur altsp. altpg. (m.), churw. mieur (f.) maus. Das wort konnte
sich neben murus (mauer) nicht behaupten und mußte mit andern, teie
sorex, talpa, vertauscht werden. Eine abl. mit gl. bed. ist pr. murena
(vielleicht mureca zu lesen), in der neuen spräche murga, welches aus
mus entstand wie auca attfavis (s. oca), daher pg. murganho, sp.mus-
gafio junge maus; eine andere sp. murecillo muskel, worin sich also die
bekannte auffassung dieses Organs als maus oder mäuschen wiederholt,
die sich auch im mütelgr. novrixog (abgekürzt aus (tivg novrixog) deutlich
ausspricht.
Musaico it., sp.pg. mosaico, pr. mozaic, fr. mosaYque musivarbeit;
entstellt aus musivum sc. opus bei Spartian, museum bei andern, aus gr.
(Lwtoeiov, musenwerk. Für musivum findet sich zuerst pr. musec, schon
GRoss.: lo palaitz . . totz fo penhs a muzec 1032; peiros . . figuratz
a musec d'aur resplanden 1635, altfr. musike Parton. I, 30 (s. LB.),
wobei man wohl an Musa und musica dachte. Später, wenigstens seit
anfang des 14. jh., kam das etwas nach gelehrter Umbildung schmeckende
musaico, endlich, indem man die Muse verließ, mosaico auf.
Musarafia sp., pg. neupr. gleichlautend, fr. musaragne (museraigne
Rabelais), norm, mesirette, wcdlon. miserette, chw. misiroign, comask.
mus-de-ragn Spitzmaus; von mus araneus.
Mus co, muschio it., sp. musco, pr. musc, fr. musc, lat. muscus
erst bei Hieronymus, später auch moscus, moschus bisam; aus dem pers.
muschk, arab. al-misk Freyt. IV, 179*, woher das üblichere sp. almiz-
c 1 e , pg. almiscar, cot. almesc.
Muso it. altsp., pr. mus und mursel, fr. museau maul, schnauze
(daher engl, muzzle, gael. muiseal maidkorb); vb. it. musare, altsp. pr.
musar, fr. muser, engl, muse gaffen, brüten, harren, seine zeit verlieren;
pr. ältfr. musa, muse vergebliches harren; pr. musart gaff er, thor (ofl
neben M), nfr. musard; zsgs.fr. am u 8 er hinhalten, unterhalten. Ferrari
sieht in musare das lat. mussare, allein die buchstaben stimmen nicht.
Stalder erwähnt ein Schweiz, mause schnauze, aber als muthmaßliche nach-
bildung des it. muso. Auch ndl. muizen kann in der bed. nachsinnen
aus muser herrühren (vgl. wegen des vocals luister aus lustre); ebenso
hat die Schweiz, mundart ein vb. musen, sbst. mus schwermuth. Liefen-
back, Goth. wb. II, 89, wagt es mit dem ältfries. mfith (engl, mouth) in
Verbindung zu bringen. Bei musare und musa ließe sich auch das ahd.
muozön unthätig sein, muoza unthätigkeit, muße geltend machen; aber
das roman. verbum konnte sehr wohl aus muso hervorgehn, wenn man
sich als grundbedeutung denkt (ein maul machen, mit offenem maul da-
stehn, vgl. unser maulaffe und oben badare. Das etymon liegt näher,
als man glaubt. Lat. morsus gebiß (das womit gebissen wird) verwan-
I. MUSSOLO— NEGARE. 221
ddte sich durch einen ziemlich üblichen autfall des r vor s in mösus,
langes o aber wird leicht zu u, und so entstand muso aus morsus wie
giu8o aus deorsum deösum. Das andenken an r erhielt sich noch im pr.
inorsel, worin dieser buchstabe durch seine Stellung in unbetonter silbe
geschützt ward, während der vocal sich nach dem primitiv mus richtete;
so wie im bret. uiorsäel, worin eine altfr. form fortlebt.
Mus solo, mussolino it., sp. muselina, fr. mousseline nesseltuch;
von Mosul, arab. Maugtl, stadt in Mesopotamien, wo es zuerst verfer-
tigt ward.
N.
N4cchera» gnacchera it., sp. näcara, fr. nacre, altfr. nacaire,
masc. sp. nacar, it. n&ccaro perlcnmuschel, muschelschdte, it. altfr. auch
klapper, pauke, pr. necari; orientalischer hcrkunft, bei den Kurden na-
kära. 8. darüber Ducange zu Joinville und zumal Pott in Höfers Ztschr.
II, 354.
Nasturzio it. u. s. w. gartenkresse, lat. nasturtium, bemerkenswert
wegen vielfacher entstellung: ven. nastruzzo, fr. nasitort, neupr. nastoun,
mit vertauschtem anlaut sp. mastuerzo, pg. niastru^o, sie. mastrozzu, sard.
martuzzn, piem. bistorce (cc palatal). Lat. nasturtium soll s. v. a. nasi-
tortium bedeuten, a naso torquendo, das fr. nasitort wäre also eine er-
Jdärung desselben. Ihm entspricht das cat. morritort, denn morro ist
schnauze. Andre namen der kresse sind it. crescione u. s. w., s. oben,
sp. berro II. b., sard. ascione.
N&tica it., sp. nalga, pr. nagga Elucid., altfr. nache, nage Bert,
p. 96 hinterbacken, ndat. natica; abgeleitet aus natis wie cutica aus cutis,
pr. auca aus avis, s. oca.
Naverare it. in innaverare z. b. PPS. II, 113, pr. cat. nafrar,
fr. navrer durchbohren, verwunden, wohl auch sard. nafrar beflecken; sbst.
pr. nafra, norm, nafre wunde, sard. nafra fleck; vom ahd. nabagSr, nhd.
näber, ndl. neviger, neffiger, nord. nafar bohrer. Vielleicht ist das pg.
escalavrar leicht verwunden damit zusammengesetzt.
Navilio, naviglio, navile it., pr. navili, altfr. navile (navilie Hol.)
flotte, schiff, nfr. nur .navire (vgl. concire aus concilium Ben. u. a.,
Basire aus Basilius Rapp. au min. p. 178), in den Livr. d. rois navirie
fem. Wie der Lateiner aus civis civilis, so leitete der Italiener aus navis
das adj. navile und hieraus allerdings unüblicher weise navilio.
Negare venez. (rnail gen. negä), pr. negar, fr. noyer, chw. nagar
ertränken; von necare in eingeschränktem sinne, m?a£. necare, negare mit
derselben bed. in der L. Burg, und Alam. Die formen der andern spra-
chen sind it. annegare, sp. pg. anegar, nicht aus ad-necare, sondern
aus enecare, von Gregor v. Tours 4. 30 für ertränken gebraucJd, wal.
inneca.
222 I. NEGROMANTE-NIDO.
Negromante, nigromante . it., sp. pg. nigromante, wald. nigro-
mant, pr. nigromanciä, fr. negromancien todtenbeschwörer ; it. negroman-
zfa, sp. nigromancfa, altfr. nigremance und ingremance Alx. 7, 9, Bari.
211 todtenbeschwörung; von v&tQo/navng, vexQOfiavveia. Negro passt mit
dem buchstaben allerdings zu vexQog, da k leicht zu g wird, aber die
Hinneigung zu nigro zeigt, daß man das lat. niger darin fühlte (wohin
es auch Raynouard stellt), indem man sich darunter einen mit schwarzen
dingen verkehrenden dachte, was deutlich aus dem span. magia negra,
synonym von nigromanoia, hervorgeht. Ein lat. deutsches glossar schreibt
darum negromantia 'swartzekonst' Dief. Gloss. lat. germ. 377b; die zauber-
bücher hießen schwarze bücher. S. z. b. Frommann zu Herbort v. 552.
Nöspola it., sp. pg. nespera, cot. nespla, altfr. pic. neple Voc.
duac., neufr. n&fle (fotap) eine frucht, mispel; it. nespolo, sp. nispero,
cot. nespler, pg. nespereira, fr. neflier mispelbaum ; von mespilus, mes-
pilum mit getneinrom. Übergange des m in h, der auch im ahd. nespil
vorliegt. Formen mit m sind altsp. mespero, bask. mizpira, wdUon. mess,
in Eheims mele.
Neßßuno it., in älterer form nissuno, pr. neisun, altfr. nesun, nisun
pronomen für lat. nuUus. Es ward sonst wohl durch nescio unum erklärt,
näher aber liegt ne ipse unus, so daß es heißt 'auch nicht einer.
Netto it., sp. neto, pg. nedeo, pr. fr. net rein, hell u. dgl.; von
nitidus.
Nevula, neula sie, letzteres auch sard. prov. cot. ein backwerk,
hippe, fr. (henneg.) nieule oblate; von nebula, das im latein. zuweilen
einen dünnen stoff oder dünnes blech bedeutete, für ein dünnes backwerk
häufig im ndatein vorkommt, z. b. ab hominibus romanae linguae nebulae,
a nostratibus appellantur oblatae, sagt Bern. Cluniac. (11. jh.); ein weit
älteres Zeugnis s. Altromanische glossare p. 28.
Nicchio muschel; von myfHus, mitnlus eßbare wuschet, wie secchia
von situla, vecchio von vetulus; wegen des anlautes vgl. nespola aus
mespilum.* So mit recht Ferrari, wogegen Bolza es aus dem dtschen
Schnecke leitet. Nach der 1. decl. bildete man daraus nicchia muschel-
artige Vertiefung in der mauer, daher fr. niche (f.), und aus diesem
sp. pg. nicho, nhd. irische. Auch das vb. rannicchiare zusammenziehen,
sich einkrümmen (wie die muschel), gehört hieher. Das span. wort ist
almeja, das port. ameijoa: trennt man davon den ardbischen artikel, so
stimmt es gleichfalls zu mitnlus. Das fr. moule (f.) dagegen schwebt un-
entschieden zwischen mytilus und musculus, aus letzterem ist occit. musele,
cat. musclo, ahd. muscla, nhd. muschel, ags. muscel.
Nido it. sp., fr. nid, pr. niu, nieu, trient. nif, chw. ignieu nest,
von nidus; it. nidio, von nidulus nid'lus {vgl. cingulus cinghio); pg*
ninho für nidinho diminutivform. Adj. it. nidiace aus dem neste ge-
nommen (von vögeln, besonders raubvögdn), daher unerfahren, einfältig,
albern, von nidio und dem suffix ace (lat. ax), entsprechend dem gleich-
falls neugeschaffenen adj. ramace, s. unten ramingo. Damit identisch ist
I. NIELLO-NINNO. 223
fr. niais, fem. niaise, nickt aber pr. niaic, nizaic, dessen feminin niaica
oder niaca sein würde und welches wie ibriac, ibriaic zum suffix ac ge-
hört. Und wieder anders zu beurtheilen ist sp. niego sc. halcon nest-
faike, für nidego, pg. ninhego, welches das suffix eg (Rom. gramm. II,
307) an sieh trägt.
Nie Hb it., sp. pr. niel, altfr. neel schwärzliche Zeichnung auf gold
oder silber, nüat. nigellam; vb. it. niellare, sp.pr. nielar, altfr. noeler,
ndat. nigellare; vom lat. dimin. nigellns. Derselben herkunft ist it. ni-
gella, sp. negniüa, fr. nielle schwarzer mehlthau im körne, franz. und
span. auch Schwarzkümmel, mhd. nigel.
Niente it., pr. neien, nien, fr. näant negation für lat. nihil; von
eng entis wesen, ding, mit vorgefugtem ne oder nee. Das lat. von den
phüosophen gebrauchte wort muß aber doch wohl volksüblich gewesen sein.
Zwar denkt Ferrari an ne hetta (s. ette II. a.), aber it. chente, das
seiner bedeuiung nach nur mit ente, nicht mit hetta zusammengesetzt sein
kann, entscheidet dagegen. Zsgs. fr. nöanmoins, it. niente dimeno
mhüommus. Im Guül. d'Angl. wird nient einsilbig gebraucht, noient
zweisilbig.
Niffa, niffo, niffolo it. (flor.), chw. gniff rüssd, pr. nefa dicker
(heil des Schnabels der raubvögel ; deutsches wort, ags. engl. ndl. neb, ndd.
nibbe, nif, altn. nebbi, nef Schnabel, nase. Daher limous. nif 14, pic.
nifler, fr. renifler schnüffeln, henneg. niflete Schnüffler, limous. niflo nasen-
hch, vgl. Schweiz, niffen die nase rümpfen, bair. niffeln durch die nase
reden. Mit u piem. nufife = 8-nttffeln.
Ninno, ninna it. (ersteres mundartlich), sp. nino, nina kindchen.
Es bedeutet zuerst ein wiegenkind und scheint entstanden aus der formet
ninna-nanna (auch im port. üblich), womit man die kinder einwiegt, vb.
it. ninnare einwiegen, neupr. nind einschlafen. Auf das ablautende
nanna bezieht sieh lomb. nana kind, auch bettchen (flor. andare a nanna
schlafen gehn), sp. ebenso nana (hacer la nana schlafen), watlon. naner
einschlummern u. dgl.; andre vocaie kamen zur geltung im cot. nen, nena
kindchen, im venez. nena amme, im henneg. nenen dass., im limous. naina
wiege. Woher nun jenes schlaf bringende ninna-nanna, worin man das
schaukeln der wiege zu hören glaubt? Weder nidus nest, bettchen (lomb.
nin), noch nanus, noch min (s. oben mina) läßt sich darin erkennen; nur
ein auf nn oder mn ausgehender stamm würde grammatisch genügen.
Aber kinder- und ammenwörter können leicht in hohes alterthum hinauf-
steigen und aus verlorenen wurzeln herrühren; hierzu mag aus Hesychius
yvmov Wiegenlied angeführt werden. Ninna-nanna ist eine der häufigen,
gewöhnlich über den gränzen der etymologie liegenden ablautformeln wie
das lomb. güma-gianna name eines kinderspids, oder litta-latta Schaukel ;
nur hat es weitere Verbreitung gefunden als die meisten andern. — Wie
gr. 7u><w und lat. pnpilla madchen und augenstern (spiegelbildchen im
äuge) heißen, so sp. nifia, cot. pr. nina ; so aber auch pg. menina, ven.
putina, romagn. bamben (fand, nicht bloß mädchen), sie. vavaredda (von
224 L NIUNO— NONNO.
vava, s. bava), pic. papare, dlban. bebeze. Der Frovenzale sagt für pu-
püle auch anha lammchen.
Niuno it., sp. mit eingeschobenem n ninguno, pg. nenhum, pr.
negun, nengun, neun, wal. nici im, pronomen, zsgs. aus nee unus, im
wal. neque. unus. Andre formen sind altit. neuno, altsp. nenguno, altpg.
neun, niun D. Din., cot. ningü, chw. nagin, com. negun, irigan. Dazu
auch cdtfr. nun *. b. nnns ne me tent, nuns ne me baille Ruteb. I, 3,
noch in Champagne nnne part = nulle part; von ne unus.
Nocchiere it., sp. nauclero, alt naoehero, nauchel, pr. naucler,
nauchier, fr. nocher Steuermann, fährmann; von nauclerus (vovxXijqos)
schiffsherr 9 nur bei Plautus.
Noja it., sp. enojo, pg. nojo, pr. enuei, fr. ennui Verdruß; vb. it.
nojare ff. verdrießlich machen. Dieses wichtige wort hat lange aller
forschung trotz geboten, denn die üblichen erklärungen aus noxa, noxia,
nausea vertragen sich schlecht mit den lautregeln, und was das von Fau-
riel vorgebrachte bask. enoch betrifft (Ampere, Form. d. 1. 1. fr. 2. Sd. p. 320),
so sieht es aus wie ein der span. spräche entnommenes. Es entstand viel-
mehr, wie schon Cabrera bemerkt, aus odium, aber nicht durch Zusammen-
setzung mit dem adv. in, sondern aus der auch den roman. mundarten
wohlbekannten phrase est mihi in odio : aus in odio ward gapz regelrecht
it. noja mit abgefaUnem i (besser cdtit. masc. nojo PPS. II, 90), sp. enojo,
alt enoyo, pr. enuei, enoi, wie it. bajo, sp. bayo, pr. bai aus badiuß
wurden. Der Provenzale z. b. muß anfangs gesagt haben amors m1 es
en oi = lat. amor mihi est in odio, später, en ois als nomen gefaßt,
amors m'es enois. Am deutlichsten tritt des Wortes Ursprung in der alt-
mail. mundart hervor: z. b. plu te sont a inodio = *l.~piü ti sono a
noja Bonves. p. 324, v. 92 ; a to inodio = a tua noja v. 413. Dazu
nehme man das altital. verbum inodiare nebst dem aetfectiv nodioso =
nojoso Trucch. I, 48. Altfranz, construierte man enuier noch mit dem
dativ der person, z. b. LRs. 367 ieest afaire al rei ennuiad, was auf
den Ursprung des Wortes zurückzudeuten scheint. Ein sehr altes Zeugnis
für dieses verbum ist anoget 'taedef Gl. augiens. (Altrom. glossarc p. öl),
wie für ennuyeux anoediosus 'taediosus' Gl. paris. ed. Hild. p. 12, in
andern glossaren anediosus, anodiosus.
Nolo, naulo it., daher noleggio, fr. nolis, altsp. nolit f rocht, be-
sonders eines Schiffes, noleggiare, noliser ein schiff miethen; von nauluin
(yavXov) fährgdd.
Nona it. sp., fr. none in den Möstern die neunte stunde des tages,
also, wenn fft&n den Sonnenaufgang um sechs uhr annimmt, drei ultr
nachmittags. Altfr. nahm man es auch im sinne einer wdtgegend (Süd-
west?) : une riviere Tavirone deverz midi e devers none Bou II, p. 29.
Nonno it. großvater, nonna großmutter, pr. nona, fr. nonne, non-
nain klosterfrau, nonne, lothr. nonnon, neupr. nounnoun ohekn; von dem
in das spätere latein eingeführten nonnus, nonna, einem ausdrucke der
ehrfurcht, bei Uieronymus und auf inschriften (OreUi n. 2815). Die franz.
I. NOTARE— OBBLIO. 225
form nonnain begreift sich als eine accusativische von nonnam wie putain
von putam, der mlat. plur. nonnanes in einem capittdar v. 789 (de mo-
nasteriis minutis, ubi nonnanes sine regula sedent) hängt damit zusam-
men. Hieher auch sp. nono steinalt.
Notare it., altfr. noer, chw. nudar, wal. innotä schwimmen; erklärt
sich, da es auch im walach. (und alban. not) vorhanden ist, nur aus
einer uralten volksmäßigen vergröberung des kurzen a (lat. nätare) in
kurzes o, daher die ital. diphthongierung im präs. nuoto. Prov. und span.
blieb nadar.
Nuca it. sp. pg. pr., nuque fr. nacken, genick. Cervix ist zwar
überall vorhanden (it. cervice, wal. cerbice, sp. pr. altfr. cerviz), aber
nictd überall volksüblich geblieben. An seiner statt haben sich in den ein-
zelnen sprachen mancherlei ausdrücke eingefunden, wie it. collottola, cot-
tnla, sp. cogote, pescuezo, pestorejo, tozuelo, cat. bescoll, clatell, papada,
pr. nozador, neupr. coutet, galet, fr. chignon, alt haterel, chanole, chaon,
in Berry cacouet, wallon. hanett, chw. tattonna, wal. ceafij, gijt u. dgl.,
aber nur ein gemeinromanisches bloß dem Walachen abgehendes, nuca.
Man hat seinethalb auf das arab. nucha rücken- oder nackenmark (noch-
ton 661. 2333) verwiesen, einen anatomischen ausdruck, der sich schwer-
lich auf roman. gebiete so einbürgern konnte. Sollte das wort aus nux
nucis herrühren? Der Sicilianer nennt den nacken in der that nuci di
In coddu noce del collo, hcdswirbd, zum unterschiede von noce del piede,
knöchel am fuße, gr. doxQayalog begreift beide bedeutungen; allein das
kurze u stimmt nicht, denn das scheinbar parallele duca aus dux 'dücis
ist ein eigenihümliciier fall (s. oben)j doch wäre es immerhin möglich,
daß grade dieser fall zur form nuca als einer scheideform von noce (nuß)
verfuhrt hatte. Ähnliches klanges bei gleicher bedeutung ist das mhd.
nüwe Wb. II, 387. 427; aber inlautendes deutsches w tritt kaum als g,
nimmer als c auf, nur ein ahd. nuha wäre befriedigend. Kilian ver-
zeichnet ein ndl. nocke = engl, nock kerbe an der armbrust, eigentlich
das eingekerbte Stückchen knochen, welches die gespannte sehne anfüllt;
man konnte dieses wort für hdlswirbel gebrauchen (die bed. rückgrat legt
Hirn Kilian bA), aber es hat mehr gemein mit it. nocca knöchel (lotnb.
gnucca genick, it. dinoccolare enthaupten) eis mit nuca. Nqx also hat
unter den angeführten fällen die größere Wahrscheinlichkeit für sich.
Nuora it., sp.imera, pg. pr. nora, altfr. nore, wal. nore Schwieger-
tochter; von nurus mit einer dem natürlichen geschlecht angepaßten endung:
nnrus non nura App. ad Prob., mlat. nora Breq. p. 362c .
o.
0, od it., sp. o, ü, pg. on, pr. o, oz, fr. ou, wal. au, conjunetion,
wn aut Zsgs. it. ovvero, von aut verum.
Obblio, obblfa it. Vergessenheit, von oblivium, pl. oblivia; vb.
15
226 I. OBSEQUIAS-ONDE.
obbliare vergessen, von dem rom. Substantiv, vgl. disiare von disio =
dissidium. Dagegen pr. oblit, oblida, fr. oubli, sp. umgestellt olviio;
vb. oblidar, oublier, olvidar vom part. oblitus. Die der ital. lautregel
widersprechende syneope des t in oblitus nöthigt zu dieser trennung der
Wörter.
Obsequias sp. pr., obs&ques fr. leichehbegängnis; von obsequiae
für exsequiae, schon bei Petrus Chrysologus (\ 449), auch auf inschrif-
ten, s. Ducange.
Oca it. sp. pg., oie fr., ursprünglicher sp. pr. chw. auca gans, so
auch mlat. L. Alam. (accipiter, qui ancam mordet cet.), Form. Marc.
Es ist zusammengezogen aus avica, das von avis abgeleitet ward wie nätica
von natis u. s. w. Born, gramm. II, 308. Im sinne dieser etytnologk
übersetzt ein tat. gr. glossar auca mit 7tr^vov (mipov) vogel. So nannte
man die gans eis das nutzbarste hausthier dieser classe, wie man das
rind schlechtweg animal (s. aumaille II c) nannte. Dimin. fr. oison
(wie clergon von clerc), in den Cass. glossen auciun. Im alt- und neuprov.
kommt auch das tnasc. auc gänserich vor, ebenso im veron. oco, im cremen.
ooeh, so mlat. avecus, avicus; eine andre gleichbed. lirnous. bädung ist
ooutzar, dem ein fr. oisard entsprechen würde.
Oggi it., chw. oz, sp. hoy, pg. hoje, pr. huei, atifr. hui, adverbium,
von hodie. Zsgs. it. oggimai, omai, 1-etzteres für oimai (vgl. oi in der
zss. ancoi), nicht für ormai, da ausfäll des r schwierig ist, pr. hueimais;
it. oggidi, aus hodie die, so daß dies zweimal darin enthalten ist, sp.
hoy dia, fr. aujourd'hui; altit. ancoi ff., $. anche.
Ola sp. cot., fr. houle (f., h asp.) woge; scheint ceUisch, kymr.
hoewal (m.) bewegung des wassers, bret. houl (m.) woge, vb. houlenna.
Von houle ist attfr. watton. holer sich hin und herbewegen.
Oleandro it., sp. oleandro, eloendro, pg. eloendro, loendro, fr.
olöandre lorbeerrose. Zu Isidors zeit lorandrum, dem die zweite port.
form zunächst steht: rhododendrum, quod corrupte vulgo lorandrum vo-
catur, also wohl aus rhododendrum mit anlehnung an laurus entstellt
und weiter entstellt durch abwerfung des 1, worin man den artikd fühlen
mochte.
Olore it., sp. pr. clor, altfr. olour duft, geruch; vom gleichbed.
olor, bei Varro L. L. und Apulejus.
Ombelico, bellico, bilico it., wal. buric, sp. ombligo, pg. umbigo,
embigo, pr. ombelic, umbrilh, fr. nombril nobel; von umbilicus. Umbrilh
und nombril (letzteres reimend auf pöril) entstanden aus umbiliculus, im
Vocab. S. Galli umpiculo; das franz. wort hat überdies ein vorgesetztes
n, das durch dissimüation für ein artikelhaftes 1 eingetreten sein mag,
nombril aus lombril, denn auch der Catalane sagt llombrfgol. Die stärkste
(Abweichung von dem urworte zeigt eine zweite cot. form melic. Nabel
war den Alten s. v. a. mittelpunct: hierauf gründet sich das ital. vb. bi-
licare ins gleichgewicht bringen, figürl. überlegen.
Onde it., altsp. ond, pg. onde, pr. ont, on, wal. unde, orts-
I. ONIRE— ORBO. 227
adverbium; von unde. Zsgs. it. sp. pg. donde, pr. don, fr. dont; von
de nnde.
Onire it., pr. aunir, aft/i\ honnir (h asp.) beschimpfen; vom goth.
haunjan, ahd. hönjan, nhd. höhnen. Sbst. it. onta, so auch altcctf. Chr.
d'Escl. 590*, pr. anta (für aunta), selten onta, fr. honte (h asp.), auch
äUsp. fonta PC-, vom goth. haunitha, ahd. hönida, alts. hönda schmach;
daher vb. it. ontare, ältsp. a-fontar (aontar Canc. deB.) pr. antar, altfr.
ahonter, hontoier; über sp. f = fr. h s. Born, gramm. I, 320.
Ora it. ff., lat. hora, bemerkenswert wegen der Verbindung bona
hora, mala hora zur guten oder bösen stunde, zum glück oder unglück,
schon irn ersten mlatein: omnes mala hora dixerunt, quod a quibusdam
pro auspicio susceptum est Greg. Tur. 6, 45; tarn mala hora te vidernnt
oculi mei Gest. reg. Fr. cap. 35. So it. in buon' ora, in mal1 ora, sp.
en bnena hora, en hora buena zsgz. norabuena und so noramala, pr.
en bon' hora Chx. IV, 420, aitfr. en bone heure und bone heure Brand,
p. 141. Endlich genügte bloßes bona und mala, zuweilen mit ein-
mischung von r aus hora: it. mal zum unglück Inf. 9, 54, Burg. 4, 72,
Par. 16, 140 (mala in maladire für maledire), sp. en buena Bc. Mill.
481, mala Mil. 419, cdtpg. bora (npg. embora), pr. bona Bth. 253, Arn.
Vid., mala Jfr. 64*. 114h, mal GÄlb. 6406, altfr. bone Ben. I, v. 2858,
bor schon Alxs. str. 90, auch buer, entsprechend mar. — Wie sich hora
und aagurium berühren, lehrt die redensart en bona ora (ä la bonne
henre) Jfr. 135k = en bon atir 172h. 8. Born, gramm. II, 461, Alt-
rom, sprachdenhm. p. 71.
Ora it., sp. pg. hora, alt oras, pr. ora, oras, or, altfr. ore, ores,
or, nfr. or, zeitpartikel für lat. nunc, von hora zur stunde, im franz. auch
formell vom sbst. henre geschieden. Der Provenaale kennt überdies die
form ara, aras, ar, geschwächt in era, eras, er, (chw. era, er für ancora),
noch jetzt aro, cot. ara, bei deren entstehung vielleicht nur der zufall
waltete. Dasselbe wort in der bedeutung des chw. er ist das von S. Bosa
für ein Personalpronomen gehaltene altpg. oder gallic. er, ar, z. b. deus
sabe mui ben ... er sabe mui ben auch weiß er sehr wohl D. Din.
p. 7; nunca ar ouv' eu pesar noch nie hatte ich Kummer p. 33, vgl.p. 7
note. Noch häufig bei G. Vicente. Daher auch das gleichbed. bask. ere?
Zss. sind unter andern: sp. ahora, pr. aoras, adoras, altfr. ä ore Life.;
it. a ora, von ad horam; fr. alors, it. allora, von ad illam horam; fr.
lors von illa hora; altsp. pg. agora von hac hora; it. ancora, altsp.
encara, pr. encara, enquera, fr. encore, von hanc horam bis diese stunde ;
altfr. unqnore (uncore) von unquam hora; altsp. esora von ipsa hora;
pr. quora, qnor, chw. cura, cur für lat. quando, aus que ora zsgz.
Über ein altfr. cor s. Born, gramm. III, 214 note.
Orbo it., pr. orb und dorp, cdtcat. altfr. weil, orb blind, eine be-
deutung, die das lat. orbus erst spät entwickelt hat, die aber Isidorus als
die ursprüngliche hinstellt: orbus, quod liberos non habet quasi oculis
amissiB. In derselben braucht es Apulejus, Met. Oudend. p. 336 en orba
228 • I. ORCO-ORLO.
Fortuna! so wie die Fragm. vatt. §. 130. Im altern sinne bemerkt Cheru-
bim aus dem mailandischen on tett orb de lacc eine zitze, die keine
müch gibt
Orco it., neap. huorco, altsp. huergo, uerco Rz. 390. 802, nsp.
ogro, fr. ogre, ags. orc höllischer dämon, menschenfressender popanz ; vom
lat. Orcus als gottheit geduckt. S. Grimm, Mythol. 454. Adj. sp. huerco
traurig.
Orda it., fr. horde (h asp.) herumstreifender häufe Tataren; nhd.
horde, alban. hordi, russ. orda u. s. f., ein aus Asien stammendes wort.
Ordo it., ort pr., ord altfr. pic. häßlich, schmutzig; daher pr. or-
deiar, altfr. ordoier beschmutzen; sbst. it. pr. ordura, fr. ordore
schmutz. Daß ort (fem. orda) von horpdus ist, beweist eine zweite prov.
dem etymon besser angepasste form orre, fem. orreza (d. i. orreda), mü
derselben bedetäung, daher das vb. orrezar s. v. a. ordeiar.
Orecchia, orecchio it., wal. ureache, ureche (f.), sp. oreja, pg.
pr. orelha, fr. oreille ohr; von auricula Ohrläppchen, schon von den Alten
für ohr gebraucht (garrire in auriculara Martial), von einem grammatiker
aber verworfen: auris non oricla App. ad Probum.
Organo it. sp., pg. orgäo, cot. orga (f.), pr. orgues (pl.)} fr.
orgue (m.), orgues (pl. f.), wal. orgdn (m.), ahd. Organa und orgela,
nhd. orgel, mndl. orghel; von Organum (oQyavov) Werkzeug, besonders
tonwerkzeug, wasserorgd.
Orgoglio it., alt argoglio, mit versetztem r rigoglio, sp. orgullo,
alt arguyo, ergull, pr. orgolh, erguelh, altcat. argull RMunt. 143", neu-
cat. orgull, wdld. zrgolh Hahn 577, fr. orgueil stolz, übermuth; vom ahd.
urguolf, zu folgern aus urguol insignis Graff IV, 153. Im altsp. adj.
urgulloso PC. 1947 hat sich sogar die ahd. partikd ur buchstäblich er-
halten. Früher ließ man es aus gr. OQyikog (jähzornig) entspringen mit
rücksicht auf die form des altfr. orguilleus, worin aber i eine durch fort-
rückung des accentes hervorgebrachte Schwächung des ursprünglichen vocales
ist. S. auch Grimm II, 789, Diefenbach, Goth. wb. II, 382.
Oricalco it., sp. auricalco, fr. archal messing; von aurichalcum,
orichalcum, aus dem gr. oQsixcclxog, d. i. bergerz, die erste der lat. formen
vermittels aurum umgedeutet.
Oriuolo it., mail. reloeuri, sp. relox, pg. relogio, pr. relotge uhr;
von horologium, ahd. orlei. Dafür fr. montre, eigentl. zeiget.
Orlo it., sp. orla, orilla, altfr. orle z. b. SB. 562M rand; ditnin.
von ora, welches, woM zum unterschiede von hora und nicht etwa nach
dem gr. oqoq gränze, einige sprachen als mascülin behanddn: sard. ora,
lomb. oeur (ör), pr. or Bth. 204, altfr. or Gormond v. 69, ur LRs. 254,
churw. gleichfalls ur (kymr. ör fem.). Vb. it. orlare, sp. orlar, fr.
ourler einfassen. Hin anderer ausdruck für rand, ufer ist pr. vora GO.,
cat. bora, vol. vora (vora el riu am rande des Flusses JFebr. 162), wohl
auch altfr. vore Roq. suppl., worin ein vorgesetztes oder eigentlich einge-
schobenes v angenommen werden darf; d. h. la vora steht zur Vermeidung
I. ORMA-OSTE. 229
des hiatus für la ora, indem man sich wegen des gleichlautenden Tora
(stunde) der anlehnung des artikels enthielt: ähnlich sagt der Gatalane
llavore = sp. & la hora, fr. lors.
Orma it., urme wal. spur auf dem boden; vb. ormare die spur
verfolgen, wal. urmä folgen. Orma scheint = sp. husma geruch d. h.
spur, daher hnsmar auswittern, altfr. osmer Parton. I, 32, Ren. I,
216, lomb. ven. usma, usmare; vom gr. dafxij geruch, oofiaod-ai riechen,
spüren, wal. in ders. bed. ulmä. Der übertritt des s in r ist zwar sonst
im ital. nicht üblich, aber ebenso unüblich ist, wenn man orma von forma
leitet, der Wegfall des anlautenden f, vgl. übrigens oben ciurma. Ein
altes Zeugnis für das wort gewähren die Erfurter glossen, 355, 19 : osma
lsuicae (ags. sväc geruch).
Orpello it., sp. oropel, pr. aurpel, fr. oripeau flittergold; wörtlich
goldhaut, esgs. aus anrum und pellis.
Orza it. seil am linken ende der segelstange, linke seite des Schiffes,
pr. orsa (s'una milla va drech, quatorze vai a Porsa LR. IV, 233a),
fr. ourse seil an der segelstange des besanmastes (Trev.), sp. pg. orza
das sogenannte schwert eines fahrzeuges, womit das gleichgewiekt desselben
hergestellt toird, orza de avante ein ausdruck, die richtung des schiff es
nach der linken hand zu bezeichnen; vb. it. orzare, sp. orzar mit halbem
winde segeln. Span, orza bedeutet auch ein gefäß (entweder von urceus
oder von orca, adjectivisch orcea) und in der (hat war ein solches, eine
tonne, eben so geeignet, das gleichgewicht des Schiffes zu unterstützen, wie
ein brett (das schwert), aber worauf soll die beziehung der orza zum
linken schiff sbor de beruhen? Des Wortes eigentlicher begriff muß sein cdie
linke seite und so ist es deutschen Ursprunges: mndl. lurts, mhd. bair.
lorz link; it. orza ist also aus l'orza, das anlautende deutsche 1 als ar-
tikel gefaßt, entstanden und so ins span. übergegangen. Daß das fr. s
aber einem ursprünglichen z entspricht, dafür bürgt die picard. form
orche, welche Monnard, Chrest. frang., verzeichnet
Orzo it., pr. ordi, fr. orge gerste; sp. orzuelo gerstenkorn ; von
hordeum.
Ostaggio it., sp. hostaje, pr. ostatge, fr. 6tage bürge, geisel;
im späteren mlatein hostagium, hostaticum, it. statico; zsgz. aus ob-
sidaticum (osdatcum) vom ächtlat. obsidatus bürgschaß durch geisel,
dies von obses. S. darüber Vossius, Vit. serm. 3, 14, und Grimm, Rechts-
alt. p. 62Q.
Oste it. (bei dichtem), sp. hueste, pg. hoste, pr. altfr. ost, wal.
oaste heer, pic. ost («pr. o) herde; abgel. wal. osta§ soldat; vb. it. osteg-
giare, pr. osteiar zu felde liegen, bekriegen. Schon im ältesten mlatein
bedeutet hostis heer (hosten» collectum habet Greg. M.) oder hiegsdienst ;
der begriff könnte sich aus der üblichen redensart ire in hostem gegen
den feind d. i. zum hecre gehen, entfaltet haben. Seltsam ist die Verände-
rung des genus: nüat. meist fem., ital. masc. und fem., sp. pg. wal. fem., altfr.
fem*, selten masc. (li ost Ufo 156; tut l1 ost 200). — Exercitus erhielt sich
230 I. OSTE— OVE.
in voller anwendung nur im Südwesten, im ücd. ist es wenig üblich, im
nordwesten fast ein fremdwort.
Oste it., sp. huesped, pr. hoste, fr. höte, wal. oaspet wirth, dsgl.
gast; von hospes (eigentlich von hospit-) gastfreund (gast oder wirOi);
nimmer von hostis. Ab gel. it. ospitale, ospedale, spedale, mdarfl. spi-
tale (woher unser spital), sp. pr. hospital, fr. höpital anstatt zur unent-
geltlichen aufnähme armer, Jcranher und wanderet, im ältesten ndatein
z. b. bei Gregor v. T. hospitale, von hospitalis gastlich; zsgz. it. ostale,
sp. pr. hostal, fr. hötel, it. ostello (aus altfr. hostel) herber gc, prov. auch
wohnung, behausung.
Otriare it., sp. otorgar, pg. outorgar, pr. autorgar, autreyar, fr.
octroyer bewilligen; von auctoricare für auctorare bestätigen, bekräftigen.
Diesmal steht die neufr. form dem etymon naher als die altfr. otroier;
aber es war ein wort des canzleistils : die Volkssprachen hissen c fallen.
Daher sbst. otorgo, autorc, autrei, octroi bewiUigung.
Ottarda it., sp. avutarda, pg. abetarda, betarda, pr. austarda, fr.
outarde ein vogel, trappe. Vom lat. otis (cJrt'g) mit dem suffix ard ist
abzusehen, wie oft auch dies suffix thiernamen bestimmt. Flinius, IRst.
nat. 10, 22, entziffert uns die etymologie dieses wortes: proximae iis sunt,
quas Hispania aves tardas appellat Spanien aber hat sich hier offenbar
eine getnination erlaubt: avutarda kann nicht sein = au-tarda mit ein-
geschobenem v, denn solche Zerlegungen des diphthongs sind nicht üblich,
vielmehr ward dem schon vorhandenen u-tarda für o-tarda (vgl. urdir für
ordir) nochmals ave vorgesetzt wie in av-estruz. Das prov. wort ist eine
nominativform, aus von avis, daher wohl auch das champ. bistarde.
Ottone it., sp. laton, alaton, cot. üautö, fr. laitou messing, nord.
lätun; muthmaßlich vom rom. (it.) latta weißes blech, also eigentl. platte,
latte, vgl. sp. plata, das gleichfalls der bed. platte eines metalles entspricht.
Die ital. form wird ihr anlautendes 1 als misverstandnen artikd verloren
haben, mundarten aber, die piem. fnail. comask. venez., sagen loton.
Ovata it., fr. ouate, aus letzterem sp. hnata wülst zum futtern der
kleider. Es könnte eine ableitung sein aus dem lat. ovum/ei, eiförmiges
ding) vermittelst des Suffixes ata, das dem begriffe des primiüvs zuweilen
die Vorstellung einer ausbreitung im räume beifügt (it. lombo, lombata);
alsdann wäre ouate aus ovata entlehnt. Das wort ist auch den deutschen
sprachen bekannt, aber nicht den alten: nhd. ndl. watte, engl, wad (auch
pfropf, büschd, bündel Halliw.), schwed. vadd; sollte sich .gleichwohl
seine deutschheit rechtfertigen lassen, so ist von ovum abzusehn; aber
der herleitung aus ahd. wät ' vestimentum* widersetzt sich die bedeutung
entschieden.
Ove it., alt o, auch u, altsp. o, altpg. ou, pr. o, fr. oü, ortsadverb,
von ubi. Zsgs. it. dove, fr. d'oü; von de ubi. *
I. PABILO— PAESE. 231
P.
Pabilo sp., pg. pavfo, sard. pavilu, pr. pabil, chw. pavaigl, kymr.
pabwyr dockt; von pabulum nahrung (des feuers); ähnlich esca speise,
sunder. Maü. pabi futter.
Pacciare it. in impacciare, sp, pg. pr. empachar, fr. empecher
beunruhigen, behelligen, hindern; sbst. it. impaccio, sp.'pg. empacho,
pr. empach, chw. ampaig; dsgl. it. dispacciare, spacciare, sp. pg.
despacbar, fr. d^pecher losmachen, abfertigen, sbst. dispaccio, spaccio,
despacho, döpeche. Der herleitung aus impedicare verstricken (bei Am-
mianus) fügt sich bloß das fr. empScher, doch war der eigentliche aus-
druck dafür altfr. empegier = pr. empedegar. Muratori räth auf
pactio, davon impactiare = pacta inire sich auf händd einlassen, es
scheint aber mit pacisci gar nicht zusammenzuhängen. Lot. impingere
heißt einem etwas anhängen, womit behelligen, das frequentativ, bekannt-
lich ein sehr wichtiges bildungsmittel der neuen spräche, wäre impactare,
davon regelrecht sp.pr. empachar; eine erJdärung, die in denprov. neben-
formen empaitar und empaig (vgl. faita, feig von facta, factum) so wie
in der bed. impfen d. h. einstoßen (impingere) und in der des cat. em-
paitar verfolgen {wieder impingere) sichern anhält findet. Dis-pactare
von difl-pingere wäre das gegentheil von impingere, d. h. losmachen, wie
disjungere das gegentheil ist von injungere, discingere von incingere.
Franz. empecher ist entweder aus pr. empachar, empaichar oder gradezu
aus impactare wie flächir aus flectere, altfr. delecher aus delectare: erst
ein pic. empeker würde für impedicare zeugen. Die französischen Wörter
wären alsdann von den übrigen zu trennen. Das it. impacciare aber
muß in einer prit i bewirkten abl. impactiare seinen grund haben.
Pacco it., fr. paquet, sp. paqnete bündel, pack; wohl kein alt-
romanisches und eben so wenig ein altgermanisches wort, zunächst aus
dem ndl. pak oder engl, pack = gael. pac. S. oben baga. 'In den ro-
manischen, keltischen und deutschen sprachen stehen die stamme bag und
pak neben einander, sind aber vielleicht trotz den kreuzungen der bedeur
tung grundverschieden.3 So Diefenbach (Kuhns und Schleichers Beiträge
I, 262). Vgl auch dessen Goth. wb. I, 339. 343. 344, und Weigand
v. pack.
Padiglione it., sard. papaglioni, sp. pabellon, pr. pabalho, fr.
pavillon zeit, auch kymr. pabell, altir. pupall; von papilio in dieser be-
deutung bei Lampridius und späteren, s. Ducange; altfr. paveillon noch
in der bed. Schmetterling Fl. El. 2353. Wegen der itci. form s. Rom.
gramm. I, 189.
Paese it., sp. pg. paYs (aus dem franz.?), pr. paes, fr. pays (zwei-
sab.) land, gleichsam pagense von pagus; dsgl. dltsp. pages Bz., pr.
pages bauet, pagensis bei Gregor v. T., in der L. Long. u. s. w.; daher
ü. paesano, sp. pg. paisano landsmann, fr. paysan landmann.
232 I. PAGANO-PALIO.
Pagano it. sp., pg. pagao, pr. pagan, payan, fr. payen, weil, pegun,
auch böhm. pohan u. s. w., adj. heidnisch, sbst. heide; von paganus, also
eigentl. ländlich, bäurisch, und so hießen die bekenner des alten götter-
dienstes, weil er sich seit Constantin d. gr. auf das platte land hatte
flüchten müssen. Dasselbe was paganufe, bezeichnet unser heide, ahd.
heidan, goth. fem. haithnö (von haithi feld), vgl. Grimm, Myfh. p. 1198.
Pagare it., sp. pg. pagar, pr. pagar, payar, fr. payer besohlen,
befriedigen; sbst. it.sp.pg.pr. paga, fr. paie Zahlung, lohn; von pacare
zum frieden bringen, beruhigen, roman. mit dem accus, der person oder
sache: payer ses cr£anciers, payer les int6r§ts. Die ursprüngliche Bedeu-
tung läßt sich im 8. Leodegar str. 18 wahrnehmen, wo es heißt: cio li
preia paias (se) ab lni er bittet ihn sich mit ihm zu versöhnen, für welche
bedeutung sonst apagar gebraucht wird. Der walach. ausdruck ist pleti
= serb. platiti.
Paggio it., pagi neupr., page fr. edelknabe zum aufwarten, daher
sp. page; vom gr. naidiov knäbchen, kleiner diener, wie mhd. kint. Die
Byzantiner mögen dies wort, wie manches andre, nach Italien gebracht
haben, wenn es nicht durch die kreuzzüge herüberkam. In spätem tnittel-
latein pagius. Mit pag6s von pagensis (s. oben paese) ist es nicht zu ver-
wechseln. Die ungeschlachte herleitung aus paedagogium oder paedago-
gianus ist nicht der rede werth.
Paglia it., sp. paja, pg. pr. palha, fr. paille, wal. paie stroh; von
palea spreu. Daher pr. paillola lager; fr. paiUard unzüchtig, weil
die liederlichen dirnen, wie Caseneuve erklärt, ihr gewerbe auf dem stroh
ausübten; zsgs. pg. espalhar zerstreuen, verbreiten.
Palafreno it., sp. palafren, pr. palafrei, fr. palefroi zeiter; vom
hybriden para-veredus nebenpferd Cod. Justin., zsgs. aus uaQa und vere-
dus, mlat. parafredus L. Bajuv., daher auch unser pferd, ahd. pherit,
alts. pererd. Die form fireno in diesem worte (fr. palefrenier) beruht
wohl auf einer umdeutung, indem man an frenum dachte, vgl. Ubaldini
zu Barberino. Lehrreiche bemerktmgen über dieses wort bei Wackernagel^
Voc. opt. p. 7.
Palandra it., sp. pg. balandra, fr. baiandre kleines lastschiff zur
küsten-, fluß- und canalfahrt (Seckendorf); soll aus dem gleichbed. ndd.
binnenlander (der innerhalb des landes fährt) entstanden sein, s. Adelung,
der auch ein deutsches dem franz. entnommenes beiander (m.) anmerkt.
Spanu nennt das sard. belandra ein flandrisches schiff. Roquefort ver-
zeichnet als eine art schiffe palondrie, palondrin.
Pal an dran o it., sp. balandran, neupr. balandra, fr. balandran
ein weiter rock, reitrock, regenmantel.
Palio it. sp., pr. pali, altfr. pali, paile überMeid, teppich, baldachin;
von pallium, zunächst der hierzu verwandte baumwollen- oder Seidenstoff;
pallium a pellibus, unde fiebat, sed modo dicitur pallium quoddam
genus panni ex serico et quilibet mantellus Ugutio. Es ist das ahd.
phellol, mhd. pfellel, pfeller (palliolum). Wie der name eines kleides
L PALMIERE-PANTOFOLA. 233
zum namen des dazu gebrauchten Stoffes werden konnte, lehrt unter andern
ciclaton, s. oben.
Palmiere it., $p. palmero, cdtfr. paumier pilger, eigentlich ein zum
heü. grabe waltender, weil solche pilger palmenzweige mitbrachten: qui
de Hierosolymis veniunt, palmam in manibus ferunt in Signum, quod
Uli regi militarunt, qui Hierosolymis cum palmis honorifice receptus est
Durandus, s. Ducange; mkd. ein eilender man der truoc ein palm in
der hant Wb. II, 461.
Palpebra tat. augentied, im plur. auch wimper, vornehmlich wegen
seiner zum iheil durch den unbestimmten latcin. accent veranlagten roma-
nischen vielformiglceit beachtenswerte Ital. palpebra, palpäbro, venez.
palpiera, piem. parpeila, sard. pibirista, pg. palpebra, sp. palpebra und
parpado, pr. palpäbra, palp&a, p&lpet (f.), altfr. palpre IM. psalm. 10, 5,
neufr. paupiere, pic. paupiele, norm, paupille, churw. palp^ber, pal-
p&ler, tcaZ. pleöpe. Unter diesen muß pr. palpet durch einfluß von pal-
pitare entstanden sein, wofür man auf unser aus wimper abgeleitetes vb.
wimpern d. i. in einer zitternden bewegung sein (Adelung) verweisen
darf. Wal. pleop? läßt sich, da es wenigstens im slavischen nicht vor-
kommt, nur als eine starte entstellung des lat. wortes auffassen. Seltsam
sieht das sard. pibirista aus.
Pancia it., sp. panza, pancho, pr. pansa, fr. panse wanst; von
pantex panticiß, wei. pentece. Daher it. panciera, sp. pancera, altfr.
panchire, mhd. panzier, nhd. panzer, der iheil der rüstung, der den unter-
leib bedeckt.
P an dura, pandöra it., aitsp. pandurria, fr. pandore, entstellt sp.
bandurria, pg. bandurra, sp. auch bandöla, dsgl. it. mandöla, fr. man-
dole, mandore ein Saiteninstrument, zither; von pandura, pandurium, gr.
navdovQa.
Paniere it., altsp. panero, pr. fr. panier korb; von panarium
broücorb.
Pannocchia it., sp. panoja büschel an derhirse; von panucula für
panicula, bei Festus ed. Müller p. 220, wie auch Pott bemerkt in der
abhandl Flattlat. 316.
Pant&no it. sp. pg. sumpf, schlämm; mlat. pantanum begegnet in
einer Urkunde Karls d. gr. Marin, p. 106u . Menage meint vom hypothe-
tischen paludanum, was schwer zuzugeben ist. Stammt es vom gr. narog,
narr^a (koth) mit eingefügtem n wie im folgenden worte? Lombardisch
hat man das einfache palta {piem. pauta), abgel. paltan = pantano; es
könnte aus polta brei, von puls, abgeändert sein, denn auch poltiglia
heißt brei und schlämm, chw. pantan ist gleichbedeutend mit pultan.
. Pantöfota, pantufola it., ival. pantofl^, sp. pantuflo, fr. pantoufle
(f.) eine fußbekkidung, Halbschuh. Von zweifelhafter herkunft, sicher
nicht von der ungeschickten griech. Zusammensetzung 7tavt6-(peU.og ganz-
kork, wobei die Verarbeitung des korks zu pantoffelsohlen in anschlug kam.
Em compositum scheint es allerdings. Der erste theil desselben ist etwa
234 L PAPA— PAPPAGALLO.
das fr. patte fußsohle, denn es fehlt nicht an mundartlichen formen ohne
n, z. b. ndl. pattuffel, piem. patofle neben pantofle; in der persönlichen
bed. eines menschen mit schleppendem schwerfälligem tritt genf. patoufle,
henneg. norm, patouf, denen sich fr. pataud vergleicht. Der Catalane sagt
plantofa, das an planta (sohle) mahnt, er muß jedoch das 1 durch um-
deutung versetzt haben, denn hieraus patofla entstehen zu lassen, wäre der
spräche zu viel zugemuthet. Aber was ist mit dem zweiten theile des
Wortes anzufangen? Neupr. sagt man auch man-oufle (f.) für eine hand-
bekleidung, einen muff, latinisiert raaniflua Gl. de Litte p. 8 (Seh. 17),
muthmaßlich am manupula (s. oben manopola) wie fondefle aus fundibu-
lum: sollte pantoufle diesem werte nachgebildet sein, da oufle für sich
nichts bedeutet? und ivürde sich auch fr. emmitoufler (wohl von amic-
tus) auf diesem wege erklären lassen? — [Man sehe auch bei Atzler, der
die endung oufle aus dem deutschen herzuleiten versucht.]
Papa fr. vater (in der kinder spräche), von papa, das nicht in pape
oder peve übergieng, weil es als gemination pA-pa behandelt ward, welche
die Joinder lieben; daher entlehnt das span. und mdartl. ital. pap£, wofür
diese sprachen die einheimischen ausdrücke taita und babbo besitzen.
Dasselbe wort ist it. sp. pg. papa, fr. pape höchster priester der katholi-
schen kirche. — Lot. papa, pappa speise oder brei der kinder ist gemein-
romanisch: it. pappa, wal. pape, sp. pg. papa, alt fr. papin, papette; so
auch pappare essen, brei essen, das im sard. papai ganz die stelle von
mangiare einnimmt. Dazu noch ein subst. it. pappo brot, sp. pg. papo
bissen, den der falke mit einem male verschluckt, dsgl. kröpf der vogel
(auch päpera), wamme der ochsen (etwas gefuttertes, gemästetes), ven. veron.
papota (auch papa) dicker, fleischiger backen, papon und papota adj. fett,
fleischig, ausgemästet, sp. papudo mit dickem hals oder kröpf. Gleicher
herlcunft, aber durch dissimilation abgewicJten, ist wohl auch it. paffuto
s: v. a. ven. papoto, und selbst wohl sicil. baffü, vgl. pic. norm, empafer
vollstopfen. Für die bed. kröpf mag auch noch lat. papula (blauer, blase)
erwogen werden, dem die span. spräche die bed. kröpf artige geschwulst, die
ital. die bed. geschwür DC. s. v. beilegt.
Pappagallo it., cot. papagall, wal. papagal, sp. pg. papagayo, pr.
papagai, altfr. papegai und papegaut, engl, popinjay, vrlt. papyngay
Halliw., mhd. papegän, mittelgr. nanayag, ngr. nanayalhog name eines
vogels. Das roman. gebiet hat psittacus verloren, das sich im deutschen
sittich erhielt, s. Dief. Gloss. lat. germ. v. psittacus. Das neue wort hat
das ansehen eines compositums und wird in dieser Voraussetzung auf ver-
schiedene weise gedeutet, z. b. von papa pfaffe und edifr. gai = nfr. geai
höher, oder ebenso von papa und gallo hahn, weil die geistlichen diese
vögel vornehmlich gehalten hätten, s. Frisch II, 39* , und dazu scheint
auch das engl, pope zu stimmen; doch darf man nicht vergessen, daß
papa papst, nicht geistlicher heißt, der sinn also papsthäher oder papst-
hahn wäre, ein name, für welchen in der Sache nicht der geringste grund
vorhanden ist. Andre deuten ihn aus pavus gallus pfauhahn, was etwas
I. PAPPALARDO-PARCO. 235
ganz anders aussagt. Wer es ferner vom gleichbed. arab. babagä her-
leitet, der möge bedenken, daß dieses wort in der arab. spräche keine
würzet hat und erst spät voreukommen scheint (Gol. p. 213, Freyt. I, 81a),
so wie daß die Vertretung des arab. b durch rom. p wenigstens ungewöhn-
lich ist : umgekehrt drückt der Araber das fremde p durch b aus, Boqra(t
b. b. ist Hippocrates. Unglücklich ist Gtniris einfall, papagault bedeute
einen vogel, der die zweige des weddes (gault) d. h. die Stangen seines
käfigs benage: es liegt auf der hand, daß dies nur den sinn waldfresser
haben kannte; wer denkt aber bei einem stängdchen an den wald? Es
ist also mit diesen umdetUungsversuchen nichts entschieden. Ein andrer
natne des vogels ist parrocchetto, s. unten.
Pappalardo it., papelard fr. scheinheiliger ; nach Gbxin, Eecreat.
phüol. I, 433, einer der enthältsamkeit heuchelt, aber im geheimen speck
ißt (pappe-lard). Daß dies im geheimen geschieht, worauf hier alles an-
kommt, muß man freilich supplieren. Die ital. spräche hat noch andre,
den scheinheiligen kräftiger zeichnende ausdrücke, wie baciapile säulenküsser,
stropiccione reibwisch (der auf den knien umherrutscht), graffiasanti heili-
genkratz er, torcicollo halsverdreher (augenverdreher würden wir lieber sagen).
Paraggio it., pr. paratge, ebenso arag. (Ducange), fr. parage
herkunß, stand; eigentl. gleichheit, ebenbürtigkeit, von par.
Paragone it., sp. paragon, parangon, fr. vrlt. parangon verglei-
chung. Das wort ist von Spanien ausgegangen und dankt seinen Ursprung
den substantivisch angewandten präpositionen para con, z. b. la criatura
para con el criador das geschöpf im vergleich mit dem Schöpfer: c zwischen
voccden mußte zu g herabsteigen. Es ist also verlorene mühe, es im grie-
chischen aufzusuchen.
Parare it., pr. parar hinhalten z. b. die wange, auch sp. parar in
parar mientes animum advertere; in andrer bed. ital. abhalten z. b. einen
stoß, so fr. parer parieren, sp. anhalten, stehen machen. Lot. parare ge-
währt nur die bed. bereiten; hieran knüpfte sich einerseits die bed. hin-
halten, eigentl. bereit machen, bereit halten, andrerseits die bed. ab-
. kalten, anhalten, eigentl. verwahren, schützen, wie lat. defendere. Von
parare schützen ist it. para- petto, daher fr. parapet brustwehr; von
parare abhalten it. para-sole, fr. parasol Sonnenschirm, para-vento
windschirm; darnach gebildet fr. para-pluie (m.) regenschirm. Auch
it. rip arare, sp. reparar, sofern es abhelfen, bewahren heißt, weicht vom
lat. warte ab, sbst. riparo, reparo ausweg, schutzwehr. Zu merken auch
it. comperare, comprare, sp. pr. comprar, cdtfr. comperer, wal. cum-
p^ra, bloß mit der bed. kaufen, lat. comparare. Eine neue zss. ist sp. pg.
pr. emparar, amparar (wie sp. embrollar, ambrollar) in besitz nehmen,
ergreifen, fr. s'emparer sich bemächtigen, it. imparare lernen (wie ap-
prendere); fr. se rem parer sich verschanzen, sbst. rempart (früher
rempar gesehr.) verschanzung, wall. Eine andre zss. ist it. 8 parare,
sp. disparar ein gewehr losschießen, eigentl. entladen, entrüsten.
Par co it., sp. pg. parqae, pr. parc, pargue (noch jetzt mit g pargou,
236 I. PARECCHIO— PARPAGLIONE.
•
pargado, pargagi), fr. parc Umzäunung, thier garten, daher z. b. fr. par-
quet, vb. parquer. Es tritt bereits im frühsten nüatein auf; parcus,
parricus L. Rip., L. Angl., parc, parch L. Bajuv., wo es aber Kornspeicher
bedeutet; ahcL lautet es pfarrich, pferrich, nhd. pferch, ags. pearruc Chron.,
pearroc Alfred., gad. p&irc, kymr. parc, parwg. Scaliger hielt es für
eine entstellung aus pale, dies von palus pfähl, in beziehung auf die ein-
zäunung; andre leiten es, gestützt auf eine ital. nebenform barco, vom
deutschen vb. bergen, prät. barg, aber der anlaut ist entschieden die
tenuis, ahd. pf ; andre vermuthen celtischen Ursprung (Diefenb. Goth. wb.
I, 265), aber auch in dieser spräche steht es da wie ein fremdling. Es
wird zu bedenken sein, ob es nicht vom lat. parcere herstammen könne:
substantiva mit activem sinne aus verbis sind häufig. Wie it. redina von
retinere etwas zurückhaltendes, cigna von cingere etwas umgürtendes, so
konnte parco etwas schonendes, schützendes bedeuten; das Substantiv ent-
stand zu einer zeit, wo ce noch guttural gesprochen ward, daher ital.
nicht parcio, vgl. sp. torca von torquere, roman. torcere u. a. Dagegen
ließen sich einwenden die ags. formen pearruc, pearroc, insofern diese
spräche in latein. Wörter keinen able\tiwgsvoccd einschiebt, doch konnte
das beispiel einheimischer formen wie veolc, veoluc, veoloc leicht zu jener
einschiebung verführen.
Parecchio it., parejo sp., pareil fr. gleich, wal. sbst. pereäche
paar; dimin. von par, mlai. pariculus: hoc sunt pariculas causas pareilles
choses L. Scd. u. s. w. Der ital. plur. parecchi bedeutet ' mehrere \ eigenÜ.
mehrere dinge von gleicher art, mehrere exemplare. Zsgs. it. apparec-
chiare, sp. aparejar, pr. aparelhar, fr. appareiller eigenÜ. paarweise
verbinden, paaren (wie noch franz.), daher zusammenfügen {vgl. lat. com-
binare), zurüsten, sbst. apparecchio ff. zurüstung.
Parola it., sp. palabra, pg. palavra, alt paravoa SBos., pr. cdtit.
altsp. paraula, fr. parole wort; von parabola gleichnis, daher spruch,
wort, schon im frühern mlatein. Es ist ersatz für verbum, das man aus
scheu vor seiner religiösen bedeutung vermied (Schlegel, Obs. sur la langue
prov. not. 33), wenigstens sind it. sp. verbo, altsp. vierbo, pr. verbi, .
churw. vierf (plur. verba s. Cctrisch p. 214) in dieser allgemeinen bedeu-
tung unübliche Wörter, nur das wal. vorbe (fem. wie altit. verba PPS. II,
170) ist gleichbed. mit parola. Vb. it. parlare, sp. pr. parlar, pg.
palrar, fr. parier, dsgl. pr. paraular, attfr. paroler, noch bürg, pairölai
reden, mlat. parabolare : nostri seniores parabolaverunt simul et conside-
raverunt (Jap. Car. Calv.
Parpaglione it., pr. parpalho, lomb. auch parpaj, parpaja Schmetter-
ling; entstellt aus papilio, welchem cot. papallö zunächst steht. Daher it.
sparpagliare, pr. esparpalhar, altfr. esparpeiller LRs. 336, nfr. £par-
piller, sp. desparpajar umherstreuen (auseinander flattern machen); der-
selbe begriff wird neupr. ganz etitsprecliend durch esfarfalhä (von farfalla
= parpalho) ausgedrückt. Andre namen dieses insectes sind it. farfalla,
sard. faghefarina, parabatola, calagasu, sp. mariposa, alevilla (im Dicc.
I. PARROCCHETTO— PASQUINO. 237
cast. catal. Heus 1836), bresc. barbel, pg. borboleta, churw. bulla, lothr.
bonbU u. s. w.
Parrocchetto it., periquito sp., perroquet fr. papagei. Es soll
pfäffchen bedeuten, von parochus, weü die geistlichen 'Herren diesen vogel
zuerst gehalten hätten, s. pappagallo. Erwägt man das einfachere span.
perico, welches Peterchen und papagei bedeutet und nicht aus parochus ab-
zuleiten ist, so hat man eins der mehrfachen beispiele von anwendung mensch-
licher natnen auf thiere vor sich; mehrere andre gibt Menage v. perroquet.
Parröchia it., sp. pr. parroquia, fr. paroisse kirchspiel; nüat. pa-
rochia, verderbt aus gr. naqonda (daher paroecla bei Augustinus, worauf
sich die franz. form bezieht), buchstäbl. fremdlingsleben, im kirchlichen
sinne nachbarschaß, mit hinsieht auf naQoixog nachbar, entweder weil
die glieder derselben pfarre sich als naclibarn betrachteten (vgl. pr. paroc
pfarrkind, ital. aber pdrroco, wal. paröh pfarrer), oder weil die ältesten
Christen ihre religiösen Zusammenkünfte (hxlrjoicu) in der nachbarschaft
großer städte hielten. Davon handelt Ducange s. v. parochia.
Partigiana it., altval. partesana JFebr. 28, fr. pertuisane eine
der hellebarde ähnliche waffe. Ist die franz. form die ächte, so floß das
wort aus pertuis, allein was soll dies heißen? Rabelais schrieb partui-
sane und in der (hat verräth die gangbar gewordene form pertuisane
eine auf pertuiser gestützte Umbildung desselben, indem man an eine
durchbohrende waffe dachte. Auch das deutsche bartä (partä) ist aus dem
spiele zu lassen, das suffix würde sich nicht rechtfertigen können. Viel-
leicht läßt sich auf andre weise helfen. Mit dem masc. partisan bezeich-
nete man einen partheigänger, den führet eines haufens leichter truppen
(Trev.): sollte die solchen truppen zukommende waffe nicht ihren namen
daher empfangen haben? Beispiele dieser ort sind: it. gialda spieß vom
pr. gelda fußvolk, oder it. mugavero Wurfspeer, eigentl. leichter reiter,
oder sp. gineta spieß, von ginete reiter, oder auch it. rubalda pickelhaube,
wohl von rubaldo.
Parti re Ä, sp. pr. fr. partir in der bed. abreisen, theüsmit, theils
ohne reflexivpronomen, ursprünglich aber gewiß nur mit demselben ge-
braucht (attfr. se partir Orelli 175); von se partiri sich theüen, sich
trennen, weggehen, vgl. unser scheiden für trennen und sich trennen.
Pasqua it., sp. pr. pascua, fr. päque Osterfest, lat. pascha, be-
kanntlich aus dem hebr. pesach Übergang d. i. auszug der Juden aus
Ägypten. Die einschiebung des u, auf die auch die franz. form weist
(pasca hätte päche ergeben), ist alt (pascua Gl. Keronis 20la u. s. w.)
und erklärt sich genügend aus einmischung von pascua weide d. h. ende
der fasten. Doch sagt der Frovenzole auch pasca, pascha, der Sarde
pasca, der Baske pazco. Eine abl. ist pr. altfr. pascor, alt it. pascore
Trucch. I, 24 osterzeit, frühling; ob nach dem genitiv plur. von pascha
(pascharuin) gebildet, wie man neuerlich angenommen hat, dies zu erwägen
Ueibe der grammalik überlassen.
Pasquino it. name einer statue in Rom, an welche man spott-
238 I. PASSAMANO— PATTA.
Schriften zu heften pflegte, daher ü. pasquinata ff. Spottschrift, witziger
einfall; sp. pasquino, it. pasquillo (aus pasquinolo? vgl. culla aus cunula
u. a.) dass., fr. pasquin lustigtnacher.
Passamano iL, sp. pasamano, fr. passement borte oder besäte an
kleidern und möbeln, posament. Span, pasamano heißt treppengeländer,
porque pasamos por 61 la mano, den ausdruck für die einfassung der
treppe übertrug man auf die der kleider; so deutet Covarruvias. Diese
Übertragung wäre möglich: ward doch auch eine andre ort der Verzierung
oder einfassung von kleidern und anderem g.eräthe, triforium ($. trifoire
IL c), aus der architectur genommen. Passement vom verbum passer,
weil die schnüre durchgezogen werden, erklärt Frisch. Schwed. pasnian,
ungr. päszma, paszom&n, poln. pasaman u. a. stellt Diefenbach zusam-
men, Goth. wb. I, 344.
Passare it., sp. pasar, pg. pr. passar, fr. passer, wai. p<jsä durch-
schreiten. Es erklärt sich, da es von hause aus transitiv ist, besser viel-
leicht als ein frequentativ von pandere, partic. passus, in der bed. öffnen
(ebenso it. spassare von expandere), denn als ableitung von passus schritt
(schritte machen) : pandere moenia, pandere rupem die mauer, den f eisen
sprengen, durchbohren, liegt dem durchdringen, durchschreiten ganz nahe,
ja die bed. durchbohren steht dem roman. worte noch immer zu. Dagegen
ist it. passeggiare, sp. pasear wandeln entschieden von passus.
Pasta it. sp. pg. pr., päte fr. teig von meU u. dgl. Von pistus
(gestampft, geknetet) leidet der buchstabe nicht; richtiger darum von pas-
tus nahrung, wobei einfluß von pastillus mehßcüglein in anscUag zu brin-
gen ist; die span. form plasta scheint sich dagegen an plasma zu lehnen.
Von pastillus ist it. pastello, sp. fr. pastel aus farbenteig geformter
und getrockneter stift zum malen, fr. pastille rauchkerzchen. Zsgs. fr.
appät lockspeise, pl. appas reize.
Pastoja it. spannkette der pferde auf der weide, nüat. pastorium:
si quis pastorium (dl. pastoriam) de caballo alieno tulerit L. Long.; von
pastorius, buchstäblich weidekette, altfr. schlechtweg pasture. Daher it.
pasturale, fr. päturon unterer theil des pferdefußes, wo die spannkette
angelegt wird, der darum auch im deutschen fessel heißt; vb. it. im pas-
toja re, fr. emp&trer für empeturer (norm, empaturer) die fessel anlegen,
it. spastojare, fr. döpetrer dieselbe abnehmen.
Patta cremon. latz, klappe an kleidern, neupr. pata läppen, comask.
fuß, sp. cat. pata, fr. patte tatze, pfote, sp. patear traben; sp. pato,
pata, alban. pat$ gans; wohl auch fr. pataud küchenhund (mit breitet*
tatzen); sp. patan bauernlümmel ; bürg, pata-pouf, in Eheims pata-boeuf
tölpel; dsgl. it. pattino, fr. patin Schlittschuh. Ohne grade vom gr.
navog (tritt), Ttaveiv (treten) herzurühren, trifft das roman. wort als
natur ausdruck wie unser patschen damit zusammen, indem es etwas plattes,
platt auftretendes ausdrückt. — [Dagegen ist Stier geneigt, pata gans für
semitisch zu halten, da gans und ente arabisch-türkisch bat heiße, s. Zeit-
schrift für vergl. sprachf. XI.]
I. PATTUGLIA— PEDANTE. 239
Pattuglia it., sp. patrulla, fr. patrouille, früher patouille, streif-
wache; vb. sp. patrnllar, patullar, fr. patroullier streifen. Letzteres
hei/U auch mit händen oder fußen in einer pfütze rühren, patrouille rühr-
kette (bei Nicot). R ist, wie öfters nach t, eingeschoben und so fließt pa-
touiller aus patte und bedeutet eigentl. patschein, hin und hertreten be-
sonders im schmutz: gleicher Bedeutung ist henneg. patoquer, patrouquer,
paftriquer, patouger, champ. patoiller, platrouiller.
Pausare iL, sp. pg. pr. pausar, fr. pauser ruhen, innehalten; vom
nachclassischen pausare. Daneben mit der bed. ruhen, fußen und transit.
ruhen machen, niedersetzen it. posare, sp. posar (sbst. posada wohnung,
herberge), pg. pousar, fr. poser, prov. aber nur pausar. Bereits die L. Alam.
tu. 64 sagt et pausant arma sua josum. Zsgs. ist it. ri posare, sp.
reposar, pg. repousar, pr. repausar, fr. reposer ausruhen, ausruhen lassen.
Aber fr. däposer, disposer, exposer, imposer, proposer, supposer sind
aus deponere, disponere, exponere, imponere, proponere, supponere mit
anbildung an das begriffsverwandte pausare, da auch der Provenzale
depausar, dispausar, expausar, empausar, perpausar, supausar spricht,
denn die lat. Wörter konnten nur diejenigen sprachen brauchen, die auch
das einfache ponere nicht von sich gewiesen hatten: it. diporre, sp. de-
poner ff., das einfache ponere aber kennt die franz. und prov. spräche
nur noch in einer ganz eingeschränkten bedeutung, s. pondre 11. c.
Parese und palvese it., sp. paves, fr. pavois großer schüd; nach
Ferraris vermuthung von Pavia benannt, wo sie etwa verfertigt wurden,
wie man die dolche, pistolesi, nach Pistoja benannt habe. Belege dafür
bei Muratori, Ant. ital. II, 616. Die Walachen haben paveze (f.), die
Ungarn pais, die Böhmen paweza.
Pecca it., pr. peea, pec fehl, mangel, sp. peca, pg. peco fleck; von
peccare.
Pedaggio it., sp. peage, fr. päage zoll; von pes pedis. Pedagia
dicuntur quae dantur a transeuntibus BreViloquus.
Pedante it. sp. pg., pädant fr., ein auch ins deutsche aufgenom-
menes wort. Darüber sagt Varchi (Ercol. p. 60, ed. di 1570): quando
io era piccino, quegli che avevano eura de1 fanciugü, insegnando loro
. . e menandogli fuora, non si chiamavano, come oggi, pedanti ne con
voce greca pedagogi, ma con piü orrevole vocabolo ripititori. Pedante
war also früher {und ist noch im piemont. nach Zalli) ein erzieher oder
hofmeister: das der griechischen spräche mächtigere Itcdien romanisierte
naideveiv in paedare und zog daraus das particip pedante, man vergleiche
frescante frescomaler, dem gleichfalls kein vorhandenes verbum frescare
zu gründe liegt. Wie aber das wort zu seiner heutigen bedeutung ge-
langte, ist leicht einzusehen. — [Mahn p. 104 hält vorstehende erklärung
von pedante für bedenklich, da herkunß romanischer aus griechischen
verbis selten sei: er zieht das von Pacuvius gebrauchte paedagogans als
etymon vor. Wenn er andrerseits die einführung wissenschaftlicher Wörter
aus dem griechischen als etwas gewöhnliches einräumt, so könnte man
240 I. PEDONE -PELTRO.
fragen, ob unser die schule betreffendes vermuthlich unter den gelehrten
aufgekommenes wort einem wissenschaftlichen nicht nahe verwandt war?
Ein stärkeres bedenken aber gegen diese deutung liegt im buchst oben:
würde sich das der ital. Sprache aufgedrängte pedagogante mit der seit
nicht lieber in pegante verkürzt hoben als in pedante?]
Pedone it., sp. peon, pr. peoo, pezon, fr. pion fußgänger; gleich-
sam pedo pedonis von pes. Daher pr. pezon i er, aJtfr. peonier mit
gl. bed., nfr. pionnier schanzgraber. Speeidl franz. ist piäton, welches
lat. pedito peditonis (von pedes peditis, tnlat. vb. peditare) voraussetzt.
Pegar sp, pg. pr. leimen, heften, empeg&r pichen, apegar ankleben,
anheften; von ptcare mit richtiger darstellung des T durch e. Die frans.
Sprache formte poisser, empoisser gradezu aus pix picis. Die ital. hat
viererlei formen: impeciare = fr. empoisser, empeser (sbst. empois),
inipegolare, sard. impigare = pr. empegar, sodann appicciare,
impicciare und selbst appiccare ankleben, anheften, impiccare auf-
hängen, spiccare losmachen. Daß letztere nicht mit piccare (stechen) zu-
sammengesetzt sind, zeigen die bedeutungen: appiccare*. b. würzet fassen
— SP- pegar; das unregelmäßige picc für pec (lat. pic) könnte etwa im
deutschen pichen seine erkiärung finden. Sp. empeguntar zsgs. mit
untar salben.
P^lago it., sp. pielago, pg. pego,pr. peleg (peleagre bei A. Daniel)
meer, vb. cat. empelegar sich aufs meer begeben Chr. d9Escl. p. 713h; von
pelagus. Aber die roman. hauptbedeutung ist abgrund, grundloses wasser
(sp. auch teich, fischteich Cdl. e D. p. 24h. 26h, großer see das. 74h, pg<
pelago brunnen, teich SRos.) und diese bedeutung zeigt es auch im mlatein,
worin es eben so üblich ist.
Pelare it., sp. pg. pr. pelar, fr. peler haare oder federn ausrupfen,
schälen; von pilare der haare berauben, nicht von pellis.
Pell egri no it., pr. pelegrin, pelerin, fr. pelerin wander er, waller;
von peregrinus, sp. peregrino. Aus der roman. form mit 1 ist unser pil-
grim, pilger.
Pelliccia it., pg. pellissa, fr. pelisse, ahd. pelliz, nhd. pelz; vom
adj. pelliceus, pellicea. Zsgs. fr. surplis für surpelis chorhemd, pr.
sobrepelitz.
Peltro it. feines mit Quecksilber raffiniertes zinn, sp. pg. peltre
mischung von zinn und blei, dltfr. peautre Eoquef., ndl. peauter KU.,
engl, pewter. Die Italiener meinen ihr wort aus England empfangen ztt
haben, aber nach den Sprachgesetzen ist grade das umgekehrte zu ver-
muthen. Erst aus pewter scheint das gael. feödar geschaffen wie füdar
aus powder, fr. poudre. Der ital. oder span. form also wäre nachzu-
spüren. Sollte es etwa herrühren aus dem prov. em-peltar pfropfen,
impfen, und eine mischung oder Veredlung des metalls (des zinnes durch
quecksilber, des bleies durch zinn) bedeuten? Auch noch eine form mit
vortretendem s ist zu erwähnen: engl, spelter, nd. spialter, AocW*spiau-
ter, altfr. espeautre (KU. 307a, unbelegt).
I
I
I. PENNA-PERLA. 241
Penna it. berggipfd, sp. peöa, pg. penha fels, Hippe, das span.
wort schon in den ältesten Urkunden, z. b. Yep. III, 17 (v. j. 780)', de
Pozo8 usque ad summam pennam Esp. sagr. XXVI, 442 (v. j. 804).
Von pinna zinne der mauer, pr. pena, fr. pignon, it. pignone dass.;
fr. pinacle von pinnaculum. Das celt. pen köpf gipfel wäre sicher
masculin geblieben.
Pennone it., sp. pendon, pr. peno, fr. pennon fahne, panier;
aiUsp. wimpel an der tanze: trecientas langas son, todas tienen pendones
PC. 723 ed. Janer. Lot. pannus ist aus dem spiel zu lassen, da zum
umlaute des a kein grund vorlag. Kommt es von pendere, so daß es
äwas herabhangendes bezeichnet wie das it. pendone? Oder von penna,
indem der streifen zeug mit einer wallenden feder verglichen ward?
Grammatisch spricht für letzteres, daß die franz. spräche d nach n nur
selten, die ital. kaum irgend einmal tilgt, die span. aber der einschiebung
des d geneigt ist und sie namentlich in p&idola schreibfeder, lat. pennula,
altsp. pefiola Conq. Uttram., anwendet; auch bedeutet it. pennoncello so-
wohl wimpel wie federbusch. In diesem falle muß man ip der dUspan.
die grundbedeutung anerkennen.
Perdice und pernfce it., sp. pg. pr. perdiz, fr. perdrix rebhuhn;
von perdix. Neben dem mit r verstärkten perdrix, welches sich auch in
mederl. glossaren des 14. jh. zeigt (Dief. Gloss. lat. germ. 426*), bestehn
im aUfranz. noch die formen pietris und perdis, daher perdigal d. i.
perdrean Roq.
Perla it. sp. pr., pg. perola (selten perla), fr. perle, dltfr. auch
pelle {wie parier neben paller), ein weitverbreitetes an die steile von nnio
getretenes wort, ahd. perula (nnio dicitur thiutisce perula Gloss. Diu-
tiska II, 190), p€rala, pgrla, bgrala, berla, ags. pearl, nord. perla, mlat.
bei Iso magister (9. jh.) masc. pernlns, bei Wolfardus presb. (9. jh.)
perola (cdbugo\ später perla. Statt dessen wal. m$rg$ritar. Der deu-
tungen sind auch hier mehrere. Es könnte sein = pirula, dimin. von
pirum oder eigentlich von dem roman. fem. pera, also birnchen, von der
gestalt so genannt. Daß die spräche nicht verschmähte, die perle ein
birnchen zu nennen, beweist das sp. perilla, das für birnchen und für
eine ort pfrlen gebraucht wird, und so nennt der Franzose eine längliche
perle perle en poire. Daß aber der name von der speciellen sorte auf die
gattung erstreckt werden konnte, ist wohl kaum fraglich. Vermöge einer
ähnlichen anschauung nennt der Lateiner dieses naturproduet bacca. Dem
äymon pirula schließt, sich das pg. perola genau an. Perula kennen
schon die Glossae Isid., aber in der bed. extremitas nasi, bei Rhabanus
nasi extremitas pirula vocatur a forma pomi pyri. Dieß schließt aber
'birnchen nicht absolut aus, denn die glossatoren geben oft nur eine be~
deutung an, die ihnen die merkenswertheste schien: warum soll pirula
nicht des ihm gebührenden diminutivsinnes theilhaftig geblieben sein? Man
deutet unser wort ferner aus pillula kügdchen, durch dissimilation pirola,
perola, perla, erstere form in der trient. venez. und veron. mundart. Es
16
242 I. PERNO— PERTUGIARE.
ist kaum glaublich, daß man ein wort, das die bedeutung eines arznei-
mittels hatte, an die stelle von unio setzte. Nach einer andern ansieht
entstand perla durch eine geringe abänderung aus perna muschel, behau-
ter der perle (s. Ducange v. pemae) und wirklich besitzt die neap. und
sicil. mundart die form perna für perla, auch bedeutet iL pernocchia
perlenmutter (Veneroni). Diese etymologie hat den fehler, daß sich weder
aus dem einfachen perna noch dem abgel. pernula das pg. perula oder
dhd. perala gewinnen läßt. Auch sphaerula bällchen, hügelchen ist in
betracht gezogen worden; aber hier macht der ardaut Schwierigkeit. Der
Italiener konnte wohl sperola dafür sprechen, aber perola schwerlich: wo
bei ihm ein solcher Wegfall des anlautenden Sibilanten wirklich einmal
vorkommt, besteht wenigstens das unverkürzte woH daneben. Endlich ver-
muthet Grimm, Myth. p. 1169, im altd. berala cet. eine entstdlung aus
beryllus, ßrjgvXXog (gen. comm.), woher auch das deutsche brille und das
rom. brillare geleitet werden: perla ruhte alsdann in betracht seines
accentes auf dem griech. werte und dagegen wäre nichts zu erinnern. In-
dessen setzt diese deutung voraus, daß der Romane sein wort aus dem
deutschen entlehnt habe, denn die Steigerung des lat. anlautes b zu p ist
gegen das roman. lautgesetz und namentlich in gemeinrom. Wörtern ohne
beispiel; diese Wanderung des Wortes aber hat wenig innere Wahrschein-
lichkeit. Statt auf beryllus, dessen begriff doch nicht ganz zusagt, be-
ziehen andre es unmittelbar auf das damit identische syrische berfil, das
außer beryll, krystall, kor edle auch perle bedeuten soü; diese bedeutung
gibt zwar Gastellus an, es fehlt aber jede autorität oder nachweisung dafür.
Pemo it. sp. pg. haspe, zapfen, sp. pernio eisernes band an thüren
und fenstern; nach Menage von perna, vgl. gr. neQovt] dorn der spange,
agraffe.
Perö it., so auch pr. (Bth. 137 perö accentuiert), sp. altpg. pöro
(im Poem. d. Cid noch nicht gebraucht), aÜfr. poro Eulal., auch poruec,
theüs conclusive theüs adversative partikel von per hoc und pro hoc,
ersteres bei Apulejus und spätem für propterea öfters vorkommend. Zsgs.
sp. emp6ro, pr. empero; it. perocche, nüat. per hoeque Form, arvern.
Walter III, 489, zeile 12.
Pärsica zsgs. pesca it., sp. persigo, prisco, mit arab. artikel al-
persieo und alberchigo {arab. al-bersk), pg. peeego und alperche, pr.
presega, fr. pfeche (f.), wal. pearsece pfirsich; it. persico, pesco {sp. me-
loeoton), pg. peeegueiro, pr. pesseguier, fr. pfecher, wal. pearsec Pfirsich-
baum; von persicum persischer apfel, persiens persischer bäum.
Per so it., pr. altfr. pers dunkel färb, nicht bläulich, wie Raynouard
meint, s. P. Meyers gloss. zu Flam., nach Dante (im Conv.) zwischen
purpur und schwarz, doch so daß das schwarze vorwiegt; nüat. persus,
perseus (ad persei tnali colorem accedens Ducange. Eins der ältesten
Zeugnisse in den Schleust, glossen 39, 167 persnm 'weitin (waidfarbig).
Pertugiare it., pr. pertusar (persar GRoss.), alt- und neufr. per-
cer (daher sie. pirciari) aus pertuisier, durchbohren; sbst. ü. pertugio,
I. PESO-PEZZA. 243
fr. pertuis loch; von pertundere pertusus, gleichsam pertusiare, pertu-
siuni, eine mit i gewirkte ableitung.
Peso it. sp. pg., pr. pens, pes, edtfr. pois, nfr. poids (mit pondus
verwechselt) gewicht; von pensam gewichtige sacke. Vb. it. pesare, sp.
pg.pr. pesar, fr. peser wägen, wiegen, sp. apesgar beschweren, drücken;
dsgl. iL pensare, sp. pg. peiisar, pr. pensar, pessar, fr. penser erwägen,
denken; von pensare. Graphisch verschieden, aber gleichwohl identisch mit
letzterem ist fr. panser = pr. sp. pensar warten, pflegen, eigentl. be-
denken, besorgen, befriedigen, vgl. lat. sitim pensare den durst stillen.
Pe stare it., sp. pistar, pr. pestar, dsgl. sp. pisar, pg. pr. pizar,
fr. piser, wei. pisä stampfen. Die formen mit st sind entschieden vom
spätlat. pißtare, dies von pistus (it. pesto) für pinsitus; die mit s lassen
sich etymologisch richtig auch auf das von Varro gebrauchte pisare be-
ziehen. Daher das sbst. it. pesta, sp. pista, fr. piste fußtapfe, spur,
bahn, und hievon vermuthlich it. pistagna, sp. pestana, pg. pestana vor-
stoß am kleide, passe-poil, eigentl. spur oder straf von tuch. Da dieser
vorstoß oft mit fransen besetzt war, so bedeutet das wort auch die fransen
am rande des Ideides und im Span, und port. durch eine leichte und schick-
liche Übertragung die augenwimpern; ähnlich nennt Cicero das äußerste
der locken fimbria.
Petardo it. sp., fr. petard thorbrecher; scherzhafter Soldatenausdruck,
von peto, pet, lat. peditnm. Daher auch fr. petiller krachen.
Petecchie it., sp. petequias (Seclcendorf), fr. p&ächies (alle im
plur. üblich) rothe flecken auf der haut in bösen fiebern; ein von den
ärzten unmittelbar aus dem plural des gr. mxxmaov (lederstückchen mit
salbe zum auflegen auf die haut) mit übergehung des lat. pittacium, ge-
formtes wort, woher auch unser petesche, Weigand II, 360.
Petrosellino, petros&nolo, prezz&nolo cet. it., sp. perexil, fr.
neupr. persil petersiUe; von petroselinnm (naxQoaihvov). Pg. aipo
(apium), cot. julivert.
Pet t ine it., sp. peine, pg. pente, pr. penche, fr. peigne komm;
twipecten, in einigen sprachen mit eingeschobenem n. Vb. pettinare/f.
Eine abl. ist pr. penchenilh, fr. p6nil (für peignil) äußerster theil des
Unterleibes, in beziehung auf die bed. crines circa pudenda, in welcher
Juvenal pecten gebraucht, it. pettignone, gr. xteig, s. Menage; dasselbe
bedeutet die stpan. zss. empeine. •
Pezza, pezzo it., sp. pieza, pg. pega, pr. peza, pessa, fr. ptece,
cdb. pjea^. Die allgemeinste bedeutung ist fetzen, läppen, stück zeug, dar
her auch stück land, sogar stück zeit, kurzer Zeitraum. Seit etwa dem
8. jh. kennt man es in den latinisierten formen petium, petia mit der
bed. stück land : uno petio de terra üla Mur. Ant. ital. III, 569 (v. j.
757); et alia petia p. 1005 (v. j. 730). Es könnte identisch sein mit
sp. pedazo, wäre die zusammenziehung nicht zu ungewöhnlich. Ausser-
dem sind zwei deutungen zu beachten. Vom kymr. peth stück (bret. p6z,
gad. peos), aber der cdt. aspirata th entspricht niemals rom. z, oder soll
244 I. PIAGGIA-PIASTRA.
man aus peth erst durch ableitung pethia, petia gewonnen haben? Sodann
vom gr. ni£a fuß, säum, rand, formell genügender und auch dadurch em-
pfohlen, daß das rom. oder mlat. wort zuerst in Italien auftaucht und da-
selbst bei weitem die meisten ableitungen getrieben hat. Das iL pezzolo
füßchen (bei Ferrari) neben pezznolo fetzen könnte noch dazu angeführt
werden, träfe es nicht mit lat. petiolus zusammen, s. picciuolo IL a.
Piaggia und spiaggia it.} sp. pr. playa, pg. praia, cot. platja, fr.
plage gestade, flacher Strand des meeres, ital. auch sanfter bergabhang.
Lat. pläga ward auf die gegend am meere eingeschränkt und empfieng
ein adjectivsuffix (ea, ia) wie manche andre substantiva, s. Born, granm.
II, 302; das reine primitiv würde sich mit pläga (schlag) vermengt haben.
Dieses neue wort plagia bemerkt man schon im frühen mlatein, z. b.
Gregor d. gr. monachos monasterii Gazensis, quod est in plagia; ein
anderes altes aber vielleicht nicht achtes zeugnis ist: statio est, quam
plagiam dicunt Serv. ad Arn. 2, 23. Im altfranz. findet sich noch plaie
vollkommen = lat. plaga und in derselben bedeutung: ä la plaie de
l'occident ad occidentalem plagam Bibl. Roq. II, 360.
Pianca piem. steg, pr. planca, plancha, fr. planche brett, daher
sp. plancha blech, pg. prancha diele; von planca bei Festus und Poila-
dius. — Ital. sp. pg. palanca, masc. trient. palanc, wal. petanc pfähl,
von palanga, pic. mit bewahrter media palangue, auch wal. als zweite
form pekng (m.).
Piare it., sp. piar, daher fr. piailler piepen wie die vögd, natur-
ausdruck.
Piastra it. metallplatte, dsgl. eine ital. span. und türkische silber-
münze, altfr. plaistre geplätteter boden, estrich (nacli Garpentier empla-
cement), nfr. plätre (m.) gips; abgel. it. piastrone, pg. piasträo (aus
dem ital.) platte des panzers; it. piastrello pflasterläppchen. Ohne
zweifd von emplastrum (efxnlaaiQov) wundpflaster, Stückchen rinde zum
ocülieren, in den romanischen sprachen auf etwas plattes von härterem
stoff ausgedehnt. Daneben blieb it. empiastro, /r emplätre, sp. em-
plasto = gr. ennlaoTov. Aus plastrum formte der Italiener nach abge-
stoßenem anlaut das vb. lastricare mit platten oder steinen belegen,
pflastern, hieraus vielleicht erst, da das substantivsuffix Tcus im roman.
kaum angewandt wird, lästrico pflaster, und nach abgeworfenem für den
artikel gehaltenen 1 mundartl. ästrico (z. b. mail. astrich, astregh, com.
astrach, sie. astraen fußboden in verschiedenem sinne), schon im altern
mlatein astricus 'plastar Voc. S. Gatt., woher unser estrich. Daher viel-
leicht auch dttfr. astre, aistre, neufr. ätre herd, mitteUat. astrum 'pavi-
mentum Gl. aug., das franz. wort gewöhnlich aus atrium hergeleitet, s.
Altrom. glossare p. 48. — [ Was astrum, astricus betrifft, so macht Wacker-
naget (brieflich) die ansprechende bemerkung: *Ich denke astrum geht wie
astricus (Vocab. 8. GcMi), wovon unser estrich, auf die sternförmige
Zusammensetzung der Steinplatten, die den fußboden bilden und verzieren,
zurück und hat deshalb mit atrium ursprünglich nichts zu schaffen. —
I. PIATO— PICCO. 245
Zu nennen ist hier noch das ungefähr gleichbedeutende ostracus bei Isi-
dorus 19, 10, 26: pavimentnm testaceum eo quod fractis testis calce
admixta feriatur: testa enim graece ootqokov dicitur.5 Aber der ganz
unübliche tausch des betonten o mit a macht dieses etymon mehr als
zweifelhaft; Isidorus scheint sogar das mlat. astracus vor äugen gehabt
zu haben.]
Piato it., sp. pleito, pg. pleito, preito, pr. plait, plag, altfr. plaid
(schon in den Eiden) rechtshandel, dsgl. vertrag, chw. pled wort;, vb. it.
piatire, piateggiare, sp. pleitear, pg. preitejar, pr. plaideiar, altfr.
plaidier, plaidoier, nfr. plaider, chw. plidar einen rechtshandel führen.
Placitam, das im frühsten mütdaiter Versammlung zur Verhandlung wich-
tiger Staatssachen hieß (placita habere, tenere 9. Jh.), sog man, als c
noch unbedingt guttural lautete, in plactum (placdum) zusammen, wiewohl
sich in der römischen litteratur kein beispiel dieser Variante findet: hier-
aus denn die obigen formen. Kln licitus, placitum, bemerkt Ritschi, blieb
man bei der vocalischen bindung stehen, obwohl lictus, plactum gewiß
kein Sprachgesetz entgegenstand^. Im altport. war auch placito üblich,
später zsgz. in plazo, prazo, sp. plazo, s. Santa Rosa.
Piatto it., pg. sp. chato, pr. fr. plat flach, sbst. it. piatto, sp. plato,
fr. plat teller; ein in mehreren sprachen einheimisches wort, zusammen-
hängend, wie es scheint, mit gr. nXarvg breit, flach, ahd. flaz. Gleicher
herkunft ist sp. pg. plata süber (eigenfl. metattplatte, altfr. plate) schon
m Urkunden des 10. jh. z. b. Esp. sagr. XVIII, 332, Marca hisp. p. 864,
und ein neueres wort für ein edles metatt platina; ferner sp. chata ein
fahr zeug, daher it. sciatta (so von sp. chato, comask. sciatt platt, auf allen
vieren, als sbst. kröte).
Piazza it., weil, piatz (m.)y sp. pg. pr. plaza, pla$a, plassa, fr.
place, mhd. nhd. platz; vb. fr. placer stellen, setzen; von platea (nhx-
teia sc. odog breiter weg), bei Horaz platea, goth. platja? s. Gabelentz
und Lobe zu Müh. 6, 5; ebenso mit verschobenem accent neugr. nXavya
(y wie j). Die bed. räum in einer Stadt, platz, eigentl. hof, hat es zuerst
bei Lampridius.
Piccione it., sp. pichon, pr. pijon, fr. pigeon, it. auch pippione,
altfr. auch pipion taube; von pipio täubchen bei Lampridrius, dies von
pipare, pipire, vgl. das mail. Tdnderwort pipi vögelchen.
Picco it., sp. pg. pico, pr. fr. pic Schnabel, bergspitze u. dgl.; fem.
it. picea, sp. pg. pica, fr. pique spieß; vb. it. picoare, sp. pg. pr.
picar, fr. piquer stechen. Die Wörter lehnen sich an das lat. picus specht
(vogd, der in die baumrinde hackt) mit langem i, daher keine roman.
form mit e vorkommt: im gleichbed. sp. pico und fr. pic begegnet es jenen
Wörtern gradezu. Vergleichen läßt sich kymr. pig spitze, ätsch, picken,
pickel. Dahin gehört ferner it. picchio specht, stoß (in erster er bed.
offenbares diminutiv von picus, gleichsam piculus), picchiare Hopfen; fr.
picot spitzhaue, picoter stechen, sticheln; vielleicht auch sp. picaro, it.
piccaro spizbube u. a. m. Hierzu Diefenbachs Orig. europ. p. 263.
246 I. PICCOLO-PIGLIARE.
Piecolo tf.» sp. pequeno, pg. pequeno Hein. Frovenzälen, (Ma-
larien und Franzosen drücken denselben begriff mit petit aus, allein schwer-
lich steckt die gleiche wurzel in den itai. span. port. formen i pit-colo
hätte sich wohl in picchio verwandelt (vgl. soperchio von superculus) und
pequeno müßte allzu künstlich aus pit-ic-uefio construiert werden. Es
bietet sich ein anderes etymon dar im alten roman. pic spitze, piceare
stechen, so daß piecolo (ursprüngl. subst. wie noch als name einer münze)
tüpfeichen, pequeno tüpfelhaft, winzig bedeutete, wobei noch zu erinnern
ist) daß das itai. partic. pieco in seiner bedeutung (gestochen) dem lat.
punctum, piecolo also dem lat. punetulum entspricht. Jenes rom. pic
scheint auch im wäl. pic tropfen, oiban. pice vorzuliegen. Neben piecolo
besitzt die itai. spräche noch zwei bildungen mit palatalem c pfcciolo und
pieeino Jdein, die sich in pic-ciolo, pic-cino oder auch in pit-ciolo, pit-
cino zerlegen lassen; neupr. (in Nizza) sagt man piccioun, limous. pitson,
fem. pitsouno, selbst ungr. pitzin. Sard. pieeioecu knabe, picciocea mäd-
chen sind gleichfalls zu nennen.
Pidocchio it., sp. piojo, pg. piolho, pr. peolh, pezolh, cat. poll,
fr. pou (für p6ou) laus; von pediculus abgeändert in peduculus (Freund),
mlat. peduelus Gl. bibl. Hattemer I, 225b , peducla Gl. erford. p. 362,
74. Davon das vb. it. spidocchiare, sp. despiojar, fr. äpouiller.
Piedestallo it., sp. pedestal, daher fr. pi&Lestal Säulenfuß, fuß-
gestell; zsgs. mit dem altdeutschen stal Stellung, stand, s. unten stallo.
Piegare it., sp. pr. plegar, pg. pregar, fr. plier und in compos.
ployer, wal. pleci falten; von plicare. Zsgs. it. impiegare, sp. em-
plear, pg. empregar, fr. employer anwenden, anlegen, urspr. in etwas
hineinlegen, von implicare einwickeln, einfügen, it. impiego, fr. emploi
anwendung, bedienung, dienst; it. spiegare, pr. espleiar, fr. dlplier,
d^ployer, von explicare, de-explicare. Dazu Uegar II. b.
Pietanza it., sp. pr. pitanza, fr. pitanee die tägliche portion eines
klostergeistlichen. Nach Le Duchat von petentia, dem aber nur ein sp.
pedenza gerecht wäre; nach Muratori, zu sehr gegen den buchstaben, vom
it. piatto Schüssel. Itai. pietanza, das in älter spracJie auch miüeid be-
deutet, weist augenscheinlich auf pietä, es konnte gleichsam eine gäbe des
mitleide ausdrücken, altpg. pitanza bedeutet müdthätigkeit SEos. Aber
diese? pietanza, zu welchem die andern roman. formen gar nicht passen,
könnte es nicht eine umdeutung sein aus pitanza, das noch der Lombarde
bewährt, und konnte dies nicht erwachsen sein aus dem alten roman. pite
sache von geringem werth? Schon Ducange dachte daran. Nicht fetcW
verbindet sich zwar das sufjfix antia (ant-ia) mit Substantiven, allein es
fehlt tiieht an einem verbum pitare, das z. b. im genues. pitta picken be-
deutet, so daß das Substantiv im sinne klösterlicher enthaltsamkeit ein auf-
nehmen der speisen gleichsam mit den fingerspitzen, eine kärgliche mahl-
zeit ausdrücken würde.
Pigliare it., sp. pillar, pg. pr. pilhar, fr. piller wegnehmen, plün-
dern. Von pilare rupfen oder von dem nur bei Ammian begegnenden
I. PIGREZZA-PIMIENTO. 247
pilare, s. v. a. expilare plündern? Das rotn. i spricht für letzteres und
die büdung mit erweichtem 1 erklärt sich als eine scheideform in besiehung
auf it. pillare, fr. piler stampfen, von plla. In compilare war sie nicht
nöthig, doch findet sich daneben it. compigliare zusammenfassen, sconi-
pigliare verwirren, zerrütten. .
Pigrezza it., sp. pr. pereza, pg. pregui^a, fr. paresse trägheit;
von pigritia, wie sehr auch das franz. wort dem gr. nvQtoiq gleicht.
Pilatro it., sp. pg. pr. pelitre, fr. pyrethre bertramwurzd; von
pyrethrum.
Pillotta iL, sp. pg. pr. pelota, fr. pelote baU, knäud; von pTla,
bereits in den Md. ghssen pilotellus = sp. pelotilla. Daher auch sp.
peloton, fr. peloton häufe, rotte.
Piloto it. sp. pg., dsgl. it. pilota, fr. pilote lootse, Steuermann. Die
ndl. spräche hat pijloot, und dies hält man für eine zss. aus peilen die
tiefe des wassers messen und lood, loot blei, was aber noch naher zu
prüfen sein möchte. Im franz. bedeutet piloter pfähle ins wasser schlagen,
pilotis grundpfcM, im piem. so wie im picard. und wallon. schlechtweg
pilot genannt. Aber logischer Zusammenhang zwischen pilotis und pilote
ist nicht abzusehen, wie sich letzteres denn auch mit seinem derivativen e
offenbar als ein dem it. pilota identisches wort ausweist; dieses aber hat
einen fremdartigen anstrich, indem sein suffix an idiota, epirota u. dgl.
erinnert; romanisch wäre pilotto, pilot
Piluccare it. trauben abbeeren, pr. pelucar ausrupfen, pic. pluquer
mit den fingerspitzen auflesen, norm, champ. pluchotter; zsgs. fr. 6 pl li-
eber, chw. spluccar, moden. spluccä ausklauben, ausrupfen. Es ist eine
ableitung vermittelst des suffixes uc aus lat. pilare haar ausrupfen, ent-
haaren; also nicht vom ags. pluccian pflücken, das im ital. unfehlbar
wenigstens piuecare erzeugt haben würde, umgekehrt mag das deutsche
wort aus dem roman. geflossen sein. Man trenne davon das sp. espulgar,
s. pulee. Mit piluccare ist zu verbinden sie. sard. pilucca, lomb. peluch
haar schöpf, piem. pluch, gen. pellucco haar, faser, ital. entstellt in per-
ruca, parruca langgelocktes haar, dgl. falsches haupthaar, wal. paröce,
fr. perruque, occit. sogar pamparrugo, richtiger sp. peluca, alle mit
letzterer bedeutung. Das fr. perruque soll Coquillart (ende des 15. jh.)
zuerst gebraucht haben, man sehe Barbazan, Fahl, et cont. I, 26. Noch
bei Nicot bedeutete es lcoma, caesaries und erst faulse perruque 'galericu-
lum, capiUamentum.y Andre lassen das wort aus gr. 7tv$$6g entstehen,
da die Römerinnen falsches haar von blonder färbe zu tragen pflegten,
aber gegen die entwicklung aus dem im roman. vorhandenen pilus wird
kaum etwas einzuwenden sein.
Pimiento, pimienta sp. pfeffer, pr. pimenta gewürz, dsgl. pr.
pimen, dltfr. piment, ndat. pigmentum ein trank aus wein, honig und ge-
würzen, nfr. piment ein zu vielen arzneien gebrauchtes kraut; alle vom
lat. pigmentum färbemittel, aber auch kräutersaft zur bereitung der
färbe, daher etwas würzhaftes oder wohlriechendes; ahd. pimenta €pig-
248 I. PIMPINELLA— PIOGGIA.
mentum, aroma, odoramentum . Der ital. spräche ist das wort abhanden
gekommen.
Pimpinella it., sp. pimpinela, fr. pimprenelle ein küchenkraut,
pimpernell, pimpinella saxifraga; soll aus bipinella für bipennula (zwei-
flügelig) entstanden sein. Der name wird auch von andern pflanzen-
geschlechtem gebraucht. Der Catalane sagt pampinella, der Piemontese
pampinela, wohl nur eine zufällige form, da die pflanze mit pampinas
nichts gemein hat. Neupr. heißt sie fraissineto, von fraisse = fraxinus.
Pinaccia it. (nach Menage), sp. pinaza, fr. pinasse eine ort
schiffe; von pinus flehte, schiff.
Pincione it., sp. pinzon, pinchon, fr. pin<jon, cot. aber pinsd, ein
vogel, flnke. Derselbe vogel heißt griech. omvidiov, dimin. von oniva,
das jedoch in onivdiov verkürzt ital. spingio oder spingione ergeben hätte,
wie denn diese spräche ein anlautendes s nicht abstößt. Besser leitet man
daher das wort vom kymr. pinc (ndat. gleichsam pincio), welches eigent-
lich fröhlich, zunächst flnke bedeutet, vgl. fr. geai munter und hoher; der
Bretone spricht pint. Anmerken läßt sich noch das mit pincione gleiehbed.
bair. pienk, slav. pinka, ungr. pinty flnke. Seltsam ist das neupr. bürg.
quinson für pinson; auch pg. pisco weicht von der span. form beträcht-
lich ab.
Pinque fr. (f.), sp.mit g pingue (m.), auch pinco, pg. pinque (m.),
ndd. pinke (f.) eine art schneller lastschiffe mit flachem boden und einem langen
und hohen hintertheüe, wie Adelung das deutsche pinke beschreibt, ndl. pink
fischerkahn, engl, pink kleines Segelschiff. Aus pinus (schiff) konnte unzweifel-
haft pinica, pinca, wie aus granum granica u. dgl. abgeleitet werden, auch
pinaza ist daher. Zwar hohen die verschiedenen fahrzeuge in beziehung
auf ihre gestalt und andre merkmale gewöhnlich individuellere benennun-
geh, denn pinca aus pinus konnte ursprünglich nur die allgemeine bed.
schiff ausdrücken; gleichwohl ist diese etymologie festzuhalten, wenn das
wort nicht erweislich deutscher herkunfl ist, worauf selbst das schwanken
der roman. formen und des genus hinzudeuten scheint: dieses deutsche
pinke nennt schon W. Grimm, Exhortatio p. 69, ein schwer zu erklären-
des wort. Dem ital. gebiete fehlt es, wiewohl Moraes die pinke ein fahr-
zeug des mittehneeres und der italischen husten nennt: pinca ist hier ein
länglicher kürbiß und weder in der Schriftsprache noch in den mundarten
ist die bed. schiff vorhanden. — [Neben dem ndl. pink findet sich noch
ein veraltetes espink? welches Van den Helm, Woordgronding, als boot
von esperiholz erklärt, also eigentlich 6sp-pink. Für die etymologie ist
dies ohne belang.]
Pinta sp. pg. mahl, zeichen, daher auch ein maß für flüssigkeit, fr.
pinte, wal. pinte ; von pingere pictus. S. Grimms Reinhart p. CCXXX VIII.
Ebenso mag goth. mfcla scheffd mit mSl zeichen (?) zusammenhängen,
Grimm HI, 468.
Pioggia it., sp. lluvia, pg. chuva, fr. pluie, weil, plo&ie regen;
von pluvia. Äbgel. sp. chubasco platzregen.
I. PIOMBARE-PISCIARE. 249
Piombare it. senkrecht herabfallen, fallen nach dem Senkblei, cadere
a piombo; ebenso pr. plombar einsenken, eintauchen, fr. plonger, letzteres
eine scheideform von plomber, das der bedeutung des lat. piombare treu
blieb, ufid gebildet mittelst des suffixes g = lat. ic (venger = vindicare);
dieselben doppelformen im citfr. clinger, enferger neben cliner, enferrer.
Sbst. fr. plongeon taucher. Pictet p. 69 weist plonger auf bret. plunia
eintauchen = kymr. plwng = sanskr. plavana und allerdings müssen
plonger und plunia zusammenhangen, das franz. wort steht aber so ge-
sichert auf latein. boden, daß es keine erklärung aus celtischen sprachen
verlangt. Seine herkunß aus plumbicare bestätigt sich überdies durch die
pic. form plonquer 1) eintauchen, 2) schwer auftreten, altpic. plonkier, so
tcie durch das mit plonger glekhbed. bask. pulumpatu; auch ist wallon.
plonc = fr. plomb, plonk! = plonger. — [Neuere bemerkungen über
die herkunß dieses Wortes von Diefenbach, Ztschr. f. vergl. sprachf. XII, 79.]
Pioppo, pioppa it., wal plop (älban. plepi), watton. plopp, pg.
mit bekannter Verwandlung des pl in ch chopo, choupo, span. neben pobo
gleichfalls chopo, das der Catalane mittelst einer rückbildung, wie es
scheint, in clop übertrug, da sein cl öfters dem pg. sp. eh entspricht,
neap. chiuppo. Es ist das lat. pöpulns pappet, und ein merkwürdiges
beispiel von formveränderung : um populus von pöpulus zu scheiden, wird
man schon in der römischen Volkssprache ploppus eingeführt haben, sonst
besäße der Walache schwerlich plop. Ein sehr altes ital. beispiel (v. j.
994) ist sancta Maria da li pluppi Murat. Ant. ital. II, 2035. Im
Gloss. oce. ist jop bemerkt, das aus it. pioppo entstanden sein müßte. Die
lomb. mundart spricht ohne Umstellung pobbia, in Berry gut peuple für
peuplier, im Jura puble, im Limousin piboul.
Pipita it., sp. pepita, pg. pevide, pivide, pr. pepida, fr. päpie
eine krankheit der kühner; vom gleichbed. lat. pituita, das sich früh in
pivita, demnächst in pipita verwandelt haben muß, da auch das ahd.
phiphis eine solche form (mit an- und inlaut p) in anspruch nimmt. Ein-
facher, durch syncope, entstand aus dem lat warte das maxi, püida, puvida.
Pisciare it., wal. piSa, pr. pissar, fr. pisser harnen. Dessen stelle
vertritt sp. pg. das aus dem latein. aufbewahrte mear, mijar; nur das den
übrigen sprachen in diesem sinne fehlende kinderwort pixa, pissa (mentula)
ist hier vorhanden. Auf deutschem gebiet bemerkt man es zuerst im alt-
fries. pissia, allmählich findet es sich in allen sprachen dieses gebietes ein,
wird aber als ein fremdling betrachtet, s. Weigand s. v. Unter den celti-
schen besitzt es nur die kymrische (piso, pisio), nicht die gaelische, selbst
nicht die bretonische: jene hat dafür müin, diese troaza. Gewöhnlich
findet man in dem roman. worte eine onomatopöie, so daß es ungefähr
unserm zischen entspräche: einen zischlaut hat außer der ital. und wal.
form auch cot. pixar, neupr. pichä, pic. picher. In der annähme von
onamatopöien kann man leicht zu weit gehen: es ist im allgemeinen rath-
samer auf vorhandhe Wörter zu bauen. Hier fühlt man sich versucht an
pytissare, pitissare eine flüssigkeit wegspritzen (nwiCeiv) zu denken, (Mein
250 I. PISTOLA.
die begriffsübertragung tcäre unstatthaft, da dieses verbum eigentl. aus-
spülten bedeutet. Das roman. verbum beschränkt sich in den mundarten
nicht auf den angegebenen sinn. In der occitan. z. b. heißt es auch eine
fliissigkeit ausstrahlen: Ion san pisso das blut spritzt aus der oder; den
gleichen gebrauch erlaubt das p armes, worty in Berry ist pissäe ein guß
aus dem Schmelzofen. Dies mahnt an pipa pfeif e, röhre: auch mhd.
pfifen = n hd. pfeifen kann diesen sinn erfüllen: fiz pheif im daz blnot,
s. Wb. II, 493h. Sollte nun der 'Romane aus pipa ein vb. pipisare
zsgz. pipsare pissare (vgl. bombus, mlat. bumbisare) abgeleitet haben mit
der zuletzt angeführten bedeutung? Iliezu möge noch bemerkt werden
das trient. pipa Springwasser, das sich begrifflich dem dtschen pfifen
genau anschließt. Diese auslegung des Wortes möge weiterer ertcägung
empfohlen sein.
Pistöla it.sp., fr. pistole und pistolet ein kleines Schießgewehr. Zu
Pistoja, sagt H. Stephanus, verfertigte man kleine dolche, pistoyers ge-
nannt, deren name nachher auf die petites barqnebnses übertragen ward
(weil beide versteckt geführt wurden?). Es gibt indessen kein dem fr.
pistoyer entsprechendes itdl. wort, wohl aber pistolese mit der bed. kurzer
säbel, und diese bedeutung oder dolch dürfte allerdings als die Ursprung-
liehe angenommen werden. Pistolese aber ist nicht unüblich für pistojese
d. h. aus Pistoja (Fernows Rom. Studien III, 278) und eine abkürzung
in pistola gedenkbar. Erwähnung verdient aber auch Frischs vermuthung,
das wort sei aus pistillns Stößel, it. pestello, abgeändert und bedeute ein
Werkzeug mit einem\knauf eine vermuthung, die durch das ven. piston,
peston kurze kugeibüchse, welches genau dem it. pestone großer stoßet
entspricht, nicht wenig gestützt wird. Sie leidet indessen an einem zwar
unscheinbaren, aber entscJteidenden formfMer. Wenn ein suffix, wie hier
ill, . abgeändert wird, so kann dies nur in der art gescliehn, daß man es
mit einem andern vertauscht: unser wort müßte also pistnola heißen,
denn bloßes ol kann nur nach i vorkommen (oriolo, nsignolo d. i. nsiniolo).
— Gleichlautend ist der name einer angeblich im 16. jh. und zwar zuerst
in Spanien in Umlauf gekommenen goldmünze. Im franz. bedeutet pistole
gewöhnlich ein fremdes goldstück (pistole d'Espagne, d'Italie), und doch
kennt weder das span. noch das itdl. Wörterbuch diesen ausdruck; ein
veraltetes sp. pistolete hat erst Seckcndorf. Um so weniger darf an eine
von Pistoja ausgegangene münze gedacht werden. Bemerkenswert, ist da-
gegen, was Claude Fauchet, präsident des münzcollegiums (f 1599), dar-
über sagt: ayant les escus (d'or?) d'Espagne estä redniets a nne plus
petite forme que les escus de France, ont pris le nom de pistolete et
les plus petits pistolets bidets. Daß man ein kleines goldstück scherz-
haft ein pistölehen und ein noch kleineres ein pufferchen genannt habe, ist
nicht unglaublich. — [Mahn in einem gelehrten artikel p. 97 — 104 halt
pistola die waffe und pistola die münze für Wörter verschiedener herkunß.
Die waffe sei allerdings nach Pistoja benannt worden und stamme auch
nach geschichtlichen Zeugnissen aus Italien. Pistola die münze aber sä
I. PITO— PIZZA. 251
aus dem it. piastra entstanden und stehe für piastruola; die zusammen-
ziehung scheint indessen ungewöhnlich hart]
Pito sp. spitziges höhchen, altfr. pite name einer sehr kleinen
münze, henneg. pete Kleinigkeit, comasK. pit wenig; daher sp. pitorra
schnepfe (vom spitzen schnabel), wallon. petion Stachel der biene; vb. pr.
pitar sich schnäbeln, sp. apitar anhetzen, altfr. apiter mit den finget-
spitzen berühren, pg. petiscar kosten, nippen, pitada so viel man mit zwei
ftngerspüzen packt (Wagener); dsgl. mit dem begriffe der Kleinheit maxi.
pit in wenig, cremon. peteen Kleinigkeit, sard. piticu Mein, weil, pitic
zwerg, altfr. peterin winzig SB. Diese beispiele lassen einen alteinheimi-
schen stamm pit annehmen, der etwas spitzes, schmales bedeutete und sich
im kymr. pid spitze wiederfindet. Ein wichtiger Sprößling dieses Stammes
ist altit. pitetto, petitto, pr. cat. petit, fr. petit, neupr. pitit, wallon.
piti Klein, dimin. pr. cat. altfr. petitet. Ebenso weist das glekhbed. pic-
colo auf pic spitze. Beachtenswerth an pet-it ist das suffix, welches aus
euphonischer rücksicht der Verwandlung in et widerstand: petet oder gar
petetet lautete übel. Ein altes zeugnis des Wortes findet sich in Pitito-
villare Mabül. Dipl. p. 498 (v. j. 775).
Piva it„ sp. pg. pipa, altfr. pipe, pr.mit eingeschobenem m pimpa,
abgel. fr. pipeau ländliche flöte, Schalmei; von pipare, plpiare piepen
(von vögeln), woher auch ahd. pfifa, nhd. pfeife, pfeifer, letzteres im it.
piffero, sp. pifaro, fr. piffre und fifre nachgebildet (piffre dickbauch,
eigentl. wohl mit aufgeblasenen backen wie ein pfeifer, s'empiffrer sich
vollstopfen); churw. fifa. Merkenswerth ist das dauph. pipa, welches früh-
ling bedeutet vom schalmeienton. It. sp. pg. pr. pipa, fr. pipe bedeuten
auch ein langes faß als maß für flüssigKeiten, gleichsam eine flöte. Auch
fr. pivot und it. pinolo zapfen müssen hieher gehören. Von pipilare
aber ist pg. pipilar, it. pigolare piepen, pimpeln, für pivolare, v mit
g vertauscht (Born. gr. I, 288) oder besser wohl, eingeschoben in eine
form piolare für pivolare, welche erstere auch in öberital. mundarten
vorkommt.
Pizza ven. das stechen, jucken, sard. pizzn schnabel, chw. pizza,
matf. 'pizz, sie. pizzn, iL pinzo Stachel, sp. pinzas, fr. pince, it. pinzette
Kneipzange; dsgl.it. pizzico, sp. pizea zwick; vb.ven. pizzare, wallon.
pissl, it. pizzicare, wal. pitzigä, piscä, alban. pitsköig, cat. pessigar, pr.
pezngar, sp. pizear und pinchar, fr. pincer, epincer, epinceler zwicken;
dahin auch pg. piscar os olhos blinzen (die äugen Kneifen). Zunächst
vom ndl. pitsen, hd. pfetzen, das aber selbst wieder auf einem im roman.
einheimischen wurzelworte pit (s. oben pito) zu beruhen scheint. —
[Nach Zarncke, Mhd. wb. II, 493, wäre pfetzen aus mlat. petfa, nach
Weigand, D. wb. II, 362, von pitar, s. oben pito. Formell sehr befrie-
digend, da sich hiermit auch die rhinistischen formen sehr leicht erklären,
leitet Langensiepen pizzare, pinzo cet. aus pictus pictiare, pinetus pinetiare.
Daß aber pingere ursprüngl. stecken, sticken, also auch stechen bedeutet
und daß diese bedeutung in der spräche fortgedauert habe, ist unerweis*
252 I. POGGIO-POLIZIA.
lieh: in acu pingere liegt der begriff des Stechens in acus, nicht in
pingere.]
Poggio it., pr. pueg, puoi, altfr. pui anhöhe, sp. pg. poyo bank
vor dem hause, altfr. puiot stütze Trist; von podium erker, anhohe. Vb. ü.
po'ggiare, altsp. puyar Canc. de B., altpg. pr. poyar, altfr. puier steigen;
zsgs. it. appoggiare, sp. pg. apoyar, fr. appuyer stützen, sbst. apptri.
Poi it., sard. puß, sp. pues, pg. poz, pr. pos, pus, pois, fr. pnis,
Partikel, von post; zsgs. it. dipoi und mit versetztem accent und Ver-
wandlung des i in o (wie in domani) döpo, gewiß eine sehr alte bildung,
da auch der Walache sie in dtip^ besitzt (mail. de poü, in Forli dopö),
pg. pr. depois, fr. depuis, mlat. de post L. Sal.; woneben sp. des pries,
pr. despuois, com. despo, bergamask. paduan. daspo, aus de ex post er-
klärt werden müssen. Eine andre zss. ist it. poscia, pr. poissas, von
postea. In betreff des weggefallnen t in post, darf an pos im älteren la-
teinischen sprachgebrauche, umbrisch pus, erinnert werden, um so mehr
als auch der Franzose dieses auslautende t hinter 8, das er in est (vom
vb. etre) zuläßt, hier nicht anerkennt. Post in S. Etd. wird also wohl
ein latinismus sein, deren hier mehrere vorkommen.
Polödro, pulädro it., sp. pg. potro, pr. poudre (zu folgern aus
poudrel), altfr. poutre junges pferd. Mlat. pulletrus, poledrus schon in
der L. Sal. und L. Alam., puledro Kfolo\ puledra 'fülihha Ol. Cass. Das
wort steigt also hoch hinauf, ist aber aus dem classischen latein unnach-
weislich, denn ScatigerJs pulletra für pullastra bei Varro ist bloße con~
Jectur, s. Forcellini. Da die mittel der latein. und roman. spräche nicht
ausreichen, das sufftx edrus oder etrus zu erklären, so dürfte man fragen:
bedienten sich etwa die Griechen in Italien einer diminutivform inolid^iov
(von nwlog füllen) für 7tioUdwv (vgl. X/tnog, inmdiov), woher Italien sein
poledro nahm? Aber auch nwUdiov reichte dem Romanen hin, um diese
letztere form durch eingeschobenes r zu schaffen. Sp. pg. potro heißt auch
folterbank wie lat. equuleus von equus, weil sie einige ähnlichkeit mit
einem pferd hatte (auch unser folter ist von poledrus), nfr. poutre heißt
querbalken zum auflegen eines andern balkens.
Poleggio, puleggio it., pr. pulegi, sp. poleo, pg. poejo, fr. pouliot
eine pflanze, polei; von pulegium.
Polizfa it., sp. pg. policia, fehlt pr., fr. police Staatsverwaltung,
städtische Verwaltung, * gouvernement d'une republique Nicot, mlat. politla
'statordnung* Dief. Gloss. lat. germ., im classischen latein nicht üblich.
Das wort, unser polizei, stammt aus dem griech. nofateia: seine romani-
sierung, selbst der im franz. auf die vorhergehende sübe zurückgezogene
accent, verhält sich wie in andern fällen, vgl. vexQOfiaweia, it. negro-
manzla, sp. nigromanefa, altfr. nigremänee (statt nigreraantfe). — Von
polizia ist zu trennen it. pulizia, sp. policia reinlichkeü, arjbigkeU, abge-
leitet von polire, it. auch pulire, spätlat. subst. polities (geschr. policiea)
1 ylaq>vQoz t]g3 Quich. Add.f mlat. policia 'sconi* d. t. Schönheit, nettigkeit
Dief. Gl. lat. germ.
I. POLIZZA— POPPA. 253
Polizza it. schein, anweisung u. dgl. z. b. beiG. Villani (f 1348),
sp. pöliza dass., fehlt pg., cot. pölissa, pr. polissia (totz celz que aquesta
present polissia veyran cet. urk. v. j. 1428), fr. police (14. jh.), engl.
pölicy. Die ital. und span. betonung der ersten silbe verbietet, das wart
mit dem vorhergehenden in Verbindung zu bringen: es weist vielmehr un-
mittelbar auf pollex pollicis mit geändertem genus, wie oft, frone, zugleich
mit fortgerücktem accent, muthmaßich aus dem italienischen entlehnt, da
11 nicht in u iibergieng. Man brauchte pollex für sieget, weil bei dem
aufdrücken desselben der daumm besonders thaiig ist, daher sab pollice
S. Mauricii in einer Urkunde DC, demnächst für das mit einem solchen
zeichen versehene blau.
Pol le gar pg., sp. pulgar, pr. polgar, dttfr. pochier L. de Guiü.
daumen, vgl. si quis policare de manum vel pedem excusserit L. Sal.;
vom adj. pollicaris.
Poltro it. trag, feige, daher poltrone und so sp. poltron, pg. po-
triio, fr. poltron, aus dem ital. eingeführt, dem primitiv poltro aber ent-
spricht nur noch das champ. pleutre (welches Genin, RecrSat. phü. p. 169,
zu belttre gesellt). Das wort hat seine quelle im ahd. polstar, bolstar
pfühl, dessen deutschheit nicht eu bezweifeln ist; dieselbe begriffsverwandt'
schaft zeigt ja auch fr. lodier bettdecke und faulenzer, ja die ital. form
boldrone, nach Veneroni auch boldra, bedeutet noch jetzt einen theil des
bettwerkes* und mehrere ausleget Dantes nehmen zu spoltre Inf. 24, 46
gradezu ein subst. poltro an, maü. polter, romagn. pultar lagerstätte, ven.
poltrona ruhebett. Ist auch der ausfäll des s im ital. ganz ungewöhn-
lich, so darf er doch in der consonantischen gruppierung lstr nicht
auffallen, auch der doppelte antaut p und b redet für deutsche herkunft.
Scharfsinnig hatte Salmasius in poltrone eine abkürzung aus pollice
tnmcns erkannt: multi illo tempore (römische zelten sind gemeint), quia
necessitate ad bellum cogebantur, prae ignavia pollices sjbi truncabant,
ne militarent; inde pollice trnncos hodieque pro ignayis et imbecillibns
dicimus, sed truncata voce poltrones. Diese etymologie erwarb beifdtt,
weil sie an romische Verhältnisse erinnerte; aber schon Menage fand die
abkürzung zu stark. Er bestreitet aber auch die herkunft aus poltro bett,
welche Landino, Vdltädlo und andre schon behauptet hatten, indem er
diese bedeutung für zweifelhaß hielt, und leitet unser wort aus pullus,
pnllitrns, da junge thiere furchtsam und träge seien. Daß sie scheu sind,
weiß man, feig und träge ist etwas anders.
Pomata it., sp. pomada, fr. pommade eine haar- oder hautsalbe;
so genannt, weil einer ihrer bestandtheile vom apisapfd genommen ward
(pomo apfd). So die ürusca.
Ponente it., sp. poniente, pr. ponent eine der weltgegenden, westen,
eigenü. Sonnenuntergang, ove il sol si pone; auch wcd. apüs {partie. von
apone = apponere) hat diesen sinn, ebenso fr. conchant
Poppa it., pr. popa, aUfr. poupe (bei Nicot) brustwar ze, zitze; vb.
poppare, popar saugen. Stalderl, 237 und Grimm P} 406 vergleichen
254 I. POR— POTARE.
Schweiz, bübbi, engl, bubby, aber daraus konnte das vom. wart nicht wohl
entspringen. Die lat. spräche bietet nur püpa Mädchen, puppe: das ital.
wofi würde dasselbe sein, indessen konnte sich ü verkürzen wie in cupa,
it. coppa, daher das chw. popa und das fr. poupäe (nicht pnpäe) und
selbst unser puppe ; mit o schreibt auch der Vocab. S. Galli das mascidin
popus 'seha d. i. pupilla; nur der Piemontese spricht pupa für popa.
Konnte nun unser zitze im it. zita die bed. mädchen ausdrücken, so wäre
es vielleicht nicht zu vermessen, hier die umgekehrte enttotcJdung, zitze aus
püppchen, anzunehmen. [Pott vermuthet in poppa eine reine latäform ohne
beziehung auf lat. pupa, s. dessen werk Doppelung cet p. 34.]
Por sp. pg. alt fr., nfr. pour, präposition, vom lat. pro (so noch in
den Eiden als latinismus), sp. pg. auch die stelle von per einnehmend,
wie schon in alten Urkunden, z. b. non territus pro hoc sacrilegio Esp.
sagr. XXXIV, 442 (v. j. 916). Daß dem Italiener diese partikel ab-
geht, ist bekannt; die einzige sard. mundart besitzt po (= por), das sie
vermutlich dem spanischen entnahm, denn das landvolk gebraucht peri.
Zsgs. altsp. altpg. pora, neu para, von pro ad, z. b. vadit pro adribulo
(rivulum) Esp. sagr. XXXIV, 440. Die catal. spräche hat dafür pera
(per ad Monlau 362); vor dem infin. trifft man auch im prob, per a,
im alt fr. por a, s. Rom. gramm. III, 244 note.
Po reell ana it., sp. porcelana, fr. porcelaine porzellan, eine anfangs
nur aus China und Japan bezogene töpferwaare. Das ital, wort bedeutet
auch eine gewisse seemuschel, concha Veneris. Da diese mit der porzeUan-
masse große ähnlichkeit hat, so lag es nahe, ihren natnen auf letztere zu über-
tragen. Die muschel aber kann ihren namen kaum anderswoher bezogen
haben als von porcus, aber, wie Mahn p. 11 auseinandersetzt, nicht in
beziehung auf dessen gewöhnliche, sondern auf eine andre, figürliche be-
deutung, welche gleichfalls zwei dinge ihrer ähnlichkeit wegen verknüpft.
Portulaca it. pr., sp. verdolaga (durch umdeutung mit verde), pg.
verdoaga, verdoega, entstellt in beldroega, eine pflanze, von portulaca.
Aus lat porcilaca aber entstand durch fälschung it. porcellana (auch
eine töpferwaare, s. eben), ahd. purzella. Aus pulli pes hühnerfuß soü fr.
pourpier für poupiä gebildet sein, was durch die mundarÜ. form pi6pou
(pes pulli) bestätigung gewinnt, s. Menage.
Posta it. sp. pg., fr. poste post; von poaitns, wegen der auf gestal-
ten pferde.
Posticcio it., sp. postizo, fr. postiche, dsgl. apposticcio, apo-
stizo, pr. apostitz untergeschoben, nachgemacht; gleichsam appositicius an
die stelle gesetzt, roman. posto stelle.
Postilla it. pg. pr. (letzteres aus dem vb. postillar zu folgern), sp.
postila, fr. apostille randbemerkung; nicht aus positus, es lautete alsdann
it. postella, sp. postilla, fr. apostelle, sondern zsgs. aus post illa sc. verba
auctoris, s. Vossius Vit. senn.
Potare it., sp. pg. pr. podar, altfr. poder gewächse beschneiden;
von pütare, dessen figürliche bedetUung (glauben) in die romanischen
I. POTE-PREBENDA. 255
sprachen nicht eingieng. Dahin sp. po do n,pg. podäo kippe, auch atifr. poün
Gormond v. 241. 255 ed. Scheler 246. 259. {nickt mit Heisenberg = fr.
poing), abgeleitet vom sp. poda beschneidung, occit. poudo gartewnesser.
Pote sp. pg., pr. fr. pot {erster es zu folgern aus potaria) topf; vom
ndl. pot, wenigstens ist das pic. poteqnin offenbar das tnndl. potekin; das
stammwart übrigens auch im celt. vorhanden, kymr. pot, gael. poit. Dem
Italiener fehlt potto, dagegen entspricfU das daraus gezogene feminin dem
ir. puite, das, wie lat. concha, die ital. bedeutung mit der oben bemerkten
vereinigt, auch it. vaso hat diesen doppelten sinn. Eine abl. muß sein fr.
potage suppe (auch genUise: potaige 'legumen Gl. de Lille p.37b ed.
Scheler), daher it. potaggio und wohl auch sp. potage, eigentl. etwas im topf
bereitetes, wie fromage etwas in der form bereitetes heißt, also nickt von
dem unroman. potus, das fr. pouage ergeben hätte. Wie verhält es sich
aber mit pr. pot lippe ? ist dies die grunibedeutung, woraus die andre
erfolgte, wie dies bei brocca der fäll zu sein scheint? In der Schweiz
lautet es potte, faire la potte ist faire la moue (Dict. genev.), auch lothr.
potte, vgl. aiban. puze lippe. Neupr. pot, litnous. poutou (m.) bedeuten hiß.
Potere it., sp. pg. pr. poder, cdtfr. pooir {mit ausgestoßenem d),
nfr. pouvoir (mit eingeschobenem v zur aufhebung des hiatus), wai. puteä,
lat. posse; sbst. it. podere (mit d), sp. poder, wai. puteare macht, dsgl.
hob und gut wie das dtsche vermögen, ital. auch bauerngut. Wie bei
?elle ward auch hier von der in der conjugation vorherrschenden form
pot ein neuer infinitiv pbgezogen. Potere t für posse t hat eine Ur-
kunde vor 760 Fumag. p. 18, potemus für possumus findet sich Form.
Mab., desgl. Mural. Ant. ital. V, 312 (v. j. 796), ferner podibat (pr.
podia) für poterat Breq. p, 222c (v. j. 657), potebat HLang. I, col. 25
(v. j. 782), potebant L. Sal. app. 3, potebimns für poterimus Form.
Bciuz., possat für possit Fumag. p. 97 (v. j. 796), possant Mural. III, 570
(v.j. 757); s. auch Rom. gramm. II, 141—2.
Pozione it., sp. pocion, pr. poizo trank, arznei, altsp. pozon Alx.,
Conq. Ultram., fr. poison (m., noch bei Malherbe fem., s. Nodier, Exam.
crit.) giß: von potio trank, arznei-, gift-, zaubertrank. Vb. pr. poi-
zonar, 5p. ponzoäar, von potionare bei Vegetius, sbst. sp. ponzofia, pg.
pe<jonha giß. Eine ähnliche ausartung der grundbedeutung im sp. yerba,
pg. erva gißpflanze, giß, altfr. enherber vergiften; im nhd. gift, ursprüngl.
gäbe, dosis.
Pozzo it., wai. putz, sp. pozo, pr. potz, fr. pnits brunnen; von
putens, dtsch. pfutze. Daher pr. pozar, fr. puiser schöpfen, äpuiser
erschöpfen.
Prebenda, prevenda it. pr., sp. prebenda, fr. probende eigentl.
täglicher lebensunterhcit der manche und anderer geistlichen; von prae-
benda (plur.J was dargereicht werden muß, lieferung; dieselbe büdung
zeigt pr. liuranda von linrar. Das gleichbed.fr. provende {woher unser
pfründe), it. profenda, trennte sich von probende durch einwirkung des
vb. providere versorgen, pari, providenda, dem sich unser proviant anschließt.
256 I. PREGNO-PRO.
■
Pregno it., pg. prenhe, pr. prenh, attfr. prains (acc. prenant)
schwanger, von praegnas, praegnans; vb. pg. prenh ar, sp. particip.
prenado, dsgl. pg. emprenhar, sp. emprenar ff., wozu ein lat. verbum
fehlt. Das it. pregno, pregna ist eine misverstandne bildung, die der
andern mundarten sind, ihrem Ursprünge gemäß, generis communis.
Presente it. sp., prösent fr. geschenk. Das wort steigt in diesem
sinne ziemlich hoch hinauf, da schon Rambaut von Orange (um 1160) es
kennt (prezet gent presen schätzte ein artiges geschenk), das gleichbed.
ndat. praesentia reicht sogar bis zum 9. jh. zurück. Die bedeutung
knüpft sich an die des vb. praesentare vorstellen, ndat. und roman. an-
bieten, darbieten.
Presso it., pr. pres, fr. prte, partikel für lat. prope; von pressum
gedrängt, wie gr. ixy%i. Zsgs. it. appresso, altpg. pr. apres, fr. apres,
it. pressochfe, fr. presqne.
Pre stare it., sp. prestar, fr. preter leihen; von praestare in ders.
bed. bei Salvian, Venantius, in der L. Sai. u. s. w.
Presto it. sp. pg., pr. prest, fr. pret adj. bereit; vom lat. praestas
auf einer inschrift Grrut. p. 699. n. 4. Merkwürdig ist die port. form
prestes (indecl.), sie hat in dem gleichbed. lestes neben lesto ihr gegenstück.
Prete it., spt altpg. preste, fr. prfetre aus dem edtfr. pr. prestre,
priester, von presbyter senior, non pro aetate vel decrepita senectute,
sed propter honorem et dignitatem lsid. 7, 12. Andre formen erklären
sich wegen des verschiedenen accentes nur unmittelbar aus dem gr. tiqio-
ßixeQog, oder besser wohl aus dem näher liegenden lat. accusativ pres-
byterum (Littre, Hist. de la langue frang. I, 33, G. Paris, De Vaccent 45),
nämlich pr. preveire, preire, cot. prebere, cdtfr. proveire, provoire, und
so stimmt auch pr. preveiral, preveirat zu ndat. presbyteralis, pres-
byteratus. Auffallend ist das syncopierte s im it. prete, maü. prevet,
pret, da die spräche diesen buchstaben sonst nicht scheut.
Prevosto it., sp. pg. preboste, fr. prövöt,, waZ. preot probst, profos;
von praepositas. Daher auch sp. pg. prioste syndicus.
Prigione it., sp. prision, pr. preiso, fr. prison gefängnis; von
• prehensio, prensio ergreifung, noch im span. Verhaftung, im prov. weg-
nähme. Im ital. span. und aitfranz. wird es auch in der bed. gefangener
gebraucht.
Primo sp. pg. vorzüglich: la obra es prima das werk ist vorzüg-
lich; von primus im sinne von primarius. Hieraus die bedeutung des
pr. prim fein, zart, noch jetzt in den mundarten, z. b. limous. oqnel efon
es prim dieses kind ist zart gebaut. Im Jura ist primbois kleines hol*,
reisholz. Rochegude bemerkt pr. prim preon mit der bed. sehr tief, was
an prime probus bei Naevius erinnert. Verb. pr. cot. aprimar ver-
feinern.
Pro it. sp. pg. pr., cdtfr. prou, preu, pro, sämmtlich masc.9 span.
masc. fem., dafür auch it. prode, cdtsp. altpg. prol (f.) pr. pron vortheä;
von der lat. partikel pro, substantivisch angewandt wie auch contra, z. b.
L PROFILARE-PROSTRARE. 257
iL in pro o in contro zum vortheil oder nachtheil. Vielleicht gab der
zuruf proficiat, das man roman. in pro-faccia, pro-fassa übertrug, den
ersten anlaß zu diesem gebrauche, und ebenso ist in prod-est das it. prode
enthalten, oder eigentlich, prod ist die alte vollständige form für pro, noch
erhalten in prodins bei Nonius ed. Gerlach (Corssen, Zeitschr. f. vergl.
sprachf. III, 266; Bitschi, Plaut, exe. I, 97). — Vollkommen gleichlau-
tend mit diesem Substantiv ist ein adjeetiv (einer endung) mit der bed.
tüchtig, trefflieh, welches im prov. das eigne hat, daß es sein flexivisches '
8 häufig zur wttrzd zieht (pros ni valen acc, de la pros comtessa), da-
her nfr. preux, nicht mehr pren, chw. prns fromm, adv. pr. prosamen,
aber auch proosamen, altfr. proüsement, wiewohl Jcein adj. proos, fem.
proosa, vorkommt. Das adjeetiv pro ist von dem Substantiv nicht zu
trennen: ital. egli e prode ist wiederum = prod-est 'er ist nützlich, brav,
wie das altdeutsche frum, das mittdlat. ntilis beide bedetUungen einigt.
Oder ist es von probus? Unzweifelhaft wäre alsdann die regelmäßige
gestait des feminins prova, da es von dem übergange eines adjeetivs zweier
endungen in ein adjeetiv einer endung schwerlich ein gemeinrom. beispiel
gibt. Auch an prüdens hat man gedacht, aber das lange u verträgt sich
nickt mit rem. o, wenn man auch auf den wegfaU der endung kein ge-
wicht legt. — Wenn aber die herleitung des adj. pro aus probus unstatt-
haft ist, so läßt sich dagegen in dem adv. pr. pro, fr. prou s. v. a. lat.
satis um so leichter das adv. probe annehmen, als es altfr. auch proef
(Littre, Eist. II, 209), eat. prou (n aus b) lautet: pro batre aleun wird
van probe percutere aliquem wenig verschieden sein.
Profilare it., fr. profiler (entlehnt), sp. perfilar von der seite ab-
zeichnen; sbst. it. profilo, fr. profil, sp. lomb. perfil Seitenansicht; von
filum in der bed. gestait (umriß). Der eigentliche sinn der compositions-
partikel ist um so weniger gewiß, als die sprachen per und pro leicht
verwechseln.
Profit to it., pr. profieg, cot. fr. profit vortheil; vb. profittare,
profeitar, profiter; vom sbst. profectus. Spanier und Portugiesen haben
dafür provecho, proveito (daher das it. proveccio) mit lat. provectus
zusammentreffend, doch wird von Santa Rosa auch ein altpg. profeito
bemerkt, und da in der that provecho aus profectus entstanden sein kann, so
ist es rathsam, bei diesem als dem gemeinromanischen worte stehen zu bleiben.
Propaggine it., pr. probaina, sp. provena, fr. provin (für pro-
vain, wie die alten schrieben) Setzling, senker, vb. provigner; von pro-
pago propaginis, propaginare, woher auch unser vb. pfropfen.
Propio it. sp., cot. propi; von proprius mit euphonischem ausfall
des zweiten r, wci. propriu, pg. proprio, pr. propri, fr. propre. Auf
einer inschrift Ordl. 4822 findet sieh bereits propii.
Prostrare it., sp. postrar, pg. pr. prostrar niederschlagen; ein aus
dem partic. prostratus von prosternere nach der ersten conj. geformtes
verbum. In span. Urkunden liest man postravi Esp. sagr. XL, 370 (v.j.
832), postratus XXXIV, 464 (v. j. 962).
17
258 L PROTOCOLLO-PUNZAR
Protocollo it. ff. Von nqunbxolXov, bei den Byzantinern eigenä.
das den papyrusrollen vorgeleimte blatt (zsgs. aus nQWTog und xokla),
worauf bemerkt sein mußte, unter weichem comes largitionum und von wem
der papyrus verfertigt sei; der name nachher auf die notariatsurkunden
übertragen , weil daselbst jenes blatte da es eine chronologische angäbe ent-
hielt und zur deckung von fälschungen dienen konnte, nach einer Verord-
nung Justinians (nov. 44) nicht fehlen durfte. S. Tychsen in Hugo's
' Civil, magazin VI, 132.
Prua it., sp. pg. pr. proa, fr. proue Vorderschiff; von prora mit
ungewöhnlichem gewiß euphonischen ausfalle des r, das sich im ital. proda
als d darstellt. Dasselbe wort ist auch im aUhoclid. vorhanden: prora
'prot, prior pars navis* Gl. Paris, (augiens.) Diutisk. I, 268, in andern
glossen prort; und so wie proda in eweiter bedeutung den rand eines
dinges bezeichnet, so auch unser ahd. proth prort brort, so daß das ital.
wort in letzterem sinne aus dem deutschen aufgenommen sein wird, wäh-
rend es in ersterem einheimisch sein kann. Über den etwanigen Zusammen-
hang des ahd. Wortes mit andern germanischen s. Graff III, 313.
Prüdere it., pr. prüzer (pruir GFrov. 37), pg. cot. pruir (ßr
prudir) jucken; von prürire, euphonisch durch dissimüation prudire u.s.fn
noch in der limous. mundart prnre für prurer.
Pugnale it., sp. puüal, fr. poignard dolch; abgeleitet von pngio
pugionis.
Pulce it. (f.), fr. puce (f.), cot. pussa, sp.pg. pulga, cremon. gleich-
falls mit gutturallaut peulegh floh; von pulex (m.); vb. it. spulciare,
fr. äpucer, cot. espussar, sp. pg. pr. espulgar, val esplagar, unter wel-
chen das Span, verbum die bed. von despiojar (s. pidocchio) an sich ge-
nommen hat.
Pulcella it., altsp. puncella, poncella Bc., altpg. pr. pucella, fr.
pucelle, chw. purscella Jungfrau, masc. nur pr. piucel, fr. pncean,
chw. pnrscel Jüngling. Es ist ein dimin. von pullus jung, das gewöhn-
lich von thieren, als schmeichelwort auch von menschen gebraucht ward.
Die älteste künde des diminutivs findet sich wohl in einem capitular Chlo-
dowigs (v. j. 500—511), wo es pulicella lautet, Pertz IV, p. 6, welche
form auch eine handschrift der Lex. Sal. kennt. Das primitiv pullus
ist gleichfalls romanisch: ital. in Tessin pol knabe, pola madchen, polle
in dem alten liedchen auf Etdalia, altfr. und noch in Berry und Nor-
mandie heißt poulot knabchen, bübchen, in Limousin pouloto mädchen.
Pulsar sp. pg., pr. polsar, fr. pousser klopfen, stoßen; von pulsare.
Eine zweite form ist sp. puxar, pg. puxar fortstoßen. Sbst. it. polso,
fr. pouls, von pulsus.
Punto it.,, fr. point, auch prov. zuweilen ponh, point, Verstärkung
der negation; von punctum tüpfeichen, üeinigkeit; il n'a point d'esprit
er hat kein bißchen verstand, s. etwa Born, gramm. III, 429—30. 444.
Punzar und punchar sp., pg. pun$ar, it. punzellare, punzec-
chiare stechen; participiälverbum, gleichsam punctiare von punctuß. SbsL
I. PUTTO— QUAGLIARE. 259
ü. pnnzone, sp. punzon, fr. poin^on pfriemen, grdbstichel, ätsch, punzen,
banzen; von panctio stich, stechen, durch seine concrete anwendung ein
masadin geworden, vgl. unten tosone.
Patto it., sp. pg. puto hübe, fem. it. putta mädchen, auch lieder-
liche dirne, sp. pg. puta, altfr. pute nur in letzterer bedeutung. Ein wort
der römischen Volkssprache, das sich zufällig in einem Meineren, gewöhn-
lich Virgil zugeschriebenen gedickte erhalten hat und als ein volksmäßiges
darin bezeichnet wird: Scilicet hoc sine fraude, Vari dulcissime, dicam :
di8peream, nisi me perdidit iste putus. Sin autem praecepta vetant
me dicere, sane non dicam, sed me perdidit iste puer. 8. Winckelmann,
Jahrbb. für phüd., suppl. II, 497. Für putto war potto zu erwarten,
wobei jedoch diese etymologie unverdächtig bleibt. Mit putillus bei Flau-
tus Asin. 3, 3, 104 trifft das ital. dimin. puttello buchstäblich zusammen.
Eine dbl. ist it. puttana, altsp. putana Bc. liederliche dirne, metze; die
stelle des unvorhandenen fr. pataine vertritt putain (auchpr. putan, nicht
putana), aus dem accus, putam, ebenso die eigennamen Evain acc. aus
Evam, Bertain aus Bertham, Rom. gramm. II, 47.
Putto it., altsp. püdio, pr. altfr. put niederträchtig, widerlich (häu-
figes epithet der heiden pute gent); von pütidus wie netto, net von nitidus.
Daß dem it. putto auch die bed. verbuhlt beigegeben ward, als hange es
mit putta, puttana zusammen, darf nicht stören.
Q.
Qua it., sp. ac£, pg. c4 ortsadverb, von eccu'hac; dazu pr. sa, sai,
fr. ;a, lomb. sciä, von ecce hac.
Quadro it. sp. pg. viereck, rahmen, gemälde, fr. cadre, rahmen, pr.
caire viereckiger stein, bürg, quarre ecke; von quadrum. Abgel. fr. car-
ri&re steingrube, buchstäbl. quadersteingrube (carrä, carrer von quadra-
tus, quadrare), in späterem mlatein quadraria, zu scheiden von carrifere
laufbahn; dsgl. it. quadrello, sp. qnadrillo, pr. cairel, fr. carreau Vier-
eck von stein u. dgl., auch bolzen (wegen seines vierkantigen eisens). Zsgs.
it. squadra, sp. esquadra, fr. äquerre, (f.) Winkelmaß, it. sp. auch rotte
(viereck von leuten), geschwader, daher fr. escadre und escouade ; dsgl. it.
squadrone, sp. esquadron, fr. escadron heeresabtheilung ; alle vom vb.
squadrare cet. viereckig machen, lat. gleichsam exquadrare.
Quaglia it., altsp. coalla, pr. calha, fr. caille, chw. quacra wachtet;
tnlat. quaquila, quaquara, quaquadra (gewiß aus älterer Überlieferung,
Wackernagel, Voces animantium p. 20), mnl. quakele. Das cat. guatlla,
vol. guala, hat den anlaut des dtschen wahtala, neben welchem auch quat-
tala üblich war. Das wcd. wort ist prepelitze, auch pitpeläce, das sard.
circuri, das piem. cerlach.
Quagliare, cagliare it., sp. cuajar, pg. coalhar, fr. cailler ge-
rinnen, von coagulare. Vom sbst. coagulum ist pg. coalho, it. cagiio
lab, auch gaglio, latinisiert galium labkraut, bei Linne.
260 I. QUALCHE— QÜL
Qualche it., altsp. qualque, pr. qualsque, /r.quelque, unbestimmtes
pronomen, zsgs. aus qnalis quam nach dem heispide von quisquam. Mit
angefügtem unus: it. qualcuno, erweitert qualch-ed-uno, fr. quelqu'un.
Quaräsima it., sp. quaresma, fr. careme (m.), wal. pereisimi
plur. fastenzeit; von quadragesima, neugr. tsaoaQccxooTt].
Quartiere it., sp. pg. quartel, fr. quartier das abgetheüte viertel
eines raumes, in weiterem sinne ohne rüeksicht auf genauigkeit des maßes
ein abgetheüter räum z. b. in einem hause, eine wohnung, quartier, auch
Stadtviertel: altfr. de tote la terre tot lo meillor cartier das beste theil
des ganzen landes PDuch. p. 48. Der Südwesten braucht das primitiv
quarto in ähnlicher weise d. h. in der bed. wohnung, simmer, gemach.
Quatto it.y pr. quait, sp. cacho und gacho geduckt, zusammenge-
drückt; sbst. it. in Brescia quat alp (etwas drückendes), fr. cache versteck;
vb. sard. cattare platt drücken, fr. cacher ducken, verstecken, neupr.
cachä pressen, verstecken; zsgs. fr. 6c ach er, altfr. esquachier Ben. II,
143, pic. äcoacher, sp. acachar, agachar platt drücken. Quatto entspringt
einfach aus coactus, ebenso wird sich cacher aus coactare deuten lassen
(co = fr. c auch in coagulare, cailler, et = ch in flectere, flächir u. a.).
Eine besondere büdung aus coactus, pr. quait, ist fr. catir pressen =
altfr. pic. quatir ducken (part. quaitiß BCam. p. 247), nach Frisch u. a.
von dem den übrigen gebieten unbekannten quatere. AbU. aus cache sind
cachet petschaft, cachette schlupftoinkd, cachot kerker. Neben pr.
cachar findet sich noch eine ablautform quichar (quitxat GO.), neupr.
esquichä, genf esquicher, chw. squicciar quetschen.
Quello it. nebst colui (in der röm. mundart quelui), sp. pr. aquel,
pg. aquelle, demonstrativpronomen, von eccu'ille, nach Castelvetro von
hoco ille (was ist aber hoco?); dazu wal. acel, pr. aicel, altfr. icel, in
allen drei sprachen auch cel nebst celui, von ecc'ille, vgl. unten qui.
Man lasse sich durch eine mitteüat. umdeutung nicht zu einer falschen
etymologie verfuhren. Die Marculf. formdn nämlich fassen icelui als
ipsi lui auf: interrogatum fuit ipsi lui num. 23, ad parte ipsius lai
num. 17; ebenso schreiben die Mabül. formein ipsi Uli ei für icelei, und
so könnte auch ici als ips'hic verstanden werden. Daß sich aber im fr.
c kein lai. s verbirgt, verräth das picard. chelui, ichi u. s. f., worin ch
einem lat. $ gleich ist.
Questo it. nebst costui (in der röm. mundart questui), sp. pg.
aqueste (altpg. questo), cot. pr. aquest, demonstrativpronomen, von eceu'-
iste; dazu wal. acest, pr. aicest, altfr. icest, in atten drei sprachen
auch cest nebst cestui, neufr. cet, von ecc'iste.
Qui it., altfr. iqui Pass. de J. G. (noch jetzt bürg, pic.), equi SLeg.,
auch enqui, anqui, sp. pr. aquf, ortsadverb, floneccu'hic; dazu it. ci, pr.
aici, aissi (im Jaufre ci), cot. assi, fr. ici, ci, wal. aici, ici, von ecce hie
zsgz. eccic. Im ital. fiel der anlaut e weg, im span. und prov. ward er,
wie oft in tonloser erster silbe, zu a. Ob auch die span. spräche eine form
mit q oder dem entsprechenden s kannte, da ja die ital. und prov. beide
I. QUINTALE— RAFFARE. 261
Im Poem, de Cid 485. 3121 findet sich desf adelante (von
hier an) = pr. d'aissi enan; auch ein altpg. desy kommt vor, s. D. Din.
TVov. Zu merken ist hier, daß das rom. ici oder ci in altem ndatein
mit richtigem etymologischen gefuhl durch ecce ausgedrückt wird, z. b.
Brunetti p. 439 (v. j. 716) parentes ecce habeo multos ich habe viele
verwandte hier; p. 441 consobrino ecce mecum habeo ich habe meinen
vetter hier bei mir. Zsgs. ist it. qui-ci, li-ci, beide bei Dante vorkommend.
Quintale it., sp. pg. pr. quintal, das letztere schon bei dem Trou-
badour Bertran v. Born, fr. quintal gewicht von hundert pfund; vom aräb.
qin'tir Freyt. III, 506 ein gewicht von hundert ratl, welches seinerseits
aus dem lat. centenarius (ahd. zentenari, kentenari Doc. Mise. I, 204)
entlehnt sein sott. S. Jos. v. Hammer und besonders Mahn p. 126.
Quintana, chintana it., pr. quintana, altfr. quintaine männliche
figur von holz mit einem schüd, den der Jieransprengende reiter mit der
lange zu treffen suchte. Die entstehung des wortes ist noch nicht aufge-
hellt. S. Ducange, Menage, Caseneuve s. v., Baoul d. Cambr. p. 24,
FaUot p. 665.
Quota it., pr. cota, fr. cote beitrag eines jeden zu einer gemein-
schaftlichen ausgäbe, sp. pg. cota randbemerkung, transport (eigentl. an-
gäbe der ziffer); von quotus. Daher ferner it. quotare in Ordnung
bringen, sp. pg. cotar, acotar, fr. coter beziffern, attegieren, sp. cotejar,
pg. cotejar vergleichen (eigentl. zusammenstellen); fr. coterie geschlossene
geseUschaft (ursprüngl. von betheiligten).
R.
Rab&rbaro it., sp. pg. ruibarbo, fr. rhubarbe (f.) eine an den ufern
der Wolga so wie in China wachsende pflanze, rhabarber; eigentl. rha
barbarum (gr. (&), zum unterschiede so genannt von rha ponticum, wie
die Römer eine andre art dieser pflanze nannten, die in der gegend des
schwarzen meeres vorkam.
Racchetta it. {entstellt in lacchetta), sp. raqueta, fr. raquette netz
zum ballschlagen; gleichsam retichetta von rete.
Rada it. sp., rade fr. ankerplatz, rhede; vom altn. reida ausrüstung,
bereitschaß (der schiffe), ndl. feede, mhd. rade.
Raffare it. in arraffare, maü. raffa, piem. rafe, chw. raffar, altfr.
raffer, lothr. raffoua hurtig an sich reißen u. dgl.; sbst. piem. rafa raub,
gewinn, lothr. henneg. raffe, it. ruffa-raffa rapuse, romagn. riffe-raffa, chw.
riffa-raffa, sp. rifi-rafe. Dsgl. mit ableitendem 1 it. arraffiare (für ar-
rafilare), fr. rafler, 6 rafler; sbst. it. raffio haken etwas zupacken, fr.
rafle in feire rafle alles an sich reißen, rein aufräumen, daher, so scheint
es, die bed. pasch mit drei würfeln (gewinn, reine aufräumung). Deutsche
herkunft ist nicht zu bezweifeln: mhd. reffen, nhd. raffen (engl, raff wird
franz. sein); mit ableitendem 1 nhd. raffel Werkzeug zum scharren oder
262 L RAGGIO— KAMPA.
raufen, vgl. auch altn, hrafla wegschnappen. Dem Spiderausdruck rafle
entspricht ndl. schwed. raffel, engl, raffle. Das altfr. raffle heißt auch
grind einer wunde Baq., Myst. inid. p. p. Jubinal I, 283 (j'ai rifle et
rafle et roigne et taigne), ndl. rappe dass., vgl. ahd. rafjan sich sehließen
(van wunden). Merkwürdig ist das lothr. adj. raffe herb, sauer (eigenÜ.
zusammenziehend? raffen corripere, zusammennehmen), entsprechend dem
ahd. raffi asper Graff II, 494, gleichbed. comask. rap, vgl. altn. hrappr
unsanft.
Raggio, razzo it., sp. pg. rayo, pr. rai, raig, altfr. rai strahl
(prov. auch ström), nfr. rayon, van radius; daneben ein fem. ü. razza
Speiche, wal. raz<j, sp. pg. pr. raya, fr. raie strahl, streif, strich; vb. it.
raggiare, razzare strahlen, pr. rayar, altfr. raier und roier strahlen,
strömen, sp. rayar, nfr. rayer streifen, van radiäre. Die üal. form mit z
kennt schon ein glossar des 8—9. jh. razus Kspeicha Graff VI, 325. —
Sanderbar ist altfr. raie ader räe de miel, norm, r&ve (mit eingeschobenem
v), nfr. rayon de miel honigwabe, auch pg. raio de mel und wähl auch
särd. reja: es scheint eine durch berührung mit dem alts. rata, mndl. rate,
mM r&z honi große entstandene bedeutung, vgl. Grimm III, 464, Wei-
gand II, 511. Sofern fr. raie furche, Wasserfurche heißt = altfr. roie,
pr. rega, arrega, kommt es von rigare wässern.
Rallar sp. cot., pg. ralar reiben, figürl. plagen, fr. railler foppen;
sbst. sp. rallo, pg. ralo reibeisen. Frisch meint vom ndl. rakelen schüren,
rühren; nähere anspräche hat radicalare van rädere, wenn nicht etwa an
radula (werkzeug zum kratzen) gedacht werden darf. — [In betreff des
franz. Wortes erinnert Diefenbach an ndl. ndd. rallen, Schweiz, rahelen
neckerei treiben und ähnliche, s. Ztschr. für vergl. sprachf. XII, 79.]
Rame it., wal. aramej, sp. arambre, alambre, pr. aram, fr. airain
kupfer, kupfererz; von aeramen, bei Festus aeramina 'utensüia ampliora,
gewohnt, aeramentum kupfergeschirr. Das churw. wort ist iröm, offenbar
entstellt aus iram, eram, wie nffönt aus uffänt
Ramerino it., sp. romero, cot. pr. romanf, pg. rosmaninho, fr. ro-
marin ein kraut; zum (heil entstellt ader umgedeutet aus ros marinus.
Ramingo it., ramenc pr. beiname des jungen falken, der van ast
zu ast fliegt, dsgl. unstät, fr. ramingne eigensinnig; van ramus, dtsch.
ästling accipiter ramarius, entgegengesetzt dem nestling accipiter nidarius
(Frisch). Dem it. ramingo entspricht in seiner^Bedeutung sp. ramero,
dessen fem. ramera die feile dirne bezeichnet.
Rampa it. kraue, rampo haken, pr. rampa krampf; vb. it. ram-
pare, altfr. ramper klettern, nfr. kriechen, part. rampant aufsteigend
(herald.); aus diesem verbum wähl erst das sbst. rampe, sp. rampa erd-
aufwurf, auffahrt. Rampare ist desselben Stammes wie rappare (s. unten),
vom ndd. rapen, mit m bair. rampfen an sich reißen, packen (lomb. ramf,
ranf krampf), daher das Substantiv mit der bed. kralle u. s. f. Das ein-
geschabene m läßt die prav. mundart auch weg: rapar ist = fr. ram-
per, altval. leö rapan JFebr. = sp. leon rampante, ramagn. rape =
L RANCO-RANDA. 263
arrampk Eine abl. ist it. rampone haken, hieraus nach Muratori das
vb. it. rampognare höhnen, lästern, altfr. ramposner, ramponer höhnen,
zerren (ramposner, pinchier et poindre zerren, kneifen und stacheln
Roquef. s. v.\ pr. rampoinar 'dicere verba contraria derisorie GProv. 32,
sbst. it. rampogna, altfr. ramposne Verhöhnung u. dgl., henneg. ramponne
tracht schlage. Diese herleitung, wonach rampognare eigentl. mit Schmä-
hungen zerreißen hieße, bestätigt sowohl das ven. ramponare häkeln, wie
das cot. rampoina fetzen.
Ran co it. cot., sp. renco, aitfr. ranc kreuzlahm, ven. ranco verdreht;
vb. it. rancare, arrancare hinken, dirancare ausdrehen, ausreißen, sp.
arrancar ausreißen, ausziehen; gleiche bed. hat altit. arrancare PPS. 1, 187,
gen. arranca, piem. ranchä. Der stamm ist deutsch: nhd. rank, ndl.
wronck KU. Verdrehung , mhd. renken drehend ziehen, bair. renken zerren,
ags. Treue trug, goth. vraiqvs krumm. Arrancar ist also wohl ein vom fr.
arracher (II. c.) ganz verschiedenes wort; zu diesem passt buchstäblich,
aber nicht begrifflich, das sp. arraigar. — Für sp. renco gibt es eine form
rengo, sichtbarlich auf derrengar (s. oben diesen artikel) gestützt, mit dem
sie aber nicht gleiches Ursprunges sein kann.
Rancore it., rancor altsp. pg. pr., rancoeur altfr., rencor neusp.
groll; von rancor 1) ranziger geschmack; bei PaUadius, 2) alter groll, bei
Hieronymus und im mlatein; daher auch fr. ra nenne (mit demselben
suffix wie im altfr. vieillnne Rom. gramm. II, 341), it. altpg. ran-
enra u. a.
Ran da sp., pg. renda spitzen an Jdeidern, daher sp. randal netz-
förmiges gewebe. Es erinnert unmittelbar an unser deutsches rand und
beruft sich auf das ndl. kant, welches gleichfalls rand und spitzen heißt.
Zwar ist rand im alt- und mhd. nur in der bed. schildbuckel nachweis-
lich, es mochte ihm aber auch die heutige bed. margo, extremitas nicht
versagt sein, die dem ags. rand, rond, dem altn. rönd oder schwed. rand
zusteht, denn im gründe ist auch der buckel des Schildes dessen äußerstes,
daher ihn schon eine ahd. glosse 'cuptda vel ora clypei nennt (Oraff
II, 631). Andre weisen auf lat. rete, sp. red, dem sich das pg. renda
schon ziemlich annähert, nicht so das sp. randa. An die span. bedeutung
schließt sich etwa das pr. randar schmücken, putzen. Das piem. und neupr.
randa Streichholz um den inkalt eines gefäßes dem rande gleich zu ma-
chen, vb. rand& dem rande gleich streichen, entspricht unserm rand noch
entschiedener. Wir stellen noch hieher pr. randa, das für sich allein
nickt vorzukommen scheint (denn Chx. III, 400 la randa ist mit Bartsch zu
schreiben l'a randa), davon das adv. a randa bis ans ende, völlig, auch
it. a randa dicht daran: das Substantiv wird also das äußerste eines
dinges bedeuten und schließt sich unserm nhd. rand genau an. Abgeleitet
ist altfr. randir andringen Parton. II, p. 103; pr. altfr. randon unge-
stüm, heftigkeü, adv. a randon und de randon, sp. de rendon, de rondon,
pg. de rondao mit einem schlage, heftig, plötzlich (engl, at random), vb.
randonar, randoner anrennen, antreiben. Da die kämpf er mit vorgehal-
264 L RANGIFERO-RATTO.
tenem schüd heranstürmten, so wäre es möglich, daß in diesen ableüungen
die ahd. bedeutung zur geltung gekommen wäre.
Rangif ero it., rangffero sp., rangier fr., reynger ndl. rennfhier;
vom mlat. rangifer, dies wohl aus dem lappisch-finnischen raingo, nach
Schmeller II, 96. Frans, renne gleichbed. aus dem nord. hrein, r&n. |J
Raperonzo, raperonzolo, ramponzolo it., sie. raponzulu, romagn.
raponzal, sp. reponche, ruiponce, pg. rniponto u. dgl., fr. raiponee (f.)
eine pflanze, rapunzd; von rapa rübe, mit üal. Suffixen.
Rappare it. in arrappare, sp. pg. pr. rapar gewaltsam wegführen,
lothr. rapoua an sich raffen, verschlingen. Das üal. wort ist augenschein-
lich vom ndd. ndl. rapen, engl, rap, schwed. rappa u. s. w. = hd. raffen,
das span., das auch die bed. scheren (das haar rein wegnehmen) entwickelt
hat, entspringt gleichfalls leichter hieraus als durch eine sehr seltene um-
biegung der conjugation aus lat. rapere. Desselben Stammes ist auch it.
rappa schrunde an den fußen der pferde = mhd. rappe, ndl. rappe
grind Kü.} vb. ven. lomb. rapare, rapa schrumpfen = bair. sich räpfen
erharten, mit kruste überziehen.
Rasare it. (eigentl. ven. lomb. u. s. w.), sp. pg. rasar, fr. raser
scheren; romanisches frequentativ von rädere rasus.
Rascar sp. pg. pr. kratzen; sbst. pr. rasca, altfr. rasche kratze,
grind; für rasicare von rädere rasus. Dsgl. it. raschiare, cot. rasclar,
altfr. rascler, nfr. racler, mit ders. bed., sbst. it. raschia = pr. rasca,
lat. gleichsam rasiculare. Sp. pg. rasgar auseinander reißen, sbst. rasgo
flüchtiger strich, skizze, führt man auf resecare zurück, wiewohl das aus
rasgar abgeleitete rasgnnar kratzen und skizzieren mit seiner bedeutung
offenbar auf rasicare weist. Santa Rosa kennt auch ein dÜpg. rascar
schreien.
Raso it. sp., ras fr. ein glatter zeug; vom pari, rasus geschoren.
Abgel. sp. rasilla art sarsche, vgl. bei Isidorus ralla, quae vulgo rasilis
dicitur. Im it. rascia sarsche (rasch) findet Muratori den ländernamen
Rascia (ein theil von Slavonien Dante Par. 19, 140), woher dieser stoff
gekommen sein soll, altfr. le royaulme de Rasse z. b. bei Froissart; andre
den städtenamen Arras, s. jedoch arazzo U. a. Em alter üal. dichter
kennt vestiti di Doagio (Douai) e di Rascese PPS. II, 172.
Raspare it., sp. raspar, fr. r&per abkratzen, schaben; vom ahd.
raspön zusammenscharren. Sbst. it. raspo traübenkamm, dsgl. räude
(etwas kratzendes), sp. pr. raspa traübenkamm, granne, hülse eines kornes,
fr. r&pe raspel; mit verstärktem anlaut it. graspo, vgl. dieselbe Ver-
stärkung in graeimolo für raeimolo.
Rastro it. rechen, von rastrum karst, hacke, daher auch sp. rastro,
pg. rasto schleife (etwas auf dem boden fortgezogenes wie der rechen), dsgl.
spur, fährte; dimin. it. rastrello, rastello, sp. rastrillo, rastillo, fr.
räteau rechen, auch gatter, lat. rastellus.
Ratto it., sp. pg. rato, pr. fr. rat ein den Hörnern unbekanntes
(hier, rotte, ratze. Die roman. formen des sehr verbretteten Wortes stehen
L RAZIONE— REDO. 265
den deutschen näher als den celtischen: dhd. rato (m.), ags. rät, äUndd.
ratta, gad. radan, bret. raz. Abgd. cat. pg. ratar, piem. rate, sp. rato-
nar benagen; sp. ratear kriechen, ratero kriechend (auch im moralischen
sinne). Der Venezianer nennt die rotte pantegan, das Ferrari nicht eu
erklären weiß: es ist von pantex und heißt eigentl. dickbauch. [Nach
Stier, Ztsehr. für vergl. sprachf. XI, 131, von novrixog, letzteres oben
unter armellino berührt.]
Razione it. (bei Ferrari), sp. racion, pr. fr. ration bestimmtes
maß an lebensmittdn ; von ratio, ndat. für jus, recht, gerechtsame, das
was einem gebührt.
Razza it., sp. pg. pr. raza, fr. race stamm, geschlecht. Die übliche
herleitung aus radix radlcis verträgt sich nicht mit dem accent der casus
obUqui, der nominativ aber hätte rddica ergeben. Buchstäblich trifft das
ahd. reiza linie, strich, entsprechend dem ndat. linea sanguinis, fr. ligne,
nhd. linie. Das ins englische eingeführte race einigt noch die bedd. strich
und geschleckt in sich, die diso wohl auch altfr anz. waren. Vgl. wegen
der begriffsentwicJclung auch wällon. ttr s. v. tiäre II. c.
Reame it., ailtsp. reame, realme, pr. reyalme, nfr. royaume König-
reich; aus dem adj. regalis, gleichsam regaltmen, eine übrigens fast bei-
spieUose bildung, die sich nur in dem altfr. ducheaume, gleichsam duca-
limen, für duchl Ben. I, 18 wiederholt. Aus regimen aber ist fr.
regime, pr. regisme.
R6dina it., sicü. besser retina, mittelgr. §ireva DG., sp. umgestellt
rienda, pg. rödea, pr. regna, fr. r&ne aus dem alten resgne, zügd; vom
vb. retinere zurückhalten, nicht von regnare: pr. regna, reina für retna,
wie paire für patre. Das wort diente zum er$atz für habena, welches
aufgegeben ward, vielleicht weil es mit avena collidierte, und ist merk-
würdig, weil es lateinischen accent zeigt (vgl. rötinet), wogegen die neuen
verbauen der endung a ohne ausnähme dem romanischen gepräge des
praesens sing, folgen, so daß es z. b. it. rittäna lauten müßte. S. Egger,
Mem. de VAcad. d. inscr. XXIV, II, 309.
Redo im it. arredo, sp. arreo, pg. arreio, pr. arrei (zu folgern aus
areamen LR. II, 117), altfr. arroi zurüstung, geräthe, putz; vb. it. ar-
redare, sp. arrear, pg. arreiar, pr. aredar (LR V, 63 mit roidir über-
setzt) arrezar, altfr. arroier, arröer zurüsten, mit geräthe versehen, zurecht
machen, schmücken, altfr. arr£er auch das fdd bearbeiten. Andre zur
sammensetzungen sind: it. corredo, pr. conrei, altfr. conroi ausrüstutig,
ausstattung u. dgl., sp. correo, cat. correu wohlthat, pg. fehlt, vb. it. cor-
redare ausstatten, schmücken, pr. conrear, altfr. conröer ausstatten, be-
wirthen, nfr. corroyer leder, thon, mortel zubereiten {sbst. corroi), sp.
conrear das feld umbrechen; sodann pr. desrei, altfr. desroi, derroi,
nfr. dtaarroi Unordnung, vb. pr. desreiar, altfr. desroier aus der Ordnung
kommen u. a. bedd. Das einfache wort hat sich im altfr. roi Ordnung
behauptet: mesnre ne roi Ruteb. I, 108, nnl roy Wach p. 28, Amis 986,
aber auch das span. adv. arreo 'nach der Ordnung, hintereinander', wenn
266 I. REFRAN— REGALARE.
man es in & reo gerlegen darf, so wie das gleichbed. pr. darrä = sp.
de arreo geben es noch zu erkennen. Woher dieser in mehreren Zusam-
mensetzungen angewandte stamm? Die tat. spräche gewährt nichts befrie-
digendes. Ähd. rät, das auch vorrath und geräthe heißt, ist wegen des
rom. e ein sehr zweifelhaftes etymon: goth. ga-redan sorge tragen kann
nicht dafür entscheiden, da das goth. e überall, sicher wenigstens in ge-
meinrom. umfange, dem entsprechenden & der andern mundarten gegenüber
nicht zur gdtung kam. Goth. raidjan bestimmen, anordnen, ags. ge-redian,
mhd. ge-reiten bereit machen, aurecht machen, stimmen trefflich mit ihren
bedetdungen, würden aber nach der strenge der regel ein roman. radare
erzeugt haben, doch ist bei dem großen einfluß der niederdd. mundarten
auf das französische entstehung von arreder, arreier aus der ndl. form
reden und Verbreitung von Frankreich atis als ein möglicher fatt anzu-
nehmen, zumal da das wort auf diesem gebiete in größerer entfaltung er-
scheint. Aber zu erwägen bleibt auch das gael. reidh glatt, fertig, bereit,
geordnet. Augenscheinlich identisch mit unserm roi ist jedoch das bret.
reiz regel, gesetz, Vernunft, vgl. wegen der form bret. feiz = fr. foi, efreiz
= effroi, preiz = proie; kann es aber nicht eben sowohl fremd sein wie
die angeführten Wörter? die vannische form reic'h wenigstens beweist nichts
für seine celt. herkunft, da jene mundart mehrfach in fremden Wörtern c'h
für bret. z setzt. Man erwäge über diesen stamm vor allem Diefenbachs
Untersuchung, Goth. wb. II, 159—161, vgl auch Gachet 29°.
Refran sp., pg. refräo Sprichwort, pr. refranh, fr. refrain wieder-
kehrender strophentheü. Man hol diesem wort die ungeschlachte büdung
referaneos von referre untergelegt (von referant hat es noch neuerlich
Amador de los Bios, Lit. esp. II, 606, hergeleitet) oder es eben so unge-
schickt aus refrenare hervorgehen lassen. Refranh ist von refranher so
wie refrain vom dUfr. refraindre, wohin schon Baynouard sie ordnet, beide
verba von re-frangere wiederholt brechen, roman. auch modulieren, herab-
stimmen u. dgl. Beispiele sind: pr. lo rossinholet volt' e refranh son
chantar LB., fr. en sa pipe refraignoit Wack. p. 79. Nach J. Grimm
(Haupts Ztschr. V, 235) gehört lat. fringutire zwitschern und fringilla
fink zu frangere, wie auch aÜn. kleka brechen und klaka Hingen gleicher
wurzel sind. Für refranher gilt prov. auch refrinher schallen (nicht re-
frinhar LB.), unmittelbar aus refringere; wotnit sich aber das sbst. refrim
(geschmetter) formell nicht vereinigen läßt, eher lehnt sich dies (nebst frim
GAlb. 6360) an fremitus.
Regalare it., sp.pg.regsAsLT, fr. rögaler bewirthen, beschenken; sbst.
it. sp. pg. regalo, fr. rägal geschetik. Es soll von regalis kommen,
warum? ist nicht Mar. Bei der Untersuchung ist vor allem anzumerken,
daß es weder im franz. noch im ital. alteinheimisch, daß es aus Spanien
eingeführt ist. Hier bedeutet regalar hätscheln, liebkosen, altsp. im Alex,
schmelzen, liquefacere, regalarse liguescere. Es ist dies das lat. regelare
aufthauen, erwärmen; der Übergang des e in a konnte in frühester zeit
geschehen, eis g vor diesen beiden vocalen noch gleichlautend war. Ein
I. REGANAR— REPTAR. 267
positiver beweis der Identität von regelare und regalar aber liegt darin,
daß wie im span. Alex. str. 2202 plomo regalado geschmolzenes blei be-
deutet, so auch Papias regelatum plumbum mit *liquef actum übersetzt.
Auch die altfr. spräche muß Tegeler in der bemerkten bedeutung besessen
haben: das sbst. regiel = sp. regalo hat sich wenigstens in dem htpnnus
auf JEukdia erhalten : por manatce, regiel ne preiement durch drohung,
liebkosimg noch bitte; damit geht hand in hand nfr. dägeler aufthauen,
sbst. d£gel.
Reganarsp. und so pg. reganhar, pr. reganhar und reganar die
zahne blecken. Hiermit scheint identisch dUfr. recaner (beiBoquef. auch
recaigner), das gern von dem zähneblecken oder dem geschrei des esels
gebraucht wird gleich dem prov. worte (sembla mala can reganha LB.),
maä. righignä wiehern; dsgl. mit anlautendetn ch mundartl. (in Berry)
r6chaner schreien wie der esel, archanner wiehern, einfach chagner blechen.
Die Wörter passen zu cachinnare mit aufgesperrtem munde lachen: dem
durfte das wiehern und das damit verbundene zähneblecken verglichen
werden. Im nfr. ricaner (ri für re durch einwirkung von ridere, rire ?)
ward die bedeutung eingeschränkt auf das halblaute lachen der bosheit
oder albernheit, bei Nicot heißt es muthwülig sein, schäkern.
Registro it., sp. registro, pr. fr. registre, pg. ohne r registo ein
Verzeichnis, register; vom mlat. registrum für regestum cliber in quem
regeruntur commentarii quivis vel epistolae summorum pontificum' Du-
cange. Die einschiebung eines r hinter t ist ein bekannter romanischer zug.
Regolizia, legorizia it., sp. pg. regaliz cet., pr. regalicia, regu-
lecia, altfr. recolice, neufr. r^glisse süßholz, lakritze; durch Umstellung des
1 und r aus liquiritia bei Vegetius, De re vet., dies aus ylvxvfäi^a.
Relha 4>$r. pr., reille altfr., rejasp. pflugschar; von regula latte?
altfr. reilhe de fer Kregtda ferrea Carp. $. v. regula.
Rendere it., sp. rendir, pg. render, pr. fr. rendre zurückgeben u.
dghj von reddere; sbst it. rendita, sp.pr. renta, fr. rente einkünfte, von
redditum, plur. reddita, abgegebenes, eingeliefertes. Die einfügung des n
mag sehr (dt sein, da sie so allgemein ist (rendere L. Sal. tit. 52, cod.
guelf.); dUitci. bei Darberini findet sich indessen reddere s. Lex. rom., im
prov. ebenso redre z. b. Bth. 57, Pass. de J. C. 41, was hier, wo n leicht
ausfällt, freilich wenig sagt, altcat. sogar retre. Pott über Lex. Sal.
p. 167 erklärt sich, um die müßige einschiebung des n zu beseitigen,
rendere lieber aus re-indere. Aber ist denn diese einschiebung wirklich
so müßig? ist sie nicht vielmehr eine einfache formver Stärkung, um das
wort, das im franz. riäre hätte geben müssen, vor dem zerfließen zu be-
wahren, überhaupt um seinen klang zu heben? Überdies stimmt auch der
gebrauch des roman. Wortes ganz zu dem von reddere : fr. rendre paisible
ist wie placidum reddere u. dgL, was sich von re-indere nicht würde be-
haupten lassen.
Reptar altsp. pg.pr., nsp. retar, altfr. reter beschuldigen, anklagen,
Zweikampfe fordern. Aus mlat. rectare (vor gericht laden) konnte
268 L BESTA-BIBALDO.
es nicht entstehen, es würde alsdann pr. reitar lauten; wohl aber aus re-
putare, das sich in ähnlichem sinne angewandt findet, z. b. si quis alten
reputaverit quod scatnm säum jactasset L. Sal. tit. 30; quia nulli de
ista causa volet reputare weil er darüber keinem einen Vorwurf machen
will Cap. Cor. Calv. Bolus. II, 81; contra quod sacrameutum si quilibet
fecisse reputatus fuerit beschuldigt sein soüte das. p. 179. Auch appellare
gieng auf diese bedeutung ein: pr. qu'ieu la repte e l'apelh de trassio
Chx. Wy 166. Die churw. form ravidar aber muß die obige deutung
über jeden Zweifel erheben : v ist hier = lat. p, i häufig = lat. u.
Besta it., sp. ristra, pg. resta, restia, pr. rest bund zwiebeln, knob-
lauch oder anderer fruchte; von restis seil, weil sie daran befestigt wer-
den, wiewohl das lat. restes allii sive caeparum etwas anderes ist als das
pr. una rest de cebas ho de alhs LB. V, 88, indem jenes die blattet der
zunebd bedeutet. Das piem. rista hanf trifft dagegen mit ahd. rista flachs-
bündel zusammen.
Besta it., sp. ristre und enrister (m.), pg. reste, riste, ristre gabd,
in welche die lanze zum angriff eingelegt ward, daher pr. ares toi, altfr.
arestuel handhabe der lanze; von restare, rom. arrestare widerstehen,
also eigentlich widerhalt, anhält.
Bestfo it. (für restivo); pr. restiu, fr. r6tif widerspenstig; gebildet
aus restare widerstehen. Das mail. wort ist restin.
Betro it. in compositis, pr. reire, altfr. riere; von retro, wofür sp.
pg. atras. Zsgs. it. dietro, drieto, pr. dereire, derrier (letzteres auch
<*dj.), fr. derriere, von de retro; it. addietro, prx areire, fr. arriere,
von ad retro. Dsgl. abgd. pr. dereiran gleichsam deretranus, weiter
abgeleitet fr. dernier gleichsam deretranarius. Zu merken ist der ams-
fäll desr (durch dissimüation?) im it. dietro für diretro so wie im altfr.
za en ayer = pr. sa en areire.
Bibaldo it. altsp. pg. (que tomasen un ribaldo, un bellaco Rz.,
von Sanchez unrichtig mit rival erklärt), pr. ribaut, fr. ribaud lotterbvbe,
fem. ribauda, ribaude freche dirne; daher altn. ribballdi, mhd. ribbalt
Die ital. form rubaldo entstand wohl durch umdeutung mit rubare rauben,
stehlen. Was das mittelälter unter ribaldus verstand, sagt deutlich Mat-
thäus Paris: fures, exules, fugitivi, excommunicati, quos omnes ribaldos
Francia vulgariter consuevit appellare, heillose zu allem fähige menschen.
Auch die das treffen eröffnenden leichten truppen, die enfants perdus, die
im heere eben sowohl den dienst der trossbuben thaten, hießen so. Man
sehe darüber Th. WrigMs Political songs p. 369. Neufr. ist ribaud auf
die bed. scortator eingeschränkt. Es läßt sich aus ahd. regimbald kühner
mann (Grimm J2, 444) nicht genügend erklären, welches rambaldo, raim-
baut ergeben mußte und ergab, da m vor b nicht leicht austritt. Dagegen
bietet die ahd. spräche ein nur als fem. vorhandenes wort hribä (hripä)
prostituta, mhd. rtbe (Graff IV, 1146), woraus mit dem suffix ald das
rom. ribaldo erwachsen konnte. Desselben Ursprunges muß sein altfr.
riber weiber verfuhren, wohl auch ribler umherschwärmen. Man merke
I. RIBEBA-RICREDERSL 269
noch it. rubalda art pickelhauben, wie die mbaldi sie trugen, dsgl. fr.
ribau dequill ein wurfgeräthe, fläm. rabaudeken KU.
Ribeba it. bauerngeige, schäfergeige; vom ardb. rab&b, das ein
ahnliches tongeräthe von runder form bedeutet Gol. p. 925, Freyt. II, 107".
Daraus soll entstellt sein it. ribeca, pg. rabeca, cot. rabaquet, fr. rebec,
pr. rabey, dsgl. sp. rabel, pg. rabel, arrabil, dttfr. rebelle Boquef.
Poesie franc. p. 108, vgl. wegen der Verwechslung des b und c eine ähn-
liche Verwechslung des b und g im sp. jabeba, jabega maurische flöte.
Auch das pr. arlabecca, welchen namen ein ungenannter Sänger seinem
gedickte beilegt, könnte dieser herkunft sein, s. Patd Meyer, Jahrbuch V, 393.
Ricamare it., sp. pg. recamar, daher fr. räcamer sticken; sbst. it.
ricamo, sp. pg. recamo Stickerei; vom arab. vb. raqama streifen in einen
stoff weben, sbst. raqm gestreifte Stickerei Freyt. II, 18 lb. 182a.
Riccio it., wci. ariciu, sp. erizo, pg. ericio, ourigo, pr. eris.son,
fr. h&isson (h asp., aXtfr. aber auch erifon, ire$on) igel, Stachelschwein;
von ericius Varro ap. Nonium. Daher das vb. it. arricciare, sp.
erizar, pg. ourigar, pr. erissar, fr. h&risser starr machen, sträuben.
Riccio it., rizo sp. kraus, sbst. haarlocke, haarkrause, pg. rifo
flockiger stoff; vb. sp. rizar, enrizar, pg. ri^ar, ouri$ar, erizar, it. arric-
ciare kräuseln. Ferrari erblickt in riccio eine Umstellung aus cirrus locke,
gekräuseltes haar; weit besser hält es MSnage für eine abl. cirricius,
wodurch sich auch seine doppelte geltung als sul>stantiv und adjectiv am
einfachsten erklärt. Aber eine so starke aphärese wie die der sübe ci ge-
stattet nur die ital. spräche, das wort müßte also nach Spanien eingebracht
sein. Merkwürdig ist sein zusammentreffen mit riccio igel, das sich be-
sonders im pg. ouri$ar ausdrückt: sprachen, die für krauskopf dieselbe
wortform bilden und dulden wie für igel, konnten die nicht eben so wohl
die eine sache nach der andern benannt, das krause mit dem struppigen
verwechselt haben; wie ein römischer dichter den kämm wegen seiner zinken
kraus nennt? Das ineinanderlaufen beider begriffe spricht sich auch aus
im rnlai. reburrus 'hispidus, crispus*, vgl.Ducange h.v.: habebat capillos
crispos et rigidos atque sursam erectos et, ut ita dicam, rebursos. —
Span, enrizar heißt auch anreizen, aufhetzen: glaubt man das wort in
dieser bedeutung von dem obigen trennen zu müssen, so ist wenigstens das
von Gayangos dafür aufgestellte inrixare kein zulässiges etymon.
Ricco it., sp. pg. rico, pr. ric, fr. riche adj.; vom Ml. rtchi, goth.
reiks, nhd. reich. Die franz. form bezieht sich auf die althochd., ihr
che konnte aus altdeutschem chi hervorgehn, nicht aus auslautendem ch,
welches, wie in Fr6d6ric und Ferry aus Fridertch, c ergeben mußte oder
geschwunden wäre. Über die bed. mächtig, welche das wort im cdtroman.
wie im altdeutschen hatte, s. Lex. rom. I, XXXII.
Ricredersi it. seinen irrthum zurücknehmen, ricredente twdricre-
duto des gegentheüs überführt oder überzeugt, pr. dttfr. se recreire zu-
rücktreten, verzichten, müde werden eines dinges, altsp. recreer den muth
verlieren Alx., mlat. se recredere, über dessen gebrauch s. Ducange. Be-
270 I. RIDOTTO— RIMA.
sonders hieß der im gerichtliehen Zweikampf überwundene, zum bekenntnis
seines unrechtes genöthigte, recreditus, daher recrezut, recreu, recrezen,
recreant einen schimflichen sinn annahmen. Re-credere ist unlateinisch
und für die bed. * seine meinung zurücknehmen eine verkehrte Zusammen-
setzung. Vielleicht bringt eine befreundete spräche dem warte aufldärung.
Ahd. galaubjan ist s. v. a. credere, aber das reflexive sih galaubjan s. v.
a. recedere, deficere; beide aber, das activ wie das reflexiv, einigen sich,
wie Wackernagel lehrt, in dem grundbegriff freundliche hingebung oder
nachgiebigkeü. Dieses reflexiv sih galaubjan übersetzte man mit se «re-
dere, dem man nicht ohne bedeutung die partikel re beifügte.
Ridotto, raddotto it., sp. reducto, fr. r&luit und redoute (f.), letz-
teres aus dem itcd., schanze, Sammelplatz; von reducere reductus.
Riffa it. (eigentl. rifa, in comask. mun^art), sp. pg. cot. sicü. rifa
streit, Wettstreit, dsgl. glücksspiel; vb. it. arriffare würfeln, sp. pg. cat.
rifar streiten, dsgl. hosen, altfr. riffer wegraffen, kratzen, lothr. riffer
flachs raufen. Ist es vom ndl. rijven raspeln, rechen, altn. rifa zerreiben,
rifas sich zanken, sich raufen = ahd. rtban reiben? Aber der über den
Süden des roman. gebietes ausgebreitete stamm wird mit seinem labial
eher auf das naher liegende hochd. f, z. b. im bair. riffen d. t. raufen,
als auf ndl. v oder nord. f = ahd. b führen. Ebenso sind die ableüun-
gen mit 1 zu beurtheilen: altfr. pic. norm, riffler raffen, kratzen, ritzen,
streifen, wallon. rifler blind hineinlaufen (an edlem anstreifen, anschuppen),
auch kenne g. rifeter = riffer, sbst. altfr. riffle spießgerte, norm, rifle aus-
schlag, grind (wie unser kratze von kratzen), wohl auch it. riffilo fratzen-
gesieht, piem. riflador feile; vom ahd. riffil, riffila säge, nhd. riffel flachs-
raufe, vb. riffilön, riffeln, aber auch fläm. ryffelen kratzen, schinden KU^
engl, rifle rauben, die wohl aus dem franz. sind.
Rifusare it., pg. pr. refusar, sp. rehusar, fr. refuser weigern. Das
wort muß aus recusare abgeändert sein durch einmischung von refutare,
it. rifiutare, pr. refudar, das schon im frühern ndatein verwerfen, ver-
schmähen heißt. Im prov. und altfr. gab es eine zweite form mit ausge-
fallenem f {vgl. preon von profundus) rehuzar retisar, rehuser reüser
raüser ausweichen. Das altfr. reüser ward auch in ruser zusammengezogen
(Rou II, p. 216. 275, MGar. p. 93) und bedeutete vornehmlich das bei
seite weichen des wildes, um den hunden die spur zu nehmen, daher das
neufr. sbst. ruse kniff, kunst griff. Das zusammenfließen beider verba
recusare und refutare scheint sich auch in einer altpg. form reeudar =
refusar auszusprechen, wovon Santa Rosa ein beispiel anführt.
Rima it. sp. pg. pr., rime fr. reim; vb. rimare, rimar, rimer
reimen. Im prov. ist auch das masc. rim üblich: e devetz saber qu'on
pot dire rims o rimas Legs d'am. I, 144; englischnorm, begegnet gleich-
falls rym, s. Wright's Polit. songs p. 236; auch altsp. rimo Sanchez I,
L. LVII. Die genauere Untersuchung dieses Wortes muß der geschickte
der poesie überlassen bleiben. Hier werde bemerkt, daß nur das
lat. rhythmus {$v&ti6g) und das deutsche rim in erwägung kommen
I. RIMURCHIARE— RlSICARE. 271
können: das lat. rima (riß) läßt sich bloß durch künstelei hieher riehen,
uriewoM es sich übrigens nebst dem vb. rimari in einigen sprachen erhalten
hat. Rhythmus ist numerus: es bezeichnet noch im ältesten mittellatein
die' gleichmäßige abtheilung des verses in rücksicht auf die Zeitdauer, ohne
rücksicht auf das maß der einzelnen silben. Demnächst verstand man
unter versus rhythmicus den gereimten, sofern er, wie in der Volkssprache,
keine sübenmessung anerkennt; für gleichlaut des versschlusses (consonantia)
wird das wort kaum vorkommen. Diesen gelehrten ausdruck rhythmus
nun gab die Volkssprache durch das lautverwandte rima wieder, die ab-
htnfl aber des letzteren von dem ersteren findet in der form die größte
Schwierigkeit: ital. mußte rhythmus nach regelrechtem über gange, wenn es
einmal eine zusammenziehung erleiden sollte, rimmo oder remmo lauten,
man vgl. ammirare aus admirari, semmana aus sept'mana, maremma aus
marit'ma, flemma aus phlegma, dramma aus drachma, und in der that
wandelt sich rhythmicus altsp. in remico Canc. de Baena. Vollkommen
aber stimmt das rom. rima zum ahd. rtm numerus, das Übrigens auch die
celt. spräche kennt: altirisch rtm Zeuß I, 25, neu rimh, kymr. rhif (m.).
Wendet man ein, daß sich der reim unter den Deutschen erst später aus-
gebildet habe (s. Koberstein p. 45, 4. aufl.), so liegt die entgegnung nahe:
sie kannten ihn, noch ehe sie ihn brauchten, aus dem lat. kirchenliede.
übrigens konnte der Romane das deutsche wort in seiner altern bed. nu-
merus längst aufgenommen, ihm die neuere vielleicht selbst zugewendet
hoben. — Eine zss. ist aUsp. adrimar Bc., nsp. cot. arrimar zusammen-
stellen, anlehnen, fr. arrimer schichten, vgl. ahd. rhu in der bed. reihe,
die auch dem sp. rima zusteht, fr. (in Berry) enrimer symmetrisch ordnen.
Die neupr. mundart sagt schlechtweg rimä annähern = sp. arrimar. —
[Weitere bemerkungen über reim theilt Diefenbach mit, s. Neue jahrbb. für
phüol. u. pädag. LXXVII, 752]
Rimurchiareä., fr. remorquer, sp. remolcar bugsieren; von re-
mulcum schlepptau.
Rinculare it., sp. recular, pg. recuar, fr. reculer zurückweichen;
von culus, wie unser gleichbed. sich äraen von ars bei H. Sachs, ndl.
aerselen KU. Daher adv. fr. ä reculous rückwärts, wie unser ärschliugs,
mJtd. erslingen.
Ripresaglia, rappresaglia it., sp. represalia, fr. reprösaille selbst-
genommene entschädigung ; eigentl. zurücknähme des genommenen, von re-
prehendere re-preheusus.
Risicare it., sp. arriscar, arriesgar, pg. riscar, arriscar, fr. risquer
in gefahr setzen, wagen; sbst. it. risico, risco, sp. riesgo, fr. risque ge-
faltr. Span, risco heißt Hippe, steiler fds und dieses fuhrt auf resecare
abschneiden, so daß man sich eine steile höhe als etwas abgeschnittenes
dachte: nicht anders verhält sich schwed. skär klippe zu skära abschneiden.
Risco konnte ein Schifferausdruck sein, zuerst den gefährlichen f eisen,
dann die gefahr bezeichnend, wofür nachher die scheideform riesgo auf-
kam. Dazu stimmt auch neupr. rezegue gefahr } rezegd abschneiden, maä.
272 L RISMA— RIVIERA.
com. resega säge und gefahr, vb. resegä sägen und wagen, die nur von
resecare herstammen können. Auch pg. risca strich (schnitt), riscar
ausstreichen, sind hieher zu rechnen.
Risma it., sp. pg. resma, fr. rame, dtsch. rieß, ndl. riem eine Quan-
tität papier. Vom arab. razmah bündel Heider (rezmah Freyt. IT, 146*)
behauptet Sousa; daß aber Europa diesen ausdruck den arabern danke,
ist in sich selbst unwahrscheinlich und wird durch die arab. bedeutung
schlecht unterstützt. Schön ist Muratori's herleitung: gr. aQt^iog zahl,
anzahl sprach man in Italien arismus aus, zu schließen aus altit. (auch
altsp. cot. prov. altengl. mlat.) arismetica, daher, mit bekanntem abfaü
des anlautes a, rismo, risma. — [Wie kunstgerecht Muratori's erJdärung
auch war, so muß sie gleichwohl der gelehrten und ausführlichen recht-
fertigung des ardbischen etymons von Dozy, Oosterl. 72 ff., weichen. Hier-
nach bedeutet rizma überhaupt pack, bündel, speciell pack papier, bedeu-
tungen, die bei Freytag fehlen. Ferner ist es höchst wahrscheinlich, daß
Europa im mittelalter sein kattunpapier von den Arabern empßeng.]
Riso it., pr. ris, fr. riz, wal. urez (auch riscale) eine getreideart,
reiß; vom lat. oryza. DsgL sp. pg. arroz, vom arab. aroz Freyt. I, 26*.
Ritorta it., pr. redorta, dttfr. riorte, reorte, roorte, rorte Roquef.,
norm, rote bindweide, weidenband; ursprüngl. etwas gedrehtes, von retor-
quere, woher auch sp. retorta, fr. retorte gefäß mit gekrümmtem halse.
Den frühen gebrauch des wortes bezeugt die Lex Sai.: retortae, quibus
sepes continentur, vgl. Pardessus p. 382.
Ritto it. adj. recht, als gegensatz von link, von rectus grade, nicht
krumm oder verdreht, wie man sich die linke hand dachte, in dieser be-
deutung auch im tnlatein, s. Ducange und Carpentier, daher marritta
rechte hand, zsgs. mit manus. Gemeinrom. ist dafür das compos. it. di-
ritto, dritto, sp. derecho, pg. direito, pr. dreit, fr. droit, wal. drept,
lat. directus. Von directum das recht, häufig schon im frühen mlatein,
stammt auch das sbst. it. diritto ff. Zsgs. ist alpfr. endroit, pr. endreit
Präposition für lat. versus, daher nfr. sbst. endroit stelle, platz, eigenÜ.
das gegenüber oder vor äugen liegende, wie conträe von contre. Mit
directus wird auch die südliche himmelsgegend benannt: dauph. droichi,
npr. adrech, piem. indrit, wogegen die nördliche als die abgewandte auf-
gefaßt wird: mail. invers, npr. aves {für avers).
Rivellino it., sp. rebellin, pg. revelim, fr. ravelin, bei Roquefort
revelin, ein vor dem mittelwall (der courtine) liegendes außenwerk. Nach
Menage ist das franz. wort dem ital. entnommen, aber woher dieses?
Rivescio, rovescio it., sp.pg. reves (alle mit ausgefallenem r vor s),
fr. revers rückseite; von re versus, woher auch adj. pg. revesso, fr. revfeche
(zunächst aus dem ital.? dttfr. revois) widerwärtig, spröde.
Riviera it., sp. ribera, verkürzt vera, pg. pr. ribeira, verkürzt pg.
beira, altfr. ri viere ufer, eigentl. ufergegend; von riparia. Aber nicht nur
für die ufergegend, sondern auch für den fluß selbst brauchten vermöge
einer leichten Übertragung, der man mit rivus nicht zu hülfe zu kommen
I. RIZZARE-RÖCCA. 273
genöthigt ist, alle sprachen (altsp. ribera Älx.) dasselbe wort, und diese
bedeutung ist dem nfr. riviere ausschließlich verblieben. m
Rizzare it. aufrichten; gleichsam rectiare, von rectus. Gemeinrom.
ist nur das compos. dirizzare, drizzare, altsp. derezar, nsp. pg. ende-
rezar, pr. dressar, fr. dresser, a-dresser (sbst. adresse) richten, zurichten,
von lat. directus, wovon man direetiare leitete.
Roba it. altsp., altpg. rouba, pr. rauba, fr. rohe, mit tenuis sp.
ropa, pg. roupa Meid, geräthe, in älterer bed. Kriegsbeute, rauh, chw.
rauba vermögen; auch masc. sp. robo, pg. roubo; vb. it. rubare, sp.
robar, pg. roubar, pr. raubar, altfr. rober, nfr. dörober, altsp. auch robir
Alx., ebenso wald. Hahn 598, rauben; vom ahd. roub spolium, vb. goth.
bi-raubön, ahd. roubön, roupön, vgl. gael. robainn. Früh drang das
mlatein ein: quicquid super eum cum rauba vel arma tulit L. Alam.;
si quis in via alterum adsalierit et eum raubaverit L. Sah, und diese
bedeutung berauben ist sowohl altdeutsch wie romanisch. Abgel. altpg.
roubaz, robaz, roaz räuberisch, nach dem muster von rapax geformt.
Wal. robi, einen zum gefangnen machen, von rob = serb. röb, alban.
robi und ropi gefangener, sklave, daher auch robote, serb. röbija frohn-
dienst. S. über diesen ganzen wichtigen stamm Dief. Goth. wb. II, 164.
Robbo, rob it., sp. fr. rob, pg. robe obsthonig; vom arab. robb
dass. Freytag II, 106b.
Rocca und roccia it.,'sp. roca, pg. pr. roca, rocha, fr. röche fels,
Hippe (it. rocca auch schloß), masc. cot. roc stein, kieset, fr. roc fels;
abgel. pr. rochier, fr. rocher; vb. altfr. rocher mit steinen werfen
LRs. 178, noch jetzt norm. u. s. w. (röche stein eum werfen Ren. II> 87);
zsgs. it. diroccare, dirocciare, sp. derrocar, pr. derrocar,. derocar, fr.
däroquer, d&ocher von einem felsen herabstürzen, niederreißen, sp. der-
rochar verschwenden, durchbringen, altfr. aroquer, arocher zerschmettern.
Der Ursprung des Wortes ist nicht mit voller Sicherheit zu bestimmen. Im
mlatein kommt es wenig vor, zuerst, nach Ducange, in den Annal. Franc,
ann. 76? ', wo es thurm oder felsennest bedeuten muß: multas roccas et
speluncas conquisivit. Nach einigen (s. z. b. Maßmanns schrift über
das Schachspiel p. 38) ist es nichts anders als der name der Schachfigur
roc, also persischer herkunft, allein dafür geht sein alter zu hoch hinauf.
Auch fremde sprachen kennen es, in keiner aber scheint es zu wurzeln,
gael. roc, engl, rock, ndl. rots (s. darüber Hoffmann, Hör. belg. III, 152),
bask. arroca. Unter andern zuströmenden Wörtern verdient, wenn man
sieh streng an den begriff hält, das kymr. rhwg 'etwas vorragendes noch
die meiste rücksicht. Oder hängt rocca zusammen mit rocchetto (s. unten)
und bedeutet eigentlich etwas faltiges in beziehung auf die risse in den
f eisen, wobei man auch an das rom. falda bergabhang erinnern könnte:
es ist nur schade, daß es für diese auffassung an beispielen in andern
sprachen fehlt Sehen wir zu, ob sich das wort nicht aus dem lateinischen
dement schöpfen läßt. Rupes fand im roman. keinen eingang, nur die
Hol. spräche duldet es als poetischen ausdruck: aber man konnte rupea
18
274 I. ROCCA-ROMANZO.
daraus ableiten, welches, indem sich ü in der position kürzte (rupea rupja),
roccia, röche ergab wie appropiare approcciare, approcher ; wirklich findet
sich rupea 'saxosa Ol. Paris, ed. Hildebrand p. 264. Aber dem guttu-
ralen rocca ist damit nicht geholfen: diesem genügte nur eine andre ab-
leitung von rupes, rupica, wie von avis avica, von uatis natica, von cutis
cutica geleitet ward: Übergang des pc in cc ist zwar nicht eu belegen,
aber im princip einzuräumen. Beide abll. rupea und rupica können im
spiel gewesen sein, doch kann rupica auch das palatale rocha, röche er-
zeugt und dies sich nach Italien in der form roccia verbreitet haben.
Rocca it., sp. rueca, pg. roca Spinnrocken, vom ahd. rocco, altn.
rockr. In der alten prov. spräche vermisst man das wort, die neue occit.
mundart kennt rouque spule. Daher it. rocchetta, engl, rocket, disch.
rakete, weil sie mit dem oberen dicken ende die form eines rockens dar-
stellt, s. Ferrari.
Rocchetto it., roquete sp., röchet fr. (daher wohl die ital. form
roccetto) Chorhemd, vgl. wal. röchie weiberrock. Das primitiv roccus
(später auch hroccus geschr.) kennt ein capitular Karls d. gr., es ist das
ahd. roc (hroch GL Emmeram.), ags. roc, altn. rockr. Eigentlich be-
deutet das roman. wort ein gefälteltes Meid, daher pg. enrocar, it. ar-
rochettare (bei P. Monti p. 223) fälteln, und dies erinnert an altn.
hrucka, gael. roc runzel, falte, engl, to ruck schrumpfen.
Rocco it., sp. pg. roque, pr. fr. roc thurm im schach; vom pers.
rokh kameel mit bogenschützen besetzt, s. Vullers II, 24".
Roggio it., sp. roxo, pg. rouxo, pr. rog (fem. roja), fr. rouge, dsgl.
it. robbio, sp. rubio, pg. ruivo roth; von rubeus; vb. fr. rougir, pr.
rogir roth werden. Robbio würde sich auch von rubidus leiten lassen,
stimmte nicht das sbst. robbia färberröthe genau zu dem gleichbed. rubia.
Rogna it., sp. pg. pr. gleichlaut., fr. rogne, wal. r^ia (vgl. vie mit
it. vigna, sicriu mit scrigno) kratze, räude; nach Menage von robigo
robiginis rost, rostfleck, eine harte, aber doch mögliche zusammenziehung.
Am leichtesten erklärt sich das adj. rognoso ff. aus robiginosus.
Rognone it., sp. rinon, pr. renho, ronho, dltfr. regnon, neufr.
roignon niere, wal. renunchiu; erweitert aus dem allzu umfanglosen ren,
gleichsam renio, mit beobachtung des bildenden i, wie man dies in vig-
liacco aus vilis u. a. fällen bemerkt. Ital. auch arnione, argnone mit
umgestelltem re (so in arcigno vom fr. rechin).
Roma uz o it., sp. romance, pr. altfr. romans, chw. romansch, ndat.
romancium romanische spräche oder dichtung; daher vb. sp. romanzar,
pr. romansar, altfr. romancier ins romanische übertragen u. dgl. Es er-
klärt sich buchstäblich aus dem lat. adv. romanice, wie es denn' in der
that adverbial gebraucht wird: altfr. parier romans loqui romanice. S. Rom.
gramm. I, 74. Altfr. lautet romans gewöhnlich, wenn auch unrichtig, im
cos. obl. romant nach dem muster von paYsans paYsant (nfr. paysan), da-
her der spätere nomin. romant, roman so wie das adj. romant-ique.
über romanzo s. Raynouard, Chx. 371. Ein gegenstück zu romans ist
I. ROMBO-ROSIGNUOLO. 275
dhfr. bretans = britannice Brt. I, 392, auch sp. vascuence = vasco-
nice, welches erstere Adelung, Mithr. II, lächerlich aus Vasco und ence
W zusammensetzt
Rombo it., sp. rumbo, pg. rumbo, rumo, fr. ruinb, engl, rumb
windlinie auf dem compass, lauf des Schiffes; vb. fr. arrumer die windr
linien auf einer Seekarte zeichnen ; nach Nicot vom gr. Qu/ttog deichsei, so-
fern diese die richtung des Wagens anzeigt, nach andern von rhombus.
Aber fr. arrumer, sp. arrumar die Schiffsladung vertheilen und ordnen,
pg. arrumar überh. ordnen, werden aus dem ndl. ruiui Schiffsraum er-
klärt, 8. Pougens, Tresor I, 89. Vgl. norm, arruner ordnen, döruner ver-
wirren.
Romeo it. altsp. (bei Berceo), dsgl. it. romero (mdartl. s. Murat.
Ant. ital. VI, 648), sp. dieselbe form, altfr. romier Wallfahrer, eigentl.
wer nach Rom pilgert : romero quiere decir como ome que va & Roma
pora yisitar los santos lugares Partid. 1. tit. 24, 1 (bei Cabrera); chia-
mansi romei inqnanto vanno a Roma Dante Vit. nuova.
Röndine, rondinella it., wal. rqndunea, pg. andorinha, pr. ironda,
irondella, fr. hirondelle schwalbe; mundartliche und nebenformen: wal.
rundnrea, pr. randola, neupr. endriouleto, andoureto, dindouleto, altfr.
aronde, alondre, arondelle, cot. aureneta, oreneta, vol. oroneta. Alle aus
hirundo hirundinis, z. b. das cat. orin-eta umgestellt aus irond-eta mit
ausgeworfenem d nach der weise dieser spräche; aber wie deutet man das
sp. golondrina, dessen primitiv golondro begierde, verlangen ausdrückt?
Ferrari will das gr. %ahddv darin erkennen.
Ronfiare toscan., sie. runfuliari, ven. ronfare,i?r. ronflar, fr. ron-
fler, cäm?. g-rufflar schnarchen; vgl. bret. rufla, gr. §oq>eiv, Qofupaveiv schlürfen
u. dgl. naturausdrücke mehr.
Ros pr. (m.) (hau: ab gran joi albergueron el mati ab lo ros am
morgen mit dem (hau GAlb. 3784; das einfache wort fehlt sonst, ausge-
nommen sard. rosn und rore, wal. roe. Dafür schuf sich der Portugiese
aus roseidus ((hauig) mit ausgestoßenem d das subst. röcio, sp. rocio,
aus demselben adjeetiv floß sp. rociar (wie aus limpidus limpiar), cat.
ruxar, pr. arrosar, fr. arroser bethauen, besprengen; aus dem verbum das
Substantiv sp. pg. rociada, cat. ruxada, pr. rosada, fr. rosöe, it. rugi-
ada thau, buchstäbl. bethauung.
Rosa it. sp. pg. pr., rose fr. eine blume. Da das wort überall, auch
im wal. rase, den ihm gebührenden diphthong als ausdruck des kurzen o
vermeidet, so muß die ausspräche mit langem o rosa sehr alt sein und
vielleicht würde sich bei einem der spätesten lat. dichter ein beispiel der-
selben finden. Auch ahd. rösä. Aus dem classischen rosa hätte sich it.
ruosa, sp. ruesa, .altfr. niese, wal. roase gestalten müssen, aber nur in
einigen mundarten kommen diphthongische bildungen vor: maü. piem.
ckw. rosa.
Rosignuolo, rusignuolo it., sp. ruiseöor, altsp. roseüol, rosenor,
pg. rouxmholj rouxinol, pr. fr. rossignol nachtigaU, bei einem prov. dichter
276 t. ROSSO— ROVERE.
auch fem. rossinhola (nicht etwa das Weibchen); von lusciniolus aus los-
cinius. Varro L. L. 6, 76 führt nur das dimin. lusciniola an und auch
die neuen sprachen kennen nur eine diminutivbildung. Die seltsame ge-
meinroman. vertauschung des anlautenden 1 mit r scheint, wenn man die
alte artikelform hinzudenkt, rein euplwnisch: lo losignuolo mit zwei Um-
losen lo {anders in lo löco), worauf noch ein suffigiertes 1 folgt, war un-
erträglich. Diese vertauschung ist uralt : ruscinia kennt schon eine hand-
schrift des 9. jh. s. Haupts Ztschr. V, 19 7b, roscinia eine eben so alte
s. Mortis Ans ei g. VII, 148. Eine ital. nebenform ist lusignuolo, selbst
usignuolo, altfr. lousignol mit dem verbum lousegnoler, in bürg, mundart
noch jetzt rosignöler. Bouille führt auch lurcignol an. Der Dacoromane
ist von dem lat. worte abgegangen und nennt den vogel priveghitoare
nachtwächterin, gleichsam pervigilatrix, der Albanese nennt ihn mit einem
weder latein. noch griech. worte biljbflj, welches auch der Macedoromane
angenommen.
Rosso it., sp. roxo, pg. roxo, pr. ros, fr. roux, wai. roi, roiiu roth;
von dem seltnen lat, russus.
Rostire it. in arrostire, cot. rostir, fr. rötir, pr. raustir, rösten;
part. prät. als sbst it. arrostito, fr. röti geröstetes, braten; sbst. aus dem
stamme pr. raust, it. arrosto. Das verbum trifft zusammen mit ahd.
röstjan (rom. i = ahd. j), das sbst. mit gi-rosti, aber auch die celt. Wörter,
gael. röist, kymr. rhostio, bret. rosta sind zu nennen. Beachtenswerth ist hier
der prov. diphthong au, der aus den celt. formen unerklärbar ein älteres hd.
raustjan in anspruch nimmt, dem indessen kein ags. reästan zur seile steht.
Rotella it., sp. rodela, altfr. roele runder Schild; it. rotella, sp.
rodilla, pr. rodela kniescheibe, knie; von rotella für rotula Dief. Gloss.
lat. germ., vgl. was die letztere bedeutung betrifft, mhd. knie-rade.
Rotolo und rullo it., sp. rollo, rol, pr. rotle, rolle, fr. role etwas
zusammengewickeltes, rolle papier, walze; von rotulus; vb. it. rotolare
und mit assibiliertem t ruzzolare, sp. arroliar, pr. rotlar, altfr. rooler,
neufr. rouler wälzen, rollen; altfr. roeler, gleichsam rotellare. Auch sp.
rolde ist von rotulus, vgl. Roldan und Rotlan. Zsgs. fr. contröle gegen-
rolle d. i. gegenrechnung, für contre-röle, was schwer auszusprechen war.
Rotta it., sp. pg. pr. rota, altfr. route, nfr. d&oute niederlage,
buchstäbl. brach, von ruptus, rupta. Dasselbe wort hat noch andre bedeu-
tungen entfaltet: pr. rota, altfr. rote abthcüung eines lieeres, trupp, ndat.
rupta, daher unser rotte, vgl. Grimm /*, 494; vb. altfr. arouter in Ord-
nung stellen. Dsgl. fr. route Straße d. i. via rupta gebrochener weg, wie
altfr. brisäe Straße bedeutet, vgl. den geographischen namen Malarouta
Breq. 290* (v. j. 680); pg, rota, derrota lauf des Schiffes; fr. routier
der wege kundig, routine Übung. Eine andre abl. ist fr. roture, rnktt.
ruptura, gereute, kleines gut, bauemgut, roturier besitzer eines solchen
gutes, gemeiner mann im gegensatze zum edelmann.
Rövere it., sp. pg. roble, pr. roure, fr. rouvre Steineiche; von robur
roboris.
L ROZZA-RUFFA. 277
Rozza it., pr. rossa, fr. rosse schlechte mähre, masc. camask. roz,
bergam. ros. Es ist kein grund vorhanden, der itdl. form zu mistrauen,
die uns lehrt, daß pr. fr. ss in diesem worte nicht deutschem ss entspre-
chen, daß es mithin nicht aus unserm ross herrühren kann. Dazu kommt
noch ein derivatum, dessen primitiv gleichfalls nicht für ss, sondern für
z oder c zeugt, pr. rossi, roci, ältfr. roucin, sp. rocin nebst dem berühm-
ten rocinante, pg. rossim, und mit n, das eingeschoben sein kann, pr.
ronci, aüfr. roncin (daher kymr. rhwnsi), pic. ronchin, it. ronzino kleineres
pferd, klepper, lothr. wallon. ronsin hengst, nfr. roussin untersetzter hengst.
Daß auch ein schlechteres, geringeres pferd darunter verstanden ward, er-
hettt schon aus den stellen: bon frag eys (exit) de bon jardi e d'avol
cavalh rossi Chx. V, 256; fols est ki d'esprivier (epervier) cuide faire
faueon ne de ronci destrier Alex. 549, 30; das entsprechende mhd. runzit
bedeutet oft, aber nicht gewöhnlich, ein schlechtes pferd, s. Pfeiffers ab-
handH. vom ross p. 2. Dieses ronzino, mUxt. runcinus, deutet Vossius,
Vit serm., aus dem ndl. min waRach (das nach Grimm, Gesch. d. d.
spr. p. 30, su ahd. reinneo gehört, s. oben guaragno), und wenn man
auch auf die abweichende bedeutung kein gewicht legen und runcinus aus
ruin-c-inus construieren wül, so bleibt damit das seltsame rozza noch
nicht aufgehellt; eine rückbildung aus runcinus darin anzunehmen, ist
immer bedenklich Beide Wörter verlangen noch eine schärfere Untersuchung.
Der Normanne kennt auch harousse s. v. a. fr. rosse, welches in betracht
des anlautenden h seine herkunfl aus dem ahd. altn. hros schwer ver~
läugnen kann.
Rubino it., sp. rubin, rubf, pr. robi, fr. rubis ein röthlicher edel-
stein, rubin; von rubeus.
Ruca it. pr., sp. pg. oruga; dsgl. it. ruchetta, sp. ruqueta, fr.
roqnette eine pflanze, rauhe; vom lat. erüca dass.
Ruffa.tf. gedränge von personen um etwas aufzuraffen (gezause
um etwas); vb. arruffare das haar verwirren, zausen, comask. rufa-
su das geeicht zusammenziehen (kraus machen), pg. cat. arrufar kräuseln,
zusammenziehen, rauh machen, sp. arrufarse sich erzürnen (so it. ar-
ricciarsi kraus werden, zornig werden); adj. sp. rufo kraushaarig
(auch rothhaarig, von rufus), pr. ruf rauh, rauch? (ac grans e rufas las
mas Jfr.), limous. rufe dass., in Berry rufe, rufle mürrisch. Die Wörter
sind germanischer herkunfl, zumal stimmt it. arruffare zu unserm raufen
(so tuffare zu taufen), aber auch zu rupfen (ebenso zuffa zu zupfen), dsgl.
zu engl, ruff, rüffle krause, ndl. ruyffel runzel KU., altn. rfifinn struppig;
für das roman. adj. vgl. aÜengl. ruff rauh. Hiermit ist zu verbinden
mail. ruff, piem. com. rufa schorf, venez. überhaupt unsauberkeit, mit
radicalem o romagn. rofia (für rofla) schuppen auf dem köpfe, brand im
getreue (identisch it. roffia dicker nebet, Dante Par. 28, 82), bürg.
reuffle, im Jura rouffie, ältfr. roife NFG. II, 88, auch rol'6e schorf, alle
= ahd. hruf, mhd. ruf, altn. hrufa, rufa, ndl. rof aussatz, schorf, rauhig-
keU u. dgl., ags. hreöfl aussätzig. Eine zss. ist it. baruffa rauferei,
278 I. RUFFIANO -SACCO.
com. baruf büschel haare, pr. barrufant rauf er, chw. barufar raufen,
augenscfieinlich das ahd. biroufan, a für i wie im it. baroccio für biroccio
u. andern. — Nicht zu vermengen mit diesem ist sp. arrufer krümmen,
wölben, vom engl, roof mit einem dache versehen, sbst.- dach, Wölbung,
daher gaumen (vgl. wegen der letzteren bedeutung palais IL c), sp. sbst.
rufo abgesonderter platz in der barke (Seckendorf), ndl. roef sdiiffs-
kämmerchen.
Ruffiano it., sp. pr. rufian, fr. rufien kuppler. Nach einigen von
rufus, weil sie roth gekleidet gewesen, was aber Menage widerlegt; nach
andern gleichfalls von rufus, aber darum weil die feilen dirnen rötMiches
oder blondes haar getragen hätten, s. Ducange. In beiden fallen muß
man rufulus zu gründe legen, daher ruf lanus, ital. dreisilb. ruffiano und
hieraus die formen der übrigen sprachen. Sicherer aber (denn rufus ist
nicht einmal im ital. einheimisch) leitet man das wort auf den eben be-
handelten stamm ruf, rufl zurück, wonach es, freilich etwas allgemein, als
Schimpfwort, einen moralisch schmutzigen menschen bezeichnete, bei Dante
Inf. 11 ruffian, baratti e simile lordura. Man bemerke noch hd. ruffer
kuppier Frisch II, 133a , nhd. ruf fein kuppeln Schmeller HI, 62, altengl.
ruffiner für ruffian u. dgl.
Ruga altit., sp. pg. pr. rua, fr. rue gösse; von ruga furche, daher
reihe, straße, schon in alten glossen ruga 'platea äyvia, dsgl. ruga (>ii*i}\
auch der Albanese braucht rüge in roman. sinne. Die lat. bedeutung ver-
tritt it. ruga, sp. arruga, pr. ruga, rua.
Ruggine it., wal. rugfne, sp. orin rost am metäll, von aerugo;
gleichbed. sp. robin von rubigo; von letzterem auch cot. rovell, pr.
roilh, roYlha, fr. rouille diminutivbüdungen.
s.
Säbana sp., pr. savena, altfr. savene betttuch, altartuch u. dgl., im
spätem latein sabanum, savanum, goth. sabans, ahd. saban feine lein-
wand; vom gr. oaßavov leinenes tuch zum abtrocknen im bade; daher auch
sie. insavonare in das leichentuch hüllen. S. Dief. Goth. tob. 1, 179. 770.
Sacar sp. pg., altfr. sachier, pic. saquer ziehen, herausziehen (nfr.
saccade zug), ursprüngl. an sich bringen, sich zu eigen machen: heredi-
tates, quas saceavimus de Argefonso in einer Urkunde Esp. sagr. XL, 407;
von Saccus tasche. Altfr. bedeutet desachier s. v. a. einfach sachier und
vielleicht ist in letzterem die präposition zu supplieren; so könnte umge-
kehrt das neupr. sac4 * einstecken am dem dttpr. ensacar abgekürzt sein,
doch bedeutet das ndd. sakken ganz dasselbe s. Brem. wb.; auch engl.
bag sack, vb. bag einsacken.
Sacco it., sp. pg. saco, fr. sac in der bed. plünderung eines ortes;
vb. it. saccheggiare, sp. saquear, fr. saccager. Vbm ahd. scah (beute)
kann es nicht herstammen, da sich anlautendes sc = sk nimmer in s
vereinfacht. Es kann nur identisch sein mit lat. Saccus und mochte zu-
I. SAGGIO— SAGRO. 279
erst pack) demnächst die eingepackte beute heißen, wie hochd. plunder
Habseligkeit, gepäck, engl, plunder beute heißt. Ein anderes beispiel, wie
die Handlung nach dem dazu dienenden Werkzeuge benannt wird, ist pg.
escala erstürmung mit der leiter, von scala leiter. Dahin it. saccomanno
pactknechtj neupr. sacaman, vom mhd. ndl. bair. sackmann (auch rauher) ;
sp. sacomano plüfderung, mhd. sackman machen depqpulare Wb. II, 46.
Saggio it., sp. pg. sabio, pr. sabi, satge, fr. sage klug; entwickelt
sich leichter aus detn vermutlich volksmäßigen sapius, zu folgern aus
dem negativen nesapins bei Petronius (vgl. scius, nescius), als aus sapi-
dus (fr. sade), wohin man es gewöhnlich stellt. Doch gründet sich die
franz. form nicht unmittelbar auf sapius, welches sache erzeugt hätte9
sondern auf ein vermittelndes in dem altfr. saive LRs. angedeutetes sabius,
savius. Die getreueste form ist wohl die sie. sapiu in varva-sapiu klug,
buchstäbl. hart -klug.
Saggio, assaggio it., sp. ensayo, asayo, pr. essai, assai, fr. essai
probe; vb. iL saggiare, assaggiare, sp. ensayar, asayar, pr. essaiar,
assaiar, fr. essayer probieren, auf die probe stellen, kosten. Es soll von
sapor oder sapere stammen, aber wie? man müßte das oben erwähnte
sapius zu gründe legen. Span, ensayo, cot. ensaig weisen mit der silbe
ens auf ex, und da sich exagium auf einer römischen inschrift (s. Grut.
647, 6) in der bed. Schätzung, in einem gr. lat. glossar iSayiov cpensatw
findet, so ist nach keinem weitem etymon zu suchen. S. darüber Muratori.
Sagire it. in besitz setzen, pr. sazir, fr. saisir ergreifen, wegnehmen,
(satzir 'capere contra jus' GProv. 37); abgel. it. sagina, pr. sazina,
fr. saisine besitz. Das dUfr. saisir hat auch die ital. bedeutung, daher
das formelhafte vestut et saizit Rol. p. 124, noch jetzt se saisir de qch.
sich einer sache bemächtigen; dieselbe bedeutung muß auch im prov. vor-
handen gewesen sein, wenn das compos. dessazir außer besitz setzen, fr.
dessaisir, einen solchen Schluß erlaubt. Es ist ein wort aus dem rechts-
wesen: um so eher darf man, da die lat. spräche ein etymon verweigert,
deutsche abkunft vermuthen. Dem buchstdben fügt sich ahd. sazjan setzen,
logisch passender ist bisazjan = nhd. besetzen, ags. bisettan, engl, beset
einnehmen, in besitz nehmen (mit abgefailner vorpartikel) : pr. sazir la
terra das land besetzen. Statt der nüat. formet ad proprium sacire brauchte
man auch ad proprium ponere DC. v. sacire, so daß man beide verba
sacire und ponere als sinnverwandt betrachtet zu haben scheint, ponere
aber ist setzen. Diese etymologie wird begünstigt durch die Priorität der
prov. und neufr. bedeutung, die auch schon in den ältesten franz. werken
heimisch ist, z. b. LRs. 330 saisir la vigne den Weinberg in besitz nehmen;
die andre mag daraus erfolgt sein. Ital. sagire verhält sich übrigens zu
sazjan wie palagio zu palatium palazjum.
Sagro it., sp.pg. fr. sacre ein stoßvogel, sakerfalk, auch ein geschütz;
wird mit recht für eine Übersetzung des gr. legal- heiliger vogel, wegen
der bedeutung seines fluges, gehalten; man sehe einen ähnlichen fall in
turbot IL c. Andre verweisen auf arab. $aqr fleischfressender vogel,
280 I. SA1ME-SALSA.
habicht Freyt. II, 507h, und es ist keine frage, daß die abendländischen
sprachen einige ausdrücke für jagdvögd der arabischen danken : diesmal
aber ist die entstehung des Wortes auf eignem boden so deutlich, daß man
eher an entlehnung des aräb. Wortes aus dem roman. denken möchte. —
[Dessen Originalität vertheidigt dagegen Engelmann p. 9h indem es schon
bei den Arabern der wüste im gebrauche gewesen sei. %Diefenbach, Orig.
europ. p. 341, vermuthet bei der deutung aus tigal; anlehnung an ein
altes europäisches wort: der habicht heiße lith. sakalas, slav. sokol.]
Salme it., sp. sain, pr. sagin, saTta, fr. sain-doux schmale; von sa-
gina mast, fett Dimin. sp. sain et e leckerbissen, würze, dsgl. zwischen-
spiel auf der bühne. Die ital. bildung sa-ime (saglmen bei Joh. de Garl.)
hat das ursprüngliche suffix ina vertauscht und ohne zweifei ist derselbe
tausch auch in den übrigen sprachen vorgegangen, da sie das wort als
mascülin behandeln, vgl. wegen der form it. gnaime fr. re-gain.
Saja it. (aus dem prov.?), sp. pr. saya, fr. saie, masc. it. sajo,
sp. sayo wollenes überkleid, auch der dazu gebräuchliche stoff, mhd. sei,
altirisch sai Zeuß I, 37; von saga bei Ennius, gewohnt, sagum kriegs-
manlel, nach Varro L. L. 5, 167 ed. 0. Müller, ein gallisches wort: in
Ms multa peregrina, ut sagum reno gallica. Man sehe Diefenbaehs
Untersuchung, Orig. europ. 411. In den Casseler glossen lautet das wort
seia und hat die ursprünglichere bed. eines kleidungsstückes, ahd. tnnihhä
= last, tunica. Sagulatus (mit dem sagulum bekleidet), dauert fort im
pr. sallat, inf sallar verhüllen, welches Baynouard aus dem buchstäb-
lich weiter abliegenden celare herleitet. Ein diminutiv von saja ist iL
sagetta, sp. sayete, pg. saieta, saeta, fr. sayette sarsch, mhd. seit
Sala it. sp. pg. pr., salle fr., aale wal. besuchzimmer u. dgl., saal;
vom ahd. sal (m.) haus, wohnung. Diese bedeutung war noch im atifr.
und prov. heimisch, man sehe bei Roquefort und Raynouard, ja die mhd.
Zusammenstellung palas und sal ist auch romanisch: pr. palaitz e sala
LR. s. v., palfcs ne sales FC. II, 316.
Salävo it., fr. sale schmutzig; letzteres vom ahd. unfiectierten salo
trübe, ersteres von der flectierten form salawfer, gen. salawes. Ein ge-
nauerer beweis für die deutschheit des Wortes ist nicht zu verlangen. Vb.
nur fr. salir.
Salma, soma it., sp. salma, xalma, enxalma, fr. somme last, pr.
sauma eselin; vom spätem lat. sagma (oaypa), woher auch ahd. sanm,
vgl. das glossem bei Papias clitellae 'sarcinae sellae somae. Der Über-
gang von g in 1, den schon Isidorus kannte (sagma, quae corrupte vulgo
salma dicitur), ist wie im sp. esmeralda aus smaragdus. Zsgs. it. assom-
mare, fr. assommer beladen, niederdrücken. Abgel. fr. sommelier
kellermeister, so genannt, weil der wein, wie Frisch bemerkt, säum- oder
lastweise in den keller geführt wird, vgl. it. somella kleine last.
Salmastro it., saumätre fr. salzig; mit verändertem suffix aus
salmacidus, wofür auch pr. samaciu, altfr. saumache vorkommt.
Salsa ü. sp. pr., sauce fr. (für sause) brühe, tunke-, eigentl. ge-
I. SALSAPARIGLIA— SARPARE. 281
salzenes (altfr. la sauce de mer das salzige seewasser Alex. p. 13"), vom
adj. salsus. Abgel. ü. salsiccia, fr. saucisse, sp. salchicha brativurst,
vgl. salcitia W^1 Gl. Flor., salsities Gl. Prag. ed. Hoffmann.
Salsapariglia it., sp. zarzaparilla, fr. salsepareille eine pflanze
oder wureel aus Peru; vom sp. zarza brombeerstrauch und Parillo name
eines arztes, der sie zuerst anwandte. So Scaliger, s. MSnage.
Salvaggio, selvaggio it., sp. salvage, pr. salvatge, fr. sau vage
adj. wäd; von silvaticus, it. auch selvatico, salvatico, wäl. selb&tic. Daher
sbst. it. salvaggina, sp. salvagina, altfr. sau vagine wild, tvildpret.
Sampogna, zampogna it., sp. zampona, pg. sanfonha, pr. sin-
phonia, altfr. Symphonie, chifonie, wal. cimpoe schalmei, hirtenflöte, auch
sackpfeife; von symphonia, dem schon das frühste mlatein ähnliche bedeu-
tungen einräumte, bei Venant. Fort, donec plena suo cecinit symphonia
flatu. Die herleitung aus sambucus ist kaum der anführung werth.
Sandalo it. sp. pg., fr. sandal ein indisches f arbholz; aus gr.
aartaXov, dies aus aräb. zandal, ursprüngl. aber aus dem sanskrit.
San dal 0 it. pantoffd der bischöfe, sp. pg. sandalia, fr. sandale
pantoffel überh.; vom gr. aavdaXov, oavdaXiov, tat. sandalium schnürsohle.
Sapere, savere it., sp.j>g.pr. saber, fr. savoir; von s&pere, roman.
gesprochen sapäre nach dem muster der andern verba des modus, doväre,
pot&e, volare. Es trat an die stelle des verschwundenen, nur dem Sarden
und Walachen verbliebenen scire wissen, da allerdings schon die Alten
es als transitiv für 'verstehen' anwandten: rem suam sapere u. dgl.
Mittdlat. stellen, wo es ganz in roman. sinne steht, wie in sapiunt ad-
implere ministerium suum Gap. Gar. M., sehe man bei Caseneuve und
Ducange.
Sarabanda it. pg., sp. zarabanda, fr. sarabande ein tanz, so wie
die ihn begleitende musik; vom pers. serbend eine art gesang (MSnage).
Die andern sprachen entlehnten dies wort aus dem spanischen. Davon
redet Sermiento, Obras post. p. 230.
Sardina it.sp., fr. sardine ein kleiner dem hering verwandter fisch ;
vom tat. sarda, sardina, gr. aagdivr), nach der insel Sardinien be-
nannt, in deren gegend er besonders häufig gefangen ward; ital. auch
sardella.
Sargia it., sp. sarga und sirgo, pr. serga, fr. serge, sarge (f.)
ein woUener Stoff, theüs mit leinen theils mit seide gemischt, sarsche; von
sericus, serica baumseide, bask. ciricua, mlat. auch sarica. Daher mit
übertritt des 8 in x (wie in ximio von simius) sp. xergon, pg. xergäo,
enxergao strohsack (nach Sousa vom arab. scharkon), ferner it. sar-
gäno u. a.
Sarpare, salpare it., wal. sarpä, sp. pg. zarpar, fr. serper den
anker einziehen. Muratori erinnert an gr. aonatuv raffen, reiften; besser
wäre das gleichfalls vorhandene e£aQ7za£eiv herausreiften, übertritt des
anlautenden gr. «£ oder £ in einfaches s kommt auch sonst vor, s. saggio,
garte, sesta. Der grieeh. Ursprung ist um so wahrscheinlicher, da auch
282 I. SARTE-SCACCO.
der Wdlache das wort besitzt. Aus dem verbum entstand sp. zarpa kralle,
nach Larramendi ein baskisches wort.
Sarte, sartie it. (plur.), altfr. sarties, sp. xarcia, xarcias, pg. en-
xarcia tauwerk; vom miüelgr. i^cQviov schiffsgeräthe schon bei papst
Zacharias (8. jh.)y goQTtov Gl. gr. barb. s. Ducange s. v. enxarcia und
dessen Voc. graec.; igaQtiov aber gebildet' aus e^aQxiteiv ein schiff aus-
rüsten; das roman. feminin scheint auf dem griech. pluräl eu ruhen.
Ferrari zieht sarte aus sertus, aber die form sartie würde sich daraus
nicht rechtfertigen lassen.
Satureja, santoreggia it., sp. sagerida, axedrea, pg. saturagem,
segurelha, cigurelha, pr. sadreia, fr. sarriette ein kraut, saturei; von sa-
tureja, frei wie andre kräuternamen behandelt.
Sa uro, soro it. dunkelbraun, pr. säur, fr. saure hellbraun oder
goldfarbig: saurs 'color aureus' GProv. 44, saura 'grisea* d. i. chrysea 61,
sors comme fin ors NFC. I, 348. Entstehung aus ex auro wäre mit
keinem gleichen falle eu belegen und hätte ital. richtiger sciauro, scioro
abgesetzt. Man kennt ein mhd. adj. sör, ndd. soor, engl, sear getrocknet,
dürr, woher das roman. adjectiv stammen könnte. Wie kam man aber
von der bed. dürr auf die bed. bräunlich? etwa von der färbe dürrer
blauer oder versengtet dinge (engl, sear versengen)? Frone, hareng säuret
heiß bücking, getrockneter oder geräucherter hering, wohl nicht von seiner
goldfarbe, sondern weil sich hier die grundbedeutung erhielt, wie dies aiuch
im vb. saurer heringe räuchern d. i. bückinge machen der faU war, vgl.
die entsprechenden verba ahd. sauren, sören, ags. seärian dorren, dörren,
Ital. soro hat auch die bed. einfältig, ursprüngl. wohl trocken, saftlos, wie
sciocco von exsuccus. — Andrer herkunft aber ist pr. eisaurar in die
luft erheben, fr. essorer, daher it. sorare auslüften, flattern lassen (von
falken an der leine), fr. essor aufschwang, s* essorer, pr. s'eisaurar sich
aufschwingen, gleichsam exaurare von aura luft: neupr. bedeutet schon
das einfache aurd fliegen; abgel. it. sciorinare auslüften. — [Die oben
berührte Verbindung der begriffe dürr und braun vermittelst der den dürren
blättern eignen färbe unterstützt Liebrecht bei Gachet 427a . durch hin-
Weisung auf color aridus bei Plinius und xerampelinus bei JuvencU.
Mahn weist sauro einen andern Ursprung an, vom bask. zuria, churia
weiß, mit rücksicht auf die Verwandtschaft dieser färbe mit der blonden;
man sehe seine Etym. unters, p. 16. Noch anders urtheilt Diefenbach
darüber, der seinen Ursprung im ländernamen Syria vermuthet, Ztschr.
f. vergl. sprachf. XII, 79.]
Scabino it., üblicher schiavino (gli schiavini e rettori della terra Cr.
Villani, auch bei Fr. Sacchetti), sp. esclavin, fr. 6chevin richter, urtheüer.
Deutsches wort: <üts. scepeno, ahd. sceffeno, sceffen, nhd. scheffen, schöffe,
von schaffen anordnen, mlat. scabinus (wonach das unübliche ital. scabino
geformt ward), dsgl. scabineus, scabinius L. Long., Gap. Gar. M. Vgl.
Grimm, Rechtsalt 776.
Scacco it., sp. xaque, pg. xaque, pr. escac, fr. 6chec Schachfigur 9
I. SCAGLIA-SCARAFAGGIO. 283
Schachspiel; vom pers. schäh König, als hauptßgur. Daher fr. ächiquier
name eines gerichtshofes in der Normandie und England, van dem ge-
scheckten boden oder tafeltuch, adj. £chiquet6 gescheckt, geivürfdt. Altfr.
Ichec in der bed. raub, pr. escac GO., scax GRoss., comask. scach, geht
auf das gleichbed. ahd. scäh zurück, das auch die bed. von scacco in
sieh begreift, daher unser Schacher, ahd. scahari.
Scaglia it., äcaille fr. schuppe, rinde, schale; vb. scagliare,
fcailler abschuppen. Die herleitung aus squamula wird formell durch
kein entsprechendes beispid gestützt. Ein buchstäblich zutreffendes etymon
ist unser schale, vb. schälen, ahd. scalja (?), scaljan, vgl. goth. skalja
ziegd: schuppen und ziegel haben das ähnliche, daß sie übereinander
liegen. Gleicher herkunft ist fr. öcale nuß- oder eier schale, pic. Dealer
aushülsen.
Scalmo, scarmo it., sp. escalmo, escalamo, neupr. escaume, fr.
£chome (m.) ruderholz; von scalmus dass.
Scalogno it., sp. escalona, fr. Schalotte eine ort zwiebeln, Schalotte;
von caepa ascalonia zwiebel aus Ascalon.
Scandaglio it., sp. escandallo, pr. escandalh senkblei, auch alban.
scantal^; vb. it. scandagliare, scandigliare, sp. escandallar, pr. es-
candalhar, escandelhar mit dem senkblei messen; von scandere, vgl.mlat.
scandilia sprossen der leiter, stufen, wobei man annehmen darf, daß die
grade an der senkschnur bemerkt waren. Neupr. vb. escandaliä bedeutet
eine tonne eichen.
Scandella it., sp.pg^cat. escandia u. a. formen, im spätem mlatein
8candnla feiner weizen oder spelz; nach Menage von canterinum hordeum
pferdegerste, was nach laut und begriff übel stimmt. Es kann aus Can-
didas abgdeitet sein, mit verstärktem anlaut: ebenso ist unser weizen
gleicher tourzel mit weift (Grimm, Gesch. d. d. spr. 63) und der Spanier
nennt einen weizen, der besonders weißes mehl gibt, candeal.
Scappare it., sp. pg. pr. escapar, fr. 6chapper, wal. seepä ent-
schlüpfen, altfr. retten : dieu nous escapera DMce. p. 118, 13. 288, 29.
Es ist von dem rom. cappa mantd, so daß es eigentlich heißt aus dem
mantd schlüpfen (der die flucht erschwert); ähnlich gr. ey.dveo&ai sich aus*
ziehen, sich davon machen. Für das gegentheil von scappare hat die
üai. spräche incappare hinein gerathen. Entstehung aus dem synonymen
scampare retten, sich retten (wofür auch einfach campare), altfr. escam-
per, ist nicht wahrscheinlich, da der ausfcdl des m vor p zu ungewöhnlich
ist. Dieses hat vielmehr seinen Ursprung in campus, es ist = ex- campare
das feld räumen, wogegen sp. escampar nur in der bed. räumen, leer
machen, das gleichlaut. pr. cot. wort nur in der bed. verbreiten (vgl. es-
passar von spatium) üblich geworden. Man sehe bei Grandgagnage s.v. haper.
Scarafaggio ü., sp. escarabajo, pr. escaravai käfer; von scara-
baeus, das für die roman. Wörter eigentlich die ausspräche scarabajus
voraussetzt. Ittü. scarabone, pg. escaravelho, pr. escaravat, fr. escarbot
fließen leichter aus dem gr. axagaßog.
/ \
n
284 I. SCARAMUCCIA— SCEMO.
Scaramuccia, schermugio it., sp. pr. escaramnzo, fr. escarmouche
gefecht «wischen Meinen schaaren, daher unser Scharmützel Schneller 777,
402. Es ist eine ableitung aus schermire fechten, ahd. skerman, und «war
dankt die erste sübe ihr a entweder der romanischen Vorliebe für diesen
vocod oder das deutsche und rom. wort scara hat sich hinein verirrt.
Ducange u. a. fühlen darin eine Zusammensetzung scara-muccia verborgene
aus dem hinterhalt hervorbrechende schaar, von scara und fr. masser ver-
stecken, was aber weder der bedeutung zusagt noch der form; vgl. mich
das synonyme attfr. escarm-ie, das offenbar als einfaches wort dasteht.
Scarlatto it., sp. escarlate, pr. escarlat, fem. fr. £carlate Schar-
lach, eine färbe, dsgl. ein stoff von dieser färbe (prov. aitfr. wohl nur in
letzterer bed., s. Michel zum Ger. de Nev. p. 169 und glossar zu Benoit,
dsgl. Gachet p. 165b); vom pers. sakirlät (Vullers 11,203"), nach Röster,
Zur etymologie der farbenbezeichnungen p. 11, ein fremdwort, muthmaßlich
geformt aus dem ländernamen Sikelia arab., denn in Siciiien hatte zur
zeit der arab. herrschaft die Jcunst der baumwollen- und seidengewebe
einen ungemeinen flor erreicht. Eine deutung Heindorfs aus galaticus
von Galatia, wo man den coecus am besten gewonnen habe, bemerkt
Schwenck, D. wb. 555 note.
Scarpa it., sp. escarpa, fr. escarpe böschung, abhang; vb. sp. es-
carpar glatt machen, fr. escarper senkrecht abschneiden. Bedeutet scarpa
etwas scharf oder spitz zulaufendes, so darf man an altn. skarp, ahd.
scarf, nhd. scharf erinnern. Auch it. scarpa in der bed. schuh (nach dem
spitz zulaufenden absatz genannt), worin Muratori ein lat. wort carpis-
culum sieht, kann nur hieher zu stellen sein. Von scarpa in letzterer
bedeutung ist it. scappino, aitfr. escapin Gar. II, 112, besser sp. es-
carpin, auch aitfr. escarpin Roq. socke, pantoffd.
Scarso it., pr. escars, escas, fr. ächars, sp. escaso knapp, spärlich,
karg, ndl. schaars, engl, scarce. Das frühere ndatein bietet excarpsus und
scarpsns als partieip von excarpere/ör excerpere, welches dann bedeutet €ins
kleine gebracht, kurz zusammengezogen, daher das rom. scarso. So meint
Muratori und in der (hat ist ein partieip excarpsus ganz im sinne der
neuen sprachen, da sie in zusammengesetzten verbis gerne den wurzdvocal
der einfachen festhalten (excarpere für excerpere) und im partieip die
form sus vor der form tus begünstigen (it. nascoso, perso, pr. somos,
sors u. a.). Für scarso in der bed. schmal, schmächtig sagt der Italiener
auch scarzo.
Scartare it., fr. ^Carter, sp.pg. descartar aus der karte (dem spiele)
werfen, überhaupt absondern; von carta, lat. charta (das kartenspiel seit
dem 14. jh. erwähnt, s. z. b. Hoffmanns Hör. belg. VI, 174). Die alte
prov. spräche besitzt nur encartar einregistrieren, von carta in anderm
sinne, fr. Charte document.
Scellino it., sp. pr. escalin, fr. escalin eine münze; vom goth.
skilliggs, ahd. skilling, nhd. Schilling.
Scemo it., alt semo PPS. II, 272, piem. pr. sem adjj. verringert,
I. SCHELETRO-SCHIAVO. 285
entkräftet; vb. it. scemare, piem. seme, pr. semar verringern u. s. w.,
altfr. seiner absondern, trennen (mais je fereye k Karle Tarne da cors
semer QFA. v. 500, vgl. 41), in Berry semer, sener, cener versehneiden,
castrieren; fr. se eherner schwinden, vom it. seemarsi. Im ältesten mlatein
findet sich bereits semus, simare, in der L. Liutpr. scematio Verstümme-
lung. Bas etymon ist semis halb, daher auch sp. xeme maß eines
halben fußes, die grundbedetdung des verbums ist also halbieren.
Scheletro it., esqueleto sp., squelette fr. (m.) gerippe; von oxe-
letog ausgetrocknet.
Schermo it. schirm; vb. it. sohermire, sp.pg. esgrimir, pr. altfr.
escrimir fechten; vom ahd. skirm, skerm Schild, schütz, vb. skirman
(skirmjan wäre den rom. formen angemessener), bair. mit umgestelltem r
schremen. Dsgl. it. sehermare, cot. esgrimar, fr. escrimer; sbst. it.
scherma, scrima, sp.pg. eögrima, pr. escrima, fr. eserime fechtkunst.
Scherno it., sp. escarnio, pg. escarnho, pr. esquern, altfr. eschern
spott; vb. it. schernire, sp.pg. escarnir, pr. es^uemir, escarnir (escar-
nitz <densus GProv. 52* , lies 'derisus'), altfr. eschernir, eseharnir ver-
spotten; vom ahd. sk6rn Spötterei, skgrndn verspotten, skirno possenreißer.
Das ursprüngliche i zeigt die prov. form schirnir Chx. V. 136, wie auch
die geschlossene ausspräche des itai. e darauf hinweist. Ennius hat carT-
nare schimpfen, woneben man excarinare annehmen dürfte, allein theäs
die wenig übliche Schwächung des a in e und i, theils die abweichende
conjugationsform, theils selbst die bedeutung entscheiden dagegen.
Sc-hiantare it. zersprengen, zerschlitzen, abreißen, pr. esclatar, fr.
fclater zerspringen, ausbrechen; sbst. it. schianto, fr. 6clat riß, schlitz,
ausbrach, knall; daher ven. schiantizare blitzen. Man darf die ital. und
franz. worter getrost zusammenstellen: schiantare, wofür auch wohl schiat-
tare gesagt wird (s. Älberti, sie. scattari für schiattari wie seavu für
schiarn, piem. sciatö), verhält sich mit seinem eingeschobenen n zu äclater
wie lontra zu loutre: somit ist die deutung des ersteren aus dem begrifflich
Übel passenden explantare aufzugeben. Esclatar aber geht regelrecht hervor
aus dem ahd. skleizen für sleizen zerreißen, spalten, wie altfr. esclier aus
ahd. slizan. Was dem Franzosen äclater, das ist dem Spanier estall ar,
pg. estalar, mit r verstärkt estralar; es könnte aus eslatar umgestellt sein und
somit auch hieher gehören, doch läßt sich kein ganz analoger fall beibringen.
Schiatta it., pr. esclata, altfr. esclate geschlecht, ort; vom ahd.
8lahta mit gl. bed., nhd. ge-schlecht.
Schiavo it., sp. esclavo, pg. escravo, pr. esclau, fr. esclave (un-
organisch für talou, altfr. esclo-s, auch escla-s Roquef I, 638*); vom
dtschen sklave für slave, eigentl. kriegsgefangener Slave, wie ags. vealh
sowohl Walscher wie sklave heißt; das eingeschobene c schon in den
Schleust, glossen 29, 49 Sclavus c WinW (Wende) , aber sard. (logud.)
ohne c ißlavu. Abgel. it. schiavina, sp. esclavina, altfr. esclavine,
mhd. slavente grober pägerrock; ursprüngl. sUavenrock? nach Muratori,
Ant. ital. II, 420, von den Slaven verfertigter rock.
286 I. SCHIENA— SCIAME.
Schiena it., ven. piem. romagn. sard. schina, sp. esqnena, pr. es-
quena, esquina, fr. 6chine rückgrat. Auf die bekannte herleitung aus
spina wird man verzichten müssen, da sp wenigstens im westen nicht in
sq ausartet. Führt man es dagegen auf das ahd. skinä nadd, Stachel
Graff VI, 499, wie lat. spina dorn und rückgrat heißt, so erklärt sich
zugleich die schwankende darstdlung des Stammes (e, i), wogegen I in
spina nicht wohl in e ausarten konnte. Ital. schiniera, sp. esqninela
beinharnisch schließen sich dagegen offenbar dem ahd. skina, skena röhre,
bein an, woher auch wallon. hene.
Schiera it., esqneira pr., eschiere altfr. dbtheilung eines heeres;
vom ahd. scara (passender wäre eine form scarja), nhd. schaar. Vb. pr.
escarir, altfr. escharir Parton. I, 6 zutheüen, abtheilen, absondern, miat.
scarire bestimmen, pr. escarida, altfr. escherie loos, Schicksal; beide vom
ahd. scarjan, skerjan ordnen, zutheilen. Gleichbedeutend mit esqneira
ist pr. escala, altcat. eschala Chr. d'Esel. cap. 5, altfr. eschiele, entstellt
aus scara, wiewohl es buchstäblich das lat. scala (leiter) ausdrückt? Aus
schiera läßt Ferrari auch it. scherano Straßenräuber entspringen.
Schifo it., sp. pg. esquife, fr. esquif boot; vb. altfr. esqniper
ein schiff ausrüsten (sich einschiffen TGant. p. 34, 11), nfr. äqniper iiber-
haupt ausrüsten, ausstatten, sp. esqnifer, esquipar dass.; vom ahd. skif,
goth. ags. altn. skip, scip, daher das schwanken stoischen f und p. Dsgl.
altfr. eschipre schiffmann LRs. 271, eskipre Trist. II, p. 75, vom ags.
sciper, altn. skipari = nhd. Schiffer.
Schinma it. (mit eingeschobenem i = 1, Rom. gramm. I, 344,
mundartl. scuma, sgnma), sp. pg. pr. escnma, fr. 6cume schäum; ahd.
scfim, nord. sküm (fehlt goth. und ags.), gael. sgüm, ciban. s'cnme.
Schivare, schifere it., sp.pg. esquivar, fr. esquiver, alt auch esehi-
ver, chw. schivir meiden, verschmähen; vom ahd. skinhan, nhd. scheuen, mit
consonantierung des u eu v und ausfall des h. Adj. it. schivo, schifo,
sp. esqnivo, pr. esqnin, altfr. eschin, chw. schiv spröde, vom adj. sehen.
Schizzo it., daher wohl sp. esquicio, fr. esqnisse (f.) erster ent-
wurf, skissze; von schedinm *aus dem Stegreif gemacht9, bei Apulejus, gr.
oxiStog; vb. oxediäCeiv hinsudeln, it. schizzare/f. Auffallen muß ifüre,
schizzo für schezzo; aber auch miat. schrieb man seida/wr scheda, indem
man scindere und oxiörj im sinne hatte.
Sciabla, sciabola it., ven. sabala, sp. sable, fr. sabre eine waffe,
säbel. Das wort ist später und, wie es scheint, wenigstens insfram. zu-
nächst aus dem deutschen eingeführt, aber auch hier fremd, übrigens vielen
sprachen gemein, ungr. szablya, serb. säblja, wal. säbie u. s. w., nach
Frisch II, 139 vom mittdgr. Caßog krumm.
Sciame, sciamo it., sp. enxambre, pg. enxame, pr. eissam, fr.
essaim bienenschwarm; von examen; vb. fr. ächemer vrlt., lat. examinare
schwärmen, in dieser bedeutung vorclassisch. In der dassischen bed. Unter-
suchung und untersuchen sind beide Wörter in buchstäblicher gestalt ins
romanische eingeführt worden.
I. SCIAMITO-SCORCIARE. 287
Sci&mito it., sp. xamete, pr. altfr. samit ein Seidenstoff, sammet;
vom nrittdgr. ei-a/itiTog, ^aurjTog sechsfädemig.
Sciarpa, ciarpa it., sp. charpa, aas dem fr. öcharpe binde, gürtel,
daher auch mndl. scaerpe, nhd. schärpe. Bei den Alten hieß escharpe,
escherpe, escerpe auch die dem pilger um den hals hängende tasche,
s. Sax. II, 123, Og. 6888, Par. la duch. p. 7,' 8, Ren. II, 69, Kuteb.
II, 26, und vermuthlich ist die bed. binde erst daraus abgeleitet. Tasche
heißt auch das ahd. scherbe, das niederrhein. schirpe, das ndd. schrap
Brem. wb., so daß dem worte doch wohl deutscher Ursprung zukommen
wird: das pr. escharpir zerreißen gewährt keinen passenden begriff. Ein
diminutiv von öcharpe ist vielleicht esca reelle (für escarp-celle) bügd-
tasche, daher sp. escarcela, it. searsella, nach andern aber vom it. scarso
sparsam, da es in dieser spracht geldtäschchen heißt; scarpsella schreibt
ein Wörterbuch des 16. jh. Dief. Gloss. lat. germ. 103h.
Scimitarra it., sp. eimitarra, pg. auch samitarra, fr. eimeterre
(m.) kurzer säbel. Es soll morgenländischen Ursprunges sein. Ein ähn-
liches wort fuhrt allerdings Suidas an: oaftiprJQai ona&ai ßaQßaQixal, aber
weder daraus noch aus dem pers. schiraschfr konnte es entstehen. Ist
Spanien seine heimath, so verdient Larramendi's deutung aus bask. eime-
terra 'der von der feinen schneide' alle rücksicht.
Sciringa, seilinga it., sp. siringa, xeringa, pr. siringua, fr. gerin-
gue spritze; von syrinx röhr, rohrpfeife.
Scirocco, sciloeco, siroeco it., sp. siroco, xiroqtte, xaloque, pg.
xaroeo, pr. fr. siroe Südostwind; vom gleichbed. arab. schoruq (scharq
asten) Freyt. II, 415*.
Seoglio it., sp. eseollo, pg. gleichlaut., pr. escuelh, fr. 6cueil fels,
Hippe; von scopulus.
Scojattolo it., sp. pg. esquilo, arag. esquirol, pr. escurol, fr.
fcureuil eichhorn, eiclihörnchen, von sciurus, sciurulus, mlat. squiriolus
Gl. Bonn. Die hinneigung zur diminution, veranlaßt durch die niedlich-
keit des thieres, ist unverkennbar. Um das ungewohnte iu zu beseitigen,
sprach man theils seuirus (daher esquirol, escurol), theils scurius (daher
scoj-att-olo): so kam es, daß sei in diesem worte, vielleicht ohne einfluß
des gr. axlovQog, woraus aber doch das sard. schirru (marder) entstanden
scheint, die bekannte pdtatale ausspräche nicht annahm. Zahlreiche mittei-
lest. Varianten dieses wortes bei Diefenbach, Gloss. lat. germ. p. 64c. Der
üblichere span. ausdruck ist ardilla IL b.
Scorbuto it., sp. pg. escorbuto, fr. scorbut eine krankheit; vom
ndd. schorbock, ndl. scheurbuik = nhd. scharbock, über deren etymo-
logie s. Frisch II, 220* .
Scorciare it., sp. escorzar, altfr. escorcer, eseoursser kürzen, in
letzterer spräche auch ein kleidungsstück auf gürten, noch jetzt wall, hörst
für neufr. trousser; von curtus, wie hausser von altus. Aus dem verbum
das sbst. it. scorcio, sp. eseorzo kürzung, altfr. escors, escuers schooß
des kleides, dsgl. des korpers, gremium, noch pic. öcour Hec. Die franz.
288 I. SCORZA-SCROCCO.
Wörter begegnen hier in überraschender weise unsern deutschen nicht ent-
lehnten schürzen und schürz, stimmen cäter buchstäblich zu den romanischen
und können ihre zweite bedeutung recht wohl sich selbst verdanken.
Scorza it., wal. scoartze, pr. escorsa, fr. 6corce rinde der bäume,
schale des obstes, scorzia lrinta bereits in dem Voc. SGatt.; vb. it. scor-
zare, pr. escorsar, fr. 6corcer. Die entstehung des Wortes läßt sich ver-
schieden auffassen. Es kann herrühren aus scortea (mit assimiliertem t)
ledern: leder und rinde werden oft durch dasselbe wort ausgedrückt, und
was die herkunft aus einem adjectiv betrifft, so ist dies bei dem synony-
men corteccia genau derselbe fall. Auch entstehung von scorza und scor-
zare aus cortex mit vorgefügtem s ist gedenkbar: das s des Substantivs
könnte seinen grund haben in dem des verbums, welches letztere sich aus
ex-corticeare erklärt; eine andre bildung, excorticare, ward oben unter
corteccia erwähnt. Diese etymologie hält sich genauer an den begriff als
die erstere.
Scorzonera it., sp. escorzonera, fr. scorson&re eine pflanze, haber-
wurz. Zwei deutungen kommen in er wägung. Vom it. scorzone eine art
giftiger schlangen (s. escnerzo IL b), weil man die pflanze gegen den
Schlangenbiß für heilkräftig hielt; es entspräche genau dem lat. serpen-
taria. Aber unzweifelhaft wäre alsdann die richtige form scorzoniera.
Oder das wort wäre zsgs. aus scorza nera entsprechend dem deutschen
Schwarzwurz: dann ist nicht abzusehn, warum die spräche den Maren
ausdruck verdunkelt haben sollte. Man mochte wohl zuerst scorzoniera
(schlang envourz) gesagt, nachher niera in nera umgedeutet haben.
Scotta it., sp. pg. escota, altfr. escota Brt. II, 141 ein tau, womit
man die segd anzieht oder schießen läßt ; vom schwed. skot, nhd. schote,
ndl. schoot, dies von schiefsen, schieten.
Scott o it., sp. pg. escote, pr. escot, fr. £cot, mlat. scotum zeche,
dsgl. Steuer. Es trifft zusammen mit nhd. schofe {von schiefsen?), oÖ-
fries. skot, engl, scot, shot, so wie mit dem gleichbed. altgael. sgot (Leo,
Malb. glosse II, p. 3). Das fr. 6 c o t baumstrunk ist offenbar vom ahd.
scuz, woher auch scazling, nhd. schöfsling; so vielleicht auch pr. escot-z
%gnum parvum acutum' GProv. 57*.
Scrocco it. Schmarotzer, fr. escroc gaudieb, strolch, listiger betrü-
get, und so maü. scroch spitzbübe, chw. scroc wicht; vb. it. scroccare
schmarotzen, sard. iscroccare wegschnappen, fr. escroqaer prellen. Man
leitet es aus dem fr. croc haken, so daß escroqaer mit dem haken heraus-
ziehen hieße, aber mit unrecht, theils weil crocco dem Italiener fehlt, denn
das vereinzelte neap. crocco kann dem franz. entnommen sein, scrocco
aber mit seinen vielen Ölleitungen in Italien heimischer scheint als in
Frankreich, theils weil man franz. statt escroqaer eher £crocher (wie
accrocher) gesagt hoben würde. Escroc ist ohne zweifei identisch mit ndl
schrok vielfraß, dem das niederrhein. schroh mager (hungrig?) Schmeller
III, 609 zur noth entsprechen könnte, allein das ndl. wort kann aus
Frankreich eingebracht sein. Unbedenklich von Seiten der form und im
I. SCUOTERE— SEGALE. 289
einJdang mit dem begriffe würde man es dagegen auf unser schurke, ahd.
scargo zurückführen, dem die ital. form scorcone (bei Veneroni) noch
näher tritt. Schlacker, schlucken liegen buchstäblich schon etwas mehr ab,
da ahd. sl sich nicht in scr umbilden läßt.
Scaotere ü.7 pr. escodre, dttfr. escorre, escourre schütteln, ab-
schütteln, losmachen, von excatere; sbst. it. scossa, pr. escossa (escosa
LR.), fr. escousse erschütterung u. dgl., vom partic. excussa. Zsgs. it.
ri scaotere, pr. rescodre, altfr. rescorre, neufr. recourre wieder los-
machen, einlösen, von re-excatere; sbst. it. ri scossa, pr. rescossa, fr.
recousse Wiedereinlösung. Dahin auch pr. gecodre, altfr.' secorre? (pc.
secous), nfr. secouer, sp. sacudir, lomb. secudi, chw. saccader schütteln,
von saccutere, das auch {zugleich mit excatere) im it. scaotere enthalten
ist; sbst. fr. secoasse erschütterung.
S curia da it., fr. 6coarg6e (aus escouriäe), norm, courgäe peitsche,
geissei, daher engl, scoarge und wohl auch sp. zarriago; aus excoriata
sc. scutica, aus leder bereitete geissei, wie Muratori lehrt. Das franz.
wort trifft übrigens buchstäblich eben sowohl mit it. scoreggiata {von cor-
rigia) zusammen.
Secchia it., pg. pr. selha, altfr. seille, dsgl. masc. it. secchio,
pr. seih eimer, gelte; von situla sit'la, euphonisch sicla z. b. L. Alam.,
siccla 'einpar (eimer) Gl. Cass., masc. siclus Gap. Gar. M. Abgd. maü.
sidell, com. sedell, altfr. s6el, nfr. seau mit gl. bed., fem. maü. sidella,
com. sedela, lat. sitella; sedella <ampr% (d. i. eimberi) Gl. Cass. Dem
Spanier scheint das wort ganz abzugehn; man vermuthet es in acetre
Schöpfeimer, für acetle = sltulus, wovon sich das altsp. celtre aber weiter
entfernt; Engelmann gibt dem span. wort als etymon arab. al-sa'tl assa'tl
kleiner napf, dies vom pers. satil.
Sädano it., ven. seleno, comasJc. selar, piem. seier u.s.w., fr. cÄleri
eine pflanze, seUeri; von aiXtvov eppich im spätem griech. aber auch mit
den roman. Wörtern gleichbedeutend. Span, apio dalce.
Sedio, seggio, sedia, seggia it., fr. stäge (m.) sitz, sessel, zsgs. it.
assedio, asseggio, sp. asedio, Belagerung, wofür auch pr. setje, fr. siöge;
vb. it. assediare, sp. asediar, pr. asetjar, fr. assiäger, altfr. auch segier
Rq. belagern. Unmittelbare dbstammung des einfachen sedia oder sedio
vom lat. sedes vermittelst des adjectivsufßxes ius, ohne wandet des begriffes,
wäre ein höchst seltener, schwer anzunehmender Vorgang. Die einseitige
nur das franz., nicht das ital. wort befriedigende deutung aus einem selbst-
geschaffenen attlat. sedica (wie pi£ge aus pedica) ist noch entschiedener
abzulehnen, s. Rom. gramm. 17 29, note. Wohl aber scheint das aus
obsidiam mit vertauschtem präfix gebildete assedio die form sedio her-
vorgerufen zu haben. Über sp. sitio s. II. b.
Sägale, s£gola it., cot. s£gol, pr. segael, fr. seigle (m.), wal.
sec4re, auch bask. cekharea roggen; von secale dass., mlat. sigala Gl.
Flor.' 990*, sigilam Hattemer I, 308a, sido 296s. Dem lat. nur aus
nachweislichen worte wird langes a zuerkannt; die betonung der
19
290 I. SEGNO— SEMBRARE.
ersten silbe aber muß frühe aufgekommen sein, da sie fast gemeinromanisch
ist und auch aus den alten mlatein. Zeugnissen hervorgeht.
Segno dUit., pg. sino, altcat. seny Chr. d'Escl. 687h, pr. cenh,
chw. senn glocke; von Signum, in dieser bedeutung schon im frühen mlatein,
daher auch bask. ceinua. Vgl. tocsin II. c. AUfr. durch umdeutung
entstellt in seint, saint, weil die glocken namen (von heiligen) empfiengen.
Segagio it. Spürhund, mail. saus, savüs, piem. sus, in derL.Sal.
und Alam. sigusius, siusius, seusius, in der L. Burg, segutius, in der
L. Bajuv. canem seucem, quem leitihunt vocant, vgl. die glossen bei
Graff Fi, 282 jagahunt 'siuso*, si secutor diceremus, und jagahant 'siusi,
secutor3. Auf franz. gebiet scheint sich das wort nicht zu finden, dagegen
läßt es sich in dem räthselhaßen sp. sabueso, pg. s&bujo wiedererkennen,
welches sehr wohl aus sausius mit eingeschobenem hiatustilgenden b = v
(sabusius, vgl. das mail. savus) und versetztem i (sabuiso, sabueso) ent-
stehen konnte; es findet sich sogar ein ndat. sebusius. Sehr abweichend
gestaltet ist das bei Juan Manuel (Gayangos p. 248b) einmal vorkommende
span. sabejo, in seiner endung ejo vermuthlich andern thiernamen an-
gemodelt. Ableitung aus dem partic. secutus ist grammatisch unstatthaft.
MiÜlenhoff zur L. Sal. p. 293 hält das wort für fränkisch und schreibt
sgusius d. i. siusius, mit eingeschobenem g sigusius, mhd. süse, vom vb.
süsen Stridore, ahd. siusjan, nhd. sausen, eine deutung, die nicht frei ist
von zweifei. Räumt man auch ein, daß im mlatein diphthonge durch
consonanteinschiebung zertheilt werden konnten (was aber attsAgetius für
A&tius noch nicht hervorleuchtet, da die einschiebung, wie in grugem für
gruem, hier dem hiatus gilt), so findet dies auf die lebende spräche schwer-
lich anwendung, die kein beispiel einer solchen behandlung der diphthonge
kennt. Denn wenn triuwa tregua ward, so vertritt gu hier das ahd. w
und das ital. wort weist zunächst auf die form triwa; suso mußte it.
suso oder susone lauten. Übrigens möchte auch die bed. sausehund
nicht passend gewählt sein für einen leit- oder Spürhund, bei dem die
Schnelligkeit gewiß nicht das Hauptmerkmal abgibt. Ferrari u. a. vermu-
then auf den städtenamen Segusium, Susa in Piemont, und diese ver-
muthung ist nicht zu weit abzuweisen, da die namen der hunderacen
häufig geographische sind, der buchstabe hier aber kein bedenken macht.
Aus segusius für segusianus entsprang durch abkürzung seusius (vgl.
valle seusia = valle di Susa in einer Urkunde v. j. 880 HPMon. J,
n. 37, altfr. Seüse GRoss. Mich. p. 296), durch umdeutung segutius; in
der piem. form hielt der name des hundes gleichen schritt mit dem der
Stadt, während die Schriftsprache an der alten form festhielt. Kein Zeug-
nis gibt es freilich für den segusischen hund, aber damit ist dieser elymo-
logie wenig abbruch gethan. Das sp. galgo z. b. führt buchstäblich auf
gallicus: hier erhielt uns der zufall ein bestätigendes Zeugnis, wie er es
dort versagt. Covarruvias bemerkt, die race stamme aus Savoyen, was er
aber aus dem worte (sabueso) erst gefolgert haben mag.
Sem b rare, sembiare it., sp. pr. semblar, fr. sembler gleichen,
L SEMOLA-SENSALE. 291
scheinen; von similare, simulare ähnlich machen, nachahmen. Abgel. it.
sembiante, sp. sembiante, pr. semblan, fr. semblant ansehn, miene;
tsgs. it. assembrare, assembiare, 5p. pr. asemblar, fr. assembler ver-
sammeln, lat. assimilare, assimalare, aber mit zurückführung desselben
auf die bedeutung von simul, wie dies schon im frühsten mlatein geschah;
it. rassembrare, sp. pr. resemblar, fr. ressembler ähnlich sein. Aus
dem adj. similis leitete man mit Beobachtung des ableitungsvocäls i (wie
tu graviare cet.) it. simigliare, somigliare, sp. semejar, pr. semelhar
gleichen, scheinen, eigentt. gleich machen und darum auch mit dem accus,
construiert.
Slmola it. sp., semonle fr., altfr. noch simmle RMont. 312, 38
mehUdeien, mehUcüglein; von simila Weizenmehl, woher unser semmel.
Sena it., sena und sen sp., senne pg., ^6n6 fr. senesstaude; vom
arab. sena.
Senda sp. cot. pfad, von semita; it. sentiero, sp. sendero, pr.
semdier, sendieira, fr. sentier dass., von semitarius.
Senno it., altsp. altpg. senZfc., Alx., Mar.Egipc, Trov., pr. altfr.
chw. sen, cot. seny verstand, neufr. erloschen oder besser, in sens (sensus)
aufgegangen, weiches wort auch in erwägung der beiden accusativformen
sen und sens, im altfranz. und prov. fortdauerte; vom ahd. sin mit ders.
bed., nhd. sinn. Abgel. altsp. s e n ad o , pr. senat, altfr. sen6 mit verstand
begabt, nfr. nur fbr-cen6 = it. for-sennato unsinnig (forcener mit c
schon altfr., wie RCam. p. 248), sbst. for-sen NF. I, 22. — Prov. und
frone, erfüllt sen oder sens auch die bed. art und weise (wie das begriffs-
verwandte mente in den adverbien): pr. a nulh sen auf keine weise (in
keinem verstände) Chx. Ill, 366; en nnl senz n'en nule maniere Dolop.
p. 63. Etwas anders scheint es, wenn fr. sens in der sinnlichen bed.
seite eines dinges angewandt wird, wie in ä tous les quatre sens auf
allen vier seilen, auch schon prov. bei B. von Ventadour baizera 'lh la
bom de totz seinhs Chx. III, 54 {vor. cens). Man konnte etwa durch
die ver Standeshandlung, welche einen gegenständ von verschiedenen Seiten
bärachtet, sich haben verleiten lassen, einer solchen seite selbst den namen
verstand beizulegen, wenigstens ist unser deutsches cin jedem verstände* so
viel als <von jeder seite betrachtet*, und den ausdruck auch auf körper-
liche dinge auszudehnen. * Dieser erldärung würde das mhd. sin zu hülfe
kommen, welches gleichfalls verstand und seite bedeutet : in vier sinnen ist
= k tous les quatre sens. Indessen scheint dieses sin entstellt aus älterem
sint, welches reise, weg, richtung heißt, also der bed. seite ziemlich nahe
liegt, z. b. in allen sint tes himiles *undique\ Es wäre also hier die
frage, ob dieses ahd. sint auf die bedeutung des fr. sens eingewirkt habe?
Roquefort verzeichnet ein dem ahd. warte entsprechendes sen 'chemin,
sentier, voie', fügt aber keinen beleg bei.
Sensale it., fr. censal, pr. cessal mokier; aus censualis einnehmer,
vgl.Papias: censnales sunt officiales, qui censum per provincias exigunt.
Dafür ist Adelung. Golius p. 1213 hat arab. simsar proxeneta, und halt
292 L SENTAEE-SERGENTE.
dies für das etymon des it. senzale, das eeugnis dam ist aber erst aus
dem 14. jh.
S entare it. (mdartl. z. b. trient. comask.), sp. pg. pr. sentar (letz-
teres nur im pari, gentat) setzen; participialverbum von sedere sedens.
Zsgs. iL assentare, sp. pg. asentar, altfr. assenter Bert. p. 160, sbst.
sp. asiento sitz.
Sentinella it., sp. centinela, fr. sentinelle schildwache; vom it.
sentire hören, wie das gleichbed. scolta von scoltare. So behaupten Vossius
u. a. Allein es fehlt das mittdglied, da doch sent-in-ella abzutheüen
wäre. Man wird darum Galvanis deutung berücksichtigen müssen Arch.
stör. ital. XIV, 361. Hiernach ist es von sentina, wie man den untersten
Schiffsraum nannte, der wegen des eindringenden wassere beständig gehütet
werden mußte; ein solcher hütet hieß sentinator. Von der flotte gieng
das wort über auf das heer.
Senza it., früher auch sanza, neupr. senso, aUsp. sines PC, Alx^
altpr. genes, gens, ses, altfr. seng, nfr. sang, daneben die ursprüngliche
form altit. sen PPS. 1, 201, oft bei Brunetto Latini, sp. sin, pg. gern,
pr. gen Pass. de J. C. 89; präposition vom lat. sine, mit angefügtem s
geneg, seng, hieraus mit euphonischem vocalauslaut it. senza für gensa wie
raanzo für manso u. a. Einheimische Sprachforscher lassen senza aus
absentia entstehen und diese deutung wäre allerdings zu erwägen: Unter-
stützung fände sie jedoch weniger in dem genitiv senza di me (Pott,
Forsch. II, 183), den auch andre präpositionen zulassen, als im adverbia-
len gebrauche dieser partihel, welchen sp. sin, fr. sans nicht gestatten,
e. b. fore senza entrathen, il viver senza Petr. canz. 8, neupr. d'argent
es senso er ist des geldes ohne, daher denn auch das comask. vb. senza
berauben, wie ahd. änön von &no = nhd. ohne. Indessen empfiehlt die
geschlossene ausspräche des e obige herleitung aus sine, indem das suffix
enza (as-senza = absentia) stets offenes e hat.
Seppia it., xibia sp., seche fr. t inten fisch; von sepia.
Sera it. pr., searej wal., pr. masc. ser, fr. soir abend; von serum
späte zeit (statt dessen sp. tarde, s. II. b.). Ital. Urkunden brauchen sera
auch für westen, occidens, so z. b. HPMon. n. 143. 146. Zsgs. pr. aserar,
altfr. aserier, aserir, enserir, wal. inserä abend werden. Es gibt über-
dies einige ableitungen, die nach ihren bedeutungen augenscheinlich zu
serus gehören} nicht aus serenus gebildet sind: sp. sereno, pr. ser6, fr.
serein, neap. serena abendthau, pr. serena abendlied, daher it. serenata;
wie ist aber das im roman. fast unübliche suffix en zu verstehen? schrieb
man etwa fr. gerein für serain (geranag mit bekanntem suffix) und ent-
stand hieraus pr. geren, letzteres nach Spanien gewandert, wo ja das pri-
mitiv fehlte? — [Blanc erklärt sereno, serena cet. lieber aus serenus, weil
heiterkeit, besonders im süden, des abends eintrete, s. Krit. anhang p. !Oy
was dem urtheüe des lesers überlassen bleibe.]
Sergente it., sp. sargento, alt gergente Alx., fr. sergent gerichts-
diener; von bestrittener herkunft. Läßt man es mit Grimm, Rechtsati. 766,
I. SERPE-SETA. 293
aus ahd. soarjo =3 nhd. scherge entspringen, so bleibt die endung uner-
klärlich, wenn man auch den ausfall des c wie in sal aus früherm scal
(nhd. soll) zugeben will, obwohl das nhd. scherge widerspricht. Besser
fugt sich sergente offenbar zum lat.'partic. seiriens mit consonantierung
des i, woeu pioggia aus pluvia zu holten ist; seine grundbedeutung ist
nicht die von scarjo, sondern die von famvUus (serjant de deu übersetzt
fanudus dei, vgl. li serganz kil serveit der diener, der ihm diente Alex.
68), und was vollends für diese herleitung spricht, dem Provensälen be-
deutet das pari, sirven von servir genoiu dasselbe, und ebenso drückt der
Piemontese das fr. sergent mit servient aus.
Serpe ü. pg. altfr., sp. sierpe, pr. churw. serp, wal. serpe schlänge,
gememromamsche gewiß sehr alte abkürsung von serpens ; übrigens kymr.
sar£ sanshr. sarpa Bopp Gloss. 371.
Serra ältit. PPS. I, 413, sp. Sierra, pg. pr. ^erra berghette, bereits
in den ältesten span. Urkunden; eigentl. säge, lat. serra, wegen der sackigen
gestaU, vgl. serratas gesackt, daher der geographische name Monserrat.
S er rare it., sp. pg. cerrar, pr. serrar, fr. serrer einschließen, auch
zusammenpressen; sbst. it. serra gedränge, fr. serre (f.) kralle; it. ser-
raglio, altsp. cerraje, pr. serralh Verschluß; von sera schloß, früh im
mlatein mit einer wenig üblichen Verdoppelung des r serra, s. DG, Quich.
Add. Aber auch das einfache vb. serare ist, wie Haupt zeigt, Ind. lect.
per sem. aest. 1868 p. 10, im lateinischen vorhanden. Für serebant in
einer hs. des Amm. Marcett. s. b. ist su lesen serabant; bei Priscian
findet sich sero seras a sera obdita natum cet. — Sp. cerrar mit c ist
eine scheideform gegenüber dem vb. serrar sägen. — Das it. serraglio hol
auch das türkische, eigentlich persische serai pdtast (des sultans) in sich
aufgenommen, dafür sp. serrallo, fr. särail.
Sesta, seste it.zirkel zum messen, it. altpg. sesto, altsp. siesto Alx.
Ordnung, maß; vb. it. sestare, assestare abmessen, sp. asestar ein ge-
schüts richten (auch pr. assestar LR. V, 220?). Von den etymologen
noch ungelöst, aber nicht schwierig su lösen. Sesta ist das gr. £voz6v
ein Werkzeug der maurer zum ausgleichen oder richten, nach einigen die
kette, nach andern das Winkelmaß oder Hchtscheit. Man sieht, daß das
wort von Italien ausgegangen und dies passt zu seinem griech Ursprung.
Von sestare ist aber auch unser ahd. sestön disponere, sestunga dispositio.
Sestiere it., sp'. sextario, pr. sestier, fr. setier, in den Cass.glossen
sestar, ein maß; von sextarius der sechste theil eines römischen maßes
(congius), ahd. sehtarL Das lat. wort gab dem Italiener überdies die
zsgz. form stajo für sestajo, vgl. chw. stör für sester, lothr. steire, nach
Galvani (Arch. stör. XIV, 352 ) von extaris bei Plautus, was der bedeu-
tung nicht zusagt.
Seta it., sp. pr. seda, fr. soie, im spätem mlatein seta, gespinnst
der Seidenraupe; aus der form seda ist ahd. sfda (wie pina aus pena für
poena, prts aus pretium), nhd. seide, ir. sfoda, kymr. sidan. Es ist
buchstäblich das lat. seta starkes haar, börste, eine dem span. und frans.
294 L SETTIMANA-SIGNORE.
worte verbliebene bedeutung, daher auch it. setone, fr. s&on haarseil, it.
setola börste, bürste. Als man es auf die seide anwandte, bedeutete es
anfangs vielleicht nur stranglein, strähne, in beziehung auf die in dieser
form versandte rohseide: beides strähne und rohseide berühren sich auch
im gr. juaza^a und dem rom. matassa, und das sp. pelo heißt haar und
rohseide. Eine dalmatische Urkunde v.j.1118 sagt noch ßeta serica, nicht
schlechtweg seta, also seidenhaar, Seidenstrang, s. Ducange v. seta. Zur
grundbedeutung von seta passt es ferner, wenn das mongolische sirgek
sowohl seide wie als adj. straff (von haaren) ausdrückt, s. Schott, Über
das finnisch-tartarische Sprachengeschlecht p. 5. Aus sindon (musselin)
kann seta nicht entstanden sein, eben so wenig aus dem koreanischen sir,
szir (Journ. asiat. II, 243). Zu künstlich scheint die deutung aus gr.
orjg, gen. orpog, kleidermotte, das zunächst wurm (oxiolrj^ bei Hesychius),
alsdann seidenwurm bedeuten sollte. — Eine abl. ist it. setino, daher
pg. setim, fr. satin ein seidengewebe, altfr. saYn Aubery p. 3.
Settimana und semmana it., sp. pg. semana, pr. setmana, fr.
semaine woche; von septimana im spätem mlatein, eigenü. siebenzählig
wal. septemune, irisch sechtmaine Zeuß I, 77 (nach ihm ein gallisches
wort II, 739, vgl. dagegen Pott, Zählmethode 207). Dafür cat. altpg.
doma von hebdomas sp. hebdömada. Das sardische wort ist chida,
chedda, cida, das man auf gr. xfjöog bekümmernis (arbeitstage, Werktage)
zurückführt.
Sevo, sego it. (g für v s. Rom. gramm. I, 189), sp.pg. sebo, pr.
wal. seu, fr. saif (durch Umstellung), norm, henneg. sieu; von sebam,
sevum unschlitt.
Sg arare it. {eigentl. lomb. sgura), sp. cat. escurar, fr. teurer fegen;
nicht vom dtschen scheuern, ndl. schuuren, das wohl selbst aus dem latein
ist, sondern vom lat. curare pflegen, rein halten z. b. cutem, vitem, mit
vorgesetztem begriffsverstärkenden ex. Schon das einfache curare hat im
venez. und prov. die bed. reinigen, dazu stimmt wal. curat sauber.
Si it., sp. sf, altsp. sin, pg. sim, pr. fr. si, partikel der vergleichung
und bejahung; von sie, statt dessen in bejahendem sinne der Römer lieber
ita setzte. Der Sarde hat sieh für dieselbe bedeutung noch das ganz
lateinische imo oder emmo bewahrt, das er auch für 'seihst, sogar an-
wendet: imo piüs anzi piü, imo magis, s. Spano, Ortogr. I, p. 167, und
Vocab. sard.
Sidro, eidro it., sp. sidra, fr. eidre, wal. cigheariu Obstwein; von
sicera {oUbqo)^ entstellt in cicera, woraus eidra wie fr. ladre aus Lazarus
ward. Aber altsp. noch sizra bei Berceo.
Signore it., sp. senor, pg. pr. senhor, fr. seigneur herr; von senior
der ältere, geehrtere, angesehenere, wie gr. 7TQ€oßvTCQog7 wovon Isidorus
7, 12 sagt: presbyter graece latine senior interpretatur, non pro aetate
yel decrepita senectute, sed 'propter. honorem et dignitatem; oder wie
ags. ealdor, das in die bed. fürst übergieng. Durch senior ward dominus
theils verdrängt, theils in seiner bedeutung eingeschränkt, wahrend das
I. SINGHIOZZO-SLINGA. 295
fem. domina in seinem rechte verblieb. Ahnlich muftte das goth. masc.
franja, (Ad. frö, dem comparativ herro weichen, aber das fem. frau datiert
fort. Im altport. ward senhor auch, wie im latein, als feminin gesetzt :
senhor rainha frau königin, mia sennor fremosa meine schöne herrin; zu-
weilen auch im altfr.: ele devint dame e signor, s. Rom. gramm. II, 299
note; im prov. kann es auch als adjectiv construiert werden, wie in pilars
senhors hauptpfeüer. Senior für dominus kennt schon das ältest&mlatein :
Gregor v. T. sagt e. b. 8, 30 anusqaisque contra seniorem saeva in-
tentione grassatur. In dem scherzhaften artikd zur L. Sal. (wolfenb. hs.,
8. jh) wird ihm vassallus entgegengesetzt: cum senior bibit duas vicis, sui
Yassalli la tercia. In den von W. Grimm edierten deutsch-lat. gesprochen
steht es überall dem ahd. herro zur Seite. Die älteste franz. form ist nom.
sendra (in den Eiden, vgl. senhdre GRoss;) zsgz. sire, acc. seigneur,
das nachmals auch in sieur gekürzt ward; zsgs. nom. messire, acc.
monseignear und monsieur. Die zusammenziehung von sendre (senre)
in sire ist stark und mag nordfranzösische^i Ursprunges sein: picardisch
wird ndr oder nr nicht selten in r vereinfacht, tiendrons z. b. lautet hier
tärons, tendre lautet töre. Franz. Ursprunges sind die prov. formen sire,
sira nom. und acc., sp. ser s. PC. 3125, dsgl. sire, it. ser und sire,
mundartlich sior, engl, sir, durch welches das ags. hearra aus der spräche
verdrängt ward. Scharf bezeichnet den unterschied zwischen der franz.
und prov. form ein troubadour, nachdem die Provence an Karl von Anjou
gekommen war: die Provenzalen tauschen zu ihrem schmerz einen- senher
mit einem sire M. 757, 2. Die zuweilen vorkommende Schreibung cyre
für sire bezieht sich auf eine falsche herleitung des Wortes aus gr. xvqioq
oder aus dem liturgischen kyrie.
Singhiozzo, singozzo it., sp. sollozo, pr. singlot, sanglot, fr.
sanglot, chw. sanglut geschluchze; vb. singhiozzare. und singhiottire,
Bollozar, sanglotar, sangloter; mehr oder minder entstellt aus singaltns,
singultare, singulare. Zunächst der ital. form steht mlat. suggultium
Class. auet. VI, 545*. '
Singlar sp., singrar pg., cingler fr. segeln; doch wohl aus dem
ahd. sggel§n, altn. sigla, mit eingeschobenem n wie in singlaton. Un-
mittelbarer weist auf das deutsche wort altfr. sigle segel, sigler segeln.
Siniscalco und sescalco it., senescal sp.pr., sänöchal fr. oberhof-
meist er; vom ahd. sini-scalh ältester dienet, das sich aber in den altäfr
deutschen sprachquellen nicht vorfindet, mlat. seniscalcas L. Alam., s.
Grimms Bechtsalt. 302.
Siroppo, sciroppo it., sp. xarope, pg. xarope, enxarope, fr. sirop
ein süßer saß; vom arab. schar&b trank, weiny kaffee Freyt. II, 407 b ,
in dem uns bekannten sinne bereits bei einem Schriftsteller des 11. jahrh.
(Doey).
Slinga (schlinga) churw., sp. eslingua, pg. eslinga, fr. älingue
(Trevoux) schlinge, Schleuder; vb. pic. älinguer schleudern (altfr. eslinder
G. Guiart Il7 377); vom ahd. slinga funda.
296 I. SMAGARE-SMERLO.
Smagare ältit., altpg. esmaiar rmUhlos werden, pr. esmaiar, aitfr.
esmaier, esmoyer, in'Berry ämeger muthlos machen; dsgl. sp. pg. des-
mayar in Ohnmacht fallen, engl, dismay, sbst. it. smago, pr. esmai,
esmoi, sp. desmayo schrecken, ohnmacht. Der franz. spräche verblieb
6 m oi, das man gewöhnlich aas movere deutet, wiewohl es nur eine mund-
artliche form ist für esmai, vgl. Ruteb. II, 48 : dites li ne s'esmait ne
qne je nf'esmoi, wo beide formen gleichbedeutend nebeneinander stehen.
Das wort ist deutsch, aber nur mü privativem es oder des im rommischen
gebraucht: goth. ahd. magan können, vermögen, dhd. magen stark sein,
unmagSn ohnmächtig werden. Selten allerdings geschah es, daß der
Romane das einfache deutsche wort nur zu einer Zusammensetzung benutzte;
warum sollte er aber, wenn er z. b. das wort un-mag$n brauchen kannte,
es nicht in es-magar abgeändert haben, um es sich naher zu rücken? So
findet sich auch ahd. stullan nur im ital. compos. tra-stullare, andrer
beispiele nicht zu gedenken. Wackemagel, Altfr. lieder p. 131, fuhrt es
auf ahd. sm&hjan schwächen, erniedrigen zurück, weiches einigermaßen
durch die altsp. form esmair Alx. gestützt wird, wogegen aber die ge-
meinrom. bildung nach der 1. conj. für magan redet. Smahi fand übri-
gens im ital. smacco seine dar Stellung.
Smalto it., wal. smaltz fzumaltz), sp. pg, esmalte, fr. ämail me-
tallisches glas, schmelzglas, nilat. smaltum. Da it. smalto mörtd heißt,
so hat man darin das glekhbed. tat. maltha vermuthet und weder gegen
das vorgefügte s noch gegen den übertritt in die 2. decl. ist etwas einzu-
wenden. Eine andre herleitung ist die aus dem ahd. smelzan, früher
smalzjan, smaltjan, nhd. 'schmelzen, und sie scheint richtiger 1) weil das
Hai. vb. smaltire ^verdauen sich zu smaltjan logisch besser schickt als zu
maltha; 2) weil sich die eigenthündiche franz. form 6mail. nimmer aus
dem lat. wort, wohl aber aus «smelzi d. h. aus smalti construieren laß:
i ward von a angezogen (esmailt) und t apocopiert wie in gal für galt
vom deutschen wald. Wenn der Übersetzer des M. Capeila sagt: electrum
heizet cin walescun3 smaldum Graff VI, 832, so hatte er die bereits ro-
manisierte form vor äugen.
Smeraldo it., fem. sp. pg. esmeralda, pr. esmerauda, fr. &ne-
raude ein eddstein; von smaragdus (juctQaydog, a^aqaydog m. f.), sanskr.
marakada, g zum (heil in 1 verwandelt wie im it. salma aus oayfiia oder
Baldacco aus Bagdad; altsp. aber auch esmeraede Alx., ohne anlauten-
des s pr. maraede, maraude.
Smerare it., sp. pr. esmerar, altfr. esmerer putzen, polieren; van
ex-merare wie iL spurare von ex-purare, sgurare von ex-enrare.
Smeriglio it., sp. esmeril, fr. ämeri ein zum polieren dienen-
des eisenerz, schmergd; vom gleichbed. gr. ofivgig, ofiiQtg.
Smerlo it., esmirle pr. lerchenfalk, die kleinste ort raubvögd, sp.
pg. esmeril art kanonen (vgl. wegen der bedeutung talconete van falcon) ;
dsgl. it. smeriglione, sp. esmerejon, pg. esmerilhäo, pr. esmerilho,
fr. 6merillon s. v. a. smerlo. Das wort ist eine Verstärkung van merla,
I. SNELLO-SOGNA. 297
lat. mernla, und es sott damit ein der amsel ähnlicher vogel bezeichnet
werden, engl, merlin. Es ist schon im ahd. smirl vorhanden.
Snello it., pr. isnel, irnel Chx. IV, 224, V, 179, altfr. isnel,
ignel, enel flink, gewandt, noch jetst norm, inele. Gewiß vom ahd. snel
streithaft, behende, aber warum isnel, nicht, oder doch nur selten esnel?
Sprach man i für e, weil ein betontes e folgt? aber in espelh, esp6s,
esqnern that man nicht dergleichen. Man könnte ignel für ignitellus
feurig, hitzig (ignitnlns braucht Tertullian) nehmen, wäre sn minder gut
verbürgt. Nur eine einmischung des im miitellatein ziemlich häufig ge-
brauchten ignitns, welches in alten lateinisch-deutschen glossen mit 'rask*
(rasch) übersetzt wird Diutiska II, 336, darf eingeräumt werden, daher
die form ignel. Im Gregor 440 begegnet enhel cnrs, nach Du MSril =
anhelo euren (adv. enhelement 437): erwägt man aber, daß die hand-
schrift h zur erweichung verwendet (Born, gramm. I, 446), so ist enhel
nichts anders als egnel und kann das dem Romanen ganz fremde anhelns
nicht ausdrücken.
Soda it. sp. pg., sonde fr. ein laugensalz aus der asche der kdH-
pflanze; wird aus solida hergeleitet. Span, sosa, von salsns, heißt auch
die pflanze selbst, salstUa L., Salzkraut.
Sofa it. pg., fr. sopha, sofa (m.) ruhebett; vom arab. (joffah ruhe-
bank vor dem hause Freytag II, 502*.
Soffiare it., aitsp. pr. snflar, fr. sonffler, nsp. soplar, pg. soprar
blasen; von sufflare. Daher fr. sonfflet blasbälg, auch ohrfeige, da die
begriffe hauch und schlag sich berühren, wovon sich ein anderes beispiel
oben unter bnf findet. Verwandt ist auch das pg. a s s o v i a r.
Soffratta altit., pr. sofraita, sofracha, altfr. souffraite mangel, ab-
bruch; altit. soffrettoso PPS. I, 214, pr. sofraitos, fr. souffretenx dürf-
tig; von suffringere snffractus, pr. sofranher.
Soga it. (mdartl.) seil, so auch sp. pg., chw. snga; die bedeutung
der ital. Schriftsprache ist lederner riemen, im port. heißt es vornehmlich
binsenseil, im span. auch ein längenmaß, sognear mit dem seile messen;
bask. soca. Es fehlt dem worte nicht an Zeugnissen im frühern mlatein,
wo es gleichfalls riemen oder seil bedeutet: si qnis sogas furatus fnerit
de bove jnnetorio L. Long. ; sogam carralem de corio Epist. Innoc. III.,
auch ackermaß, daher sogalis eine abgäbe Capit. de villis. Die bask. form
mit tenuis ist wohl die ältere; zu ihr stimmt socas tortiles in einer Ur-
kunde unter Justinian und, wie Ducange vermuthet, auch mittelgr.
otaxaQiov ein längenmaß, bei Hero (nach 600 p. C). Diefenbach, Celt.
I, 90, vergleicht kymr. syg kette, bret. süg zugseil, gael. sugan strohseil.
Im span. ist soga am meisten heimisch geworden, da es zu vielen redens-
arten und ableüungen gebraucht wird. %
Sogna altit. PPS. I, 334, pr. sonh, fr. goin sorge, Sorgfalt; vb. fr.
soigner besorgen, pflegen; zsgs. it. bisogno, pr. besonh, besonha, fr.
besohl, chw. basengs noth, bedürfnis (fr. besogne f. geschäft), it. bisognare,
pr. besonhar noth thun; dsgl. altfr. essoigne, essoine nothwendigkeit,
298 I. SOLDO-SOLFO.
Schwierigkeit, entschuldigung, essoigner sich entschuldigen ; hiereu noch die
altfr. verba ensonnier beschäftigen, resoigner fürchten. Das einfache subst.
ist schon dem ältesten mlatcin bekannt : die L. Sah und Rip. haben sunnis
(sonst auch gunnia, sonia) mit der bed. gesetzliches hindernis (daher das
verweilen bei einem gegenständ, die Sorgfalt), und hierin erkennt Grimm,
Rechtsalt. 847, ein fränkisches wort = altn. syn abläugnung, vb. synja
abläugnen, mtat. soniare besorgen. Die goth. spräche liefert sunja Wahr-
heit, sunjön rechtfertigen, die aitsächs. sunnea entschuldigung, nothwendig-
keit, hindernis, die althochd. sänne in der Übersetzung der L. Sal., weichen
sich essoigne (mlat. exonia, exonium) so wie besoin logisch genau an-
schließen. Freilich läßt sich letzteres, da man kaum ein verlorenes deut-
sches compositum aus vorliegendem stamme annehmen darf, auf das zu
einem andern stamme gehörige ahd. bi-siunfgi scrupulositas, woraus ein
sbst. bi-siuni zu folgern ist (Grimm II, 719), zurückführen: denn daß
hier das roman. bis, das etwas falsches, verkehrtes bedeutet (s. oben bis),
nicht im spiel ist, zeigt theils der begriff des Wortes, theüs seine Schreibung,
die in jenem falle bessoin, bissogno sein müßte, und auch ags. byseg,
nndl. bezig (beschäftigt), worauf Grimm rermuthet, Gesch. d. d. spr. 364,
läßt sich mit besoin nicht in einklang bringen. Noch ist einer von Du-
cange versuchten herleitung von soin aus lat. somnium zu gedenken: wer
träume, dessen gemüth schwebe in angst und sorgen, und schon ein altes
lat. gr. glossar übersetze darum somnium mit ygortig. Aber kann dies
somnium nicht eine Umbildung sein von sonium (soin), um diesem ein
ganz latein. gepräge aufzudrücken ? und wie würden sich die bedetdungen
der composita aus somnium entwickeln lassen? Man sehe über unser
wort zumal Pott in der abhancUung Plattlatein 340. — Eine abl. von
soigner ist altfr. suignante 'coneubina LRs. 137, soignentage coneu-
binat, im Vocab. Duac. soignans 'focaria (kochin).
Soldo it., sp. sueldo, pr. sol, fr. sol, son name einer münze; von
solidus, das bei den Alten für eine goldmünze, später auch für eine süber-
münze von verschiedenem werthe üblich war, eigentl. eine dicke münze int
gegensalz zur blechmünze. Demnächst hieß it. soldo, sp. sueldo, pr. sout,
fr. solde (f.) lohn; it. sol dato, sp. soldado, fr. soldat, pr. soudadier,
altfr. soudoier, lothr. pic. dauph. soudard kriegsmann, wortlich besoldeter,
wie it. paga soldat heißt. Der Italiener formte mit einer seltnen Verwand-
lung des o in a aus solidus sein adj. saldo, sodo (vgl. talpa, topo), so
wie aus solidare befestigen, zusammenfügen sein vb. saldare löthen, in der
wald. mundart saudar, beide = sp. soldar, fr. souder, wovon sich soldare
besolden durch die form trennt.
Solfa it. sp. pg. pr. tonleiter, im span. harmonie; von den Guido-
nischen silben ut re mi fa sol la, d. h. nur von den drei letzten rückwärts
gelesen und la als urtikel verstanden (la sol-fa); vb. it. solfeggiare
(woher fr. solföge), sp. solfear, fr. solfier die tonleiter singen.
Solf o, zolfo it., sp. azufre, pg. enxofre, pr. solfre, solpre, fr. soufre
Schwefel; von sulphur.
I. SOLLAZZO-SOBN. 299
Sollazzo it., sp. solas, pr. solatz, altfr. soulas Belustigung, kurz-
weil, von solatium; vb. sollazzare, solazar, goulacier ergötzen, nüat.
solatiari, solatiare bei Gregor d. gr. und andern.
Sommaco it., sp. zumaque, pg. sumagre, pr. fr. sumac eine Staude,
8umach; vom arab. sommäq Freytag II, 355b.
Sommo it., sp. somo, pr. som, altfr. som, son gipfel; von summum,
nfr. son Jcleie d. h. das oberste im sieb, sp. soma gröberes mehl. Daher
das präpositionale dUsp. en somo, altfr. en som, en son oben, hinauf,
auch par som, par son, z. b. par som les puis oben auf den hügeln, par son
l'eve auf dem w asser, par son Taube G Vian. 1241, Parton. 1, 135 cet. ums
morgenroth = pr. sns l'alba Fer. 3484, sus en l'alba 3493, it. in sali' alba.
Abgel. fr. sommet, die stelle des alten som ausfüllend. Zsgs. sp. pg.
pr. asomar, aüfr. assommer LR. hinaufbringen, aeigen, sich steigen.
Sonda sp. pg., sonde fr. Senkblei; vb. sondar, sonder die meeres-
tiefe messen. Wenn sich sp. sombra, fr. sombre aus sub-umbra zusam-
menziehen tonnten, so ist dieselbe zusammenziehung von sondar aus sab-
andare *ro das meer tauchen möglich, wenn auch nicht, wie dort, er-
weislich.
Sopa sp. pg. pr., soupe fr. heißt sowohl brühe mit brotsehnitten
wie auch die eingetunkte schnitte selbst, daher die franz. r$densart mouille
comme une soupe, doch ist in tbruhe die grundbedeutung anzunehmen; vb.
sp. 8 o p ar brühe über die schnitten gießen, pr. sopar, fr. souper zu abend
essen (wobei die suppe das vornehmste gericht war), letztere bedeutung
uralt, bereits in der Pass. Chr. 28. 107. Bas unzweifelhafte etymon
findet sich im deutschen: ndd. soppe, woher nhd. suppe, vb. ndd. suppen,
ndl. soppen, ahd. supphan, mhd. supfen schlürfen, vom wurzelverbum
süfan, saufen. Eine andre form ist it. zuppa kaÜschale, sp. pg. chupar
schlürfen, fr. super dass., vgl. unser mundartl. zuppe, zupfen mit ders.
bedeutung. Das hd. f ist im romanischen nirgends zur gdtung gekom-
men. — [S. über dieses wort Weigernd II, 847.]
Sorbetto it., sp. sorbete, pg. sorvete, fr. sorbet ein süßer kühlen-
der trank; vom arab. schorb trafüc Freyt. II, 40 7b, wobei zu erinnern
ist, daß das arab. seh (l£) mehrmals im span. als s auftritt. Nach an-
dern ist es aus sorbere abgeleitet, also s. v. a. sorbitium, aber den ablei-
tungen mit ett aus verbis ist nicht zu trauen.
Sorce, sorcio it., sp. sorce, pr. soritz, fr. souris, wal. söarece
maus; von sorex.
Sorn pr. düster, auch in figürl. sinne; sornura düsterheit; altfr.
sorne dämmerung Boquef., sp. (rothwalsch) soma nacht; fr. sournois
heimlich, tückisch; it. sornione, sufeornione duckmäuser, susorniare
murmeln. Vielleicht hat sich die physische bed. dunkel in diesem worte
erst aus der moralischen düster entwickelt und es ruht auf einer celt.
Wurzel, kymr. swrn-ach knurren, brummen, com. sorren zornig sein, denn
entstehung aus dem logisch näher liegenden sör, sörllyd mürrisch, tückisch,
engl, sollen findet Schwierigkeit in der form. Auch sp. sorna träghext
300 . I. SORTIRE— SOSTARE.
(nach Larramendi vom bask. sorrena der dümmste) ist hieher zu ziehen,
der mittelbegriff konnte Verdrießlichkeit sein. Vielleicht jedoch gibt die
erwägung des mit sournois gleichbed. pg. comash. soturno, piem. saturno,
sard. saturnu, genf. saturne, span. flor. satnrnino (s. P. Monti) ein an-
dres resultat, da diese Wörter augenscheinlich aus tacitnrnus entstanden
sind, indem die silben taci in tci t;o tf a zusammengiengen : sorna (nacht)
aus taciturna wäre selbst ein poetisch schöner, inehr noch ein für die
gaunersprache bezeichnender ausdruck. Seltsam sind wegen ihrer endung
a die mail. adjectivformen sotturna, saturna.
Sortire it., fr. sortir (beide nach regelmäßiger conj. io sorto, je
sorg) ausgehn, altfr. auch entspringen, entkommen Fl. Bl. 1020, cot. surtir
ausgehn, springen, sprossen, pr. sortir springen,* springen machen, sp.
surtir, pg. surdir hervorquellen ; esgs.fr. ressortir (präs. je ressors)
wieder ausgehn, sp. resurtir zurückspringen, sbst. fr. ressort schnellkraß.
Mit sortiri (loosen, durchs loos gewinnen) läßt es sich logisch nicht eini-
gen. Ferrari zog es daher aus dem subst. sors: das loos ward aus der
urne gezogen und gieng gewissermaßen heraus. Aber war dieser Vorgang
ein im leben so wichtiger, daß man darnach eine der üblichsten handlun-
gen benannte, sich also selbst, im gründe gesagt, mit einem loose verglich?
Menage und Frisch erklären es mit surrectire, einer freilich ungewöhn-
lichen büdung, da die participicdverba sich sonst zur ersten conj. schlagen,
die aber doch in ammortire und altfr. quatir (von coactus) beispide
aufzeigen kann und jedesfalls den bedeutungen vollständig zusagt, denn
auch 'ausgeht? und 'sich erheben* gehen in einander über; letzteres spürt
man noch deutlich in phrasen wie sortir de son siöge, sortir de table,
une fignre sort sie hebt sich (auf gemälden).
Sortire it., fr. sortir (beide nach der gemischten conj. io sortisco,
je sortis) erlangen, bekommen, ital. auch loosen, sp. surtir, comash surti
versehen, versorgen; von sortiri. Zsgs. it. assortire, sp. asortir, fr.
assortir zusammenlegen, zusammenpassen (jedes nach seiner art oder sorte).
Zu derselben conjug. bekennt sich auch fr. ressortir unter einer gewis-
sen gerichtsbarkeit stehn, das recht der appdlation haben, z. b. les pairies
ressortissent au parlement, sbst. res sort, it. risorto gerichtsbarkeit.
Über den Ursprung dieser Zusammensetzung bemerkt Ducange: ressortum
quicquid intra sortes continetur seu jurisdictionis terminos. Nach Bu-
daeus (s. Menage) kommt der ausdruck von sors: causae enim sortibus
ex urna dactis cognoscebantar. Die sache ist aber ganz anders zu fassen.
Die eigentliche bedeutung des juristischen ausdruckes liegt im altfr. resor-
tir sich zurückziehen, sich flüchten, schütz suchen, resort rückzug, Zuflucht,
daher höchste stelle, wo man sein recht erlangt, rechtszuflucht. Die be-
griffsentwicklung aus sortir erlangen, ressortir wiedererlangen ist aber
dieselbe wie im Hol. ricovrare 1) wiedererlangen, 2) seine Zuflucht nehmen;
ricovrare ad un luogo verhält sich auch syntactisch wie ressortir an par-
lement. 8. oben cobrar.
So stare it. hemmen, stillen, beruhigen, pg. pr. sostar einhalten;
I. SOTTO-SPANNA. , 301
sbst. ü. pr. sosta stillstand; von substare ausdauern, aushalten, transitiv
genommen. Dahin etwa auch sp. pg. susto, sard. assasta schreck (hem-
mung?), comask. sust, ven. susto, sie. sasta beklommenheit, beschwerde.
Sotto ä., altsp. soto, pr. sotz, fr. sous, wal. subt, präposition, von
subtus, it. auch sottesso s. esso; esgs. fr. des sous = it. di sotto.
Daher it. sottano unter st, sbst. sottana, sp. sotana, fr. soutane Unter-
rock, leibrock.
Sovente it., pr. soven, soen, fr. gouvent, zeitadverb, von subinde.
Die lautlehre hat hier die ungewöhnliche härtung des d in t eu bemerken :
dachte man dabei an die endungen in repente, frequente, immantinente ?
es scheint so.
Soverchio it., altsp. sobejo (für soberjo), s. die glossare bei
Sanehez, pg. sobejo adj. und adv. überflüssig, übermäßig; von superculus,
der lat. spräche fremd. Daher sbst. it. soverchieria, superchieria
mishandlung, übervortheüung , und hieraus fr. supercherie, sp. super-
cheria hinterlist.
Spada it., sie. spata, sp. pg. pr. espada, fr. 6p6e, toal. spate?
(nach Lex. bud.) degen, schwert; von spatha spatel zum umrühren, dsgl.
breites zweischneidiges schwert (s. die stellen bei Böcking, Annot. ad No-
titiam dign. oeeid. p. 315), dies vom gr. onaih], nicht aus dem celtischen,
wie noch Bdloguet p. 163 anzunehmen geneigt ist. Das wort hat auch
in andre sprachen eingang gefunden, e. b. alb. spat^, bask. izpata, in
andrer bedeutung kymr. yspawd schtdter, ir. spad, engl, spade, ahd. spato,
nhd. spaten grabscheit. Im mittelalter mochte man es für kein lateinisches
halten: gladius, quod spatham vocant heißt es z. b. in den Gest. reg.
Fr. cap. 41. Im latein. allerdings von eingeschränktem gebrauche schwang
es sich in den jüngeren sprachen über gladius empor, das sich kaum be-
haupten kannte; ensis mußte völlig weichen. — Altspan, wird es häufig
als masculin gebraucht: deste espada PC. 3676; im altfr. Agolant v.
699 steht il n'ont espäe, ne soit bien acerä (wo vielleicht esptä, nach
LittrS, Hist. d. I. I. fr. I, 42, aceräe zu lesen ist); im prov. erscheint
gradezu eine männliche form espa-s LR., im Leodegar 38 ispieth (ge-
schrieben inspieth), aUcat. dagegen la espä Chr. d'Escl. 677*.
Spalla it., sp. espalda, alt espalla, pg. espalda, espädoa, pr. es-
patla, fr. äpaule, altfr. espalde LRs. 377 schtdter. Nicht von scapula,
sondern, wie die prov. form am deutlichsten zeigt, von spathula, dimin.
von spatha Schulterblatt der thiere, wal. spate rücken. Apicius hat spa-
tula porcina, welchem altpg. spadoa de porco (in einer Urkunde v. j.
1296 SRos.) genau entspricht. Spatula ist nur der sard. mundart fremd:
sie gibt dafür das dem gr. ona&rj sinnverwandte lat. pala, das bereits
Codius Aurel. für Schulterblatt gebraucht. Von spatula (nicht von palus
pfähl) kommt it. 8 pal Hera, sp. espaldera, fr. espalier rücklehne, bäum-
gelander, spalier.
Spanna it. churw., wallon. aspagne, masc. altfr. espan, nfr. em-
pan ein langen/maß; vb. it. spanna re tueh oder netze abspannen (wenn
302 I. SPARAGNARE-SPELTA.
nicht von pannus), chw. spaniar aufspannen. Die herleitung aus gr.
om9a/ii]f welches spemma oder spimma lauten wüßte, ist verwerflich.
Die aus expandere würde sich für die franz. form empfehlen, da hier
espanir für espandir vorkommt, im ital. schwindet d nach n hur höchst
selten: das ganz vereinzelte comask. spanda lehnt sich augenscheinlich an
spandere. Am sichersten leitet man daher spanna vom ahd. spanna,
nhd. spanne, das /r.*empan vom mhd. gpan ausspannung, die in dem
starken verbum spannan ihre quelle haben.
Sparagnare und sparmiare, risparmiare it., fr. äpargner, chw.
spargnar, bürg, reparmer schonen, sparen. Wohl mahnt es an das ahd.
sparön, sparßn, die art der ableitung daraus aber ist unklar. Man be-
denke dabei lomb. car-agn-are aus ahd. karön Rom. gramm. I, 88, fr.
lor-gn-er aus luren.
Sparaviere, sparriere it., altsp. esparvel, cot. esparver, pr. ßspar-
vier, fr. äpervier ein raubvogel, in letzterer spräche auch ein wurfnetz
der fischer, sp. esparavel ; vom ahd. sparwari sperber, dies wohl vom goth.
sparva sperling, chw. spar, also ein vogel, der auf Sperlinge ausgeht.
Hieher auch churw. sprer geier. Der neusp. ausdruck ist gavilan.
Spasimo it., sp. espasmo, pr. espasme, sp.pg. auch pasmo krampf,
ohnmacht; vb. it. spasimare (comask. pasmä), sp. espasmar, pasmar, pr.
esplasmar, espalmar, plasmar, fr. p&mer; vom lat. spasmus bei Plinius
(onaonog). Der unübliche Wegfall des s vor p rührt etwa daher, daß
man jenen buchstäben mit ex verwechselte, also pasmus für das einfache
wort hielt.
Spavenio it. (für gparvenio?), auch spavento, sp. esparavan, fr.
öparvin aus dem alten esparrain, engl, spavin spath, eine krankheit der
pferde und des rindviehs. Menage meint, von äpervier, weiL die thiere
den kranken fuß hoch aufheben wie der sperber, und diese meinung findet
ihre stütze in der gleichbed. cot. form esparver-enc eigenÜ. etwas sperber-
artiges, valenc. einfacher esparver.
Spaventare, spantare it., sp. pg. espantar, pr. espaventar, fr.
öpouvanter, henneg. Spanier, wal. mit m für v sp^imentä einen er-
schrecken, sbst. it. spavento u. s. f. ; von expavere, pari, expavens. Die
franz. form erklärt sich ohne Schwierigkeit aus den in der alten spräche vor-
handnen übergangen, espaventer espauenter espoenter espoventer (v ein-
geschoben), auch der Churwalsche sagt spuventar.
Spazzare it., sp. espaciar, pr. espassar räumen, ausbreiten, ü.
spaziaräi, sp. espaciarse sich ausbreiten d.h. sich ergehen, spazieren; von
spatiari.
Specchio, gpeglio it., sp. espejo, pg. espelho, pr. espelh Spiegel,
von speculum. Die franz. spräche besitzt buchstäblich dasselbe wort in
e spiegle verschmitzter geselle, henneg. vilespiöque, vom deutschen Eulen-
spiegel, der unter dem namen Ulespifcgle früh ins franz. übersetzt ward.
Vb. sp. espejar glätten, polieren, despejar lichten, räumen, platz machen.
Spelta, spelda it., sp. espelta, pr. espeuta, fr. (masc.) 6peantre
I. SPERONE-SPINETTA. 303
eine getreideart, spelz; vom lat. spelta erst im 4.jh. bei Rhemnius Fannius,
dem es ein spelzkorn bedeutet, ahd. spelta, spelza (f.), spelzo (m.). Die
franz. form zeigt eine besonders nach dentalen häufig angewandte einschie-
bung eines r, vgl. oben feltro. Über den gebrauch des Wortes im mkUein
(mittelgr. oniktov) s. Ducange.
Sperone, sprone it., altsp. esporon, neusp. espolon, pg. esporäo,
pr. espero, aÜfr. esporon, neufr. Operon sporn, einfacher sp. espuela,
alt espuera, pg. espora; vom ahd. sporo, acc. sporon, daher die doppel-
formen. Vb. it. speronare, spronare, sp. espolear, pg. esporear, pr.
esperonar, fr. 6peronner, aus dem roman. Substantiv, nicht aus dem deut-
schen vb. spornön.
Spesso it.9 sp. espeso, pr. espes, fr. 6pais, früher äpois, espois,
aXban. spes dicht, von spissus; adv. it. spesso, pr. espes häufig, bei Pe-
tronius oscula spissa häufige küsse, vgl. gr. nvxvov, ahd. diccho dicht,
häufig.
Spezie it. (nicht specie), sp. especia, fr. 6pice apothekerwaare, ge-
uriirz; von species, dem das nachclassische latein dieselbe bedeutung bei-
legte, aUfr. espece. Ab gel. it. speziale apotheker.
Spiare it., sp. pr. espiar, fr. 6pier ausspähen, chw. spiar nach-
forschen; vom ahd. spehön = nhd. spähen. Sbst. it. spia (m.), sp. espia
(m. f), pr. espia (f.), altfr. espie (f.), dsgl. it. spionc, sp. espion, fr.
espion leundschafter; vom ahd. spgha (f.) exploratio ; die ndl. spräche hat
spie. [Nach einer alten, wieder erneuerten behauptung soll in dem roman.
tterbum das verschollene lat. spicare (woher despicare cet.) fortleben. Wir
wissen aber aus der ital. lautlehre, daß lat. c zwischen vocaien nicht aus-
fällt. Das deutsche 6 in spghön vertritt ein älteres i, von welchem selbst
noch beispiele vorhanden sind (spihan, s. Graff VI, 321. 323); inlauten-
des h kann ausfallen.]
Spillo it., ausgeartet in squillo, Stecknadel, dsgl. bohr er. Nicht
von spicnlum. Man darf es unbedenklich aus spinula herleiten, denn die
weibliche diminutivform wird häufig in die männliche, welche eigentlich
die neutrale vertritt, umgesetzt, s. Born, gramm. II, 293; ein ganz ähn-
licher fall ist orlo aus orula. Wegen der assimilation des n aber vgl.
man ella aus enola, lulla aus lunula. Der romagn. ausdruck ist Spinell,
handgreiflich aus Spina. Gleicher herkunft mit spillo ist fr. äpingle
(f.), npr. espinglo, neap. (aus dem franz.) spingola, bask. ispilinga (vgl.
champ. £plingue): g ward eingeschoben um das unerträgliche äpinle zu
vermeiden. Zu spinula bemerkt Dueange aus Tacit. Germ. c. 17: tegmen
omnibus sagum fibula aut, si desit, spina consertum. Das pic. 6pieule,
6piule entstand wohl aus spiculum.
Spinace it., sp. espinaca, pg. espinafre, pr. espinar, fr. äpinard,
wal. spenac ein kraut, spinat; von spina spitze, wegen seiner gezackten
Matter, die ital. form eigentl von dem unlat. spinaceus, dieport. von spinifer.
Spinetta it., sp. espineta, fr. 6pinette ein Saiteninstrument; von
spina, weil es mit zugespitzten federkielen gespielt ward.
304 I. SPIRITO-SPUOTONE.
Spirito it., wal. spirit, sp. espiritu, vrlt. esprito, pg. espirito, cot.
pr. esperft, fr. esprit, daher engl, spright und spirit, altfr. S. Espir.
Man behandelte dieses wort etwas zarter als andre, weil ihm eine heilige
bedytiung anhieng. Der Spanier ließ ihm sein n unangetastet und der
Provenzale wandte hier seine gewöhnliche syncope nicht an. — Für spirit,
das wohl wenig üblich ist, führte der Walache^ außer dem slav. duh, das
aus lateinischem Stoffe geschaffene suflet (hauch) ein, gab aber der thier-
seele besondre namen, abur (vapor dunst, im gegensatze zum hauch?) und
bleasc (woher letzteres?).
Spitamo it., sp. espita spanne; vom gleichbed. gr. am&atirj.
Spito neap., sp. pg. espeto bratspieß, fr. epois oberste spitze am
hirschgeweih; vom ahd. spiz spieß, spitze, ndl. ndd. spit bratspieß. Da-
neben gibt es ein synonym mit d: it. spiedo (spiedone, ausgeartet in
schidone, schidione), romagn. sp'ed, gen. spiddo, sard. spidu, sp. espedo,
espiedo; es fragt sich hierbei: steht die media durch einen zufall für die
tenuis, was aber sonst nicht geschieht; oder ist das wort vom ahd. sper,
nhd. speer (woher altfr. espier IL c), indem, wie oft im ital., d für r
eintrat? In letzterem falle rührt der span. (dem Catalanen und Portu-
giesen unbekannte) ausdruck aus dem ital. her.
Spoglio, spoglia it. (entartet in scoglio, scoglia), dtisp. espojo
beute u. dgl.; von spolium, mlat. spolia Gest. reg. Fr. c. 37. Dafür
nsp. despojo, fr. däpouille, pr. despuelh, despuelha, vb. despojar, d6-
pouiller, despolhar.
Spola, spuola it., sp. espolin Weberschiffchen, vom ahd. spuolo
spule; gleichbed. chw. spol, limous. espolo; altfr. espolet spindd. Das
neufr. s6poule scheint von späterem gepräge, für espoule, äpoule, das
im lothr. ehpieule (eh = fr. es) sein abbüd findet.
Spo80, sposa it., sp. psposo, esposa, pr. espos, esposa, fr. äpoux,
6pouse, Verlobter, verlobte, wie tat. sponsus, sponsa, dsgl. gälte, gaitin,
auf welche bed. sich das franz. beschränkt, wiewohl noch Nicot äpouse
mit nympha und sponsa übersetzt Vb. it. sposare, cdtsp. pr. esposar,
fr. äpouser heirathen, lat. sponsare verloben. .
Springare it. bei Dante Inf. 19, 120 mit den fußen zappeln, altfr.
espringuer springend tanzen (espringuiez et balez FC. III, 377; et cante
devant eus, souvent a espringu6 DMce. p. 303), pic. vor freude springen;
vom ahd. springan. Für springava bei Dante haben die meisten aus-
gaben spingava, welches Blanc, Vocab. dant., verwirft. Abget. altfr. es-
pringale ein tanz GNev. p. 306, so auch espringuerie Trouv. artes.
p. 226. Espringale bedeutet überdies eine wurfmaschine (s. die stellen
bei Ducange v. spingarda) ; wahrscheinlich desselben Ursprunges, mit aus-
gefallnem r wie in spingare, ist it. spingarda mauernbrecher, sp. es-
pingarda kleine canone; wenigstens ist dessen herhmft vom it. spingere
stoßen nicht annehmbar: für solche Werkzeuge liebte man individuelle zum
theil scherzhafte benennungen.
Spuntone, spontone it., sp. esponton, fr. sponton eine ort piken,
I. SQUILLA-STAGNO. 305
mail. sponton nadel, Spindel; vom it. puntone (punto, lat. punctum) spitze,
mit verstärktem anlaut.
Squilla it., lomb. chw. schella, sp. esquila, pg. fehlt, pr. esquella,
esquelha, altfr. eschiele glöckchen; vom ahd. skilla, skella, nhd. schelle,
dies vom starken vb. skellan klingen Grimm II, 32, woher it. squillare.
Das älteste Zeugnis des Wortes in der L. Sal.: si quis schillam {dl. eschil-
lam, schellam, skellam) de caballo faraverit Pardessus p. 85. Merkwür-
dig ist die it. form squilla für schilla, welches Papias noch sichilla
(ohne u) schreibt: das lat. auch im iial. vorhandene, freilich etwas ganz
anderes bedeutende squilla muß zu dieser ausspräche verführt haben.
Stacca it., sp. pr. estaca, altfr. estaque, estache pfähl; vom ags.
staca, altfrs. ndd. stake mit ders. bed.
Staccio it., richtiger neap. setaccio, maü. sedazz, ferner sp. cedazo,
citfr. saas, nfr. gas haar sieb; schon im früheren ndatein sedatiuin Gl.
Schlettst. 39, 58, auch bei Hattemer I, 309°, sidacium Gl. Linderibr.,
lat. gleichsam setaceum von Beta, weil es von pferdehaaren gemacht ward.
Dem Walachen genügt das primitiv sete für die bed. sieb, dazu kommt
noch das dbgel. sitiz$ ; auch die norm, mundart besitzt set (m.) in dieser
bedeutung.
Staggio it., estatge pr., ätage fr. zustand, wohnung, Stockwerk u.
dgl. ; von stare statum staticum (prov. auch fem. estatga wohnung). Mnctt.
staghe Reinh. ed. Grimm v. 2757 scheint aus dem franz. entlehnt.
Stagione it. Jahreszeit, auch rechte zeit, xaiQog, sp. estacion, pg.
esta^äo zeüpunct, jähr es- oder tageszeit; vb. nur it. stagionare zur
reife bringen, zeitigen; von statio stillst and, auf enthalt, daher zeitpunct,
vgl. unser stunde von stelin. — Die bed. von stagione erfüllt noch ein
anderes der ital. Schriftsprache fehlendes durch einen einfachen anlaut sich
unterscheidendes wort: sp. pr. sazon, pg. sazäo, fr. saison, venez. sason;
vb. sazon ar, assaisonner, sasonare. Aus statio konnte dieses letztere
wort nicht entstehen, da sich st nur inlautend in s oder z vereinfachen
kann: das sp. Zufiiga aus Estuniga, eine einzelne ausnähme, würde höch-
stens eine form zazon unterstützen können. Ducange stellt satio als ety-
mon auf: die bed. aussaat oder, was ganz nahe liegt, zeit der aussaat,
wäre auf die Jahreszeit übertragen worden. Dieser deutung läßt sich bei-
pflichten. Für das säen oder pflanzen jedes gewächses gibt es eine bestimmte
günstige zeit in der Jahresperiode, eine satio verna, aestiva, autumnalis,
letzterer ausdruck bei ColumeUa: leicht war es, die Jahreszeit, für weiche
das latein keinen einfachen ausdruck gewährte, durch die Saatzeit vertreten
zu lassen. Sicher muß dieser auf das landleben bezogenen deutung die
von Le Duchat aus Sectio (abschnitt) als eine fast zu mathematische und
doch den begriff nur auf seiner Oberfläche berührende, überdies formell
weniger genügende nachstehn. — [Vgl- noch Mussafia's gloss. zu Monum.
ani. 118.]
Stagno it., sp. estano, pr. estanh, fr. 6tain zinn, dsgl. fr. tain
Stanniol (le tain aus Potain). Die formen passen nickt zu stannum, da
20
306 I. STALLO-STANCARE.
der Italiener lat. nn wohl nur vor i in gn erweicht (grunnire, grugnire),
wohl aber zum altlat. stagnum, das in stagneus, stagnatus fortlebt
(Schneider, Lat. gramm. I, 503) und auch im frühern mlatein ganz üblich
ist, z. b. in einem glossar stagnum 'ein (zinn) Diutiska III, 429, und
schon bei Isidorus. Wie bekannt, war das römische stannum nicht eigent-
lich das was wir zinn nennen, sondern ein gemischtes metall; die heutige
bedeutung soll sich erst im 4. jh. eingefunden haben. Abgel. fr. 6 tarn er
verzinnen, vgl. venimeux von venin d. h. m in beiden fällen durch einfluß
des unbestimmten nasalen n (= nasalem m) lierbeigeführt.
Stallo it. altpg. SRos., altsp. estalo, pr. altfr. estal stelle, auf ent-
halt, nfr. 6tal kram (vb. ätaler auskramen), 6 tau fleischbude; fem. it.
stalla, sp. estala, altpg. stala staU, daher it. Stallone, fr. ätalon Zucht-
hengst, equus ad stallum L. Wisig. Vom ahd. stal statio, locus, stabu-
lum, vb. ndl. stallen waaren ausstellen KU. — Aus lat. stabulum dagegen
ward pr. estable, fr. ötable (f.). — Franz. 6tau hat noch eine zweite be-
deutung, Schraubstock, in welcher es gleichfalls aus stal in der freilich
nicht nachweislichen bed. gestell entstanden sein könnte, wenn man nicht
Herkunft aus dem cdtfläm. stael schaft, stamm = holt, steel KU. vorzieht.
Aber das gleichbed. lothr. eitauque so wie das bask. (navarr.) estoka
führen deutlich auf unser dtsches (schraub-) stock, und daraus scheint
6tau abgekürzt, also ganz anderes Stammes.
Stamigno it., sp. estamena, pg. pr. gleichfalls estamenha, fr. Ka-
mine siebtuch; vom adj. stamineus fademig, faserig.
Stampare it., sp. pg. estampar, fr. ötamper eindrücken, sarcL
stampai durchlöchern, vom ahd. stamphön, nhd. stampfen; wal. steamp
der dazu dienende pfähl, vom ahd. stamph.
Stancare it. ermüden: dazu stimmt buchstäblich sp. pg. pr. estan-
car, fr. ätancher den lauf des wassers hemmen, überh. hemmen, stopfen,
pg. aber auch erschöpfen, ermüden. Augenscheinlich von stagnare stehend
machen, hemmen, woraus die figürl. bed. ermüden leicht erfolgen konnte:
gn verhärtete sich zu nc, wie dies in dem sbst. sp. pg. estanque, pr.
estanc, selbst im fr. ätang (statt £tain), bret. stann von stagnum teich
geschah, um es von stagnum zinn zu scheiden, während sich der weiche
laut im sp. restaöar, val. estanyar s. v. a. estancar behauptete. Doch
nahmen mundarten, wie z. b. die piemontesische, diese Scheidung nicht
vor: hier bedeutet stagn teich und zinn. Im pr. cot. tancar verstopfen,
sp. atancarse verstummen, fiel der anlaut ab, dasselbe geschah im pg.
tanque teich für estanque. Dazu ein adj. it. stanco müde, sp. estanco,
pg. estanque verstopft, pr. estanc stillstehend, unwandelbar, äUfr. estanc
langsam, matt; das ital. wort läßt sich aus dem partic. stancato erklären^
die übrigen aber müssen, da aus verbis keine adjeetiva ohne hülfe von
Suffixen gebildet werden, dem sbst. stagnum (stehendes wasser, stopfung)
ihr dasein danken, s. über solche adjeetiva Rom. gramm. II, 289. —
Ital. mano stanca heißt linke hand, entsprechend dem mhd. tenc link,
auch wal. stungej: ist es darum anderes Ursprunges und von den übrigen
I. STANGA-STOFFA. 307
rman. Wörtern abtusondern? es scheint nicht. Mundartlich, in Bergamo,
heißt die linke mano storta die verdrehte, s. Ferrari v. mancare, auch
bedeutet it. senestrarsi un piede sich einen fuß verrenken (id. v. gangheri),
romagn. sinlstar (m.) Verdrehung, Verrenkung, und so konnte die linke
eben so wohl als die matte, träge, stockende, stanca, aufgefaßt werden. S.
gauche IL c.
Stanga it. chw. stange, riegel, fr. ätangues (plur.) zange, eigentl.
etwas aus zwei Stangen bestehendes (Trhoux), dsgl. stangue anker stange,
(heraldisch), wal. steang^; vom ahd. stanga.
Stanza it., sp. estancia auf enthalt, wohnung, pr. estansa Stellung,
läge, fr. ätance, 6tan$on stütze; von stare, stans, gleichsam stantia. Über
stanza in der bed. Strophe s. Wackernagel, Altfranz, lieder 249, welcher
Dante's anschauung, stanza sei das zimmer oder behälinis der ganzen
kunst eines liedes, naher bestimmt.
Starna it., estarna sp. pg. kleine art rebhühner; nach einigen von
avis externa fremder, eingewanderter vogel, fr. perdrix grecque. Das
ahd. starn, ags. steara ist der name eines andern vogds (staar, auch
drossel).
Stendardoä., sp. estandarte, pr. estendart, estandart, fr. 6ten-
dard fahne, daher mhd. 8 tanthart; von extendere entfalten, it. stendere
le insegne, über die genauere bedeutung des franz. Wortes s. P. Paris
zum Garin II, 162.
Stivale it., cdtsp. estibal Conq. TJltram., pr. estival Flam. 2208,
attfr. dass. eine auch das Schienbein deckende fußbekleidung, daher ahd.
stuhl, mhd. stival, nhd. Stiefel. Von tibiale, welches eine äffnliche be-
deutung hat? Ihm könnte s auf ital. weise vorgesetzt und diese form von
den andern sprachen angenommen sein, aber alsdann wäre die regelrechte
büdung wenigstens stiggiale, was nirgends, auch in keiner mundart, vor-
kommt. Darum ist Dueange's erklärung aus aestivale vorzuziehn, es war
eine Sommerbekleidung von leichtem leder: possint facere . . stivales,
hosas et alind opus qnodcunque de pellibus hircorum, arietnm cet.For.
Arag. Eine Urkunde von 1332 unterscheidet auch zwischen winter- und
sommerbeschuhung, s. Ducange.
Stivare it., sp. pg. estivar zusammenstopfen, sbst. estiva batlast;
von stipare.
Stocco it., sp. pg. estoque, pr. fr. estoc stoßdegen, span. altfr. auch
stamm, comask. stock baculus; von dem deutschen in allen mundarten ein-
heimischen stock (aus dem wurzelverbum stechen), woher auch das gael.
stoc. Auch unser vb. stocken findet sich wieder im pic. ätoquer ersticken.
Über fr. 6tau = stock s. oben stallo.
Stoffa it., sp. pg. estofa, fr. Stoffe, masc. it. stoffo, pg. estofo
gewirk, zeug, malerie, stoff; vb. sp. pg. estofar, fr. ötoffer ausstaffieren,
auswattieren, span. auch steppen. Da das verbum synonym ist mit it.
stoppare, fr. ätonper verstopfen (s. stoppa), so ist der Ursprung des
Wortes wohl im lat. stuppa (werg) zu suchen, das sich im munde der
308 I. STOJA-STORDIRE.
Deutschen in stupfa, stuffa verwandelte: sp. estofa bedeutet daher auch
Stickerei in erhabener (ausgestopfter) arbeit und engl, stuff sowohl gewebe
wie fiälsd, futter. Ohne diesen durchgang durch das deutsche ist eine
solche gemeinromanische aspiration des lat. p schwer anzunehmen, da
kaum ein entsprechender fall vorliegt. Das gad. stubh steht in dieser
spräche einsam da und scheint dem engl, stuff nachgebildet, vgl. dasselbe
buchstdbenverhältnis im gad. scabhal = engl, scaffold, gibht = shift,
lobht = loft, gibhte = gift.
Stoja it., sp. estera für estuera (wie frente für fruente), pg.
esteira (nach dem span.) matte, fr. störe; von storea.
Stoppa it., wal. stup?, sp. estopa, fr. ätouppe werg, von stuppa.
Abgd. it. stoppino dacht, fr. ätouppin Stöpsel; vb. it. stoppare, altsp.
estopar, fr. ätoupper mit werg verstopfen, tnlat. stuppare L. Älam., wo-
her auch unser vb. stopfen, ahd. stoppön.
Stopp ia it., pr. estobla, fr. 6touble stoppet. Das tat. wort ist
stipula: da aber aus betontem lat. i kein rom. o hervorgeht, so ist dies
ein unbrauchbares etymon, doch öffnen sich zwei wege zur erklärung des
fraglichen Wortes. Entweder hat sich in Latium selbst eine nebenform
stupula ausgebildet, wie aucipium in aucupium, reciperare in recuperare
übergieng (Rom. gramm. I, 176 , note); oder das, wie es scheint, aus
stipula entstellte früh vorkommende deutsche Stoppel hat auf die reine
romanische form eingewirkt. Beachtenswerth ist, daß einem aweiten roman.
beispiele des o aus i, tona aus tina, gleichfalls ein deutsches o zur seite
geht. Als ein unmittelbarer Sprößling von stipula läßt sich nur äteule
betrachten^ vgl. altfr. neule aus nebula.
Stordire it., altsp. estordir 12*., fr. 6töurdir betäubt werden, be-
täuben, adj. stordito, ätourdi betäubt, unbesonnen. Es ist schon um des-
willen nicht rathsam, dies wort aus dem lat. stolidus oder dem deutschen
stürzen erklären zu wollen, weil das sp. pg. a-turdir (alt atordir) einen
mit t anlautenden stamm eu erkennen gibt und eine vertauschung des etwa
als partikel (ex) aufgefaßten anlautes s mit der partikd ad im span.
schwerlich vorkommt. Ahojar z. b. ist nicht = it. sfogliare, fr. effeuiiler,
wofür deshojar gebraucht wird, sondern eine eigne Zusammensetzung mit
eigner bedeutung; alanzar nicht = it. slanciare, fr. Cancer, sondern lat.
lanceare mit vorgesetztem a, welche prothesis in dieser spräche sehr häufig
ist. Nach Covarruvias entsprang aturdir aus einer anspidung auf die
drossd (tordo), die man in der mittagshitze betäubt herabfallen sehe, daher
das Sprichwort tener cabeza de tordo einen drossdkopf haben, leicht in
betäubung gerathen. Diese deutung ist nicht so kurzer hand abzuweisen :
auch dem Italiener ist die drossd ein einfältiger vogel und dem Griechen
galt sie für taub, daher das Sprichwort xioq)6vsQog yd%kt}g, wozu Zenobius
die bemerkung macht: q>aai yaQ xojqieveiv xo tfiovy s. Paroemiographi
graec. ed. Gaisford p. 325. Verba mit beziehung auf die natur der thiere
aus ihren namen gebildet sind im romanischen überaus häufig und so ist
ein wort turdire von turdus eben so gedenkbar wie ericiare von ericius,
I. STORIONE-STRADA. 309
s. eben riccio. Zwar gehen diese verba gewohnlieh nach der 1. conj., aber
auch aus der dritten gibt es beispiele, so it. accanire grimmig werden (wie
ein kund); übrigens lieben intransitiva diese conjugationsform. Man
kannte für stordire, wie Wächter gethan, auch das Tcymr. twrdd geräusch,
domer, geltend machen und dazu Stornier van tonus anführen. Diefen-
back, Goth. tob. II, 316, ist nicht abgeneigt, das roman. wort zu engl.
gturdy (stark, frech, keck) zu stellen, welches Johnson lieber aus 6tourdi
herleitet, aber die bedeutungen selbst scheinen sich abzustoßen. — Indessen
sind alle diese erklärungsversuche bei seite zu setzen: das wort hat einen
andern ganz klaren Ursprung. Es ist von torpidus starr, fühllos, woraus
ndt leichtigJceit extorpidire extordire geschaffen werden konnte. Dasselbe
schwinden des p vor d zeigt das fr. tiede von tepidus und die Zusammen-
setzung mit ex dasselbe Stammwort in extorpescere. Also: wie aus
tepidns ttädir (lau werden), so konnte aus torpidus tourdir (starr werden)
entstehen.
Storione it., sp. esturion, fr. esturgeon stör; vom ahd. sturio,
später sturo, ags. styra, schwed. stör.
Stormo it., stürm chw., estorn pr.y estor aUfr.aufruhr, angriff; it.
gtormire, pr. altfr. estormir in bewegung gerathen. Vom ahd. stürm,
vb. sturman (aus deutscher würzet, Grimm II, 48), auch kymr. ystorm,
bret. stourm, gad. stoirm; das geschlossene ital. o aber weist auf ein ur-
sprüngliches u, mithin besser auf deutschen als auf cdtischen Ursprung.
Stracciare it., chw. stratschar, sp. estrazar, pr. estrassar zer-
reißen; sbst. it. straccio, sp. estrazo, estraza fetzen. Gegen Muratorfs
herleitung aus distractus ist zu erinnern, daß der Spanier oder Provenzale
der partikel dis den anlaut nicht entzieht: buchstäblich genügt daher nur
das auch begrifflich nicht zu weit abliegende extractus, gleichsam extrac-
tiare herausreißen; vgl. unten tracciare.
Strada it., sp. pg. pr. estrada, altfr. esträe (strae LBs. 209), pic.
6tr6e gepflasterter weg, Straße, neugr. axqata; vom lat. strata sc. via mit
steinen bestreuter weg. Im franz. nennt man eine solche straße wegen ihrer
eisenhärte auch chemin ferro, pr. cami ferrat, altfr. zuweilen ohne Sub-
stantiv und eis feminin (wie esträe, briste, route) : la gent Huon cheval-
chent la ferr£e MGar. p. 52. Dahin auch it. Strato, sp. estrado, pr.
estr& für estrat, fr. fem. estrade (aus dem span.) erhöhter sitz, von Stratum
pdster. Eine ableitung ist pr. es tradier sich auf den Straßen herum-
treibend, raubador estradier Straßenräuber GOcc., das adjeetiv zumal von
rossen gebraucht, schnellfüßig: non ac en tota Fransa tan estradier que
om preze Ihm per corre miga un saumier GRoss. 3277. Bern entspricht
buchstäblich das altfr. estraier, estraer, welches sich vielleicht auch be-
grifflieh ihm anknüpfen läßt. Es heißt umherirrend, von thieren, auch
herrenlos, z. b. quant Isembart . . . vit le cheval curre estraer Gönn. v. 299
(303 Schder) li ceval erent estraier 8. Gachet 18 9b (der es' verkehrter weise
aus extractus deutet); li destriers s'est estraiers remes Fier. p. 126.
Darum bedeutet es auch verlassen, aufgegeben, derelictus, z. b. maint yassal
310 I. STRAMBO— STRINGA.
laissent gesir mort estraier Gayd. p. 225; estraiere dem fiscus ver-
fallnes gut, wofür sogar estr6e vorkommt DC.
Strainbo it. schießeinig ', piem. gtranb hinkend, romagn. stramb
seltsam, wal. strqmb, cXban. stremp schräg, falsch, pr. estramp ungereimt
(von versen), stramp bei Jordi, Ausias March und andern, daher it. stram-
bita Ungereimtheit, Verkehrtheit, vb. mail. strambä verdrehen. Es ist kaum
su zweifeln, daß strainbo im lat. strabus (schielend) seinen grund habe:
m drängt sich öfter vor b ein und auch die begriffe schielend und schief
sind fast eins; sp. estrambosidad ist = estrabismo. - Desselben Stammes
muß sein sp. estrambote schweif eines liedes, altsp. eine liedergattung
Sanchez I, p. LIX, it. strambotto von ähnlicher bedeutung; adj. sp. pg.
estrambotico ungereimt, seltsam. Der sinn dieser letzteren in die roman.
metrik eingeführten Wörter liegt also wohl darin, daß die damit bezeich-
neten gedickte das richtige maß oder die regel in irgend einer weise über-
schritten, wie Dante einen nicht mit maß handelnden menschen schielend
am geiste nennt Inf. 7, 40 ; ven. straboto bedeutet fehler, Schnitzer. Anders
meint F. Pasqualino: strammotta ridicula cantiuncula a strammu (ücU.
strainbo), ut innuatur deflexio a vera significatione iü malam partem
accepta. Estrambote aber berührt sich wieder mit altfr. estrabot, estribot
(s. oben estribo), daher auch altsp. estrimbote als nebenform Alx. 2229.
— Ital. stramba binsenstrick hierher zuziehen, nämlich als etwas ge-
drehtes, ist gezwungen, es stellt sich zum bair. strempfel wiede, stram-
bellare zerreißen zu strampfein mit den fußen zappeln, vgl. churw. stram-
blir erschüttern.
Stranio, strano it., sp. estrano, pr. estranh, fr. Strange fremd,
wohin auch das anomale wal. strefa, ton extranens ; abgel.it. straniero,
sp. extrangero, pr. estrangier, fr. £tranger mit gleicher bedeutung.
Strega it., mail. trient. Stria hexe, auch it. stregona, wal. strigöe,
masc. it. stregone, wal. strigoiu hexenmeister ; vb.it. stregare behexen;
vom lat. striga ein den hindern schaden bringendes weib, auch hexe,
zaüberin, bei Petronius und Apulejus; dsgl. strix nachtvogel, der den
hindern das blut aussaugen sollte. Häufig im mittelalter erwähnt, z. b.
si quis a diabolo deceptus crediderit secundum morem paganornm,
yiram aliquem aut feminam strigam esse et homines comedere cet. Capit.
Cor. M. (DC). Die prov. oder franz. form bezeugt Gervasius TUb. (um
1210): lamias, quas vulgo mascas aut in gallica lingua strias dicunt, s.
Ducange v. masca; dieselbe form auch in der L. Sei. Roquefort kennt
estrie. Ein pg. estria in der bed. blutsaugender vogd verzeichnet Moraes
2. ausg. aus Sa de Miranda egl. 4, der aber nur den römischen Volks-
glauben damit meint, nicht einen portugiesischen.
Stregghia, streglia it., cot. estrijol, fr. ätrille Striegel; vb. itm
strecchiare, altsp. estrillar, fr. ätriller, von strigilis.
Stringa it., sp. estringa nestel, Schnürriemen; vb. stringare
zusammenziehen. Daß es von stringere komme, ist nicht unverdächtig, da
aus cingere it. cigna, nicht cinga ward. Es mag darum nebst pg.
I. STROPPIARE-SUCIDO. 311
estrinca, estrinque, sp. estrinque, estrenque (seil) aus dem deutschen
stammen, ags. string, streng, altn. strengr, mndl stringhe, vb. stringen,
strengen, ahd. strengt u. s. w., s. über diesen stamm Grimm II, 37 , Weigernd
II, 824. Doch liegt den Wörtern mit c das deutsche strick eben so nah,
da n vor gutturalen leicht eingeschoben wird, vgl. auch comask. stricca,
rmagn. stricht pressen.
Stroppiare, storpiare it., ven. strupiare, maü. struppiä, chw.
strupchiar, sp. pg. estropear, fr. estropier lähmen, verstümmeln; sbst. it.
stroppio hindemis, hemmung. Ist storpiare die richtigere form und
kommt das wort von extorpidare starr, steif machen, syncopiert extorpiare?
Extorpescere hat Venant. Fort. Muratori erinnert an tnrpis.
Ströppolo it., fr. estrope, 6trope seil, tau; von struppns band,
riemen, das Gettius anführt; die span. form est r ovo weist atff stropus
Gl. Phüox. Nicht von unserm strttppe.
Struzzo it., pr. estrns strauß (vogel), von struthio;"sp. av-estruz,
fr. au-truche (f.) für antrnsse, von avig struthio vogel strauß, ndat.
strncio in alten glossaren.
S tue co it., sp. estueo, estuque, fr. stne gyps, stuck; vom ahd.
stacchi crusta, s. Graff VI, 631.
Stufa it., sp. pg. estufa, pr. estuba, fr. ötuve bähung, einrichtung
zum bähen oder warm baden, badstube, ofen; vb.it. stufare, sp. estufar,
estofar (das auch zu stoffa gehört), estovar, fr. 6tuver bähen u. dgl.
Bereits in der L. Alam. stuba und in allen germanischen sprachen hei-
misch: ahd. stupä, mhd. stöbe, nhd. stube, mndl. stove, ags. altn. stofa,
engl, stove, daher gael. stobh, vb. hd. stufen, ndd. stoven schmoren. Die
deutschheit des Wortes bezweifelt Schmeller III, 605, und auch Weigand
11, 830 fragt, welchen Ursprung es habe.
Stuola it., altsp. estol mannschaft, begleitung, gefolge, alteat. pr.
estol heer, flotte, weil, stol in letzterer bei.; vom gr. arolog zurüstung,
fddzug, flotte, lat. stolus bereits im Cod. Theod., auch im arabischen vor-
handen Freyt. I, 35*. Der attfr. ausdruck für classis und zugleich für
apparatus war nicht estol, sondern das feminin estoire (s. Michel zu
Benoit), woraus das mhd. gleichfalls weibliche storje; dem entspricht ein
ndat. storium (feminina aus neutris sind häufig), welches aus dem in ital.
Urkunden vorkommenden stolium = oxohov abgeändert sein kann, wenn
man dUfr. navirie von navilie und ähnliche ereignisse erwägt. Nahe liegt
allerdings auch estorer zurüsten = instaurare (II c), allein eine ab-
leitung instaurium, instauria, worauf man zurückgehn müßte, ist keine
sprachgesetzliche.
Subbio it., sp. enxullo, fr. ensouple weberbaum; von dem nach-
dassischen insubulnm bei Isidorus.
Sücido und sozzo it., sp. sticio, pg. sujo, neupr. sous schmutzig;
von sueidus saftig, vgl. lana sueida frisch abgeschorene noch schmutzige
wolle. Es versteht sich, daß die zweite ital. form aus dem syncopierten
sucius entstand, worin c wie in sezzo von secius behandelt ward.
312 I. SUCO-TACCAGNO.
Suco, succo, sugo it., sp. suco, xugo, pr. suc, fr. suc soft, von
sücus; daher vb. it. sugare, cdtsp. sujjar (zusammentreffend mit dem ahd.
8ügan), pr. sucar saugen, fr. suyer fehlt. Zsgs. it. asciugare, sp. en-
xugar, pr. eisugar, fr. essuyer, wal. usuca, usca, von exsucare (exsuccare)
austrocknen, dieses verbum nur bei Cael. Aurelius; dsgl. it. asciutto,
sp. enxuto, pr. eissug, in Berry essuy, chw. schig trocken, fr. essui sbst.,
alle von exsuctus; it. prosciugare austrocknen, von perexsucare; pro-
sciutto, pre8ciutto {pg. presunto) Schinken, von per-exsuctus (ausgetrock-
netes fleisch). Eine besondere abl. ist it. succiare, suzzare, fr. sucer,
das sich nur aus suctiare vom part. suctus deuten läßt, ein pr. sbst. succio,
fr. suction ist vorhanden.
Suolo it., pr. sol, sola, sp. suela, fr. sole fußsoUe; it. soglia,
soglio, pr. sulh, sol, fr. seuil thürschwelle, sp. suela grundschweüe; end-
lich it. soglia, sp. suela, pg. solha, fr. sole schölle, plattfisch. Die formen
mit reinem 1 sind von solum grundlage, sohle, die mit erweichtem von
sölea sohle, daher unterläge, schwelle (wie das deutsche sohle), auch plait-
fisch. Von solum oder dem adj. solar ins ist sp. pg. solar grund und
boden, hausplatz, Stammhaus, sp. solera, pg. soleira schwelle, bodenstück
verschiedener dinge, fr. soulier schuh. In andern fällen hatte die Sprache
zum theil Solarium (höchster offen liegender räum des hauses) vor äugen:
it. «olajo, solare decke des Stimmers, Stockwerk (z. b. casa di tre solari
Ferrar.), fußboden des obern Stockes, pr. solier, solar gleichfalls Stockwerk
und fußboden, plattes dach, altfr. solier Speicher u. dgl. (noch bei Nicot).
Suso it., abgekürzt su (vgl. verso, ver), chw. si, sp. altpg. suso,
pr. fr. sus, partUcel, von susum für sursum, abgekürzt lat. sus in susque
de-que* Zsgs. fr. dessus, cdtsp. desti.
T.
Tabacco it., sp. tabaco, fr. tabac eine pflanze; american. wort,
eigentl. die rolle, woraus man den dampf der zubereiteten pflanze einsog.
Tabarro it., sp. pg. tabardo, fr. tabard, engl, tabart, mhd. tapfart
waffenrock u. dgl., kymr. tabar, mittelgr. tafinaQiov. Dieses Kleidungs-
stück war von grobem dickem stoff und ward meist von kriegsleuten oder
manchen getragen: sollte das wort aus tap-es tap-etis teppich, decke ab-
geleitet sein, indem es die im rom. tappeto bewahrte tenuis hier mit der
media tauschte, wie lat. caput sich roman. als cap und cab oder cav dar-
stellt? Und grade wie in caput (vgl. sp. cabal u. a.) konnte auch das
ableitende t schwinden. Lat. trabea (staatsUeid) bietet Schwierigkeiten
mehr im buchstaben als in der bedeutung.
Taccagno it., sp. tacafio, fr. taquin, comask. tachin knickerig 9
geizig; vb. it. taccagnare, fr. taquiner, lomb. zaccagnä um Kleinigkeiten
zanken. Man könnte an zacke (haken) denken, die bedeutung aber fuhrt
geradezu auf zähe d. i. geizig, ahd. zähl, vgl. ndl. taaiaard geizheds.
I. TACCO-TAGLIA. 313
Wegen c oder cc aus deutschem h s. oben geccbire, auch smacco II. a.
Itai. taccola häkchen (in figürlichem sinne) gehört wohl zu tacco.
Tacco it. absatz am schuh (sp.pg. taco pflock scheint anderer her-
Icunft), chw. tac flecken, mdkel, wallon. tac platte, blech, henneg. tacq
Stückchen land; fem. it. tacca kerbe, auch flecken, pr. taca, altfr. pic.
teque, it. tecca, fr. tache, it. taccia, sp. pg. tacha mit letzterer bed., occit.
tacho nagel mit breitem köpf; abgel. it. taccone fleck (läppen) an schu-
hen, sp.pg. tacon absatz an denselben, dsgl. tachon hut des nageis, henneg.
tacon = it. taccone und taccia; vb. chw. taccar einkerben, ankleben,
ven. tacare, lomb. taca anließen, pr. tacar, fr. tacher beflecken, wohl auch
pr. techir Chx. IV, 303; zsgs. it. attaccare, sp. atacar, fr. attacher
befestigen, dsgl. feindlich angreifen {fr. attaquer), ursprüngl. wohl attaccarsi
ad uno sich an einen anheften, vgl. gr. am;soi>ai zivog; it. gtaccare,
fr. d&acher ff. losmachen. Den stamm kennt sowohl die celtische wie die
deutsche spräche: gaeL tac, com. tach nagel, engl, tack stift, haken, ndl.
tak, hochd. zacke spitze, zinke, wozu noch ein verbum kommt mndl. tacken
ergreifen, heften, vgl. altn. taca, ags. tacan, engl, take fassen, fangen.
Haben die roman. büdungen hierin ihre quelle, so war ihr grundbegriff
etwas heftendes oder geheftetes, daher auch flicklappen oder fleck und hier-
auf flecken, makel, fehler; die itai. bed. kerbe aber erinnert zunächst an
zacke.
Tafdno it., sp. täbano, pr. altfr. tavan, nfr. taon (zur Vermeidung
des mislautes in taan), wal. teune ein insect, bremse; von tabanus, theils
tibanus, theils tabänus von den neueren betont, nüat. eher täbanus, da die
Schleust, glossen tavenus schreiben 36, 68. Servius sagt (nach Ferrari)\&tme
asylus cvulgo' tabanus vocatur, Papias asilus, quem 'rustici* tabanum
dicunt, so daß es nach diesen stellen ein wort der Volkssprache gewesen
wäre. [Ascoli vergleicht das skr. tapana-s der brennende, stechende, Ztschr.
für vergl. sprachf. XJT, 436.]
T äffet k it., sp. tafetan, fr. taffetas ein stoff, taffei; vom pers.
t&fteh VuOers I, 415*.
Tafur pr. altfr. schelm, Spitzbube (s. glossar zum Tristan), sp.
tahur Spieler, falscher Spieler, pg. taful auch schwelger, vgl. neupr. tafurä
beunruhigen. Zu vermuthen ist arab. Ursprung, wie schon Gruibert (Gesta
Bei per Franc.) sagt ; thafur apud gentiles dicuntur, quos nos, ut nimis
litteraliter loquar, trudannes vocamus, s. Antioch. II, 7, Liebrecht .zu
Gachet p. 430*, Littre, Hist. de la langue frang. I, 189 ff. Aber welches
ist das arab. wort? taihür unbesonnener mensch Freyt. I, 202* ließe sich
anführen, genügt aber den bedeutungen nicht hinlänglich. Engelmann
vermuthet dahül betrüger.
Taglia it., sp. taja, talla, pg. pr. talha, fr. taille schnitt, einschnitt,
wuchs, auch Steuer, weil sie, wie Vossius, Vit. serm., sich ausdrückt, von
dem vermögen der bürger geschnitten wird, masc. it. taglio, sp. tajo,
taue, pr. talh, fr. nur detail schnitt, schneide; vb. tagliare, tajar, talhar,
tailler, auch wal. t$iä schneiden, abschneiden; pr. talhador, fr. tailleur
314 I. TALCO— TAMIGIO.
Schneider (statt dessen it. sartore, sp. sastre); it. tagliere, sp. taller,
dsgl. pr. talhador, fr. tailloir, sp. tajadero vorlegeteUer, Hackbrett (ein
geräthe, worauf man schneidet, daher unser teller) und zahlreiche andre.
Taglia hat sein unantastbares etymon im lat. talea abgeschnittenes stück,
besonders abgeschnittener zweig. Ein zsgs. vcrbum gibt Nonius 4, 473
aus der Volkssprache: taleas scissiones lignornm vel praesegmina Varro
dicit de re rast lib. L, nara etiam nunc crustica voce* intertaleare {al.
intertaliare) dicitur dividere vel exscindere ramum; es ist das sp. pr.
entretallar einschneiden, ausmachen, it. frastagliare. Bei den feldmessern
I, 360: scissuram h. e. taliaturam, scisöum i. e. taliatum, vgl. II, 276 ',
wo Rudorff auch theclatura L. Long, hieher rechnet, it. tagliatura u. s. w.
Talco it. sp. pg.j talc fr. ein mineräl, talk; vom arab. 'talaq, ur-
sprüngl. wohl persisch, s. Freytag III, 66b . Völlers I, 468b , II, 647*.
Talento it., sp. talento, talante, pr. talen, talan, fr. talent. Die
altrom. bed. ist lustf neigung (auch bask. talendua), von talentum {zahxvrov)
wage, daher gewicht, zug, z. b. in einer span. Urkunde (aer. 1098): si
venerit ad aliqoam de meas filias in talentum cin den sinn kommen
sollte DC. s. v. Eine später entwickelte bed. ist fähigkeit, in beziehtmg
auf die alte bed. geldsumme, schote, den man in sich trägt. Zsgs. it. at-
talentare, .pr. atalentar, altfr. atalenter gefallen, reizen.
Talismano it., talisman sp. fr.; vom arab. 'telsam zauberbild,
eigentlich vom plur. 'telsamän, womit man unter einem gewissen horoscop
einen gegenständ bezeichnete, rekecfia, s. Gol. 1473, Freyt. III, 64b.
Tallo it., sp. tallo, pg. talo, fr. talle (f.) Schößling, stengd; vom
gleichbed. thallus (öaklog).
Tallone it., richtiger sp. pr. talon, fr. talon ferse; von talns
knöchel. Letztere bedeutung hat talauun (lies taluan d. i. talfin) noch in
den Gasseier glossen, wo es mit anchlao (anchälo, enkd) übersetzt, ferse
aber mit calcanea ausgedrückt ist. Vgl. auch Ducange v. talo, Altrom.
glossare 42. 97.
Tamarindo it. sp., tainarin fr. ein morgenländischer bäum und
dessen frucht; vom arab. tamr hindi d. h. indische dattel Gol. 395 ,
Freytag I, 200°.
Tamburo it., sp.pg. tambor, atambor, pr. taBor, fr. tambour, mhd.
tambür und täbär trommel, trommler, wal. tambüre leier; dim. it. tam-
burino cet., auch fr. tabouret art sessel (von der ähnlichkeit mit dem
tambourin); vom pers. ctambür Vullers I, 464h, vgl. 907b, arab. ctonb(ir
cither Gol. 1486. Vgl. Pott in Höfers Ztschr. II, 356.
Tamigio it. (in einigen wbb., ven. tamiso), sp. tamiz, pr. fr. tamis
haar sieb; vb. it. tamigiare, fr. tamiser sieben. Lateinisch ausgedrückt
würde dies wort tamisium lauten, wie auch das mittdalter schrieb. Ist die
endung isium suffix, so kann es sich nicht auf roman. boden gebildet haben,
man müßte denn eine immer bedenkliche Verwechselung mit dem suffix
itium annehmen, das aber ein prov. tamizi oder tamitz fordern würde,
und somit ist die ableitung aus dem celt. tamma zerstücken (s. Diefenbach,
I. TANAGLIA-TARGA. 315
Cdt. I, 142) nicht wohl einzuräumen. Eher könnte tamisium auf dem
gleichbed. ndl. teeins (vgl. ahd. zemisa kleie) ruhen, dem man die endung
ium angefügt hätte; welcher herkunft aber dieses ndl. wort sei, ist sache
der deutschen Sprachforschung.
Tanaglia it., pr. tenalha, fr. tenaille (alt estenielle) zange; von
tenaculum, plur. tenacula, nur bei Terentianus Maurus vorhanden. Dafür
sp. tenaza von tenax, plur. tenacia.
Tape fr. zapfen, sie. tappu spund, daher fr. tapon, tampon, sp.
tapon zapfen, stopfen; pg. tampa decket; vb. fr. taper, sp. pg. tapar,
flor. tappare, com. tapä, pr. tampir verstopfen, zumachen; alle vom ndd.
tap stopfen. Eine andre form ist iL zaffo, vb. zaffare, vom hochd.
zapfo, dsgl. zampillo Wasserstrahl einer röhre, worin sich ein ndd. p zeigt,
während in zaffata (mail. taffiada) stoß eines solchen Wasserstrahles das
hochd. f stehen blieb. Auch das sp. zampar verstecken, gierig verschlingen
(nach Larramendi baskisch) ist nur formverschieden von tapar zudecken,
hineinstopfen.
Tappeto it., sp. pg. tapete, tapiz, pr. tapit, fr. tapis teppich; theils
von tapetum, theils von tapes tapetis.
Tara it. sp. pg. pr., tare fr. abgang am gewicht einer waare; vom
arab. 'tarah entfernt, beseitigt, 'tarh etwas zurückgelassenes Freyt. III, 47 a.
Taraire pr. (m.) Chx. IV, 304, fr. tariere (f.), mundartl. töräre
s. Hecart, sp. taladro für taradro, pg. trado, chw. ter&der bohrer. Die
Wörter fügen sich in die form taratram Isid. 19, 29, offenbar das gr.
z*q€xqov, in den Casseler glossen und dem Capitulare de villis taradrus.
Ital. taradore rebenwurm, das man sonst von teredo (xBQrfitiv) herleitet,
ist buchstäblich das eben genannte pr. taraire für tarader, chw. terader,
auf die das suffix tor {daher npr. taradouiro) angewandt ward, wiewohl
kein vb. tarar vorhanden ist; auch fr. tar-aud schraubenbohrer beruht auf
einer Voraussetzung dieses verbums. Celtische sprachen zeigen ein ganz
entsprechendes wort, kymr. taradr, bret. tarar, talar, tarer, terer bohrer,
anders gad. tora, toradh, vgl. gr. zoqoq grabeisen. — Aus lat. terebellum
aber ist it. trivello,j?r. taravel, dauph. taravella, pic. terelle, pg. tra-
voella bohrer, so wie sp. teruvela motte (bohrendes insect). Die auf dis-
similcUion beruhende Verwandlung des ersten r in 1 (taladro, s. oben) läßt
sich auch in dem volksmäßigen lat. telebra für terebra bemerken, App.
ad. Frobutn. — Zu derselben familie, das heißt zum stamme ter, gehört
vielleicht auch sp. taraza, pg. tra$a (abgekürzt wie das angeführte trado)
üeidennotte, vb. tarazar, tra$ar zernagen.
Tardntola, tarantella it., daher sp. tarantula, fr. tarentule u. s.f.
eine erdspinne, bekanntlich so genannt, weil sie sich in der umefegend von
Tarent (it. Taranto) in Apülien findet. Schon der Vocab. opt. p. 46h
führt das wort und zwar als ein deutsches auf: scorpio ctarant\
Targa it., sp. tarja, pg. pr. tarja, fr. targe, mit anlautender media
sp. pg. darga, adarga (in einer span. urk. aer. 1099 adarca DG.), alteat.
darga RMunt. 105m ursprüngl. ein großer den körper deckender schüd
316 I. TARGONE— TARTARUGA.
(der auch rund sein konnte GRoss. 2632); vb. pr. se targar, fr. se'
targuer trotten. Die herleitung aus lat. tergum (mit leder überzogener
schild) findet in dem vocal einigen anstoß. Da die tartsche eine schwere
namentlich zum stürm gebrauchte schutzwaffe war, so bleibt man am besten
bei dem ahd. zarga schutzwehr stehen, woher denn ags. targe, aJUn. targa
schild s. Grimm III, 445: die deutsche bed. schütz, einfassung (noch jetzt
in zarge) liegt deutlich vor im sp. atarjea einfasstmg eines canals. Die
über Spanien verbreitete nebenform a-darga, adaraga, daraga erklärt
sich genügend aus dem gleickbed. arab. addaraqah lederschüd Freyt. II,
24b, s. Gayangos Eserit. antiq., gloss. Auch das wal. targe flechtwerk ist
hier anzuführen.
Targone it., sp. taragona, fr. targon, wallon. dragonn ein kraut,
dragun, arab. ctarchün Freyt. III, 47*; von draco in der bed. von dra-
cunculas: wegen der Verwandlung des anlatäes dr vgl. sp. taragontäa von
dragontea. Eine andre darsteüung von draco ist pg. estragao, fr.
estragon.
Tarida it. sp. pr. cot. (bei R. Munt, terida p. 196 u. oft) ein fahr-
zeug, lastschiff. Das ital wort hat seine heimath hauptsächlich in Genua,
s. Ar eh. stör. ital. app. XVIII. Albertinus Mussatus schreibt darüber:
ac inter eas onerarias naves una Venetorum mirae proceritatis, quam
teretein vocant, s. DC. Auf ägyptisch-arabisch heißt 'taridah ein beson-
ders zum transport von pf erden bestimmtes fahrzeug, nach Quatremere's
vermuthung aus dem arabischen verderbt. 8. Pihan Gloss. des mots
frang. cet.
Tarif fa it., sp. pg. tarifa, fr. tarif (m.) waarenverzeichnis; vom
arab. ctacrif kundmachung Freyt. III, 142* , dies vom wurzdverbum 'araia
(yJj*) erkennen.
Tarma it., sp. chw. tarna motte, made; von tarmes (m.) holzwurm,
das früh in verschiedenen formen erscheint: tarmus 'vermes in tarne Gl.
Md., taraus 'modo Hattemer 1, 288. 290, Gl. Flor., s. Dief. Gloss. lat.
germ. v. terma. Für das synonyme it. tarlo (romagn. terla) stellt Fer-
rari ein dimin. tarmulus auf; es kann indessen aus tarmus, taraus ab-
geändert sein.
Tartagliare it., ven. tartagiare, chw. tartagliar, sp. tartajear, pg.
tartarear stottern, pr. tartalhar 'loqui frequenter et pretiose GProv. 62;
dsgl. sp. tartalear wanken, in der rede stocken; adj. sp. tato, pg. ta-
taro, sp. pg. tarta-mudo stotternd; naturausdruck, vgl. ndl. tateren
stammeln, aber auch arab. tartara titubare Freyt. I, 188b, das schon
J. v. Hammer vergleicht.
Taftana it. sp. pg., tartane fr. ein kleineres. fahrzeug mit einem
mäste, auf dem mittelländischen meere; abgeleitet, wie man annimmt, aus
tarida, s. daselbst.
Tartaruga it. pg., sp. tortuga, pr. tortuga, tartuga, fr. tortue
Schildkröte, mlat. tortuca, dsgl. tartuca Vocab. opt. p. 46: 47*; von den
krummen fußen (tortus) so genannt, daher auch engl, tortoise = pr. tor-
L TASCA— TASSO. 317
tesa krümme. Seltsam hat sich die üäl. form erweitert, doch besitzt Stel-
lten das einfache tartuca. Dasselbe* (hier heißt auch it. botta seudaja,
dem deutschen wort genau entsprechend. Merkwürdig ist das venez. ga-
jandra: etwa aus gr. %iXvdQo$? S. Mussafia's gloss. zu Fra PaoUno.
Tasca it. pr. (letzteres aus tasqueta zu folgern), sp. pg. fehlt fr.
(mundarü.) tache, tasque, tasse, wallon. tah, wal. tasce, ahd. tasca, tnhd.
tasche, tesche, nhd. tasche. Dieses wort trennt sich durch seine bedeutung
so bestimmt vom fr. täche tagewerk, daß schwerlich an einen Zusammen-
hang zwischen beiden zu denken ist. Schön deutet J. Grimm, Gesch. d.
d. spr. p. 654, vgl. zur L. Sal. p. VIII, das malbergische texaea, taxaea
diebstahl aus ahd. zaseön raffen, rauben: täxaca konnte sich in tasca ver-
einfachen und aus der bed. raub in die des behälters, in den man ihn
steckte, übergehen; das umgekehrte trat bei saeco ein. Hiezu ist zu be-
merken: buchstäblich passt tasca aber auch zu einem noch vorhandenen
hochd. zesche schleppe des kleides Frisch 47 2b, vb. zaschen, zeschen
schleppen, schleifen = ahd. zaseön s. Schneller: da nun die taschen um
den hals getragen wurden oder an dem gürtet herabhiengen, so konnte
man sie nicht unpassend mit etwas, das man nachschleppt, vergleichen,
auch im span. ist falda sowohl schleppe wie sack. Der Ursprung wäre
der von Grimm gegebene, nur die auffassung anders. — [Nach Weigand
II, 862 wäre tasche dunkler, noch nicht sicher ermittelter herkunft.]
Tassello it., tasseau fr. pflöckchen oder leiste zum zusammenfügen,
aUfr. tassiel auch knöpf, agraffe; von taxillus Jdötzchen.
Tasso it., pr. tais und taiso, /r.-taisson, sp. texon und vermittelst
der ableitung ug tasugo, pg. teixugo, mlat. taxus 8—9 jh., taxo taxo-
nis 7—8. jh. (s. Menage, Orig. ital.) ein säugethier, ahd. dahs, altndd.
ndl. das, nhd. dachs. Das wort ist fast über das ganze roman. gebiet
(mar wal. sagt man 6sure = lat. esor fresser?) so wie über Deutschland
und Niederland verbreitet. Dafür engl, brock, gray, badger, dän. brok,
gräfling, schwed. gräfsvin. Der lat. name ist meles oder melis: dies hat
sich mit gleicher bedeutung im neap. mologna erhdÜeny das sich zu-
nächst der von Isidor angeführten form melo melonis anschließt; die
Schleust, glossen haben taxus sive melota 360b. Ist das roman. uuort
nun aus dem sichtlich damit zusammentreffenden deutschen oder dies aus
dem romanischen entstanden? denn aus den vorhandenen mittein der latein.
spräche läßt es sich nicht erklären. Indessen findet sich bei Afranius
taxea speck (Gallum sagatum pingui pastum taxea), nach Isidorus, der
die stelle aufbewahrt, ein gallisches (vielleicht im sp. tasajo 11. b. erhal-
tenes) wort, und hieraus konnte der Bömer in beziehung auf die lebens-
weise des thieres, das im tvinter von seinem fette zehren soll, taxeo (wie
von alea aleo) formen; aber diese aus der naturgeschichte geschöpfte er-
üärung ist höchst hypothetisch und taxeo findet im mlat. taxo keine stütze,
da die endung eo hier wesentlich ist. Dagegen kennt Marcellus Burdigal.
(4% jh.) adeps taxonina als heUmittd, sehr wahrscheinlich dachsfett; es
versteht sich, daß sich taxoninus trefflich von taxo taxonis herleitet.
318 I. TASTARE-TE.
Oleichwohl läßt sich in den ceUischen sprachen keine spur des Wortes ent-
decken; es könnte gleich andern vermeintlich ceUischen deutsch sein. Dafür
hält es J. Grimm, Gramm. II, 40 und Wb., und weist ihm seine steile
an unter dem starken verbum dehsen, prät. dahs, brechen oder schwingen
(vom flachs gebraucht), das früher graben oder wühlen heißen mochte; so
fern man sich auf taxoninus berufen darf, muß der name des thieres früh
nach Gallien gekommen sein. Zeugnisse und etymologien bei seile gesetzt,
ergibt sich das historische Verhältnis zwischen dachs und taxns klar atis
dem buchstaben. Aus dem roman. arüaut t wird nach allgemeiner reget
kein nhd. d, vielmehr bleibt die tenuis. Aber aus dem deutschen arüaut d,
sofern er einem älteren th entspricht, wird rom. t, also tasso aus thahs.
Räumt man dieses d = th nicht ein, so bricht die deutung zusammen,
denn aus der form dahs wird kein rom. tasso, so wenig wie aus der
form diutisc ein rom. tedesco: sie würden nur dasso, dedesco erzeugt
haben.
Tastare it., altsp. pr. tastar (ersteres bei Berceo), fr. tftter be-
fühlen, daher unser tasten. Es ist, wie schon Rom. gr. I, 26 aufge-
stellt ward, ein neues iterativ des lat. taxare, dem Gellius 2, 6 die grund-
bedeutung befühlen anweist: taxare pressius crebriusque est quam län-
gere. Tastare steht also für taxitare; im mlat. taxta s. v. a. tasta ist
die herkunft des roman. Wortes schon angedeutet. Im mail. tasta, im
sard. tastai, im pr. tastar, im fr. täter, im engl, taste hat es auch die
bed. versuchen, kosten entwickelt. Von tastare ist das itah sbst. tasto
griff an der laute, daher sp. pt/.'traste, cat. trast, andalus. aber tast
Tata com. neap. sie, sp. taita papa (in der kinder spräche), wai.
täte vater, chw. tat großvater, tata großmutter; abgel. ältfr. pic. wallon.
tayon großvater, figürl. alte eiche, zsgs. pic. champ. ra-tayon Urgroß-
vater. Lat. tata bei Varro fuhrt Nonius an, dazu stimmt gr. rata, mndX.
teyte, ndd. taite, tatte, kymr. täd, ir. daid, engl, dad, daddy. Ältfr. taie
großmutter konnte eben sowohl aus atavia entstehen, aber man gesellt es
sicherer zu dem rom. tata, vgl. craie aus ereta u. a. Dahin gehört auch
sp. tato brüderchen, tata Schwesterchen (gleichfalls in der spräche der
kinder); romagn. dad, dada drücken dasselbe aus. Aber auch das goth.
atta, schioeiz. ätte, gr. arta, alb. at ist im roman. vorhanden: comask.
atta vater, chw. zsgs. bis-at Urgroßvater, und selbst lat. atta nach Festus:
attam pro reverentia seni cuidam dieimas. Vgl. Grimm in Haupts
Zeitschrift I, 25.
Tazza it., sp. pg. taza, pr. tassa, fr. tasse trinkschale, wci. tas,
serb. tas älmosenteller, vom arab. 'tassah napf becken, dies vom vb. 'tassa
eintauchen, wenn nicht aus dem persischen entlehnt Freyt. III, 65* , wel-
ches J. v. Hammer unbedingt annimmt, wogegen Vullers II, 525* und
Engelmann es für arabisch halten. Wegen der form ist zu bemerken, daß
arab. s (u*) i*n roman. zuweilen durch z ausgedrückt wird, so it. magaz-
zino von machsan, pg. Zoleimäo, von Soliman.
Th it., sp. t6, fr. th6 bläuet einer staude so wie das daraus fte-
I. TEGOLA-TESTA. 319
rettete getränk; aus dem chinesischen. Dieselbe saehe heißt in Neuspanien
cha, it. ciä.
Tegola, tegolo it., wal. tegle, sp. teja, tejo, pg. telha, tijolo, pr.
teule (m), fr. tuile (f., daher tuilier, tuilerie) ziegd, Ziegelstein, it. tegghia,
teglia pfanne, decket; alle von tegula, woraus auch pg. tigella Schüssel
Die franz. Umstellung des diphthongs eu (cdtfr. teule) in ui ist etwas seltnes,
man bemerkt sie auch im altfr. ruile (regula) Roq.
Tempi a it., pr. templa, fr. tempe aus dem alten teinple, wal.
temple schlaf am haupte; vom plur. tempora mit gemeinrom. Verwandlung
des r in 1. Sard. treinpa ist wange. Der Spanier nennt diese stelle des
hauptes sien (s. IL b)} der Portugiese fönte, der Franzose (Gloss. Lille)
fontenelle d. i. quelle (vom pulsieren der oder), der Proveneale (Flam.)
und Catalane pols, der Venezianer sono, der Sicilianer sonnu schlaf
(somnus), wie auch wir und die Niederländer sie nennen, der Parmesaner
entsprechend dormidor, der Sarde chizu d. i. ciglio braue, der Franzose
nannte sie tin (IL c).
Ten da it. pg. pr., tienda sp., tente fr. zeit, wal. tind§ vorhaus,
ndat. tenda Kgezetä in einem Leidner codex des 9. jh. (Haupt V, 195)
und später oft; gebildet aus dem thema des vb. tendere, nicht etwa das
im lai. verlorene primitiv von tendicula. Die franz. form freilieh weist
buchstäblich auf das pari, tentus, aber auch sonst tauscht diese spräche
nd mit nt (fente, fönte, tonte). Abget. ist sp. tendon, pg. tendäo, fr.
tendon sehne, ücd. aber tändine, als ob ein lat. tendo tendinis vorausge-
gangen wäre.
Terzuolo it., sp. torzuelo, pg. tregd, pr. tersol, tresol, fr. tiercelet
männchen einer ort habichte, in glossen des 12. jh. (s. Elnonensia) ab-
stnrco 'tercioV, vgl. herodius 'terceV Graff V, 456, mhd. terze, terzel;
von tertius, tertiolus, weil nach der sage das dritte im nest ein männchen
ist. Daher terzeruolo it. sackpuffer, wie falconetto, moschetto, sagro
stoßvögd und wurfgeschütze bedeuten.
Tesoira piem., altfr. tezoire, pg. tesoura, pg. tixera, altsp. tisera Don
Sem Tob ed. Janer, pr. mit o tosoira (meist im plur. üblich) scheere. Die
prov. form zeigt den weg: das wort ist, wie für das span. schon Gabrera
bemerkt, von tonsoria sc. ferramenta Werkzeug zur Schafschur, bei Paüadius.
Testa it.sp. pg. pr., täte fr. köpf (wal. nur cap); vom lat. testa
gefäß, topf, nach einer gröblich volksmäßigen anschauung, die schon bei
den spätem Römern, welche es für hirnschale brauchten, anfieng und auch
bei dem it. coccia und coppa, dem sard. conca, dem nhd. köpf (haupt)
aus dem ahd. köpf (kdch) stattfand, vgl. Born, gramm. I, 55, daher in
glossen testa 'hnach' (nacken) Hauern. I, 212. Das dimin. testula gab
it. teschio schadet, wie fistula fischiare. Von testa m ist it. pg. testo,
sp. tiesto, fr. töt scherbe, irdener decket, topf, altsp. hirnschale Conq.
ÜUram., und so altfr. tes DMce. 265, ties HBord. 195, vgl. que la
teste et le test en deus moittes li fent ihm köpf und hirnschale spaltet
Gamfr. 282. Die franz. abl. tesson für teston ist noch anzumerken.
320 I. TETTA-TOMBACCO.
Tetta und zitta, zezzolo, auch cizza it., weil. alb. tzitze, sp. pr.
teta, fr. tette, teton brustwarte, euler; vb. it. tettare, sp. tetar, chw.
tezzar, cicciar saugen, säugen. Das wärt ist weit verbreitet: ags. tite,
nhd. zitze, kymr. titten, gr. Tiudr) u. s. w., für deutschen Ursprung aber
scheinen die roman. doppelformen mit t und z zu reden. Mit media
statt tenuis cot. dida amme, sard. dida, ddedda zitze, wie kymr. didi,
baslc. dithia, ahd. deddi. Fr. tndartl. (henneg. champ.) tuter am daumen
saugen (von hindern), mhd. tütelen dass., ahd. sbst. tutti, tutta mamtna.
Tigna it., sp. tina, pr. teina, /K teigne motte, räude; von tTnea,
6« spätem tTnea, 5. üom. gratnm. I, 156.
Tirare #., sp. j>^. j?r. tirar, /r. tirer ziehen; sbst. it. sp. pr. tira,
fr. tire smj; vom goth. tafran, ahd. zgran zerreißen. Das prov. wort be-
deutet auch leid thun, misfallen, vielleicht mit annäherung an die grund-
bedeutung, und so scheint sich auch it. tiro zank, altfr. tire verdruß Ccy
4263 zu erMären. Eine abl. ist pr. tirassar, altfr. tiracer, tirasser,
sp. es-tirazar ziehen, schleifen. Ein compositum bemerkenswerth durch
seine bedeutung ist altfr. attirer (atirier) schmücken, ordnen, woher engl.
to attire dass.; man dürfte an tiere Ordnung, reihe II. c. denken, wenn
sich nicht auch eine prov. von atieirar gesonderte form atirar (vielha,
quan trop s'atira wenn sich eine alte zu sehr putzt) GO. daneben stellte.
Das subst. attirail zubehör, tross, geräthe, it. attiraglio, erklärt sich schon
leichter aus tirare.
Tis&na it. sp., fr. tisane gerstentratik; von ptisäna, nxtoitvn].
Tizzo it., tizo sp., dsgl. it. tizzone, sp. pr. tizon, pg. ti(äo, fr.
tison, wal. t^ciune feuerbrand; von titio. Dem sp. tizon entsprang das
vb. tiznar rußig machen, sbst. tizne ruß. Zsgs. ist it. attizzare, sp.
atizar, pr. atizar, atuzar, fr. attiser, wal. atzitzä anschüren, reizen (aus
der nominativform tizzo). Der Italiener hat noch die Verstärkung stizzo
brand, stizza zorn, stizzare, stizzire reizen, der Churwälsche stizzar löschen.
Tocca it., sp. toca, pg. touca, fr. toque haübe, mutze; von kymr.
toc (m.) mit gleicher bed., vb. tocio, tweio abschneiden, also wie unser
mutze von mutzen, s. almussa. Gleicher Herkunft ist wohl auch it. toeco,
chw. tocc schnitte z. b. brot, käse, sp. tocon stümmel (abgeschnittenes).
Schon eine ags. glosse lautet toculus 'brocc (brocken) Mone, Anz. VII, 368.
Toccare it., sp. pg. pr. tocar, fr. toucher, toquer berühren; vom
ahd. zuchön, nhd. zucken. Die deutsche bedeutung ist noch erkennbar
im altfr. se toucher de qch. sich von etwas losreißen, entschlüpfen Ren.
I, p. 64. 110 und im neufr. toucher de l'argent geld einziehen, vgl. tat.
stringere zucken und berühren, attingere berühren und nehmen, goth. t&kan
berühren, engl, take nehmen. Auch der Walache hat toeä Hopfen (auf
dem klopfbrett), vermuthlich nach it. toccare il liuto die laute rühren.
Tomba il. pr., sp. pg. tumba, fr. tombe grüß; vom spätem lat.
tumba bei Prudentius, dies vom gr. zifiißog mit auffallender vertauschung
des genus.
Tombacco it., sp. tumbaga, fr. tombac eine metallmischung ; scheint
I. TOMBOLARE— TORCIARE. 321
das nuüayische tamb&ga hupf er zu sein, wie auch pg. tambaca geschrieben
wird. S. Pott in Zossens Ztschr. IV, 264.
Tombolare it., sp. pr. tumbar, pg. pr. toinbar, fr. tomber, alt
auch tumber bureein, mit dem köpfe voran fallen. JEs ist genau das altn.
tumba vorwärts hinfallen; daneben aber ist die herleitung aus tumba in
der bed. hügd, häufe (vgl. tumba <houfa Gl. Flor. 990b) wohl zu er-
wägen, denn wer burzdt, bildet einen häufen, daher unser 'über den häufen
fallen, sp. tropellar umstürzen von tropel häufe. ' Eine zweite form mit
ausgefaUnem b ist it. tomare, lothr. teumei, ehamp. dltfr. tumer, wovon
das letztere durch das ahd. tümön, nhd. taumeln, mndl. tarnen, hervor-
gerufen sein könnte. Von tomber stammt fr. tomberean karren, dessen
tasten man umstürzen kann, bürg, tumereau.
Tonapr., fr. tonne, wal. toanq; abgel. sp. tonel, fr. tonneau faß,
dsgl. fr. tonneile sommerlaube, auch rebhühnergarn (etwas mit reifen, wie
die tonne, gemacht es J. Tona ist buchstäblich das ahd. altn. tunna, nhd.
tonne, welches vermuthlich fremdes Ursprunges ist (Grimm HI, 467), auch
in den Casseler und Schleust, glossen (39, 41) als lat. wort hingestellt
und mit chöffa, coufa (kufe) übersetzt wird. Gewöhnlich leitet man tona
im Widerspruche mit der Sprachregel unmittelbar aus lat. tina; es scheint
aber diesem worte ergangen zu sein wie dem worte stipula, s. oben stoppia.
Tonno it., sp. atun, fr. thon thunfisch; lat. thunnus, gr. övvvog.
Nur das vorgesetzte sp. a ist hier zu bemerken.
Toppo it. klotz, sp. tope knöpf, ende eines dinges, Zusammenstoß,
altfr. top schöpf GGaim. p. 44; nfr. toupet büschcl; toupie, norm.
toupin kreißet (zugespitztes klotzchen, engl, top); vb. sp. topar antreffen,
begegnen, it. intoppare anstoßen* Das wort ist vielen sprachen gemein,
z. b. ags. engl, top gipfd, scheitet, altfrs. top, altn. toppr haarbüschel, ahd.
zop£ gad. kymr. top u. dgl. — Zu derselben wurzd gehört sp. tupir,
pg. atupir, entupir stopfen, häufen, piem. topon, dltfr. toupon Stöpsel, vgl.
kymr. sbst. top dass., ndl. top häufe KU.
Torba it., sp. turba, fr. tourbe, woXlon. trouf brennbare erde, torf;
vom ahd. zurf in der L. Alam., ags. turf, altn. torf.
Torchio, torcolo it., mit umgestelltem r pr. trolh, altfr. treuil kelter,
presse, nfr. haspe, winde; von torculum wörtlich * etwas das sich dreht\
gebildet aus torquere. Von torculum ist auch, wie Cabrera richtig sieht,
das sp. es tru j ar auspressen = ex-torculare extroclare.
Torciare it. zusammendrehen, festbinden, sp. atrozar fest anschnüren,
altfr. torser zusammenpacken, mit umgestelltem r nfr .jfcrouss er, pr. trossar,
aus letzterem zunächst altsp. trossar Bc., nsp. troxar (vgl. puxar = fr.
pousser), pg. trouxar; subst. l<nnb. torza, torsa stroh- oder heubündel,
miat. trossa dass., lomb. auch troza rankengeflechte, sp. troza seil zum
binden, torzal schleife, fr. trousse, pr. trossa, sp. troxa, pg. trouxa pack,
bündd; pr. trossel, fr. trousseau, dltfr. torseau, davon it. torsello. Der
Ursprung dieser worter und formen liegt in torquere tortus, hievon auf
bekannte weise das neue vb. tortiare drehen, zusammendrehen, festknebdn :
21
322 I. TORNO-TOKSO.
die bed. einwärts krümmen, die das fr. trousser noch kennt, gibt ein un-
mittelbares erngnis dieser Herkunft Die erklärungen aus celt. trus, trws
oder ahd. trust sind also bei seite zu weisen; utiser nhd. tross aber ist
aus trossa, mhd. trossen (packen) aus trossar, wie das ndl. toreen aus
torser. Zu tortiare gehört auch noch it. torcia, veron. ven. torzo f aekel
d. h. etwas wie ein strick (lat. tortum) gedrehtes, darum auch altit. tor-
ticcio PPS. II, 183, altfr. tortis, pg. torcida fachet, docht. Die damit
glekhbed. pr. torcha, fr. torche, ältsp. entorcha, nsp. antorcha, pg.
tocha, vb. fr. torcher abwischen (torche auch Strohwisch), sp. entorchar
zusammendrehen, könnten aber aus einem falschen partic. torctus ent-
sprungen sein, doch läßt sich das prov. und franz. ch besser wohl aus
einer älteren form torca (daher pr. torcar = torcher), das sp. ch aber
als eine vergröberung von z (vgl. panza, pancho) erklären. Span, torca
strohbündel nebst tuerca Schraubenmutter (etwas gedrehtes, gewundenes)
gehen unmittelbar auf torquere zurück.
Tor 110 it. sp. pg., pr. torn, fr. tour (m.) drelischeibe, Umlauf, daher
das adverbiale it. in-torno, pr. en-torn, fr. autour, ä Tentour u. a. ; von
tonras (voqvoq) dreheisen. Dsgl. vb. it. tornare, sp. pg. pr. tomar, fr.
tourner drehen, umkehren, wal. turnä ausschütten (wie fr. verser, lat.
versare) ; von tornare (toqvsvuv) drechseln. Die roman. bedeutung dieses
verbums war vermutlich schon der röm. Volkssprache bekannt, da sie
auch im walach. vorliegt und im frühsten nUatein, z. b. in Rothars ge-
setzen, sich geltend macht (man sehe beiDucange) und auch retornare in
der bed. umkehren schon von Theophylactus Simocatta (um 600) envähnt
wird, s. Menage, Orig. ital., Raynouard, Choix I, p. VIII, Schlegel,
Observ. p. 46. Die lat. bedeutung wird ital. durch torniare, tornire ver-
treten. Abgeleitet ist it. sp. pg. torn^o, pr. toraei, fr. tournoi ritter-
liches kämpf spiel, von den Wendungen mit den rossen so genannt; vb. it.
torneare, sp. pg. tornear, pr. torneiar, fr. tournoyer. Zsgs. äJttfr.
a torner wohin richten, kehren LRs. 304, zurecht machen 311, überh.
schmücken, sbst. atorn 'praeparatio* das. 368, nfr. atour putz.
Torso it., umgestellt piem. trouss, sp. pg, Ttrozo, pr. altfr. tros (trois
Brt. II, 199) Strunk, stumpf, bruchstück, wohl auch pr. tors 'pars3 GProv.
55h; vb. sp. trosar zerstücken; sp. destrozar dass. (wenn nicht von
destructus). Das etymon ist thyrsns (öigoog) Schößling, ahd. turso,
torso, nhd. dorsch. Aus der grundbedetäung entwickelte sich die ital.
Strunk des hohles, butzen des Obstes, pr. tros del caul M. num. 334, fr.
tTOU de chou bei Menage, altfr. trox de pomme, endlich etwas abge-
hauenes, bruchstück, im span. die einzige bedeutung; daher watton. tourson
grotzen, vb. toursi benagen. Neben altfr. tros stehen noch als rhinistische
formen trons, tronce, trongon, pr. tronso, vb. sp. tronzar, altfr. troncener.
Tronin konnte freilich aus truncus erwachsen (lat. gleichsam truncio
truncionis) wie argon aus arcus, cler^on aus clericus, aber trons, tronzar
fügen sich nicht so willig in dieses etymon, denn, wenn auch bildungen
aus dem nominativ vorkommen, wie etwa it. tizzo, attizzare von titio, so
I. TORTA-TOVAGLIA. 323
beschränken sie sieh wenigstens auf vorhandene lest. Wörter. Span, tara-
zon, pg. tra$äo abgeschnittenes stück, für trozon, torzon.
Torta it. sp , fr. tourte, wal. turt<j ein backwerk; vom lat. torta,
also etwas gewundenes, wegen seiner form. Schon die Vtdgata kennt dies
wort, verbindet es aber jedesmal mit panis, z. b. divisit universis tortam
panis Paralip. 16, 3. Bemerkenswerth ist das daraus entstellte schon der
altern spräche bekannte fr. tarte.
Torto it. pg., sp. tuerto, pr. fr. tort Ungerechtigkeit, unrecht, im
frühem mlaiein tortam; von tortus gedreht, verdreht, das gegentheil von
directum, diritto, droit recht, gerechtigkeit. Auch das adj. tortilis hat
Sprößlinge hinterlassen, wie fr. entortiller, sp. entortijar wickeln, ringeln.
Tosco it., sp. tösigo, pr. tteissec, altfr. toxiche, wal. toxfce gift;
von toxicum. Im neuprov. ist tossec auch ein name der kröte.
Toso it. (mundartl.), pr. tos, altfr. tosel knäbe; fem. it. pr. tosa,
altfr. tose mädchen. Buchstäblich kann toso seinen Ursprung in tonsus
haben, eilein was soll das abgeschorene haar zumal bei mädchen, wie
schon Ferrari einwendet? Nur Sklaven wurden geschoren. Besser darum
von intonsus mit abgefallnem präftx, wie andre erklären: sagt ja Hör ob
intonsi pueri und Qarcilaso mancebo intonso. Vielleicht aber läßt sich
das wort aus einer üblicheren anschauung deuten. Bai. torso heißt Strunk,
hülsen des obstes, mit syncopiertem r toso (dieselbe syncope vor s in dosso,
giuso, ritroso, rovescio, pesca von dorsum, deorsnm, retrorsus, reversus,
persica, Rom. gramm. L, 225), der knabe ward Strunk oder btitzen ge-
nannt, wie dies auch in andern ausdrücken und in andern sprachen ge-
schah, s. oben garzone. Des Wortes eigentliche heimath ist Oberitalien,
wo es die meisten ableitungen hervorgebracht hat (toset, toson, tosonot,
tosel, toselot u. a.), aber Italien ist auch die eigentliche, heimath von torso.
Tosone it., sp. tuson, fr. toison scher wolle, feil mit der wolle-, von
tonsio schür, concret und mascülin geworden außer im franz., wo es sich
nur noch mundartl. (z. b. in Berry) zu diesem geschleckte bekennt.
Tosto it. altsp. altpg. SRos., tost pr. ältsp. Alx., fr. tot, adverb
für lat. statim, ülico, ital. zugleich als adjeetiv gebraucht, franz. auch in
aussitöt, bientöt, plutöt, tantöt enthalten. Unter den vorgebrachten deu-
tungen ist die aus dem lat. partic. tostus (erhitzt) gewiß die haltbarste,
wobei man an das synonyme it. caldo caldo, an altfr. ehalt pas, an Schweiz.
fuftwarms u. dgl. denken kann. Besser noch von seilen des begriffes
würde es sich als eine Zusammensetzung aus tot-cTto, tot-citus erklären,
warin das it. c in s übergetreten, d. h. eben so wenig palatal geworden
wie in amistä aus amicitas oder destare aus excitare: daß man ähnliche
begriffe mit totus verstärkte, zeigt it. tutto in un tempo, fr. tout-ä-1'heure
u. a. Auch ist die venez. und neap. bed. von tosto 'fest, hart* (sard.
tostai verhärten), eigentl. geröstet, getrocknet, der ersteren auslegung nicht
eben günstig.
Tovaglia it., sp. toalla, pg. pr. ebenso toalha, fr. touaille hand-
tueh u. dgl.; votn ahd. duahilla, twahilla, mhd. twehele, dies von
324 I. TRACCIARE-TRAMAGLIO.
duahan, thwahan waschen. Daher auch cdtfr. tooillier waschen, reiben
NFC. II, 134. 184.
Tracciare it., attfr. tracier (trassier ChOyg. p.153) die spur ver-
folgen, sp. trazar, nfr. tracer zeichnen, entwerfen; sbst. it. traccia zug,
strich, streif, sp. traza, pr. trassa, fr. trace Zeichnung, grundriß, spur,
masc. sp. trazo, pr. tras. Man braucht bei diesem worte den römischen
boden nicht zu verlassen, um es vom deutschen treten oder trecken her-
über zu leiten: tracciare ist eine aus dem partic. tractus mittelst i voll-
zogene ableitung, seine bedeutung ungefähr die des einfachen trahere
ziehen, einen streif machen. Attfr. trasser bedeutet auch durchsuchen
(der spur nachgehen), it. trassare (aus einem prov. trassar?) einen
Wechsel ziehen. *
Tradire it., trahir pg. pr. fr. verrathen, fehlt span.; von tradere
überliefern (den feinden), wie gr. 7tQodtd6vai, goth. levjan; subst. it. tra-
ditore, sp. (trotz dem fehlenden verbum) traidor, pg. pr. dass., fr. traftre,
lat. traditor verräther; sp. traicion, pg. trai^äo, pr. trassio, fr. trahison
verrath (lat. traditio, it. tradizione Überlieferung). — Im prov. hat sich
das verbum trair gemischt mit trdire = trahere, z. b. perf. trdis = traxit
(elam galiet ein trais sie betrog und verrieth mich M. 836, 3) part. träit,
trach = tractus. Auch trachor (für traidor) von tractor, nicht von tra-
ditor, denn ch entsteht nicht aus dt
Träffico it., sp. träfico, träfego, pg. tr&fego, pr. trafeg, trafei,
fr. trafic handel, verkehr; vb. it. trafficare, sp. traficar, trafagar, pg.
trafegaear, fr. trafiquer handel treiben. Das wort ist von ungewisser her-
kunft, merkwürdig aber, daß aitpg. trasfegar hinübergießen (s. trasegar
II. b) auch die bedeutung von trafegar handel treiben einnimmt, daß cot.
trdfag handel, kunst griff, auch umguß heißt. Ist aber trafegar identisch
mit trasfegar, so muß sich im altpg. sbst. träsfego, npg. träfego, traffico
der accent auf die präposition gezogen haben, was nur in sehr wenigen
fällen geschah.
Trafno it., sp. tragin, pr. trahf, /r.train aus dem alten traYn, aug,
von trahere; vb. it. trainare, pr. trahinar, fr. tralner schleppen. Es ist
verdacht vorhanden, daß die prov. und franz. formen aus trahim, traYm
entstellt und die ital. und span. daher entlehnt sind, da das männliche
suffix ino sich mit keinen verbalstämmen zu verbinden pflegt: auch eUtfr.
ga-l'n ist = it. gua-ime.
Traliccio it., sp. terliz, fr. treillis, altfr. treslis driUich; von tri-
licium und trilix.
Tramaglio it., fr. tramail, norm, tremail fischernetz, das quer
durch den fluss gespannt wird, mlat. tremaculum, tremaclem (acc.) bereits
in der L. Sah, vgl. wallon. trainaie flechtwerk aus reisern. Man nimmt
es für ein compositum aus ter oder tri und macula, weil es dreimaschig
sein soll, was die bildungen it. traliccio, fr. treillis aus tri-licium buch-
stäblich bestätigen würden. Zu dem piem. trimaj bemerkt Zdtti, es be-
stehe dies fischer- oder vogelnetz aus drei lagen von netzen verschiedner
I. TRAMOGGIA— TRAVAGLIO. 325
weite; eine ähnliche bemerkung macht Cherubini zum maü. treniagg,
Patriarchi zum venez. tramagio. Da Icein grund ist, an der richtigkeit
dieser angaben zu zweifeln, so steht die obige deutung fest. Die Gasseier
glossen haben tramolol 'sapari* (d. i. sdbanum) leinenes gewebe} von trama
eintrag des gewebes, also unverwandt mit tramaglio, auf dessen gestaltung
in der ersten silbe aber doch trama, tramare eingewirkt haben können.
Zu beachten ist auch Pott zur Lex. Sal. 164, Platttat. 402, undDiefen-
bach, Zeit sehr, für vergl. sprachf. XII, 79.
Tramoggia it., sie. frimoja, sp. fehlt, pg. tremonha, pr. tremueia,
fr. tr&nie mühltrichter; wird mit trimodius erklärt, weil er drei modios
halte. Aber bezeichnender für die sache wäre eine Zusammensetzung mit
tremere, da jener behalter stets in zitternder bewegung ist, tra-inoggia
syncopiert aus trema-moggia buchstäbl. zittergefäß.
Transito it. Übergang vom leben zum tode, hintritt, mlat. fransitus,
daher mit richtiger darstellung des st durch $ sp. pg. trance (m.) todes-
stunde, entscheidender augenblick, fr. franse (f.) angst vor drohendem
unheil. Moraes halt trance für abgekürzt aus fr. outrance, aber der Süd-
westen liebt so starke abkürzungen nicht. Nach Frisch II, 381b ist es
vom dtschen (Schweiz.) tränst, das aber selbst aus transitus entstanden
scheint. Man beachte, daß die übliche franz. redensart Stre en franse ganz
der ital. essere in transito entspricht, nur daß dort das moralische, hier
das physische hinscheiden gemeint ist. Vb. altsp. transir hinscheiden,
sterben Bc., gleichbed. ältfr. transir GGaim. p. 29, nfr. vor furcht oder
kalte erstarren, erstarren machen, sard. transire staunen, sp. transido
matt, kraftlos, pr. fransitz 'semimortuus* GProv. p. 62.
Trappa pr., fr. trappe, sp. trampa fälle, fallthüre, gleichbed. it.
trappola, chw. trapla; vb. it. attrapare, sp. atrapar, atrampar, pr.
afrapar, fr. attrapper erwischen; vom ahd. trapo schlinge, mlat trappa
(si quis turturem de trappa furaverit Pact. L. Sal.), vb. mndl. trappen
ertappen KU., so auch nddeutsch.
Tras, tra it. in compos. (ein andres fra s.II.a), sp. pg. pr. fräs, fr.
tres partikel, von frans. Der Franzose braucht es nur als adverb des grades
wie in tres grand, tres eher, it. frasgrande, fracaro, vgl. mhd. über in ttber-
groz, d. i. überaus groß. Zsgs. sp. pg. pr. de tras , lat.de frans Jordanem
Vülgata, de frans mare L. Sah; in denselben mundarten auch atras.
Travaglio it., sp. trabajo, pg. trabalho, pr. trabalh, trebalh, fr.
travail, in ältester bed. drangsed, demnächst arbeit; vb. travagliare ff.
peinigen, sich plagen, arbeiten. Die sehr übliche prov. nebenform mit e
statt des radicalen a, die sich auch im alteat. treball wiederfindet, scheint
durch den häufigen Wechsel zwischen tra und fre (trabucar trebucar, tras-
pas trespas) veranlaßt, mithin ohne etymologischen werth. An deutungen
fehlt es nicht. Nach Ferrari entstand das wort aus fribulum, fribulare,
nach Sylvias (Dubois) aus trans-vigilia Schlaflosigkeit, nach Muratori u. a.
aus it. vaglio sieb, tra-vagliare durchrütteln, nach Wächter aus kymr.
trafod arbeit. Annehmlicher ist die herleitung aus dem gael. treabh pflügen
326 I. TRAVAR-TEEGUA.
(Dief. Gelt. J, 149, Monti Voc. com.), wie auch unser arbeiten pflügen,
ackern, das feld bauen heißt Allein ist es nicht richtiger ein deri-
vatum an ein in der spräche vorhandenes als an ein fremdes primitiv zu
knüpfen? So konnte das wort ohne den mindesten formellen zwang aus
dem roman. vb. travar (hemmen) hervorgehen, wozu auch seine grundbed.
pein, drangscd = hemmnis vollkommen passend erscheint, man vgl. it. tra-
vaglio nothstall, d. h. etwas hemmendes, nöthigendes. Es macht wenig
unterschied, wenn andre das wort unmittelbar aus dem sbst. trabs ableiten
und zunächst an eine zwingende Vorrichtung in der eben bemerkten ital.
bedeutung erinnern. Wenn das aus dem franz. entnommene engl. vb.
travel die bed. wandern, reisen entwickelt hat, so ist unser arbeiten in
der baltischen mundart desselben gebrauches fähig geworden, s. Schindlers
Wb. I, 101; dieselbe bedeutung legt Liebrecht (zu Gachet 437h) auch
dem altfr. verbum bei.
Travar pg., trabar sp. zusammenfügen, fesseln, pr. travar, fr. en-
traver (sbst entraves) hemmen, sp. destrabar, altfr. destraver Eracl. 4696
frei machen; vom lat. trabs balken, daher pg. trave stock, fessd.
Trebbia it., sp. trillo und so pg. trilho dreschflegel; vb. it. treb-
biare, tribbiare ff. dreschen, pr. trilhar, altfr. tribler auch zermalmen;
von tribula, tribulare; zsgs. it. strebbiare, stribbiare reiben, glätten.
Kirchenschriftsteller brauchen tribulare gerne figürl. für plagen, quälen,
daher it. tribolare, pr. tribolar, trebolar, treblar (auch trüben), altfr.
triboiller, sbst. it. tribolo u. s. f.
Treccare it., pr. tricbar, fr. tricher, alt auch trecher, betrügen;
sbst. pr. tric trug. Herkunft aus lat. trlcari kann wegen des neben i
bestehenden radicalen e nicht angenommen werden. Das wort ist deutsch
und grade aus dieser spräche erhellt jenes schwanken zwischen e und i
hinlänglich. Ndl. trek heißt zug so wie streich, den man einem spielt
(pr. tric), vom vb. trekken ziehen, mhd. trechen (präs. triche), engl, trick.
Auch das fr. tri quer auslesen weist auf trekken ausziehen.
Treccia it., pr. tressa, fr. tresse (alt trece), sp. trenza, pg. tranga
flechte, besonders von haar; vb. trecciare ff. flechten. Von tricae (Ver-
wicklung) verbietet schon der lange vocal; gr. dgil; TQixog (haupthaar) aber
sagt etwas zu allgemeines. Besser, da zu einer flechte drei theile gehören,
von tqix<x dreitheüig, woraus man in Italien trichea ableiten konnte, dem
das rom. treccia folgte (so braccio von brachium); vb. trecciare heißt
also aus drei theilen machen. Wegen des eingeschobenen n im sp. trenza
(woher unser trense) vgl. manzana und ponzona. Entsprechend heißt
tresse it. auch trina, pr. trena, von trinns.
Tregg6a it., pr. dragea (v. j. 1428), fr. dragöe, sp. dragea und
mit g für d gragea, pg. gragea, grangea zuckerwerk; entstellt aus gr.
xQayrif.iaxa naschwerk, einem in den Klöstern bekannten worte, vglPapias:
colli bia sunt apud Hebraeos, quae nos vocamus tragemata vel vilia munus-
cula ut cicer frixuni cet.
Tregua it. sp.pr., pg. tregoa, fr. treve, alt auch trive waffenstül-
I. TREMOLARE— TRILLARE. 327
stand, nüat. treäga ti. a. formen. Die eigentl. bedetttung ist Sicherheit,
bürgschaß: treuga securitas praestita rebuä et personis, discordia non-
dum finita, sagt Ducange und so stammt es vom ahd. triwa, triuwa fides,
foedus (w in gu verwandelt), nhd. treue, goth. triggva. JQie Urbedeutung
blickt noch hervor aus dem altfr. verbum s'atriver ä qqun foedus inire
cum aiiquo LRs. 36.
Tremolare it., fr. trembler, sp. temblar (mit ausgefallnem r), wal.
tremarä gittern; von tremalas.
Träpano it. sp., fr. träpan, it. auch tr&pano bohrer, zumal schadet-
bohrer; vom gleichbed. gr. xqinavov.
Trescare it., pr. trescar, altfr. trescher tanzen, sp. pg. triscar mit
den fußen lärm machen, unruhig sein, streiche spielen, maü. trescä
dreschen; sbst. it. pr. tresca, altfr. tresche tanz, reihentanz. Es ist
das goth. thriskan, ahd, dr£scan, nhd. dreschen triturare7 und heißt also
eigentl. mit den fußen tappeln. Eine zweite prov. form drescar muß
ihren grund in dem hochd. d haben.
Tt6u sicü. ein rundes segel, pg. gleichfalls treu, aber in der bed.
viereckiges segel im stürm aufzuspannen, und so sp. treo, fr. tr6ou. Woher ?
Tricare neap., lomb. trigä, pr. trigar hemmen, hindern, gleichbed.
engl, trig; von trlcari Schwierigkeiten machen, indem das intransitiv zum
transitiv ward; sbst. comask. trigon zögerer = tat. trico ränkemacher, bei
Lucilius, fr. trigaud dass.; pr. trigor verzug. Zsgs. it. intricare, in-
trigare, sp. entricar, intrincar, pr. entricar, fr. intriguer verwickeln =
lal. intricare; sp. estricar loswickeln = lat. extricare; it. distrigare
dass., in den Gloss. Isid. destrigare 'consummare* vollenden, eigentlich
wohl: entwickeln. Merkwürdig ist, daß diesem ital. worte gegenüber das
pr. destrigar, altfr. detrier, den sinn des einfachen trigar, vielleicht etwas
verstärkt, ausspricht (vgl. lat. dis in discapere), z. b. si meteis destrigua
sei qn'ab amor gaerreia sich selbst steht im wege, schadet LR.; daher
das mit destreit nicht zu verwechselnde pr. sbst. destric nachtheil (gegen-
säte von enans vortheü Chx. IV, 275). Zu destrigar stimmt denn auch
estrigar. Tricare und detricare steigen in das älteste mlatein hinauf,
z. b. L. Sal. si quis alienum servum battiderit et ei insaper 40 noctes
trigaverit opera sua. Kymr. trfgo bleiben, zaudern.
Trifoglio it., wal. trifoiu, j>r. trefaeil, altfr. trefeul Gl. de Lille p. 18h
(Sch.p. 42), mit zurückgezogenem accent sp. tr&bol, pg. trävo, fr. tr&fle klee;
von trifolium. Spanier und Franzosen sprachen also trffolum und man
könnte dabei an gr. %qlq)vXkov denken, kämen nicht auch solche fälle ohne
griechische muster vor wie sp. acäbo (aquifoliuin), pg. funcho (foeniculum).
Triglia it.y sp. trilla (fr. trigle Nemnich) ein fisch, seebarbe; vom
gr. Tglykrj mit gleicher bedeutung.
Trilla re it., dtsch. trillern vibrare vocem, ueQSTiCeiv, sp. cat. pg.
trinar dass., engl, to trill, ndl. trillen zittern. Der Vocdbularius theuto-
nicus v. 1482 gibt das ital. als lat. wort: trillare Hryllsingen als tril triP
Dief. Gloss. lat. gertn.
328 L TMNCARE-TR1PPA.
Trincare it., trinquer fr. zechen, aitfr. (norm.) auch mit d drinker,
sbst. drinkerie Zechgelage Ben. ; vom dtschen trinken, engl, drink. Ein eu-
spruch zum trinken ist das aitfr. lanstringue Bog., das neap. trinche lanze
(trink landsmann) und in derselben mundart bedeutet todisco (= it. te-
desco) einen zechbruder. Ein andrer den deutschen sechern abgelernter
ausdruck ist sp. carauz (tn.) völliges ausleeren des glases, fr. carousse
(f)> engl* carouse trinkgelage, van gar aus! ganz ausgetrunken1, unser
heutiges subst. g&rauft bedeutet etwas anders. Babelais sagt (s. Menage):
ces importuns qni contraignent les gentils compagnons trinquer, boire
carrous et alluz, qui pis est. Alluz ist sicher unser all aus. Vgl. brin-
disi II. a. und Covarruvias v. lanciscot. Über trinksucht und trinkge-
bräuche der alten Franken redet z. b. Chevallet I, 622 ff.
Trinchetto it., sp. trinquete, cot. triquet, fr. trinquet, engl, trinket,
pg. aber traquete focksegel, auch fockmast. Da dies segel dreieckig ist
(beim sp. trinquetilla und fr. trinquette wird dies ausdrücklich angegeben),
so dürfte man auf sp. trinca (dreiheit) surückgehn; Frisch verweist
trinquette auf lat. tria. Aber it. trinche, sp. trincas sind seile zum fest-
binden auf den schiffen, engl, trink ein fischernetz; gehören diese gleich-
falls zu unserm wort, oder etwa eu tricoter?
Trinciare it., sp. pg. trinchar, cot. trinxar speisen zerlegen (trin-
ciante ff. vorschneider), pr. trencar (awcA'trenchar, kaum trinquar) schnei-
den, abschneiden, zerschneiden, brechen, z. b. lo dorc se trenca der krug
bricht, trencar la tregua den vertrag brechen, la castitat die keuschkeit
verletzen, cot. trencar wie prov., pic. trinquer, altfr. trenchier, neufr.
trancher abschneiden, zerschneiden, dazu wohl auch sie. trincari steine los-
hauen, sp. trincar zerbrechen, zer stücken, pg. abbeißen; sbst. it. trincio,
sard. trineu schnitt, fr. tranebe (f.) schnitte; pr. trenchet schneide, sp.
trinchete, tranchete, cot. trinxet, sard. trincettu, trinchettu kneif; zsgs.
pr. detrencar, fr. dötrancher zerhauen, zerschneiden. Wie bei vielen
andern läßt sich auch bei diesem warte nur verneinen. Trancare, trans-
scindere, transsecare z. b. sind formell nicht damit zu einigen. Unser
deutsches trennen müßte eine abl. trennicare erfahren haben, wofür es
bei deutschen wortern in den westlichen mundarten durchaus an beispiden
gebricht: für das sufßx icare kommt in solchen fällen nur die auflösung
eiar u. s. w. (guerreiar) in anwendung. — [Neuerlich hat Langensiepen
(in Herrigs Archiv XXV) auf interimere interimicare als ein mögliches
etymon hingewiesen, womit freilich der begriff des Schneidens nicht gewahrt
ist; aber vielleicht war brechen, zerstören der grundbegriff. Naher noch
läge das vorhandene internecare, dessen sich Prudentius in der bed. zu
gründe richten bedient; pr. entrencar, welches daraus entstanden sein
könnte, kommt vor: entrencar lo eim den toipfd brechen oder zerstören
vergleicht sich dem lat. culmum internecare sehr wohl.]
Trippa it., sp. pg. tripa, fr. tripe bauch, wanst, im plur. gedärme,
kaldaunen. Das wort harrt noch etymologischer aufktärung. Angränzende
sprachen besitzen es zwar (mndl. tripe, engl, tripe, kymr. tripa \flur.\
I. TROCAR— TROMBA. 329
bret. stripen, bask. tripa), aber in keiner derselben läßt sich stammver-
wandtes mit entsprechendem begriffe nachweisen.
Trocar sp. pg.f troquer fr. tauschen, wechseln, verändern; sbst. sp.
trueco, pg. troco, fr. troc tausch, engl, truck. Es fehlt im catäl. und
prov. und scheint auch erst aus Spanien, wo es in nicht wenigen ableitun-
gen und Zusammensetzungen vorkommt, in des frane. und englische ein-
geführt, denn das ags. trucan hat eine weit abliegende bedeutung (schwin-
den, sterben). Über die Herkunft des romanischen Wortes sind sehr un-
genügende vermuthungen vorgebracht worden: weder das dtsche trug noch
das gr. tqo%6q können ansprüche machen. Zwei Wörter sind zu erwägen :
gr. TQoni} oder TQomxog (vgl. tropica Veränderungen, bei Petronius),
woraus tropicare tropcar trocar, und lat. vicis, woraus travicar traucar
trocar abgeleitet werden mochten; letzterem wird man als latein. worte
den varzug zugestehen müssen.
Trofäo it. sp. pg., trophäe fr. Siegeszeichen; von tropaeum (xQonalov)
mit unüblichem Übergang der labialtenuis in die aspirata.
Troja it., altsp. troya, pr. trueia, cot. truja, fr. truie sau. Klausen
(Aeneas und die Penaten II, 828) hält troja in dieser bedeutung für ein
wort der lat. bauernspraehe, was sich mit nichts belegen läßt. Ein solches
wort steht zwar in den Isidor. glossen : bestemiae trojae (Papias bistemia
troja), nach Graevius zu lesen bestiae majae (= majales) trojae, aber
bei der Unsicherheit des ersten Wortes ist auch für das zweite, erklärende,
keine Sicherheit. Nicht besser steht es um das von Ducange angeführte
zeugnis des Pomponius Sabinus, welches nicht aus römischer zeit stammt.
Die erste sichere künde des Wortes liefern die Cass. glossen: troja 'suu
(sau); später bemerkt man es öfter. Porcus trojanus war dem Römer
ein mit andern thieren gefülltes für die tafel bestimmtes schwein, quasi
aliifl inclasis animalibus gravidum Macrob. sat. 2, 9, eine anspidung
auf das trojanische pferd. machina foeta armis Aen. 2, 237. Wie nahe
lag es nun mit porco di Troja, der roman. auflösung von porcus trojanus
(attributiver genitiv für adjectiv), endlich mit troja allein ein trächtiges
oder säugendes schwein zu bezeichnen. So sagt man bernia für panno
d'Ibernia u. dgl. Im span. läßt sich das wort in seiner eigentlichen be-
deutung nicht aufweisen, Ruiz 673. 911 nennt alte kupplerinnen troyas,
aber 685 nennt er troya einen mit eßwaaren gefüllten sack (wofür San-
chez ohne noth troxa vermuthet), also wieder die Vorstellung des porcus
trojanus. Unter cavallo di Troja versteht der Neapolitaner in gleichem
sinne einen schlemmer d. h. einen, der sich den bauch füllt, s. Galiani's
Wb. p. 267. Ein adj. troju schmutzig kennt die sard. mundart, auch
ein männliches subst. trojo kommt vor PPS. II, 207. — [Es ist ein zufall,
wenn vorstehende deutung mit der des Erythraeus, angeführt von Menage,
Orig. Hol. p. 518b, zusammentrifft. Sie steht schon im ersten theile der
Rom. gramm. 1. ausgäbe, p. 35, bei dessen abfassung Menage' s buch nicht
hatte benutzt werden können.]
Tromba it., sp. pg. trompa, pr. beide formen, fr. trompe, ahd.
330 I TRONO— TROPA.
trumpft ein blasinstrument, auch maultrommel. Der entsprechende lat.
ausdruck war bekanntlich tuba, noch fortdauernd im churw. tiba alphorn
(i aus u ist hier häufig) so wie im wal. tobe trommel. Sollten die übrigen
Romanen das denkwürdige wort vergessen haben? Oder sollte es sich in
tromba, auf dessen ursprüngliche gestalt eine malerische Verstärkung ein-
gewirkt, erhalten hohen? Einschiebung eines r nach t, eines m vor einem
andern labial findet sich öfters, die des letzteren kommt auch in dem namen
eines andern tongeräthes, pr. pimpa aus pipa, vor. Nur die doppelte ein-
schiebung kann einigen zweifei hervorrufen, aber die einfache in tomba
oder troba war kaum zu brauchen, da sie homonyme erzeugt haben würde.
Von geringem gewicht für diesen deuiungsversuch ist der umstand, daß
das ital. wort auch die dem lat. tuba zustehende bed. wasserröhre besitzt.
Abgel. it. trombetta ff-, weil, trfmbitze; vb. it. trombare, pr- trompar,
altfr. tromper die trompete blasen, nfr. trompeter. — Bern worte kommt
noch eine zweite, ganz verschiedene bedeutung zu: it. tromba Wirbelwind,
fr. trombe (trompe noch bei Nicot) Wasserhose, sp. trompa, trompo kreißet:
in dieser bed. soll es aus turbo wirbel, kreißet entstanden sein. Die Mög-
lichkeit ist einzuräumen, wiewohl das genus nur im sp. trompo zutrifft.
8p. trompar, fr. tromper hintergehn, se tromper sich irren, scheinen sich
dieser letzteren bedeutung von tromba anzuschließen: eigentl. im kreiße
führen, irreführen, vgl. trompar den kreißet treiben. Ginin erklärt uns in-
dessen jene bed. hintergehen aus der bed. maultrommel: se tromper de qqun.,
wie man sich früher ausdrückte, hieße eigentlich s9en amuser, s'en jouer.
Trono cdtit, tron sp. pr., trom pg. donner; vb. altit. tronare, sp.
altpg. pr. tronar, npg. troar {nebst trovejar für troejar) donnern; von
tonus, tonare mit einmischung eines schallnachahmenden r. Ohne eine
solche bleibt it. tuono, tuonare, fr. tonner cet. Eine abl. ist lat. tonitrus,
tonitruum, woraus altsp. tonidro Alz., pr. tonedre, fr. tonnerre (m.),
welche keiner lautverstärkung bedurften.
Tropa sp. pg., fr. troupe, daher it. truppa, häufe menschen, pr.
trop her de; adj. it. troppo, adv. pr. fr. trop für lat. nimius, nimis.
Schon die Lex Alam. kennt troppus herde (si enim in troppo de jumentis
illara duetricem aliquis involaverit) ; woher aber dieses wort? Die cel-
tischen sprachen gewähren keinen auf Schluß: gael. drobh s. v. a. troppns
ist das engl, dfrove = ags. dräf von drtfari treiben; kymr. torv s. v. a.
troupe steht nicht näher als lat. turba. Eine ahd. glosse hat drupo* ccu-
neus, turbas minores', es kann aber mit drüpo (traube) identisch sein
(Oraff V, 252), letzterem nebst dem bäir. trauppen würde nur ein roman.
oder mlat. trupo, trupus entsprechen. Die besten ansprüche scheint noch
das schon erwähnte lat. turba zu haben, das vielleicht durch deutsche aus-
spräche in turpa, endlich in truppa, truppus übertrat: zeigt ja doch die-
selbe Umstellung mit derselben Veränderung des genus fr. trouble aus tur-
bula. Von truppus kommt sp. pg. pr. tropel, fr. troupeau herde, häufe,
sp. pg. atropellar, tropellar über den häufen werfen, pr. atropelar, edifr.
atropeler zusammenhäufen. 8. tropezar II. b.
I. TROTA-TROVARE. 831
Trota it., sp. trucha, pg. truita, pr. trocha, fr. truite, neugr. tqovzcc
forette; vom mlat. trncta, einem volksmäßigen ausdrucJc: quos 'vulgus'.
trnctas vocat Isidor 12, 6, 6, muthmaßlich entstanden aus gr. TQtixTtjg,
das eigentlich für einen Seefisch gebraucht wird. In alten glossen (Hat-
temer I, 290) trifft man schon die erweichte rom. form tröita.
Trottare it., sp. pr. trotar, fr. trotter traben, gael. trot, kymr.
trotio; sbst. trotto, trote, trot trab. Da die Römer den kunstausdruck
ire tolutim besaßen, woraus, wie Scdmasius bemerkt, ein verbum tolutare,
zsgz. tlutare trotare {vgl. fr. chapitre von capitulum), entstehen konnte,
so seheint es überflüssig, den Ursprung des Wortes anderswo zu suchen:
pr. altfr. trotier ist also buchstäblich das lat. tolutarius, das man mit
passganger, gelier übersetzt.
Trovare ü.} pr. cot. trobar, fr. trouver finden, chw. truvar recht
sprechen, ein urlheil finden, altfr. trouver une loi. Der wdlach. spräche
fehlt das wort gänzlich, die span. und port., welche hallar und achar an
seine stelle setzen, kennen es fast nur aus der poetik der Provenzalen: sp.
troyar dichten, trova gedieht, doch braucht das (leonesische) Alexanderlied
trobar auch im gewöhnlichen sinne; ebenso Berceo, b. b. Duel. 199: pero
al que buscaba no lo podio trobar. Auch die sardischen mundarten
scheinen es nicht zu besitzen: seine stelle vertritt crobare = it. aecoppiare
(croba = coppia) und incontrare. Lot. invenire gab die neue spräche
früh auf, nur in der Passion Christi läßt es sich noch entdecken und zwar
in geseUschaft von trovare: non fad trovez ne envengud str. 44, auch
bewahren es span. wörterbücJier als einen archaismus; das mütellatein
scheint kein hoch hinaufreichendes Zeugnis für trovare zu enthalten. Seine
herkunß ist noch nicht genügend nachgewiesen, denn wenn Ducange es
auf altfr. treu (tributum) zurückführt, weil die erheber das erhobene
treuv6 genannt hätten, so übersieht er, daß kein infin. treuver stattfindet.
Auch entstehung aus dem ahd. part. trofan ist als etwas ganz ungewöhn-
liches nicht einzuräumen, wie viele verba auch in lateinischen partieipien
ihre quelle haben. Dagegen vermuthet Grimm, Myth. p. 853, als etymon
unseres Wortes ein goth. vb. drupan = ahd. trefan wie trudan = tretan,
und so könnte das räthsd gelöst erscfieinen, wenn man auf das f actische
Vorhandensein eines solchen Wortes kein gewicht legte. Genau fordert das
rom. verbum in seinen verschiedenen formen einen stamm tröb oder tröp,
aber auch ein stamm mit u ist zulässig. Die folgende deutung, die den
früheren beigefügt werden möge, hat den Vorzug, daß sie aus dem vor
allen berechtigten, dem lateinischen demente, schöpft und dass sie, statt
auf Voraussetzungen, auf thatsachen fußt. In trovare begegnen sich augen-
scheinlich die begriffe finden und suchen oder holen: it. truovami un ago
ist 'hole mir eine nadeV; Goffredo trova bei Tasso kann nur heißen 'suche
Gottfried auf u. dgl.; altfr. que el te truisse vitaille 'daß er lebensmittel
für dich hole oder bringe LRs. 310; das venez. wort bedeutet ausfindig
machen, it. ritrovare genau durchsuchen, henneg. retrouve ist so viel als
recherche. Finden ist das ziel des suchens; die spräche konnte den einen
332 I. TRUAN- TBUCCO.
begriff in den andern hinüberleiten, wie man für verfolgen und erreichen
ein und dasselbe wort gebraucht, s. oben guadagnare. Auch dichten, das
der Provenzale mit trobar ausdrückte, ist ein finden durch suchen, durch
nachdenken, kein zufälliges treffen. Noch in andern verbis, z. b. in catar,
berühren sich suchen und finden, das bask. bilhatu hat beide bedeutungen.
Geht man also von der bed. suchen aus, wozu die angeführten beispiele
berechtigen, so bietet sich als passendes etymon turbare durcheinander
werfen, woraus die bed. durchstöbern, durchsuchen ohne schtcierigkeit er-
folgen konnten: dieselbe begriffsentwicklung z. b. im it. frugare mit der
gäbel durcheinander werfen, durchsuchen, umgekehrt rovistare durchsuchen
und durcheinander werfen. Die formveränderung macht nicht das geringste
bedenken. Daß anlautendes t ein entfernteres r gerne an sich sieht, ist bekannt
(Rom. gramm. I, 223), im franz. troubler von turbulare bemerkt man den-
selben Vorgang an demselben stamme. Jeden zweifd aber muß die Wahrneh-
mung niederschlagen, daß trovare in der bed. von turbare einzelnen mund-
arten verblieben ist: cdtpg. trovar ist = turbare, neap. struvare = d istur-
bare, controvare = conturbare. Das neap. und das it. controvare sind in
ihrem Ursprünge eins und dasselbe, nur in ihren bedeutungen auseinander
gegangen: wer möchte auch das itdl. verbum als eine neue Zusammen-
setzung mit dem bereits fertigen trovare betrachten, da fast gar keine
neuen Zusammensetzungen mit cum vorkommen, sofern dies nicht wie in
combattere, eine gemeinsame thätigkeit anzeigt ? — [Auf eine freilich ver-
einzelte franz. form torver für trover in einem text aus dem anfange des
12. jh. ed. G. Paris macht der herausgebet mit recht aufmerksam, s. Jahr-
buch VI, 364.]
Truan pr. (fem. truanda), fr. truand, sp. truhan, pg. truäo land-
streicher, bettler (sp. gaükler), noch jetzt im lothring. (Metz) trouaut fau-
lenzer; vb. pr. truan dar, fr. truander, sp. truhanear. Daneiben meldet
sich eine prov. und altsp. form mit f trufan, welche das wort an truffa
posse knüpft: da aber der Portugiese keine form trufao anerkennt, so wird
man truan eis ein für sich bestehendes in einigen mundarten dem sinn-
verwandten truffa zufällig angenähertes wort betrachten müssen. Sein
Ursprung aber ist celtisch: kytnr. com. bret. tru adj. elend = altirisch
trog dass. Zeuß I, 118. 23 (welchem kritiker aber doch das bret. truant
aus dem roman. entnommen scheint II, 860); weiteres bei Diefenbach,
Gelt. 1, 150. Im spätem nüatein schrieb man trutannus, das einigermaßen
an das ahd. truhting gefahrte erinnert (Dueange s. v. und Grimm, Ge-
dichte auf Friedr. p. 46), allein die formen der Volkssprachen, die hier
nirgends ein inlautendes t oder d entdecken lassen, verdienen mehr glau-
ben als latinisierte, bei welchen es um einer vorgefaßten etymologie unüen
oft auf einen buchstaben nicht ankam.
Trucco it. kugelspiel, billard, sp.truco, pr.piem.tmc stok, comask.
stampfe, stempfei, npr. trueo (f.) Quetschung; vb.piem. truche, com.npr.
trueä, chw. trukiar stampfen, stoßen, ven. s-trucare auspressen. Der stanm
passt offenbar zu unserm druck, drucken, dessen d älterem th (ags. thryc-
I. TRUFFA-TKUFFE. 333
can, altn. thryckia), mithin romanischem t antwortet, s. oben tasso. Mu-
ratori, der das wort übrigens aus dem fr. troquer leiten möchte, gedenkt
eines Spieles tracco di terra, wobei es darauf ankommt, kugeln durch einen
auf dem boden befestigten ring eu werfen: man könnte darum an gr.
TQo%6g (ring) denken; allein der begriff stoß (eigentl. druck) ist der sache '
angemessener und nur in besiehung darauf konnte der Spanier das spiel
mit dem plural trucos (engl, trucks) d. h. das in stoßen bestehende spiel
nennen. Nach Covarruvias und Minshew stammt es aus Italien und hier
ist auch das wort in seiner gemeinen bedeutung am meisten üblich.
Truffa it., sp. pg. pr. trufa, fr. truffe posse, Windbeutelei, auch
bask. trufa; vb. truffare, trufar, truffer einen zum besten haben; it.
truffaldino Schalksnarr. Sollte es wirklich im gr. ZQv<ptj hoffart seinen
Ursprung haben? Wahrscheinlicher aber ist es nichts anders als das
gleich unten abzuhandelnde wort: nicht allein umfaßt das altfr. trufle
beide begriffe knollen und posse, das neap. taratufolo einfaltspinsel ist
augenscheinlich das it. tartufolo, und auch das maü. tartuffol bedeutet
trüffel und geck. Die spräche übertrug den namen einer kleinen frucht
auch auf eine kleinigkeit in moralischem sinne, eine posse, cdbernheit.
Truffe fr. (f.), comask. trufol, gen. trifola ein erdschwamm, trüffel,
dsgl. cat. mit eingeschobenem m trumfo, trumfa ein knollengewächs, patate;
das span. wort ist turma in ersterer bedeutung. Adelung verweist truffe
auf das nddt druffel träübchen, weil das gewächs traubenformig sei; es ist
aber nicht wohl zu glauben, daß man für ein im Süden wohlbekanntes
gewächs einen deutschen namen geborgt habe, auch nannte man es ahd.
erdnuz, nicht drüpo traube. Der latein. ausdruck ist tuber, welches, wenn
man die ungemeine entstellung von pflanzennamen bedenkt, sich mit ver-
sagtem r und verwandeltem b vielleicht zu truffe, trumfo (auch sp. trumfo
gesehwulst) und selbst turma gestaltete; u hätte o werden sollen, aber
auch im it. tubero, tubera blieb es. Die weiblichen formen konnten ihren
grund haben im plur. tubera, der als sing, bereits in deutschen glossaren
des 9. jh. dasteht, s. Graff II, 1128. — Dazu kommt noch ein zweites
wort, womit theils eine trüffel, theils ein knollengewächs benannt wird:
it. tartufo, maü. tartuffol, ven. tartufola, piem. tartifla, chw. tartufel,
occ. tartifle, fr. (in Berry) tartoufle. Dies erklärt Menage nicht ungeschickt
aus terrae tuber, welche Verbindung Plinius für ein anderes knollengewächs
gebraucht, auch der Spanier nennt die trüffeln turmas de tierra: tartufo
wäre also euphonisch für tartrufo ; dabei ist das sie. tirituffulu in ansMag
zu bringen, das recht wohl für teretuffulu stellen kann. — Aber einiger
eveeifd haftet doch auf der herleitung von truffe aus tuber. Andre mund-
arten zeigen nämlich den einfachen stamm truf ohne r: genf. tufelle, occ.
tufeda Dict. genev., sp. co-tufa erdapfel, dessen erste sübe zweifelhafter
herkunft ist, vgl. sie. cata-tuffulu; ven. tufoloto nennt man einen kurzen
dicken menschen, einen knollen. Es fragt sich nun: sind diese letzteren
formen identisch mit dem unten folgenden tufo dunst, entweder weil die
trüffd ein staubschwamm ist, oder, wie schon andre vermuthet haben, weil
334 L TUDEL-TUTAKE.
sie stark riecht? Oder sind sie abgekürzt aus tar-tnfo? Letzteres ist
gewiß der wahrscheinlichere fall, vgl. über solche abkürzungen die vor-
rede. — Aus tartufola ward übrigens durch dissimilaren unser kartoffel,
mdartl. tartoffel, isl. tartuflur pl., s. Potts Forsch. II, 111. Bas neupr.
trufa hat nur diese bedeutung, nicht die des fr. truffe. Dazu Weigernd
I, 665.
Tudel sp. pr., piem. comask. tuel, fr. tuyau röhre, pfeife. Mit
tubellus, das Menage aufstellt, verträgt sich die form auf keine weise, da
nur die ital. spräche d in die stelle eines ausgefallenen buchstabens ein-
fügt. Tadel ist genau das altn. tfida, dän. tfid, ndl. tuit, hochd. mund-
artl. zaute röhre, besonders an einem gefäß zum eingießen.
Tufo, tuffo iL, sp. tufo dunst, npr. toufe erstickender dunst, adj.
lothr. toffe erstickend; vb. fr. ötouffer ersticken. Nicht vom mhd. tuft,
es stammt aus dem gr. xvq>og qualm, auch dunkel, stolz (typhus in Ids-
terer bed. bei Arnobius, vgl. Ducange), daher denn auch sp. tufos piur.
locken auf den ohren, hochmuth, pg. tnfos buffen (aufgeblähtes), tufar auf-
blasen, atufar erzürnen, tufao Wirbelwind, genau das gr. zvqmv. Verwandt
ist das lomb. toffä beriechen, chw. toffar, tuffar stinken.
Tufo it. pg., fr. tuf, sp. toba tuf stein; vom lat. tophus. Was u
für o betrifft, so ist tufineus für tofineus, tofinus bei den fddmessern zu
vergleichen.
Tulipano it., waX. tulipan, sp. tuüpa, tulipan, fr. tulipe eine blume,
tulpe; vom pers. dulbend das um die mutze gewickelte nesseltuch (daher
it. turbante turban), wegen einer gewissen ähnlichkeit von den Europäern
auf jene blume übertragen, deren pers. und türkischer name lalfe ist.
Turchese it., sp. pr. turquesa, fr. turquoise, it. auch turchina,
ein edelstem aus dem thongeschlechte, türkis, vorzüglich in Ostpersien ein-
heimisch, der türkische genannt, weil er zunächst aus der Türkei nach
Europa kam. Adj. it. turchino blau.
Tntare it. in attutare und stutare (astutare PPS. I, 209), churw.
atidar, pr. tudar, atuzar, estuzar, fr. tuer. Die bedeutung der ital. Wörter
ist mäßigen, dämpfen, die der churw. prov. und franz. auslöschen, wie
in tuer la chandelle, tuer le feu (Ducange), aber schon altfranz. tritt die
bed. tödten daneben auf, für welche auch eine prov. form tuar aufkam
Fer. 269. Deutscher herkunft ist das wort nicht: goth. danthjan, ahd.
tötan, hätte pr. daudar oder taudar, fr. touer hinterlassen. Ein anderes
die bed. stM machen, beschwichtigen ausdrückendes ahd. vb. tuzjan (tfizjan),
s. Mhd. wb. III, 156, würde ital. eher dutare oder tuzzare erzeugt haben.
Auch lat. tuditare fortstoßen wäre kein richtiges etymon. Buchstäblich
passt nur tütari schützen, abwehren, dem auch pr. tuzar nicht widerspricht,
da t in mehreren fällen, wie espaza (spatha), zu z wird. Tutari aber
neigt sich zur bed. abwehren, hemmen, woran sich zunächst die des ital.
Wortes knüpft: tutari famem den hunger abwenden, sagt nicht viel mehr
als it. attutare la fame, auch das franz. tue-vent bedeutet etwas den wind
abwehrendes, aus abwehren folgte unschädlich machen, löschen, tödten.
1
L UCCELLO-UOSA. 335
Wie die bed. schützen und abwehren sich berühren, zeigt auch das lat.
defendere, das altd. werjan, das rom. parare.
u.
Uccello it. (poet. augello), pr. augel, fr. oiseau, rrüat. aucellus
L. Sah vogd, von aucella, aucilla (bei Apicius und Apulqus) mit ver-
ändertem genus wie häufig bei diminutiven; sp. mit diminutiver bed. ave-
cilla = lat. avicella. Daher das vb. it. uccellare vögel fangen, mhd.
vogelen, altfr. oiseler hüpfen wie ein vogel.
Uffo it., ufo sp. pg. vorkommend in der adverbialen Verbindung a
uffo, 4 ufo umsonst, auf fremde kosten; daher abgd. sp. pg. uf ano eitel,
pr. ufana, ufanaria, ufanesc eitelkeit, übcrmuth u. a. Die Wurzel dieser
bädungen ist germanisch. Das ahd. sbst. ubbä oder uppft wird eben so
adverbial gesetzt: in uppün eitel, umsonst = it. a uffo. Den consonan-
ten f gewährt aber das verwandte goth. ufjö überflüssig; das hd. p scheint
sich nur in dem comask. a up (mail. a off) vorzufinden. Vgl. Dieferibach,
Goth. wb. 1, 100. Covarruvias deutet das wort aus lat. offa; nach Minucci
zum Mcimantüe (s. Bolza) entstand a uffo aus der in actenstücken ge-
bräuchlichen obkürzung ex uffo = ex ufficio "unentgeltlich", was hier noch
angemerkt werden möge.
Uguanno it., dttsp. hogano, ältpg. ogano, pr. ogan, altfr. ouan,
chw. uön adverb für lat. horno, so wie überhaupt für gegenwärtige zeit
gebraucht; von hoc anno. Die nebenformen it. unguanno, pr. ongan
mögen in hunc annum ihren grund haben. Das eingeschobene u im ital.
wird euphonischer natur sein wie in introcque. Vgl. antaöo.
Uomo it., wal. om, in den andern sprachen etwas verschieden be-
handelt: sp. hombre (von hom'nem wie fembra von fem'na), pg. hörnern
(homin[em]), pr. altfr. hom, acc. home, daher das nfr. homme. Aus der
altfr. nominativform hom oder om entstand das pron. on = ahd. man,
das schon die Eidschwüre kennen: si cum om per dreit son fradra sal-
var dist. Ähnliche Scheidung des pronomens vom Substantiv auch im
aitfries. ma und man, im ndl. man und men, im dän. mand und man,
s. Grimm III, 8, Richthof en s. v. ma. Eine abl. ist it. omaggio, sp.
homenage, pr. homenatge, fr. hommage, diensipflicht, Huldigung, worin
homo in seiner nüatein. bed. dienstmann genommen ist.
Uopo it., wal. op, altsp. huevos, pr. obs, altfr. oes bedürfnis; von
opus. Im altfr. oes schwand das lat. p und o gab den diphthong oe,
gleichbedeutend mit ue (ues bei Roquef.), so oevre uevre, boefs buefs.
Uosa it., altsp. huesa PC, altpg. osa SRos., pr. oza, altfr. hose,
heuse, eine beinbekleidung, gamasche, in früherem nüatein hosa, osa
€oerea, caliga'; daher fr. houseau mit ders. bed.; it. usatto Stiefel,
altfr. vb. hoser, heuser, mlat. hosare behosen; alle vom ahd. hosä * caliga \
mhd. hose, auch ags. hose, kymr. hös, nhd. (mit eingeschränkter bed.) hose.
336 I. UPUPA— ÜSBERGO.
Man vergleicht lat. casa. S. über dieses wort Altrom. ghssare p. 28.
Von einem sinnverwandten gleichfalls aus dem deutschen stammenden werte
hat sich nur in dem Cassder glossar eine spur erhalten : deurus deohproh,
indem ersteres ein längst verschollenes altfr. tevrucs vorauszusetzen scheint
(Altrom. gloss. 107).
Upupa it. wiedhopf, abgekürzt mail. buba, romagn. poppa, piem.
popo, pg. poupa, dsgl. it. bubbola, $p. abubilla. Auf andre weise
abgekürzt ist pr. upa, hieraus mit aspirata durch das dtsche witu-hopf
herbeigeführt fr. huppe, das aber auch von einem merkmale des vogds
die bed. haube annahm, denn aus ahd. hüba wäre huve geworden. Ein
neues wort entlehnte man von seiner stimme (wie auch upupa, eaoift), sp.
putput, fr. puput, vgl. obd. wutwut.
Uracano it., sp. huracan, pg. furacäo, fr. ouragan stürm, orkan;
ein erst später in die sprachen eingeführter Schifferausdruck, der aus dem
karaibischen herrühren sott.
Urlare it., wal. urlä, fr. hurler (h asp.), früher auch huler und
uler vielleicht mit einmischung des dtschen heulen, pg. huivar (vgl. wegen
y aus 1 couve von caulis); von ululare (rl wie in zirlare von zinzilulare)*
Dasselbe wort mit vertauschung des ersten, aber ohne syncope des zweiten
1 ist sard. urulare, pr. udolar. Von huler stammt fr. hulotte etile. Ein
henneg. cahuler soll nach Hecart für cat-huler stehn (schreien wie die
kotze). In der ital. nebenform chiurlare ist die natur des anlautenden
ch zweifelhaß.
Urtar e it., pr. urtar, fr. heurter statt des alten harter (h asp.) stoßen;
sbst. it. urto, fr. heurt stoß; dazu ein comp, alt fr. dehurter, neupr. dourda
(ebenso derbä von deherber), norm, dourder. Das wort findet sich wieder
im mhd. hurten, hurt, ndl. hurten, horten, hurt, hört, wohl auch im engl.
hurt verwunden, hurtle anprallen, es fehlt aber allen älteren deutschen
mundarten und möchte als ein in ritterspielen übliches aus Frankreich
eingebracht sein. Unter den celtischen sprachen kennt es nur die kymrische:
hwrdh stoß, dsgl. bock (ndat. in England hurdus, hurdardus mit letzterer
bed.), vb. hyrdhu, hyrdhio stoßen, und wenn es sich in den ältesten
denhnälern dieser spräche nachweisen läßt, so ist seine cdtische herkunfl
ziemlich gesichert. Der verbalbegriff stoßen, vom bock abgeleitet, wird
sich häufig finden, so z. b. mhd. bocken, franz. in Bourgogne boquai
(Mignard), lat. arietare.
Usbergo, osbergo it., pr. ausberc, aUfr. halbere, hauberc (hasp.),
nfr. haubert panzerhemd; vom gleichbed. ahd. halsberc, ags. healsbeorg,
altn. hälsbiörg (f.) eigentl. eine den hals bergende oder deckende rüstung,
mhd. auch halsveste, nachher, wie unser koller (von collare halsband),
in seiner bedeutung erweitert. Im altfr. halbere verstummte das zwischen
zwei consonanten stehende 8 und fiel aus wie in dem gleichfalls mit hals
zsgs. halterel, haterel für halsterel, wogegen die prov. form ihr 8 durch
auflösung des 1 in u schützte: man hüte sich daher, es aus dem von Benecke
(und schon von Besly, s. Ducange und Menage) als urform angenommenen
I. ÜSCIO-VARARE. 337
al-berc c alles deckend*, woraus halsberc erst entstellt wäre, zu erklären.
Im itcd. kommt auch das veraltete feminin sberga für usberga vor.
Uscio it., wal. use, dltsp. uzo PC, pr. uis, us, fr. huis thüre,
von ostinm; it. nsciere, dltsp. nxier, fr. huissier thürsteher, von ostiarius,
welches eine Urkunde vom jähr 661, Marin, p. 180, zum beilege der frühen
ausartung des o in u in der form nstiarius gewährt.
v.
Vainiglia it., sp. vainilla und vainica, pg. bainilha, baunilha, fr.
vanille ein gewürz, der satne einer südamericanischen pflanze; diminutiv
des span. vaina schote (lat. Tagina), weil die Samenkörner in Meinen
schoten enthalten sind.
Vajuolo und vajuole (fem. pl.) it., sp. viruela, viruelas, fr. petite
v£role poche, pochen, tnlat. Variola; von varius bunt, flechig, nickt von
varus blauer, da das ableitende i des lat. adjectivs durch die itai. form
Mar angezeigt ist.
Valigia it., sp. balija, /h valise feileisen. Die formen decken sich
nicht, wenigstens entspricht das sp. j etymologisch nicht dem it. g, balija
scheint also (nebst dem in den glossen von Älfric vorkommenden vallegia)
eine nachahmung des it. valigia, welches in gemeinschaft mit dem fr. valise
eine grundform valisift oder valitia anzunehmen erlaubt. Die aufhlärung
des schwierigen Wortes läßt sich versuchen. Plautus braucht häufig für
dieselbe oder eine ähnliche sacht das gewiß ganz volksübliche vidnlns. Im
latein. fließt aus capill-us capill-itium, die itai. spräche aber zieht selbst
für sinnliche begriffe das weibliche suffix itia vor, welches, wie im latein,
eigentlich zum ausdrucke abstracter begriffe dient (grand-izia, grand-igia),
und leitet z. b. aus lat. comtus putz, schmuck das gleichbed. cont-igia.
Mit demselben rechte konnte sie aus vidulus vidul-itia leiten, besser ro-
manisiert velligia (11 aus d'l z. b. auch in strillo aus stridulus), mit be-
kannter Verwandlung des tonlosen e in a valligia, endlich valigia durch
Vereinfachung des 11, was hier, wo aller etymologische anhält fehlte, zumal
vor betontem vocdl leicht möglich war. So ist also, wenn die vorliegende
deutung anerkennung findet, unser deutsches wort feileisen, eine offenbare
umdeutung des fr. valise, bei Plautus zu suchen.
Vanno it. (nur im plur. üblich), abgel. vanneaux fr. Schwung-
federn; von vannns futterschwinge, weü die ftttiche der vögel dieselbe be-
wegung machen. Der kibitz aber heißt it. van eil o, fr. vanneau, mail.
vanett, von dem federbusche auf dem köpfe, den er aufrichten und nieder-
lassen kann, dessen einzelne theile also mit Schwungfedern verglichen wer-
den; ital. auch pavoncella genannt.
Yantare it., pr. vantar, fr. vanter prahlen; sbst. it. vanto; von
vanitare mit ders. bed. bei Augustinus (Opp. I, 437. 761), dies von vanus.
Varare it., sp. pg. pr. varar, altfr. varer ein schiff vom Stapel
22
338 L VASCELLO-VECE.
lassen; von vara querhol*, schräge gelegtes holz. Aber pg. varar heißt
auch ein schiff ans land /riehen; dsgl. (intrans.) scheitern, letztere bedeu-
tung hat auch sp. varar, barar,. daher desvarar wieder flott werden.
Vascello it., sp. baxel, pg. baixel schiff, pr. vaissel, fr. vaisseau
gefäß, schiff \ wallon. vahai sarg; von vascellum Grut. Inscript., dimin.
von vas, vasculum. Ein altes zeugnis der span. form bei Isidorus:
phaselus est uavigium, quem nos 'corrupte' baselum dicimus. Daneben
für die ursprüngl. bed. gefäß it. vasello, sp. vasillo, baxillo u. 8. w.
Vassallo it. pg., sp. vasallo, pr. fr. vassal lehnsmann, mlat. vas-
sallus. Die älteste lat. form, z. b. in der L. Alam., ist vassus mit der
bed. mann vom dienstgefclge, und noch unter Ludwig dem frommen heißt
es: quos vassos 'vulgo' vocant Die vornan, spräche aber kennt vas nicht
mehr, sie gab es hin für das klangvollere vassail. Ein* altfr. bedeutung
*des letzteren ist mann, streitbarer mann: die Livr. d. rois haben vassal
für vir p. 119. 204, für pugnator p. 1 74, daher vasselage tapferkeit, wie
barnage von baron. Den deutungen aus lat vir oder vas vadis oder
aus dem goth. vastjan (kleiden, vassus s. v. a. vestitus, investitus) wider-
strebt der buchstabe; mit recht erinnert Leibnitz an kymr. gw&s junger
mann, diener: an erstere bedeutung, nicht wohl an letztere, knüpft sich die
alt franz. 'streitbarer mann, edle drei bedeutungen vereinigt z. b. das ahd.
degan junger mann, held, diener. Die rom. form vassal wird, da kein
suffix all vorhanden ist, durch anlehnung an das kymr. adj. gwasawl
(dienend) entstanden sein. Die aufnähme von vassus in die mlat. oder
roinan. spräche muß man übrigens in die früheste zeit setzen {vgl. fr.
verne- aus gwernen), da man später guassus gesagt hoben würde. Eine
abl. ist altfr. vaslet, varlet knabe (anständiger als gar$on, an dessen
stelle z. b. die limous. mundart nur efon d. i. enfant gebraucht), nfr.
valet diener, it. valetto. Ein geringerer vassail, nach dem gemeinen
sprachgebrauche, besonders in der Normandie, ein aßerlehnsmann hieß fr.
vavasseur (vasseur Buteb. I, 160), pr. vasvassor, valvässor, mlat. va-
vassor, vavassorius u. dgl., fem. altfr. vavassore, daher it. varvassore und
barbassoro, altval. vervesor JFebr. 95, vielleicht zsgs. aus vassus vasso-
rum vassail von vassallen. Vgl. zu diesem artikel Potts Forsch. II, 347.
Vecchio, veglio it., wal. veachiu, sp. viejo, pg. velho, pr. vielh,
fr. vieil, vieux alt; von vetulus vetlus veclus, letzteres schon bei einem
alten grammatiker e vetulus, non veclus* Anal, gramm. p. 443, curte
vecla Tirab. II, p. 17* (v. j. 752), selbst it. veclo Iacomino ed. Ozanam,
Doc. hist. 294. — - Das primitiv vetus hat nur die altfranz., nicht die
prov. mundart behalten. Es lautet mit richtigem diphthong vi6s, fem.
ebenso, z. b. une vtäs haire Bari. 123, 24; doch auch, indem man 8 zum
stamme rechnete, viese, plur. vieses. Andre reste des Wortes liegen vor
im altsp. adverb de vedro von alters her, und in geographischen namen,
wie pg. Torres vedras, sp. Murviedro, it. Castel-vetro.
Vece it. sbst., adverbial sp. pg. vez, pr. vetz, fr. fois, npr. fes
(citpr. fetz nur im Gir. de Boss.), letztere formen mit Verwandlung des
I. VEGLIA-VERNICE. 839
v in f (vgl. unten via 1); vom lat. vice, *. b. tribus vicibus dreimal.
Daher aUsp. altpg. pr. vegada, churw. gada, worin sich g au z verhält
wie im sp. pr. perdigon, pg. perdigao aus perdiz, perditz.
Veglia it., sp. vela, pg. vigia, pr. velha, fr. veille nachtwache; vb.
vegliare ff.; sp. veleta Wetterfahne (wächter), it. veletta schildwache;
van vigilia, yigilare.
Velleitä it. sp. veleidad, fr. vell&tä, engl velleity tvitte ohne that;
vom inf. Teile, ein in der schule entstandenes wort.
Veltro it., pr. veltre, altfr. viautre Jagdhund, com. guilter; dltfr.
viautrer jagen (auf schweine). Martial hat verträgus: non sibi, sed
domino venatur vertragns acer; Gratius spricht dafür minder gut ver-
träha, in der L. Burg, stqht veltrahus, in der L. Sal. veltrum, veltrem
(acc.), in den Schleust, glossen 37, 28 veiter, in den Florent. glossen
p. 948k vcltra. Es wird von Aelian als ein celtisches wort bezeichnet:
al de nodcjxeig xvveg al xeXrcxal xaXovvcai f.iiv ovbQTQayoi xvveg qxovjj
%jj xelzixtj, nach Zeuß I, p. 6, vgl. 46. 166, vom altirischen traig fuß,
verbunden mit der intensiven partikel ver. Darüber und über vieles andre
dieses wort betreffende sehe man Diefenbachs Orig. europ. p. 330 ff.
Venerdi it., fr. vendredi, pr. cot. divendres frevtag, von Veneria
dies, dies Veneria; sp. viernes, pr. auch venres vom gen. Veneris, wal.
vineri, ven. v6nere, romagn. vönar. Dafür pg. sexta feira. Eigentüm-
lich ist der sardische ausdruck chenäbura, chendura, cenabara von coena
pura, weil man an diesem tage nur magere speisen genießt.
Vengiare it., sp. Yengar, pg. vingar, pr. vengar, venjar, fr. venger
rächen; von vindicare (wal. vindecä heilen d.h. retten). Zsgs. pr. re ven-
jar, altfr. revenger, nfr. revancher, sbst. revanche; neufr. ch = altfr.
g ebenso in nache = nage.
Ventaglio it., sp. ventalle fachet, pr. ventalh, fr. ventail luftloch,
vantail thürflügel, ^ventail fächer, it. ventaglia u. s. f. visier des helmes ;
von ventns, vgl. ventana 27. b.
Ver pr. altfr. frühling; daher sp. verano, pg. veräo spätfrüh-
Ung; ssgs. pr. primver, it. sp. pr. primavera, wal. primevare, altfr.
primevere, bask. (labort.) primadera frühling, eigentlich erster frühling,
Vorfrühling, welchen begriff es noch im span. ausdrückt; dafür fr. p r in-
te mps, piem. schlechtweg prima, occit. primo (f.). Der Veneeianer nennt
diese Jahreszeit verta, in DauphinS heißt sie pipa, s. oben s. v. piva.
Vergogna it., pg.pr. ebenso vergonha, fr. vergogne, sp. vergtienza,
alt vergüefia 22*. schäm; von verecundia mit ausgefcdlnem d wie in Bour-
gogne von Burgundia, wogegen im span. schärfung des d au z eintrat.
Vermiglio it., sp. bermejo, pg. vermelho, pr. fr. vermeil roth,
ndat. vermiculus schon im 6. jh., s. Breq. n. 40 palla vermicula; vom
sbst. vermiculus würmchen (das die scharlachfarbe gibt).
Vernice it., sp. berniz, barniz, pr. vernitz, fr. vernis eine art lack
oder glanefarbe, daher engl, varnish, kymr. bernais, dtsch. firnis ; vb, it.
verniciare, sp. barnizar, pr. vernissar, fr. vernisser, auch it. vernicare,
340 L VERRINA-VIA.
pr. bernicar, endlich auch fr. vernir, vgl. bei den Alten Fesen d'or
vernis Fier. p. 51, 5, Gayd. p. 178. Des wortes herJcunß ist zweifelhaft.
Billig geht man vom vi. vernir als dem einfachsten producte aus, daher
vernis, it. vernice: es könnte im ahd. bernjan für brenjan glänzend
machen (dies von brinnan glänzen) seine quelle haben, allein nie erweicht
sich anlautendes deutsches b in v, das sp. h.äber ist kein zuverlässiger
führet, da es oft für v eintritt. Eben so wenig gewicht hat das dem ital.
erst nachgeformte mittdgr. ßsQvUrj. Darum verdient Menage9 s erJdärung
den vorzug: vernir ist = vitrinire glasieren (das adj. vitrinus für vitreus
findet sich im pr. veirin), eine bedeutung, die auch das it. vitriare, das
sp. vedriar, das sard. imbidriare entwickelt haben. Noch möge bemerkt
werden, daß Lessing, ed. Lachmann IX, 482, in einer bei Theophilus
vorliegenden form fornis das Stammwort unseres firnis vermuthet, ohne
es jedoch zu erklären.
Verrina it., sie. virruggiu bohrer, henneg. vörin schraube , fr.
vrille (für verille) kleiner bohrer; da/nn auch it. verricello haspel.
Augenscheinlich sind diese Wörter eines Stammes, nicht aber von virare,
das in allen ableitungen sein i behauptet: ihm mag etwa das neupr. birou,
birounieiro bohrer entsprossen sein. Jene Wörter schließen die Vorstellung
des drehens, toindens in sich ein, vrille heißt auch die schraubenartig sich
windende ranke des weinstocks (also nicht von viriculum meißel) und so
dürfte man auf veru, da dem sich drehenden bratspieß der bohrer wohl
verglichen werden konnte, vermuthen, um so eher als sich verrina befrie-
digend aus dem Plautinischen veruina d. i. veru-ina, worin das hiatus
machende u ausfiel, erklärt. Identisch mit verrina ist sard. berrina, bar-
rina, cot. barrina, vielleicht auch sp. barrena, aber pg. verruma wird
wohl besser auf das gleichbed. arab. bairam oder barfmah Freyt. I, 114b
zurückgeleitet. Zu vergleichen ist auch, was Engdmann p. 74 darüber
bemerkt.
Versare it., versar pr., verser fr., versa wal. ausgießen, vergießen;
von versare (das gefäß) umkehren, eine bedeutung, die auch das waL
turnä erworben hat. Dasselbe wort ist altsp. bosar, nsp. rebosar = lat.
vorsare, revorsare, mit bekanntem ausfalle des r vor s.
Verza lomb. pg., berza sp., vearz§ wal., verzotto it. kohl, wirsig,
daher sp. bercero kräuterhändler. Die herkunft dieses wortes unterliegt
keinem bedenken, wenn auch mlat. brasicia Gl. Flor. (Diutiska II, 232)
zu widersprechen scheint: es ist das lat. virfdia (plur.) gartengewächse,
das der Verwandlung in verza nicht entgehen konnte. Menage hält ü.
berza Schienbein für dasselbe wort, eigentl. kohlstrunk, und vergleicht
wegen der bedeutung fr. tige, it. gambo. Für vefza auch it. sverza kohl,
Splitter.
Verziere it., sp.vergel, pr. vergier, fr. verger garten; vom gleich-
bed. viridiarium oder viridarium, pr. auch verdier. Verzaria (plur.) hat
schon eine Urkunde v. j. 752 Mural. Ant. ital. V, 1011.
Via it. adverbium die frage 'wie oft' zu beantworten, una via ein-
I. VIA— VIOLA. 341
mal PPS. I, 491, due yia tre zweimal drei; vom sbst. via weg, vgl. das
ebenso angewandte nord. gang, das ndl. reis. Via härtete sich, scheint
es, tn fia, altfr, fie, üblicher die abl. it. fiata (dreisilb.), altfr. fiede
LBs. 11, fiöe, foiäe, noch jetzt wallon. feie. Zsgs. it. tuttavia, sp. to-
davia, altfr. toutesvoies, nfr. toutefois allemal, dennoch.
Via, 8U via it., sp. via (z. b. via comer! Silva ed. Grimm p. 257,
vgl Apol. 388), pr. alt cot. via sns Chx. V, 74, BMunt. 206m, interjection
der ermunterung; vom sbst. via, eigentl. 'auf den weg!* Auch in der bed.
weg! wird ital. nebst churw. via gebraucht; dafür bedient sich die maü.
mundart des dtschen fort!
Viaggio it., sp. viage, pr. viatge, fr. voyage, weil, viadi reise; vb.
viaggiare ff. reisen, von viaticum reisegeld, schon bei Venard. Fort, in
roman. bedeutung vorkommend, s. Ducange.
Vigliacco it., sp. bellaco, pg. velhaco niedrig, schlecht; abgeleitet
von vilis (Born, gramm. II, 305) ; nach andern wäre es vom völkernamen
Valachns, s. Mayans y Siscar I, 104. Das fr. veillaquerie Boquef. ist
aus dem spanischen.
Villa it. landhaus, sp. villa marktflecken, fr. ville stadt. Bereits
in der L. Sah hat villa neben der ursprünglichen die bed. weiter, dörf-
chen (Pardessus p. 389, DC. s. v.), im prov. und altfr. bemerkt man
noch die latein. oder die spart, bedeutung; in der Passion Christi wird
Bethfage castellum und ebenso Gethsemani villa oder praedium (Matth.
26, 36, Marc. 14, 32) mit vila übersetzt, während Jerusalem ciptad
heißt, s. auch Henschel s. v.; endlich bezeichnete es jede Stadt von beliebi-
ger grosse. Dem abgel. it. villano, sp. villano, pr. vilä, altfr. vilain
bauer legte der Standesgeist des mittelalters auch die moralischen neben-
bedeutungen niedrig, schurkisch, häßlich bei, welche im prov. die haupt-
bedeutungen {bauer heißt hier pag6s), im neufr. die einzig verbliebenen
sind, die auch, in rücksicht auf vil (lat. vilis), die alte Schreibung mit
einfachem 1 fortzuführen anlaß gaben.
Viluppo it. wickel, gewirr; vb. altsp. volopar Bc. Mil. 268, pr.
dass., altfr. voleper; dsgl. it. invi«lupare, pr. envolopar, envelopar, npr.
agouloupä, fr. envelopper einwickeln; prov. auch revolopir herumwerfen.
Wie nahe auch vplutare eu liegen scheint, so ist es doch grammatisch
nicht mit dem roman. worte zu einigen. Entsprang dies aus volup, so
daß vilupparsi ursprüngl. bedeutete sich hätscheln, sich warm halten? Man
bedenke'Jaber auch it. luffo gewirr, gleichbed. mit viluppo. In oberital.
mundarten hört man fiop für letzteres, es wirft aber kein licht auf die
eiymologie, da es für flop und dies für vlop zu nehmen ist. Es begegnen
einige formen mit lp statt lop, lup : aitval. (bei A. March) envolpar, ro-
magn. agolpö einwickeln, vcn. imbolponare einpelzen: man wird sie als
contractionen betrachten müssen, da vulpes, an das man zunächst denken
dürfte, nie die bed. fuchspelz zeigt.
Viola it. sp. pg., pr. viula, viola, fr. viole, wal. viöar§ ein Saiten-
instrument, daher violino, violone u. s. w. Es ist eins der schwierigeren
842 L VIRA— VIRAR.
Wörter, doch scheint es nicht unlösbar. Zu bemerken ist zuvörderst, daß
der Provenzale zweisilbig viula, viola spricht (der diphthang iü ist ihm
unbekannt); aus viola kannte wohl fr. viöle, it. viöla werden, nicht aus
viöla das pr. viola: man muß also von der prov. form als der ältesten
ausgehen und darf nicht außer acht lassen, daß das wort, wie alle mit v
anlautenden, vorzugsweise lateinische herkunft in anspruch nimmt. Der
nilat. ausdruck für dasselbe Instrument ist vitula, und dies kann nur ab-
gezogen sein aus dem alten lat vitulari springen wie ein kalb, sich lustig
gebärden (dieselbe bedeutung hat unser mundartl. kälbern, ndd. kalveren),
die violine aber war die üblichste begleiterin der lustbarkeiten, ein dichter
(bei Ducange) nannte sie darum vitula jocosa. Springen, tanzen, musi-
cieren sind ineinandergehende begriffe (vgl. giga I, carole IL c), und daß
vitulari ein sbst. vitula mit dem concreten begriffe eines Instrumentes
lieferte, ist den Sprachgesetzen gemäß: so entstand it. leva hebel aus le-
vare u. dgl. Aus vitula aber ward durch Umstellung pr. viutla (wie
veuza aus vidua, teune aus tenuis) und endlich viula, viola (wie rolar
aus rot'lare), hieraus it. viöla, das nicht unmittelbar aus vitula entstehen
konnte, sp. vihuela (h zur Währung des hiatus), fr. viole, altfr. lieber
vielle, viele (dreisilbig), vitella, mhd. vigele. Sollte, wie auch Wacker-
nagel vermuthet, unser ahd. schon bei Otfried vorkommendes fidula, mhd.
fiedel, das dieselbe, Sache ausdrückt, nicht desselben Ursprunges sein wie
viola? Rom. v ward ja auch sonst in f geschärft, in den Casseler glossen
*• b. ferrat, fidelli für verrat, videlli geschrieben. Man erklärt es wohl
aus fidicula, was aber der buchstdbe nicht gestattet. Wir hätten alsdann
in dieser deutschen form ein älteres zeugnis für vitula, als die mlat. litte-
ratur zu bieten scheint. — Ein prov. dichter braucht viular auch von
blasinstrumenten Chx. IV, 167.
Vira sp. pg. pr., altfr. vire pfeil, bolzen, bret. btr; sp. Ti rote,
it. verretta (bei Ferrari veretta) speer. Vira aus veru ist gegen die
regel, da betontes ft nicht in i übergeht. Besser darum denkt man an eine
zusammenziehung aus vipera, sp. vibora; vira z. b. in einer neap. chronik
(et parme che al cor me jonga una vira Mur. Ant. VI, 694) Übersetzt
der herausgeber mit vipera. Wegen der begriffsentwicklung vgl. givre
II. c. Gegen herleitung von veretta aber aus veru läßt sich nichts ein-
wenden (vgl. oben verrina).
Vi rar sp. pg. pr., altfr. virer, piem. virö drehen, henneg. virler
rollen, sp. auch birar ein schiff wenden; sbst. pr. viro kreiß, umfang,
nur als adverb oder präposition gebraucht, en-viro, auch fr. en-viron, so
auch altspan. Alex. 784; vb. invironare umringen. Virare ist alt und
zeigt sich in Handschriften der L. Alam. Die herleitung aus gyrare
unterliegt schwerem bedenken, da gi wohl nie in vi ausartet. War es ein
wort der romana rustica? Lat. vlria bedeutet armschmuck d. i. armring,
altfr. vire, romagn. vira, com. ven. chw. vera, it. viera ring, reif (nicht
eben zum schmuck) und so heißt auch das dem lat. viriola entsprechende
sp. virola nebst birola, altfr. virole etwas ringförmiges; wcd. verig^ an-
I. VISCIOLA-VIVOLE. 343
mdus verweist Diefenbach mit recht auf das slav. veriga catena. In den
Isid. glossen liest man viria, viriola 'brachiales ; beide Wörter sollen aber
fremdes Ursprunges sein: viriolae celticae dicuntur, viriae celtibericae
Plin. H. N. 33, 12 (Hard.). Humboldt, Urbewohner Hisp. p. 79, halt mit
besiehung auf diese notie den stamm für einen iberischen von den Celti-
beriern den Gelten mitgetheilten, im bask. biruncatu (drehen, wenden)
noch enthaltenen, das aber seine lat. herhunft (verruncare) schwer ver-
läugnen kann; auch die deutung des namens Viriatus 'spangenträger aus
diesem stamme beruht auf einer rein subjectiven auffassung.
Vfsciola it., wal. visine (ngr. ßioivov), mit verändertem anlaut fr.
gnigne (alt guisne), sp. guinda, bask. (navarr.) guile eine art kirschen,
ahd. wthsela, nhd. weichsei, auch in den statischen sprachen einheimisches
wart, vgl. Schmäler IV, 17.
Viso altit., vis pr. alt fr. in Verbindung mit dem vb. esse und dem
dat. der person; vom lat. partic. visum: it. fa viso a me = lat. visum
mihi fait, Rom. gramm. HI, 198. Zsgs. it. avviso, pr. fr. avis in
derselben bedeutung und als subst. gutachten, meinung, nachricht, sp. aviso
in letzterem sinne, vb. awisare ff. meinen, überlegen, benachrichtigen.
Visto it., altfr. viste, nfr. vite, pr. vist, gase, biste adj. und adv.
munter, rasch, z. b. altfr. remuanz fa et preux et vistes, plus legier
home ne vetetes Born, de la rose s. Roquef.; das nfr. adj. aber kann auf
personen nicht mehr angewandt werden. Ist es von vegetus mit einge-
schaltetem s? alsdann wäre es in Frankreich entstanden und, wie auch
Redi, Ftimol. ital., meint, in Italien eingeführt. Aber dieses eingescho-
bene 8 der Franzosen (Rom. gramm. I, 466) hat in keiner andern roman.
spräche eine spur hinterlassen; sp. cisne ist nicht vom altfr. cisgne =^
lat. cygnus, und it. desinare vermuthlich auch nicht vom altfr. disgner
= lat. dignare; übrigens hätte sich aus vegestus eher voiste als viste
gebildet. Zu erwägen ist, daß man ital. auch vispo, mail. viscor und
vivisc (von vivus) sagt: sollte man mit vivisco, visco angefangen und
das wort durch die beiden andern tenues (vispo, visto) variiert haben?
aber solche Variationen scheint sich die spräche nicht eu erlauben, und so
muß man sich weiter umsehen. Visto kann ital. Ursprungs sein, auf ital.
weise verkürst aus awisto für aweduto umsichtig: in einem alten genues.
gedickte liest man omi destri valenti e avisti Archiv, stör. ital. app. num.
18, p. 33. Die bedeutungen liegen nicht zu weit auseinander: der mun-
tere sieht sich um nach allen Seiten: vermöge derselben auffassung ward
z. b. aus dem it. all'erta behutsam, vorsichtig, das fr. alerte wachsam,
munter, flink. Merkenswerth ist das adverbiale piem. vist non vist, auch
vist e pris d. h. im augenblick, welches offenbare partieipien sind.
Vitriuolo it., sp. vitriolo, pr. fr. vitriol ein mineralisches salz:
von vitrnm wegen seiner glasartigen beschaffenheit.
Vivole it. (pl.), sp. abivas, adivas, fr. avives (fpl-), nüat. vivolae
(13. jh.) die Speicheldrüsen des pferdes, dsgl. eine krankheit dieser drüsen,
daher unser feifei. Woher aber das roman. wort? Aus faba vermuthet
344 I. VIZIO— VOLERE.
Adelung, weil diese drüsen höhnen ähnlich seien, was kaum erwähnung
verdient Das catdl. wort ist minovas d. h. tropfe.
Vizio it. fehler, lasier, auch lüsternheit, in andrer form vezzo Un-
art, dsgl. belustigung, liebkosung (churw. vezs); viziato verdorben, auch
schlau, durchtrieben; vezzoso reizend; avvezzare, invezzare, wci.
invetzä gewöhnen, disvezzare, wal. desvetza entwöhnen. Span, vicio laster
und lüsternheit wie it<ü., Überdies üppiges, geiles wachsthum der pflanzen;
vezö gewohnheit; vicioso fehlerhaft, üppig; vezar, avezar gewöhnen, des-
vezar, malvezar. Port, vicio laster und für die bed. üppiges wachsthum
vi$o, entsprechend f icioso fehlerhaft, vi$oso üppig (daher der städtename
Villa vi$osa d. h. in einer üppigen gegend gelegen); vezo gewohnheit,
vezar, avezar wie span. Prov. vici laster und Schlauheit GO. (catal. ver-
gnügen JFebr. 38), vetz gewohnheit; viziat, veziat, vezat schlau; vezar,
avezar wie span., envezar belustigen, und so altfr. voisW, envoisier. Alle
diese Wörter und bedeutungen knüpfen sich an Vitium. Man hat nament-
lich wegen der bed. gewohnheit auf vicem verwiesen, welches aber den der
gewohnheit fast entgegengesetzten begriff Wechsel ausdrückt und sich übri-
gens auch durch das genus (pr. lo vetz = Vitium, la vetz = vicem) von
unserm worte scheidet. In betreff der bed. üppiges wachsthum hat man
an das vb. vigere gedacht, aber daraus war das sp. vicio nicht eu ge-
winnen. Vitium ist einerseits unart, üble angewöhnung, wie denn auch
it. vezzo angewöhnte unart, sp. vezo vornehmlich üble gewohnheit bedeuten;
andererseits bezog man es auf den hauptfehler der menschlichen natur,
Üppigkeit, lüsternheit (noch fr. vice wollust); gewandtheit, Schlauheit mag
sich daran geknüpft haben, die auch Dante seiner lonza, dem sinnbilde
üppiger begier, beilegt. — Es findet sich ein altfr. adj. viseus, voiseus
listig, das Wörterbuch von Douai übersetzt es mit sagax, buchstäblich, wie
es scheint (denn an visus ist doch wohl nicht zu denken) = it. vezzoso,
aber mit ' der zweiten bedeutung von viziato, die sich wie aus vitiatus,
auch aus vitiosus entwickeln konnte. Ferner findet sich ein altfr. subst.
voisdie Verschlagenheit, das sich als eine ableitung aus dem adj. voisiä,
prov. gleichsam vezadfa, zsgs. vesdfa, voisdie, zu erkennen gibt
Vogare it., sp. bogar, pg. pr. vogar, fr. voguer durch rüder ge-
trieben fortschwimmen; sbst. it. pg. voga, sp. boga, fr. vogue lauf des
schiffes, figürl. schwang, zug. Ein nicht unpassendes etymon ist unter
Voraussetzung einer entarteten form wogön (vgl. unser nhd. wogen) das
ahd. wag6n, mhd. wagen sich bewegen, in wago wesan = 6tre en vogue.
Die eigentliche bed. des roman. Wortes ist csich fortbewegen, fortgetrieben
werden, vornehmlich durch rüder, aber auch durch segd: am rems et am
vela s'en van a mays vogar LB. s. v., so noch franz. Es versteht sich,
daß vogare euphonisch wäre für gogare, vgl. vague II. c.
Volere it., pr. voler, fr. vouloir, weil, vreä, wollen, span. nur in
Zusammensetzungen vorhanden, wie si-vuel-qual für quüibet; von velle
mit Umbildung des itvfinitivs nach der in der conjugation vorherrschenden
form vol, welche die form vel schon im frühern ndatein zuweilen ersetzt,
I. VOLTO— ZEBA. 345
g. b. yoleam in Cap. Car. Cal Baluze JTf 82, volerent in alten Urkunden.
Das wal. vrei, sbst. vreare, ist den andern roman. formen vollkommen
analog: volere zsgz. viere vrere, diphthongiert vreare, vgl. dieselbe be-
handlung des 1 im lomb. vore.
Volto it. pr., fr. volte, vofite, wal. bolt£, sp. böveda (nebst pg.
aböbeda aus einer zweiten prov. form vouta entstanden) wendung, auch
gewölbe; von volvere volntus, rom. voltus (im ital. und prov.), daher vb.
voltare, sp. voltear u. s. w. Vgl. bulto II b.
z.
Zafferano it., sp. azafran, fr. safran, wal. sofirän eine pflanze, die
namentlich von den Mauren in Spanien gebaut ward; vom arab. za'farän
(q'j^)) Freyt. II, 238*. — Aus derselben arab. würzet (za'fara) sind
auch diejenigen roman. Wörter, die unserm saflor, carthamus tinctorius,
entsprechen, wie it. zaffrone, sp. azafranillo, pg. a<jafroa, fr. safran;
dsgl. it. asfiöri (?), sie. nsfaru, ven. asföro (letzteres die faden unter dem
safran bedeutend), sp. pg. alazor, arab. uzfdr. S. Weigand saflor 1.
Zagaia, azagaia pg. sp., fr. zagaie, altfr. arcigaye, archegaye, it.
zagaglia Wurfspeer der Mauren; nach Sousa vom arab. al-chazeqah
(chäzeq lanzenspitze Freyt. I, 483b). Man sehe dagegen Engelmann 69,
Dozy 76 (hei letzterem wird es für ein wort der berbersprache erklärt).
Zanca it. sp., pg. sanco bein, langes bein, stiel, sp. zanco, lomb.
zanch, ven. zanca stelze, pr. sanca cothurn, wie Baynouard übersetzt (non
porta soc ni sanca P. Vidal), sard. zancone Schienbein. Dahin wohl
auch pg. chanca s$hr langer fuß, sp. chanclo pantoffel (vgl. den anlaut
in choclo = zoclo). Die Wörter fügen sich zum dtschen zanke für zinke
(s. Schneller), besser noch von Seiten ihrer bedeutungen zum ags. scanca
bein, tibia, wornach sich ein ahd. scancho annehmen läßt. Muraiori, Ant.
ital. II, 429, erkennt dagegen in zanca jenes tzanga des Cod. Theod.,
das die den roman. Wörtern weniger zusagende bed. einer beinbekleidung hat
Zappa it. chw., sp. zapa, wal. sap^ haue, fr. sape Untergrabung;
vb. zappare ff. Kommt es vom gr. oxa7tavrj grabscheit, axanveiv graben,
so gieng das wort von Italien aus, indem sich hier der anlaut an in z
milderte wie in zolla aus dem altdeutschen skolla.
Zatta und zättera it., sp. zata, zatara floß; von unbekannter her-
kunfl.
Zavorra it., weil, sabtire, sp. zahorra zsgz. sorra bdilast, schiffsand;
von saburra mit ders. bed.
Zeba it., sp. masc. chibo, chivo, fem. chiba, chiva, pg. chibo
junger Ziegenbock, junge ziege, zkklein. Die hinweisung auf das ahd.
zebar opferthier mit rücksicht darauf, daß die Longobarden ziegenopfer
brachten (s. 1. ausg.), ist zu gewagt. Mit unserm ziege haben diese Wörter
allerdings nur die erste sübe gemein; aber der stamm mit labiälauslaut
346 I. ZEBRO— ZBfBELLO.
kommt auch im deutschen zibbe lamm Frisch II, 473y, im aiban. tzgiep
(Xylander) und tsjap, weil, tzap Ziegenbock vor. Zu bemerken ist auch
das mit tzap gleicht, lomb. zavär.
Zebro it., sp. pg. zebra, fr. zäbre ein säugethier im südlichen
Africa, woher auch der name.
Zecca it., chw. zecc, zecla, fr. tique ein insect, holzbock; vom ndd.
teke, mhd. zgehe, nAd. zecke.
Zediglia it., sp. cedilla, fr. cddille Häkchen unten am c, um tÄm
die ausspräche des z zu geben, früher cz geschrieben (canezon = camjon,
czo = 90); dimin. von zeta.
Zelo it. sp. pg., in letzterer spräche auch cio für cüo, fr. zele
ei/er; von zelus (trjlog) bei spätem. Daher it. zelo so, sp. zeloso, pg.
cioso eifrig, eifersüchtig; mit palataler ausspräche des z (wie in giuggiola
aus zizyphnm, gengiovo aus zinziber) it. geloso, pr. gelos, fr. jaloux,
das Tasso artig mit gelo verbindet 12, 22, sbst. gelosia u. s. f. eifersucht,
dsgl. fenster guter, sp. celosia. Zsgs. sp. rezelar, pr. recear argwöhnen,
sbst. rezelo, reeeo.
Zendale it. (sendale Barberino), sp. pg. pr. dttfr. cendal, mhd.
zendäl, zindal, nhd. zindel, auch it. zendado, pr. sendat, mhd. zendat,
eine art taffent, in Frankreich namentlich zu f ahnen verwandt, s. Ducange,
Roquefort, Baynouard, span. auch ein feiner leinener Stoff; erklärt man
gewöhnlich aus sindon feine leinwand.
Z e n z &r a , zanzära it., wal. tzenzariu, sp. zenzalo, ältfr. cincelle 'bibio
Gl. de Lille p. 12b (Seh. 29), so auch ahd. zinzila, zinzala, mücke, schnake,
vgl. alb. zfnziraa grille. Offenbar ein naturausdruck von dem laute des
thierchens, das der Catälane mosquit de trompa trompetenmücke nennt
(oaknty^ 6 ngioxrog ioviv aga xdv i/njcldcov Aristoph. Nub. 165), aber
schon vorgezeichnet im lat. zinzilulare zwitscJiern, vgl. auch mhd. gelse
schnake, von gal gesang Weigand I, 460. Dahin auch das port. vb.
zinir, zunir sumsen (von insecten).
Zenzövero, zänzero und gengiövo it., sp. gengibre, agengibre,
pr. gingebre, fr. gingembre, wal. ghimberiu, mndl. ghinebere u. s. w.
ein gewürz, ingwer; vom lat. zingiberi (^lyyißegi), zinziber, das aus dem
Orient stammt. Wegen g aus z s. zelo.
Zero it. sp. pg., z£ro fr. das Zahlzeichen null; vom gleichbed. arab.
gifron, Qfhron eigentl. ganz leer, s. oben eifra, worin das arab* 9 (v°)
durch c ausgedrückt ward. Mailändisch heißt jenes zeichen nulla.
Zibellino it., pr. sebeli, sembeli, fem. sp. pg. cebellina, zebel-
lina, fr. zibeline, mlat. sabellinus, sabellum, altfr. sable, engl, sable,
deutsch zobel; ein mit der sache aus dem fernen nordosten gekommenes
wort, russ. sobol', serb. sämur, wal. samtir.
Zibetto it., civette fr. zibethkatze, auch zibeth; morgenländ. wort,
mittelgr. tpnixiov, man sehe Pott in Lassens Ztschr. IV, 17. Span, gato
de algalia genannt.
Zimbello it., sp. cimbel, pr. altfr. cembel lockvogel, lockung; vb.
L ZIO-ZUCCHERO. 347
it. zimbellare, alt cimbellare PPS. I, 77, pr. cembelar (von Raynouard
unrichtig übersetzt) ', altfr. cembeler (encembeler NFC. II, 7) anlocken.
Cymbalum, dimin. cymbellum, hieß das glöcJcchen, das die manche zur
tnahlzeit rief; die Übertragung auf lockvogel lag nahe. Altfr. und pr.
cembel bedeutet überdies Zusammenkunft zur kurzweil, vornehmlich zum
waffenspiel oder das waffenspiel selbst, daher cembeler turnieren, altsp.
cempellar bei Berceo. — [Genaueres über die bedeutungen des ältfranz.
Wortes, lochung, Hinterhalt, gefecht, Standarte, sehe man bei Gachet s. v.]
Zio iL, sp. pg. tio oheim, it. zia, sp. pg. pr. tia (pr. sia Legs
(Farn. I, 48) muhme; vom spätem lat. thius, thia nach dem gr. öelog,
&eia. Die ital. formen zeigen schon die Schleust, glossen 29, 58 patruus
fzius, fetirro (vetter).
Zirlare it., sp. chirlar, chirriar, pg. chirlar, chilrar schreien,
zwitschern; geht zurück auf zinzilulare, verharzt zilulare.
Zitto (fem. zitta) it., sp. chito, chiton, fr. chut, wal. citu, inter-
jection schweigen, zu gebieten; ein dem lat. st! entsprechender naturausdruck.
Zu chat gehört auch fr. ehuehoter flüstern, chucheter zwitschern, npr.
chit& flüstern.
Zoppo it., sp. zopo, zompo, wäld. zop (czop), chw. zopps lahm,
verstümmelt, vgl. altfr. chope Motz; vb. fr. chopper (alt sopper) an-
stoßen, it. zoppicare hinken, cat. ensopegar straucheln; vom dtschen
schupfen stoßen, ndl. Schoppen mit dem fuße fortstoßen, vgl. auch ndl.
sompe lahm, sompen hinken KU.
Zote sp. pg., sot fr., sot pietn. tropf, pinsel, wal. sod hanswurst,
engl, und schon ags. sot. Cujacius und spätere finden seinen Ursprung
im semitischen: rdbbinisch schoteh sttdtus, s. Buxtorfs Lex. chdld. toXm.
p. 2375, dahfr auch unser schote. Dagegen erkennt Pictet (Ztschr. für
vergl. sprachf. V, 328) darin das ir. suthan dummkcpf, . schelm, betrüger,
sotaire geck u. dgl., die er auf das sanskrit zurückführt. Der buchstabe
gestattet die eine wie die andre herleitung. Ein altes Zeugnis für das
wort ist das folgende. Theodülf bischof von Orleans spielt in einem Send-
schreiben an Karl d. gr. mit dem namen Scottas, den er nach ausge-
stoßenem c mit sottns in einktang bringt: cni si litterulam, quae est or-
dine tertia tollas . . haud dubium quod sonat, hoc et erit DC. v. sottus.
Zücchero it., sp. pg. azticar, pr.fr. sncre, wal. zehär, ahd. zucura,
nhd. zacker u. s. w., zunächst vom arab. sokkar assokkar Freyt. II, 334a,
worauf die Span, form unmittelbar hinweist, dies vom pers* schakar
VüUers II, 439; gr. ocr*x<*Q, occxxaQov, lat. saccharnm. Die Araber
bauten zucker sowohl in Ägypten, Kreta und Syrien als auch in Sicilien
und Spanien; aus Ägypten holten ihn die Venezianer, aus Spanien wan-
derte er nach Südfrankreich.
ZWEITER THEIL.
WÖRTER AUS EINZELNEN GEBIETEN.
A. ITALIENISCHES GEBIET.
A.
Abbaco rechenkunst, auch pr. abac; von abacus tisch, den man
mit feinem sand bestreute, um zahlen darauf eu schreiben, rechentisch, bei
den Hörnern.
Abezzo tanne {neben abete, abeto). Man beobachtet die ital. bil-
dungsgesetee genauer , wenn man dieser form nicht abies, da t (in abietem)
schwerlich eu z geworden wäre, eu gründe legt, sondern *abieteus, abeteus
für abiegnus,. wie auch andre baumnamen (faggio, prugno, quercia) auf
adjectiven beruhen.
Abrostfno wilde Weintraube; aus labruscum, sp. lambrusca, indem
sc, wie in mistio für uiischio u. a., in st ausartete und 1 als artikel ver-
standen ward.
Accertello ein raubvogel, wannenweihe; dimin. von accipiter.
Adonare unterwerfen, niederschlagen Inf 6, 34: l'ombre ch'adona
la greve pioggia. Domare scheint nah eu liegen, aber inlautendes m
geht nicht wohl in n über. Das wort ist gemeinromanisch, pr. adonar
hingeben, überliefern, sp. adonarse, fr. s'adonner sich fügen, von donare :
an die hingebung knüpfte sich die Unterwerfung, gane wie im sp. rendir
von reddere.
Aggueffare beifügen Inf. 23, 16: se l'ira sovra'l mal vpler s'ag-
gneffa; eigentl. anwehen, wie lat. adtexere, vom ahd. wifan weben. Des-
selben Ursprunges ist das longob. wiffa oder guiffa das einem grundstücke
angeheftete zeichen des besitees, vb. gniffare etwas mit einem solchen zeichen
versehen. Vgl. darüber Schmäler IV, 36 s. v. weiffen. Dahin gehört auch
fr. giffer ein haus mit gips zeichnen d. h. es conßscieren, s. Genin, Beer,
phüol. I, 166, der es unbedenklich aus it. gesso (gips) entstehen läßt
Agognare ängstlich verlangen; vom gr. aywviifv mit gl.bed. Das
sbst. dyiovia ist auch den andern romanischen sprachen gemein.
Agrotto, grotto kröpf vogd; von onocrotalus, stark abgeändert.
Aj a tenne ; von area, fr. aire, pg. eira.
Albaro, ilbero Schwarzpappel, fr. (in Berry) aubrelle, ahd. albari,
nhd. alber. Catal. alba heißt überhaupt pappel, ursprüngl. wohl weiß-
poppet, von albus, sp. albar weißlich ; im it. albaro, eigentl. der weißliche
bäum, muß der begriff ausgeartet d. h. auf eine andre species derselben
352 H.a. ALFIERE-ARAZZO.
gattung übertragen worden sein. — [Aus dem zusammentreffen der form
albero mit albero = arbor gewinnt Blanc die Überzeugung, daß auch das
erstere nichts anders sei als arbor und daß man die Schwarzpappel als
den in Italien am häufigsten vorkommenden bäum schlechtweg den bäum
genannt habe. Dies hat etwas für sich. In einer gegend des mattänd.
gcbietes z. b. heißt, wie Cherubini anmerkt, 6rbol sowohl bäum wie castanien-
baum, weil letzterer dort der nutzbarste bäum sei. Indessen hat die sache
auch ihre kehrseite. In Catalonien nennt man die poppet überhaupt alba,
in der Provence die weißpappel aubra (aoubre), in Piemont die Schwarz-
pappel albra, arbra, die weiße albron, arbron, in Mailand ist albera die
Zitterpappel (it. alberella). Fast in allen diesen mundarten hat der ge-
nerelle begriff bäum einen andern namen, dem sich selbst die mit br ge-
bildeten Wörter nicht anschließen (mail. 6rbol, piem. 6rbo cd.) ; ich möchte
darum lieber bei der herleitung aus populus alba stehen bleiben. Dem
entspricht handgreiflich das cot. wort, worin sich nur der begriff erweitert
hat, die andern müßten nebst dem ital. (eigentl. florent.) albero in albulus
ihren grund haben, vgl. dattero von dactylus. Wie sehr die bedeutungen
durcheinanderlaufen, sieht man; in der mundart von Brescia z. b. wird
unter albera die schwarze wie die weiße pappet verstanden.* Krit. an-
hang p. 10.]
Alfiere in der bed. fähndrich; besser vom sp. alferez mit abge-
stoßenem z, vgl. das mlat. in Spanien selbst gebrauchte alferus, als von
dem im latein. wenig üblichen aqailifer (für signifer), das eher allifero
gegeben haben würde.
Allazzare ermüden; dorn goth. latjan, ahd. lezjan aufhalten, goth.
lat-s, ahd. laz träge.
Altai eno Schwengel, brunnenschwengd, altalena Schaukel; vom lat.
tolleno mit einmischung von altus, das heben auszudrücken.
Altana unbedeckter platz zur aussieht auf einem gebäude; von altus.
Amati ta, matita röthd; von haematites, fr. h&natite, eigentl. blutstein.
Ammiccare mit den äugen winken, Minzen; von admicare nach
Castelvctro. Das czuschimmern ist freilich fast zu pretiös für blinzen;
unser nicken aber würde sich nicht besser empfehlen, da es anniccare
verlangt. Dieses besitzt zwar die sard. mundart, aber in der unpassenden
bed. übler laune sein.
Ancidere (poetisch) tödten; nicht von oeeidere, da die Umbildung
der partikd ob zu stark wäre, wohl aber von ineidere einschneiden, zer-
schneiden, wofür man anaffiare, aneude, anguinaglia für inaffiare u.s.f.
vergleiche. Festus nennt freilich als veraltet ancaesa von ancaedere (an-
cidere), dessen bed. 'circumeidere aber der des ital. Wortes schlechthin
widerstrebt ; ineidere dagegen vm caedere (abhauen) braucht die L. Long.
An co na, anconeta bresc. bildchen als gelübde dargebracht; vom
gr. ehd>v (f.), woher auch wal. icoane.
Arazzo, razzo gewirkte tapete, engl, arras; nach der Stadt Anas
benannt, wo diese tapeten verfertigt wurden; auch pg. raz.
IIa. ARROGERE-AVELLO. . 353
Arrogere arrosi arroto vrlt. zusetzen; von arrogare, s. wegen der
veränderten conjugation Rom. gramm. II, 136.
Asca lomb. präposition für lat. praeter; von absque, wie Cherubini
und P. Monti mit reckt vermuthen.
Asciolvere frühstücken, chw. ansolver; nach dem lat. solvere je-
junia das fasten unterbrechen, engl, breakfast frühstück, eig. fastenbrechen.
Asma, asima, ansima engbrüstigkeit ; von asthma (aod'tia). Daher
ansimare 1) keichen, 2) heftig begehren, wie auch sp. anhelar die letztere
bedeutung entwickelt hat. Für ansimare sagt man auch ansiare, ansare,
das aber sicher aus anxius .entstand = sp. ansiar heftig begehren. In
diesen Wörtern tauschten also asthma und anxius formen und bedeutungen,
denn die einschiebung in ansimare ist nichts als eine anbildung an ansiare.
Aspettare warten, erwarten, wal. asteptä. Von adspectare oder
von exspectare? Für ersteres spricht das sbst. aspetto anblick, erwartung
(adspectus), so wie die vergleichung des ahd. warten adspicere und ex-
spectare; für letzteres läßt sich die gleiche entstellung der präpos. ex in
asciutto von exsuctns geltend machen.
Astio und aschio groll, neid, haß, vb. astiare, aschiare und adastiare
grollen u. s. w. Der Wechsel des radicdlen st und seh ist wie in fistiare
und fißchiare (fistulare). Was sich hier zuerst darbietet, ist das lat. astns
list, Verschlagenheit, aber die bedeutungen stimmen nicht, auch würde das
lat. wort asto schwerlich astio erzeugt haben. Dieselbe einwendung läßt
sich gegen das ndat. asto animo in den longob. gesetzen geltend machen.
Bessere anspräche nach laut und begriff hat das speciell goth. haifst-s
streit, Zwietracht, Zqiq, €Qi&eia, aywv, vb. haifst-j-an äyiovi&o&ai, ä&Xelv,
denn kaum war haifst-j-an ital. anders darzustellen als mit ast-i-are, vgl.
unten bor-i-are und ahd. bur-j-an.
Attimo augenblick; vom gr. avo/nog atom. Genaus bestimmung
seiner dauer bei Papias: hora habet atomos XXII milia.
Aracciare beschleunigen Purg. 4, 116. 6, 27, avaccio und accio
sbst. beschleunigung, adj. adv. schleunig; ein vielfach behandeltes, gewöhn-
lieh für identisch mit avanzare gehaltenes wort, ist offenbar ein participial-
verbum wie cacciare: abigere (treiben, drängen) abactus abaetiare. Dahin
wohl auch das alteat. adv. yva$ s. Chr. d'Esclot.
Avale adverb s. v. a. ora, adesso, aval avale = or'ora; bei älteren
Schriftstellern, wie Boccaccio, Buti und noch bei Lorenz von Medici, jetzt
nur in Toscana auf dem lande üblich (Tommaseo). Woher? aus it. at-
tnale atvale (attuaimente, actuellement) wäre gegen die Sprachgesetze. Wohl
aber darf man it. eguale, als adverb genommen, zu gründe legen unter
berufung auf den gebrauch des sinnverwandten deutschen eben, als adj. =
aequeiis, als adv. = nunc ipsum, z. b. *eben kommt mein freund9. Der
buchstabe erhebt keinen Widerspruch: es ist dieselbe (mundartliche) bildung
wie im piem. eva aus aqua.
Avannotto nicht über ein jähr altes fischchen ; von ab anno (Manage).
Avello steinerner sarg, modert, lavello, maü. navell u. s. w. gefäß
23
354 IIa. AWEGNACHE-BADALUCCO.
von tnarmor oder anderem stein; von labellum gefäß, tnlat. (9. jh.) la-
vellum für sarg gebraucht, s. Muratori s. v. Auch lat. vas gelangte im
frühen mittdalier zur bedetdung sarcophag.
Avvegnachä, parttkd für lat etsi; aus dem conjunctiv von av-
venire, so daß es eigentlich bedeutet 'es möge geschehen daß*.
Avventare werfen. Frov. ventar, altfr. venter heifit in den wind
werfen, daher das ital. wort, worin M&nage das lat. amentare (empor
schnellen) erblickte. Aber aventare gedeihen ist von awenire von statten
gehen; identisch das bekannte sicü. abbentare ruhe finden, abento ruhe,
letzteres nach Pasqualino von adventus sc. Christi.
B.
Babbo vater (in der kindersprache) z. b. bei Dante Inf. 32:
lingua che chiami mamma o babbo. Vollkommen edel und der eigent-
liche ausdruck für pater in der sard. mundart, z. b. unu rei (it. re) chi
Dos' & babu amoro8u Purqueddu, Tesoro p. 234; ebenso chw. bab. Fem.
wäl. bab$ hebamme, altes weib, wie ungr. baba, mhd. babe. Das wort
ist vielen sprachen gemein. Oberital. mundarten brauchen bnba.
Baccello hülse, bohnenschote, dsgl. dummkopf. Nach Muratori aus
dem arab. bäqeläh bohne, allein schwerlich wird die arab. kehltenuis im
ital. zu palatalem c. Besser erinnert Minage an lat. bacca beere, frucht:
auch dem Spanier bedeutet baya (von bacca) schote.
Baclo gegen norden gelegener ort, adv. a bacio gegen norden. Das
schwierige wort findet seine lösung etwa auf folgende weise. Es badet
den gegensatz zu solat-io Sonnenseite, von solata Sonnenschein, mit dem
suffix ivus, und bedeutet eigentl. Schattenseite, obac-fo für opac-io: die
catal. mundart kennt in derselben bed. obaga, dem sich zunächst anschließt
neupr. ubac, dauph. lubac (aus l'ubac) nordseite. Die mundartlichen
formen gehen weit auseinander, com. ovfch und vagh, romagn. begh, gen.
luvegu u. dgl.
Baciocco dummkopf, tölpd; wohl nichts anders als baccello (s.
oben) mit vertauschtem suffix. Gewöhnlich vergleicht man das von Augustus
für stultus gebrauchte baceolus, s. Sueton. in Aug. c. 87.
Baco seidenwurm, überhaupt wurm. Nach Menage von bombyx
(ßoußvg ßo/ußvxog), mlat bombax, daher bombäco, abgekürzt baco, parm.
beg, bega. Auch der Woiache bildet bumb&c von bombyx. Eine abl.
ist big-atto, big-attolo, dessen stamm sich besser in die acht lat. form
bombyx fügt, abgekürzt cdso aus bombigatto.
Badalucco tändelei, Scharmützel, pr. badalnc, baluc, ven. badaloco,
com. barloch, baloch, it. balocco maulaffe (letzteres auch = badalucco),
vb. it. badaluccare, baluccare, baloccare tändeln, scharmutzieren u. dgl.
Menage meint von badare zaudern, woraus aber nur baduccare entsprin-
gen konnte. Besser vielleicht vom pr. badalhar gähnen, lange weile haben,
IIa. BAGLIORE-BARBA. 355
also badaluc für badalhuc; freilich nicht unbedenklich. Oder wäre bada*-
lncco eine zss. aus badare und alocco? dem widerspricht aber seine oib-
stracte bedeutung so. wie das offenbar nicht zsgs. piem. vb. badole =
badaluccare.
Bagliore blendung, abbagliare blenden, abbaglio, abbagliore
Verblendung, versehen, irrthum; dsgl. sbaglio, sbagliare und barbaglio,
abbarbagliare, worin bar dieselbe partikel sein muß wie in barlume, s.
unten. Unter edlen vorgebrachten sogar aus dem arabischen geschöpften
etymologien ist nur die von Menage der erwähnung werth, der den Ur-
sprung des Wortes in balluca goldkörnchen, also etwas schimmerndes,
blendendes, erkennt: aber wie sollte der Italiener eine sache mit einem
ihm so gut wie unbekannten werte (s. baluz IL b) und dazu noch auf
figürliche weise (die blendung verglichen mit goldsand) benannt haben,
für die es nicht an passenderen amdrücken fehlen konnte. Eine ver-
muthung möge hier gewagt werden: bagliare ist derselben herkunft wie
fr. berlue (s. bellugae IL c), es steht für bärgliare = bar-luc-olare
(vgl. lat. diluc-ulum, anteluc-ulus), so daß in bar-bagliare bar eine gemi-
natian erfuhr. Einfach ohne gemination und ohne ableitungssuffix ist
das gleichbed. genues. abbarlpgä.
Bajare, abbajare bellen, kläffen. Es ist schwierig eu sagen, ob es
aus dem gleichbed. cdtfr. abayer herrühre, denn unmittelbare herleitung
aus baubari (com. bopä) gestatten die ited. Sprachgesetze nicht, oder ob es
ein auf eigne hand gebildeter naturausdruck sei wie das lat. baubari
selbst; für den ersten fall redet etwa die gleiche Zusammensetzung mit ad.
Das sard. wort ist banlai (baubulari) und beliai, abeliai.
Baleno blitz, vb. balenare blitzen; vom gr. ßelefÄvov geschoß, vgl.
ßetefivizTjg donnerkeil. Die regelrechte form wäre belenno gewesen. Zsgs.
ist arcobalejio regenbogen, von seinem glänze blitzbogen genannt, sonst
auch arco Celeste, arco piovoso, aber sard. arcu de donno den hergott-
bogen, ven. arco de verzene liebfrauenbogen, sie. arcu de Nuö Noahs
bogen u. dgl.
Balza säum, einfassung; von balteus gürtel (baltius App. ad Prob. p.
446), wei. baltz schlinge. Abgel. adj. balzano, jw\ bausan, cdtfr. bauQant
weiß gezeichnet oder überhaupt gezeichnet, von thieren, daher name
des ebers in der thierfabel; nfr. balzan schwarzes pferd mit weißen0
fußen (die altfr. bedeutungen erörtert Gachet), engl, bawsin dachs, wegen
der weißen streifen am köpf (Wedgwood, Ed. Müller). Andre con-
struieren das adj. aus dem arabischen, worin bälhasan 'mit dem
schönen d. i. 'mit dem zeichen der Schönheit' bedeuten würde, was wir
auf sich beruhen lassen.
Barba (m.) oheim, vaters bruder z. b. Par. 19 \ 37, ebenso chw.,
altfr. barbe s. Bord, mlat. barbas Murat. Ant. ital. II, 1111 (urk. v. j.
782), dsgl. it. barbdno, mlat. barbanus L. Long., also ein altes wort,
wohl nichts anders als das lat. barba bort. Ein Zeugnis dafür gewährt
die mundart von üomo. Hier beschränkt es sich nicht auf den oheim
356 H.a. BARLUME— BERLUSCO.
allein, es ist Überhaupt ein ehrentüel; umgekehrt hat sich das neap. zi =
it. zio dieser letzteren anwendung hingegeben.
Barium e schwacher Schimmer; für bis-lume = sp. vis-lumbre, mit
dem es auch die figürliche bed. 'schwache kenntnis* gemein hat, s. das
span. wort 11. b.
Basire sterben, dsgl. in ohnmacht fallen, auch neupr. und dauph.
basir; vom gael. bäs tod, basaich sterben, womit nord. basa tödten, er-
sticken zusammentrifft. 8. darüber Diefenbach, CelL I, 193 und Monti,
Voc. com. Die comask. mundart kennt überdies sbasi sterben, erbleichen,
die piem. sbasi nur in letzterer bedeutung.
Batassare schütteln; wohl vom gr. nctraoosiv klappen, klappern:
aus battere wenigstens, woher die etymologen es leiten, kann es nickt ge-
flossen sein, da die ital. spräche kein suffix ass anerkennt.
Becco bock. Schon auf einer römischen inschrift von ungewissem
alter Orett. num. 4901 kommt der name Becco mit abgebildetem bock vor.
Es kann nicht gleicher Herkunft sein mit pr. boc, fr. bouc: sein geschlossenes
e verlangt ein etymon mit i bic, das sich aber nirgends aufzeigen läßt.
Von demselben worte besitzt die franz. spräche ein fem. bique für das
üblichere ch&vre, die mundart des Jura bequi für chevreau, die von
Champagne bequat für dass., henneg. bedeutet bäqu&riau lamm, norm.
becard hammel. Dem Serben bedeutet bäkawitza schaf, von bäknuti blöken,
bik aber stier. Andre beziehungen bei Atzler, Germ. dem. 20.
Befana große puppe, am tage epiphaniae (daher das wort) zum
schrecken der kinder aufgestellt, dsgl. häßliches weib. Wie man in Deutsch-
land an demselben tage den kindern mit der frau Bertha drohte, darüber
s. Schmettere Bair. wb. I, 194, Grimms Myth. 260, Simrocks Myth. 394.
4. aufl.
Belletta satz des wassers, schlämm. Diane, Vocab* Dant., ver-
muthet vom gleichbed. gr. nrjXog. Gleichbedeutend ist auch maü. litta, aber
für was wäre die erste silbe in belletta zu halten?
Belletto schminke; s. v. a. fattibello, vom adj. bello.
Berla maü. tragkorb; vom ahd. biral cophinus.
Berlina pranger, auch churw. Muratori vermuthet vom fr. pilori,
also für pilorina, pirolina, aber schon daß keine ital mundart anlautende
tenuis zeigt, spricht dagegen. Zu erwägen ist das gleichbed. bair. breche
Schmdler I, 246, daher brecheltn, berchlin, berlina? oder mhd. britelin
zäumchen, mit dem sich aber der begriff weniger verträgt. Andre ver-
weisen auf it. viera, ghiera reif, ring.
Berlin gare schmausen und dazu plaudern, berlingozzo mehlge-
backenes. Die worte haben deutschen klang, das sbst. {primitiv berlingo?)
stimmt in der that zum ahd. prezilinc kuchen.
Berlusco schielend (bei Ferrari), comask. balosc, blusc; für
bilusco, vgl. bis I; dasselbe wort ist henneg. berlou, berlouque, dagegen
scheint warlouqne anders zusammengesetzt und mit dem piem. galue£
schielen verwandt.
IIa- BESCIO-BIRCIO, 357
Bescio, besso dumm; von bestia als adjectiv angewandt wie pr.
pec gleichbed. von pecus, vgl. die comask. form bescia schaff chw. besch-
wur blöken.
Bettola geringe schenke, bettoliere schenkwirth; vom deutschen
betteln, bettler, sagt Ferrari und ihm folgt Muratori. Nur muß es auf-
fallen, daß das fast allen mundarten geläufige wort nirgends etwas von
der deutsehen grundbedeutung durchblicken läßt.
Bezzo gdd, aver bezzi geld haben; vom dtschen bazzen, bazzen
haben; batzen ursprüngl. eine münze von Bern mit dem wappen der
stadt, dem baren oder betz (oder von batze massa Grimm im d. wb.).
Biacca bleiweiß; vom dtschen bleich (Manage).
Biante landstreicher ; nach Menage für viante von viare wandern,
das paart, yians als subst. bei Aptdqjus u. a. Zu bemerken ist die parm.
form bigant
Biasciare, biascicare schwer kauen wie zahnlose thun, mummeln.
Wie sich im engl, muffle mummeln und stammeln berühren, so mochte
einem aus blaesns (stammelnd, die zunge schwer bewegend) geleiteten
verbum blasare, com. blassa, die bed. mummeln beigelegt werden.
Bica häufe garben, abbicare körn in häufen setzen; vom ahd. biga
häufe, zumal von garben gebraucht, biga garbönö (karbönö) Graff, III, 324.
Bicciacuto zweischneidig; entstellt aus bisacuto, ältfr. besaigu,
von bisacutas in späterem latein.
Bieco, obieco schielend, schief. Obllquus (oculo obliquo adspicere),
das nach strenger regel obbico, bico geben mußte, ward behandelt wie
pfifco, es gab bieco = piego, doch erwähnt Menage auch eine form bico
(im reim). Dante' s plurale bieci Par. 5, 66, biece Inf. 26, 31, Par. 6,
136 erklären sieh daher unmittelbar aus obliqui, obliquae, da ja qni que
leicht pc&atcde ausspräche annimmt.
Bietta keil, sbiettare einen keil herausziehen; dunkler herkunft, mit
bitta (thl. I) unverwandt.
Biffera weib, das zwei manner hat; von bivira, mit schärfung des
Yzuf, vgl. fiasco I.
Bifolco bauer, der mit ochsen pflügt; von bubulcus, f aus b wie
in tafkno u. a.
Big* piem. sau; ndl. big, bigge (f.) ferkel, engl. pig.
Bigoncia hiibel, bigonzio (ven.) ein maß für flüssigkeiten; von bis
congins, nach Menage und Muratori.
Bilenco krumm, schief; gebildet vermittelst des deutschen Unk?
Bioccolo flocke; von floccus, vgl. bonte für fönte (mundartlich).
Bircio blödsichtig, sbirciare blinzen, bercilocchio (berci-1-occhio)
ein schielender; ungewisser herkunft, sicher nicht mit guercio, schwerlich
auch mit unserm blinzen zusammenhängend. Man darf etwa das ahd.
brehan Graff III, 282, so wie das bair. birg-aug Schmäler, Ostreich.
bir-augig Hafer, welche werter verschiedene fehler det äugen ausdrücken,
in ansehlag bringen.
358 H.a. BIRRO-BOMBERO.
Birro, sbirro scher ge, häscher, daher sp. esbirro; vielleicht tceü er
mit birrns bekleidet war, vgl. berretta L So Menage, der auch, und wohl
mit recht, birracchio jähriges find von birrus in der bed. rufus herleitet.
Bisbetico wunderlich, phantastisch.
Bisbiglio geflüster, bisbigliare flüstern, ätsch, pispeln, sbst.picard.
bisbille; naturausdruck.
Biscia schlänge, lomb. bissa, neupr. bessa, cdtfr. bisse, dtsch. in
Piemont biesso, lomb. auch mase. biss wie it. biscio, das aber den
schmerzenden wurm unter der haut bedeutet. Von bestia? dann war die
richtige bildung bescia, und selbst gegen den begriff ist etwas einzuwenden,
da mit bestia im itäl. eigentl. nur säugethiere benannt werden. Muratori
verweist auf unser dtsches bifs = ahd. biz, und wiewohl z kaum in sei
übergeht (camozza, camoscio), so ist dieser Ursprung doch nicht unwahr-
scheinlich, passender aber legt man dem ital. werte ein ahd. bfzo beizen-
des thier = ags. btta unter. Lomb. mundarten besitzen auch das vb.
bisia, besia stechen (von insecten), bisient beizend, bisiell bienenstachd,
bisiocc insect mit Stachel. 8p. pg. b i c h o , bicha wurm, schlänge können
durch vergröberung des z in eh für bizo, biza stehen und mit biscio,
biseia identisch sein ; das bask. bicioa passt nicht dazu.
Bisdosso, bardosso ohne sattel; andare a bisdosso auf dem bloßen
rücken (dosso) des pferdes reiten, wobei bis das ungehörige dieser hand-
lung ausdrückt.
Bizzocco, bizzoecone andächtler, schwachkopf {beide bedeutungen
begegnen sich auch in pappalardo). Überträgt man das synonyme bliteus,
bei Plautus, ins itäl., so gewinnt man bizzo, mit verstärkendem suffix
bizzocco. Das Glossar, vetus p. 611 kennt auch ein subst. blicea tskär
titia, welches auch Papias aufgenommen (blitea). Das mit bliteus gleich-
bed. picard. blite (Gorbiet) kann jedoch nicht unmittelbar daher kommen,
es müßte bliche lauten.
Bobö comask., bubü genues. getränke (in der spräche der Jdnder).
Nonius führt aus Varro den synonymen naturausdruck bua an, der hier
nach roman. sprachsitte geminiert erscheint. Das it. bombo nebst bom-
bare, bombettare ist weit davon abgewichen oder gehört besser zu gr.
ßo/ußelv glucksen, wohin auch bömbola fläschchen (ßo^ißvh>g glucksend)
zu rechnen ist. Es findet sich aber bereits in den Isid. glossen bombum
'sorbellum getränke, suppe; für letzteres schlägt ein kritUcer ohne noth
sibilum vor, s. Jahrb. für phüol. suppl. XIII, 234.
Bociare kläffen; von vox, it. boce (Minage).
Bolso herzschlächtig (von pferden gebraucht), engbrüstig, vb. mail.
sbolzä husten; von pulsus puls, herzklopf en, woher auch fr. pousse,
poussif, vb. limous. poussä schwer athmen, vgl. Schweiz, bttlsi trockner
husten. Dem it. bolso schließt sich an pr. bols 'equus nimis pulsans
GProv. 54«.
Bömbero Pflugschar, sard. bomere, ven. gomiero; für vomero,
laL Yomer.
H.a. BOKCHIA-BRINA. 359
Borchia buckd am Pferdegeschirr, breiter knöpf eines nageis, goldnes
hersehen oder ähnliches (hohles) geschmeide, das die weiber am halse
tragen. Die bedeutung ist vollkommen die von bulla, aber die herleitung
daraus unsicher, da bul-cnla für bullacula kaum anzunehmen ist. Man
vergleiche auch ahd. bolca = lat. bulla.
Böria vermessener stolz, prahlsucht, boriare, boriarsi hochmüfhig
sein, sich brüsten. Diese Wörter mahnen an ahd. burjan empor heben,
nhd. em-pören. Andte verweisen auf boreas wind, daher aufblahung.
Besser dächte man an vaporeus, s. unten brina. *
Borro und botro durch bergströme ausgehöhlter graben, burrone
schluckt, moden. budrione, wohl auch berg. bresc. buder Strudel; nach
MurcUori vom gr. ßod-Qog, ßo&Qiov höhlung. Man vgl. dazu das wal.
bütur? höhle, den Span. Ortsnamen Val-de-buron und das neupr. bauri
dbhang.
Bova (nur im plur. üblich) fußfessel, hmb. boga; wohl vom ahd.
bougjä armring, mit geringer dbänderung der bedeutung. Mlat. bauca
'armüla Papias. Vgl. bou II. c. Von boja, wohin Ducange es rechnet,
kann es nicht herstammen.
Bramangiere Vorgericht; vom fr. blane-manger weißes gericht d.i.
müehgericht, woher auch mhd. bläinenschier.
ßrandistocco wurfspeer; zsgs. aus brandire schwingen und stocco
stange.
Bratta genues. schmutz, koth, daher it. imbrattare besudeln (Im-
bratta scherzhafter name bei Boccaccio Dec. 6, 10), sbrattare reinigen;
unaufgeklärtes wort.
Brenna mähre, schlechtes pferd; vgl. serb. barna gaul, brnja pferd
mit einer blässe.
Brenta, piem. brinda, genf. brande weinfaß, dtsch. brente, s. Frisch
und Schmdler, bränte bei Stälder ein hölzernes gefäß. Grimm hält das
im alt- und mhd. noch nicht nachweisliche wort für undeutsch, vielleicht
aus rom. branca, das in braute übergehe, entstanden, s. Deutsches wb. s. v.
Bretto vrlt. unfruchtbar, ämäich. Carpentier erwähnt mUxt. berta
ovis zur fortpflanzung untaugliches schaf, und erinnert an fr. bertauder,
man sehe berta I.
Brina, occit. brino, breino, mail. prinna reif, gefrorener thau. Die
Versuchung liegt nahe, es aus lat. pruina zu erMären, wie auch pruinosus
sich in brinoso erhalten zu haben scheint: b für anlautendes p ist zwar
selten, aber nicht ohne beispid, auch die Unterdrückung des u vor i läßt
sich zugeben, da auch andre fälle derselben vorkommen. Beachtenswerth
ist aber hier die venez. form borina, woraus brina gar wohl entstanden
sein könnte, vgl. bricco aus boricco: den stamm bor zeigt dieselbe mund-
art auch in borana neben burana dichter nebel, und im walach. findet
sich bore dunst, reif. Dieser stamm könnte sich gestaltet haben aus lat.
vapor : inlautendes p wird leichter zu b als anlautendes, und aphärese ist
im it. häufig genug: die walach form abor hat sich von vapor fast schon
360 H.a. BR1NDISI-BULIMO.
eben so weit entfernt. Die sard. mundart hat börea, die catal. boira nebel,
die mit ihrer bedeutung besser zu vaporea passen als zu boreas nordwind.
Brfndisi das zutrinken, ven. prindese; vom dtschen bring dirs d. h.
ich bringe dir's zu. Auch fr. brinde erklärt sich aus dieser phrase, so
wie das lothr. vb. bringuäi, bürg, bringuai zutrinken, sp. brindar. Vgl.
bringen bei Stalder und Höfer.
Brivido durchdringende kälte, kalter schauer.
Broncio mürrisches gesteht, imbronciare aufsätzig werden, vgl.pic
bronehard hartnäckig, auch pr. embronsit LR. Identisch mit atifr. em-
broncher (s. u.), wie Oachet meint, kann imbronciare nicht wohl sein: in
diesem falle wäre es daraus entlehnt, dem Franzosen fehlt aber das pri-
mitive broncio und auch die bedeutungen stimmen nicht sonderlich. Man
verbinde es mit mlat. broecus 'obstinatus Ol. arab. tat., Schweiz, brütech
mürrisch, brütschen, nhd. protzen mürrisch sein.
Brontolare murmdn. Die ital. etymologen verweisen auf gr. ßQowrj
donner.
Brullo und brollo bei Dante Inf. 16, 30. 34, 60. Pg. 14, 91 ent-
blößt, beraubt. In Modena kennt man nur sbrollo nebst dem vb. sbrol-
lare berauben, Muratori erklärt daher das räthselhafte wort aus ex-peru-
lare, einen wanderer des ranzens (perula) berauben, überh. berauben, pari.
experulatus, abgekürzt experulus, endlich sbrullo. Die erUärung ist nicht
ungeschickt, doch bedurfte es nicht einmal der privativen partikd ex, das
verbum für sich allein konnte das wegnehmen eines dinges in sich fassen
wie eimare, scagliare den gipfd, die schuppen wegnehmen u. a. m.; die
doppelung des 1 läßt sich ertragen.
Brutto häßlich, schmutzig, roh d. h. unverarbeitet; von brutus
schwer, gefühllos, daher plump, roh, häßlich. Nach Muratori vom ahd.
bruttan erschrecken, aber herleitung aus einem fremden gebiete thut dies-
mal nicht noth.
Buccio, buccia schale, rinde, hülse, haut; abgekürzt aus lob-uccio
vom gr. koßog oder Xonog schale, hülse? vgl. loppa, und über die abkür-
zung Born, gramm. 1, 294. In lobuccio zumal konnte lo als artikd ver-
standen und abgestoßen werden.
Buda, burda stopf werk, tomentum. Dieses wort muß aus der sieü.
mundart hervorgezogen werden, weil es uns, wie Pasgualino erinnert^ das
bekannte buda cstorea der glossare vergegenwärtigt, wovon Servius sagt:
ulvam dieunt rem, quam vulgus budam vocat. Der Sarde hat buda
riedgras, budedda d. i. budella matte.
Bufära Sturmwind {wal. vifor?); wie pr. bufar blasen, vom stamme
buf, s. thl. I; aber wie ist das suffix era zu beurtheüen? nur iera kennt
die grammcUik.
Bugno bienenstock, bugna, bugnola von stroh geflochtener korb, altfr.
bugnon = bugno, wohl auch neupr. bugno baumstamm; ungewisser her-
kunß, vgl. bugna I. und ir. b6n, gael. bun stamm oder stumpf.
Bülim o und sbülimo Heißhunger; vom gr. ßovh/nog dass.,fr. boulinüe.
IIa. BULO-CALEFFARE. 361
Bulo ven. piem. lotnb. rauf er, Schläger, dsgl. auf Schneider, prahl-
kons; P. Monti übersetzt es auch mit zerbino (stutzer) und leitet es vom
ätschen buhle, dem auch das cimbr. pul entspricht, wogegen das mhd.
buole frei ist von übler bedeutung. Schon Muratori hatte diese herkunft
des Wortes anerkannt mit der bemerkung: ita primo appellati meretricum
amasii sen satellites, tum quicumque thrasonem agunt
Burchia, burchio bedeckter nachen mit rudern, wozu buchstäblich
stimmt aitsp. burcho airt nachen (Seckendorf), beide eine ableitung mit
cl voraussetzend, vgl. mlat. cum barchis et burclis. Eine befriedigende
deutung fehlt.
Bussare anklopfen; muthmaßlich vom oberd. buchsen (engl, box),
vgl. bo88en klopfen, schlagen Frisch I, 121* und ndl. buysschen KU.
Derselben herhunft scheint das gleichbed. altfr. buissier NFG. I, 98; Ro-
quefort fuhrt auch bugquer an.
c.
Gaff o ungerade zahl: giuocare pari o caffo ludere par itnpar; auch
pr. caf €vox indignantis GProv. 40h, in Berry caffe. Menage hält das
wort für das it. capo, tat Caput, weil die ungrade zahl die vollkommnere,
die hauptzahl, weil namentlich die dreizahl die vollkommenste aller zahlen
sei. Daß caffo aus capo verderbt ward, ist einzuräumen, es konnte dies
im munde der spielsüchtigen Deutschen geschehen, die lat. p gerne aspi-
rierten (vgl. catafalco), aber daß das voüc sich unter der ungeraden zahl
etwas voUkommneres gedacht habe, ist nicht so leicht hinzunehmen: um-
gekehrt bedeutet z. b. gr. oqtioq 1) gerade, von zahlen, 2) vollkommen;
avaQTiog ungerade. Leichter konnte man das ungerade als das über das
maß gehende auffassen, gr. neQiooog, und in so fern war capo vielleicht
ein geeigneter ausdruck: essere il caffo heißt daher 'ausgezeichnet sein
vor andern. Oder sollte sich caffo herschreiben aus caput in der römi-
schen formet caput aut navem, die man bei einem ähnlichen glücksspide
gebrauchte? — Für die gerade zahl behielten die neuen sprachen das
alte par, für impar haben sich mehrere ausdrücke eingefunden, z. b. maü.
ospo, sard. cuccu, sp. non (fr. pair ou non, pair ou non pair), norm.
nouque, auch tic.
Cagione anlaß, Ursache, schuld, vorwand (wie pr. ocaison, altfr.
ochoison); gekürzt aus occasio, welche kürzung auch das wald. cayson
und dttpg. cajäo erfuhren.
Calabrone, scalabrone horniß; von crabro, bei Papias carabrio
'genus animalis muscae similis\ im älteren mlatein scabro GrafflV, 1039.
Das wort scheint auch im occ. chabrian enthalten zu sein.
Caleffare und galeffare verspotten. Beide formen haben dtsches
aussehen, aber das vorhandene galiffan (ca-) Graff II, 205 gewährt keine
passende bedeutung.
362 H.a. CALPESTARE-CARNEVALE.
Calpestare mit fußen treten, sbst. calpestfo; zsgs. aus calce pi-
stare (letzteres unlat.) mit der ferse treten, tvald. calpisar, s. pestare L
Caluco elend, armselig; von caducus. Auch im prov. Reimbuch
vorhanden: calucs 'curtum Habens visutn 67b , dsgl. JBrev. et am. I, 173.
Sollte die sähe lue zu dieser abweichung von der bedeutung verfuhrt haben?
Oder hängt das pr. caluc mit caducus gar nicht zusammen? In der
mundart von Haut-Maine findet sich ca-lorgne im sinne von borgne}
worin ca seine eigne bedeutung haben muß.
Camangiare gemüse, küchenkraut; für capo-mangiare anfangs-
essen (Menage).
C&nova vorrathskammer, Weinkeller, sard. can&va; bereits in den
Isid. glossen canava 'camea (camera?) post coenaculum, auch canipa, s.
Ducange und Graff IV, 462. Woher aber?
C an sare, scansare ausbeugen, ausweichen. Der Ursprung dieses
Wortes findet sich in dem altlat. in gleicher bedeutung von Ennius ge-
brauchten campsare (campsat <flectiti Gl. Isid., campsare tflectere üef
Gloss. ant. Class. auet. VII, 654) und wie dieses mit dem aecusativ con-
struiert wird, so auch das ital. wort: campsare Leucatem = cansare la
morte, scansare l'ira del tiranno. Die Abänderung des wortes ist gering,
zum Überflusse läßt sich auch lat. sampsa samsa sansa zu hülfe rufen.
Ptiscian leitet es von y.af.imBiv; daß es übrigens ein volksübliches wort
war, beweist seine fortdauer im ital. Wegen des sp. cansar s. cass I
Caparbio halsstarrig; muthmaßlich von capo, das auch eigensinn
bedeuten kann tvie unser köpf; aber was ist arbio?
Capitare beendigen, (intrans.) ankommen; von caput köpf auch
ende, vgl. chef IL c. Zsgs. scapitare, pr. descaptar einbüße leiden-, sbst.
it. scapito einbüße, worin caput, wie im mlatein oder wie houbet im
mittelhochd., ein stück der Viehherde, ein vermögensstück bedeuten muß.
Capocchia dickes ende eines Stockes, knöpf einer Stecknadel, adj.
capocchio dumm (wie ein Motz); von capitulum köpfchen, umgeformt in
caputulum, wie Pott in der abhandl. Plattlatein 367 bemerkt.
Caratello fäßchen; für carratello von carrata fuder, ladung.
Carnevale, carnovale (o für e wegen des folgenden v), daher sp.
fr. carnaval fastnacht; eigentl. die nacht vor aschermittwoch, wo man dem
genusse des fleisehes auf eine gewisse zeit entsagt, zsgs. aus dem it. carne
fleisch und dem lat. imperativ vale, s. v. a. cfahr wohl fleisch! gute nacht
fleisch.f> Oder einfacher noch aus dem ital. sbst. vale abschied, so daß il
carnevale abschied des fleisehes bedeutete. Fastnacht halten heißt car-
nascialare, sbst. carnasciale, nach Muratori, Ant. ital. VI, 229, um-
gestellt aus carne-lasciare das fleisch weglassen, eine etymologie, die durch
den gleichbed. walach. ausdruck lesare de carne bekräftigt wird. Aber
dies durfte kein grund sein, auch carnevale, dessen Zusammensetzung
einen deutlichen sinn gibt, durch Umstellung zweier süben aus carne-leva,
mlat. carai-levamen, zu deuten, wiewohl, was hier noch beigefügt werden
mag, der Sicäianer wirklich ein wort carni-livari, der Piemontese car-lave
IIa, CAKPONE-CEFFO. 363
Ein andrer ntlat. ausdruck ist carniprivium, ein span. carnes-
tolendas, ein neupr. carmentran = careme entrant. — [Die von der
Mythologie vorgenommene Verlegung des wortes in car-naval = carrus
navalis schiffswagen hat das bedenkliche, daß weder die üal. Schriftsprache
noch die mundarten etwas von einer solchen form mit a für e der zweiten
sähe wissen, und doch muß das franz. carnaval in erwägung der silbe
est (nicht char) von Italien ausgegangen sein. In diesem lande war also
die Vorstellung von einem schiff swagen entweder gar nicht vorhanden oder
früh erloschen.]
Carpone adv. auf allen vieren; nach Ferrari zsgz. aus quadrup-
one, einer höchst ungefügen bildung für quadrupedone von quadrupes.
Warum nicht von carpus, it. carpo die vorderhand? nicht bloß ein ana-
tomischer ausdruck wie im span.; daher auch carpiceio tracht ohrfeigen
und das neupr. carpä schlagen. Carpone würde hiernach 'auf händen
(und fußen) bedeuten.
Carrobio kreuzweg; von quadrivium, wie MSnage lehrt, so gabbia
von cavea.
Casco alt, hinfällig; von einem worte bei Ennius, das Ausonius
wieder hervorzog, cascns alt? Wenigstens kann es nicht vom it. cas-
care (fallen), part. cascato, abgekürzt casco, entstanden sein, da aus in-
transitiven keine solche participial-adjectiva geprägt werden, eher konnte
cascare aus casco fließen, wenn nicht aus lat. casare (bei Plautus) er-
weitert in casicare. Von jenem üal. verbum ist das auch in die andern
sprachen übergegangene cascata Wasserfall.
Gastaldo und castaldione, ven. gastaldo gutsverwalter, haushof-
meister, vgl. den franz. geschlechtsnamen Gastaud, wald. gastaut nebst
dem vb. gastaudeiar; von gastaldius, gastaldio, wie bei den Langobarden
theils der Verwalter der königlichen guter, theils der über die Provincicien
gesetzte landvogt genannt ward. Das nach einigen mit gast zsgs. wort
(s. s. b. Leo's Gesch. von Italien I, 94 ff.) geht zurück auf goth. ga-
staldan erwerben, besitzen, wiewohl der logische Zusammenhang nicht deut-
lich hervortritt, vgl. Diefenbach, Goth. wb. II, 306; Pott, Born, demente
in den lang. ges. 358.
Catasta höh stoß; ist das lat. catasta bühne, Schafott.
Cavare herausnehmen; eigentl. ausgraben, vom lat. cavare aushöhlen.
Cavelle und covelle (beide schon bei Boccaccio) wenig oder gar
nichts, Kleinigkeit. Die herkunft des volksüblichen wortes ist schwer zu
ergründen, da die eigentliche, sinnliche bedeutung fehlt. Vielleicht ist es
nicht zu voreilig, an mhd. kaf hülse, spreu zu erinnern.
Ceffo schnauze (etwas schnappendes), ceffare, parm. cifar schnap-
pen, haschen; dazu formen mit radicalem a: com. zaf = ceffo, zafä, sie.
acciaffari = ceffare, piem. ciaflü = ceffuto, sie. ciaffa tatze, wohl auch
it. zaffo in der bed. häscher. Die herkunft dieser Wörter ist ungewiß.
Vielleicht entstanden sie aus hochdeutscher ausspräche des Stammes tap
(8. tape II. c), woher auch das mit sie. ciaffa zusammentreffende ciampa.
364 H.a. CERAMELLA-CHIOMA.
Wal. zejpsl, wenn es hieher gehört, verräth einen mit s verstärkten stamm,
vgl. auch das russ. vb. z&paio zugreifen.
Ceramella, cennamella schalmei; entstellt aus cdtfr. chalemel?
Cerro 1) stirneiche, van cerrus, auch fr. cerre; 2) troddel, von cirras.
Cesoje (plur.) scheere; von caesus wie rasojo von rasus. Dahin
auch cisale abgeschnittenes stück.
Cespo husch, strauch, von caespes schölle, häufe kräuter, abgeh
cespuglio; cesto vom acc. caespitem. Wegen der bedeutung vgl. cae-
spites sunt frutices Placidi glossae auctae (Class. auct. VI, 556k), cespis
frutex Ol. Erford. p. 287*. Daher vb. cespicare, wci. ceaspeta hängen
bleiben, straucheln.
Cesso dlrtritt; verkürzt aus secessus. Diese acht ital. aphaerese
liegt schon in einem der Erfurter glossare vor p. 333* foricas latrinas
cessussellus d. i. cessus seilas.
Chente, pronomen, von che ente (lat. ens entis) was für ein ding,
gebildet wie niente.
Chiappare erhaschen; entweder vom ahd. klappa falle, oder vom
vb. happen, vgl. chiurlare in nrlare I. Die cotnask. form ciapä aber
redet für das erstere (cia = cla, ciamä = clamare). Anders gebildet ist
calappio, galappio falle, fallstrick, dem ein ahd. klapjo gemäß wäre.
Chi&vica abzugscaned; entstellt aus cloaca, mlat. auch clavaca,
schon bei einem alten grammatiker cluaca noii clauaca Anal, gramm.p. 444.
Chiazza maJü auf der haut, chiazzare sprenkeln; vom deutschen
kletz schmutzig, bekletzen besudeln, s. diese Wörter in J. Grimms Reink.
p. 378.
Chiedere fordern; identisch mit dem poetischen cherere von quae-
rere, sp. querer, r auf ital. weise mit d vertauscht. Von ferire ist um-
gekehrt die form mit d fiedere die poetische. Zsgs. conquidere von con-
quirere.
Chieppa, cheppia ein fisch; stark ausgeartet aus clupea, s. Menage.
Chioccare schlagen, ahd. klochön dass.
Chiöcciola Schnecke; für clocc-iola, dimin. des unvorhandenen
cloccia, dies mit versagtem 1 von coclea.
Chiodo, chiovo naget; = chiavo von clavus, sp. clavo, fr. clou/f.
Aus chiav-o entstand zuerst chio-o = pr. clau, altfr. clo, und zur besei-
tigung des hiatus ward theils d, theils v eingeschoben, die hauptsächlich
dazu bestimmten buchst aben; so in padiglione aus pa'iglione, d. i. papi-
glione, Rovigo aus Ro'igo d. i. Rhodigium.
Chioma Haupthaar. Entweder von coma mit eingeschobenem i =1,
oder von comula mit versetztem 1. Für letzteres könnte man anfuhren,
daß neben dem vorhandenen it. coma eine form mit eingeschobenem 1
unnütz wäre, aber dem Überfluß sind die jüngeren sprachen nicht abhold,
wofür z. b. fiavo neben favo zeugt; übrigens scheint das nur bei Petro-
nius vorkommende comula ein von ihm gesuchtes wort für kleines nied-
liches haar.
IIa. CIACCO— COMBAGIO. 365
Ciacco schwein; abgeändert aus sacco bauch? Aber besser trifft
Menage }s deutung aus gr. ovßal* avßcmog schweinisch, das sich ohne zwang
in siacco ciacco verwandeln konnte, vgl. cia aus sia in camicia aus camisia.
Cicigna blindschleiche ; für ciciglia von caecilia mit vertauschtem
suffix vielleicht zur Unterscheidung von Ciciglia = Sicilia.
Cicisbeo ein mann, der einer frau den hof macht oder sie begleitet;
vom fr. clnche klein (?) und beau schön (Pasqualino).
Cigolare, scivolare knarren, knistern; von sibilare nach Ferrari;
aus dem stamme von singulare nach G. Oalvani (Archiv, stör. ital. XIV,
342), vgl. ven. cigare zischen, knarren, it. cingottare zwitschern, letztere
vielleicht bloße naturausdrücke.
Cimento probe, eimentare versuchen; von speeimentum, wie Fer-
rari meint. Specimentum für speeimen ist freilich nicht vorhanden, aber
eben so leicht zu bilden wie cantamento für cantamen, und der abfatt
der ersten sübe ist nicht stärker als in baco für bombaco, ciulla für fan-
ciulla und nicht wenigen andern, Born, gramm. I, 294. Daneben verdient
Mohns erJdärung aus caementum (p. 72), wiewohl sie das mittel (cement)
für die handlung (probe) setzt, alle anerkennung.
Ciofo niederträchtiger mensch; vom deutschen schuft, dessen t weg-
fiel, weil der Italiener die combination ft nicht duldet.
Cioncare abbrechen, verstümmeln, chw. ciuncar dass., teal ciung
stümmel, verstümmelt, ungr. tsonka; entstellt aus it. cioeco Motz? Für
cioncare gilt tnaü. s'ciancä, s'cinca.
Ciotto, ciöttolo stein, kiesel.
Ciro schwein; vom gr. %oIqo$ ferket (Ferrari).
Cispo triefäugig; woher?
Ciuffo schöpf, ciuffare beim schöpfe fassen; von schöpf, wenn
nicht von zop£ lomb. zuff, pr. chuf 'pili super frontem OProv. p. 58,
vgl. unten zuffa.
Civaja hülsen fruchte; von eibaria.
Cogno ein altes weinmaß; von congius.
Cogol&ria reuse zum fisch- oder krebsfang, mit weiter Öffnung,
nach innen enger werdend; von cucullus kappe, wegen der ähnlichkeit.
Dasselbe derivatum im mlat. cucullarius 'municti (manch) Gloss. Trev.
Graff II, 804, kapuzenträger.
C6goma topf, von cueuma, woher auch fr. coquemar flaschenkessel.
Collare wippen d. i. foltern, colla folter; vom gr. xola&iv strafen,
züchtigen, wie schon Monosini aufstellte — oder von xoXXipv befestigen?
Besser trifft mhd. quellen, kollen fesseln, peinigen (nhd. quälen ist das-
selbe wort). Da der delinquent an einem seile in die höhe gezogen ward,
so übertrug man das wort auch auf das aufziehn des segds, man sehe
ein beispid bei Truechi I, 31.
Collottola nacken; abgeleitet von Collum.
Combagio zusammenfügung, combagiare zusammenfügen; dem be-
, griffe nach das lat. compages, vermutlich auch von da ausgegangen, aber
366 H.a. CONCIARE-CROJO.
mit witziger auffassung auf combagio (das zusammenküssen) zurückgeführt ;
dieselbe begriffsverbindung auch in der form combaciare.
Conciare, acconciare (woher sp. aconchar) putzen, zurichten,
concio, acconeio als adj. hübsch, als subst. putz, wal. concia hopfputz.
Man stelle es nicht zum dttfr. cointer: es ist eine der ziemlich zahlreichen
mit i gewirkten participiaiableitungen und kommt von comtus, partie. von
comere schmücken, woher es schon Menage leitet; die franz. form wäre
conser. Auch contigia putz ist hieher zu nehmen.
Congegnare zusammenfügen; muthmaßlich für concennare, tot.
concinnare, unter dem einflusse des it. genio, pr. genh kunst.
Gorgere in accorgersi (chic, an cor scher) wahrnehmen, und scorgere
1) wahrnehmen, 2) geleiten, begleiten. Accorgere accorsi accorto trifft
in seiner flexion so genau zusammen mit corrigere correxi correctum, daß
es aus ad-corrigere entstanden sein muß, indem es eigentlich die berichti-
gung eines irrthumes ausdrückt. Scorgere, das dieselbe flexion hat, wäre
nach Mwratori aus excurritare entstellt und dem ersteren verbum angepaßt
worden; allein solche Übergänge aus der schwachen in die starke conju-
gation sind so ausnehmend selten, daß diese vermuthung entschieden ab*
zulehnen ist. Scorgere ist nichts anders als ein verstärktes correggere,
dem die bed. regieren zukommt, woraus die bedd. geleiten, acht haben
leicht erfolgen konnten. Von scorgere kommt scortare, sbst. scorta, fr.
escorter, escorte, sp. escoltar, escolta.
Corribo, corrivo leichtsinnig, leichtgläubig; woher?
Co sso kleine beule, finne, warze.
Costa, costi, costinci, ortsadverUa; von eccu' istac, eccu' istic,
eccu' istinc-ce.
Cotesto, cotestui, pronomen; zsgs. aus eccoti esto, lat. eccu' tibi este.
Covone garbe, einfacher lomb. cov, piem. cheuv. Nach Ferrari
von cavus hohl: so viel die Jiohle hand oder der hohle arm faßt. Der
Übergang von cavus in coro macht dabei keine Schwierigkeit, er ist der-
selbe wie der von clavus in chiovo.
Crepore groll; sicher von crepare bersten, so daß es das bersten-
wollen des verhaltenen hasses ausdrückt.
Crocchiare klappern; von crotalum (xQovaXov) klapper, cchi aus
tl wie in vecchio. Sp. crotorar muß dasselbe wort sein.
Crogiare rösten, crogiolare dämpfen. Sollte es zusammenhängen
mit ahd. chrose geröstetes, welches Graff IV, 616 als zweifelhaft aufstellt?
si (oder se) und gi berühren sich z. b. auch im it. asio, agio.
Crojo vrlt. starr, figürl. störrig, ungeschliffen, pr. croi. Aus crudus
starr, unbiegsam kann es nicht unmittelbar entstanden sein, ihm aber mit
Oalvani (Archiv, stör. ital. XIV, 343) dessen urform cruidus (cruius
crujus) unterzulegen, ist zwar schön, aber gewagt, weil diese form nicht
im gebrauche war. Sicherer läßt man es aus crud-i-us. (wie bajo aus
badius) entstehen d. h. aus einer mit i bewirkten erweiterung von crudus,
dergleichen bei mehreren andern adjeäiven unläugbar vorkommt, s. Rom.
H.a. CRUNA-DESSO. 367
gramm. II, 301. Die länge des wurzelvocals kürzte sich durch roman.
posiiion (crudjus), so daß er in o übertreten konnte.
Cruna nadelöhr. Zum gr. yQ<6vr) Höhlung (Born, gramm. I, 137,
1. ausg.) paßt weder buchstabe noch begriff (aus anlautendem g wird nicht
c): es ist syncopiert aus Corona kreiß, wie crucciare aus corrucciare;
wegen n aus 5 vgl. giuso und tntto, oder das mittdgr. noQovvrj.
Grusca kleie, chw. crisca. Ein deutsches wort, wie bereits Muratori
erkannte. Furfur ccrusc vd chliha* (kleie) sagen die Flor, glossen 983k,
schwe. krttsch, Schwab, grtische, vgl. das von Bouüle, Diff. vulg. ling.,
erwähnte gleichbed. fr. grais, piem. gras. Die neupr. mundart kennt auch
ein vb. crascä, zermalmen. Der Sarde besitzt noch furfare, furfaru.
Calla wiege; von canola, wie lolla von lunala, in der neap. mund-
art noch connola (conola in einem alten gedieht Mural. Ant. ital. VI, 789),
in der romagnol. conla.
Cupo hohl; von cupa tonne, also eins der wenigen adjectiva, die
unmittelbar aus Substantiven gebildet wurden, Born, gramm. II, 288. Die
sard. mundart entwickelte daraus das gleichbed. adj. cupüdu, dem kein it.
cuputo zur seite steht.
Cutretta, cutrettola bachstehe. Sie trägt den schwänz hoch und
bewegt ihn beständig. Auf die erstere eigenschaft bezieht sich das ital.
wort, zusammengesetzt aus coda schwänz, retta aufrecht, also eigentl.
cadretta, durch assimilation der media an die folgende tenuis cutretta ent-
sprechend fr. hoche-queue ; auf die letztere it. coditremola, fr. branlequeue,
dtsch. wedelsterz, engl, wagtail, kymr. tinsigl (tin bürzd, siglo bewegen),
gr. oetaonvyig, wohl auch lat. motacilla u. a.
D.
Deh interjection; vermuthlich vom vocativ dee für deus, dessen sich
spätere bedienen, wenn nickt aus deo abgekürzt wie i' aus io: deo, com'
aggio fallato! PPS. I, 277; deo, che ben aggia Amore 434. Ein
mundartl. fr. dey könnte dessdben Ursprunges sein, s. Voc. langrois. Vgl.
auch Patts Zählmethode p. 218 note.
Des so pronomen, wal. dunsu. Pott, Forsch. II, 41 construiert es
aus idem ipsus, aber ein m aus der mitte eines wortes zwischen vocalen
auszuwerfen, ist ganz gegen die anläge der ital. spräche. Es könnte ab-
gekürzt sein aus einem früheren medesso = pr. meteis (s. medes L),
allein damit erklärt sich die ihm anhängende syntactische eigenheit nicht,
daß es nur im casus rectus bei den verbis sein und scheinen gebraucht
wird, wogegen dem Provenzalen sein meteis in jedem casus recht ist. Man
muß sich also nach einem passenderen Ursprung umsehen und ein solcher
findet sich. Übersetzt man unser *er ist es selbst, sie scheint es selbst'
wörtlich ins latein., so heißt dies ille est id ipse, illa videtur id ipsa,
und dieses neutrum auf ein masculin oder feminin bezogen ist eben so
368 H.a. DESTARE-DUOMO.
romanisch wie deutsch, s. Rom. gramm. ZU, 88, Elane 292. Aus id-ipse
aber entstand desso, welches darum nur im casus rectus brauchbar ist:
egli e desso, ella mi pare dessa. Das wort enthält also einen merk-
würdigen Überrest des pron. is. Sonderbar ist in idipsis Form. Marc^
in idipsnm MabiU. Dipl. p. 495; dieser barbarismus aber kann die hier
vorgetragene etymologie nicht stören.
Destare aufwecken; von de-excitare mit derselben zusammenziehung
wie in dorare von deaurare. Lomb. mundarten sprechen desseda. Von
re-excitare ist das pr. reissidar wecken, erwachen.
Diana morgenstern, auch pr. (anc no risquet lo duxs tro a la
diana GRoss. 2747)} eigentl. Stella diana PPS. II, 187 von dem ver-
schwundenen adj. diano, dies von dies, daher die militärische redensart
battere la diana, fr. battre la diane die reveüle schlagen. Figuera, Diccion.
mällorqui, bemerkt aus A. March als veraltet: ana 'la estrella Venus\
also eine starke abkürzung.
Dileggiare verspotten; = pr. desleyar verschreien, verrufen, sbst.
deslei, lat. dis-lex.
Dilägine schlaff.
Ditello achsdhöhle; s. v. a. ditale fingerhut, weü man die finger
unter die achseln zu stecken liebt? Dasselbe wort ist, mit der bed. von
ditale, das romagn. didel, altfr. deel, nfr. mdarü. deau. Für ditello
sagt der Neapolitaner tetelleca, das aus dem vb. tellecare kitaein, weü
man an jener stelle für kitzd empfänglich ist, gedeutet wird. Eben darum
leiten manche, aber ganz gegen den buchstaben, ditello von titillare.
Dondolare schaukeln, mail. dondä; nach Menage von de-undulare.
Vielleicht hat es keinen so vornehmen Ursprung, ist nämlich gleicher her-
kunft mit fr. dodiner schaukeln, altfr. dodeliner einwiegen, von dodo, mit
welchem wort man die kinder in den schlaf wiegt. Dodo selbst aber ist
aus der kindersprache, entstanden durch reduplication aus dormir.
Donnola wiesei; eigentl. Weibchen, vom it. donna, ein schmeichd-
wort für das thier, gleich dem sp. comadreja, woran Ferrari erinnert,
oder dem dtschen jüngferchen, ngr. vv^lvCa, oder dem bask. andereigerra
von andrea frau, Jungfer. Vgl. bele IL c.
Doppiere fackel; von duplus wegen des aus zwei faden gedrehten
dochtes: so das deutsche zwirn aus zwir doppelt.
Dossi (plur.) grauwerk; eigentl. rückenstück des feiles, s. darüber
Ferrari.
Duomo donikirche, dorn, daher fr. dorne, sp. dombo; vom lat. dömuß
dei, nicht vom gr. dtSfiia, wie der diphthong im itcd. zeigt. Entsprechend
übersetzt der Gothe Ieqov mit gud-hns (gotteshaus). Im sard. (logud.)
domo erhielt sich das lat. wort in seiner alten bedeutung.
H.a. ELSA— FAGNO. 369
E.
Elsa und elso schwertgriff; vom ahd. helza dass. Auch die dUfr.
spräche besitzt das wart und zwar in älterer form (ohne lautverschiebung)
und nur als masctdin: helt (h asp.)f heax (nomin.), = cdtn. hialt, aejs.
hilt (n.)y davon ein vb. enheldir mit einem schwertgriff versehen Roh
Endica aufkauf von waaren, nachMuratori aber waarenniederlage;
von iv&jjxrj ladung (nach demselben).
Epa bauch, von hepar (MSnage u. a.).
Erto steil, partic. von ergere = erigere, sahst, erta anhohe, all'erta
auf der hut, buchstäbl. auf der anhöhe, wo man sich umschaut, daher adj.
sp. alerto, fr. alerte wachsam, munter, churw. schlechtweg erti.
Eßito waarenabsats, vertrieb; von exitas ausgang.
Ette (m.) Kleinigkeit, pündchen. Üblicher in den mundarten, com.
eta, florent. etti, romagn. etta und ett, sard. ette, *. b. com. m'importa
on eta = m'importa an frullo, neap. chillete = quelle cose; nach P.
Monti vom altlat. hetta bei Festus: res minimi pretii . . cum dicimus
cnon hettae te facio\ Vgl. G. Galvani im Archiv, stör. itcd. XIV, 362.
Eziandfo partikd für lat. etiam. Es wird theils aus etiam diu,
theils aus etiam adeo, theils aus etiam deus gedeutet. Dia ist gegen den
sinn, ädeo gegen den accent und so bleibt deus übrig, welches bereits
Salviati aufgestellt hat und welches sich bestätigt durch das altsardische
etiam dea, s. bei Ddius p. 13. N vor d statt m ist natürlich, vgl. auf
einer inschrift decen dies, Corssen I, 266 2. ausg. Es war sonst üblich,
gewissen concessivpartikdn den namen gottes verstärkend beizufügen; so
entstand awegna dio che, macari dio che, im norden von Italien sogar
quamviß-deo Bonves., aügenues. quanvis-dö Archiv, stör. Hol. app. num.
18, p. 27. 36, so denn auch ezian dio che, ezian dio se, ezian dio. Ähn-
lich wird in der bair. mündart gott geb gebraucht: 'gott geh die seien
gut oder bös* (mögen sie gut oder böse sein), s. Schindler 11, 83.
F.
Facimola, facimolo hexerei. Der sinnreichen deutung Menage1 s
aus facere und mola (opferschrot zur Zauberei), gemäß VirgiVs verse
Sparge molam et fragiles incende bitumine lauros, steht zwar der accent
entgegen, der in den neuen composüis stets dem zweiten worte gebührt
(faci-möla wie faci-male), allein eher läßt sich accentverschiebung als de-
rivation aus facere annehmen. — Dürfte nicht auch an fascinam cet. ge-
dacht werden? fragt Wackernagel.
Fagno ein verschlagener, der sich einfältig stellt; mahnt an ahd.
feihan dolasus, subddlus (der feihano, feihno). Das fr. feint {von feindre)
wäre van seilen des begriffes annehmlich, aber der buchstabe widerstrebt.
24
370 IIa. FANELLO— FIAVO.
Fanello hätifling, piem. fanin, mail. fanett. Eine, wie man an-
nehmen darf, vollständigere form ist faganello, daher Mohns erJdärung
aus faginus, Etym. unters, p. 122, mehr vertrauen verdient als Menage1 s
aus falvus.
Fante knabe, knecht, Soldat zu fuß, sp. infante ff.; van infans mit
sehr erweiterter bedeutung. Der wegfatt der anfangssübe in ist acht
italienisch und kommt auch in folto, scipido, stromento vor, so daß ein-
fluß des ahd. fendo, mhd. vende (=nhd. fant) anzunehmen, welches wort
einige selbst erst dem üal. entnommen glauben, nicht gerechtfertigt er-
scheint. Daher auch fanteria fußvolk, fantoccio puppe, so wie das specieU
ital. fanciullo, fanciulla kind, flor. chw. fancella.
Fara lomb. Meines landgut. Bekannt ist aus Paulus Diaconus und
aus den gesetzen das longob. fara nachkommenschaft, famiHe, später in
italischen Urkunden im sinne von hof oder grundstück (ort der familie)
gebraucht, daher das ital. wort. Über die herkunfl des deutschen höre
man Grimm II, 52. — [Burg, fara heißt eigentlich theilung in beziehung
auf den gesetzlichen theü an dem besitze des Romanen, daher vielleicht
Meines landgut? Doch ist die longobardische bedeutung nur geschlecht.
So Wackernagel in der abh. Sprache der Burgunden 26.]
Farnia, fargna breitblätterige eiche, quercus robur nach Nemnich,
von farnuß bei Vitruv, dem man die bed. esche beilegt, weil man eine zu-
sammenziehung aus fraxinus darin vermuthet. Das ital. wort stammt
zunächst aus dem adj. farnens, bei Apicius farnei fongi, dl. faginei.
Fazzuolo, fazzoletto, auch ältsp. fazoleto Schnupftuch. Das gleich-
bed. neusp. fazaleja konnte wohl aus facies (sp. fez) fließen, daher auch
mlat. feciale facitergula ; it. fazzuolo aber passt schon in betracht seines
unschicklichen sufßxes keinesfalls zu faccia (eben so wenig zu fascia) und
mag eher in unserm fetzen seine quelle haben, auch it. pezzuola heißt
fetzen und Schnupftuch. Das piem. fassolet stimmt eben so wenig zu
facia in dieser mundart (facies), wohl zu fassa (fascia), dessen bedeutung
aber schon weiter abliegt; das sie. fazzulettu trennt sich gleichfalls von
facci (facies).
F6dera zwiUich; vom ahd. fedara feder, mhd. federe pelz, flaumiger
federartiger stoff, mlat. penna.
Ferzare, sferzare peitschen, ferza, stürz* peitsche. Aus ferire kann
kein feritiare ferzare werden, da die 4. conj. keine participialverba her-
gibt. Sehr wahrscheinlich ist das gleichbed. ahd. fillan darin enthalten,
wovon sich ein intensiv fillazan = nhd. filzen (strafen) annehmen läßt,
daher it. felzare ferzare (vgl. scalmo scarmo). Das vorhandene ahd.
fillata peitsche konnte dagegen nicht in ferza übertreten.
Fiappo, nur mundartlich; mail. piem. berg. ven. fiap, cremon. flapp
welk; aus dem deutschen, worin dieser stamm etwas schlaffes oder lappen-
artiges bedeutet, z. b. Aap klappe, fiep läppen, ndd. flabbe herabhangendes
maul. Dahin auch romagn. fiapa flecken, picard. flöpe läppen.
Fiavo honigwabe, dsgl. fiale, fiare, für fiavale, fiavare. Es kamt
IIa. FIEDERE-FOGA. 371
mit eingeschobenem i = 1 von favus kommen, doch mag einmrkung des
glcichbed. ahd. flado dabei angenommen werden, ja es könnte unmittelbar
daraus entstanden sein wie it. biava aus biada.
Fiedere verwunden, poet. form für ferire, sp. herir ff., r in d
verwandelt.
Ffgnolo hitzblatter; vom deutschen finne Meine spitzige blattet im
gesteht.
Filza schnür angereihter Sachen, vb. infilzare anreihen; von filum,
woraus man filitium ableitete (Ferrari).
Finco venez. name eines vogels, fringiUa; vom ahd. fincho, nhd.
finke. Veneroni verzeichnet auch eine form frinco.
Fino, infino partikel für lat. tenus; von in fiaem zum ziel, fine
am ziel, vgl. tenus significat finem Festus. Auch der prov. mundart ist
diese partikel bekannt : fis GAlb. HO, npr. cot. fins, bearn. (veraltet) fens,
so auch sard. finza, finzas. Schon in einer Urkunde v. j. 849 liest man
fine via publica, de alia parte fine flumen u. s. f, s. Muratori s. v. sino,
und diese form fine kommt auch im altücd. vor.
Fiöcina harpune; nach Menage von fuscina dreisack; es wäre also
entstellt aus föscina mit eingeschobenem i = 1 und Verwandlung des sei
in ci, ersteres z. b. in fiaecola, letzteres in cacio für cascio vorliegend.
Das sard. fruscina, das maxi, frosna zeigen dagegen ein eingeschobenes r.
Fioco wird von der Orusca und alten ital. Wörterbüchern mit roco,
heiser, erklärt, wiewohl Dante es überall in der bed. schwach gebraucht,
nur eine stelle läßt die erstere zu (s. Blanc Vocab. Dant.). Es ist kaum
zu bezweifeln, daß beide begriffe sich nah berühren; daß z. b. heiser in
schwach übergehn konnte, beweist das mittelhochdeutscJie, s. Wb. I, 656.
Aus den voUcsspraclien läßt sich über das ital. wort keine belehrung
schöpfen, da es ihnen nicht bekannt scheint. Indessen ist das subst.
fiochezza ein medicinischer ausdruck für heiserkeit, nicht für schwäche der
stimme, man sehe Alberti. Muß man in heiser den grundbegriff erkennen,
so kommt das wort wahrscheinlich von roco, lat raueus mit prothetischem
f (vgl. rombo, frombo) undwandelung des fr in fl, fi; ist die grundbedeu-
tung schwach oder matt, so kann man mit Mahn p. 63 nur an flaecus,
umgestellt flaue, denken; beides sehr seltne Vorgänge. Bochegude verzeich-
net ein pr. frauc faible, lache, welches buchstäblich mehr mit raueus, be-
grifflich mehr mit flaecus gemein hat.
Fischiare pfeifen, von fistula. Fistula vulgo fiscla dieitur Gl.
longob. s. Ducange. Fistulor 'sibüo3 Gl. Isid.
F i8 teil a körbchen; von fiscella, erweitert in fisc-ett-ella zsgz. fistella.
Fitta mürbes unter den fußen sinkendes er dreich; etwa vom ahd.
fiubti erdfeuchte? vgl. chw. fiecht von feucht.
Foga hitze, heftigkeit, hieraus fr. fougue, adj. fougueux, vgl. npr.
fogo gedrängt; vb. it. fogare schnell fliegen. Man denkt an fuga flucht,
daher eäfertigkeit, eifer, hitze, und auch sp. fuga heißt (außer flucht)
lebendigkcit z. b. des gespräches. Mehr noch wird diese ansieht durch die
372 ILa. FOGGIA-FRASCA.
romagn. cremon. form fuga unterstützt. Naher dem begriffe liegt aller-
dings focus feuer, aber dann war faoca, wenigstens fuoga zu erwarten.
Merkwürdig ist das romagn. viuga /m> it. foga.
Foggia gestdlt, art9 foggiare bilden, gestalten; vom lat. fovea #rt*Äe,
demnächst wohl form, in die etwas gegossen wird, gepräge, vgl. it. cavo
höhlung, form, gr. tvkoq eindrucke gestdlt. Die übliche herleitung aus
fr. forge ist um so weniger zulässig, als der Venezianer foia spricht. Es
gibt freilich ein piem. forgia, dem aber nur die bed. schmiede beigelegt
wird; auch das sard. forgiai entspricht in seinem gebrauche nur dem fr.
forger, und ein subst. forgia fehlt hier. Die port. spräche hat fojo, die
span. hoyo, hoya für fovea.
Fogna (Abzugsgraben, fognare das wasser ableiten; von siphon, ver-
muthet Menage, gleichsam siphonia.
Foja brunst, hitze; von füria. Auch chw. foia eifer.
Fol ata etwas, das in menge kommt und schnell vorübergeht, folata
<T uccelli schwärm vögel, di venti windstoß; vom gemeinroman. volata,
volada, vol6e flug, f für v durch einmischung des it. foia, folla gedrängt,
fr. foule.
Folto gedrängt; von folla nach Muratori. Besser von infdltos voll-
gestopft, daher sie. 'nfultu = folto.
Forse, auch forsi, partikel, dem italienischen und seinen mundarten
verblieben ; von forsan (fors-an), worin es der endung an ergieng wie der
endung am im it. imque. Dagegen vermuthet Pott, Ztsehr. f. vergl.
sprachf. XIII, 233, in forse, unter berufung auf das häufig vorkommende
mlat. forsitan-s, eine Zusammensetzung mit dmbitativem si (wenn). Kaum
möchte es dieser erldärung bedürfen. Wenn der Piemontese z. b. forssi
schreibt, so liegt in seinem ss nur eine ihm eigne Verdoppelung des 8 nach
r. Auch müßte in einer neuen romanischen Zusammensetzung fors-si der
accent doch wohl auf der zweiten silbe liegen.
Forziere Jcoffer, altfr. forcier, latinisiert forsarins (statt fortiarius);
eigentl. starker koffer, um werthvolle gegenstände darin aufzubewahren,
neufr. coffire-fort, von forza, force, s. Liebrecht bei Oachet 412h. Nach
Ferrari vom gr. q>OQxiov last, ladung.
Fra präposition; abgekürzt aus infra, vgl. tra.
Fr&cido, umgestellt fradicio, auch wal. fraget weich, morsch, faul;
von fraeidus, nur bei Cato R. R. einmal vorkommend, im itei. aber so-
wohl durch die Umstellung wie durch mehrere ableitungen als ein völis-
übliches wort sich ausweisend.
Frana abstur z, erdfall, franare einstürzen, herabrotten; wohl von
fragmina zsgz. framna, wie baleno von ßelejuvov.
Frasca belaubter ast, grüner zweig, daher nach der ansieht der
akademie das sp. frasca, welches dem Portugiesen und Catalanen fehlt,
churw. sfraskar äste abhauen; in italischen Urkunden de silris, frascariis
et spinetis HPMon. I, n. 85; terra, de qua videbatur frascario das.
n. 98. Der Spanier nennt eine gerte verd-asca: sollte nun der Italiener
u.a. FRATTA— FUJO. 373
am dem vb. virere, das ihm jedoch früh abhanden gekommen, ein sbst.
viraaca vrasca frasca abgeleitet haben wie aus fuggire das adj. fuggiasco?
Man denkt auch an fresco: darf man aber der spräche die unnütze ent-
stettung eines so Maren Stammes zutrauen? Flur, frasche bedeutet auch
possen, daher die franz. redensart faire des frasques.
Fratta zäun; von gr. qtQavteiv umzäunen, ngr. q>Qcmvq = q>Qayiia,
wie Menage richtig bemerkt.
Frignare (in lomb. mundarten) weinen, wimmern, auch denmund
verziehen, höhnen, com. frigna weinerliches weib, cremon. krittelig im essen.
Vielleicht für flignare vom dtschen flennen, schwed. flina, dän. fline, engl.
frine (mdartl. s. HdUiweU), vgl. auch piem. flina zorn, wuth. Aus dem
dtschen erklärt sich auch ganz einfach das lomb. frigna in der bed.
felsenöffhung d. i. grinsendes maul: ebenso entstand das altfr. f lan Schieß-
scharte (Öffnung in der mauer) aus dem mit flennen wurzelverwandten
flans verzerrtes maul. An frignare schließt sich it. infrigno, infrignato
die stirne gerunzelt, verdrießlich, dauph. se deifrinä verdrießlich sein, vgl.
fr. se refrogner, se renfrogner die stirne runzeln, dessen herkunft aus
firons sich nicht klar darlegen läßt, das aber, von frignare hergeleitet, für
refroigner (oi aus i) stehen muß, altfr. refroigner des narines DMce. p.288, 9.
Frisone, frosone, frusone ein vogel, kembeißer; wird aus frendere
fresus hergeleitet, s. P. Monti v. frisonn.
Frollo mürbe (vom fleisch). Man läßt es hervor gehn aus friculare,
es bietet sich aber eine bessere erklärung. Garo fluida lat. sagt so viel
als carne frolla; aus dem dimin. fluidulus konnte flollo, euphonisch frollo
werden, wie aus stridulus strillo. Auch mit der bed. kraftlos paßt das
ital. zum lat. worte.
Frombo gesumse, = rombo, s. d.
Frnllare sausen, rauschen; unsicherer herkunft, vielleicht von fluc-
toare wallen, tosen, dimin. flnctnlare flallare frnllare, wie bei frollo. Wal.
flnturit wäre alsdann dasselbe wort.
Frusco dürres reisig an bäumen, frascolo Splitter; woher?
Frnsto bissen, von frastam dass. Fmstare peitschen (schon in
der L. Long., al. frustrare), eigentlich, wie pr. frustar, zerfetzen, auch ab-
nutzen, abtragen, daher sbst. frnsta peitsche; von frustare zer stücken.
Fucina schmiede; von focus herd, mit Muratori. Ebenso ergieng
es, was o betrifft, dem stamme foc in fucile.
Fujo nur bei Dante und zwar, nach der Crusca, in drei verschie-
denen bedeutungen, diebisch, nichtswürdig und dunkel (d. h. verborgen)
vorkommend. Die erste bedeutung ist leidlich klar: non ö ladron n& io
anima fai* Inf. 12, 90; dieses fuio ist eine nebenform des ital. adj. furo
= lat. far (farus furius fujus), wie crojo (s. oben) nd>en crudo besteht.
Hieran knüpft sich die zweite bedeutung, man sehe für in den lat. wbb.
Ist die dritte richtig (Blanc vermuthet gleichfalls far darin), so muß sie
eine andre quelle haben, und hier paßt nur furvus farvjus mit ungewöhn-
lichem ausfatt des v vor j furjus, mit üblichem des r.
374 IIa. FULVIDO— GARA.
Fulvido glänzend; aus fulgidus mit einmischung von falvus, nicht
absolut aus letzterem, da vornan, ableitungen mit idus kaum, aus adjectwen
gar nicht, vorkommen.
Fummosterno ein kraut, erdrauch; entstellt aus famas terrae, fr.
fameterre.
Fusaggine spmddbaum; von fasus.
Fuscello spänchen; dimin. von fustis, zsgz. aus fasticello.
G.
Gaburo trient. starker mann, auch schdm, cremon. gabeurr roher
mensch (eu d. h. ö ist hier oft = it. u); vom ahd. gabflro bauer, chw.
pur, auch in fremden sprachen, serb. paör, ungr. por.
Gagliuolo schote der höhnen oder erbsen, com. gajum nußschaie.
Von callum dicke haut? alsdann müßte eine wenig übliche erweichung des
11 in gli angenommen werden, galluola gagliuola. Oder etwa von dem
Isidorischen galgulus Kbaca, tzvqtjv* beere, kern? dieselbe begriff sentxoick-
lung zeigt auch sp. baya, it. baccello schote, von bacca beere. Man
emendiert freilich galgulus in galbulus cypressennuß. Von jenem leitete
schon Grandgagnage I, 252 das wallon. gaille, geie nuß, nußkern.
Gagnolare winseln; von gannire (Menage).
Gallare oben auf schwimmen, den muth erheben, sich freuen, wofür
auch essere a galla gesagt wird. Ferraris erJdärung aus lat. galla gaU-
apfd, weil er im wasser nicht untergehe, ist nicht der rede werth, wenn
auch der Sicilianer beide Wörter, gadda gailapfel, und galla in der eben
bemerkten redensart, nicht formell unterschiede. Aber woher das wort?
Nahm man es vom stolzierenden üppigen hahn? Die span. redensart
tener mucho gallo (viel stolz haben) wäre dieser herleitung günstig. Das
lat. vb. gallare liegt mit seiner bedeutung zu weit ab, das ahd. kallön
frohlocken, übermüthig sein, dem sich gallöria jubel genau anzuschließen
scheint, muß als fremdes wort zurückstehn. Stammt also gallare von
galluß, so hat sich die sinnliche bedeutung des obenschwimmens erst aus
der abstracten des Üppigseins entfaltet.
Gangamu sicü. fischernetz; vom gleichbed. gr. yayyajuov, wie
Pasqualino anmerkt.
G&nghero thürangel, sard. cancaru, maä. canchen, pr. ganguil;
bei Hesychius xaxyako^ s. Menage: woher aber dies? Dahin ferner U.
sgangherare aus den angeln heben, pg. escancarar angelweit öffnen.
Gara Wettstreit; nach Muratori vom arab. vb. ghara beneiden, nach-
eifern (garä anreizen Gol. p. 1704) ; sehr verdächtig bei einem worte
dieser bedeutung, das im arab. nicht einmal als subst. vorhanden ist. Weit
natürlicher würde man an die vielgebrauchte altfr. interj. gare ! aufgemerkt!
aufgepaßt! denken dürfen, die noch im piem. vorhanden ist. Venerom
kennt auch ein vb. garare wetteifern = fr. garer aufmerken.
IIa. GARBO-GHIERA. 375
Garbo venez. trient., com. garb, gherb, cimbr. gerbe (it. garbetto
Venerom) bitter; vom ahd. harw, nhd. herb (erst seit dem 12. jh. Graff).
Gargo verschlagen, tückisch, piem. gargh träge; sicher vom ahd.
karg listig, vgl. altn. kargr hartnäckig, träge.
Garzo (garz) lomb.herz des kofdes, it. garzuolo dass., maü. garzoeu
(jpr.tgarzö) knospe des weinstocks, ven. garzölo flachsbüschel des rockens}
hmb. garzon hasenkohl, gänsedistel. Das etymon von garzo findet Mu-
ratari in Carduus, und in der that steht dem ital. vb. cardare ein mund-
artl. garzar, dem ven. garzolo das parm. carzoeul, dem lomb. garzon das
sie. cardedda (hasenkohl) zur seile, so daß also c und g, d und z zu-
sammentreffen. Die formen mit z beziehen sich ober auf ableitungen wie
cardeus, cardeare (ebenso z aus de in orzo, lat. hordeum), indem man
mit bekannter Unterdrückung des derivativen u cardus (it. cardo) aus
Carduus machte. Das herz des kohles vergleicht sich mit seinen überein-
ander liegenden blättern dem distetkopf, auch das flachsbündel ließ sich
mit dessen wolligem büschel vergleichen; das fr. carde bedeutet sowohl
Carduus wie garz. S. garzoue I.
Gasto (nur vorhanden im comask. gast) geliebter, dsgl. gatte; vom
dtschen gast befreundeter mann.
Gatt er o und gattice (m.) ein bäum, espe.
Gavigna, gavina hedsdrüse, mandel, von den sprachen sehr ver-
schieden benannt, z. b. gr. anoyyog (schwamm vom anschwellen), lat. ton-
silla (woher?), glandula, wal. entsprechend ghfndure, fr. glande, sp. agalla
(gaüapfd), sard. ganga, gangula (vgl. gr. yayyhov, yayyaUov geschwulst).
Des ital. wortes Ursprung ist unklar; sicher ist, daß das vb. aggavignare
anpacken, beim halse packen, daher stammt, vgl. sard. leare a gangas
prender per la gola, also nicht, wie Muratori wohnt, vom deutschen gafangan.
Gel so maulbeerbaum; abgekürzt aus morogelso, dies, wie man an-
nimmt, van morus celsa hoher maulbeerbaum im gegenseitige zum niedern,
der brambeerstaude, eine deutung, die durch das sie. ceusu oder das
genues. sarsa buchstäblich = lat. celsus, celsa (genues. $ — lat. c, r = 1)
gestützt wird.
Genfa gezückte, sie. jinia; leitet Pasqualino vom gr. yevea erzeugung.
Auch altsp. ginea geschlecht Canc. de B. muß hieher gehören.
Gheppio ein raubvogel, wannenweihe; vom gr. yvxp yvnog geier,
mit Menage.
Ghezzo schwärzlich; nach Bedi von aegyptius in beziehung auf
die färbe des volkes, wozu Menage aus einem glossar anmerkt aeguptium
qrnov (schwärzlich). Die regelrechte bildung wäre gozzo oder gezzo, doch
ist auch in gheppio ghe = gy.
Ghiaja kies; von glarea, altsp. glera.
Ghierap/iü; vom ahd. ger geschoß. Merkwürdig ist das piem.
parm. gajda, cremon. mail. gheda, sard. gaja eingesetztes keilförmiges
stück am kleide, das mit dem longob. gaida speer Haupts Ztschr. 1, 564, auch
in den Glass. PUh, zusammentrifft, vgl. wegen der begriffe gherone I.
376 H.a. GHIOVA-GOZZO.
Ghiova erdschoUe; aus ghieva, gleba vermöge der kraß, welche das
it. v besitzt, ein unmittelbar vorhergehendes e (oder i) in o zu verwandeln
d. h. sich zu assimilieren, was aber sonst nur in unbetonten sähen ge-
schieht, Rom. gramm. I, 175.
Gire gehen, ein im präsens defectives verbum; aus de-ire entstan-
den? so lat. de-ambulare neben ambnlare. Oder sollte es, wie gina aus
agina, abgekürzt sein aus agire = lat. agere in bewegung setzen, agi in
bewegung sein, gehn, gire also für girsi? Man konnte aber de-ire sagen,
um das einfache ire zu verstärken und der spräche in vollständigerer con-
jugation zu erhalten. Gire ist ein dickterwort, aber doch den mundarten
nicht ganz unbekannt : gir im VelÜin s. Bumdeüi 68.
Giumella zwei handvoll d. h. so viel die beiden hohlen hände,
Zwillingsschwestern, gemellae, aneinander gefügt in sich fassen, wie Menage
befriedigend erklärt. Auch das fr. jumeau hat e mit u vertauscht.
Glaba ableger, senker; von clava pfropf reis, vgl. wegen des b die
lat. form clabula.
Gnaffe interj. meiner treu! aus mia fö.
Gnoeeo mehlkloß, chw. gnioc, bair. nock dass.
Goccia tropfen, mdartl. (cremon.) masc. gozz, gouzz. Unmittelbar
von gutta würde sich schwer rechtfertigen lassen; vielleicht vom it. vb.
gocciare, zsgz. aus dem unvorhandnen gotteggiare, das dem vorhandnen
pr. goteiar, pg. gotejar ganz analog wäre.
Gogna pranger, halseisen; vom gr. a.y%6vrj strick zum hängen, be-
hauptet Manage. Ist es nicht vielmehr abgekürzt aus vergogna schände,
da auch das sp. vergttenza jener bedeutung fähig ist und gogna auch
Verlegenheit, Verwirrung heißt?
Gonda, göndola, daher sp. göndola, fr. gondole eine art nachen,
gondel. Venedig nahm dies wort aus dem munde der Griechen, denen
TLovdv ein trinkgefäß bedeutet wie noch das fr. gondole. Manage beruß
sich auf eine alte glosse gondus 'scyphus, patera, und Huet dtiert aus
einem scholiasten des Juvenal (sat. 5) gondeia *genus navigix, es heißt
aber 'genus navis, quae gandeia dicitur*.
Gonzo roh, tölpelhaft. Vom gleichbed. sp. ganso? Oder vom venez.
gozzo, das dem it. ghiozzo entspricht?
Gora (mit offenem o) mühlgraben, so in einer Urkunde vom j. 716
Brun. p. 454. Gewiß nicht für gola Schlund, moden. gora (mit geschlos-
senem o), wie auch Muratori Ant. itd. II, 1096 erinnert; man wird
darin das mhd. wuore (f.), Schweiz, wuor dämm zum ableiten des wassers,
chw. vuor, anerkennen müssen, so daß es für guora steht. Über das
deutsche wort s. Frisch II, 469", Stalder II, 468, Schmäler IV, 137,
Ziemann 669, Müller im Mhd. wb. III, 825. Die venez. form ist gorna.
Gozzo kröpf der vögd, lomb. goss. Zwei etymologien sind zu er-
wägen. Muratori ahnet darin eine abkürzung aus einem von gnrges ab-
geleiteten werte gorg-ozzo, welches dicke gurgel heißen kennte, und solche
abkürzungen sind üblich (vgl. cenno L), auch ist ein fem. gorgozza vor-
H.a. GRANCIPORRO- GRILLO. 377
banden, corgozzo hat Veneroni. Andre verweisen auf das dtsche gösse
rinne, canal, daher Schlund, worin ss früh aus z entstand. Die erstere
erklärung ist für die bedeutung befriedigender und halt sich dabei an die
eignen mittel der romanischen sprachen, was immer empfehlend ist. Zu-
sammensetzungen sind sorgozzone, sergozzone schlag gegen die kehle,
sab guttur pagnas inflictas (Ferrari); gozzoviglia schwelgerei, nächt-
liches gelage = veglia della gola, veglia golosa, worin gozzo die bed.
von gola ausdrückt (Muratori). Trangugiare gierig verschlingen mag
aus trangorgiare entstellt sein.
Granciporro seekrebs; von Cancer und pagurus, mit Menage.
Grascia lebensmittel, auch obrigkeit über die lebensmittel, grascino
marktmeister; nach Menage vom gr. dyoQaanxog zum einkauf gehörig
(besser von dyoQaaia einkauf, gespr. agor&sia). In der bed. fett, schmale,
mag es das fr. graisse sein.
Grasta blumentopf; ursprüngl. sicüianiseh, vom gr. yaajqa bau-
chichtes gefäß, wie Pasquaiino richtig anmerkt.
Greggio, grezzo unbearbeitet, roh; woher?
Grembo schooß; offenbar von gremium. Consonattiiertes i in
gremjo kann kein b erzeugen, dies muß also eingeschoben sein: man sagte
erst grembio, woher noch grembiata {nicht grembata) und endlich grembo ;
eine solche einschiebung des b unter gleichen umständen liegt auch in
combiato aus commeatns vor, im maä. scimbia für scimmia, vendembia
für vendemmia u. dgl.
Gremire, ghermire mit den klauen packen, gewaltsam wegraffen;
vom ahd. krimman mit Schnabel oder krallen hauen. Normann. grimer
kratzen.
Greppo, chw. grip, cimbr. greppe felsstück; vielleicht vom ahd.
kl£p ein in das meer vorragender fels, venez. grebano mit labialmedia
statt tenuis, der ahd. form kleb entsprechend. Comask. hat man für die-
selbe sache grip und crap, letzteres = chw. crap, carp kies; aber auch
cip, das aus clip (dtsch klippe) entstanden sein kann.
Greto steiniger sand des ufers; wohl vom ahd. grioz, altn. griot
grieß. Vgl. gros II. c.
Grätola Stäbchen des käfigs; nach Menage von crates flechtwerk,
zunächst wohl von dem daraus gebildeten ahd. crettili körbchen. Gretola
auch splitter, daher sgretolare zerschmettern.
Gricciare ein finsteres gesteht machen, dsgl. nach etwas gelüsten,
comask. sgrizä knirschen; fast unzweifelhaft derselben herkunft wie fr.
grincer (II. c) d. h. vom ahd. grimizön knirschen, verlangen. Sbst.
griccio, gricciolo fieberschauer, eigentl. geknirsche.
Grillo wunderlicher einfall; ist kein anderes wort als der name des
inseetes, dessen Sprünge den anlaß zu dem bildlichen ausdrucke gaben
(vgl. Capriccio) ; ebenso einigt chw. grilla beide bedeutungen. Die redens-
art il grillo mi salta (ich werde wunderlich) ist beweisend. Auch das
vb. grillare anfangen zu sieden (singen, zirpen wie die grille) gehört hieher.
378 IIa. GBIMO— GUITTO.
Grimo runzlig; vom ahd. grim grimmig, zornig (mit gerunzelter
stirne), das im comask. und churw. seine alte bedeutung bewahrt hat.
Entsprechend stammt sbst. grinza runzd, grinzo runzlig, aggrinzare
runzeln vom ahd. grimmisön grimmig sein.
Grinta lomb. finsteres unfreundliches gesicht, dsgl. hochmuth, ven.
trient. grinta grimm, zorn; erklärt sich leicht aus ahd. grimmida ftyrannis\
Gromma Weinstein; vgl. Schweiz, gründete bodensatz, schwed.
grums und grummel mit ders. bed. Galvani, Lezion. accadem. 1, 88 er-
blickt darin das cdt. crammen grind, das schon weiter abliegt.
Grongo, gongro meeraal; von congrus, yoyyQog, fr. congre u.s.w.
Grufolare mit dem rüssd wühlen, mit aufgeworfenem rüssd grun-
zen; mtUhmaßlich vom it. grifo rüssd, aber, wegen des radicalen n für i,
mit einmischung von grngnire grunzen.
Gruzzo, grüzzolo kaufe zusammengetragener dinge, wal. groetzi;
wohl deutscher herhmft, vgl. Schweiz, grtttz gemisch von allerhand gesäme,
mhd. grüz u. dgl.
G n a 1 c a r e (in einigen wbb., romagn. gvalche) durch stampfen be-
arbeiten; vom ahd. walchan, nhd. walken. Abgd. gnalchiera Walkmühle.
Auch Frankreich ist das wort nicht unbekannt: cdtfr. gancher, dauph.
gouchier = gnalcare, altfr. ganchoir = gnalchiera.
Gnalcire zerknittern, zerknetschen; vom ahd. walzjan volvere, vctti-
care, nhd. wälzen (unvorsichtig hin- und Jwrwenden und drehen).
Gnaldana streif zug von r eitern auf feindliches gebiet Dante Inf.
22, 5, trupp Soldaten; nach Schindler IV, 66 vom mhd. woldan kriegs-
sturm u. dgl. (einen woldan rtten). Über des deutschen Wortes Ursprung
s. Schmeller l. c. und J. Grimm in Haupts Ztschr. V, 498, vgl. auch
Ducange s. v. gnaldana.
Guana altit. (zweisüb.) sirene, hexe Truch. I, 61.
Gnancia wange; vom ahd. wanga, wanka, aber eigentlich würde
nur eine form wankja genügen. Merkwürdig ist das glewhbed. neap.
gnoffola, vnoffnla: entstand es aus lat. offnla mit umgekehrter begriff s-
entwicklung wie bei bncca 1) backen 2) bissen? oder ist es gleichfalls
germanischer herkunft, ahd. hiufilft? Der anlaut g = h {s. unten gufo)
spricht für letzteres, die vocale scheinen mehr für ersteres zu sprechen.
Gndazzo, nur mdartl. (cremon. com. gudazz, berg. ghidäs) tauf-
zeuge, pathe, fem. gndazza; vom ahd. gotti Voc. opt, fem. gota, nhd.
gothe, cimbr. gote. . Merkwürdig, weil es buchstäblich an goth. gudja
priester erinnert^ vgl. Grimms Myth. p. 86, merkwürdig auch schon, weil
ein wort dieser bedeutung aus dem deutschen bezogen ward.
Gueia mdartl. (bergam.) große falkenart; sichtbarlich das ahd. weho,
mhd. wehe, nhd. weihe.
Gnfo ohreule; vom gleichbed. ahd. hfif, hfivo, wie schon Muratori
meinte, mit vertauschung des gutturalen anlautes, wie dies in garbo (s.
oben), vidleicht auch im neap. gnoffola (s. gnancia) der fall ist.
Gnitto schmutzig, filzig; von unbekannter herhmft.
H.a. GÜIZZAEE-IZZA. 379
Gaizzare, sguizzare, ven. sgoinzare, maxi, sguinzi, fortschlüpfen,
hin und herfahren; vom mdartl. dtschen witsen, witschen, vgl. die ndd.
redensart wits was he weg Urem. Wb., Frisch v. wits II, 463.
i.
Incettare waaren aufkaufen, sbst. incetta; van inceptare anfangen,
mit Übertragung der in accattare {fr. acheter) enthaltenen bed. kaufen
auf das itai. wort, wogegen das pg. enceitar die lat. bedeutung festhielt,
s. encentar JT. b.
m
Increscere, rincrescere unpers. verbum, verdrießen, chw. ancre-
scher ; nach Ferrari und Muratori von ingravescere, wozu allerdings die
bedeutung berechtigt, nach F. Pasqualino noch besser von aegrescere.
Aber warum scU es nicht das lat. increscere sein, da es doch mit dem
einfachen it. crescere gleiche flexion hat? m'incresce, mi rincresce es
wächst mir auf, wird mir zu viel, wie mhd. mich bevilt. Auch der altfr.
spräche war dies verbum bekannt: mult li encroist Brt. II, 215. Darum
kommt es auch im frans, mlatein vor: nomina concubinarum . . increvit
huic chronicae inseri Fredegar, s. Ducange; ejus dissoluta conversatio
omnibus increverat Act. SS. Oct. t. I, 468; reincrescere findet sich Cap.
Cor. Ckdv. tu. 46.
Indarno, adverb, frustra; ausdemslav. darmo, daromdono, gratis,
s. Grimm III, 107. 108, vgl. wal. in dare zum geschenk, dUit. a dono
PPS. II, 79. Aber auch die altfr. spräche hat etwas ähnliches, das denn
aus dem ited. herrühren muß : en dar oder en dart SSag. p. 68, TFr.
p. 61. 96, Ben. glossar. Auffallen muß freilich ein slav. adverbium in
einer spräche, die sonst nicht aus dieser quelle schöpfte.
Innesto und nesto pfropfreis, innestare, nestare pfropfen; von
insitus eingefügt, eingepfropft, daher it. insetare, und für ins'tare, zur
meidung der härte, inestare, wie Castelvetro einleuchtend auseinandersetzt.
Intridere einreiben; von interere, gebildet wie conquidere aus
conquirere.
Intuzzare, rintuzzare 1) die spitze umschlagen, stumpf machen,
2) dämpfen, zähmen. Herkunft aus intundere intusus ist trotz der über'
einstimmenden bedeutungen eine grammatische Unmöglichkeit, nur intusare,
intugiare konnte daraus entstehen. Was hindert aber, in tnzzare ein mit
i abgeleitetes partidpialverbum tut-iare von tueri tutus anzunehmen, wie
es denn in seiner zweiten, vielleicht grade der ursprünglichen bedeutung,
mä at-tatare genau zusammentrifft? Doch dürfte auch unser deutsches
stutzen (abstumpfen) in erwägung kommen, s. unten tozzo.
Ischio, eschio hageiche; von aesculus.
Izza zorn, unwille; fügt sich zum ahd. hiza, nhd. hitze. Aber
ad-izzare, a-izzare, in-izzare, com. ezza, altfr. hesser, anreizen, beson-
ders die hunde, paßt zum nhd. hetzen, ndd. hitsen, wie auch ven. uzzare,
380 H.a. LACCA-LESSARE.
trient. azzar, veron. uzza eum mundartl. hntzen. S. Diefenbach, Goth.
wb. II, 511.
L.
Lacca tiefer grund (bei Dante); nach Muratori vom ahd. lahhä
Kleiner sumpf \ lache, daher tiefe, vgl. lacuna ab grund und lache. Nach
ihm hat auch lacca in der bed. kniekehle als etwas vertieftes denselben
Ursprung; eine passendere bedeutung aber bietet für das letztere das gr.
laxxog grübe, loch, vgl. hxxtj das graben.
Lamicare rieseln, fein regnen; wohl für lambicare ein wenig be-
lecken oder bespühlen, vgl. sp. lainer (von lambere) ein wenig waschen.
Dazu stimmt das bask. lambroa Sprühregen, woneben kein sp. lambro
stattfindet.
Lampione, lampone himbeere, piem. Ampola, com. ampöi, chw.
ompchia; ist das schweiß, ombeer, in andern mundarten hombeere, him-
pelbeere.
Lasca ein fisch, barbe; entstellt aus Xevyuaxog Weißfisch (MSnage).
Lava, daher fr. lave, eine geschmolzene materie, die aus Vulkanen
strömt; = neap. lava regehbach, der die Straßen ifberfluthet, von lavare.
Lavagna schiefer; vom dtschen leie, cdts. leia SchmeUers Glossar,
sax., ndl. lei (kymr. llech, gad. leac) mit gl. bed.; lavagna steht also
für la-agna, dtsch. ei = rom. a.
Laveggio kohlentopf, pfanne; gleichsam lebetium von lebes hand-
becken (Ferrari u. a.).
Lazzo herb; nach Castdvetro von acidns (wie sozzo von sucidus)
mit agglutiniertem artikel, was sonst bei adjectiven schwerlich vorkommt,
und doch ist dies leichter anzunehmen als etwa Umstellung von acidulus
in lacidnus, da hier kein anlautender consonant das 1 an sich ziehen
konnte. Merkwürdiger weise besitzt der Baske für denselben begriff das
den angrenzenden roman. mundarten ganz unbekannte latza, lachä, s.
darüber Astarloa, Apol. p. 74.
Leggiadro gewandt, zierlich; für leggiardo von levis, gleichsam
leviardus; ebenso bugiadro neben bugiardo, oder lingnadro (Veneroni)
neben lingnardo.
Leggio pult, mlat. legivum; von legere, wie gr. loyelov von Xdyeiv.
Lercio schmutzig, gualercio, gualerchio 1) schmutzig , 2) schie-
lend. Im sard. bedeutet lerzu schief, verdreht und wird von Spano für
das it. lercio gehalten. Vermöge dieser bedeutung gesellt sich das wort
zum mhd. lerz link, denn link ist verdreht, und dazu paßt auch die
zweite bed. von gua-lercio (= guata-lercio?); für gualerchio konnte man
sogar die mhd. form lirc in anscMag bringen. Aber wie erklärt sich die
bed. schmutzig?
Lessare kochen, sieden; mlat. lixare laugen, von lix lauge. Zsgs.
bislessare wallen.
IIa. LETAME-MACARL 381
Letame düng er > auch cdtsp.; van laetamen, dies von laetare frucht-
bar machen. Isidorus nennt es ein vulgäres wart: fimns . . . quod vulgo
laetamen vocatar, es war also wohl volksüblicher als das erste.
Lezia, lezio Ziererei; von delicia Kostbarkeit. Lezioso dttit. ==
delizioso Trucch. I, 69.
Lezzo gestank, lezzare stinken. Entstehung aus olere beweist die
form olezzare; lezzo muß also aus dem stamme ol in olor erwachsen
sein, vgl. dasselbe suffix in rezzo für orezzo von ora, aara.
Lira eine münze; von libra pfund, fr. livre, ebenso bere aus bibere.
Loja koth, schlämm; unmöglich von lutnm, wie MSnage meint, mög-
lich von alluvies (ausgetretenes w asser), vgl. denselben ausfall des v in
Bojano van Boviannm. Aber auffallend ist die buchstäbliche Übereinstim-
mung mit dem gleichbed. bask. loya, das der Spanier nicht kennt.
Lonza fleischiges ende von köpf und pfoten, das an dem fdle ge-
schlachteter thiere zurückbleibt; eher vom ahd. lantnssa fett, speck, als
vom fr. longe lendenstück.
Lonzo schlaff; vgl. nihd. lunz schläfrigkeit, bair. lunzet schläfrig ,
so wie mndl. lompsch träge, hd. ltmtsch Frisch I, 628b.
Loppa, lomb. lop (m.) hülse des kornes, spreu; nach Menage vom
gr. Ion 6g hülse, schale, woher auch das gleichbed. lolla für loppola.
Das von Ferrari erwähnte lova stimmt besser zum lat. loba. Diefenbach,
Goth. tob. II, 154 stellt loppa zu obd. lauf fruchthülse, s. dies wort bei
Weigand II, 17.
La eher in o, ven. lagarin zeisig; lat. ligurinus, nach der Crusca.
Luchina moden. falsche er Zählung; vom ahd. lngina lüge, mit
Muratari.
LugÄnega maü. ven. trient. eine ort wurste, piem. lnganighin;
lat. lucanica, weil sie ursprünglich aus Lucania kam. Das andenken der-
selben hat sich auch im bask. lukhainca bewahrt Sp. longaniza ist andrer
herkunft, s. H. b.
Lnglio monat juli; von Julias, etwa zu deutlicherer Scheidung von
giagno (juni) so gebildet? Seltsam nähert die piem. mundart die namen
beider monate wieder in ihrem auslaut, giagn, lügn. Vgl. jaulet H. c.
La) Zaunkönig ohne kröne. Ächte ital. substantiva auf i kommen
kaum vor ; schwerlich ist auch der name des vogds nach seinem schrei ge-
bildet, welcher 'tui? angegeben wird.
Lalla halbmondförmiges brettchen im boden des fasses; zsgz. aus
lnnula.
M.
Maeiri, magari, magara (volksmäßig) interjeetion, utinam; vom gr.
ficataQiog glücklich (neugr. pcntaQi), vocat. pctxaQie. In dem alten liede
von OiuUo hat es die bed. einer einräumenden partikd: macara se do-
382 IIa. MACCHERONE-MAJOLICA.
lesseti wenn du dich auch betrübtest; und so braucht der Wälache macar
ce, der Serbe makar, der Albanese mäcar. Dem Churwälschen steht das
wort gleichfalls zu geböte: magari ca ei fass bacca ver! wäre es nur
nicht wahrt Die neuprov. Mundarten scheinen es aus Italien eingeführt
su haben9 da es der alten spräche noch fremd war. Ob die attsp. conces-
sivpartikel maguar, maguer, maguera (mager de pi£ wenn auch au fuße
PC. 756) derselben Herkunft, oder, wie Sanchez will, aus fr. malgrö, mau-
gr6 entstellt sei, mag noch erwogen werden; ein pg. maguer, aus dem 12.
jh.7 bringt Santa Rosa bei.
Maccherone, ven. macarone (nur im plur. üblich) geroüte nudel.
Man leitet es theüs aus dem it. macco bohnenbrei oder dem vb. maccare
stampfen, theüs aus einem späteren griech. warte bei Hesychius ftaxaQia
ßQtopa h. £iofiov aal aXq>i%iov speise aus brühe und gerstengraupen, eigentl.
Seligkeit (daher höchst leckere speise?). Aus letzterem konnte es leichter
erwachsen, da es hier keines vermittelnden gliedes bedurfte, übrigens war
der wortstamm auch in Italien einheimisch (s. den vorigen artikel); zwi-
schen macco aber und maccherone müßte man maccarfa annehmen, das
allerdings die neap. mundart, wenn auch in anderer bedeutung, kennt
(s. macco I).
Maccu sard. thöricht, einfältig; vom gleichbed. maccus bei Apulejus
Apol.: isti . . maoci prorsus et buccones videbuntur, eigenü. der name
des narren in den atellanen. Die volksntäßigkeit des Wortes in der be-
merkten mundart bezeugt seine mehrfache anwendung zu verschiedenen deri-
vatis, wie maccocciu närrisch, macchisonzu dass., macchinada thorheit.
Macina, macine mühlstein, macinare, wal. macinä mahlen; von
machina künstliches Werkzeug. Bassa cum forno, macina et rota hat
schon eine Urkunde v. j. 660, macinarius eine inschrift, s. Muratori. Von
macina kommt macigno bruchstein, gleichsam machineus.
Maciulla hanfbreche; nicht von machina. Dasselbe Werkzeug heißt
altfr. maque (s. macco L), welches, wenn man ammaccare (zerquetschen)
erwägt, it. macca lauten würde, dimin. macchi-cinlla zsgz. maciulla:
ebenso aus fanti-cello fanciullo. Oder von mazzo schlaget? aber die erste
auslegung ist für die Sache bezeichnender.
Madia backtrog; vom lat. magis magidis mit gleicher bedeutung,
auch mägida, fr. im Jura maid, norm, met (m.), watton. mai, pic. maie,
auch alban. magje. Aber aus ftaxtQa ist neap. matra, maü. marna,
neupr. mastra, vb. wdtton. mairt kneten.
Maggese brachfeld; vom it. maggio mai, weil in diesem monat das
fdd umgebrochen wird, maü. maggengh.
Magone moden. kröpf der vögel; vom ahd. mago, nhd. magen, s.
Muratori Ant. ital. II, col. 1005. Das churw. magün hat die deutsche
bedeutung; das ven. piem. magon so wie das gen. magon ärger, groU
nahmen dieselbe richtung wie das lat. stomachus.
Haj ölica unächtes porceUan ; vom namen der insel Majorca {it. Majo-
rica, auch Majolica), wo es gefertigt ward, man sehe Scaliger bei Menage.
H.a. MALIA-MAREMMA. 383
Malta Hexerei, maliardo Zauberer; von malus zauberisch, bei Virgil.
Ed. 7, 28 ne vati noceat mala lingua futuro.
Mallo grüne nußschdle; = fr. malle behälter?
Malta schlämm, trient. kalk, chw. maulta, molta mörtel; nach Fer-
rari, Gcdvani u. a. = lat. maltha mörtel, bergtheer. Auch der Lombarde
hat molta, aber in der bed. von malta, und dies erklärt Castiglione, Goth.
vers. fascic. III, 42, aus dem goth. mulda, ahd. molta. Vgl. auch motta I.
Mammone, eigentl. gattomammone meerkatze; ein aus dem osten
eingewandertes wort: gr. tufuo, mittel- und ngr. (.taifiov, wai. moim^,
meimuce, aiban. türk. maünun, ungr. majom äffe*
Mancia trinkgdd. Nicht unmittelbar aus manne, es ist das mlat.
manicinm (von manica), plur. manicia, Handschuh, ermel. Handschuhe
im sinne von angdd oder handgeld kennen alle roman. sprachen, it. guanto,
paraguanto, sp. guantes, fr. gante, vgl. aMfr. gang bei Roquefort, so auch
pg. luvas trinkgdd. Zu erinnern ist aber auch, daß im mittelaUer ermel
als geschenke dienten oder geschehke daran befestigt wurden, s. Grimm,
Schenken- und geben, vgl. sp. mangas in der bed. gefalle, sportein. Abgel.
manciata handvoü (Handschuh voll).
Maniato pron. s. v. a. medesimo, stesso; nach Alberti's muthmaßung
für miniato d. i. mit äußerster Sorgfalt gemalt, leibhaftig.
Manigoldo Henker (sp. manigoldo bei Seckendorf). Richtig ahnte
Muratori deutsche Herkunft, ohne sie nachweisen zu können. Manigoldo
trifft zusammen mit dem ahd. eigennamen Manogald, Managolt (noch jetzt
mangold eis pflanze), worin das wort menn! (plur.) Halsband enthalten
zu sein scheint Grimm III, 453, so daß managold, manigoldo den mit
dem Halsbande, schereweise den Henker, bedeuten würde. Vielleicht ist sogar
jener deutsche eigenname Manogald durch roman. einfluß entstellt aus Mano-
-walt der des Halsbandes waltet. Italische mundarten besitzen auch das ahd.
menn!: com. men, genues. menu Halsband des Hundes; so wie das nhd. man-
gold: com. menegold, maü. meregold, piem. manigot lattich. Für men
haben andre mundarten mel, welches denn auf lat. maelium bezogen wird.
Mannaja heil des Scharfrichters, lomb. manara, chw. manera; vom
lat. adj. manuaria, weil es mit zwei Händen geführt wird (Muratori).
Die Cassder glossen geben manneiras für das dtsche partä; sonst findet
sich im ndatein manuaria, synonym mit dextrale.
Mäntaco und mäntice blasbälg, vb. mantacare bei Papias: follis
'vulgo' manticum fabri; von mantica quersack, ranzen. Die cat. spräche
kennt mancha gleichbedeutend mit mantaco.
Marangone tauchet, lomb. margon; von mergns, das sich in ma-
ragone marangone erweiterte (vgl. fagotto, mit eingeschobenem n fangotto).
Das prov. wort ist margnlh, das port. margulhäo.
Marasca Sauerkirsche; neben amarasca, von amarus, auch amarina
genannt.
Maremma seelandschaft, attfr. marenne, adj. it. maremm&no; von
maritima.
384 H.a. MAKRONE-MENNO.
Marrone eine ort größerer castanien auf den gebirgen Italiens,
daher fr. marron, ätsch, marone. Barin ahnt Muratori ein alteinheimi-
sches wort, das sich vielleicht noch in dem römischen zunamen Maro er-
halten habe (über diesen sehe man aber Potts Forsch. II, 589). Bei
Eustathius lautet es (xctQaov.
Marza Pfropfreis; von martius, weü das pfropfen gewöhnlich im
märe geschieht (Orusca). Gleicher abkunft ist das span. vcrbum marcear
die schafe scheren, da dies ebenfalls im märe geschieht, daher unser aus-
märzen.
Masso großer tief in der erde liegender stein, von massa Klumpen.
Matto thöricht, närrisch. Zur deutung desselben hol man Wörter
aus verschiedenen sprachen herangezogen, hauptsächlich' folgende. Gr.
ttaiaiog gleichbed., jedoch formell ungenügend, da es sich in m&teo mazzo
verwandelt haben würde: man müßte uarog annehmen. Lot. mattus oder
matus betrunken, bei Petronius (plane matus sum, vinum mihi in cere-
brum abiit sat. 41), scheint der bedeutung nicht eu genügen. Bas van
Muratori aufgestellte deutsche matz heißt ungeschickter mensch, tolpd
Frisch I, 652c, und mag eher im gleichbed. comask. mat seinen abdruck
gefunden haben. Bas aus dem Schachspiel genommene adj. mat, das im
altprov. niedergeschlagen, kraftlos, im neuprov. thöricht heißt, würde mit
diesem begriff süber gange das gleiche ereignis im üal. annehmen lassen,
wäre die identität des alt- und neuprov. Wortes unzweifelhaft. So hat
jenes mattus noch den Vorzug als italisches wort, dessen bedeutung (be-
trunken, benebelt, daher unvernünftig, sinnlos) wenigstens nicht weiter ab-
liegt als die der beiden letzteren. Ob es nun sei = madidus oder =
fiarog ist hier nicht zu prüfen.
Matto (eigentl. matt) knabe, matta mädchen; ein durch seine be-
deutung wichtiges über einen großen theil Oberitaliens und Rhätiens ver-
breitetes, auch im sard. mauglia kinderschwarm (für mattaglia) sich ab-
spiegelndes wort mit vielen derivaten, ist noch genauer zu untersuchen.
Was skh unmittelbar darbietet, ist unser ahd. magat, mhd. maget (vgl.
Biefenbach, Goth. tob. II, 2), wobei man wegen des it. tt eine härtere
ausspräche des g annehmen muß; roman. fügte man das geschlechtszeichen
a an und so entstand matta, hieraus erst das masculin matt; eine an-
nähme, die durch den mangel des masculins im piemontesischen (nur das
dimin. matet kommt vor, fem. matta) unterstützt wird.
Meliaca, muliaca, umiliaca aprikose; von armeniacum dasselbe.
Melma schlämm, sard. molma; ahd. melm staub, goth. malma.
Melo apfdbaum; von malus, jenes eine scheideform wegen malum
(übel), zufällig zusammentreffend mit gr. nylov, übrigens von hohem alter:
malum 'melum in einem glossar, hs. aus dem 7. jh. s. Glass. auct. VI,
632* > dsgl. bei den fddmessern. Churw. meil apfd, waUon. mäleie
apfdbaum.
Menno castrat. Die herleitung aus minimus für imminntus ge-
schwächt, vermindert ist abzulehnen, da der sinn zu allgemein, nicht dras-
ILa. MERCORELLA— MORBIDO. 385
tisch genug, die gestaUung des romanischen Wortes (nn aus n'm) nicht
einmal regelrecht wäre. Bei weiterer Untersuchung müßte auch das gleich-
bedeutende mundartliche m&igol (Brescia) in anschlag kommen.
Mercorella, marcorella bingelkraut; von mercurialis, sp. mercu-
rial (fr. mercoret Nemnich).
Mezzo (mit geschlossenem e und scharfem zz) weich, welk; von
mltis, woraus man ein neues adj. mltius (verkürzt mitjus mezzo) abge-
leitet haben muß, vgl. oben fujo. Für radicales i zeugt auch das cremon.
mizz, neap. gen. nizzo, mail. nizz.
Minchia, lat. mentula, daher minchione tolpel, wie das synonyme
pincone von pinco oder coglione von coglia. In althochd. glossen wird
cere (mentula) mit minco Übersetzt Graff V, 707: soll dies mingo min-
gonis sein?
Minestra suppe, minestrare die suppe anrichten; von ministrare
auftragen bei tische, so daß minestra etwas angerichtetes heißt: altit. deo
m'a dao in quest mondo capon, salvadhesine (salvaggine), formagio e
oye e pisci e specie oltramarine: adonca eo vojo (voglio) usar de quelle
menestre fine (speisen, gerichte) Bonves. de anima et corp. •
Minugia, minugio darm; eigentl. klein gehacktes eingeweide (sp.
raenudo) ; von minutia, mlat. minutia porcorum Polypt. d'Irminonp. 302,
auf menschliches eingeweide übertragen wie ficatum.
Mo, neap. mone, com. ammö, sard. moi, immoi, wdl. amü, partikel
mü der bed. *eben jetzt\ von modo; ven. mojä von modo jam. Eine glosse
des grammatikers Placidus sagt: mu cadhuc, consuetudine est Class.
auct. III, eine andre mon 'in momentum VI, 534a, wofür A. Mai mox
vermuthet.
Moccio sbst. von mucus, muccus, eigentl. vom adj. mucceus, daher
mocceca und moccicone pinsel, gimpel, wie gr. ftvxog, ßlewog, xoQvtäg.
Unmittelbar aus muccus aber entsprang moccolo lichtstümpfchen, urspr.
wohl nur lichtschnuppe (wofür jetzt moccolaja), das von der kerze abge-
schnauzte. Span, moco hat die bedeutung von muccus und moccolaja,
piem. moch, neupr. mouc, mouquet die von moccolo.
Moco eine pflanze, wiche, mochus in der botanik; unbekannter
herkunft.
Mondualdo, auch manovaldo PPS. I, 202 vormund; vom mlat.
mundualdus = ahd. muntwalt Graff I7 813, vgl. unser anwalt. 'Mund-
wald ist einer der das mundium über andre halte Leo's Gesch. v. Italien
I, 101. Die form manovaldo für monovaldo erklärt sich aus einmischung
des rom. mano hand, vgl. mainbour IL c.
Mongana saugendes kalb, milchkalb; vom it. praes. mungo = lat.
mulgeo, also eigentlich für mungana.
Mörbido, mörvido weich, weichlich. Nach Muratori entweder vom
dtschen mürbe oder vom lat. morbidus krank, indem kranke fruchte sich weich
anfühlen. Die letztere eine vollständigere form gewährende etymölogie wird
durch das sp. mörbido, das die lat. und itoi. bedeutung vereinigt, unterstützt.
25
386 H.a. MORBIGLIONE— NIMO.
Morbiglione, morviglione maserhkrankheit, mlat. morbilli; von
morbus (Menage).
Morfire tüchtig fressen, schroten, sbst. tüotüsl fresse, maul, vb. altfr.
morfier Carp.; vom mndl. morfen, mhd. murpfen abfressen, s. über das
deutsche wort Frisch I, 667e. Offo *murfus lautet eine glosse des 10 jh.,
Pfeiffers Germania I, 116. Aber smorfia Verzerrung des gesiebtes, wel-
ches derselben herkunft sein dürfte, erklären andre aus dem gr. fioQqri]
gestalt, Schönheit.
Mortella heidelbeerstrauch; von myrtus, woher auch mirtillo
heidelbeere.
Moscione, ven. musson, dimin. romagn. musslen, Umous. monstic
ein kleines geflügeltes insect; nicht von musca sondern von mustum, weil
es zur zeit des mostes in den Weinkellern entsteht, musca ceUaris bei Linne
(s. Morri Voc. romagn.), daher moscione auch sauf er bedeutet. Schon
Isidorus kennt das wort als ein volksübliches: bibiones sunt qui in vino
naseuntur, quos cvulgo' mnstiones a musto appellant 12, 8, 16. Mit
bibio aber verwandt ist das picard. biberon schnake, mücke.
Mozzo nahe des rades; von modius für modiolus, in einem glossar
muzoius Graff II, 995, vgl. mozolns DG Aus dem diminutiv stammt
auch das fr. moyeu.
Mucchio häufe. Die übliche herleitung aus monticulus, so daß es
für monchio stände, seist eine starke zusammenziehung voraus, doch erlitt
auch conebylium in cochiglia einen ausfall des n vor einem guttural,
freilich in unbetonter sübe. Zu erwägen ist aber noch mptulus in der
L. Rip. (erdhaufe oder dämm? s. Ducange), worin mucchio seinen mlat.
ausdruck gefunden zu haben scheint, und sp. mojon II b.
Mumiar modenes. ohne zahne kauen; nhd. mummeln, engl, mumble
(Muratori).
Muzzo sauersüß.
N.
Nasso, eibenbaum; unbekannter herkunft.
Nastro, comask. n&stola, wcdlon. näle band, schleife, wat. nastur
knoten, knöpf; vom ahd. nestila schleife u. dgl., nhd. nestel, wie schon
Ferrari aufstellte.
Neo muttermal; von naevus.
Nibbio hühnergeier, auch dauph. nibla; wird aus müvns, milvius
gedeutet, bei dem leichten übergange des m in n und des v in b nicht
unpassend, über milvius als Variante von milvus s. Schneiders Lat.
gramm. I, 364.
Nichetto, niecolino ein edelstem; von onyx onychis, sp. onique,
cot. oniquel.
Nimo (in volksmundurten) , sard. mit angefügtem s (wie etwa in
H.a. NOCCA-OTTA. 387
cummegus = it. con meco) nemus, pronomen, niemand, auch wal. nime,
nimenea; von nemo.
Nocca knöchel. mittleres gelenk des finget s; nickt von nux nucis,
augenscheinlich das mhd. knoche, nhd. knochen, mit abgestoßenem k, da
die ital. spräche kein anlautendes cn duldet. * Knoche mag mehr gelenk
eis bein bedeutet haben Ghimm, Über diphthongep.28. Vgl. auch Grand-
gagnage s. v. nok&e.
Nocchio stein im obste, hnorren; von nucleus, sp. nucleo.
Növero zahl, vb. annoverare; von numerus, numerare, wiewohl der
wandel des m in v zwischen voceden durchaus unüblich ist. Frans.
nombre kann dazu verleitet haben, worin das entartete m schwand und b
sich in v erweichte.
o.
Ogni pronomen, alt onni, von omnis. Das ssu gn erweichte mn hat
vielleicht in der ess. ogn-uno = omni-unus, wenn nicht in dem veralteten
ogna aus omnia bei Barberino (s. Blanc 326) seinen grund; zweisilbiges
omnia findet sich schon bei Virgil Am. 6, 33 und anderwärts, es konnte
im volksmunde leicht onja lauten und die singularform darnach einge-
richtet werden. Bonvesin schreibt omia persona, omia ben, omi-unca
mal jedes übel.
Oibö, com. aibai interj. ei was! ei bewahre! scheinen die Italiener
den Griechen abgelernt eu haben, denen olßol ein ausruf des Unwillens
ist. Nichts geht leichter von volk ssu volke als interjeetionen. Für eine
abküreung des tat. ausrufes heu bone deus hält dieses oibö Muratori.
Ont&no erle. Sollte es aus dem collectiv alnetum, sp. alnedo, fr.
aunaie entstanden sein, indem, wie in topo aus talpa, al sich in o um-
gebildet hätte, so daß es auf alnetanus, welches sich in einer zweiten ital.
form amedäno auszusprechen scheint, zurückgienge? auch das sp. helecho
entsprang aus dem collectiv filictum. Das venez. wort ist on&ro, das
mail. olnizza nebst onisc, offenbar von alnus, das trient. ogn.
Oppio masholder y acer campestre, buchstäblich = opulus ein unbe-
stimmter bäum, bei Varro.
Örafo goldschmied; von aurifex.
Orbaccä lorbeere; für lorbacca von lauri bacca, s. Born, gramm. 1, 204.
Ostico herb von geschmack; von avotog trocken, woher avoxqoq
herb (Manage).
Otta zeitpunet, stunde, zumal in den vrlt composvtis wie allotta,
talotta, auch moltotta PPS. II, 328. Entstehung aus hora, das etwa oda
geben konnte, ist nicht annehmbar. Möglicher weise aber entsprang es
aus dem goth. uht (nur in abtt.) rechte zeit, xaiQog, ahd. uohta frühzeit,
aitn. ötta die zeit der drei ersten tagesstunden. Bin anderes üal. wort,
dotta, dem ganz die bed. xaigog zusteht, könnte aus einem adverbialen
d'otta zusammengesetzt sein.
388 H.a. PADULE— PAZZO.
P.
Padule sumpf; bereits in frühester zeit umgestellt aus palude: pa-
dulis in einer urJcunde vom j. 551 Marin, p. 182", und später noch oft
Eine Span, form paül (sard. paüli) erwähnt Cabrera, daher in derselben
spräche das vrlt. paular sumpf pg. paül ist bekannt, vgl. in padulibus
Yep. L app. num. 8, de illa padule n. 30, in span. Urkunden. Wal.
padüre wald stimmt buchstäblich zu padule. Prov. nur palut.
Palascio art säbd, altfr. palache Roq.; ist das russ. palasch, wal.
palos, ungr. palos, vgl. bair. plotzen.
Paltone bettler, landstreicher, pr. paltom, äbgel. it. paltoniere, pr.
altfr. pautonier, daher mhd. paltenaere. Die versuchten deutungen sind
nicht stichhaltig; buchstabe und begriff werden die folgende rechtfertigen.
Plautus Bacch. 5, 2, 5 bedient sich des iterativs palitari von palari um-
herschweifen, hiervon it. palitone paltone landstr eicher: ebenso aus dem
vb. ciarlare das sbst. ciarlone, aus castrare castrone u. s. f. Palitari
wird also wohl ein volksübliches wort gewesen sein. In erwägung käme
noch das ndd. palte läppen Brem. wb., palt stück z. b. brot KU., aber
dem lat. stamme gebührt auch hier der Vorzug. -
Pantalon? eine maske der itäl. bühne, fr. pantalon ein darnach
benanntes kleidungsstück; eigentl. eine venezianische tracht, die Venezianer
aber hatten den Spitznamen pantaloni, weil sie den heil. Pantaleon be-
sonders verehrten und häufig mit seinem namen getauft wurden (MSnage).
Der name der maske wird also wohl eine beziehung auf Venedig ge-
habt haben.
Pape interjection; vom lat. papae, gr. nanai: so entspricht occit.
babai dem gr. ßaßai, lat. babae.
Papero junge gans; vgl. sp. parpär gänsegeschrei, gr. nannatpiv
gaken, gackern, eig. lallen (Wackernagel, Voc. anim. p. 80). Nicht die
stimme des vogels soll papero nachbilden, da diese eine andrß ist, es sott
sich vielmehr auf das schreien nach futter oder auf die fütterung beziehen,
indem das gänschen mit dem kinde verglichen wird, s. papa I.
Pargo io, pargoletto Mein; für die gleichfalls vorhandenen parvolo,
parvoietto, also nicht etwa aus parcus, da gutturales g mehrfach für v
eintritt.
Pastocchia mährcJien; vom it. pasto, dar pasto einen mit Worten
unterhalten, kirren (Menage).
Pazzo unsinnig, toll, wüthend, pazziare unsinnig sein u.s.w. Ver-
gebens hat man dies wort auf lat. gebiete, z. b. im verbum patior, gesucht,
es scheint deutscher herkunft. Ähd. barzjan, parzjan (wenn nicht parz§n),
mhd. barzen, heißt wüthen, hieraus konnte unmittelbar parziare pazziare
entspringen, während dem adjectiv ein verlorenes deutsches adj. zu gründe
lag. Der ausfall des r macht wenig bedenken, da er vor z und vor dem
IIa. PECORA-PICCIUOLO. 389
lautverwandten s mehrfach eintritt (cucuzza von Cucurbita, gazzo vom sp.
garzo, pesca von persica, dosso von dorsum u. dgl.)} er kann sogar schon
im deutsehen gelegen haben, wo batzig für barzig (adj. aus dem eben be-
merkten barzen) steht, s. Weigandl, 111. Eine zss. ist strapazzare,
daher sp. estrapazar, fr. estrapasser, strapasser, verhöhnen, mishandeln,
eigentl. übermäßig narren, sbst. strapazzo.
Pöcora (f.) schaf schon im Vocab. S. GaUi sing, pecure, dsgl. in
einer Urkunde vom j. 757 Murat. Ant. ital. III, 569 inter pecoras; ur-
sprünglich wohl ein collediv, schafvieh, nachher auf das Individuum an-
gewandt. Im cremon. bezeichnet das masc. pägor den widder.
Pendice abhang; nach appendfce t(I für T) von pendere gebildet,
altfr. pendant anhohe LRs. 179.
P6ntola topf; von pendulus nach Menage, weil er über dem feuer
schwebe. Vgl. pente IL c. Derselben herkunft ist auch das adj. p6n-
zolo schwebend.
P6rgamo kantet, hohes gerüst; von pergamum anhöhe, bürg, mit
Menage.
Peritarsi (präs. mi p&ito) sich scheuen, sich schämen. In einigen
mundarten, z. b. der venez. cremon. und maü., bedeutet peritare, peritä
schätzen, taxieren, perito taxator, von peritus; aber zwischen beiden be-
griffen fehlt der logische Zusammenhang. Auch das (zweifelhafte) lat.
peritare (zu gründe gehn) gewährt keinen passenden begriff. Menage
bringt pauritare vor, iterativ von paurire (in s-paurire), worin au oder
av ganz regelwidrig in e geschwächt wäre. Dürfte aber nicht an sp.
apretarse (s. prieto IL b) gedacht werden, dessen bed. c bedrängt sein'
die des ital. Wortes unmittelbar berührt?
Persa major an, neugr. neQoa; von nQaoiov, nQaoovlauch (Menage).
P 6 vera, m einigen wbb. petriola, maü. pidria, romagn. pfdarja,
com. plädria, ven. impfria, bresc. pedriöl hölzerner trichter; nach Ferrari
von impletorium, was den formen wenig genügt.
Pezzente, peziente bettler; von petieus fiir petens wie altit. cag-
gente von cadiens für cadens, oder veggente von videns. Das gleichbed.
pg. pedinte kann dies bestätigen.
Piaila höbet, piallare hobeln; für planula, planulare, von planus
eben, planare ebenen, vgl. lulla von lunula. Diese bei Menage u. a. vor-
liegende etymologie wird durch das gleichbed. sard. piana oder prana d. i.
plana bestätigt. In derselben spräche hat pialla auch die bed. axt, ein
Werkzeug, das, wenn auch nicht zum hobeln, doch zum behauen dient, in
andrer form pfola und so comask. piolet Man ist bei letzteren an das
alid. pial, nhd. beil, zu denken geneigt, und doch scheint der diphthong
ia (pialla) darin nur mit io vertauscht. Im venez. ist daher pialla und
piola, piallare und piolare gleichbedeutend, hobel und hobeln.
Picciuolo stiel am obste, wal. picior fuß; von petiolus füßchen, obst-
stiel, bei Afranius nach Nonius, auch bei Celsus und Columella. Mit ver-
ändertem suffix sagt der Spanier pezon. Mundarten aber zeigen im
390 H.a. PIEVE-PODESTA.
iritcwt gutturales c : ven. picölo, mail. picöll, piem. picöl = pediculus füß-
chen zsgz. peculus?
Pieve landdechanei, chio. pleif pfarrei, it. piovano, wal. pleban
landdechant; vom tnlat. plebes parochialkirche, plebanus.
Pieviale, gewöhnt, piviale vesperniantel; für pioviale = pluvialis
regenmantel, nach Ferrari und Menage. Es ist indessen nicht wahr-
scheinlich, daß das radicale o in piova (pluvia) in i oder ie ausgewichen
sein sollte, da v vielmehr ein solches o nicht selten hervorruft. Überdies
ist regenmantel eine untergeschobene bedetdung : die eigentliche ist priester-
mantel und so kann seine abstammung aus dem vorhergehenden tvorte
nicht zweifelhaft sein.
Pigia re pressen; participialverbum von pinsere pinsus, gleichsam
pinsiare, wie pertugiare von pertusus pertusiare; nicht von pisare.
Pigione miethzins; von pesio/ur pensio, ebenso magione von mansio.
Pignatta topf; von pinea, weil der decket desselben ehedem die
geskalt eines fichtenzapfens hatte, wie Muratori bemerkt. Daher entlehnt
sp. pinata.
Piota braucht Dante Inf . 19, 120 für fuß oder sohle: forte spingava
con ambo le piote, und so kommt es auch im Dittamondo vor, bei andern
bedeutet es ein stück rasen. Ferrari, Menage und andre etymologen leiten
es auf das Umbrüche plotus, plautus zurück, wovon Festus sagt: plotos
appellant Umbri pedibus planis [natos .. . . unde et Maccijus poeta,
quia Umber Sarsinas erat, a pedum planitie initio Plotus, postea Plautus
coeptus est dici. Es hieß also plattfüßig und aus diesem adjectiv oder
aus dem stamme plot müßte das ital. Substantiv genommen sein. Die auf-
findung eines altitalischen Wortes oder Stammes im romanischen hat etwas
reizendes und vielleicht ließ sich die kritik durch die schimmernde rdiquie
blenden. Ist piota nicht vielmehr die ital. form des pr. pauta, altfr. poe
= nhd. pfote, mit eingeschobenem 1 wie in andern Wörtern? auch piem.
piota und dauph. plauta heißen pfote, tatze. Aber die bed. rasenscholle
d. h. plattes stück einigt sich schwer mit der von pauta, leicht mit der
von plotus. Oder entstand das ital. wort aus dem adj. piatto platt? vgl.
com. piöt fest getreten, platt getreten, piota Steinplatte, mqü. piöda dass.
Eine solche entsteUung von platta in piota (nicht einmal piotta) ist aber
für die Schriftsprache nicht zu genehmigen; ob für die mundarten, bleibe
dahin gestellt.
Pipistrello, auch vipistrello, vispistrello, vespistrello fledermaus;
durch Versetzung des s und r aus yespertillus für vespertilio.
Pitocco bettler; vom gr. mtaxoq dass. Oder etwa von pit gering,
woher lonib. piton arm; aber die bedetdung schließt sich genau an die
des griech. Wortes.
Podestä name einer obrigkeitlichen person; verdient erwahnung,
weil es deni natürlichen geschlechte zu gefallen masculin geworden; pr.
podestat, poestat gen. comm., sp. potestad, tat. potestas (im persönlichen
sinne) feminin.
H.a. POGGIA— PURE. 391
Poggia seil am rechten ende der segdstange, rechte seite des Schiffes,
daher fr. poge (m.); vom gr. nodiov, dimin. von novg seil an dem unteren
zipfel des segeis, in Italien auf das seil zur reckten angewandt, seitdem
orza für das linke üblich geworden; einer der ziemlich zahlreichen aus
dem griech. aufgenommenen schifferausdrücke. Vgl. Menage Orig. d. I.
itci. s. v.
Pollare keimen, quellen, zsgs. rampollare; von pullare bei Ckd-
pumius Ecl. 5.
Ponga venez. (neap.in einer reimchrontk Mural. Ant. ital. VI, 592)
kröpf der vögd, wal. pnnge beutet; in dieser letzteren bedeutung schon
goth. puggs, dltn. pnngr, ahd. fang cet., dsgl. mittelgr. 7iovyyrj novyyiov,
ngr. novyyi, aber aus welcher quelle?
Pontare, püntare auf etwas dringen, sich dagegen stemmen; = fr.
pointer die spitze, den schuß auf etwas richten, vgl. it. pontar la lancia
contro alcuno. Mail, pontä hat auch die bed. spitzen.
Pozzolana verwitterte lava, woraus ein mörtel bereitet wird; so
genannt, weil man sie häufig im bezirke von Pozzuoli findet.
Prace (aretinisch) räum zwischen zwei furchen ; von nqaaia garten-
beet, nach Redt, Etimol. ital.
Predella fußschemel, fußtritt, maü. brella; gewiß vom ahd. pret
= nhd. brett, trotz Ferrari's Widerspruch. Gleicher herkunft ist pr.
bredola *scabellum im Floretus, aus welchem auch ÜQchegude, Gloss. occit.,
es schöpfte.
Pretto lauter, rein, unvermischt, vino pretto vinum merum; durch
syneqpe für puretto von purus. Muratori in der meinung, eine solche
syncope sei im ital. ohne beispid, zieht das wort lidber aus dem ahd.
berht, peraht, dessen bedeutung aber (hellf glänzend, goth. bafrhts dijXog,
deutlich, offenbar) minder genau zutrifft. Befremdlich ist nur das offene
e in pretto neben dem geschlossenen in purätto; die verkennung des ur-
sprünglichen Suffixes mag an dieser ausspräche schuld sein.
Pria adverb, für prio von prias, etwa der gegenüber liegenden
Partikel poscia in seiner endung angebildet, keinesfalls von prima mit
ausgestoßenem m.
Pnla spreu, piem. com. bula, berg. bresc. böla, daher it. bullaccio
P. Monti; von unbekannter herkunft, nach Ferrari vom lat. aplnda, was
sieh schwerlich rechtfertigen läßt.
Pu 1 ein eil o person oder maske in der neapolitanischen komödie,
fr. polichinelle ; entstellt aus Puccio d'Aniello, dem namen eines witzigen
bauern aus der gegend von Acerra in der Campagna felice, der diese
person zuerst spielte. So Galiani im Vocab. napol. Nach anderer deu-
tung ist paleinella ein kosewort für kindchen, liebchen (hühnchen) und
ward später auf jene bei dem volke beliebte maske übertragen, s.
z. b. Bolza.
Pure partikel, solum, tarnen; vom adv. pure rein d. h. ungemischt,
schlechtweg. Auch im ältesten provenzalischen findet sich pur, man selie
392 IL au PUSIGNO- REBBIO.
Boeth. v. 6 und 192, im waid. dasselbe Hahn p. 572, im churwälschen
pir, spir.
Pusigno mahleeit nach dem abendessen; von post-coeninm (un-
lateinisch), geformt nach ante-coenium.
Puzzo, puzza gestank, puzzare gestank machen, stinken; von pu-
tidns mit aas gestoßenem d putius: nicht anders sozzo von sucidus,
rancio von rancidus.
Q.
Quattrino eine kleine münze-, so genannt, weil sie vier danari gut
(Crusca).
Quercia, qüerce (f.) eiche; vom adj. querceus, queroea wie faggio
von fageus. Die bädung ist alt: alia qnercia sagt eine longob. Urkunde
v. j. 742 Ughell. III, 671; duo quercias eine andre v.j. 760Brun.p. 570.
Im sardischen hat sich chercu = quercus erhalten.
Quinci ortsadverb; von eccu1 hincce. Ebenso quindi von ecca'
inde, quivi von eccu' ibi.
R.
Rado selten; euphonische Abänderung aus rarns.
Ragazzo handlanger, bube, ragazza mädchen; von Qaxr] lumpenrock,
im Cod. Theod. raga, daher ragazzo einer der die raga trägt, kriecht,
nachher auch knabe, wie lat. puer beide bedeutungen einigt; oder von
raca homo nihili im Ev. Matth. So Muratori. Regazzo lautet das wort
im veron. dialect.
Ragia, chw. rascha hare; aus einem unvorhandenen adj. rasens,
rasea von rasis gleichbed.
Ramarro eidechse, romagn. mar; von rame kupfer, wegen der färbe,
vgl. unser kupfereidechse (Mahn).
Ramfo (nur vorhanden im lomb. ramf, ranf) Spasmus; vom tnhd.
rampf mit gl. bed.
Ramolaccio meerrettig; durch dissimütxtion für ramoraccio von
armoracia mit ders. bed., bei Columella auch armoracinm.
Rande 11 o packstock, prügele arrandellare zusammenknebeln; vom
dtschen rädel oder reitel, die dasselbe bedeuten. Noch näher den dtschen
liegen die comask. formen rat und reglia.
Rappa büschel; vgl. mhd. mndl. rappe kämm der traube, welche
bedeutung auch das piem. rap (it. grappolo) hat.
Ratto adj. rasch; von raptus hingerissen. WaHon. toratt = it.
tutto ratto.
Rebbio sinke der gäbet; von ungewisser herhmfi. Nimmt man
H.a. RECARE-^RIPENTAGLIO. 393
aber für unser deutsches riffel (kämm mit eisernen trinken) ein älteres
ripil an (vgl. ndl. reppen, engl, ripple = hd. riffeln), so trifft dies- zum
ital. warte: die bedeutung wird keine Schwierigkeit machen. Buchstäblich
dasselbe wart ist sp. rejo spute, Stachel.
Recare darreichen; besser vom dhd. recchen, nhd. recken aus-
strecken (hinhalten), als vom ahd. reichan, nhd. reichen, in welchem fall
racare zu erwarten stand. Honnorat kennt auch ein veraltetes occ. arecar
herbringen.
R6cere speien; von reicere für rejicere, zu Festus zeit gebraucht,
s. Sehneiders Lot. gramm. I, 581.
Refe surirrij vom gr. $aq>i] naht, nach Ferrari u. a., woneben aber
auch das ahd. reif strick, band zu erwägen ist. So stammt auch piem.
tra, chw. trau bindfaden aus dem dtschen draht.
Renso feiner flachs; benannt nach der Stadt Rheims, woher man
ihn bezog.
Reo schuldig, dsgl. böse, schlimm, für welche letztere bedeutung eine
form rio stattfindet, wal. reu. Aber sp. reo, chw. reus, nur im lat. sinne
des wartes.
Rezza eine ort spitzen; von rete, plur. retia.
Ribaltare umwerfen, umstürzen, z. b. nnvaso di vino, construiert
Muratori aus re-ab-altare von der hohe herabwerfen, vgl. lat. ex-altare
und das einfache altare bei Sidonius. Ist dies richtig, so gewährt es ein
weiteres romanisches beispiel von Zusammensetzung mit ab, wie in ab-
battere und einigen andern, s. Born, gramm. II, 420.
Riddare den reihen tanzen, sich drehen, sich umhertreiben, ridda
kreißtanz; vom ahd. ga-ridan, mhd. rfden drehen, wfoiden.
Rifiutare verschmähen, verweigern; ganz unverwandt mit fiutare
beriechen, durch einschiebung entstellt aus refatare, ndat. s. v. a. respuere,
mail. reftidi, pr. refudar, refuidar (als ob es von refugitare komme), auch
refiodar GProv. 32, vgl. rifusare I. Dieselbe einschiebung hinter f in
fiaecola für faecola.
Riga teile, streif, rigo lineal, rigoletto reihentanz, r eigen; vom
ahd. riga Knie, kreißlinie, mhd. rlhe = nhd. reihe (die wir uns eben so
wohl in gerader richtung denken).
Rimpetto, di rimpetto, a rimpetto a qc. präposition, contra, gegen-
über; gebildet von petto, lat. pectus, wie rincontra (re-in-contra) von
contra. Petto drückt in derselben weise, das gegenüberstehen aus wie die
span. adverbial gebrauchten worter hdeia oder cara oder frente. Dante
sagt chiuser le porte nel petto al mio signor sie schlössen ihm die pforte
vor der nase Inf 8, 115. An respectus ist nicht zu denken. Auch ap-
petto wird in dieser weise gebraucht.
Ripentaglio gefahr. Bestimmter ist die bedeutung des aÜfr. repen-
taille {von repentir) reukauf, vertragsmäßige büße: it. porre a ripentaglio
kann also heißen 'etwas auf reue oder büße setzen, der reue oder büße
aussetzen.
394 H.a. RIPIDO— ROZZO.
Ripido steil; von ripa ufer, steile höhe, der einzige gewisse fäll
einer romanischen ableitung mit idus, Rom. gramm. II, 321.
Ripire klettern; wird von ripa und rapidus her geleitet, warum
nicht von repere mit übertritt der 3. lat. in die 3. rom. conj. wie in
fugere fuggire? Vgl. die churw. form rever, bei welcher dieser übertritt
nicht stattgefunden hat. Die prov. spräche kann das partic. repens auf-
weisen, freilich nur im Elucidari.
Ritroso hartnäckig, widerspenstig; von retrorsus rückwärts gekehrt.
Ro cchio block höh oder stein; nebst ronchione vom it. toccsl fe&s?
Rogo brombeerstrauch, wai. rüg; von rübus (rovo rogo), sp. rabo.
Rombo und frombo gesumse, roraba und fromba Schleuder, rombola
und fronibola dass., rombolare und frombolare schleudern, siehtbarlich
vom gr. Qojußog kreißet (daher die bed. gesumse), Qofißelv schleudern.
Das vorgesetzte (muß onomatopoietischer natur sein. Muratori kennt
auch ein mlat. rumbulus geschleuderter stein = it. frombola in der bed.
abgerundeter stein oder kiesd.
Romire brausen, lärmen; regelrecht gebildet aus ahd. hromjan,
hruomjan = nhd. rühmen, eigentl. lärm machen, sbst hruom lärm, geschrei.
Romfto einsieetter, einsam, sie. rimitu; von eremita.
Ronca hippe, auch spieß mit einer sichel; vom vb. runcare ab-
mähen, ausjäten. Altfr. ronsge spieß Roquef.
Ronzare summen; vom ahd. rünazön, mhd. rflnzen dass. Auch
sp. ronzar, roznar mit geräusch kauen? Sbst. it. ronzone große Schmeißfliege.
Rospo kröte; vielleicht zusammenhängend mit ruspo rauh, vgl. es-
cuerzo II. b. In trient. mundart rosch, in churwalscher rase, ruose, in
vicentinischer aber Aote aus dem deutschen der sieben gemeinden.
Rosta 1) hemmung, Sperrung (so bei Dante Inf 13, 117 nach Mu-
ratori und noch mundartl.), daher vb. comask. rosta hemmen; 2) fachet,
wedel, vb. arrostare wedeln, hin und her bewegen. Es stammt in beiden
bedeutungen vom ahd. nhd. röst {ahd. auch fem. röstä), sofern dasselbe
nicht allein eine Sperrung im flösse (mlat. rosta bei Ducange), sondern
auch das gegitterte visier des helmes und den ebenso geformten fächer be-
zeichnet, s. Frisch II, 128*. Die waiach. spräche hat rosteiu rost, guter
= serb. rostilj.
Rovajo nordwind; von ungewisser herkunft, nach Menage umgestellt
aus borearius {für borealis), also robearius rovarius.
Rovello und rovella grimm, zorn, arrovellare erzürnen; von ru-
bellus roth. Ira rubens sagt der Lateiner.
Rovistare, ruvistare herumstöbern; von revisitare, mit Menage.
Rozzo roh; ist seinem begriffe nach mit lat. rudis identisch und be- .
gegnet mit seiner endung dem sp. rudo, dessen entstehung aus rudis un-
zweifelhaft ist; allein wie die span. form ein lat. rudus verlangt, so die
ital. das noch weiter abliegende rudius, vgl. oben fujo; erstere begegnet in
einem alten glossar: rudus 'asperus* Class. auet. VI, 643k, vgl. rudus
'novus* Gl. Erford. 371, 43.
IIa. RUBBIO-SCAFFALE. 395
Rubbio ein maß für körn; von rubeus, weil die einiheüung des-
selben innen roth gezeichnet war wie bei der pinta.
Ruspare scharren = lat. ruspari durchforschen, dem z. b. Vossius
die ersiere als die grundbcdeutung beilegt.
Ruspo 1) neu gemünzt, 2) rauh. Die letztere bedeutung ist sicher
voranzustellen : sie führt auf ahd. ruspan starren, vgl. ruspil-här krauses
haar. Genues. rüspu bezeichnet einen menschen mit struppigem haar, aber
auch den myrtendorn, es ward alsp mit ruscum verwechselt.
Russare schnarchen. Das glekhbed. ahd. mzzon hätte it. rnzzare
ergeben müssen, aber Herkunft aus einer späteren form russen Schneller
IU, 138 darf vermuthet werden.
Rüvido rauh, uneben. Mit rübidus (roth) kann es keine gemein-
schafl haben, wiewohl selbst rubido gesagt wird, und nicht ohne Jcünstelei
würde es sich aus rudis ableiten lassen. Dagegen braucht Plmius H. N.
18, 10 (23) ein adj. ruidus, dem man passend die bed. rauh beilegt und
daraus konnte mit bekannter einschiebung des v (vgl. fluidus fluvido) das
Hol. wort entstehen. Die stelle ist: major pars Italiae ruido ntitur pilo,
wozu Harduin bemerkt: aspero et impolito, ut recte Hermolaus.
Ruvi8tico, rovistico hartriegd, rainweide; entstellt aus ligustrum,
das man zunächst mit ligusticum (s. levistico I.) verwechselte.
Rnzzare schakern; ungewisser Herkunft 7 gleichbed. Schweiz, rtttzen.
s.
Sala ochse des Wagens, ein in keiner romanischen noch auswärtigen
spräche zu entdeckendes wort. Lat. axis zwar als mathematischer ausdruck
ist vorhanden im it. asse, welches früher, wie noch jetzt mundartlich,
dessen grundbegriff erfüllt haben muß. Da es aber auch assis und as
bedeutet, so fühlte man sich veranlaßt, für jenen wichtigen gegenständ ein
klares wort einzufuhren. Einige mundarten bedienen sich hierzu der ab-
leitung: die maüändische hat assäa, die venezianische assfl (s. Boerio),
gleichsam axile. Man könnte sich statt axile auch axale denken und ein
it. assale, verkürzt aale, darauf bauen, welches denn zur Unterscheidung
von sale (salz) in sala umgebogen worden wäre, denn das in diesem
warte gleichfalls enthaltene ursprüngliche deutsche sala war kein störendes
homonym. Beispiellos allerdings Jst diese umbiegung des Suffixes alis in
ala, aber das aus ass-ale abgekürzte sale ließ dieses suffix nicht mehr fühlen.
Salassare zu ader lassen; zsgz. aus sangue lasciare, vgl. altpg.
sanguileixado. Daneben auch segnare vom fr. saigner, pr. sangnar,
sp. Bangrar, lat. sanguinare.
Sa Ivan o (eigentl. salvan maü.) alp, der die schlafenden drückt;
von Silyanus, dem dasselbe schuld gegeben ward, s. z. b. Schwencks Rom.
mythologie. Dieselbe entstellung des i in a wie in salvatico von silvaticus.
Scaffale gesiell mit fächern, stellbreit; vom mhd. schafe (schaf-
396 IL a. SCALCO-SCATOLA.
reite), bair. schafen (f.), ndl. schap dass. Gleicher Herkunft ist gen.
scaffo bettsteUe, sie. chw. scaffa = scaffale.
Seal co küchenmeister, vorschneider; vom goth. skalks, ahd. seale
diener, auch im iL siniscalco und mariscalco enthalten. Ein franz. es-
calque bei Rabelais bemerkt Menage.
Scalfire ritten, aufkratzen; von scalpere graben, scharren, mit
demselben Wechsel der lippenlaute wie in soffice von supplex. Aber so
ganz zuverlässig ist dieser Ursprung nicht. Woher nämlich das partic.
scalfitto für scalfito? Hat man etwa scarificare umgebildet in scarificere,
inf scarfire scalfire, pari. scalfittQ? Enger noch schmiegt sich das ent-
sprechende sard. seräffiri, das, wie alle stammbetonte verba dieser mundart,
nur lateinischer herkunft sein kann, an dies hypothetische scarificere.
Scalterire, scaltrire fein abrichten, scaltrito, scaltro (vgl. finito,
adj. fino) schlau, listig. Augenscheinlich verwandt ist calterire ritzen^
die haut aufritzen, dessen pari, calterito der bed. von scaltrito fähig ist.
Die erklärungen aus callidus oder aus calce terere u. dgl. sind verwerf-
lich. Wenn ferner Muratori calterire aus cauteriare brandmarken, scal-
trito zugleich aus cautus deutet und sich wegen des buchstabens auf lalda
für lattda, aldace für audace bezieht, so ist dagegen zu erinnern, daß
den mundartlichen (florentinischen) formen mit 1 die ursprünglichen mit u
zur Seite stehen, cauterire aber nicht vorkommt, und daß es, selbst wenn
es vorkäme, kein derivatum von cautus sein könnte. Die herkunft beider
allerdings schwieriger Wörter ist also hiermit nicht ergründet; ob der
folgende versuch besseres leiste, mag zweifelhaft erscheinen. Lat. scalpere
heißt 1) kratzen, 2) eingraben, aushauen, schnitzen. Durch Vermittlung
des sbst. scalpiura entstand scalpturire, das ungefähr dasselbe sagt wie
das stammverbum; hieraus it. scaltrire mit der zweiten bedeutung, die aber
auf die bildung oder Verfeinerung des menschen übertragen ward : scaltrire
definiert die Crusca di rozzo e inesperto fare altrui astuto e sagace, also
aus dem rohen hervorbilden, wie auch der plastische künstler thut, fein
zuschnitzen, verstand und witz ausbilden. Scaltro verhält sich also logisch
zu scalpere wie ykaq>vQog zu ylaq>eiv. Für die erste bedeutung von
scalpturire, worin es bei Plautus Aul. 3, 4, 8 vorkommt (cd. scalpurire),
trat calterire ein, das aber auch die zweite nicht ganz verschmäht. An-
lautendes s fällt zwar sonst im ital. nicht weg9 aber der gleiche werth
zahlreicher Wörter mit und ohne s impurum (sguardo, guardo) mochte zu
dem fehler verleiten, neben scalterire jxueh calterire zuzulassen. Man
merke c noch einige spuren des Wortes in andern mundarten: altsp. escal-
drido = it. scaltrito (jenes nach Gayangos verderbt aus esclarecido),
wedd. scautriment Hahn 599 = scaltrimento.
Scaraffare wegraffen; entspricht besser dem mhd. schrapfen, bair.
schrafen, ndd. schrapen kratzen, zusammenkratzen (vgl. escarbar II. b),
eds dem gr. axaQiqtaod'ai, da betontes a im präs. scaraffö aus i hätte ent-
springen müssen, was gegen die lautgesetze wäre.
Scatola, chw. scatla = hochd. schachte!. Schon Boccaccio braucht
IL a. SCEGLIERE-SCHIAMAZZARE. 397
das wort mehrmals und stets in der bedetdung eines behalters für confect;
auch im späteren üai. miatein kommt es einmal vor. Ist nun aber scatola
aus schachte! oder Schachtel aus scatola? Nach Weigand zeigt sich das
deutsche wort erst im 15. jh. und scheint entstanden entweder aus dem
deutschen schaftel, einem derivatum von Schaft 'repositorium, und so ur-
theäte schon der alte Frisch II, 155c , oder aus dem ital. worte, dem es
auch Wackernagel, Umdeutschung p. 58 \ zuweist; dieses aber wäre aus
dem carolingisch-lat. scatum d. h. aus dem altd. skatt lpecunia, gaza ab-
geleitet. Diese letztere deutung genügt dem begriffe kaum, denn zu einer
gddkasse eignet sich das schwache behältnis wenig; man machte dafür ein
neues wort Schatulle. Erwägt man die, buchstaben, so konnte scatola recht
wohl aus Schachtel entstehen, denn einfaches t vertritt et (cht) auch sonst,
z. b. in pratica, etica (hect.); schachte! aber aus scatola würde eine un-
gewöhnliche einschiebung des ch vor t erfahren haben. Bekennt man sich
zur ersteren ansieht (scatola aus schachtet), so versteht es sich, daß man
dem deutschen warte ein etwas höheres alter einräumt.
Scegliere auswählen. Herkunft aus seligere ist etymologisch mög-
lich; da aber keine form segliere daneben besteht und die übrigen sprachen
nicht dieses, sondern ein neues compositum ex-legere für eligere haben
(sp. esleir, pr. eslire, fr. 61ire), so ist das ital. verbum besser wohl aus
ex-eligere zu erklären, worin die gemination der partikd nicht auffallen
kann, vgl. unten scilingnare.
Scempio marter, Strafgericht; von exemplum gleichbed.
Scendere herabsteigen; verkürzt aus descendere wie struggere aus
destruere, sp. descender.
Scernere, scernire untersdveiden, anzeigen, auslesen; von excernere
absondern, pr. eissernir auseinandersetzen, anzeigen, eissernit auserlesen,
ausgezeichnet: .pr. eis beweist für ex, so daß an secernere oder discernere
nicht gedacht werden darf Dazu Krit. anhang p. 11.
Scerpare zerreißen; /wrscerpere von diacerpere. Churw. scarpar,
com. scarpä von dis-carpere.
Scheggia Splitter, scheggio steiler f eisen; von schidia (o%idiov)
bei Vitruv, in erster bedeutung.
Scherzare schäkern, sbst. scherzo; deutsches wort, mhd. scherzen
fröhlich hüpfen u. dgl., verwandt mit ahd. skerön muthmllig sein? Vgl.
Grimm Reinh. p. 387, SchmeUers Bair. wb. Uly 405.
8 chi&coia,re quetschen, knacken, schiaccia falle; vom ahd. klackjan
zerbrechen, mit verstärktem anlaut, mhd. zerklecken z. b. ein ei (vgl.
Hahn zu Konrads Otto v. 145). Mit fr. äcacher (s. quatto I.) ganz
unverwandt.
Schiaffo maulschelle; vom iischen schlappe, aber nach einer muth-
maßlichen form schlapfe, slapfe, wogegen der ersteren das ven. veron.
Alepa, maü. sleppa gemäß ist. Neupr. vb. eselaßt schlagen, flappen.
Schiamazzare schnattern, lärmen, sbst. schiamazzo, citfr. escla-
masse (daher nhd. schlamasse); von exclamare.
398 H.a. SCHIAKEA-SCIOGLIERE.
Schiarea scharlei, scharlachkraut, salvia horminum L.; von unge-
wisser herkunß, welche auch die ndatein. und altdeutschen formen sclare-
gia, sclarea, scaviola, scareia, scaralega nicht aufzuhellen vermögen.
Schiettö rein, glatt, pr. esclet QO., limous. esclä mit ders. bed.,
chw. schlieft; nichtswürdig; vom goth. slafhts, ahd. sieht, nhd. schlicht,
schlecht. Das neap. schitto hat, gleich dem ndl. slechts, die adverbiale
bed. 'nur (schlechthin) entwickelt, so auch churw. schiett (bei Conradi),
vgl. ü. pure von purus.
Schioppo, umgestellt scoppio krach, knall, feuergewehr, dimm.
schioppetto, scoppietto, daraus sp. escopeta, fr. escopette stutzbüchse,
vb. scoppiare knallen, platzen, zerspringen, letzteres in der L. Sal.: si
quis alternm de sagitta toxicata perentere voluerit et praeter sclupa-
verit 'vorbei geschossen. Persius gebraucht stloppus, woneben auch eine
lesart sclopus angemerkt wird, für den schall, den ein schlag auf aufge-
blasene backen macht: nee stloppo tumidas intendis rumpere buccas:
hieraus, bereits nach der ansieht der alteren etymologen, das itoi. wort,
indem stl zu schi ward, vgl. fisttare fischiare. Eine dritte ital. form
stioppo ist nicht notwendiger weise als unmittelbares produet der lesart
stloppus zu fassen, da schi häufig in sti übergeht (stiaffo, stianto, stinco).
Schippire entwischen; offenbar ein deutsches wort, für selippire
mit unvermeidlicher Unterdrückung des 1, mhd. slipfen {ahd. slipfjan,
selipfjan?), ndl. slippen, ags. slipan, engl, slip gleiten, schlüpfen, weg-
schlüpfen. Nach 1. conj. comask. slippä mit gl. bed.
Scialacquare verprassen, scialacquarsi zerfließen; nach Menage
aus ex-adaquare, nach andern aus ü. scialare und acqua.
Scialare aushauchen; von exhalare, sp. exhalar, ital. auch entstellt
in asolare keichen, gleichbed. mail. esalä.
Sciarra Schlägerei, sciarrare zersprengen, zerstreuen; unbekannter
herkunft, nach Fr. Pasqualino vom aräb. scharr bosheü Qol. 1265, dem
aber die bedeutung des verbums widerspricht. Mit besserm rechte denkt
man wohl an unser ahd. zerran zerreißen, mhd. zar riß, woher it. ciar-
rare, sodann mit prothetischem s, wie oft in deutschen Wörtern, s-ciarrare
werden konnte.
Sciatto plump, ungestalt; zsgs. aus negierendem ex und aptus, wie
auch MSnage erklärt. Oder ist es vom sp. chato stumpf, stumpfnasig,
woher sicher das mail. sciatt dick und kurz? S. piatto I.
Scilinguare stammeln; zsgs. aus ex und elinguare der zunge berauben.
Sciocco unschmackhaft, albern; von exsuecos safttos.
Sciogliere, sciorre sciolsi sciolto losbinden, lösen; dsgl. disciog-
liere, disciorre disciolsi disciolto lösen, schmelzen. JErsteres von exsolvere,
darum sard. isolvere, letzteres (oder auch beide, was sich grammatisch
nicht unterscheiden läßt) von dissolvere. Asciogliere lossprechen, van
absolvere. Die behandlung des v in dem lat. warte ist ungewöhnlich, die
abänderung der conjugationsform, die auch in risolvere risolsi, assolvere
assolsi vorliegt, kann nicht auffallen.
H.a. SCIOPERARE-SERMOLLINO. 399
Scioperare von der arbeit abhalten, daher scifpero, scioperone
müßig, Müßiggänger; von ex und operare.
Scipare verwüsten, verderben; von dissipare, sp. disipar. Ebenso
sciupare von dissupare, einer in den handsckriften üblichen vielleicht
bessern form, die also im ital. forüebt.
Scipido, sciapido fade; von in-sipidus, in-sapidus.
Sconfiggere sconfissi sconfitto aufs haupt schlagen. Exconfigere
widerstrebt der bedeutung, dagegen entspricht derselben das pr. esconfire
esconfis esconfit von ex-conficere : dies nahm der Italiener herüber, lieh
ihm aber, da dessen flexion im übrigen zu figgere stimmte, auch den in-
fimtiv dieses verbums.
Scornare demüthigen, beschimpfen; dttfr. escorner einem die
hörner d. h. den stolz nehmen, cornua saniere, gleichsam excornare; da-
her sbst. sconio.
S cos so (nur vorhanden im lomb. scoss) schoß, gremium; aus dem
deutschen, ahd. scöz. Dasselbe wort ist das wallon. hö für hot, ndl. schoot.
Scotolare flachs schwingen; vom ahd. scutilön schütteln, vgl. weil.
scuturä schütteln, beuteln.
Scotta molken; von exeoeta, weil sie durch kochen von der milch
geschieden oder auf diese weise abgeklärt eu werden pflegen, darum auch
ricotta genannt. Daß das wort nicht im dtschen schotten quark, geron-
nene mäch, das man von schütten herleitet (die milch schüttet sich, ge-
rinnt), seinen grund habe, beweist die comask. form scocia = exeoeta,
wie strecia *= strieta u. dgl.
Scranna bank, auch richterstuhl; vom gleichlaut. ahd. wort, rihd.
schranne mit denselben bedeutungen, Schmeller III, 510. In ci-scranna
sessel mit beweglicher rücklehne ist der erste theil der Zusammensetzung
dunkel.
Scriccio, scricciolo Zaunkönig; vgl. ülyr. zaritsch, krain. stresch
(bei Nemnich). Griech. xqs§, ags. scric, hd. schrick, sind vogelnamen
andrer bedeutung.
Scure beü; durch syncope von securis, wal. secure, sp. segur,
sard. seguri.
Sdrajarsi sich der länge nach hinstrecken; wahrscheinlich das goth.
stranjan oder ahd. strewjan ausbreiten: sd = st wie in sdrucciolare.
Sdrücciolo schlüpfrig, gleitend, vb. sdrucciolare gleiten, stolpern,
daher sp. esdruxulo ; vom ahd. strühhal strauchelnd (nicht zu belegen),
vb. mhd. strfichelen, nhd. straucheln. Die normale bildung wäre sdruc-
colo gewesen.
Sägolo kleine hacke; von secula sichel.
Sema, sem comask., semma maü., adverb für it. ora, volta, z. b.
l'aot sem Valtra volta, semma vun, semma Folter or Vuno, or Vcitro;
vom lat. semel (P. Monti).
Sermollino quendd, ein kraut; von serpyllum, it. auch serpillo,
serpollo, sp. pr. serpol, fr. serpolet
400 U.a. SERQUA-SIRIMA.
Serqua eimdutzend.
Sezzo, sezzajo mit assimiliertem anlaute zezzo üUimus; von secius
schiechter, geringer, in einem glossar des 12. jh. secius lsegnius lang-
samer, später, also ein noch in da sezzo, dem gegensatze von da prima,
deutlich ausgedrücktes zum adjectiv gewordenes adverb. Eben so wohl
würde sich das ited. wort, mit berufung z. b. auf fazzone aus factio, aus
dem von Odlius angemerkten sectius für secius erklären lassen. Eine
form mit cc seccio ist nicht vorhanden, selbst nicht, wie es scheint, in den
sonst so formenreichen mundarten. Den positiv secus hat das cdtsard.
assecus bewahrt, s. ainQois II. c.
Sghembo schief, gekrümmt, piem. mit i sglrinbo; entspricht in be-
tracht seines stammvocals nicht dem lat. scambus (oxa/Ltßog), besser dem
gr. axifdßog kauernd (zusammengekrümmt?), aber das ahd. slimb schief,
bair. schlimm, schlemm, hat vermöge seiner passenderen bedeutung bessere
ansprüche; noch näher liegt dem deutschen worte das bresc. slemba schief
geschnittene Scheibe. Das sie. scalembru, wohl für sclembru sclembu
(romagn. sgal&nbar), scheint gleichfalls dieses Ursprungs. Eine zs$.
muß sein das synonyme schimbescio, schimbecio für sghimb-biescio,
s. biais II. c.
Sgherro schlaget, rauf er; vom ahd. scarjo hauptmann?
Sgneppa Waldschnepfe s. Ferrari, com. sgnep, auch wal. sneap
(m.); vom ahd. snepfa, snepfo, nhd. Schnepfe.
Sgomentare erschrecken, erschreckt werden; von commentari nach-
sinnen, gleichsam exeommentare aus der besinnung bringen, wie schon
Muratori auseinandersetzt.
Sgu&ncio Schiefheit, quere; augenscheinlich von unserm schwank
d. i. biegsam, leicJU ausweichend, schwed. sbst. svank krümme, ndl. zwan-
ken drehen, daher wohl auch scancio für sguancfo, und durch einsekie-
bung eines i = lschiancfo, vb. schiancire. — Ein wort ähnlichen
Uanges ist sie. sgainciu, neap. sgainzo quer (daher sp. esguince aus-
beugung?), entweder eine ablautform von sgaancio oder aus dem (tischen
windisch, winsch schief, vgl. auch engl, squint Zu diesem sgainciu ver-
hält sich das it. schincio (cremon. bes-sebinz), vb. schencire, als aus-
artung wie scancio zu sguancio.
Sido strenge kälte, assiderarsi vor kälte erstarren; von sidus eine
krankheit, er starrung, siderari erstarren, fühllos werden.
Sino und insino präposition, tenus, bis; muthmaßlich entstellt aus
Signum zeichen, ziel, wie die präp. fino aus finis genommen ward. Die
churw. spräche besitzt sin la fin cam ende.
Sione Wirbelwind; von olqxav Wasserhose, auch fr. siphon, lat.
siphon. F zwischen voceden syncopiert gehört in der itcd. Schriftsprache
unter die seltnen ereignisse.
Sirima die letzte abtheüung einer Strophe, abgesang; von syrma
(ovQfta) schleppe, auch ins walach übergegangen, serm^ faden, und ins
alban., sirm^ seide.
U.a. SLITTA-SPALANCARE. 401
Slitta sckUtten; vom ahd. slito> kaum fem. slitä. Daher com.
slitigä gleiten.
Smacco schimpf, smaccare beschimpfen; vom ahd. smäht schmach,
smähen schmähen, gering werden, smähjan erniedrigen. Bas doppelte
cc sta# «wes einfachen c oder g rechtfertigt sich mit ricco t?on rihhi,
taceola von täha. Davon zu trennen ist smaccare in der bed, matsch
werden, s. macco I.
Smalzo venez. btdter; vom dtschen schmalz.
Smänia tollheit, smaniare toben; von mama, gr. fiavia, auch it. manfa.
S Office weich, geschmeidig; von supplex demüthig, so daß also
hier, was selten geschieht, die sinnliche bedeutung sich aus der abstracten
entfaltet hat. Die probe dieser etymologie leistet das fr. souple, dessen
form zu supplex, dessen begriff au soffice paßt. F aus p ist freilich
selten, aber der offenbar lateinische typus des Wortes, die tonlose endung
Tee, läßt keine andre wohl eu.
Solcio sulze; vom deutschen wort, ahd. sulza. Auch pr. solz, soutz
'cames in aceto GProv. 54. 57. Solcio ist ein fall, worin ein altdtsches
feminin auf at gegen die reget zum masculin geworden ist; Graff hat
übrigens auch sultz ohne a.
Solleticare kittein; nach Ferrari von sub-titillicare, also umgestellt
aus so-tellicare ; nach Muratori umgestellt aus sollicitare sc. digitis. Fer-
rari's erklärung gebührt diesmal der vorzug: sie wird durch das neap.
tellecarc gestützt, dem nur titillicare, nicht sollicitare gemäß ist. Aus
titillicare ist auch dileticare für tileticare.
Sollione zeit der hundstage; sub leone, weil die sonne alsdann im
zeichen des löwen steht.
Sollo locker. Der lat. ausdruck dafür ist solutus: hieraus konnte,
wie von mutus mutolo, ein diminutiv söltolo {vgl. assolto neben assoluto)
zsge. solt'lo sollo entspringen, auch spalla aus spat'la zeigt assimilation
des tl zu 11. Die etymölogen haben dieses wort übergangen.
Sottecco, sottecchi adverb, verstohlener weise; nach der Orusca
von sott1 occhio, was die venez. form sotochio zu bestätigen scheint.
Sovatto, soatto leder zu riemen; vom lat. subactum in der be-
deutung gegerbt
Spaccare spalten, spaccarsi bersten; vom mhd. spachen bersten
machen, spalten, bair. (intrs.) bersten, nhd. spaken dass. Das sbst. ahd.
spacha ast, scheu fehlt dem Romanen.
Spago bindfaden, ungr. sparga. Nach Ferrari von spartum seil
oder schnür aus einer gewissen pflanze (sp. esparto) gedreht, woraus
sparticus sparcus spacus entstehen mochten. Beide letztere formen
trifft man . in der that im frühern mlatein als gleichbed. mit ahd. drät
Graff V, 239, doch muß sparticus jenseits der roman. Sprachbildung liegen,
da diese von dem suffix Tcus in seiner männlichen form sonst keinen ge-
brauch macht.
Spalancare aufsperren. Palanca it. pfähl, Stakete, s. pianca L,
2C
402 H.a. SPALDO-SPRAZZARE.
palancato pfahlwerk besonders zum sehnte eines stadtthores, daher spa-
lancare das thor öffnen, sp. espalancar ausbreiten z. b. die arme.
Spaldo, veron. ven. spalto erker, plur. spaldi vorspringender gang
oben auf einer mauer; ursprüngl. wohl rinnen, einschnitte, vom dtschen spalt?
Spanu sicil. adj. selten; vom gleichbed. gr. onavog mit Pasqualino.
Spassarsi sich erlustigqn, spasso vergnügen, daher unser spassen,
spaß; keine Zusammensetzung mit it. passare, sondern frequentativ des
lat. expandere expassus sich ausbreiten, sieh auslassen.
Spegnere auslöschen. Starke (sogenannte unregelmäßige) itcA.
verba fließen fast ohne ausnähme nur aus starken lateinischen: darum
spegnere spensi spento aus lat. expingere expinxi expictns ausmalen,
in dem sinne von wegmalen, ausstreichen. So erklärte es schon Muratori;
jede andre deutung ist abzuweisen.
Speme und spene hoffnung; beide formen poetisch und spene schon
bei den ältesten dichtem und nicht bloß im reim. Es ist entweder eine
augenscheinliche accusativform von spem, oder die form spene gieng vor-
aus als eine paragogische aus spe wie piene aus pi&, mene aus me, tene
aus te u. dgl., über welche erweiterungen Castdvetro zu Bembo II, 98 und
mit bezug auf speme Blanc 137 nachzusehen sind. Die erstere erJdärung
aber hat mehr für sich, da n vor einem vocale it<ü. nicht in m übertritt,
eher das umgekehrte stattfindet (fornire für formire, sono von sum). Ein
valenc. esp£ neben esper verzeichnet Ros Dicc. vat.
Spändere ausgeben, von expendere, sp. expender, woher auch unser
spenden, schon ahd. spentön; spesa aufwand, von expensa (fem. oder
neutr. plur.), mlat. spensa, hieraus unser speise, ahi. splsa, churw. spisa;
spendio von dispendium. Davon handelt auch Schmeller III, 678.
Spignere, spingere fortstoßen; gleichsam expingere, mit vertausch-
ter compositionspartikel nach impingere von pangere geformt, wie auch
pr. espenher neben empenher besteht.
Spfgolo ecke einer platte; von spicnlum spitze. Eine andre dar-
Stellung desselben wortes ist spicchio knöpf des knoblauchs, viertel einer
birne u. dgl., scheibchen pomeranze, Schelfe der zwiebel (etwas spitzes
oder scharfes), venez. gleichfalls spigolo, neap. spicolo; dafür auch ven.
veron. spigo = lat spicus, spicum, vgl. chw. spig bergspitze. Das
romagn. spigul einigt die bedd. von spigolo und spicchio. Letzteres
ist also nicht von spiccare, woraus nur spicco, spicca hätte entstehen
können.
Sponda, pr. esponda brustwehr, ufer, rand; von sponda, fußgestett
des bettes, eine auch den roman. Wörtern noch vergönnte bedeutung.
Sporto vor sprung, erker; partic. von sporgere, lat. exporrigere
hervorstrecken. Sportello thürchen deutet Menage aber aus porta.
Spranga riegel, querholz, spange; vom ahd. spanga, das dieselben
bedeutungen zeigt, mit eingeschobenem r.
Sprazzare, sprizzare, spruzzare, drei durch die ganze ab-
lautscala gehende verba, den deutschen verbis spratzen, spritzen, sprützen
tta. SPRECARE-STIMARE. 403
nachgebildet. So auch sbrizzare benetzen, zerbröckeln, chw. sbrinzlar,
vgl. sbrocco neben sprocco.
Sprecare verschütten, verschwenden. Latium scheint kein etymon
zu bieten. Oder soll man, gestützt auf gemere gemicare, eine ableitung
aus it. spergere besprengen, verschleudern, daher spergicare, SQdann mit
der ziemlich harten syncope spercare sprecare annehmen? Da es erlaubt
ist, mit logisch gleichartigen beispielen andrer sprachen zu argumentieren,
so könnte man das ags. sprec zweig, engl, sprig, heranziehen, von welchem
das fragliche verbum stammen würde, wie das sp. derramar zerstreuen,
verschwenden von ramus stammt; ein ital. sbst. spreco fehlt. Endlich
käme ein deutsches verbum sprecken besprengen (d. i. ausstreuen) in be-
frachte su folgern aus obd. sprecklicht besprengt, mhd. spreckel haut-
flecken und andern.
Squarciare zer stücken, zerreißen; buchstäbl. viertheilen, von ex-
quartare (it. squartare, fr. 6carteler), erweitert in ex-quartiare. Neap.
8quartare aber hat schon an und für sich die bed. von squarciare.
Squittire zwitschern, schreien; vgl. bcrir. quitschen.
Staffa it. chw. Stegreif; vom ahd. staph, stapho schritt, tritt, woher
wohl selbst das spätere lat. stapia. Abll. sind staffetta, sp. estafeta, fr.
estafette: cursor tabellarius, cui pedes in stapede perpetuo sunt, nach
Ferrari; dsgl. staffile bügelriemen, staffilare mit riemen peitschen, staffi-
lata hieb, fr. estafilade schmarre.
Staggire in beschlag nehmen, auspfänden, dsgl. anhalten, hemmen,
staggina Sequester. Nicht etwa von Status oder statio, da sich kein verbum
statiire annehmen läßt. Es mag, wie viele ausdrücke aus dem rechts-
wesen, deutscher abstammung sein, von statigön sistere, hemmen, oder von
st&tian (st&tan) fest machen, heften.
Stambecco, das ahd. stainboc, g&tfr. umgekehrt bouc-estain, chw.
stambuoch, s. Menage und Le Duchat.
Stamberga schlechte hätte; aus seinem letzten theile zu schließen,
ein deutsches wort.
Stecco dorn9 stecea stdb, scheit, stecehire verdorren; vom ahd.
steccho stecken, Stachel, ndl. stek sprosse. Vgl. ätiquette II. c.
Stentare zaudern, darben, chw. stentar muhe haben, it. stento noth,
mühseligheit, chw. stenta; von äbstentare für abstinere sich enthalten,
kunger leiden. Dahin auch bi stentare, bistento, pr. (von tentiare)
bistensar, bistens, atifr. bestancier, bestans.
Stesso, istesso, pronomen; von iste ipse. Diese abkürzung von
iste zeigt sich schon in den besten lat. handschriften, worin man 'sti,
'ßtorum, 'stoc, 'stunc liest. 8. Corssen, Lat. ausspräche II, 82. 83.
Stia hühnersteige; vom ahd. stfga stiege, steig, nicht vom synonymen
steiga, goth. staiga, welchem ein it. staga entsprochen haben würde.
Stimare wofür halten; von aestimare, im präsens mit fortge-
rücktem aecent stimo, estimo. Die form stimare im altern mlatein} s. Gl.
Keron. p. 145*. \
404 u.a. STINOO-STRUGGERE.
Stinco, moden. ven. schinco, mail. schinca Schienbein; vom ahd.
skinko röhre, flöte, rrihd. schinke bein.
Stio, lino stio art lein, der im märe gesät wird; nach Manage von
sativum, ailso mit ausfall des ersten vocals tote in staccio von setaceum.
Besser von aestivum sommerlein.
Stovigli, stoviglie irdenes geschirr, hüchengeschirr; nach Muratori
vom dtschcn Stabe d. i. küche; besser vom ahd. stouf = altn. stäup,
ags. stedp becher, schale, dimin. ahd. stoufili. Dahin auch dttfr. esteu
GhevdUet I, 440.
Straccare abmatten, stracco für straccato erschöpft; vermuthlich
vom ahd. strecchan in der bed. hinstrecken, zu boden schlagen. Auch
prov. estracar scheint ermüden eu bedeuten: jornadas grans e longas et
estracadas große, lange und ermüdende (ermüdete) tagereisen LR. s. v.
estraguar.
Strale (m.) pfeil; vom ahd. sträla (f.) mit gl. bed., oder besser,
denn sträla würde sein weibliches a auch im itdt. nicht aufgegeben haben,
vom mhd. str&l (m.) = ags. strsel (m.), diese nach Wackernagel von
straejen ausstreuen. Auch im slavischen heimisch.
Strappare ausreißen, strappata riß, ruck, sp. estrapada, fr. estra-
pade; vom obd. (Schweiz.) strapfen ziehen, nhd. straff fest angesogen.
Vgl. estraper II. c.
Stratto seltsam, wunderlich; für astratto (abstractus) oder distratto
(distractus) in gedanken vertieft.
Straziare mishandeln, strazio mishandtung, zerfleischung u. dgl.;
von distractus zerrissen, gleichsam distractiare. Schon Muratori war
dieser meinung.
Strillo lautes geschrei, vb. strillare; von stridulus rauschend, sausend.
Striscia streif, strisciare streifen, schleichen. Es ist schwer zu
sagen, in welches etymon sich dies wort am wenigsten fügt, in das lai.
strix, strigis, da es alsdann eine beispiellose nominativform (strixa) vor-
aussetzte, oder in das dtsche strich, da dtsches ch sich nie in it. sei wan-
delt: nur ein ahd. verbum strichisön würde genügen. Logisch paßt striscia
besser zu strich als zu strix: una striscia di paese ist genau ein strich
landes; man sehe auch Muratori.
Stronzare beschneiden; vom ahd. strunzan abschneiden (nur strun-
zere detruncator). Sbst. stronzo, stronzolo runder dürrer koth, attfr.
estront, nfr. £tron Jeoth, nhd. strunzen, strunzel abgeschnittenes stück s.
Schneller III, 688, ndl. stront dreck, mist, eigentl. abschnitt, abfaU, weg-
wurf (dunkler würzet).
Strozza kehle, strozzare erwürgen; vom ahd. drozzä gleichbedeutend
mit ersterem.
Struffo, strufolo häufe läppen; wohl vom dtschen strupf etwas aus-
gerauftes, ahd. stroufen rupfen, abstreifen.
Struggere zerstören; für distruggere = destruere. Das einge-
schobene gg erklärt sich aus einem früheren hiatustilgenden j in destru-
H.a. STUZZICARE-TAN4 405
jere, statt dessen das mlatein lieber das lautverwandte g setzte (trägere
für traere d. i. trahere). Nicht anders verhalt sich altpg. trager von
trahere, daher npg. trazer. S. Rom. gramtn. I, 179.
Stuzzicare antreiben, einfacher moden. stussa, chw. stuschar; vom
dtschen stutzen anstoßen. Veneroni kennt überdies stozzare einprägen.
Subbia meißei; von sübula pfriemen.
Suc ciliare saugen; gleichsam succulare, von sucus, succus soft,
s. suco I. Es bedeutet auch bohren, weil der bohrer, d. h. der hohlbohrer,
die späne in sich sieht, davon das sbst. succhio, nicht von subula, wie
andre wetten (bl nicht = cchi), und wohl auch nicht von sueula eine
maschine zum ziehen, haspd, winde.
Süghero kork; für süvero von süber, indem v ausfiel (su-ero) und
gh später zur beseitigung des hiatus eintrat; ebenso pavone pa-one pa-
gone = lat. pavo. Im ven. und cot. suro ward der hiatus durch zu-
sammenziehung beseitigt.
Sugna fett, schmeer; von axungia wagenschmeer, vgl. die venez.
form sonza (z = lat. gi), mail. sonsgia.
Susina pflaume; vielleicht nach der Stadt Susa benannt, woher sie
stammen mochte (Muratori).
Sveglia 1) wecker in der uhr, 2) ein nicht mehr übliches blasin-
strument, dsgl. einer der es bläst. Kommt in erster bedeidung vom vb.
svegliare wecken = lat. evigilare (s. vegliare L); in der zweiten leitet
es Pott, Ztschr. für vergl. sjprachf. XII, 192, überraschend vom goth.
sviglja avbjrrjg pfeifet, ahd. suegalä pfeife, gegen welche deutung die
etwaige emwendung, man habe mit der pfeife geweckt und so habe für
wecker und pfeifet dasselbe wort üblich werden können, nicht schlagend
genug sein würde.
Svellere, svegliere ausreißen; von exvellere für evellere.
T.
T&ccola eist er, täccolo schakerei, taecolare plaudern; vom ahd.
täha cornicula, wie schon Graff s. v. anmerkt, oder vom unvorhandenen
tahala, woraus nhd. dohle, vgl. Grimm P, 131.
Tagliuola f allstrick, f angeisen; wie pedica von -pes, so dieses
wort von talus knöchel (der thiere), eine unzweifelhaft richtige deutung
Muratori1 s.
Tana it. chw. neupr. hohle wilder thiere. Es soll abgekürzt sein
aus sottana, lat. gleichsam subtana, subtanea, dem man die bed. unter-
irdisch beilegt, und so könnte auch das entsprechende comask. trana
(wofür auch trona) aus sotterrana, subterranea gedeutet werden:
leicht nämlich läßt die ital. spräche eine unbetonte ardautssübe schwin-
den. Oder ist tana das auf ein scheinbares primitiv zurückgebrachte
fr. tariere?
406 r ILa. TANFO— TOZZO.
Tanfo modergeruch; wohl das ahd. tamf, nhd. dampf. Derselben
herkunft ist das champagn. tanfer keichen = ahd. tamfjan ersticken.
Tarpare die flügel stumpfen; woher?
Tättera gerümpd, plunder; vgl. engl, tatters, ndd. taltern fetzen,
dhd. zatä zotte.
Tecchire, attecchire zunehmen, wachsen; offenbar vom goth. thei-
han, alts. thihan = ahd. dthan, nhd. gedeihen: t aus dtschem th ist be-
kannt, langes i aber fiel in eine tonlose silbe und konnte also wie kurzes
i behandelt d. h. durch e dargestellt werden. Diesem tecchire entspricht
altfr. tehir (vgl. it. gecchire, aitfr. gehir), das auch wachsen machen
heißt: ensi me puise dieus tehir Eracl. 2302. Davon zu trennen ist
piem. tec crassus, vom ahd. thik, nhd. dick.
Tämolo it. eine ort fordlen; vom adj. thymTnus, weil ihr fleisch
nach thymian riecht. Ein sp. tfmalo in einigen wbb. (fehlt pg. cot.)
Tempella (mdartl. tamperla) ein instrumenta durch dessen klap-
pernde Schwingung die manche zum kirchendienste geweckt wurden; nach
Muratori von tempus zeit, nämlich zum aufstehn. Hieraus das vb. tem-
pellare langsam hin- und herbewegen (wie jenes instrufaent), intr. schwan-
ken, auch in moralischem sinne, tempellone unentschlossener mensch. Ein
besseres etymon gewähren die Quellensprachen nicht.
Testeso und testö adverb für tat. nuper. Nach Ferrari von statim,
nach Menage von isto isto ipso sc. tempore, welches aber stestesso er-
geben hätte, da anlautendes s nicht Schwindel. Es ist von ante ist1 ipsum,
antesteeso, mit abgefcdlnem an, was keine Schwierigkeit macht, ähnlich
fante (infans), bilico (nmbilicus). Der Wechsel zwischen giü und giuso,
su und 8U80 gewöhnte aber daran, auch teste, testeso für testesso zu
sprechen.
Ticchio wunderlicher einfalle Ist dies nickt augenscheinlich aus
unserm ahd. ziki böckchen wie das mit ticchio gleichbed. Capriccio aus
capra gebildet?
Tomajo Oberleder; ngr. to/uccqi, russ. towär leder, s. Diefenbach,
Goth. wb. I, 207. ■ $
Tondo rund, als sbst. Scheibe, tondino reif, teuer (auch ins span.
übergegangen); von rotundus durch aphärese. Eine zss. ist bis -tondo
rundlicht, worin bis das unvollkommne der eigenschaß ausdrückt, piem.
bis-rioncL
Tönfano tiefe stelle im wasser, Strudel; ist das gleichbed. ahd.
tumphilo (gurges 'wag vel tumphüo Gl. Bhdb. 954b), mhd. tümpfel, nhd.
dümpfel. Auch außerhalb Italiens läßt sich das wort betreffen: npr.
toumple, altpr. tomplina.
Topo rotte, maus; = sp. topo, cat. taup maulwurf; von talpa,
verändert in talpus, im Vocdb. SGall. talbas 'scero* (schermaus). Romagn.
fem. topa in der bed. des it. topo.
Tozzo dick und kurz, sbst. tozzo runken brot u. dgl. Entweder
ward dieses wort aus in-tuzzare (s. oben) gefolgert, oder es entsprang
H.a. TRA— TROSCIA. 407
aus dem deutschen (schwäbischen) stotz stamm, stumpf, klotz (Weigernd II,
816), vgl. auch hd. stutz ein abgekürztes ding. Allerdings müßte das itai.
wort eigentlich stozzo lauten, aber die möglichkeü eines abfalls des s impurum
ist einzuräumen, s. oben scalterire und vgl. femer it. pasmo für spasimo.
In dem verwandten stuzzicare hat ein solcher abfaU nicht stattgefunden.
Tra präposition; abgekürzt von intra wie fra von infra.
Tralce, tralcio weinranke; von tradux traducis dass., verwandelt
in tranicis (s. Ducange tranex) wie perdicis in pernice, sodann in trance
tralce, lomb. trosa.
Tramontana norden, nordwind, nordstern (auch ins prov. span.
frone, übergegangen); von transmontanus über dem gebirge (den Alpen)
befindlich, nach norden liegend.
Trampolo (nur im plur. üblich) stehe; vom dtschen vb. trampeln,
nord. trampa, dies vom goth. trimpan. Desselben Ursprunges ist pr.
trampol getrappel GO.
Trassinare durchspüren, auch mishanddn, strascinare und stra-
scicare schleifen, schleppen, sbst. strascino und sträscico schleife; muthmaß-
lich aus dem pr. traissa schleppe (schleppnetz), trassa spur, s. tracciare I.
Trastullo Zeitvertreib, vb. trastullare; vom ahd. stulla zeitpunet,
stunde, nach Mtnage von transoblectulare, nach Ferrari von interlusitare,
beide lurwörter ohne alle ähnlichkeit. Merkwürdig ist, daß auch unser
stunde, ahd. stunda 'momentum, hora, eintjang ins romanische fand: für
das altsard. istunda zeitpunet Spanu Ortogr. I, 171 und das gleichbed.
cot. estona {vgl. segona aus lat. seeunda) wird sich schwerlich ein anderes
etymon aufzeigen lassen.
Tregenda geisterchor, der in langer reihe mit brennenden herzen
umherzieht: che noi scontrammo tanti lumicini . . ognun brueo, ch' eil'
era la tregenda Pulci Morg., daher die redensart andare in tregenda
con le streghe mit den hexen fahren; von trecenta, als ausdruck einer
großen menge, in welcher allgemeinen bedeutung das ital. wort gleichfalls
vorkommt (Alberti).
Treggia Schlitten, schleife; nicht aus dem deutschen verbum trechen,
trecken ziehen, schieben, da deutsches ch oder k nicht zu ital. g wird,
vielmehr aus einem worte des romischen landbaues, trahea wagen ohne
räder zum dreschen des getreides: tribulaque traheaeque et iniquo pon-
dere rastri Virg. Georg. 1, 164, romanisch ausgesprochen traja, mit einem
im ital. allerdings seltnen umlaute des a in e.
Troglio Stotterer; vom gleichbed. gr. rgavXog.
Tronfio aufgeblasen, hochmüthig, aufgebracht; etwa vom gr. tqvqn)
hoffart, woher auch wal. trufie und vb. trufi sich aufblähen.
Troscia rinne, vom wasser gebildet, mit vorgesetztem s stroscio
geräusch von fallendem wasser, strosciare herabströmen; buchstäblich das
goth. ga-drausjan herabstürzen, nhd. dreuschen gleichfalls von regengüssen
gebraucht, ndd. drusen, s. Diefenbachs Goth. wb. II, 643. Das ital.
wort setzt eine form mit anlautender tenuis voraus.
408 H.a. TRUOGO— VAGO.
Truogo, truogolo, waltroc tntdde; ahd. trog. Es findet sich auch
ein altfr. troc Er ad. v.4443 u. 4608 (mit den Varianten croc und flos),
noch jetzt norm, treu und tros backtrog.
Tuffare eintauchen; vom ahd. toufan, mhd. taufen, vgl. wegen u
aus ou rubare von roubön.
Tuorlo, torlo dotier; von torulus muskd, fleischige stelle (nähr-
haßer theil des eies), bei bäumen der Splint, piem. torlo kleine geschundst,
beide.
u.
Ubbia abergläubische furcht, dhnung, schlimme Vorbedeutung. Sehr
su beachten ist bei diesem räthselhaßen worte, was Wackernagel darüber
vermuthet, daß es nämlich aus getrennt gesprochenem ob vfam herrühre,
welches neben öbviam bestanden haben könnte, und somit dem mhd. ane-
ganc (bei antritt des weges entgegenkommendes Vorzeichen) entspreche.
Noch auf andre weise würde sich das wort erklären lassen. Es könnte
aus den beiden interjectionen uh und via zusammengesetzt sein und fort!
weg damit! bedeuten, also eine abominatio ausdrücken. Die Verwand-
lung des v in b ist bekannt.
Uggia schatten (besonders in üblem sinne), figürl. uniust, widencille,
gute oder schlimme Vorbedeutung, aduggiare nachtheilig beschatten, be-
lästigen. Man erklärt es aus opacus, sogar aus urere, aus udus oder
uvidus (syneopiert uvius), und letzteres wäre zwar formell tadellos, aber
das ital. wort heißt recht eigentlich schatten, auch moralisch verstanden.
Ist es das kymr. hudd schatten, dämmerung, huddiad beschattung? Es
wäre alsdann vielleicht das einzige partiell ital. wört celtischer herkunft.
Weit besser empfiehlt sich das lat. obviam im wege stehend, hinderlich,
vgl. altsp. uviar begegnen, in guter und schlimmer bedeutung. Passender
noch erscheint lat. odium mit seinem ganz zutreffenden begriffe haß oder
abneigung: essere in uggia, venire in uggia ad alc. ist = lat. in odio
esse, odio venire alicui. Uggia ist der den gewachsen verderbliche, ver-
haßte schatten, hieraus folgte schlimme Vorbedeutung, endlich überhaupt
Vorbedeutung. Wegen des abweichenden genus vergleiche man noja, gleich-
falls aus odium, wegen des u für o uscio für ostium.
Upiglio knoblauch; von ulpicum, ulpiculum.
Utello irdenes ölfläschchen; aus uter abgeleitet.
v.
Vaglio sieb; von vallus futterschwinge, bei Varro, dimin. von
vannus; modenes. richtiger vallo, da sich 11 sonst nur vor i und e erweicht.
Vb. vagliare, dafür lomb. vanta d. i. vannitare.
Vago 1) unstät, 2) lüstern, 3) reizend. Auch in den letzteren be-
H.a. VAJO-VERUNO. 409
detäungen ist es von vagus: wer von einem zum andern mädchen schweift,
bei edlen sich einschmeichelt, der lüsterne, verführerische, konnte lat. vagus
genannt werden; ital. vago als subst. heißt überhaupt liebhaber.
Vajo art pelz, grauwerk; weder vom gr. <paiog, wie Muratori wül,
noch vom dtschen fleh : es lautet pr. vair, woher vairador kürschner, und
kann nur aus varius (bunt gefleckt) entstanden sein, wenn es auch specieU
schwarzfleckig bedeutet.
Vampo, vampa gluth, vb. avvampare; von vapor mit abgestoßenem
r wie in sarto, pepe, cece u. a., daher auch vampore, wdld. vanpor
Bahn 691. Eine form ohne eingeschobenes m ist vapa PPS. II, 32,
cüban. vape, wai. vepäe mit gl. bed. Auch sp. hampa prahlerei kann
dieser herkunft sein, wiewohl ein vermittelndes fampa (f aus v, s. he IL b)
mangelt: it. menar vampo heißt prahlen, aufschneiden. Das bürg, vamböe
rauchwolke wird demselben stamme zufallen.
Varcare, valcare, valicare hinübergehen, überschreiten, chw. vargar
übertreffen, sbst. it. varco durchgang. Ohne zweifei von varicare die fuße
auseinander sperren, grätschen, wie man denn, was die form mit 1 betrifft,
für praevaricare auch prevalicare sagt: man nahm varicare in der wei-
teren bed. sich fortbewegen, vgl. lat. passus schritt, eigentl. ausspreizung
der beine. Schon die Isid. glossen gewähren varicat fambulat\ ein anderes
altes glossar varicat 'divertit vel ambulat' Class. auct. VI, 660*.
Vasca kufe; basca bereits in einer Urkunde vom j. 660 bei Maffei,
Stör. dipl. p. 172. Cdtisten werden an das bekannte bascanda, germa-
nisten an waschen erinnern, Hervas, Catal. dette lingue p. 207, zerlegt
es in das bask. nicht vorhandne u-asca Wasserbehälter. Es kann aber,
für vasica stehend, aus vas abgeleitet sein.
Vedetta wache, Wächter, fr. vedette. Man leitet es getrost aus
dem vb. videre; da aber ableitungen aus verbalstämmen mittelst des Suf-
fixes ett höchst selten oder zweifelhaft sind und selbst der begriff nicht zu
genügen scheint, so darf man der vermuthung räum geben, es sei aus it.
veletta (s. veglia I.) entstellt.
Vjeggia faß, fuder; leitet Ferrari passend von vehes führe, fuder,
später gesprochen veges, vejes (s. Ducange), durch unibiegung nach der
1. declination veggia. Vgl. wegen des eingeschobenen g oder j oben
struggere. Noch kürzer würde es sich auf das sabinische veia 'plaustrum'
bei Festus zurückleiten lassen.
Ventävolo nordwind; entstellt aus ventus aquilus?
Vermäna Schößling; von verbena zweig, eigentl. heiliger zweig.
Verona offener gang, erker. Ungefähr dieselbe bedeutung hat an-
drone, gr. ovöqiAv gemach für männcr, von avrjQ: artig wäre es nun,
wenn man dies mit vir ins lotein. übertragen hätte, vir-on verone.
Veruno pronomen, nuüus. Dazu kommt noch altit. venrallo PPS.
I, p. 302, vgl. vere nnllam finnitatem non habemus Fumag. p. 491 (v.
j. 882); mlat. auch verullus, verhullus das. p. 288—290 (v. j. 853) ;
sodann mundartlich ital. vergotta, vergott aliquid. Man deutet ver-uno
410 H.a. VETRICE-VINCIDO.
aus vel unus (si vel unus exteterit auch nur einer L. Sal. tu. 45), mit
beigefügter negationspartikel s. v. a. lat. ne unus quidem, oder it. ne pure
uno. Verwandlung des \ in t zwischen vocalen ist im ital. allerdings
ungewöhnlich, konnte aber durch das zusammentreffen desselben wortes mit
consonanten in vel-nullus oder vel-gutta leicht bewirkt werden. Das da-
sein der partikel vel auf nordwestlichem gebiete muß jeden Zweifel heben,
altfr. vels an ist genau das it. veruno, s. veaus IL c ; auch das wal. vre
in vre-uü u. a. Zusammensetzungen scheint derselben kerkunft.
Vötrice wasserweide; für vetice von vitex.
Vetta 1) gipfel, wipfel, kuppe, spitze, 2) reis, gerte. Nach einigen
von Vertex, aber r scheidet nicht aus vor t; nach Muratori zusammenge-
zogen aus vedetta €anhöhe, woher man sich umschaut\ aber vedetta hat
diese bedeutung nicht. Ist das wort, da sein anlaut latein. herkunft for-
dert, = vitta köpf binde der priester, indem hieraus die bedd. kuppe, gipfel,
spitze (daher auch gerte) erfolgten, wie dies bei apex priestermütze geschah ?
Vi cen da Vergeltung, abwechselung ; eigentl. was die stelle vertreten
muß, von vice, vece, lat. vicis, mit anwendung der verbalableitung enda
(leggenda u. dgl.) auf ein Substantiv. S. Castelvetro zu Bembo II, 262.
Vie und via adverb des grades vor dem comparativ, z. b. vie piü
duro weit härter. Ist es vom sbst. via weg, daher strecke, weite, länge?
aber via kann nicht das maß des weges, noch weniger ein großes maß
bezeichnen. Auch die ital. interjection via befriedigt nicht. Ansprechender
ist Menage9s deutung aus lat. vis fülle, menge (die auch Gcdvani verficht,
Archiv, stör. ital. XIV, 364), nur müßte man in dem ital. warte nicht,
wie er will, den ablativ (denn vi durior gibt keinen passenden sinn),
sondern den auf roman. weise gebrauchten accus, annehmen: eine fülle
härter, wie fr. beaucoup plus dur. Aber befriedigender wäre ein dem
roman. gebiete bekanntes wort (vis ist ihm unbekannt) in einer weniger
unlateinischen und weniger pretiösen anwendung, und dies bietet sich in
dem adv. vive, das leicht in vie syncopiert werden und seinen auslaut,
wie andre Wörter dieser classe (pria, senza), auf a bilden konnte. Vive'
durior wäre 'lebhaft härter9 oder 'ausnehmend härter*, denn letztere be-
deutung hat das ital. adj. vivo entwickelt.
Vigliare die spreu vom gedroschenen körn mit zweigen oder kleinen
lesen abkehren, dsgl. auslesen, auswählen; muthmaßlich für vergliare =
verriculare, das man aus verrere ableitete, wobei das radicale e, zur
Scheidung von vegliare, mit i getauscht ward. Aus dem verbum entstand
das sbst. viglio, wofür aber nur vigliuolo üblich ward.
Vinchio weidenzweig, von vinclum; daher awinchiare umwinden,
vgl. vinculatus bei Cod. Aurd.
V i n c i do weich, mürbe durch feuchtigkeit; wahrscheinlich für viscido
von viscidus klebrig, zäh: pane vincido ist brot, das im keUer weich
oder zäh geworden. Dieselben bedeutungen hat auch dassard. bischidu,
das handgreiflich von viscidus stammt. Genauer trifft mit viscidus das
wal. veasted zusammen, das aber welk bedeutet.
H.a. VINCO-ZANNI. 411
Vinco weide, bindweide. Da das diminutiv dieses Wortes yinchio
lautet, Meiner weidenzweig, offenbar das lat. vinculnm (s. oben), so scheint
vinco tu den fällen eu gehören, worin ein derivatum auf sein (vermeint-
liches) primitiv zurückgeführt ward: vincalum schien vincum vorauszu-
setzen. Wie in andern sprachen nannte man die weide etwas bindendes.
Vizzo und*guizzo welk; muß im gleichbed. vietus seinen Ursprung
haben, das aber behandelt ward wie rudis u. a., s. oben fajo.
Volgere neben volvere wenden dankt sein g der anälogie andrer
stark flectierender verba, deren stamm auf diesen buchstaben ausgeht:
ergere ersi erto, tingere tinsi tinto, so denn volgere volßi volto. über-
tritt des v in pälatedes g ist nicht romanisch.
Voto leer, hohl, votare ausleeren. Das ven. vodo und mehr noch
das piem. void, lomb. voeuid (vöid), sard. boidu, boitu leiten auf das
aitfr. vuit = nfr. vide, aber das it. t fügt sich nicht hinein. Sollte
darum voto syncopiert sein aus dem partic. volto, welches { l gewölbt, ge-
höhlt* bedeutet hatte (s. volta L), d. h. sollte es aus dem neap. dialecte
herrühren, worin man vota für volta, votare für voltare sagt? Für diese
ansieht spricht etwa, daß votare auch umwerfen heißt wie voltare, daß
ven. luna voda den abnehmenden mond bedeutet, wie man ital. sagt la
ltma volta der mond nimmt ab. Was aber die media der oberited. mundarten
betrifft, so wird man einfluß des nahe liegenden prov. Wortes annehmen
müssen, da lt nicht wohl zu d werden kann- Ältital. findet sich auch
voitare PPS. II, 29. Das sard. vb. s-buidai schließt sich den oberitai.
formen an. .
z.
Zäccaro , zäcchero klunker von koth an schafen, ziegen und anderm
vieh; etwa das ahd. zahar, mhd. zäher tropfen (nhd. zäbre), tropfen pech,
harz, wie auch gr. dentgv? Venez. mit 1 zäcola. Dieselbe bedeutung hat
pilläcchera (mit combiniertem suffix) von pillola püle, kügelchen.
Zaino schäfertasche, sp. zaina; vom ahd. zain röhr oder zainä korb.
Zana korb; vom ahd. zainä dass.
Zanco link; ohne zwei fei für stanco matt, link, wie zambeeco für
8tambecco. Es findet sich auch im prov.: sancs €sinistrariusy GProv. 43a,
sanca Kmanus sinistra 63b .
Zanna hauer, haken. Es könnte vom ahd. zand, zan, nhd. zahn,
herrühren; da aber auch sanna daneben besteht und der deutsche anlaut
z sich im ital. niemals in 8, wohl aber das lat. s sich oft in z verwandelt
(zambnco, zavorra, zezzo, zolfo, zuffolare u. a.), so hat lat. sanna wenig-
stens eben so gute anspräche: man konnte das zahnefletschen concret für
den gefletschten zahn selber nehmen. Auch scana findet sich.
Zanni der hanswurst der komödie in der gestellt eines lauern von
Bergamo; mundartl. für Gianni d. i. Giovanni, s. MSnage Orig. ital.
Vgl. auch Malm p. 123.
412 H.a. ZAZZA-ZURLO.
Zazza, z&zzera langes Haupthaar der rnänner; vom ahd.za.t&zotte,
vb. zotarjan herabwallen (vom haar).
Zecca münzstätte, sp. zeca, seca, abgd. it. zecchino eine goldmünze;
vom arab. sekkah prägstock Freytag II, 382*.
Zeppa keil, zeppare voll pfropfen, adj. zeppo voll gepfropft. Von
cippus stamm, pfähl, säule, woraus auch der Spanier ein feminin cepa
zog? Aber sowohl der begriff wie der buchstabe (lat. c wird fast nie zu
z, auch hat e offene ausspräche) sind dagegen, beide einigen sich besser
mit ahd. zapfo, mhd. zepfe zapfen d. i. pflock, welches in zaffo noch einen
andern abkömmling hinterlassen.
Zibibbo eine art rosinen aus Syrien; vom arab. zibtb, s. Rödiger
und Pott in Lassens Ztschr. V, 62.
Zipolo Zäpfchen im höhne eines fasses; vom hochd. zipfel? vgl. ndl.
tip spitze.
Zirbo netz im leibe, im späteren mitteUatein cirbus Dief. Gloss.
lat. gertn. 221b ; nach Fr. Pasqualino vom gleichbed. arab. tarb Freyt.
I, 213h. Auch pg. zirbo, zerbo.
Zito knabe, zita mädchen, auch citto citta, zitello zitella, cittolo
cittola; ursprüngl. ein kosewort, gleicher Herkunft mit zitta, also eigentl.
zitze: diesen doppelten sinn drückt z. b. auch piem. teta und lat. mamilla aus.
Zolla it. chw. erdschotte; vom ahd. scolla. Trotz der ungewöhn-
lichen behancttung des anlautes würde sich doch ein wort dieser bedeutung
nicht fuglich aus dem lautlich näher liegenden nhd. schölle herleiten lassen.
S. zanca 7.
Zotico bäurisch, ungeschliffen; von exoticus fremdling, meint Me-
nage. Einzuwenden ist, daß it. z keinem x entspricht.
Zuffa gerauf e; vom dtschen zupfen, gezapfe, wie ruffa von rupfen;
Schweiz, zuffe bündel, pack.
Zurlo lüsternheit, kitzd, auch zurro; scheint mit surire (in der
brunst sein, bei Apulejus) zusammenzuhängen.
IIb. ABABA-ACELGA. 413
B. SPANISCHES GEBIET.
A.
Ab&ba, ababöl sp., pg. papoula wilder mohn, Jdatschrose; entstellt
aus papaver, vgl. pavot IL c, wo noch weitere Variationen des wortes
angemerkt sind.
Abarca sp. pg. grober schuh von ungegerbter ochsenhaut, bekannt
als beiname eines koniges Sancho von Navarra; bask. abarquia, von
abarra Bartes hole oder zweige, weil jene schuhe zuerst daraus verfertigt
wurden, und quia Sache, also sache von zweigen (Astarloa Apol. p. 292).
Abra sp, pg. bucht, paß oder felsenscUucht, Öffnung im erdboden.
Vom fr. harre ist es durch das genus und die bedeutungen getrennt.
Sousa leitet es vom aro&.'&brah bucht, t>6/äbara (j+c) durchgehen, über-
schiffen, die Wörterbücher ober kennen das Substantiv nicht. Die grund-
bedeutung ist 'etwas das sich öffnet* und so könnte das wort, wie
selten auch nomina aus verbis der vierten lat. conj. entstehen, in abrir,
lat. aperire, seinen Ursprung haben.
Abrego sp. südwestwind; von africus, it. affrico.
Abrojo sp., abrolho pg. distel, fußangel. In diesem worte birgt
sich bekanntlich eine Zusammensetzung: abre-ojo thu die äugen auf, nimm
dich in acht (da disteln und fußangdn sich anhängen).
Acaecer sp. pg. (ältpg. auch qquecer, zu unterscheiden von aqnecer
wärmen, s. unten calentar) sieh ereignen; von accadere für accidere,
gleichsam accadiscere.
Acebo sp. Stechpalme; verkürzt aus aquifolium mit zurückgezogenem
accent wie in träbol von trifolium. Die bildung ist alt, vgl. in einer Ur-
kunde vom j. 841 in aceveto FJsp. sagr. XL, 376. Daher auch pg.
azevinho judendorn. Cot. grävol ist von acrifolium.
Acechar sp., asseitar pg. aufpassen, spähen; von assectari überall
hin begleiten.
Aceite sp.pg. öl; vom arab. az-zait dass., Aeftr.zait Freyt. II, 269*.
Acelga sp., pg. auch selga lauch; von beta sicula nach Cabrera,
mit einer im span. ziemlich üblichen Umstellung des 1 (buccula bloca,
amadlo amaldo cet.). Auch der Araber nennt die beete as-selqa Freyt.
II, 344h, welches aber selbst dem gr. ohlsXoq entnommen ist, Dozy
Gloss. 39.
4U n.b. ACEZAR-ACUCIA.
Acezar dUsp. keichen, acezo hauch, athem; wohl vom bask. (labort.)
hatsa athem, mit demselben suffix wie in bostezar gähnen.
Achaque sp. pg. Unpäßlichkeit, vorwand, daher it. acciacco; vom
arab. asch-schakä mit er steter bedeutung Freyt. II, 445m. Beide bedeu-
tungen einigt auch das it. cagione : krankheit ist entschtddigung, vorwand
zu erscheinen. Altpg. achaque anklage SRos. Genaueres darüber bei
Engelmann.
Achar pg. finden. Woher dieses seltsame wort, das dem gleichbed.
trovare an dunkelheit nicht nachzustehen scheint? Verfolgt man seine ge-
schickte, so findet sich als älteste form aflar (in einem foral vom j. 1166
SRos.), ch = fl wie in enchar von inflare. Dasselbe wort in derselben
bedeutung hat aber noch weitere Verbreitung: die churw. spräche besaßt
gleichfalls aflar, die walach. aflä, endlich die neapol. mundart, welche sei
für fl setzt (ßciume von flumen) asciare, auch acchiare (sie. asciari). Das
wort könnte im gleichbed. gr. äktpaiveiv seine quelle haben, allein die be-
zeichnung eines solchen begriffe» lernte man gewiß nicht von den Griechen,
die sich ihrerseits des üblicheren cvqioiuiv bis heute bedienen. Vielmehr
weist es schlechthin auf das lat. afflare anblasen, anwehen, dem die Volks-
sprache vielleicht — denn wer vermag der oft wunderliehen begriffsent-
wicklung überall nachzugehen? — die bed. anrühren, antreffen beilegte.
Auch lat. conflare heißt nicht bloß zusammenblasen, auch zusammen-
bringen, zusammenfügen und unser puffen ist aufblasen und schlagen,
treffen, ja das pg. subst. ache bedeutet Verletzung, aus dem verletzen aber
d. h. aus dem heftigen berühren konnte, wie in unserm treffen oder dem
lat. offendere, das antreffen, finden hervorgehen. Das älteste mlatein ge-
währt übrigens schon beispiele der roman. bedeutung. Eine glosse bei
Carpentier lautet adflavit 'adtegit ' (attigit) ; eine andre adfalavit (für ad-
flavit) 'leviter tetigif; das Keronische glossar sagt gradezu afflata *pifun-
dan (befunden) p. 143b; Papias hat afflare 'aspirare, asper gere, attingere.
Die ital. spräche besitzt in-affiare besprengen, offenbar das decomponiertc
afflare des Papias, S. unten hallar.
Aclbar sp., pg. azevre, cot. cever äloe; vom arab. a$$abir dass.
Gol 1335.
Acicalar sp., pg. aeiealar, a$acalar glätten, schleifen; vom gleich-
bed. arab. <jaqala Freyt. II, 609, besser vom sbst a$-fiq&L pclitur. S.
jedoch Dozy 36.
Acicate sp. pg. sporn mit einem Stachel statt eines rädchens; nach
einigen vom arab. asch-schavkah (asch-schavkaton) Stachel Gol. 1326,
welcher deutung Engelmann nicht beitritt, Dozy Gloss. 36 nicht abgeneigt
ist; nach Larramendi wäre es das bask. cicatea, das dieselbe bedeutung hat.
Acipado sp. dicht, fest (vom tuche) ; leitet Cabrera richtig vom
lat* Btipatus festgestopft.
Acucia, encia altsp. behendigkeit, gewandtheit, hurügkeit, aeuciar
betreiben, eilen; von acutus ^versutus* Papias, ndat. bei Ekkehard jun.
acutia, s. Ducange.
Ü.b. ADALID— ALABE. 415
■
Adalid sp.f vrlt. adalit, adalir Conq. Ultram., pg. adail fuhrer im
krieg y heerführer; vom arab. ad-dalil Wegweiser, dies vom vb. dalla den
weg zeigen, s. Engelmann (der in der herleitung von dala aus diesem
verbum (hl. L ein misverständnis erkennt).
Adarve sp. räum oder weg auf der mauery wo sich die sinnen er-
heben; vom arab. ad-darb enger weg, s. das wort bei Freytag II, 19*.
Adelfa sp. pg. lorbeerbaum; vom arab. ad-diflä, dies vom gr. öag>vrj.
Ade man sp. pg. hältung, gdbäräe. Fast alle einheimische etymolo-
gen leiten es von manus; Larramendi aber erkennt darin, und wohl mit
besserem rechte, ein bask. wort adieman (aditzera eman) €zu verstehen
geben, von adi, aditu verstehen und eman geben; des -man wäre syn-
copiert aus des-ademan. [Mahn p. 124 gibt die möglichkeit der baskischen
herkunft zu, doch scheint es ihm verdächtig, daß das wort in dieser form
und bedeutung im baskischen selbst nicht vorhanden ist. Er stimmt darum
für manus, indem handbewegung auf bewegung überhaupt übertragen
werden konnte. Auch desman sei gleichsam mishand. Was indessen des-
man (Unordnung, unheil) betrifft, so ist Busammensetzung mit mano wegen
des Widerspruches im genus abzulehnen. Prov. man heißt ordre, desman
desordre: sollte letzteres nicht nach Spanien gekommen sein und das aasige
desmando verdrängt haben? Jenes fehlt port. und catal.]
Adiva, adive sp., pg. adibe, daher fr. adive schakal; vom arab.
ad-dib wolf Freyt. II, 78* . (vielmehr gleichfalls schakal, Dozy Gloss. 45).
Ad rede sp. pg. adv. cmit vorsatz'; vielleicht vom prov. adv. adreit
grade, richtig, vgl. cat. adretas 1) richtig, 2) vorsätzlich.
Adur, adnras altsp. adverb für lat. vix; eigentl. mit Schwierigkeit,
von duins hart, schwer.
Afeitar sp. pg. aufputzen, schminken, das haar kräuseln; von af-
fectare künsteln, das span. wort aus dem port. Enfeitar in letzterer
spräche wohl von infectare, inficere färben.
Ageno sp., pg. alheo fremd; von alienus, it. alieno, altfr. alien.
Auch der Sarde braucht, wie der Spanier, allenu für it. altrui, altsard. azenu.
Aguinaldo, aguilando sp. weihnachts- oder neugahrsgeschenk; un-
bekannter herkunft.
Ajar sp. beleidigen, mishandeln, durch betastung den glänz benehmen;
ist identisch mit dem veralteten ajar finden = pg. achar = sp. hallar,
vgl. lat. offendere beleidigen, antreffen, finden, pg. ache Verletzung.
Alabar sp. pg. loben, von allaudare, das nur Plautus kennt (in-
genium allaudat meum Merc. prol., im Poema dd Cid 336 alaudare),
auch pr. alauzar, südwal. alaudare. Wie hier u nach ausgetretenem d
consonamtiert ward (vgl. Pablo aus Paulus), so behauptete es in der form
loar von laudare seine vocalische natur (o = au).
Älabe sp. zweig, der bis auf den boden herabhängt, auch schaufei
des rades, dachtraufe; nach Larramendi vom bask. alabea cwas sich
nach unten neigt*, nach Mahn p. 52 allerdings baskisch, aber von
adarra zweig und be unten. Hieraus erklärt sich auch das dunkle
416 IIb. ALACRAN— ALBORNOZ.
pg. aba herabhängender säum, dachtraufe u. dgl, zsgz. aus alaba wie
pa<jo aus pala^o.
A 1 a er a n sp., alaeräo pg. scorpion; vom arab. al-caqrab dass. Gel. 1618.
Alafö, alahä, alaö altsp. interjeetion der er munterung, bei Ruiz;
nicht mit ol& zusammengesetzt, sondern ursprünglich eine partikd der be-
theurung, von fe = fides, in welchem sinne der Portugiese Ribeyro aiafS,
QU Vicente aber alahä gebraucht.
Älaga sp. spdz, dinkd; von allca feine art wetzen.
Alamo sp., &lamo, &lemo pg. pappd. Die Span, phüologen halten
es für eine Umstellung von ulmus mit vergleichung des nord. almr, alm,
engl, elm, und nach Nemnich wird dieser bäum im gemeinen leben wohl
auch alamo genannt. Aber auch alnns ist zu beachten: die erle heißt in
der that alamo negro (alamo blanco 'populus*, alamo negrillo 'alnus*
Anton. Nebriss.), und da der Spanier die Verbindung In meidet, ana für
alna, jalde für jalne spricht, so mochte er alnus in almo alamo verwan-
deln und den namen von der erle auf die schwär*- und weißpappd
übertragen.
Alarbe sp., alarve pg. plumper mensch, eigenÜ. Araber; vom arab.
al-'arab besser, nach Dozy, von al-'arabl.
Alarde sp. pg. musterung, heer schau; vom arab. al-card (u».*)
Gol. 1558, Freytag III, 137* gleichbed.
Alarido sp. pg. kriegsgeschrei, überhaupt geschrei; nachSousa vom
arab. al-arir siegesfrotUocken Gol. 62, getöse Freyt. I, 24* (Engdmann
findet dies wort bei keinem arab. Schriftsteller). Daß alarir in alarido
verwandelt ward, dazu konnte das bd Wörtern, die einen schall an-
zdgen, häufig angewandte suffix ido (bramido, graznido, ladfido cd.)
verführt haben. Man beachte übrigens Dozy Gloss. 120. In der altfr.
Chanson d'Antioche 27, 122 rufen die Sarazenen aride ! aride ! worin der
herausgeber dasselbe wort erkennt.
Alazan sp., alazao pg. gelbroth (von pf erden); nach Sousa und
Engdmann vom arab. al-'haQan starkes schönes pferd Freyt. I, 391*.
Daher das fr. alezan gleichbedeutend.
Albafial, albanar sp. abzugsgraben; von alveus graben, flußbett.
Albazano sp. hellbraun, rothbraun; vielleicht zsgs. aus albo wdß
und bazo dunkelbraun, vielleicht auch ist die erste sübe der arab. artikd,
wobd in anschlag kommt, daß es von der färbe der pf er de gebraucht wird.
Das entsprechende pg. alvagäo gestattet freilich diese Zerlegung nicht, da
hier bazo fehlt; aber ist es acht portugiesisch? Man vermißt es in dem
wörterbuche der dkademie und in der ersten ausgäbe des Moraes.
Albedrfo sp. freier witte; von arbitrium mit fortgerücktem accent,
pr. albire.
Albädro sp., pg. ervödo erdbeerbaum, von arbfitus dass.; cot. ar-
bosser vom adj. arbuteus, woher auch das mdartl. sp. alborzo s. CabrerOy
und das fr. arbousier.
Albornöz sp., pg. auch albemoz wollener mantel, daher das
ILb. ALBOROTO-ALCOR 417
neue fr. bournous; vom arab. al-bornos Meid mit capuze Freytag
It 116*.
Alboroto sp., alvoroto pg. aufruhr, ist, nebst alborozo entzücken,
wie arabisch beide warter auch aussehn, nach Engelmann aus dem arabi-
schen nicht nachweislich. Man beachte überdies l)ozy Gloss. 371.
Albricia sp., alvfgara pg. (fast nur implur. gebraucht) geschenh
für eine gute nachricht; vom arab. al-basch&rah gute nachricht} vb. ba-
schara Freyt. I, 124b7 vgl. Sousa. In der span. form ist r versetzt , nicht
eingeschoben, wiewohl Berceo einmal alvicia schreibt; alvistra im Alex.
steht der port. form ganz nah.
Alcab&la sp., alcavdla pg. abgäbe von waaren, die man verkauft;
nach Sousa vom arab. al-qabalah (das aber eine andre bedeutung hat,
Freyt. HZ, 394a), dies vom vb. qabala empfangen, ein geschenh annehmen.
Engelmann weist al-qabälah in der bed. einer an den fiscus zu zahlenden
faxe aus der arab. litteratur nach; s. bei ihm p. 18. 106.
Alcahuete sp., pg. alcayote, pr. alcaot, alcavot kuppler; arab.
al-qauväd dass. Freyt. III, 613*.
Alcaide sp. pg. befeUshaber einer bürg u. dgl.; vom arab. al-qäid
befeJüshaber, vorgesetzter Freyt. III, 513*.
Alcaide sp. schtdtheiß, richter. Man leitet es wohl vom arab. al-
moqallad fürst des volkes, s. bei Covarruvias. Bessere ansprüche hat al-
qa'di richter Freyt. HI, 461h, 1 ist eingemischt, weil die spräche die Ver-
bindung ld liebt, die Alten schrieben auch alcall, alcalle.
Alcance sp. pg. Verfolgung, erreichung, alcanzar verfolgen, er-
reichen ; vom arab. al-qana<; beute des Jägers, vb. qanaga erjagen Freyt.
III, 504*. Worter so dllgemeiner bedeutung wurden nicht leicht aus dem
arab. entnommen, da die eigne spräche ausreichte: man wäre darum be-
rechtigt, in alcanzar ein abgeändertes encalzar (s. incalciare I.) anzu-
nehmen, aber das arab. wort ist ein jagdausdruck und dergleichen hat
diese spräche der span. mehrere geliehen. — Gleicher herkunft ist auch
pg. al-canfos fange der raubvbgd. — [Engelmann hat alcanzar nicht auf-
genommen, Dozy Gloss. 83 hält es für eine abänderung des erwähnten
altsp. encalzar.]
Alcandära sp. stange, worauf der falke sitzt; vom arab. al-kan-
darah stange Freyt. IV, 63*.
Alcarraza sp. irdenes gefäß, das wasser kühl zu halten; vom arab.
al-korr&z krug.
Alcartaz sp.düte, altsp. umgestellt alcatraz; von chartaceus, dessen
suffix auch das it. cartaccia zeigt; ohne arab. artikel pg. cartaz anschlag-
zettel. Daneben besteht arab. alqartaz, welches man auf das gr. xcqtW
zurückführt.
Alcdzar sp. pg. festes schloß, auch hinter castett des Schiffes; vom
arab. al-qa^r Freyt III} 452b, das im plural schloß bedeutet. Daher auch
it. cdssero.
AI cor sp. anhohe, hügel-, vom arab. al-qärah, pl. alqür dass. Gol. 1979.
27
418 IIb. ALCORNOQUE— ALEDANO.
Alcornoque sp. pg. (m.) korkbaum, daher #. alcornoch; zsgs. am
quern-oco schwammichte eiche? oco = hueco, s. unten.
Alcorque sp. pg. (m.) schuh mit korksohle s. v. a. sp. corche, da-
her unser kork tote das engl. cork. Es muß, da es nicht arabisch ist,
wenigstens in dieser spräche keine wureel hat, aus lat. cortex entstanden
und aus alcorgue abgeändert sein, vgl. codigo von codex, pega von pix,
pulga von pulex, alle mit g.
Alcubilla sp. Wasserbehälter, wasserthurm; vom sp. cuba kübd
(s. coppa L), dimin. cubilla (üblicher cubillo) Meiner hübet, mit vorge-
setztem al und durch die Araber bewirkter abänderung der bedeutung.
Alcüna altsp. geschlecht, gens, desgl. mit eingeschobenem unberech-
tigten r alcurnia, letzteres nach dem wörterbuche der. span. äkademie ein
unedler, aber bei alten Schriftstellern- (und noch jetzt) nicht unüblicher
ausdruck. Derselben bedeutung ist das altval. alcunya, welches der Wappen-
dichter Jaume Febrer überall von den adeligen gesMechtern gebraucht,
deren wappen er beschreibt: sa alcunya e sa real sanch str. 109 u. dgl.
Buchstäblich entspricht dem span. und valenc. worte das port. noch immer
übliche alcunha, heißt aber nicht geschlecht, welche bedeutung ihm das
Wörterbuch der port. äkademie nicht zuerkennt, sondern beinanie, zuname,
und damit stimmt das nun auch veraltete span. masc. alcufio überein.
Allgemein leitet man diese Wörter aus dem arab. al-kuniah beiname, bei
Pedro von Alcala (nach Engelmann) auch €renombre de linage, stamm-
oder familienname. Eine andre etymologie ist in den früheren ausgaben
des vorliegenden Wörterbuches versucht, aber nicht mit entschiedenheit aus-
gesprochen worden: aus dem althochd. bei Otfried mehrmals vorkommenden
adal-kunni [goth. athala-kuni?) edles geschlecht. — [Wenn ein gelehrter
krüiker dieser deutung mit der frage entgegentritt, wie sich die silbe al
des span. Wortes aus derselben erkläre, so lag es auf der hand, daß diese
silbe im deutschen adal ihren grund haben sollte, dessen d leicht ausfiel;
und wenn derselbe kritiker ferner einwendet, daß das pg. alcunha
nicht lignage, sondern surnotn bedeute, dem deutschen adal-kunni also
nicht entspreche, so ist diese einwendung von geringem gewicht, da das
wort in zwei mundarten der halbinsel, und zwar in ältester zeit, aller-
dings die bedeutung lignage hat. Von seilen der lautlehre ist das gothi-
sche wort so gut wie das arabische, denn selbst n findet sich im goth. nj
(gen. ktfnjis, pl. kunja) wieder; aber es kann, außerhalb der grammatik,
gründe geben für die ansprüche des arabischen, z. b. das übergewicht
seines Sprachstoffes über den germanischen auf spanischem boden.]
Aldäa sp. pg. cot. weiter, dorf. Mit recht findet Sousa seinen Ur-
sprung im arab. ad-'dai'ah grundstück s. Freyt. III, 34". Aus dem
longob. aldius, aldio (= mlat. litus), woher es S. Rosa s. v. und Grimm,
Rechtsalt. 309, entspringen lassen, würde sich die endung ea minder
leicht erklären.
Aledafio sp. gränze, adj. angränzend. Möglicher weise von limi-
taneus, also für a-lendaiio mit ausgestoßenem n vor d, was sonst nicht
IIb. ALERCE— ALGOZ. 419
spanisch ist, sich aber als dissimüation rechtfertigen ließe. Andrer Mei-
nung ist Larramendi, der es aus dem bask. aldedano herleitet und dies
aus aldea nachbarschaft und der präp. dafio s. v. a. sp. hasta zusammen-
setzt: da aber auch hier dissimüation angenommen werden müßte, so bleibt
man besser bei dem lat. etymon.
Alerce sp. lerchenbaum; von larix, statt eines unvorhandenen lerce,
larce = it. lärice, chto. larisch, mit vorgefügtem arab. artikd. Oder un-
mittelbar aus arab. al-arzah pinus cedrus Freyt. 1, 25= pers. arz
pinus, cypressus Vutters I, 79*. Der catal. name ist cedro d'olor wohl-
riechende ceder.
Aleve sp. treulos, verrätherisch, äUsp. sbst. aleve, pg. aleive treu-
hsigkeit, verrath. Nach Govarruvias vom lat. allevare, so daß es eigentl.
rebdl bedeutete, ober diese bedeutung hat es nie gehabt, auch fehlt dem
Spanier das verbum. Sollte es aus deutscher würzet sein? Goth. heißt
l&yjan verrathen, ags. laeva verräther.
Alfa na sp. (fehlt pg.) großes, starkes, muthiges pferd, daher altfr.
destrier aufaine Sax. I, p. 129.
AI fange sp. pg. sähet] vom arab. al-changar dolch Freyt. I, 530*.
Alfaraz sp. pg. leichtes pferd der maurischen reiterei; vom arab.
al-farag pferd Freyt. III, 331b . In einem schreiben papst Johanns VIII.
an Jcönig Alfons von Gallicien liest man: aliquantos utiles et optimos
Mauriscos com armis, quos Hispani cavallos alpharaces vocant, ad nos
dirigere non omittatis DG. v. farius. Hier steht alpharaces adjectivisch
wie auch pg. cavallo alfaraz und altfr. cheval auferant.
AH6rez sp. pg.f altsp. alförece, alferce fähndrich, früher aber auch
ein ausdruck für höhere würden, z. b. alferez del rey comes stabuli, con-
netable; vom arab. al-föris reiter, ritter Freyt. III, 332*.
Alfiler, alfilel sp., pg. alfinete Stecknadel, plur. sp. alfileres nadel-
geld; arab* al-chill spitzes höhchen zum zusammenstecken der Kleider
Freyt. I, 510*, bei andern auch Stecknadel.
Alföcigo, alföstigo, alfonsigo sp., pg. alfostico pistazienbaum;
arab. al-fostoq dass. Freyt III, 346*.
Alfombra sp., pg. alfambar fußteppich; arab. al-chomrah teppich
zum beten Freyt. I, 524h.
Alforja sp., zUorge pg. quersack; vom arab. al-chorg Freyt. 1,47 2h.
Alfoz sp. pg. gemarkung, bezirk; vom arab. al'hauz gleichbed.
Freyt. I, 441*.
Algara sp. pg. streif eug auf feindliches gebiet (wie it. gualdana);
vom arab. al-garäh dass. Freyt. III, 301b, daher auch vb. algarear hurrah
rufen, sbst. algarada lärm, geschrei, fr. algarade.
Algez sp. gypsstein, arab. al-ge$; von gypsum, sp. auch yeso, tl.gesso.
Algoz pg. henker, Scharfrichter, algozaria grausame that, unthat.
Al-gozz ist der name einer ursprünglich türkischen tribus, von welcher
eine schaar nach Nordafrica und in den dienst der Almohaden kam
und später zur Vollstreckung von strafen gebraucht ward; daher das port.
420 IIb. ALGUACIL-ALMENA.
wort, s. Dozy Gloss. 128. Wenn aber der Verfasser in dem bekannten
verse des troubadours Gavaudan Masmutz, Maars, Götz e Barbaris Chx.
TV, 85 unter Götz nicht Oothen, wie sämmtliche Übersetzer des gedicktes
(Faurid, Mild und noch ein anderer) gethan haben, sondern eben jene
mit algozz bezeichnete schaar versteht, so ist dies, gegenüber den von Müd
für die bedeutung Gothen geltend gemachten gesichtspuncten jedesfaUs eine
noch genauer zu prüfende behauptung.
Alguacil^ alvacil sp., pg. alguazil, alvacil, alvacir eine gerichts-
person, pg. guazil auch minister, gouverneur; vom arab. vazir, al-vazir
Verwalter des Staates, vezier, dies von vazara tragen Freyt. IV, 461*.
Über die dbänderung der grundbedeutung des arab. Wortes im spanischen
sehe man Engelmann p. 40 — 41. — Aus alguazil, das auch aufseher be-
deutet, entstand sehr wahrscheinlich das fr. arg ou sin, das it. aguzzino
sklavenaufseher, welches daher auch dem Spanier fehlt.
Alguarismo, guarismo sp., durch umdeutung algoritmo, pg. al-
gorismo rechenkunst, Ziffer. In einer prov. stelle wird das wort zu dem
sinnverwandten abacus gesellt (s. abbaco II. a): l'&bac e l'algorisme
aprezi L. Rom., und in einem mhochd. gedieht tragen zwei mcUhematiker
die namen Algorismus und Abaguc Mhd. wb. Aber auch das span. wort
ist nichts anders als der beiname eines berühmten arabischen tnathematikers.
S. Doey Gloss. 131.
Algures pg. ortsadverb für lat. usquam, alt algnr, alhur; von ali-
cubi, also eigentlich für algubre, wie alubre für aliubi. Vgl. unten nenhures.
Alhaja, alfaja sp. hausgeräthe; vom arab. al-chägah nöthige sacke,
Kleider, kinderspielzeug, s. Engelmann mit dem zusatze von Dozy 133.
Alholba sp., pg. alforva eine pflanze, foenum graecum; vom gleich-
bed. arab. al-cholbah Freyt. I, 415a, dies vom vb. chalaba. Bask. aüorbea.
Aliento sp., pg. alento athem, vb. alentar; von anhelitus, mit Ver-
setzung des n tmd 1 alentus, vgl. peligro aus periclum.
Aliso sp. erle; vgl. die nhd.form eise. Aliso Steinkraut, von alysson.
Aljaba sp., pg. aljava köcher; vom arab. al-gabah (jujo.) dass.
Freyt. 1, 281a.
Aljöfar sp., pg. aljofre kleine perle; vom arab. al-gauhar edelstein,
perle, ein urspr. pers. wort, Freyt. I, 327b.
Allende aitsp., pg. alem, ortsadverb für lat. ultra; zsgs. aus allf
ende 'von dort aus\
Almaden sp. vrlt. bergwerk, erzstufe; vom arab. alma'dan gleichbecL
Freyt. III. 122*.
Almagra, almagre sp. pg. bergroth, eine erdart; vom arab. alma-
grah rothe erde Freyt. IV, 195h.
Almea storax, vom arab. al-mafah dass., vgl. was die form be-
trifft, aldea.
Almece pg. molken; vom arab. &l-mei$ dass. (Dozy Gloss. 162).
Almena sp. zinne, im Alex, amena, pg. ameia; vom lat. muia
(nur im plurcd üblich) mit vorgefügtem arab. ariikd. Marina u. o. be-
II. b. ALMEZ-AMAGO. 421
ziehen es aus dem arab. al-menäa Verhinderung, befestigung: das lat. wart
aber hat genau die bedeutung des spanischen.
Almez sp. nessdbaum, celtis australis (Seckendorf); vom arab. al-
-mais, s. Engelmann, dsgl. Doey Gloss. 164.
Almofar, almofre sp., almafre pg. panzerkappe; vom arab. al-mig-
fer aus eisenringen verfertigter heim Freyt. III, 28 5b.
Alm oh a da sp., almofada pg. hassen, kopßüssen; vom arab. al-
-mechaddah Freyt. I, 464", vgl. Sousa.
Almohaza sp., almofada pg. Striegel; vom arab. almehassah dass.
Freyt. I, 377b.
Almoneda sp., almoeda pg. Versteigerung; vom arab. al-monädija
dass., dies von näda schreien, ausrufen, s. Engelmann. Dazu ein berich-
tigender zusatz von Doey Gloss. 176.
Almorranas sp. (plur.), pg. almorreimas, cot. morenas eine Krank-
heit; entstellt aus haemorrhoides.
Almoxarife sp., almoxarife pg. zoUaufseher; vom arab. al-moschrif
auf seher Freyt. II, 414K
Almud sp., almude pg. ein getreidemaß; vom arab. almod dass.
Freyt. IV, 159*.
Almuerzo sp., almorgo, almoQO pg. frühstück, vb. almorzar {cot.
esmorzar); nicht notwendiger weise mit Covarruvias vom arab. artikd
und dem lat. morsus, sondern wahrscheinlicher von admorsus bei Sym-
maehus, gleichbedeutend unser anbiß.
Alnado, andado sp., pg. enteado Stiefsohn; von ante natus der
vor der gegenwärtigen ehe geborene, span. auch antenado, in den Isid.
glossen antenatus *privignus; gr. nqoyovoq.
Alquile sp. pg. fniethe, alquilar miethen; vom arab. al-kira mieth-
preis Freyt. IV, 31b.
Altami sa sp. ein kraut, beifuß, cot. altimira, entstellt aus arte-
mißia, fr. armoise cet.
Alubre altsp. anderswo, anderswohin FJ., auch Bc. Loor. 114
(wo a iubre steht) ortsadverb; von altnbi.
Aluir pg. schaukeln, anstoßen, dsgl. aushöhlen (vom wasser); von
alludere schäkern, plätschern, anschlagen, begrifflich passender als alluere
bespülen.
Ama sp. pg. amme, pflegerin, hausfrau, daher moviert amo Hof-
meister, Hausherr. Schon Isidorus kennt amma: haec avis (strix) (vulgo'
dicitur amma ab amando parvulos, trade et lac praebere fertur nas-
centibus. Der vogel heißt amma, weil er milch gibt Freilich nicht aus
amare floß das wort, es ist ein alteinheimisches, bask. ama, gael. am
mutier, occit. ama großmutter, ahd. amma nutrix.
Amägo sp. altpg. drohende gebärde, vb. amagar.
Amago pg. herz oder mark eines dinges, innerster theü, vgl. cat.
pr. amagar verbergen. Aber. sp. ämago, cat. ämag, imad bezeichnen einen
eigenthümlich unangenehmen geschmack des honigs, sp. ämago heißt
422 IIb. AMAPOLA-ANCO.
auch ekel, Widerwille. Die herlcunft dieses wie des vorigen Wortes ist
unermittelt.
A map 61a sp. eine pflanze, tnohn; nach Larramendi durch Ver-
setzung aus dem basJc. emalopa 'was dem schlafe unterwirft, von ema,
eman geben, und lopa, lopea unter dem schlafe; vgl. wegen des begriff es
sp. adormidera mohnpflanze. [Anderer meinung ist Mahn p. 125. Nach
ihm stammt das baskische eher aus dem spanischen wortet welches in dem
veralteten papola = lat. papaver seinen Ursprung hat. Dozy Gloss. 284
verweist es, nebst andern spanischen benennungen (s. oben ababa), auf das
arab. habba baura, welches eigentl. samen des brachfeldes bedeutet.]
Amarillo sp., araarello pg. gelb, amarellus in einer Urkunde v. j.
988 Esp. sagr. XXXIV, 455, dafür cat. grog. Gatte ist zugleich bitter
und gelb, und so konnte das wort aus amarus entspringen. Diese etymo-
logie aber, die zwei eigenschaften logisch verknüpft, weil sie sich zufällig
an demselben gegenstände wahrnehmen lassen, ist gefährlich: mit gleichem
reckte ließe sich süß und gelb durch honig vermitteln. Trefflich leitet
Mahn p. 61 dieses wort aus ambar, so daß ihm ambarillo (bernsteinfarbig)
vorangieng. Der ausfall des b hinter m ist unbedenklich, er ist bespro-
chen Rom. gramm. I, 282. — [Nichts scheint gesichert auf dem felde der
etymologischen forschung. Neuerlich hat Rösler in der abh. Farbenbe-
Zeichnungen im Roman, p. 12 diese deutung bestritten, weil das aus dem
Orient ins spanische eingewanderte ambar einen schwarzen oder höchstens
grauen korper bezeichne, mithin zum ausdrucke einer gelben färbe unpas-
send gewesen wäre; erst später sei das wort wegen gewisser ähnticUceiten
beider Stoffe auf den bernstein ausgedehnt worden; ein besseres etymon
scheine marum, name einer pflanze mit hellgelben blumen, sp. maro. Aber
kann ambarillo amarillo nicht aufgekommen sein, nachdem ambar die be-
merkte erweiterung seiner bedeutung erfahren hatte?]
Ambidos, amidos altsp. adv. ungerne, wider toülen (s. die glossare
bei Sanchez); von invitus, wie Cabrera richtig sieht, it. invito, aUfr. envis.
Neben amidos, que non de grado Gron. rim. ed. Michel v. 681 steht auch
a miedo, que non de grado v. 490T vermuthlich durch umdeutung (aus
furcht), in Cd. S D. p. 15b las tenion amidos 6 con miedo sieht man
beide ausdrücke zusammen verbunden.
Aman de sp. adv. abgesehen davon, ausgenommen, z, b. amen del
lecho todo lo demas se hallarä con mucha abundancia DQuix. 1, 2;
abgekürzt aus k menos, das denselben sinn ausdrückt (Cabrera).
Amito sp. ein kleidungsstück, altfr. amit; von amictus.
Amortiguar aus mortificare; s. santiguar.
Anafar^. säubern, glätten.
Ancho sp. pg. weit; von amplus, it. ampio ff., ebenso henchir von
implere. Zsgs. ensanchar erweitern, gleichsam ex-amplare.
Anco pg. dlenbogen, biegung, vom gr. äyxog bug, Vertiefung; sp.
an con (m.) bucht, rhede, von dyxwv dass. Ein bret. afik winket kennt
Le Pelletier. S. auch Ducange s. v. ancos.
IL b. ANDABIO-APEAR. 423
Alidario sp. bachsiehe; zsgs. aus andar gehen und rio fluß, $ie
am flusse wandelt.
An das sp., pg. und bei Berceo andes (nur im plur.) sanfte; nicht
von andar, es ist das lat. amites Stangen; amites basternarum tragstan-
gen der sanften, sagt Palladius, also im spanischen pars pro toto gesetzt.
Vgl. haute IL c.
Andrömina sp. mahrchen um einen zu hintergehen; nach Larra-
mendi das bask. andraminac Unpäßlichkeiten der weiber (die oft als vor-
wand gebraucht werden), das sich leicht in andrea weib und mina schmerz
zerlegt.
Angaro sp. signalflamme; vom bask. garra flamme, an garra dort
flamme, s. Larramendi. — [Nach Mahn p. 128 vielmehr aus dem gleich-
bedeutenden gr. ayyagov nvQ. Die ähnlichheit ist schlagend. Man möchte
fragen, ohne der deutung etwas abzubrechen: wie kam dieser griechische
bei Äschylus vorkommende ausdruCk, der weder Gatalonien noch Portugal
berührte, nach Spanien? Aber die wege der Wörter sind zuweilen seltsam.]
Angra sp. pg. bucht; scheint griechischer herkunft, zeigt sich aber
schon im mlatein: ancrae ayxea, avXüvtg Gl. gr. lat., vgl. dyxaXrj, ayxvXi]
dienbogen.
Angurrfa sp. Wassermelone; ein rein bask. wort, s. Larramendi.
Ansia sp. pg. cot., sard. ansia, ansa angst, auch altfr. ainse Ben.;
vom adj. anxius, anxia, vgl. asma II. a.
Antojo sp., daher pg. antojo für antolho laune, grille, lüsternheit;
von ante oculum 'was einem vor die äugen kommt*; dazu in sinnlicher
bedeutung das nur im plural übliche sp. anteojos, pg. antolhos brüle.
Ana dir sp. hinzufügen; von in-addere, alt ennadir Bc, altpg. ema-
der SRos.j auch wal. innqdl.
Afiafil sp., anafil pg. trompete; vom arab. an-nafir eherne trompete
Freyt. IV, 3121, dies aus dem pers. nafir, vgl. Vütters s. v. karrana II,
823*. Auch pr. amafil 'parva tuba cum voce alta GProv. p. 51" (wohl
aniafil zu lesen).
Anagaza, öagaza sp., nega$a pg. lockvogel. Larramendi zerlegt
es in die bask. Wörter afia goza süße amme, etwas zu poetisch für die
sache. Ferreira zu Las. 1, 86 leitet es aus lat. illex, das etwa enagaza
(vgl. wegen des n encina aus ilex), sodann anagaza (vgl. afiadir aus
enadir) ergeben konnte. Grammatisch' leichter wäre Umstellung aus en-
gafiaza (engaöar anlocken), doch empfiehlt sich die vorhergehende deutung
durch das genaueste zusammentreffen der begriffe.
Anil, afiir sp., anil pg. indigopflanz e; vom arab. annilah, Hndigo-
fera tinctorid Freyt. IV, 359*, dies vom pers. nila, welches dasselbe bedeutet.
Afiusgar sp. nicht frei athmen können, vor zorn ersticken; vom
bask. anus'ea Schlund (Larramendi).
Apaeigaar sp., aus paeifieare; s. santiguar.
Apear sp. pg. absteigen machen, buchstäblich auf den fuß stellen;
von pes, sp. pi&
424 ILb. APERO— ARISCO.
Apero sp., apeiro pg. schiff und geschirr, auch Schäferei, daher
aprisco schaf stall, vgl. comask. aper verschlag stoischen stall und heu-
schober; erklärt man aus apparare zurüsten, so daß man ein Substantiv
von ungewöhnlicher, aber doch nicht unmöglicher prägung apparium an-
nehmen muß.
Aposentar sp. pg. herber gen, aposento herber ge, simmer; parti-
cipialverbum von posar (lat. pausare), woraus eigentlich aposantar ent-
springen mußte, auf dessen form aber das begriffsverwandte sentar (setzen)
eingewirkt haben mag.
Aquende altsp., pg. aqnem, ortsadverb, cüra; zsgs. aus aqui ende
(lat. eccu' inde) cvon hier aus\ so daß es mit it. quindi zusammentrifft.
Aqaese sp., altpg. aqaesse pronomen: zsgs. aus eccu' ipse.
Aragan, haragan sp. träge, fehlt pg.; muthmaßlich vom ahd. arag,
arg geisig, nichtswürdig, träge. Ein verpöntes Schimpfwort bei den Lan-
gobarden: si quis alium argam per fororem clamaverit cet., dsgl. Paulus
Diac. 6, 24: memento, quod me esse inertem et inutilem dixeris et
ynlgari verbo arga vocaveris. Auch die alte heimath. der Longobarden
bewahrt dieses wort mit demselben suffix, comask. ärgan, berg. arghen
poltrone. In das gr. aQyog für äeQyog (vgl. argus Hardus* Papias) paßt
wenigstens die span. form minder leicht.
Arafiar sp. kratzen, sbst. arano, dazu das veraltete oder populäre
arunar. Ihre herhunft ist nicht ganz deutlich Vielleicht ist erstere
form mit einmischung von rädere aus letzterer abgeändert: stammt nun
diese von arare wie rasguöar von rasgar ? oder vom sp. rofia (pr. runha)
kratze? Die bedeutung von arare widerstrebt
Are i IIa sp. thonerde; von argilla mit eigentümlicher behandlung
der kehlmedia wie in arcen (agger) und andern, Born, gramm. I, 269.
Ar da, ardiila sp., harda pg. eichhorn. Larramendi halt es für
baskisch und zerlegt es in die Wörter ari da ces bewegt sich immer, aber
der bask. name ist anders. Aus lat. nitella konnte durch die übliche
prothesis des a anedilla, wohl auch aredilla, ardiila entstehen und hieraus
arda abgezogen werden. Vielleicht aber findet sich eine zuverlässigere
herleitung. — [Eine andre erklärung des schwierigen Wortes, die zugleich
pr. arda und arna motte umfaßt, hat später Mahn p. 127 versucht, auf
welche hier nur verwiesen werden möge.]
Ardite eine geringe span. münze, in Guienne hardi, limous. ordi;
vom bask. ardita, dies von ardia schaf, vgl. pecus, peeunia, Ucluse
Gramm, basque p. 33. Nach Larramendi s. v. dita ist es auf andre
weise zusammengesetzt.
Argolla sp., argola pg. eiserner ring, halseisen; vom sp. aro reif
tmdjgola kehle, hals, span. mit erweichtem 1 wie in gollete. Es ist die-
selbe art der Zusammensetzung wie in ferro-pea eisen für den fuß.
Nach Cabrera aus lat. * arculus, was nicht angeht, nach andern aus dem
arabischen.
Arisco sp. pg. wild, ungezähmt, scheu, nach Constancio, der es von
IIb. ARMADILLA-ARREL. 425
arena herleitet, auch trocken, z. b. terra arisca. Von rigidas, zunächst
riisco, dann a-riisco, arisco? Aber prothetisches a findet auf adjectiva
leine anwendung (a-musco moschusfarbig kann aus einem gleichlautenden
Substantiv herrühren, auch steht ihm eine form musco zur seile, wogegen
kein risco vorhanden ist). Besser denkt man sich in arisco eine ab-
kürzung von arriscado kühn, verwegen, dies von arriscar in gefahr setzen,
s. risicare I.
Armadilla sp. gürtelthier ; gleichsam gepanzertes thier, von armado.
Armnelle sp., pg. armoles, armolas (nur im plural üblich), auch
aüfr. armol Sq. ein kraut, melde. Der lat. name1 dafür ist atriplex
(s. arroche II. c). Vielleicht liegt in dem span. worte einer der falle
vor, worin zwei Wörter, ohne eine deutliche composition zu bilden, in eins
zusammengeflossen sind, d. h. ar hat seinen grund in atri von atriplex und
muelle in mollis oder emolliens, insofern diesem kraut erweichende kraß
zugeschrieben ward: von atriplex emolliens benutzte also der volksmund
nur die betonten sähen — wenn die conjectur nicht eine der verfehlten ist.
Aro sp. pg. reif, ring von holz oder eisen u. dgl., altpg. unikreiß
einer stadt, eines dorfes s. S. Rosa. Eine befriedigende deutung fehlt.
Arrabalde, arrabal sp. pg. vor stadt; vom gleichbed. arab. ar-raba'd
Fref/t. II, IHK
Arrebol sp. pg. der rothe glänz, den die wölken vor Sonnenaufgang
oder nach Sonnenuntergang annehmen, dsgl. die rothe schminke. Mahn
p. 48 zieht es aus dem arab. rabab weiße wölke. Vielleicht aber läßt
sich die deutung aus rabor, wobei an Aurora rubescit Virg. erinnert
werden darf, aufreckt erhalten. Baß nämlich al auch manchem nicht
arabischen worte vorgesetzt ward, ist gewiß, und daß der Spanier aus-
lautendes r gerne in 1 wandelt (marmol, arbol, vergel cet), ist nicht.
minder gewiß: überdies trat noch eine vertauschung des radkalen o oder
u mit e ein wie in arredondar für arrodondar. Ist dies f actisch richtig,
wie es theoretisch schritt vor schritt bewiesen ist, so entspricht das verbum
arrebolar (röthen) dem it. arrovellare, nur daß dies aus dem adj. rubel-
lns entstand, und man braucht nicht einmal den arab. artikel in ansprach
zu nehmen, da das Substantiv aus dem verbum (worin ar = lat. ad) ge-
zogen sein konnte. Nach form und begriff scheint sich diese etymologie
aus nationalem dement besser zu empfehlen als die aus fremdem. Krit.
anhang p. 22.
Arrecife sp., pg. arrecife, recife, altsp. arracife, altpg. arracef
dammstraße, dsgl. klippe des meeres; vom arab. ar-raclf dammweg cm
einem flusse, hohe fahrstraße. Daher wohl auch fr. räcif, ressif reihe
mit wasser bedeckter Hippen (arab. arra^af reihe steine im wasser, um
darauf hinüber zu schreiten Freyt. II, 155b).
Arrel, arrelde sp. ein gewicht von 4 pfund castilianisch, pg. arra-
tel» altsp. arrate; vom arab. ratt gewicht von 12 unzen Freyt. II, 160h.
Das bask. erraldea, wenn auch ein gewicht von 10 pfund bedeutend, wird
nichts anders sein als das sp. arrelde.
426 IIb. ARRIBA-ASCUA.
Arriba sp. pg. adverb für lat. supra; von ripa ufer, anhohe, vgl.
unten derribar.
Arriero sp., arrieiro pg. maulthiertr eiber ; von dem an die maul'
thiere gerichteten zuruf arre (neupr. it. arri), cdtsp. farre, der arabischen
Ursprunges sein soll, s. Sousa, dsgl. Dozy Gloss. 202.
Arripiar pg. schaudern; nach den portug. etymologen von horripilare.
Arroba sp. pg. gewicht von 25 pfund; vom arab. arrob'a (f*>) vier-
ter theil (des centners) Freyt. II, 113b.
Arrojar sp., arrojar pg. werfen, auch duft, strahlen verbreiten,
sprossen, arrojo dfeistigkeit, Verwegenheit. Möglicher weise von ruar,
gleich dem fr. ruer umgebogen aus lat ruere, mit hiatustilgendem j rnjar
rojar arrojar; wegen dieses j s. unten trage. Die herleitung aus rejicere
wenigstens ist Jcaum erwähnenswerth.
Arroyo sp., arroio pg. bach, arrojar überfluthen, wegspülen, cdtsp.
arrogio, mied, arrogium schon in einer Urkunde vom j. 775 Esp. sagr.
XVIII, 301. Gewiß nickt von rivus. Verwandt scheint lonib. rogia bach
eum wässern der wiesen, mlat. rogium (9. jh.), weshalb Muratori, Ant.
itdl. II, 1105, an gr. Qorj von (>ho erinnert. Man vgl. auch wcd. eruge
Wassergraben, ungr. ürök.
Artiga sp. cat., artigua pr. frisch angebautes fdd. Nach Adelung,
Mithr. II, 43, cdtisch, vgl. kymr. aru pflügen; wie aber abgeleitet und
warum nicht eben so wohl vom lat. arare? Auch die bask. spräche kennt
artica, artiga, worin Larramendi mit berufung auf den gebrauch des-
selben als eines eigennamens (so heißt z. b. ein gericktssprengel von 8.
Sebastian) ein dieser spräche angehöriges wort erkennt.
As co sp. pg., sard. ascu ekd, abscheu, ascoso und asqneroso, as-
coroso ekelhaft, letztere form auch im altmail., s. Bonvesin disput. muscae
v. 226. Bas wort ist von unsicherer Herkunft. Es mahnt an gr. ala%og
schände, algxQog häßlich, aber naher stehen, den griech. Wörtern gleichbe-
deutend, sbst. goth. aiviski, ags. sevisc, adj. ndd. aisk, aisch; ja selbst
die deutsche interj. des ekels äks konnte verwandt sein, wie denn auch
manche in dem roman. worte einen bloßen naturausdruck fühlen. Larra-
mendi s. v. und unabhängig von ihm Diefenbach, Goth. wb. I, 26, ver-
muthen dagegen auf bask. ascö (asqui) <viel, zu vieV d. h. satt, übersatt :
allein der bask. ausdruck für asco ist nicht asca, sondern nasca, weiches
letztere zu vermeiden die span. spräche keinen ardaß hatte. Man vgl.
noch churw. ascher unrein, aschrfa unreinigkeit. Merkwürdig ist auch
die span. form nsgo für asco.
Ascua sp. pg. glühende kohle; fügt sich trefflich zum ahd. asca,
goth. azgö, nhd. asche, ohne daß man darum mit Diefenbach ein goth.
asqvö vorauszusetzen hätte, d. h. es fugt sich eben so wohl zu asca wie
eslingua zu slinga. Wegen der begriffe vgl. lat. it. favilla asche und
funke. Hat etwa das bask. auscua *stoff zu asche, welclies Humboldt als
ein achtes einheimisches wort gibt, dieselbe quelle? Larramendi9 s Zusam-
mensetzung des span. Wortes aus dem bask. asco sua (d. h. genug feuer)
IIb. ASEAR-ATRIL. 427
ist sicher verfehlt. — [Mahn p. 128 hält die gothische herkunft desselben
für möglich, für sicherer aber doch die baskische.]
Asear sp., asseiar pg. putzen, schmücken.
Asinha pg. adverb für tat. statim; doch wohl von agina I. zu tren-
nen? etwa von ad Signum auf den wink.
Asir sp. pg., dltsp. azir ergreifen. Die herleitungen aus lat. ansa
oder aus bask. atsi (fassen) sind abzulehnen, da sie für das span.präsens
asgo d. h. für das eingetretene g, weiches sonst nur in lateinischen Wörtern
vorkommt, keinen grund hergeben. Das wort entsprang vielmehr aus dem
gleichbed. lat. apiscire für apisci, zsgz. apsir asir, präs. apiscor apsco
asgo, also in diesem tempus mit zurückgesogenem accent wie in cubro
von coop£rio. Wo ein vorhandenes lat. wort genügt, sind neubildungen
nicht zuzulassen.
Asurarse sp. anbrennen; für arsnrarse, vgl. iL pr. arsura brand,
sard. assura.
Atar sp. pg. cat. binden; von aptare anpassen, anfügen, daher zu-
sammenfügen (wie gr. aQixotßiv), oder von arctare zusammenpressen, da-
her zusammenschnüren? Wiewohl r vor c ausfallen kann, so empfiehlt
die fofm doch das erstere etymon. In den glossen des Placidus werden
beide verba mit vincire als synonym zusammengestellt: abto, vincio, arto
Class. aud. VI, 664.
Atarfe sp, vrlt. ein Strauch, tamariske; vom arab. aVtarfah Frey-
tag III, 60".
Ataviar sp. pg. schmücken, atavio schmuck. Sousa meint vom arab.
aVtfaba zurüstung, also umgestellt attabia, aber diese Umstellung des i
ist nicht spanisch. Es paßt buchstäblich zum goth. ga-tevjan anordnen,
bestellen, täva Ordnung, reihe, oder eben so wohl zu dem verwandten tau-
jan (prät. tavida), ags. tavian, engl, taw, ndl. touwen, ahd. zawjan machen,
bereiten, vgl. sp. parar bereiten, schmücken. A = lat. ad wird in spani-
schen verbis leicht vorgesetzt.
Atisbar sp. aufpassen, lauern; vom bask. atisbeatn, dies von ateis
verschlossene thüre, und beatu schauen, also durch thürritzen schauen
(Larramendi).
Atobar sp. in erstaunen setzen, betäuben; von tuba trompete, etwa
wie attonare von tonus. Aus goth. daubjan wäre in üblicher weise ado-
bir geworden.
Atracar sp. pg. ein schiff heranziehen. Von attrahicare? Besser,
da es ein Schifferausdruck ist, vom ndl. trekken, aantrekken.
Atreverse sp. pg., altsp. treverse sich erdreisten. Es soll von
tra-vehere herkommen, ist aber von sibi attribuere, sibi tribuere rieh bei-
legen, sich anmaßen. Das daneben vorhandene atribuir, tribuir stört diese
herleitung nicht: jenes ist das ältere wort, in dessen präsens noch der lat.
accent haftet, aträvo = attrfbuo. An das gleichbed. bask. atrebitu ist also
nicht zu denken, dies ist selbst aus dem span. herüber genommen.
Atril sp. leseptdt; vielleicht entstellt aus latril, letril, gleichsam
428 IIb. AUCE-AYO.
lectorile, alt fr. letrin, indem anlautendes 1 in dem artikel aufgieng, el latril
als el atril verstanden ward. Letril in der bed. leuchterstuhl kommt vor.
Auce, abce altsp. (f.) geschieh, loos, z. b. con dios e con la vnes-
tra auce PC. 2376; buen' auce 2379; abce mala Älx. 646; auce dura
Bc. Mil. 778. Sanchez erwähnt aus Apulejus Met. lib. 9 bona et satis
seeunda aucilla, und eine mrückfuhrung von aucilla auf ein vermeint-
liches primitiv auce ließe sich annehmen, s. Rom. gramm. I, 29 ; bei au-
spicium aber, dessen genus sich nach dem von suerte gerichtet hätte, be-
dürfte es dieser annähme nicht An auce, abce knüpft sich vermitteist
der dltvai. bei Aus. March vorkommenden form abziach das sp. adj.
aciago, pg. aziago Unglück bringend, span. als sbst. unglücklicher zufaU,
das mit seinem i die deutung aus auspicium unterstützt, doch müßte das
unübliche sufflx ago aus aco gedeutet werden.
Aullar sp. (aiular Bc.) heulen; von ejulare wie ayuno von jejunium.
Autillo sp. eine ort eulen, käuzchen; von otus (eozog) ohreule. Es
scheint für a-otilla mit vorgefugtem a zu stehn.
Auto sp. pg. Verordnung; von actum, iL atto. Daher sp. auto de
fe, pg. auto da fö glaübensbeschluß.
Ayeriguar sp. aus verificare; s. santiguar.
Av6s, ab& altsp. adverb, wofür neusp. apänas-; von ad rix, wie
assaz von ad satis, churw. vess. Verstärkend ist die zss. mal-avez.
Avieso sp., avesso pg. verkehrt, unrecht; von a versus: so auch
altsp. envesar für enversar; vgl. rivescio I.
Axedrez sp.y xadrez, enxedrez pg. Schachspiel; vom arab. asch-
scha'treng Schachbrett, dies aus dem persischen, das aber indischen Ur-
sprungs ist und 'hundert (d. h. verschiedene) färben habend1 bedeutet, s.
VuUers 11, 431:
Axenjo sp. wermuth; von absinthium. Die Alten schrieben auch
enxenso.
Axuar, axovar sp., cot. axobar, pg. enxöval ausstattung einer neu-
vermählten; arab. asch-schuar Freyt. II, 463h.
Ay o sp. hofmeister, aya kinderwärterin, it. ajo, aja. Nach den span.
etymologen vom griech. vb. ayeiv leiten, erziehen: dann aber hätte ein griech.
Substantiv dieses Stammes schon vorhanden sein müssen, welches man in
äywyog nicht suchen wird. Es konnte gothischen Ursprunges sein: ahd.
hagan, hagjan schirmen, pflegen (ndl. heghen erziehen KU.) gab ein
s&stf/hagjo pfleget, auch kommt (von einem andern verbum?) heio hüter
und der eigenname Heio vor Graff IV, 761. 710; daß hieraus ayo wer-
den konnte, versteht sich. Doch tritt hier ein, wie es scheint, achtes bask.
wort dem goth. in den weg. Larramendi II, 31b bemerkt ayoa mit der
bed. 'einer der wartet und einer der folgt', daher auch zaya hüter, seinzaya
kinderwärter u. a., vgl. Hervas, Catal. delle lingue p. 220. JEs kommt
etwas darauf an, ob das ital. wort ein einheimisches oder ein aus Spanien
eingeführtes ist. — [Wackernagd fragt: aya von avia, ayo ebenso von
einem avius?]
IIb. AZA-BALADI. 429
Aza pg. 1) henkel, öhr an gefäßen = sp. asa, cot. ansa und nansa,
lat. ansa. 2,) flügd des vogels = 5p. ala, das der Portugiese in diesem
sinne kaum gebraucht ; vielleicht wiederum das lat. ansa, indem man den
flügel, woran man den vogel faßt, als griff betrachtete; oder führte man
etwa das nüat. ascilla = axilla auf ein unrichtiges primitiv ascia, aza
zurück? Merkwürdig trifft das port. wort zusammen mit einem gleichbed.
latein.: acia ala Ol. Isid. (aria ala Exe. Fith.), aber wo hätte dies seine
quelle? Graevius liest dafür axilla ala.
Azafate sp.pg. korbchen; vom arab. as-safate dass. Freyt. 11,223*.
Azcona sp., auch entstellt in fascona, pr. ascona, edteat. escona Chr.
d'Fscl. 646b speer; vielleicht vom ahd. asc esche (eschfner Schaft Mb.).
Dazu pg. ascona mit der bed. körnet, die auch dem lat. hasta zukommt.
Azöfar sp. pg. messing; ist das arab. aQ-<jofr mit ders. bedeutung
Freyt. U, 504*.
Azogue sp., azougne pg. quecksiXber; vom arab. azzaibaq dass.
Gol. 1076, Freyt. II, 219", dies aus dem persischen.
Azote sp., aQOute pg. peitsche, azotar, a$outar und wohl auch it.
ciottare geissein; vom arab. as-saut Freyt. II, 376b.
Azucena sp. pg. weiße lilie; vom arab. as-süsan, hebr. zuzan, gr.
oovoov, s. Gol. 1237, Freyt. II, 376b.
Azufaifa, azofeifa sp., pg. a$ofeifa brustbeere; arab. az-zofaizaf
Gol. 1101.
B.
Babazorro grober mensch; buchstäbl. bohnensack, Spitzname der
Alabesen, die viel höhnen essen, vom bask. baba bohne und zorro sack
(Larramendi).
Bacia sp. pg. hecken; nüat. baccea, Variante bei Isidorus, vgl.
bacino L, mit dem es gleicher herkunft ist.
Badana sp.pg. gegerbtes schafleder, dsgl. gefärbtes leder zu buchet-
decken; vom arab. bi-ctanah, s. Engelmann. Daher fr. basane dass. (s
aus d vielleicht nach einem prov. bazana), adj. basanö von der färbe
dieses leders.
Bafo altsp. pg., neusp. baho, cot. vaf hauch, dunst, sp. avahar, pg.
bafar durch den hauch erwärmen; naturausdruck das ausstoßen der luft
nachzubilden, vgl. mail. banfä schnauben, arab. bachara aushauchen
Freytag I, 90°.
Bahari sp., pg. bafarf eine ort Sperber; nach Sousa s. v. a. über-
seeisch, vom arab. bahr meer (ba'hri marinus Freyt. I, 88b), ein name,
der auch andern über das meer fliegenden raubvögdn beigelegt wird.
Baladi sp. werthlos, gehaltlos; augenscheinlich arabischer herkunft,
nach span. etymologen s. v. a. städtisch, von balad Stadt Gol. 314, weil
in der Stadt den landleuten verfälschte waaren verkauft würden, s. Covar-
430 IIb. BALADRAR-BARRUECO.
ruvias. Balad bedeutet auch hohle hand, sternenleere gegend des h&mmds
u. dgl. Genaueres darüber bei Dozy 232.
Baladrar sp. schreien; vielleicht eine Umbildung des altsp. balitar
blöken, durch einmischung van ladrar bellen.
Balsa sp. pg., bassa cat. pfütze, dsgl. floß, port. auch strohgeflecht,
gestrüppe; nach Larramendi vom bask. balsa ursprüngl. sammiung, an-
Häufung, was den bedeutungen genügt. Vgl. Humboldt, Urbewohner Hisp.
p. 40, wo auch der städtename Balsa in Baetica (bei Plinius) hieher ge-
rechnet wird.
Bai uz altsp. Meiner goldklumpen (Seckendorf u. a.); lat. balux,
ballux goldsand, bei Plinius, bei späteren balluca, mtähmaßlich ein altes
span. wort. S. Vossii Etymol. und Potts Forsch. II, 419. 510. Baluz
aber, wofür Aldrete p. 26* baluce sagt, ist kein volksüblicher ausdruck,
sondern erst von den gelehrten aus balux romanisiert.
Bandibula sp. kinnbacken ; von mandibula, wahrscheinlich durch
assimüation, d. h. das erste b durch das zweite hervorgerufen.
Barbasco sp. Wollkraut; von verbascum: so altsp. bardasca neben
verdasca gerte, von viridis.
Barcar sp. pg. in abarcar (sard. abbarcai) umarmen, sobarcar
unter dem arme tragen. Nicht für ad-brachiare, sub-brachiare, denen
nur abrazar, sobrazar gemäß wäre, grammatisch genügt allein eine form
brachicare, durch Umstellung des r barcar, gebildet also wie caballicare.
Sp. pg. sobaco heißt achsdhöhle, sard. suercu: ist es, wie Cabrera an-
merkt, das Isidorische subbrachium, so muß es gleichfalls einmischung des
Suffixes ic erfahren haben.
Barrag an sp., pg. barragäo gefahrte, junggesell. Da das nun ver-
altete wort auch für einen tüchtigen, tapfern mann gebraucht ward (buen
barragan PC), so ist zu erwägen, ob es nicht identisch sein könne mit
barragan, das einen festen dauerhaften stoff bedeutet (s. baracane L), wie-
wohl Übertragungen dieser art selten sein mögen. Sonst sucht man es im
arab. (Covarruvias) oder baskischen (Larramendi, Hervas, Moraes).
Barriga sp. pg. bauch. Nicht wohl von barra, da kein span. Suf-
fix iga für neue ableitungen in anwendung gekommen: man mißte also
für diesen einzelnen fall eine ausnähme gestatten, indem man darin etwa
eine scheideform von barrica tonne, für den begriff genügend, erblickte.
Was hier folgt, nehme man als anspruchslose vermuthung. Durfte ein
körperiheü ncuh einem ihm zukommenden Meidungsstück benannt werden,
wie fr. poitrine eigenÜ. brustgürtd bedeutet, so konnte der bauch nicht un-
passend gurt heißen. Diese bedeutung aber hat das ahd. baldrich, span.
verändert in baldriga barriga, vgl. Rodrich, sp. Rodrigo; die mittelform
baldriga aber hat sich fast buchstäblich erhalten im parm. bodriga bauch
(o aus al). In Berry sagt man baudru für ventru, eine form, die gleich-
falls an das deutsche wort erinnert; man sehe baudrä II. c.
Barrueco, berrueco sp., barroco pg. ungleiche nicht recht runde
perle, pg. auch unebener fels, daher das fr. adj. baroque schiefrund.
IIb. BARRUNTAR— BELENO. 431
Etwa, mit vertauschtem suffix, von Verruca fels, waree, da auch sp. ber-
rueco beide bedeutungen hat und Flinius das wort auf eine Unebenheit
der edelsteine anwendet? Oder aus dem *sgs. bis-roca schiefer fels? s.
bis I. Beide Wörter, Verruca und roca, könnten sich, wenn man die be-
deutungen erwägt, an dem rotnan. warte betheiligt haben. Davon trennen
einheimische eiymologen wohl mit gutem gründe das pg. fem. barroca
unebene steinichte gegend, dessen Ursprung sie im sinnverwandten arab.
borqah (plur. boraq) Freyt. I, 111* erkennen.
Barruntar sp. pg. voraussehen^ errathen, muthmaßen, altsp. bar-
rnnta Scharfblick im voraussehen, barrunte späher, kundschaften barruntes
son llamados aquellos homes que andqn con los enemigos 6 saben su
fecho dellos, porqne aperciben ä aquellos que los embian Partid. 2, 26,
11, Conq. UUram.; im Alex, findet sich auch die form barronta. Ein
wart schwieriger deutung. Span, eiymologen scheuen sich nicht, es von
barrus dephant, als dem namen des verständigsten thieres, herzuleiten;
Larramendi weist auf das bask. barruan 'darinnen (innerlich) in bessie-
hung auf die eindringende schärfe des urtheils. Folgende deutung wird
besser begründet erscheinen. Barruntar steht durch eine dem Spanier sehr
geläufige einschiebung des n für barutar (Rom. gramm. I, 361), dieses
aber heißt prov. mehl durchsieben, woraus, wie in cernere oder xQiveiv,
die figürlichen bedd. unterscheiden, ausspähen, wahrnehmen u. dgl. hervor gehn
konnten, über den Ursprung von barutar s. bluter II. c. Die neupr.
Sprache kennt ein vb. barountä schaukeln, sicher dasselbe wort, denn das
sieben gibt eine schaukelnde bewegung, vgl. sp. mecer mischen, schütteln,
schaukeln.
Basca sp., pg. vasca (wie auch der Spanier ehemals schrieb) ekel,
angst, pr. basca misbehagen Chx. II, 266, M. I, p. 217; vb. altsp.
bascar ekd haben. Auch im bask. vorhanden; seine Zergliederung sehe
man bei Larramendi. Darf auch das mit sp. basca gleichbed. chw. ba-
schizzi hieher gestellt werden?
Batafalua, batafaluga sp. vrlt, mit m für b matala-hua, -huga,
-huva, cot. sard. matafaluga eine pflanze, anis; vom arab. chabbat-al-ehalvali
dass., s. Engelmann.
Baya sp. hülse, schote, auch beere; von baca = lat. bacca, pg. baga.
Bazo sp., pg. mite, vgl. neupr. bescle hammelsmile, ältfr. bascle.
Becerro sp. pg. kalb, junger stier, becerra pg. junge kuh; vom
bask. beicecorra, dies van beia kuh {vgl. kymr. biw) und cecorra kalb, s.
Larramendi. Dazu gesellt sich noch sp. bicerra gemse, bizerra reh.
Behetrla sp. pg. freie ihren herrn sich selbst wählende stadt; nach
Larramendi vom bask. beret-iria stadt für sich selbst, Stadt ihres eignen
willens; nach andern von benefactoria, wie man um 1020, benfetria, wie
man um 1129 schrieb, s. Covarruvias und Cabrera. Diese leteteren müssen
recht haben, da auch ein ganz entsprechendes mal-fetrfa vorhanden ist, s.
Berceo Müagr. 268.
Belefio sp. büsehkraut; von venemim, it. veleno? Die ähnlichkeit
432 ILb. BELLEGUIN-BODA.
kann täuschen: für solche dinge liebt die spräche individuellere bezeich-
nungen. Wort oder Wurzel begegnen auch, ohne Zusammenhang mit ve-
nenum, auf andern gebieten: ags. belene, belone, belune, russ. belenä,
poln. bielun, böhm. bljn, ungr. bel£nd-fu, ahd. bilisä; vollständigere ver-
gleichung bei Diefenbach, Orig. europ. p. 260.
Bellegnin sp., belegnim pg. häscher; nach Sousa vom arab. bale-
guin dass. (Gol. 321 hat nur bolaqtna unheil), nach Larramendi vom
bask. bella nachtwache (sp. vela) und eguin thun.
Bellota sp., pg. belota, bolota, boleta eichet; identisch mü arab.
balltft Gol. p. 318, Freyt. I, 153* , das dem lat. balanus eichd, castanie
entspricht. Auch it. ballotta gesottene castanie wird hieher zunehmen sein.
Bäodo altsp. betrunken; von bibitus, aber in activer bed/ einer der
getrunken hat\ wie comido cder gegessen hat\ s. Born, gramm.111, 265.
Die sübe beo aus bib.
Berro sp. brunnenkresse; baskisch, behauptet Larramendi, da es im
labort. dialect einen feuchten ort bedeute, die kressen aber am wasser
wachsen. Es ist vielmehr celtisch, z. b. kymr. berwr, bret. b&er mit der-
selben bedeutung; weitere vergleichungen bei Diefenbach, Goth. wb. I, 330
und Orig. europ. 435.
Bisojo sp. schielend, eigentl. doppdaugig, nach zwei seilen blickend,
comask. bisoencc (bisöc) von bia-oculus, s. biais II. c. Aber sard. bisogu
ist in die bed. einäugig ausgeartet (umgekehrt fr. louche von luscus).
Bizco sp., yesgo pg. schielend; zsgz. aus bis-oculns (woher sp. bisojo)
wäre hart. Nach Larramendi' s ansieht ist es baskisch und heißt cvon zweien.
Bizma sp. (f.) pflaster als heümittel, Umschlag, epitima (f.) magen-
pftaster; von epithema etwas aufgelegtes, it. epfttima und pfttima, fr.
öpitheme. Über sp. z aus t s. Rom. gramm. I, 365.
Bledo sp., pg. bredo, cot. bred, nach Covarruvias ein küchenkraut
ohne geschmack, nach dem wörterbuche der akademie eine ort wilder
brunnenkresse; von bITtum (ßUvov), das melde oder spinal heißen sott.
Letztere bedeutung hat sp. bledomora.
Bobo sp. pg., sard. bovu einfältig; ohne zweifei von balbus, it.
balbo, pr. balb u. s. w., sonst ganz unstatthaft von bos bovis hergeleitet,
vgl. wegen des begriffes sp. farfulla Stammler, bask. farfuilla dummkepf,
wegen der form popar (palpare). Auch ein prov. bob hat sich einge-
funden, gleichbedeutend, wie man annehmen darf, mit dem Span, warte:
no semblec pecs ni bobs Arn. Vid. ed. P. Meyer.
Bocear sp. die lippen bewegen (von pf erden beim fressen), altsp.
nebst pg. bocejar gähnen, dsgl. mit seltnem suffix (s. unten tropezar) sp.
boeezar und bostezar ; muthmaßlich vom sp. buz lippe, s. unten.
Bochorno sp. pg. heißer nordwind; von vnlturnus.
Boda sp. pg. cot. hochzeit. Es soll arabisch sein, ist aber gut
lateinisch, vota plur. von votum: ad tertia Vota migrare zur dritten ehe
schreiten Cod. Just., ad sectmda vota ire L. Burg. 42, 1. Eine altsp.
form für die bed. gdübde ist vota, it. boto.
IIb. BODE— BRISCAR. 433
Bode sp.pg. Ziegenbock. Dieses wort scheidet sich bestimmt sowohl
vom it. becco wie vom fr. bouc, welches letztere aber an der gräme des
span. gebietes vorhanden ist, $. das franz. wort U. c. Vergleichen läßt
sich etwa comask. bida siege.
Bof e sp. pg. lunge; von bufar blasen, schnauben, wofür port. auch
bofar gebraucht wird; vgl. gr. Tcveifimv lunge von nveiv blasen, it. man-
taco blasbalg, lunge. Daher sp. bofena, bohena wurst von schweinslunge.
Bof 6 altpg. adverb; zsgz. aus k boa i6 traun, gewiß.
Bojar sp. eine insel oder ein vorgebirg umschiffen; mahnt an ndl.
bogen d. i. biegen, beugen; derselbe gebrauch im lal. flectere Promontorium.
Bonina sp. pg. eine art der kamille. Ein liebliches feldblümchen
nennt sie Moraes Silva, und Camoens erblickt darin ein bild der weiße
und Schönheit: sollte das wort nickt darum vom sp. bueno, pg. bom (gut,
hübsch) abgeleitet sein?
Borboleta pg. Schmetterling; von borbolhar wallen, sprudeln, in
beziehung auf seinen gaukelnden flug. Vielleicht ist diese auffassung nicht
die richtige, aber Zusammenhang zuAschen Schmetterling und wallender
bewegung verräth auch churw. bulla = borboleta, vb. bugliar = borbol-
har, ebenso lothr. boublö name des insects, ndl. bobbeln wallen.
Bostar sp., bostsA pg. ochsenstall. Ein altbezeugtes wort: bostar locus
ubi stant boves Gl. Isid.; bostar vel boviale scipen (schoppen) Älfric;
bostar locus ubi comburebantur corpora boum vel statio boum Papias,
welcher Charisius stelle vor äugen hatte: bustar locus ubi concremantur
mortuorum corpora. Man vergleicht ßovoTcowv, aus dem es freilich
nicht gebildet sein kann.
Bote quin sp. Meines boot; vom ndl. bootje, das früher bötkfn ge-
heißen haben mag, henneg. botequin, bodequin.
Brena sp., brenha pg. mit gesträuch bedeclcte Schlucht, nüat. brenna
urk. v. 781 s. Ducange. Ein ähnliches wort ist das deutsche brahne ge-
büsch an feldr und wiesenrändern Frisch I, 124a, Zusammenhang beider
aber nicht zu behaupten. Dagegen zerlegt Larramendi das entsprechende
bade, brena in be ereüa besäte tiefe.
Brico sp. sandbank (bei Seckendorf); erinnert an nord. breki im
meer verborgene Hippe.
Brincar sp. pg. hüpfen, springen, tanzen, spielen, scherzen, sbst.
brinco Sprung, kurzweil u. dgl., plur. brincos Spielsachen, Schmucksachen,
jritternadeln, ohrringe. Vielleicht vom dtschen blinken (ahd. blinchan?)
schimmern, demnächst zittern, zappeln, wie lat. micare, coruscare beide
bedeutungen haben.
Brisa weintrester, ein in Aragon und Catalonien volksübliches wort,
s. das wb. der span. akad.; vom gleichbedeutenden brisa bei Columella,
welcher, ein Spanier von geburt, uns das alter auch noch anderer Wörter
der halbinsel bezeugt.
Briscar sp. cot. seide mit gold- oder süberfäden durchweben; etwa
= aUifr. broissier? Rom. fr. p. 64.
28
434 II. b. BRITAR-BUZ.
Britar altpg. brechen, z. b. as portas, a lan^a, a tregoa, a verdade.
Es gibt einige angels., engl, oder nord. Wörter, welche durch den volker-
verkehr nach Portugal gelangten, ohne Spanien zu erreichen. Britar ist
= ags. brittian serbrechen, zerbröckeln, mdartl. engl, brit, vgl. brittle
zerbrechlich.
Brozno altsp., auch brosno Cal. 6 D., rauh, barsch (wie bronco),
fehlt port. und catai.
Bruxa sp., pg. cot. bruxa nachtetde, hexe, wie lat. striga; masc
bruxo Hexenmeister. Einem worte dieser bedeutung ist nicht leicht auf
die spur zu kommen; die folgende vermuthung geht wenigstens mit der
lautlehre. Bruxa ist eine nebenform von bruza bürste (wie uxier neben
altsp. uzier, usier, lat. ostiarius) und so hieß die ende wegen ihres strup-
pigen köpf es: umgekehrt nennt man einen menschen mit struppigem haar
Schweiz, huwel eule. Der name gieng auf die hexen über, weil sie in
eulen verwandelt (convertidas en gallos, 'lechuzas' o cuervos Cervantes
nov. 10) den nächtlichen teufelsschmaus besuchen. Nach Bord sagte man
in der landschaft Foix bruesche Zauberin, das sich aber mit dem Span,
worte nicht einigen läßt und vielleicht mit dem gad. briosag (hexe) zu-
sammenhängt. S. auch Ducange v. broxa.
Buega sp, gränz stein; vgl. dtsch. buk erhöhte gränzscheide, buik
Frisch I, 151b ; buchstäblich näher kymr. bog (m.) auf Schwellung.
Buho sp., pg. bufo (wal. buh?) eine ort eulen, uhu; vom lat. bübo,
aber, in erwägung der inlautenden aspirata, wohl unter einwirkung des
ahd. büf und hüf gebildet.
Buir altsp. pg. glätten, polieren, z. b. Danza de muertos p. 431.
Bulto, vulto sp., pg. vulto klumpen, masse, beule, auch büste, ge-
steht. In letzterer bed. sicher von vultus (it. volto, pr. vult, volt), in
ersterer wahrscheinlich von volvere volutus, rom. voltus (s. volta I.), also
s. v. a. Volumen. Dabei ist noch zu erinnern, daß ndl. bult mit sp. bulto
in der bed. geschwulst zusammentrifft, beide auch von Diefenbach, Gotik
wb. I, 283, verglichen. Wal. bultz klumpen.
Burdo sp. grob (von Stoffen), burdalla grobwolliges schaf. Eine
herleitung aus dem arab. bord, das einen dichten woUenstoff bedeutet, gibt
Engelmann als vermuthung.
Burga sp. warme Heilquelle; vom bask. bero-ur-ga warm-wasser-
stelle, s. Larramendi.
Buz sp. pg. handkuß (bei üovarruvias und S. Bosa), auch altval.
buz JFebr. 31, pr. bus GO., in der bed. lippe wal. buz$ und selbst sp.
buz. Ein weitverbreitetes wort, auch auf deutschem gebiet (Sehmeiler I,
211), auf celtischem (Diefenbachs Goth. wb. I, 286) und arabischem (Gol
348) heimisch. Daher das span. adverb de buces mit dem gesteht auf
dem boden (it. boecone), auch de bruces, letzteres von Larramendi aus
dem bask. burus cmit dem köpfe hergeleitet; vielleicht auch bocel rand
der gefäße (wie lat. labrum) und bocera rest von speisen an den lippen,
auf welche aber auch bucca anspräche macht.
ILb. CABAL-CALENTAR. 435
C.
Cabal sp. pg. pr. hauptsächlich; von cabo, lat. caput.
Cabe sp., alt cabo, dsgl. altpg. cabe, cabo SRos., präposition für
lat.juxta; eigentl. 4 cabo, cdtfr. ä chief am ende, an der kante, daher
sbst. cabe das anstoßen] vgl. de capo de illa Sema, ad caput de illa
Serna Yep. L app. n. 8. Ein rnlat cape in cape me stans hält SchmeUer,
Lat. gedickte des 10. 11. jh. p. 230, für identisch mit dem span. worte.
Daher das altsp. vb. cabear anpassen Alx.
Cacho sp. Meines stück, vb. cachar serstücken; vom nüat. capulare
cap'lare eibhauen? und ebenso cacha messerstiel von capulus cap'lus?
vgl. ancho von amplus.
Gachorro sp. das junge des hundes und andrer säugethiere; nach
Covarruvias von catulus cat'lus, datier denn auch cachonda für lat.
catnliens. Baskisch chakhurra heißt hund, bei Saldberry kleiner hund,
chakh konnte der Spanier umstellen in cach: ist nun das wort ein achtes
baskisches, so konnte cachorra, dessen suffox baskisch ist, allerdings seine
quelle darin haben.
Gaco pg. scherbe; könnte durch ausfdll des b aus cäcabus, wie
etwa Jago aus Jäcobus, entstanden sein; daher auch unser kachel irdenes
g eschirr.
Cadera sp. cot., cadeira^. hüfte; von cathedra süss {fr. chaire),
eigentl. der theil, auf welchem der obere körper ruht. Daher sp. caderillas
(plur.) kleiner reifrock.
Gadimo pg. listig, ausgelernt (im Übeln sinne); wird auf aräb.
kadim alt (gealtert in einer kunst, einem geschäft) zurückgeführt. Das
port. wort hieß ursprüngl. geschickt, betriebsam, dsgl. öffentlich, s. S. Rosa.
Prov. caYm, welches Mahn, Etym. unters, p. 39, nachweist, ist dasselbe
wort, s. Krit. anhang p. 23.
Gäfila sp. pg. unordentlicher häufe von personen oder Sachen; vom
arab. qafilah trupp reisender Gol. 1948.
Gafre sp. pg. roh, grausam; vom arab. käfir ungläubig, ruchlos,
undankbar Freyt. IV, 47*. Jaume Febrer braucht es wohl noch in der
ersten bedeutung: ques veng& molt be de tots aquells cafres er rächte
sich sehr an allen jenen ungläubigen, str. 125. Daher fr. cafard schein-
heilig.
Calambre sp., cambrajpjr. krampf; vgl. ahd. chlampheren klammern,
zusammenhalten. Dahin auch dauph. ei-calambrä (= escalambrd) die
beine auseinanderstrecken, das gegentheil von klampheren.
Calafia sp. muster, eigenschaft; wohl von qualis.
Galavera sp., caveira^. todtenkopf; von calvaria.
'Calentar sp. erwärmen, participicdverbum von calere calens; esgs.
aitsp. escalentar, pg. esquentar, auch pg. acaentar, aquentar. Altsp.
calecer, tsgs. escalecer, dsgl. pg. aquecer, von calescere.
436 ILb. CALHA— CARCAVA.
Galha, quelha pg. rinne, canal; muthmaßUch von canalicula mit
ausfdtl des n und ersten 1 caüha, mit zurückgezogenem accent calha, vgl.
letzteren fall in fancho von foenfculum.
Calina sp. pr. hitze mit dunst; von caligo?
Cama sp.pg. bett, läget z. b. der thiere, streu, schichte (letztere bed.
hat auch das engl. bed). Ein altes wort, schon bei Isidorus: in camis i.
e. in stratis 19, 22, 29; cama est brevis et circa terram, Graeci enim
xafiai breve dicnnt 20, 11, 2. Sofern die grundbedeutung streu zu sein
scheint, darf man diese herleitung aus xapal = lat. humi genehmigen,
die auch durch das vb. acamar c auf die erde ausstrecken unterstützt wird:
solch ein niedriges bett oder lager nennt der Ghieche mit einem compos.
Xapsvvf] d. i. %or/uai-€i;viJ.
Cama sp. (nur im plur. gebraucht) stange am gebiß des pferdes,
vgl. camus mautkorb der pferde, im kirchenlatein, gr. mqfAog, ahd. chamo.
Cambron sp., pg. cambräo (nur im plur. cambröes) wegedom,
rhamnus, überh. dornstrauch ; nach einigen von camürus gekrümmt (camu-
ris sub cornibus bei Virgil).
C amote americanische bctiate; vom mexicanischen camotli, s. Cabrera.
Canasto, canasta sp. neupr. korb, sp. auch canastro, daher fr.
canastre; aus canistrnm, iL canestro.
Candado sp. Vorhängeschloß, altsp. cadenado; von catenatnm etwas
angekettetes; schon bei Isidor in diesem sinne, bemerkt Cabrera. Gadnado
ward also in candado umgestellt, volksmäßig calnado (nach Covarr.);
minder getreu ist das alte canado. Vgl. wegen der bedeutung auch it.
catenaccio, fr. cadenas. Verb, altsp. candar verschließen.
Cangilon sp., cangiräo pg. ein maß für flüssigkeiten u. dgl.; von
congius (Govarruvias).
C&nho pg. link, canhoto links d. h. die linke statt der rechten brauchend,
sbst. krummes holz; von cam krumm (s. gamba L), gleichsam cameus?
Canaherla sp., cot. canyafera eine pflanze, gertenkraut; zsgs. aus
canna und ferula. Die span. nebenform canaheja erklärt sich etwa aus
canna-fericula.
Garabe sp. pg., woher auch fr. carabä, bernstein, agtstein; vom
pers. kährubä d. i. strohräuber, wegen seiner elektischen eigenschaß, &
Rösler, Roman, farbenbezeichnungen p. 13. Dieselbe bedeutung erfüllt in
den roman. sprachen auch das gleichfalls orientalische wort ambpa,
welches eigentlich eine andre, wachsartige Substanz bezeichnet, fr. ambre
gris, sp. ambar gris grauer ambra, s. ambra I.
C &t cava sp. festungsgraben, lekhen- und ausgrübe, pg. nur in
erster bed., carcavar pg. ausgraben, aushöhlen, sp. mit einem graben um-
geben. Schwerlich zsgs. aus caro und cava fleischgrube, wie Covafjuvias
will, da alsdann der zweiten silbe der ton zukommen müßte: es kann
entstellt sein aus cöncava, woraus zuerst corcava (vgl. unten corcovar),
sodann carcava ward. Das masc. sp. cärcavo bedeutet die höhlungdes
bauches an einem thiere.
IIb. CARCOMER- CAUDAL. 437
Garcomersp. pg. anfressen (vom höh wurm), carcoma Wurmfraß,
holzwurm ; zsgs. aus caro fleisch, innerer theil des baumes, und comedere.
So schon Covarruvias.
Cärdeno sp., cdrdeo pg. bläulich, bleifarbig.
Carnero sp., carneiro pg. hammel, ndat. vaccas et carneros et
porcos Tep. m, n. 32 (aer. 1087); nach Covarruvias von carne, weil
das thier die vornehmste fleischspeise gebe (so stammt auch hoedus nach
Isidorus von edere essen). Leitet man es von crena (fr. cran) einschnitt,
carnero das eingeschnittene thier (vgl. die Versetzung im altfr. crenel und
carnel), so ist dies für die bedeutung bezeichnender; auch unser hammel
heißt verstümmelt. Hieher mag wohl auch camicol gespaltene (einge-
schnittene) Haue gehören.
Carrasca sp. cot., sp. pg. carrasco Steineiche, immergrüne eiche,
nach Covarruvias s. v. a. coscojo. Wenn es nicht nebst dem synonymen
carvallo ein alteinfieimisches wort ist, so darf man lat. cerrus als etymon
heranziehen: sp. ca aus lat. ce ist zwar nicht ohne bedenken, aber es gibt
einige fälle, worin e zu a ward, ohne dem vorhergehenden kehllaute die
neue ausspräche aufzudrängen: lagarto, ursprüngl. lacarto, statt lazarto,
regalar statt rejalar, so vielleicht auch carrasca statt cerrasca.
Carrizo sp. Schwertlilie, pg. carrigo schuf; von carex, it. cärice.
Cascabel, cascabillo sp., pg. pr. cascavel, dauph. carcavel schelle,
glöckchen. Larramendi übersetzt cascabel mit lat. scabellum und man konnte
es in der that darauf gründen, wäre die beschaffenheit dieses musicalischen
Instrumentes nicht zu ungewiß. Eben so wenig würde sich eine Zusammen-
setzung mit dem deutschen bei (s. b^lier II. c) behaupten lassen.
Cascar sp. zerbrechen, pg. zerschlagen, sard. cascai zerdrücken,
mishandeln. Der Spanier liebt das verbdlsuffix ic-are und so ertveiterte
er lat. qnassare in quassicare cascar. Hieraus, so scheint es, die sub-
stantiva casco etwas zerbrochenes, scherbe, auch schadet, casca und cäs-
cara hülse, rinde, schale, cascajo steinabfälle, kies. Casco, in der bed.
Pickelhaube, woher it. casco, fr. casque, leite man nicht aus cassis, da
das suffix ic fast nur feminina gibt, s. oca I.
Casimiro sp. ein feiner wollener stoff, pg. casimira (Constancio,
fehlt Moraes 1. 2. ausg.); genannt nach dem lande Kaschmir, entweder
weil er ursprünglich von da bezogen ward oder wegen einer ähnlichkeit
im gewebe mit den berühmten shawls von Kaschmir.
Gaspa sp. pg. schorf, der sich auf wunden u. dgl. ansetzt; unbe-
kannter herkunft.
Casta sp. pg. race; buchstäbl. etwas unvermischtes, von castus rein,
vollkommen.
Catarafia sp. ein wasservogd, sturzmöwe; entstellt aus cataractes
ein vogd, der sich schnell herabstürzt.
Gau dal sp. pg., auch pr. cabdal, altfr. chaudel vorzüglich, als sbst.
vermögen, Überfluß; von capitalis. Daher auch caudaloso überreich, ein
beliebtes beiwort großer ströme.
438 ILb. CAYADO-CEBRO.
Cayado sp., cajado pg., gayato. tat. hirtenstab, krückenstock. Ist
es nicht augenscheinlich erweitert aus dem gleichbed. gr. %aio$?
Cayo sp. dohle; vgl. ahd. kaha krähe, ndl. kauw.
Cebada sp., cevada jpjr. gerste, cot. pr. civada hafer; von cibare,
sp. cebar füttern. So auch sp. cibera getreide, von cibaria (plur.).
Ceifar pg. ernten; woher?
Gejar sp. (eigentl. cexar, wie die Alten schrieben) zurückgehe,
zurückweichen; von eessare, dem im ital. die verwandte bed. entweichen
zusteht.
Celda sp. zeUe, alt cella; vom lat. cella, daher auch sp. cilla ge-
treidekeUer, wie von cellarium sp. cillero, pg. cilleiro.
Gencerro schelle; bask. cincerria, cinzarria.
Cenefa, zanefo, vrlt. azanefa sp., pg. sanefa borte oder kram an
vorhängen u. dgl.; vom arab. a^anefah rand oder säum des Ideides
Freytag II, 627'.
Ceniza sp. asche, cenizo, ceniciento, cenizoso aschgrau, cenicero
aschengrube. Es scheint, eis habe man in diesen Wörtern ein, nicht einer
als thema des lat. einis angenommen und hieraus das adj. cenizo = ei-
nericiug (bei Varro), demnächst das subst. ceniza geschaffen. Die port.
formen sind einza (mit zurückgezogenem accent, tote hier öfter), cinzento,
cinzeiro. Die wal. spräche hat etwas analoges, bestätigendes, indem sie
einis durch cenus^, d. h. gleichfalls durch ein aus ein abgeleitetes wort,
ausdrückt. Das prov. neben cendre vorkommende eenes aber müßte eine
nominativform sein.
Cenogil sp. (m.) strumpßand; vom it. ginoeehiello stiefelmancheUe,
knieband (mit Covarruvias).
Genteno sp., centeio, senteio pg. eine getreideart, roggen; von
centenns, weil er hundertfältige frucht bringen sott, s. Covarruvias.
Cenzaya sp. kinder Wärterin; vom bask. seinzaya, dies von seina
kind, und zaya wache, s. Larramendi.
Gepillo sp., eepilho pg. hobel, bürste; von eepo sp. Motz, lat. eippas.
Cerdo sp. pg. schwein; nach Larramendi vom bask. cherria dass.,
läßt sich übrigens grammatisch untaddhaft aus sordidus (snerdo serdo,
vgl. unten frente) erklären. Daneben steht ein fem. eerda häufe Schweins-
borsten oder auch pferdehaare, unmöglich von seta oder setigera, also
wohl aus cerdo, indem man anfangs eine schweinshaut so benannte, später
aber den ausdruck auf die borsten beschränkte?
Gernada sp. laugenasche; = cinerata, cot. cendrada, von einis.
Gerquinho pg. in carvalho cerquinho Steineiche (s. Moraes); um-
gestellt aus quercinho = it. qnereino.
Gerrion sp. eiszapf en; nicht mit Covarruvias von eirrus, noch mit
Larramendi vom bask. chirria, das selbst fremd ist, sondern mit Oabrera
von dem ganz entsprechenden lat. stiria, worin st durch 9, wie sonst ge-
wöhnlich durch z (mozo von mnstns u. dgl.), vertreten wird.
Gerro sp.pg ., pr. ser anhöhe, dsgl. nacken oder rückgrat der thiere;
ILb. CETRERO-CHAZA. 439
nach Larramendi vom gleichbed. bask. cerra, welches freilich nach Hum-
boldt, ürbewohner Hisp. p. 52, auch aus dem span. entnommen sein
konnte; nach Covarruvias, da es auch flachsbüschel heiß, vom lat. cirms
Haarbüschel auf dem köpfe der vögd, wozu man die berührung der begriffe
büschd und gipfd (anhohe) in top ags. und engl, anfuhren darf.
Cetrero sp. falkenjäger; gleichsam accipitrarius, vgl. accertello IL a.
Chabasca sp. reis, gerte; sicher von clava pfropfreis, daher wohl
auch chaborra junges madchen, eigentl. s. v. a. Schößling, Sprößling,
vermöge einer bekannten metapher (gr. eQvog, xoqoq, pt6a%og, o£og sproß,
abkömmling).
ChAchara sp. geschwätz, geklatsch; naturausdruck, sard. ciäcciara,
it. chiäcchiera.
Chacona ein spanischer nationalt ans ; vom bask. chocuna niedlich,
artig (Larramendi).
Chamarasca sp. reisbündd; vom bask. chamar-asco 'viel Meines
s. Larramendi.
Chamberga sp. weiter Überrock; nach dem marschaU von Schomberg
benannt, der diese Meldung nach Spanien brachte (Seckendorf).
Chamorro sp. pg. kahl geschoren, chamorra kahikopf; muthmaß-
lieh von calvus, umgestellt clarus, und sp. morra schädd, das adjeetiv
aus dem Substantiv.
Chamuscar sp. pg. versengen; von flamma, pg. chama (Covarru*
vias). AJtsp. xamuscar.
Chanela, chinela sp. pantoffd; — it. pianella, von planus eben,
platt, eime absatz.
Ghapa sp. pg. platte, lederstreif auf den nähten u. dgl., chapin,
chapim pantoffd, vgl. norm, aller ä chapin leise auftreten; vb. chapir
plattieren; vom fr. chape mantel (etwas deckendes), mit chapa zusammen-
treffend in der bed. platter theil der schnalle, womit man sie antieftet.
Chaparra, chaparro sp. Steineiche; nach Larramendi vom bask.
achaparra kralle, .womit sich allerdings die kurzen zweige dieses baumes
vergleichen lassen.
Chapnzar, zapuzar, zampuzar sp. untertauchen, vgl. cot. pr. ca-
bussar, pr. accabastar; das port. wort ist chafundar. Woher aber diese
büdungen?
Charco sp.pg.pfütze; vom bask. charcoa schlecht, verächtlich (Lar-
ramendi). Zu erinnern ist auch an bask. charcea besudeln, bei Lecluse.
Charro sp. pg. bauertdümmd; aus dem baskischen, wo es schlecht,
gering bedeutet (Larramendi).
Chasco sp. ende der peitschenschnur, womit man klatscht, dsgl.
possen, streich, sard. ciascu; vielleicht nur ein schallwort, buchstäblich
mit unserm klatsche zusammentreffend; nach Larramendi vom bask. che-
-ascö sehr dünn.
Chaza sp. jagd im balispiel, chazar den ball zurücktreiben; vom
fr. chasse, chasser.
440 ILb. CHILLAR-CIGUENA.
Chillar sp. pfeifen, knistern; kann van sifflare kommen wie sollar
von sufflare. Vgl. auch cigolare IL a.
Chine he sp. pg. wanze; von eimex, it. eimice.
Chirivia sp., pg. eher i via und alquirivia, auch fr. chervis, cki-
roui (m.) zuckerwurzd, vom arab. karivija dass. (Dozy). Gewöhnlich tom
lat. siser hergeleitet.
Chisme sp., xisme cot. Matscher ei um Zwietracht zu erregen; ent-
stellt aus Bchisma? lat. seh wird nicht regelrecht eu sp. eh. Oder vom
gr. oiO(.iog gezische?
Chispa sp. pg. funke, regentröpfchen, Meiner diamant; unbekannter
herkunft.
Chocho pg. unreif, matt, entnervt, span. kindischer greis, fasel-
hans; wahrscheinlich von suetus für exsuetus ausgesogen, saßlos, vgl. it.
scioeco IL a.
C holla sp. schadet, dsgl. verstand, fähigkeit.
Chorcha, chocha sp. schnepfe.
Chorlo sp. eine eisenhaltige steinart; vom dtschen schörl.
Chorro sp., pg. chorro und jorro sprudd einer flüssigkeit; von
susurrus ? Nach Larramendi vom bask. zorrotz geschärft, gespitzt.
Choza sp., choeja pg. hütte, schäferhütte ; paßt buchstäblich eu
plutea für pluteum Schutzdach. Wie genau aber auch die buchstoben zu-
treffen, so ist doch, um des Sinnes willen, die herleitung aus dem arab.
cho<}$ vorzuziehn, s. Dozy.
Chozno sp. ururenkel; woher?
Chucha sp. nachteüle; von ihrem geschrei so genannt, sagt Govar-
ruvias — wenn das wort nicht vielmehr eine anspidung auf das saugen
an hindern enthält, das der Volksglaube einer art dieser thiere schuld gibt,
pg. chuchar saugen, piem. ciueä dass.
Chulo sp. pg. spaßhaft; vgl. it. zurlare schakern.
C h u m a z o pg. kopfküssen ; von pluma, auch it. piumaccio und pimaccio.
Chus altsp. adverb der vergleichung ; von plus, z. b. chus sorrenda
Bc. Mill. 370, vgl. 'mas' sorienda JBc. S. Or. 93 (und doch deutet es
Sanchez aus chusma, Cabrera gar aus plebs), dsgl. altpg. chus und ehos
SBos., chus poueo Trov. num. 156, 3, s. Port, kunst- u. hofp. 123.
Ghuzo sp. pg. pfeil, Wurfspieß. Cabrera meint von teutonus bei
lsidor, was nichts für sich hat. Lat. pilum aber konnte durch ableitung
piluzo, durch syncope pluzo chuzo geben.
Ciar sp. pg. rückwärtsgehen, rückwärts rudern. Dieselbebedeutung
hat auch sp. cejar (s. oben), aber ciar muß andrer herkunft sein.
Giema sp. die blüthe oder das beste eines dinges, pg. eerne das
beste oder härteste im holze, vgl. it. cerna auswaJü, ausschuß ; von cernere
sieben, sichten,, sp. cerner auch mit der bed. blühen.
Gigue na sp., cegonha pg. pumpenstock; von ciconia: hoc instru-
mentum (telon stange zum wasserschöpfen) 'Hispani' ciconiam vocant,
sagt Isidorus.
ILb. CfflBßAB-CORAZON. 441
Cimbrar sp. eine gerte schwingen (eigentl. biegen), cimbreöo bieg-
sam, geschmeidig; nach Larramendi vom bask. cimela biegsam.
Ciruela sp. pflaume; twncereola, bei Virgil prunum cereum wachs-
farbige pflaume.
Gobija sp. decke, cobijar bedecken, zudecken; von cooperculum
(it. coperchio, fr. couvercle) mit demselben euphonischen ausfalle des r
vor j wie in sobejo von superculus.
Co$ar pg. jucken, kitzeln; etwa von coquere brennen, beunruhigen,
pari, coctus, daher coctiare. Weiter daraus abgeleitet sp. coscar s.v. a.
pg. co$ar, sbst. cosquillas?
Co de so sp. eine pflanze; von cytisus.
Cogollo sp. her e des hohles; von cauliculus (culuculus), sofern man
Umstellung aus cologlo annehmen darf.
Cogujadasp., cot. cogullada haubenlerche; von cucullus haube,
itai. cappelluta genannt. Daher auch cogujon ecke eines küssens, weil
sie haubenartig ist.
Collazo sp. müchbruder; von collacteus für collactaneus.
Co Im e na sp., colmea pg. bienenkorb. Spanische etymologen con-
struieren dies wort, oder eigentl. colmenar, pg. colmeal bienenhaus, aus
arab. kuar men na hal bienenkörbe von bienen. Einfach deutet es Mahn
aus dem celtischen: bret. koloen-w^nan heißt korb der bienen; man sehe
seine auseinandersetzung p. 64.
Colmillo sp., colmilho pg. hauzdhn; von colnmella, dens colu-
mellaris. Schon Isidorus kennt die Span, form: hos (dentes caninos)
vulgus colomellos vocant.
Colödra sp. melkkübel, weinkrug, wasserkrug; von ungewisser her-
kunft, vielleicht zsgs. mit uter schlauch (doch nicht caul-uter stall-schlauch?)
Daher colodrillo hinterkopf, von der kübelartigen gestalt wie testa I.
Comadreja sp. wiesei; eigentl. Meine gevatterin, commatercula,
als schmeichelwort, s. Ferrari s. v. bellora und Grimms Beinhart p. CCXXIV.
Corner sp. pg. essen; von comedere. Ein veraltetes occit. comer
verzeichnet Honnorat.
Condesa cdtsp. häufe menschen, condesar aufhäufen, aufbewahren;
von condensus dicht beisammen, im ital. angefüllt (di dolorosa nebbia
il cor condenso Petr.), s. Sanchez de las Brozas anm. zu J. de Mena.
Dahin auch condensa vorrathskammer, denn in dem hier beibehaltenen,
dort ausgestoßenen n vor s liegt kein Widerspruch, vgl. sp. defesa defensa.
Oayangos verweist auf arab. coddasa s. v. a. condesar, was nicht noth
thut, da das lateinische dement ausreicht.
Conhecer j?£r. erkennen; von cognoscere.
Conti r ältsp. sich ereignen Alx., cuntir PC, bei den Alten auch
acuntir, nebst der inchoativform contescer, neusp. pg. acontecer; durch
starke syneope von contingere.
Corazon sp., cora$äo pg. herz. Dem tat. cor entspricht nur das
aitsp. euer (ue aus ö): vielleicht um jede Verwechslung mit cuero = lat.
442 IIb. CORCHO-COTOVTA.
corium zu beseitigen, führte man das derivatum cor-az-on ein, dem kein
it. coraccione oder fr. coura^on zur seite geht.
Corcho sp. korkholz, corcha gefäß von kork, corche sandale; von
cortex, wie pancho von pantex, d. h. c in ch vergröbert.
Corcbvar sp. pg. krümmen, corcöva höcker, buekel (port. sogar
al-corcovar, al-corcovo); von con-curvare; bei Berceo Sil. 540 concovar
verdrehen, vgl. sp. cor-cusir für concusir. Merkwürdig ist pg. cor cos
= corcovado.
. Cordero sp., cordeiro pg., corder cot. lamm; vom lat. agnus chor-
dus spät geborenes lamm, bei Varro und Flinius. So schon Aldrete u. a.
Coriscar pg. blitzen, corisco blitz; lassen sich nur von coruscare
herleiten, wenn auch i für u gegen alle regd ist. In der sicil. mundari
findet sich surruscu s. v. a. pg. corisco.
Gorma sp. fußklotz; erinnert an gr. xoqpoq Motz.
Corro sp. kreiß von personen, kreißtanz, pg. circus für Stiergefechte,
auch kreiß von Zuschauern; scheint nicht das lat. currus, sondern ein
neues product aus dem vb. currere, vgl. sp. correr toros ein stiergefecht
halten. Abgel. sp. pg. cot. corral Schauspielhaus, Schauplatz, gehege, hof.
Corzo, corza sp. pg. reh; etwa umgestellt aus gr. £o$£ £oQ*6g,
nebenform von öoqI; doQxog reh oder gazelle? Auch der span. name eines
andern säugethieres, gazapo, ist ja aus dem griechischen. Doch ist zu
erwägen: lat. caprea konnte sich in caurea corea, mit consonantiertem e
(vgl. granea granja) in corja, mit schärfung des j zu z (s. oben arcilla)
in corza verwandeln.
Goscojo sp., cot. coscoll Scharlachbeere an der stecheiche, lat. cus-
culium bei Plinius H. N. 16, 8 (16, 12). Der bäum selbst heißt span.
coscoja, cot. coscolla, bask. coscolla, cusculla. Man hält das wort für
ein altes hispanisches.
Cosecha sp. ernte; wahrscheinlich gebildet aus consecare consectus.
Dafür ältsp. cogecha = pg. colheita, lat. collecta.
Goso sp. kämpf platz; für corso von cursus, it. corso. Daher aUsp.
coser schlachtroß = it. corsiere, vb. nsp. acosar verfolgen.
Gostra sp. rinde; durch Umstellung aus crusta.
Cote pg. in a cote, de cote, adverb, täglich, z. b. vestido de cote
ein Meid, das man täglich trägt; wird von quotidie hergeleitet. Desselben
Ursprunges ist auch cotio alltäglich, gemein, sp. dia de cutfo Werktag.
Coto sp. einhegung, gränzstein, pg. couto asyl, freistätte, vb. sp.
acotar, pg. acoutar einzäunen, schützen. Es ist vom lat. cautum Verord-
nung, in welcher bedeutung es noch Berceo kennt, z. b. Loor 37 un coto
malo puso (Herodes) gab eine schlimme Verordnung; demnächst heißt es
festsetzung, gränze, mlat. infra cautos, infra cautum, lapis cauti, s. Du-
cange. Urkunden des 9. jh. gewähren schon die form coto.
CotoY i& pg. ein vogel, lerche, für edle arten derselben gebraucht. Es
ist ungewiß, woher dem Portugiesen, welcher alauda nicht kennt, dieses
wort gekommen oder aus welchen mittein er es sich geschaffen. Der
Hb. COZ-CURTIR. 443
Spanier spricht dafür totovia, versteht aber nur darunter die haubenlerche;
auch wird ein mdartl. üal. tottovilla bemerkt. Gewöhnlich vergleicht man
fr. cochevis, aber auch die gleichfalls mundarü. ausdrücke coutelou, co-
trelus, coutriaux sind zu erwägen; man sehe bei Nemnich. — [Mahn p.
25 hält cotovia cet. für celtisch, bret. kodioch.]
Coz sp. (f.) fußtritt, cocear treten; von calx ferse, it. calcio.
Crena, querena pg. kiel des Schiffes; van carina, it. sp. carena,
fr. car&ne.
Crencha sp. pg., cot. clenxa scheitet im haar; von criniculus
nach Cabrera. Vielleicht aber wohl mit crena (einschnitt) zusammen-
hängend, crenicula?
Criado sp. pg. dienet {weniger üblich it. creato); von criar er-
nähren, erziehen, lat. creare, also zögUng, kost ganger, oder der in einem
hause erzogene, olmhyg, eine bedeutung, die ihm noch im altspan. (s. Ruiz)
und nach S. Rosa im altport. zusteht. Vgl. jfö II. c.
Cx\% pg. (m.) sonnen- oder mondfinsternis, auch adj. einer endung
cris; abgekürzt aus eclipsis.
Crisuelo altsp. lampe7 crisuela unteres gefäß derselben; vom bask.
criselua, cruselua mit ersterer bed. (Larramendi). Dahin auch crisol
Schmelztiegel.
Ca dir sp. pg. in acudir zu hülfe eäen (daher nach Muratori it.
accudire) und recudir zurückspringen, erwiedem, beistehen, im Alex, re-
codir zurückkehren. Accurrere und recurrere passen wohl mit dem be-
griff, nicht mit der form. Recudir, recodir erinnert an reentere zurück-
schlagen, in reflexivem sinne zurückspringen, vgl. saeudir von suecutere,
pr. secodre; altpg. preeudir SRos. ist offenbar von perentere. Acudir
wäre also wohl eine neue büdung aus dem in recudir, preeudir herausge-
fühlten stamme entere; wenigstens ist es nicht von acendere, da es im
port. mit o flectiert, aeudo, acodes, acode. '
Cnerdo sp., cordo pg. ldug; verkürzt aus cordado, lat. cordatus
mit gl. bed. bei Ennius, Plautus und ganz späten Schriftstellern; vgl. die-
selbe Verkürzung in pago aus pagado, manso aus mansuetns.
Cuesco sp., coscoj>£. obstkern, coscorron, coscorrao beule am köpf
durch einen slhlag, kqpfnuß, dsgl. brotrinde (wie fr. grignon von granum
kern). Darf man vergleichen bask. coskha stoß des Widders?
Cnlantro sp. ein kraut; von coriandrum.
Cundir sp. cot. sich verbreiten, sich fortpflanzen, Sprößlinge treiben.
Dieses wort, das die span. etymologen sich aus ennetim ire zusammen-
setzen, ist weder lateinisch noch baskisch noch celtisch noch arabisch: es
verräth eine germanische würzet: goth. kuni geschlecht, erzeugnis, yevog,
yiryrjpa, adj. kunds, sbst. altn. kyn, ags. ge-eynd, engl, kind = kuni.
Dem span. warte würde zunächst ein vb. kundjan entsprechen.
C urtir sp., cortirp^. gerben. Es wird von condire oder von cortex her-
geleitet, ist aber in der (hat von conterere mürbe machen, co-terere, mit ver-
setztem r corter cortir. Derselbe stamm findet sich auch in derretir, s. unten.
444 II. b. CUSPIR-DESCER.
Cuspir, cospir pg. speien7 spucken; von conspuere.
Cutir sp. eine sache verfechten, dsgl. schlagen, anschlagen. Wie aus
conterere cuterir eutrir, so mochte auch aus competere cnmptir captir,
endlich cntir werden; eine starke, aber nicht beispiellose syneope.
i>.
Dadiva sp. pg. geschenk; dativa für donativa in den Isid. glossen.
Danar sp., danar pg. beschädigen; von damnare, dessen bedeutung
durch damnum bestimmt ward. Dieselbe bedeutung hat condemnare in
der L. Sal. emend.: si quis terram alienam condemnaverit tit. 71, und
altfr. condemner in einem der ältesten denkmäler, Leodegar str. 28.
Dechado sp. Vorschrift; von dictatum, woher auch pr. dechat, altfr.
ditiö eine galtung von gedichten, pr. dechar = lat dictare.
D ehe sa sp., alt defesa, cot. devesa Viehweide; mlat. defensa, de-
fensum, altfr. defois verbotener plate, wiese, weide.
Dengue sp. pg. cot. (m.), sard. denghi eiererei, pg. auch ad$. ge-
eiert; von denegare verweigern, abschlagen, vgl. die redensart hacer den-
gues sich sträuben, sich eieren. Das itäl. sbst. diniego ist also dasselbe wort.
Denuedo sp., denodo pg. unerschrockenheit , denodarse sich er-
kühnen; von nodus knoten, bindung, daher ungebundenheit.
Denuesto sp., doesto pg. beschimpfung, vb. sp. denostar, pg. does-
tar, alt deostar SBos.; von dehonestum, dehonestare mit versetztem n im
span. Prov. desnot Verspottung, für denost? s. Lex. rom.
Derramar sp. pg. in der bed. ausgießen, ausbreiten; eigentl. des-
-ramar in äste auseinandergehen lassen, theilen; it. disramare, pr. des-
ramar, derramar, wal. deremä ausästen, altfr. deramer eerreißen (ser~
theilen) Pass. de J. Chr. 68, Alx. 29, desrasmer Ben. III, 80. Das
gegentheil ist das comask. ramä sammeln.
Derretir sp., Aerreter pg. schmelzen, figürl. aufeehren. Ein unge-
löstes, aber nicht unlösbares wort. Da es sich im port. eur 2. conj. be-
kennt, so muß es der lat. 2. oder 3. angehören, kann also nur lat. Ur-
sprunges sein, und so kommt es von deterere oder disterere, mit Verset-
zung der bmhstaben t und r. Sbst. derretimiento trifft also eusammen
mit detriraentum, ist aber neu abgeleitet. Vgl. oben curtir.
Derribar sp. pg. umstürzen; von ripa ufer, üal. auch steile an-
höhe, absture (daher traripare herdbstüreen), sp. ribazo abhang; also wie
derrocar.
Descer pg. herabsteigen. Die herkömmliche deutung aus descen-
dere ist entschieden abzuweisen, da nd nicht syncopiert wird. Trote der
Schreibung mit sc stammt das port. verbum von desidere sich niederlassen,
sich senken. In "der form decir besitzt es auch die oltsp. spräche: dice
de una Sierra PC. 974 Jan.; deeido es Mynaya 1391; esto dixo myo
Cid diciendo del cavallo dies sagte mein Cid vom pferde steigend 1768;
ILb. DESOLLAR-EMPECER. 445
perf. desciö Conq. ültram., decieron Alf onceno. Keine der Schwester-
sprachen kennt dies verbum.
Desollar sp., altsp. desfollar, pg. esfolar abhäuten; von follis balg.
Despedir sp.pg.von sich entfernen, entlassen, despedirse abschied
nehmen; von de-expedire. Als eine scheideform von despedir darf man
nehmen pg. despir entkleiden, ausstehen, eigentl. losmachen, bloßmachen,
entblößen.
Dexar sp., deixar pg. lassen; gleichsam desitare des'tare von de-
siliere desitus. Derselbe Ursprung des x unten in quexar.
Dicha sp., dita pg. glück; von dictum, plur. dicta ausgesprochenes,
bestimmtes, wie lat. fatum von fari. Auch it. detta kann in dieser bedeur
hing angewandt werden. An %v%r\ ist also nicht ssu denken.
Donaire sp, pg. anmuth, gewandtheit, ursprüngl. schone naturgabe,
z. b. palabra es donaire que hau los omes tan solamente Partid. 2. tit. 1,
altsp. auch donario; von donarium gäbe. Adj. donoso anmuthigl von don
= lat. donum s. v. a. donaire.
Doudo pg. einfältig, närrisch. Dies dem Spanier unbekannte wort
kam aus England: dold (in Devonshire) hat dieselbe bedeutung, engl, dolt,
ags. dol u. s. w., vgl. Halliwell und E. Müller.
Du endo sp., pg. (mundartl.) dondo, pr. domde eahm, zum hause
gehörig, vb. pr. domtar, dondar, dltfr. donter, nfr. dompter; von domitus,
domitare. Mit recht erklärt Grimm, Mythol. 468, auch sp. pg. duende
kobold aus duendo, so daß es hausgeist (sp. auch duende de casa) be-
deutet, nicht mit recht aber erklärt er duendo aus domus.
Durazno sp. art pfir siehe; von persica duracina, vgl. it. duracine
adj. fest, hart (von fruchten).
Dureta sp. badebank, badesttM. Dies von Augustus gebrauchte
wort (insidens ligneo solio, quod ipse hispanico verbo duretam vocabat
Sueton. in Aug. 82) hat man aus dem lat. wörterbuche in das spanische
eingetragen. Larramendi s. v. und Astarloar Apol. p. 261, deuten es aus
dem bask. ura wasser.
E.
Eito pg. Ordnung, reihenfolge.
Eiy & pg. ansäte von fäulnis, gebrechen, Sprung im glase, eivar-se
anfangen zu faulen.
Elche sp. pg. apostat; vom arab. elg proselyt Freyt. IU, 206b.
Embargar sp. pg. pr. hindern, aufhalten, sbst. embargo, embare
hindemis; von barra riegel (s. thl. L), daher imbarricare.
Embutir sp. pg. cot. (s. bottare I.), einschlagen, eindrücken; wohl
aus derselben deutschen wursel wie botar, vgl. auch mhd. bflz schlag.
Empecer altsp. pg. schaden thun, beschädigen, hindern, mit dat.
oder acc., daher empiezo, empeeimento hindernis. Für empedecer, wie
446 H.b. EMPEINE-ENTON.
noch Bereeo sehreibt, von impedire ? Oder sott, was dem begriffe besser zu-
sagt, dies empedecer für emperdecer (von perda vertust) gelten?
Empeine sp. kratze, flechte; von impetigo, it. empetiggine, wal.
pecingine. Empeine wnterleib s. pettine I.
Encentar sp., enceitar, encetar pg. anschneiden zum essen; von
inceptare anfangen, bei Plautus. Dahin auch sp. decentar. Vgl. en-
tamer IL c.
Enclenque sp., cot. enclenc kränklich, schwächlich; von clinicus
bettlägerig, mit vorgesetztem en wie in endeble von debilis.
Encono sp., alt enconfa zorn, erbitterung, enconar erbittern. Es
kann vereinfacht sein aus sp. malenconia zorn, wuth (melancholia), worin
man ein compositum mit mal fühlte (mal-enconia). Da enconar aber
auch bedeutet, eine wunde zum schwären bringen, enconado entzündet (von
wunden), giftig De. MM. 36, so verweist Cahrera duf aconitum ein gif'
tiges kraut, sp. aeönito, welches gleichfalls berechtigt scheint.
Endilgar sp. auf den weg bringen, leiten, überreden; von in-dele-
gare hinschicken, Hinweisen, zu etwas anweisen. Die bekannte herleitung
aus in-dirigere befriedigt den buchstaben nicht besser und setzt eine Störung
der conjugationsform voraus, die der Spanier nicht liebt.
Eneldo sp. eine pflanze, ditl; von anethum mit eingemischtem 1,
wie dies vor d im spanischen zuweilen geschieht, vgl. oben alcalde, arra-
balde. Die port form ist endro, entstanden, wie es scheint, aus endlo.
Ital. aneto cet.
Engreir sp. stolz machen; wahrscheinlich von ingredi einherschrei-
ten, (trans.) einherschreiten machen, wie sp. escurrir auslaufen, auslaufen
machen u. a.
Enho pg. einjähriges hirschkaXb; von hinnuleus, für enlho? Oder
sollte es aus bi-ennius mit abgeworfenem numeraladverb entstanden sein?
etwas ähnliches sehe man unter cobrar 1.
Enlear pg. fesseln, hindern, beirren, ältfr. enloier; von in-ligare,
zunächst wohl aus der altfr. form enlaier, da ligare port. nur ligar,
liar gibt.
Ennödio altsp. junger hirsch, spießer; ohne zweifei von enödis ast-
los, weil ihm das geweih noch fehlt.
Ensalmar sp., enzaim&rpg. durch Segenssprüche heilen; von psalmus,
Ensenada sp., enseada pg. bucht, boi; von sinus, insinuare, sp.
ensenar in den busen bringen.
Ente co sp. kränklich, schwächlich; von hecticus, altpg. etego, it.
etico. Wie tat. c am ende einer silbe durch sp. n ausgedrückt wird, dar-
über s. anche L, Rom. gramm. I, 246 note.
Entejar pg. ekel empfinden, entejo ekd; von taedium.
Entibo sp. stütze, entibar stützen; von stipes (m.) pfähl, bask. estiba,
das auch ein altsp. estibo vermuthen läßt.
Enton altsp. Alx., pg. entäo adverb für tat. tum, von in tum; dsgl.
sp. entoirces, alt estonze, estonzas, von in tunece, ex tnnece.
IIb. ENTREGAR-ESCALIO. 447
Entregar sp. pg. cot. übergeben, überlief erny sp. entrego, pg. en-
tregne Überliefert, entrega Überlieferung. Man leitet es gewohnlieh von
tradere. Bedenkt man aber, daß für das sp. entero, pg. inteiro = lat.
integer eine dltspan. form entrego, altpg. entregue stattfand, daß Berceo
entergarse (d. t. entregarse) für neusp. enterarse = integrare gebraucht,
so sieht man sich auf die genannten lat. Wörter angewiesen, wenn auch
das neue verbum in einen andern sinn ausgewichen ist. Entregar alguno
de alg. cosa mochte heißen einen mit etwas versehen, eigentl. ergangen,
denn noch jetzt heißt entregarse de alg. cosa sich in den besitz einer
Sache setzen; hieraus erfolgte mit veränderter construction die erweiterte
bed. einem etwas übergeben. Entrega heißt altsp. ergänzung, ersatz,
neusp. Übergabe.
Entremes sp. Zwischenspiel; vom it. inter-mezzo = inter-medium,
* verschieden vom fr. entre-mets.
Entroido, antraido altsp., nsp. antruejo, altpg. entroydo, npg. en-
trudo carnevcdszeit; leiten die einheimischen philologen von introitus ein-
gang zu den fasten.
Enxeco altsp., enxeco, eyxeco altpg. Schwierigkeit, schade, strafe;
vom arab. asch-scheqq Schwierigkeit Freyt. II, 433b.
Enxerir sp., enxerir pg. einfügen, pfropfen; von inserere. Ebenso
enxertar von insertare.
Enxuagar sp. ausspülen; von ex-aquare mit versetztem u, it.
seiacqnare.
Enxundia sp. fett; von axungia wagenschmeer, fr. axonge, vgl.
sngna II. a.
Ergo altpg. partikd mit der bed. außer, ausgenommen, z. b. nnnca '
sonbe ren amar ergo vos 'nie wußte ich jemand zu lieben außer euchy
Trov. n. 149, 1; nnnca pud' eu en outra ren aver sabor ergu* en coidar
en vos 162, 1, u. dgl. oft, schon in einem foral v. 1192 SRos. (eigo v.j.
1408 scheint entstellt). Wie die spräche dem lat. ergo diese bedeutung
abgewonnen hätte, wäre schwer zu begreifen. Man vermuthet darin erga,
so daß ein gegensatz in den sinn einer ausschließung übergegangen wäre:
€nie liebte ich jemand euch gegenüber = nie liebte ich jemand euch aus-
genommen. Der Lateiner sagt praetärqnod * außer daß' : sollte ergo dar-
aus abgekürzt sein? vgl. algo aus aliquod. Aber die abkürzung wäre
keine gewöhnliche.
Ergnir sp., ergner pg. aufrichten; von erigere mit seltner behand-
lung des gutturc&s. Eine andre form ist sp. ercer, § aus g wie in arcilla
und andern.
Erial, erio sp. unangebaut; von era, lat. area, also tennenartig,
wie eine tenne beschaffen.
Escada pg. treppe; entstellt aus escala, lat. scala? Oder ist es aus
escalada syncopiert^ um das in die bed. Seehafen ausgewichene escala zu
ersetzen?
Escalio sp. brachacker; von sqnalidus sc. ager, s.Isidorus 15,13,
448 ILb. ESCAMONDAR-ESCRAMO.
also rauher acker, wie spa/n. etymologen richtig erklären. Vgl. terras de
scalido ejeci Yep. IV, n. 28; squalidavit et fecit vineas Esp. sagr.
XL, n. 18.
Escamondar sp. einen bäum pulsen, seine äste beschneiden; viel-
leicht für escami-mondar abschuppen, reinigen, vgl. mani-atar, perni-
quebrar, eine seltnere art der Zusammensetzung.
Escarapelarse sp. pg. sich zausen; nach Covarruvias von cara
und pelar, ist aber wohl nur das it. scarpellare zerkratzen, von scarpello
== lat. scalpellum.
Escarba sp. zusammenfügung zweier planken u. dgl.; nach Lar-
ramendi vom bash. elcarbea 'unten vereinigt*.
Escarbar sp., escarvar pg., wohl auch cat. esgarrapar kratzen,
scharren; vgl. ndl. schrapen, mhd. schrapfen dass.
Escarcha sp. pg. etwas krauses, reif (pruina), escarchar kräuseln,
bereifen; nach Larramendi vom bask. ecachea feiner regen.
Es Carmen tar sp. pg.hart zurechtweisen, vor gefahr warnen, sbst.
escarmiento. Von zweifelhaftem Ursprung: nach einigen von escarmenar
= lat. ex-carminare krämpeln, zupfen (also für escarmenantar!); nach
andern vom it. schermo d. h. vom dtschen schirmen (schützen, wahren,
warnen), das aber sp. esgrimir lautet. Ist escarmiento etwa = it. scar-
namento aufritzung der haut, Züchtigung?
Escarzar sp. die bienenstöcke schneiden; von ex-castrare, durch
Versetzung excarstare escarzar. Eine solche Versetzung scheint schon vor-
zuliegen in carsattis 'castratus* Ol. Paris, ed. Hildebr.
EscAtima sp. pg.mangd, abbruch, escatimar abbrechen, verkürzen.
Bask. (labort.) escatima bedeutet hader, von escatu fordern, eman geben,
hader ist aber kränkung und Verkürzung. So Larramendi. Berceo SU.
146 hat estemado, vermtdhlich für escatemado. S. über das wort auch
S. Rosa.
Escodar sp. pg. steine behauen; erklärt sich einfach Otts sp. codo
ellenbogen d. i. ecke, winket, vgl. codillo stumpf eines abgehauenen astes
am baumstamm, heißt also eigenü. alles vorragende wegschaffen. Daher
sbst. escoda hammer der steinhauer.
Escolimoso sp. hart, rauh, störrig; von scolymus (axolv/iog) art
eßbarer distel, wegen ihrer stacheligen blauer (Covarruvias).
Esconso J3#., esconzado sp. ungleich, eckig, stumpfwinkelig.
Escoplo sp., pg. escopro (estoupro SRos.), vol. escapre, cdtfr.
eschalpre meißel, schabmesser; von scalprum. Span, escarpelo, it. scar-
pello, von scalpellum.
Escote sp. runder ausschnitt an einem kleide, escotar einen solchen
ausschnitt machen. Schwerlich, wie Covarruvias will, von ex-curtare, da
r vor t nicht ausfällt; richtiger wohl von unserm schote, goth. skaut-s
u. s. w., indem das auszuschneidende einen busen bildet und deshalb weg-
genommen wird.
Escramo altsp. Wurfspieß. Dies, wie man annehmen darf, nie ge-
IIb. ESCüDRlNAR-ESQÜlKZAß. 44Ö
braucJUe, aus dem mittetlatein in das span. lexicon eingeschaltete wart
liegt vor in der L. Wisig. 9, 2, 1: scutis, spatis, scramis, lanceis, sa-
gittis; eine zss. mit sahs (messet) bei Gregor v. T. cum cultris validis,
quos 'vulgus* scramasaxos vocant Vgl. Biefenbach, Goth. tob. II, 257,
Orig. europ. p. 418.
Escudriöar sp., neupr. escudrinhä durchforschen; umgestellt aus
escrudinar, it. scrutinare, von scrutinium.
Escuerzo, escorzon sp. kröte, auch it. scorzone art giftiger
schlangen; eigentl. rinde, baumrinde, it. scorza, wegen der rauhen narbigen
haut der hröte? In JBrescia heißt sie rapatü, von rapa runzd.
Esparcir sp., eßparzir pg. zerstreuen, altsp. pg. espargir; von
spargere, pr. esparser. Vgl. wegen q aus g oben arcilla.
Esparrancar sp. die beine auseinander sperren. Wohl erinnert
es an das ahd. ar-sparran 'distendere', woraus sich aber die silbe anc
nicht erklären würde. Besser darum nimmt man es für eine Variante von
espalancar, s. spalancare IL a.
Espeque sp. pg.(m.) hebebaum, Schwengel der schiffspumpe u. dgl.;
vom ndl. spaak, speek (f.) Speiche, hebebaum = ags. spaca (m.), engl.
spoke, ahd. speihhä mit ersterer bedeutung.
Espertar altsp. (Sanchez glossare) pg.pr. wecken; von expergitus.
Zsgs. sp. despierto, pg. desperto wach, wachsam, vb. despertar, auch
wallon. dispierter.
Espich e sp. langer degen, pg. espicho kr ahn an einem fasse, vb.
sp. pg. espichar stechen; von spiculum spiclum, spiculare, wie hacha von
facula facla.
Eeplinque sp. falle oder schlinge zum Vogelfang; für esprinque,
ahd. springä fessel. Derselben herkunft scheint occ. esperenc und wohl
auch com. sparangon Sprenkel.
Espurrir sp. die beine auseinander sperren; von exporrigere, it.
sporgere.
Esquecer pg. vergessen maclhen, esquecerse vergessen; richtiger
altpg. escaecer, gleichsam excadescere entfallen, factitiv entfallen machen.
E s qu i n a sp. pg. ecke, felsstück ; muthmaßlich scheideform von esquena
rückgrat, eigentl. spitze, wie it. spigolo (lat. spiculum) ecke bedeutet.
Esquinzar sp., cat.pr. esquinsar, pr. auch esquissar zerreißen, zer-
schneiden (kleider oder läppen); vom gr. a%üjeiv zerspalten, zersplittern,
zerschneiden, mit eingeschobenem n? Aber die bedeutung befriedigt nicht:
das sbst. o%iCp z. b. heißt vornehmlich Mein gespaltenes holz, im mittet-
latein gleichfalls in diesem sinne vorkommend. Auch der hier folgende
deutungsversuch ist unsicher. Erwägt man nämlich das synonyme it.
squarciare, neben welchem auch squartare besteht, von quartus (s. IL a),
so kann man der Versuchung nicht toiderstehn, das vorliegende westroma-
nische wort, neben welchem gleichfalls eine Variante mit- t, pr. esquintar,
vorkommt, auf quintus zurückzuleiten, welches hier, wie quartus dort, nur
eine unbestimmte mehrheit von theilen auszudrücken berufen wäre.
' 20
450 ILb. ESTACHA-FAKO.
Estach a sp. harpunenlau; vom bask. est-archa harpunen-halter
(Larramendi).
Estiar altsp. stille stehen, bleiben wo man ist; von aestivare den
sommer wo zubringen, mit erweiterter bedeutung. Pg. estiar hell werden,
aufhören eu regnen, überh. nachlassen.
Estrago sp. pg. Verheerung, Zerrüttung, auch ausschweifung, lieder-
lichheit, estragar verheeren u. s. w. Man leitet es von strages (f.), und
wirklich gibt es einige fälle, worin die media unaspiriert geblieben, vgl.
gorga von gurges.
Estriga pg. abtheüung von flachs, die jedesmal an dem rocken be-
festigt wird, um gesponnen zu werden ; vom lat. striga strich oder Schwaden
des geschnittenen getreides.
Estrinque, estrenque sp., estrinque, estrinca pg. seil, tau, pg.
estrincar drehen; vom dtschen strick, stricken mit eingeschobenem n, vgl.
venez. strica schnür, comask. stricca schnüren, und tricoter II. c.
Estruendo sp., estrondo pg. getose, geprassel; nach Covarruvias
von 8trepitus, näher aber liegt tönitrus mit verstärkendem ex und ver-
setztem r extronitus, vgl. fr. estonner von extonare. Altsp. atrnendo
würde sich noch weniger in strepitus fügen.
Evay, plur. evad, evades cdtsp. PC, Conq. Ultram. sieh da! seht
da! von unsidierem Ursprung, nach einigen von videas, videatis. S. Rosa
führt auch, aber ohne beleg, ein vollständiges port. verbum evar an. Eine
andre verbalinterjection ist ab 4 (avä), aba-te, plur. abad, aba-os platz
da! welche Cdbrera aus apage deutet.
F.
Fagüeno (in Aragon) Westwind; von fjjvonius, cast. it. favonio,
dtsch. föhn.
Faldriquera, faltriquera sp.rocktasche; abgeleitet aus falda weiter
sack (s. thl. L), wobei ein dimin. faldfca vorauszusetzen ist, daher mit zu-
gefügtem r (wie in faltrero taschendieb) faldr-iqu-era.
Fanar, fanar altsp. einein (hier die ohren stutzen, pg. fanar be-
schneiden; von unbekannter herkunft.
Farändnla sp. pg. cat. gewerbe des Schauspielers, auch umher-
ziehende schauspielertruppe. So alt also ist der deutsche ausdruck fahrende
d. i. wandernde leute, spielleute, daß die Spanier ihn nicht etwa dem
mhdeutschen, sondern einer weit älteren mundart entnehmen konnten. Denn
farändula führt auf ein primitiv faranda wie lav&ndula auf lavanda, gi-
rändnla auf giranda. Oder ist es rathsamer, dieses wort, oder eigentlich
das entsprechende neupr. farandolo reihentanz, aus gr. q>ahxy^ und öovlog,
weil die tanzenden gewissermaßen aneinander gefesselt sind, zusammen-
zusetzen? S. diese seltsame etymologie bei Honnorat.
Faro pg. geruch, Witterung (der Kunde), fährte, dunst des fleisches;
soll arabisch sein, fehlt jedoch bei Engelmann und Dozy.
IIb. FARROUPO-FONIL. 451
Farroupo pg. einjähriges schweift, ferkd, nach S. Rosa verschnittenes
schwein, eitpg. auch hammel. Woher?
Fechar pg. schliefen, verschliefen, daher fecho Hegel; eigentl. eine
Urkunde, einen trief schließen, von factum datutn, sp. fechar datieren.
Feligres sp. pfarrkind; von filius gregis.
Feo sp. pg. häßlich; von foedas, bei Ruiz hedo. Da dieses hedo
auch muffig bedeutet (pan duro e hedo), so möchte es Pidal auf foetidus
verweisen, s. Canc. de B. glossar.
Ferropea, herropea, arropea sp., pg. ferropea fußschellen; von
ferrum und pes.
Feßto citpg. höhe, gipfel, em festo s. v. a. a cima, enfesta berg-
abhang, sp. enhiesto adj. aufgerichtet, enhestar, alt enfestar aufrichten;
von fastigium, altfr. fauste und mit zurückgezogenem accent fäiste, nfr.
falte (m.) gipfel, giebel.
Filhar pg. vrlt. nehmen (in verschiedenem sinne) z. b. filhar (fillar)
consello einen rathschluß fassen, senhor eine dame wählen, sabor behagen
empfangen (s. auch S. Rosa); scheint kein anderes wort als filhar in die
familie aufnehmen, von filius, mit erweiterter bedeutung. Auch altsp. fyllar
guerra krieg unternehmen, im Canc. de B.
F in dar pg. beschließen, endigen; von finitus, pg. findo, nicht von
finem dare, wie es denn auch den accus, tegiert.
Fisga sp. pg. dreizack zum fischen, vb. fisgar; vgl. goth. fiskön
fischen, ahd. fisker (fisk-gßr?) dreizack.
Fiücia altsp., zsgz. fucia, hucia vertrauen; von fiducia. Daher
Zusammensetzungen wie afiuciar, ahuciar, desfiuzar, deshuciar, desahuciar
(sämmtlich veraltet), mlat. affiduciare.
Fleco, flueco sp. franse, troddel; von floccus, s. wegen des stamm-
vocals unten freute.
Fofo sp. pg. schwammig, weich. Derselbe stamm ist auch in ital.
mundarten einheimisch: ven. fofio engbrüstig (aufgeblasen), athemlos, dsgl.
weich, schlaff, sbst. fufa, lomb. fofa schrecken (athemlosigkeit, anhalten des
athems), com. fofa etwas schwammartiges, neupr. refoufä aufgetrieben sein,
vgl. henneg. champ. foufe lumpen. Dieser stamm mag identisch sein mit
ndl. pof aufgeblasen, schwammig, vb. poffen, nhd. puffen, norm, pouffe =
ndl. pof, f für p durch assimilation. Zu bemerken ist auch pg. esfalfar
athemlos machen.
Fona pg. fliegender funke. Merkwürdig stimmt dazu goth. tön, gen.
funins, feuer, dltn. funi glühasche, woher auch funke. Festus sagt: fomites . .
alii vocari putant scintiilas, quae ex ferro candenti malleis excutiuntur.
Aus fomes (m.) konnte sich eine nominativform foma bilden wie aus
fustis (m.) fusta, übertritt des m in n ist freilich unüblich.
Fonda sp. mrthshaus, kaffeehaus, altsp. sclüeuder = nsp. honda;
vom lat. funda g eidbeut el, im mlatein Sammelplatz der kaufleute {altfr.
fonde), wie auch bursa, borsa beide bedeutungen in sich begreift.
Fonil sp., fimil pg. trichter, bask. unila; entstellt aus fundibulum
452 IIb. FONSADO-GAITA.
Gl. Philox., lat. infundibulum, limous. enfoanil. Dasselbe wort ist engl.
funnel, bret. founil; wahrscheinlich war es auch im franz. vorhanden.
Föns ad o altsp. heer; für fosado, wie es auch altpg. heißt, partic.
von fosar mit einem graben umgeben, ursprünglich also befestigtes lager.
Ein troubadour sagt: Tost qu'es tot entorn claus de fossatz das heer,
das ganz mit graben eingeschlossen ist Chx. 11, 211.
Foxa sp. ente mit dem halsband, anas torquata; ungewisser herlei-
tung. Nach Covarruvias vom gr. gpwi'f ein unbestimmter sumpf- oder
tcasservogel, also aus einer nominativform.
Fraga pg. holperiger boden, Steuer felsen^ sp. pg. fragura uneben-
hext, Steilheit. Wer vermuthet nicht hierin den stamm des lat. fräg-osus
uneben, rauh, woraus sich der Portugiese ein einfaches Substantiv abzog?
Das sp. fraga heißt brombeerstrauch (von frägum erdbeere), nach S. Rosa
auch gebüsch, vgl. pg. fragoso wild, vwwachsen: hält man nun das pg.
fraga für dasselbe wort, so muß es in seiner bedeutung wenigstens durch
fragosus bestimmt worden sein. Man sehe dazu fraga bei Ducange.
Fraire, freire altsp., pg. freire, nsp. durch dissimilation fraile,
freile Ordensbruder, abgekürzt sp. fray (it. frk), pg. frei, hieraus moviert
fem. sp. fraila u. s. w. Ordensschwester; von i rater, doch sind die formen
unspanisch und müssen aus dem prov. gebiete eingeführt sein, wo fraire
sprachgemäß ist.
Frente sp. stirne; euphonische Verkürzung aus dem altsp. fruente,
lat. frons. Auch Portugal ließ neben fronte die form frente zu.
Frisol, frisuelo, frejol sp. art höhnen; von phaseolus nach Cabrera,
welches aber fasol gibt. Zu erwägen ist das mlat. fresa: defresum *de-
tritum, unde adhuc fresa faba, quae obtrita frangitur Gloss. Placid.;
faba fresa dicta, quod eam frendant i. e. frangant Papias.
Fücar sp. reicher mann, wallon. foukeur; vom deutschen geschlechts-
namen Fugger, s. Schneller I, 516, Grandgagnage 1, 212. 352.
Fulano sp., altsp. fulan, pg. fulano, fuäo, sard. fulanu, unbestimm-
tes pronomen, quidam; vom arab. fölan mit ders. bed. Freyt. III, 372*.
Vgl. Sanchez glossar zu Berceo.
Fulo pg. braungelb; von fulvus, mit einem wenig üblichen ausfalle
des v, Born, gramm. I, 286.
Furo drag. adj. wild, leutescheu, sp. hurafio dass.; wie it. furo von
für und heißt eigentl. diebisch, verstohlen, scheu, vgl. die redensart hacer
furo etwas listig verbergen (diebisch handeln).
G.
Gaita sp. pg. cot. Meine flöte oder pfeife, auch sackpfeife. Buch-
stäblich dasselbe wort findet sich auch im prov., wo es wache, Wächter
heißt (s. guatare I). Sollte man die pfeife, womit der Wächter das zeichen
gab, nach ihm genannt haben? vgl. pg. na primeira gaita beim ersten
IIb. GAJO-GAKABATO. 453
Hahnenschrei, der hahn aber hat die bedeutung des Wächters. Span, estar
de gaita heißt munter, fröhlich sein, eine auch in einer oberital. mundart,
der trientinischen, vorhandene redensart.
Gajo sp., pg. gäiho, vol. gallo abgeschnittener zweig mit fruchten,
vgl. comask. gai keim von fruchten, zwiebeln u. dgl. Das etymon ist noch
zu finden.
Gal&pago sp. Schildkröte, cot. caläpat Jcröte, pg. cägado Meine
flußschüdkröte; unbekannter Herkunft
Galdre sp. kurzer Überrock; eine von den Franzosen, die aus
Geldern kamen, eingeführte tracht, s. Seckcndorf.
Galgo sp. pg. Windspiel; von canis gallicus: Ut canis in vacuo
leporem cum gallicus arvo vidit, et hie praedam pedibus petit, ille sa-
lutem Ovid. Met. 1, 633, auch bei Martiäl. Daher galga ausschlug am
halse, wie bei diesen hunden vom halsbande, nach Covarruvias meinung.
Galima altsp. Meiner diebstahl, dsgl. die den Christen von den
Sarazenen abgenommene beute (umgekehrt bei J. Febrer str. 183); vom
arab. ganimah beute (Engelmann),
Gamarra sp.pg. Sprungriemen; auch im bask. vorhanden und wohl,
wie die meisten Wörter der endung arra, daher entlehnt, obschon sich auch
das ahd. gamarjan hindern, ags. gemearra Hindernis, dazu anführen ließe.
Gamo sp. pg. damhirsch, fem. gama, in einem port. fored v.j. 1186
de corio de cervovel de gamo SBos. II, 126. Wenn man sp. gazapo
aus dasypus, golfin aus delphinus, gragea aus dragäe vergleicht, so ist
gamo aus lat. dama als ein vollkommen möglicher fall anzuerkennen.
Ganado sp., gado pg. Herde, mlat. ganatus Yep. I, num. 8 (v. j.
972), partic. von ganar, also das erworbene, errungene (ganatus überh.
bewegliches vermögen Esp. sagr. XIX, 395), vgl. cdtfr. proie raub, oft
für Herde gebraucht. Die gleiche bedeutung übertrug der Franzose auf
avoir FC. IV, 18, der Provenzale auf aver (habe), bask. aberea, aber
neupr. aver (fem.!) schaf. Vgl. auch bask. ateienda stück vieh, vom sp.
hacienda vermögen.
Gangnear sp. durch die nase reden, näseln, gangoso näselnd;
naturausdruck, wenn nicht vielmehr, wie auch Larramendi erinnert, vom
bask. ganga Zäpfchen im halse, da dies beim näseln mit im spiele ist;
vgl. auch it. gangola mandeln im halse, nach gr. ydyyhov geschwülst.
t Eine andere form ist altsp. pg. gago s. v. a. gangoso.
Ganzua sp., gazna pg. nachschlüssel, dieterich; vom bask. gaco-
itsua blinder Schlüssel (geheimer Schlüssel, diebsschlüssel?), mit Larramendi.
Ganon, gaüote sp. luftröhr e; von canna röhr (Cabrera).
Garab&to sp., garaväto pg. Harpune, auch vorragende eisenstange
einen balken zu tragen; wird für eine zss. mit garra (kralle) gehalten,
wobei das zweite wort (bato) dunkel bleibt. Ist es arabisch? Hier be-
deutet garb (auch girab) den gekrümmten theil eines Schwertes, dsgl. etwas
vorragendes Freyt. III, 266". 266b; was das suffix at betrifft, so wäre
etwa horcate gabelförmiges holz, vom sp. horca, zu vergleichen.
454 II. b. GARBANZO-GAZAPO.
Garbanzo sp. kichererbse; vom bash garbantzua, zsgs. aus garau
Jcorn und antzua trocken, s. Larramendi. Die deutung aus gr. igeßiv&og
kann nicht in betracht kommen.
Garbillo sp. sieb von weidenzweigen, garbillar sieben; gleichbed.
ist arab. gerbäl sbst., gerbala vb. Freyt. III, 267b (vgl. Engelmann s. v.),
allein man darf das wort mit Cabrera getrost aus dem lat. cribellum
herleiten, da die span. spräche in vielen fällen (wie farnetico von phre-
neticus) r vom anlaute entfernt. Doch könnte das arab. wort nach Dozy
Gloss. einfluß auf die span. form geübt haben. Auch garbin haarnetz
von cribrum?
Garduna sp. wiesei, wohl auch altpg. gardunha, das S. Rosa mit
dachs übersetzt.
Garlar sp. plaudern; von garrulus.
Garraina sp.pg. abgäbe, raub, erpressung; arab. garämah Gol. 1704.
Garrido sp. pg. zierlich, artig, reizend; vom arab. gartr edles an-
genehmes wesen Gol. 1695; oder besser wohl von gar! schön, artig Gol.
1704, mit roman. suffix wie in florido.
Garulla ausgekernte traube; vom bask. garau-illa todtes körn, nach
Larramendi.
Garzo sp. pg. blauäugig; leitet man von garza reiher, weil er blaue
äugen habe, daher in einem Hede lindos ojos & la garza. Die gleichnisse
der dichter läßt der etymologe an sich vorübergehen und schaut nach dem
buchstaben: garzo ist nichts anders als das umgestellte zarco (s. unten),
steht also für carzo, so gavasa für bagasa u. a. Ein gleichbed. it. gazzo
erwähnt Ferrari.
Garzo sp. baumschwamm; entstellt aus agaricus.
Gavilan sp., gaviao pg. sperber. Im frühesten mlatein bildete sich
für die bedeutung eines raubvogds capus von capere wie unser habicht
von haben d. h. fassen. Darüber sagt Isidorus: capus (al. capys) Italica
lingua dicitur; hunc nostri falconem dicunt, und Servius in Aen. I, 20:
falco, qui tusca lingua capys dicitur. Auch die mlat. glossare bringen
das wort häufig. Ein neuerer forscher (Steub über die urbewohner Rhä-
tiens p. 21) hält es, auf des scholiasten zeugnis gestützt, für acht etruskisch
(rasenisch) und glaubt es in dem deutschtyrol. tschaffit (fdüce) wieder zu
erkennen. Wohl konnte sp. cap-el-an gav-il-an, pg. gav-i-äo daraus er-
wachsen, indem 11 im dimin. cap-ellus (kleiner habicht) span. sich in 1
vereinfachte, port. gänzlich schwand, wie dies mit gemellus in gemelo, ge-
meo geschah; der stamm cap aber fügte sich derselben behandlung wie
in gav-ela von cap-ulus. Auch die italische spräche kennt dies wort:
maxi. com. gavinel, umgestellt ganivel, bedeutet sperber; pr. gavanh ist
jedenfalls ein raubvogel.
Gazäpo sp., cat. catxap, sard. gacciapu* pg. ca<japo junges kanin-
chen. Die span. etymologen halten es für eine entstdlung aus dem von
Plinius oft erwähnten dasypus (daohrovg), das einen hosen oder ein
kaninchen bezeichnen soll, und eine solche entsteUung ist recJti wohl mög-
IL b. GAZMONO— GOIVO. 455
lieh: d konnte anlautend mit g vertauscht werden (Rom. gramm. I, 369)
und gasepo war leicht in gasapo verwandelt, da der ausgang ap weit
üblicher ist als ep. Dkfenbach (Hall. L. Z. 1844 p. 1056) vermuthet Ver-
wandtschaft mit bret. gad hase, darin würde aber der bemerkte ausgang
des span. wertes^ keine befriedigung finden.
Gazmono sp. scheinheilig; vom bask. gazmufia, gazmuüaria einer
der küßt, wie der scheinheilige büder und reliquien küßt (Larramendi).
Gazuza sp. großer hunger; vom bask. gose-utsa lauter hunger, s.
Larramendi.
Geira pg. ein ackermaß: so vid land ein pßug in einem tage um-
ackert; für jugeira, lat. adj. jugarius bei den feldmessern.
Geitopg. haltung deskörpers, gestalt, weise; von fatan schmmg, tvurf.
Germania sp. gauner spräche, rothwälsch {zu unterscheiden von
Germania für Alemania). Die grundbedeutung ist brüderschaft, von ger-
manus; so hieß ein rebellenbund in Valencia la germanfa, so die gauner
und Zigeuner, die sich unter sich selbst brüder, germanos, nennen, so
endlich ihre spräche, wie mit demselben suffix ia auch die arabische ara-
bfa, algarabfa genannt ward. Es ist ein misverständnis, wenn man ger-
manfa von dem völkernamen Germanus leitet, weil die spräche der Zi-
geuner eine anzdhl gothischer Wörter enthalte: wer so viel gothisch oder
germanisch verstand, um es in jener spräche herauszufühlen, der hätte
weil mehr Ursache gehabt, jene Benennung auf die span. spräche selbst
überzutragen. Die veraltete form hermanfa legt aber klar zu tage, was
sich der Spanier unter germanfa dachte : sie kann nur von hermano (bruder)
stammen, welches nie für den völkernamen Germanas gesetzt ward.
Ginete sp. leichtbewaffneter reiter, auch geschickter reiter, dsgl.
leichtes feines cavalleriepferd (daher it. ginnetto, giannetto, fr. genet span.
pferd), gineta ort zu reiten (mit kurzen bügeln), ort spieße {wie die
leichten reiter sie führten, it. giannetta); entsprechend pg. ginete, gineta.
Vollständig paßt das von mehreren aufgestellte gr. yvfivrjrrjg leichter krieger,
erinnernd an griechische herrschaft in Spanien. Andrer meinung ist
May ans y Siscar, Orig. I, 102: Cinetes hießen die bewohner des Striches
zwischen dem Vorgebirge S. Vincent und dem Guadiana, ihre reiter waren
nur mit spieß und tartsche bewaffnet, und von ihnen übertrug man den
namen auf die zum schütze der span. seeküste gegen maurische piraten
errichtete reiterei: das sei eine historische thatsache (auf die wir aber nicht
eingehn können). Diefenbach, Orig. europ. p. 356, ist geneigt, das wort
aus ginnus (yivvog) herzuleiten, das aber dem begriff wenig zusagt. Wenn
er dabei 'leichtes pfer£ unbedenklich für die erste bedeutung von ginete
erklärt, so ist er mit den span. philologen durchaus im Widerspruch, die
überall den reiter voranstellen, ja selbst, wie Antonius Nebrissensis oder
die freilich nicht wortreiche erste ausgäbe der akademie, die bed. pferd
nickt einmal kennen.
Giro sp. schön, vollkommen in seiner ort.
Goivo pg. eine blume; nach Nunes de Liäo cap. 9 abgekürzt aus
456 ILb. GOLDRE— GUILLA.
leucoion (levxmov) weißes Veilchen, zusammentreffend mit altpg. goivo
s. v. a. gozo, aber schwerlich damit identisch; sonst auch mit einem worte
arabischer herkunft alelf genannt
Goldre sp., coldre pg. Jcöcher; von dem gleichbed. corytus, wie
Covarruvias will.
Gollizo sp. kehle; von gula, sp. gola.
Gomia sp. (f.) fresset; von gümia mit gl. bed. bei Lucilius und
Aptdejus.
Gorgojo sp. Jcornwurm; von curcnlio.
Goto pg. Schlund; von guttur, begrifflich näher liegend als guttus.
Gozo sp. pg. vergnügen, vb. gozar (mit de, auch mit accus, con-
struiert) genießen. Die übliche herleittmg ist aus gavisus gavißare; bes-
sere anspräche haben gaudium und gustus. Für ersteres redet das gleich-
bed. cot. gotj, vb. altval. gotjar (so mitj von medius, ratj von radius),
für letzteres die port. form, sofern sie o, nicht ou setzt, und dieser grund
scheint stärker, auch kann das veraltete gostar vermittelnd eintreten. Mit
sp. gozar stellt man darum besser das altval. gozar, cot. gosar, neupr.
gausÄ, maü. golzä zusammen, welche die bed. sich erkühnen (d. h. fröh-
lich, üppig sein) entwickelt haben, also mit osar zusammentreffen. Eine
ableitung ist sp. rejocijo lustbarkeit.
Grietar sp., gretar pg. sich spalten, aufreißen, grieta, greisk spalte,
riß, lomb. cretto Jagemanns wb.; von crepitare bersten.
Grillo sp., cot. grill, pg. grelo Schößling aus dem Samenkorn, vb.
sp. grillar ff. sprossen. Auch altfr. findet sich ein gleichbed. sbst. grel,
das von gracilis herzustammen scheint: hieraus könnte das port. und die
übrigen Wörter entlehnt sein, eine schon von andern ausgesprochene ver-
muthung.
Grima sp. cot. grausen, schauder (nach Covarruvias das entsetzen,
das man bekommt, wenn man etwas schreckliches sieht), pg. abneigung,
Widerwille. Muthmaßlich aus deutscher quelle, Ursache für Wirkung gesetzt:
ags. grima larve, gespenst. Spanische etymologen verweisen auf gr. xQvpog
frost. Vielleicht darf man hieher nehmen fr. grimace (f.), sp. grimazo,
pg. engrimaiiQO Verzerrung, verzerrte oder verzogene figur.
Grulla sp. kranich; erklärt sich aus gruicula.
Guanir sp. grunzen; ags. v&njan, ahd. weinön lacrimare, vgl.
comask. s-guagni wehklagen.
Guarismo sp., s. oben alguarismo.
Gnedeja sp., s. unten vedija.
Guijo sp. kiesd, kieselhauf% gnija kiesel, viereckige erbse, guijarro
kiesdstein. Etwa von cubus cubiculus cuiclus würfelchen? Aber ein-
facher entspringt es aus bask. egniya ecke, kante, wie guijarro aus eguij-
-arria, egui-arria eckstein, s. Larramendi. Altsp. für guija auch grija.
Guilefia sp. eine pflanze, aglei; von aquilina bei den botanikern.
Guilla sp., gailha pg. reiche ernte; vom arab. gallah einkünße von
einem lande oder hause (Engelmann).
n.b. GUINCHO— HALLAR. 457
Guincho sp. stächet, guinchar stechen; vgl. guizgar anspornen.
Guita sp. pg. starker bindfaden, schnür; vgl. ahd. wita haarband,
dies von lat. vitta.
G u i t o arag., cot. guit fehlerhaft, ungelehrig, boshaft (von lastthieren) ;
unbekannter herhunft.
Game pg. (m.) schärfe; von acumen.
Gumia sp., pg. gomia, agomia doleh, waidmesser; schwerlich von
acumen, weiches regelrecht agumbre erzeugt haben würde.
Gurrumina sp. übertriebene unterwürfigheit des ehemannes; bas-
kischer herkunfl, gur-mina c zuneigungs-übeV, s. Larramendi.
Gusano sp. pg. wurm; von cossus holzwurm, woher auch churw.
C08S engerling.
H.
Hacino sp. vrlt. traurig; unglücklich; vom arab. (hazin dass. Frey-
tag I, 376b.
Halagar sp., früher falagar, afolagar, ebenso vol. falagar bei A.
Mareh, aber sclion vor ihm bei J. Febrer z. b. str. 130 halagar, cat.
a&legar, pg. syncopiert afagar liebkosen, schmeicheln, sbst. halägo u. s. w.
Fal läßt sich nicht als stamm annehmen, da kein span. suffix ag vor-
kommt, das suffix ic aber falcar oder folgar erzeugt hätte. Darum ist es
bedenklich, das wort z. b. aus der interjeäion hälo Rz. 1334 abzuleiten,
die allerdings eine liebkosung auszudrücken scheint: quando eramancebo,
desianme halo! halo! agora que so viejo, disen que poco valo. Man
wird also falag als stamm setzen müssen, der ober nur vermöge einer im
span. üblichen einschiebung aus flag oder folg erweitert sein kann. Biesen
stamm mit passendem begriff gewährt unter den Quellensprachen nur die
gothische in thlaihan liebkosen, trösten, ivayxali&o&ai, nagccxaletv, sofern
sich dafür eine mdartl. form flaihan annehmen läßt (denn aus jener wäre
sp. tragar geworden), oder die hochdeutsche in flehön schtneichdn, bitten.
— Baß das bask. palacatu, balacatu nicht das original, sondern der ab-
druck des span. Wortes sei, bedarf kaum der bemerkung. — Menage, Orig.
ital. s. v. lusinga, weist auf fallax, aber es liegt in dem wesen der aus
adjectiven geleiteten transitiva, eine eigenschaft auf das object zu über-
tragen: falagar müßte bedeuten 'betrügerisch machen. — Endlich ließe
sich das span. wort auch als compositum fa-lagar fassen, aber nur der
zweite theil desselben gäbe einen sinn, vgl. lagot II. c.
Hallar sp. finden, alt fallar {dieses noch üblich in der bed. ein
urtheä finden = äUfr. trouver). Vom it. follare scheidet es sich durch
den begriff. Sollte es aus ahd. fallä 'decipula gebildet sein, so daß es
eigentl. ertappen bedeutete? Aber warum dem Südwesten zwei verschie-
dene Wörter für denselben begriff zumuthen, so lange sich beide noch vor-
einigen lassen? Bas veraltete falar, wie man schrieb und vielleicht auch
458 IL b. HAMBRE— HEDRAR.
sprach, kann nämlich recht wohl umgestellt sein aus pg. aflar, altsp. ajar
(s. oben achar); .sind auch solche den anlaut verändernde Umstellungen
selten, so kennt doch grade die span. spräche manche beispiele, Born,
gramm.l, 295-6. Ohne Umstellung der Buchstaben entstand aus aflar die
span. form ajar beschimpfen, mishandeln, vgl. die Bedeutungen des lat.
offendere treffen, finden, beleidigen.
Hambre sp. hunger; von fernes, dem man den genit. faminis bei-
legte, altsp. ferne, sard. famini. Merkwürdiger noch ist pg. fome, das
mit comask. fom, wal. foame übereinkommt.
Ha r bar altsp. pfuschen, sudeln.
Harija sp. staubmehl; nach Larramendi umgestellt aus bask. jaria
€etwas das sich sertreu? — oder sollte es aus lat. far (farriculum) ab-
geleitet sein?
Haron sp. faul, träge, altsp. feron *. b. caballo Bz. 615; buch-
stäblich das arab. harön halsstarrig.
Harto sp., altsp. pg. farto gesättigt, adv. sp. harto, ältpg. farte ge-
nug, daher hartar, fertar sättigen; von farcire fartus vollstopfen.
Hase äs, fescÄs altsp. adverb. s. v. a. paene, ferme; wohl zsgs. aus
sp. hasta-casi bis fast, fast sogar.
Hasta sp., altsp. altpg. fasta, präposition s. v. a. tenus usque ad;
zsgs. aus häcia gegen und ata bis? über letzteres s. unten t& Abgd. vb.
hastar ausdehnen.
Hastial sp. frontispiz eines gebäudes u. dgl.; von fastigium.
Hato sp., fato pg. kleidervorrath, hausgeräthe, überh. habseligkeiten,
auch herde, häufe; entspricht dem ahd. fezza bündel oder formell besser
dem neutr. faz, das in seiner citn. form fat Meid, tasche, fessd bedeutet,
vgl. schwed. fate-bur vorrathskammer für kleidet und geräthschaften.
Haz altsp. cdtpg. (f.) Schlachtordnung PC. 708.715 u. oft; von acies.
Haza, aza sp., alt faza garbenfeld, stück bauland; buchstäblich das
pr. faissa streifen land, wie Raynouard übersetzt, also lat. feseia, wiewohl
der logische Zusammenhang zwischen streifen land und dem specialen be-
griff garbenfdd nicht Mar hervortritt. In rhätischen dialecten ist feseia,
fäscia ein langer schmaler wiesenstreifen, s. Steubs Bhät. ethnologie p. 89.
Mit Diefenbachs herleitung von faza aus facies erdoberfläche (Goth. wb.
I, 74) läßt sich das prov. wort kaum vereinigen, da facies in dieser
spräche die bestimmte form fassa bekennt ; auch ist für den begriff nichts
damit gewonnen. Wie verhält sich dazu das bask. azaoa garbe? ist es
aus heimischer würzet?
He in he-me, he-te, he-lo, he-la, sp. adverb, sich, ecce; statt fe-me
u. s. f. und dies aus ve-me = lat. vide me, also helo = iL vello. Andre
beispiele der Verhärtung des v zu f Rom. gramm. I, 288.
Heb i IIa sp, schnalle, gallic. febilla; dimin. von fibula, pr. fivela.
Hebra sp. faden; von fibra, ital. wie lat.
Hediondo sp. stinkend; gleichsam foetebundus.
Hedrar sp. zum zweiten male umhacken; von iterare.
IL b. HENCIIIR-HONTEM. 459
Henchir sp., pg. encher, altpg. emprir füllen, anfüllen, sbst. altsp.
encha entschädigung, genugthuung (erfüllung); von implere, it. ömpiere.
Henir sp. teig kneten; von fingere lüden, zubereiten, it. fingere ff.
Hermano sp., irmäo pg., germä, cat. bruder, fem. hermana ff., ab-
gekürzt pg. mano, mana; von germanus bereits in den ältesten Urkunden
für frater (fraile), das dem Ordensbruder überlassen ward (fradre leiblicher
bruder Apol. 591) ; hermana in einer Urkunde v. j. 998 Esp. sagr. XL,
406. Durch die einfiihrung von hermano, hermana beraubte sich die
span. spräche der wurzelverschiedenen ausdrücke frater und soror. In
der venez. mundart ist zerman vetter, eugino, cousin germain, zermana
base. Eine zss. ist sp. cor mano, pg. coirmäo Stiefbruder = con-germanus.
Herrn 080 sp., pg. altsp. fermoso und fremoso, wal. frumos schon;
von formosus (fuermoso fermoso).
Herpe sp. pg. cat. flechte auf der haut; vom gr. $Q7rfjg um sich
greifender schade, hautgeschivür.
Herrin sp. rost; von ferrngo ferrnginis. So herrumbre von
ferrumen.
, Her yer o sp. Schlund, kette; vom bask. erbera, dies von erachi bera
hinabsteigen machen (Larramendi).
Hidalgo sp., altsp. pg. fidalgo edelmann; zsgs. aus hijo de algo,
daher auch hijodalgo, pl. hijosdalgo gesagt werden kann. Es heißt also
der söhn oder erbe von stand oder vermögen, denn beides kann algo, lat.
aliquod, bedeuten: almas, cuerpos et algos seelen, leiber und vermögen
Bz. 390. Nach S. Bosa hätte schon das einfache algo persönliche be-
deutung gehabt (einer der etwas ist), daher fijo d'algo söhn eines solchen
mannes; was jedoch unerweislich scheint.
Hilvan sp. heftnaht; wird mit hilo vano (unnützer faden) erklärt.
Hinchar sp., inchar pg. aufblasen; von inflare, it. enfiare. Daher
sbst. hincha, incha haß, eigentl. auf getriebenheit durch leidenschaft.
Hiniesta sp. ginster; von genista, it. ginestra.
Hipo sp. der schluchzen; ein Schattwort, wie es wenige gibt; pg.
8olu$o, cat. singlut, vol. changlöt.
Hisca sp. vogelleim (altsp. fisca?); von viscum, pl. visca, pg. it.
visco, anlautendes v, wie in andern fällen, in f, sodann in h verwandelt.
Hito sp. schwarz.
Hol gar sp., pg. cat. folgar sich ausruhen, feiern; vom späteren lat.
follicare ein- und ausathmen wie ein blasbalg (follis), daher ausschnaufen,
sich erholen, sbst. pg. folego athemholen. Ein ähnlicher begriffsübergang
im it. scialare ausdünsten, sich wohl sein lassen.
Hollejo sp. dünne haut der fruchte; von folliculus balg, it. follicolo.
Ho 11 in sp. ruß; von fuligo fuliginis, it. fuliggine.
Hontem, ontem port. adverb für lat. heri. Die von einheimischen
etymologen versuchte' herleitung aus hodie ante entbehrt jeder stütze. Sein
Ursprung scheint in ante-diem zu liegen, welches der Spanier in der form
antedia für pridxe gebrauchte: denselben sinn drückte auch das mlat.
460 IL b. HORMAZO-IJAR.
antedie aus, man sehe bei Ducange. Part, ooyte SRos., aus einem docu-
ment van 1743, ist vielleicht ein anderes wort.
Hormazo sp. mauer van trockenen steinen; schon bei Plinius IL N.
36, 14 parietes, quos appellant (in Hispania) formaeeos, quoniam in
forma circumdatis utrimque duabus tabulis inferciuntur, s. Aldrete
fol. 26* b.
Hornabeqae sp. homwerk; aus dem deutschen.
Horro sp., forro pg. frei, alforria freiheit u. a.; vom aräb. 'horr
frei, sbst. al-'horrtjah Freytag I, 360«. 361*.
Hostigar sp. nichtigen, pg. pr. fustigar, von fustis.
Hoto altsp., foto ältpg. Sicherheit, pg. fouto, afouto sicher, dreist,
afoutar dreist machen, altsp. ahotado, enhotado; besser von fotus gepflegt,
unterstützt, sbst. fotus, als mit Moraes vom unlat. partieip fautus.
Hoya, hoyo sp., pg. fojo grübe; von fovea, vgl. foggia IL a.
Hoz sp., fouce pg. sichel; von falx, fr. faux u. s.f, daher das (von
Cabrera erwähnte) altsp. vb. hozar abschneiden.
Hoz sp., foz pg. bergpaß, mündung eines flusses; von faux, it. foce.
Daher auch sp. hozar, pg. fo$ar in der erde wühlen (von Schweinen),
wenigstens bedeutet faux in der span. abl. hocico, pg. focinho, den rüssd
oder die schnauze der thiere.
Huebra sp. (scheideform von obra) morgen land; buchstäblich werk,
daher tagewerk, arbeit eines tages, von opera, welches der Spanier Colu-
mdla mehrfach in diesem sinne anwendet. Concrete bedeutung zeigt auch
comask. ovra, bürg, oeuvre abgang vom flachs oder hanf, werg, werk,
vielleicht aus dem letzteren deutschen worte übersetzt.
Hueco sp., oueo, 6co pg. hohl, leer, sbst. sp. hueco höhlung, loch,
vb. abuecar aushöhlen, dsgl. die erdschöllen zerschlagen, in letzterem sinne
gewiß von occare. Wäre aber die von J. Grimm und Maßmann für das
gothische balk dürftig, mcoxog aufgestellte grundbed. vaeuus eine thatsache,
so dürfte man in oueo einen Sprößling desselben annehmen, vgl. z. b. pg-
poupar aus palpare.
Huero sp. unbefruchtet (von eiern); nach Cabrera das lat. ürinus,
gr. ovQivog, in ovum urinum windet, besser das gr. ovgiog = ovQtvog,
mit Versetzung des i uiro uero huero, vielleicht auch güero (wie huerto
und güerto), woraus die port. form goro, vgl. enguerar FJ. = enhuerar.
Hu milde sp. pg. demüthig; von humilis, s. Rom. gramm. I, 363.
Huraco sp. loch, horacar nebst horadar durchlöchern; von forare
(Covarruvias).
i. j.
Ijar sp. (m.) weiche, pg. ilhal seite, dttfr. iliers Ren. IV; von lat.
Ile, ilia, pr. ilha. Daher auch sp. ijada, dem der Portugiese das merk-
würdige ilharga zur seite stellte.
IIb. INDA-LACIO. 461
Inda, ainda^. adverb für lat. adhuc, etiamnum {altsp. inde), von
inde ad, ab inde ad; ainda agora von ab inde ad hanc horam. In der
bed. 'selbst, sogar* vergleicht es sich dem sinnverwandten fr. jusqu'ä.
Izaga sp. binsenreicher ort: auch bask. izaga, von Ya binse und
aga, das eine fülle bedeutet. Man sehe Larramendi.
Izquierdo und esquerro sp., pg. esquerdo, cot. pr. esquer (fem.
eßquerra) link. Man erklärt es aus dem gleichbed. bask. ezquerra, dessen
ursprünglichkeit in dieser spräche übrigens nicht durch escua (hand) zu
erweisen ist, da dies wort in keiner Zusammensetzung in ezqn (mit stummem
u) ausartet. Salaberry gibt eskuer link, esku-esker linke hand (also mit
beigefügtem esku hand), eskuin rechte seite. Wie rechtfertigt sich aber
d in izquierdo? Dieser dental wird im span. hinter 1 oft eingeschoben,
niemals hinter r: hat er also seinen grund schon im baskischen, aus
welcher spräche Larramendi in der that ezquerdo nebst dem vb. ezquer-
datu anführt? Vergleicht man bask. lerr neben lerd = sp. lerdo, so
könnte man sielt versucht fühlen, in ezquerr eine aus ezquerd geschwächte
form anzunehmen. Aber wir gehen auf diese frage baskischer philologie
nicht ein und verweisen deshalb auf Mohns Zergliederung des Wortes p. 75.
Was jedoch noch den arüaut i für e in izquierdo betrifft, so erklärt er
sich aus der neigung des Spaniers, den vocci e, wenn die folgende silbe
den diphthong ie enthält, euphonisch in i zu verwandeln, wie in simiente
(sementis) u. a., Born, gramm. I, 176.
Jabali sp., pg. javalf (fehlt cot.) eber, keiler, sp. jabalina bache,
lehne. Arab. chinztr gabali ist bei Pedro von Alcala = sp. puerco
montös berg- oder Wildschwein: der Spanier begnügte sich mit dem zweiten
arab. wort = montäs (wild) zur bezekhnung des thieres, s. Engelmann.
Jaez sp., jaez pg. Pferdedecke, Meid, rock; vom arab. gahaz, gehaz
geräthe Freytag I, 318a. 318h.
Jorgina, jorguina sp. hexe; vom gleichbed. bask. sorguiüa, sorguina,
dies nach Larramendi von sorr unempfindlich (warum nicht vom lat. sors,
sp. suerte, bask. zortea?) und guina machend. Daher enjorguinar rußig
metchen wie die durch den Schornstein fatirenden hexen thun, s. Govarruvias,
der auch das gleichbed. holgina, holgin aus jorgina entstehen läßt.
L.
Labareda, lavareda pg. flamme; ist mit Moraes herzuleiten aus
labarum fahne, wegen ihrer wällenden bewegung. Die umgekehrte begriff s-
entwicklung in flamma, flammula s. oriflamme 27. c. Eine gelehrte unter-
suckung über labarum aber findet sich bei Mahn p. 66 ff.
Labriego sp., labrego pg. feldarbeiter, bauet; von labor in der
bed. feldarbeit, s. Ducange.
Ldcio sp. welk; von flaeeidus, wie die Schreibung lhacio = llacio
bei Berceo beweist, vgl. llama von flamma, Lainez, Llainez von Flainiz.
4G2 IIb. LACRA-LECHON.
Lacra sp. narbe, mangel, gebrechen, vb. lacrar Schaden; vergleichen
darf man mndl. laecke, altengl. lake, neuengl. lack fehler.
Ladrillo sp., ladrilho pg. lackstein; von laterculus dasselbe.
Lagar sp. pg. heiter, weinpresse; von lacus kufe für den gepreßten
wein, woher auch bask. lacoa in erster bedeutung.
L aiv o pg. Schmutzfleck; etwa von labes, woraus man ein adj. labeus
leitete.
Lambrija sp., lombriga pg. wurm in den eingeweiden; von lum-
bricus, it. lombrio. Span, auch lombriz.
Lampo pg. frühreif.
Lande sp. pg. eichet, landre (f.) drüsengeschtoulst; von glans,
glandula, vgl. liron von glis.
Lapa pg. höhle an der Seite eines berges; wird aus dem gr. Xana&ov
(grübe) gedeutet.
Lapa sp. dünne haut auf flüssigkeiten, kahm; vom gleichbed. gr. Xanr},
Xa(.mi). Vgl. auch bask. lapa weinhefe.
Lasca sp. platte, dünner flacher stein, lederstreif; umgestellt aus
laxus, laxa schlaff, demnächst lappenartig, denn auch sp. laxa (laja) ist
dafür üblich. Port, sagt man lasca de prestmto schnitte Schinken. Sinn-
verwandt, aber nicht daher zu leiten, ist das deutsche lasche einge-
setztes zeug- oder lederstück, worüber Weigand s. v. Span, lancha s.
v. a. laxa.
Lastar sp. pg. für einen andern zahlen unter vorbehält der rück-
Zahlung, auch fremde schuld büßen, sbst. lasto. Ein gerichtlicher ausdruck :
um so eher darf man deutsche herkunft vertnuthen, goth. laistjan folgen,
besser ahd. leistjan, leisten s. v. a. nhd. Vielleicht aber ist das span.
wort nur abgekürzt aus dem passenderen ahd. fol-leisten beistand gewähren.
Lau na sp. metallplatte, degenklinge, art ziegelerde. Nicht von la-
mina, woher es geleitet wird, sondern von l&ganum platter kuchen, g in u
verwandelt wie in sagma salma sauma (soma).
Lavanco sp. pg. wilde erde; vogel, der sich badet, von lavare, wie
engl, duck ente eigentlich taucher heißt.
Laya sp. pg. art, beschaffenheil. Es trifft äußerlich mit dem dltn.
ags. lag, engl, law, mhd. leye Ordnung, gesetz, art zusammen, ist aber
anderes Ursprunges. Es bedeutet eigentlich, wie auch im basischen, ein
ackerwerkzeug, mit welchem immer mehrere nebeneinander stehende leute
arbeiten, daher die redensart son de la misma laya sie sind eines gdich-
ters. So W. v. Humboldt im Mithridates IV, 298 und schon Larramendi
s. v. Damit ist freilich die bask. herkunft des Wortes noch nicht ausge-
macht. — [Mahn p. 9 erkennt es dieser spräche zu.]
Lebrillo sp. ein gefäß; von labrum (Cabrera).
Lech in o sp., lichino pg. wieke, charpie; bei Vegetius De arte vet.
licinium, von licium.
Lechon sp. schwein; nach Cabrera ursprüngl. Spanferkel, vom sp.
leche milch. Daher auch lechuzo noch saugendes maulthier.
„ IIb; LEGAMO— LLEGAR. 463
L£gamo sp. schlämm, lehmboden, alt lägano; von uligo uliginis
feuchtigkeit der erde, wie Cabrera richtig anmerkt, nicht vom bask. legamia
Sauerteig, das übrigens selbst ein roman. wort ist, fr. levain.
Leira pg. beet. Ist es von lira furche, so muß man ihm zunächst
ein adj. lirea unterlegen. Aber das dttpg. laira de terra stück land SBos.
macht diese herleitung verdächtig, da ai nicht aus i oder i-e hervorgeht.
Lelo sp, einfältig, dumm; nach Larramendi vom bask. lela oder
loloa 'ohne sah\ S. darüber Mahn p. 68.
Lerne sp. pg. (fehlt cot.) Steuerruder. Als eine ableitung darf man,
wegen der ahnlichkeit beider dinge, betrachten sp. limon, fr. limon,
daher ndl. lamoen, deichsei, eigenü. eine der beiden Stangen einer gabd-
deichsd. Dieselbe begriffsberührung im chw. tiraun deichsei, Steuerruder,
pg. temäo, timäo, deichsei, timoneiro Steuermann, dlban. timoni rüder,
alle vom lat. temo. Lerne, limon nehmen ein Stammwort lim in ansprach ;
ein solcJtes mit der bed. glied gewährt die ags. und altnord. spräche:
Steuer und deichsei eis glied oder gelenk des Schiffes und wagens aufgefaßt
wäre passend genug und jeder zweifei würde schwinden, wenn das roman.
wort eine spur jener grundbedeutung zu erkennen gäbe. Mlat. limo im
Vocab. opt. p. 30b, wo es aber den naget an der nahe bedeutet. Das
watton. limon balken ist wohl von limen schwelle.
Levantar sp. pg. aufheben; participialverbum von levare levans.
Leve pg. lunge (nur im plur. üblich), ebenso eilt- und neupr. leu,
chw. lev; pr. levada gelänge; von levis, weil sie wegen ihrer schwam-
michten Beschaffenheit leichter ist als andre eingetoeide, daher auch sp.
livianos (pl.), engl, lights.
Lex os sp. adverbium für lat. lange, auch adjeetiv in den plural-
formen lexos, lexas; nicht von longus, es erklärt sich ohne zwang aus
laxns weit. Die alte spräche brauchte noch luefie = longe, im Canc. de
Baena findet sich selbst lengos, das für lifengos stehen muß.
Linde sp. altpg. (m. f.), neupg. linda gränze, von limes limitis,
pr. limit ff.; vb. lindar sp. pg. angränzen, von limitare; pr. lindar
schwelle, von limitaris. Dahin auch das mit letzterem gleichbed. sp. lintel
und dintel.
Lirondo sp. rein, unvermischt.
Lisiar sp. verstümmeln, cat. lesiar, pg. lesar; participialverbum von
laedere laesus; altsp. lision = lat. laesio.
Llanten sp. ein kraut, wegerich; von plantago, it. piantaggine.
Lleco sp. adj. noch nie angebaut; unbekannter Herkunft.
LI e gar sp., chegar pg. 1) nähern, 2) intrans. ankommen, daher
sieü. ghicari, das Pasqualino vom gr. *i%tu) herleitet. Von plicare biegen,
wohin biegen d. i. nähern, eine auch dem it. piegare vergönnte bedeutung:
come il vento a noi gli piega = sp. llega Inf. 6, 79. Die etymologie
ist unzweifelhaft, da im altspan. die form plegar für llegar vorkommt:
los companneros plegaron a Guiraldo (kamen an bei G.) Bc. Mtl. 194,
vgl. Apol. 91, wo plegar vereinigen bedeutet. Vielleicht aber gieng diese
464 IIb. LLOSA-LUGAR. .
bedeutung erst von dem zsgs. allegar, achegar, lat. applicare (anfügen,
wohin neigen) auf das einfache wort über. Man leite es also nicht von
ligare binden, verbinden, wie lockend auch das gleichbed. it. giugnere, von
jüngere, dasteht; noch von legare senden, da lat. 1 im port. nie eis ch
auftritt. Auch die altsp. Schreibung legar beweist nicht für ligare, man
drückte anlautendes 11 gewöhnlich durch einfaches 1 aus.
Llosa sp. geschlossener kämpf platz, pg. chousa kleiner eingehegter
platt; vom lat. part. clausa (it. chiusa).
Loba sp.pg. ermelloser leibrock derpriester; vom fr. Taube chorhemd.
Löbrego sp.pg. traurig, dunkel; umgestellt aus lugubris, ü. lugubre.
Logro sp.pg. gewinn, besitz, auch pr. logre, vb. lograr; twnlucrum,
lucrari. Zsgs. mit malo sp. malogro, pg. mallogro schlechter erfolg, vb.
malograr, mallograr vereiteln.
Lomo sp., auch pr. lom, der untere theil des rückens, kreuz, dsgl.
loma bergrücken; von lumbus mit bekanntem ausfalle des b nach m, it.
aber lombo.
Longaniza sp. eine art wurste; vom lat. longäno mastdarm, bei
Coelius Aurel., vgl. longabo in der bed. wurst bei Apicius. Mit unrecht
also leiten es Govarruvias und Cabrera aus lucanica.
Loro sp., louro pg. gelb, goldgelb (von der reifen saat), auch bräun-
lich. Von luridus blaß, gelblich, meint Nunes de Liäo cap. 7. Dieses
hat seinen ausdruck im sp. pg. lerdo gefunden. Der port. diphthong ou
= sp. o des gegenwärtigen wortes weist auf lat. aureus, welchem der ar-
tikel lo vorgesetzt sein müßte, tvas bei einem adjeetiv fast ohne beispid
ist. Von aureolus, mit versetjsung des 1 wäre noch kühner. Vgl. lazzo L
Lo ur & pg. kaninchenholde; wird von laurex (junges kaninchen) her-
geleitet, womit sich allerdings auch eine noch vorhandene zweite form
lousa (s aus 9 in lauricem) wohl verträgt.
Loza sp. irdenes geschirr; von Intens, woher auch churw. com. lozza,
romagn. lozz leiten, schlämm u. dgl.
Lozano sp., louzao pg. fröhlich, munter, zierlich; erinnert an goth
laus, ahd. lös leer, leicht, anmuthig, lieblich (pg. ou = goth. au). Das
picard. und tvallon. bieten auch das einfache loss mit der bed. spaßhaß,
muthwillig; dsgl. scheint in lotnb. (bresc.) lösiti eitdkeit das deutsche lös
durchzuringen (Rosa, nach andern lözita).
Lua altsp., luga vol., besser pg. luva handschuh; offenbar vom goth.
löfa (m.), dUn. löfi flache hand, ags. glöfa (m.), engl, glove handschuh.
Lncillo sp. steinernes grab, altsp. auch locilo, dltfr. luseau; von
locellus kästchen, loculus sarg, im mlatein.
Lugär sp. pg., vrlt. logar, ort; an die stelle des zum adverbium
gewordenen luego (locus) getreten; von localis, das suffix al mit ar ver-
tauscht, wie oft auf diesem gebiete, wobei jedoch das gemeinroman. local
nicht aufgegeben ward.
IIb. MACHO-MANCEBO. 465
M.
Mac ho sp.pg.mann, männlich. Es ist vergebliche mühe, dieses wort
aus masculus zu ziehen, da s vor c nicht austritt: altspan. sagte man
masclo (vgl. mesclar und ohne ausfall des vocals discolo, muscolo u. a.),
ja das alte maslo Bc, SPart. und muslo zeigen, daß eher c als s in
dieser Verbindung schwindet. Mit macho bezeichnet der Spanier einen
hammer, daher machar, machacar, machucar stampfen, machado (für
machardo?) holzaxt, maohete kurzer breiter säbel. Für das wort in dieser
zweiten bedeutung läßt sich jedesfalls ein befriedigendes etymon aufzeigen :
wie sacho aus sarculum, ebenso entstand mit unterdrücktem r macho aus
marculus, dessen primitiv marcus tmalleus major bei Isidorus vorkommt,
altit. marco PPS. II, 17. In der ersteren bed. mann wird macho das-
selbe wort sein: auch it. marcone ehemann (bei Veneroni) scheint aus
marcus abgeleitet. Das vb. marclar hämmern besitzt die churw. mundart.
Macf o pg. geschmeidig; nach Sousa vom arab. masfh dass. Freyt.
IV, 177K
Madera und madero sp., madeira pg. Zimmerholz; von materia,
materies mit gl. bed.
Madrugar sp. pg. früh aufstehn, altsp. madurgar; s. v. a. maturi-
care, von maturas zeitig.
Maiz sp. türkisches körn; amerikanisches wort, aus Haiti.
Majada sp^ malhada pg. schafstall, auch herber ge; leitet man von
magalia zelte (magaliata magliata). Vgl. unten naguela.
Majo sp. zierlich, geputzt, daher wohl cot. maco.
Maisin sp., malsim pg. angebet, aufhetzet ) malsinar angäben, ver-
leumden u. dgl. Letzteres soll aus male signare entstanden sein : da je-
doch die namen handelnder personen nicht, oder wenigstens überaus selten,
ohne suffix aus verbis abgeleitet werden (s. vorrede), so ist zu bedenken,
ob maisin nicht aus mal-vecino. (böser nachbar) gebildet sein könne, um
so mehr, da auch die ital. und altfr. spräche eine zss. malvicino, mal-
voisin besitzen.
Malvar altsp. böse machen, nsp. malvado, pr. malvat boshaft, mal-
vadesa bosheit. Malvar ist ohne zweifei zusammengeschmolzen aus mal-
lerar (vgl. malograr für mal-lograr) und bedeutet also eigentl. übel er-
ziehen, Übel anleiten.
Mamparar altsp. attpg. schützen; von manu parare mit der hand
bewahren, s. parare I. Zsgs. altsp. desmamparar s. v. a. desamparar.
Mancebo sp., pr. altfr. mancip, massip junger bursche, fem. man-
ceba, mancipa; vom lat. mancipium eigenthum, sJdave, so daß also mas-
culin und feminin aus einem neutrum moviert wurden, wie z. b. aitn.
thyr (m.) servus aus thy (n.) mancipium, s. Grrimm III, 332 note. Das
masc. mancipius L. Sei. tit. 82, und im späteren ndatein.
80
466 IIb. MANDIL— MARCHITO.
Mandil sp. pg. schürze, auch pf erdedecke, pr. mandil tdleriuch
Flam., Arn. Vid., vom arab. mandil tuch zum abwischen, dies vom byzant.
fiavd-rjfoov, entlehnt vom tat. mantile (Dozy Gloss.).
Mandria sp. (f.) feige memme; nach Larramendi das bask. eman-
drea schwaches weib, vgl. pg. mandriäo ein hauskleid der weiber.
Mangla dltsp., mangra pg.mehlthau; entstellt aus melligera honigthau?
Mangual sp., mangoal pg. streitkolben, dreschflegd; von manualis
was mit beiden händen geführt wird; s. Über das eingeschobene g me-
novare I.
Manir sp. das fleisch mürbe werden lassen, ehe man es genießt; von
manere bleiben, warten, daher warten lassen, liegen lassen (Covarruvias).
Manojo sp., manolho, molho pg. handvoll; von mannpulus für
manipulus, it. manipolo ff.
Man s er sp. Tdnd einer öffentlichen dirne, schon bei Sedulius; vom
rdbbinischen mamser Buxtorf p. 1184. Näheres bei Ducange v. manzer.
Manteca sp., pg. manteiga, cat. mantega butter, schmalz, daher
wohl erst neap. manteca butter von Schafmilch, sicä. fetter theü des käses,
ital. pommade. Batyrum fehlt dem Südwesten, nur butirada butterweck
kennt S. Rosa, manteiga findet sich schon in einer Urkunde vom j. 1200
Elucid. I, 308. Dieses wichtige dem Araber sowohl wie dem Basken un-
bekannte wort {letzterer sagt burra oder guria) darf nicht ohne den ver-
such einer deutung dastehen. Die Araber bedienten sich der schlauche eur
bereitung der butter, für welche butterscMäuche sie mehrere ausdrücke
haben (kerbäh, na ht u. s. w.). Dieser gebrauch läßt sich auch bei den
Spaniern voraussetzen. Hieß ihnen der dazu bestimmte schlauch etwa
mantica (mit verschobenem accent mantäca), so konnte das, worin die
butter zubereitet ward, der butter selbst den namen geben, wie in der
sicil. mundart forma den in einer form bereiteten käse bedeutet. Man er-
wäge und sehe sich weiter um.
Manzana sp., alt mazana Alx., Cal. e D., pg. mazäa apfd; tat.
malum Matianum nach einer person benannte sorte äpfel; s. auch Isidor.
17, 7, 3.
Mafia sp., manha pg., maina bask. fertigkeit, arglist. Sott aus
manus entsprungen sein, aber wie? Es konnte sich vielmehr ganz regd-
recht bilden aus lat. machina mach'na list, kunstgriff. Daher wohl auch
das unerklärtiche it. magna no (cat. manyä, fr. mdart l. magnan, magnier,
wallon. sogar mignon) Schlosser, eigenü. artifex. Aber anderes Ursprunges
ist doch wohl das it. man na, sp. mana bündel z. b. flachs, reiser, vb.
it. ammannare, ammannire in büschel theilen, überhaupt zusammentragen,
ordnen, an das gael. mam handvoll (plur. maim) erinnernd, womit schon
P. Monti das com. man zusammenstdlt.
Maravedf sp. pg., pr. marabotin, eine spanische münze; vom arab.
völkemamen mor&bftin (Sousa u. a.), s. auch Sarmiento, Obras postumas
p. 131, und S. Rosa s. v. maravidil.
Marchito sp. welk, daher marchitar welk machen; muthmafAich
IL b. MARFIL— MATA. 467
dimintäivform eines verlorenen adj. marcho, entsprechend dem it. marcio,
pr. marcit, -ida, von marcidus. Eine andre deuiung scheint das sufßx
it nicht zu gestatten. Das port. wort ist murcho, s. unten.
Marfil sp. (auch franz.), marfim pg.dfenbein; wird hergeleitet aus
einer Verbindung der arab. Wörter näb zahn, fil elephant, woraus aber
das romanische wort nicht wohl entstehen konnte, s. das nähere bei Enget-
mann-Dozy p. 302. Das älteste beispiel dieses Wortes findet sich im span.
mütetlatein (aer. 930), worin es al-mafil lautet DG.
Mariposa sp. pg. cot., sard. maniposa Schmetterling. Die von
. Mahn p. 9 gegebene erldärung dieses wertes aus mar y posa meer und
ruhe = bewegung und ruhe ist schön, leidet aber daran, daß meer und
ruhe "keine gegensätze sind und das bild überhaupt für das flattern des
Schmetterlings zu erhaben ist. Der Portugiese besitzt für das wenig übliche
dem span. entnommene mariposa ein gleichfalls mit posa gebadetes wort
pousa-lousa. Dieses gestattet eine (vielleicht eu gewagte) deutung: es ist
= pou8' & lousa d. i. Ksetz dich auf den grabstein, in beziehung auf die
sitte, Schmetterlinge als Sinnbilder der seele auf grdbsteinen abzubilden.
Marrano sp. (daher das gleichlaut. ital. wort) verflucht, verbannt,
ursprüngl. getaufter Jude von verdächtiger bekehrung (anders S. Rosa s. v.).
Nach einigen vom hebr. marah sich auflehnen, nach Govarruvias vom sp.
vb. marrar fehlschlagen, abirren, doch pflegt sich das suffix ano nicht mit
verbis zu verbinden. Das fem. marrana wird auch auf die sau angewandt,
das im sinne der Juden verfluchte thier?
Marras sp. cot. adverb für tat. olim; ist das arab. marrah semel
Gol. 2209.
Marron sp. (bei Cabrera, der maron schreibt), cat. marrä widder,
gleichbed. occit. marra und mar-mouton, bask. marroa; vb.pg. marrar mit
den hörnern stoßen (von bocken gebraucht). Lateinischer, nicht etwa
iberischer herhmft, von mas maris: Isidorus 12, 1, 11 nämlich bemerkt,
daß der widder oder bock in Spanien mas (männchen) genannt werde:
apud nos in gregibus mares dicuntur; grex aber ist ihm nur die schaf-
oder ziegenherde s. 12, 1, 8. Auch der Sarde nennt den widder mascu
(masculus). Der nämlichen herkunß ist auch sp.pg. marra hanmer, vgl.
die berührung dieses begriffes mit 'mann oben unter macho. Für marron
ist der übliche span. ausdruck moruecO, muthmaßlich abgeändert aus
maraeco, um es vom geograph. namen Marruecos zu scheiden — oder
sollte, da das veraltete murneco auch mauerbrecher heißt, dies die Urbe-
deutung gewesen und das wort aus mnrus abgeleitet sein? allein das
suffix würde diesen sinn nicht ausdrücken können.
Mastranto, mastranzo sp. eine pflanze, wilde münze; durch Ver-
setzung entstellt aus mentastrum, it. mentastro.
Mata sp. 1) gesträuch, gebüsch, baumstück, 2) Strauch, busch, staude;
pg. mata, mato nur in ersterer bed. Bereits in einer Urkunde aus Spanien
vom j. 876 mata, nach Ducange ein ackermaß, vgl. aber ipsum forest
Tel ipsam matam, qnae dicitur silva S. Romani, also wohl gebüsch.
468 IIb. MATAR— MERENCORIO.
Vielleicht ein goth. wort, von maitan abhauen, bair. maife Sekundier II,
627 abgetriebener platz im waide (wo buschwerk entsteht), mhd. meiz
Wb. II, 132.
Matar sp. pg. pr. schlachten, tödten, auslöschen; von maetare. Zsgs.
rematar enden, remate ende?
Matiz sp. (m.) Schattierung, abstufung der färben, vb. mati^ar.
Die bei SecJcendorf bemerkte deutung aus sp. mata (buschwerk) bestätigt
sich durch das it. macchia 1) buschwerk, 2) Schattierung. Man nahm
also den ausdruck von dem übergange des heiteren in dunkleres grün, wie
dies eine mit gebüsch bewachsene atihohe darbietet.
Matraca sp. pg., daher it. matracca, klapper; vom ardb. mftraqah
hammer Freyt. III, 63b.
Mayota sp. erdbeere; eigentl. maifrucht, von majus; so auch maü.
magiostra, occit. majoufo.
Mazmorra sp. pg. unterirdischer kerker; vom arab. ma'tmörah
keUer u. s. w. Freyt. III, 71*.
Mear sp., pg. mijar; von mejere mit einer in diesen sprachen selte-
nen umbiegung in die 1. coryugation. S. Born, gramrn. I, 20. In spä-
terem ndatein meiare, meigare Dief. Gloss. lat. germ. 364*.
Mecer sp. schütteln, ein kind wiegen; von miscere mischen, um-
rühren, pg. mexer, it. mesoere.
Media sp., meia pg. strumpf; eigentl. media calza halbes beinkleid.
Med rar sp. pg. gedeihen; von meliorare, eigentl. für meldrar. Ähn-
lich ist die einschiebung des d vor r mit unterdrücktem h = j im pg.
pindra aus pinhora.
Mego sp., meigo pg. sanft, gefällig z. b. im umgange. An gr.
jualcniog ist nicht zu denken. Man erinnert an engl, meek, dies ist aber
= goth. nraks, dltn. miukr (Grimm P, 386), die einen eu dem roman.
worte nicht passenden vocal haben. Die lösung liegt nahe: es ist vom
gleichbed. mitifiens, oder besser, da die zusammenziehung hart wäre, här-
ter als in santiguar aus sanetificare (s. unten), von mitigatns, welches be-
handelt ward wie cordatus in cuerdo. Zu mego paßt ein prov. adj. mec
PO. 364, dessen bedeutung aber unsicher ist.
Mella sp. scharte, lücke.
Mellizo sp. zwilling; von gemellus, gleichsam gemellicius.
Membrillo sp., besser pg. marmelo quitte, daher quittenmus; von
melimelum ort süßer äpfd, eigentl. honigapfd, weU man die quiüen mit
honig kochte, wie später mit zucker. S. Ferrari s. v. marmellada.
Menear sp. pg. handhaben, rühren, gesclwfte führen; scheint nicht
von minare, it. menare, theils weil verba mit dem suffixe ea denominativ
sind, theils weil keine der andern sprachen ein solches verbum besitzt;
sondern von manus, also eine nebenform von manear, it. maneggiare, fr.
manier, möglicher weise mit einmischung des altsp. menar; wegen e für
a vgl. pelear für palear.
Merencorio pg. Cam. Lus., menencoreo Bibeir. Brist, verdrießlich;
IIb. MERGANSAR-MONTERO. 469
entstellt aus melancolico. Eine sinnvollere entstdlung oder umdetUung
von melancholia in mal-enconia ward oben unter encono berührt.
Merg&nsar sp. taucher, ein vogel; zerlegt sich leicht in die Wörter
mergus anser.
Merino sp., meirinho^. bezirksrichter; von majorinus, s. Ducange,
vgl. S. Rosa v. maiorino.
Mesar sp., altsp. messar, fehlt catal., die haare ausraufen; mit
Cabrera von metere messus: barbam forcipe meiere, sagt Juvenal.
Mielga sp. eine pflanze, luzerne, von medica, ebenso cdtsp. julgar
von judicare.
Milagro sp., milagre jpt?. wunder; umgestellt aus miraculum.
Milano und vilano sp. wolle der distdbläthe; von villus zotte.
M aus anlautendem v auch in mimbre.
Milgrana, mingrana cdtsp. granatapfd; nach seinen vielen hörnern
benannt.
Milmandro sp. (bei Cabrera), meimendro pg. bilsenhraut. Hanc
(herbam) sagt Isidor 17, 9, 4 Vulgus' milimindrnm -dicit, propter quod
alienationem mentis inducit. Ungeachtet dieses alten Zeugnisses ist der
Ursprung des wortes unbekannt; eine vermuthung darüber sehe man bei
Diefenbach, Orig. europ. p. 260. Der Baske hat für diese pflanze einen
ganz verschiedenen namen, erabelarra.
Mi mar 5p. pg. hätschdn, liebkosen, mimo liebkosung, mimoso ver-
zärtelt; wohl von minimu8 kleines wesen, kleiner liebling, woher auch it.
mimma püppchen und pg. meiminho kleiner finger.
Mimbre und vimbre sp. bachweide; von vimen.
Modorra sp. pg. tiefer betäubender schlaf, adj. modorro in einem
solchen schlafe liegend, einfältig, dumm (daher sie. mudurru mit letzterer
bed.), vb. modorrar betäuben, auch sbst. modurrfa Stumpfheit, dummheit.
JBask. modorra heißt der stumpf eines baumes, dem, wie Larramendi an-
merkt, ein in dumpfem schiefe liegender (modorro) wohl verglichen wer-
den konnte. Die sinnliche bedeutung erhielt sich nur im cdtpg. modorra
häufe d. h. etwas rundes, stumpfes, s. S. Rosa.
Mofa sp. pg. cot. Verhöhnung, vb. mofar; stimmt zu mhd. mupfen
den mund verziehen, spötteln Frisch I, 67 5b, Mhd. wb. II, 274 = ndl.
moppen, engl. mop.
Mogo ältpg. gränzstein, sp. mogote einzdn stehender berg; vom
bask. muga gränze, oder ist dies vom sp. bnega? (bask. anlautend m oft
= sp. b). Mogotes spieße des hirsches leitet Larramendi dagegen vom
bask. mocoa spitze.
Mo jon sp., altpg. moiom SRos., sard. mullone gränzstein, häufe:
etwa von mutilus etwas abgestumpftes, abgerundetes?
Molle ra sp. vorderhaupt, pg. molleira Scheitel am köpfe der Säug-
linge; von mollis, weil diese stelle offen und weich ist. •
Monte ro sp., monteiro pg. Jäger, der im gebirge schwarz- oder
rothwild jagt: von mons.
470 IIb. MORANGO-MULATO.
Morango sp. erdbeere.
Morcon sp. Utäwurst; vom bask. morcoa dicker dorm, nach Lar-
ramendi.
Moron sp. hü gel ; wohl vom bask. murua hügel, häufe, vb. moratu,
marratu aufhäufen, woher auch nach Humboldt, Urbewohner Hisp. p. 48.
49, der alte städtename Moron stammen soll.
Morondo sp. geschoren (von menschen); buchstäbl. mohrenmäßig,
weil die Mohren das haupthaar abschnitten. Über das suffix ondo an
Substantiven s. Rom. gramm. II, 379.
Morro sp. überh. ein runder körper, Meiner runder fds oder kiesd
(pg. morro kleiner runder hügel, aus dem span.), dsgl. dicklippiges oder
vorstehendes maul, für welche bedeutung sich bask. muturra findet, vgl.
auch oben moron. Dahin pr. mor, morre, altfr. mourre schnauze.
Mostrenco, mostrenca sp. herrenloses gut; von monstrare, weil der
findet, um es zu erwerben, es öffentlich ausrufen und vorneigen mußte.
Mouco pg. harthörig; woher?
Mozo sp. pg. jung, sbst. junge, bursclie {hieraus it. mozzo, fr.
mousse) ; von mustus jung, frisch, mit Verwandlung des st in z, s. Sanchez
zu Berceo p. 627, daher auch stibst. moza bei Buiz = lat. mastum most.
Muchacho sp. kleines kind, knabe; für mochacho von mocho (s.
mozzo L), eigentl. also ein kleiner stümmel, vgl. chicote endchen tau und
junger mensch, in deutschen mundarten bützel, eigentl. etwas kleines, ab-
gestumpftes.
Mucho sp.y muito pg., mach bearn. viel; von maltus, it. molto
u. s. f.; abgekürzt muy.
Muesca sp. fuge, einschnitt; unbekannter Herkunft.
M u g r e sp. (f.) fettiger schmutz auf den Ueidern ; doch wohl von
mücor Jcahm, Schimmel?
Magron sp. senker, pfropfreis. Man sucht es im arabischen, wie-
wohl das lat. macro (spitze) ihm genügt: auch paa heißt spitze und senker.
Cot. mugrö stiel des obstes.
Maladar sp., richtiger pg. maradal miststätte; nach Covarruvias
so genannt, weil sie an der Stadtmauer angebracht werden.
Mulato sp. pg. adj., daher fr. mulätre von einem neger und einer
weißen oder von einem weißen und einer negerin erzeugt. Die grundbe-
deutung ist junges maulthier, denn das suffix at drückt junges oder kleines
aus, und so wird es auch im altspan. altport. (hier z. b. in einem gesetz
v. j. 1638 s. S. Rosa) genommen. In der neuen weit übertrug man den
namen des bastards von esel und pferd auf das aus zwei menschenracen
hervorgegangene kind: man nannte es matiUhierchen, und diese benennung
war um so passender, als sie zugleich die Verachtung ausdrückte, die man
vor dem mischling empfand. Engelmann gibt eine andre, überraschende
auslegung: mulato ist das arab. mowallad d. h. von einem arabischen
vater und einer fremden mutter geboren (Freyt. IV, 604* ); sie findet ober
darin ihre Schwierigkeit, daß die entsprechende bedeutung des sp. Wortes
Hb. MULETA-NAEPE. 471
•
eine erst in neueren Seiten hineingelegte ist. Entweder also blieb das
arab. wort im spanischen Jahrhunderte lang unbeachtet, oder es drang gar
nicht ein und sein zusammentreffen mit dem span. worte ist zufällig.
[Gegen diese deutung aus dem arabischen s. Dozy Gloss. 384.]
Muleta sp. pg. (auch sicil. comask.) krücke, eigentl. maülthier, vgl.
bordone I.
Mufiir sp. einladen; von monere, pg. monir.
Murcho pg. schlaff, welk. Dies dem Spanier unbekannte adjectiv
findet sich wieder in dem seltnen lat. murcidus träge, welches Augustinus
Oiv. Dei in einer stelle des Pomponius aufbewahrt hat. Aus dem mhd.
murc morsch, sumpfig Wb. II, 274 ist es wenigstens nicht herzuleiten.
Murciego altsp., neu murciegalo, pg. morcego fledermaus; von
mus caecus, raus caeculus blinde maus, weil sie bei tage blind zu sein
seheint, indem sie erst abends ausfliegt. Cabrera findet den ausdruck
schon bei Vegetius De ort. vet., aber dessen muß caecus wird für caecilia
(blindschleiche) genommen.
Mürrio sp. schwermüthig, mürria schwere im köpfe; von morus
(fiwQoc) dumpf, dumm, nach Covarruvias u. a. Woher es auch sei, das
it. mogio dumm, damisch scheint dasselbe wort, aus murrio ward morjo
mojo mogio.
Masco, amasco sp. dunkelbraun; buchstäbl. moschusfarbig, von
muscus.
N.
Na da sp. pg., occit. nado, pronomen für lat. nihil. Man hat seinen
Ursprung theüs in der cdt. negation na, theils im altlat. ne hetta (s. ette
IL a) gefunden. Es ist eine abkürzung aus res nada (lat. res nata),
cdtfr.' riens n£e, wie it. nulla aus nulla cosa abgekürzt ist; wörtlich etwas
geborenes, vorhandenes, irgend etwas, in Verbindung mit non nichts. Dsgl.
sp. nadie, alt nadi, für lat. nemo, gebildet aus nado d. h. altsp. ome nado
(homo natus), wie altsp. essi aus esso, indem man mit der endung i die
persönliche bedeutung des pronomens ausdrückte, also keineswegs, wie
Monlau Dicc. etimol. p. 340 die sache ansieht, eine uralte pluralform auf
i, die nachher zum Singular herabgesunken sein müßte. Als adjectiv für
lat. nidlus braucht die gase, mundart nat, fem. nadji. S. Rom. gramm.
III, 421, 428, 431. Zsgs. ist sp. pg. nonada (f.) Jdeinigkeit, wie lat.
non-nihil.
Naguela altsp. hütte; von den einheimischen etymologen aus dem
arabischen oder baskischen hergeleitet, ist handgreiflich das lat. magalia,
mit versetztem i magaila maguela; anlautend n aus m ist bekannt.
Naipe sp. pg. (m.) Spielkarte, it. naxbi (pl. m.), letzteres zuerst er-
wähnt 1393, s. über seine bedeutung Mahns gelehrte erörterungen. Ein
juego de naypes wird beschrieben in einem spanischen cancionero aus der
472 IIb. NARRIA-NOVIO.
ersten häifle des 16. jh. bei Ferd. Wolf zu Tichnor p. 41 (besonderer db-
druck). Nach einer span. sage stammt das wort von der darauf gezeich-
neten chiffre N. P., Nicoiao Pepin, dem namen des erfinders; nach andern
aus dem arabischen, worin allerdings ein wort nä'ib (mit der bed. Stell-
vertreter) vorkommt. Indessen haben Merlins Untersuchungen in der
Revue archeologique 1859 p. 193. 280. 747 den orientalischen Ursprung
der Spielkarten hinlänglich widerlegt und deren erfindung in Italien sicher
gestellt, s. Engelmann p. 88. Daß naibi keinen itcd. Hang hat, ist leicht
su bemerken, das etymon wird sich nicht so leicht darbieten.
Narria sp. schleife, Schlitten; vom bash. narra dass. (Larramendi).
Nata sp. pg. cot. rahm; von natare, sp. nadar, also das schwim-
mende, wie Plinius sagt H. N. 28, 9: ibi quod supernatat, butyrum est
Die richtige büdung wäre mit d gewesen; nata rechtfertigt sich aber als
scheideform von nada nichts. Dasselbe wort ist wohl neap. natta schäum,
also zu trennen von lomb. natta? s. mattone I.
Nava sp. pg. ebene; gleichbed. bask. nava, nach Humboldt, Urbew.
Htsp. p. 16, ein achtes wort dieser spräche, woher der name Nav-arra.
Nava ja sp., navalhajpp. schermesser; von novacula.
Navio sp. pg. großes schiff; von navigium, pr. navigi, navei. In
der span. Zigeunersprache bedeutet es korper und ist nach einigen ein
anderes wort, das goth. naus todler körper (pl. naveis), was sich nur mit
der betonung n&vio vertragen würde; die bed. korper kann aber aus der
bed. schiff abgeleitet sein, man vgl. it. cassero gerippe des Schiffes und
hohler leib.
Nema sp. sieget des briefes; vom gr. vtjfia faden, weil man die
briefe früher mit einem faden umwand, worauf das sieget gesetzt ward.
Nemon sp. zeiger der Sonnenuhr; von gnomon.
Nenhureg pg. ortsadverb für tat. nusquam; von nee ubi wie nen-
hum von nee nnus. Vgl. oben algures.
Nervi o sp., cot. nirvi, pr. nervi nerv, sehne, sp. nervioso, cot. nir-
vios, pr. nervioß nervig; von nervium (vsvqIov) bei Varro und Petronius,
nicht von nervus.
Nesga sp. pg. keil oder zwickel im Meide (eingesetzter dreieckiger
läppen); nach einigen von nexus, annexus.
Ninguem pg. pronomen für lat. nemo; von nee quem, n für nc
Rom. gramm. I, 246.
Nombre sp. name, altsp. nomne; von nomen.
Növio sp., pg. noivo, cat.pr. novi neuvermählter, fem. novia, noiva;
von novns, nova (nova nupta), nicht etwa vom vb. nnbere. Daher auch
sbst. pr. novias, ndat. nobiae hochzeit, nur im plural üblich nach dem
muster von nuptiae.
ILb. OLLA-OXALA. 473
0.
011a sp. fleischtopf, daher fr. oille; vom lat. olla, pr. ola ff., dem-
nächst ein gericht von verschiedenen fleischsorten mit zwiebeln und knob-
lauch, eigentl. olla podrida genannt (für pudrida morsch, mürbe nach
Covarruvias)7 fr. pot-pourri.
Oqueruela sp. knoten, der sich beim nähen im faden bildet; vom
bask. oqnertzea sich verdrehen (Larramendi).
Ordenar sp., ordenhar pg. melken; zu unterscheiden von ordenar
anordnen. Man hat darin das gr. OQog (molken) vermuthet; es ist dies
aber einer der fälle, worin die vergleichung der mundarten gute dienste
thut. Melken heißt limous. odzustä = fr. ajuster in Ordnung bringen,
woraus denn hervorleuchtet, daß ordenar identisch ist mit ordenar, sich
aber durch paronomasie davon lossagte. Ordenar una vaca heißt also
buchstäblich eine kuh in Ordnung bringen, damit sie von neuem müch an-
setzen könne. Ein andrer ausdruck für melken ist altpg. enxugar trocken
machen, S. Rosa.
Orondado sp. wellenförmig; von undulatus ondorado mit silben-
versetzung? Oder für ol-ondado (sp. ola welle)?
Orvalho j?£. thau; nach den einheimischen etymologen von rorale,
pl. roralia, was der buchstabe schwerlich gestattet. Dasselbe wort ist das
gallic. astur, orbayo kalter Staubregen.
0 8 o sp. bar; für orso von ursus, cot. ob, pg. urso.
Ostugo sp. 1) spur, 2) unnkel, versteck; nach Larramendi wegen
letzterer bed. vom bask. ostuquia etwas gestohlenes.
Otar aÜsp., otear alt- und neusp. von einer anhohe herab beob-
achten, fehlt port. und catal. Die angegebene bedeutung ist indessen nicht
die ursprüngliche und könnte sogar durch einmischung von otero, welches
auch Covarruvias mit otear in Verbindung bringt, veranlaßt worden sein.
Vielmehr heißt es bei den Alten schlechthin 'ansehen, betrachten, z. b.
quando 61 habia grant pesar 6 oteaba & Helbed cd. Cal. e D. p. 61h,
wo von einer anhohe keine rede ist. Spanische etymologen leiten es von
omofiai, statt dessen aber nur oooo/uai üblich war. Besser berechtigt
ist lat. optare wünschen, wählen: wie nahe aber dem wählen das sehen
liegt, bezeugt, wenn man ein beispiel verlangt, das pr. chausir oder das
mhd. kiesen.
Otero sp., outeiro pg. hügel; in Urkunden des 9. undlO.jh. oterum,
anterum u. dgl., von altus, buchstäblich das lat. altarium erhöhung, auf-
salz, vgl. das ital. adj. altiero.
Oxalä sp., pg. oxalä partikd für lat. utinam; gleichhed. arab.
enschä allah (en wenn, schä wollte, allah gott): n fiel aus und e ward,
um ihm die bedeutung eines ausrufs zu geben, in o abgeändert. Ins
Gatalanische ist diese partikel nicht eingedrungen.
474 ILb. PADA-PARDO.
P.
Pada pg. ein Meines brot; syncopiert aus panada, daher padeiro
backet = sp. panadero.
Pairar pg. aushalten z. b. stürm, drangsale, (intrans.) sich bedenken,
unentschlossen sein, temporisicren, als Schifferausdruck (auch span.) la-
vieren, beilegen. Ist es abgeändert aus parar aufhalten, sich aufhalten?
einige port. Wörter geben ai für a, so plaina, mainel, esfaimar; auch kann
reparar in allen bedeutungen (herstellen, überlegen, sich bedenken) mit
repairar vertauscht werden. Doch ist mit Larramendi noch eine andre
quelle eu erwägen, die dem buchstaben und dem begriffe sehr wohl genügt,
bask. pairatu leiden: man leidet drangsale, indem man sie aushalt, ihnen
widerstand entgegensetzt, man verhalt sich leidend, wenn man nicht mm
handeln gelangt, wenn man temporisiert oder mit dem schiffe nicht vor-
wärts kommt. Das wort scheint auch in Oberitalien heimisch: comask.
pairä, piem. pairö, apairfe, gen. apajä, altmaü. apairar, Bornes. Laud.
V. Mar. v. 419 muße haben, eigentl. unthätig sein, nicht handeln.
Paladino sp. altpg. öffentlich, offenbar, deutlich, dUsp. espaladinar
erklären, auseinandersetzen FJ. Lat. palam liegt mit seiner bedeutung
nähe genug, doch ist die ort der ableitung ohne beispiel. Ital. paladino
offen, redlich, bei Ciullo v. Alcamo, PPS. I, 13: amoti di core paladino.
Paleto sp. datnhirsch. Cervns palmatus hirsch mit flachem hand-
ahnlichem geweih kommt bei den Alten vor: hieraus nach Cabrera das
span. wort, dessen form aber doch durch paleta = tat. pala bestimmt
worden sein muß, da das geweih des thieres eben so wohl schaufelartxg
genannt werden kann.
Pantorrilla sp., panturilha pg. wade; eigentl. bäuchlein, durch
eine ungewöhnliche freiheit für pantig-orra von pant-ex. Genauer drückt
sich der Catalane aus, der diesen theil ventrell de la cama bauch des
beines nennt, lat. venter cruris, gr. yaoxQO-%vr)iiiov, churw. schlechtweg
vantrigl.
Pardiez span. interjeetion, dem altfr. par diex = nfr. par dien
nachgesprochen, altsp. aber auch halbfr. par dios Conq. UUr.; vgl. mhd.
ohteiz aus altfr. oh diex, dessen x gleichfalls mit z ausgedrückt toard.
Nur als ein beispiel entlehnter intetjeetionen durfte das span. wort hier
eine stelle finden.
Pardo sp. pg. grau, dunkel. Von lat. pullus, meint Cabrera, allein
so nachgiebig sind die Sprachgesetze nicht. Es ist von pallidus zsgz.
paldns pardus {wie escarpelo von scalpellum, surco von sulcus): bleich
ist schmutzigweiß und geht in dunkle färbe über, vgl. ahd. bleib pallidus,
ags. bläc pallidus, niger, gr. Ttellog fuscus, canus, ebenso noXiog u. dgl. m.
Von pardo ist pardal Sperling, grauer vogel, wie churw. grischan von
grisch grau.
IIb. PAKIAS-PELLIZCAK. 475
Parias sp., p&reas pg. (f.) tribut eines für stein oder Staates; ist
plur. num. und buchstäblich das tat. paria {von par) erunederung, Zahlung,
vgl. par pari respondere s. v. a. pariare besohlen, in span. Urkunden
tribut zahlen.
Parra sp. pg. cot. rebengdänder, parrar die zweige ausbreiten. Für
die bekannte herleitung aus pergula bieten sich keine analogen falle.
Pasa sp., passa jp£. getrocknete Weintraube; uva passa.
Pata t a und batata sp.pg. erdapfd; american. wort, s. Äldretefol. 26".
Pateca pg. wassermdone; vom arab. bftichah Gol. 286, pg. auch
albudieca, cot. albudeca genannt. Derselben herkunft ist ferner sp. pg.
badea gleichbed.
P&tio 5p. pg*, cot. neupr. päti hof am hause, in letzterer spräche
auch vorhatte, Hausflur (attpr. pati übersetzt Raynouard mit pays). Nach
Sousa u. a. ein africanisches wort, pathaton.
Patrana sp., patranha pg. fdbdhafte erzählung zur Unterhaltung,
mährchen; für patarrana vom gleichbed. cot. patarra, dies wohl von pata
gans (gänsegeschichte). Ruiz schreibt pastrana.
P&laro sp., pg. passaro, wal. pasere vogd; von passer Sperling.
Die urüat. endung ar berührt schon der Appendix ad Prolfttm: passer,
non passar. So auch anser, non ansar, sp. ansar; camera, non cammara,
sp. camara.
Pechina sp. art muschdn; von pecten dass.
Pecho, pecha sp., pg. peito, peita vertragsmäßige abgäbe, zins,
pechar, peitar abgäbe zahlen; von pactum, wie auch das deutsche pocht.
Pedazo sp. pg. stück; von pittacium stück papier, lappchen, mlat.
pitacium. Auch andre mundarten kennen es: pr. pedäs flickwort, occ.
petas läppen, vb. pr. petazar flicken GProv. 32, fr. rapetasser.
Pejo pg.hindernis, auch beschämung, pejar hindern, pejada schwan-
ger (ebenso sp. embarazada gehindert und schwanger) ; von pedica fessd,
denn man darf wohl annehmen, daß, wie de im span. (mege von med'cus),
so auch im port. zu j werden kann. Das veränderte genus in pejo wird
auffallen, aber auch fr. pi6ge schlinge, handgreiflich von pedica, ist masculin.
Pelear sp., pelejar pg., peleiar pr. streiten, pelea ff. streit. Viel-
leicht eine griech. reliquie, von Ttalaieiv kämpfen, wenn nicht vom lat.
palus Übungspfahl der Soldaten, vgl. ältfr. paleter Scharmützeln.
Pella sp., pella pg. ball, knäuel; von plla, welches die schwester-
sprachen nicht anerkennen. Aber sp. pila, pg. pilha (nebst fr. pile)
häufe aufgestapelter dinge erklärt sich buchstäblich besser aus \>ll& pfeüer.
Pelleja sp. öffentliche dirne; leitet Covarruvias von pellicula feil
(also Schimpfwort) mit berufung auf scortum, das beide bedeutungen einigt,
wogegen Cabrera sich an pellex hält, woraus man gleichfalls ein dimin.
pellicula formen konnte. Da aber das dimin. von pellis ein vorhandenes
lat. wort ist und keine roman. spräche pellex kennt, so verdient die erstere
herleitung den Vorzug.
Pellizcar sp. kneipen, auch pecilgar; nach Covarruvias von pellis
476 IIb. PELMAZO— P1EKNA.
haut, freilich mit dem seltnen suffix izcar, aber auch altfr. pelicer, offen-
bar von pellis (vgl. peli$on), bedeutet zupfen, rupfen JRuteb. I, 16. Die
port. form ist bellizcar.
Pelmazo sp. schwerfällig, sbst. platt gedrückte masse; nach den
span. etymologen vom gr. ntXfia fußsohle, gleichsam damit platt getreten.
Läßt man das etymon zu, so faßt man das adj. besser auf als breitfüßig,
schwer auftretend, wie fr. pataud schwerfällig, von patte.
Penca sp. pg. cot. stacheliges blatt, auch peitsche; cdtisches wort,
hymr. pinc (pingc) Schößling, spitze, auch engl, pink, vgl. mlat. pinca,
pincns Dief. Gloss. lat. germ.
Perol sp. pfanne, pr. pairol; von patina, abgeleitet patinol patnol
patrol, endlich pairol mit bekannter auflösung des t. Dem bask. perolea
(etwas wärmendes), worauf Larramendi verweist, widerspricht der prov.
diphthong.
Perro sp. hund (als adj. halsstarrig), daher sard. perra. Altspan.
' ist can ziemlich üblich, wie auch noch jetzt in Ästurien und Gallicien,
man sehe es z. b. Cal. e D. p. 67h, D. J. Man. ed. G. p. 248h. In Por-
tugal ist cäo der eigentliche ausdruck, perro weit weniger gebräuchlich.
Letzteres isfrnoch eins der sahireichen probleme romanischer etymdogie.
Vielleicht führt der canis petronculus der L. Burg, oder der canis pe-
tronius (s. Ducange und Diefenbachs Orig. europ. 332) auf die spur.
Man merke dazu das cot. gos peter eine kleinere ort hunde, sp. gozque,
worin peter das sp. perro bedeuten muß. Man kann nicht umhin, hierbei
noch einiger anderer vielleicht unverwandter roman. Wörter zu gedenken,
wie des bürg. p6tra grober bauer (Mignard 116) und des wal. petrunchiös
bäurisch, welches letztere auf peatrf = petra (stein) zurückgehen muß.
Auch in Piemont kommt perro vor, bedeutet aber hier eine art kaninchen.
Pescuezo sp., pesco$o pg. nacken, genick, auch hals; zsgs. aus
post (s. unten pestorejo) und cuezo kübel (s. cocca L), also hinterkübd,
ein grober amdruck für hinterkqpf, man sehe testa I. Diese ansprechende
etymologie gehört Menage, s. Orig. ital. v. coccare.
Pestillo sp., pesteil cot. riegel an einem schloß. Aus pessulus
konnte mit vertauschung des diminutivsuffixes leicht pesillo werden, pestillo
kann sich nur aus pes-it-illo erklären, gebildet wie cabr-it-illo, eine form,
welche die spräche vielleicht zur Unterscheidung von pesillo (kleine wage)
ergriff.
Pestorejo nacken; buchstabl. was hinter dem ohr ist, von post
(puest pest) und oreja.
Pesufia sp. klaue der thiere, pedis ungula.
Petaca sp. reisekoffer; aus dem mexican. petlacalli (Cdbrera).
Petate sp. binsenmatt e; aus dem mexican. petlatl (derselbe).
Peto sp. brüst hämisch; vom gleichbed. it. petto, lat. pectus.
Piara sp. her de; von pecuaria (Gabrera).
Pierna sp., perna pg. bein; von perna bein von der hüfle bis zum
fuße, nur bei Ennius, sonst ketde, Schinken. Daher auch perno, pernio, pernil.
IIb. PIHUELA— PORFIA. 477
Pihnela sp. fußschellen; dimin.von pedica nach den einheimischen
etymologen. Die susammensiehung wäre hart: besser, nebst piola (vgl.
vihuela viola), unmittelbar van pes pedis, wie auch pi-ojo von ped-iculus,
d. h. pi aus ped.
Pimpollo sp. sehößling, knospe, pg. pimpolho Schößling am wein-
stock; für pampinollo, dimin. von pampinus, vgl. denselben voccdwechsel
in pimpinella und pampinella I.
Pino pg. naget, zweck; muthmaßlich (wie priego, s. unten) aus
einer der nord. sprachen, dem Spanier unbekannt: ndl. engl. kymr. pin,
gael. pinne, dttn. pinni, hd. pinne u. dgl.
Pino pg. höhepunct, pör a pino grade aufrichten; soll von pinus
(fichte) herkommen, was durch das vb. pg. sp. empinarse sich bäumen =
arbolarse (von arbol bäum) einige Wahrscheinlichkeit gewinnt.
Pintacilgo sp., pintasirgo pg. distelfink; von pictus passerculus
(Cdbrera).
Piorno sp. pg. ginster; vielleicht für picorno von pico spieß, weil
diese pflanze lange dünne Stengel treibt, daher wir sie pfriemenkraut
nennen. Ausfall des c auch in pia für pica.
Pito sp. pfeife, pitar pfeifen; naturausdruck, vgl. \>\\& ruf die kühner
bu locken.
Pizarra sp, pg., pisarra cot. schiefer. Wohl von pieza stück,
namentlich plattes stück, läppen, wie auch unser schiefer bruchstück be-
deutet, suffigiert arra. Nach Larramendi ein compositum, vom bask. puzca
oder pizca stück, und arria stein; aber der ausfall des c hinter z wäre
ungewöhnlich. Mahn p. 87 hält pizarra gleichfalls für baskisch, aber
entstanden aus'ipiz schwäre, welche bedeutung zwar eigentlich baltza, beltza
habe, wofür jedoch in compositis baz, bez, auch paz vorkomme.
Plegäria sp. gebet; von precarius.
Pleita sp. binsenflechte; von plectere.
Pöcima sp. arzneitrank; vom gr. 7toxiof.ia trank, umgestellt potcima.
Po den co sp., podengo pg. kaninchenhund ; unbekannter herkunft.
Podre sp. euer; von püter faul, morsch, nicht von pus püris, vgl.
pg* adj. podre = lat. puter.
Polilla sp., polilha pg. Kleidermotte; nach den einheimischen ety-
mologen eigenÜ. staubthierchen, von pulvis, also mit unterdrücktem v.
Poncho sp. schlaff, träge.
Popar sp. liebkosen, pg. poupar schonen, sparen; von palpare
streicheln, üal. wie lat.
Porende, poren altsp. altpg. partikd, aus dem gründe, darum;
von proinde. Neupg. porem ist in adversativen sinn übergegangen, ver-
kürst aus nao porem (nicht darum, ßleichwofd) wie fr. pourtant aus non
pourtant.
Porffa sp. pg. cot. hartnäckigheit, porfiar hartnäckig streiten. Für
porfia trifft man altpg. perfia, altsp. porfidia, volksmäßig prohidia (s. Co-
varruvias), und so haben wir das lat. perfidia vor uns, das auch im ital.
478 IIb. PORIDAD-PRINGUE.
die angegebene bedeutung zeigt. Wegen dieser bedeutung vergleiche man
gr. amaxia treulosigkeit, unfolgsamkeit (beide verwandt, weil sie nicht er-
füllen, was sie sotten), wegen der form sp. hastfo aus fastidimn. Im F.
juzgo heißt porfidia Unbilligkeit, dem sinne des tat. Wortes näher verwandt.
Poridad altsp., altpg. puridade geheimnis = nsp. puridad, lat.
puritas, eigenü.das wahre Verhältnis einer sache, alt fr. purtä z. b.RFlor.p.48.
Porra sp. pg. cot. heule mit dickem ende. Nach Covarruvias von
porrum knoblauch, weil sie die form dieser pflanze habe; nach Larra-
mendi vom bask. cemporra stück von einem baumstamme. Man wird sich
leicht für das römische- wort entscheiden, dessen bedeutung auch befriedi-
gender ist. Dahin ferner adj. porro schwerfällig, dumm.
Postilla sp. schorf, grind (auch Matter, nach Seckendorf); von
pustula, pr. pnstella.
Preguntar sp., perguntar pg. fragen; von percontari.
Prensar sp., cot. prempsar drücken; von pressare.
Priego altsp., j>rego pg. nagel; vgl. ags. prica, engl, prick, ndl.
prik, kymr. pric Stachel, spitze.
Prieto sp. gedrängt, altpg. preto D; Din. p. 29, npg. perto dicht
daran, sp. apretar, pg. apertar, sie. appritari drängen. Auch die waUon.
spräche kennt dies wort, adj. pret nahe, das nicht aus dem lat. praesto,
wohl aber aus dem span. herrühren kann. Desgleichen fuhrt Honnorat
ein veraltetes oeeit. apertä an, das er dempg. apertar vergleicht. Apretar
ist buchstäblich = adpectorare an die brüst drücken, demnächst wohl
drängen, pressen, indem die speciale bedeutung schwand wie im it. rim-
petto, bei dem an brüst nickt mehr gedacht wird; r attraMert wie in
pretina für petrina, pectorina. Apretar al pecho, apertar* ao peito wäre
also ein durch die verdunkelte grundbedeutung des verbums veranlagter
pleonasmus. Prietor wenn die herleitung richtig ist, kürzte man aus apre-
tado, wie cuerdo aus cordatus, um ihm den verbalen sinn zu nehmen;
oder bildete es aus pectore = it. nel petto (dicht daran). Expectorare
ist lateinisch, adpectorare freilich nicht, aber es ist bereits in Isidor's
glossar vorhanden (= applicare adpectus), was bei einem span. werte
in anschlag kotnmt.
Prieto sp., preto pg. schwärzlich; scheint identisch mit dem vorher-
gehenden worte : was dicht ist, wie staub, nebet und andre dinge, erscheint
schwärzer, dunkler (Morüau Dicc. 379).
Primo sp. pg., primo hermano sp. vetter, söhn des oheims oder
der tante, erster bruder in der Verwandtschaft nächst dem leiblichen,
wal. primaria mit derselben bedeutung, vgl. bask. primua erbe. Die
Provenzalen gierigen in der benennung der verwandten mit zahlen noch
weiter: sie kannten zwar gleichfalls einen prim, aber auch einen segon,
einen qnart (den nach römischer berechnung im vierten grade verwandten).
Pringue sp., sard. pingu schmalz, fett, vb. pringar mit fett be-
streichen; doch wohl von pinguis, wie auch Cabrera meint. Einschiebung
des r nach einem consonantanlaut ist im spanischen nicht unhäufig.
. IIb. PUCHES-QUIZA. 479
Puches sp. (tn.pl.) brei; von puls pultis, it. polta. Daher pnchero
kochtopf.
Pular pg. hüpfen, klopfen, auch keimen; von pnllare oder pullulare
keimen (sprudeln).
Puya, pua sp., pg. pna spitze, Stachel, dorn, pfrqpfreis; wahr-
scheinlich von pugio pugionis, wie buba von ßovßiov. In betreff der
leisten bedeutung ist an sp. mugron ableger, senker, eigentl. dolch zu erinnern.
Q.
Qu an sp., pg, quäo, pr. can adverb; von quam.
Qaeda pg* fall, stürz = sp. caida von caer (lat. cadere), it. caduta.
Quemar sp., queimar pg. brennen. Larramendi vermuthet seinen
Ursprung im bask. quo eman d. i. rauch geben, und auch Humboldt,
Urbew. Hisp. p. 156, leitet es von quea rauch, wiewohl ein vb. quematu
nicht vorkommt. Lat. cremare dagegen ist über das ganze prov. gebiet
bis Valencia verbreitet, und da der Spanier das den anlatU begleitende
r zuweilen entfernt, indem er es versetzt (quebrar) oder ausstößt (templar),
so darf man quemar mit fug aus dem lat. worte erklären. Cremado hat
das glossar zum F. juzgo.
Quexar (quejar) sp., queixar pg. klagen; gleichsam questare, fre-
quentativ von qneri questus.
Quexfgo sp. grüne eiche; nicht aus qaercns abgeleitet, da dem
Spanier kein suffix igo zu geböte steht.
Quicio sp. sp. thürangel, haspe, resqaicio Öffnung, loch; uner-
mittdter herkunfl. Die deutung der span. etymologen aus dem vb. quiesci,
weil die thürangel sich nicht drehe, ist kaum der anfuhrung werth.
Quien sp., quem pg., pronomen, vom lat. acc. quem. Zsgs. al-
guien, alguem, von aliquem; dsgl. für quilibet quienquiera, quem-
quer, dessen zweites wort dm conjunctiv von querer (wollen) enthält.
Quilma sp. (mundartl. s. Monlau 387) getreidesack, mehlsack, zsgs.
esquilmo ertrag von herden oder grundstücken, esquilmar ernten; unbe-
kannter herkunfl.
Quinta sp. pg. landhaus mit grundstücken, vüla; nach den ein-
heimischen etymologen so benannt, weü die pächter solcher landgüter ein
fünftel des ertrages an die eigenthümer abzugeben hatten. Altfr. quinte
dagegen bedeutete so viel als burgfriede, s. Ducange, M&nage.
Quiz 4, quizas sp., pg. qui$a, alt quizais, sard. chisä, chisas, sie.
cusä, adverb für lat. fortasse; zsgs. aus qui sabe (nsp. quien sabe) d. i.
wer weiß, im Poem. d. Cid 2509 qui sab, Alex. 632 quizab.
480 II. b. RABANO— RANGER.
E.
Räbano sp., rabäo pg. weiße rübe; von raphanus rettig, it. rafano.
Rabo sp. pg. schwane, überh. etwas hinten herabhangendes, daher
raboso zottelig, rabear schwänzeln u. dgl. Es wird von repere herge-
leitet: warum nicht lieber von dem buchstäblich notier liegenden rapere
schleppen? vgl. unter andern ahd. zaskön raffen, rauben, nhd. zeschen
schleppen (wie rapere), sbst. zesche schleppe oder schweif des Jdeides, s.
tasca I. Desselben Ursprunges ist wohl auch piem. rabel schleppe, ge-
folge, rablä schleppen, schleifen. — [Nicht zu Übersehen ist, daß Mahn (p. 46)
rabo von rapum leitet * wobei er auf unser schwanz-r\lbe (fleischiger theü
des pferdeschweifes) verweist. Die sprachen benennen diesen körpertheü
gewöhnlich darnach daß er nachgeschleppt wird oder daß er sich hin und
her bewegt, und dies ist ein bezeichnenderes merkmal als die ähnlichkeit
mit einer rube, die sich im deutschen auch nur auf einen theü des Schweifes
bezieht. Für letztere auffassung wären jedesfäUs noch andre beispiele er-
wünscht gewesen. Krit. anhang p. 23.)
Radio altsp., pg. arredfo verirrt; gleichsam errativus?
Rafez, rahez altsp., refece altpg. leicht, gering, schiecht; arab.
rachiQ leicht, gelinde, sbst roch$ wohlfeilkeit Gol. 962.
Rajar sp. spalten, raja spcdt, spahn, gleichbed. pg. rachar, racha,
ch aus j entstellt, was übrigens selten, z. b. in grancha für granja SRos.,
geschah. Ein altsp. racha in der Gonq. Ultram. Aber woher rajar?
Ralea sp., pg. rate, relö stamm, race; unbekannter herkunfl. Auch
der vogd, den der falke vorzugsweise jagt, wird so genannt.
Ralo sp. pg. dünn. Von rarulus? aber wozu ein unvorhandenes
diminutiv annehmen, wenn die römische litteratur das einfache wort ge-
währt? Plautus sagt vestis ralla, worin das adjectiv, wie zu vermuthen
ist, 'dünn bedeutet, sei es nun aus rarulus oder aus ravulus (s. Freund)
zusammengezogen. Der Spanier wählte hier, wie in andern fällen (novela,
apelar), einfaches 1 statt 11. Das wort reicht über das südwestliche gebiet
hinaus: limous. und henneg. rale, fläm. raelJEZ., selbst ciban. rale: sollte
die letztere spräche auch erst rarulus gebildet haben ? sie kennt das suffix
ulus nicht einmal. Hätte man es bloß mit dem spanischen zu thun, so
könnte man übertritt des tat. r in 1 annehmen, rarus ralo, aber der franz.
Sprache ist dieser übertritt zwischen vocalen schwerlich bekannt.
Rambla sp. cot. sandfläche; vom arab. ramla dass. (Dozy).
Ranger pg. einen rauhen ton von sich geben, knarren, knurren.
Die grammatik lehrt, daß die roman. verba zweiter cory. lateinischen Ur-
sprung haben und daß sie fast ohne ausnähme (pg. tosser von tussire)
von lat. verUs zweiter oder dritter herkommen; ranger aber ist unlateinisch
und erinnert nur von fern an gr. ^yxsiv, (toyxaCpiv schnarchen, schnarren.
Es scheint eine freie, onomatopoietische büdung, worin die littera canina
IIb. RAPAZ— REAL. 481
die hauptrotte spielt Viele dergleichen kommen in Wackernagels Voces
animantium vor.
Rapaz 5p. pg. (rapazo Apol. 567) junger bursche, rapaza junges
madchen. Covarruvias vermuihet vom lat. rapax, weü kinder nach allem
greifen. Wir nennen kleine kinder wohl krabben, weil sie auf dem boden
herumkriechen, s. Frisch. Die grundbedeutung kind läßt sich mit rapaceria
kinderei belegen, und was denbuchstaben anlangt, so weist das abgeleitete
rapagon unicidersprcchlich auf rapax wie perdigon auf perdix, raigon
auf radix. Dieses buchstabenverhaUnis zeugt gegen arabischen Ursprung,
wäre auch das von Mayans vorgebrachte rabaz 'diener wirklich ein arab.
wort (soll es sein rabacd domesticus Gol. 931?).
Raposa sp. pg. fuchs, selten masc. raposo. Es nimmt nebst zorra
die stelle des aus der hcdbinsel verschwundenen lat. vulpes ein, wovon sich
aber doch die diminutivform vulpeja erhalten hat. Leitet man es von
rapax, so müßte es sein suffix getauscht haben, überdies wäre der ausdruck
besser auf den wolf als auf den listigen Reineke angewandt. Am ein-
fachsten fließt es aus sp. rabo schwänz, wie auch Covarruvias deutet:
häufig nämlich findet sich tenuis bei fortgerücktem accent wieder ein, vgl.
lobo lupino, cabra capruuo; die cot. form mit b rabosa kommt dabei
kaum in ansMag, da diese spräche die media begünstigt. Hiernach wäre
der fuchs der stark geschwänzte, eine individuellere von einem wesentlichen
Merkmal entnommene bezeichnung, wie die spräche sie liebt, wobei man
noch erinnern darf, daß in fabeln und Sprichwörtern von dem schweife des
thieres mehrfach die rede ist. Eine gewisse ähnlichkeit mit dem span.
werte hat allerdings das gleichbed. altn. ref-r; jenem aber könnte nur ein
primitiv zukommen, welches die bedeutung fuchs nicht enthielte, d. h. wenn
dieses nordische nichts weniger als gemeindeutsche wort wirklich nach
Spanien gelangt wäre, so würde es sicher nicht mit dem suffix oso aus-
gestattet worden sein, eben so wenig wie man aus vulpes ein gleichbedeu-
tendes derivatum vulposa gebildet haben würde; jenes aber ist offenbares
adjectiv, in dessen primitiv die bedeutung fuchs nicht enthalten sein kann.
Rato sp. Zeitraum, weile, eigentl. augenblick; von raptus riß, ruck.
Raudo sp. reißend, altfr. pic. rade (z. b. von flüssenEracl. 5367),
daher auch sp. pg. raudal gießbach; von rabidus.
Ransar {auch rauxar, rousar, roixar) altpg. weiberraub begehen,
nach S. Rosa einem weihe gewalt anthun, sbst. rouQom, mlat. in span.
Urkunden rausus DG. Die latägesetze gestatten herleitung aus raptiare
für raptare, welches letztere im port. die gleiche bedeutung hat.
Real sp. pg. eine münze, port. mit dem plur. reaes und üblicher
r&s; von regalis königliche münze; altfr. royal.
Real sp. pg. lager eines heeres, hauptquartier eines königs oder
oberfddherrn, im port. zumal das königliche zeit ; von regalis. Desgleichen
ist dieses wort ein begrüßungsruf für den könig von Portugal, so Lusiad.
3, 46 dicendo em alta voz: real, real, por Afonso, alto rei de Portugal,
aber auch unter Spaniern und Franzosen üblich, indem es z. b. in einem
81
482 ILb. REBATAR-REHEN.
dUfranz. gedieht der Schlachtruf Karls genannt wird: crier royal, l'en-
seigne Karle Hol. ed. Mich. p. XXII; van regalis. 8. über diesen aus-
ruf Liebrecht im Jahrb. II, 119, Mild Trov. 79. Für real hat die port.
mundart noch das} wie man glaubt, daraus entstandene arraial.
Rebatar sp. pg., gew. arrebatar entreißen, rasch ergreifen; wird
als eine aus raptare, arreptare erweiterte form aufgefaßt, was, wenn man
ähnliche einsehiebungen erwägt (Born, gramm. I, 303), nicht gegen den
sprachgeist verstößt.
Rebentar, reventar sp. pg. bersten; von ventus.
Recaudar sp., pg. recadar, arrecadar steuern erheben, dltsp. dttpg.
recabdar erlangen, erreichen Alx., SRos., sp. recaudo Steuererhebung, re-
cado {wofür auch recaudo) botschaft, grüß, übersandtes geschenk, für sorge,
vorrath, ebenso pg. recado. Span, etymologen lassen das wort theils aus
recaptare, theils aus cantus entstehen: jenes aber hätte recatar, recautar,
dieses sp. recotar, pg. recoutar geben müssen. Recaudar (altpg: recabe-
dar, sbst. recabedo, recabito) ist vielmehr identisch mit it. ricapitare aus-
richten, bestellen, sbst. ricapito (ebenso cat. recapte = recado) besteUung,
von capitare (IL a.) ssu ende führen, vollbringen, woraus sich die formen
recaudar und recadar leicht erklären: nicht anders entstanden caudiüo
und (bei Berceo) cadiello aus capitellus. Alle bedeutungen von recado
aber lassen sich auf besteUung zurückführen.
R6cio sp. kräftig, störrig; mit Cabrera von ngidus, wiewohl g sonst
nur nach consonanten die gestali von $ annimmt, vgl. oben arcilla. Die
kürze des radicalen i spricht sich bereits aus im mlat. regidus für rigidus
Gl. Paris, ed. Hildebr. 271. Dahin auch arrecirse vor kälte erstarren,
rigescere.
R6cna sp. cat., röcova pg. koppel lastthiere; vom ardb. rekb zug
von reisenden auf lastthieren (Bozy).
Redil sp. pg. pferch, schafstall; eigentl. flechtwerk, von rete netz,
sp. red guter, käfig. Vgl. t6 IL c.
Redor sp. umkreiß, eigentl. rund geschnittner teppich, präposüional
redor de im kreiße Alx., aderredor, nsp. alrededor, pg. ao redor u. s. w.
Redor etwa für ruedor, ruedol (lat. rotulus rad) mit Verwandlung des 1
in r wie in ruisenor aus lusciniolus?
Redruna sp. linke hand; buchstäbl. die aus- oder zurückweichende
im gegensatze zur rechten, der stracken, von retro, sp. redro, gleichsam
retronea wie ultronea. Vb. .redrar ausbeugen Alx. 990.
Regazo sp. pg. schoß, regazar schürzen. Ist es ein compositum, so
darf man vielleicht an das gleichbed. bask. sbst. galzarra denken.
Regoldar sp. rülpsen; nicht von ruetare (cat. rotar), ebenso wenig
ein Schaltwort, wofür Monlau es hält, besser ein begriffswort, von gola,
lat. gula, aus der kehle zurückstoßen, mit bekannter Verstärkung des 1
durch d.
Rehen sp., Tefem, arrefem pg. geisel, bürge; vom ardb. rahn, ar-
rahn pfand, pl. reh&n Freytag II, 203b.
ILb. REJA-RO. 483
Reja sp., pg. relha in der bed. eisernes guter; von reticnlnm netz.
Vgl. relha I.
Rel YSipg. kurzes gras, relvar sich damit bedecken, (trans.) es schneiden.
Remedar, arremedar sp. pg. nachahmen; von re-imitari.
Remir pg. auslösen; von redimere, sp. redimir u. s. w.
Remolacha sp. rothe rtibe; = it. ramolaccio, lat. armoracia, die
aber ein anderes Wurzelgewächs, meerrettig, bedeuten; vgl. wegen einer
ähnlichen Verwechselung oben rabano.
Rendija sp. kleine spalte; zsgz. aus altsp. rehendija, dimin. von
fenda spalte. Neusp. auch hendrija mit versetztem r.
Renir sp., renhirpg., renyir cot. zanken, sp. rifia zank, dimin. ren-
cilla; vom lat. ringi sich verdrießlich benehmen.
Repollo sp., repolho pg. köpf kohl; doch wohl von repullnlare, weil
er im urinter neue sprossen treibt? Das span. wort heißt auch knospe.
Res sp., pg. rez stück scJUachtvieh; vom ardb. ras köpf Freyt. II,
103*, vgl. lat. caput köpf oder stück, gewöhnlich einer her de.
Retama sp. pg. ginster; vom ardb. ratam, ratamah dass. Freytag
II, 120*.
Retono sp. neuer Schößling, retonar wieder ausschlagen, wieder
sprossen. Man kann sich aus tumidus ein span. verbum re-tumiar (lim-
pidus, limpiar), besser romanisiert retonar, denken, dem man die neutrale
bed. schwellen für geschwollen machen beilegte (ebenso quedar ruhen für
ruhig machen). Gemma turnet die knospe schwillt, ist lateinisch. Cellisten
werden vielleicht lieber an kymr. tun c etwas durchstoßendes erinnern.
Rezar sp. pg., caf. resar hersagen, beten; von recitare zsgz. re$'tare.
Rezno sp. ein insect; von ricinus, it. ricino.
Ria sp. pg. cot. mündung eines flusses; für riba, lat. ripa ufer, it.
riva auch ziel, also ziel des flusses, wo er, wie Dante sagt, ruhe findet,
vgl. arrivare das ufer oder ziel erreichen.
Riel sp. (m.) barre, metattslange; = regellus von lat. regula st ab.
Rilhar j?</. benagen; woher?
Rincon sp., alt rancon, rencon, cot. racö winket. Man leite es
nicht mit Cabrera von ancon etlenbogen, da der spräche das prothetische
r fremd ist. Vermuthlich ist es gleicher herkunft mit dem gemeinrom.
ranco, renco und bezeichnet etwas eingekrümmtes, goth. vraiqvs krumm.
Ringla sp., rengla cot., daher sp. renglon seile, reihe, ringlero
linie zum gradschreiben; von regula richtschnur.
Ripio sp. pg. vol. (nicht cot.) kleine steine zum ausfüllen zwischen
grösseren, dsgl. abfoil von steinen, sp. ripia, pg. ripa futterbrett, latte, vb.
sp. ripiar mit schult ausfüllen; etwa entstellt aus dem bei Vitruv vor-
kommenden replum fiUlung in einer thüre, oder rahmen einer solchen?
Ro sp., rou pg. ein ausruf stillschweigen zu gebieten oder kinder
einzuschläfern, daher sp. rorro wiegenkind. Gü Vicente in einem Schlum-
merlied 1, 57: ro, ro, ro, nuestro dios y redentor no Uoreis que dais
dolor! Desgl. II, 26 (portug.) ru, ru, menino, ru, ru! Auch als sub-
484 IIb. ROBRA-RUIN.
stantiv wird es gebraucht (ä la ro!). Wir heißen das trauliche wörtchen
willkommen, denn es mahnt an unser ruhe, ahd. röa, röwa, ruowa, altn.
ro; es wäre möglich, daß es daher stammte: empfindungswörter und aus-
rufungen gehen leicht von volk zu volke. Im spanischen und lateinischen
scheint es keine verwandte zu haben.
Kobra sp. Urkunde zur Beglaubigung eines Verkaufes; von roborare.
Port, röbora (rövora), nüat. robora mannbarkeit; von robur.
Rodrigon sp. weinpfatU; von ridica dass. (Cabrera), aber mit selt-
samer anlehnung an den eigennamen Rodrigo, die auch in dem pflanzen-
namen rui-ponce für riponce vorliegt.
Rombo pg.7 romo sp., rom cot. adj. stumpf; wohl vom dtschen sbst.
rümpf, ndl. romp truncus, stumpf. Der Portugiese hat auch ein sbst.
rombo Öffnung, loch, ursprüngl. wohl stumpf, vgl. buco I. Etwas ent-
fernter dem vornan, worte liegt kymr. rhummen bauch.
Roncar sp. pg. cot. schnarchen, auch verhöhnen; von rhonchare,
erst bei Sidonius, vgl. sbst. rhonchus (Qoyxog) geschnarche, Spötterei.
Roncear sp., roncejar cot. zaudern, mit Widerwillen arbeiten, sich
mürrisch benehmen, sp. roncero, pg. ronceiro langsam, träge; wohl des-
selben Ursprunges wie it. ronzare summen, brummen II. a.
Ron co sp. altpg., ronc cat. heiser, schnarrend u. dgl.; für roco von
raucus mit einmischung des verbums roncar = lat. rhonchare. Daher
fehlt dem Spanier und Catalanen das ursprüngliche roco, roc, nur der
Portugiese bewahrt rouco.
Rosca sp. pg. cat. schraube; unbekannter herkunft.
Rostro sp., rosto pg. in der bed. antlitz, vgl. wal. rost mund.
Schon lat. rostrum für os bei Plautus, Lucilius, Varfo, Petronius, also
wohl ein volksüblicher, aber, da auch die Pandecten ihn brauchen, nicht
unedler ausdruck. Man sehe Winkelmanns abh. über die Umgangssprache
der Römer (Jahrbb. für philol. sppl. II, 502). Zu vergleichen wäre ags.
neb os, engl, neb rostrum; ahd. snabul rostrum, altfries. snavel os. Den
übrigen roman. sprachen fehlt rostrum.
Rozar sp. pg. abweiden, ausjäten, auch an etwas hinstreifen; fre-
quentativ von rodere rosus nagen, abkratzen, also für rosar; oder etwa
von einem iterativ rositare. Aus der nämlichen würzet ist wohl auch
das pg. rojar den boden streifen (z. b. a capa roja der mantel
schleift nach), wofür man rodicare annehmen muß, sbst. rojao das kratzen
auf der geige.
Rücio sp., ruQO pg. graulich (oder röthlich nach Cabrera); von
russens.
Ruido sp. pg. lärm; von rugitus gebriUl; vgl. rut II. c.
Ruin sp., ruim, roim pg. elend, erbärmlich; von ruina verderben.
II.b. SACHO-SAPO. 485
s.
Sacho sp. pg. jäthaue, vb. sachar und sallar; von sarculum, sar-
culare, it. sarchiare u. s. w.
Sadfo pg. heilsam, gesund; muthmaßlich entstellt aus saudio (von
Saude, lat. salus), vgl. pr. salutatiu.
Säfara, safra pg. steinichte wüste, adj. säfaro wild, rauh, scheu,
sp. zahareno dass.; vom arab. Qa'hrä wüste Freyt. II, 482*.
Sahir pg. ausgehn, her ausgehn, alt salir; von salire, fr. saillir u.
s. w. L fiel aus und h trat ein zur Währung des hiatus.
Sahumar sp. räuchern; für suhumar, lat. suffamicare.
Salitre sp. pg. Salpeter, ebenso wal. salitru, dtsch. volksübl. sali-
ter, russ. selitra; von sal nitrum, it. salnitro.
Salpicar sp. pg. pr. besprengen; buchstäbl. mit salz, wie fr. sau-
poudrer, von picar punctieren.
Sancochar sp. halb gar kochen; von subcoctus (Gabrera).
Sandio sp., (sendlo.Bc., FJ.), pg. sandeu närrisch, einfältig. Um-
gestellt aus sanido = it. insanito von insanire? Oder von sanna höhn,
sannio narr, mit einschiebung eines d nach n wie in pendola von pennula?
Aber die letzten vocale des Wortes sind hier nicht zu übersehen, ihre Ver-
schiedenheit in beiden schwestersprachen muß einen etymologischen grund
haben. Sand-fo und sand-6u verleiten sich offenbar wie sp. jud-fo und
pg. jud-6u von jud-aeus, fuhren also auf lat. aeus oder eus: sollten diese
formen etwa aus dem ausntf sanete deus entstanden sein und eigentlich
einen menschen anzeigen, dem alles unbegreiflich vorkommt und der darum
jenen ausruf der Verwunderung stets im munde führt? sanetiguärse (sich
bekreuzen) bedeutet darum bei Berceo eben so viel wie admirarse. Ein
ähnlicher fall wäre das wallon. doüdiew scheinheiliger, entstanden aus
dem ausrufe doux dieu.
Santiguar sp. das zeichen des kreuzes machen; von sanetificare
wie amortiguar von mortificare, apaciguar von paeificare, atestiguar von
testificare, averiguar von verificare. Da sich in allen diesen fällen u
hinter g einfindet, so läßt es sich kaum für eine bedeutungslose einschie-
bung halten, es scheint Vielmehr aus einer Umstellung herzurühren, nach-
dem sich f, wie öfters in dieser spräche, in v erweicht hatte, also santi-
guar aus santigvar, dies aus santivigar, vgl. fruytevigar aus fruetificare
in einer portugiesischen Urkunde v. j. 1317, S. Rosa append. p. 7a. Der-
selben Umstellung und voeälisierung eines lippenlautes dankt auch fragua
aus fabrica seine form. Port, nur santiguar, averiguar.
Sana sp., sanha pg. wuth; abgekürzt aus insania, oder ist es sanna
zähnefletschen?
Sapo sp. p'g. kröte; nach span. etymologen vom gr. otjijj oyiog art
giftiger schlangen oder eidechsen, auch lat. seps. Identisch mit dem span.
worie ist bask. apoa, zapoa.
486 ILb. SARAIVA-SENDOS.
Saraiva^. hagd, saraivar hageln.
Sarilho, serilho pg. haspd, vgl. sp. zarja rad zum drehen der seide.
Sarna sp. pg. cot. räude. Darüber gibt es ein sehr altes Zeugnis:
impetigo est sicca Scabies . . hanc Vulgus* sarnam appellant Isidor. 4,
8, 6. Man darf es für iberisch halten, bask. sarra und zaragarra be-
deuten dasselbe, vgl. kymr. sarn (f.) cstrich7 sarnaidh krustig. Ob auch
sp. pg. sarro schleim, Weinstein dahin gehört?
Sarracina sp. blutiger streit; vom bask. asserrecina ernsthafter
streit, s. Larramendi.
Sarrafar pg. aufritzen, schröpfen; wahrscheinlich entstellt aus
scarificare, woraus sich auch eine andre form sp. sarjar (scarfcar scar-
car, lat. rc = sp. rj), noch mehr verkürzt sp. pg. sajar, erklären muß.
Man möchte arab. Ursprung vermuthen, da die median in den händen der
Araber war: ihr kunstausdruck für scarificieren aber ist taracha Freyt.
I, 189°, welches pg. tarafar ergeben hätte. Das bask. wort lautet sarciatu.
Sarraja sp., serralha pg. hasenkoM: lactnca agrestis est, quam
sarraliam nominamns eo quod dorsum ejus in modum serrae est Isidor.
17, 10, 11.
Särria sp. pr. cot. netz oder gefleckte von binsen, altfr. sarrie
Roquef., bask. sarrea; dsgl. sp. sera, pg. seira binsenkraut. Die Wörter
erinnern an ahä. sahar ried, binse, mlat. sarex 'carex {woher auch it.
sala? denn leicht entsteht in dieser spräche 1 aus r), aber sie könnten
auch aus der berbersprache herübergekommen sein (Dozy Gloss. 358 note).
Schwende, D. wb. 542 note, verweist noch auf gr. a^i%og korb und ver-
wandte Wörter dieser spräche.
Sarta sp. schnür aneinander gereihter dinge, z. b. perlen, von serta
kränz, schnür.
S arten sp., pg. sartagem und sarta, pr. sartan, vgl. sie. sartania,
tiegel; von sartago dass.
Sastre sp. Schneider; euphonisch für sartre von sartor, it. sartore.
Pott, L. Sal. p. 146, zieht herleitung aus mlat. sarcitor vor.
Saudade pg. (viersilb.) schmerzliche Sehnsucht, saudoso sehnsuchts-
voll. Diesen lieblingen der dichter giengen die formen sol'dade, soYdoso
voraus für soledade, soledoso. Saudade bezeichnet also eigentlich die ab-
geschiedenheit von einem geliebten gegenstände; vgl. disio L König Dionys
braucht soydade viersilbig p. 58, Gil. Vicente spricht saudade, saudoso
dreisilbig, Carmens immer viersilbig.
Sayon altsp., saiäo altpg. gerichtsdiener; vom ahd. sago d. i. sager,
mlat. saio, sagio L. Wisig. und span. Urkunden. S. über das deutsche
wort Grimms Rechtsalt. p. 765. 781, Richthofen s. v. asega.
Sencillo sp. einfach; dimin. von simplex = it. semplicello.
Send os sp., senhos pg., alt selhos SRos., das einzige distributiv,
das den neuen sprachen, aber auch hier nur den südwestlichen, in alter
bedeutung verblieben ist, von singuli, singulos, Rom. gramm. III, 17.
Altsp. seüero von singularius.
IIb. SERBA-SISA. 487
Serba sp. eisbeere; für suerba von sorbum, it. sorba.
Serrin sp. (m.) Sägemehl; von serrago serraginis, wie orin von
aerugo.
Sesgo sp. pg. schräg, sesgar schräg schneiden oder drehen; von
unbekannter herJcunß.
Seso sp.y siso pg. verstand, hirn; von sensus.
Seto sp. gehege; von septum.
Sicrano pg. pronomen für lat. quidam; abgeleitet von secnrus im
sinne von certus. Aach der Provenedle hat die entsprechende abl. seguran.
Sien sp. (f.) schlaf am haupte. Dies dem Portugiesen und Cata-
lanen unbekannte wort leitet Cabrera gane unpassend von sinus. Roman,
mundarien nennen diese gegend des hauptes somnus (vgl. tempia L), dies
thut auch der Baske (loa vnvog, pl. loac xQOTayoi): aus somn konnte
suen werden, in sien läge eine ganz ungewöhnliche entstellung des sprach-
richtigen diphthongs, die sich höchstens als scheideform von sueöo würde
begreifen lassen, wie man etwa mlat. timpora (schlafe) für tempora sprach.
Die vertauschung des genus wäre minder auffällend. Noch eine andre
ertdärung dürfte hier angeregt werden. Tempus von der würzet T€/u be-
deutet nach einigen ursprünglich eine abtheilung oder gegend am haupte
(Potts Forsch. II, 64): wer diese auffassung theilt, der tvird gegen eine
erMärung von sien aus segmen schwerlich etwas einwenden, sien aus
segm segn- wäre wie des-den aus dignus.
Siesta sp., sesta pg. mittagsruhe; von sexta die sechste stunde
nach Sonnenaufgang, die mittagsstunde, d. h. von einer weicheren form
der Ordnungszahl (s statt x), entsprechend der cardinalzahl seis; verb
sestear mittagsruhe halten.
Silo sp., bask. siloa, ciloa getreidegrube, fehlt pg. cot., aber neupr.
8Ü6. Die spanischen etymologen erblicken darin das den Römern bekannte
slrus, gr. oeigog, gegen welches bei dem häufigen Übertritte des r in 1
(auch im bask.) nichts zu erinnern ist.
Sima sp. höhle, grübe; unermittelter herkunft.
Singälo pg. einzeln; lat. gleichsam singillus, woher singillarius
bei TertülUan.
Siquiera sp., pg. sequer, adverb für lat. saltem, zsgs. aus si und
quiera conjunctiv von querer, so daß es bedeutet cwenn man will, wenn
auch nur.
Sir gar sp. pg. cot. bugsieren, sbst. sirga handlung des bugsierens,
auch dazu dienendes seil; nach den span. etymologen vom gr. osiQqv mit
dem seile ziehen, wovon es also mittelst des Suffixes ic abgeleitet sein
müßte, siricare.
Sisa sp. pg. aufläge, auch Schwänzelpfennig der dienstboten, sp.
sisar, pg. scisar abschneiden, zurückbehalten. Nach Ducange identisch
mit fr. assise, wenn es nicht vielmehr, da der Spanier nicht leicht den
antiaut a abstößt, aus pr. sensa aufläge = lat. census, wie jpg. siso aus sen-
sus, entstanden ist.
488 ILb. SITIO-SOMBRA.
Sftio sp. pg., cot. siti stelle, belagerung, sitiar belagern; wohl vom
ahd. sizan, alte, sittian sitzen, vgl. bisittian belagern. Herleitung aus
sedes oder obsidium wäre unrichtig, da sich d keinem solchen wandet
hingibt, vgl. sedio I.
So bar sp., sovar pg. lernten; vom gleichbed. subigere, auf roman.
weise in subagere {daher auch sobajar) umgebildet und in sobar zusam-
mengezogen wie exporrigere in espurrir. Auch der Baske sagt sobatu,
nach Larramendi für jobatu, von jo klopfen und batn sammeln, welche
deutung aber gegenüber dem lat. etymon zurückzuweisen ist.
Socarrar sp. cot. versengen; baskisches wort, sucartu, von Larra-
mendi zerlegt in sua feuer, und carra flamme. In dem ersteren aber
mochte der Spanier seine präpos. so fühlen wie in dem synonymen so-
Uamar, daher socarrar für sucarrar. Sbst. socarra, sofern es Verschmitzt-
heit bedeutet, leitet man von soga, bask. soca, strick, verschmitzter mensch,
aber auffallend hat auch soflama hinterlistiges wesen (subflammare) in
einem mit dem bask. carra gleichbed. worte seinen grund.
Sohez, soez sp. schmutzig (in jedem sinne), niederträchtig. Nach
den etymologen von sub und faex, worin sub als präposition zu verstehen
sein müßte wie in so-color vorwand (sub colore) t*. a., hombre soez wäre
also homo sab faece populi tiefer als die hefe des Volkes. Das gekünstelte
dieser deutung wird niemand entgehen. Darf man annehmen, daß die
von dem Spanier Prudentius (adv. Symmach. II, 813) gebrauchte form
suis für süs (spurca suis nostro amne natat ; cd. sordida sus) etwas mehr
sei als eine grammatische Ziererei, daß sie ihren grund hatte in der
Volkssprache, so braucht man nach keinem andern etymon zu forschen,
zumal da der Spanier nominativformen auf s, das sich diesmal als z dar-
stellte, liebt (diös, Garlos): der ton zog sich nur auf die zweite sübe wie
in ju6z. Auch porcus ward zum adj. puerco.
Sollar citsp. blasen, nsp. resoflar; von sufflare.
Sollo sp., solho pg. ein Seefisch; von suillus: porci marini Vulgo*
yocantur suilli Isidor. 12, 6 (Cdbrera).
Soltar sp. pg. loslassen; frequentativ von solvere solutus, also
für solutar.
Sombra sp. pg. cat. schatten. Es weist mit seiner ganzen bildung
und seinen derivaten (sombrage = it. ombraggio u. s. w.) so bestimmt
auf das gemeinrom. ombra, daß das anlautende s nicht irre machen darf.
Muthmaßlich sagte man anfangs so-ombrar = sub-umbrare unter schatten
setzen, demnächst durch contractUm sombrar, sbst. sombra: dasvorhandne
prov. sotz-umbrar beschatten Jfr. 95b bringt diese muthmaßung der ge-
wißheit nah. Merkwürdig ist noch die altspan. form solombra schatten
s. Alx. und Teatr. ed. Bohl p. 83, altpg. soombra, vb. pr. dauph. solom-
brar beschatten (neupr. souloumbrous schattig), vielleicht nur aus sotzom-
brar entstellt; oder hat sich hier der artikel eingemischt (so l'ombra) wie
im lothr. ailaurbe s. v. a. ombre, eigentl. s. v. a. ä l'ombre? an solis
utnbra wird man nicht mit Covarruvias und Cabrera denken wollen. Die
ILb. SOMOBGUJO— TABA. 489
frone, spräche hat ein adj. sombre düster {daher ndl. somber), welches
dasselbe wort sein kann; altfr. essombre Ruteb. II, 40 schattiger ort?
Abgel. sombrero hui, im Alx. solombrero.
Somorgujo sp.taucher, somorgujar untertauchen; von submergere,
mit seltnem suffix, auch in gran-ujo und burb-uja.
Sortija sp., sortilha pg. fingerring. Man leitet es gewöhnlich von
circes circitis kreiß, bei Sidonius, dimin. circiticula, ivelches sertija und
mit einem dem Spanier wenig geläufigen vocalwechsel sortija gegeben habe.
Es ist aber buchstäblich das lat. sorticula und bedeutet hiernach etwas
schicksalbestimmendes, einen zauberring, dessen steinen magische Kräfte
augetraut wurden. In einem testamente v. j. 1258 z. b. liest man: que
as suas sortelas das vertudes as gardem para as enfermas die ringe mit
Zauberkräften soll man für die kranken bewahren SBos. p. 331b. In der
französischen poesie behielt der zauberring den einfachen namen anel,
s. b. im Renata von Montauban: Maugis vos saura anchanter, bien saura
des aniaus p. 275. Aus (unvorhandnem) sortilha entstand auch das pr.
sortilhier Zauberer.
Sosanar altsp. verspotten, verachten, s. Sanchez glossare und das
zum Game, de Borna, sbst. sosano, altpg. sosano Verachtung; unzweifel-
haft von subsannare verhöhnen, bei spätem Lateinern, zsgs. mit sanna.
Dasselbe wort, wiewohl ein solcher ausfall des sauselautes fast nur mund-
artlich vorkommt, scheint pr. soanar, altfr. sooner Ruteb. II, 480 mit gl.
bed.} sbst. soan, soana. Wie erklärt sich aber das prov. in einigen stellen
vorkommende sofanar? Fer. 1401, Kathar. rituale p. 30, Legs II, 356.
Sosegar (präs. sosiego) sp., soeegar pg. beruhigen, besänftigen,
sich beruhigen, sosiego, soeego stille, ruhe, daher it. sussiego ernste
haitun g. Etwa für sos-eguar sachte ausgleichen, lat. gleicJisam sub-ae-
qnare? Eine span. form iguar von aequare braucht das Alexanderlied,
eguar die Conguista de Ultramar, eine port. igar bemerkt S. Rosa.
So so sp. geschmacklos, richtiger pg. insosso; von insulsus. Das
synonyme sp. zonzo muß dasselbe wort sein.
Soto sp., souto pg. gehölz; von saltus, altpg. noch salto SRos. wie
ital., in Urkunden sautus z. b. Esp. sagr. XVI, p. 448 (vom j. 1021).
Suero sp., soro pg., soru sard. molken; von serum. Diese Verwand-
lung des betonten e in 0 vor einfachem consonanten ist im span. beispiel-
los und läßt fast ein flu ß eines verlorenen franz. soir vermuthen. Nicht
einmal ein homonym nöthigte zu dieser abänderung des tonvocals.
T.
Ta, ta, auch täte, täte, sp. und pg. interjeetion, schweigen zu ge-
bieten; wohl von tace.
Taba sp. beinchen, knöchlein; vom aräb. rtabaq dünner knocken
zwischen den rückenwirbeln Freyt. III, 39* ? Nach Dozy Gloss. 341 aber
vom gleichbed. araU ka'bah, t für k gesetzt.
490 IIb. TABIQUE-TEA.
Tabique sp. pg. Zwischenwand von steinen und lehn; vom aräb.
ctab!q etwas aneinander passendes Freyt. III, 40* nach Sousa. Für tabi-
que findet sich im Cancionero de Baena taxbique, genau das arab. tasch-
bik, wie schon Pedro von Alcala zeigte, s. Mohns Untersuch, p. 71.
Tagarote sp. pg. ägyptischer falk; so genannt von dem flusse
Tagarros in Africa, weil dieser vogel in den f eisen seines ufers nistet
(Covarruvias).
Taimado sp., taimad cot. listig, verschmitzt, sbst. sp. taimonla,
cot. taimarfa.
Tala sp.pg. cot. pr. ausrottung der bäume, Verwüstung, talar bäume
abhauen u. s. w., vgl. den franz. Ortsnamen Boistallä Vocab. du Berry
p. 103. Sicher nicht identisch mit dem synonymen tallar schneiden. Ein
handschriftliches bask. glossar übersetzt tala 'ezcidium sylvarum, was
freilich die iberische herkunft des wortes noch nicht beweist, allein es
scheint sich auch in hispan. Ortsnamen, wie Tala-briga, Tala-mina, Tal-
on, wiederzufinden, worin es das ausrotten der wälder zu neuen ansiede-
lungen bedeuten könnte, s. Humboldt, Urbew. Hisp. p. 63. Daneben ist
allerdings noch zu erwägen ahd. zälön diripere = ndat. talare in der
L. Alam., theils weil das wort auch in Frankreich heimisch war, theüs
weil das rothwäische talar grade diese specielle bed. (fortnehmen, fort-
reißen) ausdrückt.
Talega sp., pg. taleiga, pr. taleca sack, beutet; nach den span.
etymologen vom gleichbefi. gr. d-ulaxog, wohin auch wäl. tileAgt; gehört.
Tambo pg. brautbett; von thalamus mit eingeschobenem b, attpg.
tamo hochzeitsfest.
Tan sp., pg. täo, adverbium, aus tantus, s.. Rom. gramm. 11, 477.
Tapia sp., pg. taipa, sard. masc. tapiu lehmwand, vgl. lomb. (bresc.)
tabia elende hütte.
Tarde sp. pg. (f.), cat. tarde und tarda abend, eigentl. die zeit
von mittag bis nacht; vom adv. tarde langsam, daher spät. Man ver-
gleicht gr. ßQadvg langsam, neupr. ßQadv abend.
Tarima sp., pg. auch tarimba schemel; vom arab. 'tarimah, welches
bettstelle bedeuten soll.
Tasajo sp., tassalho pg. stück geräuchert fleisch; etwa vom gaUi-
■ sehen taxea speck, das Isidorus aus Afranius anführt? Oder, urie Cabrera
meint, von tessella würfelchen? Unter diesen beiden spricht das cat.
tasco, umgestellt aus taxo, für ersteres.
Tascar sp. pg. zupfen, hecheln; ahd. zaskön raffen, bair. zaschen
ziehen, schleifen, womit das rom. tasca zusammenhängt, s. (hl. I.
T 6 , bX6, bei den Alten atem, port. präposition, offenbar von tenus,
ad-tenu8, oitsp. atänes. Die Alien schrieben auch hactä, als stamme das
wort von hactenus, aber sowohl der accent wie die bedeutung sind da-
gegen. Das synonyme otUsp. altpg. fata und ata erklärt man mit recht
aus dem gleichbed. arab. 'hatta.
Tea sp. pg. fache!, atear anzünden; von taeda.
n.b. TECLA— TOBILLO. 491
Teela sp. pg. cot. sard. taste der orgd u. dgl.; wird aus tegula
wegen der siegelartigen form erklärt. ' Die schlechte romanisierung (es
müßte sp. teja, pg. telha lauten) verräth den später geschaffenen kunst-
ausdruck.
Teiga, teigula pg. binsenkorb; zweifelhaft, ob von theca oder von
teges (f.) binsenmatte.
Tema sp. Hartnäckigkeit , eigentl. in der behauptung eines saizes
(thema), daher tematico thematisch und hartnäckig, vb. bask. thematu be-
haupten. Der Portugiese hat sich, neben tema in alter bedeutung, die
scheideform teima gebildet. Eine ähnliche berührung der begriffe im it.
prova beweis, Wettstreit, provano hartnäckig.
Tepe sp. pg. stück rasen, auch piem. com. tepa moos, erdscholle,
in Brescia topa.
Terciopelo sp. pg. sammet; zsgs. aus tercio und pelo haar, seiden-
faden, weil er ursprünglich aus dreidrähtiger seide gewirkt ward.
Ter co sp. hartnäckig, hart. Covarruvias leitet es von altercari:
wie nahe aber lag ihm tetricus unfreundlich, streng, dem sich wohl auch
das synonyme it. terchio anschließen wird.
Testigo sp. eeuge ; gleichsam testificus, wie testignar von testi-
ficare. S. oben santiguar.
Tez sp. (f.) glatte Oberfläche, frische gesichtsfarbe, pg. tez, tes, tex
äußerste garte haut, auch des obstes, vb. sp. atezar glätten. Von tersuB
glatt, vb. tersare, oder (mittelst der form tertus) von tertiäre.
Tierno sp., terno pg. zart; von tener, fr. tendre ff.
Tieso sp., teso pg. hart; von tensus gespannt, it. teso, vgl. das
glossem tensus, tesus Class. auct. VI, 548*.
Tilde sp., til pg. (m.) Meiner strich, accent, cat. titlla; von titulus
kennzeichen, nach Covarruvias: dieselbe Umstellung in cabildo aus capi-
tulum. Das wäl. title circumflex, das occ. titule punct über dem i, sieht-
barlich von titulus, kommen dieser herleitung zu statten.
Timpe bei A. March in der ausg. v. 1560 mit montana, bei Figuera
Diec. malhrq. mit cuesta, subida erklärt, ist noch au untersuchen.
Tino sp. pg. richtiges urtheil, Ortssinn, Scharfsinn, auch atino, vb.
atinar ins siel treffen, das rechte treffen. Von Ungewisser herkunß, sicher
nicht von attingere, vielleicht entstanden aus der dem Portugiesen wohl-
bekannten präpos. tenus, ad tenus (s. oben), die' das siel bezeichnet, wie
auch ahd. zil, ags. til mit der gleichbed. präp. til zusammenfallen. Aus
dem vb. atinar wäre hiernach erst das sbst. atino, endlich tino entstanden.
Tiritaöa sp. ein dünner Seidenstoff, pg. tiritana mantel der bäuerin-
nen, auch fr. tiretaine ein halbwollener stoff.
Toba sp. stengel der distel; von tuba röhre, npr. touve dass., vgl.
fr. tige röhre und stengel.
Tobillo sp. knöchel am fuße; von tuberculum kleiner höcker,
oder unmittelbar ' aus tuber abgeleitet, da tuberculum eher tobejo er-
geben hätte.
492 ILb. TOCHO— TORRAR.
Tocho sp. grob, plump, dumm; verwandt mit den it. tozzo dick
und hure? s. dasselbe IL a.
Tocino sp. eingepökeltes Schweinefleisch. Die etymologen schwanken
stoischen tucetum gericht aus gehacktem fleisch (?) und tomacma art wurste.
Toldo sp. pg.zelt; vom lat. tholus kuppeldach, mit eingeschobenem
d auf spanische weise. Vb. pg. toldar decken, tapezieren, daher tolda
schimmel, eine deckende, überziehende materie.
Tolo pg. dumm, einfältig, augm. toleiräo. Nach Moraes vom deut-
schen toll, mit dem es allerdings äußerlich zusammentrifft. Aber der
hochd. anlaut t = ndd. d (alts. dol, altn. dul, goth. dvals) gibt kein
span. t, das wort verlangt eine andre erklärung. D. Diniz braucht toi-
heyto als synonym von louco (que hüa que deos maldiga, volo ten louco
e tolheyto p. 181. 182), es mag stumpf von sinnen bedeuten und ist das
pg. tolhido, alt tolido gelähmt (s. unten tullir), bask. tholdo erstarrt.
Hieraus kann tolo, das auch erstarrt, betäubt heißt, abgekürzt sein wie
manso aus mansueto u. a.
Tomar sp.pg. nehmen, wegnehmen, auch fühlen, leiden (hinnehmen?)
und nur in dieser bed. kennt es der QUalane. Es scheint von goth. her-
kunft, vgl. alts. tömian ledig oder frei machen, woraus die bed. losmaclien,
wegnehmen erfolgen konnte, so sp. quito ledig, los, quitar wegnehmen.
Griech. to/uog, xof.it] stimmen nur mit dem buchstaben.
Tomate sp. pg., tomitec, tomaco cat. eine fruckt aus Neuspanien,
liebesapfel, goldapfel; vom mexkan. tomatl (Cabrera).
Toraiza sp., tami^a pg. binsenstrick; von tomix dass.
Tomo sp. pg. körperlicher umfang, dicke, große, dsgl. gewicht d. i.
Wichtigkeit; wohl von tomus buch, band, das man dein synonymen volumen
auch in dieser anwendung gleich stellte.
Tona pg. dünne rinde oder schale von bäumen und fruchten. Von
tunica? aber der Portugiese wirft die endung Yc nicht ab. Vielleicht ein
alteinheimisches wort. Im kymrischen findet sich tonn (m.) kruste, schale,
haut.
Tonto sp.pg. dumm; von attonitus, daher auch sp. atontar betäuben.
Toria cat. senket, ableget. In diesem worte scheint sich das von
dem Spanier Golumella gebrauchte turio {schößling) mit geringer Verän-
derung erhalten zu haben. JSs wäre also mit kurzem u turio anzunehmen,
da langes u nicht zu o wird.
Tormo sp. hoher einzeln stehender felsen; für torao, vom alts. altn.
mhd. turn (lat. turris), um es von torno drehscheibe u. dgl. zu unter-
scheiden, pr. aber torn, nach Raynouard crempart\ Oder läßt sich ein
passendes etymon aus einer näher liegenden spräche aufweisen?
Torezon sp., alt torzon bauchgrimmen ; von torsio (Cabrera), it.
torzione.
Torrar 5p. pg. cat., sp. auch turrar und esturar rösten, sengen;
von torrere, extorrere. Man fühlt sich, versucht, an das dtsehe dorren
(adj. ahd. durri, goth. thaürsus) zu denken, da die umbiegung der 2. coty.
ILb. TORVISCO-TRASTO. 493
in die 1. im span. so selten vorkommt. Aber sie kommt vor (s. oben mear)
und somit muß dem lat. etymon jedes andre weichen. Die 3. conjugations-
form im occit. estourrir hat weniger befremdliches. Das churw. torrer
blieb der lat. form getreu.
Torvisco sp., pg. trovisco ein südeuropäischer Strauch, daphne
gnidium L.; von turbiscus bei Isidorus, quod de nno cespite ejus multa
virgulta surgant quasi turba.
Tosco sp. pg. grob, rauh (von Sachen und personen); unbekannter
entstehung. J. Febrer braucht es auch in gutem sinne, wenn er eine
Jcriegerschaar gent valenta e tosoa nennt str. 97.
Toura pg. unfruchtbare kuh. Tauras vaccas steriles appellari ait
Verrius. So sagt Festus und auch bei Varro und Columetta bemerkt man
das wort. Eine abl. davon ist das prov. adj. törija zsgz. turga un-
fruchtbar (von fr auen gebraucht) , neupr. turgea, piem. targia, dsgl. norm.
torliere (von taurula) s. v. a. pg. toura.
Touräo pg. wiesei; woher?
Toxo (tojo) sp.ginster, pg. tojo dorngestrüpp ; unbekannter herkunß.
Tozo arag. winzig, zwergmäßig, toza stumpf stümmel, tozar stoßen,
anstoßen; von tunsus klein gestoßen.
Tozuelo sp. nacken. Nach Covarruvias bezeichnet es den fleischi-
gen nacken zumal der thiere, und steht für torzuelo von torus muskel,
umist; grammatisch unverwerflich.
Tragar sp. pg. verschlingen, hinunterschlucken, auch sard. tragare.
Lat. trahere heißt ziehen, in sich ziehen, daher auch trinken; hieraus
konnte mit erweiterter bedeutung sp. trahicare traigar tragar abgeleitet
werden, ebenso ward aus volvere volvicare volcar.
Trage sp., trajo pg. art sich zu Meiden, iracht; vom sp. traer tra-
gen (ein kleid), lat. trahere, im mlatein zur beseitigung des hiatus trägere
geschrieben und gesprochen, s. struggere IL a.
Trailla sp. eine walze die erde zu ebenen; von traha schleife
{Cabrera).
Trapiche sp. pg. zuckermüMe; von trapetnm Ölpresse (derselbe).
Trasegar sp., pg. aber trasfegar, cot. tra&gar aus einem gefäß
in das andre gießen, umgießen, umkehren, sbst. trasiego, trasfögo, tr&fag.
Etwa von trans-aequare aus dem gleichen bringen, umkehren, ausgießen,
wie fr. verser beide letztere bedeutungen zeigt? Allein eine so müßige
einschiebung des f ist gegen alle erfahrung. Vielleicht ist dieser buch-
stabe nur ein geschärftes oder aspiriertes v und trasfegar steht für tras-
vegar, gleichsam trans-vicare von vicis Wechsel, woher auch sp. vegada
und mit gleicher aspiration fr. fois. Die grundbedeutung wäre hiernach
umwechseln, umtauschen.
Trasgo sp. pg. pöltergeist, der das küchengeschirr durcheinander-
wirft (s. Covarruvias) ; von trasegar umkehren, vermuthet J. Grimm Myth.
473, vgl. die vorrede dieses Wörterbuches.
Trasto sp. pg. alter hausrath; wohl von transtrum batik, a potiori.
494 IIb. TRAVIESO-TUERO.
Zu trasto paßt formell altfr. traste querbalken, sichtbarlich von transtrnm,
dem auch diese bedeutung ansteht.
Travieso sp., travesso pg. quer, trav£s sbst. quere, schiefe, atra-
yesar quer legen; von transversus, fr. travers u. s. w.
Trefe sp. schlaff, unächt, auch schwindsüchtig, pg. trefo, trefego
verschmitzt, arglistig, fehlt cat., abgel. pr. trefä treulos (trafan GAlb. 1381),
vb. trefanar, sbst. trefart. Seckendorf im Span. wb. verweist auf das hebr.
trefe krank; er meint wohl terefa das von wilden thieren zerrissene fleisch,
das deshalb zu essen verboten ist, dsgl. (später) die verdorbene speise, im
judendeutsch schlecht, ungerecht, woran sich die roman. bedeutungen knüpfen
lassen.
Trepar sp. pg. cat. klettern; ursprüngl. wohl nur hinaufsteigen,
vom dtschen treppe, wie schon Moraes meinte, mhd. trappe, ndl. trap, altn.
trappa stufe, wurzelverwandt mit pr. troper IL c; vgl. occit. escalo treppe,
escalä klettern; lat. gradus stufe, fr. gravir. Aber cat. trepar bohren
erinnert an gr. xqinsiv, lat. trepit l vertu' Paul, ex Festo.
Treva pg. (nur im plur. üblich) dunkelheit; von tenebrae, sp.
tinieblas u. s. w.
Tri gar altpg. antreiben, beschleunigen, z. b. trigar os cavallos,
trigar a sua jornada S. Ros., daher sbst. trigan$a eile. Bedeutet also das
geqentheü des pr. trigar hemmen, von tricari: ist es etwa von extricari
entwirren d. i. losmachen, fördern? aber Wegfall der compositiofispartikel
ist ein im spanischen unerhörtes ereignis. In trigar muß man, sofern die
lautgesetze zu folgerungen berechtigen, eine gothische reliquie anerkennen:
threihan drängen, pressen = ags. alts. thringan, ahd. dringan, nhd.
dringen, konnte sich romanisch kaum anders aussprechen. Das port. wort
ist um so willkommener, als es die einmischung des n noch nicht verräth.
Trigo sp. pg. weizen; von triticum mit euphonischem ausfall der
zweiten silbe. Die andern sprachen bedienen sich dafür des lat. frumen-
tum, dessen bedeutung sie auf diese getreideart einschränkten, und dem
gemäß übersetzen es bereits althochdeutsche glossare mit weizi.
Trinca sp. pg. cat. dreiheit, drei dinge; muthmaßlich von trinitas,
das man aber aus scheu vor seiner heiligen bedeutung absichtlich entstellte,
s. ähnliche falle Rom. gramm. II, 492. Oder hat man nach dem muster
von unus unicus, aus trinus trinicus geformt?
Trocir altsp. hindurchgehen, sterben; von traducere, s. Sanchez
glossar zum Cid.
Tropezar sp. pg. stolpern, sbst. tropiezo, trope^o; dsgl. pg. tro-
picar, sp. mit eingeschobenem m trompicar. Wie das begriffsverwandte
tropellar aus tropel (häufe) entstand, so das gegenwärtige verbum aus
dem primitiv tropa: altsp. findet sich auch en-tropezar Älx. und en*
trompezar. Befremdlich ist hier das suffix ez, das übrigens auch in
bostezar {aber präs. nicht bostiezo wie tropiezo) und acezar vorliegt.
Trujal sp. Ölmühle; von torcular presse, wie Cabrera richtig erklärt.
Tuero sp. scheu holz, pg. toro entzweigter baumstamm> rümpf des
IIb. TULLIRSE-USTED. 495
korpers, lomb. toeur (tör) Motz; von torus muskel, wie sp. mufion muskel
und stümmel heißt; minder nah liegt lat. torris. Dahin auch sp. atorar
stecken bleiben (wie ein block oder wtdst), das nicht von obtürare her-
rühren kann.
Tullirse sp., tulirse cot. gliederlahm werden = pg. tolherse de
membros, von tollere wegnehmen, zu gründe richten, altsp. toller.
Tu reo altsp. schnöde, unbescheiden, bei Santülana proverb. p. 36
(Madr. 1799); von dem völkernamen Turco. So auch sie. turcu, piem.
turch starr, unbeugsam u. dgl.
T u s ar und atusar sp. das haar glatt scheren; von attondere attonsus.
Tütano sp. pg., tuetano sp. mark der knocken.
u.
Uneir sp., alt juncir ochsen anspannen; von jüngere, vgl. ercef
von erigere.
Ufia sp., unha pg. nagel, kraue; von ungula, it. unghia.
Upa, aüpa sp., cot. vai. upa, fehlt pg., ermunterungsruf besonders
für die kinder, aufgestanden! munter! vb. sp. upar sich anstrengen um
sich zu erheben. Das zusammentreffen mit goth. Yup, iupa avej, alts. up,
dp, upa ist überraschend, zumal da auch ein verbum, z. b. ags. uppian
sich erheben, oitn. yppa erheben = sp. upar, stattfindet. Die interjeetion
steht auch dem Basken zu geböte, s. Larramendi s. v. und Astarloa Apol.
p. 260, das verbum scheint ihm zu fehlen.
Urea sp. pg. ein fahr zeug; nach Aldrete p. 65° vom gr. obeag: da
aber urca auch sturmfisch heißt, lat. orca, und letzterem auch die bed.
tonne zusteht, so*ist lat. Ursprung wahrscheinlicher.
Urce sp. pg. heidekraut; von erlce dass. (Cabrera).
Urraca sp. pg. eistet. Covarruvias räth auf furax diebisch und
Seckendorf bringt ein altsp. farraca, dem jedoch die port. form wider-
spricht. Schwerlich ist der edle span. frauenname Urraca (tu den Ur-
kunden Hurraca und Orraca) daher entnommen, leichter fand das umge-
kehrte statt: heißt ja doch derselbe vogel auch marica Mariechen, dsgl.
bask. urraca, nach Mahn p. 38 von urra Jiaselnuß.
Usted sp., plur. ustedes, persönl. pronomen der ehrerbietung, ab-
gekürzt aus vuestra merced, entsprechend dem it. vossignoria, dem deut-
schen euer gnaden. Die abkürzung ist stark, wird aber durch die ähn-
lichen falle usencia aus vuestra reverencia oder usenoria aus vuestra
sefioria so wie durch die catal. formen mit anlautendem v vostä, vosencia,
vosenyoria bewiesen ; auch sagt man im gemeinen Üben vosastä für usted.
Andre, selbst J. v. Hammer, erkennen in letzterem das arab. ustäd herr,
meister, ohne zu bedenken, daß sie für vosencia oder vosenyoria alsdann
keinen rath haben, daß ferner usted feminin ist und daß endlich, als
dieser ehrentitel aufkam, es mit dem einfluß arabischer sitten auf die
spanische bevölkerung zu ende war.
496 IIb. UVIAR- VELAR.
Uviar, ubiar, hubiar, huyar ältsp. helfen PG. 1189. 1192. 1217,
hinzukommen 3331, begegnen, widerfahren Bc. Mü. 96 u. s. w., nicht,
wie Gayangos meint, Conq. ültram., gleichbedeutend mit haber. Die
Schreibung mit h ist eben so inrthümlich wie die herleitung aus irgend
einem andern worte als dem nachclassischen obviare entgegen kommen, ab-
helfen. Ubiar ist gewiß älter eis das erst aus dem latein wieder einge-
führte obviar, it. owiare hindern. Zsgs. ant-uviar zuvorkommen, be-
schleunigen, sbst. antuvio.
v.
Vacfo sp., vasfo pg. leer, sp. vaciar, pg. vasar ausleeren; von va-
civus bei Plautus und Terenz.
Vä guido sp., vdgado, väguedo pg. Schwindel, adj. sp. väguido
schwindlig. Wurzel und büdung können deutsch sein: goth. vagjan, ahd.
wegjan schütteln, schwingen, ags. vagian, engl, wave wollen, wogen, daher
sbst. ahd. wagida, wegida Schwingung; vaguido. stände also euphonisch
für guagnido, s. darüber vague II, c, ein aus derselben würzet stammen-
des wort.
Vaiven sp., vaivem^. Schwankung; zsgs. aus vaviene otfervay
viene geh und komm, geh hin und her.
V&stago sp. Schößling eines baumes, fehlt port.? von ungewisser
herkunft. Man erinnert an gr. ßXctavoq Schößling, adj. ßlacTixog.
Veado pg. hirsch; von venatus wüdpret, mit ausgestoßenem n nach
port. brauch, sp. venado, wal. vunat.
Vedija sp. wollflocke, schöpf von verwickeltem haar, vgl. chw. va-
deglia, comask. vedeglia flocke; dazu (denn gu kann aus v entstanden
sein) sp. guedeja haarlocke, löwenmähne, pg. guedelha, gadelha langes
haar, felbel. Nicht wohl vom ahd. wadal, wedil, nhd. wedel, da die
regelrechte form guallo oder guadel gewesen wäre. Die span. etymologen
leiten beide Wörter vom lat. vellus her: dieser übertritt des 1 in d ist
freilich ungewöhnlich und läßt sich nur aus dissimilation, um das wieder-
holte 1 in velilla oder vellilla = vellicula zu vermeiden, rechtfertigen.
Vega sp. cot. sard., veiga pg. fruchtbare ebene; schon in den früh-
sten Urkunden vorhanden, z. b. in einer gallicischen vom j. 757 Esp. sagr.
XL, 362. Es soü baskisch sein, nach Larramendi entweder von bera
tiefes land, oder von be-guea ohne höhlen d. i. fläche. Merkwürdig ist
die altpg. form varga SRos., wenn sie als eine solche genommen werden darf.
Velar sp. pg. trauen, priesterlich einsegnen zur ehe; eigenÜ. ver-
schleiern, weil die braut mit einem schleier erscheint (oder erschien,
Moraes), daher die neuvermählte velada, aber auch der gatte velado heißt.
Es hat sich also in diesem span. worte das wiederholt, was sich im lat.
nubere und (nach Grimm, vorrede zu Schutzes Goth. wb. p. XIII) auch
im goth. liugan (verhüllen, heiräthen) ereignet hat.
IIb. VENCEJO-VISLUMBRE. 497
Vencejo sp. band zum festbinden; von vinculum, gleichsam vin-
ciculum.
Venta sp. einsam an der landstraße Hegende herber ge. Dasselbe
wort heißt auch einkauf = it. vendita, wogegen altfr. vente auch den
ort des einkaufes, markt, /lalle bedeutet, und hiermit muß die erstere be-
deutung des sp. venta zusammenhängen, vgl. sp. fonda wirthshaus und
ndat. funda Sammelplatz der kaufleute. Hacer venta heißt einkehren.
Ventana sp. fenster; ursprüngl. wind- oder luftloch, von ventus:
so cdtn. vind-auga, dän. vindne windbffnung. Mittelst desselben Suffixes
entsprang Solana sonniger platz aus sol. Das port. wort ist janella,
das man aus janua ableitet. Veraltet ist finiestra, hiniestra.
Verdugo sp. frisches reis, von verde, viridis; dsgl. degen mit sehr
schmaler klinge, it. verduco ; auch ein name des henkers, insofern er ruthen-
streiche zu geben hat. Nach Gabrera entstellt aus virgultum, aber das
suffix ug ist unbestreitbar. Die zweite bedeutung zeigt auch das fr. ver-
dun bei Marot und Babelais, das aber aus dem städtenamen Verdun, wo
man dergleichen degen verfertigt haben soll, erklärt wird, man sehe z. b.
Heiffenberg1 Bull, de Vacad. de Bruxdles VIy num. 4. Amadis hieß fr.
le Chevalier de la verte 6p6e; was hat verte hier zu bedeuten?
Vereda sp. pg. pfad; via, per quam veredi vadunt, erklärt Du-
cange h. v., vgl. fr. vräder IL c. Man trifft es schon in einer Urkunde
von 767 Esp. sagr. XL, 363: postea vadit ad illa vereda, quae venit
de Rovera.
Vericueto sp. rauher, unebener weg; vom bask. biregueta, eigentl.
bide-gue-ta d. i. wegloser ort, s. Larramendi.
Veta sp., pg. beta oder im holze u. dgl., streif im zeuge, band, pr.
veta in letzterer bed.; von vitta binde.
Viga sp. pg. balken. Die prov. und cot. form ist biga, die kaum
ein ursprüngliches v annehmen läßt. Nach Govarruvias bezeichnet viga
den horizontalen balken, auf dem die dachsparren ruhen : sollte man ihn
benannt haben nach lat. biga wagen, in so fem dieser ähnliche sparren
trägt? Columella kennt vibia querholz: es hätte sp. vija gegeben, nicht viga.
- Villancicosp. kirchenlied mit musicalischer begleitung besonders
für das weihnachts- und frohnleichnamsfest, s. Rengifo Art. poet. und Co-
varruvias; ursprüngl. Volkslied, ländliches lied, von villano, welche bedeu-
tung auch das pg. villancete, das sp. villanesca hat.
Vinco pg. falte, dsgl. geleise des wagens.
Virtos (pl. masc.) Streitkräfte nur im Poema del Cid, zweimal:
crecen estos virtos, ca gentes son soberanas 663; virtos del campeador
& nos vienen bnscar 1606. Nach Sanchez von lat. virtus mit hinweisung
auf dessen mittell. bed. copia, vis hostilis (?). Hieraus entsprungen wäre
das wort ein unding: ihm widersprächen accent, declination und genus.
Es muß eine andre bewandtnis damit haben.
Vislumbre sp. pg. falsches oder schwaches licht; eigentl. bis-lumbre,
s. bis 1.
32
498 IIb. VOLCAR-ZAFIO.
Volcar sp. umkehren, cot. bolcar und embolicar einwickeln, limos.
boulcä. ausschütten; für volvicar van volvere. Wohl auchpg. emborcar
umkehren für embolear.
x.
Xabeca, xabega sp. großes fischernetz; vom arab. schabaka netz.
Man vergleiche über dieses wort mit rücksicht auf chaveco /., Dozy
Gloss. 352.
Xaqueca sp., xaqueca pg. einseitiges köpf weh; vom arab. schaqt-
-qah dass. Frey tag U, 437b.
Xara 5p., xara pg. ein Strauch, wilder rosmarin, xaral ein mit
solchem Strauchwerk bewachsener platz, adj. xaro sp. wildschweinartig von
borsten; vom arab. scha'rä, welches P. v. Alcala mit mala, breha übersetzt.
Aus dem span. ist das bask. chara, nicht umgekehrt. — Eine Urkunde
era 684 hat ad ixaralem de Postello . . . ipsa karral (l. xarral) Tep.
II, n. 13: ist sie unverdächtig, so kann das wort kein arabisches sein. —
Ein mit xara gleichbedeutendes wort (ob aber auch ein volksübliches und
altes?) ist sp. ladon vom lat. lada, leda (Aj^og) cistus creticus, das nur
in dieser roman. mundart vorzukommen scheint.
Xarifo sp. schön, schön gekleidet; vom arab. scharif edel Freytag
II, 414*, wohlbekannt aus dem türkischen hatti scherif edle handzeichnung
d. i. kaiserliches decret.
Xato, xata sp. kalb; vom arab. scha't junger zweig, Setzling Freyt.
II, 421b bildlich genommen? aber das arabische wort kennt diese bild-
liche anwendung nicht.
Xfcara sp. tasse, chocolattasse, daher pg. chfcara, it. chfcchera;
aus dem mexicanischen, s. Mahn p. 18.
Y.
Yantar altsp., jantar pg. frühstücken, chw. ientar; von dem seltnen
lat. jentare, in alten glossen bereits jantare.
Yerno sp. eidam; von gener, pg. genro, fr. gendre.
Yerto sp. struppig; von hirtus, pg. hirto, it. irto. JJUfr. en-herdir
sich sträuben (vom haar) LJ. 483* .
z.
Zabullir 'sp. untertauchen; eigentl. brudeln, blasen werfen auf der
Wasserfläche, von sub-bnllire (Covarruvias).
Zafio sp., safio pg. plump, ungeschliffen; vom arab. g&fi gleichbed.
(Dozy 358).
IIb. ZAFO-ZARAGUELLES. 499
Zafo sp., safo pg. frei von Hindernissen, ledig, quitt, zafar, safer
frei machen von etwas, putzen, schmücken; muthmaßlich vom arab. saha
abrinden, abhäuten, abschaben d. h. putzen Freyt. II, 294*. Morüau
Dicc. etym. 466 verweist dagegen auf lat. salvus, engl. safe.
Zaga sp. attpg. gepäck hinten auf dem wagen, hinterer iheil eines
dinges, altsp. zaga adv. hinten; zsgs. sp. rezaga nachtrab, welche bedeu-
tung im Poema del Cid auch zaga einnimmt. Die span. etymologen er-
klären das wort für ein arabisches, bei Engelmann säqah nachtrab. Zu
erwähnen ist auch Larramendi9s deutung aus bask. atzaga ende, von atzea
hinterer theil eines dinges.
Zagal sp. pg. schäfer, im span. auch kräftiger junger mann. Leute,
die der Witterung ausgesetzt waren, zumal Hirten, trugen das sagum, da-
her sagal, zagal? Engelmann dagegen zeigt arabischen Ursprung: zagal,
den wbb. dieser spräche fehlend, heißt bei Pedro von Media muthig, tapfer
(vgl. die zweite span. bed.) und ist auch sonst nachweislich.
Zaherir sp. einem etwas vorwerfen (einen fehler oder selbst eine
wohlthat), fehlt port. cat.; nach einem altern span. etymologen (s. bei
Morüau 466) von *sub-ferire arglistiger weise verletzen; um so annehm-
barer, als dem Catdtanen das klare lat. ferire in dieser bedeutung genügt.
Zaino sp. pg. dunkelbraun ohne helle flecken (von pf erden); soll
arabisch sein, doch fehlt ein sicheres etymon (Bozy Gloss. 362). Daher
das gleichlaut. ital. wort.
Zalagarda sp. Hinterhalt; ein ganz deutsches wort, zsgs. aus zälä
verderben und warta lauer, und doch dürfte für ersteres passender das lat.
celare angenommen werden.
Zalea sp. Schafpelz mit der ganzen wolle; vom bask. osa ulea die
ganze wolle (Larramendi).
Zamarro sp. Schafpelz, zamarra, chamarra, sard. acciamarra daraus
gefertigter weiter rock, it. zimarra, pr. samarra Flam., daher auch fr.
chamarrer verbrämen; eigentl. Hausrock, vom bask. echamarra zeichen
des Hauses, nach Larramendi, der aber zamarra von chamarra etymologisch
trennt.
Zambo sp. krummbeinig; leitet man richtig vom gleichbed. scambus.
Zanahoria sp., pg. cenoura pastinake; erklärt Larramendi aus
dem baskischen, worin es gelbe würzet bedeute. Nach der färbe nennt sie
auch der Catdtane safranaria.
Zangano sp., pg. zangäo dröhne (brutbiene), faulenzer, der auf
fremde kosten lebt; ist das it. zingano zigeuner d. i. landstreicher.
Zaque sp. weinschlauch; vom bask. zaguia, zaquia, zsgz. aus zato-
quia lederschlauch (Larramendi).
Zarag Helles sp. (m.plur.) eine ort altmodischer Hosen mit falten,
ndat. (plur.) saraballa, sarabella, sarabara u. a. formen s. Lief. Gloss.
lat. germ. 612* eine weite beinbekleidung , fluxa et sinuosa vestimenta
Ugutio, miUdgr. aagaßoQa, arab. serval (serual), woher auch pg. ceroulas
Unterhosen.
500 II. b. ZARANDA-ZURRAR.
Zar an da sp., ciranda pg. kornsieb, sandsieb; vom ardb. sarandah,
dies vom vi. sarada verketten, verweben (Sousa). Das ardb. wort aber
hat bei Golius 1165 nur die bed. 'wohl zusammengefügt'. Das etymon ist
noch zu finden.
Zarcillo sp., alt cercillo ohrring; von circellus ringet, beiApicius,
bask. circillua.
Zar co sp. pg. hellblau, von äugen, sie. zarcu blaß; vom arab. zarqä
(fem.) gleichbedeutend.
Zarria sp. schmutz, der sich unten an die Kleider hängt; vom bask.
zarria, charria schwein (Larramendi).
Zato sp. stück brot; vom bask. zatoa stück (Larramendi), labort.
zathia.
Zirigana sp. übertriebene Schmeichelei; vom bask. zurigana, churi-
gana (wofür auch umgekehrt gainchuritu) der oben geweißte (verschönerte)
theil, s. Larramendi.
Zor ra sp. pg., altsp. zurra fuchs, daher pg. zorro, bask. zurra listig,
verschlagen. Muthmaßlich vom vb. zarrar das haar abschaben, da, wie
auch Covarruvias anmerkt, der fuchs im sommer das haar verliert, vgl.
gr. älco7t€xia das ausfallen der haare, von dXci7tr)£ fuchs. Zorra wäre
also ein Schimpfname des thieres, schäbiges feil, der auch in der bed.
öffentliche dvrne = lat. scortum fühlbar ist: nur zufällig trifft damit das
ahd. zaturrä, aus dem es allerdings grammatisch entstehen konnte, zu-
sammen. Anzumerken ist hier auch das pr. zoira cvetus cemis GPrav.
65a, das wenigstens dem ahd. zoha (zauke, hündin) nicht entstammen kann.
Zorzal sp. pg. ein vogel,' drossd; vom arab. zorzäl, einer andern
form von zorzur staar, aber auch drossd (Dozy 369).
Zozobrar sp. stürm oder Schiffbruch erleiden; von so unter und
sobre über, das unterste zu oberst kehren.
Zumaya, zumacaya ein vogel, käuzchen; nach Larramendi baskisch,
zumba-caya fähig zu spotten (nach seiner stimme). Oder ist es aus sp.
zumba-cayo spottende dohle, von caya mit vertauschtem genus, was in
compositis öfter vorkommt?
Zum bar sp. sumsen, summen; naturausdrucJc.
Zumo sp. saß; vgl. gr. ^wf.i6g brühe.
Zupia sp. sauer gewordener wein, ausschuß, wegwurf; vom bask.
zupea, zurpea bodensatz der kufe (Larramendi).
Zura, zuro, zurana, zurita, zorita die in f eisen nistende taube,
Holztaube.
Zurcir sp., pg. cirzir, serzir, cat. snrgir mit weiten Stichen nahen;
wohl von sarcire flicken, dem sich wenigstens das pg. serzir zuneigt.
Zurdo sp. link, links; von surdus taub. Wer nicht gut hört, ist
also links; in den mhd. lerz und lere begegnen sich auch die begriffe
links und stammelnd.
Zur rar sp., surrar pg. gerben, durchprügdn, durchpeitschen; Un-
gewisser herkunft. Die grundbedeutung ist 'haar abschaben, wie auch
II. b. ZURRIAGA-ZUTANO. 501
das port. Wörterbuch aussagt, also vielleicht aus surradere zusammen-
gezogen.
Zurriaga sp. peitsche; vom bask. zurriaga, wofür auch azurria ge-
sagt wird, s. Larramendi und vgl. scuriada I., dem sein anlaut nicht
widerstrebt (z aus sc in zambo u. a.).
Zurrir, znrriar sp. summen; naturausdruck, lat. susurrare.
Zarron sp., surrao pg. schäfertasche, lederner beutet; vom arab.
(orrah geldbeutel, vb. $orra Freyt. II, 490a? Das catal. wort ist sarrö,
das bask. zorroa.
Zutano, citano sp., cot. sutano pronomen mit lat. quidam gleich-
bedeutend; unbekannter herkunft. Vermuthungen darüber s. Krit. anhang
p. 23. Zu beachten ist etwa lat. scitus der gewußte, bewußte, dem man
dasselbe sufftx beifügte, das man in cert-ano und sicr-ano pg. wahrnimmt,
denn citano ist mit zutano etymologisch gleichberechtigt.
502 II. c. AATIR— ABONNER.
C. FRANZÖSISCHES GEBIET.
A.
Aatir (ahatir) altfr. anreizen, besonders zum kämpf; sbst. aatie
anreizung, hitzige feindschaft (prendre aatie encontre qqun, faire aatie
k qqun), dsgl. aatine (auch astine geschr.), aatin A. d' Av. 86, mlat.
astia. Diese Wörter beschränken sich auf das franz. gebiet, ihr Ursprung
ist also vor allem im nordischen au suchen. Hier findet sich das vb. etja,
präL atta, part. att, gleichbed. mit aatir; sbst. at, auch etja, eta.* Das
anl. a der frans, nachbildungen ist die roman. präposition, die sich auch
in dem begriffsverwandten a-tiser eingefunden hat. Das it. astio hat mit
aatie keine Verwandtschaft.
Abait, abah. Im prov. Gir. de Boss. 3603 ff. heißt es: anem al
plah qu'aura lo reis en Fransa aquest mieh mah, e seran i siei eomte
e siei abah que jutgaran lo tort 'gehen wir zur gerichtssitzung, die der
könig in Frankreich in der mitte des maimonats halten wird, wo seine
grafen und seine beamten (?) sein und über das unrecht urtheilen werden*
Läßt sich abah anders erklären als aus dem bekannten ambactus oder
dem deutschen am bäht? Ab aus amb auch in abdos, ah aus act ist eine
bekannte eigenheit dieses gedicktes. Die franz. abfassung bei Michel 114, 1
hat entsprechend abait. Ähnlich verwandelte sich das ältgaüische wort
in das kymrische amaith.
Able fr. Weißfisch, mied, abula; von albulus, also euphonisch für
alble (wie foible für floible), Schweiz, albele, östr. albel, trierisch al£ der
bedeutung nach das lat. albunras bei Ausonius, s. Böcking zur MoseUa
126; span. albur.
Abomä und abosmö niedergeschlagen, niedergedrückt in moralischem
sinne, ein übliches altfr. adjeetiv. Die Schreibung mit s kann auf ein-
Schiebung beruhen, die ohne s ist keine jüngere, sie findet sich schon im
Psalter des Trin. coli. Von abominatus mit abscheu oder Widerwillen
erfüllt, eins der partieipien, worin passive Vergangenheit in active gegen-
wart umschlug: abominare abscheu haben, abominatus einer der abscheu
hat, s. Rom. gramm. III, 264. Auch embosmä sagte man, DMce.
p. 133, 15.
Abonner fr. auf ein unbestimmtes einkommen einen bestimmten
preis setzen, s' abonner sich als theilhdber an etwas unterschreiben; von
ILo. ABOYER-AGLAN. 503
bonus gut, bürgend, vgl. sp. abonar bürgen, gut heißen, versichern. Man
leitet es ohne noth van bonne gränze.
Aboyer fr. anbellen, altfr. abayer; von ad-baubari, das einfache
verbum bei Lucrez. Daher sbst. abois (plur.) die leisten cUhemzüge,
eigentl. des erliegenden hirsches, den die hunde umbetten.
Achamer fr. gierig machen; von caro fleisch, also ein (hier auf
das fleisch hetzen, part. acharnä eingebissen, erbittert, it. accarnare ins
K fleisch dringen, vgl. pg. encarni$ar reuen, erbittern.
Ache fr. (f.) eppich; von apium, it. appio, pg. aipo.
Acre (f.) ein flächenmaß; vom deutschen acker, in der älteren
spräche sowohl pflugland als auch ein langenmaß: ackers lanc, ackere
breit; schon goth. akrs. Die herleitung aus dem von Golumeüa gebrauch-
ten acnua (axaiva) hat zwar den buchstaben nicht gegen sich; daß aber
die schwestersprachen sich dieses wort nicht angeeignet, hat für die deutsche
herleitung einiges gewicht, welches durch das abweichende genus nicht ver-
mindert wird.
Adelenc pr. von hoher gehurt (nur im G. de Boss.), zsgz. altfr.
elin Boq.; vom ahd. adalinc, ediling, ags. ädheling, mlat. adaliDgus.
Ad es er, adaiser altfr., adesar pr. sich anhängen, dsgl. anrühren,
anfassen; frequentativ von adhaerere adhaesus, s. unten aerdre.
A durer altfr. woilon., pr. abdurar verhärten, aushalten, wie fr.
endurer, part. adnrä, abdurat hartnäckig, dauerhaft, ein häufiger beiname
der hdden; von obdurare mit vertauschter partikel.
Aerdre, aderdre altfr. pr. anheften, verbinden, ergreifen; von ad-
baerere, gespr. adhärere adher're mit eingeschobenem d, anhangen, franz.
in factitiver bed. anhangen machen, it. aderire.
Affa'ler fr. herablassen (schiff er ausdruck); leitet man passend vom
ndl. afbalen herabholen, herabziehen.
Affubier fr. vermummen; für afßbler, mlat. se affibulare sich ein-
hüllen, ursprünglich den mantd mit der fibula befestigen, it. affibbiare;
u für radicäles i auch im pr. fuvella GO. und afublalh, romagn. afiube.
Afre altfr. (noch itzt pl. affres, bürg. sg. afre) schrecken, grauen,
adj. nfr. affreux gräulich; entspricht mit buchstaben und begriff genau
dem ahd. adj. eiver, eipar acer7 horridus, immanis, Grimm III, 510,
Graff I, 100. Auch das it. afro (herb) scheint daraus entstanden. Piem.
afr wie franz.
Äge fr. aller, altfr. edage Hol., eage, aage; gleichsam aetaticum
von aetas. Zur erklärung des anlautenden a (für ae) im dreisilbigen
aage vgl. das synonyme altfr. a-6 aus ae-tatem und zur erklärung des
suffizes age das gleichfalls synonyme pr. antig-atge d. i. antiqu-aticum.
In der nfr. form ist seltsamer weise nur das suffix stehen geblieben, der
stamm ed, freilich im lat. nicht einmal ein stamm (aetas aus aevitas),
ist verschwunden, aber nicht ohne eine dehnung des a zu bewirken.
Aglan pr., cat. agl6, altfr. agland (so noch in Berry, lothr.
aiguiand) eichd. Vom lat. glans, aber vielleicht unter cinwirkung des gr.
504 ILe. AGRES-AIME.
axvlog oder, was buchstäblich näher liegt, des goth. akran frucht (ecket)
entstanden, da der Proveneale dem prothetischen a nicht hold ist.
Agr&s fr. (m. pl.) takelwerk, vb. agr£er mit tdkelwerk versehen.
Altfr. agrei hieß überhaupt ausrüstung, vorrath, agreier ausrüsten z. b.
curres wagen rüsten LRs. 27; mit vorgesetzter partikel a vom ndl. ge-
reide, gerei apparatus, gereeden parare KU. = goth. garaidjau, mhd.
gereiten, vgl. redo I.
Aib pr. (m.), mit abgeplattetem diphthong ab, eigenschaft Chx. IV,
398, sitte, gebrauch III, 153, zumal gute, feine sitte, bos aibs, adj. aibit
*morigeratus d. i. gesittet GFrov. 52a, gent abit fein gesittet GAIb. 3250,
aber auch mals aibs M. 1048, 5. 1075, 2. Ein merkwürdiges bloß der
ältprov. spräche bekanntes wort: um so eher darf tnan vermuthen, daß es
aus fremder quelle geschöpft ist, denn habitus (beschaff enheit), das sich
aus der grundsprache darbietet, hätte doch wohl ante ergeben, wie debitum
deute ergab. In er wägung kommt zunächst goth. aibr öioqov: gäbe konnte
sehr wohl als naturgalte aufgefaßt und auf sitte, gute sitte übertragen
werden; auch sp. donaire {von donum) ist zur bed. artigkeit, feine sitte
gelangt. Aber die richtige prov. form wäre aibre gewesen und dieser im
prov. kaum vorkommende Wegfall des auslautenden r ist dem bemerkten
etymon höchst ungünstig. Schlimmer noch ist, daß das nur einmal vor-
kommende goth. wort selbst nicht sicher steht, wenn auch Leo Meyer (Die
goth spräche 1869) nichts dagegen erinnert. Unter diesen umständen
verweist Mahn p. 41 auf ein bask. wort: aipua ruf, aipatu von jemand
reden: der ruf stütze sich auf die (Eigenschaften des menschen und so sei
es geschehen, daß man im prov. rückwärts schließend von der Wirkung auf
die Ursache gekommen. Das fortschreiten von der Ursache zur Wirkung
ist in den sprachen nichts seltenes, aber auch der umgekehrte Vorgang ist
gedenkbar. — [Doch möchte noch ein arabisches wort rücksicht verdienen:
aub 'celeritas, consuetudo, mos3 Freyt. I, 68b, dazu aus derselben würzet
aibah, wobei aber nur die bed. celeritas angemerkt ist. Aber das erstere
genügt, da au im prov. leicht in ai übergeht.]
AYeul fr. großvater; dimin. von avus, pr. aviol, it. ävolo, sp. abuelo,
pg. avö. *Auf das wiederum verkleinernde und kindisch machende oder
auch auf das ehrwürdige hohe alter wird die diminutive oder kosende form
passend übertragen'. Grimm III, 677, wo ähnliehe altdeutsche verkleine-
rungen bemerkt sind.
Aiglent altfr. z. b. Rom. fr. p. 33, pr. aguilen Hagebutte; abgel.
pr. aguilancier, aiglentina, fr. ^glantier dornstrauch; aiguille, aguilha
mit dem suffixe ent, lat. gleichsam aeuculentus stachelig.
Aigu fr. spitz; von acutus.
Ailleurs fr., alhors pr. adverb; von lat. aliorsum, das nach Goto
und den komikern veraltete und ins mlatein aus der Volkssprache wieder
aufgenommen ward; s. 0. Müller zum Festus.
Aime altfr. ein weinfaß Carp. s. v. ama; von hama (apit}), im
mlatein häufig und in verschiedenen bedeutungen ama, daher mhd. äme,
IL c. AIN-ALIZE. 505
ome, nhd. ohm, altn. äma u. s. w. In der bed. Schätzung nach dem
augenmaß ist aime = esme, s. esmar L
Ain altfr. fischangel; von hamus, it. amo, 5. auch ancino 7.
AinQois altfr., anceis pr. adverb, vorher, eher} prius. Etwa zsgs.
aus rem. ans-eis = lat. ante ipsum d. i. vor-dem, vor dieser zeit In-
dessen sind noch andre mögliche quellen dieses Wortes zu berücksichtigen.
Ein griechisch-lat. glossar übersetzt ttmQoaQ'Sv (vorher, vormals) mit
anti-secus DG., worin secns auf lateinische weise fast müßig steht : dies
Jconnte sich romanisch zusammenziehen in antsecs anceis (c aus ts), also
nach form und begriff vollständig zutreffend. Ein anderes beispid roma-
nischer Zusammensetzung mit secns ist das alte sard. assecns (nachher,
hinterdrein) von ad-secus nach Ddius, Sard. dialekt des 13. jh. p. 18.
Ferner würde sich das für anzi (s. thl. I.) aufgestellte antins sehr wohl
auf anceis anwenden lassen. Darüber wäre also zu entscheiden.
Ain 6 fr. adj. älter, sonst ains-n£ geschrieben, von ante natus. Vgl.
alnado II. b.
Ais fr. breit, von axis, assis, it. asse; dimin. aisseau schindel, von
axiceUus, assicellns, iL assicella.
Aisil, aissil altfr. essig; entstellt aus acetum, it. aceto, wal. otzet,
chw. aschaid, ischen. Dasselbe wort ist engl, eise], älter aisyl Halliw.,
schon ags. aisil, eisile, statt des üblichen eced, goth. akeit (ahd. ezih um-
gestellt für ehiz). Gemeinrom. ist nur der zusammengesetzte ausdruck
vinura acre, fr. vinaigre u. s. f.
Aisne altfr. Weinbeere Voc. duac; von acinus, it. acino, vgl. Du-
cange s. v. esna.
A16rion altfr. ein raubvogel: faucons ne aigle ne alerions ne
p&rasent veoir si cler FC. II, 330; ein ross braust daher wie ein alerion
GNant. p. 67; daher auch pferdename Alex. 28, 9. Als heraldischer
ausdruck gut es noch immer für einen adler ohne schnabd und fuße.
Bord verzeichnet aus BibU historial ein synonym ai liier: si comme
aigles, ailliers et escoufles, und läßt alerion daraus entspringen. Was
aber die Herkunft von aillier betrifft, so ist wenigstens an aquil-arins nicht
zu denken, weil es der beruf des Suffixes arius nicht ist, nebenbestimmun-
gen des primüivs auszudrücken, wie dies in aquila adler, aqnilarins ort
adler der fall sein würde, sondern einen selbständigen begriff einzuführen,
wie im franz. die thiernamen b^l-ier, lim-ier, pluv-ier, verd-ier lehren.
Dagegen konnte das wort, wie 6pervier aus sperber, aus dem gleichfalls
deutschen adler, adelär, geschaffen werden, um, wir wissen nicht welchen
raubvogel zu benennen.
Algier, algeir altfr. speer Böl.; erinnert an das synonyme ahd. azg&r,
ags. ätgär, altn. atgeirr, s. darüber Grimm II, 717, Mhd. wb. I, 498.
Alhondre prov. ortsadverb; von aliunde.
Alize (alise) fr. (f.) die frucht des alizier d. i. des Crataegus tor-
minalisy auffallend mit unserm e\se>-beerc übereinstimmend. Für dieselbe
frucht und densdben bäum halt man altfr. alie (oft als Verstärkung der
506 II. c. ALLOUER— AMBORE.
negation gebraucht) und alier, e. b. SSag. ed. Le Boux d. L. p. 22 un
alier . . bien chargiez d'alies meüres, neupr. aligo, aliguier. Bei dem
ungemein seltnen ausfall des s /zwischen vocalen ist in alie kaum eine
form von alise anzunehmen.
Allouer fr. gelten lassen, zugeben; am natürlichsten von louer =
tat. laudare, das die bedd. rathen, billigen entwickelt hatte. Sbst. allouä
Sachwalter, verweser führt mit seiner bedeutung unmittelbar auf louer =
locare, it. allogare hinstellen, anstellen, wiewohl es auch von dem ersteren
verbum einen zugelassenen, gutgeheißenen ausdrücken konnte.
Altärer fr. 1) verändern, 2)' verderben, verfälschen; von alter, da
ein lat. alterare fehlt. Die zweite auch im prov. vorhandene bedeutung
erinnert an Festus bemerkung: alter et pro non bono ponitur, womit
0. Müller das gr. tiregog vergleicht. Die schwestersprachen haben das-
selbe verbum mit denselben bedeutungen. Sofern aber altärer 3) durst
machen heißt (schon B. Stephanus hat alt&ä 'siticulosusj, so wird man
Egger beipflichten müssen (Inscript XXIV, 2, 339), der eine entstettung
aus artärier darin vermuthet. Arteriatus nämlich bedeutet im mittdlatein
einen, ' cujus fauces rheumcUizant\ also entzündet sind und durst leiden, DC.
In alten deutschen glossaren wird arteria schlechthin mit halsader übersetzt.
Alaine fr. wermuth; von aloe, dem namen einer gleichfalls bitteren
pflanze, mit dem sufftx ine, das häufig pflanzennamen bildet (amarantine,
argentine, avelline, balsamine, äglantine cet.), ui für oi wie auch sonst,
z. b. muid aus modius. Überdies findet sich mit erweichtem n altfr.
alogne, dafür auch aloisne Roq. suppl. 195* , Alex. 279,14, sp.pg. alosna,
losna, mlat. aloxinum, s. Altrom. glossare 40; und dieses wort macht
die gegebene deutung von aluine zweifelhaft. Andre deuten es aus ahovy-
yta (fj xeXzixrj vagdog), einer Variante von oaliovyyux, dem namen eines
andern krautes, bei Dioscorides.
Amadouer fr. anlocken, liebkosen, daher das spätere in der 1. ausg.
der Akademie noch nicht aufgeführte sbst. amadou zunder ßoekspeise, vgl.
esca I.)y zsgs. vb. ramadouer. Die vorgebrachten deutungen, z. b. die
aus amatus, befriedigen nicht. Das wort sieht schwierig aus, an seiner
lösung ist aber nicht zu verzweifeln. Das altn. vb. mata, dän. made, heißt
atzen z. b. junge vögel (goth. matjan essen), daraus a-mad-ou-er (wie
baf-ou-er, s. beffa I.) eigenfl. mit speisen anlocken, it. ad-escare. Zu er-
warten war freilich amatouer, daß aber goth. t mitunter zu d herabsteigt,
darüber sehe man Rom. gramm. I, 312. Die pic. form ist amidouler.
Ambore, ambure altfr. s. v. a. ambo, meist neutral, aber auch als
unflectiertes adjeetiv gebraucht. Bsp. ambur en terre et en mer (wie
engl, both-and) Ben. III, p. 603; e si dient ambore e saver e folage
Chart, p. 27; Chevaliers et serganz ambore Ben. I, p. 276; ambur ocit,
ambure cravente Bei. p. 264. Man hat dabei an den genitiv amborum
gedacht, aber dieser casus kann sich hier mit nichts rechtfertigen. Ein
neuer deutungsversuch war der folgende (Born, gramm. II, 416, 2. ausg.).
1 Wie ambo mit duo verbunden ward, so dürfte eine Verbindung mit uter,
ILo. AMENDER-ANCETRES. 507
utrum als ein möglicher fall angenommen werden : amb-utmm Konnte nach
den lautgesetzen allerdings ambure ergeben. Liegt nun auch in der form
keine Schwierigkeit, so konnte eine solche in der Bedeutung liegen, da sich
uter auf eins von zweien, nicht auf zwei besieht. Aber es war leicht, von
eins auf zwei überzugehn, da man bei diesem worte die zweizahl immer
im sinne haben mußte: auch alteruter schritt fort von der bed. eins von
beiden zur bed. beide, uterque/ Von dieser weicht eine spätere etymologie
(des verf.) beträchtlich ab. Man hat bei diesem worte übersehen, daß es
über Frankreichs grunzen hinausgeht, denn auch Italien besitzt es in dem
veralteten indeclinabdn ambaro, z. b. facea tremare amburo le sponde
bei Buti (14. jh.). Da es nun ausschließlich, wie es scheint, in Italien
und in der Normandie, nickt zwischen beiden gebieten, heimisch ist, so
muß es von dem einen auf das andre gebiet verpflanzt sein, was bei dem
verkehr zwischen Normandie und Süditalien leicht geschehen konnte. Nimmt
man an, es sei in letzterem lande entstanden, und schlägt man den da-
selbst fühlbaren griechischen ein flu ß an, so scheint äjttyoTeQOv ein berech-
tigtes etymon, um so mehr als afifpoTeQov-xal, ganz wie ambure-et, auch
conjunctional gebraucht wird. Das richtige product des griechischen Wor-
tes wäre allerdings amforo gewesen; es war aber ganz natürlich, daß man
es dem tat. ambo annäherte. S. Jahrb. für roman. litt. V, 413.
Arne nd er, amende, amendement, eine schon um die mitte des 12.
jh. vorkommende, im prov. Boethiuslied, welches v. 12 emendament, v.
260 aber mit anlautendem a amendament schreibt, noch hoher hinauf-
reichende entstellung aus emender, die auch ins ital. eingegriffen hat.
Ampleis altfr. adverb für lat. amplius, im Psaut. Bodl. (p. 50.
61. 73. 87. 89. 102), sonst nirgends? Bei Boquefort steht noch ein un-
belegtes amplus. Prov. und altfr anz. finden sich mehrere neutrale com-
parative auf eis oder ois, wie sordeis (sordidius), forceis (fortius), gen-
ceis, gences (gentius für genitius), longeis (longius). Für diese, wenig-
stens für die drei letzteren, läßt sich nur eine abnorme Umbildung oder
umbiegung aus den beigefügten lateinischen originalen annehmen, indem
der accent auf i fortrückte, welches nach romanischem brauche in e über-
trat und sich dann in ei dehnte. In sordeis gieng dieser wandet leichter
vor sich und es wäre möglich, daß sich die andern nach diesem beispiele
ausgebildet hätten. Ohne accentverschiebung war die einführung dieser
neutra eine Unmöglichkeit, denn die auf legale weise zusammengezogenen
formen forz, genz, lonhs würden sielt von ihren positiven nicht unter-
schieden haben. Die spräche aber mochte sich diese neutra nicht versagen,
da die übrigen organischen comparative dergleichen besaßen (melher meUs,
belaire belais ed.). Jenen neutris auf eis aber scheint man auch unser
amplius angepaßt zu haben. — Dieser conjeetur stellt sich eine andre
gegenüber, aus dem partic. ampliatius oder amplatius. Aber warum als-
dann nicht ampliais, amplais, wie bellatius, belais?
Anc&tres fr. vorältern, altfr. ancestres (acc. ancessors), lat. ante-
eessores. Daher altfr. ancesserie abkunft.-
508 IL c. ANCOLIE— ARAIGNEE.
Ancolie fr. aglei; von aquileja (im class. latein nickt bekannt), it.
aquilegia»
Andouille fr. blutwurst, neap. nnoglia, chw. andachiel, hask. an-
doilla. In alten deutschen glossaren wird scnbiling (ort wurste) mit
inductili8 übersetzt s. Graff VI, 409, Schindler III, 313, und wie sich
das deutsche wart aus dem einschieben in den darm (ahd. skioban) er-
klärt, so auch jenes lai. inductilis, welchem andouille (für endouille)
buchstäblich gleich ist. Was Genin, Beer. phü. I9 80, 2. ed., darüber
vorbringt, sehe wer lust hat, selbst.
An gar, hangar (mit und ohne aspiration) wagenschoppen, remise.
Wie dies wort mit dem lai. angarfa (frohndienst) zusammenhänge, ist
nicht wohl einzusehen. Ursprünglich bedeutet es Schutzdach, matte zum
zudecken, und ist zumal im wallonischen (angär) zu hause, aber es kommt
selbst im celtischen, wenigstens im gael. diaiecte vor.
Angarde, engarde altfr., pr. angarda vorhut, auch warte; von ante
und garde, wie fr. avant-garde.
Ange fr. enget. Die spräche versuchte verschiedene formen, bis sie
bei dieser abgekürzten stehen blieb. Die älteste muß sein angele 3 süb.,
z. b. Antioch. I, 93, Dolop. p. 402, in letzterem gedieht 413 und ander-
wärts auch 2 silb. gesprochen; ferner angle HBord., Fier. und anderwärts
oft; endlich angre z. b. DMce., GBourg., schon seltner. Die heilige be-
deutung des Wortes mag der grund gewesen sein, daß man so lange am
buchstoben festhielt: dasselbe geschah auch bei vierge, welchem virgine
zur seile gieng, s. unten.
Anglar pr. stein, fels; eigentl. etwas eckiges, von angularis.
Antienne/r. vorgesang; vom mlat. antiphona, also geformt wie
fitienne von Stephanus.
Antif altfr. alt: antifs humes 'senioribus* LRs. p. 57, viäs sentier
anti alter pfad FC. I, 399, une vi<5s voie antie Ren. IV, 21. Es ist
von antiquus, wie altfr. eve von aqua, indem q austrat. Das neufr. an-
tique folgte dem it. antico und pr. antic. — Sofern antif die (allerdings
bestrittene) bed. 'hocti hat, muß es aus altif = pr. altiu, sp. altivo abge-
ändert sein (n aus 1 Rom. gramm. I, 204), wiewohl letztere nicht, gleich
dem franz. worte, im physischen sinne gebraucht werden. S. Raynouard
im Journal des savants 1834 p. 108, Henschel und Gachet s. v., Genin,
RScr. phü. I, 155, Jahrb. für rom. litt. III, 109.
Aon dar pr. helfen, frommen, aon hülfe, von abundare.
Appaner altfr., apanar pr. nähren, versorgen, daher fr. apanage
leibgedinge; von panis.
Appeau fr. lockvogel, lockpfeife, wallon. apell; von appellare. *
Araignäe fr. spinne, urspr. Spinnwebe (irainede Psaut.), da man
für spinne araigne besaß, das in derselben bedeutung noch in mundarten,
z. b. lothr. arögne, fortdauert; auch aranea und aqa%vr) heißen beides,
doch gieng das lateinische gleich dem französischen worte mit der bed.
spinnwebe voraus. Auffallend ist nur, daß die schwestersprachen die ab-
ILc. ARAMIR— ARGUE. 509
leitung araneata = araignäe für das von der aranea gewirkte nickt her-
vorgebracht haben. Die churwalsche sagt ultra, filient d. i. Spinner.
Aramir, arramir altfr., aramir pr., aremir ältcat. (letzteres bei
Ducange) gerichtlich zusichern, überh. zusichern, zusagen, bestimmen, z. b.
aramir an sairement die leistung eines eides gerichtlich zusagen, aramir
ou jurer (eine phrase) geloben oder schwören, besonders aramir bataille
kämpf ansagen in beziehung auf zeit und ort, daher sbst. aramie ange-
sagter kämpf, noch jetzt norm, in der bed. arrangement. Vgl. die bei-
spiele bei Ducange, Raynouard, Henschel und Gachet. Ebenso mlat.
arramire sacramentuin, bellum. In den hss. der L. Sah lautet das wort
sehr verschieden : adrhamire, adchramire, adcramire, aehramire, agramire
u. dgl., in denen der Lex reform, auch adframire, s. die ausg. von Merkel
p. 19; diese Schreibungen verrathen ein deutsches mit hr anlautendes, aber
mit der lat. partikel ad zusammengesetztes wort. Seine herkunft ist nicht
ganz gesichert. Grimm, Rechtsalt p. 844. 184, erklärt sich für goth.
hramjan ans kreuz heften, daher anheften, demnächst bestimmen, ver-
sichern, verwandt mit ahd. rämen zielen, trachten' Nach Müllenhoff zur
L. Sal. p. 277 aber heißt das saiische adhramire arripere, raptare. An-
heften und bestimmen sind übrigens nah verwandt, sie begegnen sich z. b.
in affigere mlat.: quod Luitprandus rex in suo capitulari sie affixit: si
qnilibet Longobardus cet. s. TJghell. VI, 1278. Dem Provenzalen ist
auch das einfache ramir noch vergönnt, wenigstens liest man bei G. v. Tudeta
3298 lo senhor qu'en la crotz fo ramitz (fora mitz Faur), das dem goth.
hramiths du galgin €an das kreuz geheftet* zu entsprechen scheint; v.
8630 steht dafür aramir. Vgl. auch Diefenbachs Goth. wb. II, 589.
Arbalete fr., arbalesta pr.armbrust; von arcuballista bei Vegetius,
woher auch das deutsche wort.
Areas se fr. vrlt. castell im hintertheäe des Schiffes; zusammen-
treffend mit it. arcaeeia, sp. areaza kästen, von area; also nicht von arx
herzuleiten.
Ardoise schiefer, daher it. ardesia in einigen wbb. und pg. ardosia;
von unbekannter herkunft, nach Adelung, Mithr. II, 43, celtisch, ohne
beweis; nach Vergy (s. Menage, 3. ausg.) von Ar des in Irland benannt.
— [Mahn p. 85 hält es für abgekürzt aus ardenoise, aus den Ardennen,
was wir auf sich beruhen lassen.]
Argot fr. gaunersprache, von unermittdter herkunft. Eine Zusam-
menstellung der deutungen bei Fr. Michel sur Vargot p. III. ff. Man
liest GBourg. 14, 13. 52, 18 en areage grezois in griech. mundart, arc-
age geformt nach langage, aber are?
Argot, ergot fr. spitze eines abgestorbenen zweiges, sporn des feder-
viehs; gleichfalls unaufgeklärt. Champ. artot.
Argue fr. (f.) ein Werkzeug gold- oder süberdraht zu ziehen, vb.
arguer, s. Compilern, du dict. de VAc. Man erinnert an gr. eoyov. Die
herkunft aus dem dunkeln ahd. arahön mit künstlichem gewebe bedecken
(Rom. gramm. I, 299, 2. ausg.) ist mehr als zweifelhaft.
510 II. c. ARMOIRE-ASSISES.
Armoire fr. (f.) schrank; abgeändert aus dem tüten armaire,
aumaire (m.) =pr. armari, it. sp. armario, kymr. armari, bret. armel, dtsch.
almer, lat. armarium. Von arma ist ferner armoiries (f. pl.) wappen,
eigentl. Zusammenstellung von waffen.
Armoise fr. (f.) ein kraut, artemisia.
Ar na pr. cot. schabe, motte (im Elucidari arda), npr. darna, vb.
amar benagen; von unbekannter herkunft. Auch die sard.nmndart kennt
arna in gl. bed. Das churw. wort ist tarna, das aber mit ü. tarma zu-
sammentrifft.
Arpent fr. (t angefügt Rom. gramm. 1, 462), pr. arpen, auch
altsp. arapende, ein f eidmaß, lat. arepennis als gallisch angeführt : Galli . . .
semijugerum quoque arepennem voeant Columella 5, 1, 6; dagegen: hunc
Baetici arapennem dieunt ab arando Isid. Aber nicht daher, sondern
aus einer Gallien und Uispanien gemeinsamen, wahrscheinlich einer ceUi-
sehen spräche kommt das lat. wort, man sehe Diefenbachs Orig. europ.p. 233.
Arracher fr., pr. araigar, eradicar, esraigar herausreißen; von
eradicare, exradicare bei Plautus, Terenz und Varro, it. eradicare, sra-
dicare. Wegen der verschiedenen behandlung des c in arracher und
araigar ist an fr. pencher, pr. pengar für pendicare zu erinnern.
Arriser fr. fallen lassen, herablassen; vom ahd. arrisan zusammen-
fallen.
Ar röche fr. (f.) ein kraut, melde, wallon. aripp (f.); entstellt aus
atriplex (n.), it. atrepice.
Ars altfr. (plur.) die Schulterblätter oder der vorderbug des pf er des;
von armus, womit es auch Nicot übersetzt. M nämlich zwischen r und
einem dental erlaubt sich der Franzose ausfallen zu lassen: so in dors,
dort, fertö aus dorm's, dorm't, firm'tas, nicht anders ars aus arm's. Auch
der Sarde sagt arma de caddu = armus caballi, versteht aber darunter
ein geschwür am bug; wcd. ärmur drückt ganz das lat. wort aus. Noch
jetzt sagt man fr. saigner un cheval des qnatre ars, wo also auch der
hinterbug mitbegriffen ist. Es ist ein irrthum, wenn Oachet unter les ars
die brüst versteht und dies vom fem. arca (behalter) herleitet: welchen
sinn hätte alsdann der auf das einzelne (hier angewandte plur cd?
Ar tonn neupr. brot, ein it. artone kennt Veneroni; dazu kommt
noch sp. artalejo oder artalete pastetchen, und arteda, pg. arte<ja
backtrog. Man vermuthet darin das gr. agzog, aber nähere anspräche
hat wohl das bask. artoa maisbrot s. Larramendi, Diceion. I, p. XVI,
nach Humboldt, Urbew. Hisp. p. 165, urspr. eichdbrot, von artea ort
eichen. P. Monti rechnet auch das comask. adro-basto (brot) hieher.
Assen er fr. einen schlag versetzen, überh. treffen, altfr. einem etwas
bestimmen oder zuweisen; für assigner = it. assegnare.
Assises fr. (plur.) außerordentliche gerichtssitzung, in engerer be-
deutung gerichtssitzung an vorher bestimmten tagen, altfr. auch sing, assise,
pr. asiza, womit überdies eine in einer solchen Sitzung beschlossene Ver-
ordnung, z. b. eine steuerverordnung oder schlechtweg eine Steuer LBs.
ILc. ASSOAGER- AUFAGE. 511
p. 390. 393, bezeichnet ward, daher levare assisiam eine Steuer erheben,
it. assisa abgäbe, accise, neap. assisa taxe der lebensmittd. Es ist ein
partidp vom aUfr. pr. assire setzen, sich setzen, tot. adsidere, und be-
deutet also eine gesetzte sache, im frans, ganz concret eine schichte steine
d. h. etwas aufgesetztes, im prov. läge, zustand, posüio; in dieser Sprache
findet sich auch cizias (plur.). Im gegenwärtigen falle kann es, gramma-
tisch betrachtet, sowohl den festgesetzten gerichtstag als auch das darauf
festgesetzte bedeuten, nicht eigentlich die Sitzung oder Session selbst. —
Eine abänderung von assise und im franz. eigentlich ein fremdwort ist
accise, dtsch. auch ziese abgäbe von eingeführten lebensmittdn, wobei
man an accldere (abschneiden) gedacht haben muß; im englischen sagt
man excise phonetisch = accise.
Assoager, assouagier altfr., pr. assuaviar mildern; von suavis,
mit bcobdchtung des ableitungsvocales i wie in levi-are, molli-are u. a.
roman. fortbildungen.
Assourir fr. ganz satt machen, den heißhunger stillen: assouvir
qqun., assourir une faim canine. Es läßt sich buchstäblich construieren
aus dem nur im gothischen vorhandenen ga-söthjan xoqt&Qiv, wenn man
th ausstößt und v dafür einschiebt: so entstand pouvoir aus uraltem po-
doir, pr. poder. Allein größeres recht hat überall das tat. dement, hier
besonders, wo sich das deutsche wort auf einen entlegneren dialect be-
schränkt; und darum ist suffieere, wiewohl sich ff sonst nicht in v er-
weicht, in betracht zu ziehen, s. Gachet 31b, der ein aUfr. asouffir in der
bed. satis faire anführt; assouvir 'satis alicui facere bei Nicot. Sopire
genügt nur mit dem buchstaben. Auffallend ist altfr. assouvir bataiile
ein treffen liefern, z. b. Aye SAv. p. 125.
Atelier fr. werkstätte = pr. astelier, sp. astillero (von hasta) ge-
steU zum aufbewahren der lanzen, zunächst wohl gestdl für das hand-
werksgeräthe, daher werkstätte. RaynouarcPs Übersetzung von astelier
*amas de lances* LR. ist ungenau: die reihe der krieger wird in der an-
gezogenen stelle (aqui yiratz far d'astas tant astelier ORoss.) offenbar
mit einer lanzenraufe verglichen. Neupr. astelier, astier feuerbock d. i.
gestdl zum auflegen des holzes.
Aubain fr. fremdling, mlat. albanus. Die erUärung aus alibi
natus ist abzuweisen. Zu erwägen wäre ahd. elibenzo, früher ali-banto
caus einer andern gegend % allein müßte das mlat. wort dann nicht alban-
tus oder doch albamras lauten? Häufig verbindet sich das suffix an mit
adverbien, und so konnte, wie aus proche prochain, aus loin lointain,
oder aus ante ancien, auch aus alibi aubain abgeleitet werden.
Aubier fr., albar pr. splint, das weiße zarte holz unter der rinde;
von albus (albarius), woher auch tot. alburnum, aUfr. aubour, lim. ooubun.
Aufage altfr. pferd (ausländisches?), z. b. Maugis s'en vait l'am-
blettre pensant sor son aufage QFAym. Mone ; brocher l'alfage de Nnbie
(Hin. p. 34. Das vorgezeigte al weist auf arabische herkunft, kaum jedoch
darf man der vermuthung räum geben, es sei aus dem nüat. farius =
512 II. c. AUFERRANT-AVACHIR.
•
arab. faras (bei Raim v. Agiles um 1100) mit ausgefallenem r geformt,
noch weniger, aus dem mhd. phage, ndd. page, welches selbst fremd ist.
— Sofern es ein Oberhaupt der Sarazenen bedeutet, z. b. in der stelle
amirant, roys, aufages ChCyg. v. 5226, erinnert Gachet p. 36 an das
gr. (pdyog s. v. a. glouton, letzteres ein Übliches Schimpfwort für einen
Sarazenen. Wozu aber eine solche Übersetzung ins griechische? Einen
Vorwurf gegen die anhänget des propheten zu übertünchen, lag gewiß nicht
in der Stimmung der zeit.
Auferrant s. ferrant.
Auge fr. (f.) trog; vom tat. alveus wanne, it. alveo, genues. argio u.s.f.
Aumaille fr. (f., nur im plur. üblich) hornvieh; von animalia, in
den Cass. glossen animalia %rindir\ So auch churw. armal, wcdlon. amä
rind, aber piem. parm. animal schwein, romagn. animela sau, kuh, stute,
hündin u. dgl. S. Pott über die Lex Sal. 161.
Aurone fr. (f.) eine pflanze, stabwurz, aberraute; von abrotonum,
it. abrotano.
Aus neupr. (m.) vlies, feU des schafes, s. Honnorat und glossar zu
Ooudelin; aou schreibt Sauvages, die champ. mundart kennt ause Tarbe
II, 152, altfr. findet sich heus de mouton Roq. suppl. Ist es das goth.
au-s Grimm I, 64, III, 327, ahd. awi, an sclwf? Aber bessere ansprüehe
hat ein latein. wenig bekanntes wort, hapsus bei Celsus, worüber Gaper
bemerkt (Putsch p. 2249) hapsum 'vellera lanae , non hapsus ; vgl. hapsnm
'vellus lanae Gl. Isid. Hieraus ward mit auflosung des p in u prov. aus
(vgl. ne-ipsum neus, malaptus malaut). Man leitet das lat. wort aus gr.
aipog, die bemerkung des grammatikers Caper zeigt wenigstens, daß es
ein übliches, sein dasein im romanischen, daß es ein volksübliches wort
war. Griech. awrov (vlies) liegt fern ab.
Aussi franz. partikd (ebenso, auch), altfr. slsi, ausinc, auch florent.
alsi; von aliud sie.
Autant franz. pronomen; von aliud tantum; auch altsp. autan.
Autel altfr. pronomen; von alius talis.
Auvent fr. schirmdach. Die deutung aus 6te-vent cwas den wind
abhält7 ist gegen laut und begriff. Auvent ist sichtbarlich das pr. anvan,
amban, das einen vorsprung oder erker zum schütz eines einganges der
bürg zu bedeuten scheint, s. FaurieVs glossar zu G. v. Tudela: aus an
ward au wie in erraument für erranment. Anvan aber kann eine Zu-
sammensetzung sein aus ante (so angarda aus ante-g.) und, wegen irgend
einer ähnlichkeit, aus vannus; Ducange erklärt auvent, auvant aus altus
vannus. Was hier fehlt, ist die anschauung der sache. Griech. außtov
bergvorsprung u. dgl., daher nüat. ambo, altfr. ambon bühne, weil, amvön,
russ. ambön gerüste, kanzd, ist kaum zu nennen, da sich b, wenn m vor-
hergeht, schwerlich in v erweicht.
Avachir fr. (nur reflexiv s'avachir) erschlaffen-, vom ahd. weichjan
oder arweichjan erweichen. Wallen, s'avacht bedeutet sich senken. Nach
dem Dict. de Trevoux ist s'avachir ein kunstausdruck der Schuhmacher
IL c. AVAISSA-AVIRON. 513
für schleckt gewordenes leder und kommt vom fr. vache kuh. Dies würde
sich hören lassen, wenn vache schlechtes oder weiches kuhleder bedeutete,
was nicht der fall ist. Wenn man ein verbum aus einem Substantiv bil-
det, so wird die Substanz dadurch nicht geändert, aus leder kann kein
schlechtes leder gemacht werden; es fehlt also der logische Zusammenhang
stoischen vache und s'avachir.
Avaissa und avais pr. name eines Strauches: frag d'avaissa,
pruna d'avais, im Lex. rom. mit avaisse übersetzt. Hieraus abgekürzt
scheint vaissa wilde rebe nach Lex. rom. (razims de vaissa Deud. de
Prad.), in einer Urkunde v. j. 1332 de vaychiis et aliis arboribus viri-
dibus; in einer v. j. 1341 cum quibusdam vayshis et aliis minutis ar-
boribus s. DG. ed. JH.; im neuprov. nicht nachgewiesen. Das dunkle wort
wäre einer Untersuchung werth: pflanzennamen steigen zuweilen bis in
die Ursprachen eines landes hinauf.
Avalange, avalanche (wie altfr. fresenge neben fresenche), datier
it. valanga lawine; von avaler hinabsteigen, vgl. das ebenfalls daraus ab-
geleitete avalaison gießbach. Eine andre form ist fr. lavange, lavanche,
pr. lavanca, entweder umgestellt aus avalange oder erweitert aus nüat.
labina bei lsidorus, der es von labi abstammen läßt (labina eo quod
ambulantibus lapsum inferat 16, 1), churw. lavina. Eine erklärung aus
dem dtschen lauen (aufthauen) sehe man bei Schmeller II, 405.
Av Qospeciell franz. präposition dem it. sp. con entsprechend, altfr.
adv. avoc, avuec, avec; zsgs. aus altfr. ab = lat. apud und oc = lat.
hoc 'bei dem, mit dem; ebenso altfr. por-uec 'wegen dessen. Eine para-
gogische form ist avecques. Vgl. appo L und o II. c.
Aveindre fr. hervorlangen, occ. avedre. Woher dies seltsame in
seiner endung mit peindre (pingere), empreindre (imprimere), geindre
(gemere) zusammenfallende wort? Gewiß nicht von advenire oder ad-
vincire. Es gab ein lat. abemere wegnehmen, von Festus aufbewahrt:
abemito significat demito, auferto, dies mußte fr. aveindre lauten; mlat.
abemere Dief. Gloss. lat. germ. Es läßt sich freilich auch ohne zwang
aus dem Üblicheren adimere leiten wie altfr. avoultre aus adulter, aber
da dies keine roman. spräche anerkennt, so ist kein grund da, von dem
etymologisch noch näher liegenden abemere abzugehn: besitzen ja doch
die jüngeren sprachen der verschollenen lat. Wörter so manche. Die
champ. mundart hol das wort zur 1. conj. gezwungen, avainder.
Avel altfr. champ. (plur. aviaux) inbegriff alles wünschenswerthen.
Nicht von velle, es erklärt sich einfach aus lapillus perle, edelstein, it.
lapillo, wie es denn auch toirklich mit bijou (kleinod) übersetzt wird, s.
Soquef. Man glaubte in lavel den artikel zu fühlen und sprach drum
avel; genau so ergieng es dem lat. labellum im it. avello.
Avenant fr., pr. avinen (daher it. avvenante, avvenente) anständig,
artig; von adveniens ankommend, zukommend, wie unser bequem d. i.
passend, von biqueman zukommen.
Aviron fr. rüder für kleine fahrzeuge, mlat. abiro. Nach Frisch
33
514 ILe. AVOI-AVOUER.
von ad gyrum, weil es sich im kreiße bewege. Setzt man statt gyrum
nur viron, so hat diese erklärung nichts unwahrscheinliches und es läßt
sich noch beifügen, daß das lothr. aiviron auch traubenbohrer heißt, ein
Werkzeug, das einen kreiß beschreibt. Nach andern ist es vom iL alberone
großer bäum, aber diesem worte, dem sich die lothr. nebenform auburon
anzunähern scheint, ist die bed. rüder fremd.
Avoi altfr. interjection, die eine unmuthige Verwunderung ausdruckt,
daher unser mhd. avoi. Den Ursprung derselben, der sonst in ah voie =
it. eh via oder im classischen evoe gesucht ward, hat man neuerlich in
einem kirchlichen refrän evovae gefunden, der die vocäle aus den Wörtern
seculorum amen zusammenfaßt (s. besonders Wolf über die lais p. 189),
hat sich aber die buchstäbliche entwicklung nicht klar gemacht. Evovae
konnte allenfalls ein dreisilbiges evofe", nimmer das auf moi reimende avoi
erzeugen. Dieses letztere zerlegt sich von selbst in die beiden interjectionen
ah und voi (ha sieti, und diese ungekünstelte deutung bestätigt sich durch
die buchstäblich identische Span, interjection af£ PC. 1326, worin v, wie
öfter, sich in f verwandelte, also = sp. ah ve = fr. ah voi. Als refrän
trifft man auch aoi und a£, vgl. dasselbe verhüten des vocals in voi-ci und
ve-ci altfranz. — Ob der refrän der Chanson de Roland aoi identisch sei mit
unserm avoi, ist eine frage der litteraturgeschichte, doch darf auf Magnin's
bemerkungen darüber im Journ. d. Sav. 1852 p. 768 ff. verwiesen werden.
Avoi pr. (adj. einer endung) schlecht, elend, sbst. avoleza, altit.
avolezza s. Galvani, Lezioni accad. II, 264. Auch im attcat., altspan.
und altpg. kommt das wort vor, ist* aber so selt&n, daß die angaben seiner
bedeutung schwanken. Sanchez übersetzt avoi ome bei Berceo zweifelnd
mit ladron, indem er auf volare, das ihm stehlen bedeutet, verweist. Moraes
übersetzt das port. wort im Nobiliario (wofür er auch eine Variante avil
vorbringt) mit mao; das bask. (navarr.) ahul (gering von werth) wird
dasselbe wort sein. Im prov. ist avoi sehr üblich, aber jetzt gleichfalls
erstorben, und bedeutet das gegentheil von pros, fr. preux. Daß die erste
sübe den ton hat, beweist das zsgz. pr. Aul, das sich zu dvol verhält
wie fröul zu fr6vol: mit unrecht also accentuiert Seckendorf av6L Was
seine herkunß betrifft, so räth man auf gr. aßovltjg unangenehm, lästig,
das aber der bedeutung nicht genügt Ducange bemerkt aus einem urtheil
vom j. 1411 advölus = advena, buchstäblich das roman. wort. Wie man
sp. cuerdo abkürzte aus cordatus, pr. clin aus clinatus, so konnte man
advolus, avoi aus advolatus, avolö abkürzen. Die grundbedeutung war
Khergefiogeri d. i. heimathlos, fremd und so wird das vollständige wort
öfters gebraucht: ceux qui estoient ainsi bannis . . . les appelloit-on
avolez Ducange v. advoli ; garce avol6e TFr. 449. Aus dieser bedeutung
konnte leicht die oben bemerkte hervortreten wie in unserm elend 1) pere-
grinus, 2) miser. Allerdings war alsdann ein adjectiv zweier endungen
zu erwarten, es ergieng ihm aber une frövol = frivolua, frivola.
Avouer fr., avoar pr. bekennen, anerkennen; nicht von votare (wie
noch Rom. gramm. I, 148, 2. ausg. angenommen ward), sondern von ad-
ILc. AVOUTRE-BAFKE. 515
vocare, wie auch avou6 sbst. von adrocatus. Prov. port. avocar heißt
anrufen, zu sich rufen, woraus die bedd. annehmen, anerkennen erfolgten,
mlat. advocare ut filium suum einen als söhn annehmen, ihn als solchen
anerkennen. Daher sbst. aveu bekenntnis (mit dem üblichen durch die
stelfang des vocales bedingten Wechsel, wie in jouer jeu, notier ndeud,
louer neu, fouage feu). S. Gachet 46".
Avoutre ältfr. pr.bastard, bret. avoultr; von adulter unächt, auch
it. ayöltero ehebrecher, wcd. yotru kuppler. Über den Ursprung des v
in diesem worte s. Rom. gramm. I, 189. Das watton. avotron, avutron,
welches Qrandgagnage addit. ohne noth aus dem flämischen leitet, hat auch
die bed. Schößling entwickelt.
Aye franz. interjection; vom alten imperativ aYe hilf s. Genin Variat.
d. I. I frang. p. 333 ff., Gachet p. 11".
Azaut, adaut pr. erfreulich, lieblich, azautar erfreuen, gefallen; von
ad-aptus, adaptare, wie malaut von malaptus, also = it. adatto passend,
daher anständig, gefällig. Man leite es nicht etwa von ad-altus, denn
nie voird adalt gesagt. Der span. Alexander bietet dasselbe wort 1979:
todos tenien que era mui adapto nobleza. Gleicher herkunft ist altfr.
a-ate, einfach ate tauglich, kräftig, fähig.
B.
Bafreurre fr. buttermilch; für bat-beurre: battre le beurre butter
machen.
Babil fr. geplauder, babiller plaudern, engl, babble, dtsch. babbeln ;
naturausdruck, ^ zurückgehend auf die laute ba ba (papa?), womit das
früheste sprechen und plaudern des kindes beginnt* (Weigand).
Bäbord fr. linke seile des Schiffes; vom ndl. bak-boord d. i. rücken-
bord, weil der Steuermann bei der führung des ruders der linken seile
den rücken zukehrt.
Babouches fr. (fpl.) türkische pantoffeln, daher wohl erst sp.
babuchas; vom aräb. bäbusch, dies aus dem pers. päpusch d. i. fuß-
bedeckung (Engelmann).
Bac fr. fähre, henneg. trog; vgl. ndl. bak mulde, trog, bret. bag,
bak barke. Diminutiva sind baquet und baille (bac-ula), aus letzterem
ndl. balie, schwed. balja, dtsch. balge.
Bäcler fr., baclar pr. sperren mit einer querstange; von bacnlns.
Bacon altfr. pr. Speckseite; vom ahd. bacho, ndd.bak rücken, mnctt.
baec Schinken. Die dauphinesische mundart nennt bacon {entsprechend
mlat. baco) das ganze (zubereitete?) schwein.
Bäfre fr. (f.) fetter schmaus, piem. bafra voller bauch, fr. bäfrer,
npr. braffä, piem. bafr& schwelgen, henneg. bafreux, piem. bafron fresser.
Ungewisser herleitung, um so ungewisser, als Roquefort auch bauffrer
und das piem. Wörterbuch auch balafre verzeichnen. Man darf etwa er-
516 ILc. BAGUE— BALME.
innern an bave geifer, so daß bäfrer eigentl. hieße den mund wässerig
haben ftat. salivam eiere den mund wässerig machen, appetü erregen),
vgl. pic. bafe leckermaui, baflier geiferer u. s. w.: r wäre hinzugetreten
wie im it. b&raro, ven. bavarolo geifertuch.
Bague fr. ring mit einem edelstem, auch ring wonach man rennt;
von bacca perle, gelenk der kette. Boja et baga unum sunt Gl. Isoms.
Ebenso von baca, bacca ist fr. b a i e beere, pr. baga, baca, sp. baca, pg.
baga, it. bacca.
BaYonnette fr. eine waffe; sicher nach der Stadt Bajonne benannt,
nach einigen, weil jene bei dem stürm auf diese Stadt (1665) zuerst ange-
wandt ward. Ist dies richtig?
Balafre fr. (f.) lange schnarre oder wunde im gesteht, henneg.
berlafe, maü. barleffi, it. sberleffe, vb. fr. balafrer. Es ist wahrschein-
lich eine Zusammensetzung aus der partikel bis schief, übel, und labrnm,
oder buchstäblicher, da dies in levre übergieng, dem ahd. leffur lippe,
so daß es üble lippe bedeutete, lippe nämlich für eine klaffende wunde
wie gr. xelkog. Im champ. berlafre ein übel an der lippe, böse lippe,
liegt die grunäbedeutung am tage.
Balai fr. besen, balayer auskehren. Die grunäbedeutung des Wortes
ist eine andre: pr. balai halm, gerte, so auch aitfr. balais (balai?), bei
Matth. Paris baleys virga, altengl. baieis, vb. pr. balaiar schwanken,
flattern, peitschen. Man darf nach der bed. gerte oder reis celtischen Ur-
sprung vermuthen: kymr. bala heißt ausbrach (bei Owen), pl. balaon
knospen der bäume (bei Boxhorn), balant das ausschlagen oder sprossen
derselben, bret. balaen besen, das sich im dtifr. balain <flagellum LRs. 282
wiederfindet, bret. balan ginster. Doch ist in dem roman. worte kein
sufjix ai anzunehmen, da ein solches für substantiva nicht vorkommt: die
ganze bildung muß eingeführt sein, kymr. balai aber heißt nur dorn der schnalle.
Balc pr., fem. balca, nur einmal vorkommend, feucht, wie Raynouard
übersetzt. Es heißt hier: una terra trop balca, arenosa cet. Gälisch
balc heißt die krustige Oberfläche der erde: krustig würde sich mit sandig
besser vertragen als feucht.
Bai 6 vre fr. Unterlippe; für basse-tevre.
Balme alt fr., balma pr. cat., in neuern mundarten baumo, grotte
durch einen überragenden felsen gebildet (Honnorat), Schweiz, balm, so
auch öberitaiisch; barme in roman. mündarten kennt Schott, Deutsche
spräche in Piemont 242. 271. Man hat dies wort für cdtisch gehalten
(Schneller s. v. halfen), in seiner vorliegenden ausprägung aber fehlt es
den sprachen dieses Stammes, s. Dief. Gelt. I, 192, Orig. europ. p. 239.
Steub, Ehät. ethnologie 86. 198, gibt als urform das rhätische palva an,
wovon derivata in vielen Ortsnamen vorhanden : hieraus sowohl das bairische
und tirolische halfen wie das rom. balma, desgl. das churw. bova erd-
schlipf. Balma muß hiernach sehr bei seit in diese form ausgewichen
sein, da es als geographischer name in den frühesten Urkunden, s. b.
Breq. J, p. 428" (v. j. 721), vorliegt.
ILc. BAN— BAUD. 517
Ban, bana pr., banya cot. hörn, Hirschgeweih; wohl vom kymr. b&n
mit ders. bed. s. Dief. Goth. wb. I, 257, vgl. aber auch ahd. bain, bair.
hirschbain Schneller I, 178. Daher occ. banarut gehörnt, banar(d) Hirsch-
käfer.
Banlieue fr. weichbild, wörtlich meilen-bann, von ban gerichtsbar-
Jceit und lieue meile, fdd, gebiet, also das zu derselben gerichtsbarkeit ge-
hörige gebiet. So auch altfr. banmolin mühlenbmn, müMengereehtigkeit.
S. Ducange s. v. bannuin leucae.
Baragouin fr. kauderwälsch; vom bret. bara brot und gwln wein,
welche werte die Franzosen häufig im munde der Bretonen horten, denn
ihrer spräche galt der ausdruck zuerst und kommt daher in spottliedern
vor; so ViUemarqui, Biet, frang. bret. p. XXXIX. Dazu Krit. anhang
p. 6. Diefenbach verweist dagegen auf sp. bara-hunda, it. bara-buffa
Verwirrung, lärm.
Barioler fr. bunt, aber ohne Jeunst und geschmack malen (ältere
wbb. kennen nur das adj. bariolä). Variare, variolare bietet sich leicM
dar. Allein der Franzose tauscht anlautendes lat. v nicht mit b (brebis
ruht auf einer lat. form berbex), und warum sollte er dieses wort seiner
ifamilie ohne grund entfremdet haben? warum nickt varioler wie varier,
vairon u. s. w.? Entweder liegt in bar eine umdeutung mit der gleich-
namigen partikd, um dem ungehörigen der maierei einen ausdruck zu
geben, oder varius ist gar nicht in dem worte enthalten, es ist eine zss.
aus der genannten partikd bar und riol6 gestreift, vgl. die redensart riol6
et piolä buntscheckig.
Barlong fr., alt berlong ungleich länglich; für beslong = it. bis-
lungo, zsgs. mit bis, das etwas ungehöriges ausdrückt, s. bis I.
Base nie fr. gegengeuncht an einem brunnenschwengel, einem schlag-
bäum oder einer Zugbrücke, dsgl. brett zum schaukeln. Man fühlt Zu-
sammensetzung mit bas und cul (Frisch, Scheler), aber der gedanke ist
nicht ganz Mar. Deutlicher spricht der neuprov. ausdruck leva-coua hebe
den schweif d. h. den längeren theil des bdlkens.
Basquiner altfr. bezaubern; vom gr. ßaoxalvetv dass. (Frisch),
wal. boßconi.
Bau fr. (m.) querbalken zwischen beiden- Seiten des Schiffes hoch
über dem boden (Nicot); nach Frisch u. a. vom ndl. balk trabs.
Bauche fr. vrlt. nach Nicot tünchwerk der wand, nach Menage
werkstätte, von apotheca, nach Genin schindet, von bois, von welchen
Wörtern es aber nicht stammen kann. Zss. sind öbaucher aus dem rohen
arbeiten, flüchtig entwerfen, embaucher einen gesellen annehmen, dsgl.
listig werben, döbaucher verführen, eigentl. aus der werkstätte locken.
Wegen des Ursprunges von bauche vgl. sowohl das vorhin schon ange-
zogene gael. balc erdkrusie ipie altn. bälk-r Zwischenwand.
Baud fr. eine art Windhunde aus der Berberei stammend, auch
chiens muets genannt; man sehe die beschreibung bei Nicot. Soll baud
denselben sinn ausdrücken wie muet, so führt es auf gael. baoth taub,
518 II.c. BAUDET-BEDON.
auch dumm, tkörickt cet., goth. bauth taub, stumm, xatyng (Dief. Goth.
wb. 7, 280), wobei noch auf norm, baude erstarrt oder taub von gliedern
(Du Meril) zu verweisen ist.
Baudet fr. esel, henneg. auch fem. baude eselin, altfr. Boudouin
in der thierfabel; von baud fröhlich (s. baldo I), nach Orimm, Reinh.
p. CCXLIV, das zufriedene vor fröhlichkeit jauchsende thier.
Baudr6 altfr., baudrat pr., ab gel. fr. baudrier, daher entlehnt pg.
boldri£, it. budriere, gürtet, degengehehk. Lot. balteus würde it. balzo,
pr. balz erzeugen, die obigen formen danken also wohl ihr dasein zunächst
dem ags. belt, altn. belti (über dessen Verhältnis zu balteus s. Dief. Orig.
europ. p. 240), oder noch unmittelbarer dem ahd. balderich, altengl.
baldrick, baudrick (mlat. baldringus), wenn auch die abschweifung in
baldrat seltsam erscheinen muß. Eine zss. ist altfr. esbaudrä mitte des
leibes Fer. p. 17 4a (auch einfach baudrö Gaufrey p. 46, 8), ursprüngl.
wohl der von dem gürtet umfaßte theil, eine bedeutung, die nach W.
Grimms ansprechender vermuthung auch das rom. cinge (cingulum) des
Casseler glossars gewährt. Vgl.' barriga II. b.
Beau fr. in beau-pere, beau-fils, beau-frere, belle-m&re, belle-fille,
belle-soeur, daher neupr. beou-pero, bela-mera schwieget- oder Stiefvater ff . .»
Die Alten hatten dafür einfache zum theil noch jetzt übliche Wörter, für
schwägerschaft sogre oder soivre, sogredame, gendre, bru oder nore,
serorge (m.f); für stiefverwandtschaft parastre, marastre, filiastre (m. f.),
frerastre, sorastre (noch occ. sourastre). Früh aber schlugen die bildun-
gen mit aster, die ursprünglich nur annäherung ausdrücken sollten (un-
ächter vater), in üblen sinn um und im gegensatz zur bösen Stiefmutter
nannte man die gute hypokoristisch belle m&re d. h. im altern sinne des
adjeetivs 'liebe mutter und so beau pfcre ff., ausdrücke, die auch auf, ver-
schwägerte übertragen wurden. Dasselbe Verhältnis bezeichnet der Nieder-
länder mit schoon, der Bretone mit kaer (schön), vermuthlich nach franz.
vorgange. In italischen mundarten heißt der Schwiegervater herr (maü.
messee, ven. missier), die Schwiegermutter herrin (madonna), gleichfalls
ehrentitel.
Beaucoup fr., daher it. belcolpo, für lat.multum; von beau schon,
groß (z. b. beau mangeur für grand m.) und coup streich, wurf, also ein
großer wurf, häufe, vgl. sp. golpe ebenso streich und menge. Altfr. findet
sich auch grandeoup, pr. mancolp GO:
Beauprß fr. segelstange am bug des schiff es; vom ndl. boegspriet,
engl, bowsprit.
Bedon fr. kleine trommel, dsgl. dicker bauch, bedaine und bedon-
daiue mit letzterer bed., dahin wahrscheinlich auch altfr. bedoneau, be-
douan, bedouau (letzteres z. b. bei Nicot), norm. bedOu dachs, eigenÜ.
dickbauch, vielfraß. Bedon und bedaine stehen in einem ablautverhältnis
wie miton, mitaine, ribon ribaine, ihr stamm aber harrt noch etymologi-
scher aufklärung. Don kann nicht dafür gelten, da be keinen befriedi-
genden sinn geben würde. Vgl. dondon.
ILc. BEGUE— BELLEZOUR. 519
Begue fr., beique, bieque pic. stammelnd, daher altsp. vegue Ganc.
de B., vb. pic. bürg. norm, böguer, fr. Mgayer stammeln, letzteres ein
nomen begai voraussetzend. Von bec (schnabel) scheint logisch unstatt-
Jutfty nicht einmal dem wallon. b&queter möchte Grandgagnage diesen Ur-
sprung zugestehn. Möglicher weise zsgz. aus pr. bavec alberner Schwätzer,
8p. babieca pinsel, daher altfr. begaud, norm, begas mit letzterer bed.;
wegen der Verkürzung der form vgl. pr. sageta, altfr. sette. Behaupten
aber läßt sich diese deutung nicht.
Bögueule maul äffe; eigentl. wer das maul aufsperrt, von b£er und
gneule.
, B e 1 e altfr. wiesei (cherals e dras e beles rosse, tücher und tviesel-
felle Rou I. p. 332), nfr. dimin. belette, sp. beleta (in einigen wbb.),
mail. bellora, sard. beddula, com. bärola, pcfrm. benla, gen. b611ua, sie.
baddottula (für ballottula, bellottula); stimmt buchstäblich zum Jeymr.
bele mar der, so wie zum hochd. bille Frisch I, 97* , ahd. bil-ih büchmaus.
Vielleicht aber ist bele nichts anders als das lat. bella schön: auch bei-
lora paßt zu bellula, ebenso heißt es bair. schönthierlein, schöndinglein,
dän. den kjönne ptdchra, ein schmeichelwort für das thier, dem man ge-
heimnisvolle kräfte zutraute, altengl. fairy Halliw. S. Schmeller IV, 183,
Grimms Myth. p. 1081. Diefenbach, Orig. europ. p. 259, gibt nur an-
lehnung an bellus zu, nicht herkunft aus demselben. Das thier heißt norm.
roselet roth, lothr. moteile (mustela), norm, bacoulette.
B61ier fr. widder, leithammel, in der thierfabel Beim, daher norm.
blin; vom ndl. bei glöckchen, weil er ein solches zu tragen pflegt, ndl.
bel-hamel, engl, bell-wether, fr. auch clocheman (glöckner) und mouton
ä la sonnette, nüat. aries squilatus genannt. Derselben herkunft ist auch
fr. biliäre glockenring.
B61!tre fr. bettler, lump, daher nach Covarruvias das sp. belitre,
pg. biltre; abgel. it. belitrone Ferrari u. a. Unter den vorgebrachten
zählreichen deutungen, z. b. aus balatro oder ballistrarius oder blitum
(man sehe bei Menage), oder gar von b§ler blöken (Genin, Beer. phil. I,
169), denn das gewerbe des betflers gestattet sehr verschiedene auffassun-
gen, ist die von Nicot aus dem dtschen bettler, umgestellt bleter bliter,
hervorzuheben, da sie auf einem gleichbed. werte fußt; die altfr. Schreibung
beliötre ist bei der häufigen einschiebung des s vor t kein hindernis. Doch
möchte die von Atzler aus benedietor, d. h. der den geber segnende, nicht
minder zu beachten sein: ähnlich von Seiten des begriff es ist das sp. por-
-dios-ero, einer der die beschwörung lum gottes willen im munde führt,
ein bettler. Vgl. Pott Zigeunersprache I, 29. Über ein loml). blicter
sehe man bei Cherubini und Monti.
Bellezour altfr., pr. bellazor, comparativ von bei, mit der nomina-
tivform pr. bellazer[s] Flam., GProv. 80, üblicher bellaire. Wackernagel
(s. Altroman, sprachd. p. 22) gründet diesen comparativ auf lat. bellatior
von bellatus, wovon Plautus das dimin. bellatulus gebraucht. Solcher ab-
leitungen mit atus aus adjeetiven finden sich noch andre und nicht bloß
520 II. c. BELLUGUE-BERCER.
bei Plautus: ebriolatus von ebriolus, pullatus von pullus, bifidatas von
bifidus, vgl. Dünteers Wortbildung p. 63. La Ravalliere (gloss. zu Thibaut)
und Roquefort kennen auch den positiv belä, fem. beläe, bellte; hätten
sie belege beigefügt, so stände die bemerkte deutung ganz sicher, denn
bel6 kann nur von bellatus herkommen. Merkwürdig ist auch, eis die
einzige in ihrer art, die dltsp. abl. belido, d. i. bellitus: sonrisos1 el rey,
tan belido (1 für 11) fablö PC. 1376, auch altpg.: levantou s'a velida,
levantou s'alva D. Din. p. 142. Der neap. Superlativ belledissemo (bei
Gdliani) scheint damit zusammenzuhängen.
Bellugue ältfr. Roquef., pr. beluga, daher norm, beluette, fr.
bluette funke, vb. pr. belugeiar (belugueiar?), fr. bluetter funken sprü-
hen. Es scheint zusammengesetzt aus der roman. partikd bis und lux,
so daß es eigentl. schwaches licht heißt, wie das mit derselben partikel
zsgs. it. bar-lume, sp. vis-lumbre; dahin weist auch eine zweite norm,
form berluette. Also be-luga für bes-luga wie ältfr. be-loi neben bes-loi.
Für dasselbe wort ist zu halten, mit einer geringen abänderung der be-
deutung, fr. b er lue funken oder blitze vor den äugen, blendung des ge-
sichtes, in Berry diminutivisch öberluette, vb. pr. a-bellucar, piem. s-ba-
-luche, in Berry 6-berluter, champ. a-berluder (t und d eingeschoben)
blenden. Dem fr. berlue entspricht übrigens buchstäblich das gleichbed.
maxi, barluss (vb. barlusi, piem. berlusö), nur daß lux hier nicht in luca
umgebildet erscheint.
Benc pr. (m.): descendion d'aqui aval per us*desrancs, per us
belencs, per uuas rochas, per us bencs B. 226, 33. Man sieht, daß
von einer fdsengegend die rede ist. Honnorat führt bene auch als neu-
prov. an und mit den bedd. zinke einer gabel, starker dorn, zacke; es
könnte in der citierten stelle klippe heißen; dabei verweist er auf bec
Schnabel. Das Gloss. occ. citiert lo cor trair' ab un benc das herz her-
ausziehn mit einem dorn? Auch belenc (vgl. B. 249, 25) ist beach-
tenswerte
Bercer {gewöhnlich berser) ältfr. mit dem bolzen oder pfeil er-
schießen (Willam fu berc£ Ben. III, 363, vgl. Antioch. 1, 35), dsgl. da-
mit jagen; bersail, it. bersaglio, berzaglio ziel, bersailler, berseiller
treffen. Ducange führt ein in englischen Urkunden gebrauchtes sbst. bersa
(umzäunung) an, worin Garpentier das bret. berz, berc'h (hinderung, ver-
bot) zu erkennen glaubt, und so behauptet man, bercer heiße Hm park
jagen. Allein theils wäre eine solche begriff sübertragung, wenn vielleicht
nicht unmöglich, aber doch sehr unwahrscheinlich, denn bercefr von bersa
verlangt die bed. umzäunen oder schützen, die auch das bret. vb. berza
ausdrückt; theils bezieht es sich, wie zahlreiche stellen lehren, nicht ein-
mal ausschließlich auf die ausübung der jagd innerhalb der gehege. Es
muß eine andre deutung versucht werden. Eine italische chronik inMur.
Scriptt. rer. ital VI, 1041 (dazu Ant. itäl. II, 479) enthält die stelle
trabs ferrata, quam bercellum appellabant, d. h. mauerbrecher, widder,
sturmbock, offenbar von berbex, vervex {eine andre hs. gibt barbizellum);
II. c. BERCER— BERRUIER. 521
4
aus berbex ward ein ital. vb. berciare (imberciare 'kommt vor), fr. bereer,
dem man die bed. durchbohren beilegte, vgl. wäl. berbecä, inberbecä stoßen.
Bereer fr., bressar pr., auch altsp. brizar wiegen; altfr. bers
(woher das pic. ber), pr. bers, bres, auch altpg. bre«jo, npg. ber$o, altsp.
brizo, abgel. fr. berceau, wiege, in frühem mlatein berciolum, 'quod
honesto sermone philosophi cunabulum voeant', s. Ducange. Muthmaß-
lich ist bereer mit dem eben besproclienen verbum identisch, indem man
eine andre thätigJceit des sturmbockes, das hin- und herschaukeln desselben
im äuge hatte: ähnlich nannte man die wiege rrüat. agitarium. Da fr.
berceau auch laubgewölbe heißt, von der Überdachung der wiege, so ver-
muthen andre seinen Ursprung in dem angeblich celt. bersa umhegung
(s. den vorigen artikel), womit aber kein wesentliches merkmal der wiege
ausgedrückt würde. Außer brizo hat der Spanier auch brezo und blezo
mit der bed. bett auf einem weidengeftechte, zsgs. eombleza coneubine.
Berle fr. (f.) ein kraut, bachbunge. Marcellus Empiricus gibt als
lateinisch ein vor seiner zeit nicht vorkommendes wort, berula kr esse: her*
bam, quam latine berulam, graece eardaminen voeant, edit. Basti. 248.
Man darf es als das etymon von berle annehmen, wiewohl die bedeuten-
gen nicht stimmen, aber pflanzennamen werden häufig verwechselt; übri-
gens wachsen beide kräuter an buchen und dienen wenigstens gegenwärtig
zum sedat. Ein mhd. glossar hat berule 'bembunge* Hoffm. Sumerlaten
54, 80, was sich der franz. bedeutung schon zu nähern scheint. Eine
abweichende form, wenn nicht ein andres wort, ist neupr. berria für eine
species der berle. Man sehe dazu Dief. Orig. europ. p. 435.
Berlin e fr. eine art kutschen aus Berlin nach Paris gekommen,
das wort auch ins ital. und span. übergegangen.
Berme fr. rand am festungsgraben, daher sp. berma; vom ndl.
breme, engl, brim, ags. bryinme rand, säum (nhd. bräme), vgl. ndl. berm
dämm KU.
Berner fr. prellen, in die höhe schnellen. Die Römer, sagt Oujacius,
prellten mit dem sagum, gleichbedeutend aber mit sagum ist altfr. berne
(s. bernia I), daher das vb. berner. Das neap. bernare sich erlustigen,
spaß treiben, soll französischer herkunft sein.
Berruier altfr., pr. berrovier plänkler, kämpf er des vortrabs: et
en la ost veirem solatz e laigna eis berroviers soven correr la plaigna
LR. s. v. Muratori, Ant. ital. II, 530, hält die berruiers für die hommes
perdus des heeres, wenig verschieden von den ribaldis. Ihre tapferkeit war
sprichwörtlich: Elyas se deffent ä loy de berruier, oder et Bauduin che-
yauche ä loy de berruier GhOyg. I, p. 110. Audi zum waidwerk gehörige
leute führten diesen namen: ses veneors et ses berruiers MFr. I, 54.
Eigentlich bedeutete das wort einen einwohner von Berry, wie noch jetzt
(s. Jaubert), und findet sich daher mit andern völkernamen zusammenge-
stellt (Flamenc ou Berruier Mones Anzeiger VI, 331) : aus welchem gründe
es aber zum appeüativ geworden, darüber gibt es eben so wenig gewißheit
wie bei chaorcin. Man höre auch Fallot 612, und namentlich über die
522 ILc. BESAIGRE-BETER.
bedeutungen Gachet 61b. Aus Frankreich eingeführt ist it. berroviere
straßenräuber, häscher, in einem alten genues. gedieht berruel Archiv, stör,
ital. app. nutn. 18, p. 51. S. auch Bucange v. berroerii.
Besaigre fr. säuerlich; von dem rom. adv. bis und dem lat. adj. acer.
Beser fr. (norm. Menage, bezer Nicot) hin und herrennen, von
kühen, die ein inseöt gestochen; ist das gieicJibcd. mlid. bisen, auch pison
(mit kurzem i, daher das. fr. e). Vgl. Chevallet I, 346.
Besi fr. (in den westl. gegenden) wilde birne; nach der akademie
ein celt. wort, vgl. aber ndl. bes, besie beere.
Besicle fr. (f., nur im plur- üblich) briüe. Die gewöhnliche her-
leitung ist von bis-cyclus doppelkreiß, das etwa von einem mechanicus er-
funden sein könnte. Nach Menage aber ist besicle das altfr. (undprov.)
bericle = beryllus mit vertauschtem suffix, letzteres wort im mittdalter
für brille gebraucht (woher auch das deutsche wort); im occit. hat raericle
die bed. besicle, im genfer dialect bericle, im watton. berik. Die form
kann in Paris entstanden sein, wo man fr&se für fr&re, misesese für
miserere sagte, s. Bouille, Diff. vulg. ling. p. 36, und vgl. Rom. gramm.
I, 454. Diese deutung ist minder künstlich als die erstere, aber auch sie
erlaubt nicht, in dem worte ein acht französisches d. h. ein von dem volke
geprägtes anzuerkennen, in welchem fälle es berille hätte lauten müssen:
bericle mag unter den leuten vom fache entstanden sein wie auch väricle s. n.
Beter altfr., z. b. ung ours quant il est bien betez R. de la rose
v. 10619 (ed. d9Amst.); comme un ours batre et beter bei Carpentier;
ors beter Ben. III, p. 529, NFC. II, 59. Es muß heißen 'gebiß oder
maulkorb anlegen wie es auch Carpentier mit cmmuscler übersetzt, und
so ist es das ags. bsetan, mndl. beeten, mhd. beizen beißen machen (in
den zügel), aber auch hetzen, wie mhd. erbeizen, z. b. sur moi betera
bille Wrights Polit. songs p. 231. Eine zss. ist mlat. abettum, engl.
abet anstiftung, altfr. pr. abet trug, list, pr. abetar, altsp. dass. Alz.,
altfr. abeter hinter gelten, zum besten haben, pr. abetar ldecipere verbis*
GProv. 28, noch jetzt norm, abet köder, aböter ködern; forbeter findrt
sich S. Graal v. 3702. — Merkwürdig ist das participiäladj. altfr. bet6,
pr. betat, besonders auf ein gewisses entferntes meer angewandt: dusc' a
la mer betee s. Ferabr. p. 182a, C. de Poit. p. 53, Ren. III, 309, pr.
jusc' a la mar betada Fer. v. 2747. Eine prov. stelle sagt: la mars
betada sela que esvirona la terra LR. II, 216. IV, 153. Was heißt
aber dies bet6? Es erklärt sich aus Brandaine p. 132 ausi com ele
(la mer) fast bietöe, im original p. 26 coagulatum. Mer betöe ist also
das geronnene meer (concretum mare bei Plinius H. N. 4, 16, 30), mhd.
das lebermer von liberen gerinnen (Wb. II, 138), darum auch Fer. 681
sanc vermelh betatz geronnenes blut, sanc trestout bete DMce. p. 295
u. oft. Man könnte hierzu anführen gael. binndich gerinnen, läge es
buchstäblich nicht zu entfernt: auch dieses bet6 kann von unserm beizen
herrühren, da man die müch durch säuren zum gerinnen bringt. — [Dazu
Dief. Orig. europ. p. 388.]
ILc. BEUGLER— BIGLE. 523
Bengier fr., vrlt. bugler brüllen wie ein rind; van buculus, das
auch die form des altfr. bügle = neufr. büffle (bubalus) bestimmt zu
haben scheint.
B6vue fr. versehen; zsgs. mit bis, s. dies wort thl. I.
Biche fr. hindin, altfr. im norden und England bisse, wallon. bih,
ncupr. bicho, piem. becia. Man hält es theils für eine nebenfortn von
bique siege, neupr. bico, womit sich aber bisse nicht verträgt; theils für
das tat. ibex Steinbock oder gemse, altfr. ibiche Ben. IV, und hieraus
würde sich allerdings die doppelßrmigkeit des Wortes, ss neben ch, sehr
befriedigend erklären. Es wäre also dem durch chamois verdrängten
ibiche eine andre bestimmung zu theil geworden; aber die Übertragung
ist stark.
Biche altfr. kleine hündin; vom ags. bicce, engl, bitch, nord.
bikkia dass., vgl. hd. betze ; nach Frisch aber abgekürzt aus babiche,
dies aus barbiche zottiger kund, von barbe bart, wozu man auch noch
it. barbone, gen. barbin anführen könnte. Von biche kommt bichon kleiner
langhaariger hund.
Bidet fr. kleines pferd, klepper, auch sackpuff er, daher wohl it.
bidetto mit ersterer bed. Der stamm ist im celtischen zu suchen, wo er
etwas Meines bedeutet: gael. bideach winzig, bfdein kleines geschöpf, vgl.
kymr. bidan Schwächling, bidogan kleine waffe. Dahin auch benennungen
des Meinen viehes tvie comask. bide ziege, in Berry bide altes schaf,
henneg. b6do schaf (in der kindet spräche), occ. bedfgo einjähriges schaf,
doch erinnern diese producte der Volkssprache auch an lat. bidens.
Bied cdt fr. flußbett: que tute la graut ewe fait isir de sun bied
Chart, p. 32, vgl. Og. 6874, daher norm, bedifere (wie von lit litiere)
bett; vom ags. bed, cdtn. bedr = ahd. betti; doch ist die franz. bedeutung
unsern alten mundarten nicht bekannt. Auf die form betti gründet sich
vielleicht das neufr. biez mühlgang = mlat. bietium, biezium; an bed
aber schließt sich bürg, bief, norm, bieu, piem. bial, genues. beo, tnlat.
bedum u. dgl. S. auch Dief. Goth. wb. I, 254.
Biffer fr. ausstreichen; unbekannter herkunß.
Bigarrer fr. buntscheckig machen, cat. bigarrar, sp. abigarrar (aus
dem franz.? fehlt port.). Nach Caseneuve von bigerica vestis; besser nach
Menage von bis-variare. Eine andre dem buchstaben sich genauer an-
schließende auslegung wäre die folgende. Bi-garrer steht für bi-carrer,
wie bi-gorne für bi-come (s. unten), von carr6 Viereck, und heißt eigentl.
quadratartig zeichnen, wie unser scheclcig eigentl. heißt 'nach art des
Schachbrettes3; bis (s. (hl. I.) drückt das unregelmäßige dieser Zeich-
nung aus.
Bigle fr. schielend, bigler schielen. Ist bigle = it. bieco von ob-
liquus? dann wäre 1 umgestellt, was der Franzose nicht liebt. Oder =
sp. bisojo von bis-oculus? es stände dann für bis-igle zsgz. bisgle, vgl.
icle tn born-icle, boum-icler aus der mundart des Jura, und diese deutung
ist vorzuziehen.
524 ILc. BIGORNE-BUOU.
Bigorne fr. hornamboß; von bicornis zweihornig, iL bicornia, sp.
bigornia.
Bigot fr. frömmelnd und abergläubisch, auch als Substantiv üblich,
fem. bigote. Die althergebrachte deutung ist aus der deutschen betheu-
rungsformel bei got, bt gote, weil der bigotte den narrten gottes im munde
zu führen pflöge, und diese auslegung hat alle Wahrscheinlichkeit für sich.
Wie aus anrufungen gottes auch andre, begriffsverwandte nomina entstan-
den sind, darüber seJie man sandio II. b. und füge noch sp. pordiosero
bei (s. oben b<re). Got oder god ward zwar sonst franz. zu goi
(unten s. v.), allein es lag nahe, das suffix ot auf das neue wort anzu-
wenden, das man auch in dem synonymen cagot (s. unten) fühlen mochte.
Dagegen hält Wedgwood bigot für eine form des bekannten beguina, wo-
für auch begutta, masc. begardus, it. bighiotto aufgekommen sei, und
leitet diese Wörter vom it. bigio in beziehung auf die graue Meidung der
beguinen: allein das unserm worte allerdings sehr nahe liegende beg-utta
ist eine, wie es scheint, erst im 15. jh. entstandene ungeschickte latinisie-
rung desselben (es findet sich in einem lat. deutschen glossar so wie in
ReucMins Breviloquus und in den Epist. obscur. virorum), und auch bi-
ghiotto ist dieses gepräges; und was bigio betrifft, so ist es ein unmög-
liches etymon. Wie alt das franz. wort in der angegebenen bedeutung
sei, ist noch aufzusuchen; so findet es sich bei Pasquier, bei Bob. Stepha-
nies (1539) par bigotie <superstitiose\ Aber es steigt weit höher hinauf 7
kommt jedoch anfangs nur in einer eigentümlichen anwendung, als Spitz-
name der franz. Normannen vor, worüber man den dichter Wace hören
muß: mult out Franceis Normanz laidiz e de mefaiz e de mediz, sovent
lor dient reproviers et claiment bigoz et draschiers Rou II, 71. Ver-
anlassung und sinn des Wortes berührt eine bis zum j. 1137 laufende
chronik (Duchesne III, 360, Bouquet VIII, 316): herzog Rollo habe
konig Karls fuß zu küssen mit den englischen warten ne se bi god 'nimmer
bei goti verweigert, woraus jener Spitzname bigot entstanden sei. Man
konnte um seiner deutung willen die aneedote erdichtet haben, in sich
selbst aber ist sie nicht unwahrscheinlich. Am einfachsten ist es anzu-
nehmen, die Normannen hatten sich dieser schwurformel häufig bedient
und seien darnach benannt worden; solcher Spottnamen für ganze Völker
gab es im mittdalter mehrere. Das wort jedoch, weil es in dichtungen
als der name eines südlichen Volkes vorkommt, aus Visigothus zu erklären
und diesen namen auf die Normannen als ein volk germanischen Ursprun-
ges ausdehnen zu lassen, wie Michel thut (Hist. des races maudites I, 359),
ist offenbar zu künstlich. — Sehr bemerkenswert ist noch, daß das thema
bigot überdies im altfr. bigote, bigotelle, bigotere börse, die man am
gürtel trug Roq., vb. bigoter reizen, erzürnen, und auch auf andern ge-
bieten vorkommt, pr. bigote knebdbart, bigotera futteral für denselben,
it. sbigottire aus der fassung bringen, muthlos machen. Ob sich eile diese
Wörter unter einen hut bringen lassen, ist die frage.
Bijou fr. Meine kostbare oder künstliche arbeit, kleinod; wird aus
ILc. BIOC-BLAIREAU. 525
einer zss. bis-jocare, bi-jouer gedeutet und sott hiernach etwas auf meh-
reren seüen spielendes oder glänzendes ausdrücken. Man möcJrfe fragen:
warum blieb die spräche alsdann nicht bei dem deutlichen bijeu stehen?
ein vb. bijtmer, worauf es sich beziehen könnte, ist nicht vorhanden. In-
dessen gewährt die celt. spräche ein entsprechendes wort: das alte cornische
glossar (nicht vor dem 12. jh.) hat bisou 'anulus', bret. bizou, bizeu,
welche Zeuß II, 1109 dem gleichbed. kymr. byson (von bys finger?) ver-
gleicht: hieraus leitet Chevattet das frans, wort.
Bioc ein ausdruch der provenzdUschen und catalanischen metrih,
um einen kürzeren mit längeren verknüpften vers zu bezeichnen: pies
truncados, que nosotros llamamos medios pies, e los Lemosis, Fran-
ceses e atm Catalanes bioqs, sagt Santillana (Sanchez I, LV). Dazu
ein verbum biocar lcurtare GProv. 63b, wohl auch nur vom verswesen
gebraucht. Im mitteUatein kommt vor biochus stamm, dicker ast z. b.
Statut genuens. Carp. Ist nun mit rücksicht hierauf etwa truncus die
grundbedeutung von bioc, so daß es in einer bildlichen beziehung stände
zu bordon, welches langer stab und vers heißt? Aber auch dies zuge-
geben, bleibt seine herkunft dunkel. Das pg. bioco ist ganz verschiedener
bedeiäung und also wohl unverwandt.
Bismut h fr. (m.) ein halbmetall; das wort, wie andre mineralogische,
aus dem deutschen.
Bissetre, bissestre altfr., nvrm. bisieutre, piem. bisest unheil;
eigenU. schälttag, von bissextus, der schon im alten Rom und später in
Frankreich für heillos galt: bissextus super regem, et populum cecidit
Order. Vital, s. Ducange s. v.
Bivac, bivouac fr. (m.) feldwache, vb. bivouaquer; ein späteres
wort, schon nach Menage aus dem dtschen biwacht für beiwacht, eine
nebenwache oder außerordentliche wache; sp. vivac, vivaque.
Blafard bleich; nicht vom nhd. bleifarb, wie Menage vermuthet,
es ist offenbar das ahd. bleih-faro, zu folgern aus dem mhd. bleich- var
von bleicher färbe, d zugefügt wie in homard. — [Aus bleichfarb läßt es
auch Jault entstehen.]
Blaireau fr. dachs. Mlat. bladarius, it. biadajuolo bedeuten ge-
treidehändler, das diminutiv wäre bladarellus, biadarello und dies stimmt
genau zum fr. bläreau (von bl6), wie man ehemals schrieb, vgl. wegen der
form auch altfr. blairie = pr. bladaria. Daß man das thier den kleinen
getreidehändler nannte, kann in einer uns unbekannten anschauung seinen .
grund haben, denn es speichert kein getreue auf: aber auch im englischen
ist badger kornhändler und dachs. Diefenbach Celt. I, 223 erklärt sich
das franz. wort aus dem kymr. adj. blawr eisengrau und vergleicht engl,
grsj grau und dachs (wozu auch noch pic. grisard anzuführen wäre) ; da
aber ein franz. adj. blair nicht vorhanden ist und jedesfalls Übergang des
Jcymr. aw in fr. ai, indem es sonst dem o, eu oder au entspricht, gegen
die lautgesetze streitet, so ist diese erklärung kaum zuzulassen. An das
engl, gray erinnert äußerlich das it. grajo (in einigen wbb.), das aber
526 II. c. BLASER-BLOC.
nicht von grau herstammen Jcann: der buchstabe leitet eher auf agrarius
feldarbeiter, wie man den dachs scherzhaft nennen konnte. — [Hierzu
Mohns randglosse, daß der dachs allerdings getreide (buchweizen) auf-
speicJiere, Etym. untersuch, p. 32.]
Blaser die sinne abstumpfen durch den misbrauch geistiger getränke,
pic. blasö wer ein durch trinken geschwollenes gesicht hat, s. Escaüier
p. 24, occit. blasd den geruch abstumpfen. Da die grundbedeutung dieses
den alten quellen, wie es scheint, unbekannten Wortes sich nicht bestimmen
läßt, so ist es schwer Über seine herkunft ein urtheil auszusprechen. —
[Mahn p. 109 erkennt nunmehr in blaser, welches mundartlich austrocknen,
verbrennen heißen soll, unser deutsches blasen, besonders mit besiehung
auf die bedeutungen des altn. bläsa und engl, to blaze schmelzen, aus-
trocknen cet.]
Bißche fr. weich, weichlich, norm, bleque morsch; wird vom gr.
ßlag ßkaxdg (schlaff, weichlich, einfältig) hergeleitet, wogegen die gramma-
tik nichts zu erinnern hat, um so weniger als in rrdat. glossaren blax
*stultus wirklich vorkommt, s. Class. auct. VI, 611b, vgl. wegen des fr.
ch moustache von ftvova^. Andrer meinung ist Grandgagnage, der es
aus dem deutschen bleich erklärt, s. v. bleque.
B lerne fr. blaß, bleich, bl£mir erblassen, daher engl, blemish nach
Wedgwood. Altfr. schrieb man sowohl bleme tote blesme, woraus man
fast mit Sicherheit schließen kann, daß s eingeschoben ist. Hin ahd. adj.
bleihh-umo, wäre es vorhanden, gäbe ein treffliches etymon: statt dessen
bietet sich das altn. sbst. blämi bläuliche färbe (von blä blau), wobei an-
zumerken ist, daß altfr. blemir eigenll. schlagen (blaue flecken machen)
RCam. p. 273, oder auch beschmutzen heißt. In Berry ist d£plamy blaß
von gesicht.
Blesser fr. verwunden, verletzen, bei den Alten auch beschädigen:
quant li quatre angles sont bleciet LJ. 503m; escuz bleciez zerhauener
schild Ghev. au Hon (L. Guest. I, 206b) u. oft. Bas altfr. $ ist häufig
der ausdruck eines dtschen z, und so darf man erinnern an mhd. bletzen
flicken, bletz (ahd. pletz) Stückchen leder und dgl., daher blesser zer-
fetzen, mlid. zebletzen in stücke hauen. Von unserm letzen kann (tos
franz. verbum nicht herrühren, da neben ver-letzen kein be-letzen statt-
findet.
Biet fr. morsch, nur noch in poire blette morsche birne, piem. biet,
vb. henneg. bl£tir morsch werden; vgl. ahd. bleizza blauer flecken durch
Quetschung. In Berry sagt man blosse für blette, was an das ndl.
blutsen, hd. blotzen quetschen (die äpfel sind geblotzt) erinnert.
Blinder fr. verdecken, unsichtbar machen; ein deutsches wort: goth.
blindjan, ahd. blendan, nhd. blenden. Davon das sbst. blindes (plur.)
deckwerk, it. blinde.
B 1 0 c fr. Motz, häufe, vb. bioquer, daher entlehnt it. bloccare, sp.
bloquear einen platz einschließen; vom ahd. bloc, bloch, nhd. block, dies
nach Grimm II, 23 für bi-loh schloß, riegel, vom goth. lukan schließen;
n.c. BLOIS-BOITE. 527
bioquer ist also eigentl. die Zugänge eines ortes verstopfen. Fr. blocus
(mit hörbarem s) vom (tischen bloc-hüs, blockhaus.
Blois altfr., bles pr. stammelnd; von blaesus.
Blostre altfr. kleiner hübet auf dem erdboden NFC. II, 81; vom
ndl. bluyster KU., engl, blister hübd auf der haut.
Blottir fr., nur reflexiv se blottir sich zusammenschmiegen, kauern,
sich ducken; muthmaßlich für ballotir von ballot pack, ballen, gleichsam
sich in einen ballen oder klumpen zusammenziehen. Man vergesse nicht,
daß 11 in ballot nur- den werth eines einfachen 1 hat, womit auch die
Alten es schrieben. Der ausfall des vocals hinter dem consonantanlaut
ist wie in frette für ferrette oder altfr. gline für galline, Rom. gramm.
I, 197. Noch eine andre herkunft ist gedenkbar. Wir haben oben bei
biet das deutsche vb. Motzen (quetschen) wahrgenommen; dieses gestattet
die annähme eines ndd. blotten: sich quetschen ist sich zusammendrücken,
auch se cacher sagt eigentlich nichts anders.
Bluter fr. meJü in der mühte sieben, bluteau, blutoir mehlsieb.
Ferraris etymon aplüda (kleie) fügt sich nicht in die form, Menage' s
Yolutare nur mühsam in den begriff. Unser beuteln, mhd. biuteln, drückt
genau dieselbe Handlung aus wie bluter und steht auch buchstäblich so
nahe, daß Identität beider Wörter angenommen werden darf, wenn auch
die franz. spräche von einer so starken Versetzung des 1 kaum gebrauch
macht. Aber die sache läßt sich auch anders und wohl richtiger auffassen:
bluter ist aus bruter abgeändert; ein gleichbed. sp. brutar kennt Berceo.
Zunächst weist bluteau nämlich auf mlat. buletellum bei Math. Paris,
vb. bnletare, altfr. buleter Fier. p. 101, 23, woraus sowohl bluter tvie
henneg. bulter zusammengezogen sein kann. Jteiner ist die altfr. form
buretel FC. II, 382, bürg, burteau, denn sie stimmt genau zum it. bu-
rattello von buratto mefdbeutel, eigentl. ein dünner stoff, vom altfr. bure
(s. bujo thl. L). Der Provenzale entstellte buratel seltsam in barutel, dem
das dauph. bäritel ganz nahe steht, der Bretone in buratel. Die grundbed.
von buretel, buletel, blutel, bluteau ist also ein lockerer zum sieben ge-
eigneter stoff wie fr. Stamme. Occit. formen sind barutd, barutelä. Woher
aber chw. biat beutet, biatar beuteln?
Bobine fr. spule, piem. bobina. Nach Salmasius von bomb jx, weil
sie einer eingesponnenen Seidenraupe gleiche. Von bombus, weil sie ein
summendes geräusch macht, wäre grammatisch besser. Wie verhält sich
dazu das pic. norm, bobinette Klinke?
Boisson fr. (f.) getränke; von boire, lat. bibere, gleichsam bibitio,
verwandelt in beisson, boisson.
Botte fr., pr. bostia, boissa, mit einschiebung brostia, brustia
büchse. Aus pyxis gestaltet sich mlat. buxis bei Paulus Diac., woher die
prov. form boissa, im* 10. jh. bemerkt man buxida vom acc. pyxida'
(nv};ida), umgestellt in buxdia, bustia, welches letztere im 11. jh. begegnet,
pr. bostia, altfr. boiste, bret. bo6st. Die Erfurter glossen (9. jh.) haben
die bemerkenswerthe stelle: pixides cvasa modica argentea vet lignea, quae
528 ILc. BOMERIE— BOU.
vtdgo poxides apellanf 367, 28. Daher fr. däbotter verrenken, aus der
pfanne (boite) bringen, einfach boiter hinken, henneg. botier mit Ursprung-
Heiter Stellung des i. Eine ableitung muß sein boisseau scheffd, engl.
bushel, da es mundartl. boisteau, mlat. bustellus (vomj. 1214) landet,
verschieden vom altfr. boucel, bouchiau, pr. bossel gefäß für flüssigkeiten
= iL botticello, von botte I.
Bomerie norm. Vorschuß auf den gewinn eines Schiffes (Trev.); vom
ndl. bodemerij, hd. bodmerei, engl, bottomry, dies von bodem, bottom
kiel des Schiffes, d. h. das schiff selbst
Bonde fr. schleuße, zapfen, bondon Spund, letzteres auch prov. Es
stammt aus dem deutschen, worin es nur noch mundartlich vorhanden ist:
Schweiz, punt, Schwab, bunte u. a. (s. Stalder und Schmid), verstärkt ahd.
s-punt, vgl. phundloch Graff III, 342. Die form ohne s aber scheint im
deutschen die altere (Weigand II, 776).
Bondir fr. abprallen, bond prall, Sprung. Das altfr. und prov.
verbum bedeutet dröhnen, schmettern, aucli transit. schmettern lassen, z. b.
Tolifans soit bondis werde geblasen Fier. p. 168, und kommt ohne zweifd
vom lat. bombitare summen, zsgz. bondar, aber nach der 3. roman. conj.
geformt, wie dies zuweilen mit intransitiven geschieht, vgl. das synonyme
tentir, retentir von tinnitare. Ficard. lautet es noch nach erster bonder,
auch neupr. boundä. Wäre aber im franz. die organisch richtige form
nicht mit t bonter, wie conter aus comp'tare, douter aus dub'tare?
Aber man sagt auch mit d coude aus cub'tus, auf gleiche weise konnte
sich t in bomb'tare wegen der vorausgehenden media in d erweichen.
Mlat. bunda 'sonus tympani s. Ducange und Class. auct. VI, 512*.
Borne fr. (f.) gränzstein, bei Dante Inf. 26, 14 borni ecksteine,
vb. fr. borner begränzen. Gleichbedeutend ist mlat. bonna (11. Jh.), altfr.
bonne, boune, bousne, neupr. bouino und das weit ältere mlat. bödina,
bödena (diesen accent fordert die zwischen e und i schwankende endung
ena, ina), altfr. bodne Ben. I, 376. An die älteste form hat man sich,
wie überall, zu halten: aus bodina konnte sich recht wohl bonne, aus dem
zsgz. bodna bei der Verwandtschaft zwischen d und r wohl auch borne
gestalten; legt man aber bonna zu gründe, so bleibt das in borne ent-
haltene r ohne erklär ung. Mit auf Stellung der urform bodina fällt die her-
leitimg aus ßovvog (hügel) so wie die aus dem bret. born (Potts Forsch.
II, 212, bonn Le Gon.) weg: hier bleibt nur übrig dem stamme bod
nachzuspüren, dessen Vorhandensein auch das pr. bozola (= borne) zsgs.
bola, mlat. bodula, bestätigt; s. unten bouder. Vermuthungen über das
unsichere wort bei Diefenbach, Goth. wb. I, 300, so wie bei Grimm,
Deutsche grenzalterth. (Berl. äkad. 1843), welchem bonna, bonda, bondula,
bosula auf die botones, bosones der agrimensoren zurückzugehen scheinen.
BoBseman fr., vom ndl. bootsman, ndd. boosmann.
Boa altfr. armring: la bou de 8un braz carmillam de brachw LBs.
121; armilles qu'om bons apele Ben. I, 341; vom ahd. bong {dies
von biogan), altn. baugr ring, spange, kette. Die prov. form wäre baue
ILc. BOUC— BOUE. 529
Bouc fr., pr. boc das männliche thier des Ziegengeschlechtes. Das
wort kommt auch um die grämen von Frankreich vor: churw. bück,
comask. bocch, cat. boc, arag. boque; altsp. buco scheint gradezu aus
dem franz. Es ist im celtiichen und deutschen einheimisch, nach Grimm,
Gesch. d. d. spr. I} 42, aber erst aus dem roman. ins deutsche verpflanzt.
An seiner statt braucht der Italiener becco, der Spanier bode. Abgeleitet
ist fr. boucher, pr. bochier metzger, eigentlich bocksMächter, fr. bou-
cherie, pr. bocaria metzig. So hatte man brecaria metzig für schafe,
cabreria für ziegen, ein dllgemeinerer ausdruch war carniceria. Die
meisten leiten boucher von bouche: der fleischer sei einer der für den
mund arbeite. Dem widerspricht schon das sufßx arius, fr. ier, er, da
es personen bezeichnet, die sich mit dem primitiv beschäftigen oder damit
in berührung sind, nicht solche die dafür arbeiten (barbier, ouvrier,
Chevalier cet.). Überdies wird die herleitung aus bouc durch das it. bec-
caro = boucher, von becco = bouc, nicht wenig unterstützt. Das ur-
sprüngliche franz. wort für fleischer muß maiselier = macellarius ge-
wesen sein; warum es dem speciellen boucher weichen mußte, ist schwer
zu sagen; vielleicht weil es zu sehr an mesel (aussätzig) erinnerte. Weiteres
über boucher im Erit. anh. p. 6.
Boucher fr. zustopfen, bouchon stopfen. Die deutung dieser Wör-
ter ist so verzweifelt nicht, wie sie den etymologen scheint. Bouchon ist
= pr. boco, it. boccone und heißt eigentl. mundvoll, das was den mund
füllt, specieU was den mund der flasche füllt; darnach das vb. boucher,
das keine andre roman. spräche kennt.
Boucle fr. (f.) ring, auch haarlocke, hieraus sp. bucle mit letzterer
bed.; aber altfr. bocle, blouque, pr. bocla, bloca, jdtsp. bloca PC. mit
der bed. erzbeschlag in der mitte des Schildes, nüai. bucula scuti Gl. Isid.,
mhd. buckel; abgd. fr. bouclier, pr. bloquier, it. brocchiere, ahd. buckeler
schild mit einem buckel, wal. boglariu spange; sämmtlich von buccula
backen, nach der ähnlichkeit benannt.
Bouder fr. schmollen, boudin (comask. bodin) blutwurst, boudine
knöpfchen, altfr. nabel, npr. boudöli bützd, boudougno buckel, geschtoulst,
piem. bodero dick, untersetzt; zsgs. mit inflare, npr. boud-enflä, boud-ouflä,
boud-ifla aufblasen; mit sufflare fr. bour-souffler (für boud-souffler),
assimiliert borroffler, doch wäre hier, das wal. bos-unflä verglichen, auch
Zusammensetzung mit borsa geschtoulst und inflare gedenkbar. Diese bil-
dungen führen auf einen stamm bod, der etwas aufgetriebenes bezeichnen
muß, denn selbst bouder heißt das maul hängen, die Unterlippe als wtdst
hervortreten lassen (piem. fö'l bodou), oder es heißt, wie das henneg.
boder, schlechtweg aufschwellen. Zu demselben stamme gehört auch bod-
ina gränze (s. borne), eigentl. etwas vorragendes wie unser schwelle von
schwellen. Ist dieser stamm lateinisch, so findet er sich unzweifelhaft in
bot-ulus wieder'; goth. bauth-s stumpf liegt in seiner bedeutung schon
entfernter; engl, bud knospe fehlt der ags. spräche. •
Boue fr. koth, dreck, alt boe. Dem süden Frankreichs fehlt es
34
530 II. c. BOUGER-BOUQUIN.
und seine steile vertritt pauta, womit es aber nichts gemein haben kann.
Man merke dazu lothr. bod&e gleichbed. und pic. bändelt adj., welche,
da sie schwerlich anderes Ursprunges sind, einen dental als stammauslaut
des etymons annehmen lassen. Gleichwohl ist die von Frisch vermuthete
Herkunft des Wortes aus dem hd. bocht oder bäht nicht wahrscheinlich, da
cht ein festes frans, t, also auch mdartl. botäre, botel6 verlangen würde.
Besser genügt kymr. baw (m.) schlämm, wobei auch budyr schlammig *u
berücksichtigen ist; man beachte Bief. Ceti. I, 183. Zu erwähnen ist noch
das wahrscheinlich aus boue (pr. boa?) entstandene lomb. boga.
Bouger fr., bojar pr. sich von der stelle rühren, vgl. watton. bog!
wegrücken. Mit Leibnite und Frisch vom ahd. biogan, nhd. biegen nach-
geben, weichen, oder vom ahd. bogen, ndl. bogen, schweb, bojen, altn.
buga beugen, krümmen. Biese herleitung scheint genügend, gleichwohl
ist etwas dabei zu erinnern, was sie mehr als zweifelhaft macht. Bas
eigentl. prov. wort ist nicht bojar, das erst in dem prosaischen Albigenser-
krieg vorkommt und aus dem frans, stammen kann, sondern bolegar
= it. bülicare, offenbar abgeleitet aus bulir, bolir sieden, wallen, wimmeln,
sp. bullir in steter unruhe sein, pg. bulir etwas von seiner stelle weg-
rücken, und mit diesem wort trifft bouger buchstäblich zusammen.
Bougre fr. ein Schimpfwort. In der älteren Sprache ist es s. v. a.
Bulgarus, völkername, bedeutet aber demnächst jeden keteer, weit die Bul-
garen dem manichäismus besonders ergeben waren und der höchste priester
dieser secte in ihrem lande seinen sitz hatte, daher bougrerie ketzeret. Bei
Nicot hat bougre die bed. paedico, die, wie Menage vermuthet, dem worte
darum beigelegt ward, weil der paedico derselben strafe verfiel wie der keteer.
S. Bucange s. v. bujgarus, vgl. auch Böcking zur Notitia dign. p. *1084.
Boulanger fr.bäcker. Vergleicht man sp. bo\\o müchbrot, comask.
bulet eine brotsorte, so darf man es mit Bucange von boule (s. bolla I.)
herleiten, woraus zunächst ein unvorhandenes boulange (kugelförmiges
backwerk?) entstand. Bulengarius findet sich im 12.. jh.
Boulevard, boulevart fr. (boulever bei Nicot) wäll, festungswerk,
hieraus entlehnt pr. balloar erst %n der Chron. albig., it. baluardo, sp.
baluarte; vom dtschen bollwerk wie altfr. Estrabort von Sträzburc ; jenes
nach Frisch I, 118 ssgs. aus bohl- werk, vgl. aber auch Schmäler IV, 141
und J. Grimm im Wb. Roquefort hat bollewerque.
Bouleverser fr. über den häufen werfen; eigentl. umkehren wie eine
kugel (boule). Bie limous. mundart änderte dies in polo-versd (polo clunis).
B online fr. seitentau eines segeis, altfr. boline Trist. II, 76, botiline
Brt. 11, 141 ; vom ndl. boe-lijn, engl, bow-line, schwed. bog-lina, bo-lina,
hd. bo-leine.
B o u q u e r fr. sich fügen ; vom nord. bucka niederdrücken, nhd. blicken.
Bonquin in der bed. schlechtes buch; von einem mndl. boeckln
büchlein, nndl. boekje. Man sehe über diese ndl. diminutiva, sofern sie
ins frans, übergegangen sind, Nicot s. v. mannequin, Menage v. brodequin
und Rom. gramm. U, 309.
II. c. BOURBE-BRAIMAN. 531
Bo ur b e fr. (f.) schlämm, wallon. borbou ; man vergleicht gr. ßoQßoqog.
Bourde fr., borda pr. lüge, vb. boarder; dahin mndl. boert, boerde.
Die alte bed. spaß, belustigung, aufschneiderei führt auf die herkunft des
Wortes, das aus pr. bort für biort ritterspiel (s. bagordo I.) entstand: .
altfr. behorder zeigt schon die abgeleitete bed. scherzen, spaß treiben. Aus
behord in diesem sinne ward das engl, boord und gael. bürd.
Bourgeon/r. knospe, sprosse. Ducange vermuthet vom lat. turio
(q. v.); ganz verwerflich. Grammatisch möglich ist entstehung aus dem
ahd. burjan heben, so daß bourgeon (ahd. burjo?) etwas sich hebendes,
hervorbrechendes bedeutete. Die occit. mundart kennt für äuge des zweiges
das einfachere boure, die lomb. für brustwarze = knospe borin.
Bourreau fr., borel pr. henker, Scharfrichter. Nach MSnage zsgz.
aus bouchereau von boucher metzger. Ist auch gegen die begriffe nichts
einzuwenden, da z. b. sp. boya beide bedeutungen in sich schließt, so scheint
die zusamtnenziehung doch etwas gewaltsam. Borel kann aus boja (s.
dies wort (hl. I.) abgeleitet sein und vermitteilst des dqppelsuffixes er-ell,
wovon auch die franz. spräche beispiele besitzt (mät, m&t-er-eau), es ent-
spräche also einem hypothetischen it. boj-er-ello, vgl. chw. bqjer, altsp.
borrero. Von bourreau ist auch das vb. bourreler peinigen. — - [Schon
Huet vermuthete Zusammenhang zwischen boja und bourreau.]
Bouse fr., pr. boza, buza kuhdünger. Churw. bovatecha, com.
boascia, parm. boazza mit ders. bed. lassen ein fr. bouasse annehmen;
ob aber auch bousse, bouse, ist sehr zweifelhaft, da sich von einer Ver-
legung des tones von dem ableitungssuffix auf den stamm im franz. kein
ganz zuverlässiges beispiel findet. Sicherer ist herleitung aus mhd. butze
klumpen, der abgeschnitten, weggeworfen wird, nach Müller, Wb. I, 187,
schon von Frisch geltend gemacht; dieselbe au/fassung in ätron, s. stron-
zare II. a.
Brac pr. (f. braca) cvil, seile, abyect* nach LR. I, 246, nur inrima
braca, vida braca. Unter brac schlämm (oben brago I.) läßt es sich
nicht ordnen, weil sein c radical ist. Unser, brak 'corruptus, vilior
Frisch I, 124b empfiehlt sich der erwägung.
Brague altfr. lustbarkeit,% braguer (noch nfr.) lustig leben, neupr.
bragä. prangen, stolzieren, altfr. bragard geputzter mensch, stutzet, mndl.
braggaerd. Muthmaßlich, da es der alten prov. spräche fehlt, vom altn.
brak geräusch, braka prangen, übermüthig sein. Celtische beziehungen
bei Diefenbach, Goth. wb. I, 268.
Braiman^r. freibeuter; völkername, Brabänter, altsp. entstellt in
breimante Jlx. (von Sanchez unrichtig erklärt). S. Ducange v. brabau-
ciones. Ein appdlativ andrer bedeutung gab der völkername Flamänder :
dteat. flamenc frisch von geeicht Chr. cCEscl. 682b, vgl. Cervantes
Num. 1, 1 : en las teces de rostros tan lustrosos . . pareeeis . . de padres
flamencoö engendxados ; aber piem. fiamengh prächtig, herrlich, mhd.
ylaeminc ein mensch von feiner rede und büdung s. Wackernagels Altfr.
Ueder p. 194.
532 ILc. BRAIRE— BREHAIGNE.
Braire fr. schreien (vom esel), altfr. pic: norm. pr. braire Überh.
schreien, weinen, auch schmetternd singen (lo rossinhols brai), pari, brait,
daher sbst. brait geschrei; churw. bragir, bargir. Achtet man auf die
sinnverwandten verba altfr. muire aus mngire, braire aus bragire (nUat.),
so läßt braire auf ein älteres bragire schließen, das auch im nüatein vor-
kommt. Ihm könnte engl, brag, kymr. bragal prahlen, lärm machen, ver-
wandt sein, läge nicht eine Verstärkung von raire durch malerisches b
(vgl b-ruire aus rugire) ganz nah. Vom sbst. brait ist pr. braidar,
pg. bradar, daher adj. pr. braidin, altfr. braidif e. b. Brt II, 202 hitzig,
stürmisch, urspr. wiehernd; vielleicht auch pr. altfr. braidir, altit. bradire
PPS. I, 243. Auch fr. brailler, pr. braillar plärren (für braaiUer?),
piem. braje konnten aus brai-re abgeleitet sein wie etwa cri-ailler aus
cri-er, pi-ailler aus dem unvorhandenen pi-er, it. piare.
Brande fr., neupr. brando kleines gesträuch, in Berry brande heide
ßu besen.
Braqner fr. biegen, lenken; vom altn. bräka unterwerfen, eigentl.
brechen = mhd. brächen, daher langsam machen, vgl. engl, to break, lat.
frangere brechen, bezwingen, beugen, altfr. briser son corps seinen korper
biegen.
Bras altfr. malz, nilat. bracium (unde cerevisia fit Papias), vb.
brasser, auch altsp. brasar brauen, nilat. braciare, braxare ed.; vom
gallischen brace bei Plinius, ein getreide, woraus malz bereitet ward,
unserm brauen nach Grimm Wb. nahe liegend, gad. braich (f.), kymr.
brag (m., sing, bregyn), vb. gad. brach, kymr. bragu. Abweichend vom
franz. ist das wci. brahe, wofür aber Diefetibach slavische herkunft ver-
muthet. Näheres bei Grandgagnage s. v. brä und Diefenbach, Orig. europ.
p. 265.
Breche fr. bruch, lücke, scharte, wohl auch pr. berca kerbe GO.,
aus dem fr. entlehnt it. breccia, sp. brecha bruch der mauer, in dieser
bedeidung bereits bei J. Febrer str. 229 rompre una bretja; t*. pr.
bercar und enbercar, pic. überquer, fr. ^bracher schartig machen. Das
wort stimtnt mit ahd. brecha, mhd. breche etwas brechendes, Werkzeug
zum brechen, mndl. breke bruch, schwz. breche stürz von losgerissenem
gesteine. Man vergleicht auch kymr. breg (m.) bruch. Dem mhd. bröchel
(brecher) entspricht it. briecola, sp. brigola, fr. bricole Steinschleuder,
mauerbrecher.
Bredouiller stottern; muthmaßlich vom altfr. bredir, pr. braidir
singen, schmettern (von vögeln), vgl. oben braire.
Brähaigne fr. unfruchtbar (von menschen und thieren). JSs gibt
verschiedene formen. Eine uralte ist in den Livr. d. rois p. 6. 360
baraigne, vom weihe oder auch von Sachen gebraucht : la baraigne plusurs
enfantad 'sterüis peperit plurimosy; hiernach wäre brähaigne umgestellt
aus beraigne und h nur eingeschoben, um den hiatus zu wahren. Wallon.
lautet es brouhagne, metzisch bereigne, pic. zsgz. breine, bürg, braime
u. dgl., altengl. barrayne, neu barren; span. Urkunden späterer zeit haben
II. c. BRELAN— BRISER. 533
brana. Die itäl. spräche besitzt bretto unfruchtbar, muthmaßich ganz
verschiedenes Ursprungs. Hält man sich an die älteste form baraigne, so
kann das wart abgeleitet sein aus dem alten bar mann im gegensatz zum
weibe, im frühsten mlatein barns neben baro: baraigne wäre alsdann ein
mannweib, ein unfruchtbares weib. Dieselbe auffassung begegnet im
gleichbed. sp. machorra von macho mann, im pr. toriga von taur stier,
vgl. lat. taura. Gewöhnlich erkennt man darin das bret. br^c'han, das
den übrigen celt. mundarten abgeht und um so eher ein fremdling sein
kann.— Was bedeutet flauste bröhaigne bei Roquefort Poes, frang. p. 106 ?
Brei an fr. ein hartenspid, vb. breiander. Die ältfr. form ist
brelenc, berlenc und bedeutet das brett zum Würfelspiel: nn berlenc
aporte et trois dez FC. III, 286, troi d6s et un brelenc IV, 44, später
auch den ort des Würfelspiels, s. Nicot und Menage. Es ist vom dtschen
bretlfn brettchen, oder (besser) bretling, wie J. Grimm bemerkt (Haupts
Ztschr. I, 677). Daher sp. berlanga ein glücksspid.
Breme fr. ein dem karpfen ähnlicher fisch; für bresme, vom dtschen
brachsme, in Sheims bräme, neupr. bramo.
Br essin fr. seil am ende der segelstange, um sie zu richten; ndl.
sehwed. bras, engl, brace, nhd. brasse, aber nicht daher, sondern von dem
in gleichem sinne gebrauchten fr. bras arm, da diese taue gleich armen
herabhangen. Bressin tauschte a mit e vielleicht zum unterschiede von
brassin gebräude.
Bret pr. 'horno linguae impeditae* GFrov. p. 50, fr. parier bret
oder bretonner stammeln, eigentl. bretonisch d. h. für einen Franzosen
unverständlich reden: ieu ai lengua bretona qne negus hom no m'enten
LH I, 440. So ist dem Spanier vascuence und algarabia verworrene
rede, und ähnliches findet sich auch anderwärts.
Brette fr. (f.) hieber, vb. bretailler; vgl.nord. bredda kurzes messet
oder säbel.
Breuvage/r. trank; umgestellt aus beuvrage = pr. beuratge, it.
beveraggio, von boire, lat. bibere; vb. abrenver für abeuvrer = pr.
abeurar. Das r in beurage rechtfertigt sich aus einer vorausgegangenen
Substantivbildung, wie etwa pr. biver schenk, beveria zecherei.
Brimborion fr. lappalie; nach Frisch von brimber betteln (s.
bribe L), also mit anwendung einer halb latein. endung (brimborium).
Brin ältfr. gebrause, lärm: demainent grant brin Sax. II, 65, vgl.
I, 210, Fer. 185b. 186a; wohl vom altn. brim brandung, meeresbraus,
wogegen Gachct auf bruin, brnine verweist.
Brin d'estoc fr. springstock; aus dem deutschen worte.
Briser fr., pr. brisar, brizar brechen, zerbrechen (trans.y auch in-
trans. für se briser, se brizar), sbst. fr. bris (m.) bruch, Schiffbruch,
schiffstrümmer, pr. briza, lomb. brisa (piacent. bris) brosam, brotJcrümchen ;
ssgs. ältfr. däbriser, pr. desbrizar, abrizar, desabrizar zertrümmern, sbst.
fr. d 6 bris (m.) trümmer; abgel. fr. br&iller, pr. brezilhar zerbröckeln,
sbst. fr. in Berry br&illes holzstückchen. Dieser stamm bris erinnert an
534 IL c. BRIVE— BBOUÜE.
unser deutsches brästan (präs. bristu), altn. bresta, schwed. brista aus-
einander brechen, bersten; aber ihm würde eher brisser als briser ent-
sprechen. Man darf ein selbständiges wort darin annehmen, das sich e. b.
auch im gael. bris brechen, sbst bris bruch, im ndl. brijzen KU. und
brijzelen zertrümmern ausspricht. Genau mit dem buchstaben, minder
genau mit dem begriffe, stimmt das bereits von den SUem etymclogen
hiereu angeführte hispanische, schwerlich aus dem allerdings gleichbed.
gr. ßgvrea geformte brisa weintrester, s. II. b, dem sich das nüat. bei
dem scholiasten Cornutus vorkommende brisare auspressen anhängt; doch
vermittelt das bret. bresa zerknittern, pressen, stampfen einigermaßen die
bedeutungen von briser und brisare (s. Diefenbachs Orig. europ. p. 273).
Sollte dieses span. brisa das urwort sein, so ist es bemerkenswert?^ daß es
der Südwesten nicht zu weiteren büdungen benutzt hat: das sp. brizna
splitter z. b. ist schwerlich dahin zu rechnen. Im it. bricia, briciola,
briciolo darf bei der nicht ganz seltenen ausartung des s in c (cncire
für cusire cet) eine abweichung vom lomb. brisa angenommen werden:
das altn. britia zerstückeln wäre ein zu weit hergeholtes etymon. Prov.
briga, lomb. brica s. v. a. briza, vb. npr. esbrigä, s.v. a. brizar scheinen
zum deutschen brechen zu gehören, vgl. thl. I. bricco (1).
Brive fr. wird in einigen franz. Wörterbüchern als ein aus dem
celtischen gekommenes wort mit der beä. brücke aufgeführt, das cdt. briva,
bria aber in verschiedenen städtenamen, z. b. in dem alten namen von
Amiens Samaro-briva (Sommebrücke), nachgewiesen. Aus der mundart
vonDauphine hat man ein gleichlautendes briva mit der bed. weg, straße,
wofür auch brio gesagt wird, angemerkt: dies könnte allerdings cdtisch
sein, kymr. briw bruch, vgl. die bedd. bruch und straße im altfr. brisöe
und neufr. route.
Brochet fr. hecht; eigentl. kleiner spieß, von broche (s. brocco I)
wegen seines spitzen maules, ebenso heißt engl, pike spieß und hecht, fr.
bequet schnabel und hecht, vgl. auch fr. lanceroii junger hecht, von lance.
Buchstäblich dasselbe wort ist it. brocchetto kleiner ast.
Broigne, brunie altfr., bronha pr. panzer, broyna noch in einem
gedieht vom j. 1433 s. Jogas dd gai saber p. 268, mlat. brugna in einer
Urkunde vom j. 813 ; vom gleichbed. goth. brunjö, ahd. brunjä, altn. brynja,
dies von brinnan brennen, glänzen Grimm III, 446. Die roman. nach-
bildung ist so genau, daß sie selbst das ableitende j der ausspräche nach
(phonetisch) bewahrt hat: tei cuvenist helme e brunie a porter Alexs. 83.
Das schöne wort hat sich nur im nordischen erhalten.
Bronde altfr., piem. bronda zweig, occit. broundo reisholz, daher
pr. brondel, brondill zweiglein.
Bronailles fr. eingeweide der fische und vögel, buchstäblich das
wort der Isid. glossen burbalia 'intestina', seinem Ursprünge nach schwer
zu beurtheilen. 8. Diefenbachs Gelt I, 200. Nicht zu übersehen ist dabei
das mit brouailles gleichbedeutende altfr. brenilles (zweisüb.).
Brouäe fr. nebel; eine participiälbüdung wie guilöe, gelte oder sp.
J
ILc. BROUIR— BRUINE. 535
nevada, von unentschiedener Herkunft, doch weder aus latein. noch celt.
wurzel. Die picard. tnundart leitete aus demselben stamme brouache
feiner regen, die von Berry brouasser fein regnen, rieseln; statt brouöe
aber spricht die letztere tnundart, vielleicht nur durch einschiebung, ber-
rouäe. Fon bruine scheidet es sich durch seinen stammvocal, stimmt aber
in dieser rücksicht zum synonymen brouillard. Man darf erinnern an
ags. brodh {für bradh) duft, und an mhd. brod-em (für bradem);
brouillard würde alsdann zu brodel, brudel aufsteigender dampf Frisch
I) 141b gestellt werden dürfen.
Brouir fr. verbrennen, von der sonne, dltfr. auch vom feuer, le feu
i boutent e trestout Font bru* Gar. I, 210; vom mhd. brttejen, ndl.
broeijen erhitzen, anbrennen, nhd. brühen. Dasselbe bedeutet piem. bro&,
broYÖ, ven. broare, mail. sbröjä. Merkwürdig ist das gleichbed. neupr.
braouzf = brauzir, das sich zu brouir zu verhalten scheint wie auzir zu
ouir, jauzir zu jouir, blauzir zu blouir, und also einen stamm braud oder
braut in anspruch nimmt.
Brouques pic. hosen; vom ndl. broek = ahd. bruoch. Von der
zss. theoh-bruoch Graff 111, 278 bewahren nur die Cass. glossen eine
roman. nachbüdung, s. Altromanische glossare 107.
Bru pr. heidekraut (nur der nom. brus ist vorhanden), occit. mail.
brug, gen. brugo ; von kymr. brwg wo&d, strauch, bret. brfig so wie Schweiz.
brüch heidekraut. Meher auch broia 'ulva marina in den Isid. glossen ?
Abgeleitet fr. bruyfere, das sich im cot. bruguera, mail. brughiera wieder-
holt, dltfr. brueroi. Vgl. Diefenbachs Cdt. I, 216.
Bru fr., in der alten spräche bruy, Schwiegertochter, bdle-ßle. Es
ist deutscher herkunft: goth. bruthg, ahd. mhd. brät, nhd. braut, alts.
brfid, ndl. bruid, ags. bryd, engl, bride, aXtn. brfidhr, schwed. brud, die
verlobte kurz vor der hochzeit oder die neuvermählte. Im goth. jedoch
hat das (nur in einer stelle begegnende) wort dieselbe bedeutung wie im
franz., wobei es unentschieden bleibt, ob sich letztere daraus herleite oder
ob sie sich unabhängig aus der gemeindeutschen entwickelt habe. Bemerkens-
tcerih ist dabei, daß auch dem churw. brtitt nur der goth. begriff zusteht.
Bru ist übrigens das einzige deutsche verwandtschaftswort, das in einer
roman. Schriftsprache platz gefunden. Die norm, und champ. tnundart
bewahren auch noch die zss. bru-man neuvermählter, aus dem altn. brüdh-
mannr (üblich brüdh-madhr) hochzeitsgast, schwed. brud-man brautführer,
die also ungefähr in den sinn von brüdh-gumi = bräutigam ausge-
wichen sind.
Bruc pr. rümpf: aqui lor an las testas del bruc cebradas Gitoss. ;
stimmt zum ahd. brüh, nhd. bruch fragmen. Gleichbed. ist brut: ac long
e plenier lo brut Fer. 980, welches, wenn es nicht eine kleine abweichung
ist von bruc, auf das ahd. brüht fractio zurückgeführt werden dürfte.
Bru ine fr., bruina pr. feiner kalter regen, vb. fr. bruiner. Wie
nah auch lat. pruina (reif) zu liegen scheint, so ist doch der übertritt der
anlautenden lippentenuis in die media im franz. etwas so ungewöhnliches,
/
536 n.c. BRUISER-CABELIAU.
daß man, auch wenn die begriffe noch besser stimmten, auf diese etymo-
logie verzichten muß. Das wort ist ein achtes product der nordwestlichen
spräche, die das suffix ina mehrfach auf naturereignisse anwendet: so
pr. calina hitze, plovina regen u. dgl., die würzet aber ist uns verborgen,
denn auf brugir, bruir (rauschen, sumsen) kann nur eine entfernte ver-
muthung fallen, wiewohl die pr. formen brazina und bruzir zusammen-
treffen und champ. bruire die doppelte bed. hat brausen und nebeln. Vgl.
auch Grandgagnage v. brouh&ne.
Bruiser, bruser altfr. zerschmettern, zeHrümmern z. b. lanzenBen.
I, 159. 214. II, 33, G. Gaimar p. 26; zsgs. combruisser s.Livr. d. rois
p.CXVlll, debruisier TFr. 33', LR. II, 261a, wo auch ein altsp. abrusar
verzeichnet steht. In diesem sehr üblichen auch zu Zusammensetzungen
benutzten worte ist vielleicht das gleichbed. ahd. brochisön anzunehmen;
man vgl. auch engl, bruise, das auf ags. brysan zurückgeleitet wird.
Geltische verwandte s. bei Diefenbach, Goth. wb. I, 321.
Buquer fr. vrlt. anklopfen; vom ndl. beulten.
Bar norm, wohnung, altfr. buron hütte; vom ahd. bfir haus, wohn-
stätte, rihd. bauer. 8. Grandgagnage v. banr.
* Buse fr. (f.) eine geringe falkenart, auch busart, pr. buzac, it.
bozzago, abnzzago = lat. buteo. Daher auch die deutschen worter
buse, bufshart.
Busse, buse, buce altfr. ein größeres fahr zeug, nüat. (um 1080)
bucia, (um 1110) buza, masc. pr. bus, altsp. buzo ein ruderschiff, vgl.
ags. butse in butse-carlas schiffleide (bei Lye, s. auch Ducange v. bus-
carla), engl, bufe, ndl. buise fischerboot, <ütn. bfissa; von bntta, buttis,
nach Ducange u. a.
c.
Gaab le7 chaable altfr. ein schweres wurfgcschütz steine zu schleudern
Hol. u. s. w., syncopiert aus cadable, in späterem nüatein chadabula.
Dieselbe sache heißt pr. calabre, worin d mit 1 vertauscht ward, so
auch altsp. calabre Conq. ültram. Das altfr. wort bedeutet auch das
niederwerfen auf den boden so wie den niedergeworfenen bäum, die ab-
geschlagenen äste, vgl. cables ou arbres abbatus (vom j. 1402), le bois
nommä caables qui chiet par avanture (1411), s. Garpentier. Daher
sowohl neufr. accabler zu boden schlagen oder drücken, wie chablis
Windbruch in Wäldern. Form und begriff von caable leiten auf gr. xara-
ßoty niederwerf ung, Zerstörung.
Cabeliau fr. ein fisch der nördlichen meere; zunächst vom ndl.
kabeljaauw, woraus auch durch Umstellung, vielleicht mit rücksicht auf
baculus stock, das sp. bacalao, bask. bacailaba, venez. piem. bacala
Stockfisch (getrockneter kabliau) hervorgegangen scheint, doch ist die form
auch nddeutsch (bakkeljau).
IL* CABESTAN-CAHIER. 537
Gabestan fr. (in.) schiff swinde das ankertau auf- und abzuwickeln,
engl, capstan; aus dem sp. cabr-estante d. i. stehendes hebczeug (Wedg-
wood, vgl. E. Müller).
Cabrer fr., eabrd neupr. (nur reflexiv se cabrer cet.) sich bäumen;
van caper bock, einer üblichen Stellung dieses thieres entnommen.
Cabus fr. in chou-cabus köpf kohl; = it. capuccio kopfchen, von
capnt, nhd. kappes, russ. kapnsta cet.
Gadeau fr. Schnörkel der schönschreiber, zierath, vb. cadeler vrlt.
Schnörkeln; von catellus dimin. von catena, vgl. it. catenella kettenförmige
Stickerei.
Gadet fr. adj. der jüngste unter geschwistern; von capitettum,
roman. dimin. von caput, also häuptchen, junges haupt.
Ca dran fr., quadran pr. Sonnenuhr; von quadrans, it. sp. qua-
drante astronomisches instrumenta
Cagot fr. scheinheilig. Dieses wort, das in der bemerkten bedeu-
tung nicht vor dem 16. jh. vorkommen soll, wird mit dem gleichlautenden
natnen einer in Bearn und angränzenden landestheilen zerstreuten race
oder caste für identisch gehalten. Nach Aquitanien geflüchtete Gothen
und Araber erhielten von Karl Martell und dessen nachfolgem sehnte
und freiheüen, galten aber bei den einwohnern für Arianer und aussätzige
und wurden von ihnen mit dem Schimpfnamen cagots d. i. canes Gothi
belegt. S. Michel, Bist, des races maudites I, 284. Etymologisch ist
gegen diese ziemlich alte erklärung nichts einzuwenden: pr. c&hund, Got
Gothe. Die neue bedeutung würde sich also wohl in der ort aus der
alten entwickelt haben, daß man sich unter cagot einen menschen dachte,
der gegen seine Überzeugung die katholischen kirchengebräuche mitmachte;
ebenso ist cafard eigentl. ungläubig, demnächst scheinheilig (s. cafre IL b).
Wie man übrigens in Südfrankreich die von dem Spanier so hoch geach-
teten Gothen mit den Sarazenen vermengte, zeigt der schon oben s. 420
angeführte vers eines troubadours: Masmutz, Maurs, Götz e Barbaris.
Frisch I, 362° deutet das wort aus dem pr. cap und dem dtschen gott:
cap-got, ca-got wäre eine betheurung €bei dem haupte gottes\ womit man
die heuMer benannt habe.
Cahier fr. heft papier. Denkt, man sich cayer (so schrieb man
ehemals) aus pic. coyer (quoyer HScart) abgeändert wie frayeur aus
froyeur, so kann es aus codicarium, von codex, zusammengezogen sein,
und dieses wort kennt selbst der Lateiner, wenn auch in anderer bedeu-
tung. Schon Nicot bemerkt: cayer semble qu'il vienne de codex,
pourtant les Picards dient coyed, et semble que le Francis debvroit
dire cayed. Aber besser deutet Mahn (p. 122): cahier, in älterer
Schreibung quayer, ist das pr. cazern d. h. cadern = it. quaderno: d
schwand und in die lücke trat y (i) ein, ebenso schwand das auslautende
n, wie dies nach r zu geschehen pflegt. — Ducange und andre erklärten
cahier aus quaternio, das im nüatein vier zusammengehörige blätter be-
deutet, allein quaternio hätte, wie der Erit. anhang p. 8 berechnet, hoch-
538 II. e. CAHUTE-CALANDRE.
stens cargnon geben können. Dies war ungefähr getroffen, es heißt car-
rignon, der anhang zu Roquefort kennt es (s. carreignon), übersetzt es
aber mit scel (sieget), dagegen liest man Gar. II, 124 furent li carignon
escrit et seelez die bogen wurden geschrieben und gesiegelt", quaregnon
steht Alex. 64, 17.
C ah ute fr. barackey cdtfr. chahute und cahuette. Das wort hat
das ansehen einer Zusammensetzung. Ihr erster theil ist nicht ganz sicher,
wahrscheinlich aber das deutsche kaue d. i. käfig, behältnis; der zweite
offenbar das im franz. vorhandene deutsche htitte, zusammengenommen eine
enge, schlechte hätte. Da kaue (vom lat. cavea) im franz., worin es etwa
choe oder choue gelautet haben würde, nicht vorkommt, so darf man an-
nehmen, daß das compositum im deutsclien bereits vorlag. Cahuette muß
eine diminutivform sein für cahutette und sich verhalten wie servierte für
servitette. Das fr. cajute stammt aus dem ndl. cajuit
Caillou fr., altfr. caiUau Fier. 95, 7, noch jetzt pic. caliau, dsgl.
caliel ChCyg. s. Gachet, cailleu Fier. 157, 10 und so caillex DMce.
216, 14. 304, 29, pr. calhau, occit. caiau (cafeou) kiesel, daher pg. calhäo.
Die endung schwankt zwischen ou, au, el, eu. In solchen fallen gibt die
prov. mundart gewöhnlich den ausschlag: das suffix au = fr. ou ist =
lat. av, wie in Anjau Anjou, Peitau Poitou, allein das pr. ealhau (im
Elucid.) ist wenig üblich und scheint entlehnt, der eigentlich prov. noch
jetzt gültige ausdruck ist codol. Ganz Mar und verständlich ist das
suffix ou in der form caillou: es muß dasselbe sein wie in genou, verrou
= cdtfr. genoil, verroil, das abgefallene 1 erhielt sich im diminutiv cail-
loul-et (-ez DMce. 11, 1). Als primitiv zu allen bemerkten bildungen ist
cail anzuerkennen, caille gleichbed. besitzt Berry. Die form betrachtet,
leitet ersteres auf coagulum wie cailler auf coagulare: stützt man sich auf
Grimms deutung von kiesel aus einem unvorhandenen vb. kisan gerinnen,
so daß der kiesel ein aus sand oder kies zusammengeronnener oder geba-
deter stein wäre (Haupts Ztschr. VII, 469), so hat man einen analogen
fall. Aber wenn die darin waltende naturanschauung auch für das deutsche
angenommen werden dürfte, so ist dies für eine neuere spräche, welcher
andre quellen zu geböte standen, weit gewagter. Das franz. wort laufet
wallon. caiau, dimin. caiewai, bei welchem Grandgagnage I, 93 auf das
gleichbed. ndl. kai, kei hinweist; was aber diesem etymon fehlt, ist der
dem erweicUen 1 des abbildes genügende buehstabe. Ein lat. wort von
ähnlichem klänge ist calculus calc'lus steinchen: hieraus, freilich mit einem
den franz. bildungsgesetzen wenig entsprechenden verschwinden des l,
caclus, endlich cail, wofür chail au erwarten war, doch steJU chaillo Bert,
p. 48, chaillou Gayd. p. 151, chaillot Chev. au lyon p. 137. Die natio-
nalität dieses etymons muß das mangelhafte der form aufwiegen. Aber
hier noch die frage: wie ist das mit caillou ganz gleichbed. kymr. cellt
nebst callestr zu beurtheüen?
Calandre fr. walze; von cylindrus (xvXivÖQog). Da nämlich y
nicht selten wie u oder etwa ü lautete, so konnte auch das vorhergehende
ILc CALUC— CAROLE. 539
c seine gutturale ausspräche behaupten, wie dies in coing xvdwviov ge-
schah: calandre ist also im gründe aus colandre abgeändert.
Caluc pr. 'curtum habens visum GProv. p. 57, auch Br. Am. 1, 173.
Es ist vom it. caluco zu trennen, und könnte eine Zusammensetzung sein
ca-luc. Dieses ca zeigt nämlich auch calorgne in der mundart von Haut-
Maine, das der bedeutung von borgne entspricJit, aber wie erklärt es sich?
Gambrer fr., neupr. cambrA bogenßrmig krümmen: von camerare
wölben, einen bogen f atmen.
Ganapsa fr. ranzen für speisen (kein altes wort); vom dtschen
knappsack, dies von knappen essen, kauen.
Cane äUfr. (f.) schiff, nfr. eanot kleines fahr zeug; dsgl. nfr. cane
(f.), altfr. canote ente, nfr. canard enterich, auch wasserhund. Man sieht,
daß schiff und ente, beide als Schwimmer gedacht, in derselben bezekhnung
zusammenfallen. Die Urbedeutung aber ist die erstere, denn das wort
weist nicht auf lat. canna röhr, gondd, das mit canne (dim. canette kann-
chen) ausgedrückt wird, sondern auf ndl. kaan (f.) = nhd. kahn.
Ganif fr. federmesser; vom altn. knlfr, ags. cnlf = nhd. kneip,
kneil Dimin. ganivet (vrlt.), altfr. cnivet Trist. II, 127, pr. canivet,
daher entlehnt altsp. canivete, pg. canivete.
Gapre fr. freibeuter, freibeuterschiff. Aus cap vor gebirg, weil sich
solche schiffe dahinter versteckten (Frisch I, 164c), kann es nicht abge-
leitet sein. Es ist das ndl. kaper, vom vb. kapen rauben, entwenden,
freibeuter ei treiben; dies aus dem lat. capere?
Caquer/r. heringe ausweiden und einpökeln, caqne heringstonne;
vom ndl. vb. kaecken eigentl. die kiefern (kaecken) ausschneiden, s. Kilian.
Garcan fr. pr. halsband, halseisen, engl, earcanet Hdlliw. Es hat
seine quelle weder im gr. tuxqxivoq krebs, zange, noch im dtschen kragen,
welches altfr. eher craon, nfr. cran ergeben haben würde. Besser stimmt
dazu ahd. querca, altn. qverk gurgel, hals. Das suffix ist ant, daher die
altfr. formen charchant, cherchant, ndl. karkant, seine anwendung aber
auf ein wort wie das gegenwärtige ist ungewöhnlich.
Carillon fr. glockenspiel ; nach Menage ehemals aus vier glocken
bestehend, gleichsam quadrilio.
Carne fr. (f.) winket, ecke. Altfr. carne bedeutet thürangel, von
cardo cardinis, daher nfr. charniere geurinde, gewerbe, beide bedeutun-
gen z. b. auch im gr. yiyykvfiog.
Carole, querole altfr. eine art des tanzes, etwa reihentanz, caroler
den reihen tanzen, pr. carolar GO. Man faßte sich dabei an den bänden,
z. b. as mains se tiennent li baron alos6 tout autresi cum aient carolä
Gayd. p. 58, 7. Fratfkreich war die eigentliche heimath dieser belustigung,
deren die poesie häufig erwähnt und ihr selbst eine eigne liedergattung,
chanson de carole, dankte oder widmete; man sehe Ferd. Wolf Lais
p. 186. Nach Italien und England gieng sache und wort über: it. earola,
carolare, engl, carol gesang, ursprüngl. tanz (so goth. laiks tanz, ahd.
leib spiel, gesang), kymr. carol (nach Owen von cär freund). Die hier
540 ILc. CARREFOUB— CEBCEAÜ.
in erwägung 'kommenden Stammwörter lauten sämmtlich mit co statt mit
ca an, doch ist ein tausch des o gegen a in tonloser silbe einzuräumen
(entsprechende fälle sind unter cammeo I. namhaft gemacht worden); auch
scheint auf eine ältere geschwundene form corole das bret. koralla tanzen,
Jcymr. coroli, vielleicht auch gael. coirioll zu weisen, ja ein troubadour
hat corola (qu'ieu fui ja de lor corola, var. escola) M. 782, 2, und Uc
Faidit corolar vel coreiar ccoreas ducere GProv. 29. Diese worter sind
corolla, chonis, Chorea, choraula. Corolla paßt von seilen der form, nicht
des begriff es: kränze trugen wohl die Bömer bei lustbarkeiten, aber einen
reigen darum einen kränz zu nennen, wäre eine starke Übertragung. Auch
in der bed. kreiß von menschen paßt es schlecht, da hierunter nur Zu-
schauer oder zuhörer verstanden sind. Die bedeutung der beiden folgen-
den Wörter, tanz mit gesang, trifft genau zu; nur müßte sich in chorulns
das genas geändert und in choreola das ableitende e verwischt haben.
Am sichersten geht man, was die form anlangt, mit Wackernagel, der in
caroler ein aus choraula gebildetes verbum annimmt (coraulare lconctd-
care treten, daher tanzen, bei Ugutio), aus diesem verbum das sbst. co-
raula, Carole tanz, saüenspiel Dief. Gloss. lat. germ. 150h.
Carp pr. (fem. carpa) porös, schwammicht, nur im Elucidari, auch
neuprov. nicht vorhanden.
Carrefour fr., carreforc pr. kreuzweg; gleichsam quadrifurcum
was viermal eine gäbet bildet.
Casnard altfr. Schmeichler Roquef. Sollte das wort in der that,
wie Meyer, Orot, roman. fragm. ed. II.p. 530, meint, das von Quintüian
aufbehaltene gallische casnar sein? in oratione Labieni (sive illa Cornelii
Galli est) in Pollionem casnar assectator e Gallia ductum est 1, 5, 8.
Unzweifelhaft wenigstens ist die herleitung nicht. Die altfr anz. spräche
hat die neigung, s vor n oder gn einzuschieben, so daß casnard für ca-
nard oder cagnard gelten darf, cagnard ist neuprov. und burgundisch,
aber auch in die Akademie aufgenommen, und heißt tagedieb, memme, pic.
cagne träge, schlaff, in Eheims heißt cagner feige sein. Mit anderm
suffix sagt man in Berry cagnaud s. v. a. casnard und diese modification
läßt auf einen stamm cagn, lat. canis (vgl. pr. canha hündin) schließen.
Der name des hundes wird auch sonst zur bezeichnung übler eigenschaften
benutzt. Uebrigens erblickt Aufrecht in casnar eine ableüung aus lat. casnus
d. i. canus vermittelst des sufßxes äri, Zeitschr. f vergl. sprachf. II, 152.
Ceindre fr. gürten; von cingere.
Cöladon fr. eine meergrüne färbe; so genannt mit dem namen
eines schäfers in UUrfe's Asträa (1610): die schäfer nämlich dachte man
sich grün gekleidet. *
Cenelle fr. beere der Stechpalme; abgekürzt aus coccinella von
coccina für coccum Scharlachbeere, wegen der ähnlichheit beider fruchte. So
Menage und man darf beistimmen.
Cerceau fr. reif, ring, altfr. recercete, pr. recercelat geringelt; von
circulus, circellus.
ILc. CERCUEIL-CHALAND. 541
Cercueil fr. (spr. cerkeuil) sarg. Sarcophagulus, stark contrahiert,
ergäbe immer nur sarfail, darum ist die herleitung aus dem ahd. sarc
(von sarcophagus) richtiger, das mit dem suffix el die altfr. formen sar-
qu-el, sarqu-eu AUxs. 117, sarc-u ergeben konnte.
Gers pr. cot., sp. cierzo nordwind, nordostwind; vom tat. cercius,
circius nordwestwind, einem im narbonensischen Gallien gebrauchten worte.
S. auch Potts Forsch. II, 499, Diefenbachs Orig. europ. p. 290. Ur-
kunden aus Südfrankreich brauchen es genau für occident, z. b. de parte
orientis, meridiei, contra circio, contra aquüone, d. i. gegen ost, süd,
toest, nord HLang. II, num. 21 (v. j. 898). Covarruvias leitet auch sp.
cecfna gedorrtes fleisch und cecial Stockfisch (für cercina, cercial) da-
her, weil beides an diesem trocknen winde gedörrt werde: aus siccus konnte
wenigstens das letztere nicht entstehen.
Chabot fr. ein fisch, kaulkopf, pg. caboz; von caput wegen des
dicken kopfes, vgl. lat. oapito, gr. xiqxxlog großkopf ein fisch.
Chabraque fr. Pferdedecke; ein neueres wort, nebst dem deutschen
Schabracke aus dem türk. tschäpräk (Dozy Oosterlingen).
Chacal fr., auch jachal, sp. chacal (üblicher adiva IL b) goldwolf,
canis aureus; aus pers. schigala.
Chagrin fr. gram, kummer. Dieses wort, das dem 12. und 13. jh.
noch fremd scheint, ist sicher identisch mit chagrin d. i. ein rauhes mit
Senfkörnern gepreßtes leder, it. zigrino, ven. romagn. sagrin, ndl. segrein,
schon tnhd. zager s. Müller im wb. III, 840; mit Menage vom türk.
zagri rücken oder kreuz, weil es von dem kreuze des esels oder maülthieres
genommen werde, dies aus pers. sägarf gleichbed.; die Araber nennen es
zargab Freyt. II, 232*. Da man nun diese oder eigentlich die ähnlich
beschaffene haut eines seethieres auch zu reibeisen oder feilen benutzte, so
ward chagrin ein nicht unpassender ausdruck für nagenden kummer, wie
das it. lima (feile) ähnlichen sinn vertritt. Daher bedeutet in der genues.
mundart sagrinä nagen, sagrinäse sich verzehren vor zorn u. dgl.
Chaire fr. lehrstuM, kanzä, pr. cadeira, altfr. chayere überh. stuhl,
sessel, und so in den mundart en; von cathedra, daher auch altsp. cot*
bask. cadira, piem. comask. cadröga in der dUfr. bedeutung.
Chaise fr. stuhl, halbkutsche. Die ältesten gedruckten Wörterbücher
kennen chaise noch nicht, und so muß man es mit Menage für eine etwa
im pariser dialecte vor sich gegangene äbänderung von chaire halten, s.
oben besicle; auch die älteste franz. grammatik, von Palsgrave 1530, rügt
cheze für chaere als einen fehler der pariser ausspräche, man sehe Weg,
Bist, des revd. du langage p. 264, Littre, Eist. d. I. I. fr. II, 115. Besäße
es die alte spräche, so wäre freilich das lat. capsa kutschkasten (Paulus aus
Festus) in erwägung zu ziehen.
Ghaland fr. plattes boot zum waarentransport, früher auch ein
kriegsfahrzeug, altfr. kaland, chalandre, dUcat. xelandrin Chr. cCEscl.
589*, nüat. chelandiam, cheljnda, zalandria, mgr. xelavdiov. Diese art
van schiffen war besonders bei den Byzantinern üblich (Ducange s. v. che-
542 ILc. CHALONGE-CHAORCIN.
landium), vielleicht entstellt aus %ih)ÖQog Wasserschildkröte, wasserschlange.
Sofern unter chaland, sp. calan, eine person, der künde des kaufmannes,
verstanden wird, ist es schwerlich ein anderes wart: man verglich ihn mit
dem die waaren abholenden boot, vgl. barguigner von barca. Dagegen
leitet es Gaseneuve aus calo packknecht, in besiehung auf eine steile bei
Papias calones 'negotiatores, naviculae.
Chalonge, chalenge altfr., calonja pr. läugnung, bestreitung eines
anspruchs, vb. chalongier, calonjar, gleichbed. alisp. calofia, calonar (pora
caloniar el tuerto Cal. e D. p. 31*), engl, challenge ; von calumnia falsche
beschüldigung, ctiicane.
Chaloupe fr., daher sp. chalupa, it. scialuppa, ein kleines fahr-
zeug zum rudern, das gewöhnlich einem großen schiffe anhängt. Gleicher
bedeutung ist ndl. sloep (f.), engl, sloop, schwed. slup (m.), und hieraus
könnte das franz. wort entstellt sein, dessen regelrechte form seloupe oder
auch saloupe wäre; das engl, shallop leiten die einheimischen etymologen
selbst, und wohl mit recht, aus chaloupe. Zu "vergleichen ist für das
letztere auch ältfr. escalope Schneckenhaus Buteb. II, 215, nach ChevdUä
1, 423 vom ndl. scholp tnuschclschale: daß sich die bedd. muschd und schiff
berühren, ist bekannt.
Chalumeau für chalemeau, alt chalemel, pr. caramel, sp. cara-
millo rohrpfeife, Schalmei; von calamus, schon in den Gasseier glossen
mit 1 calamel.
Chamade fr. zeichen durch trommd oder trompete zur Übergabe
einer festung an den feind; vom pg. chamada ruf, dies von chamar =
lat. clamare.
Champignon fr. ein eßbarer schwamm; eigentl. feldschwamm, von
campus, agaricus campestris Linne, it. campignuolo.
Chance fr. Würfelspiel, glücksfaU, altfr. cheance, vom vb. cheoir, lat.
cadere, fallen (mit beziehung auf dm würfet), mhd. schanze, ital. cadenza/f.
Chancir fr. schimmeln; von canescere, sp. canecer. Norm, chanir
von canere. Altfr. canuir grau werden DMce. 224, 15 gleichsam canutire.
Chantepleure fr', trichter zum durchseihen, früher gießkanne; von
fr. chanter und pleurer: sie singt und weint, sie macht, tropfen sprühend,
ein geräusch (Menage). Daß die gießkanne singen soll, ist etwas wunder-
lich und es liegt in chante wahrscheinlich eine umdeutung; man sehe bei
Frisch und Scheler. Darnach gebildet it. sp. cant-implora kühlgefäß
(plorare fehlt hier).
Chaorcin pr. Wucherer, nUat. caorsinus, caturcinue, cawarsinus,
dtsch. kawartsch, gawertsch, kauwerz. Die hcrleitung aus dem dtschen
gau-täuscher s. v. a. landbetrüger (Frisch I, 505*) oder aus campsor
Wechsler (Hüllmanns Städtewesen II, 44) ist ohne dien etymologischen
werth: das wort paßt nur zu dem völkernamen cadurcinus, pr. caoref,
chaoref einwohner von CaJiors, und so verstand es bekanntlich schon Dante,
indem er diese stadt zum sitz des wuchers machte : e perö lo minor giron
ßuggella del segno suo e Sodoma e Caorsa Inf. 11, 49. Nach Ducange
/
/
ILc. CHAPLER— CHARIVARI. 543
aber waren die eadnreini italienische kaufleute zu Cahors, später nach
Montpellier und Nimes versetzt. Watsch Tyrol kennt noch jetzt den aus-
druck siori (signori) dal caorz arme krämer (bei Azzolini).
Chapler, chapeler, chaploier altfr., pr. chaplar Fer. 4146 einhauen,
sbst. pr. chaple, daher altfr. chapleYs, pr. chapladis niederhauung; von
capnlns degengriff, degen, mlat. capulare abschneiden L. Sai. und Burg.
Oder ist es gleicher herhunft mit dem folgenden worte?
Chapuiser altfr., capuzar pr. abhauen, zerhauen; sbst. chapuis
Zimmermann, von Nicot ofe mundartlich erwähnt. Das etymon liegt zur
hand: es ist capus, capo verschnittener hahn, daher das nur im Südwesten
vorhandene vb. capar verschneiden, tnhd. kappen. In seiner ableitung aber
entspricht das franz. wort dem it. tagli-uzzare und scheint dem synony-
men men-ui8er angebildet. Eine ähnliche ableitung chant-user aus chanter
Bau II, p. 122.
Ghaque fr., cac pr. pronomen. Es trifft in seiner bedeutung mit
quisque zusammen; da aber betontes i nicht zu a wird, so darf man an-
nehmen, daß es von der zss. chac-un = quisque unus abgetrennt und
selbstständig ward wie das span. cada sich von cada-uno trennte, oder
wenigstens daß chacun auf seine form einwirkte. Diese form findet sich
im pr. quec-s für das harte quesc-s, worin der erste sauselaut behandelt
ward wie in tristis trits, d. h. austreten mußte; im comask. ciasche be-
hauptete sich 8. Dem buchstaben nach stimmt cac allerdings genauer zum
gleichbed. ir. cäch, altgael. ceach, die form quecs aber entschieden zu
quisque, und wer möchte in solchen berührungen den Vorzug der lat.
Sprache, zumal in grammatischen Wörtern, bestreiten? auch steht in cäch
c für p, vgl. altkymr. paup, com. peb, bret. pep Zeuß 1, 279. S. auch
ciascuno und cadauno I.
Ohara de fr. silbenräthsel. Der endung nach fremdes Ursprungs,
und doch fehlt es im ital und span. Neupr. charado = it. ciarlata heißt
geplauder, im franz. vielleicht in cwortgetändeV übergegangen, woraus die
gegenwärtige bedeutung. Aber genauer trifft den sinn Hofmanns herlei-
tung aus dUfr. charaie Zauberspruch (anm.zu Jourdain), etwas in dunkel
gehülltes: wegen der endung in char-ade wäre alsdann noch das verbum
en-char-auder zu vergleichen.
Charivari fr. polterabend, katzenmusik, mlat. charivarium, chal-
varicum, altfr. caribari, chalivali, pie. queriboiry, dauph. chanavari,
neupr. taribari u. a. formen (etwa seit dem 14. jh.). Ursprünglich galt
das charivari dem der zur zweiten ehe schritt : wie der eintritt des paar es
in das brautgemach sonst mit den tönen der harfe begleitet ward (quae
clamorem Virginia possent impedire Ältd. Matt. II, 276), so hier mit
unharmonischem geklirr und geJdapper. Denselben gebrauch drückt der
Spanier mit cencerrada, von cencerro schelle, der Gatedane mit dem
gleichbed. esquellotada aus. Die etymologie ist schwer zu ergründen, das
wort scheint ober zusammengesetzt, der erste (heil dem zweiten durch den
reim angebildet, denn dieser zweite tritt auch in andern Zusammensetzung
544 ILc. CHARMA-CHATOUILLER.
gen a/uf, z. b. in dem jagdruf ourvari, hourvari, in dem pic. norm, champ.
genf. boulevari verworrenes geschrei, getöse, in dem piem. zanzivari ge-
gurgelt in dem norm, varivara, in dem bürg, virvaris od&r chw. virivari
(das freilich an unser Wirrwarr erinnert, it. biribara, maü. tiribara).
Der prov. ausdruck ist caravil, der norm, mit einer andern Zusammen-
setzung carimallot. Zu erwägen ist das gleichbed. wallon. pailtege, eigenÜ.
pfannengeklirr, von paill = fr. poele, entsprechend champ. houlevari, von
houle topf woraus hourvari entstellt scheint. Diese letzteren beispiele
berechtigen vielleicht in dem ersten worte von chari-vari das tot. calix
zu vermuthen, wobei die form chali-vali in anschlag kommt. Das glossar
von Lille p. 10h (24) übersetzt chalivali einmal mit morganicum morgengabe,
was keiner erUärung bedarf, dann mit larnacium von laQval; kapsei,
urne u. dgl.: sollte die letztere bildung das geklirr mit gefäßen aus-
drücken? Eine Zusammenstellung der verschiedenen deutungen s. bei Menage,
vgl. auch Huydecoper zu M. Stoke II, 143—147, besonders aberPhiUipps
über die katzenmusiken 1849, worin eine große menge formen gesammelt
und mehrere deutungen versucht sind. Auch Dante9 s earibo Purg. 31, 132
ist aus charivarium gedeutet worden, s. die ausgäbe von Costa und Bianchi.
Charme dltfr. (m.) zauberlied, Zauberformel (il dit un charme que
il avoit aprins Gar. II, 104), nfr. zauber, charmer bezaubern, dltfr.
charmeresse zauberin; von Carmen lied, Zauberformel, carminare ein lied
dichten, bei Sidonius, bei späteren wie Hincmar s. v. a. charmer. Dem
mlat. carminare entspricht unser ahd. garminön, germenon 'incantare*
und aus letzterer form ist das maxi, in-germä für ingerminä (wie nomare
von nominare). Hier drängen sich uns noch einige andre mit char an-
hebende Wörter derselben begriffssphäre auf, wie charraie, charaie, char-
roie Zauberei, charroieresse zauberin, encharauder, norm. enquärauder
bezaubern. Sie deuten zunächst auf carrus und man erinnert an einen
Volksglauben vomm wagen des königs Artus u. dgl. Prosaischer genommen
können sie gleichfalls in Carmen ihren Ursprung haben, wenn man an-
nimmt, daß sich ein ausfall des m nach r ereignet hätte, wie dies in
dortoir oder fertä unzweifelhaft vorliegt. Sie bedürfen indessen noch
einer umfassenden Untersuchung, in welche auch das spättot. caragius, die
rom. carait, carin u. a. hineingezogen werden dürften.
Charme fr. (m.) Weißbuche, in Berry charne, henneg. carne; von
carplnus, gewöhnlich carplnus bezeichnet, mlat. c&rpenus Gloss. bei Hat-
temer 1, 292, Gloss. seiest. 39, 240, Sumerlaten 4a. 65b, it. cirpino,
wal. cArpin, sp. carpe.
Charpie fr. gezupfte leinwand; particip des dltfr. vb. charpir, üb-
licher in escharpir, descharpir, tot. carpere. Auch it. carpia.
Charte, chartre fr. (f.) Urkunde; von Charta, chartula.
Chart re cdtfr. (f.) gefängnis; von carcer (m.), sp. carcel (f.), U.
carcere (c).
Chätier fr. züchtigen; von castigare, it. gastigare ff.
Chatouiller fr. kitzeln, neupr. gatilhar; von catulire kitzel em-
IL c. CHAUFFER-CHEF. 545
pfinden (eigentl. brünstig sein, von jungen thieren, catulis, gebraucht),
umgebildet in catuliare {vgl. cambire, cambiare) und vielleicht eben durch
diese Umbildung faetitiv geworden. Grandgagnage s. v. catt stimmt für
das formdl entferntere ags. citelan, ndl. kittelen; aber auch andre formen,
wie sicä. gattigghiari, wal. gedili, bürg, im Jura gatailli, lothr. gattiä,
piem. gatie, vertragen sich besser mit dem lat. worte. Bemerkenswerth
ist noch pr. castiglar * digitum ponere sub ascella alterius ad provocandum
ludum G. Frov. 29.
Chauffer fr., calfar pr. heizen, erhitzen, zsgs. öchauffer, escalfar,
letzteres auch cot.; von caifacere, excalfecere, welche man zur 1. conjug.
zog, wozu das pr. far = facere den weg zeigte: dasselbe Schicksal hatte
unter andern, selbst im ital. und span., restare. Calfar beschränkt sich
auf das nordwestlidie gebiet: gemeinromanisch ward das seltene lat. ex-
caldare, it. scaldare, sp. cot. escaldar, churw. scaldar, pr. escaudar,
fr. ächauder, wal. sceldä. — [Es liegt kein dringender grund vor zur er-
Märung von calfar ein neues erst von einem deutschen Schriftsteller des
12. jh. gebrauchtes calificare zu citieren, welches übrigens califier ergeben
haben würde.]
Chaume/r. (m.) Stoppel, Stoppelfeld, daher chaumiere, chaumine
strohhütte; von calamus. Man merke aus einem alten deutschen glossar
die form cauma *rdr Sumerlaten 66°. Derselben herkunft ist mlat. calma,
schon in einer Urkunde von 627 : vineas deplan tassent aut calmas ru-
pissent; es ist aber hier in ein anderes genus ausgewichen gleich dem
venez. calma pfropfreis.
Chaupir, caupir pr. sich eines dinges bemächtigen, es ergreifen;
vom goth. kaupön, ahd. chaufan, nhd. kaufen. Die Verwandtschaft von
nehmen und kaufen zeigen auch emere und acheter.
Chauve-ßouris fr. fledermaus, eigentl. kahle maus, weil das thier
unbefiederte flügd hat. Aber Grandgagnage 1, 154 vermuthet darin eine
umdeutung von choue-souris s. v. a. souris-hibou maus-eule, da die wallon.
formen chawe-sori, chau-sori, chehau-sori auf diese Zusammensetzung
führen, was allerdings beachtung verdient-; auch die pic. formen cas-seuris
und cate-seuris lassen sich in cave-seuris, cavette-seuris zerlegen, s. unten
choe. Der lothr. ausdruck ist bo-volant fliegende kröte, der prov. soritz-
pennada, rata-pennada, auch sard. ratä-pignata = /fe<fer-wtaws, derlimous.
pisso-rato (f.).
Chavirer fr. umschlagen (von schiffen); zsgs. aus caput und virare
mit dem köpf untenhin kommen. Der Italiener, dem virare fehlt, sagt
dafür capo-volgere, capo-voltare.
Chef fr. haupt, Oberhaupt, sp. xefe; von caput. Daher vi. chevir
(chavir s. Gachet 88*), pr. chabir zum ziele kommen, altfr. venir ä chief :
denn chief^ pr. cap, bedeutet endpunet sowohl wie anfangspunet, de chief
en chief von anfang bis zu ende, rechief, rechap Wiederanfang. Von
chevir ist chevance nutzen; aus dem franz. eingeführt scheint it. civire
beendigen, besorgen, civanza. Hieher auch fr. chevet kopfküssen u. a. m.
35
546 ILc. CHELME— CHIEN.
C heim e (geheime) altfr. Unruhstifter, rebell; vom dtschen sehelm,
so Dict. de TrSv., Roquef.
Chenapan fr., später aufgenommenes wort, das deutsche schnapp-
hahn, welches zuerst 1494 vorzukommen scheint.
Chene fr. (m.) eiche, alt ehesne, mundartl. quesne, prov. mit a
easser (m.) für easne wie Roser für Rosne von Rhodanus, gase, easso
(m.), bearn. cassourra, mlcti. casnns. Adelung u. a. halten das wort für
celtisch, ohne ein passendes etymon aus dieser spräche nachzuweisen.
Vielleicht läßt sich aber auch dieses wort, wie so manches vermeintlich
cdtische, dem latein. demente zuführen. Das it. quercia mit ders. bed.
(II. a) ist vom adj. quereeus. Ein zweites adjeetiv von quercus ist
quernus, ein früheres quercinus = it. quercino voraussetzend, das, in
quercus und durch üblichen ausfall des r vor Sibilanten in quesnus ver-
kürzt, das altfr. quesne, ehesne, das pr. easne oder easser ergab : die-
selbe darstellung des lai. qu vor e oder i durch fr. eh zeigt chaseun von
quisque.
Chäneau fr. dachrinne; von canalis.
Chenet fr. feuerbock zum auflegen des hohes im iamin; voncanis,
weil er, so sagt man, hundefüße hat; so occit. cha-fuec feuerhund?
Chenille fr. raupe, pr. eanilha *unus (l. vermis mit dem herausg.)
comedens dura' GProv. 63* , also wohl holzwurm. Man dürfte catenula
oder eigentlich catenicula geltend machen wegen des aus einzelnen ringen
zusammengesetzten körpers, wäre diese anschauung nicht zu anatomisch;
und so ist die deutung aus canicula, in so fern manche raupenköpfe
eine ahnlichkeit mit hundeköpfen haben, vorzuziehen, wobei man sich auf
das tnail. ean oder cagnon Seidenraupe (hund) berufen kann. In lombard.
mundarten heißt die raupe gatta, g&ttola, was doch wohl kotze bedeuten
soll, im port. heißt sie lagarta eidechse, also verschiedene anschauungen.
Chevetre fr. (m.) halfter; von capistrum, it. capestro.
Chevron fr., pr. cabrio, cabiro spätren, auch sp. cabrion, eaviron
holzblock; eigentl. bock, worauf etwas ruht, eapreolus, von caper, wal.
eafer in derselben anwendung. Ein sehr altes Zeugnis für das franz. wort
ist eapriuns Gl. cass.
Ghez fr. präposition für lat. apud, abgekürzt aus en ehez = altsp.
en eas cim hause' (qui en chiäs li ira Ruteb. I, 32); von lat. easa, dem
die declinationsendung als überflüssig, wie dem lat. gutta im lomb. nagott,
entzogen ward. Aus derselben anschauung gieng hervor die gleichbed.
altn. präp. hiä von h! wohnung, so wie die dän. hos zusammenhängend
mit hüs haus, s. Grimm II, 756, III, 178. 268, und in Haupts Ztschr.
VII, 467. Das prov. wort ist ab, doch findet sich chaz auch als gällicismus.
Ghien fr. hund, ehienne hündin; von canis. Die lat. sähe an er-
gibt regelmäßig fr. ain (panis pain, manus main) : wie gelangte man hier
zum diphthong ie? In mundartlichen formen desselben Wortes, wie wall.
chein, lothr. chei, auch pr. eben, ehin fand er sich nicht ein. Die ital.
Wörter sind masc. cane, fem. aber eagna, und dieses gn geben auch die
II. c. CHIFFE-CHOE. 547
meisten neübildungen dieser spräche zu erkennen, wie cagnaccio, cagnazzo,
cagnesco, cagnotto, cagnuccio, cagneggiare u. s. f. Auch im prov. lautet
das masc. gewöhnlich can, das fem. canha, überdies kommt ein adj. canh,
canha vor in la gen canha (schwerlich für la gen de canha). Dem prov.
subst. canha entspricht ferner auf franz. boden ein picard. sbst. caigne
(e. b. Aye d9 Av. p. 63). Dieses die stelle des reinen n einnehmende er-
weichte n läßt sich nur mit einem lat. ne oder ni vergleichen, so daß
canha auf ein unvorhandenes canea zurückzuführen wäre, wobei man an
caper caprea erinnern dürfte. Es ist ein ähnlicher Vorgang, wenn der
Provenzcüe aus plan sbst. ein fem. planha ableitete. Man erzwang also
eine bequeme weibliche form, weil man derselben bedurfte. Der Franzose
schlug einen andern weg ein, um eine solche zu gewinnen: er übertrug
sein suffix ien ienne auf den ursprünglichen namen chan, dessen radiccde
endung er in dem suffix aufgehn ließ.
Chiffe fr. schlechtes dünnes tueh, chiffon lumpen, pic. chifer, fr.
chiffonner, champ. chifouiller zerknüllen; piem. cifogn = chiffe, cifognfe
= chiffonner, Grandgagnage vermuthet Identität von chiffonner mit
wdllon. cafongnt, das dieselbe bedeutung hat, dsgl. von chiffon mit wallon.
cafu wertMose sache (champ. cafut), vom ndl. (undmhd.) kaf spreu: nur
würde man die franz. form besser zum ahd. kevä Graff IV, 370 ordnen,
da e leichter zu i wird als a. Hiermit lassen sich sinnverwandte zum
theil nicht mehr übliche Wörter mit p für f verbinden, wie chippe s. v. a.
chiffon G. Guiart p. 28, chipe (auch chife norm.) runken brot, chipper
in stücke schneiden = engl, chip, chipot kleinigkeit, chipoter sich mit
kleinigkeiten abgeben, chipault lumpenkerl u. dgl. m.
Chignon fr. genick, altfr. chaaignon, chaignon für chaignon, das
sowohl glied einer kette wie genick bedeutet ; von chaine (altfr.), lat. catena.
Noch Nicot kennt chainon d'une chaine ring einer kette und chainon du
col wirbelbein des halses d. h. genick, occit. cadena daou col. — Gleich-
bedeutend mit chaignon ist altfr. chaon, caon z.b. pendre par le chaon
Oayd. p. 141; nicht etwa aus ersterem syncopiert, sondern von cavus, die
hohlung unter dem hinterhaupte, die nackengrübe.
Chippe = chiffe, s. oben.
Choe altfr. Bert. (Seh. v.840), pic. cave, pr. cau, chau 'bübo* LR.
Vl> 9 uhu. Daher fr. chouette, pic. cavette kauz (kleiner uhu), hieraus ent-
lehnt it. ciovetta, civetta, venez. zovetta, wal. ciovfce; dsgl. pic. cawan,
in Anjou chouan, in Berry chavant, pr. chauana, bret. kaonan, schon
dem früheren mlatein bekannt: cauani €ululae aves> Gl. erford. p. 283b,
strix vel cauanna Gl. Älfrici, noctua corvus nocturnus vel cauannus Gl.
aug. Bz. Franz. chat-huant eule (höhnende kotze) ist vielleicht nur
eine umdeutung von chouan, doch kommt auch das einfache huant vor:
les leua oy ulier et li huans hua Bert. p. 41 (Seh. v. 705). Desselben Stam-
mes scheint der name eines andern vogels, pr. caucala, fr. choucas
nebeücrahe, auch sp. chova, das ganz zu altfr. choe stimmt, dsgl. sp.
choya, engl, chowgh, vgl. in einem lat.-dtschen glossar Hattemer I, 290h
548 II.c. CHOISIR— CLAP.
chuvue Hacha (dohle). Der stamm mag deutsch sein: mhd. chouh ende
s. Grimm P, 178, ein vogel cauha findet sich L. Alam. 99, 13; vgl. ndl.
kauw krähe, engl, kaw krächzen.
Choisir fr., pr. causir, chausir, daher entlehnt altit. ciausire, alipg.
cousir Trov. p. 268. 303, altsp. cosido adj., altpg. cousimento = pr.
causimen, esgs. pr. escausir, cdtcat. scosir Chr. d'Escl. 717b wählen, unter-
scheiden, sbst. fr. choix, pr. causit wohl; vom goth. kausjan prüfen,
dmufiatyiv, vgl. wegen des lautüberganges fr. Choisy aus Causiacum. Oder
entsprang causir nicht vielmehr vom goth. kiusan, das auch im hochd.
vorhanden ist (kiosan, kiesen)? die dem iu oder io verwandten diph-
thonge eu, eo gestalten sich auch sonst prov. zu au, *. b. lat. rheuma eu
rauma, leopardus eu laupart; allein die regelrechte form wäre in diesem
falle eher causar als causir gewesen, s. Rom. gramm. II, 393.
Chopine fr. ein maß für flüssigkeiten, hauptsächlich wein, schon
bei Oliv. Basselin, kenne g. chope; vom dtscJien Schoppen. Daher chopiner
schoppdn.
Cierge fr. (m.), pr. ciri Wachskerze, auch sp. cirio; vom gleichbed.
cereus, gesprochen cerius, fr. g aus i. Auch unser kerze kommt von
cera, zunächst wohl von cerata.
C in gl er fr. geissein; nach Huet von cingulum gürtel als Werkzeug
des geisselns verstanden. Die form müßte picardisch sein, in welcher mund-
art singler für sangler gilt. In Berry ist sillon die UUe an der peitsche.
Gisemus altfr. Chev. au Hon in Romvart p. 661; ist unverändert
das ahd. zisi-müs, ags. sise-müs, nilat. cisimus, nhd. ziselmaus. Ebenso
das feil derselben: un cort mantel ot desus d'escarlate et de cisemus
Chev. de la charr. v. 4682.
Ci?e, ciyette fr. Schnittlauch; von caepa ewiebd.
Civifere fr. tragbahre e. b. für steine oder mist, aber selbst für
heilige bilder, rdiquien oder das geweihte brot (R. Stephanus, Nicot,
Menage), venee. civiera, maü. scivera in ersterer bed.; dsgl. it. civöo
und civäa schleife oder Schlitten mit einer flechte. Das spätere mlatein gab
diesen Wörtern in dem esgs. coeno-vehum mist-fuhre ihre deutung. Sie
sind noch näher eu untersuchen.
Claie fr., alt cloie, pr. cleda flechtwerk, hürde, mlat. clida L.
Bajuv., Capit. ad L. Alam. etc., clia Gl. Jlfr., dimin. cletella Greg.
Tur. Dem werte wird mit recht celtischer Ursprung euerkannt. Buch-
stäblich identisch mit der vorauseuseteenden form cleta ist das gleichbed.
altirische cliath, kymr. clwyd (ir. ia = kymr. wy = urspr. e) und auch
die roman. formen fügen sich in langes e, s. Zeuß I, 21. 114. 186, Dief.
Goth. wb. II, 636, wo auch die weite Verzweigung dieses wortstammes
verfolgt wird.
Clamp fr. (m.) klammer fTrev.), wcdlon. clamm (f.) norm, ac-
clamper anheften; vom altn. klampi, mhd. klampfe klammer.
Clap pr. häufe, masse, clapiera, altfr. clapier dass., aclapar auf-
häufen; nach laut und begriff das kymr. clap, clamp masse.
ILc. CLAPIR -CLOCHE. 549
Clapir fr. (nur reflexiv se clapir)sicÄ verkriechen (von kaninchen);
stimmt eum lat. clepere stehlen, se clepere sich verbergen, wird aber
von Ducange auf ntlat. clappa (falle) zurückgeführt. Daher clapier
kaninchengang.
Claque fr, klaps mit der hand, vb. ciaquer; schallwort, tnhd. klac
kroch, ndl. klakken klatschen, vgl. cot. claca geschwätzt norm, claquard
plauderhaft.
C ligner fr. blinzen, pic. altfr. cliner, clinner Ren. I, 68, sbst. clin
Fer. p. 174* , nfr. clin d'oeil; von clinare neigen. Das neufr. wort ver-
räih eine auch sonst bemerkbare formverstärkung : altfr. crigne für crine,
nfr. harpigner von harpin. Aber altfr. clin gier verlangt eine abl.
clinicare.
Clinche fr. (Triv.), norm, clanche, champ. wallon. cliche, altfr.
clenque Ruteb. I, 341, pic. cliquet Hegel, der sich hebt und senkt, vb.
pic. acliquer; vom nhd. klinke, ndl. klink.
Clinquant fr. rauschgold, clincaille metallner hausrath, entstellt
tnquincaille kurze waaren, vb. requinquer aufputzen; vom ndl. klinken
klingen. Doch nähert sich clinquant, welches lothr. clinclant, neupr.
clinclan lautet, mehr unserm klingklang.
Clique pic. klaps, klatsch, cliquer Maischen, vgl. NFC. J, 309,
nfr. cliquet, cliquette (wofür wallon. clakett von claque) klapper, cliqueter
klappern. Schallwörter wie unser klick Frisch I, 523*, ndl. klikken u. dgl.
Wie kam aber clique zur eigentlich franz. bed. rotte? Oder sollte es in
diesem sinne wirklich das ahd. gilthho (min gilihho meines gleichen), ndl.
gelijk vorstellen? Vgl. auch wallon. quilike, quilite reihe, worin aber
Grandgagnage das ndl. gelid, nhd. glied erkennt.
Clisse fr. nebst Melisse, altfr. clice, eselice schiene, gespaltener
zweig u. dgl.; vom ahd. kliozan spalten, i aus io wie in quille aus kiol
— oder unmittelbar von dem subst. klitz spieß (stange?) Frisch I, 624*,
altfries. kleteie?
Cliver fr. spalten, ein wort der steinschneidekunst; vom deutschen
klieben oder engl, cleave.
Cloche, der franz. ausdruck für das südliche weit ältere campana,
pr. cloca, clocha, selbst piem. com. cioca, wlat. clocca, cloca (8. jh.);
vb. altfr. clocher, pr. clocar läuten. Auch außerhalb des roman. gebietes:
ags. cluege (f., 8. jh.), nord. klucka, ahd. clocca (9. jh.), gewöhnlich mit
anlautender media glocca {vgl. in derselben mundart glagön für klagdn,
globo für klobo), auch glogga; dsgl. ir. clog (m.), kymr. doch. Von
seiner ähnlichkeit mit einer glocke hieß ein reiserock oder mantd mlat.
clocca, altfr. cloche, woher engl, cloak (Ducange). Die herkunft des
Wortes ist unsicher. Die ags. form scheint ein radikales u zu verlangen,
aber oft entsteht ags. u aus lat. oder rom. o. Man leitet cloche z. b.
vom fr. clocher hinken (s.folg. artikel) in beziehung auf ihr hin- und her-
schwanken. Vom ags. cloccan, engl, cluck glucken, glucksen, was der be-
deutung nicht zusagt. Vom ahd. klochön schlagen; besser wäre vielleicht
550 ILc. CLOP— CODOL.
kloppen, auf roman. weise abgd. cloppicare, da der Walache clöpot sagt,
der Serbe klopötar glockenträger z. b. widder. Oder vom russ. kölokol'
gleichbed. (Rapps Gramm. II, 136). Die zahlreichen mit kl anhebenden
schällwörter deuten darauf hin, daß es in dieselbe classe gehört. Schon
NotJcer machte die (von Wackernagel, Voces animantium 91 angeführte)
bemerkung: rotta a sono vocis, quod grammatici facticium vocant, ut
tintinabulum et clocca.
Clop aitfr. pr. hinkend {daher kymr. cloff), sbst. altfr. clopin,
clopinel, engl, cloping Halliw., vb. cloper, clopiner, nfr. £clop& Das
wort kommt früh vor: cloppus %iolbq Gl. lat. gr., ut cloppus permaneat
in einer hs. der L. Alam. für claudus. Ist es von unserm klopfen,
kloppen, so daß es etwa das anstoßen an den boden ausdrückt? aber
klopfen heißt mit einem stumpfen Werkzeuge schlagen, was mit hinken
nicMs gemein hat. Claudipes, clodipes, woran man gedacht hat, drückt
die bedeutung genau aus, aber besser als dies unvorhandene empfiehlt sich
das vorhandene gr. xwloirrovg, worauf Menage verweist: es wäre nicht das
einzige grieeh. wort, welches Frankreich erreicht hätte, ohne Itcdien au
berühren. Gleichbed. mit cloper ist clocher, pic. cloquer, pr. clopchar,
entweder zsgz. aus cloppicare, welches sich mit it. zoppicare vergleichen
könnte, oder vom lat. claudicare, das sich auch in dieser form im prov.
erhielt: die Schreibung clopchar nähert das wort mehr dem ersteren etymon.
Co che fr. sau, daher cochon und wohl auch sp. cochino, cochastro,
cochambre. Goche soll früher das verschnittene thier bedeutet haben:
hiernach wäre es identisch mit coche einschnitt, wie sich sp. carnero aus
crena erklärt, ja vielleicht ist auch das piem. crina (sau) aus crena su
deuten. Die herleitung aus kymr. hwch bei Wächter u. a. läßt sich mit
nichts rechtfertigen. Zu bemerken ist noch das wal. cocfne saustall, welches
nicht wohl aus dem franz. abgeleitet sein kann, vgl. ungr. kotza, ittyr.
kutsitza sau.
Co che vi s fr. (m.) haübenlerche, gleichbed. pic. coviot; ein wort
schwieriger herleitung. Bemerkungen darüber bei Van den Helm Woord-
gronding I, 53. 117, II, 15; deutungsversuche bei Grandgagnage v. co-
klivi, Mahn p. 25 (der es für celtisch halt). Vgl. cotovia IL b.
Coderc pr. adj. angebaut, bearbeitet, als subst. angebautes land,
z.b. quan reverdeion li conderc; terras ermas e condrechas LR. Über
dieses speciell prov. wort, welches die franz. abfassung des G. de Boss,
mit colderc wiedergibt, kann kein zweifei sein. Schon unter Karl d. gr.
ist es häufig im gebrauch^ z. b. in einem capitular von 807: qui suum
beneficium habeat condrictum aut destructum entweder bearbeitet oder
zu gründe gerichtet, und später in occitanischen Urkunden. Es ist par-
ticip des gleichfalls mlat. con-dirigere einrichten, in Ordnung bringen,
daher bearbeiten, s. DC, so daß also coderc steht für codrec. An codeta
bei Festus ist nicht zu denken; auch ein vb. condergar * faire germer
LR. für conderger ist nicht anzunehmen.
Cödol pr. cot., auch parmes. creman. codol, npr. codou harter
ILc. COHUE-CONCIERGE. 551
stein; besser von cos cotis als von cautes, da au im prov. seine diph-
thongische gestalt zu behaupten pflegt.
Cohue fr. lärm, getoühl (Markthalle DG. v. cohua); etwa zsgs. am
der präp. con und dem vb. huer schreien? Die mundart von Berry hat
cahaer für haer. — [Mahn p. 124 vermuthet celtische herkunft, bret.
kochi, kohuy cet. hatte, man sehe das nähere bei ihm selbst]
Coiller altfr. beerdigen: ilec sont sepelis et bellement coilliäs
AAvign. p. 89. Nicht identisch mit goiler = lat. celare, welches weder
der Römer noch der Romane in diesem sinne anwendet, sondern vielleicht
aus dem ndl. kuilen eingraben, begraben, dazu kuil grab, mhd. kfile,
niederrh. kaul grübe.
Co in fr. ecke, winkd, keil z. b. zum holzspalten; von cnneus, it.
conio ff., altfr. quin. Abgel. cogn6e axt, bereits im CapituL de villis
cap. 42: unaquaeque villa . . habeat . . catenas, cramaculos, delaturas,
secures i. e. cuniadas. Dsgl. qnignon ruhken brot, für cuignon, daher
sp. quiäon, pg. quinhao ration, antheil.
Golporter fr. hausieren; zsgs.aus col porter die waaren am halse
herumtragen.
Gombrer altfr. packen, fassen. Von commorari aliquem einen auf-
halten, hemmen, daher festhalten, wäre grammatisch vollkommen zulässig.
Besser aber leitet man es, unter Voraussetzung der gleichen begriffsentwick-
lungf aus dem gemeinrom. combrus, womit ein in den weg gelegtes hin-
dentis, eine Hemmung ausgedrückt wird, so daß es derselben herkunft wäre
wie encombrer; s. colmo I.
Complot fr. heimlicher böser anscHag unter mehreren personen, bei
Bob. Stephanus (1539) und Nicot überh. Verabredung, Übereinkunft, par
complot 'ex composito, compacto, vb. comploter z. b. avec un tel. Frisch
legt dem subst. die sinnliche bed. knäuel als die ursprüngliche und als
eine noch übliche bei und erTdärt es aus pelote, von pila: complot wäre
hiernach etwas zusammengeballtes, zusammengewickeltes. Der ausfall des
e macht kein bedenken, jene grundbedeutung aber ist nicht nachweislich.
Fassender scheint ein anderes worti complicitum complic'tum s. v. a.
complicatio Verwicklung, theilnahtne (an einer bösen that), vgl. das
spättat. complex theilnehmer. Complot stände für comploit wie frotter
für froiter.
Gompote fr. eingemachtes obst; für compöte, it. composta d. i.
composita, ndl. kompost, mhd. gompost.
Ooncierge fr. burgvogt, thürhüter, kerkermeister, conchierge ccon-
servator Gl. de Lüle 21b (ed. Seh. 47), in späterem nüatein consergius.
Aus conservare, woraus es Menage gewinnt, konnte nimmer conservius
entstehen, weil es nicht üblich ist, das suffix ius zur ableitung aus verbis
eu benutzen. Labbffs lat.-dtsches con-skarjo (mitscher ge) aber verfehlt
den sinn gänzlich. Rob. Stephanus übersetzt concierge equi ha la charge
du lieu de Vexercice mit gymnasiarchus und hiermit gab er unbewußt
zugleich das etymon des franz. Wortes, welches nur die erste silbe gon,
552 ILc. CONGE-COQUIN.
vielleicht unter einwirhing von conservare, mit con vertauschte; $ für s
so wie rg aws rc oder rch sind bekannt.
Gong 6 fr., pr. comjat urlaub, vb. altfr. congier, von commeatus;
nfr. congödier vom it. congedo, dies von der altfr. form conget
Consoude/r. (f.) wallwurz, beinwell; von consolida, sp. consuelda/f.
Copeau fr. span.; von coupe schnitt , dies von couper. Oder ist
copeau das an cuspiß mahnende altfr. cospel (auch coispiau geschr.) dorn
und dgl. ? s. Trist, gloss., Jongl. et trouv. p. 66, Ben. I, 352.
Coq fr. hahn; naturausdruck von der stimme des vogels entlehnt,
ags. coc, engl, cock, wal. alban. coctfs, chw. cot, vgl. die verba coqueri-
quer, coqueliner, ndl. kokelen, gr. xoxxvtciv (mit dem perf. xexoxxviuv
Aristoph.), worin sich dasselbe bestreben ausdrückt, das geschrei oder die
stimme des hahnes wiederzugeben; s. z. b. Weigands Wb. s. v. gükkel,
Wackernagels Voc. animantium 40, 51. Der name der henne ist poule
= pulla. Von coq abgel. ist adj. coquet gefallsüchtig (sich brüstend
um der hahn), cocarde hutschleife (dem hahnenkamm ä/inlich), altfr.
cocart eitel (quoquart NF. Jub.). — Die schwestersprachen sind bei gallus
und gallina stehen geblieben, it. gallo, gallina ff., wal. gal (in einigen wbb.),
g^ine. So auch pr. gal, galh, jal, jau, galina; in der Charte de Gridlou
(v. j. 1293, erst in abschriften des 15. jh. überliefert) gale 0 coqs cap. 22,
letzteres sicher ein späterer zusatz. Aber auch altfr. gal, geline, letzteres
fortdauernd in dem pflanzennamen morgeline = morsus gallinae
hühnerbiß, noch jetzt norm. berr. jau, dimin. jollet, lothr. jau, dim. jall6,
champ. gau.
Goquelicot fr. Matschrose, wilder mohn, der im körn wächst. Es
ist nur formverschieden von coquericot, womit das geschrei des hahnes
ausgedrückt wird, und mundartlich damit gleichbedeutend, s. coquelicoq
Frisch. Leicht konnte man nach seinem schrei den hahn selbst coquelicot
nennen, wie der Grieche ihn xiyufäog oder wie der Franzose den wiedhopf
putput nennt, und wegen seines purpurrothen kammes den namen des
hahnes auf die blume übertragen. Ebenso bedeutet cacaracä sowohl
hahnenschrei wie klatschrose, und pic. cocriacot einigt die bedd. hahn und
Matschrose in sich. Nach Sauvages wird mit dem gleichfalls occit. caca-
lacä der schrei des hahnes und eine andre purpurrothe blume, löwenmaul,
benannt. — Das wort verdiente diese rücksicht, weil ihm celtischer Ursprung
zugesprochen worden, irisch codlainean, gael. codalan 5. J. Grimm über
Marcellus Burdig.
Coquin fr. hungerleider, betUer, schelm (petax, mendicus bei Nicot,
altfr. Gar. J, 269), vb. altfr. coquiner. Nkot leitet coquin von coquina,
weil die hungerleider nach den Überresten in der küche zu haschen pflegen.
Andre erblicken darin das bei Plautus vorhandene adj. coquinus (forum
coquinum qui vocant, stulte vocant, nam non coquinum, verum furinum
est forum), erMären übrigens ebenso wie die ersteren. Beide bedenken
nicht, daß einem lat. coquinus nur ein fr. cuisin gerecht wäre. SoU etwas
von der küche darin stecken, so kann das wort nur ein diminutiv des
ILc. CORBEILLE-CORON. 553
dÜfr. cocs, gewöhnt, queux, sein und etwa küchenjunge, demnächst einen
menschen bedeuten, der die buchen aufsucht Es erinnert aber auch an
altn. kok Schlund, vermöge einer leichten metapher hungerleider, und man
konnte einiges gewicht auf dieses nordische etymon legen, weil sich coquin
ganz auf Frankreich beschränkt.
Corbeille fr. korb; von corbicula bei Palladius.
Cor Heu altfr. pr. lauf er, curlieu 'praecursor LRs.p. 27; zsgs. aus
corre laufen, und Heu leicht. Dasselbe wort ist neufr. courlieu, courlis
name eines langbeinigen vogds, scölopax arquata, brachvogel, engl, curlew.
Corme fr. (m.) eine f ruckt, spierling, cormier spierlingsbaum, auch
pg. und altengl. corme; nach Frisch u. a. von cornum korneüdrsche, was
nicht zu billigen ist.
Cormoran fr. ein vogel, seerabe; vom bret. m6r-vran (m6r meer,
bran rabe), mit vorgesetztem corb = corvus, also eine pleonastische
bildung wie loupgarou. Frov. heißt derselbe vogel corp-mari = corvus
marinus.
Cornard fr. hahnrei (hörnerträger). Man hat die spuren dieses
ausdrucks bis in das alterthum hinauf verfolgt (s. außer Menage und
Ferrari auch Weigands Synom. wb. II, 12), der etymologe hat dabei
kaum etwas zu bemerken. Cornard ist speciell französisch, der Italiener
sagt dafür beeco cornuto gehörnter bock oder schlechtweg beeco, der
Spanier cabron Ziegenbock. Was auch die grundvorstdlung gewesen sein
mag, dem Provenzalen ist cornut ein armer wicht, der sich aües bieten
läßt, eine bestia corimda, wobei das symbol des hörnerschmucks gar nicht
in ansehlag kommt; es ist sinnverwandt mit suffr£n, das überdies auch für
haJmrei gebraucht wird. Ein troubadour z. b. sagt: fahre ich fort einer
dorne den hof zu machen, die jetzt einen andern buhlen hat, so gelte ich
per cornut e per soffren für einen der sich foppen läßt, s. Ghx. III, 89.
Auch it. bozzo roher stein (daher unempfindlicher mensch) und fr. sot
alberner mensch haben diese bedeutung, wie Menage unter ersterem worte
anmerkt.
Goron aüfr. (m.), ein den schwestersprachen unbekanntes wort, dessen
sinn sich am besten mit dem von bout vergleichen läßt, so daß es ende,
äußerstes bedeutet. Bsp. Fun des corons laist defors pendre einen der
ßipfd (des mantels) MFr. II, 233; comme eile seoit ou coron devant
de la nef (nach dem lat. summitas prorae) Brand. 70; coron ou sarge
du lit RFlor. 26; coron de la robe, coron du monde, venir ä coron
ä bout, ä bon coron, k un coron tout Sun bout, par nul coron par aueun
bout, s. Gachet, der dies wort genau untersucht hat. Es lebt in Mund-
arten fort: pic. und wallon. coron ist das ende eines Stoffes oder fadens.
Neben coron findet sich auch cor: Tun cor de la cambre Fier.p.66,16,
namentlich in der redensart de chief en cor vom anfang bis zum ende,
tcallon. coir. Ein compositum scheint acor (m.) zipfel eines kleides,
s. Wolfs Lais 361. 352. Woher nun diese Wörter? Bei cor könnte man
Gachet 's deutung aus cornu schon gelten lassen, aber eine ableitung cor-on
554 ILc. CORSET-COUTER.
statt corn-on ist gegen die Sprachgesetze. Hätte man es dagegen nur mit
coron zu thun, so dürfte man trotz dem abweichenden genas an coronis,
xoQcovig (ende, äußerstesj denken. Grandgagnage s. v. coir tnistraui der
herleitung aus cornu gleichfalls und erinnert an das altfr. quar nebst
quaron ecke, daher zipfel eines mantels, dann das ende eines dinges,
eigenil. viereck von quadrum, iL quadro, quadrone, pr. caire, cairö. In
den formen cor, coron könnte o, freilich ganz unüblicher weise, aus na
zusammengezogen sein, wie dies im deutschen mehrfach (quartar, chortar
ahd.), aber auch im mittellat. und mittelgriech. und hier grade an dem-
selben worte vorkommt: xoÖQa codra, quadra Gl. gr. lat. DG., attgr. xo-
ÖQavzijg aus quadrans.
Corset fr. leibchen, schnürleib; abgel. von fr. cors = lat. corpus,
also mit benutzung des flexivischen s, wie dies auch in cors-age geschah.
Richtiger gebildet ist das it. corpetto neben dem entlehnten corsetto.
Corv6e fr. frohndienst, mlat. corvada im Capitularc de viUis. Die
deutung aus curvus, weil man sich bücke bei dergleichen arbeiten, ist
lächerlich; die ans corpus, gleichsam corp6e körperliche arbeit, verstößt
gegen den buehstaben. Grade die von den etymologen verworfene ist die
richtige: corv6e entstand aus corrogata wie enterver aus interrogare, in-
dem in beiden fällen das radicale o schwand; im henneg. courow£e, im
occit. courroe erhielt es sich, mlat. corrogata kommt selbst vor. Die bedeu-
tung ist auf gebot, denn altfr. rover = lat. rogare heißt begehren, befehlen.
Cosse und 6 cosse fr. (f.) hülse der bohnen, erbsen, linsen u. dgl.,
öcosser auskernen. Nach Menage vom partic. excussa, was keinen ange-
messenen sinn gibt. Nach Frisch II, 222a vom ndd. schote gleichbed.
mit den franz. Substantiven, insofern dies ein M. schösse voraussetzt: ein
ndl. schösse verzeichnet Kilian; fr. cosse müßte aber aus 6cosse abgekürzt
sein. Oder ist das wort lateinischer herkunft? Cutis gäbe ein vb. ex-
cutiare abhäuten, schalen = äcosser, hieraus öcosse schale. Aber die
herleitung aus dem deutschen scheint einfacher. Mit beiden deutungen
verträgt sich das aufradicales t führende limous. escoutilliä s.v. a. äcosser,
wogegen das pic. öcosse radicales s verlangt.
Co sso n fr. kornwurm; abgeleitet aus cossus holzwurm, bret. kos.
Coudre fr. (m.) hasel; von corylus, umgestellt in colrus coldrus,
comask. cöler, it. cörilo.
Couire alt fr. kochet Rou II, 184, cuevre, cuivre Antioch. I, 237,
daher engl, quiver, mlat. im Capit. de vill. cücurum, mittelgr. xovxovqov;
vom ahd. kohhar, ags. cocer, nicM von corytus. Die herkunft des deut-
schen wortes ist unklar.
Couler fr. fließen, gleiten; von colare durchseihen, factitiv ange-
wandt; ital. wie lat. Daher adj. coulis, pr. coladitz, gleichsam colaticius,
sbst. fr. coulisse schiebwand, altfr. coleYce failgatter (etwas gleitendes).
Cousin schnake; dimin. von culex, gleichsam culicinus.
Coüter fr. kosten, coüt preis; von constare zu stehen kommen, it.
costare ff. Daher auch altfr. coste ein gewürz, mhd. koste speise, wie
IL c. COUTRE-CRAPAUD. 555
auch unser sptsa eigentlich ausgäbe bedeutet; dsgl. mit seltnem äbleitungs-
suffix ältfr. wallon. costenge (coustenghe JEracl. v. 764) aufwand.
Coutre fr. pflugeisen; van culter, it. coltro; comask. coltra, contra
pflüg, pars pro toto.
Crabe fr. (m.) eine art Meiner seekrebse; vom ndl. krab (f.)% ags.
crabba (f)., aitn. krabbi (m.), aus lat. carabus (xctQaßog).
Crac fr., vb. craquer; vgl. ahd. krac, nhd. krach, engl, crack, gael.
crac. Craquelin ein krachendes backwerk, ndl. krakeling.
Craie fr. kreide, crayon stück kreide; von creta, sp. greda u. s. f.
Craindre fr. fürchten. Da das wort starke fiexion zeigt, so muß
es der lat. 2. oder 3. conj. angehören; die verba, die hier in betracht
kommen, sind tremere und timere. Beide sind romanisch: aitsp. tremer
Alx., pr. äUfr. tremir; pr. temör, altcat. t6mbre Chr. ff Esel., neucat. t&ner.
Für die herkunft von craindre aus timere konnte man seinen transitiven
gebrauch anfuhren, aber auch tremere ist dieses gebrauches fähig, lat.
tremere aliquid und selbst it. tremare nno. Für tremere zeugt überwie-
gend der naher liegende anlaut er, vielleicht euphonisch für tr, und die
vergleichung von empreindre aus imprimere, geindre aus gemere, raembre
(vgl. ältfr. crembre für craindre) aus redimere, die also alle auf die 3.
lat. conj. weisen. 8. das verbum Rom. gramm. II, 248. Im prov. ist
craindre nicht heimisch geworden, wenn auch der nach seltnen Wörtern
jagende A. Daniel das paart, crems einigemal gebraucht.
Cran fr. (m.) einschnitt, kerbe, henneg. eräner einschneiden, spalten,
abgd.fr. er ene au, altfr.pr. carnel zinne, zacke der mauer, nfr. carneler
kerben. Das wort ist fast ein gemeinromanisches: chw. crenna, lomb.
crena, piem. cran, vgl. sp. carnero II. b. Gleichbedeutend ist crena beim
älteren Plinius, sonst nicht vorhanden: sieht es sicher (Rom. gramm. 1, 14),
so sind die roman. Wörter darauf angewiesen. Es begegnet mit derselben
bed. auch im deutschen, wo es aber keine würzet hat: mhd. krinne, bair.
krinnen (f.), dsgl. ndd. karn (verschieden von karve = hd. kerbe), vb.
kamen, s. Brem. tob.
Graneqnin ältfr. ein Werkzeug die armbrust zu spannen, crane-
qninier ein armbrustschütze. Menage hält das wort für deutsch (nieder-
ländisch) und in der that berechtigt die endung quin zu dieser vermtUhung,
s. beispiele Rom. gramm. II, 309. Doch ist kein ndl. kränekin, welches
eine kleine winde bedeuten könnte, nachweislich, nur kräneke kommt vor,
s. KU., bedeutet aber die ganze armbrust, was wenig unterschied macht.
Der dazu gehörige Spanner hieß ältfr anz. auch tour (daher arc-ä-tour),
it. torno; mhd. wird antwerk (maschine) dafür gebraucht. S. auch crone.
Crapaud fr., pr. crapaut, grapaut, cat. gripau, lim. gropal (für
grapal) kröte. Von crepare, das berstende d. h. zum bersten sich blähende
thier? allein warum alsdann nicht deutlich crevaud? Richtiger leiten es
andre vom engl, creep kriechen = ags. creöpan, ndl. kruipen, vgl. obd.
kriefen, ahd. krifan Graff IV, 598. Zu erwähnen ist auch pic. crapeux
kröte, als adj. schmutzig, von crape schuppen auf der haut, so daß das
556 II. c. CRAU-CRIQUET.
thier das grindige heißen könnte, vgl. seinen prov. namen graissant van
graissa = fr. graisse, crasse; aber das engl, creeper kriechendes . Un-
geziefer knüpft crapaud augenscheinlich an creep.
Crau pr. (f.) name eines berühmten hieselfddes in der nähe van
Arles, kommt bei den troubadours nicht als appellativ vor: tan de marcs
cum ha codols en Gran so viel mark als kiesel auf der Crau liegen LR.
I, 294; wohl aber findet sich das adj. crauc steinig: en ta sec ni en
tant crauc loc GO. 78; crauc €sterilis' GProv. 43; norm, crau ein satter
stein, auch in Savoyen Üblich (Adelungs Mithr. II, 54). Es ist eins der-
jenigen Wörter, welchen man unbedenklich celtische herkunft zugesteht,
kymr. craig (f.)f bret. krag (m.), gael. creag, crag (f.) fels, stein, creagan
fdsengegend, daher engl. crag. Wie sclag mit esclau, fag mit fau, so
konnte allerdings auch crag mit crau gegeben werden. Vgl. MSnage s. v.
Greanter oitfr. versichern, daher sbst. creant bürgschaft; gleichsam
credentare glauben machen, vom pari, credens. Andre formen sind cra-
anter, cranter, mit media graanter, greanter und granter, letzteres schon in
den Livr. d. rois, engl, grant.
Grämaillon, cr&naill£re fr., daher sp. gramallera, kesselhaken,
einfacher bürg, cramail, walhn. cramä, champ. cramaille, in ältester form
cramaila(s) Gl. cass., mlat. cramaculus Capit. de vülis, cramacula "höh-
heda" Gl. lindenbr., vgl. Ditf. Gloss. lat. germ. v. cremacula. Wie dieses
hahhala aus hangen (hähhan), so könnte man sich cr6maillere aus gr.
Y.qif.tao&ai abgeleitet denken, hätte die griechische spräche tiefer in die
romanischen eingegriffen. Näher berechtigt ist darum gewiß das ndl.
kram eiserner haken. — [Gachet p. 103b dachte diese deutung zu ver-
bessern, indem er ein compos. kramhahila annahm, welches also aus zwei
ungefähr dasselbe aussagenden Wörtern gebildet, übrigens im deutschen
unbekannt ist. Man bedarf keines zweiten Wortes, das suffix aeul ist hier
"ganz an seiner stelle.]
Cr&pe fr. flor, krepp; von crispus.
Creux fr. hohl, sbst. creux, pr. cros höhle, grübe, vb. fr. creuser
aushöhlen, vgl. comask. croeuss. Von corrosus, corrosum, woraus sich
sowohl das adjeetiv wie das Substantiv erklären würde? Zufällig paßt
eine prov. stelle: pan on raton fan cros brot in das die rotten löcher
machen, corrodunt.
Crevette fr. ort kleiner seekrebse; von carabus, oder, was etwas
näher liegt, vom dtschen krabbe, woher auch henneg. crape. Ghey rette
heißt ein nah verwandtes insect, von chevre, wie auch dtsch. böckle, meer-
geiß, s. Nemnich I, 804.
Crique fr. (f.) kleine von der natur gebildete bucht; vom ndl.
kreek, engl, creek, schon ags. crecca dass.
Criquet norm., neupr. cricot, engl, cricket, pic. cräqueillon und
crinchon, ndl. krekel, kymr. cricell ein insect, heimchen; naturausdrücke,
und so fr. criquer, ndl. krieken, gr. xQixeiv, xqi&iv u. dgl. schritten,
zirpen.
IL c. CRIQUET— CUSCHE. 557
Criquet fr. Meines pferd; vom dtschen kracke (Frisch). Daher
engl, cricket scheinet.
Croc fr. pr. chw. haken, daher fr. crochet, crochu, accrocher; in
german. und cdt. mundarten einJieimisch: altn. krökr, engl, crook, ndl.
krooke Eil., kymr. crög; dazu ein verbum in der L. 8dl. incrocare, dltfr.
encrouer an einem haken aufhängen, wie noch normannisch. Crochet gab
dem Spanier corchete, dem Portugiesen colchete.
Grone fr. (m.) hebezeug für waaren in "den häfen; vom ndd. kr&n
= hd. kranich, der name des vogels auf die maschine übertragen wie fr.
grue und gr. ytQavog. Ein diminutiv dassu ist das vrlt. cranequin
(s. oben), Werkzeug die armbrust zu spannen, wallon. crönekin armbrust,
s. Huydecoper eu Stoke III, 318.
C rotte fr., crota pr. gassenhoth aus staub und regen, mist der
schafe, siegen, kaninchen, mause u. a. thiere, daher nach Kutan das
gleichbed. fläm. krotte. Die bekannte herleitung aus crusta verträgt sich
nicht mit der prov. form. Vielleicht entstand es aus dem ndd. schwed.
klöt, hd. klofe kugelförmige masse, wobei man an die, freilich probte-
matiscte, herkunft von bouse aus butze (s. oben) erinnern dürfte.
Cruche fr., eilt cruye, gase, cruga, pr. crugö, fr. cruchon krug;
vom kymr. erwe eimer (eigentl. ein gerundetes gefäß). Entfernter steht
ahd. cruoc, crög, aÜfrs. kröcha, ags. crocca, chw. cruog, hruog.
Cuire fr. kochen, von coquere, pr. eozer; cuisson schmerz, von
coctio; cuistre pfaffenkoch, gleichsam coquaster, vgl. pr. coguaströ, mlat.
cocistro Gl. Isid.; dsgl. pr. cosenza pein, gleichsam coquentia, daher
dltfr. cusenQon; auch it. cociore, sp. eseozor u. a. m.
Cuivre fr. kupfer; von cuprum, oder, streng genommen, vom adj.
cupreum.
Oulbute fr. burzelbaum, vb. culbuter: zsgs. aus eul bürzel und
bäte etwas aufgeworfenes, also stürz mit dem bürzel zu oberst.
Culvert, cuivert dltfr., pr. culvert spitzbübisch, gottlos; es wird
häufig auf die ungläubigen angewandt und gesellt sich gerne zu felon.
Die herleitung aus eulum vertens, was doch nur feige heißen kann, ist
wegen dieses dem werte fremden sinnes unzulässig und selbst schon wegen
der starken abkürzung bedenklich. Manage halt es richtig für collibertus,
wie in Frankreich ein dienender genannt ward, der dem Sklaven näher
stand als dem freien, so daß er von seinem herrn verschenkt und verkauft
werden konnte. Diese bedeutung hat, wie es scheint, das romanisierte
culvertuß in einer Urkunde vom j. 1106 und offenbar bei Helinand cuivert:
morz fait franc homme de cuivert, vgl. bei Matth. Par. sub nomine
eulvertagii et perpetuae servitutis; daher das vb. aculvertir zum Sklaven
machen, Antioch. I, 95. Die ausartung des begriffes bedarf keiner er-
läuterung. S. Menage w. couillauts, couvert, Ducange w. collibertus,
eulvertagium, ed. Bened. v. cuiverta.
Cusche dltfr. zu folgern aus dem adv. cuschement, nur in der
Passion Christi 88: a grand honor de ces pimenc l'aromatizen cusche-
558 ILc. DA-DAINTIE.
ment (den leib Christi). Die prov. form würde cusc sein: eine solche
findet sich LR. J, 533: una gen ques fai cusca, aber ihr sinn ist in
dem kleinen bruchstücJc unsicher. Dagegen braucht Auslas March cant.
d9am. 60 dasselbe wort in der ziemltbh klar vorliegenden bed. blöde, oder
schüchtern, und diese führt auf unser keusch, ahd. kfiski, während das
entsprechende dtts. cüsco adv. mit seinen bedd. geziemend, ehrerbietig
der stelle aus der Passion vollständig genügt.
D.
Da franz. partikd in oui-da, nenni-da. Die älteste form derselben
ist divd, demnächst abgekürzt in das einsilb. deä, ihre bedeuiung eine
dringende auff orderung, wo nicht ein Vorwurf: diva, ne me celer! diva
tu m'as honi ! Die deutungen aus gr. vrj %6v Jia oder vfj dt] (bei Menage),
aus lat. Diva matter gottes (Michel im Chartern.), aus fr. dis valet cdic
puer (P. Paris im Garin I, 296, II, 23), aus lat. vae (Gar. I, 156)
scheinen sämmtlich unhaltbar. Man bemerke, daß schon das einfache va,
ohne zweifei imperativ von aller, häufig und in früher zeit denselben dienst
thut: va, car me di! Cheo. au lion ed. L. Guest p. 138* ; lesse, va,
tost les chiens alerl so laß doch geschwind die hunde los! Ren. I, 47;
qui es tu, va? Ruteb. II, 101; or va, de par dieu va! wohlan in gottes
namen! ChOyg. I, 1242; noch neuprov. au farai pas vai ich thu es durch-
aus nicht. Dies wortchen verstärkte man mit dem gleichfalls auffordernden
di, imper. von dire, z. b. diva sag an Alex. 61, 6. 73, 20, das zuweilen
auch wiederholt ward: et tu, diva di, faz noienz Ruteb. I, 335. — [Wenn
E. Du Merü (Floire p. 261) die hier anerkannte partikd va schon bei
Gregor v. T. 4, 21 findet, welcher sagt: cum (Chlothocarius) graviter
vexaretur a febre, ajebat: wal quid putatis, qualis est ille rex coelestis,
qui sie tarn magnos reges interficit, so scheint er damit die deutsche
interjeetio dolentis zu verwechseln, auf welche sinn und Schreibung hinweisen]
Dagorne fr. kuh, die ein hörn verloren hat; zsgs. aus dague dokh
und come, vgl. bigorne für bicorne.
Da im fr. damhirsch, fem. daine, dltfr. masc. dain, daher ü. daino,
piem. dan, altsp. dayne Canc. de B., ndl. deyn KU.; von dama (it. damma),
woraus ein masc. damus moviert ward.
Daintiä cdtfr. (m.), auch daintier leckere speise, daher das gleichbed.
engl, dainty. Statt des masc. dainti6 hat der prov. Gir. de Ross. das
fem. dentat: no falhit al menjar nulha dentatz beim essen fehlte kein
leckerbissen v. 1303, vgl. 1077, 7791; im Ms. Hart. Mich. p. 334 steht daintaz,
gleichfalls weiblich, bei einem troubadour dintat B. Denkm. p. 163. Die
etymologie betreffend, hält Gachet, mit beziehung auf das schon bei Roche-
gude vorkommende dentat 'ragoüt, mets\ für die grundbedeutung 'das
zwischen die zahne gesteckte ; aber dentat (von dens) könnte doch nur
heißen gezähnt, und überdies wäre der ausdruck für die sache übel ge-
ILc. DAIS-DARTRE. 559
wählt. Dainttä läßt sich buchstäblich auf kein anderes lat. wart zurück-
führen als auf dignitas und dessen bedeutung scheint ihm noch in der
Chanson de Roland v. 48 au gebühren, wo es heißt: que nus perduns
l'onur ne la deintet daß wir die ehre und würde verlieren. Man konnte
das im prov. ihm zukommende weibliche geschlecht, verführt von der par-
ticipialen gestalt des Wortes (daher auch das altfr. dantäe GBourg.p. 68)
mit dem männlichen vertauscht haben. Die grundbedeutung mag kostbar-
keit, schmuck gewesen sein, vgl. Bari. 150, 2 : tez cors est molt en grant
daintiä dein leib ist in sehr großem schmuck : schmuck aber und anstand,
dignitas, sind begriffe, die sich nahe berühren. Auch das mundartl. engl.
daintee bedeutet etwas werthvoües, s. Hattiwell.
Dais fr. thronhimmel. Altfr. bedeutet dois, pr. deis, die tafel, woran
man speist, von discus, it. desco, dtsch. tisch. Für dois galt mundartlich
dais *. b. MGar. p. 11, vgl. espois neben 6pais und dgl., daher die neufr.
form. Solche speisetische sotten oben mit einem tuche überspannt gewesen
sein, damit nichts von der decke herabfiele, und so kam es, daß das wort
auch die bed. thronhimmel annahm, s. Menage. Aus dorsum dossium,
worauf andre verweisen, läßt sich die Urform deis nicht herleiten; sp.
dosel, it. dossiere können aus dem alten dois geformt sein.
Dame fr. interjedion s. v. a. potztausend; nach Nodier von dien
me damne ; nach andern von dame als namen der heil. Jungfrau. Es
ist aber nichts als das auch dem Italiener bekannte domine, vocativ von
dominus, der vocoi a auch im altfr. dame-dieu = domine dens.
Dandin fr. alberner mensch, dandiner sich hin und herwiegen, bei
Nicot ineptire ; vgl. mhd. tant possen, nhd. tand, vb. mndl. danten in-
eptireKü., nhd. tändeln, obd. dantern, engl, dandle. Die wal. spräche hat
tend&le Meinigkeit, aber wohl von tantillnm.
Danger fr. gefahr. Es bedeutete in der alten spräche das strenge
recht des oberherrn in beziehung auf den besitz seines untergebenen: fief
de danger *. b. ist ein an vielerlei bedingungen gebundenes lehen, das
leicht eingezogen werden konnte. So heißt danger überhaupt wülkür, ge-
weilt (wie noch jetzt das norm, wort), se mettre en danger de qqnn sich
dem belieben eines andern unterwerfen, dsgl. Weigerung, Schwierigkeit (auch
pr. dangier): faire danger de dire qch. sich weigern etwas zu sagen,
limous. dondziä äbneigung, Widerwille. Aus damnum (einbüße) leitete
man damnarium, fr. damnier, gespr. danger; letzteres wort vertrat auch
damnum in seiner mlat. bed. beschädigung, vgl. Ducange. — [Über eine
herleitung aus dominium sehe man Krit. anhang p. 16 und besonders
Gachet p. llla, der die bedeutungen des wortes gründlich auseinandersetzt
und sich gleichfalls für damnum entscheidet.]
Dame fr., darno neupr. (f.) schnitte von einem fisch; vom kymr.
und bret. dam (f.) stück, bissen, nach Pictet p. 107 identisch mit dem
sanskr. darana theilung.
Dartre fr., mundartl. dertre flechte, schwinde. Zu verwerfen ist die
deutung aus gr. daQzog (abgehäutet), da die ärzte den eigentlichen aus-
560 II.c. DAUPHIN-DEPIT.
druck Xsixrjv nicht verfehlt haben würden. Fielet, Ztschr. für vergl. sprachf.
V, 339, vermuthet abstamtnung von einer aUceltischen form, jetzt bret.
darouöden, dervo&len, kymr. darwden (tarwden) = skr. dardru, agsm
teter, engl, tetter, nhd. zitter, alle mit dartre gleichbedeutend. S. auch
Chevallet I, 246.
Dauphin fr., dalfin pr. ein fisch; von delphinus. 'Was dem älte-
sten söhne des königs von Frankreich, früher dem grafen von Vienne, als
titel zukam, ist dasselbe wort.
D6bit fr. verkauf, vertrieb, d^biter waaren absetzen. Da das ver-
bum auch 'ins, schuldbuch schreiben bedeutet, so erklärt es sich aus dem
kaufmännischen ausdrucke debet schuld, rückstand, buchstäblich genauer
aus debitum.
Dec, dech pr. 1) gebot, befehl, 2) gebiet, gränze, 3) abgäbe,
4) büße, gebrechen, mangel ; dsgl. fem. d e c a (neupr. deco) und decha in
der 4. bed.; vb. npr. deed abbrechen, altpr. dechar täuschen? LR. Für
diese Wörter findet sich kein andrer rath als in edictum Verordnung,
welches das mitteldlter aber auch für bannum (aufläge, büße, Jurisdiction)
gebrauchte. Die büdung deca aus dec (richtiger dech) ist unorganisch.
Aus indictum (mlat. aufläge, abgäbe) ist pr. endäc abbruch, mangel,
endechat mangelhaft, und gewiß auch sp. pg. endecha Tdagdied über
einen todten, wozu noch mlat. indietare anklagen = oitfr. enditier zu
vergleichen ist. S. auch Mahn p. 43.
D6ciller, dessiller fr. die äugen öffnen; von cilium, it. discigliare.
D6erne fr. cßle, servante' bei Borel 687, handgreiflich das ndl.
deerne, hd. dirne. Steht aber das franz. wort so sicher, wie Chevaüet
1, 407 es hinstellt? Bord bringt es in seinem zweiten arihang, worin er
nach eigner aussage viele deutsche Wörter aufgenommen hat.
Degrö fr., degrat (degrä) pr., auch pg. degr&o stufe; für gr6 =
gradus, gebildet aus degradare, als scheideform von gr6 = gratum.
Degun prov. pronomen für lat. nuüus, noch jetzt bis Nizza üblich,
auch altsp. degun im F.juzgo; dem ahd. dihein nachgebildet, wie Grimm
III, 40 bemerkt. Kein wunder: noch ein anderes pron., maint, ist ja
unlateinischer herkunft.
D61ai fr. auf schuh, frist; von dilatum, ital. fem. dilata. Daher vb.
dilayer, vrlt. delayer, aufschieben, hieraus it. dilajare.
Doli 6 fr., in älterer form deugiö zart, fein; von delicatus wie pli6
von plicatus, pr. delguat, sp. delgado.
Demanois cdtfr., demanes pr., partikd für lat. statim; von de
manu mit angefügtem ipsum 'von der hand weg, kurzer hand' gr. ex x€lQ°S>
mhd. zehant. Für demanois wird auch fr. manois, pr. manes gesagt.
Dopen s (m.plur.), döpense fr. aufwand, ausgaben; von dispendere
dispensus.
D6pit/r., despieg pr.unwille; von despectus Verachtung, it. dispetto,
sp. despecho. Adj. attfr. despit Chev. d. I. cliarr. p. 168, Ruteb. I, 104,
vom part. despectus, it. dispetto. Vgl. räpit.
ILc. DESVER-D1E. 561
Desver und derver altfr. von sinnen sein, rasen, selten dever z. b.
PDuch. p. 36, aber nfr. endSver toben; subst. altfr. desverie, derverie
raserei. Ein altes Zeugnis ist se d&ved efurerety LRs. 86; ohne se z. b.
Og. I7 123 a poi qu'il ne d&ve. Häufig begegnet das adj. desv6, derv6
unsinnig; sehr üblich ist auch die redensart le sens cuide derver er glaubt
den verstand zu verlieren, wo also das verbum transitive kraft hat; zu-
weilen du sens cuide derver z. b. Fier. p. 33. Man hat es aus de-ex-
viare construiert, woraus richtig desvoyer ward, desver nicht werden
konnte. Es gibt andre, besser berechtigte Wörter, z. b. diruere, umgeformt
nach der 1. conj. wie das einfache ruar, aus ruere, also diruar, endlich
dervar, mit verstärktem präfix desvar, desver. Auch sp. derribar (um-
werfen, zerstören) dürfte genannt werden. Bei dissipare, das im pr.
disipar und it. scipare zu gründe richten, verwüsten bedeutet, wäre das
bedenken, daß sich p schwerlich in v erweicht haben würde, da dies im
prov. auch nicht geschah. Die herleitung aus derogare genügt dem buch-
stoben vollständig, wenn man altfr. enterver von interrogare vergleicht,
aber seine bedeutung liegt zu weit ab. Folgendes ist ein weiterer beitrag
zur auslegung des vielbesprochenen wertes. Nimmt man die älteste franz.
form däsved und berechnet jeden buchstaben, so kommt man auf dösipit,
was dem begriffe genau zusagt; p wird auch in dem einfachen savoir {von
sapere) zu v. Die 1. person desipio würde freilich eine andre form ge-
geben haben, aber sie ward im leben selten gehört, da niemand unsinnig
sein wül, und hat darum keinen einfluß auf das roman. wort gehabt. Streng
genommen, wäre aber auch desipit nicht desve, sondern d6sv geworden:
man fügte e an, um die ausspräche möglich zu machen, und da das
wort hierdurch den schein der 1. coryug. bekam, so ist der infin. desver
leicht zu erklären.
D6tresse fr., destressa, detreissa pr. beklemmung; vom pari, de-
strictus, pr. destreit gepreßt, beengt, gleichsam destrictia: da aber ab-
leitungen mit einfachem suffix Ta kaum vorhanden sind, so scheint dem
Substantiv ein vbm destreissar, gleichsam destrictiare, vorausgegangen zu
sein. Der Italiener hat dafür das regelrechte distrettezza, kein distreccia,
aber im altspan. findet sich destricia noth, bedrängnis.
Dette fr. schuld; vom plur. debita, sp. deuda.
Diantre fr. interjection, entstellt aus diable um den namen des
bösen nicht in den mund zu nehmen; churw. dianser.
Die altfr., dia pr., beide nur im Gir. de Boss.: ja no sera mos
sira ni ieu seus dia 2368; in der franz. abfassung Bodl. ja ne sera mos
seindre ne eu siens die M. II, p. 96; dagegen Karl, ja ne sera mis
sires jor de ma vie Mich. p. 289, wo also das wort vermieden ist. Die
bed. dienstmann, lehensmann liegt im zusammenhange. Knecht, olxtTtjg,
heißt goth. thiu-s, ags. theöv, theöva, ahd. in abll. und zss. thio, theo,
deo, aber nur auf die ahd. form mit anlautender media ist das prov.
wort zu gründen, da thiu den anlatU t gefordert haben würde. Deo oder
dio hätte freilich deu, dieu oder diu geben sollen; man konnte jedoch das
36
562 ILo. DINDE-DORELOT.
m
wort in dia umbiegen, damit es nicht mit deus zusammentraf: solcher
masctdina auf a mit personlicher bedeutung besaß die spräche mehrere,
wie bada, crida, uca und zumal sira, dessen gegensatz dia bildete. Ein
gleichfalls aus einer german. spräche geschöpftes synonym von dia (f£)
werden wir unten kennen lernen.
Di n de fr. trtUhenne, dindon truthahn; abgekürzt aus coq d'Inde
indischer (americanischer) hahnt cot. gall dindi, indiot.
Disette fr. rnangel; von desecta abgeschnittene Sache, abgeschnitten-
heit, nicht von däsita, wie die etymologen wollen, das eher desto, dette
hinterlassen hätte.
Dolequin altfr. kurzer zweischneidiger degen; vom mndl. dolckin,
dimin. von dolk, nhd. dolch, dies aus dem slavischen, böhm. z. b. tulich,
s. J. u. W. Grimms Wb.
Dommage fr. schade, altsp. domage Bc.f altfr. waUon. richtiger
damage, pr. dampnatge; von damnum.
Dondon fr. (f.) dickes rothbackiges weih (dicke kurze Weibsperson
Frisch). Es scheint eine sinnverstärkende reduplication und das einfache
don aus dem mundartlichen engl, dump in dump-y kurz und dick, dump-
ling Meine fette person, kleiner Mos, wozu man ein isländ. doomp vergleicht
(s. Anonym, dialect of Oraven, Lond. 1828). Ein adjectiv zu dondon
ist das altfr. dondä dick, beleibt = mundartl. engl, dunty, dumpty
(dump-et-y ?) kurze, dicke person. Dondon berührt sich mit bedon (s. eben):
altfr. dondaine z. b. (ein wurfgeschütz) ist = bedondaine. Ob auch dodu
(dick und fett) hieher zu stellen sei, ist unsicher, da der Franzose die
nasalität nicht leicht aufgibt; vermuthungen bei Schder.
Dongeön fr., donjo pr., mit erweichtem n altfr. doignon, pr.
dompnhon, im mlatein domgio (1025), dungio, domnio, höchstes befestigtes
gebäude in einer bürg; man lese die beschreibungLex.rom.nl, 71. Zwei
beachtenswerthe deutungen liegen vor: aus dominium beiMSnage, und aus
dem celtischen dfin befestigter ort (vgl. dnna I.) bei Ducange; in beiden
fällen ist eine ableitung vermittelst des Suffixes ion anzunehmen; dominio
dominionis müßte etwa das beherrschende gebäude (nicht das herrenhaus,
denn das war es nicht) ausdrücken. Nicht günstig für die cdtische her-
kunft ist das späte auftreten des Wortes im mittdlatein, wiewohl zu seinem
gebrauche gdegenheit genug gegeben war. Zeuß J, 30 hält das von Or-
dericus im Widerspruche mit allen andern quellen gebrauchte dangio für
die bessere form und erkennt darin das ir. daingean befestigung. 8. auch
Muratori's Ant. ital. II, 500, Grandgagnage's Mem. sur les noms de
lieux 77 und Diefenbachs Orig. europ.p. 327, der sich der lat. herkunfl
des wortes zuneigt. — [Ein neues Zeugnis für dieselbe bringt Mussafia,
Darstellung der altmailändischen mundart (1868) p. 37, nämlich das bei
Bonvesin vorkommende dominion, * wodurch die bestrittene ableitung dieses
Wortes (dongeon) aus dominium beinahe unzweifelhaft wird.*]
Dorca und dorc pr. krug; von orca mit vorgesetztem <L
Dorelot altfr. zärüing, liebling, nfr. doreloter, dorloter verzärteln,
ILc. DORENAVANT-DRASCHE. 563
hätscheln. Nach Frisch von dorer vergolden, woraus ober dorelot nicht
abgeleitet werden konnte. Überdies, wollte man etwas von gold darin
ausdrücken, so gab. das subst. or die passendste grundlage des neuen
Wortes. Besser jedoch vom ags. deörling liebling, die endunglng vertauscht
mit dem diminutivsuffix ot. Andre verweisen auf das mit dorloter gleich-
bed. bret. kymr. dorlota, welches allerdings aus dem französischen entlehnt
sein könnte, aber in dem einfacheren bret. dorlöi, dorlö (dem auch die
bed. behandeln, handhaben, kneten zusteht) eine statte zu haben scheint.
Derselben herkunft sind auch wohl die liebesinterjectionen der altfranz.
vdkslyrik o dorlotinl o dorenlot! dorenleu! validoriax!
Dor 6 na van t (mit falsch angewandtem accent, s. Qenins Variat. de
la l. f.) franz. adverb für lat. dehinc: von de hora in ab ante.
Dorna pr. topf, npr. dourno; von urna mit vorgesetztem d wie in
dorca. Daher sp. dornajo, dornilla trog.
Douer fr. begaben, von dotare; ältfr. douöe verlobte, mit einer dos
begabte; douaire (m.), pr. doari witthum, mlat. dotarium; douairiere /Vau
die ein witthum bezieht.
Don ille, doille altfr. weich NFC. I, 113; von ductilis, pr. ductil
u. s. f.; aus derselben quelle dimin. fr. douillet (nicht von dulcis, dulci-
cnlettus).
Donille fr. (f.) zapfen, düle, mlat. dnctile rinne, eigenÜ. etwas
geleitetes; vgl. comask. indoja hülse eines Stieles, von indnctile, s. oben
andonille. Von ducere ist auch das fr. doüsil.
Dour, dor altfr., pr. dorn, in späterem nüatein daraus ein kleines
längen/maß. Veneroni hat auch ein it. dorone, das ober nicht dazu paßt,
und dem gr. düqov nachgeformt ist. Die genaue bedeutung ergibt sich
aus dem prov. Reimbuch, worin es heißt: dorns cmensura manus clausae*
67* , also faustbreit, handbreit, vgl. die altfr. stelle: graindre demi pi6 et
piain dor einen halben fuß und eine handbreit größer Guill. d'Or., s. Hof-
mann zum Jourd. de Blaiv. v. 3859. Cdtisches wort: gad. dorn, kymr.
dwrn, bret. dorn hand, faust. — Daß schon der ältere Plinius di-doron
als gallisch bezeichne, ist ein von Adelung in die litteratur eingeführter,
von Diefenbach, Orig. europ. p. 310, aufgedeckter irrthum.
Doyen fr. declwnt, decan; von decanus.
Drageon fr. Schößling. Vom deutschen trieb gleichbed., auf welches
man die endung der sinnverwandten bourgeon und surgeon übertrug: nur
setze man stoß des nhd. trieb das mhd. treib, entsprechend dem ahd. vb.
treibjan, goth. draibjan, denn deutsches ai wird fr. a.
Drague fr. ausgebrautes mälz, träber; ist das attn. dregg, engl.
dreg hefe, bodensatz.
Dragne fr. hoMschaufel um sand u. dgl. aus dem wasser zu ziehen;
vom ags. dräge, engl, drag haken, zugnetz.
Dräsche altfr. hülsen, schoten, mlat. drascus oder drascum Matth.
Paris; muthmaßlich vom ahd. drescan dreschen, also ausgedroschenes, nhd.
drasch tritura, s. Orandgagnage v. drfthe.
564 IL c. DRILLE-DUVET.
Drille fr. (m., mit erweichtem 11) Jcamerad; buchstäblich das ahd.
drigil bursche, diener, altn. thraell, vgl. Grimm III, 321, Graff V7 600.
Drille fr. (f.) läppen; vom nord. dril wegwurf? Nach andern von
kymr. dryll (m.) stück, theü.
Dröle fr. possierlich; lustig. Die lexica des 16. jh., wenigstens die
von Bob. Stephanus 1539 und Nicot 1673, enthalten dieses wart nach
nicht, und da es auch in der altfr. und prov. spräche nicht vorhanden
scheint, so ist über seine ursprünglichere form,- d. h. ob dem drcumflectierten
6 eine etymologische bedeutung zukomme, nichts zu sagen. Menage er-
innert an trossulus stutzet, das aber eher trosle, tröle ergeben hatte. Es
ist sicher desselben Ursprunges wie unser drollig (erst gegen ende des 17.
jh. Grimm), engl, droll, vgl. auch ndl. drol, altn. drioli, gael. droll plum-
per ungeschickter mensch.
Dromon altfr. größeres kriegsschiff, altn. drömandr, mhd. tragmimt,
dragmant; von dromo {ögoficov) cgenus navicdlae vdocissimae nach Fvl-
gentius Plane., vgl. Isidor 19, 1. Prov. dromo plattform ist dasselbe wort.
Wal. drom straße, bahn, von ögo/iog laufbahn.
Dllire altfr. pr. anleiten zu etwas, unterrichten, abrichten, im Leo-
degar str. 4 perf. doist, im Boeth. v. 166 pari. präs. dozen (s. die anm.
dazu), als adj. altfr. pr. duit geschickt, gewöhnt, geübt, sbst. altfr. duison
' artigkeit NF. Jub. I, 106; nicht etwa von docere, sondern von dneere,
mit dem seine flexion zusammentrifft (doist = duxit, nicht = docait),
ebenso sp. ducir in der bed. von duire, ducho in der bed. von duit, vgl
auch unser ziehen educere, educare. — [Die prov. form dozer in dem
später bekannt gewordenen alten prosadenhnal läßt neben dem angeführten
dozen wenigstens eine mischung der verba docere und dacere annehmen.
Das prov. Reimbuch hol dohtz *doctus 56*.]
Dupe fr. (f.) schwachkopf, der sich leicht hinter gehn läßt, duper
hintergehn, bethören. Frisch I, 212* stellt dnpe zum schwäb. düppel
dummkopf, vgl. Schweiz, täuppen irre reden, täabelen zu bethören suchen.
Weitere sich annähernde Wörter sammelt Atzler.
Dar fett altfr., umgestellt drafett Ignaur. p. 16, elend, erbärmlich.
Rom. gramm. II, 291 (1. ausg.) ward dies wort den ableitungen mit atns
zugesellt und dabei an das gleichbed. isl. thurfi erinnert, worauf es auch
Du Meril Form. d. I. I. fr. zurückführte. In diesem falle aber hätte das
franz. wort tarfett lauten müssen. Vergleicht man mal-feü, fem. mal-feüde
Alexs. 89, so hat man grund, in unserm worte ein compositum dur-feü
zu erkennen. Malfett aber entspricht dem pr. malfadat Fer. 1861 und
dem sp. malfadado: darf eil ist dare fatatas d. h. von hartem Schicksal
betroffen; in beiden aber ward das suffix atas mit dem sufßx atas ver-
tauscht wie etwa in letru für leträ u. a. (Auch das einfache fett ist vor-
handen, ChLy. p. 212.)
Davet fr. flaumfeder. Das altfr. dam (nom. dans, s. Henschd) so
wie das von Menage angeführte norm, damet (bei Du Meril deamet), ndat.
duma, gehen auf das altn. dün (daune) zurück; aber davet?
ILc. EAU-ECHANTILLON. 565
B.
Eau fr. (f.) wasser; von aqua mittelst einer starken Umbildung: zu-
erst eve (vgl. yve aus equa), daher 6 vi er gußstein (aquarium), diph-
thongiert ieve, iave, eaue, eau (ebenso bei, biel, bial, beau). Diese und
andre formen gehen in einer und derselben handschrift nebeneinander, im
Fierabras z. b. aigue, augue, iaugue, yawe, iaue. Noch im 16. jh. konnte
man mit der Schreibung des wichtigen Wortes nicht ins reine kommen: R.
Stephanus z. b. schreibt nur eaue, Nicot eaue und eau, bis man sich
endlich entschloß, das weibliche e fallen eu lassen.
febaubi fr. erstaunt, erschreckt, particip des unüblichen inf 6baubir,
alt auch abaubir; eigentl. stammeln machen, von balbus, altfr. baube. 8.
dam Gachet p. 2*.
Äbe fr. (f.) das fällen des meerwassers nach der fluth; vom ndl. ebbe.
ßblouir fr. blenden, pr. esbalauzir für esblauzir betäuben, em-
blauzir blenden. Was sich zuerst darbietet, ist unser blau, das rom.
verbum könnte heißen 'einem blau machen vor den äugen, blauzir wäre
nämlich für blau-ir. Indessen wird das prov. z kaum zur hiatustügung
verwandt, wozu auch in dem regelrechten blavir (vgl. blavenc, blaveza,
blaveiar, nicht blauzenc ff.) kein anlaß war. Man muß darum Grand-
gagnage beitreten, der auf ahd. blödi zaghaft, schwach, stumpf (sbst. blöd!
hebetudo) verweist, auch unser blödsichtig ist schwachsichtig, sttmipf sichtig.
Das ahd. verbum lautet blödan; zum verwandten goth. blauthjan würde
das pr. blauzir buchstäblich besser stimmen, aber die. uns überlieferte be-
deutung des ersteren (wegschaffen mvQovv) liegt den romanischen nicht
nahe genug.
fic arver fr. (im Schiffbau) zwei planken an den enden ineinander
falzen; vom engl, to scarf, schwed. skarfva dass., eigentl. zuschneiden, zu-
spitzen, ahd. 8carb6n 'concidere3, s. Atzler. Dahin auch das span. sbst.
escarba, gleichfalls im Schiffbau.
tichalas fr. weinpfahl, altfr. mit r escaras, und so pic. äcarats,
berr. charisson, piem. scaras. Nach einigen von scala leiter; besser vom
gleichbed. mlat. carratium L. Long, mit vorgesetztem es, dies vom gr.
%aQa£ (wai. hqr&c), s. Caseneuve und Ducange.
ßchalier /r. zäun von pfählen oder ästen. Trotz seiner begriff s-
verwandtschaft nicht aus ächalas. Man läßt es aus scala entstehen, weil
es eigentlich eine ort doppelter als zäun dienender leiter bedeute, s. Roquef.
v. eschallier.
fechandole/r. schindel; von scdndula dass., lothr. mit ursprüng-
lichem accent chondre, lomb. (brescian.) scandola, wäl. scundure.
fechantillon fr. probe, muster, henneg. 6cantillon lineal (muster,
richtschnur?), entlehnt sp. escantillon, descantiljon. Es wird aus altfr.
cant, chant (ecke, winket, stück) geleitet, und in der that zeigt das mit
566 IL c. ECHASSE-ECOUFLE.
chant gleichbed. eschantelet dieselbe Zusammensetzung mit es, beide scheinen
also aus demselben primitiv abgeleitet.
Schasse fr. stelze, 'alt eschace, henneg. 6cache; fläm. schaets iass.,
holt, schaats, engl, skate Schlittschuh,
ßchauguette fr. warte, bei den Alten auch eschargaite, eschirgaite
Späher,. Wächter, oder, wie Gachet 516* nachweist, ein zum beobachten
bestimmter trupp, vb. eschargaitier; vom dtschen schaarwacht, worauf die
altfr. formen weisen. Das neufr. wort ist aus eschargnete, eschalguete
entstellt.
ficheveau sträng zwirn oder garn; wird gewöhnlich, dem begriffe
ganz ungenügend, von capillns hergeleitet. Sollte es nicht aus scapus
entstanden sein, sofern dies für den cylinder der papierrollen gebraucht wird,
und etwa r Stichen bedeutet haben? Daß man etwas rund gewickeltes dar-
unter verstand, scheint ausNicot hervorzugehn, der es * spira fUacea, orbis
füaeeus übersetzt, auch heißt das veraltete eschevete nach Roquefort
knäuel. Derselbe hat auch eschavoir mit der bed. haspel, also etwas
abwickelndes.
tichoppe fr. (f.) Meine bude; vom ahd. schupfa, nhd. masc. schup-
pen, woher auch weil, sopru.
Schoner fr. stranden d.h. auf den Strand gerathen, dsgl. scheitern,
döchouer wieder flott machen; etwa von cautes die den schiffen gefährliche
Wippe? (naves nihil cautes timebant Caesar). Cautes ist freilich ein
unrom. wort, gleichwohl ist diese herleitung besser als die von Menage
aus scopolus, da lat. c vor o nicht in ch übergeht.
Eclair fr. blitz; von öclairer, lat. exclarare erleuchten, also wie
fulmen und fulgor von folgere glänzen, oder champ. lumer blitzen, von
lumen. Es begegnen noch andre ausdrücke für blitz: altfr. espart Ruteb.
II, 481; esclistre s. unten; bürg, älaide, blende Mignard, lothr. alande,
auloide Mim. de Vigneulles.
6 c o p e fr. schöpf kanne ; vom schwed. skopa dass.
Ecore fr. jähe stelle am meeresufer; vom ahd. scorro klippe, ags.
score, engl, shore, ndl. schorre, schore KU, vgl. gael. sgör.
ßcornifler fr. schmarotzen. Es ist dies ein begriff, der dem witze
die verschiedensten auffassungen erlaubt, daher ist seine deutung keine
leichte: auch das entsprechende deutsche wort harrt noch der aufklarung.
Auffallend trifft £cornifler mit unserm karniffeln zusammen, wiewohl letz-
teres etwas* anderes (puffen, knuffen) aussagt. Frisch i, 601c bemerkt:
'karniffeln, franz. äcornifler einen eis Schmarotzer tradieren, vom itaL
scorno schimpf, spott\ Auch jetzt noch vermuthet man darin eine aller-
dings unregelmäßige ableitung aus 6corner beschimpfen = it. scornare,
wiewohl man eher eine Zusammensetzung darin vermuthen sollte.
ficoufle fr. (m.) hühnergeier, cdtsp. eseofle Conq. ÜUram. Nannte
man wurfgeschütze nach raubvögeln (s. terzuolo I.), warum sollte man
nicht einen raubvogd nach einem wurfgeschütz genannt haben? Schupfer
(von schnpfen fortstoßen) hieß ein wurfzeug Frisch II, 234*, ihm ent-
ILc. ECOÜVILLON-ELAGUER. 567
spricht mit einer leichten abänderung (vgl. crible für cribre, alt temple
für tempre) das atifr. escofle. Chevallet I, 253 erkennt darin das gleiehbed.
bret. skoul, schon cornisch acoul: dieses etymon wäre sicher besser be-
rechtigt als das andre, wenn sich die formen einigen ließen.
fecouvillon Wischer zum abputzen, sp. escovillon; dimin. von
scopa besen.
fecran fr. f euer schirm; vom dtschen schrägen gestett, vgl. flan von
fladen. Nach andern floß es aus dem ahd. scranna batik, oder gar aus
dem gad. srian zügd = kymr. ffrwyn = tat. frenum.
£craser zerquetschen; special franz. den Normannen abgeborgtes
wort, attn. krassa Beweiben, schwed. krasa zerschlagen.
ficrevisse fr. krebs, dUfr. escrevisse auch hämisch; vom ahd.
krebiz mit vorgesetztem s, worin Wackernagel einfluß von scarabaeus
(gr. xdgaßog, axaQaßog) vermuthet, henneg. einfach graviche, wailon. grevess.
Der Provenzale hat dafür cranc von Cancer (s. granchio tfd. I), die neue
spräche aber auch escrabissa, escrevici.
ficrou fr. (m.) Schraubenmutter; von scrobis (m. f.) grübe, vgl. it.
cavo mit beiden bedd. Unser schraube hätte franz. kaum anders als
6crue oder 6cru lauten können; im churw. scrov, scruv, im wal. sirof,
im ungr. srof aber fand es nachbüdung.
Ecrouelle fr. (nur implural üblich) drüsengeschwulst ; von scrofella
für scrofala hdLsgeschwulst.
fecu fr. schüd, schüdthaier ; von scutnm, U. scudo ff., daher auch
Icnyer, pr. escudier ff. Schildknappe, fr. 6<fusson Wappenschild {gleichsam
scut-io wie von arcns arc-io argon).
fecuelle fr., pr. escudela ein gefäß; von scutella, it. scodella, ahd.
scnzilft, nhd. Schüssel.
fecurie fr., escuria, escurajpr. stall; vom ahd. scüra, skiura, mlat.
scuria, nhd. scheuer, woher denn auch wal. ßur^, ungr. tsttr.
Effarer fr. bestürzt machen, s' effarer bestürzt werden; scheint, wenn
man pr. es-ferar scheuchen vergleicht, nicht von efferare wild machen,
sondern neue büdung aus ferne, welches, wie ferox in farouche (auch hier
a aus e), die bed. scheu annahm.
feg out fr. dachrinne; nicht mit Jault vom fläm. goot gösse, oder
mit andern von aquae ductus ; es ist einfach vom franz. vb. ögoutter ab-
tröpfeln, pr. esgotar, vgl. pr. goteira, fr. gouttifere = 6gout.
Plaguer fr. einen bäum ausschneiden oder lichten. Nach Frisch
von ablaqueare (auch oblaqneare) die erde um die weinstöcke auflockern,
um das unkraut zu vertilgen, eine herleitung, für welche, da ablaqueare
nur 61acer erzeugen konnte, vorerst eine form ablaquare angenommen
werden müßte. Es wird sich fragen, ob das wort nicht deutscher herkunft
sei, ob das ahd. Iah incisio arborum Qraff IL 100, oder das rnndl. laecken
vermindern, verdünnen nicht darin enthalten sein könne, über Iah s.
Grimms Rechtsalt p. 644, wo auf nhd. leck verwiesen wird. — [Auch
Grandgagnage ist auf diese etymologie gekommen v. liguer.]
568 II. c. ELAN-EMPLETTE.
ßlan elen-thier; ungewiß ob vom ahd. elaho, acc. elahon, zsge.
elan (ähnlich häron von heigir-on) oder vom späteren deutschen elen,
elend, slawischer herkunfl.
Embler aft/r., emblar stehlen, in hss. der L. Sah bereits imbulare,
florent. imbolare, chw. ingular, angular ; von involare wegnehmen : remitte
pallium mihi meum, quod involasti Catuih, so noch ital. Lateinische
grammatiker haben zu entscheiden, ob involare in dem angegebenen sinne
identisch sei mit involare hineinfliegen, desgl. sich auf etwas losstürzen,
wofür sich anführen ließe, daß es verba gibt, die einen fortschritt in ihren
bedeutungen zu erkennen geben, wie in verfolgen und erreichen, suchen und
finden; oder ob es mit vola zusammengesetzt sei und eigentlich heiße 'in
die hand stecken, wobei an manuari stehlen (von manus) bei Gdlius aus
Laberius erinnert werden dürfte. Abgekürzt aus involare ist das neufr. voler.
Embronc altfr. pr. geneigt, gebeugt, z. b. ara vau embroncs et
enclins LR. II, 262, embronc contra la terra GÄlb. 2164; fr. paien i
bassent lur chefs e lur mentun, lor belmes clers i suzclinent enbrnnc
Roh p- 127, daher auch gedankenvoll, traurig; ebenso vah enbronch ge-
krümmt A. March, pic. embron linkisch (verdreht?), vb. embroncher Ni-
cot, bürg, rembroncher, altsp. broncar beugen, krümmen. Die* herkunfl
des Wortes ist noch naher zu untersuchen. Möglich wäre, da embronc
eigenth vorwärts gebeugt heißt, ableitung aus pronus : impronicare, woraus
embronc als verkürztes particip, wäre ein gegenstück zu clinicare, auch
dürfte noch das altpg. ambrom 'vorwärts* verglichen werden, aber diese
möglichkeit liegt nichts weniger als nah. Wie verhält sich dazu pr. em-
broncar, altfr. embroncher in der bed. einhüllen, bedeclien? pr. sotz son
elme s'embronca e son espeut brandig GAlb.; en son chaperon enbrun-
ahi6 Ren. II, 129; li amiralz en ad le helme enclin e en apres si'n en-
brunket son vis Roh p. 135. S. Menage v. embruncher, und vgl. pic.
embrugner bedecken (Gorbiet), kenne g. embrunqu^, berr. embrunchä m
schlimme händel verwickelt. Auch das adjectiv entspricht dieser bedeutung,
z. b. e eil s'en sunt parti joiant, embrons e enchaperonez eingewickelt
und eingemummt? Ben. II, 186. — [Eine genaue Untersuchung der ver-
schiedenen bedeutungen der fraglichen Wörter bei Gachet p. 139, der auch
das it. broncio hieher rechnet, darüber s. oben II. a. Handelte es sich
hier bloß um die bed. kummervoll, so könnte man an das gleichbed. gaeh
brönach denken, aber der sinnliche begriff hat den Vorzug.]
Empeltar pr. cat. pfropfen, sbst. cot. empelt, pr. empeut, altfr.
empeau pfropfreis; von pellis (haut des baumes, rinde) oder besser von
dem prov. dimin. peleta, woher auch engl, pelt, fr. pelletier, also eigent-
lich em-peletar in die rinde einsenken, dtsch. pelzen.
Emplette fr. einkauf; für altfr. emploite, norm, empleite, von im-
plicitus implic'tus, dies von implicare (in roman. sinne), verwenden, an-
legen. Altfr. war auch emploiter, pr. empleitar vorhanden, unmittelbar
das Icd. implicitare. Unrichtig ist sowohl Menage 's deutung aus impleta
wie die von Frisch aus employ-ette. Vgl. unten exploit.
ILc. ENARME-ENIC. 569
Enarme dltfr. riemen den Schild zu fassen, ahd. skilt-riemo. En-
armer heißt den schüd mit einem solchen riemen versehen, eigentL wohl
zum gebrauche fertig machen, von armare mit etwas versehen; daher das
sbst. enarme. Die Zusammensetzung mit en ist für unser gefuJü über-
flüssig und scheint durch andre auf ausrüstung bezügliche verba, embas-
toner, empenner, enaster, enfrener, veranlaßt. Den unterschied zwischen
diesem wort und guige sucht Gachet zu ermitteln 142b.
Eil fr um, enfrun altfr.y% enfrun pr. gierig, unersättlich, s'enfrunar
gierig essen, sich voll stopfen Chx. IV, 453; ohne zweifei von frümen
gurgely Schlund, wodurch sich auch das schwanken zwischen anlautendem m
und n erklärt. En ist hier präposition, en frum heißt Undiegurgel hinein.
Enger fr. belästigen: qui m'a eng6 de cet animal? Dict. de Vacad.,
dsgl. anfüllen, überfüllen: Nicot a eng6 la France de l'herbe nicotiane.
Es fügt sich buchstäblich zu enecare plagen, zsgz. en'care, vgl. vindicare
vin'care venger. Dasselbe wort ist augenscheinlich daspg. engar heftig
dringen, feindlich zusetzen, das Moraes unstatthaft vom dtschen eng her-
leitet. AÜfr. heißt enger auch sich vermehren, überhand nehmen (beson-
ders von schädlichen dingen), z. b. cette dartre enge grandement; la
peste enge fort; daher engeance brut; nach Menage von ingignere, dessen
zweites n aber nicht schwinden konnte. Hieraus pg. incjar (a coelha em
poncos mezes in$ou a terra heckte das land voll), limous. s'endzi sich
erzeugen (vom Ungeziefer) und wohl auch sard. angiai hecken, junge werfen.
Engrant dltfr. gierig, z. b. tant fast engrant de nule ferne LR.
III, 494; ce soir fu moult Pitiez engranz Ruteb. II, 54; dsgl. engrande:
li priex ki estoit engrande FG. IV, 53 ; de servir fu la dame engrande
NFC. I, 294; del revenir sont ja engrande Parton. II, 188. Beide
formen sind also für masc. und fem. sg. und plur. gültig. Im prov. ist
das wort selten; Raynouard verzeichnet nur ein beispiel: ieu m'en sui
mes tos temps engrans B. Born. Im lothring. findet sich s'agransi gierig
verlangen. Chevallet hält grant für ein Substantiv und erblickt darin das
deutsche gram: d wäre alsdann zugetreten wie wBertran-d; Gachet räth
auf das altn. partic. angradhr beunruhigt, das zweite n wäre also einge-
schoben. In grant und grande ein Substantiv anzunehmen, scheint . richtig,
theüs weil das volle wort niemals attributiv gebraucht wird, theüs weil es
nicht adjectivisch flecttert.
Engres dltfr., auch engrais, engrois (fem. engresse), pr. engres
hitzig, heftig, leidenschaftlich; sbst. engrestö TCant. p. 72, Brt. II, 198,
vb. g'engresser das. 106. Etwa von agrestis rauh, wild? vgl. wegen n
engrot von aegrotus. Nach Villemarque, Chans, bret. I, 132 (2. ed.),
vom bret. sbst. enkrez, inkrez kummer, unruhe. Andre ziehen diese Wör-
ter aus gravis, Carpentier aus ingravare, aber weder dieses noch in-
gravescere erklärt die formen. An der spitze derselben kann nur das
adj. engrte stehn (wofür agrestis allerdings ein wenig zuverlässiges etymon
ist): hieraus das subst. engrestö für engresse t6 so wie das verbum.
Enifrpr. unwillig, aufgebracht; von iniqnus.
1
570 II. c. ENNE-ENTE.
Enne attfr. partikd für frage und ausruf: enne porroit bien avenir?
G. SAngl. p. 128, vgl. MicheVs gloss. zum Tristan und zur Chron. de
Ben., Oreüi p. 319; offenbar zsgs. mit dem fragewori et (Rom. gramm.
III, 403) und der negationspdrtikd, noch lothr. enne (Oberlin). Mit dem
mndl. fragewort ene, eno Hoffm. Hör. belg. VII p. 8 trifft das frans,
also nur zufallig zusammen.
Enqnar pr. anfangen: enqueth 'coepit' im Ev. Joh. ed. Hofm.,
häufig im Gir. de Boss.; offenbar von inchoare, einem der wenigen tat.
Wörter, die dem prov. gebiete ausschließlich eigen sind, denn der Italiener
besitzt nur das pari, incoato, welches auch die Lex. Long, gebraucht:
quod ipsum malum per ipsnm fiet inquoatum. Näheres bei Mahnp. 44.
Enron er fr. heiser werden; von rancns.
Ens attfr., ins pr. partikel, von intus; zsgs. eilt fr. dens, nfr. dans,
dedans, pr. dins, dedins, von de intus, de de intus ; dsgl. attfr. saiens,
laiens, pr. saYns, laYns, deren erste häufte die rom. Partikeln sai und lai
sind, neufr. cäans und läans.
En tarn er fr., entamenar pr., dsgl. piem. antamnä verlebten, ritten,
leicht verwunden, auch anschneiden. Wie sehr sich auch gr. ivziuvetv
durch seine bedeutung empfiehlt, so scheint doch das lat. taminare, weiches
Festus'mit violare erklärt, durch seine heimath wie durch seine form
(denn mn dehnt sich romanisch nicht in men) besser berechtigt. Es ver-
steht sich, daß das rom. en-tamenar anders zusammengesetzt ist als das
lat. in-taminatus. Man deutet jenes wohl auch aus cdtischen Wörtern
wie tarn bissen, taman rümpf; was läßt sieh aber für den latein. Ursprung
eines Wortes mehr verlangen, als daß es nach form und inhalt mit einem werte
dieser spräche zusammentreffe? Auch anfangen bedeutet entamer, und unge-
fähr denselben schritt vom schneiden zum anfangen that unser tifecAes beginnen,
dessen primitiv ginnen die bed. spalten, schneiden hat : brot oder fleisch schnei-
den oder geschnitten haben ist anfangen zu essen, und so ward schneiden bald
überhaupt für anfangen gebraucht (J. Grimm in Haupts Ztschr. VIII, 18).
Die umgekehrte begriffsentwicMung zeigt das pg. encentar 17. b.
Ente fr .' pfropfreis , gepfropfter bäum, piem. parm. enta, moden.
entin (Muratori), vb. fr. enter pfropfen. Buchstäblich paßt ente zu gr.
e'nq>vTov eingepflanzt, enter zu if.tq>vrevBivf woher auch ähd. impitön, mhd.
impfeten, nhd. impfen, ndl. enten geleitet wird. Schon in der L. Sai.
findet sich impotus, das sich in betreff seines p zu e^qwrov verhalt wie
coiapus zu colaphus und auch mit seinem o zum gr. v stimmt. Andre
erkennen in dem werte ein compositum aus in und dem ndl. poot pfote,
auch satzstamm, daher im-pötus, bret. em-bouden, s. besonders Dief. Goth
wb. I, 415, vgl. II, 762; zu diesem etymon aber paßt die franz. form
nur mit knapper noth, indem sich der accent auf die partikd zurückge-
zogen haben müßte, die dhd. gar nicht, und könnte das bret. wort nicht
dem attfr. emboter (einfügen) nachgesprochen sein? Dem von Pott (s.
Dief. I, 442) vorgebrachten im-putare steht grammatisch nichts im wege,
seine bed. einschneiden aber scheint wenig gesichert.
ILc. ENTERCIER-ENVIS. 571
Entercier dttfr. wiedererkennen, anerkennen 0. b. pur ivre Ten-
ter$ad 'aestimapit eam temuleniatn LRs. 3; vom mtat. in-tertiare in die
dritte hand legen, in einer hs. der L. Sah cap. 47 und an andern stellen,
s. Waita, Recht der salischen Franken p. 156. Wer eine ihm gestohlene
sache in fremdem besitz entdeckte, hatte das recht, sie mit besehlag zu be-
legen und einem dritten tu überantworten, worauf der besitzer seinen
auctor stellen mußte. So ward 'mit bescMag belegen gleichbedeutend mit
* wiedererkennen, aber auch die juristische bedeutung ist dem dttfr. werte
nicht fremd, s. beispide bei Ducange.
Enticher fr. anstecken mit einer krankheit und dgl.; vom dtschen
wort, wie schon Frisch annahm.
Entrailles fr., intralias pr. eingeweide. Lot. interaneum, pl. in-
teranea, ergab it. entragno, sp. entranas, dttfr. entraigne (bei Boquef. en-
treingne), in der L. Säl. intrania, in den Cassder glossen intrange
(spr. intragne). Auf die fron*, form ward offenbar das suffix aille, wo-
mit man collediva schuf, angewandt, vielleicht gab das begriffsverwandte
tripaille den nächsten atUaß. Das churw. wort ist endadens = fr. en
dedans.
Entrechat fr. kreuzsprung ; vom it. intrecciato ineinander geschlun-
gen; abgekürzt aus capriuola intrecciata (Manage).
Entresait dttfr., noch jetzt norm, antresiais, adverb mit der bed.
€ohne umstände, jedesfalls\ 0. b. Hues, fait il, tout entresait eheste reube
que senefie? FC. I, 65; c'est gaaing entreset das ist, jedesfalls gewinn
Jubin. Jongl. et trouv. p. 161. Die prov. form ist atrasait, atrasag,
s. b. bestia es intrada per atrasaig en son vergier Jfr. p. 81b; car atra-
saitz an que manjar p. 108*; abgeleitet daher ist ein zweites adverb atra-
saiadament s. Poes, relig. publ. p. P. Meyer. Trennt man die Präposi-
tionen en und a, so gewinnt man tresait, trasait, das auf transactus
deutet; a totz trazagz braucht ein troubadour. Im altitai. trifft man tra-
satto: dunqae ben & ragione che'l nostro amore si parta in trasatto ohne
umstände sich scheide PPS. I, 322; Salvini übersetzt 'rinunzia dipossesso*.
Dasselbe adverb findet sich bereits im frühem mlatein: habeat eos in
transactum Liutpr. Leg. 6, 94; in finitum et in transaetnm HPMon. I,
num. 53 (v. j. 896); num. 55 (v. j. 899) und oft. Transactum kann
hier nicht vergleich bedeuten, es geht vielmehr auf fransigere durchstoßen,
durchführen, abthun zurück und drückt das gegentheü von rücksichten oder
umständen aus, unbedingtheit, daher auch it. trasattarsi sich etwas an-
maßen, sich ohne umstände etwas zueignen.
Enyahir fr. mit gewalt an sich reißen; von invadere anfallen, mit
ausgestoßenem d und eingeführtem h zur Währung des hiatus, pr. envazir
mit schärfung des A zu z nach der sitte dieser mundart. Es ist also nicht
an inyehere zu denken.
Envis altfr. adverb mit der bed. wider wülen, z. b. enyis ou vo-
lontiere (oft), prov. nur im Oir. de Boss.r wdtton. eviss, bürg, anvi; vom
adj. invitus für invite (nihil faciat invituß), aber in dieser mascutinen
1
572 ILc. ENVOUTER— EPAVE.
form gleich dem sp. ambidos 11. b, mit beobachtung des flexions-s, zum
adverbium erstarrt, wenn nickt dieses 8, welches auch der gegensatz volen-
tiers an sich trägt, der bekannte paragogische buchstabe der adverbien ist
(Rom. gramm. 11, 456). Später setzte man ä vor (k envis) wie bei andern
adverbien; das span. wort hat sich dessen enthalten. Endlich legte man
auf das schließende s keinen werth mehr und sagte z. b. ouYr envi quel-
que chose, wie noch Nicot. — Andrer herkunft ist der neufr. ausdruck
ä l'envi um die wette, avec Emulation: ils travaillent ä 1'envi Tun de
l'autre. Es ist von envie = invidia, indem das weibliche e, wie in ad-
verbien, als bedeutungslos gewordener vocal (vgl. das adv. or für ore) weg-
fiel; die Wörterbücher des 16. jh. aber setzen noch ä Tenvie Tun de Tau-
tre. Dieses envi für identisch mit dem ersterwähnten envis zu halten,
verbietet der sinn. Widerstreben und Wetteifer berühren sich nicht, wohl
aber neid und Wetteifer, vgl. gr. UjXog, lat. aeraulatio, mhd. nft (feind-
licher Wettstreit aus haß oder neid). Das nun veraltete subst. envi 'die
summe, die ein Spieler setzt, um seinen mitspieler zu überbieten* scheint
man aus der adverbialen redensart herausgezogen zu haben.
Envoüter/r. vermittelst eines Wachsbildes verwünschen: devovet
abseiites simnlachraque cerea fingit et misernm tenues in jecur urget
acus Ovid. Für devovere braucht Aptdejus devotare, welchem angelehnt
das fr. envoüter eigentl. einwünschen, in einen gewissen zustand wünschen
bedeutet, denn was dem abbilde angethan ward, sollte auch dem urbüde
geschehen. Wenn man im spätem mlatein invultare schrieb, so dachte
man an vultns, so daß es abbilden, in ein bild bringen hieß, was gleich-
falls bezeichnend wäre; aber der in Frankreich fortlebende römische ge-
brauch sollte er nicht auch für abstammung des franz. aus dem dafür
üblichen lat. worte reden?
äpancher fr. ausschütten; gleichbed. it. spandere von expandere,
woraus der Franzose expandicare ableitete wie aus pendere pendicare
pencher.
fipanouir fr. entfalten; erweitert aus dem alten espanir (venez.
spanire) für espandir, nebenform von espandre, lat. expandere, wie z. b.
tolir neben tolre steht; doch scheiden sich jene beiden formen auch einiger-
maßen in der bedeutung. Zu dieser erweiterung mag das beispiel von
ävanouir für ävanir (s. unten) verleitet haben. Die entsprechende prov. oder
eigentlich poitevinische form ist espanausir ONev. p. 20, eine form, die
ihren grund in dem analogen Verhältnis gewisser prov. und franz. verba
haben muß. Da fr. ouYr, jouir, äblotrir pr. auzir, jauzir, esbalauzir lauten,
so führte man in dem halb franz. Poitou auch espanoir auf espananzir
hinaus. Selbst bei brauzir = brouir (wo die bemerkten fälle schon wr-
glichen wurden) konnte diese eigentümliche umprägung statt gefunden
haben.
Epave fr. verlaufen, herrenlos. Man findet seinen Ursprung in ex-
pavidus, so daß es eigentl. 'scheu geworden bedeutete, erst von thieren,
nachher von aller fahrenden habe gebraucht.
ILc. EPEICHE-ESCHEVL 573
Äp eiche fr. (Trev.), altfr. espeche Buteb. I, 65, pic. 6p£que,
weitton. spoi ein vogd; vom ahd. speh speckt.
Äpeler fr. buchstabieren, altfr. espeler sagen, bedeuten: volt saveir
qned espelt will wissen was. (der brief) aussagt Alexs. 70; qne speit?
was bedeutet das? LRs. 162, pr. espelar erklären, minder gut espelhar;
vom goth. spillön, ahd. spellön erzählen.
Eperlan fr., daher sp. eperlano, eperlan? ein fisch, stint; nhd.
spierling, ndl. spiering, über dessen muthmaßliche herkunft aus lat. spira
s. Weigernd.
£pieu fr. spieß, f angeisen; von spiculum wie essieu von axiculus,
darum altfr. auch espieil. Man scheide es von espiei
Ergoter fr. über Kleinigkeiten disputieren; mit Menage aus lat.
ergo, der in den disputationen stets wiederkehrenden folgerungspartikel,
su erklären, daher auch sp. ergoteo das disputieren, gleichfalls mit ein-
geschobenem t. Dieses ergo gab in bürg, mundart ferner ein sbst. erigö
chicane. Die von Ducange angenommene entstehung von ergoter aus ar-
gütari ist nicht der rede werth: letzteres konnte nur argüer (3 silb.) er-
geben, wofür die andern sprachen argüire, argflir gebrauchen.
Erre altfr. (f.) reise, weg, errer reisen, auch handeln, sich benehmen
(mes-errer übel handeln), daher Chevalier errant fahrender (nicht * irren-
der) rittet, Juif errant wandernder Jude, adv. errant, erranment sogleich,
auf der stelle. Die älteste form ist edrar SLeg. 12. 19 und diese weist
auf lat. Her, iterare, letzteres in der roman. bedeutung bei Venant. Fort.
u. a. Auch im altmail. läßt sich das wort wahrnehmen: Bonvesin depass.
S. Job v. 208 (vgl. vita Alex. v. 63) sagt: so edro Uli han apiliao sie
haben ihre reise angetreten. Prov. errar aber ist lat. errare.
Escai link, veraltetes prov. wort bei Honnorat, der das gr. cxaiog
darin erkennt.
Escamoter fr. verstohlen auf die seile bringen, daher* wohl erst
sp. escamotar, das im port. und catal. fehlt. Zweifelhaften Ursprungs,
aber gewiß nicht von commutare, wie Menage glaubt, oder vtfin ahd. sca-
mara rauher \ dieb Oraff VI, 497, woran Ihre denkt. Gieng es etwa aus
derselben anschauung hervor wie unser wegputzen, indem es von sqnama
stammte und eigentl. abschuppen, abputzen bedeutete? vgl. pg. escamar ab-
schuppen, säubern, velhaco escamado durchtriebener scheint (bei Moraes).
Oder darf man das kymr. und gad. cam tauschung, kunstgriff darin er-
blicken? dies würde aber eher ein frans, ächamoter voraussetzen lassen,
vgl. chemin von caman.
Escantir pr. auslöschen; von candere glühen, also für escandir,
welches die Legs d'amors kennen; das einfache can glühend, von Candidas.
Oder ist eifie deutsche wursel darin enthalten? oberd. kenten, aitn. kinda
heißen, kindir feuer, s. Höfer v. kenten, Schneller v. kenden.
Escargot/r. Schnecke mit gehäus; wahrscheinlich gleiches Stammes
mit caraeol, dem ein verstärkendes 8 vorgesetzt ward.
Eschevi, eseavi altfr., escafit pr. fein oder schlank gewachsen:
574 ILc. ESCHIRER-ESCREGNE.
heingre out le cors et graisle e eschewid Rcl. p. 148; Maus, eschevis
et mol£s Gar. I, 85; la bele, blonde, l'escavie GNev. p. 31; noch jetzt
bedeutet cot. escafida die ein enggefaltetes leibchen trägt. Ein wort von
deutschem klang, ahd. scafjan bilden, ordnen, pari, gascafit in prägnantem
sinne für wola gascafit, wie altfr. mol£ für bien mol£, forma für bien
forma, geant für bien seant, lat. compositus für bene compositus. Das
vb. escafir hat Gir. de Boss. 2294: drehs aura jntgetz e escafitz, ahd.
reht scafan. Auch die churto. Sprache besitzt scaffir erschaffen.
Eschirer altfr., wailon. hirö, pr. esquirar zerkratzen; stimmt zum
ahd. skBrran kratzen. Zsgs. ist fr. dach ir er, pic. dekirer zerreißen.
Eschiter altfr. besudeln Ren. IV; vom ahd. sktzan, ags. scttan,
woher die watton. form hiter. Auch auf die gestalt des fr. chier muß
das deutsche wort eingewirkt haben, da es rein aus dem latein entstanden
unzweifelhaft chayer {wie payer von pacare) gelautet hätte. Erwähnen
läßt sich hier auch venez. schito, com. schit mist.
Esclandre fr. (m.) lärm; von scandalum, altfr. richtiger eschandre.
Esclenque altfr, linke hand Ruteb. I, 341, esclenge Ren. H, p.
171 (lies escienche reimend auf gnenche), wailon. hleing; vom ahd. slinc,
ndl. slink d. i. link mit vorgesetztem s, vb. Blinken dünn oder schwach
werden. Vgl. Qrandgagnage s. v. clinche.
Esclier dUfr. zersplittern Ben.;, vom ahd. scltzan für slizan, nhd.
schlei&en, ags. slftan zerbrechen, zerreißen. Mail, slisä (verschleißen)
gibt die hochd. form getreu wieder (s = z).
Esclistre altfr. (f.) blitz Ocy. 2429, äcliste Bert. p. 125 (v. 2217
ed. Seh.), noch henneg. äclitre; vom altn. glitra zurückstrahlen, oder vom
engl, glisten, glister glänzen.
Esclo dUfr., besser pr. esclau huf schlag: a pena an hom son es-
clau kaum hört man seinen huf schlag Jfr. 133", edteat. esclau del cavall
RMunt. p.' 164; überhaupt spur; vom ahd. slag, verderbt in sclag, auch
mhd. slac, fußstapfe, eingeschlagene spur, vgl. wegen der form pr. fau von
fag-us, wegen des begriff es altsp. batada spur des wildes, eigentl. schlag.
Escondire altfr. pr. entschuldigen; mlat. ex-con-dicere, wie ixlo-
yelo&ai.
Escraper altfr. abkratzen Roq. suppl.; vom ndl. schrapen, engl.
shrape gleichbed. Auch altfr. escraf e fischgräte LJ. 473m, escreffe NFC.
II, 104 scheint dieses Stammes, mhd. schrapfen kratzen, fläm. schraeffen
KU., vgl. occ. escrafä auskratzen, tilgen.
Escregne, escriegne, escrienne altfr. unterirdisches gemach, Sam-
melplatz der weiber und kinder für die abendzeit, noch jetzt pic. bürg.
äcraigne (Corblet, FertiauU, vgl. Garpentier). Man knüpft dieses wort
an screuna, screona erdgemach L. Sal., screunia L. Burg., hinter welchen,
wie Wackernagel, Spr. der Burg. p. 5, bemerkt, ags. seräf grübe, mhd.
schrove gruft liegt. Grimm hatte es aus lat. scriniom geleitet. Wegen
dieser gemacher verweist Bignon auf Tacitus Germania cap. 16. Man
beachte auch Pott in der abh. Plattlatein p. 314, MüUenhoff zur L. Sal.
He. ESCRILER-ESSAKT. 575
Es er i ler altfr. ausgleiten; schwed. skrilla dass. (ChevaUet).
Esgrumer altfr. Hut eh. I, 78, cot. esgrumar, dsgl. dttfr. esgrunier,
esgruner, pr. cot. esgrumar zerbröckeln, zerreiben; vom ndl. kruim,
nhd. krume.
Eslider altfr., norm, blinder gleiten, hingleiten; vom ags. slidan,
engl, slide, mndl. slidden dass. Norm, lider = ags. glfdan, engl.
glide u. s. w.
Esneque, esneche atifr. geschnäbeltes schiff; vom altn. sneekia,
dän. snekke, ndd. snik, ahd. snagä, mhd. sneeke, wahrscheinlich mit
schneeke verwandt, s. Grimm III, 437, Ducange s. v. naea.
Espanir 'ablactare Voc. duac. (altpic.), neupic. äpanir, 6p6nir;
deutsches wort, ndl. spanen, spenen, ahd. ant-spenjan ein Und entwöhnen.
Espautarj»*. ängstigen, watton. espawter, pic. äpauter, sbst. pr.
espaut angst; vom gleichbed. pavitare mit vorgesetztem ex wie in expavere.
Esperir atifr. pr. erwecken, s'esperir erwachen, pr. resperir; von
expergere, re-expergere, mit ungewöhnlichem ausfatt des g, als ob man
zuvor experrigere gesprochen habe, vgl. lire von legere.
Espier altfr. spieß, e. b. GBourg. p. 18, OtinA 71; buchstäblich
besser vom ahd. aper, nhd. speer, als vom lat. spanim, das auch die
übrigen sprachen nicht benutzt haben. Ob dahin it. spiedo gehöre,
s. spito I.
E spiet, espiä altfr., espieut, espiaut pr. speer, jagdspieß, den man
schleuderte (lancer espiez Ben. I, 2 79, Aubery p. 54), aber auch sum
hauen brauchte RMunt. 321, 18; vom ahd. spioz, speoz. Die ursprüng-
lichste form scheint espieut, worin deutsches e oder i diphthongiert ward.
Man beachte, was Oachet 179* über dieses und verwandte Wörter anmerkt.
Esprelle und prele fr. ein kraut mit rauhem stiel, scheuerkraut%
it. asperella; von asper.
Esprequer altfr. stechen, stacheln Ben. IV, p. 199; vom ndl.
prikken dass. So Henschd s. v.
Esproher atifr. besprengen FC. III, 408; vom ahd. spruejen
Grimm II, 240, oder mhd. spr&wen spritzen Wack. Wbuch. Gleichbed.
ist sp. espurriar, das aus espruyar umgestellt sein und gleichfalls aus
spraejen herrühren kann.
Esproh on altfr., henneg. äproon, wcilon. sprew ein vogel, staar;
vom ahd. sprä, nhd. sprehe, ndl. spreawe.
Esqaille fr. knochensplitter ; dimin. von o%idri scheu, Span (schi-
dula), oder von oxidiov, daher plur. schidiae bei Vitruv. Vgl. scheggia II. a.
Essart altfr., eissart pr. gereute, essarter, eissartar ausreuten; von
ex-saritum das ausgehackte, vb. ex-saritare. Das wort findet sich schon
häufig in den deutschen volksrechten: si quis . . in sylva communi ex-
artam fecerit L. Burg.; nemine oontradieente exartavi L. Bajuv. —
[Gachet, darauf gestützt, daß neben essart auch sart vorkommt, leitet beide
lieber von sarculum hacke, das heißt doch wohl vom vb. sarculare be-
hacken. Dadurch wird für die bedeutung nicht mehr gewonnen als mit
576 ILc. ESSIEU— ESTERS.
saritare. Allerdings ist dieses letstere nicht vorhanden, aber der • trieb,
frequentativa zu schaffen, wirkt ja in den tochtersprachen mächtig genug,
um die annähme einer solchen bildung zu gestatten. Nach Gachet soll
sich dagegen die Umwandlung des c in t (sarculus sart) mit mustiaus
aus musculus d. h. mit einem vereinzelten, unregelmäßigen, der prov.
mundart überdies fremden falle rechtfertigen lassen.]
Essieu fr. ochse; für aissieu von axiculus, vgl. 6pieu von spi-
culum; auch it. assiculo Zäpfchen, um das sich etwas dreht, also ein
diminutiv.
Est fr. (le hest LRs. 248), daher sp. este, altsp, leste, osten; vom
ags. edst, engl, east oriens.
Estalbi j?r., estalvi cat. Schonung, Sparsamkeit, estalbiar, estalviar,
wdld. stalbiar Hahn p. 572. 575, noch jetzt occ. estaouviä schonen.
Neufr. würde es ätauger lauten, und dies findet sich (neben ätonger) in
Berry. Woher dieses räthsdhafte wort? Auch baskisch bedeutet estalpea
schütz, estalpetcea schützen (p = pr. b auch in zuperna =*pr. suberna).
Estalvar pr. geschehen, sich ereignen (von den lyrischen dichtem
nicht gebraucht); unbekannter herkunß.
Estampie altfr., estampida pr. eine liedergattung, gewöhnlich zur
fiedel gesungen, daher it. stampita (alcuna stampita e una ballatetta fu-
rono cantate Bocc. Dec. giorn. 5. proem.), mndl. stampie (in Ostflandern
noch üblich), mhd. stampenfe, vgl. bair. stampelliedel singstück zur tanz-
musik Schmäle** III, 638. Das prov. wort heißt auch zank, lärm (?),
das itcU. langes verdrießliches gerede; dazu kommt sp. estampida, pg.
estampido krachen des donners cet. Man hat an stampare gedacht und
unter dem stampfen das tanzen oder tactschlagen verstanden; aber warum
alsdann nicht estampada? Das vb. estampir, woher das wort kommen
muß, findet sich allerdings im prov., wo es ertönen oder rauschen zu be-
deuten scheint: del salter i faras detz cordas estampir (al. estrangir) B.
95. An das hier in betracht kommende ahd. stamph knüpfen sich zwei
verba dieser spräche: stamphön ccomminuere\ woraus das pr. estanjpar;
und stemphan (ursprünglicher stamphjan) 'cadare, woraus nach form
und begriff zutreffend (denn die deutschen verba erster conj. geben vor-
nehmlich romanische dritter) das cat. estampir bosseln, getriebene arbeit
machen. Im pr. estampir aber, von dem wir nur die bemerkte bedeutung
kennen, scheint das sbst. stamph (stoßet) zu wirken, es scheint ein lautes
getose auszudrücken, wie es der Stößel im mörser macht, wobei die bedeu-
tung der span. und port. Wörter zu beachten ist. Wie hypothetisch dies
auch sein mag, so ist es doch schwerlich erlaubt, für estampir einen an-
dern stamm anzunehmen als für estampar. ttampir kennen übrigens auch
franz. mundarten in verschiedenen bedeutungen.
Es teil altfr. pfähl Roquef; wohl vom ahd. stihhil dass.
Estern pr. spur, weg, fem. esterna dass. M. 752, 1, esternar ver-
folgen; vom ags. stearn, engl, stern schweif, schleppe?
Esters, estiers altfr. pr. partikel mit der grundbed. 'außerhalb \
ILc. ESTONC-ESTOVOIR 577
daher 'ausgenommen, hei seile gesetzt*, z. b. pr. de totz bos aips esters
außerhalb aller guten sitten d. h. nicht im besitze derselben; estiers mon
grat außerhalb meines unllens, ohne m. w.; estiers no us ans pregar
außerhalb dessen d. h. ohne das wage ich euch nicht zu bitten. Aus dem
gleichbed. extra läßt es sich nicht ableiten} aber ein genügendes etymon
ist exterius *von außen , mit versetztem i extierus estiers. Die waldens.
form ist stier Hahn 605°. 611-.
Es ton c pr. Tcnittel? oder stoß? s. LR. III, 221; vgl. unser stock
und ahd. stung 'punctum, mhd. Stangen stechen.
Estorer cdtfr. errichten, bauen, schaffen, einrichten, mit etwas ver-
sehen; von instaurare in stand setzen. Daher denn auch estoräe, estore-
ment zurüstung, mlat. instanrum und staurum vorrath (in Urkunden aus
England), engl, störe, gael. stör, kymr. ystör. Das cdtfr. sbst. estoire,
wiewohl es im spätem nüaiein instaurum, apparatus, classis übersetzt
wird, scheint aber zu stuolo (thl. I.) zu gehören; s. dagegen Guessard in
der tkole des chartes, 2. sirie II, 315 ff.
E stout pr. altfr. übermüthig, kühn; schließt sich vermöge seiner be-
deutung an das dtsche stolz, it. stolto aber an lat. stultus. Von estont
ist wohl altfr. estotoier mishandeln Brt. I, 147, vgl. die prov. form estot
für estont.
Estoyoir cdtfr. verb. impers. geziemen, nothwendig sein. Es flectiert
stark (präs. m'estuet, pf. m'estnt), weist also auf ein lat. verbum zweiter
oder dritter cottj. Allein die lat. spräche scheint kein passendes darzu-
bieten. Dagegen hatte das franz. vb. ester = stare im perf. 3. ps. estut
van stetit, wie auch arestat von arester vorhanden ist: aus diesem perfect
folgerte der sprachsinn ein präs. estnet, inf. estovoir, nach muet, mut,
movoir; ein neues verbum, dem man eine nebenbedeutung von stare oder
ester beilegte, anstehen, geziemen. Diese deutung wird dadurch unter-
stützt, daß dem Provenzcden, dem die form estut von estar unbekannt ist,
auch das verbum abgeht; nur der nicht rein prov. Gir. de Boss, hat estut
in der bemerkten bedeutung, s. Lex. rom. v. estever. Der inf. estovoir
ward auch als sbst. benutzt mit der bed. nothwendigkeit, lebensbedarf, wo-
von engl, stover futter, mlat. estoverium {ebenso von manoir manerium).
Außer der cdtfr. besitzt dieses verbum auch die churw. spräche in der
form stovör, stuvär 'müssen', aber mit persönlicher kraft (el sto er muß,
perf. stuv&, conj. stuvess) und man darf sich nicht verhehlen, daß hier
die angedeutete entwicklung aus heimischem dement (perf. von star lautet
stet) nicht stattfinden konnte, einführung aus Frankreich aber bei einem
worte dieser ort nicht glaubhaft ist. Das einzige lat. Oerbum, welches in
anschlag kommt, ist studere, von seiner formellen seite ganz tadellos (vgl.
stuvet, altfr. estut = studuit; stuvess, altfr. esteust = studuisset): man
konnte das wollen oder streben als innere nothwendigkeit, als bedürfnis
auffassen, so daß studeo scire den sinn cich muß wissen ausdrückte; verba
des modus sind ja in ihren bedeutungen sehr veränderlich, s. Rom. gramm.
HI, 226. Keine Schwierigkeit macht der unpersönliche gebrauch des
87
578 ILc. ESTRAC-ETAL
franz. Wortes, theüs weil persönliche verba nicht selten in unpersönliche
übergehen (dltfr. il me doit = je dois ganz analog), iheils weil, wie
bemerkt, die churw. spräche den persönlichen gebrauch fortwährend zeigt.
Es darf vielleicht noch in ansehlag gebracht werden, daß carolingische
Urkunden studere mit Vorliebe, und öfters da gebrauchen, wo andre debere
setzen würden, z. b. ut hoc reddere studiat (zurückgeben müsse) Breq.
n. 229; luminaria tantum in ecclesia ministrare stodeat (nur muß er
kerzen liefern) n. 250, p. 363e, vgl p. 412d. 447*. 487*.
Estrac fr. (vrlt.) hager, schmal (von pf er den); vomdtschen strack d. i.
gestreckt, ahd. strac strictus.
Estraguar pr. abschweifen, ausschweifen (in figürl. sinne); von
extra- vagare , it. stravagare, wie auch Baynouard bemerkt. — [Dem
worte schien ein dltfr. vb. estraier zu entsprechen, man sehe Du Merü
im glossar zu Fhire und Paul Meyers kritik des Wortes (Revue german.
XVII, 432). Da es indessen die kennzeichen eines nomens trägt (nonu
estraiers, acc. estraier, fem. estraiere), so läßt es sich als die franz. form
des pr. estradier (s. ^rada I.) auffassen.]
Estraper dltfr. stoppeln abhauen, daher nfr. ätrape die dazu
dienende sichel; nebenform von estreper, pr. estrepar vertilgen = lat.
exstirpare? Allein nach form und begriff liegt näher Schweiz, strapen
abstreifen, bair. straffen behauen, beschneiden. Vgl. it. strappare JX a.
Eströer dltfr. herausgeben, überliefern s. Roquef.; vom pr. tradar,
gebildet aus tra-dare, ex-tra-dare. Vgl. Altrom. Sprachdenkmale p. 48.
Estros dltfr. pr., stets mit vorgesetztem ad, ad estros, a estros,
adverb mit der bed. 'ohne umstände\ 'auf der stelle'. Von extrüsus kann
keine rede sein. Die spräche hat mit dem neuen worte extrorsum einen
gegensatz zu introrsum ausdrücken wollen, 'nach außen heraus9 d. h. 'ohne
rückhcdt\ Man muß auch par estros gesagt haben, da sich das sbst. la
parestrusse das äußerste, das ende LRs. 57, vgl. MicheVs glossar zur Chr.
de Ben., vorfindet.
Estrun pr. trotzig, ungestüm, auch sbst.; dsghpart. estrunat hitzig.
Esturlenc pr. im Gir. de Boss, kämpf er; vom ahd. sturilinc junger
krieger: aqui moro a glai tant esturlenc e tan noble vassal i adelenc
2183, eine stelle, die zwei merkwürdige deutsche Wörter durch den reim
verbindet (edelenc das. 1165).
Esturman alt fr. Steuermann Ignaur. p. 65 (estrumant Fl. Bl. 1365,
estirman Brt. II, 226, stieresman GGaim. p. 33) ; vom ndl. stuurman,
ags. steörman, engl, steersman. Vgl. Fr. Michel zum Ger. de Nev. p. 14.
Des einfachen estiere Steuerruder, ags. steöre, bedient sich Mar. de
France I, 462.
fitablir fr. festsetzen, errichten; von stabilire, itoi. wie lat.
fitai fr. starkes tau den mast zu halten, auch sp. estay, dsgl. fr.
6taie stütze (wolier pg. esteio), vb. ätayer stützen; vom mncU. staede,
staye stütze, hülfe, engl, stay stütze, tau, buchstäblich = ags. stede, ahd.
stata, mhd. State gelegenheit, vb. mndl staeden, engl, stay befestigen, stützen.
IL c. ETAPE-EXPLOIT. 579
fetape fr. waarenniederlage, alt estaple s. CarpenHer; vom ndl.
Stapel, engl, staple dass.
Eteindre fr. löschen; von exstingnere, it. stinguere.
tt in celle fr. funke; durch Umstellung von scintilla, altfr. noch
escintele, doch LRs. 168 stencele.
Etiquette/r. aufgeheftetes zettelchen, henneg. estiqnete zugespitztes
hölzchen, neap. sticchetto zeichen eines verbotenen weges; ohne zweifei
gleiches Ursprunges mit it. stecco stächet, s. IL a. Henneg. stiqae degen,
vom ndd. stikke stiftchen, stikken anstecken, vgl. altfr. estiquer, estequer,
esticher stecken, stechen, champ. stiqaer einstecken Tarbe I, 162.
rätonner fr. in Verwunderung setzen, erschüttern, altfr. estoner be-
täuben (betäubt werden Hol. p. 133), engl, astonish ; von attonare, ver-
stärkt in extonare. Der alten prov. spräche fehlt estonar: dafür findet
sich Fer. 1143 estornar, wahrscheinlich umgestellt aus estronar, identisch
also mit ätonner, da auch tronar und tonner eins und dasselbe sind
Henschd s. v. estoner erinnert dagegen an das gleichbed. ahd. stornSn.
fitrain pic. seeküste (Trev.); vom ndl. nhd. Strand.
Etreindre fr. zusammendrücken, von stringere; so astreindre,
restreindre von adstringere, restringere, contraindre von constringere.
fitroit fr. schmal, enge; von strictns, pr. estreit, it. stretto. Daher
6tr6cir verengern, r6tr6cir einziehen, verba inchoativer form und factitiver
bedeutung, lat. gleichsam strictescere, vgl. sp. estrechecer. Altfr. hatte
man noch estrecier RCam. p. 122, das einem lat. strictiare entsprechen
würde. Zsgs. dätroit engpaß, vompart. destrictus in der bed. zusammen-
gezogen, vgl. oben d&resse.
fivanouir fr. (nur reflexiv), pr. esvanuir verschwinden, vergehen.
Es entspricht dem it. svanire (neben vanire), chw. svanir, pg. esvair,
präs. it. svanisco = lat. evanesco d. i. exvanesco, welche form die roman.
spräche in sich aufnahm; es trennt sich aber von dem ital. worte durch
eingeschobenes on, wiewohl auch pr. altfr. envanir = it. invanire vor-
handen ist. Hier hat merkwürdiger weise, wie Gachet und Tobler erkannt
haben, die lat. form des perfects evanui über die des ganzen verbums ent-
schieden und dieser Vorgang hat sich im veralteten engenouir von ingignere
wiederholt.
Evaser fr. eine Öffnung erweitern; von vas gefäß (Frisch). Oder
hat man das gegentheil von convasare (zusammenpacken) damit ausdrücken
wollen, da ävaser nn arbre einen bäum sich ausbreiten lassen bedeutet?
Exploit fr., pr. espleit und fem. esplecha vorthcil, vb. exploiter,
espleitar benutzen, bearbeiten, vollstrecken; von explicitum explic'tum
ausgeführtes, gewonnenes. Wegen der form vgl. altfr. ploite falte Bert,
p. 182 (Seh. v. 3319) von plicita so wie plait von placitum. Derselben
herkunfl ist pg. espreitar auskundschaften, schließt sich aber an eine
andre bedeutung von explicare: ausfindig machen, eigentl. auseinanderfalten.
580 II. c -FAgON— FAON.
F.
FaQon fr., faisso pr. gestaut; von fectio das machen, passiv das
gemachte, geschaffene, vgl. toison das geschorene, von tonsio. Die ücd.
spräche hat fezione; man denke also nicht an face gesieht = it. feccia.
Faide altfr. feindschaft, räche, daher faidiu feindlich, pr. faidir
verfolgen, verbannen; vom ndat. faida in altdeutschen gesetzen, ags. fsehdhe,
ahd. gafehida, nhd. fehde.
Faint altfr. nachlässig, träge z. b. Chart. d'Orlians ed. 1809, p. 139
(davon das engl, feint), partic. von se feindre de qch Brt. I, p. 24, pr.
se fenher de Flam. p. 18. 62 etwas vernachlässigen; eigentl. sich ver-
stellen, von fingere. Daher auch das volksmäßige feignant arbeitsscheu,
nach Genin, Variat. p. 371 ff., mundartl. feindant s. EscaUier sur le
patois p. 94. Man vgl. noch it. infingardo 1) verstellt, 2) langsam, wozu
Muratori bemerkt: Uli proprie infingardi appellantur, qui facere quid-
quam possunt, sed ant nolnnt aut cum pigritia id faciunt simulantes
sibi vires deesse. Die bürg, mundart sagt foindre nachlassen, part. foint
Faire altfr., fax pr. in der bed. sagen pflegt man aus denn lat. fori
zu erklären. Gewöhnlich kommt es im präs. und perf. vor und neigt als-
dann dieselbe form wie die gleichen tempora von faire = facere: das
seltne imperf. fesoient (sie sagten) Ruteb. II, 165 macht seine Identität
mit diesem verbum unzweifelhaft und facere steht für verba facere. Aus
altfr. feit erklärt sich wohl auch die glosse fatit 'loquitur' Class. auct. VI, 524h.
Falaise fr. Wippe, dsgl. name einer Stadt in der Normandie, altfr.
felise; vom ahd. felisä (f.), fels (m.).
Falourde fr. (f.) last höh; scheint zsgs. aus faixlourd, wie schon
Nicot meinte, freilich mit abgeändertem genus.
Faner fr. zu heu machen, eine pflanze welken lassen, z. b. faner
l'herbe d'un pro; le grand häle fane les fleurs; altfr. fener und fanir
welken, pic. fener, mlat. affenare, auch pr. fanar (aus dem franz. ?), chte.
fenar, fenar. Man leitet es von feenum, foenum, und in der that findet
sich im altfr. fanoul für fenouil derselbe Übergang des e in a, und, was
besser trifft, lothr. fouon ist = fr. foin, lothr. fouannd = fr. ferner;
ebenso limous. sbst. fe, vb. fend.
Fanon altfr. läppen, handtuch Ren. I, 128, binde am arme des
priesters Ben. III, 479, nfr. fanon und fanion; vom ahd. fano, gotk
fena stück tuch, ahd. hantfeno handtuch.
Fantome fr. gcspenst; von phantasma, it. fentasima, pr. fantauma,
zuerst wohl fentalma, wie das cot. fantarma andeutet. Zsgs. altfr. en-
fantosmer behexen. Dahin auch occ. fantasti kobold, phantasticus.
Faon fr. {spr. fan) hirschkalb, faoner hirschkälber setzen. Altfr.
faon, feon (zweisüb.) hieß das junge überhaupt z. b. des löwen, des baren,
des drachen, s. Ben. II, p. 62, Bog. I, 587*, feoner, feoner junge werfen,
ILc. FARD— FAUBOUBG. 581
eier legen, ganz allgemein von der fortpflanzung gebraucht. Die deutung
aus infans ist unzulässig: aber aus fetus frucht, leibesfrucht ward das
abgeleitete feon, vermöge der bekannten Vorliebe für a, faon. Das wort
gehört also zum pr. feda (s. unten) und setzt eine alte form fedon voraus,
die, wi6~feda in fea, leicht in feon syncopiert werden konnte.
Fard fr. schminke, farder schminken; etwa vom altn. fö glänz, po-
litur (vb. fa malen), mit angefügtem rotnan. suffix ard? dann wäre die
altfr. form fyard, feard gewesen. Fard istf synonym mit teinte, lat.
tincta: letzteres in ahd. Übersetzung lautet gi-farwit, gi-farit fron f&rwjan
färben), das ScMätstädter glossar z. b. sagt givarida cfucata 6, 246:
hieraus das franz. wort.
Farouche fr. wild, scheu, effaroucher verscheuchen; von ferox
ferocis trotz der ungewöhnlichen, aber doch auch in mordache vorliegen-
den behandlung des lat. c, das sich im pr. cot. ferotge wieder auf andre
weise ausspricht. Neben farouche altfr. zuweilen harouche übermüthig.
Fat, fem. fada pr., fr. fade (m. f.)m unschmackhaft (z. b. si la sal
es fada (si sal insulsum fuerit'), daher it. fado; dsgl. pr. fat, fada, fr.
fat (nur masc.) albern, thöricht; das wort in beiden bedeutungen von
fotuus unschmackhaft, dsgl. albern, uu vereinfacht in u wie im pr. vacs
€ms vacuus: dieselbe einigung materieller und geistiger matthext auch in
insipidus und insulsus. — Dies ist die althergebrachte deutung des wertes.
Eine neue, scharfsinnige prüfung derselben von Gaston Paris (Mim. de
la soc. de ling. de Par. I, 90) bringt ein andres resultat. Man müsse
etymologisch unterscheiden zwischen fr. fat albern und fade unschmackhaft.
Nur jenes stamme von fatuus, dieses nicht, weil die combination uu, ua
cet. im franz. den vorhergehenden consonanten schütze, so daß sich t be-
hauptet haben würde; es stamme vielmehr von vapidus (verdorben, -ver-
rochen). Die ausartung des lat. v in fr. f läßt sich zugeben; ist aber der
schütz des consonanten vor uu unbeschränkt?
Fatras fr. plunder; für fartas, von fartus füllsel (Menage).
Faubourg fr. vorstadt. Gut es für for-bourg = foris-burgus
außen-stadt, oder für faux-bourg = felsus-burgus unrechte, uneigentliche
Stadt, nebenstadt, wie man faux-frais nebenkosten, faux-bois nebenzweig,
fausse-clef nachscMüssel sagt? Für beide erklärungen fehlt es nicht an
gründen. Man findet in der älteren litteratur einigemal forborg, fors-
bourg, ja Roquefort hat horsborc, offenbar von hors = foris, selbst das
ahd. fari-burg dürfte angeschlagen werden. Für fauxbourg spricht z. b.
das wallon. fa-bor, indem fr. faux in dieser spräche mit f&, for aber
mit fofi oder gleichfalls mit for ausgedrückt wird; die nahe liegende
picard. mundart hat sich dagegen für forbourg entschieden. Beide
auffassungen können stattgefunden haben; daß aber das neufr. fau aus
for entstellt sei, ist kaum zu glauben, da die spräche keinen anlaß
hatte, das seinem sinne nach ganz deutliche forbourg zu verdunkeln,
und r auch in forban u. %a. nicht ausstieß: eher scheint forbourg eine
mundartliche umdeutung der andern ihrem sinne nach minder klaren form.
582 II. c. FAUDE— FERRANT.
Faude altfr. schaf stall; vom gleichbed. ags. fald, falud, engl, fold,
alts. faled, vgl. kymr. ffald pferch.
F6 (ph6) a^/V. Jeneckt, nur in den Liv. d. rois: uns ph6 fad de la
maignäeSaul 'erat autem de domo Satd servus' p.149, dagegen truverent
un f6 de Egypte cinvenertmt virum aegyptium p. 115. Es ist das altn,
faedd-r ernährt, auferzogen, und verhalt sich also begrifflich wie das sp.
criado.
Fe da pr. comask., piem. altwald. fea, dauph. feia schaf; vom adj.
feta "was geboren hat* z. b. lupa, ursa, vulpes, zumal ovis, wo denn das
adj. den ganzen begriff vertreten konnte wie im sp. cordero : non insueta
graves tentabunt pabula fetas Virg. Ecl. 1} 50. Im bearnesischen dialect
wird heda auch vom weibe gebraucht gleich dem lat. feta; wal. fefc heißt
kind, fat§ tochter, vom sbst. fetus, vb. feti gebären, lat. fetare; sard. fedu
proles. Auch faule im Jura (fetula) bedeutet lamm und tochter.
Fßler fr. spalten, für fesler; offenbar das nur bei Apulejus vor-
findliche fissiculare, dem dieselbe bedeutung beigelegt wird.
Feme .pr. adj. weiblich, z. b. l'efan mascle o ferne LR. Entweder
von femina unmittelbar zum adjeetiv gestempelt (s. solche fälle Born,
gramm. II, 288), oder, da der Provenzale für femina überall femna (mit
n) setzt, vom adj. femineus, abgekürzt in f&minus: ein, freilich spates,
glossar (s. Dief.) schreibt gradezu feminus (in femina turba bei Prqperz
erkennt man nur das Substantiv an). Wichtiger als die herkunß des ad-
jeetivs ist das zu ihm gehörige männliche Substantiv ferne mit der bed.
weibliches geschöpf, zumal Weibchen der thiere, welches einem lat. neutrum
femineum animal entspricht, z. b. l'amor de mascle e ferne Brev. d'am.
I, 34, li ferne son desiron R., statt dessen auch, aber nicht in ganz
gleichem sinne, las femnas son desirondas gesagt werden konnte. Es ist,
als wenn der Franzose le femeau statt la femelle in seine spräche ein-
geführt hätte.
F e r m e fr. (f) pachtgut, meierhof, wie it. ferma und sp. firma, Un-
terschrift, abschließung eines Vertrags, fermare, firmar festsetzen, unterzeich-
nen; von firmus, firmare. Sbst altfr. fert6 festung, für fermetö, fenntä,
wie dortoir für dorm'toir.
Fermillon, fremilon äUfr., fremilo pr., letzteres nur im Cur. de
Ross., ein wort, das in Verbindung mit haubert erscheint; von mailles
de fer, vermuthet Ilenschel, also = fer-maillon. Die vermuthung ist nicht
ungeschickt, denn ai = lat. a vereinfacht sich vor einer erweichten liquida
manchmal in i, z. b. grille für graille, provigner für provaigner, s. Rom.
gramm. I, 423. Wackemagd frhgt: fermaillon von fermail, firmaculum?
S. auch Gachet 225a.
Fer ran t und auferrant altfr., ferran, alferan pr., ein adjeetiv,
das eine helle färbe ausdrückt ; Thibaut II, 202 nennt der geliebten antlitz
auferrant. Gewöhnlich wird es vom haar der greise, mehr noch von
pferden gebraucht, s. Michel zum Ger. de Nev. p. 126. Daher könnt* G.
Guiart vom grafen Ferrant sagen: Ferrant portent dui auferrant qui
IL c. FESSE. 583
toas deux sont de poil ferrant DC. v. ferrandus. Die form al-feran
scheint arab. Ursprung in anspruch zu nehmen, auch "kommt die endung
ant häufig orientalischen Wörtern zu, so in Aufricant, Persant, Jerusalant,
Beauliant Ducange deutet es daher aus dem arab. faras edles pferd,
mütelgr. q>agag, sp. alfaraz: von der färbe dieser pferde habe man das
adjectiv entlehnt. Wollte man diese Voraussetzung auch gelten lassen, so
wäre doch ableitung von ferrant (nicht einmal farant!) aus faras gegen
die grammatik. Die ganze form des Wortes weist auf lat. ferrum, daher
it. ferretto eisengrau, halbgrau (vom menschlichen haar), wofür auch fer-
rigno, und diesem letzteren entspricht genau das pr. ferrenc, welches dttfr.
ferrant lauten mußte {vgl. flamenc, flamant); aus ferrant aber entstand
wieder das pr. ferran. In al-ferran steckt kein arab.artikel: wie man blanc-
ferrant, chenu-ferrant sagte, so auch alb-ferrant al-ferrant (umgedeutet
haut-ferrant Fier. 168, 7). — [Einen lesenswerthen artikel über auferrant
hat Gachet 36b ff. geliefert, dessen wesentlicher Inhalt der folgende ist.
Jltfr. ferrant ist allerdings ein adjectiv mit der*bed. eisengrau. Prov.
alferan aber drückt keine färbe aus; es wird stets als Substantiv gebraucht
und heißt scMachtross, renner. Als adjectiv zeigt es sich im altfranz.,
aber auch hier nur selten, wie in destriers auferrans et crenus, cheval
auferrant ou gascon, in welcher letzteren stelle es sich nicht auf die färbe,
sondern die Herkunft des pferdes bezieht. Es muß der name einer race
sein, gebildet aus arab. al-frs, sp. alfaraz. Die Franzosen brauchten ihr
aus dem Süden eingebrachtes auferant auch adjectivisch, weil sie eine ahn-
lichkeit mit ihrem adj. ferrant darin bemerkten und weil bei den berber-
pf erden grau die vorherrschende färbe ist. Statt auferrant sagte man zu-
weilen kurz ferrant, was also nicht eben ein graues pferd bedeuten muß:
ferrant li traient, ä Gadres (Cadix) fu norris Gar. I, 168, aber doch
auch un roncin ferrant ds. 158. 227. Eine zss. alb-ferrant ist nicht
anzunehmen. — In dieser erörterung ist der hauptpunkt, nämlich die art
des Überganges von alferes in alferan, außer acht gelassen. Indessen muß
man gestehn, daß der Provenzale alferan (pferd) von ferran (grau) durch
einfaches und doppeltes r sehr sauber scheidet, wodurch ersteres von ferrum
etymologisch getrennt und auf einen fremden stamm verwiesen wird. Man
kann also wohl annehmen, der Provenzale habe im Widerspruche mit dem
Spanier in alferes das schließende 8 als einen flexionsbuchstaben und fer als
den stamm aufgefaßt und diesem das suffix an = ant wie in den genann-
ten aufricant, persant ff. angefügt. Die summe wäre nun: pr. alferan
ist = sp. alfaraz, daher cdtfr. auferrant, das doppelte r, wo es vorkommt,
durch das adj. ferrant veranlaßt, von diesem ferrant das pr. ferran. Die
Bedeutung des Substantivs ist leichtes pferd = sp. alfaraz, und zwar nicht
bloß ein von dem ritter, sondern auch von dem Jenecht gerittenes.]
Fesse fr. (f.) natis; von fissus, fissa, woher auch vb. fesser —oder
ist letzteres, da die aus Substantiven abgeleiteten verba keine einwirkung
auf ihre primitiva ausdrücken können, vom dtschen fitzen hauen, peitschen?
Eine picard. form fecher könnte dies entscheiden.
584 ILc. FI— FILOU.
F i altfr. pr. sicher, zuverlässig, z. b. de la mort fis des todes sicher,
versichert Roncev. p. 34, fis de sa vida LR. III, 332, adv. fiement ge-
trost SB. p. 548* ; von fidus, dem das ndatein die gleiche bedeutung bei-
legte: fidus ab hominibus sicher, gesichert vor den menschen, sagt Greg.
Tur. 7, 8; it. fido; adv. de fi wahrhaftig. Für fi war es aber üblich,
fis zu sprechen auch im cos. obl., daher das altpg. fius Trov. 177, 1,
npg. fido.
Fiacre fr. miethkutsche ; sogenannt, weil der Unternehmer meinem
hause zu Paris ä 1' engeigne de St. Fiacre wohnte, ein erst eu Menage* s
zeit entstandenes wort.
Fiancer fr. verloben, pr. fiansar geloben, it. fidanzare; von fides
treue, wort.
Ficelle fr. bind faden; dimin. von filum, gleichsam filicellum mit
verändertem genus wie in ceryelle aus cerebellum. Wegen des versclmun-
denen 1 vgl. pucelle für pulcelle.
Fiente fr., fenta pr. mist. Sonderbare bildung, welche eigentlich
fimita verlangt, wie altfr. friente auf fremitus führt: dieses fimita aber
scheint aus fimetum entstellt, welches fr. femaie hätte ergeben müssen.
Die cot. form ist fempta, die neupr. femto, fiendo, die altsp. hienda.
Fierce, fierche, fierge altfr., pr. fersa, ndat. fercia (Carpeniier)
Jcönigin im schach; vom pers. ferz feldherr. Fierge entstellt in rierge
zog die benennungen dame, reine, sp. reyna, nach sich.
Figer fr. gerinnen machen, wohl ein späteres, aber nicht neues wort,
z. b. bei Hob. Stephanus 1539 und Nicot; von figere.
Filou (fr.) gauner, schelm, daher filouter vb., filouterie. Daß in
den abll. t eingeschoben sein kann, versteht sich. Aber wie hoch steigt
das wort hinauf in der geschickte der franz. spräche? Menage erzählt,
ohne einen beleg beizubringen, es habe ursprünglich ein Meines stabchen
mit numerierten Seitenflächen bedeutet, womit man gespielt und oft betrü-
gerisch gespielt habe, daher filou oder filoutier vor etwa 70—80 jähren
zuerst für einen falschen Spieler aufgekommen sei. Das umgekehrte wäre
glaublicher. Wahr ist es indessen, daß die ältesten Wörterbücher und,
wie es scheint, auch die frühesten quellen das wort noch nicht haben, ^war
kommt in Gottfrieds Tristan ein riese Urgan li filüs oder li vilüs vor
und so nennt er sich selbst, aber es kann sein = li velus der zottige
(vgl. Urgan le velu Tristan II, 100): dazu, und nicht zu filou, stimmt
der daselbst gebrauchte aecusativ viliu, denn mhd. iu ist der übliche aus-
druck des fr. u, nicht des ou. Es lassen sich, was die etymologie betrifft,
einige hieher passende stamme citjeren. So filo filonis im älteren mlatein
s. v. a. nebulo, jenes aber vielleicht nur eine andre form für felo, it. fel-
lone. Ferner das ahd. verbum filon feilen, wobei an fourbe, fripon, po-
lisson, gebildet aus verbis, welche glätten oder reiben bedeuten, zu erinnern
wäre; entsprechend bedeutet altehgl. file einen taugenichts oder betrüget:
sorful bicom that fals file and thoght how he moght man biwille (be-
guile) Halliw. v. file. Selbst fr. affiler (schleifen, verwandt mit glätten)
IL c. FLAGORNEK— FLECHE. 585
wäre zu nennen: lothring. aiffilei heißt sowohl schleifen wie hintergeht,
und aiffilou ist ganz = filou. Aber die Schwierigkeit des Wortes liegt
weniger in dem stamme als in der endung. Ist on = ucul wie in genou
= genuculum? Allein das suffix etil wird im roman. zur bildung von
Wörtern persönlicher bedeutung nicht gebraucht, und eine andere, ältere
scheint hier nicht erweislich. In leziehung auf jene endung und in der
Voraussetzung, daß unser wort späterer entstehung sei (Littre setzt seine
einfuhrung ins französische ungefähr in das 17. jh.), ist auch auf engl.
fellow kamerad, in einer der südlichen provinzen Englands ein Schimpf-
wort (HaUiw.), aufmerksam zu machen.
Flagomer fr. angeben, hinterbringen (Nicot), niedrig schmeicheln
(Acad.); von flatter und corner (aux oreilles) in die ohren blasen (Le
Duchat), aber diese art der Zusammensetzung ist unüblich. IAttre ver-
muthet darin eine Variation von flageoler durch Vermittlung von flagot
oder flagol flöte.
Flambe. fr. Schwertlilie, altfr. pic. auch in der bed. flamme; muth-
maßlich, da b vor voeälen im franz. nicht wohl eingeschoben wird, von
flammula flamble flambe. Datier flamber, flambeau u. a. dbll.
Flamberge fr. schwert, nur üblich in der redensart mettre flam-
berge au vent das schwert ziehen, s. z. b. Furetiere und Landais; bei
neuern deutschen dichtem flamberg (m.), bei Frisch I, 86* flamberge,
zusammengesetzt, wie er im Biet, des passag. bemerkt, aus flanc und
berge die seile deckend. Vgl. den schwertnamen froberge im Garin (fro-
bierge MGar. p. 62), nach Grimm Myth. p. 196 die den herrn, ahd.
frö, bergende waffe oder eine erinnerung ' an das schwert des gottes Fro,
nord. Freyr; s. Hoffmann, Hör. belg. V, 115. 116, und Reiffenberg im
Ph. Mousket II, CI, welcher flamberge und froberge für identisch hält.
Fl&ner fr. sich müßig umhertreiben, bummeln; ein erst in nettester
zeit aus den mundarten (der norm. bürg, lothr. cet.) aufgenommenes wort,
bei welchem man etwa auf das isländ. flana blindlings hinlaufen verweisen
darf. Im norm, heißt es auch neuigkeiten zurecht tragen.
Flaque fr. pfütze, lache; vom mndl. vlacke niedrige stelle am
meere, wo sich lachen bilden durch die fluth, aestuarium. Vgl. Ducange
w. flaco und flactra.
Flatter fr., pr. flatar {zu folgern aus dem sbst. flataire), dsgl. altfr.
afflater, pr. aflatar streicheln, schmeicheln; vom ags. altn. flat, ahd. flaz
flach. Dahin auch altfr. flat schlag, flatir zu boden schlagen d. h. platt
hinstrecken, altn. fletia flach machen, detta flatr platt fallen u. a.
Flayelle altfr. Schmeichelei; von flabellum fächer, wedd.
Fläau fr. geissei, alt flael; von flagellum. Die vertauschung des fl
mit fr, wovor ein grammatiker warnt fflagellum, non fragellum App. ad
Probum, gr. (fQayeXhov) hat das franz. wort nicht ergriffen, dagegen it.
fragello, kymr. ffrowyll, ältir. srogell Zeuß I, 194.
Fleche de lard fr. (f.) speckseile, altfr. flique, flec DG, Carp., pr.
fleca? GO.; deutsches wort, in Leidener glossen (Haupts Ztschr. V, 197,
586 ILc. FLECHIK-FOLC.
9. jh. bei Nyerup 380) perna flicci, ags. flicce, altengl. flick HaUiw.,
neuengl. flitch = nhd. flick, fleck läppen. Es ist also anderer Herkunft
als flöche pfeil, wiewohl dessen begriff nicht widerspräche, da z. b. auch
das synonyme altfr. haste einen fetzen fleisch bedeutet GNev. p. 300.
Flöchir fr. pr. biegen, pic. flekir. Seinen Ursprung aus flectere
beweist reflächir = reflectere, sonst ist übertritt des et in frans, ch wenig
üblich. Das it. flettere ist latinismus, aber fiettere PPS. II, 218 muß
als eine itäl. form anerkannt werden. Auf flexus sbst. und flexare, nicht
auf flectiare Gachet 215* , da kein flectus vorhanden, ist das seltne pr.
fleis nachgiebigkeit, vb. fleissar loslassen (vgl. flächir nachgeben) zurück-
zuführen. B. 229, 8 muß flieys aber in der sinnlichen bedeutung von
flexus gebraucht sein.
Flete, flette fr. ein fahr zeug auf flüssen zum übersetzen, fahre;
etwa vom ndl. vleet das obere gesteU eines schiffes, oder (mit Jault), von
seilen des begriffes passender, vom engl, flat flach (flat-boat).
Flätrir fr. weihen, weih machen, beschimpfen, in Berry flatrir, alt
flaistrir. Nicht aus flaccescere, es floß zunächst aus dem altfr. adj.
flaistre, flestre welk, farblos s. Eoquef. s. v., Brt. 1, 132, welches sich
ohne bedenken auf flaccaster zurückführen läßt.
Flibot fr. ein Meines Seeschiff; vom engl, fly-boat. Daher auch sp.
flibote, filibote.
Fl in fr. donnerheil, Wetzstein (Trev.); vom ahd. flins, ags. flint
kiesel.
Flou fr. fnatt, altfr. floi (fem. floiye durch epenthesis), attpic. flau
Servent. p. p. Hecart p. 81, noch jetzt henneg. Diese letztere form muß
den weg zeigen, aus ihr konnte floi und flou entstehen wie aus pau altfr.
poi und po, pou: darum ist herleitung aus fluidus abzulehnen. Da die
franz. spräche den vocal der lat. endung us oder um zuweilen in den
stamm hineinzieht (suif für suev aus sevu-m), so ist entstehung aus Sac-
cus, umgestellt flauc-s, möglich, bei der großen Seltenheit dieser ort von
ufnstellung aber wenig wahrscheinlich. Flou ist entschieden das ndl. flauw,
welches Grimm i8, 224 mit dem hd. lau, Wackernagel mit dem goth.
thlaqvus identisch scheint. Von flou ist das adj. flu et für flouet —
[Dazu sehe man Weigand I, 347, welcher umgekehrt flauw für undeutscli
hält und seine quelle im rom. flau vermuthet.]
Foin fr. heu; von foenum, faenum. Das regelrechte fien = it.
fieno wäre mit altfr. fien = lat. fimus zusammengetroffen: darum ward
foin als scheideform gewählt, nicht einmal gegen die lautgesetze, da aus
ae doch mitunter der diphthong oi entsteht, vgl. oben blois. Eine andre
Wendung nahm das wort im altfr. pic. fein, das eigentl. fenum verlangt.
Foire fr. durchlauf, pr. foira, churw. fuira; von foria.
Foison fr., foiso pr. Überfluß; von fusio ergießung, it. fusione ff.
Folc, fouc altfr., pr. folc herde, auch heer SLeg. 22, comask. folco
menge; vom ahd. ags. folc, attn. folk häufe, schaar; wogegen floc (flou)
NFC. I, 108, Chx. IV, 87 dem ags. floc, altn. flockr zu folgen scheint.
ILc. FONDEFLE-FKAMBOISE. 587
Fondefle altfr. (f.) ein wurfgeräthe; vom spätem lat. fundibalum,
fandibulum Vtdg., Isidor., sp. fundibulo.
Force altfr. (neufr. nur pl forces), pr. forsa große scheere; von
forpex forpicis. Das alter der vornan, lüdung bezeugt die glosse forcia
'scäri' Hattemer I, 309b.
Foudre fr., pr. foldre, folzer blitz, altfr. verstärkt esfoldre Og.
3622; von fulgur fol're foldre, it. fölgore, wdl. fulger.
Foudre fr. (m.) ein weinmaß; vom dtschen fader.
Fouet (spr. wie foit) fr., auch mail. foett, cot. fuet peitsche, vb.
fouetter; nach Huet von fou = lat. fagus und wirklich bedeutet das
henneg. fouet reisbündel, woraus die bedd. ruthe, peitsche.
Fouger fr. aufwühlen; von fodicare, romagn. fudghfe. Abgel.
fouiller, pr. fozilhar, gleichsam fodiculare, woher waUon. foyan maul-
tourf. Auch far- fouiller umwühlen, nach Menage für par-fouiller, also
durch assimilation? Das gleichbed. occ. fourfouliä. scheint mit furca zu-
sammengesetzt, vgl. frugare L
Fourgon fr. in der bed. karren; von furca gabel, it. forcone, sp.
hurgon, eigentl. gabelwagen.
Fourmiller fr. wimmeln; vom durcheinanderlaufen der ameisen,
gleichsam formiculare, altfr. auch formier = formicare. Das sp. gusa-
near, von gusano wurm, hat dieselbe bedeutung, so auch das mhd. wibelen
von wibel käfer, kornwurm.
Foyer fr., foguier pr. herd; vom adj. focarius, sp. hogar.
Fraidi tz nebst fraidel, fradel pr. (auch altfr. fradous Brt. II, 274?)
ruchlos } gottlos; erinnern an ahd. freidi, freidtc Kprofanus, apostata, pro-
fugus\ mhd. vreidec treulos, übermüthig.
Fraindre altfr. brechen, von frangere; nfr. enfreindre von in-
friugere.
Frairin, frarin altfr., pr. frairf arm, elend, verächtlich u. dgl.;
nach Gachet 381a von frater mönch, indem die bed. arm vorausgieng.
Frais fr. (plur.) Unkosten, ausgaben; soll aus dem mlat. fredum,
worunter man gewisse Zahlungen, ursprünglich als büße für friedensbruch
(ahd. fridu), verstand, gebildet sein; mit fret hat es keine gemeinschaft.
Vb. däfrayer.
Fraise fr. (altfr. freze geschr.), pr. fraisa (aus fraisier zu folgern)
erdbeere, daher das gleichbed. sp. fresa? Vielleicht erweitert aus fragum,
das noch im wallon. frev, parm. fro vorliegt. Dergleichen fortbildungen,
theils die frucht, theils das kraut betreffend, sind mlat. fragea, fragula
{it. fragola), fragaria, fraguria, fracium (aus fraise), fraxina (dem franz.
worte nah liegend), s. Dief. Gloss. lat. germ. und Nov. gloss.; doch würde
ein adj. fragea dem franz. worte nicht genügen, auch ist es mit it. frasca
nicht zu vermengen.
Framboise fr. himbeere; vom ndl. braambezie, ahd. brämberi d. i.
dornstrauchbeere, mit Verwandlung des b in f vielleicht durch einwirkung
von fraise. Neupr. framboiso, sp. frambuesa, cotn. fambrosa, piem. flau-
588 II. c. FRAPPER-FRESAIE.
boesa mögen aus dem frans, sein. Das alter des Wortes bezeugt fram-
boses 'hintperi' (Himbeeren) Gl. Emmeram.
F rapper fr., pr. frapar (in einer chronik) schlagen, treffen. Dieses
special franz. wort hat vielleicht nordischen. Ursprung, von hrappa schelten,
einen anfahren, adj. hrappr gewaltsam: denn daß frapper früher die
nord. bedeutung hatte, verräth uns das mdartl. engl, frape schelten Halliw.,
das nur aus dem franz. herrühren kann; und wie increpare geräusch
machen heißt, so auch engl, fraple, daher frape gesellschaft, häufe menschen,
altfr. frapin LRs. 436 und frapaille. Immerhin mag auch das ndd.
flappen, engl. Aap (klatschen) erwogen werden, da wenigstens das mdartl.
frapouille läppen (in Oheims) mit seiner bedeutung an engl. Aap und
ähnliche erinnert.
Frayeur fr. (froior Agol. 537), pr. freior schrecken; dazu fr.
effroi, alt esfroi, pr. esfrei gleichbed., vb. effrayer, pr. esfreyar, esfrei-
dar in schrecken setzen. Die prov. form mit d führt hier so deutlich auf
die spur, daß man weder an fragor knall, noch friare zerbröckeln zu
denken braucht: die bildungen sind von frigidus, freior ist wie lat. frigus
oder gelu eigentlich schauer, effrayer durchschauern. Zwar steht flagor
(l. fragor) teJdsoy (schrecken) Gl. Ker. 175*, allein wie hätte das vb. effrayer
hieraus sich hervorbilden können? [Hiezu Krit. anhang p. 16.]
Fredon trüler im singen, vb. fredonner; wohl von dem stamme frit
im lat. fritinnire zwitschern. Caseneuve vermuthet darin das barbarische
frigdora des Notker Bälbulus, worüber Ducange nachzusehen ist.
Frelater le vin fr. den wein verfälschen; vom ndl. wyn vertaten
wein in ein anderes gefäß gießen.
Fr Sie fr. gebrechlich; von fragilis, it. fraile.
Fr elon fr. horniß; muthmaßlich von freie, das altfr. auch schmächtig,
dünn bedeutet, in beziehung auf den schlanken bau des thierchens, s. Menage.
Die form froilon bei Nicot steht dieser etymologie nicht im wege, oi findet
sich öfters ein für ai (altfr. fraile = firäle). Eben so scheint das glcichbed.
grelon (in Berry) aus grSle d. i. gracilis (schlank) entstanden, wiewohl
Sauvages das occit. graule von crabro herleitet. Der deutsche name be-
zieht sich auf das dem tone eines hornes ähnliche sumsen des itisectes,
s. Weigand I, 618.
Frelore altfr. zu gründe gerichtet, verdorben: nostre fait seroit
toiit frelore cet. Pathelin bei Bog., noch mundartlich, z. b. in Genf; vom
deutschen verloren. Forelores leere worte Ben. I, 107 sdmnt sich da-
gegen dem engl, forlorn = ags. forloren anzuschließen; zunächst aber aus
dem franz. ist das altengl. forlore, da ihm das schließende n fehlt.
Fr6ne fr. (f.) esche, alt fresne, fraisne; von fraxinus, pg. freixo u. s.f
Fresaie fr. eine art etilen, käuzchen; nach Menage, mit berufung
auf die poitevin. form presaie, gase, bresague, von praesaga, weil der
vogel nach dem franz. (wie nach dem deutschen) Volksglauben unheil, zu-
mal todesfälle verkündigt, daher auch effraie und oiseau de la mort,
deutsch todtenvogel, leichhuhn genannt.
IIa FKESANGE-FRINGUER 589
Fresange, fresanche, fraissengue altfr. junges sehwein, npr. auch
fraysse; vom ahd. frisking, nhd. frischling. Das it. frassugno fett,
schmeer erinnert gleichfalls an frisking, friskung, seine Bedeutung aber
führt auf sugna (11. a), das also wohl mit fraysse zusammengesetzt sein
konnte (fras-sugno schweine-fett). Der Sicüianer mag sein frisinga aus
dem franz. haben.
Freste altfr. (m.), pr. frest giebel; vom ahd. first (n.J gipfd, sinne,
nhd. giebel des daches.
Fr es tele altfr. pfeife, flöte, vb. fresteler, pr. frestelar; von fistella
für fistula mit eingemischtem r.
Frätiller fr., pr. frezilhar hüpfen und springen. Darf man mit
Salmasius nach dem lat. fritillus ein vb. fritillare mit der bed. 'hin und
her schütteln voraussetzen, so könnte dies das vornan, wort sein, wiewohl
auf die franz. form das von Frisch aufgestellte frictillare bessere anwen-
dung fände; fritillare gäbe regelrecht frediller.
Fretin fr. abschabsei, ausschuß, fischbrut; von fricare frictnm
(Frisch).
Frette fr. eisernes band, plur. frettes guter, daher sp. fretes guter
im wappen; für ferrette von ferrum.
Freux fr. Saatkrähe; von frugilegus, sagt Menage, das aber formell
nicht damit zu einigen ist. Derselbe vogel heißt ahd. hruoch, ags. hröc,
dlin. hrökr (bei Biörn seerabe), dän. roge, ndd. rook, obd. ruech; aus
der nord. form aber (vgl. frimas, friper) entstand mit übertritt des h in
f das fr. freux wie aus cocus queux.
F riebe fr. (f.) brache, brachfdd; vom dtschen frisch wie lat. novale
von novus, meint Ducange, vgl. im spätem mlcUein friscum, altfr. frische.
Aber war alsdann nicht fratche zu erwarten? Bezeichnender ist Grimms
herleitung, Gesch. d. d. spr. p. 61, aus fractitium (vgl. occ. roumpudo
frisch gebrochenes land, norm, briser einen acker bearbeiten) und auch von
seüen der form unverwerflich, da die endung itins (icius) zuweilen iche
wird. Ein prov. fresca würde entscheiden.
Friente altfr. z. b. des chevaux Ben. II, p. 146; von fremitus
it. fremito. Le Duchat schreibt frainte und leitet es von frangere.
Frileux fr. frostig; gleichsam frigidulosus, vom classischen fri-
gidalas.
Frimas fr. reif, gefrorener (hau, vb.pic. frimer; unzweifelhaft vom
gleichbed. altn. hrfm, da der anlaut hr dieser spräche sich auch sonst in
fr. fr umwandelt, ags. gleichfalls hrfm, engl, rime, ndl. rijm, bair. reim
(auch pfreim). Im pic. rimäe blieb der nord. anlaut weg.
Fringuer fr. sich rasch hin und her bewegen, bret. fringa dass.,
vgl. occ. fringä schön thun, liebhosen. Muthmaßlich aus einer tourzel, die
auch im lat. fringntire zwitschern, fringuilla, fringilla fink, so wie in
frigutire und frigulare enthalten ist, welchen sich Jcymr. ffreg (geplauder)
anzuschließen scheint. Sich hüpfend bewegen und zwitschern sind nah
verwandt: das bret. fringol tritter ist desselben Stammes und das abge-
500 IL c. FßlPER-FROISSER.
leitete fr. fringoter (Trev.) zuntschern, it. fringottare, weist gebieterisch
auf fringuer zurück, die nebenfonn frigoter erinnert an frigutire. Stark
entstellt aus fringnilla ist it. filunguello, a für i im parm. crem, frängol,
piem. franguel, frangoi.
Friper fr. abnutzen, verbrauchen, gierig verzehren, fripon Spitz-
bube, friperie trödelei (abgenutzte Sachen). In diesem ausschließlich franz.
stamme scheint einer der fälle vorzuliegen, worin, wie in frimas, nordisch
hr zu fr geworden, indem sich das franz. verbum dem isländ. hripa ctumul-
tuarie agere Biörn logisch recht wohl anschließt.
Frique altfr., pr. fric, npr. fricaud munter, lebhaft, dauph. frican-
dela lebhaftes madchen. Die lat. spräche gewährt keinen tauglichen stamm:
fncare hätte wenigstens freque gegeben, wenn die grammatik solche adjec-
tivbüdungen erlaubte. Auch an unser frisch ist nicht zu denken, da weder
fresc noch selbst freque irgendwo vorhanden ist. Wohl aber fügen sich
die Wörter zu goth. friks, ahd. fr£h gierig, mhd. vrßch, ags. free kühn,
keck, altengl. frek lebhaß Hattiw.: wie sich kühnheit und munterkeit be-
rühren, zeigt auch gaillard. Demselben stamme kommt noch eine andre
bedeutung zu: npr. fricaud heißt auch lecker, köstlich, sbst. fricot (auch
pic. norm.) leckeres gericht, nfr. fricandeau dass., fricasser eigenü.
lecker zubereiten. Sie scheinen sich an die deutsche bed. gierig zu knüpfen,
woraus die bedd. leckerhaft und endlich lecker erfolgen konnten: beide
letztere einigt z. b. das fr. friancL Formverschieden davon ist das er-
wähnte friand, vb. norm, frioler lüstern sein, henneg. sprudeln, zischen
(von speisen auf dem feuer), fr. affrioler anlocken, anreizen; schwerlich
von frik, nach Menage u. a. von frigere rösten, vgl. altfr. frieul brat-
pfanne. — [Eine geschickt begründete herleitung von fricasser aus frictus
(von frigere), woraus fricare für frietare entstand, hat Mahn p. 47 mit-
getheilt, dazu sehe man den Krit. anhang p. 23.]
Frire fr. braten; von frigere, it. friggere.
Frisson fr. frost, schauder. Schon Gregor v. T. bedient sich dieses
Wortes: quas 'rulgo* frictiones vocant, und Ducange erklärt es richtig
aus dem unlat. frigitio zsgz. frictio fripon, von frigere, altfr. pr. frire.
Froc fr. mönchskutte; eigentl. flockiger stoff, vom lat. floecus flocke,
pr. floc in lat. und franz. bed., mied, floecus, froecus, mit fr schon in
den Schlettst. glossen 39, 147 froecum Krok\ Wackernagel (in Haupts
Ztschr. II, 560) leitet das franz. wort aus der ahd. (neben roch kaum
vorkommenden) form hroch mit Übergang des hr in fr, allein jene für das
romanische organ allerdings harte Verbindung wird theüs durch wegfatt
des h, theils durch einschiebung (har) gemildert; nur das der Sprachbildung
erst später gebotene altn. hr wird franz. fr {vgl. frimas, friper), ein altn.
hrockr ist aber nicht vorhanden. Übrigens ist auch die prov. form floc
(niemals froc) nicht außer acht zu lassen, bei welcher man zu gunsten
des deutschen Wortes eine doppelte änderung jener lautverbindung an-
nehmen müßte.
Froisser fr. zerquetschen, zerreiben; entweder van frendere fressus
II.c. FRONCHER-GAIF. 591
oder von fricare frictus (s. frizzare I), von letzterem, wenn sich eine
piccard. form froicher aufzeigen läßt; die alten denkmaler dieser mundart
scheinen nur froisser zu kennen.
Froncher altfr. schnarchen, schnauben FG. II. III., pic. fronker:
li destriers fronke du nes Fier. 126. 127; wohl von rhonchare bei
Sidonius, mit verstärktem anlaut, s. roncar II. b.
Frunir.pr.y eigentlich nur part. frunit und fronit gebrochen: asta
fronia GAlb., figürl. von menschen GRoss. 6822, LR. 1, 393. Lat. fru-
ni8ci liegt der bedeutung ferne. Darf man zermalmen als grundbegriff
annehmen, so nähert sich das prov. wort dem mlat. frnnire lohe bereiten
d. i. baumrinde zerreiben, aber auch dessen herkunft scheint unbekannt.
Furnier fr. mist, richtiger altfr. femier, woneben freilich schon die
erster -e form; von fimus, u aus e ebenso im altfr. pic. champ. fumelle für
femelle, cdtfr. frumer für fermer. S. Rom. gramm. I, 175.
Furolles fr. (fem. plur.) feurige dünste, irrlicht; für furoles von
feu feuer, abgel. wie it. focajuolo feurig, vgl. fr. flammerole eine ähnliche
erscheinung auf der see.
G.
Gable fr. (f.) giebel des hauses. Es erinnert an das eilte lat. ga-
balus kreuz (gabalum crucem dici veteres volunt Varro beiNonius), der
giebel konnte seinen namen daher haben, weil die bälken an der spitze
des daches sich kreuzen, auch ist das norm, gable gen. masc. Da indessen
das wort den übrigen mundarten fehlt, so wird es rathsamer sein, es auf
das ahd. gabala gabel (vgl. altn. gafl m.) als seine nächste quelle zurück-
zuleiten; auch lat. furca heißt die gabelförmige spitze an gebäuden.
Gächer fr. rudern, rühren, gäche ruhrstock, rüder; vom ahd. was-
kan, nhd. waschen. Daher gächis pfütze, vgl. engl, wash Spülwasser,
sumpf; altfr. waschier auch besudeln.
. Gagnon, selten wagnon, hofhund, Schäferhund u. dgl. Das ehmals
ziemlich übliche wort ist veraltet und selbst, wie es scheint, in den mund-
arten erloschen, seine herkunft nicht ganz frei von zweifei. Gachetp. 22 7a
halt es für einen sprößing des auf den ackerbau angewandten Wortes
gaaing. Man konnte dabei an die herkunft des synonymen m&tin, das
zum haushält gehörige thier9 erinnern. Besser jedoch würde es sein, wenn
sich gagnon auf canis gründen ließe: viele thiernamen nehmen ja das
suffix on zu sich. Roquefort hat in der (hat cagnon I, 655, aber unbe-
legt. Sicherer steht das feminin cagne (s. oben chien), welches die com-
bincUion gn in unserm worte rechtfertigt; der anlaut w freilich in der
nebenform, an der stelle einer auf c zurückweisenden Vorstufe g, ist selten,
aber möglich. Ital. gagnolare scheint einem andern Stamme anzugehören,
s. IL a.
Gaif, chose gaive altfr. eine im stich gelassene von niemand zurück-
592 ILc. GAIMENTER-GALE.
geforderte sacke, vb. gnever im stich lassen; tnlat. wayfium, res vaivae,
vb. wayviare. Ursprünglich bedeutet gaif = engl, waif ein verlaufenes
stück vieh, animal errang oder vagans in german. gesetzen, und wird er-
Märt aus engl, waive, wave, ags. vafian sich hin und her bewegen,
schwanken. S. E. Müller s. v. wave 2.
Gaimenter, waimenter altfr., pr. gaymentar (noch jetzt daupk
gueimenti) klagen, jammern, sbst. wald. gayment Hahn p. 569. 695.
Da sich kein vb. gaimer findet, wovon es eine participialableitung
sein könnte, so ist darin eine Umbildung von lamenter vermittelst der
interj. gnai anzunehmen. Nicht minder merkwürdig ist das gleichbed.
gnermenter, worin sieh eine celt. würzet zu verstecken scheint, gael.
gairm, kymr. garmio, bret. garmi geschrei ausstoßen, vgl. mndl. caermen
Grimms Eeinh. v. 2715, nndl. kennen. Aber auch se gramenter sich
beklagen kommt vor Ben. I, 346, was wieder an einen deutschen stamm,
gram (betrübt), erinnert.
6a 1 altfr. ein stein: des cailliex lor ont tant contreval rnä et tante
gres cornne et tant gal encostö DMce. 304, 29, dbgel. nfr. galet ein
von dem mecre ausgeworfener platter und glatter stein, galette, pr. gaJeta
ein platter kuchen, it. galetta, sp. galleta Zwieback; in franz. mundarten
mehrfach abgeleitet, z. b. henneg. galier = galet, berr. galine Hemer
stein, pic. galer rollen wie ein stein (Corblet). Ein wort so wichtiger
bedeutung, welches weder die lateinischen noch die deutschen sprachen
kennen, muß ein alteinheimisches sein, und da die anlautende kehltenuis
im franz. mehrmals als media auftritt, so wird es gestattet sein, das kymr.
calen (f.) Wetzstein zu vergleichen.
Galaub ia, galanbey pr. pracht, aufwand; ein allen andern
mundarten unbekanntes nun veraltetes wort, kann seine herkunß aus dem
goth. galaubs (kostbar) nicht verläugnen. Dahin auch der name Gua-
laubet Chx. V, 220.
Galbe fr. (m.) was sich an gebäuden oder geräthen zierlich nach
oben ausbreitet; vom mhd. walbe (m.) = nhd. walm einb legung des daches
an der giebelseite Schmäler IV, 61; daher unser gewölbe. Bei Roquefort
ist galbe auch der vordere theü des wamses und mhd. walbe sott das ge-
wölbte blatt der schuhe bedeuten (gezieret was der vordere walbe Mhd.
wb.). Das franz. wort ist schlecht assimiliert, denn lb hinter dem ton-
vocal duldet diese spräche nicht; es bezeugt hiermit seine spätere einfüh-
rung. Käme es von dem allerdings begriffsverwandten it. garbo, so würde
es das genehme rb nicht für lb aufgeopfert haben.
Gale fr. kratze, se galer sich kratzen. Schon Nicot leitet es von
callus schwiele, daher mlat. callosus = galenx. Der ardaut ca wird auch
in einigen andern fällen (gamelle, altfr. gajol) zu ga, so daß gegen den
buchstaben wenig einzuwenden ist. Gleichwohl scheint die herleitung un-
sicher, da auch das dtsche galle schadhafte stelle, engl, gall schramme,
to gall wund reiben, in betracht kommen. Fictet (Zeitschr. f. vergh
sprachf. V, 338J vermuthet seine quelle im ir. galar, galradh krankheit.
ILc. GALIMATIAS-GAUCHE. 5Ö3
Itdl. galla, sp. agalla geschundst, beule führen aber auf lat. galla ^raZZ-
apfd, welche bedeutung dem roman. worte gleichfalls vergönnt ist. %
Galimatias fr. verworrenes gerede; eins der späteren Wörter von
zufälliger entstehung (fehlt z. b. bei Nicot 1573), über welche die etymo-
logie • nichts vermag. Eine anecdote zu seiner entzifferung in Höfers
Oberd. wb. II, 121. Man merke dazu das altengl. gallimawfrey ein ge-
richt von allerlei Mein gehackten speisen, dsgl. ein verworrener mischmasch
von dingen, s. Hdttiwell, dsgl. Dief. Gloss. lat. germ. s. v. balimathia.
Ganchir, guenchir pr. altfr., chw. guinchir ausweichen; vom
ahd. wankjan, wenkjan weichen, wanken. Vom sbst. wank ist das comask.
guanch fehler.
G an dir altfr., guandir pr. ausweichen, sich raten, ganditz cdesti-
nans timare (l. dedinans) GProv. 52*, altfr. auch gandiller NFC. I,
417; vom goth. vandjan, ahd. wantjan, wentjan, nhd. wenden.
Garance fr., daher wohl sp. granza, pic. entsprechend waranche
eine pflanze zum rothfärben, im frühsten mlatein garantia, später waren-
tia. Die scharlachfarbe hieß dem Griechen älfj&ivov die ächte färbe; dem
entspricht das aus verus oder dem vb. verare geschaffene verantia, ent-
stellt varantia. So Salmasius und Vossius.
Garenne fr. kaninchengehege, fischweide, dsgl. varenne jagdgehege,
letzteres für warenne, ndat. (besonders in England) warenna, mhd. ge-
-frenne Wb. III, 399. Ist es vom altfr. garer, warer behüten, wie sinn
und buchstabe vermuthen lassen, so muß das suffix entstellt worden sein,
garene vielleicht für garine stehen^ vgl. gastine, guerpine, haYne aus
deutschen wurzeln. Die ndl. spräche bildete warande.
Garer fr., garar pr. acht haben, behüten; vom ahd. warön in acht
nehmen. Zsgs. pr. esgarar s. v. a. garar, dagegen fr. 6garer {woher it.
sgarrare) mit der bed. außer acht lassen, irre führen, altfr. pr. esgarä
verirrt, betrübt: dolente et eguarethe Jlexs. 94.
Gargote, gargotte fr. garküche. Weder an das dtsche wort noch
an lat. gurgustium ist zu denken. Sein Ursprung liegt im altfr. pic. gar-
goter sieden, brausen, das einen onomatqpoietischen anstrich hat.
Garricjjr., garrig cot., jarris altfr. Gayd. p. 346 (jaurris 170)
Steineiche, pr. cot. garriga Steineichenwald. Von garra kralle? vgl. wegen
dieser anschäuung chaparra II. b. Auch comask. gar-öla eichet, nußkern
erinnert an einen solchen stamm.
Gaspiller fr. vergeuden, pr. gnespillar, waUon. caspoui; vom ags.
gespillan, ahd. gaspildan verzehren, ausgeben.
Gate henneg. watton., gaie lothr., gaiette champ., gaise im Jura;
deutsches wort, goth. gaitei, ndl. geit, ahd. geiz, nhd. geifSs. S. Hecart
8. v. gate.
Gäteau fr., alt gastel (daher sicü. guasteddu), pr. gastal kucken;
vom mhd. wastel, nach Grimm II, 26 zusammenhängend mit wist speise;
mhd. gastel aus dem romanischen.
Gauche fr. links, altengl. gauk« Der anlaut muß deutschem w
88
594 ILc. GAUFRE— GAVE.
entsprechen, das sich im henneg. erhielt: fräre wauquier linker bruder,
Stiefbruder z. b. ist s. v. a. fr. fröre gaucher: es stammt also schwerlich
vom lair. gäbisch (verkehrt), wie Schmeller lermuthet. Kommt es von
ganchir atisweichen? aber adjectiva entstehen nicht unmittelbar aus verbis,
auch war zum Übertritte von an in an kein euphonischer grund, und wo
ein solcher übertritt vorkommt, pflegt die erste form wenigstens neben der
zweiten fortzuleben. Wohl aber paßt das wort zum ahd. welk schwach,
matt, wie man sich die linke hand gegen die rechte} die kräftige, dachte,
vgl. it. stanca die müde, die linke, manca die schadhafte, sp. zurda die
taube, redrufia die zurückweichende, neuprov. sogar man seneco die alte
d. h. die welke, kraftlose. Ähnlich vergleicht sich mit dem mhd. tenc
link das schwz. tehngg träge, welk, s. Dief. Goth. wb. II, 326. Beachtens-
wert ist noch das mdartl. engl, gaulic hand linke hand HaUiw., insofern
ihm ein altfr. galc die form gewiesen haben muß, denn gallica manus
wäre doch zu seltsam. Span, gaucho schief, von ganche? über rechts
und links überhaupt s. Potts Zahlmethode p. 268.
Gaufre fr. (f.) honigwabe, dsgV. ein backwerk, pic. waufe, auch
altsp. gnafla, mlat. gafrnm; vom dtschen waffel, verwandt mit wabe,
eigentl. zellenförmiges backwerk, vom vb. weben, ndd. weven.
Gauge altfr. in nois gange watsche nuß FC. 1, 393; vom ahd.
walah fremd, undeutsch, welches, erst walc gesprochen, m gauge über-
gierig wie del'catus in deug£. Der name ist uralt : ags. veal-hnut, altn.
val-hnot, nhd. wallnufs. Aus einer andern ausspräche entstand die pic
form gangne nebst ganguer nußbaum.
Gaule fr., henneg. wanle große stange, auch reitgerte. Ansprüche
auf dieses wort erheben lat. vallus pfähl und goth. valus stock, gerte,
Qaßdog, fries. walu, altn. völr dass. s. Grimm II, 487°. Weniger die
bedeutung als der umstand, daß sich nur Nordfrankreich dieses wort zu
eigen gemacht (Provence kennt es bis jetzt nicht), entscheidet für deutsche
herkunft, die auch durch die gestält des anlautes unterstützt wird. Au
hat in dem doppelten 1, denn valus lautet wie vallus, seinen grund.
Gaupe fr., bürg, gaupitre ungestaltes schmutziges weib, altfr. waupe;
vermuthlich das altengl. wallop stück fett, klumpen. Das ahd. wnlp&
(wölfin) hätte goupe erzeugt. Das bürg, ganpe übersetzt Mignard ßle
folätre.
Gauss er/r. (nur reflexiv se gausser de qch.) sich lustig machen
über etwas; den alten Wörterbüchern noch unbekannt, nach Frisch das
it. gavazzare schwatzen, besser das gleichbed. eben so wohl reflexiv ge-
brauchte sp. gozarse de — .
Gaut, gualt, gal altfr., pic. norm. chw. gault, pr. gau, gaut 00.
buschholz ; vom dtschen wald. Daher altfr. . gaudine, pr. gaudina geholz.
Gave pic, wallon. gaf, champ. gueffe kröpf der vögd, vb. pic. se
gaver, neupr. se gavä, champ. se gueffer, fr. s'engouer sich voll stopfen,
pic. engaver geflügel stopfen oder mästen, fr. gavion Schlund, vgl. auch
occ. engavachä würgen, maü. gavasgia, com. gavazza großes maul u. o.
IL c. GAZE— GESE. 595
Nimmt man an, daß die würzet gav etwas aufgetriebenes oder ausgehöhltes
bedeute, so darf man auf lat. cavus und cavea verweisen, indem durch
letzteres sich das fr. gavion (das gleiche span. wort heißt korb wie it.
gabbia aus cavea) am leichtesten erklärt.
Gaze fr., sp. gasa ein durchsichtiges gewebe; genannt nach der
stadt Gaza in Palästina, woher es bezogen ward (Pihan Gloss.).
Gazon fr. rasen, arag. cremon. gason; vom aAd. waso, nhd. wasen.
Das ags. vase, ndl. wase heißt auch schlämm, daher das gleichbed. fr.
vase (f.), pg. vasa, vermuthlich erst später aus dem niederl. eingeführt,
da w nicht, der lautregd gemäß, mit gn umschrieben ward; doch findet
sich norm, gase für vase, engaser für envaser mit schlämm bedecken.
Vgl. Diefenbachs Goth. wb. I, 244.
Gäant fr. riese, pr. jayan; von gigas gigantis.
Geindre ächzen, winseln; von gemere.
Gene fr. (f) folter, zwang, altfr. gehene, vb. glner; von dem ur-
sprünglich hebr. gehenna hölle, bei kirchenschriftstellcm.
G6nisse/h, pr. junega GO. junge kuh; von junix junlcis dass.
Auch in geni&vre ward tonloses u nach ursprünglichem j in e geschwächt.
Im Jura sagt man für gänisse einfach gegna, welches mit junega zu-
sammenhängen muß. Andre formen sind comask. gioniscia, chw. gianitsoha.
Gens, ges pr., altfr. gens, giens, eine dem nordwestl. gebiete eigne
noch im neupr. ges oder gis und cot. gents fortlebende negation s. v. a.
fr. point. Ihr Ursprung ist nicht ganz sicher. Der Römer pflegte gewisse
artsadverbia mit beigefügtem gentium zu verstärken (ubi gentium, nus-
quam gentium) und trug diese Verstärkung auch auf minime über, und
so könnte das rem. gens (von gentium wie pretz von pretium) eine weitere
foribildung dieser redeweise sein: non gens = non gentium s. v. a. mi-
nime gentium. Daneben wäre auch noch genus zsgz. gens zu erwägen:
non genus nicht die art, nicht der schatten eines dinges. S. Altrom.
sprachdenkm. p. 53. A. W. Schlegel, Observ. sur la litt. prov. anm. 35,
dachte an das deutsche ganz, was weder die form noch den begriff für
sich hat. Nicht minder fehlerhaft ist die deutung von Onofrio, Essai d9un
glossaire cet. p. 243, aus dem pr. nien, weiches, da es zweisilbig ist,
nimmer die ausspräche gen erzeugen konnte.
Gerbe fr., altfr. garbe, pr. cot. arag. garba getreidebündd, vb. fr.
gerber, arag. garbar; identisch mit ahd. garba, nhd. garbe, ndl. garve,
das den übrigen mundarten fehlt (engl, gerbe kann aus dem altfr. sein)
und sich durch den buchstaben vom ahd. garawan (s. garbo I.) scheidet.
Gercer fr., mundartl. jarcer NFC. I, 376 aufritzen, spalten, gerce
bücherwurm. Nach Menage vom hypothetischen carpiscare, dies von car-
pere zertheilen, zerreißen. Darf aber hier eine auch sonst nicht unerhörte
dar Stellung des lat. ca durch fr. ge (caveola geole) angenommen werden,
so muß man eher auf das buchstäblich zutreffende carptiare, von carptus,
vermuthen, das sich durch zahlreiche ableitungen dieser art rechtfertigen kann.
G&se fr. (f) pike, unübliches in einige Wörterbücher aufgenommenes
596 ILc. GESIER— GIVRE.
wart, nachgebildet dem nüat. gaesa, *. b. gesa 'asta, jaculum (al. gessam
<hasta vd jaculum) Gl. Md., gesa casta Gallorum Gl. erford. p. 334,
dies aus dem lat. ursprünglich gallischen gaesnm, worüber auf Diefen-
bachs gelehrte erörterung, Orig. europ. p. 360 ff., zu verweisen ist. — In
der Chans, de Roland st. CLII findet sich am Schlüsse eines überlangen
männlich reimenden verses der waffenname gieß er (e wigres e darz e
maseras e agiez e gieser); ein ähnlicher steht bei Papias: gessaris 'lanceis*,
der nom. sg. davon in den Gloss. sangerm.: gesara 'lancca; es versteht
sich, daß nur ges&rum (-us) das franz. wort befriedigen würde.
66 s i er fr. kröpf des geßügds, altfr. auch jusier 'jecur Gl. de
Litt. 7 (13); geformt durch dissimilarem aus gigeria plur. eingeweide des
geflügels Lucil., Petron., Apic., den schwestersprachen unbekannt. Schder
bemerkt hiereu die picard. form giger, gigier. Das Vocab. d'Evreux
p. 43 schreibt dagegen guisier.
G 6 bit fr., bei den Alten auch gire, präs. 3.sg. gft, vrÜ. gißt; selt-
same mit nichts gleichem eu unterstützende, sicher uralte abweichung vom
normalen pr. jazer (lat. jacere), zsgz. neupr. jaire, präs. jatz, wofür kein
dUfranz. oder auch nur mundartliches jaisir, jaire, jaißt nachweislich ist.
Daher sbst. gtte (m.) nachtlag er y spätndat. gistum und gista, prov. aber
jatz, noch jetzt jas; dsgl. gäsine kindbett, pr. jasina.
Gibier altfr. in aler gibier, aler oder etre en gibier (s. Gachet239h)
vögel jagen, beißen, überhaupt jagen z. b. HBord. p. 42, 6, Ben. I, p. 662,
GhCyg. I, v. 1563, nfr. giboyer, sbst. gibier, altfr. gibelet wüdpret, nfr.
gibeciere waidtasche; von unentschiedener herkunft. Ist es richtig, daß
gibet (geigen) eigentlich den strick um den hals bedeutet (thl. J, 166),
so konnte sich gibier, ursprünglich ein verbum, auf den Vogelfang mit
der schlinge beziehen; aber es bleibt dies immer nur eine schwach be-
gründete vermuthung. [Sehr zu beachten, wenn auch kein sicheres resuUat
gewährend, sind die späteren deutungsversuche und bemerkungen von
Gachet, Scheler und Littre.]
Gier, gieres, giers conclusive conjunetion in einigen der ältesten
franz. denkmäler; enfweder von igitur oder von ergo. Ersteres scheint
buchstäblich näher zu liegen, man vergleiche erre von iter; da aber ergo
für die logische folgerung der übliche ausdruck war, so ist es rathsam,
das, rom. wort daraus entstehen zu lassen: aus erg ierg konnte sieh mit
consonantierung des i ger gier bilden wie aus ego ieo jeo gie.
Giler norm. u. s. w., neupr. gilhd forteilen; ein wort, für das sich
schwerlich ein anderes etymon wird aufzeigen lassen als das ahd. gflan,
giljan {prov. h = j) für gi-ilan fortstreben, eilen. Dasselbe wort verbirgt
sich auch im gleichbed. comask. zeit, dem aber die form gillan (rom. e =T)
genehmer ist, vgl. comask. zerlo, zoja = it. gerlo, gioja. Oder will man
letzteres von zilon 'sich beeilen herleiten?
Givre fr. (f) schlänge in wappen, altfr. givre überh. schlänge
Trist. I, 60; entstanden aus guivre, dies aus lat. yipera vielleicht unter
Einmischung des ahd. wipera, daher auch altfr. wivre, kymr. gwiber, bret.
II. c. GIVKE- GLAIRE. • 597
wiber. Das wort bedeutet überdies ein Wurfgeschoß die losfahrende
schlänge Antioch. I, 267, Boncev. p. p. Monin p. 35. 37 (JBourdillon
schreibt gujure!), Ph. Mousk. II, XV, gewiß nickt von dem barbarischen
bebra bei Vegetius, man erwäge vielmehr das synonyme ags. vifer, viber,
wofür Grimm III, 444 fifer vermuthet.
Givre fr. (m.), bürg, ggvre, pr. givre, gibre, cot. gebre gefrorner
thau, an den zweigen hängender reif, vb.pr. gibrar, cot. gebrar. Sauvages
im Biet, langued. bemerkt, das occ givre bezeichne auch die von bäumen
und dachrinnen herabhängenden eiszapf en: da diese die gestalt von schlan-
gen haben, so scheint das wort trotz seines abweichenden geschlechtes
identisch mit dem vorigen. In derselben mundart heißt der rauhe reif
barbasto, weil er die gewächse wie mit einem barte überzieht, norm. pic.
geläe barbeläe. Das occ. jalibre glatteis mahnt an lat. gelu.
Glacier, glafoier altfr. gleiten. An ein ahd. glatjan = nhd. glätten
ist nicht zu denken, nur ein vb. glazjan würde genügen. Das wort muß
aus glacies geformt sein, so daß es eigentlich bedeutet glitschen wie eis.
Denn nicht selten drückt das verbum eine thätigkeit aus in der weise des
Substantivs, von dem es stammt: so brillare glänzen wie beryll, corbare
schreien wie ein rabe, formicare wimmeln wie ameisen, eigentl. thun wie
beryll, rohen, ameisen. Von glacier stammt das neufr. sübst. glacis
sanfte abdachung der äußersten brustwehr in den festungen, ursprüngl.
gleitende fläche; altfr anz. wäre glaceYs: so gab couler das sbst. coulefs,
coulis u. s. w. Von glacier ist zu trennen glacer in eis verwandeln,
überzuckern, glasieren, lat. glaciare.
Glaire fr,, glara pr. (glarea im Elucidari ist latinismus) schleimi-
ger stoff, besonders üblich in glaire d'qeuf eiweiß, engl, glair of an egg,
prov. auch mit tenuis statt media clara (Tun hueu, und so it. chiara, sp.
clara, mhd. eierkl&r. Von clarus, indem man vom eiweiß ausgieng eis
einem hellen fast farblosen stoff im gegensalze zum eigetb? Glaire für
claire geht leicht. Aber warum alsdann fem. la glaire, da man doch
masc. le blanc, le jaune d'oeuf sagt? Nur der Elucidari kennt das
masc. clar de uou. — Buchstäblich ist glaire = lat. glarea kies (und
diese bedeutung legt, ihm noch Nicot bei); aber im Glossar, vet. 525 liest
man glarea *strida glutino res vel res glutinatiosa Glass. auet. VI, 525b,
in andern wird es mit lehm, leim, lett u. s. w. übersetzt, s. Dief. Gloss.
lat. germ. Merkwürdig ist, daß it. chiara außer eiweiß auch Sandbank
heißt, in welchem sinne die venez. mundart nur giara = it. ghiara = lat.
glarea gebraucht. Möglich wäre es nun, daß, wie glarea hier in der
form clara auftritt (g steigt sonst nicht zur tenuis empor), man auch um-
gekehrt darum ovi mit der form glarea bekleidete, ohne die bedeutungen
genau zu wägen, die höchstens darin übereinkommen, daß der kies glänzend
ist (gleißender sand, in einem glossar bei Dief.) und das eiweiß zum
glänzendmachen dient. — Bekanntlich hielt Grimm P, 58 das erwähnte
engl, glair für identisch mit ags. glsere bernstein, welches wieder auf
glesam zurückgeht (den eiweiß stoff , das älbumin, nennt die chemie matt
598 • IL c. GLAISE-GLETON.
bernsteinfarbig). — Endlich Mahn p. 51 führt uns auf cdtisches gebiet:
bret. glaour (f.) heißt speichd, auch klebrige feuchtigkeü, Jcymr. glyfoer
(tn.) geifer cet.: sind die buchstabenverhältnisse dabei wohl erwogen?
Glaise fr., gleza pr. thonerde; vom miat. schon in den Isid. glossen
vorfindlichen glis glitis 'humus tenax\ adj. gliteus 'de creda Gl. lat. ited.,
dsgl. gliceus ^cretaceus, s. Garpentier und Dief. Gloss. lat. germ. Den
Ursprung von glis sucht man im gr. ylia leim, ylio%Qog Klebrig; andre
verwandte stellt Atzler zusammen.
Glaive fr. (m.J, glavi pr. schwert, it. glave Schwertfisch. Gladius
setzte im prov. die formen glazi (pr. z = lat. d), sodann mit ausfeilt des
d gla-i, endlich gla-v-i ab; gladi steht nach im Leodegar 23. So ge-
stalteten sich z. b. aus adulterium die drei Varianten azulteri, aülteri,
avulteri, oder aus vidua sowohl veuza wie veuva. Dem pr. glazi ent-
spricht kein fr. gladi, weil hier d zwischen vocalen nicht geduldet wird,
glaive aber mit bekannter Versetzung des i (vgl. ältfr. saive, pr. savi)
ist = pr. glavi, so wie das vrlt. glai (daher glal'eul) = pr. glai. Es
ist also nicht der schatten eines grundes vorhanden, den Ursprung des
franz. Wortes im gael. claidheamh schwert (altir. claideb Zeuß I, 72,
kymr. cledyf, bret. clezef) zu suchen, wie einige in die roman. etymologie
hineintappende celtisten gethan haben. Im altfr. hatte es die bed. speer:
glaive lancer den speer schleudern Ben. J, 215*; im Gloss. de Lille p. 9
(Seh. p. 20) aber steht schon gladius 'glave ou espie; erstere bedeutung
ist auch die des entlehnten mhd. glaevin (f.), mndl. glavie. Umgekehrt
hieß framea bei den alten Schriftstellern speer, bei den späteren schwert.
Gl an er fr., pic. champ. glöner, pr. glenar und grenar GProv. 31
ähren stoppeln, fr. glane handvofi gestoppelter Öhren, glane de poires
mit kleinen birnen besetzter zweig, glane d'oignons bund zwiebeln. Ein sehr
altes wort, worin a aus radicaiem e entstanden scheint: si quis in messem
alienam glenaverit Capit. pacto leg. sal. addit. s. Pertz IV, p. 12 (v. j.
561 — 584). Leibnitz nimmt celtischen Ursprung an: kymr. glain, glän
rein, glanhan reinigen, scheuern, vgl. nord. glana aufklären, so daß die
eigentliche bed. wäre creine arbeit machen. — Neben glane oder glena
wäre noch ein ähnliches synonymes im mlatein sehr übliches wort zu un-
tersuchen: gelima i. e. garba Joh. Jan., gelima 'sänge (d. i. garbe) Graff
VI, 254 (8—9. jh.), gelima 'garba' Gloss. tornac., 'garbe9 Gl. de Lille
p. 15 (36). Eberhardus de graecismo betont gllima und so scheint es
identisch mit dem gleichbed. ags. gilm, gelm (m.), engl, yelm und daraus
latinisiert, unverwandt mit glena, welches aber doch im altfr. galeyne
'manipülus3 Bibl. s. Bog., wenn das wort richtig ist, enthalten sein
könnte.
Glapir kläffen; ndl. klappen, mhd. klaffen plaudern, ahd. klafön.
Dahin auch fr. ciaband kläff er, vgl. ndl. klabbaerd klapper.
Gl e ton altfr. Gl. de IAH. 18 (Seh. 42), Voc. duac, in einem lat.
glossar Diütiska 11, 71: glis vocatur herba, quam vulgus gleton vocatur;
dsgl. gletteron, nfr. glouteron Mette; vom ahd. chletta, oder besser von
ILc. GLETTE— GODA. 599
chletto, acc. chlettun, chletton, gleichbed. Anlautende tenuis geigt cleton
*lappa Voc. tffivreux.
Glette fr. silber-glätte ; aus dem deutschen.
Gl isser fr. gleiten; vom hd. glit-sen, glit-schen, ndl. glit-sen KU.,
auch glissen, van welcher form es aber nicht wohl Jcommen kann, da das
pic. ch in glicher nicht mit 88 Übereinstimmt. In ital. mundarten trifft
man glisciare, im aitfr. glinser, neupr. linsä, bürg, linzer. Das übliche
altfr. wort ist glacier (s. oben) und man könnte versucht sein glisser da-
her eu leiten, wie chignon von chaignon, grille von graille; dllein ai
scheint nur vor erweichtem n oder 1 in i überzutreten, Rom. gramm. I, 423.
Gloriette gartenlaube, sp. glorieta. Ältfr. hieß es ein zierlich
geschmücktes gemach (woher auch wohl der name), z. b. auf einem schiffe:
en lor nef ot une maison, une moult bien painte cambrete c'Urrake
nome gloriete Parton. II, 64. In Wolframs Wilhelm führt ein 'palas
diesen namen: des wart Glorjet in angest bräht, ze Oransche der liehte
palas 232, 16. In mailänd. Statuten bedeutet das noch jetzt übliche
glorieta ungefähr was wir belvedere nennen, s. Ducange; vgl. auch Menage.
Glu fr. (f.), pr. glut, wohl auch pg. grude vogelleim; nicht von
gluten, sondern offenbar von dem zuerst bei Ausonius vorkommenden glas
glntis. Zsgs. pic. englui, pr. englut, sp. engrudo, vb. engludar, engrndar.
Glni fr. (m.), glueg pr. grobes roggenstroh zum dachdecken, früher
auch garbe (neuf gluys ou jarbes de seigle, v. j. 1405 Carp.) ; nach
ChevaUet cdtisch, z. b. kymr. cloig bündel weizenstroh zum dachdecken,
vgl. den anlaut im neupr. clui ; nach Ducange vom fläm. geluy e, gluye KU.
Gobbe fr. vergifteter bissen, norm, gobet bissen, gobine maMzeit,
fr. gober gierig verschlingen, engl, gob mundvoll, vb. gobble. Zusammen-
stellung mit celt. Wörtern, gael. gob, kymr. gwp schnöbet, sehe man bei
Diefenbach, Goth. wb. 1, 169.
Gobelin, gobiin fr., engl, gobiin, hob-goblin poltergeist; vom gr.
xoßaXog schalk, woher auch unser kobold? Man sehe Grimms Myth.
p. 470. Diefenbach, Goth. wb. I, 160, erinnert an bret. gobilin irrlicht.
Verwandt scheint cotnask. s-gorböl. Schon Ordericus Vitalis kennt den
gobelinus als einen zu Evreux in der Normandie einheimischen ziemlich
harmlosen geist, der sich in verschiedenen gestalten zeige, s. darüber Ducange.
Goda npr. (auch godo geschr.) faule dirne, aitfr. godon lüstling
Servent. p. p. Hecart, nfr. g o u i n e öffentliche dirne, für godine ; weder
vom ahd. quenä oder engl, queen, wie Frisch meint, noch vom altgael.
coinne weib, wofür sich Armstrong entscheidet; dimin. bürg, godineta =
gouine, henneg. godinete vergnügungssüchtiges mädchen, bürg, gaudrille
metze, altfr. gouderois? Trist. 1, 32 (vgl. altengl. gaudery munterkeit
HaJliw); godemine lustbarkeit NFC. 77, 93; vb. altfr. goder Ren. IV,
p. 435, neu fr. godailler, inBerry gouailler zechen, schwelgen, sich be-
lustigen, nebst andern mundartl. Wörtern. Derselbe stamm scheint auch
außerhalb des franz. gebietes zu touchern: man vergleiche auß der span.
gaunersprache godo, godefio, godizo leckerhaft, die man sonst auf den
600 IL c. GODENDAC- GOITKE.
volksnamen Godo mit der bed. vornehm, reich zurückleitet; ferner goderia
gelage; piem. gaudineta dass.; wohl auch pg. engodar ködern, dazu
henneg. godan köder, lockspeise. Bask. godaria chocolate (leckerer trank)
mag aus dem roman. eingeführt sein. Wem fallt hier nicht das lat.
gaudere ein? Aber freilich, lassen sich auch mehrere der bemerkten er-
zeugnisse damit einigen, so würde dies bei andern, zumal bei dem per-
sönlichen subst. goda oder bei dem adj. godo, mislingen, für welche nur
das kymr. god Üppigkeit, ehebruch ein genügendes etymon darleiht; godailler
aber erklären einige aus dem engl, good ale, indem auch ein subst. godale
vorkommt, s. besonders Gachet 243b. Hieher vermtähiich auch fr. goinfre
schwelger, dessen endung mit der von gouliafre zusammentrifft, vb. goinfrer
schwelgen, goinfrade schwelgerei.
Godendac ältfr. eine art hellebarde der Flamänder, beschrieben
von G. Guiart: ä grans bastons pesanz ferrez, ä an lonc fer aga devant,
voiit ceus de France reoevant. Tiex baston, qn'il portent en guerre,
ont nom godendac en la terre. Godendac c'est bon jonr ä dire, qui en
franQois le veut descrire. S. Ducange. Die benennung war also schere-
haft, wie öfters bei waffen. Das wort würde kein recht haben hier zu
stehn, wenn es nicht in einem theüe von Frankreich im gebrauche wäre,
s. Du Meril Fatois normand 118.
God et fr. art becher; von guttus, it. gotto? D zeugt freilich nur
für einfaches t, nicht tt, allein der fortgerückte accent konnte letzteres ver-
einfachen, gotät 'god& aus gottät bilden.
Goßland/r. eine art der mowe; buchstäblich aus dem celtischen
übernommen: bret. gwelan, kymr. gwylan, gael. foilenn, mtäJmaßlich vom
vb. gwela bret., gwylaw kymr. weinen (Dief. Orig. europ. p. 221).
Gogne altfr. scherz, kurzweü, se goguer sich belustigen, nfr. go-
gnettes (pl.)possen, anzügliche reden, gogaille lustiges gelage, goguenard
(aus einem verlorenen goguin?) lustig, possenhaft u. a. ableitungen. Nicht
vom mhd. gonkel Zauberei, närrisches wesen, possen, da es auf ein ein-
facheres urwort ankommt. Wir scheinen auf celtisches gebiet angewiesen,
bret. göguäa tauschen, spotten, kritisieren (schon nachHuet), kymr. gogan
satire (spott und scherz liegen nah zusammen). Zugleich mahnt fr. gogue
in der bed. fülle im kochwerk, ä gogo herrlich, köstlich, gogueln im Über-
fluß lebend und darum übermüthig an kymr. gog Überfluß.
Goi altfr. in der betheurung vertu-goi = vertu de dieu, neupr. in
tron de goi; vom dtschen god, got. Die nebenform vertu-guieu lehnt
sich an vertu-dieu. Auch mort-goi, sang-goi, jarni-goi (je renie dieu)
wurden gebraucht.
Goltre fr. (m.) kröpf als krankheit, altfr. pr. goitron; vom gleich-
bed. guttur, mit geschwächter endung gutter (vgl. gutter cstrumcm Graff
IV, 176), durch Umstellung goetr goitre. Ein seltsames wort ist in den
Isid. glossen gutturina €gutturis inflatw, vermtähiich für gutturnea, ge-
bildet aus guttur wie roburneus aus robur, daher das mlat. adj. guttur*
nosus, pr. gutrinos. Dazu Diefenbach, Ztschr. für vergl. sprachf. XII, 80.
II c. GOLIART-GRAAL. 601
Goliart altfr. pr., dUpg. goliardo SRos., rrüat. goliardus possen-
spider, s. Th. Wright zu W. Mapes p. X. Eigentlich wohl ein Schimpf-
wort für dergleichen leute, hungerleider (guliardus Dief. Gloss. lat. germ.)y
von einem nur im altital. vorhandenen vb. goliare gierig verlangen FPS.
I, 69. 182, dies vom lat. gula. Im fr. gouliafre gierig, sp. golafre,
erkennt man denselben stamm, der zweite theil des Wortes aber ist minder
deutlich.
Gorre, göret altfr. mager, arm Roq.; mundartl. gourrin armer
schlucker s. Onofrio, Essai (Tun gloss. cet. p. 237 ', altfr. gourrer bestehlen,
betrügen, mlat gorrinare cdecipere, surripere DG. vgl. goth. gaür-s betrübt
oder ndl. gorre geizig; auch ahd. görag arm, elend hat ansprach darauf,
wiewohl Grimm P, 99 dessen Verwandtschaft mit dem goth. warte bezweifelt.
Gorre altfr. sau, daher gorron, gorreau und n/r. göret ferkel, auch
bürg, lothr. gouri, neupr. sp. gorrin {cot. aber garri); vgl. das dtsche vb.
gurren, gorren den laut gurr machen, grunzen, gorre stute, auch schlechte
mähre Frisch I, 361h. 384a.
Gonge fr. dirne, neupr. gougeo magd, daher fr. goujat troßbube;
vom jüdischen goje christliche dienerin, Jubr. goj volk.
Goujon fr. ein fisch, gründling; von cobio, gobio, auch ital. span.
Vgl. Böcking zur Mosella 132.
Gourme fr. (f.) unreinigkeit aus den nüstern junger pferde, pg.
gosma dass., vb. pg. gosmar und gormar diese unreinigkeit von sich
geben, dsgl. sich erbrechen, sp. gormar, bask. gormatu in letzterer bed.
Dazu läßt sich anfuhren altn. gorm-r schlämm, mdartl. engl, to gorm,
to grom verunreinigen, besudeln, zu welchen auch berr. eau gourmie stock-
endes wasser zu gehören scheint. Das Tcymr. gor eiter oder auchdas mdartl.
engl, göre schlämm reichen zur erklärung des franz. Wortes nicht aus.
Gourme fr. nickt vorhanden, aber zu folgern aus dem bret. gromm
und dem fr. gourmette kinnkette der pferde, vb. gourmer, bret. gromma
die kinnkette anlegen, dsgl. jemand puffen (gewaltsam behandeln, zahm
machen wie ein pferd), gourmander ausschimpfen. Chevallet verweist
dieses gourme niclti unpassend auf das kymr. crom (crwmm) gebogen, mit
berufung auf engl, curb kinnkette, vom fr. courbe = ctirvus, vgl. unser
kinnreit
Gourmer henneg. wein oder andre getränke kosten, gourmet fr.
weinkenner, gourmand schtemmer, norm, gourmacher unsauber essen. Das
Verhältnis dieser Wörter zu denen der beiden letzten artikel ist unklar.
Graal, greal, grasal altfr., pr. grazal, attcat. gresal ein gefäß,
hecken oder napf, von holz, erde oder metaU, wie Carpentier angibt; noch
jetzt braucht man in Südfrankreich grazal, grazau, grial, grau für ver-
schiedene gefäße; auch fr. grassale napf (Trev.) ist hieher zu stellen.
Aus greal ist altsp. grial (greal in Sanchez glossar zu tom. IV, der text
hat garral, auch bei Janer), pg. gral, das aber mörser bedeutet; sicherer
aUmaä. graellino Bonves. de 50 curialitatibus, v. 178. über form und ge-
brauch dieses gefäßes sagt Udinand (etwa anfang des 13. jh.) : gradalis
602 ILc. GRABUGE-GRAMMAIRE.
vel gradale dicitur gallice scatella lata et aliquantulam profunda, in
qua pretiosae dapes cum suo jure divitibus solent apponi, et dicitur
nomine graal, s. VülemarquS, Gont. pop. i, 193; die stellen geigen aber,
daß es den verschiedensten zwecken diente. Saint graal, dessen entstehung
aus sang royal durch die prov. formen widerlegt wird, ist in den epopöen
die Schüssel, woraus Christus mit seinen Jüngern das abendmal genoß,
tnhd. zsgz. gr&l. Im mlat. gradalis ward das prov. z regelrecht durch d
ausgedrückt: es scheint daher die reinste form. Des Wortes herkunft ist
zweifelhaft. Wollte man, was an und für sich nicht rathsam wäre, die
eben erwähnte mythische bedeutung für die ursprüngliche nehmen und
grazal aus gratialis, von gratia mlat. heil, abendmal', deuten, so würde
die franz. form graal nicht zustimmen. Botel Recherch. p. 242 sagt:
ce mot vient de grais, parce que ces vaisseaux sont faits de grais cuit,
auch heißt vaisseau de gros ein hart gebranntes irdenes geschirr; aber auch
hier widerstrebt die franz. form, worin radicales s nicht hätte untergehen
können, wie es denn auch in gräsiller nicht untergieng. Mit besserm rechte
dürfte man an crater erinnern, das der bed. becken nicht zuwider ist:
mlat. brauchte man cratus dafür (Lot. ged. herausg. von Grimm und
Schmäler p. 319), woraus die abl. cratalis, pr. grazal, fr. graal bequem
erwachsen konnte. An celtischen Ursprung ist am wenigsten zu denken:
jenes magische gefäß hieß dem Brüten per becken, wovon graal nur die
franz. Übersetzung ist, Vülemarque l. c. Die alten dichter dachten an
das vb. agräer: car nus le graal ne verra, ce croi je, qu'il ne li agrfe
S. Graal p. p. Michel p. 112;
Grabuge fr. (m.) hader, zank, Verwirrung , henneg. mit ch grabuche,
ältfr. grabeüge (viersüb. Roq. ohne beleg). Ihm scheint verwandt alt fr.
grelise, noch jetzt im Jura greuse, pr. grahusa, masc. grahus 'quereüe,
dispute LRom. Menage und Frisch halten grabuge für einen abkomm-
ling des ü. garbuglio Verwirrung, Zwietracht (s. thl. I), welches aber,
durch altfr. garbouil vollständig vertreten, außerJw&b der frage liegt.
Eher dürfte man es für einen abkömmling von grattabugia kratzbürste
halten, woher auch als Variante greüse stammen könnte, denn dem it. g
entspricht oft das fr. s. Wegen der bedeutung konnte man sich auf fr.
chagrin berufen 1) kratzendes Werkzeug, 2) kummer, ärger; es ist nur
schade, daß das ital. wort die angegebene (auch in grattugia enthaltene)
bedeutung nicht überschreitet. Zum behufe einer weiteren, eindringenden
prüfung wäre Schelers artikel, worin auf das deutsche graben und krabbeln
verwiesen wird, so wie das von Diefenbach zu dem worte gelieferte material,
Ztschr. f. vergl. sprachf. XII, 77, zu rathe zu ziehen.
Grammaire fr., gramaira, gramäiria pr. grammatik; gebildet aus
dem pr. gramadi d. i. grammaticus (Altrom. sprachdenkm. p. 109), also
ursprüngl. gramadäria zsgz. gramdiria. Masc. pr. gramaire GAlb. 233,
altfr. dass. sprach- oder schriftgelehrter = grammaticus, eigenÜ. gram-
maticarius, welcher letzteren form das noch übliche bask. gramaticaria so
wie das ahd. gramatichare bestätigung bringt; hieraus ist weiter abgeleitet
i
ILc. GRAVER— GREN0U1LLE. 603
fr. grammairien. Vgl. wegen dieser bildung lat. barbaricarius von bar-
baricus, ndat. judicarius von judex.
Gray er fr. eingraben, einprägen, daher entlehnt sp. grabar; eher
vom dtschen graben als vom gr. yQ<xq>eiv, da cp in yQayiov franz. zu ff
wird (greife).
Gravir fr. klettern; vgl. kymr. grabin packend, kletternd, dsgl. ndl.
grabbelen raffen. Indessen läßt sich dies wort besser aus dem lat. sprach-
stoffe schöpfen. Aus gradus stufe ward it. gradire stufenweise hinauf-
steigen, fr. gra-ir und mit eingesetztem v gravir, ein Vorgang, den man
in mehreren Wörtern bemerkt: emblaver, parvis, pouvoir. — [Diese ety-
mologie trägt auch Menage vor, .ohne sie zu genehmigen^
Greffe fr. (m.) Schreibstube; von graphium (yga(piov, yoayelov)
griffeil später auf schreibtafd, Schreibtisch, Schreibstube übertragen, indem
man sich edles zum schreiben gehörige darunter dachte: graphium 'scrip-
torium d. i. im nüatein Schreibzimmer der manche Pap., graphium cscrip-
torium vd officium scripturae Dief. Gloss. lat. germ., mndl. greffie, neundl.
griffie (f.) landschr eiberei: eine ähnliche begriffserweiterung erfuhr bureau.
Prov. grafi, aitfr. grafe bewahren noch die grundbedeutung, wie auch ahd.
graf, gräf. Abgel. pr. grafinar ritzen, npr. esgraffd, dttfr. esgraffer aus-
kratzen, ausradieren, fr. ögraffigner suddn.
Greffe fr. (f.) pfropf reis, greffer pfropfen, so engl. sbst. und
vb. graff, mndl. sbst. grafie, vb. grafien; mlat. bei Venantius Fort, graffio-
lum. Greffe in der bemerkten bedeutung kann mit dem eben behanddten
greffe griff d, trotz dem verschiedenen genus, identisch sein, da aus neutris
oftfeminina werden: auch ndl. griffet, griffie hat beide bedeutungen. Näher
liegt die von Ducange erwähnte neupr. form grafiou, umgestdlt pg. garfo.
Der griffd ist etwas spitziges und daß spitze auf Schößling übertragen
werden konnte, beweist z. b. das sp. mugron. GaseneuvQ denkt lieber an
gr. xagyiov halm, das in alten glossaren mit surculus übersetzt sein soll
(auch lat. calamus halm und pfropfreis): Südfrankreich müßte alsdann
das wort von den Griechen empfangen haben, bei welchen es die franz.
bedeutung aber nicht hatte.
Gregues fr. (plur.) hosen; vom kymr. gwregys gürtel (Huet).
Burg, gargaisses.
Grele fr., graile pr. schlank, dünn, dsgl. grelltönend; von gracilis.
Daher sbst. cdtfr. graisle, grelle, pr. graile ein grelltönendes blasinstrument;
ähnlich clairon art trompete, von clair.
Grelot fr. schelle; nach einigen von grelle (s. den vorigen artikel),
nach andern von crotalum Mapper: letzterem scheint von Seiten des be-
griffes das vb. grelotter mit den zahnen klappern mehr gemäß.
Grenouille fr., granolha pr. frosch = it. ranocchia, lat. gleich-
sam ranueula. Der vorgesetzte kehllatd, wogegen ohne denselben aitfr.
renoille M Fr. fabl. 3 vorkommt (das im Jura noch fortlebt), ist um so
merkwürdiger, als sich diese form nicht einmal als naturausdruck recht-
fertigt; auch der pßanzenna/me grenouillette (ranunculus) zeigt sie und
604 IL c. GRES-GRIGOU.
dies ist entscheidend. Damit nicht zufrieden leitete Erich in seiner
^Av&QtjitnyXvmxoyovia 75, 14 das wort aus dem gr. yvQivog froschbrut,
kaulquabbe, daher gyrinula, grinula. Das primitiv rane, raine ist noch
vielen mundarten geläufig.
Gr&s fr. (m.) Sandstein, npr. gres grobkörniger sand, daher pr.
greza, gressa (graissa 00.)} fr. grfele grober hagel, schloßen, vb. grSler;
dim. fr. gr^sil (mit erweichtem 1), pr. grazil feiner hagd, vb. gr&iller,
grazilhar. Den Übergang vermittelt das neupr. grezo grieß, Weinstein =
dem bemerkten altpr. greza hagel, vgl. in dtschen mundarten kiesein (von
kies) für hageln. Vom celt. crag (fds) kann gr&s nicht herkommen, wohl
vom ahd. griez, grioz, nhd. grieß, so wie grele (gresle) vom mhd. griezel
körnchen.
Gr 6 si Hon aitfr. ein insect, grille; für gr£-cillon, diminutiv von
gryllus, vgl. oi-sillon von avis oder wegen des ausgefallenen 11 pu-celle
von pulla.
Gr&ve fr. (f.) sandiges flaches ufer, pr. cot. grava kies, chw. grava,
greva sandfläche, venez. grava bett der bergströme, daher fr. gravelle
(engl, gravel), gravier, gravois. Cdtisches wort. Com. grou *arena setzt
ein älteres gran voraus, daher rom. grava. Die kymr. form ist gro, pl.
gravel grober sand; der Bretone hat graö, gröa.
Grif dttfr. (m.) DMce. p. 48, 1, nfr. griffe (f.) kralle, griffer,
pr. grifar Arn. Vidäl packen; vom ahd. grffan, nhd. greifen, sbstl grif
fang, mhd. klaue (vgl. gripper). Auch oberitalische mundarten besitzen
das wort: piem. gri£ com. grif, sgrif kralle, dsgl. chw. grifla; vielleicht
ist es auch im it. grifo rüssd enthalten. Dagegen it. griffo, grifone,
sp. grifo, pr. grifö, fr. griffon vogel greif, vom lat. gryphus, woraus das
fr. vb. griffer, da die andern sprachen es nicht entwickelt haben, scJiwer-
lich abgeleitet ward. Zu erwähnen ist auch it. grifagno, aitfr. gri-
faigne, das wenigstens nicht in letzterer spräche räuberisch, sondern etwa
bösartig oder bedrohlich heißt: gent grifaigne Antioch. I, 68; Charte ä
la barbe grifaigne Hol. p. XL VI; montaigne griffaigne Ben. I, p. 13.
Grignon fr. kruste des brotes, wo es am besten ausgebacken ist,
norm, einfach grigne, pic. grignette. Neupr. grignoun bedeutet kern der
traubenbeere, der birne cet., demnächst konnte man den harten spröden
theil der rinde ihren kern nennen. Grignon aber ist weder vom lat. ringi
noch vom dtschen rinde oder grind, es ist abgeleitet von grannm kern und
steht für greignon (aitfr. greignaille kennt Boquef.) oder graignon, wie
chignon für chaignon, barguigner für bargaigner. Vb. grignoter an etwas
nagen, langsam daran kauen.
Grigou fr. armer schlucker, dsgl. hnauser. Es gibt einige worter
der endung ou, welche personen bezeichnen und eine üble bedeutung haben:
außer grigou auch cagou schmutzkittel, filon (s. das.), loupgaron (s. das.).
Im letzleren steckt unzweifelhaft das deutsche wolf (olf, ulf) und in vielen
Personennamen hat es dieselbe abkürzung erfahren (Arn-ou, Far-ou, Marc-ou
ed.). Mit gutem gründe, was den letzten theil unseres Wortes betrifft, er-
IL c. GRIM-GROUILLER 605
klärt es daher Menage durch graec-nlfag, wobei der erste, der eigentlich
träger des begriffes, nickt befriedigend gelöst scheint, denn nicht als hunger-
leider waren die Griechen im mittelalter verrufen. Auch cagou und, wie
wir wissen, filou sind dunkel.
Grim pr. betrübt, grima betrubnis, grimar sich betrüben; vom ahd.
grim wüthend, grimmig, mit ähnlichem Übergang der bedeutung wie bei
gram, s. gramo L, dsgl. grima II. a.
Grimoire fr. (m.) Stauberbuch um geister zu beschwören, auch un-
verständliche rede oder schrifl. Verläßt man den buchstdben nicht, so
geräth man auf altn. grima larve, auch na/me für eine Zauberin, ags.
grima larve, gespenst, grimoire wäre gespensterbuch, gebildet nach ex6-
cntoire, monitoire u. dgl. Auch andre Wörter der nordischen mythologie,
wie cauchemar, loupgarou, truiller, besitzt das frans. Aber vielleicht ist
grimoire ein wort späterer zeit. Ginin, Recriat. phü. I, 113. 123, weist
aus Bauduin von Sebourg (14. jh.) gramare in der bed. von grimoire nach
und halt beide für entstellungen aus grammaire (grammatik d. i. lateini-
sche spräche): selbst in diesem falle müßte man die zurückführung unseres
Wortes auf eine deutsche würzet anerkennen, denn nicht ohne grund würde
man gram in grim abgeändert haben. Doch ist nicht zu Übersehen, daß
dieses gramaire, wie RMont. p. 300 geschrieben steht, ein mascülin ist.
Le Duchat denkt sich dasselbe mit vorgesetztem g aus rime entstanden,
denn die beschwörungsformeln waren gereimt; man sehe die aus erdichteten
Wörtern zusammengesetzte bei Rutebeuf II, 85. Vgl. auch LittrS, Eist,
de la langue frang. I, 62.
Grimper fr. Tdettern; vom ahd. klimban = nhd. klimmen, wenn
nicht, mit einer freilich seltenen einschiebung, vom ndl. grijpen (greifen),
wozu das norm, wällon. griper = grimper passen würde. S. Grandgagnage.
Grincer fr., grincher pic. knirschen; vom gleichbed. ahd. gremizön
= ags. grimetan, nicht von gremisön wüthen, wozu die pic. form schlecht
stimmen würde. Vgl. it. gricciare II. a.
Gripp er fr. ergreifen; ist das goth. greipan, altn. grlpa, ndl. grijpen
= ahd. grifan, nhd. greifen. Daher auch lonib. grippä wegschnappen,
auch it. grippo raubschiff? aber sp. gripo heißt kau/fahrer.
Grive fr. ein vogel, drossel, cot. griva; vielleicht onomatqpöie (Mi-
nage). Hieher gehört vielleicht aus dem Donat. prov. 61* das masc. grins
€quaedam avis.
Grolle fr. (f.) Saatkrähe. Wüwohl das sufßx &cnl regelrecht nur
zu acle oder ail wird, gracnlus, gracnla zu graille (s. gracco I.)% so
darf doch, wenn man altfr. senle aus saecnlnm vergleicht, aus demselben
etymon auoA graule, grole als mundartliche Variante angenommen werden;
man sehe ähnliches unter menle. Ital. grola (in einigen wbb.), mndl. grol
KU. aus dem franz.
Grommeler fr. murmeln, watton. einfacher gronml ; dtsch. grumeln,
gramen Frisch I, 378*, engl, gmmble.
Grouiller fr. krabbeln, wimmeln, sich rühren, sich regen; vom ahd*
606 IL c. GRUAU-GÜETRE.
grubilön, ndd. grübeln wühlen, jucken (nhd. grübeln), vgl. <ütn. grufla
betappeln. Nahe liegt auch ahd. crewelön, ndl. krevelen tcimmeln, jucken;
aber die frans, form fügt sich besser in das erstere wort, das mundartl.
gravouiller (in Berry) vielleicht in das letztere.
Gm an fr. grütze, henneg. feinste Tdeie; zsgz. aus grueau = altfr.
gruel Jubin. Jongl. et trouv. p. 106, gruel aber für grutel ist vom ags.
grut, ahd. gruzf, nhd. grütze, daher auch engl, gruel, kymr. grual Hafer-
schleim. Das einfache gru Tdeie besitzt die champagn. mundart, pr. grutz
€farrum GProv. 68, neupr. grucf grütze machen.
Grnger fr. etwas hartes zerkauen {engl, gradge), ägruger klein
stoßen. Gestützt auf das gleickbed. wallon. gruzf, in Natnur greugf, er-
kennt Grandgagnage darin das ndd. grasen (ndl. graizen) zermalmen.
Gruyer fr. forstmeister, forstrichter. Wie das synonyme verdier
von viridis, so gruyer nach Ducange vom dtschen grün. Statt des letz-
teren setze man das mhd. grao viridis, als subst. pratum.
Gnaliar, galiar pr. (dreisilb.) hintergehen, daher z. b. gualiart
höhnisch? Chx. IV, 300, nicht zu verwechseln mit goliart. Es stammt
augenscheinlich von einem durch alle germanische sprachen verbreiteten
worte, dessen bedeutungen aber im goth. dval-s thöricht, ags. dvala irrthum,
dvelian, dveligan irren, ftrans.) irr machen, täuschen, ndl. dwalen irr
gehn, am besten zur prov. passen. Daß in der roman. aneignung d vor
v abfallen mußte, versteht sich, man sehe denselben fall unter guercio L
Guäder fr. sättigen (nur im part. gu6d6); vom ahd. weidön pas-
cere, woher auch wallon. waidl mit ders. bed.
Gnenille fr. lumpen, lumpenrock; nach Frisch vom flätn. qnene
wollenes ÜberMeid KU., nach andern, nebst souquenille (woher mhd. sug-
genie Wb. II. b. 219) von gonna I.
Guenipe fr. liederliches schmutziges weibsbild, vettel, dauph. ga-
nippa; wohl vom mnctt. knijpe falle, in die man geräth, vgl. mndl. knip
borädl, nhd. kneipe. E ist eingeschoben wie a in canif.
Guenon fr. affin, in den Wörterbüchern des 16. jh. meerkatze; nach
Frisch vom ahd. quenä weib% engl, queen; buchstäblich naher läge ahd.
winjä freundin, gattin. Vgl. wegen der bedeutungen it. monna affin, von
madonna dorne.
Guepe fr. ein insect; von vespa mit einmischung des ahd. wefsa,
nhd. wespe, vgl. lothr. voisse (vo = ahd. w), champ. gou£pe, in Berry gepe.
Gnerpir altfr. pr., auch gnrpir (letztere form die ausschließliche
in der Pass. Christi) aufgeben, im stich lassen, nfr. däguerpir ; vom goth
vafrpan, ahd. werfan, und was gurpir betrifft, von wurfjan. Die bed.
von gnerpir bezieht sich auf einen altdeutschen rechtsgebrauch, wornach
unter dem werfen eines halmes in den busen eines andern eine erbein-
Setzung (eine abtretung) verstanden ward. S. Ducange v. gnerpire und
Grimms Rechtsalt 122.
Guetre fr. (f.) kamasche, ohne r occit. gueto, wallon. guett, champ.
guete, piem. gheta, sard. ghetta, henneg. guetton, aber bret. gweltren;
ILc. GUEUSE— GUILE. 607
zweifelhaft, ob auch altpg. gutedra, s. Constaneio. Ursprüngl. läppen,
lumpen? vgl, das buchstäblich stimmende it. gu&ttera scheuermajfd (scheuer-
tappen?), dsgl. venez. guaterone fetzen tuch (bei Ferrari), dltfr. gaitreux
bettelhaft.
Gueuse fr. großes dreieckiges stück geschmolzenes eisen; entspricht
dem schwed. gös (welches Ihre aus dem franz. worte leitet) und hd. gans ;
im mailänd. heißt es ghisa (für gtisa?), im trientin. ghiza. Daß man an
unser gufs erinnert, läßt sich denken.
G u e u x fr., fem. gueuse, bettelhaft, schuftig, gueuser betteln, schwz.
gösen. Man vermuthet Zusammenhang mit dem dltfr. gueuse gurgel
(geuse Greg., wie geule öfters für gueule, gile für guile), so daß es
Hungerleider bedeutete. Ob nun dieses gueuse aus it. gozzo, ob auch fr.
gosier Schlund (ms gozzaja = gozzaria entstanden sei, bleibt zu bedenken.
— Fallot p. 644 hält gueux für identisch mit queux, und Gachet 274a
bemerkt aus dem 15. jh. le duc a trois gueux pour sa bouche cet. Man
könnte wegen der bedeutung coquin vergleichen, wenn dies in der (hat
aus coquus abgeleitet ist; s in gueuse und gueuser wäre aber nur aus
dem zum stamme gezogenen x (für s) zu rechtfertigen, bekanntlich ein
höchst seltener Vorgang.
Gui fr. eine pflanze, mistd. Franz. gu vertritt in einigen fällen
lat. y, drum von viscus, viscum, wiewohl sc unausgedrückt blieb; allein
pflanzennamen unterliegen einer größeren entst eilung. JlaZ. visco, vischio,
sp. visco, cat. vesc, neupr. visc.
Guiche und guige altfr. band) vornehmlich den schüd um den
hals zu hängen, mhd. schildevezel : (la guiche) quant il l'a au col DMce.
p. 185; il prant sa targe, s'ait la guiche saisie GVian. 2773 ; la guige
en est d'un bon palie roet Rol. p. 122; it. guiggia. Das schweben
zwischen ch und g setzt etwa ein ursprüngliches tc oder de voraus (vgl.
nache, nage von natica so wie precher v. praed'care, juger v. jud'care).
In dieser hinsieht würde ein wort des Casseler glossars windicas plur.
vom ahd. wintinc, womit es zugleich übersetzt ist (vgl. fasciola 'vindinca
Gl. schlettst.), genügen; nur der im franz. unübliche ausfall des n vor d
wirft einen kleinen schatten auf diese deutung. [Das später erschienene
guinche Aye ä'Av. p. 85 hat diesen schatten beseitigt] Zu windica
scheint auch das mundartl. s'aguincher sich schmücken (mit bändern) zu
gehören, s. Saübinet Vocab. remois.
Guichet fr. Meiner e thüre in einer größeren, dltfr. wiket Trist. II,
101 und guischet mit eingeschobenem s, daher pr. guisquet; vom dltn.
vik Schlupfwinkel ags. vio. Engl, wicket, ndl. winket sind aus dem
romanischen. Hierzu Dieferibachs Goth. wb. I, 139.
Guile altfr., pr. guila und masc. guil trug, spott, tücke, altfr.
guiler, wiler, pr. gnilar hintergehen, foppen, daher engl, beguile ; vom ags.
vile, engl, wile, gleichbed. mit dem vornan. Substantiv. Man schrieb auch
11 für % aber der reim (z. b. guille : evangille) zeigt, daß dies kein er-
weichtes 11 sein kann, was für die äymologie nicht gleichgültig ist; das
608 II. c GUILEE-HAILLON.
limous. guiliä, und das pg. subst. guilha sind entweder aus guila entstellt
oder andrer Herkunft, etwa vom ndd. wigelen, ags. viglian Zauberei
treiben, oder vom altn. vigla verwirren. Diefenbach, Goth. wb. I, 186,
stellt hieher auch kymr. gwill, bret. gwil dieb.
Guiläe fr. regenschauer ; nach Frisch von unserm weile, weil er
nur eine weite dauere. Es steckt ein seltenes uns längst verlorenes deut-
sches wort in dem französischen: ahd. wasal regen, guiläe aber geformt
nach ondäe und ähnlichen. Naher rückt uns das etymon die wdtton.
form walaie für waslaie.
Guilledin fr. Wallach; vom engl, gelding dass., vb. geld verschnei-
den. Die apocope des g ist regelrecht, Rom. gramm. 1, 319.
Guimple dttfr. guimpe nfr. (f.) ein kopfschmuck der frauen (auch
der manner Antioch. 1, p. 130, turban?), dsgl. fahnchen der lanze, vb.
guimpler, z. b. bei se guimplad, €ornavü caput suutn LRs. 378; vom
ahd. wimpal theristrum, mhd. wimpel wie romanisch. Bedenklich ist sp.
grimpola schiffstcimpel, pg. grimpa Wetterfahne, da sich eingeschobenes r
hinter anlautenden gutturalen sonst nicht betreffen läßt. Auf sp. impla
Schleier (bei Berceo und im span. latein, s. Ducange) kann sowohl wimpal
wie tat. infula anspruch machen: der wegfäll des w würde sich wie in
Andalucfa aus Vandalitia, die vertauschung der labiattatde wie in colpo
aus colaphus, soplar aus sufflare erklären; doch stimmt es in seiner be-
deutung genau au guimple.
Guiiigois fr. Ungleichheit, Schiefheit; doch wohl vom dltn. king-r,
keng-r biegung, winket, durch assimilation für quingois. Kc. guingoin
erinnert an coin, aber was wäre dann die erste silbe?
Gniper cdtfr. überspinnen, wirken, daher guipure ort spitzen; vom
goth. veipan bekränzen = mhd. wifen, nhd. weifen, detn sinne nach besser
vom ahd. wfe'ban (wfe'pan), nhd. weben, subst. ahd. wgppi, mhd. wöbbe,
wßppe, nhd. gewebe. Vgl. aggueffare IL a.
Guiscart, guichard citfr., guiscos pr. scharfsinnig; vom altn.
visk-r dass.
H.
Hagard fr. (h asp.) störrig, zumal vom wilden falken gebraucht,
engl, haggard, dtsch. hagart Frisch I, 394e ; ein wort, das die franz.
Normannen aus dem oitengl. hauke, neuengl. hawk, vermittelst des ver-
schlimmernden suffixes ard (wie in busart) sich schufen, wiewohl das altn.
häk-r hitzkopf dem buchstaben nach etwas näher liegt. Raynouard findet
das franz. wort im pr. aguer wieder.
Haie fr. (asp.) hecke; vom mndl. haeghe, nndl. haag, mhd. hege
(f.) gehege, zäun. Vb. attfr. hayer einzäunen = ahd. hagan, mhd.
nhd. hegen.
Haillon fr. (asp.) lumpen; vom mhd. hadel dass., üblicher hader,
ILc. HAIR -HALLE. 609
ahd. hadara. Das erweichte 11 muß seinen grund in dl haben, das man
wie in tl (in vetalus yieil) behandelte.
HaYr fr. (asp.) hassen, älteste form hadir Alexs. 87; vom goth.
hatan mit gl. bed., oder besser wegen des ableitenden i vom ags. hatian
altfrs. hatia, alts. hetian. Sbst. dltfr. h6 Ben. gloss., vom goth. hatis,
alte, heti; abgeleitet haior und haYne, m/t. haine. Dem Provenealm ist
das wort fast fremd, er hat dafür azirar, aYrar (adirare), sbst. azir, afr;
erst den neueren mundarten ist ai j= ha'ir geläufig geworden.
Haire /r. ^osp.^ härenes gewandt in dieser form schon in dem
fragment von Vaienciennes: vom ahd. h&ra, altn. h»ra haarfilz, haar-
teppich Der Normanne besitzt auch hair fro.^ in der bed. haupthaar,
altn. ahd. här.
Haise, hese aZ#r. (asp.,) FC. TV, 21, Ren. I, 34 u. s. w., mlat.
hesia DG. v. aisantia, norm, haiset, henneg. asiau gatterthüre an bauern-
hofen oder gärten (nicht von reisern, wie Hecart v. hasiau gegen Roque-
fort bemerkt) ,mnorm. haisier wagenleiter, bask. hesia eaun. Vielleicht mit
ausgestoßenem r von hirpex ege, das auch im fr. herse aspiriertes h zeigt,
vgl. crates mit den bedd. flechte und ege. Ahd. harst liegt weiter ab.
Hait altfr. (asp.) vergnügen, haitier aufmuntern, erfreuen: sil cun-
fortad et haitad LRs. 91; esgs. dehait niedergeschlagenhext, hrankheit,
vb. dehaitier, nfr. souhait wünsch, vb. souhaiter u. a. Es findet sich
kein etymon als goth gahait, ahd. ga-heiz, besser altn. heit versprechen,
gelübde, woraus sich, wie beim lat. votum, die bed. wünsch ergeben konnte:
ä hait heißt nach wünsch, nach verlangen, souhait heimliches verlangen.
Halb ran fr. (asp.), auch albran (ebenso span.) junge wüde ente.
Die älteren etymologen sahen darin das gr. ßQivd-og name eines vogels,
esgs. alißQev&og seevogel, und schrieben daher albrent, halbrent; theils
aber ist dieses compositum im griech. nicht vorhanden, theils widerstrebt
der begriff. Das wort ist doch wohl aus dem deutschen. In frone, mund-
arten nämlich bedeutet halbran, halebrand cet. den vogel, den wir wegen
seiner kleinheit halb-ente, die Niederländer middel end nennen, anas
querquedula Nemnich I, 281: statt der ess. halb-ent mochte wohl auch
halber ent (mhd. ant masc.) wie halber ampfer gesagt werden, daher fr.
halbrent, halbran. Das adj. halbrenä 'mit gebrochenen federn (vom
fdücen) tpird andrer herkunft sein.
H&le fr. (asp.) Sonnenbrand, Sommerhitze, häler verbrennen, dorren
(den hanf). Das circumflectierte a eeigt, nach dem altfr. halle eu urthei-
len, kein ausgefallenes s an: um so besser stimmt das frone, wort eum
ndl. hael trocken, dürr KU. Aber auch das gleichbed. altfr. harte, vb.
harter, wdUon. aurler, ist nicht unerwogen eu lassen. Jedenfalls abzulehnen
ist das kymr. haul sonne, älter heul, com. houl, bret. heol, da das fr.
a keinem der cdtischen diphthonge entspricht.
Haligote, hariigote altfr. (asp.) lumpen, feteen, haligoter, hari-
goter MOar. p. 62 zerfetzen; vgl. engl, harl faser, ahd. harluf licium.
Halle fr. (asp.) bedeckter marktplate, forum venalium (Nicot),
89
610 II.c. HALLIER— HANTE.
altfr. festlicher saal, it. alla Versammlungsort für öffentliche angelegenheiten;
vom ahd. halla tempel (seltenes wort) dtts. halla, ags. heal u. dgl. über
das deutsche wort s. Diefenbaeh, Goth. wb. II, 620, Weigernd s. v.
Hallier fr. (h asp.) busch, gesträuch, hecke, engl, ballier, pic. hallo.
Die etymologen verweisen auf hallns oder halla in der L. Seil. 41, 4: aut
de ramis aut de hallis super cooperuerit, wofür aber die mehrzahl der
hss. callis (= 'siccis ramis' in einer glosse) liest. Nahe liegt hasla der
L. Bip.: in hasla h. e. in ramo.
Halot fr. (asp.) Schlupfwinkel der kaninchen; muthmaßlich vom
ahd. hol höhle, mit Verwandlung des o in a, die auch im ags. hal =
hol vorliegt. Vgl. hulotte.
Halt altfr. (asp.) auf enthalt, wohnung: il est venuz 61 halt des
hors (ors) et des lions Tarton. II, 26, nfr. halte (f.) stillstand auf dem
marsch, auch interj., it. sp. alto; vom dtschen halt festigheü, feste stütze,
vgl. allengl. hold festung Halliw., mhd. be-halt sicherer platz, fem. ahd.
halta hemmung, hindernis.
Harne au fr. (asp.) kleines dorf, altfr. pic. harn; vom goth. haims
(f.) flecken, ahd. heim wohnung.
Hampe fr. (asp.) griff einer waffe; konnte leicht aus aAd„Tianthab&
zusammengezogen werden, wie auch schon andre vermuthet haben.
Hanafat vrlt. ein maß für honig (TrSvoux); vom ndl. honig-vat,
naher cüts. hanig-fat.
Hanebane, henebane fr. (asp.) bilsenkraut; vom engl, hen-bane
d. i. hühner-tod, fr. mort aux potdes.
Hanneton fr. (asp.) maikäfer; vielleicht diminutiv vom dtschen
hahn, abgekürzt aus weiden-hahn, wie das insect mundartlich genannt
wird, Nemnich 11, 1237. Grimm, Myth. 1222 (3. ausg.), leitet es von
dem vrlt. hanne pferd, also pferdchen, welcher name vielleicht dem schroter
gebührt habe. Andre zum theil auf das summen des insectes bezogene
franz. namen sind: lothr. hurlat (Mem. de Vigneülles), in Metz heulo,
pic. hourlon oder urlon, auch bruant, champ. äquergnot, wallon. bi&e-
ä-balowe. — [Treffend unterstützt Mahn p. 79 die deutung aus hahn
mit einem englischen namen des insectes, cock-ehafer d. i. hahnkäfer.
Genin, Recreat. phil. I, 136, schneidet die aspiration ab und verweist
anneton auf altfr. ane erde, in beziehung auf eine ähnlichkeit beider thiere,
die man wahrgenommen zu haben glaubte.]
Hansacs altfr. (asp.) messen fist de hansacs desmembrer 'dwisit
cv&tris LRs. 162. Es ist das ags. handseax handmesser. Franz. han-
sart gartenmesser (in einigen wbb.) muß daraus entstellt sein.
Hanse fr. (asp.) handelsgesdlschaft, daher marchand hansä Gloss.
du droit frang. in Inst, de Loysel (Par. 1846); vom ahd. hansa schaar.
Hante altfr. (ohne aspir.) schaft der lanze, auch banste geschrie-
ben; entspringt leichter aus ames amitis, das auch im span. vorhanden
ist (s. andas 27. b), als aus hasta, altfr. gleichfalls haste, it. sp. asta.
Die etymologie ist von Menage.
II. c. HANTER-HARER. 611
Hanter fr. (asp.) oft besuchen, hantise vertrauter um gang, altfr.
auch hant e. b. hant de femme LBs. 83; daher engl, haunt, dtsch. han-
tieren [letzteres nach Weigernd von hand]. Es ist ein erst von den Nor-
mannen eingebrachtes auf das frone, gebiet beschränktes wort: altn. heimta
(von heim nach hause) einen verlorenen oder abwesenden gegenständ zu-
rück verlangen oder aufnehmen, dän. hente; bair. heimfsen heimführen
ist dasselbe. Es drückt also eine innige Zuneigung aus: servire immun-
ditiis wird darum in den Liv. d. rois p. 422 mit hanter les ordeez über-
setzt. Intransitiv bedeutet es hausen, wohnen, und erinnert unmittelbar
an seinen Ursprung von heim: les seraines en la mer hantent Brt. I,p.37.
Man leitet es sonst von habitare, oder vom deutschen hand.
H a p p e fr. (asp.) halbkreiß von eisen, krampe, happer packen ; vom
ahd. happa sichd, vb. nhd. happen.
Haras fr. (asp.) stuterei, im spätem mlat. haracinm. Das lat.
hara (koben) paßt schlecht zu dem begriffe. Ahd. hari heer, trupp, worauf
Jault verweist, ist zu allgemeiner bedeutung. Treffender wäre das long ob.
fara bei Paulus Diac. 2, 9, das er selbst cgeneratio vel linea übersetzt,
wenn man annimmt, daß es auch der fränk. mundart geläufig war, denn
anlautendes f kann in h geschwächt werden (hors, haronce, hausart).
Noch bezeichnender ist wohl das arab. faras pferd, woher auch sp. alfaraz,
s. oben II. b. Die arab. pferde, farii equi DG., waren auch im mittel-
alter sehr geschätzt; daß sie zur zucht dienten, ist nicht zu bezweifeln:
dem fremden worte aber konnte man leicht collectiven sinn aufdrücken,
wie ja auch das neupr. ego (lat. equa) die bed. von haras erfüllen muß.
Beide letztere etymologien haben nur das anstößige, daß eine altfr. form
faras, eine mlat. faracium nicht vorhanden ist.
Harasse altfr. (asp.) großer schild, der den ganzen mann deckt.
Hard, hart fr. (f., h asp.), daher pr. art Arn. Vid., wiede, sträng,
harde koppelseil, auch rudel thiere, plur. hardes Kleidungsstücke, geräth-
schaflen; abgel. harcelle weidengerte zum binden. Von ungewisser her-
kunft. Hardes erinnert einigermaßen an sp. pg. fardas und fr. fardeau,
wofür sich altfr. hardel findet Ben. I, 32. 139, dem auch die bedeutung
von hard zusteht: nn grand hardel de soie aras on col no6s Fier.
p. 79, 8.
Hardier altfr. (asp.) reizen, necken; von demselben dtschen stamme
wie hardi (s. ardire L), vgl. ndd. anharden anreizen, und den picard.
ausruf hardi um zwei kämpf er gegeneinander anzureizen, eigentl. muthigl
Harer, harier altfr. (asp.) aufreizen, drängen, ersteres noch jetzt
normannisch, daher aÜengl. to hare und to harie treiben, drängen, plagen;
von har, haro dem hülferuf, vgl. ahd. hären schreien, rufen, nicht wohl
vom ags. herian, hergian verwüsten, zerstören (plagen, s. Bouterweks
Glossar), da sich nirgends im franz. radicales e zeigt. Ganz deutlich
hängt mit jenem nothgeschrei zusammen altfr. hara ler (asp.) beunruhigen:
sonef l'apele, n'avoit son de crier charele3 er ruft leise, will ihn nicht
aufschreien Trist. I, p. 119; subst. harele aufstand, empörung. — Ein
612 ILc. HARGNE-HASCHIEBE.
neuerer philologe leitet harer, harier nebst harasser u. a. aus dUfr. har
weidenruthe, das auch peitsche bedeuten soll. Aber dieses har ist schwer-
lich eine eigne form, sondern nur eine schlechte Schreibung für hard oder
hart (s. Nicot, Bord, Roquefort) und duldet keine ableitung ohne zutritt
des ihm gebührenden dentcds. Fände es sich gereimt auf char u. dgl.,
so wäre die sacke anders.
Hargne cdtfr. Verdrießlichkeit Roq., hergne verdrießlich id., lothr.
har6gne hader, meist, nfr. hargneux (a$p.) zänkisch, norm, harigneux
störrig, vb. dttfr. hargner hadern, sanken, picard. höhnen, dsgl. hergner
sich beklagen Roq. Dazu gesellen sich noch norm. Wörter wie hargag-
neux für hargneux und harguigner für hargner. Einige der verzeich-
neten Wörter deckt das ahd. harmjan cobjurgare\ andre weder dieses hoch
etwa hader. — Man bemerke den formellen Zwiespalt zwischen hargneux
und harigneux. Die franz. spräche duldet, was die erstere form betrifft,
die combination rgn unbedenklich: Auvergne, borgne, äpargner, hergne
für hernie, lorgner; die itat. kaum: fargna für farnia. Im span. kommt
das gleichbedeutende rfi schwerlich vor: eine Variante von aleuna mit ein-
geschobenem r wird alcurnia geschrieben, nicht alcurna.
Haricot fr. (asp.) bunte bohne (pflanze oder frucht), auch ragout,
pic. haricotier Kleinhändler. Wie Genin, RScr. phil. I, 46 ff., ausein-
ander setzt, gieng die bed. cragout von klein geschnittenem hammelfleisch\
haricot de mouton, voran, auf die bohnen habe man das wort erst im
17. jh. übertragen; gebildet sei es aus aliquot, woher auch haligote (fetzen
cdtfr.). Hiernach käme dem volke, das von aliquot nichts wußte, kein
theil an der entstehung beider Wörter zu; von den gebildeten aber sollte
man denken, daß sie ein solches gemengsei lieber ein quodlibet als ein
aliquot genannt hätten.
Haridelle fr. (asp.) elendes mageres pferd, henneg. hardele, engl.
harridan, vgl. wallon. harott, norm, harin dass. Trotz dieser Varianten
ist seine herkunft nicht klar.
Haro (asp.) Zetergeschrei, besonders in der Normandie Üblich. Man
deutet es unter andern aus der interj. ha und dem namen des ersten her-
zogs Rollo, daher es sich zuweilen harol geschrieben findet: es sollte einen
an diesen fürsten gerichteten hülferuf ausdrücken. Abgesehen jedoch von
der in der sache liegenden Unschicklichkeit eines solchen Ursprungs wäre
auch die interj. ha hier am unrechten orte. Die ahd. spräche bietet hera
und hara, dsgl. herot, cdts. herod s. v. a. lat. huc, und aus letzterer form
würde sich nicht eillein haro, sondern auch das alte vb. haroder zeter
schreien buchstäblich erMären, so wie aus der einfachen form die zss.
harloup, harlevrier. Die bedeutung von haro wäre also die dem begriffe
des Zetergeschreies zukommende 'hieher! herbei!* harou, harou! k l'ors!
hieher! auf den baren!
Haschiere altfr. (asp.) strafe, pein; vom gleichbed. ahd. härm-
scara eigentl. schmerztheil; mlat. zsgz. hascaria, altcat. aliscara. Selbst
das bekannte altfr. haschie könnte, wie schon Ducange vermuthet, aus
ILc. HASE-HAVIR. 613
haschiere abgekürzt sein; es aus dem vb. hacher herzuleiten, verwehrt die
pic. form haskie.
Hase fr. (asp.) toeibchen des hosen]; vom ahd. haso, wozu aber ein
fem. hasä fehlt Norm, heri hose, vom altn. heri, nach Du Merü.
H&te fr. (asp.) für haste eile, häter beschleunigen, adj. hätif, pr.
astiu, aUü. adv. astivamente; vom aUfries. hast, nord. hastr eüe, vb.
hasta, mnd. hasten etfen.
Haterel afl/r. (Vup.J genick, nacken, auch hasterei (jenes in den
ältesten werken), noch jetzt pic. hatereau, wallon. hatrai. Man leite es
getrost von dem ganz gleichbed. ahd. halsädara, mhd. halsäder, woraus
halster-el halterei haterel und mit zurückgerufenem s hasterei werden
konnte: auch in contraindre, pr. contraigner, fiel s zwischen liquida und
t schon in ältester zeit aus, vgl. auch it. poltro aus polster. — [Gachet
gibt daneben das tat hasta zu erwägen, woraus norm, hatel scheu, welcher
bedeutung die des rückgrates oder des genickes als gipfel des rumpfes
nahe liege, was sehr gekünstelt aussieht.]
Hau bans fr. (masc.pl., asp.), alt hobencs taue zur befestigung des
mastes; vom altn. höfadbendur (fem. pl.) dass. Mndl. sagte man hobant
für hoofdband (Hoffmanns Hör. belg. V, 105). Es wäre also besser
hobans zu schreiben. Vom ndl. raa-band aber ist fr. raban.
Haut fr. (asp.) hoch, altfr. halt, hault; vom last, altus mit vorge-
setzter aspirata, was sonst kaum begegnet und aus einfluß des nord. hä
oder ahd. hoch erklärt zu werden pflegt. GSnin, Variat. de la lang. fr.
p. 61, lehrt, haut sei zur zeit Franz I. (1516—47) noch nicht aspiriert
worden; Bouüle, Differ. vulg. ling. 1533 p. 62, muß sich also verhört
haben, wenn er sagt: hault ab alto, sed vulgus eam aspirat Oder meint
jener die spräche des hofes?
Hautbois fr. (asp.) ein blasinstrument, welches hoch geht, buch-
stäblich hochholz.
Have fr. (asp.) mager und bleich; vom gr. atog, avog trocken,
meint Minage, vom engl, heavy Frisch. Die aspiration spricht auch hier
für ein deutsches wort, aber nicht für das logisch wenig passende heavy,
sondern für das ags. hasva trocken, bleich, das nach Grimm P, 422 auch
in einem mhd. heswe vorhanden ist.
Haver äUfr. (asp.) an sich ziehen; wohl vom ahd. haben, engl, to
have cet. in der bed. halten, fassen. Desselben Stammes ist fr. havet
haken, entweder aus dem sbst. habä {vgl. hant-habä), oder besser, wie
Grandgagnage wiU, aus haft fessel, mit anbüdung an das fr. suffix et,
wie auch wallon. haveter von haften heften.
Haveron, havron, averon fr. wilder hafer (Triv. u. HScart); vom
ahd. habaro, oder richtiger, da h stumm ist und auch aveneron vorkommt,
von avena.
Ha vir fr. (asp.) versengen; vom ahd. heiSn brennen (woher unser
nhd. hei-rauch): ei d. i. ai ward regelrecht zu a, und. v setzte maniein,
um den Malus zu beseitigen oder um das wort von haYr zu unterscheiden.
614 II.c HAVRE-HEESE.
s
Havre fr. (m., asp.J, alt havene, havle, hable portiis marüimus;
unmittelbar vom ags. hälfen, altn. höfh.
Havresac fr. (asp.) tornister; vom (tischen habersack, van den
fuhrleuten zu den kriegsleuten übergegangen.
H6 fr. in h61as; entsprictd, da h ein stummes zeichen ist, eher dem
lat. klagelaute ai (at) als dem dtschen ha oder hei; pr. ailas.
Heingre alt fr., wallon. hink schmächtig: heingre ont le cors e
graisle Rol. p. 148, norm, haingre schwächlich, kränklich; von aeger mit
eingeschobenem n. Zsgs. nfr. malingre kränklich, piem.mail. malingher,
wohl auch durch Umstellung altfr. norm, mingrelin, it. mingherlino.
Dahin ferner altfr. engrot krankhext Brt. I, 101, engrotö krank I, 363,
eine gleichfalls rhinistische form von aegrotus.
Haler un navire fr. (asp.) ein schiff anrufen; vom engl, to hail a
ship ihm heil zurufen, ndd. anhalen.
Helle quin altfr. (asp.), auchneupr., eine geister er scheinung, geister-
kämpf, wilder Jäger, s. Carpentier (daher Dante's teufdsname Alichino
Inf. 21, 118?). Vom deutschen helle (hotte), dimin. ndl. helleken, helle-
ktn, persönlich aufgefaßt, vermuthet Grimm Mythol. 894, vgl. Simrocks
Mythol. 199, 6. ausg.
Hendure altfr. (asp.) degengriff RCam. p. 19, adj. hendö mit
einem griff versehen: esp6e qui de fin or estoithendäe G. dePoit. p.34;
vom altn. henda ergreifen. — [Aber Gachet p. 387b vermuthet nicht ohne
grund heudure cet., zu helt (s. elsa II. a) gehörig.]
Herde altfr. (asp.), pic. herde (ohne asp.), alticallon. hierde rudd
wild, überh. herde: domini gregem durch herde nostre signor übersetzt
FC. I, 43; vom ahd. herta, goth. hairda. Altfr. herdier, champ. hairdi
Tarbe I, 161 hirt, kuhhirt, ndl. herder, mhd. hertaere.
Here fr. (asp.) in der Verbindung pauvre höre unbedeutender mensch;
kein altes wort, vom nhd. herr oder ndl. heer. La Fontaine 1, 5 braucht
es auch ohne adjectiv.
Herp6 fr. (asp.) mit nebenklauen versehen, wenn von künden die
rede ist (Trevoux); ohne zweifei für harp6 von harpe, pr. arpa klaue.
Vb. norm, herper ergreifen, packen.
Herse fr. (f., asp.) ege, richtiger altfr. herce, mlat. erptia, hercia,
von hirpex hirpicis, it. erpice, neupr. erpi, lothr. erpe; vb. fr. herser/2r
hercer egen. In zweiter bedeutung ist herse eine ort candelaber, weil er
ähnlichkeit mit einer ege hat (DC): inachina illa ferrea, quae vulgo
cerzaJ vocatur Statut, cluniac. Dieses erza lautet pg. e$a und heißt cata-
falk, der gleichfalls mit kerzen geschmückt ist (fehlt Span.). Nach form
und bedeutung entspricht den roman. Wörtern aber auch engl, hearse grab-
gerüst, ags. hersta, ahd. harsta rost, scheiterhaufe. — Ein diminutiv von
hercer ist altfr. herceler (asp.), nfr. harceler (vgl. harce für herce noch
bei Nicot) einen bis zur peinigung reizen, denn die zahne der ege peinigen
den erdboden. Nach Genin freilich von harcelle, aber eine bindweide
wäre ein schlecht gewähltes reiz- oder peinigungsmittel. Eine schlagende
ILc. HERUPE— HOBEE. 615
parallele für die gegebene etymologie ist das engl, to harrow 1) egen}
2) peinigen.
Herupä und hnrepä ältfr. u. nach norm, (asp.) struppig von haar,
zottig, letztere form z. b. LBs. 345, wo villosns mit hurepez übersetzt
taird. Die herleitung aus dem bei Apulejus vorkommenden horripilare
ist abzuweisen. Das wort verräth einen deutschen anlaut hr und mahnt
an ags. hriöpan pflücken, zupfen: ein ahd. hrupfan wäre ihm vollkommen
gerecht.
H6taudeau, hestaudeau altfr. (asp.) junger kapaun; dimin. vom
ahd. hagastalt cadebs, tiro, nüat. haistaldus. Andere schreiben estaudeau,
aber noch Beza aspiriert den anlaut. Nach Ducange nannte man jene
thiere so, weil sie von den haistaldis d. i. colonis gefuttert würden ; es ist
aber vielmehr eine scherzhafte Übertragung menschlicher auf thierische
zustände, der h&aadeau wird als ein zum cölibat bestimmtes thier auf-
gefaßt. Vermöge einer ahnlichen Übertragung bedeutet unser deutsches
mönch ein verschnittenes thier, mönchen verschneiden.
Hätre fr. (m., asp.) buche; vom ndl. heester, heister stände, ndd.
hester junge buche, nhd. heister, s. Grimms Rechtsalt. p. 106.
Hibou fr. (asp.) uhu; naturausdruck vom geschrei des vogels, ältfr.
auch houpi, vgl. Schweiz, hibuchen keichen. •
Hide und hisde altfr. (f., asp.) schrecken, grauen, hideur, hisdeur
dass., hideux, hisdeux (ersteres auch neufr.) schrecklich, gräulich, z. b.
la forfes estoit hisdouse et fa6e der wald war grauenvoll und gefeit
Tarton. 1, p. 18. Ein mittdfranz. verbum enhider verzeichnet Monnarä.
Ist hisdeux etwa von hispidosus rauh (in einigen ausgaben des Catull)
und ist hieraus das subst. hisde abgezogen? Die Seltenheit eines solchen
Vorganges ist ein geringeres hindernis als die altfr. Schreibung, die eher
auf eine ursprüngliche form hid als auf hisd schließen läßt. Vielleicht
hat das wort in dem von Seiten des begriffes genau zutreffenden ahd.
£gidl <horror seine quelle: aus egidt konnte eide, und da dem Franzosen
ei oft zu i wird (Rom. gramm. I, 423), ide entstehen; hegidt aber wäre
eine aspirierte nebenform wie heber für eber, heigan für eigan, hüz für
flz. Diese prothesis ist besonders in der fränkischen mundart häufig und
kommt z. b. in dem aus demselben stamme gebildeten eigennamen Hegisher
vor, s. Forstemanns Namenbuch, Pfeiffers Forschung auf dem gebiet d. d.
alterth. 2, 6.
Hie altfr. (asp.) gewalt, nachdruck; vom ndl. hijgen streben, keichen,
ags. hige, hyge eifer, vb. higan, engl. hie. Das nfr. hie ramme, stampfe
muß dasselbe wort sein; auch ndl. heijen rammen scheint nur ein um-
geformtes hijgen.
Hillot diener, bei Marot; /wr fillot, im bearn. dialect, wo auch hils
für fils gilt. S. Nodier Exam. crit.
Hob er altfr. (obier Og. 6796\ sich rühren, seine stelle verlassen.
Celtisch? vgl. kymr. ob das weggehen; altn. hopa weichen hätte houper
(mit asp. h) erzeugen müssen, doch aspiriert Palsgrave.
616 ILc. HOBIN— HOUBLON.
Hob in attfr. (asp.) zdter, daher entlehnt it. ubino; vom engl.
hobby kleine ort pferde, Klepper (dän. hoppe stute), dsgl. kleine ort
habichte. Abgd. attengl. hobeler der einen Klepper reitet, fr. hobereau
(h asp.) landjunker, auch lerchenfcdk, mlat. hobellarius, hoberarius, vgl.
dieselbe begriffsverbindung im sp. tagarote geringer falk, armer eddmann,
8. Covarruvias.
Hoc attfr. pic., hoquet (h asp.) haken, vb. hoquer, ahoquer an den
haken hängen; vom ags. hoc, engl, hook, ndl. hoek (m.) haken, winket,
ecke (kymr. hwca etwas gekrümmtesj, nicht vom deutschen haken. Das
neufr. fem. ho che (asp.) kerbe, einschnitt mag eben daher stammen: dtifr.
broc und broche, croc und croche zeigen die nämliche ort der Wortbil-
dung. Span, hneca stimmt zu hoche nach form und begriff: es ist au
trennen von hueco IL b.?
Hoche attfr. (asp.) langes gewand; vom mndl. hoieke, fries. hokke
mantd, capuze, s. Richthofen; die kymr. spräche hat hug (tu letzterem
stellt Diefenbach, Orig. europ. 246, das mundartlich fr. huque, sächs. hfike).
Hocher fr. (asp.) schütteln; zusammenhängend mit dem gleichbed.
ndl. hotsen, huteen, tcallon. hossf.
Hogner fr. (ohne asp., picard. mit asp.) brummen, murren. Gleich-
bed. ist hd. hummen, engl, hum, nord. hnmma: hogner könnte einem
ahd. hnmjan oder nord. humja entstammen.
Hogue norm, (m.f.) hügd, nur in Ortsnamen, in späterem mkttein
hoga, hogum, attfr. mit palatcdem g hoge (f. asp.) hügel, auch grabhügd
LRs. 127; vom aÜn. haug-r (m.) gleichfalls hügel, grabhügd, ahd. höht
(f.) hohe u. dgl. Dasselbe wort scheint augue Agol. v. 36, vgl. Fattot p. 506.
Homard fr. (asp.) seekrebs; vom schwed. hummer, das dem lat.
cammarus entspricht.
Hoquet fr. (asp.) der schluchzen; naturausdruck, vgl. tcallon. hik&tt,
bret. hak, hfk, engl, hiecough, hickup.
Horde attfr. (asp.) schranke, horder schützen, nfr. honrder grob
übertünchen; vom ahd. hurt, nhd. hürde.
Höre, vieille höre norm. Schimpfwort für ein altes weib, s. Manage,
daher auch hourier, houriöre bei Garpentier; vom ahd. hörä, huora me-
retrix, huorari scortcUor.
Horion fr. (asp.) derber schlag auf köpf oder schütter (z. b. mit
einem prügd : sy Ten donray ou cief ung si grant horion GhOyg. v. 1189),
attfr. norm, auch krankheit, norm, horgne in erster bed., horique (f.) in
letzterer, vb. lothr. hörte prügeln. Menage' s deutung aus dem seltenen
oreillon schlag auf das ohr (orillon faustschlag Gayd. p. 244) hat etwas
empfehlendes, aber das aspirierte h und der in der Schriftsprache wohl
kaum vorkommende ausfatt des erweichten 1 machen es wünschenswert,
nach einem andern etymon zu forschen.
Hotte fr. (asp.) tragkorb; vom Schweiz, hatte dass., oder hd. hotze
wiege, bei Frisch I, 471*.
Houblon fr. (asp.) hopfen. Aus dem gleichbed. ndl. hop entstand
ILc. HOUE-HU. 617
das altwallon. hubillon, hieraus erklärt sich das franz. wort. So Qrand-
gagnage; doch wird man houblon besser in houb-el-on zerlegen, wie auch
noch Nicot schreibt, da sich houbillon nicht ohne härte in houblon zu-
sammenziehen würde. Mlat. humlo findet sich schon beim h. Adhalard,
es ist das mndl. hommel, altn. humall: daraus hätte fr. houmblon, schwer-
lich houblon werden können, da diese spräche die Verbindung mbl liebt,
nicht meidet.
Houe und hoyau fr. (asp.) haue, vb. houer, henn. hauwer aufhauen;
vom ahd. houwä, houwan.
Houille fr. (asp.) lütticher Steinkohle, wallon. hoie, im spätem
mlat. hulla, auch sp. hulla ; gewiß ein uraltes locäles wort, dessen herkunft
schwer zu ergründen sein mochte. Frisch erkennt darin ein nds. hüllen.
— [Später hat Schder seinen Ursprung im deutschen kohle vermuthet,
Atzler mit besserem gründe, wie es scheint, im deutschen schölle, ahd.
skolla, vgl. dieselbe behandlung des anlautes im wall, hale vom lat. scala.
Darf man ein älteres skolja zu gründe legen, so rückt das rom. wort dem
deutschen noch näher: skolja, altwall, hoille (?), fr. houille.
Houle altfr. (asp.) kochtopf; vom lat. olla, sp. olla, woherm auch
ahd. ula.
Houle altfr. bordeU (en la taverne ou en houle FG. III, 283),
holier, houlier besucher der houle oder = bret. houlier kuppler? Daher
auch alt engl, holard liederlicher geselle, altfr. holerie Roq. Ist houle
identisch mit dem vorigen und bedeutete es eigentl. garküche, demnächst
liederlicher ort? Aber passender scheint ahd. holl (f.), altn. hola, engl.
hole, hhd. höhle, ganz unpassend Ducange's herleitung aus houille kohlen-
gröber, s. v. hullae.
Houpäe fr. (asp.) das aufsteigen einer welle; vom ags. hoppan,
ahd. hupfan hüpfen?
Houppe fr. (asp.) quaste, troddel; vermuthlich vom ndl. hoppe (f.)
hopfen, wegen seiner kugelförmigen schuppichten blumendecke. Dazu
scheint auch sp. hopo wollichter schweif der thiere zu passen.
Houspiller fr. (asp.) einen zerren oder auch mit Worten mis-
handdn; wird durch Zerlegung in hous-piller nicht deutlicher und setieint
eher eine ableitung, etwa aus ags. hyspan verspotten, verhöhnen. [Eine
plausible auf Zusammensetzung gegründete erUärung hat später Littre
gegeben. Das wort hat seinen Ursprung in einem altfr. houce-pigner
(houce rock, pigner auskämmen), demnächst housse-piller einen am rock
packen (bei Roq.), ihn quälen.]
Housse fr. (asp.) Satteldecke; vom ahd. hülst, hulft mit gl. bed.,
ndat. hulcia, hulcitum.
Houx fr. (asp.) Stechpalme; vom ahd. hulis ruscum, ndd. hülse,
ndl. hülst. Daher houssoir Staubbesen (aus zweigen von houx), housser
kehren, houssine gerte.
Hu altfr. ausruf zum höhnen oder scheuchen, huer hinter einem her
schreien, huard schreier, huette eule, norm, huant dass. (alle asp.). Hu
618 ILc. HUCHE-HUVET.
scheint naturausdruck, der auch in dem gleichbed. bret. hü und dem kymr.
zeterschrei hw begegnet, aber auch dem deutschen gebiete nickt fremd ist,
z. b. ahd. hüwo eide, woraus vielleicht huette unmitelbar abgeleitet ward.
Huch|e fr. (asp.) hasten, mehlkasten, daher wohl sp. altpg. hucha
nebst bask. ucha (s. Humboldts Verzeichnis). Da man altfr. auch huge
schrieb, so passen beide formen zu dem mlat. hutica wie nfr. nache und
altfr. nage zu natica, d. h. hutica wird durch die franz. doppelform be-
stätigt Hängt dies letztere nun mit unserm hütte oder hotte zusammen?
Aus hnche oder hutica ist engl, hutch kästen, trog, worin andre das ags.
hväcce büchse, lade erkennen, s. darüber E. Müller.
Hu eher fr. (asp.), pr. uchar mit lauter stimme zurufen. Daß
hucher aus hucar entstand, beweist auch das pr. ucar, pic. huquer, piem.
uche, vgl. mlat. qui ad ipsos huecos cueurrerunt Form. Sirm. num. 30.
Das offenbar an lat. huc erinnernde wort ist weit verbreitet: mndi. huue
Huydecoper zu Stoke I, 382, kymr. hwchw, serb. uka. Von hucher ist
huchet jägerhorn. Anzumerken ist auch norm, houter, henneg. hutier,
vgl. engl* hoot, mhd. hiuzen schreien.
Jlultre fr. auster; von ostrea, sp. ostra, ü. östrica.
Hulotte de lapin fr. (asp.) kaninchenhöhle; vom ahd. holt hohle,
aber nach einer älteren form mit radicalem u wie im mhd. hüle.
Humer fr., pic. heumer (asp.) schlürfen, naturausdruck?
Hüne fr. (asp.) mastkorb, daher sp. huna; vom altn. hün (m.) mit
gl. bed., mndl. hüne.
Hure fr. (asp.) struppiges haar, dsgl. wüdschweinskopf, altfr. grant
fu la hure qui sor les ex li pent, die dem wilden schwein über die äugen
hängt, Aubery p. 64; la hure abati er hieb den haarigen theä (von dem
haupte des erzbischofs) herab TCant. p. 150. In der alten spräche be-
zeichnet es auch, wie im mniederl. (s. Glignetts bydragen p. 222) die
schnauze des wolfes oder löwen u. a. thiere, daher altsp. hura Cane. de B.
(nsp. hura heißt geschwür am köpfe), altengl. hure HdUiw. Das wort
scheint aus den nördlichen provinzen gekommen: man findet la gent barbae
et ahurie Rob. le diable E. III*. col. 1 (nfr. ahurir bestürzt machen),
norm. hur6 struppig, henn. hur6e rauh aufgeworfenes erdreich. Schweiz.
huwel (ahd. hiuwila) heißt ohreide und mit hinsieht auf das rauhe ge-
fieder ihres köpf es wird auch ein mensch mit struppigem haar so genannt
(Stälder), im Rom. de la rose steht (nach Le Duchat): le huon (uku)
avec sa grant hure. Sollte hure nun verderbt sein aus hule = huwel,
wie altfr. mure aus mule (lat. mula), navire aus navile? Frisch I, 478*
verzeichnet hürru eine eüle. Was das nfr. ahurir betrifft, so hat das
ahd. un-hiur, un-hiuri schrecklich (ungeheuer) gewiß nähere ansprüehe
und selbst bei dem sbst. hure ist dieser Ursprung zu bedenken.
Hütte fr. (asp.) tugurium, sp. huta; vom ahd. hutta.
Huvet altfr. (asp.) mitra; vom ahd. hüba, altn. hfifa.
II.c. ILÜEC— JALE. 619
I. J.
Iluec, ilueques altfr. ortsadverb1 von illoc, pt'c. ilo; zsgs. icilec, cilec.
Isanbrun altfr. pr. ein stoff von brauner oder schwärzlicher färbe
z. b. für Überkleider: noires chapes d'isanbrun, en cels a dou noir et
dn brun Bibl. Guiot 1618; desus les altres dras out d'isebrun mantel
TCant. p. 166; clerici poterunt habere cappas de ysembruno DG, vgl.
P. Meyer zu Flam. p. 343. Auf dieses wort darf man einigen werth
legen als eins der wenigen germanischen, welche die einheimische litteratur
nicht kennt: eisenfarb, eisengrau hat sie, nicht eisenbraun. Auch mit
bruneta, brunetta, mhd. brunft, bezeichnete man einen dunkelfarbigen stoff.
Ein verwandter tuchname ist pr. altfr. galabrun, galebrun, mfarf.gala-
brunum, in welcher Zusammensetzung das erste wort noch zu bedenken bleibt.
Isard occit., cat. isart und sicart eine art gemsen; nach Salmasius
vom gr. l'^akog, einem beiwort der gemse; sehr zweifelhaft.
Iserna pr. eiche GO. Ist das wort richtig, so darf an eine ab-
leitung ilic-erna für ilicea, nach dem muster von quer-na und acer-na,
worin man erna für das suffix nahm, gedacht werden.
Jabot fr. kröpf der vögel, jaboter murren, brummen. Menage be-
müht sich es aus dem unvorhandenen capus behältnis, woher capulus, zu
leiten. Einfacher nimmt man jabot für gibot, wie jaloux für geloux,
altfr. jaläe für gel6e stehn, und so entspringt es aus gibba buckd. Ebenso
heißt unser kröpf ursprüngl. etwas aufgetriebenes, geschwollenes, ahd. eine
blase, lvesicula\
Jachere fr. brachfeld, alt gachiere, gaschi&re, pic. gaqui&re, ghes-
quiere, auch garqui&re Gl. de Lille 15 (35), mlat. gascaria (12. jh.). Wo-
her? Man hat vacaria dafür aufgestellt, vom lat. vacare, also müßig
liegendes fdd, aber läßt sich fr. j so leicht auf lat. v zurückleiten ? über-
dies scheint s kein bloßer einschtd). Auch die celtischen sprachen, worin
man das wort zunächst sucht, verweigern es.
Jadis franz. partikel; erklärt sich aus jamdiu wie tandis aus tam-
diu, pr. tandius. Das Vorhandensein eines einfachen rom. diu wird durch
das churw. gig (vgl. gi aus dies) bezeugt.
Jaillir fr. hervorsprudeln; nach Mtnage für jailler von jaculari
schleudern (oder von ejaculari z. b. aquaß), was grammatisch möglich ist;
vgl. oben bondir. Es findet sich überdies ein altfr anz. wohl nur der pi-
cardischen mundart angehöriges vb. galir (nicht gaillir) springen, fort-
springen, z. b. des lanches sunt li trons encontre mont gali DMce.
p. 161; la lanche hors des poins li gali Gaufr. p. 191; welches sich nicht
auf jaculari zurückführen läßt, eher auf unser wallen sprudeln, eine
nebenform walir würde entscheiden.
Jale fr. großer kübel das mehl zu messen, mulde für den wein;
dsgl. altfr. jalon, galon getreidemaß (mlat. galo, galetus), henneg. galot
620 ILc. JANGLER-JARS.
Joanne und andre büdungen. Die etymologen verweisen auf gaulas trink-
geschirr, eimer, aber betontes au verflacht sich schwerlich in a; oder auf
das nhd. schale, welches wenigstens ein fr. chale verlangt Neben jale
bemerkt man noch ein synon. cdtfr. jaille (Ducange v. galo), buchstäblich
das lat. galea heim, dessen diminutiv galeola ein vertieftes geschirr be-
deutet. Aber für die vorher erwähnten Wörter ohne erweichtes 1 ist dieses
etymon nicht tauglich.
Jan gl er cdtfr., pr. janglar klaffen, klatschen, spotten, altfr. jangle,
pr. jangla gehlatsch, Spötterei. Welcher herkunft janglar auch sein mag,
sicher ist, daß die prov. mundart, welche die ursprünglichen formen ge-
wöhnlich besser wiedergibt als die franz., die in diesem werte und in
joglar oder Jongleur vorhandenen stamme rein von einander scheidet und
eben so wenig die bedeutungen mischt. Eine bloß modificierte ausspräche
von joglar konnte etwa nebenformen dieses und der dazu gehörigen Wörter
erzeugen, aber in jangla, janglar, janglador, janglaria, janglos, jangluelh
cet. erkennt man einen reich wuchernden stamm, dem der andre an frucht-
barkeit bei weitem nicht gleich kommt. Italien und Spanien kennen ihn
nicht, um so mehr wird man auf Deutschland verwiesen. Ndd. ndl.
janken, jangeln heißt bellen, belfern, keifen (KU.): daß dies an klatschen
gränet, ist an und für sich Mar, man kann sich dazu auf die bedeutun-
gen des pr. glatir berufen LB. III, 474. Aber nicht zu übersehen ist,
daß auch janglar vom hunde gebraucht wird: cas non pot layrar ni
japar ni jangolar, welcher gebrauch im neuprov. fortdauert, s. Honnorat.
Vgl. übrigens engl, jangle und jingle bei E. Müller.
Jante fr. (f.) feige d. i. eins der krummen stücke des radkreißes.
Die älteren etymologen leiten es von canthus (xav&og) eiserner reifen um
das ganze des radkreißes, was sich von seilen der bedeutung nicht em-
pfiehlt; die (Abweichung im genus wäre kein entscheidender einwand. Es
bietet sich indessen ein anderes etymon dar. Die Flor, und IAndenbr.
glossen haben camites vel canti 'felga. Gegen canthus haben wir bereits
ein bedenken erhoben, cames oder camis camitis aber kann ein vorroma-
nisches aus der würzet cam krumm (s. darüber gamba I.J geformtes wort
sein, und wie jambe aus camba, so konnte jante aus dem wurzelverwandten
camitem entspringen, ja vielleicht ist das wallon. chame (feige) nickt aus
chambe = pg. camba (gleichfalls fdge) entstanden, sondern nichts anderes
als die nominativform cames. [Hierzu ein erschöpfender artikel von
Diefenbach, Orig. europ. p. 268, welcher in dem bemerkten mlat. camit
das gleichbed. bret. cammed (f.), mit anderem suffix kymr. cammog erkennt^
Jars fr. gänserich. Das pic. gars (Gloss. de Lille 13 [31] ancer
cgart* lies gars), daher bret. garz (welches bietet aus sanskr. värata ent-
springen läßt, Ztschr. f. vergl. sprachf. IV, 127) zeugt mit ziemlicher
Sicherheit für den anlaut g als den älteren. Der auslaul s sieht zweifel-
hafter aus, da häufig auch jar geschrieben wird; so schreibt auch Nicet,
der aber auch sonst den verstummenden consonanten unterdrückt. Menage
kennt sogar ein mundarfl. vb. jargauder sich paaren (vom gänserich),
ILc. JASER-JUC. 621
woraus man auf ein subst. jarg, jarg-s schließen könnte. Die etymologie
ist nicht gerne sicher. Das van Gachet 41* verglichene com. yar €gattina\
wozu Zeuß II, 1114 bret. kymr. iar citiert, hat von Seiten des begriffes
die doppelte unähnlichkeit mit jars, daß es einen sehr verschiedenen vogel
und diesen im entgegengesetzten geschlechte bedeutet. Muthmaßlich enthält
das wort ein merkmal des männlichen thieres (das weibliche heißt oie).
Altnord, ist gassi gänserich und schnatterer (s. den folg. artikd): daraus
kann es durch einmischung von garire entstanden sein, denn der gänserich
schnattert, die gans 'dattert', der gänserich schreit heftig, wenn man ihn
festhält, die gans nicht (Krünitzens Encycl.). Nach dem engl. vb. jar
scheuen, schnattern eu schließen scheint selbst ein fr. jarrir für garrir,
stattgefunden au haben.
Jas er fr., alt gaser, pr. gasar schwatzen. Da diepicard. mundart
gleichfalls jaser, nicht jacher spricht, so kann das wort nicht von unserm
gagzen oder gatzen herstammen, wohl aber vom nord. gassi schnatterer,
eigentl. gänserich, vgl. bair. g&nseln plaudern. (Hieeu eine bemerkung
von Diefenbach, Orig. europ. p. 349.) Le Duchat leitet jaser aus dem
it. gazza dster, aber theils fehlt dem Italiener selbst das vb. gazzare, theils
wäre alsdann die altfr. form gacer, nicht gaser. Desselben Ursprunges
ist vielleicht auch gazouiller, alt gaziller zwitschern, plaudern, welches
sich andre aus dem synonymen bret. geiza gebildet denken.
Janger fr. visieren, eichen, jange visiermaß, maßstab. Gaseneuve
verweist auf altfr. jalaie, Ducange auf mlat. galo, welche beide viel zu
dllgemein ursprünglich nur gefäße von unbestimmtem maße bedeuten, übri-
gens auch formell unfügsam sind. Denkt man sich dagegen aus aeqnalis
ein rom. verbum aequalificare gleichmachen, auf ein und dasselbe maß
bringen, so ergibt dies fr. ägalger (vgl. altfr. niger von nidificare), zu-
nächst egauger, mit abgestoßenem anlaut (s. unten mine) ganger, wie es
aitwallon. lautete, engl, gange. Die henneg. formen cauqne und ganqne
= jange sind für einen stamm calc, der sehr wohl aus qualfc syncopiert
sein kann, beweisend. Aus aeqnalis würde sich denn auch jalon visier-
Stange erklären lassen. Fast noch näher liegt qualificare die eigenschaften
einer sache bestimmen; nur müßte alsdann jalon die Stammgenossenschaft
mit janger abgesprochen werden.
Joindre fr. verbinden; von jnngere, it. giugnere.
Jon er fr. spielen, von jocari; jen von joens.
Jnc fr. vrlt. hühnerstange, watlon. joc, vb. fr. jncher sich auf die
. stange setzen um zu schlafen (von hühnern), pic. jnqner, wallon. joquer,
neupr. s'ajoncä, engl, to jnke. In Berry sagt man sbst. gnenche, vb.
gnencher. Die Herkunft dieses speciell franz. Wortes ist uns bis jetzt noch
verschlossen. Einige ansprüche hat ndl. hnkken, hd. hocken d. i. kauern,
wie die kühner thun, namentlich auch von der brütenden henne gebraucht
Frisch I, 469b, sofern man nämlich um des roman. anlautes j willen eine
deutsche Zusammensetzung mit ge annehmen darf. Normannisch sagt
man hncher, und diese form würde das einfache hnkken ausdrücken.
622 ILc. JUGE-JUSQUE.
Juge fr., pr.cat. jutge richter, daher altsp. juge und bask. (labort.)
yuyea. Judex, woher es geleitet wird, wäre fr. jus geworden: um dieser
unpassenden form auszuweichen, zog man juge aus dem vb. juger =judi-
care, in den roman. Schriftsprachen vielleicht das einzige Substantiv per-
sönliclier bedeutung, das unmittelbar (ohne ableüungssuffix) aus einem
verbum gezogen ward.
Juillet jtdi. Ein diminutiv, allein was soll hier die diminution?
Ist es ein schmeichelwort? Man bemerke, daß der altfr. name desselben
monats juinet war, z. b. al setme meis de 1'an, juinet l'apele Tun im
siebenten monat des Jahres, den man juinet nennt TGant. p. 161, vgl.
Ben.l, 347, III, 278; der jtdi war also der kleine, vielleicht der jüngere
oder zweite juni und diese ansieht kann aus England stammen, wo der
junius der erste gelinde, der Julius der zweite gelinde (monat) genannt
ward, aerra lidha, äftera lidha (Grimms Gramm. II, 360, Gesch. d. d.
spr. I, 81). Später verwandelte man juinet in juillet, um es mit dem
lat. Julius wieder in einklang zu bringen. Dieselbe anschauung begegnet
in der sicil. mundart, wird aber wohl durch die Normannen hineingebracht
sein: giugno heißt der sechste monat, giugnetto der siebente. In einer
neap. reimchronik, Mur. Antiqq. ital. VI, 711, dagegen wird, zur Unter-
scheidung so ähnlicher namen,* der juni jon cerasiaro,£irscAew;iwt, der
jtdi julo messoro emtejuli gemannt, str. 724. 747. 749. 772. 861. Im
sardischen fehlt der name Julius (luglio ist aus dem ital. eingeführt), man
sagt dafür mesi de treulas dreschmonat. Der Churwälsche nennt den
juni zarcladur jätemonat, den juli fenadur heumonat, beschränkt sich aber
bei den übrigen, wie es scheint, auf ihre herkömmlichen namen. Gleich-
falls um der deutlichkeit willen nennen Provenzalen und Catalanen den
juli juliol, den juni einfach junh. Der Baske hat für den juni und juli
ein und dasselbe wort, garagarilla gerstenmonat, s. Astarloa p. 396, nach
Larramendi ist dies der name des juni, der juli heißt garilla.
Jumart fr. bastard aus dem pf erde- und rindergeschlecht ; vielleicht
eine dbänderung von jumentum, doch ist das occit. wort gimere, gimerou,
was etwas an chimaera mahnt. Das geschöpf übrigens problematisch.
Jumeau fr. zwilling; entstellt aus gemellus, pr. gemel, vgl. wegen
des radikalen u Juintege von Gemmeticum, furnier von fimus.
Jusant fr. (m.) ebbe, flux et jusant fluth und ebbe; vom dltfr.adv.
jus d. i. herab, also abnähme, vielleicht nach courant (ström) geformt.
Jusque franz. partikel, von de-usque, der ausspräche nach s. v. a.
diusque {vgl. jus von deosum), altfr. einfach usque nur in den ältesten .
denkmälern, Pass. de J. C. 96, Alexs. 58, doch auch usquo in der prov.
Charte de Grealou p. 92; üblicJier dusque, pr. duesc'a, auch juscas.
Daß die präp. de der richtung nach einem ziele nicht gradezu wider-
spricht, bewüst fr. devers versus. Eine zss. ist pr. truesc'a, altfr.
trosqu'a von intro usque ad, chw. troqua, antroqua. Die altfr. formen
jesque, tresque werden sich wohl aus juesque, truesque erklären. Über
truesc'a sehe man etwa den Kritischen anhang p. 36 und Gachet p. 160*.
II. c. LAGOT-LAISSE. 623
Lagot pr. Schmeichelei, sp. lagotear schmeicheln; vgl. goth. bi-laigön
belecken.
Lague altfr. gesetz (fremder ausdruck) ; vom ags. lag, engl. law.
Daher utlague, ullage geächteter, ags. üt-lag, engl, out-law tote lat. ex-lex.
Lai, lais altfr., pr. lais (lay LR. I, 573), itcd. nur im plur. lai
vorhanden, heißt im allgemeinen klang, sang, speciell eine liedergattung,
in dem prov. Reimbuch 41* wird es mit 'dtdcis cantus übersetzt. Erwägt
man nur die form, so trifft lai mit dem dttn. lag gesetz, melodie buch-
stäblich zusammen, nicht mit dem cdtn. leik-r spiel, das sich in die form
leque, legue gekleidet haben möchte, besser schon mit ahd. leih, mhd.
leich (womit das fr. lai übersetzt wird: er vant ouch ze der selben zit
den edelen leich Tristanden = fr. le lai de Tristan Gott fr. v. Str.);
allein das wort ist von der Normandie ausgegangen. Da die altfranz.
dichter aber das lai ausdrücklich den Rretonen beilegen, so ist seine deu-
tung aus dem cdtischen gegen die aus einer der german. sprachen in
schütz zu nehmen. Kymr. Hais heißt stimme, schall, lärm, und dieses
toort empfiehlt sich litterärhistorisch wie philologisch: auch lai ist klang,
z. b. schellenklang LR., die accusativform lais aber beweist, trotz der sehr
natürlichen verirrung in lai, daß das fremde wort auf s ausgieng; bei
leich würde die spräche ein radicales s beigefügt haben, was schon kühner
gewesen wäre. Man beachte auch was Wolf Lais p. 155. 156, Diefen-
baeh, Orig. europ. p. 306, Mild y Fontanals, Jahrb. V, 166, über das
franz. wort bemerken.
Laie fr. backe, wilde sau. Es nähert sich dem gleichbed. mhd.
liehe, paßt aber nicht genau dazu, noch weniger zu liene d. i. nhd. lehne,
s. Mhd. wb. 1, 984. Ducange vergleicht das im Capitidare de villis
cap. 40 vorkommende leha: nt unasquisque judex per villas nostras
'singulares et lehas' (etlehas ms.), pavones, fasianos . . semper habeant
'keiler und backen cet. Nach neuer auffassung aber muß, da hier nur
von geflügel die rede ist, singularis als das gewöhnliche adjectiv genommen
werden; etlehas freilich ist schwierig, Querard vermuthet alites dafür,
s. Bibl. de Vecole des chartes, 3. sir. IV, 323.
Laie fr. durch den wäld gehauener weg (ältpg. lada? SRos.),
vb. layer un bois; vom altn. leidh, ags. lad (f.) mit gl. bed., mlat. leda
(über cits. leia s. Schmellers Gloss. sax.). Daher der Ortsname S. Ger-
main en Laye.
Lai ss e, lesse fr. koppelseil, hutschnur. Die erste bedeutung drückt
das ndl. leise, die zweite das ndl. lits, nhd. litze aus; jene mahnt an
ahd. lezjan zurückhalten (woher auch it. allazzare), vgl. fr. rene zügel,
von retinere. Da indessen der Italiener für die erste bedeutung lascio
gebraucht, so darf man allerdings lat. laxns oder laxare als etymon auf-
624 II. c. LAM— LAPIN.
stellen: das koppelseü ist kein straff angesogenes, es ist ein loslassendes etwa
wie ahd. läz schwungrieme des wurfspers {von läzan) eigenll. etwas zum
loslassen oder schleudern bestimmtes ist, vgl. laxamina 'habenae Gl. Isid.
Nachzulesen wäre Grandgagnage v. Iahe.
Lam pr. hinkend, auch einarmig GO.; ahd. lam, nhd. lahm. Auch
die piem, mdart kennt lam, aber mit der bed. schlaff.
Lambeau fr. herabhangender fetzen oder läppen, comask. lampel
dass., sp. lambel turnierkragen, in Berry lambriche fransen, ohne m
mlat. labellas, altfr. labeau Boq., engl, label herabhangende streifen als
zieraihu. dgl.; vb.fr. dälabrer zerfetzen, das für d61abler stehen könnte.
Die form mit reinem b scheint die ursprüngliche: leicht wird m vor diesem
buchstaben eingeschoben, . schwer fällt es aus, drum ist die herleitung (ms
dem muthmaßlich wurzelverwandten tat. lamberare, woraus überdies, streng
genommen, das sbst. lambeau nicht entspringen konnte, anstößig. Besser
trifft Frischs deutung von dälabrer aus labrum lippe, rand, säum, daher
troddel, fetzen, wenn auch die form levre zu widersprechen scheint (vgl
aber cabrer neben chevre), und so wäre denn label von labellum. Da-
gegen nähert sich die oben bemerkte comask. form wieder dem dtschen
läppen und es fehlt auch nicht an celtischen verwandten, z. b. gael. leab,
kymr. Uabed, bret. labaaken. Franz. lambrequin helmdecke am Wappen-
schild floß aber nicht unmittelbar aus lambeau, .es setzt ein ndl. ditnin.
lamperkfn von lamper, lamfer (schleier) voraus, wie mannequin ein ndl.
mannekfn voraussetzt. Vgl. Grandgagnage v. lamekene. — [Als etymon
von lambeau cet. hat Ascoli neuerlich ein aÜlat. lamber (fetzen) ange-
nommen, Ztschr. für vergl. sprachf. XVI, was auf sich beruhen möge.]
Lambre altfr. getäfel (Mones Anzeiger VIII, 599*); von lamina
brett, ähnlich marbre von marm'r. Abgel. nfr. lambris (m.) mit ders. bed.,
für welches Dacier's erklärung aus ambrex bei Festus nicht haltbar ist.
Laudier fr. feuerbock zum auflegen des hohes; bask. landera. Nach
Frisch vom dtschen ge-länder, vgl. bair. lander laue. Indessen findet sich
für dieselbe sache ein altes mlat. wort von unbekannter herkunfl, andena,
wcdlon. andi, woraus landier entstanden sein könnte, da auch die altfr.
form andier ist, s. z. b. DMce. p. 209, 17, Gloss. de Lille 23 (50),
engl, andiron.
Lange fr. (m.) windet, altfr. wollenes Meid; vom adj. laneus.
Lanquan, prov. partikel für fr.lorsque, eigentl.Yan quan, wo denn
an (lat. annus) einen unbestimmten zeitpunct ausdrückt wie in ogan, antan.
Lapin fr. kaninchen, dim. lapereau, vgl. ndl. lampreel junges Jca-
ninchen. Der bekannten herleitung aus lepus widerspricht die franz.
tenuis, für welche v eintreten mußte; die Verkürzung des primüivs lepor
in lep ist stark, aber einzuräumen, da einige falle dieser ort nicht zu
läugnen sind. Man thut indessen dem Sprachgefühl mindere gewalt an,
wenn man lapin nimmt für clapin, aus dem stamme clap, woher auch se
clapir sich verkriechen (von kaninchen), clapi&re kaninchenhöhle (s. oben):
ähnliche Vereinfachung eines combinierten atUautes in loir für gloir.
IL c. LARCIN— LEUDE. 625
Larcin fr. diebstahl; von latrocinium, umgestellt pr. laironici, sp.
ladronicio, it. ladroneccio.
Larigot und arigot fr. eine art Heiner flöten; nach Frisch aus
dem musicalischen ausdrucke largo, von Seiten der form untaddhaft, da
für ergo auch erigot gesprochen ward, s. oben ergoter.
Lärme fr. thräne; von lacrima. Keine schlechtere büdung ist
das alte lairme Älexs. 119, lerme 117 (noch norm.), worin sich g in
i auflöste.
Larris altfr. pic. ungebautes feld, vgl. an larris sauvage piain de
fosses pres de boscage DG. ; par raus et par larris Gar. I, p. 92, ndat.
larricium ; nach Kilian das gleichbed. ndl. laer (mndl. laar offener platz
im walde), s. Diefenbachs Goth. wörterb. II, 129, Grandgagnage's An-
ciens noms de lieux (1856) p. 79.
Layette fr. lade, Schublade; vom ndl. laeye KU. = nhd. lade.
L6ge fr. adj. ohne ladung (von schiffen); von dem in gleichem sinne
üblichen ndl. leeg für ledig, mit Chevcdlet.
Lendit fr. Jahrmarkt zu S. Denis; ursprüngl. l'endit, von indic-
tum, weil er öffentlich verkündigt ward.
Lendore fr. (m. f.) träge Schlafmütze, vb. norm, lendorer. Eine
reinere form scheint bret. landar träge, landrea träge sein, landreafit
faulenzer (wozu Monti das. com. landrian stellt); hieraus durch umdeu-
tung mit il endort, aber nickt daraus entstanden, lendore, richtiger altfr.
landreux. Vom mhd. lentern langsam gehn, schlendern, ndl. lenteren,
sbst. lenterer. Die umdeutung mit endort hat etwas entsprechendes im
pic. lendormi (mit agglutiniertem artikel) s. v. a. lendore.
L6ri pr. munter, fröhlich (nach Raynouard und P. Meyer Flam.),
auch neupr. leri (fem. leria) leicht, funk, hübsch, blühend, üppig (Bironie,
Honnorat). Von hilaris, erweitert in hilarius, das auch als taufname
vorkommt; die aphärese des i {geschr. hi) ist leicht zuzugeben. Richtiger
freilich wäre lari oder lair, vgl. contrari und vair (varius), aber beide
lagen dem bösen warte laire (latro) zu nahe.
L6s altfr., pr. latz, präposition mit der bed. juxta; von latus seile,
it. allato; nfr. in Passy-lez-Paris, Plessis-lez-Tours; tnlat. de intus carte
aut latus curte L. Sal.
Leu de altfr., pr. leuda, leida, ledda, selbst le&dn,, altsp. lezda, arag.
leuda, wird für jede art von abgaben gebraucht, besonders bei verkaufen,
auch für wegegeld; occ. ledo havage. Ducange u. a. erkennen darin das
german. leudis geldbuße für einen getödteten menschen, wergeld, allein so
leicht ist dies nicht hinzunehmen: sowohl die bedeutung widerspricht wie
die form, der dtsche diphthong eu hätte sich anders dargestellt Leuda
entsprang aus dem vb. levare in tributum levare, lever des impöts, wo-
von man einpartic. lävitus, wie von cubare cubitus u. dgl., ableitete; die
regelrechte büdung aber aus levita war leuda und selbst leida, leda, das
also etwas erhobenes ausdrückt. Den beweis für diese unlat. participial-
büdung liefert der artikel lievito I.
40
626 IL c- LEVAIN-LIGE.
Levain fr., levam pr. Sauerteig; von levamen also hebemittd. Vgl.
lievito I.
Liaison fr.} liazo pr. band; von ligatio bei Scribonius Largus.
Liart oitfr. (f. liarde), pr. liar, lear hell von färbe, weiß oder hell-
grau, wird von pf erden, wohl auch vom menschlichen haar gebraucht,
s. Lex. rem., daher it. cavallo leardo weites pferd, schimtnel. Menage
syncopiert es aus leucardus; alsdann hätte Frankreich allein das gr.
levxog besessen und es Italien, dem lande der griech. Wörter, zugeführt,
denn hier entstanden würde es sein x nicht eingebüßt haben. Naher liegt
kymr. lläi dunkelgrau; nicht minder nah altfr. Ii6 fröhlich (laetus), denn
fröhlich und hellfarbig, hell und fröhlich gehen leicht in einander über,
wie z. b. it. gajo, fr. gai, gr. qmÖQog lehren. — Was neufr. liard,
name einer Meinen kupfermünze, betrifft, so verträgt sich seine herkunfl
aus dem adj. liart nicht mit dessen begriff und es ist noch besser das
wort, wie man gethan hat, aus einem südfr. li hardi = sp. ardite U. b.
zu construieren.
Lice fr., alt leisse, pic. liehe, pr. leissa jagdhündin zur sucht;
nach Caseneuve von dem antiken hundenamen lycisca, genauer von der
form lycisce, da sich aus ersterer pr. leisca, pic. lique gestaltet hätte.
Auch deutsche glossare übersetzen lycisca mit cz6ha hündin, oder mit
Kbr achin weiblicher brache.
Licou fr. halßer; aus lie-cou binde-hals.
Lie fr. fröhlich, in der redensart faire chere lie; von laetus, altfr.
U6 (fem. Ii6e und lie), it. lieto.
Li6ge fr. (m.) hark; primitiv von läger bedeutet es eigentlich etwas
leichtes und würde prov. leuge heißen (oedt. leuge bei Gouddin).
Lige fr., litge pr., daher it. ligio, engl, liege, im spätem mtat.
ligius, sbst. altfr. Iige6, ligesse. Erwägt man lige in seinen verschiede-
nen anwendungen (man sehe bei Ducange), so muß ihm die bed. 'unbe-
dingt, vollständig' zustehen. Der homme lige, mag er nun ein lehen be-
sitzen oder nicht, ist seinem oberherrn gegen jeden dienste zu leisten ver-
pflichtet, der seignenr lige sie ebenso zu fordern berechtigt; und so sagte
man ligia potestas, ligia voluntas, unbedingte gewalt, unbeschränkter
wille, adv. ligement et franchement, purement et ligement. Vossius hält
ligius für eine ableitung aus dem rom. liga band oder bund, so daß aus
der bed. strenger verpflicfitung die der unbedingthext sich entfaltet haben
müßte. Dagegen ist nur zu erinnern, daß unlat. adjeetiva mit dem suffixe
ius oder eus schlechthin unfranzösisch sind. Eher noch dürfte man an
das altn. lidi (geführte) erinnern, woraus sich ein adj. lidi-us, franz. ge-
sprochen lige, entwickeln konnte; aber hier genügt die bedeutung nicht.
Huydecoper zu M. Stocke II, p. 163 citiert eine stdle aus einer Urkunde
des 13. jh. ligius homo, quod teutonice dicitur ledigman d. i. frei von
allen Verbindlichkeiten gegen andre. Für ledig entscheidet sich auch
Chrandgagnage v. lige. Ob es sachlich passend sei, bleibe den rechtsge-
lehrten überlassen.
IL c. LIM ANDE -LÖCHER. 627
Limande fr. ein platt fisch; nach Le Duchat von lima feile, wegen
seiner rauhen haut, und allerdings wird derselbe fisch üal. einfach lima
genannt. Das suffix anda drückt hier, wie auch anderwärts, zweck oder
bestimmung aus (zum feilen bestimmt).
Limier /r. Spürhund, leithund. Von liminarius, behauptet man,
weil er die jagd eröffne; ganz unhaltbar. Die altfr. form ist liemier
(dreisilb.) Gar. 11, 225, Romv. p. 581, 11, loiemier, loiemer Rob. le diabl.
B. lllla. col. b, Er ad. 3047, noch bret. liamer, die prov. liamier; dies
führt auf fr. lien, alt loien, lat. ligainen: der hund ward so genannt,
weil er an einem seile nachgeführt ward: li liemiers s'en vient avant,
son lien el col Parton. I, 63; li dus demande Brochart son liemier,
pardevant lui li amaine uns breniers, li dus le prent et si l'a desloiä
Gar. I. c, vgl. Aubery p. 44. Mhd. einen leithunt er begreif, an ein
seil er in sweif Wb. 1, 728. Ligamen war der eigentliche ausdruck für
das seil, womit man den hund anlegte: si quis canem, qui legamine
novit etc. L. Sal. tu. 6.
Linge fr. (m.), auch pr. linge, bask. linia leinwand; vom adj.
lineus leinen, wie lange von laneus. Altfr. linge auch adj. LRs. 141.
Lingot fr. Nach dem Dict. de Trev. 1) gold- oder silberbarre,
2) gegossener metallklumpen. Menage erklärt es aus lingna, was zur
ersten bedeutung gut paßt, denn lingna nebst ligula neigen sich zu ver-
wandten bedeutungen, auclh ist trotz langue mit radicalem a in lingnet
i geblieben. Die zweite bedeutung wäre denn eine ausartung der ersten.
Aber nun gibt es ein engl, ingot, welches gleichfalls tnetallmasse heißt und
allerdings aus lingot, worin man 1 als artikel auffaßte, übernommen, aber
auch ein einheimisches wort sein könnte: in-got = ein-guß d. h. etwas in
eine form gegossenes, bei Chaucer eine solche form selbst (s. Johnson) und
dieses englische könnte sich im franz. worte verbergen. Es findet sich
ein mhd. inguz in der äbstracten bei. einfluß, sonst aber scheint es nicht
vorhanden.
Li not, linotte fr. hänfling. Dem entsprechen seine deutschen namen
leinfinke, flachsfinke.
Lippe fr. (f.) dicke Unterlippe (lepe Ren. IV, 39), henneg. liper
behaglich speisen; vom ndd. lippe, ags. lippa cet. (gael. lip, liop f.), da-
gegen comask. leff lippe, liffia mund, von der ahd. form lefs, leffur.
Lobe altfr. spott, lober spotten; vom ahd. lob = nhd. lob, vb.
loben, vgl. die bedd. im pr. gabar spotten, pg. loben. Ronsard nennt
lobbe ein altes wort und räth den dichtem, ein verbum lobber daraus zu
bilden, das aber längst im gebrauche gewesen.
Loc altfr. klinke, schloß TGant. p. 145, abgel. nfr. loquet, it. luc-
chetto, ülyr. lokot; vom ags. loc, engl, lock, ahd. bi-loh (bloch) riegel,
goth. ga-lukan verschließen.
Loche fr. (f.) ein fisch, Schmerle, sp. loja, engl, loach. Herkunft
unbekannt.
Locher fr. vrti. schütteln, schlenkern, zsgs. eslochier losmachen
628 ILc. LOCMAN-LOQUE.
(z. b. les denz die sahne einschlagen Trist. II, 184), s'eslocier sich auf-
machen SB. 432", kenne g. arlocher (für relocher) stark schütteln; vom
■ mhd. lücke locker (vb. lücken lockern?).
Locman fr. lootse, pilot; vom ndl. loods-man, engl, loads-man,
altengl. auch lode-man neben lodes-man. Stark entstellt hieraus ist fr.
lamaneur, mit anbüdung an gouverneur Steuermann. Eine andre auf-
fassung bei Scheler unter dem letzteren worte.
Lodier fr. wollene bettdecke; vgl. dhd. lodo, Indo, mhd. lode grobes
woUenzeug, dsgl. zotte, ags. lodha bettdecke (Somn.), auch lat. lodix, dessen
suffix jedoch in dem franz. worte vermißt wird. ÄUfr. lodier, loudier,
fem. lodiere, könnte, wenn faulenzer als seine grundbedeutung feststände,
wie unter poltro I. angenommen worden, als eine personification des eben
genannten lodier aufgefaßt werden, allein nur die bed. taugenichts kommt
ihm mit Sicherheit zu. Es möchte darum identisch sein mit aitn. loddari,
mnctt. lodder, die dieselbe bedeutung haben, mhd. loter possenreißer, nhd.
lotter-bube.
Lot fr. die gegen den wind, liegende seile des Schiffes; vom ndl.
loef, engl. loof. Daher das vb. louvoyer (und von diesem unser la-
vieren) im fahren abwechselnd die eine und die andre seile des Schiffes
gegen den wind kehren. So entstand auch das synonyme bordayer =
! sp. bordear, it. bordeggiare von bord rechte oder linke seile des schiffes.
Loisir fr. muße; ursprüngl. infinitiv, lat. licere erlaubt sein, er-
| laubnis. Ebenso verhält sich das sbst. plaisir zu placere.
Lombard fr. leihhaus, ndl. lombaerd, dsgl. altfr. adj. lombart
! wucherisch TCant. p. 41, vgl. sicil. lumbardu schenkwirth; von dem völker-
namen Lombard, indem häufig die Lombarden in Frankreich handel und
I wucher trieben: hier aber verstand man unter Lombarden überhaupt Ita-
liener, worauf auch Dante Purg. 16, 126 anspielt: che me' si noma
'francescamente' il semplice Lombardo = Italiano.
Lona pr. lache, sumpf, nur in einem prosaischen denknuü, aber
I noch im Süden fortdauernd, Onofrio p. 261. Lacuna, syncopiert la-una,
hätte streng provenzdlisch höchstens Unna ergeben. Gleichwohl ist diese
entstehung leichter hinzunehmen als die aus dem altn. 16n (n.), das die-
I selbe sache bedeutet.
Longe fr. lenäenstück, altfr. wallon. logne s. Grandgagnage, auch
sp. lonja stück Schinken; von dem unlat. adj. lumbea, sbst. lombns lende.
Longe fr. (f.) strick an der halfter; s. v. a. alonge Verlängerung;
l'alonge = la longe.
Lop in fr. stück oder bissen fleisch u. dgl.; mit Frisch vom dtschen
läppen fetzen, aber mit abgeändertem wureelvocal, vielleicht um es von
lapin kaninchen zu scheiden. Norm, lobet.
Loque fr. fetzen, läppen. Es könnte von unserm locke stammen,
woher auch Frisch es erklärt; passender aber deutet man es aus altn.
lök-r etwas herabhangendes. Damit zsgs. scheint fr. bre loque, henneg.
berloque, npr. barlocco (f.) zierliche Meinigkeit, anhängsei, chw. bargliocca
i
ILc. LORGNER-LUCAKNE. 629
(hangendes) lampchen, haarlocke; vb. henneg. berloquer, in Rheims ballo-
qaer, chw. balucar schlottern, schlenkern — wiewohl sich über den ersten
theü der zss. nichts befriedigendes sagen läßt; s. auch Diefenbachs Orig.
eur. 262. Das wort erinnert sogar an das it. badalucco Spielerei. Deut-
licher ist die zss. in pendeloque anhanger am ohrring, vom adj. pen-
dulus, daher mit üblicher Verwandlung des 1 in r henneg. pendreloque :
das vb. pendere hätte eher penloque gegeben.
Lorgner fr. heimlich betrachten, lorgnette fern glas. Nach Frisch
vom dtschen lauern, schweiß, loren, luren (ahd. Würfen?), um so wahr-
scheinlicher, als nach Menage die norm, form loriner ist, die durch ein
nomen lorin vermittelt sein könnte.
Loriot fr. goldammer. Frov. sagt man auriol, sp. oriol, von au-
reolus, daraus mit agglutiniertem artikel loriol, entstellt altfr. lorion,
nfr. loriot Das altfr. orionz OVian. 3293 und das pic. uriot entbehren
noch des artikels.
Loa er fr. loben; von laudare.
Louer fr. miethen, von locare; loyer eins, lohn, von locarium
gleichbed. bei Varro, pr. loguier.
Loupe kreißformige geschwulst unter der haut, dsgl. glaslinse; von
lapa wolfin, nach diesem gierigen thiere vielleicht von ihrem Umsichgreifen
genannt, sp. lupia und lobanillo, chw. luppa, vgl. dtsch. wolfegeBchwulst,
bask. oko wolf und geschwulst. Altfr. lope bedeutet auch grimasse Ren.
IIj 43, eigentl. wohl dicke lippe.
Loup-garou fr. mensch, der wolfsgestaU annehmen kann. cQuod
hominum genus, sagt Gervasius TiUib., gerulphos Galli nominant, Angli
vero verewolf' wörtlich mannwolf, kvxav&Qco7tog, pg. lobis-homem. Das
latinisierte aus dem angels. entstandene gerulphus aber lautete altfr. ga-
roul, garou, warou (so -Raoul, Raou aus Radulphus), bei Marie de Fr.
J, 178 etwas abweichend garwall. Das neufr. loup-garou ist also ein
pleonasmus, den aber auch der Bretone begeht in dem gleichbed. bleiz-garö,
worin bleiz dem fr. loup entspricht. S. Grimms Myth. p. 1048, vgl.
einen ähnlichen fall im fr. cor-moran (s. oben) und it. Mon-gibello, dessen
zweiter (arab.) theü schon berg bedeutet. Es mag zufällig sein, daß sich
das bret. wort auch in bleiz wolf und garö grimmig zerlegen läßt, womit
aber der begriff nicht ausgedrückt wäre. Andre provinzen bieten andre
ausdrücke, Provence leberoun, leberou (BSronie p. 67. 126, attfr. loup-
beroux), Berry marloup, louara, auch birette. Normandie lubin, Roque-
fort bemerkt auch ein altfr. millegroux, dsgl. leu-wast£ u. a.; ital. heißt
er lupo mannaro. Von garou ist das norm, varouage nächtliches umher-
schweifen. Pic. garou hat die bed. hexenmeister angenommen.
Loure altfr. sackpfeife, nfr. ein tanz; vom altn. Ifidr, dän. luur
hirtenflöte, vgL Ihre II, 101.
Lucarne fr. kleines dachfenster; von lucerna, worin sich e frühe
in a verwandelt haben muß, wie auch goth. lukarn (n.), ir. luacharn,
kymr. Uygorn (m.) bezeugen. Ein occit. luzerna kennt Uonnorat. Vgl.
ßief. Goth. wb. II, 163.
630 IL c. LUETTE-LUZERNE.
L nette fr. Zäpfchen im hals; dimin. des gleichbed. lat. uva mit
vorgesetztem artikel; it. ügola für uvola drückt dasselbe aus, vgl. comask.
uga für uva. Eine odtprov. form ist leula Flam., eine neuprov. nivouleto,
vielleicht für lavouletto.
Lueur fr.9 pr. lugor, cdtit. lucore schein, Schimmer; von lucere,
aber, was den guttural des Stammes betrifft, unter einwirkung von lucanus,
luculentus, wenn auch nicht vom dUlat. lucus = lux ; rein auf lucere
gebaut, wäre pr. luzor, iL luciore, wie cociore von cuocere, entstanden.
Der gleiche stammauslaut auch im pr. lug-ana licht, lug-art morgenstem,
alncar, citfr. alucher anzünden.
La nette fr. augenglas, ebenso it. lanetta Öffnung in einem gewölbe,
wodurch licht hereinfällt ; von luna.
Luquer norm., lonqut wailon., fr. reluqner seitwärts beobachten;
wohl vom ahd. luogen, nach härterer ausspräche luoken d. i. aus einem
verstecke hervorsehen, ags. löcian, engl, to look. Ob auch it. luchära
blick, tniene, lucherare scheel ansehen, hieher gehören, ist die frage.
Lomb. lnghera funke führt dagegen auf ahd. long flamme.
Lutin fr. ein poltergeist wie esprit follet, lntiner poltern, (trans.)
plagen, beunruhigen. Eine andre form ist altfr. Initon, e. b. diable semble
on Initons on manfez Guiü. d'Or. (s. Menage). Neben lnton findet sich
im norden, namentlich in Belgien, auch nuiton, schon bei Ph. Mousket
II, 47 8 } dem das verschwinden dieses kobolds ein bild darleiht; noch jetzt
in einem großen (heile des Wallonenlandes nuton kobold, der in grollen
wohnt. Frisch deutet lntin aus dem dtschen laut (alt hlüt), das aber
etwas zu (allgemeines aussagt; Grimm, Myth. 476, aus dem lat. luctas
trauet, so daß es weihklagender geist hieße, was aber dem wesen dieses
koboldes fremd scheint, dessen gäbe vornehmlich die der Selbstverwandlung
war: qnant il veut, est cheval, qnant il veut, est monton, oisel on
pomme on poire on arbre on poisson Gaufr. p. 161. Von einem
klageton ist nicht die rede. Mit anbruch des tages verschwindet er. Ch.
Grandgagnage erklärt es aus dem altfläm. luttil klein, weil man sich
unter Intins zwerghafte wesen denke. Gegen die bekannte herleitung des
altbezeugten nniton aus fr. nnit (nachtgeist) ist von Seiten des begriffes
wie der form nichts erhebliches einzuwenden. Denkt man sich aber luiton
daraus entstellt, so bleibt es räthselhaft, wie die spräche dem klaren wortc
ausweichen mochte. Man sehe die anziehende monographie von J. Grand-
gagnage: Sur les mystSrieux habitants des großes, Lüge 1853, dazu
Gachet p. 289*.
Lntrin fr. lesepult, für l&rin, lectrinum, ahd. lectar: vom mlat.
lectrnm lancHogium, super quo legitur Gl. Isid. Die genues. mundart
sagt ebenso letterin für it. leggfo.
Luzerne (fr.) eine art klee, schneckenUee, von Littre aus dem 16.
jh. nachgewiesen, unbekannter Herkunft. Mit andern suffixen champ.
Inzette 'ivraie* (Scheler), in Langres Inzote dass., in Berry lnzet *gesse
sans feuilles', neupr. lanzerdo.
ILc. MACABRE— MAINBOUR. 631
M.
Macabre, danse macabre fr. todtentanz; toird hergeleitet theüs aus
dem nennen S. Macarius, theüs aus dem arab. magabir todtenhof, theüs
und am besten aus Chorea Machabaeorum. Näheres darüber bei Grimm,
Myth. 810, desgleichen bei Wackernagel in Haupts Ztschr. IX, 314,
welcher bemerkt: €es scheint, daß ursprünglich auch die in der legende so
genannten Maccabäer d. h. die sieben brüder sammt der matter und Eleasar,
die unter Antiochus Epiphanes den märtyrertod gelitten, eine rolle in
den todtentänjsen gespielt haben, falls man nicht bloß die aufführung zu-
erst auf deren fest verlegte'. Man merke dazu noch lothr. maicaibrö
phantastisches wolkengebüde Diel, pat. app.
Ma^on frn masso pr. steinhauer, maurer. Dieses wort trifft zu-
sammen mit unserm metz, ahd. mfe'zzo, besser noch, wegen des wurzd-
vocals, mit ahd. meizzo, von meizan einschneiden, goth. maitan abhauen,
nhd. meißeln. Doch liegt gegen seine herkunft aus dem deutschen ein
bedenken vor. Auffallend ist es nämlich, daß schon Isidorus, der nur
wenige deutsche Wörter hat, es kennt: machiones dicti a machinis, quibus
insistant propter altitudinem parietum 19, 8. Machio schreibt er seiner
etymologie zu gefallen für maeio, denn ch und c waren damals phone-
tisch gleichbedeutend. Aus einem goth. subst. maita ließ sich eine solche
form nicht gewinnen, wohl aber konnte aus marcus Schlägel ein person-
liches marcio * einer der den schlaget fuhrt, steinarbeiter*, wie tabellio aus
tabella, abgeleitet werden: r fiel aus wie im span. macho vom dimin. des-
selben lat. icortes, marculus. S. über eine form marcio Ducange v. macio.
Das sbst. mazon = fr. ma$on kam dem Spanier abhanden, aber in dem
nun veralteten mazonar lebte es fort. Diese herleitung wird vielleicht
geringe Zustimmung finden, gleichwohl ist die thatsaehe nicht wegzüläugnen :
maQon ist buchstäblich = machio wie z. b., was ch betrifft, bracel-et =
brachiale, machio aber kann aus keiner goth. oder german. quelle ge-
flossen sein. Eine andre herleitung wäre aus dem lat. matea (s. mazüa),
aber würde Isidorus t durch ch ausgedrückt haben? Vgl. noch Dief.
Goth. wb. II, 23, Pott zu den longob. gesetzen (Ztschr. für vergl. sprachf.
XIII, 90). .
Madr6 fr. fleckig, sbst. norm, maire flecken auf der haut, altfr.
masre, madre eine Holzart (hanap de mazre Trist, glossar), ndat. scyphi
maserini, altfr. mazelin adj., madelin, maderin sbst. trinkgefäß ; vom ahd.
masar knorren im holz, nhd. maser, maser-holz.
Main altfr. in main menne geringes volk, arme leide, auch basse
main Parton. I, 87, bone main I, 91; sicher nicht von minus, sondern
von manns menge, häufe, anzahl.
Mainbour, mambourg altfr. beschützet, Vormund (s. pr. manbor
LB.), mainbonrnir schützen, daher mainbonrnie schütz, Vormundschaft.
632 ILc. MAINT-MALTOTE.
Aus dem deutschen: in frühem mlatein mundiburdus, ahd. muntboro,
ags. mundbora, ndl. momboor tutor, patronus, eig. schutzbringer, ndat.
mundiburdis, mundiburdum, alte, mundburd cet. tut da; zsgs. aus mnnt
urspr. hand, sodann schütz, beran tragen, ähnlich rom. main-tenir. Man
sieht leicht, daß mnnt in das rom. niain (hand) umgedeutet oder übersetzt
ist, wie dies auch im it. manovaldo geschah, burd aber ist in bournir
verderbt; mundiburnium wird, schon aus einer Urkunde des 10. jh. ange-
führt. Vgl Diefenbachs Goth. wb. II, 86.
Maint fr., pr. maint, mant (neupr. mant-un), daher das it. manto,
pronomen für lat. muttus. Ist es von hymr. maint große, menge, adjecti-
visch angewandt wie truppus im ü. troppo? Oder ist es vom ahd. sbst.
managöti, ndl. menigte menge, oder vom ahd. adj. manag, nhd. manch,
in welchem falle man es aber auf ein neutrum managaz, managat zurück-
fuhren müßte? Auch hier ist Diefenbachs Goth. wb. nachzulesen, II, 34.
Ein compositum ta-maint, dem sp. ta-mano ähnlich, braucht Froissart
(Ordli p. 131), daher it. tamanto.
Maire fr. name eines beamten; vom compar. major größer, ange-
sehener, in altfr. form maire (woher auch unser meier), bekannt zumal in
major domus. Die vergleichung der comparativform seigneur bietet sich
leicht dar.
Mais, fem. maise, altfr. adjectiv, das gegentheil von bon (il en y
ot des maix et s'en y ot des bons Gaehet 29 5a), adv. maisement, sbst.
maisetet. Man nimmt in diesem dem norden des gebietes angehörigen
worte wohl eine contraction aus manvais an, indem hieraus zuerst das
allerdings vorhandene mavais, dann maais, endlich mais geworden wäre.
Aber diese contraction scheint gegen dengeist der aUfranz. Sprachbildung,
weicher chaaignon, gaaigner, raan$on und ähnliche fälle des hiatus voür
kommen zusagten; und wenn sich auch ein contrahiertes chaignon, gaigner,
ran$on schon einfand, so dauerte die volle form daneben doch noch fort,
von maais aber scheint man nichts zu wissen. Überdies zeigen die werke,
welche mais gebrauchen, wie- der Chevalier au cygne, das ungeschwächte
manvais daneben. Vielleicht hat mlser anspräche auf das fragliche wort:
maisetet wäre alsdann das it. miserti. Gegen ai aus i ist nichts einzuwen-
den: aus misellns entstand ja auch maisiaus. Aber von mesre, wie das
lat. misera noch im alten Alexius lautet (geschr. mezre), mußte endlich
entweder s oder r austreten, denn mere war nicht zu brauchen, weil es
mit mere (mutter) collidierte, und so konnte durch syncope mais entstehen.
Malart fr. mannchen der wilden ente, altfr. und noch norm, und
pic. enterich überhaupt; von male, lat. mascnlns (Menage). Eine pic.
form ist maillard.
Mall- public altfr. öffentliche rechtsverhandlung; mlat. malin m
publicum, ersteres vom goth. mathl, ahd. mahal gericht.
Malt fr. (m.) zum bierbrauen bereitete gerste; deutsches wort: engl.
malt, ahd. nhd. malz.
Maltöte fr.(f.)gelderpressung; vom altfr. tonte, tolte Steuererhebung
ILc. MANAIER— MAQUEREAU. 633
(partic. von tollir, lat. tollere) mit vorgefügtem mal, it. maltolto, mala-
tolta: guarda ben la mal tolta moneta Inf. 19, 98; altpg. mallatosta,
maltosta abgäbe vom wein. S. darüber Ducange v. tolta.
Manaier altfr. schützen, schonen Rou J7, 268, sbst. manaie, pr.
(selten) manaya schütz, Schonung, nachsieht, gnade; von mann adjutare
mit der hand unterstützen, darum auch eine form mit d manaide ChGyg.
I, v. 82, menaide Gar. I, 286. Es ist also eine Zusammensetzung wie
mantenere, mallevare, mamparar.
Manant fr. eingeborner, bauer; pari. präs. vom alten manoir, maindre
wohnen, lat. manere, z. b. in cujus pago manet wohnt L.Sal.; adj. altfr.
manant, pr. man&i wohlhabend, manantie reichthum; mlat. ad villas ma-
nentium sunt regressi Greg. Tur. (DG). Noch jetzt bedeutet dem Ge-
nuesen manente aekersmann. S. auch mag I.
Manage fr. (m.) reUschde; aus dem it. maneggio, dies von man-
eggiare handhaben = fr. manier.
Manevir in amanevir altfr., pr. amanoYr, amanavir, amarvir, ein-
fach marvir, bereit sein (auch cat. amanir bereit machen?), daher das
übliche particip altfr. manevis, amanevis, pr. amanol'tz, amarvitz bereit,
hitzig, occit. amarbit munter Gloss. zu Goudelin. Vgl. besonders Paul
Meyer zum Guill. de la Barre p. 39. ManoYr stimmt so buchstäblich
zum goth. den übrigen deutschen sprachen unbekannten manvjan bereit
machen (v in o aufgelöst), daß seine deutsche dbkunft kaum zweifelhaft
erscheint. Ferner adv. pr. mar v es unbedenklich, adj. marvier bereit,
vom gleichbed. goth. adj. manvus. Dieses adverb und dieses adjectiv
müssen jeden versuch, das wort aus mane oder manus oder ad mannm
ire (vgl. Gachet 16") herzuleiten, niederschlagen.
Manigance fr. kunstgriff; von manus, zunächst wohl von manica,
weil sich die taschenspieler bei ihren künsten des ermels bedienen;
Papias hat maniculare 'dolum vel strophas excogitare. Span, manganilla
gleichbed.
Manne fr. korb, jnc. mande; vom ndl. mand, mande (/*.,), ags. mond,
engl, maund mit gl.bed.; so auch mannequin tragkorb, vom mndl. mande-
kin. Ist dies letztere sichtbarlich deutscher herkunft, so ist kein grund,
für manne ein celtisches etymon heran zu ziehen.
Mannequin fr., daher sp. maniquf, gliedermann; vom mndl. man-
nektn männchen. Der Wallone hat maniket zwerg.
Mansarde fr. gebrochenes dach; so genannt nach dem namen eines
baumeisters Fr. Mansard f 1666.
Maquereau fr. name eines fisches, daher ndl. makreel, engl.
mackerell, kymr. macrell; wird aus macula (fleck) erklärt, da der fisch
über den rücken gestreift ist: es wäre also aus maclereau verderbt. In
Champagne maquet.
Maquereau fr. kuppler. Die herleitung von Hob. Stephanus aus
macula fleck, in beziehung darauf daß die kuppler der römischen komödie
sieh eines scheckigen Kleides bedient hätten (leno pallio varii coloris utitur
634 II. c. MARAUD-MARCHER.
Donat), ist zwar nicht ungeschickt, fußt aber auf der seiht gewagten Vor-
aussetzung, daß Frankreich ein andenken an die romische buhne verblie-
ben sei, wovon die andern provineen keine spur besitzen. Besser trifft
die deutung aus dem ndl. makelaar, hd. mäkler, oder ndl. maker von
maken unierhandeln (s. maecken KU.), ahd. mahhari von mahhön machi-
nari, huor-mahhari leno; vgl. besonders Schwenck v. mäkeln. Ein allfrics.
mekere Unterhändler in ehesachen stellt Bichthofen lieber zum ndl. makker
geführte, verschieden von maker.
Mar and fr. bettler, taugenichfs, maraude liederliches weibsbild,
marauder plündernd umherstreifen. 'Dieses wort verhalt sich, unbefangen
betrachtet, wie badaud, ciaband, nigaud, riband, richaud, d. h. es ist mit
dem suffix and abgeleitet, welches hät/ßg Übeln sinn ausdrückt. Den ur-
sprünglichen diphthong an verbürgt noch das limous. maraou, fem. ma-
raonde (Honnorat) und das wallon. marauder. Aus maraud fließt ma-
rauder und maraudenr wie aus elabaud clabander und clabaudenr. Der
stamm ist freilich nicht ganz gewiß ; am passendsten scheint marrir be-
trüben, sich verirren u. dgl., daher sbst. marance, marison kummer:
maraud könnte einen dürftigen oder einen umherirrenden bedeuten. Daß
diese ableitungen mit aud meist aus deutschen stammen hervorgehn, ist
bekannt. Hai es also mit dem diphthong au seine richtigkeit, so ist
Mahns übrigens geschickte und überraschende deutung von marodenr aus
lat. morator abzulehnen/ Krit. anhang.
Marc fr. trester, pic. merc; nach Menage von amurca öhlsatz. Fast
möchte man auf das buchstäblich besser zutreffende bei Plinius und Golu-
mella vorfindliche gallische emarcum vermuthen, das eine geringe ort
reben bedeutet (e abgestoßen wie in mina von hemina). Der herleitung
aus dem deutschen mark (medulla) widerspricht entscheidend der begriff
dieses Wortes, welches gleich dem lat. den kern, das beste eines dinges,
nicht den schalenrest desselben bedeutet. Vgl. überdies Dief. Orig. eur. 333
und unten marcher.
Marcassin fr. frischling, wildes schwein im ersten jähr; unbekann-
ter herkunft. Man darf etwa vergleichen norm, margas, margasse schlam-
mige pfütze, se margasser sich darin besudeln.
Marc h 6 fr. markt, von mercatus; marchand kauf mann, zsgz. aus
alifr. marcheant (marchedant Pass. de J. C.) = it. mercatante {weher
unser marketender), partic. von mercatare, pr. mercadar, nüat. necutian-
tes vel mercadante8 (DG.); doch findet sich ältfr. auch schon marchand,
markand = it. mercante vom lat. mercari.
Marcher fr. sich vorwärts bewegen (besonders von truppen), sbst.
marche gang, tritt, auch stufe; speciell franz., daher entlehnt it. mar-
ciare, marcia, sp. pg. marchar, marcha. Sonderromanische Wörter sind
oft schwerer zu entziffern als gesammtr omanische, da ihnen die in
der nationalen Verschiedenheit der formen enthaltene aufklärung abgeht;
so auch hier. Ist marcher, wie viele geglaubt haben, aus dem cdtisclun
oder germanischen march entstanden, etwa wie chevaucher aus cabaüus,
II. c. MAKE— MARNE. 635
und hieß es früher sich zu pferde fortbewegen? Allein march war längst
vom französischen boden verschwunden, als marcher in der bemerkten be-
detäung daselbst aufkam. Wäre ein dem it. mercare oder mercatare
(Handel treiben) entsprechendes altfr. vb. marcher, marchäer vorhanden,
statt dessen nur ein sbst. marchant, marchöant vorhanden ist, so könnte
man annehmen, dieses habe in seiner bedeutung eine andre richtung ge-
nommen, handel treiben sei mit umherwandern vertauscht worden, und
auch diese auffassung hat ungeachtet der bemerkten Schwierigkeit anhän-
ger gefunden. Besser vielleicht würde man das ursprünglich deutsche
marqae darin anerkennen, zeichen, spur, in weiterem sinne etwa fußstapfe,
tritt. Einige Unterstützung fände diese auslegung im venez. marchiare
buchstäblich = it. marchiare = fr. marquer, begrifflich = it. marciare
= fr. marcher, so daß man auch hier vom zeichenmachen auf das schritte-
machen gekommen sein könnte. — In diese dämmerung hat endlich Aug.
Schder, Dict. etym. und Revue de Vinstr. pübl. en Belg., 1863, licht ge-
bracht. Die älteste bedeutung von marcher ist den fuß auf etwas setzen,
mit dem fuße pressen, treten, wie noch jetzt in marcher l'&offe u. dgl.;
hieran knüpft sich die fortbewegung. Aus marcher treten scheint marc
ausgepreßte hülsen, bodensatz hervorgegangen zu sein, jedesfalls haben
beide ihre quelle im lat. marcus, marculus hammer (marcare hämmern?).
In einem gleichen Verwandtschaftsverhältnisse befinden sich die deutschen
Wörter traben = marcher und träber = marc, oder treten und trester
(was unsere germanisten nicht übersehen mögen).
Mare 'ineubus* Vocab. duac, zsgs. neufr. cauchemar (m.); vom
gleichbed. cdtn. mara, ahd. marä, mhd. mare (alle fem.), nhd. mahr (m.),
engl, night-mare (Grimms Myth. p. 433) und dem franz. nicht mehr vor-
handenen vb. caucher, pic. cauquer, bürg, cöquai = it. calcare pressen.
Die occit. mundart sagt chaouche-vielio drückende alte (hexe, die durch
den Schornstein fährt, Ghampollion Sur les patois 125), dsgl. pesant,
peant, peen, auch greou oder ploumb, überhaupt etwas drückendes, so
auch sp. pesadilla, altsp. mampesada. Im henneg. findet sich neben cau-
quemar auch die entstellung oder umdeutung coquenoir, im wallon. das
einfache marke, s. darüber Grandgagnage.
Marguillier fr. kirchenvorsteher, altfr. marreglier; von matricu-
larius, weil er das armenregister führt.
Marionnette fr. puppe; eigentl. Mariechen (kleines madchen), fr.
Marion. Dahin auch marotte (für mariotte) narrenseepter mit einem
puppenkopf, Steckenpferd (fig.).
Marmotter fr. murmeln, auch comask. marmota; naturausdruck?
Wackemagd knüpft es lieber an das sbst. marmotte und vergleicht unser
an murmeln gelehntes murmelthier, was sehr zu beachten ist.
Marne fr., altfr. marle, merle, noch pic. marle eine fette dünger-
erde, mergel, marner, marler mit solcher erde düngen; von marga, nach
Plinius U. N. 17, 7 gallisch: quod genus (terrae) vocant margam (Galli
et Britanni). Eine abl. aus marga (neben welchem bei Plinius noch
636 II. c. MARON— MATRAS.
eine Variante marla bemerkt werden muß) ist mlat. margila, ahd. mergil,
daher auch durch zusammenziehung die franz. formen, vgl. wegen marne :
posterle poterne. Die ursprüngliche form erhielt sich im it. sp. marga
so wie im bret. marg (m.), während die andern celt. sprachen nur das
abgeleitete wort kennen, kymr. mar], gael. m&rla. S. Grandgagnage II, 58,
Diefenbachs Orig. europ. 380.
Maron, marron fr. ein führ er durch die Alpen (Furetiere, Trivoux),
niarones appellantur viarum praemonstratores (in Alpibue) Chron. S.
Trudonis DG. Woher dies wort, eigentl. ein völkername, auch stammen
möge (R. de Bdloguet n. 297 halt es für cdtisch, s. dagegen Dief. Orig.
europ. 381), das altfr. maronier seemann, matrose ist nicht daher, denn
das suffix on mit persönlicher bedeutung vorträgt im franz. kein zweites
gleichbed. suffix: aus foulon e. b. wird nicht noch einmal foulonnier, oder
es ist, wenn es vorkommt, ein grober solöcismus. Maronier (noch bei
Nicot) ist nichts als eine andre form von marinier (vgl. vilenie, vilonie,
cardinal cardonal).
Marraine fr. paihin; mlat. matrina, pr. mairina, it. sp. madrina,
das frane. wort also wohl entstellt aus marrine durch anbildung an das
masc. parrain, $. daselbst.
Marsouin fr. ein fisch; von maris ans Bouille p. 14, ahd.
meri- suin delphin, nhd. meerschwein. Champ. marsouin schmutziger
mensch.
Massacre/r., pic. machacre niedermetzelung, blutbad; vb. massacrer;
mlat mazacrium aus dem 13. jh. Des Wortes stamm erklärt sich leicht
aus masse heule oder dem ahd. meizan schneiden, hauen, aber das suffix
acre ist ungewöhnlich; das buchstäblich zutreffende it. mazzdchera bedeutet
etwas anders. Nicht unwahrscheinlich entstand es aus dem ndd. mateken
zerhauen Brem. wb., zumal wenn man eine form matseken, matsekern
annehmen darf; auch unser hd. metzger liegt nahe, vgl. piem. massacra
verstummter, pfuschet fZalli, fehlt Ponza). [Dazu Mahn p. 69.]
Matelot fr. matrose. Gegen Nicot' s deutung aus m&t, so daß ur-
sprünglich ein am mastbaume arbeitender so genannt worden wäre, ist
das kurze a zwar kein entscheidender, aber doch ein nicht ungewichtiger
zeuge; in einer stelle des 13. jh. (beiLittrS) steht mathelot, nicht mastelot
Man wird es also auf matta zurückführen müssen: einer der auf der
matte schläft, mattarius, und vielleicht ist matelot (für materot) gradesu
aus mattarius geformt, wozu matelas für materas eine schickliche ver-
gleichung bietet. Weniger empfiehlt sich die deutung aus ndl. maat Ka-
merad, da das einfache wort keinen eingang in das franz. fand. Die
bret. form ist martölod.
Matois schlau, verschmitzt. Dasselbe sagt enfant de la mate: die
Mate aber war ein platz in Paris, wo die diebe zusammenkamen (de
Brieux, Orig. de coutumes p. 16, Du Meril, Dict. norm. 152).
Matras altfr., pr. matratz, matrat Wurfspeer mit dickem knöpf (?),
altfr. matrasser, pr. matrasseiar zerquetschen, zerstoßen; vom gallisch-Uä.
IL c. MAUCA-MEGIR. 637
matara Caesar (mataris Livius, materis Auct. ad Her.) mit dem suffix as
abgeleitet, vgl. Zeuß I, 97, Dief. Orig. europ. p. 383.
Mauca pr., moca cal. bauch, 'venter grossus* GFrov. 64; wohl aus
dem dtschen, indem es mit dem gleichbed. ndl. moocke KU., welches hochd.
manche lauten würde, zusammentrifft.
Mauf£ altfr. name des teuf eis; von male factus, it. malfatto unge-
stalt, vgl. neap. bruttofatto der häßliche, der teufet. Die Wallonen nennen
ihn den geschwänzten, cow&
Mau vis fr. (m., altfr. f.) weindrossd, turdus iUacus. Früher war
die bedeutung weniger bestimmt. Nicot z. b. belegt drei arten des turdus
mit diesem namen; Furetiere u. a. erkennen ihn auch der möve eu. Die
äUen dichter gesellen den unmusicalischen vogel, der nur zip zip ruft,
häufig zur nachtigäll, z. b. car les rossignols et mauvis sceurent si haulte-
ment chanter Rom. de la rose; dies ist aber noch kein grund, die lerche
darunter zu verstehn (MicheVs gloss. zu Ben.), da es dem drosselgeschlechie
nicht an sängern fehlt (turdus musicus, turdus viseivorus). Aus Frank-
reich scheint das im port. und catal. unvorhandene sp. malviz (m.) ein-
geführt; die neap. mundart besitzt marvizzo. Man deutet das wort aus
malus, da der vogel dem weinstocke schädlich ist und darum auch grive
de vendange, dtsch. weingartsvogel heißt; grammatisch besser wäre malum
yitis unheil des rebstocks. Der breton. name ist milfid, milvid, in Vannes
milc'honid; com. melhuez heißt lerche (mel huez süßer hauch, nach
Pryce) ; und auch hieraus wird das franz. wort und sicher mit besserem
rechte geleitet, s. Dief. Orig. europ. 221. Ein dimin. von mauvis (mauvit-s?)
ist mauviette (für mauvitette?) kleine drosselart (Furetiere u. a.), in
Paris die gemeine lerche (Nemnich); dazu henneg. mauviar(d) amsel,
turdus mertda.
Mazette fr. elende mähre, auch ungeschickter Spieler; nach Frisch
I, 652c vom dtschen matz ungeschickt, klotz, ein matzicht pferd, ein
matziger kerl.
Mächant fr. elend, boshaft, altfr. mes-cheant, partic. von mes-
cheoir übel fallen, übel ausschlagen, buchstäblich minus cadere, sbst. altfr.
mescheance unheil. Ebenso ist das aitsp. malcaido unglücklich, arm
FJ. zu beurtheilen,
M£gir fr. weißgerben, mägie weißgerberhandwerk, m£gis, bei Roque-
fort mesgins (?), mesgis weiß gegerbtes feil, mägissier weißgerber. Die
herkunß des wortes ist ungewiß. Menage gewinnt mägissier aus mergere,
denn die feile werden eingeweicht, und diese deutung ist nicht ungeschickt.
Frisch erinnert an engl, meek sanft, aber daraus läßt sich mägie nicht
bilden; auch nicht aus ndl. meuk er weichung, das franz. wort müßte denn
verderbt sein aus mäguie, wofür man pic. möguichier = fr. mögissier
anführen könnte. Littre vermuthet den Ursprung des Wortes in einer regel-
losen Verwandlung des deutschen weißgerben. Die schwestersprachen
haben keine spur desselben: Provenzalen und Spanier z. b. nennen den
weißgerber, wie wir, blanquier, blanquero.
638 II. c. MEGUE-METS.
M£gue fr. (f.) molken; nach einigen für maigre (pic. m&gre kommt
vor) das magere der milch, dem aber das genus zu widersprechen scheint ;
nach Pictet p. 173 ein celt. wort, gael. meog, kymr. maidh. Man erwäge
aber noch ndat. mesga und neupr. mergue (masc. nach Honnorat) molken,
und das wal. mesge saß. Auch ein dtsches meghe ist bekannt, s. Kilian,
watton. makaie heißt weißer käse. Die picard. mundart kennt für megue
auch mingle.
Mäleze fr. (m.) lerchenbaum; muthmaßlich zusammengesetzt aus
mel und larix (lerce mit ausfaU des r wie in chene für cher<jne), also
honiglerche, das harz oder manna des baumes honig genannt. Neuprov.
schlechtweg mele.
Manage fr. haushält, Sparsamkeit, daher m&iager sparen; für
niesnage, ndat. mansionaticam.
Mönil fr. bauernhaus; für maisnil, ndat. manöionile.
Menottes fr. handschdlen ; von manus, main, it. manette.
Merir altfr. prov. lohnen, vergelten (mit dem dat. der person und
acc. der sache), eine bedeutung, die das wort früh angenommen: säum
seryitium . . debite et rationabiliter vult Uli merere Gap. Gar. Calv.
(DG). In der bekannten altfr. formet diex le vos mire "gott lohn es
eucJi muß sich mire durch häufigen gebrauch aus miere vereinfacht haben:
in dem entsprechenden pr. dieus vos o meira geschah dem worte
keine gewatt.
Merlan fr. ein Seefisch, gadus merlangus, wiüing, altfr. merlenc,
mellenc, henneg. merlen, merlin, bret. marlouan. Es hat deutschen klang,
aber ein wort wie merling fehlt dieser spräche: Schmerling, mhd. smer-
ling, ist ein fisch des süßen wassers, cobitis barbattda.
Merlin fr. eine ort dünner stricke auf den schiffen; = ndl.
marlijn, meerling, engl, marline dass., vb. ndl. marlen mit dünnen seilen
annähen.
Merrain fr., pr. mairam stabholz u. dgl., mediran 'cimpar (Zim-
merholz) Gl. cass.; von materiamen L. Sal., lat. materia. S. Pott über
die L. Sal. 163.
M 6 sänge fr. (f.) ein vogel, meise. Das wort ist aus dem deutschen
mit einem suffix, das gewöhnlich abstracten, wie louauge, laidenge, zu-
kommt; es ist entstellt aus dem ndd. dimin. meeseke, wie schon Menage
vermuthete, pic. masaingue. Ein vocabtdarius vom j. 1490 übersetzt mese
mit meseüca Hoffm. Hör. belg. VII, 12.
Mesel altfr. aussätzig, altsp. mesyllo Canc. de B.; von misellas,
dem das rrnttelalter dieselbe bedeutung beilegte; daher auch unser miselsacht
Mest, prov. präposition für lat. inier; von mixtum, vgl. dän.
i-blandt von bland mischung, oder engl, a-mong.
Mäteil fr. mangkorn; = mixticulum, dimin. von mixtum ge-
mischtes getreide.
Mets fr. (altfr. mes geschrieben) gericht, speise; von missum das
aufgetragene, wie das glekhbed. ital. sbst. messo beweist. Die ziemlich
ILo. MEULE-MIEN. 639
alte Schreibung meto ist eine etymologische, um das wort an das vb.
mettre zu knüpfen, nachdem das alte noch im sbst. messe fortdauernde
partic. mes (jetzt mis) dem Sprachgefühle fremd geworden. Wächters
deutung aus dem goth. mats, atid. maz speise, ist demnach bei seife
bu setzen.
Meule fr., mdarÜ. mule, heu-, "kern- oder misthaufe, ab gel. mulon,
mkU. mullo Order. Vit., vb. henneg. muler heuhaufen bilden. Lot. möles
masse, klumpen befriedigt den buchstoben, schwerlich den begriff; möla
gesdirotenes, von molere, verträgt sich, abgesehen von dem begriffe, nicht
mit der form male. Man erinnert an metula von mets. pyramidenförmige
figur, und wiewohl daraus nach allgemeiner regel meille hätte werden
sollen, so ist doch, wenn man altfr. seule aus saeculum, reule, rale aus
regula anschlägt, wohl auch meule mit syncopiertem t zuzulassen. Aber
das pr. molö scheint aus dem franz. zu stammen. Der Picarde besitzt
auch das primitiv moie, dessen herleitung aus meta keine Schwierigkeit macht.
Meurtre fr., alt auch meurdre, mordre mordthat, vb. meurtrir zer-
quetschen, altfr. mordrir u. dgl. ermorden; vom goth. maürthr, ahd. nhd.
mord, vb. goth. maürthrjan, ahd. murdjan. % Das französische stimmt also
in der anwendung des zweiten (derivativen) r zum gothischen, nicht zu
dem weit späteren hochdeutschen dialect. Murtre si est d'home et de fame,
quand en (on) les tue en leur lict ou en aueune maniöre pour que ce
ne soit en mesl6e Estabi. de Louis IX., chap. 25. Der alten prov. spraclie
fehlt das wort, die comask. aber besitzt mördar böse, gottlos, und so be-
deutet auch ahd. murdreo dieb, mord frevelthat (letzteres in Muspilli),
churw. morder mörder, raubet.
Meute altfr. aufstand, erhebung besonders zum kriege, weshalb z. b.
die kreuzzüge meutes genannt wurden, nfr. meute koppel Jagdhunde,
eigentl. jagdzug, daher unser meute. Daß es in movere seine quelle habe,
beweist außer der bedeutung (aufregung, motus) auch das dem vb. ämou-
voir parallel laufende Erneute aufruhr (prop. auch remota), und es thut
nicht noth, nach dem ags. möt begegnung zu greifen. Es scheint sich
aber im roman. ein partic. movitus festgesetzt zu haben, wofür nicht allein
das nüat. movita in den Sirm. formein, sondern auch das altsp. muebda
Bc, Apol. 267 und das noch fortlebende sard. dem ital. mossa gleich"
bedeutende mövida zeugt. Von meute ist fr. mutin aufwieglet (für
motin, moutin?), sp. motin aufruhr, vb. fr. mutiner, sp. amotinar, it.
ammutinare aufwiegeln.
Micmac fr. Spitzbüberei; vom deutschen mischmasch, engl, mistr-
mash u. s. w.
Mie fr. in ma mie, wie die kinder noch in neuerer zeit ihre hof-
meisterinnen nannten; für m'amie aus der alten spräche, welche sich das
possessiv ma noch zu apostrophieren erlaubte. Daß aber auch sie in mie
schon eine verkürzte form fühlte, beweisen Verbindungen wie une mie
(eine geliebte) für un' amie FG. IV, 7.
Mien, tien, sien neufr. absolutes possessiv. Entstehung aus dem
640 ILc. MIES -MIKE.
acc. meum cet. ist nicht anzunehmen, da, eis jenes sich bildete, kein altfr.
meon für mon stattfand. Die formen erwuchsen vielmehr aus dem üb-
lichen possessiv mi, ti, si mit dem suffix ien = dem lat. suffix anus wie
ancien aus anz, haben also mit dem gleichfalls spätem dtschen meinig
von mein etwas analoges.
Mies, miez altfr., ndat. mezium ein getränk, meth; ahd. ags. medo,
engl, mead, gr. pid-v cet, s. Dief. Goth. wb. II> 72. Dieses mUxt. mezium
erinnert in seiner bildung an biezium, s. oben bied. Der prov. Eluci-
dari hat medo gewiß aus dem ndat. medo medonis.
Mievre fr.muthwillig. Menage, auf die norm, form nievre gestützt,
leitet es von nebulus für nebulo. Anlautendes n aus m ist in der Ord-
nung, nicht das umgekehrte. Vgl. in der mundart von Berry maffion
munteres hind.
Mignon fr. niedlich, als sbst. liebling, daher it. mignone; fr. mig-
nard, vb. mignoter liebkosen und andre ableitungen. Dieser stamm mit
erweichtem n erklärt sich richtiger aus dem ahd. minja liebe, als aus dem
gad. min, s. mina L Im mhd. und mndL war minne eine liebkosende
anrede; so singt eine mutter ihrem kinde zu: minne, minne, träte minne,
swik, ich will dich wagen ("wiegen) Hoffm. Hör. bdg. III, 116; diese
bedeutung paßt zur französischen.
Milien fr. mitte; von medius locus, auch it. miluogo, wal. mizloc.
Milsoudor, missoudor altfr., pr. milsoldor, gewöhnlich caval mil-
soldor preiswürdiges schlachtroß; von caballus mille solidorum, wie schon
ein troubaäour erklärt: ieu ai vist caval milsoldor a pretz de trenta
sols tornar Chx. V, 362. Es ist derselbe fall, wenn man ein kleines
pferd bidet de quatre-vingt sous nennt, s. Le Duchat v. bidet. Eine
ganz entsprechende zss. eines Zahlwortes mit dem genitiv eines Substantivs
ist altfr. quartenor = quatuor annorum. Aus mille sous formte der
Normanne ein adj. milsoudier steinreich.
Mi nee fr. dünn, gering, vb. norm. berr. und noch bei Nicot mincer
zerstückeln. Wohl konnte das verbum, indem der accent des inßnitivs
vorwaltete, aus minutiare (woher menuiser) entstehen, aber das adjeetiv
weder hieraus noch aus minütus, minütius. Da das wort ein ausschließend
französisches ist, so darf man auf ein german. etymon vermuthen, altn.
minst, ahd. minnist 'minimus, tenuissimus\ $ aus st wie im altfr. broce
aus börste, bürste.
Mine fr., mina pr. ein getreidemaß, gewöhnlich von medimnus her-
geleitet, paßt buchstäblich nur zu hemlna maß für flüssigkeiten, ndat. aber
auch f ruckt- und langenmaß wiepr. emina, altfr. emine, sp. hemina.
Mire, zuweilen miere RMont. 432, 37, ein sehr üblicher altfr. aus-
druck für arzt, wundarzt, noch jetzt in der norm, mundart: qui court
aprös le miöre, court apres la biere (Du Meril), vb. mirer heäen, s.
Carpentier v. miro. Herkunft desselben von medicus ist unmöglich, dar-
aus entsprang mege. Man hol es wohl aus emir herr d. h. aus einem
durch die Araber zu Salern aufgekommenen ehrentüd für ärzte erklärt
ILc. MIROffi— MOIRE. 641
(s. Gar. II, 89, vgl. Antioch. II, 378): sollte es aber alsdann der Hol.
spräche entgangen sein? Aach an myropola dürfte man denken, hätte
es das mittelaUer nur in diesem sinne angewandt Vom vb. mirer endlich
war mireor zu erwarten, nicht mire. Sidonius braucht medicator, welches
in miere, kaum in mire, zusammenschwinden konnte: letzterem liegt das
urUat. meditor zsgz. meire mire gewiß näher, entbehrt aber jedes beleges;
auch würde in beiden fällen der accus, meor lauten müssen. Aber so
tvie man grammaticus in grammaticarins erweiterte, warum sollte man
medicns nickt in medicarius erweitert haben? Wie aus jenem warte mit
syncopiertem ca grammaire ward, so aus diesem mit derselben syncope
meire mire. Dadurch erklärt sich auch die alte form mirie LRs. 304,
indem ie hier die endung ins vertritt, wie sie auch ia vertreten muß
(miserie, glorie, pecunie). Die abl. medic-arius ist in der that weniger
auffallend als medic-ianas, woher altfr. medecien, nfr. m6decin. Ital.
medicaria für medicina kennt Veneroni.
Miroir fr. Spiegel, altfr. mireor, pr. mirador; gleichsam miratorium,
vgl. sp. mirador, wartthurm, iL miradore Spiegel. Eine andre form ist
pr. miralh, iL miraglio, bask. miraila, zufällig mit lat. miraculum zu-
sammentreffend.
Mitraille fr., daher sp. metralla, Meine metallstücke, besonders
kupfer oder messing; wohl vom altfr. (flämischen) mite kleine kupfer-
münze, tnndl. mijte, nndl. mijt in ders. bed., ursprüngl. etwas kleines,
winziges, auch eine mübe, s. mita I. Mitraille stände also für mitaille
vermöge einer nach t nicht seltenen einschiebung von r. Ein ähnliches
wort ist das norm, mindraille JUeine münze, vielleicht identisch mit
mitraille, aber dem comparativ mindre (d. i. moindre) assimiliert.
Mo eile fr. mark; für meolle, pr. meola, it. midolla, lat. medulla.
Mo ine au fr. Sperling. So artig die herleitung aus fr. moine ist,
wornach es mönchlein heißen würde in beziehung auf die bibelstelle passer
fsolitariu8> in tecto, otQov&iov fiovatyv Psalm 101, und wiewohl auch das
it. monaco, das sp. fraile, das fr. nonnette so wie unser dompfaffe cds
namen von vögeln gebraucht werden, so zeugen doch überwiegende etymo-
logische gründe für einen ganz andern Ursprung. Die norm, form nämlich
ist moisson Brt. II, 244 (noch jetzt üblich), in Lille mousson Gloss.
p. 13 (31), wallon. mohon (so lothr. mohha), cot. moxö, welche sich als
(Ableitungen aus lat musca zu erkennen geben (mnscio) : ein kleiner vogd
ward mücke genannt wie in unserm grasmücke, das henneg. mouchon und
das npr. mousquet bedeuten überhaupt einen kleinen vogd, norm, mois-
seron finke; pr. moizeta, cot. moxeta ist ein raubvogel, der kleine vögel
fängt (menutz anzels prendent Elucid.), nicht = mouette, wie Raynouard
übersetzt. Aus moisson aber entstand moisonel moisnel, nfr. moineau;
vgl. mndl. musche Hoffm. Hör. belg. VI, 256a, VII, 6, ndl. mosch. Es
gibt ein ahd. mez sperling Grimm III, 362, dem sich aber die roman.
Wörter nicht anschließen. Man sehe Grandgagnage s. v. mohon.
Moire fr. (f.), früher mohfcre, mouaire ein fest geschlagener seidener
41
642 ILc. MOISIR-MONJOIE.
oder halbseidener stoff, mohr; nach M&nage zunächst aus dem engt mohair
haartuch, dies nach Scaliger aus moYacar (angelehnt an hair?) ein in der
Levante aus Ziegenhaar verfertigter Stoff; eine deutung, welcher auch die
englischen etymologen beistimmen. Vgl. Weigand IL 184.
Moisir fr., mozir pr. schimmeln; von mucere oder maeescere.
Mo i s on dltfr. maß; von mensio.
Moisson fr., meisso pr. ernte; von -messio abmähung.
Moite fr. feucht, dltfr. moiste, daher engl, moist. Nicht von ma-
didus; besser berechtigt wäre humeetus mit eingeschobenem s, aber die
englische form, worin dies s hörbar ist, scheint der einschiebung zu wider-
sprechen. Die begriffe zart, weich, saftig, feucht gränzen aneinander,
z. b. im lat. udus, gr. vyQog, it. molle: tat. musteus jung, neu dürfte
also in betracht kommen, engl, moist heißt nicht bloß äußerlich feucht,
sondern auch innerlich saftig. Die unter moscio I. erwähnten warter mit
der bed. feucht sind vielleicht dem gegenwärtigen anzureihen.
Molle ton fr. ein sehr weicher wollener stoff, dtsch. molton; vom
adj. mol, mollet.
Momer dltfr. maskerade spielen, nfr. momerie masker ade, norm.
momon possenreißer; vom dtschen mummen, mumnierei, eigentl. nach-
ahmung des vom dumpfen laute so benannten gespenstes mumel, Grritnms
Myth. p. 473. Nach Ducange momerie für mahomerie moschee, daher
lächerliche sache.
Mon altfr. partikel mit der bed. 'allerdings, wirklicti, z. b. c'est
mon das ist so, ce fait mon das thut er allerdings, bei Moliere Qa-mon
ma foi Med. imag. 1, 2; andre bspp. §relli 343, Burguy IL, 306. Sollte
das altn. fragewort man, schwed. monne, dän. mon (Grimm LH, 762)
oder das gr. /naiv darin stecken, da es sich häufig an savoir hängt (pour
savoir mon)? Allein dem widerspricht der sinn des Wortes, worin kein
zweifei, vielmehr bestimmtheit liegt. Besser schon verträgt es sich mit lat.
admodum, ließe sich die form damit in einklang bringen. Auch von dem
ital. zeitadverb mö = lat. modo ist es fern zu halten. Recht wohl aber
nach form und begriff paßt es zum lat. adv. munde, so daß es für mond
steht, denn das* fehlende orthographische d kann in dem dunkeln warte
nicht in betracht kommen. Das dltfr. adj. monde, ursprünglich gewiß
masc. mon, mond wie improv., war ganz volksüblich. Hiernach war die
grundbedeutung ungefähr die des it. pure: pour savoir mon heißt 'um es
rein heraus zu erfahren, vgl. henneg. h6-mon? nicht wahr? [Man sehe
die weitere rechtfertigung dieser deutung bei Gachet 318*.]
Monjoäe altfr. (f.) höhe, gebirg: noz gens furent enclos del&
une monjoie; für mongiu aus mons Jovis dlpengebirg, wenn es auch lat.
durch mons gaudii ausgedrückt ward. Einen andern Ursprung hat mon-
joie als kriegsgeschrei der Franzosen, nach Ducange von mons gaudii,
weil der heil. Dionysius, denn oft wird S. Denis beigefügt, auf einer an-
höhe gemartet worden sei. Ein richtigeres etymon aber ist meum gau-
dium, wie schon Ordericus Vitalis schreibt, der name des Schwertes
J
IL c. MOQÜER-MORTAILLE. 643
Karls d. gr., welches in seinem griffe eine reUquie barg. So lehrt Gachet
318b in betreff beider bedeatungen. Man kann indessen das bedenken nicht
überwinden, daß, was das erste wort betrifft, mons Jovis wohl monjoi,
aber nicht monjoie erzeugen konnte, und in betreff des zweiten, daß das
pronomen mon sich nicht mit dem fem. joie verbunden haben würde, denn
Gachet's erklärung, letzteres sei im provenzalischen masculin, ist unrichtig:
bekanntlich gibt es hier ein masc. joi und ein fem. joia, das zweite
namentlich in dem kriegsgeschrei monjoia angewandt. Grammatisch be-
trachtet kann also kein meum gaudium, allerdings aber ein mons gaudii
darin enthalten sein.
Moquer altfr. verspotten z. b. RFlor. p. 14, nfr. se moquer de
qquD, pr. mochar. Dieses letztere beweist, daß die streng franz. form
mocher oder moucher wäre, der man aber, wie es scheint, zur Unter-
scheidung von moucher (schneuzen) das pic. moquer vorzog. Desselben
Ursprunges ist das $p. mueca grimasse, Verspottung, altsp. moca. über
ein wort wie das vorliegende ist es nicht leicht ins reine zu kommen, da
der stamm moc mit ähnlicJier bedeutung in verschiedenen sprachen vor-
kommt. So gr. fiit)Y.<fv verhöhnen, besonders mit grimassen, ein allerdings
entlegenes wort; kymr. moccio, engl, mock spotten (aus dem franz.?);
ndl. mocken, ndd. mucken den mund verziehen (vgl. it. beffare spotten,
eig. wohl die lippen spitzen); nhd. mucken, sich mucken s. v. a. lat.
inutire, woher it. motteggiare einen aufziehen, vexieren. Eine ganz ver-
schiedene deutung sehe man bei Schder, vgl. auch Dief. Celtica I, 82.
Morbleu fr., früher morbieu, ein schwur; euphemistisch für mort
dieu gotts tod.
Morceau fr. bissen, amorce köder, amorcer ködern; von morsus, it.
morsello, mlat. morsellos *offas Nyerup p. 385, s mit g vertauscht wie in
percer, rincer, sauce u. a., daher die picard. formen morchel und amorche.
Mordache fr. zange; vom adj. mordax mordacis beißend, sp.
mordacilla, dtsch. beißzange.
Morfondre fr. erkälten, eigentl. den schnupfen machen; von morve
fondre, s. mormo /.
Morgue fr. trotziges gesicht, morguer einen trotzig ansehen. Woher?
Mo rille fr., pic. merouiile, meroule ein eßbarer schwamm, ndl.
morilje, engl, morel, ahd. morhila, nhd. morchel, schwed. murkla; nach
Salmasüts so genannt von der schwarzen färbe, die dieser schwamm abge-
kocht annehme, s. Menage.
Morne fr., morn pr. niedergeschlagen, düster; vom goth. maiirnan,
ahd. mornen trauern; eigentlich von einem unvorhandenen adjectiv dieses
Stammes. Ein verbum morner verzeichnen Roquefort und Monnard.
Andrer bedeutung ist pg. morno lau, kraftlos, matt.
Mortaille altfr. das erbreclit des herrn an das vermögen seines
ohne erben verstorbenen leibeigenen; für mort-taille todtenabgabe, mortui
tallia, wie Ducange erklärt, sonst auch manus mortua. Daher neufr.
mortaillable leibeigen.
644 II. c. MORUE-MOYEU.
Morue fr. Stockfisch, gadus morhua L., mundartl. auch molue. Es
kann auf franz. weise syncopiert sein aus moruda, wie der name eines
andern fisches barbue aus barbuda, barbuta: pr. morut (fem. moruda),
sp. morrudo aber heißt dicklippig; allein dies ist kein bezeichnendes merk-
mal des thieres} das nur eine vorstehende obere kintüade zeigt. Moruda
ist also wohl in anderm sinne zu nehmen. Der Spanier nennt die ein-
geweide dieses fisches, die man einsalzt und versendet, morros, das
überhaupt für abgerundete körper, Ideine klumpen, auch dicke tippen ge-
braucht wird, daher morue ein fisch, welcher dergleichen klumpen in
sich enthält.
Mou fr. ochsen-, kalbs- oder schafslunge; eigentt. weicher theü,
weiches eingeweide, von mollig, im gegensatz zu herz und lebet, die man
mundartl., z. b. in Rheims und Normandie, le dur nennt. AUfr. mol =
mollet weicher theil des beines, wade.
Mou eher fr. schneuzen, mlat. si nasum excusserit, ut muccare
(mucare) non possit L. Rip.; von mueus, muecus. Daher auch mouchoir
schnupftuch u. a. m.
Moue fr. verzogenes maul. Nicht vom gleichbed. engl, mow, welches
im angels. in dieser bed. unvorhandene wort (Somner verzeichnet move
acervus = engl, mow heap) Johnson nicht befriedigend aus engl, mouth
erklärt; sondern eher mow von moue, wie vow von vouer. Es scheint
das ndl. mouwe KU. p. 404 oder das hd. mauwe pulpa Frisch I, 65Ü,
und konnte die vorgestreckte Unterlippe bedeuten, wie henneg. faire la
lippe so viel heißt wie faire la moue, ndl. mouwe maken Hoffm. Hör.
bdg. VI, 254h, vgl. auch schwz. mau wen kauen, mäuel verdrießliches ge-
steht. Vielleicht ist das neupr. moio laune, grille, dasselbe wort.
Mouette fr., pic. mauwe möwe. Von moue, weil der vogel einen
knollen an der unteren kinnlade hat? Allein es kann seine Verwandt-
schaft mit dem deutschen möwe, mewe, ahd. meu, ags. mäv, dUengl. mow,
neuengl. mew, schwer verläugnen.
Mousse fr., mossa pr. moos, schwamm; vom ahd. mos, nhd. moos
(it. sp. musco, wal. muschiu vom lat. muscus). Daher vb. mousser, maU.
mossa schäumen, ämousser abmoosen, so wie sbst. mousseron ein im moos
wachsender erdschwamm.
Moutier fr. pfarrkirche, kloster, dttfr. moustier; von monasterium
münster. Noch in Lothringen ist mot6 das übliche wort für kirche.
Moyeu fr., pr. muiol und molh nahe des rades; vom gleichbed.
modiolus, vgl. mozzo IL a.
Moyeu fr., alt moieul d' oef Gl. de Lille 26 (56), pr. muiol,
mugol, moiol dotter, eigelb. Die bekannte herleitung des franz. wertes
aus medium ovi ist den prov. formen gegenüber, trotz der früheren auf
etymologischer ansieht beruhenden Schreibung moyeuf, nicht so leicht hin-
zunehmen. Die ben&mung des dotters als mitte des eies wäre ohnehin
pedantisch : meist nennt man ihn nach der färbe; sonst heißt er lat. käOh
cJwn (yitellus), ital. muskel (tuorlo), span. knospe (yema), dUnord. Uume
ILc. MUER— NAIF. 645
(eggia-blomi). Aus medulla, begrifflich nicht unpassend, sind wenigstens
die prov. formen nicht zu construieren; aber mytilus, besser mutulus, läßt
sich mit einiger aussieht auf Zustimmung geltend machen. *Die gemeine
eßbare muschd hat die färbe, ungefähr auch die große des dotters und
befindet sich, wie dieser, in einer schale: leicht konnte man ihren namen
auf ihn übertragen. Mutulus, mit mehr roman. endung mutölus (so scan-
dula, 6chandole), konnte pr. muiol, fr. moyeul, vgl. dieselbe entwicHung
des y in crayon aus creton, ergeben.
Muer fr. sich maußen, altfr. verändern, sbst. mue mauße, altfr. auch
Jcäfig, kerker; von mutare, pr. mudar ff. Zsgs. fr. remuer, pr. remudar
rühren, bewegen, nie derselbe bleiben ; ungeachtet der altfr. bed. wegschaffen,
entfernen nicht von removere. Mlat. ut nullus de istis convenientiis se
rerautare non posset Breq. num. 39 (v. j. 572).
Mufle fr. (m.) schnauze, dazu norm, moufler maulen, pic. moufeter
die lippen bewegen; vom deutschen moffel wer dicke herabhangende
lippen hat
Mugue neupr. eine blume, hyacinthe, daher fr. muguet, it. mu-
ghetto und mugherino maiblume, altfr. mit s musguet TFr.p.36a. Nach
Salmasius von muscus moschus, überhaupt wohlgeruch, darum muguet
auch ein von salben duftender liebhaber, und, was entscheidend ist, das
veraltete noix muguette muscatnuß (noch bei Nicot), vgl. auch sp. mus-
carf hyacinthe. Die ital. Wörter müssen aber aus dem franz. eingeführt sein.
Mulot fr. große f eidmaus; vom ndl. mul, ags. myl staub (ein thier,
das im staube lebt?), vgl. auch ndl. mol, engl, mole maulwurf.
Mür fr. adj. reif, alt mettr (mattr LBs. 370) ; von maturus, pr.
madur ff.
Musser fr. verstecken, besser mucer = pic. mucher, daher sie.
aramucciari; dasselbe wort ist churw. micciar entwischen. Gewöhnlich
braucht man es reflexiv se musser: ist es nun das mhd. sich mflzen sich
maußen d. h. sich ins dunkle zurückziehen, da die maußekäfige verdunkelt
waren? Wenigstens ist ein deutscher stamm müz dem worte analog.
N.
Nabot fr. knirps. Napus (rübe) ließ navot, wie navet erwarten:
drum geht man besser, und um so besser weil nabot speciell franz. ist,
auf alfn. nabbi knorren zurück. Norm, uapin bübchen erinnert zugleich
an das deutsche knappe.
Nacelle fr. nachen; von navicella in den Pandecten.
Nager fr. schwimmen, altfr. auch schiffen; von navigare mit beiden
bedd., waUon. naiv!, it. navicare u. navigare.
Naie altfr. partikcl der Verneinung; vom altn. nei = goth. nS.
NaTtf fr. naturgetreu, natürlich, unbefangen, natif gebürtig; von
oativus, sp. nativo, it. nativo, natio angeboren, natürlich, ursprünglich.
646 ILc. NANS— NEIS.
Natürliche einfachheit wird leicht als Unverstand aufgefaßt, daher bedeutet
altfr. und noch jetzt henneg. naYf einfältig, albern: fols et nalfs FC. IV,
180, auch pr. foudat nadiva.
Nans (plur.) altfr. pf ander, möbel Ruteb. I, 121; später namps
geschr.j nüat. namium, daher nantir pfand geben; wahrscheinlich vom altn.
näm (n.) wegnähme, mhd. näme, wie sp. pg. prenda pfand, mobel, vom
vb* prender nehmen. S. Grimms Rechtsalt, p. 618.
Nappe fr. tischtuch; von mappa, wallon. mapp. Das lat. wort hat
sich in dieser anwendung nur im franz. behauptet : die span. spräche hat
dafür manteles, die Ual. das unlat. tovaglia; doch findet sidi piem. mapa,
neap. mappina Wischlappen, bei Ferrari auch nappa, das sonst, gleich
dem lomb. mappa, nur die bed. quaste oder büschel hat.
Narguer fr. spotten; gleichsam narieare die nase verziehen. Die
Isid. glossen enthalten das sbst. nario 'subsannans3, daher ahd. narro, nhd.
narr, comask. nar, vgl. bask. narra närrisch (bei Humboldt). Auch henneg-
naquer beriechen steht wohl für narquer. Narquois verschmitzt (ver-
höhnend) leitete schon Frisch aus derselben quelle, aber sicher läßt sich
auch das sbst. narquois gaunersprache hieher rechnen, näselnde oder höh-
nische spräche, vgl. dasselbe suffix in pat-ois und im altfr. clerqu-ois
gelehrte spräche, latein.
Natte fr. matte, altfr. nate schon imAlexiuslied; von matta, dessen
m sehr früh in n übertrat: illud quod intextis junci virgulis fieri solet,
quas cvulgo' nattas vocant Greg. Tur. Daher auch mnctt. natte EH., vgl.
Hoffm. Hör. belg. VII, 30. Itcd. matta.
Naut^r. hoch, sbst. nauteza; von in alto in der höhe, woi. nalt
neben inalt, woher auch das alb. nalte.
Navet fr. Steckrübe; von napus, auch it. navone.
Ne franz. zum verbum construierte negationspartikel; geschwächt aus
altfr. non (nun), der ausschließlichen form in den Eiden und im Lied
auf Eulalia, nur daß letzteres in der Verbindung no-8 (= non se) n ab-
stößt. Zuerst zeigt sich die geschwächte form neben der ungeschwächten
im Leodegar. Zsgs. ist nenni nein, altfr. nen-il = pr. non il = lat.
non illud, bei R. Stephanus, Gramm, gall p. 77, nani u. nanin; nach
Raynouard von non nihil, nach Ampere vom altlat. nenu bei Lucrez.
Nee pr. (fem. nega?) unwissend, albern, z. b. B. 172, 20, nic)d
1 stammelnd', wie Rochegude meint; wahrscheinlich vom sp.niego nestting,
s. nido I. Abgeleitet von nee ist das gleichbed. fr. nigaud.
Neige fr.schnee, vom adj. niveus, nivea wie cage von cavea; altfr.
neif = pr. neu, von nix nivis.
Neis altfr., zuweilen neYs, auch nis, pr. neis, selten neus adv.sdbst,
sogar, z. b. neis quan soi iratz, ieu ehant 'selbst wenn ich betrübt bin,
singe ich\ Muthmaßlieh entstand diese partikd aus ne ipsum und sollte
eigentlich verneinen, allein der negative sinn schlug in positiven um, wie
dies annäherungsweise auch bei pr. ne (lat. nee) der fall war. überdies
ist nicht zu übersehen, daß die prov. nebenform negu-eis, welche zusam-
IL c. NELEIT— NOROIS. 647
mengesetzt ist wie neg-un d. h. neque-unus, gleichfalls positiven sinn aus-
spricht. Andre deutungen sind : aus in ipso und aus nae ipsum, lästere
von Littre.
Neleit, neleg pr. nachlässigkeit, fehler; vom sbst. neglectus.
Nemps prov. adverb, vom lat. nimis, nachgewiesen von Raynouard
LR. s. v.j z. b. tatz, boca, nemps potz lenguejar schweig, mund, nur zu
sehr kannst du plaudern; nai dich nems M. 823, 2. Über eine com-
parativbüdung nemäs s. Altrom. glossare s. 63 note.
Nice fr. aU>ern; von nescius, pr. nesci, sp. necio.
N ich er fr. nisten, alt niger, nigier Brt II, 60; von nidificare,
indem de (nidfeare nidcare) sowohl zu ch wie zu g werden kann. Merk-
würdig ist npr. nisd von nis = nidus, dessen flexivisches s, wie in einigen
andern fallen, als ein radicales verstanden ward — oder sollten beide
Wörter aus unserm nisten und nest entstanden sein? Aber das latein genügt.
Niece fr. nichte. Keine der roman. sprachen hat sich mit lat.
neptis begnügt, welches it. nette, fr. net hätte geben müssen. Man bog
es, vielleicht um seine weibliche bedeutung besser fühlen zu lassen, in die
erste declination um, nepta, das im früheren mlatein begegnet, pr. nepta,
sp. nieta, pg. cat. neta. Der Franzose verschaffte sich mit hülfe des ab-
leitenden i in nept-i-s die ganz ungewöhnliche form neptia, ni&ce, pr.
netsa (it. nezza wenig üblich). Aber auch dem masc. nepos entlockte
man ein unmittelbares fem. nepota, pr. cat. neboda, wal. nepoat^.
Nippe fr. (f.) kleidung, mobel und alles was zur einrichtung und
zum putz gehört (Acad.), pr. nipa de seda putz von seide GÄlib. 1267,
vb. fr. nipper mit dergleichen geräthe versehen; mit Chevdllet vom altn.
hnippi, hneppi, auch knippi, schwed. dän. knippe bündel (habseligkeiten?).
Nique fr. (f.) spöttisches nicken, bloß in der redensart faire la
nique; vom ahd. hnicchan, nhd. nicken. Dahin henneg. faire un niquet
einnicken, schlummern, im Jura niquet mittagsscMäfchen. Auch niche
schalkheit (faire une niche ä qqun) wird von nicken hergeleitet, s. Ampere,
Form, de la l. fr. p. 213.
Noel fr. Weihnachten; von natalis, pr. altsp. nadal, also euphonisch
für nael wie po61e für pagle.
Noise fr., pr. nausa, cat. nosa zank, Störung, lärm. Man denkt
an noxa und niederländische phäologen übersetzen so ihr dem franz. ab-
geborgtes noyse, noose s. Clignett II, 132; allein die prov. form ent-
scheidet für nansea ekel, demnächst wohl ärger, widerwärtige sache; noxa
hätte auch in dieser mundart nur noisa hervorbringen können.
Nomble fr. (f.) hirschziemer; von lumbnlus. Man sehe Potts
Forsch. II, 100.
Nord fr. (bereits in den Liv. d. rois le nord p. 250), daher it.
sp. norte eine weltgegend; vom ags. nordh, engl, north septentrio.
Norois altfr. norwegisch, vom nordischen ländernamen Norvegr,
bedeutet demnächst stolz, übermüthig Ren. IV, 68, vgl. RCam. p. 30, ein
von der eigenschaft des erobernden volkes abgezogener begriff. Fast in
648 IL c. NOSCHE-OINDRE.
umgekehrtem sinne drückt jetzt der als appellativ gebrauchte name der
frans. Normannen etwas zweideutiges aus: räponse normande ist so viel
als r£ponse ambiguö.
Nosche altfr. (nusche Rol. p. 25), pr. nosca Flam., noscla GO.
schnalle; ist das ahd. nusca mit gl. bed., abgel. nuskil. S. auch Ducange
v. nusca, nosca.
Nouilles fr. (nur im plur.), das deutsche nudeln.
Nourrain fr. brut; für nourrin, pr. noirim, von nutrimen.
Noyau fr. kern im obste; von nucalis nußartig, daher auch pr.
nogalh kern der nuß.
Nualh pr. nichtswürdig, wovon aber nur der compar. nualhor, altfr.
neutr. nualz, überdies mehrere ableitungen, wie nuallos, altfr. nueillos,
pr. nualheza, vb. nualhar, vorhanden sind. Raynouard dachte an non
Valens, es hat vielmehr seine quelle in nugalis bei Gellius, compar. nuga-
lior, nugalius; s. Altrom. sprachdenkm. p. 69.
Nu er fr. schattieren; von nue, lat. nubes, gewölk, daher nuance
Schattierung, eigentl. bewölkung.
Nuitantre altfr. adv. eur nachteeit (entstellt nuitancre Assis, de
Jerusalem p. Beugnot gloss.), mlat. mit noctanter ausgedrückt nach dem
muster von cunctanter. Etwa entstanden aus noctis tempore = it. notte-
tempore? Aber wie soventre aus sequente, so konnte nuitantre aus dem
ablat. noctante entstehen: das gleichbed. nuitamment läßt sich nur aus
noctante mente erklären. Das vb. nottare, annottare kennt die ital.,
anuitier die altfr. spräche.
o.
0 altfr. pr. pronomen, zuerst in den Eiden vorkommend in o quid,
vom lat. hoc; esgs. altfr. avoc damit (s. oben avec), poroc dadurch,
sinoc ohne das.
Obier fr. (zu unterscheiden von aubier s. oben) ein Strauch, vibur-
num opülus L. (mm it. oppio II. a).
Obseques fr., pr. altsp. obsequias leichenbegängnis; umgedeutet
aus exsequiae vermittelst obsequium, indem man an das willfährige ge-
folge der freunde und diener dachte: in obsequium divitis, sagt Petr.
Ghrysologus (t 449), migrat hie tota civitas, cum funus effertur (DG).
Obus fr. (m.) ein grobes geschütz, daher sp. obuz; vom dtschen
haubitze, im 15. jh. haufnitz aus dem böhm. haufnice ursprüngl. Stein-
schleuder, nach Schmeller, s. Weigand s. v. Die herleitung aus lat. obba
(ein trinkgeschirr) ist verfehlt": der Franzose kennt weder das primitiv
noch das suffix.
Oeillet fr. ndke; dimin. von oeil, also äuglein.
Oignon fr., uignon pr. zwiebel; von unio bei Cotumetta.
Oindre fr. salben; von ungere.
ILc 0IS1F-0RIFLAMME. 649
Oisif fr. müßig; aus otium abgeleitet.
Ol i fant altfr. 1) elephant, 2) elfenbein, 3) ein blase-instrutnent, bei
Turpin tuba eburnea, pr. olifan in erster bei. (elephant nur imElucidari);
entsprechend niederrhein. olyfant, ndl. olfant Gl. bat. saec. 14, s. Dief.
Gloss. last, germ., noch jetzt olifant name des thieres, bret. olifant, com.
oliphans, kymr. oliffant name des thieres und seines zahnes. Die ab-
weichung von elephantus ist seltsam, ihr anlaß dunkel; Wackernagel ver-
gleicht den anlaut des goth. ulbandus, ahd. olpenta kameel, ebenfalls um-
gebildet aus H4q>ag. Noch das glossar von Bouai (14. jh.) hat oilifans,
das von Lille (15. jh.) schon elephant Auch it. liofante und lionfante
sind abnorm. Sonderbar ist das cdtport.von S. Rosa verzeichnete ol-mafl
für das übliche marfim elfenbein: es ist, als hätte sich olifant auch hier
eingemischt d. h. eine sonst nicht vorkommende abänderung des arab. ar-
tikels hervorgebracht. Vgl. W. Grimm zum Rolandslied 233, 4.
Oncle fr. pr. oheim (weil, unchiu, alban. unki); eher durch ausfall
des v aus a'unculns, das bereits auf einer neapolitanischen inschrift vor-
kommt (Corssen I, 138), als durch abfäll des av aus unculus entstanden,
da die franz. spräche die aphärese wenig begünstigt. Avunculns für pa-
truns hat schon die L. Sal.; nicht anders ward unser oheim, früher
mutterbruder, auch auf den vatersbruder übertragen, vgl. Richthofen v. em.
Ordalie fr. (f.) gottesurtheil; vom mlat. ordalium, dies vom ags.
ord&l (n.) = nJhd. nrtheil. AUfr. ordel, s. Gloss. du droit fr. in Instit.
de Loysel, ed. de Par. 1846.
-Ordonner fr. ordnen, befehlen; von ordinäre mit ungewöhnlichem
vielleicht durch die phrase donner Vordre veranlaßten übertritt des i mo;
auch altcat. ordonar bei R. Muntaner, aber altfr. ordener, neucat. pr. sp.
pg. ordenar.
Orendroit altfr., orendrei pr., zeitadverb; zsgs. aus or en droit,
wörtlich 'jetzt grade fort\ Ähnlicher art ist ahd. in girihti immerfort,
reht = fr. droit.
Orfraie fr. (f.) meeradler; von ossifraga, it. ossifrago, s in r ge-
schwächt, engl, aber mit vertauschtem labial osprey.
Orfroi fr., richtiger orfrois, altfr. auch orfrais, pr. anrfres, altsp.
orofreß mit gold durchwirkter Stoff, goldborte, dimin. altfr. orfrisiel Ren.
IV, vb. orfroiseler. Das mittelalter machte aus diesem wort auriphrigium,
indem ihm die phrygiae vestes der Alten vorschwebten, z. b. aurifrigium
'gcldbordo Gl. lindenbr. (10. jh.) ; aber der auslaut s steJti so gesichert,
daß an phrygius nicht zu denken ist. Auch in anrum fractum, welches
geschlagenes gold d. h. goldfaden heißen soll (z. b. Du Meril Fl. El. gloss.),
will es sich nicht fügen. Der zweite (heil der zss. muß vielmehr fraise
sein (fregio 1.) und das ganze goldkräuselung, goldverzierung bedeuten;
fraise aber, sofern man nicht eine ableitung aus dem nom. Phryx zuläßt
(woher das zweifelhafte phryxianus), scheint deutscher herkunft.
Orif lamme fr., früher auch oriflambe (orie flambe Rol.) und ori-
flant, pr. auriflan, ursprüngl. fahne des klosters S. Denis, von rother seide
650 II. c. OEME-OTER.
an vergoldeter lanee getragen, in weiterem sinne hauptbanner eines heeres,
s. R. de Cambr. p. 331, Dueange v. auriflamma, vgl. Genin, Chans, de
Hol. p. CXIII; zsgs. aus aurum und flamma wimpd, wegen seiner zadäckten
gestdlt so genannt, bei Vegetius flammula. Seltsam ist das gleichbed. aiUfr.
oriflour, pr. auriflor, dessen eigentlicher sinn nur goldblume sein kann.
Orme fr. (m.) tdme; von ulmus, pr. olme ff.
Orne dttfr. in dem adv. a orne 'sammt und sonders' , gewöhnlich
mit tout verbunden: li rois Artus cele part tonie et li autre trfestot ä
orne Trist. I, 188; trestoz les chiens mordent ä orne Ren. I, 48; vgl.
Trist. I, 161, Ren. I, 244, Brt. II, 215, Ben. I, 113, a ourne TFr. 469;
von ad ordinem = ex ordine nach der reihe, s. Michel zu Ben.; ordne
für ordre LJ. 466.
Orni&re fr. geleise des wagens; mit seltener Verwandlung des d in
n aus altfr. pic. ordtere, gleichsam orbitaria von orbita, dessen dasein auf
frone, gebiete auch das wailon. ourbtre bezeugt.
Osche, oche altfr., neupr. housco, houesco, cot. osca kerbe, vb. altfr.
oscher, öcher, pr. cot. oscar einschneiden; von ungewisser herkunft. Mary-
Lafon p. 38 führt auch ein bask. osca an; das bret. wort ist ask, vb.
aska. Sollte letzteres die ursprüngliche form darstellen, so dürfte viel-
leicht an lat. exsecare zsgz. escare gedacht werden. Aber zu der bed.
einschneiden kommt im altfr. noch die bed. brechen Ben. I, 166, Trist,
gloss., pic. ocher schütteln (einen bäum). Andre composita sind entreoscher
Chart, p. 23, Trist., aocher unterdrücken LRs. 236, desocher losmachen.
Oscle altfr. pr. Schenkung ; mlat. osculum donatio propter nuptias,
quam solet sponsus interveniere osculo dare sponsae Dueange. Noch
bürg, ocle, oclage.
Oseille fr. Sauerampfer. Für dieses kraut haben die andern
sprachen andre ausdrücke gewählt, die span. z. b. acedera, die port. aze-
dinha, die churw. aschiella, die ital. acetosa, agretto, die neupr. aigreto,
die catal. agrella (von aeidus, acetus, acer); das spätere mitteÜatein
schrieb gewöhnlich aeidula, acedula (so Gloss. de Lille). Dieses diminutiv,
entsprechend unserm Säuerling, konnte franz. kaum anders lauten als
aceille (genau das angeführte churw. aschiella) oder höchstens mit s aseille,
nicht oseille: hat hier nun, in betracht des anlautes, das lateinische dem
griechischen entnommene, vielleicht nicht einmal volksübliche oxalis ein-
gewirkt, oder hat der zufaU diesen auch in orteil vorhandenen latdwechsd,
oseille aus aceille, herbeigeführt? Das ist die frage.
Osier fr. bachweide, weidenruthe, mdartl. (in Berry) oisis, bret.
aozil; stimmt zum gr. oloog weidenartiger strauch, dessen zweige zum
flechten dienen. Altfr. auch vime, pr. vim u. s. w.
Oter fr., alt oster, pr. ostar wegnehmen, daher engl, onst Dueange
u. a. erklären es aus ohstare, das auch die schwestersprachen, aber m
lat. bedeutung haben : si quis baroni viam suam obstaverit L. Sal. emend.
31, 1, worin obstare viam so viel heiße wie 6ter le chemin den weg be-
nehmen; und so sage man auch oter le soleil ä qqun, so daß diegrmd-
IL c. 0UA1CHE— OUCHE. 651
bedeutung hemmen, abheilten wäre, endlich auch öter le pain de la main.
Aber die besten und ältesten hss. lesen si quis baronem de via sua osta-
verit, was diese erklärung sehr verdächtigt Hier eine andre, übrigens
schon von Menage, aber ohne rechtfertigung ausgesprochene. Lot. haurirc
hei fit, wie unsre lexicographen übersetzen, schöpfen, verschlingen, desgleichen
herausnehmen, wegnehmen, z. b. sumptum ex aerario, und so konnte das
roman. wort, da es offenbar die letzteren bedeutungen zeigt, aus einem
frequentativ haustare gleichbed. mit haurire entstanden sein, welches neuer-
lich von Wagener in dem glossem exhaustant 'efferunt* bei Festus (Paul.)
nachgewiesen worden ist. Die franz. form oster ist sprachrichtig, die
strenge prov. wäre allerdings austar; ostar könnte aus Frankreich ge-
kommen sein, dem Gatalanen ist es nicht bekannt. Zwar nennt uns Hon-
norat ein veraltetes pr. austd, das er mit hausser übersetzt, die bedd. auf-
heben und wegnehmen aber liegen nahe zusammen, wie die lat. verba
tollere und levare lehren, doch fehlt jede genauere angäbe über ein solches
verbum. Die prov. form von obstare würde mit der latein. zusammen-
treffen, wenn man obs, observar, obstinar, obstant vergleicht. Eine be-
stätigung der hier angenommenen deutung liegt in dem mit oster gleich-
bed. altfr. doster, in Berry döter, pr. (15. jh.) dostar s. Jogas p. 141
(donar e dostar geben und nehmen), limous. doustä: wie auf haurire
oster, so geht auf das gleichfalls vorhandene dehaurire doster zurück,
deobstare wäre ein unsinn. Selbst das churw. dustar bewahren (bei seite
thun) wird dieser herkunft sein. — Eine sehr aufmerksame Untersuchung
des Wortes von Scheler findet sich Revue de Vinstr. pübl. en Belgique 1863
jetnv. et mai.
Ouaiche fr. (m.) spur, die ein schiff auf seiner fahrt im wasser
zurückläßt. Das deutsche sbst. weg ist fern zu halten. Als nebenform
gibt Trevoux ouage, und dies erklärt sich vermittelst des span. aguage
Strömung im meere, denn das schiff bringt in seinem laufe eine Strömung
liervor, indem es das wasser nach sich zieht; aguage aber ist = aquagiura
Pandect. Auch das genus paßt.
Ouaille fr. schaf; von ovicula, sp. oveja, pr. ovelha, oelha. Das
f>rimitiv ovis findet sich im aUfr. oue wieder Ben. II, 79, ebenso im wal.
oae; die dimintUivform aber ist acht romanisch: ovicula setzt daher z. b.
der Vocab. S. Galli für das dtsche keine Verkleinerung ausdrückende au
(= lat. ovis). Übrigens urird ouaille nur in bildlichem sinne gebraucht,
für den eigentlicJien gilt brebis, in der ital. spräche pecora.
Oublie ein back werk, hippe; von oblata wegen seiner ähnlichkeit
mit dem so benannten abendnuübrot; die richtige form wäre, wie schon
Menage erinnert, oublaie.
Ouche, ousche altfr. zum pflügen taugliches land, terra arabilis,
nach Ducange; vom ndat. olea, einem uralten worte: campus tellure foe-
candus, tales enim incolae oleas vocant Greg. Tur., daher der Ortsname
Disouche (Duae oleae Quicherat Noms de lieu 58); vgl. gr. whia, ioXa^
furche.
652 ILc. OUEST— OUVRIR.
Ouest fr. (alt le west LRs. 248), daher sp. ovest, eine der weit-
gegenden; vom ags. vest, engl, west occidens.
Oui fr., oc pr. partikel der bejahung. Aus lat. hoc floß die prov.
form, die also, entsprechend dem gr. ravxa, 'das ist es* bedeutet, altfr.
abgekürzt in o und sodann erweitert in oll = lat. hoc illud, woher das
nfr. oui, von Moliere oft noch zweisilbig gebraucht, in alten denkmalern
auch oie -Rom. gramm. II, 479, in der wallon. mundart awoi mit vorge-
schlagenem a. Dem bejahenden oYl analog ward auch das verneinende
nenil zusammengesetzt, s. oben ne. Dies ist einfach der Sachverhalt. Die
übrigen deutungen, wie die von oc aus deutschem auch oder mhd. j& ich,
die von oui aus dem partic. ouY fgehört\ das hier den sinn von 'zugege-
ben aussprechen soll, oder gar von voil für je veux, kann man getrost
bei seite setzen. 8. dazu den Krit. anhang p. 30 ff.
Outil fr. (mit stummem, ursprüngl. aber mit hörbarem erweichtem
\, wegen outiller) Werkzeug, handwerksgeräthe, altfr. ostil, ustil mit radi-
calem, nicht auf einschiebung beruhendem s, wie das wallon. usteie be-
zeugt, welchem buchstäblich ein fr. outille entsprechen würde. Man hat
an utänsile gedacht, das der Franzose utensile utsile, endlich wohl aucli
ousil, nimmer aber outil sprechen konnte. Das wort ist allerdings zweifel-
hafter herkunft, vielleicht aber können oberital. mundarten licht schaffen.
Küchengeräthe heißt comask. usedel, mail. usadej (plur.), die sich nur
aus usare, zunächst aus dem itei. sbst. usato erklären lassen und, wie
utensilia, dinge zum handgebrauche bedeuten: aus diesem usatellum
konnte, mit anderm suffix, das altfr. ustil werden, pic. mit demselben Suf-
fix (ieu = eil) otieu. Littre leitet das wort zwar gleichfalls von usus,
aber in andrer weise. Er legt ihm ein seltenes nüat. usibilis zu gründe,
welches man wahrscheinlich in usitilis abgeändert habe, woraus alsdann
ustil hervorgegangen. Läßt man auch ein solches usibilis als eine volks-
mäßige bildung zu, so ist es doch kaum glaublich, daß die Sprache das
ihr geläufige suffix bilis mit tilis vertauscht haben sollte. — In der hewneg.
mundart heißt otil Strumpfwirkerei: ist dies aus opus textile zusammen-
gezogen ?
Ouvrir fr., pr. obrir, ubrir öffnen, auch altit. oprire. über dieses
wort sollte man nicht so leicht hinweggleiten. Die ital. form ist aprire,
die span. abrir, von aperire: welchen anlaß hatte die nordwestliche spräche
dies in obrir abzuändern? Der her gang ist der folgende. Ovrir ward
zusammengezogen aus altfr. a-ovrir (dreisilb. Antioch. I, 87), a-uvrir LBs.,
SB.; dies entstand durch syncope aus adubrir Flam. p. 30, LR. II, 104;
adubrir aber mit bedeutungslos vorgesetztem a (wie z. b. in ablasmar,
afranher) aus de-operir* aufdecken, öffnen, bei Cdsus. Letzteres liegt
deutlich vor im neupr. durbir, piem. durvi, wallon. drovi, lothr. deurvi.
Das mail. com. dervi so wie das cremen, därver (part. davert = aperto)
führen auf eine zss. deaperire. — [Andrer meinung ist Littre. Die spräche
habe entweder die beiden lat. Wörter, aperire und operire miteinander
verwechselt, oder sie habe, wie auch sonst, lat. a in o (ou) verwandelt
ILc. OVE-PALLETOT. 653
und dies dem prov. und catal. tnitgetheiti. Die formen mit d könne man
auf deoperire zurückführen, man könne auch ouvrir darin erblicken, zu-
sammengesetzt mit augmentcdivem de. Wichtig ist die bemerkung, daß
neben ovrir im altfr. auch avrir vorhanden war: wenigstens findet sich
im Lib. psalm. ed. Michel p. XVIII sepulcre avranz = tat. sepulcrum
patens.]
0 ve fr, (m.) eierath an gebäuden; von ovum, it. uovolo, sp. oviüo.
p.
Pairar pr. (fehlt Lex. rom.) in der stelle qu'om lor o paire Chrest.
prov. 302, 26 scheint bezahlen zu bedeuten, wie lat. pariare Pandect.,
eigentl. gleichmachen, ausgleichen (Bartsch übersetzt gestalten). In einer
zweiten bed. gleichsein (pariari deo) bedient sich dessen öfter Tertullian,
in ähnlicher bedeutung muß es auch im prov. bei Gruir. Riquier p. 64 zu
rühmen sein: dieus don nons podem pairar *gott, dessen gleichen wir
nicht sein können. Im altfranz. findet sich kein pairer, wohl aber parier
zugesellen, einigen, auch pr. pariar (dreisilb.); neufr. parier wetten, eigentl.
gleiches gegen gleiches setzen.
Paisseau fr. weinpfcM; von paxillus.
Palais fr. gaumen. Daß es nicht aus palatum entspringen konnte,
versteht sich; welche anschauung aber dazu verleitete, palatum auf pa-
latiom zurückzuführen, denn dieses letztere etymon verlangt das franz.
wort, ist unschwer zu ergründen. Altfr. palais bedeutete ein großes zu
festlichkeiten bestimmtes gemach, das, wie der sacd (sale), gewöhnlich für
sich allein ein gebäude ausmachte. Die decke desselben war gewölbt, was
man auch unbezeugt glauben könnte, wenn man pales volu, palais
voutis, sale voutie nicht so oft fände (DMce. 270, 22, GBourg. p. 77,
Aubery p. 17, 18, Alex. 69, 32, Bert. 4 cet.): so konnte denn der gaumen
nicht unschicklich das gewölbe des mundes, palais de la bouche, genannt
werden, wie umgekehrt Ennius das gewölbe des himmels coeli palatum
nennt. Im ital. heißt der gaumen il cielo della bocca (Ferrari und Cheru-
bim), entsprechend im span. el cielo de la boca, im neupr. lou ciel de
la bouco, im walach. ceriul gurii (coelum gulae), im ndl. het gehemelte
des monds, gr. ovqclvioxoq, die gewölbte decke des mundes. In Brescia
heißt silter gleichfalls gaumen und gewölbe. Die celt. sprachen theilen
diese anschauung nicht, wohl aber die slavischen, serb. nöbo himmd und
gaumen, russ. nebo himmel, nebo gaumen. Feine bemerkungen über die
benennung des gaumens von J. Grimm in Haupts Ztschr. VI, 541, vgl.
auch Höfers Oberd. wb. I, 261.
Paleron fr. vorderbug; von pala Schulterblatt, durch Vermittlung
eines adj. palarius, so daß ihm ein pr. palairo entsprechen würde.
P alle tot a pallio et est breve vestimentum, sagtBouüle über dies
veraltete wort, das man leicht als diminutiv von palla (langes oberUeid)
654 ILc. PAMPRE-PAPIER.
verstehen könnte wie das altfr. palletel. Aber vorsichtiger ist eine andre
auslegung. Neben palletot galt palletoc Roquef. (noch bei Nicot), woraus
die erstere form entstand (auslautend t aus c ist häufig); der Spanier
sagt ebenso paletoque, der Bretone paltök, bürg, paltoquai heißt bauer
(daher fr. paltoquet), so daß eine zss. palle-toque (kaputzrock) anzu-
nehmen ist. So construiert schon Le Gonidec das bret. wort, woraus aber
das franz. nicht geflossen sein kann, es hätte pautoc oder pautot lauten
müssen. Das neufr. schreibt paletot.
Pampre fr., pampol pr. weiniaub; von pampinus.
Pan altfr. pr. tuch} stück tuch, fetzen {lat. pannus, it. panno, sp.
pafio) erscheint im altfr anz. auch in der bed. weggenommene sacke, vb.
paner, pr. panar, sp. apanar wegnehmen, und hieraus ist engl, pawn und
mit angefügtem dental ahd. phant, altfries. pant wegnähme wider willen
des eigenthümers, vb. penta pfänden, an geld strafen, mndl. pant schade,
vertust (Huydecoper zu Stoke 7, 460), welches letztere dem franz. worte
auch begrifflich ganz nahe tritt. (Pfand aus lat. panctum für pactum s.
Pott, Beiträge zur vgl. sprachf. II, 49.) Das span. verbum, das auch
flicken und einwickeln heißt, verbindet pan klar mit pannus, pafio, daher
auch altfr. despaner zerreißen. — Zu trennen sind buchstäblich nah lie-
gende verba %mit der bed. büßen, von poenitere, wie espeneYr, espanoir,
auch espenir, espanir, wie Tobler zeigt, Jahrb. VIII, 345.
Panache (m.) federbusch; von penna, sp. penacho, it. pennacchio.
Panne fr., daher sp. pana, felbel, altfr. aber pene, pr. penna, pena,
altsp. pefia (belege bei Cabrera) und pena (mucha pena va e grisa
Apol. 349, lies var e grisa) pelzwerk, z. b. hermdin; von penna, mhd.
federe d. i. feder, weil es flaumartig ist? allein lat. penna bedeutete nie-
mals flaum, pannus aber ist pr. pan : das roman. wort wird also wohl
aus dem dtschen Übersetzt sein, das sowohl pluma wie penna heißt. NaeJi
Littre ist es eher eine weibliche form des lat. pannus, nicht ohne emfluß
von panus büschel wolle.
Pantois fr. athemlos, sbst. pr. pantais, val. pantaix, cot. pantex
athemlosigkeit, prov. auch noth, Verwirrung, vb. altfr. panteiser Ben.
II, 28, pr. pantaisar, panteiar, neupr. pantaigei, val. pantaixar, cot.
pantexar athemlos sein, verwirrt sein, fr. pantoiement engbrüstigkeü, dsgl.
p ante ler keichen. Diese Wörter führen zunächst auf das engl, pant
gleichbed. mit fr. panteler, das sich aus dem kymr. pantu niederdrücken,
pant druck erklärt. Auch im altital. kommt ein vermutlich aus dem prov.
genomtnenes vb. pantasare vor: di e notte pantasa, das Salvini durch
griechischen anklang verführt mit dem adj. tutta erklärt, Poet. d. pr. sec.
7, 10; die veron. mundart bewahrt pantesar, die venez. pantezare, die
cremon. panselaa (für pantaselaa) keichen. — Eine beachtenswerthe her-
leitung aus dem von Plautus gebrauchten pandiculari sich ausdehnen, s. b.
beim gähnen, findet sich bei Ed. Müller s. v. pant.
Papier fr. nicht wohl unmittelbar von papyrus, vielmehr vom adj.
papyrius durch Versetzung des i und Verwandlung desselben in e (papiir
II. c. PAR-PATOIS. 655
papier): dafür zeugt das pr. papiri. Span, papel mag vom subst. ab-
stammen.
Par franz. präposition, in den Eidschwüren und in spätem denk-
malen noch per lautend, aber par schon im gedieht auf Eulalia; von per,
it. altsp. alipg. pr. gleichfalls per (altpg. par aus dem franz.), wal. pre.
Dasselbe wort ist das begriffsverstärkende altfr. adv. par, das aber immer
getrennt steht, wiewohl es dem lat. per in perdoctus gleich ist: trop par
li estes dure (allzu hart), vgl. wegen der getrennten Stellung Terent. Andr.
3, 2, 6 per ecastor scitus statt perscitus.
Par fr. in der formet de par le roi im namen des hönigs, entstellt
aus part, wie man altfr. noch schrieb, also 'von Seiten des hönigs*, s. Ray-
nouard ^Chx. VI, 352.
Parafe fr. (ni.) federzug; entstellt aus dem gr. naQayQayog, 7ictQa-
YQctq>T) beigeschriebenes zeichen.
Parbleu franz. interjeetion der bethewrung, eilt parbieu, abgeändert
aus par dien, da* unnütze aussprechen des göttlichen namens zu umgehen.
Ähnlich sagt der Spanier par diobre für par dios.
Parchemin fr. pergament; von pergamenum, charta pergamena
(aus Pergamus), pr. parguamina u. s. w., altfr. parcamin Alexs. 57, mit
einer seltenen Steigerung des g zu c, woraus das spätere parchemin.
Par eile fr. ein kraut, rumex, Xana&ov, sp. paradela; von pratum,
weil es die wiesen liebt: lapathi prata amantis Horat. S. Menage.
Parier, die franz. dem prov. pairar (s. oben) entsprechende form.
Parrain fr. pathe, pr. pairi, sp. padrino ff., mlat. patrinus von
pater, so daß also die bUdung oder Schreibung parrin richtiger wäre
(parins Voc. duac.).
Part prov. präpos. für lat. trans, ultra; von pars in der bed.
gegend, seite.
Parven pr. (al jorn parven GRoss. 6335), altit. parvente sichtbar,
sbst. pr. parven, parvensa, it. parvenza schein; von parere, parens, mit
eingefugtem v zum unterschiede von parens vater. S. auch Zannoni zu
Brun. Latini p. 15.
Parvis fr.vorhof der hirche; von paradisus (para'is paravis paryis),
map. paraviso, it. paradiso in ders. bed., gr. TtaQaöeiaog park, bask.
(labort.) gleichfalls mit ausgestoßenem d parabisua.
Pas fr. als ergänzung der negation, von passus schritt; je ne vois
paß eigentlich = non video passum ich sehe keinen schritt weit. Audi
dem Ftovenzalen und Catalanen ist pas bekannt, der Fiemontese nahm
pa aus dem franz. herüber.
Patois fr. volksmundart, bauernsprache, schon im Rom. de la rose,
hält Menage für eine entstellung aus patrois von patrius sc. sermo. Bei
Brunetto Latini wird in der stelle selonc le patois de France tvirklich
als Variante patrois oder auch pratois bemerkt, was indessen einer um-
deutung nicht unähnlich sieht und sonst nicht vorkommt. Der gebildete
sieht mit germgschätzung auf die mundarten des platten landes herab und
656 ILc. PAUM1ER-PENTE.
betrachtet sie leicht als kauderwälsch. Frisch meint darum, das wart sei
'aus dem laute einer undeutlichen spräche pati patapan* entstanden, dem
man das henneg. pati pata geschneiter beifügen kann. Littre erklärt sich
für patrois.
Paumier, paumoier altfr. anfassen, festhalten; von palma hand.
Besser entspricht der bedeutung des lat. Wortes sp. palmear beklatschen,
fr. paumer, mlat. palmare beohrfeigen.
Paver fr. pflastern; von pavire mit vertauschter conjugation tote in
tousser u. a., mlat. pavare.
Pavot fr. mohn. Möglich ist herkunft aus papaver, indem die
vermeintliche reduplication, wie in andern Wörtern, vereinfacht (daher die
prov. form paver), die endung er unterdrückt ward; vgl. auch ags. papig,
popig, engl, poppy, kymr. pabi, norm. papi. Den wilden mohn nennt
der Normanne mahon, worin sich das ahd. mägo, mhd. mähen deutlich
ausspricht.
Peason altfr., peazo pr. Ghx. IV, 112 grundlage, mlat. pedatio;
von pedare stützen.
P e c altfr., fem. peque, pr. pec, pega, auch pg. peco, bask. peca,
dumm, einfältig; von pecus, welches auch das classische latein in diesem
sinne anwandte. Noch Moliere hat das fem. pecque.
Peindre fr. malen; von pingere,, it. pignere, aber sp. pintar =
*pictare.
Pele-mele fr. adv. untereinander, durcheinander. Altfranz, findet
sich umgekehrt mesle-pesle Ben. I, 237, und dies ist vielleicht richtiger,
da in compositis das verbum vorauszugehen pflegt. M£le ist klar; das
zweite glied aber in solchen gereimten doppelwörtern kann, wenn nicht
eben fingiert, doch dem ersten so angebildet werden, daß es schwer zu
erkennen ist (dahin gehört z. b. tire-lire Sparbüchse); man denkt theils
an altfr. paesle pfanne (worin verschiedene dinge durcheinander gerührt
werden), theils an pelle schaufei (womit die erde aufeinander geworfen
wird); bürg, paule- maule sbst. ist erdattfwurf. Auch mesle-mesle sagten
die Alten ChLy. p. 22.
Pelfre altfr. beute LRs. 212 (nicht pelfrä zu schreiben), pelfrer
plündern, norm, peuffre, peuffe trödel; = engl, pelf hatf und gut, pilfer
entwenden, beide, wie Johnson sagt, von unbekannter herkunft. S. auclt
Ed. Müller v. pelf.
Pelle fr. schaufei; von pala dass., it. sp. pr. pala. Daher it. pa-
le tta ff. spatel.
Peluche fr. (f.) ein gewebe von leinen und kameelhaar, plüsch;
vom gleichbed. it. peluccio, üblicher peluzzo, dies von pilus. Span, pelusa
das wollichte an fruchten = aUsp. peluza, cot. pelussa, ist das nämliche
wort. Aus gleichem stamme ist auch fr. pelouse rasenplatz.
Pen eher fr. neigen, hangen, pr. penjar, pengar, altsp. pinjar; von
pendicare, das man aus pendere ableitete.
Pente fr. (f.) abhang, soupente hangriemen; von pendere, also
ILc. PEPIN-PIROUETTE. 657
für pende wie tente für tende. Selbst im it. pentola (IL a) ward d mit t
vertauscht.
Pepin fr. kern des kernobstes, pöpiniöre baumschule. Nach Frisch
von pepo (altfr. pepon, iL popone), denn es habe früher pfeben- oder
gurkenkern bedeutet; das entsprechende sp. pepino heißt nur gurke. Son-
derbar ist die berührung stoischen keim oder kern undpfips (kleine schuppe
an der Zungenspitze des federviehs) sowohl im it. pipita wie im sp. pepita;
wcilon. pepin hat sich ganz der letzteren bedeutung hingegeben. Eine
originelle herleitung von pepin aus pipinna hat Menage in seinem werke
niedergelegt.
Perche fr. (f.) stange; von pertica, auch sp. pg. percha. Abgd.
altfr. perchant, percant dicker prügel.
Pätrir fr., pr. pestrir kneten; gleichsam pisturire von pistura, dies
von pinsere, vgl. cintrer von cinctura, oder besser7 da es derselben con-
jugation folgt, it. scaltrire von scalptura.
Pen fr. adverb, bei den Alten, wenn auch sehr selten, noch adjectiv :
poies choses LJ. 488m, est poie sa vie Ben. II, 37 u. a,; von paucus,
pr. pauc, it. sp. poco.
Peur fr. furcht, alt paour u. a. formen: von pavor, ital. nach 1. decl.
paura. Ein älter grammatiker bemerkt pavor, non paor App. ad Probum.
Phiole fr. gläserne flasche; entstellt aus phiala, it. fiala, piem. fiola,
auch mUxt. fiola e. b. Gl. erford. p. 330, lindenbr. 95*.
Picorer/r. auf s . plündern ausgehen; eigentl. auf vieh ausgehen,
von pecus. Das sp. subst. pecoräa legt die etymologie deutlicher zu tage.
Pi6ge fr. (m.) schlinge; von pedica, it. piedica, wol. peadece, aber
masc. auch pg. pejo.
Pier (pyer) fr. stechen Test, de Pathelin, s. auch Wrightfs Anecd.
p. 63m; ein nach dem gr. itteiv schereweise gebildetes wort, wie auch der
Spanier empinar aus e^iniveiv oder der Franzose trinquer aus dem dtschen
trinken bildete. Daher piot trunk weines, vb. norm, pioter, wobei doch
wohl nicht an pivot (zapfen) zu denken ist.
Pieu fr. pfähl; von palus, auf eine freilich fast illegitime weise,
wobei sich nur das den neufranz. bildungsgesetzen wenig entsprechende
altfr. tel, tiel, tieu = talis vergleichen läßt. Fände sich ein altfr. pieil,
so würde dies auf piculus piclus = piquet etwas zugespitztes führen,
woher auch it. picchio.
Pilori fr. (m.) pranger, engl, pillory, pr. espitlori, pg. pelourinho.
Ducange verweist das franz. wort auf pilier, Grimm, Rechtsalt. p. 725,
auf das mhd. pfilaere. In beiden fällen hat es etwas anomales, nur das
ndat. pilarlcum wäre eine normale ableitung. Andre mlat. zum theil in
das 13. jh. hinaufreichende bildungen sind pilloricum, pellericum (aus
Aragon), pellorium, piliorium, spilorium.
Pirouette fr. drehrädchen, pirouetter sich im kreiße drehen; zsgs.
<ms pivot zapfen, eigentlich aus dessen nicht vorhandenem primitiv pive
= it. piva, weil es auf einem zapfen steht, und roue rad.
42
658 ILc. PIS— PLIE.
Piß fr. euter, altfr. brüst, von pectus, pr. peitz. Die andern spra-
chen verschmähen diese bedeutung, doch hat auch das lomb. pecc, das
limous. piei (f) sie entwickelt.
Pitaud fr. grober bauet; dg mtl. fußgänger, von pedes peditis, vgl.
pi&on (Le Duchat).
Pivoine eine bhme, pfingstrose; von paeonia, it. peönia, sp. peonfa.
Plafond fr. decke des zimmers; esgs. aus plat fond platter grund,
glatte ausfüüung zwischen den balken. Daher sp. paflon.
Piain dre klagen; von plangere, pr. planher, it. piagnere, sp. planir.
Plais, plaissa pr. hecke, Umzäunung, vb. altfr. plaissier, plessier
umzäunen, partic. als sbst pr. plaissat, altfr. plesstä, dsgl. pr. plaissaditz,
dttfr. plessels park, nfr. Plessis als Ortsname; von plexus geflochten, plais
also flechtwerk, ineinander geflochtene zweige.
Plaque fr. (f.) platte, plaqner plattieren, placard anschlagzettd;
besser, da diese Wörter speciell franz. sind, vom ndl. plak (f.) flaches holz,
Scheibe, plakken aufhieben, als vom gr. nlxx}* (f.) platte.
Plevir pr. altfr. versichern, verbürgen, pr. plieu, fr. pleige bürg-
schaft {daher venez. plezo, sie. preggin); dsgl. plevina, plevine, plevizö.
Wächter verweist auf das ahd. pflegan, dem er die bed. verbürgen bei-
legt, es heißt aber besorgen, verwalten, und bei diesen juristischen Wörtern
ist die bedeutung etwas strenger zu wägen. Rücksicht verdient die her-
leitung aus lat. praes praedis bürge: hieraus konnte sich zur noth
ein inf. plevir für ple-ir gestalten, nimmer aber ein präs. pleu, pliu,
dessen auslaut auf radicales b oder v hinweist, wie in beu (bibit), den
(debet), escriu (scribit), mou (movet). Für das sbst pleige aus prae-
dem wäre noch weniger rath: erst praedium, dessen bedeutung aber wenig
zusagt, konnte eine solche form erzeugen. Man erwäge folgenden erklä-
rungsversuch. Plevir ist = praebere, vgl. wegen 1 für r temple aus tem-
pora, Planchais aus Prancatius, Pancratius: der eigentliche ausdruck für
bürgen nämlich ist plevir la fe d. h. praebere fidem, abgekürzt plevir,
und so war auch praebere sacramentnm (z. KL. Wisig., Longob.) üblich.
Das sbst. pleige paßt trefflich zu praebinm gegenmittd, Sicherheit (was
man vor sich trägt, prae-hibet, praebet, schütz, amuletj; plevizo aber ist
buchstäblich praebitio. — [Gachet hat diese etymologie erwogen, ist aber
nicht beigetreten. Gewiß entspricht praes dem begriffe besser als prae-
bere, seine grammatische Unvereinbarkeit aber mit plevir so wie die logische
von praedium ist oben ausgesprochen. Darum vermuihet er ein aus prae-
ditus entstandenes verbum praedire = plevir. Diese unform, die doch
nur begaben heißen könnte, würde indessen keinen bessern sinn gewahren
als praebere, ja einen schlechteren, denn was sollte 'sein wort begaben
heißen?]
Plie fr. ein fisch, platteis, engl, plaice; nach der bedeutung, ober
nicht nach dem buchstaben, das lat. platessa bei Ausonius, sp. platija,
pg. patru^a. Plie steht für plaie, das aus plate, femin. von plat flach,
entstand und zum unterschiede von plaie = plaga so gestaltet ward, wozu
ILc. PLISSER-POITRINE. 659
sich oublie für oublaie aus oblata vergleichen läßt; nachNemnich II, 1011
heißt derselbe fisch auch plane. Piaig "plie Vocab. opt. 4ßb.
Plisser fr. falten; participialverbum, von plioare plicitus plic'tus
plictiare.
Plusieurs fr., pr. plusor, altit. plusori, camparativ für lat. plures,
welches die spräche verschmähte, weil ihm das kenneeichen des comparativs
abgieng; sie wählte dafür eine neue ableitung aus dem neutrum plus, die
sich dem alttat. von Varro bemerkten superl. plusimus vergleicht. Das
fast übel lautende mlat. pluriores (bereits bei Fulgentius Plane., nach
Fuchs Roman, spr. p. 337) fand bei ihr keine aufnähme. 8. Roman,
gramm. II, 73.
Poche, mundartl. poqae, pouque tasche, ein special frans, wort,
wie es scheint aus England eingeführt: ags. pocca, engl, poke, nord. poki
tasche, beutet, vgl. ndd. pokke Matter d. i. blase, engl. pock. Mit ponga
II. a ist es gewiß unverwandt.
Poe altfr., pr. pauta, cat. pota; vom ndl. poot = hd. pfote. Daher
bürg, potiche handvoll?
Po Sie fr. (f.) pfanne, bei den Alten paiele Fier. p. 68, 14, paele,
paesle; vom lat. patella, it. padella, sp. padilla. Aber aus dem frans.
paiele ist sp. payla, pg. pella.
Po feie fr. (m.) thronhimmel, altfr. poesle; vermutlich vonnhalov
etwas ausgebreitetes, dolde, nüat. petalum goldblech auf dem haupte des
papstes. In der bed. Schleier leitet man es von pallium, das aber nur
paile geben konnte, pr. pali; man sehe indessen auch den Krit. anhangp. 17.
Po Sie fr. (m.) heizbare wohnstubef auch ofen, altfr. poisle. Mlat.
formen sind pfsele Edict. Roth., pfselis (803), piselum 8. Adal., pisalis :
den accent der ersten beweist der unsichere vocal der zweiten silbe (falsch
pisälis geschr. Gl. präg. ed. HoffmO; <&*#" kommt noch bisle (für pisle)
Gl. cass., ahd. phesal das., mhd. phisel, phiesel, fries. pysel. Eckhart
leitet das. wort vom gr. nvq, weil im späteren mlatein eine geschwächte
form pyralis vorkommt. Formell weist es auf lat. pänsile, syncopiert
pesile, allein der logische Zusammenhang ist nicht deutlich: Ducange's er-
klärung aus pensum (a mnlieribus, quae pensa trahunt, daher ihr aar-
beitseimmer pönsile) verstößt gegen die granmotik, die kein rom. suffix
Tle kennt. Das alterthum redet von horreum pensile, das mittdalter von
domus pensilis, camera pendens; dies bleibt zu erwägen.
Poindre fr. stechen, altfr. auch das ross antreiben, daher sbst.
poindre das anrennen im kämpf (espoindre Gar. II, 165), mhd. poinder;
von pungere, pr. ponher, it. pungere.
Poisson fr. fisch; abgel. von piscis, pr. peis, bereits im Fragment
von Valenciennes pescion, iL pescione.
Poitrine fr., pr. peitrina brüst, gleichsam pectorina, noch dauph.
peituriDa; urspr. wohl bruststück oder brustriemen = sp. petrina, pretina
gürtet, alisp. petrina aber auch für peoho Mar. Egipc. Altfr. hatte man
noch das oben erwähnte einfache pis = pectus.
660 ILc. POLISSON-POUDRE.
Po liß soii fr. gassenjunge, daher sp. polizon; von polir wie bouffon
von bouffer, eigentlich einer der die straßen glatt macht, sich auf ihnen
herumtreibt, vgl. nourriQon pflegling von dem gleichfalls abstracten nutritio.
Bestätigung gewährt das henneg. polisso bügdeisen (etwas glättendes).
• Ponce fr., in der Verbindung pierre ponce bims stein; von pumex,
it. pomice, sp. pömez. Daher sbst. poncis, vb. poncer.
Ponceau fr. hochroth; von puniceas, punicellus dass., pr. mit ver-
tauschtem suffix punicenc. Das lat. puoiceus geht auf phoenicens, q>oi-
vUeog zurück und bezeichnete zuerst die färbe der dattdpalmfVüchte in
ihren Stadien der röthung und man unterschied davon purpareug als eine
dem schwarzen näher liegende Schattierung, bemerkt Röster, Etym. der
farbenbezeichnungen. Auffallend ist, daß die schwestersprachen dieses wort
nicht aufgenommen haben.
Pondre fr., pr. pondre, cot. pöndrer eier legen; von ponere, allen
drei sprachen nur in diesem sinne bekannt.
Por, puer altfr., pr. por, pore, partikel mit gewissen verbis wie
gitar, traire, volar verbunden, z. b. por gitar wegwerfen; von porro.
Pore- 6p ic fr. Stachelschwein. In 6pic konnte sich eine alte form
von 6pi = pr. espic fortgepflanzt haben, die stacheln des thieres hätte
man mit einer kornahre verglichen. Bob. Stephanus (1639) und Nicot
schrieben noch porc-espi, was aber für die etymohgie nichts bedeutet.
Ital. heißt es porco spino dornbusch-schwein, auch porco spinoso, sp.
puerco espin oder schlechtweg espin, neupr. porc-espin, engl, porenpine.
Das thier ist in Frankreich nicht einheimisch, um so wahrscheinlicher ist
es, daß man mit dem fremden worte eine dbänderung vornahm, denn
porc-6pin hätte keinen sinn gegeben.
Po rohe fr. (m.), pr. porge vorhof; von porticus, it. portico.
Posnöe altfr. gepränge, übermuth (kraft Gaufr. p. 116. 118), pod-
n£e in den Livr. d. rois (wie hier adne für asne), ein übliches dem Pro-
venzalen unbekanntes wort verborgener herkunft.
Possa, poussa pr. brustwarze; eigentl. wohl knospe = fr. ponsse
von pousser treiben, ausschlagen.
Potasse fr. ein aus pflanzenasche ausgelaugtes alkalisches salz; vom
dtschen pott-asche, auch kessel-asche genannt, s. Adelung.
Poteau fr., postel pr. pfähl; von postis, norm, pot
Potence fr. krücke, kniestütze u. dgl.; rrüat. potentia s. MSnage,
also macht, stütze, in concreter bedeutung.
Poterne fr. hinterthüre, heimliche thüre; entstellt aus aA/r. posterle,
pr. posterlla, auch it. postierla, von posterula Seitenweg.
Pouacre fr. unflätig; freie bildung aus der interj. pouah pfui.
Synonym ist bürg. norm, polacre, pic. polaque, npr. poul&cre.
Poudre fr. (f.) staub, von pulvis pulverig (pol're poldre). Wie
aber ist poussiere Staubwolke zu verstehen, wofür man altfr. porriere
sagte, noch im 16. jh. pouldriere schrieb ? Die prov. spräche hat pols
von pulvis, eitle solche nominativform aber zeugt nur höchst selten ablei-
ILc. POUILLE-PUIRIER. 661
hingen: es ist darum in poussiire für pourrifcre ein eigentümlich franz.
übertritt des r in s vor sich gegangen, worüber oben besicle zu ver-
gleichen ist.
Pouill6 fr. register der geistlichen Stiftungen, früher in weiterem
sinne genommen, muß allerdings in polyptychum (vielblätteriges heft oder
buch) seinen grund haben, mlat. polecticum, poleticum, woraus man sich
zunächst mit Salmasius (s. Menage) ein derivatum polyptycarium denken
muß, hiecon fr. pouiller, geschrieben pouill6. Die zusammenziehung wäre
nicht stärker als die in grammaire aus grammaticaria; ein altes Zeugnis
für das genannte derivatum würde jeden zweifd niederschlagen.
Poulain fr. füllen; von pullus, pr. polin.
Poulier fr. aufwinden, poulie rolle, Jdoben, daher sp. poläa, pg.
pol£ ; vom ags. pallian = engl, pull ziehen, pull up aufwinden, engl, polley
aber aus fr. poulie. Nach Le Duchat vom dtschen spule, nicht wahr-
scheinlich, weil der abfall des anlautenden s ein seltener Vorgang ist.
Pourpoint fr., perponh pr., auch sp. perpunte, pespunte, pg.
pesponto, gestepptes wams; mlat. perpunctum, weil es durchstochen, durch-
näht war. Franz. pour für per s. Rom. granrn. U, 429.
Po u 88 in fr., pouzi pr. junges hühnehen; von pullicenus bei Lam-
pridius, vgl. puloini 'hanchli' (hühnehen) Gloss. cassell.
Prgcher fr. predigen, pg. pregar ff., sbst. fr. pr&che (m.), pr. prezfc
predigt; von praedicare bekannt machen, öffentlich reden.
Preindre altfr. pressen (präs. 3. plur. priement LRs. 178, Ben.
I, p. 213), pr. premer; von premere. Zsgs. nfr. 6preindre = exprimere,
empreindre = imprimere, alt depreindre = deprimere. Vgl. imprenta I.
Prince fr., pr. prince, prinsi, daher it. prenze fürst; von dem im
prov. noch vorkommenden prineeps, vermöge einer starken abkürzung,
womit sich etwa die von £veque aus episcopus vergleicht. Altfr. prinoier
von primiceriu8.
Prinsautier altfr. rasch, behende, noch bei Montaigne (der es aber
nicht geschaffen hat, wie Monnard sagt) esprit prime-sautier; vom adv.
de prinsaut = primo saltu im ersten Sprung, sogleich.
Pro che fr., propi pr. nahe; von propius, dies letztere auch in
propiare sich nähern, bei Paulinus Nolanus (6. jh.), appropiare Vulg.
Ev. Luc. 10, 34 (nach Funccius), auch wal. apropYä; daher fr. appro-
cher, pr. apropchar, cdtit. approcciare. Vgl. unten reprocher.
Pröne fr. (m.) predigt, proner predigen, preisen; von praeconium
lobrede (preone prone).
Prüde fr. geziert; ein allen schwestersprachen fehlendes adjeetiv,
abgezogen aus der zss. prud'homme, alte form für preud'homme (wie
auch preude femme, prode femme), pr. prozom, sp. prohombre, it. pro-
duomo wackerer mann, ehrenmann, denn prüde hieß ursprüngl. sittsam.
Andre denken an prudens, oder an eine unvorhandene form prudns für
proyidus.
Puirier altfr. darreichen z. b. de main en main Gayd. p. 7.
662 He. PUNAIS-RABASTA.
Aus porrigere, das auch die itad. spräche besitzt, kannte frans, zuerst
puirir, demnächst mit ausweichung in die erste conjugation, ein bei den
Alten seltener Vorgang, puirier werden. Roquefort hat ohne beleg puire
foffrir, presenter'; es wird eine präsensform sein.
Pnnais fr., putnais pr. stinkend, daher sbst. fr. pnnaise, engl.
punice warne (bürg, schlechtweg puant); vom adj. put = putidns, mit
einem suffixe, dem, wie es scheint, ein it. putt-on-azzo entsprechen würde
(attmail. nur pnnax Bonves., piem. punas), vgl. palais, palazzo; der
Picarde sagt vielleicht richtiger punasse. Stützt sich die heutige bedeu-
tung des franz. Wortes etwa auf die falsche Zerlegung desselben in pn-nez?
aber ai und e sind verschiedener ausspräche. Bei den Alten bedeutet es
überhaupt putidus, pr. putnais fuec d'infern stinkendes feuer der holle;
in der thierfabel führt daher der ütis den namen Pasnais.
Pupitre fr. (m.) pult; von pulpitum, it. pulpito.
Q.
Quandius prov. partikd, Bth. v. 1, SLeg. 9. 12. 19; von quamdiu,
vgl. Altrom. sprachdenkm. p. 46.
Queux fr. (f.) Wetzstein; von cos cotis, pr. cot, it. cote.
Queux altfr. koch; von coquus, it. cuoco.
Quin, quinh, fem. quina, quinha, alt- und neupr. fragpronomen,
wald. fem. quena Hahn 567; etwa von qninam? wal. eine.
Quivrer altfr. wecken, ermuntern TCant. p. 31; vom engl, quiver
hurtig, thaiig HaUiw., ags. eviferlike unruhig, vb. engl, quiver zittern.
Quora, quoras, quor pr., noch jetzt curo, churw. cura, cor, zeit-
partikd; von qna hora oder rom. que ora.
R.
Rabächer fr. seine reden oft und unnütz wiederholen, bei Roquefort
rabacher, nicht rabascher. Etwa gleicher herkunft mit it. abbacare alberne
reden führen, aber dieses wort selbst ist noch ungelöst, da die deutungen
aus abacus, äßaxelv, evagari seinen begriff nicht befriedigen. Übrigens
fehlt es auch dem franz. worte nicht an älteren und neueren erklärungen,
die eben so wenig genügen. Ravacher wird aus dem 14. jh. nachgewiesen.
Rabasta pr., nur in einer stelle vorhanden (entrels desleials baros
mi plai rabasta) und etwa zank, gezerre bedeutend, daher das neupr. vb.
rabastejä zanken, stören, altfr. rab&ter poltern u. dgl., noch jetzt unter
dem volke. Sicher nicht von (Kxßarteiv, Qaßdooeiv, dem man mit besserem
rechte das it. arrabbatarsi zuweist; es erinnert an rapere raufen, aber
ein suffix ast ist nicht mit Sicherheit anzunehmen. Schwäbisch robosteln
zerzausen (SchmidJ mag daraus entstellt sein.
ILo. RABLE— RAIRE. 663
Räble fr. (m.), alt roable, occ. redable ofenkrücke; von rutabulum
mit ders. bed.
Raboter fr. hobeln, die gartenwege ebenen, daher rabot höbet, garten-
schaufei; trifft zusammen mit dem pr. rebotar, it. ributtare zurückstoßen
(zu bottare I.J, ist also eine der spräche verbliebene alterthünüiche form
für rabouter, wozu sich das veraltete abouter gesellt. Die grundbedeutung
tritt besser hervor im adj. raboteux holperig d. h. zurückstoßend, vgl.
mndl. rabot hmdernis.
Rabongrir fr. verkrüppeln, verhütten; nach Frisch vom dtsch.
buckel; muh Scheler durch Umstellung vom dtsch. krup, krüppel; nach
Littre vom fr. bougre ketter, später ein Schimpfwort, auf etwas misgestal-
tetes übertragen. Beiderlei ansichten lassen sich einigen: ein wort wie
krüppel konnte zu gründe liegen, welches man später nach bougre um-
formte, um eine Verwünschung hineinzutragen: ähnlich z. b. sprach der
Provenzäle Bafomet für Mahomet (bafa lüge).
Raca, racca pr. schlechtes pferd, mähre, fr. racaille hefe des Volkes;
vielleicht vom nord. racki, engl, rack hund (ndl. nhd. rekel); ebenso Ca-
naille von canis.
Rache fr. (f.) bodensatz des theers; scheint entstanden aus einer
abl. rasica von rasis harz, vgl. ragia IL a, also verschieden von rasche
grind, s. rascar I.
Räch er c&tfr., wallon. recht, pic. raquer, pr. racar, comask. racä,
reca ausspeien; vom altn. hräki speichel, hrsekia speien, ags. hrokan.
Das neufr. er ach er scheint Verstärkung desselben wertes; zsgs. pr. es-
cracar (sbst. crai), sie. scraccari, chw. scracchiar.
Racine fr., pr. razina würzet; gleichsam radicina von radix, eine
seitsamer weise auch im wal. redecine entwickelte form.
Radeau fr., radelh pr. floß; von ratis.
Radoter fr., alt redoter aberwitzig schwatzen, besonders wie alte
leute thun: il enveillissent et redotent FC. II, 336. Man könnte unser
reden zu gründe legen, wenn dessen bedeutung geeigneter wäre. Besser
befriedigt das bereits von Frisch und Jault vorgebrachte engl, to dote
kindisch werden = ndl. doten KU., jetzt dutten schlummern, träumen,
kindisch sein, mhd. totzen schlummern, vertuzen ausser fassung kominen,
pari. nhd. verdutzt. Das im franz. vorgesetzte re oder ra dient, die
Handlung als eine immer wiederkehrende auszudrücken.
Rago fiter fr. die eßlust reizen, daher ragofit reizendes würziges
gericht; von re-ad-gustare, vgl. it. torna-gusto s. v. a. ragofit. So be-
deutet auch fricandeau eigentl. ein leckeres gericht.
Raguer fr. verreiben; nord. raka reiben.
Raifort fr. meerretlig; von radix fortis starke, kräftige würzet.
Radis (m.), it. radice (f.) monatrettig, von radix radicis.
Rain fr. in rain de bois waldgränze (Trev.); vom ahd. rain rand,
nhd. gleichlautend, ndl. reyn, reen KU.
Raire fr. schreien (vom hirsch). Die lat. verba mugire, rugire,
664 ILc. RAISE— RANC.
vagire gaben mit ihrem stammauslaut g anlaß zur bildung des natur-
ausdruckes ragire, der sich franz. in räire zusammenzog, ital. sich in
ragghiare erweiterte: ebenso ward aus mugire altfr. müire, ital. maggbiare.
Das ahd. reran kann nicht darin enthalten sein.
Raise altfr. kriegszug (wenig üblich, auch r&se geschr), s.Ducange
s. v. reisa; vom* ahd. reisa, mhd. reise mit ders. bed., nhd. reise nur mit
der bed. iter, voyage.
Raisin fr.} razim pr. traube; von racemus, sp. raeimo ff., vgl. ra-
cimns Gl. erford. 372, 9. Altfr. pic. auch rosin s. Hecart {daher unser
rosine).
Raissar pr. reizen? (die bedeutung ist nicht sicher), adj. raissos
eifrig? für reissar, reissos von rixari (transit. genommen), rixosus? Der
wechsd zwischen ei und ai ist in dieser mundart nicht unüblich.
Räler fr. röcheln; deutschen Ursprungs: engl, rattle gleichbed., ndl.
nds. ratelen, nhd. rasseln. Dahin der name eines vogels, riüe, der neu-
prov. mit dem synonymen ronfle, vom vb. rouflA d. i. fr. ronfler, bezeichnet
wird, womit auch das pic. rousselet, von unserm mdarü. rossein (röcheln),
zusammentrifft; gleicher bedeutung ist der span. name ronca und unser
wiesenschnarcher; unser ralle aber ist aus räle (Weigand).
Ralingnes fr. (m. pl.) seile, womit man die segel einfaßt; zsgs.
aus ndl. raa, schwed. ra segelstange, und ndl. leik, schwed. llk saumtau,
daher das deutsche raa-leik derjenige theU des leiks, womit die obere
kante eines raasegels befestigt ist (Campe), im franz. etwas verschieden
genommen. In raalingues, raelingues Brt. II, 140 spricht sich noch eine
alte zweisilbige form von raa (mhd. rahe) aus; mit der endung ingue für
ique wollte man dem wort, wie es scheint, ein recht deutsches gepräge
geben. Die etymologie ist übrigens von Jod, s. Brt. I. c.
Rame fr. (f.) rüder; buchstäblich das it. sp. pr. rama ast, in seiner
bedeutung aber durch remns bestimmt, das der franz. spräche ursprünglich
gewiß nicht fehlte, ihr jedoch als eine zu ausdruckslose form, denn es
halte rein lauten müssen, misfiel. Aus demselben gründe ward das gleich-
lautende rain (lat. ramus) später mit rameau vertauscht. Merkwürdig
trifft damit das gael. ramh (m.) zusammen, das sowohl ast wie rüder oder
rühr stock bedeutet, aÜir. ramse = lat. remi Zeuß I, 20. Die henneg.
form ist r&ne (f.), die neupr. remo (für rema).
Rame, ramette fr. rahmen der buchdrucker (auch sp. rama, und.
rame); aus dem deutschen.
Ramequin fr. käsegebackenes; vom dtschen rahm, wie schon Menage
anmerkt.
Ramon fr. stumpfer besen; ramoner den Schornstein fegen; von
ramus, vgl. sp. ramon laubwerk.
Ran picard. widder; vom ahd. ndl. ram mit gl. bed. Champ. aran
Tarbe II, 177.
Ranc pr., ran occ. Jdippe, csaxum eminens super aquas* GFrov. 41.
Dieses special prov. wort würde sich etwa mit gr. ^a%ag riff oder selbst
II. c. RANCHE-RAUSA. 665
mit Qcnwg ranzet (denn fdsen haben risse) in ein/dang bringen lassen.
Besser aber faßt man es als das primitiv zum altsp. rancon winkel (s.
rincon IL b), indem man wegen der bedeutung pr. anglar (s. oben)
vergleicht.
Ran che fr. (f.) sprossen einer Stangenleiter; von ramex ast, Stange,
s. Potts Forsch. II, 21.
RanQon fr., vrU. raan$on lösegeld; von redemtio.
Rang fr., pr. renc, arrenc reihe, vb. fr. Tanger, arranger, pr. rengar,
arrengar in die reihe stellen. Das wort hat weite Verbreitung gefunden:
nhd. ndl. schwed. rang, engl, rank, hymr. rhengc, bret. refik, auch piem.
ren u. ran. Sein Ursprung läßt sich füglich auf ein dtsches wort zurück-
leiten, das dem "Romanen noch eine andre büdung dargeliehen (s. aringo L),
nämlich ahd. bring, mhd. ring kreiß, insbesondere kreiß zu einem be-
stimmten zwecke aufgestellter personen, also eigentl. hreißformige reihe,
wobei aber die kreißform, wie beim ahd. riga (s. riga IL a), zur neben-
sache ward; vb. ahd. hringön einen kreiß machen, in einen kreiß stellen
— Von ranger wird sp. rancho kameradschaft, arrancharse zusammen-
wohnen, hergeleitet. ,
Rapiere fr. alter langer degen (verächtlich) ; etwa für r&piere von
räpe raspel s. v. a. schartige abgenutzte klinge?
Rasse, raise dltfr., rasa pr. lauf, rinne ; vom aUn. ras, ags. ras,
engl, race mit gl. bed.
Rate fr. (f.) milz; nach Frisch, dem man beipflichten darf, vom
ndl. rate hont große, insofern jenes eingeweide ein lockeres zelliges gewebe
vorstellt : melsa es carpa e spongioza fdie milz ist zellig und schwammig',
sagt der Elucidari LR. II, 432k. Vgl. raggio I, wo die vermuthung
ausgesprochen ist, das ndl. wort habe dem fr. raie (strahl), sofern es
honigroße heiße, diese bedeutung mitgetheilt. Daher d&ratö munter,
eigenÜ. ohne milz, frei von milzsucht. Desselben Ursprunges ist raton
ort kuchen.
Ratis, ratin altfr. farrenkraut. Marcetlus Empir. cap. 25 kennt
ein gallisches wort dieses Monges: herbae pteridis i. e. filiculae, quae
ratis gallice dieitur. Es ist das kymr. rhedyn, com. reden (Zeuß 1117),
bret. raden cet. gleichbedeutend. Indessen steht das franz. wort sehr un-
sicher. CheväUet I, p. 291 nahm es aus TrSvoux, dies aus Borel. Letzterer
beruft sich wegen ratis auf den Niederländer (Gerh.) Mercator (f 1594),
der offenbar nichts anders damit meinte als das wort des Marcellus; ratin
aber bringt er in seinem zweiten anhang mit beigesetztem Sternchen,
icdches unfranzösische Wörter anzeigt: er scheint es aus dem bretonischen
genommen zu haben. Auch erschallt aus keiner franz. mundart eine
künde dieses Wortes.
Raus pr. röhr (auch bret. raoz, norm, ros), daher rauzel, fr. ro-
se an; genau das goth. rans, woher ahd. rör; aus letzterem das chw. ror.
• Ransa (ranza) pr., lim. roouso hefe, auch Weinstein d. i. kruste am
faß, romagn. rosa (mit offenem o) kruste des backwerks; vgl. ahd. rosa
666 II. c. RAUST— RECHE.
ccrusta, glacies', dessen wurzelvocal von ungewisser quantität ist, während
pr. au ahd. 6 verlangt.
Ran st, a, pr. rauh (so qu'es raust, aplana was rauh ist, ebnet er
LR.), vol. bei A. March roßt 'lloch pendent*, wie ein herausgeber erklärt.
Unser rauh ist 1) asper , 2) raucus: darf man umgekehrt annehmen, daß
das was rauh ist für das ohr, auf das was rauh ist für das äuge oder
das gefühl übertragen ward, so konnte das prov. wort aus raucidus, zu
folgern aus raucidulus Hieron., entstehen, aber Sicherheit ist hier keine.
Rantar pr. 'subito de manu auferre3 OProv. 32. Daß es lat. rap-
tare ist, versteht sich; zu verwundern ist nur, daß die schwestersprachen
dieses verbum der provenaalischen allein überlassen haben.
Ravauder fr. ausbessern, flicken; nach Pithoeus und andern ton
re-validare, re-ad-validare wieder stark machen. Es bedeutet auch einem
etwas vorplaudern, ravauderie albernes geplauder, altfr. ravaut auf-
Schneiderei, possen, wie die flickerinnen bei der arbeit zu erzählen pflegen,
s. Oachet p. 406K
Ravir fr. rauben, hinreißen; von rapere, it. rapire. Aus demselben
stamme ravin, ravine, ravage.
R6 altfr, scheüerhaufe als peinliche strafe, gewöhnt, ardoir en re
(mhd. verbrennen üf der hürde), vgl. esprendre im rä einen heizstoß an-
zünden Fl. El. 2924. Die nahe liegende herleitung aus rogus ist gegen
die lautlehre, auch das gleichbed. ags. hreäc = altn. hraukr würde sich
nicht damit einigen. Wohl aber das lat. auch in der altfr. form reiz
vorhandene rete netz, sp. red guter } käfig für gefangene, so daß fr. re
urspr. wohl ein gebäude von scheitern oder hürden ist, auf welchen oder
in welchen die missethäter verbrannt wurden, denn man trifft auch altfr.
qrdoir cdedenz* un t6 Trist, ed. Hagen v. 881. Merkwürdig ist eine
glosse der Isid. Sammlung rednlus 'strues lignorum ardentium: ist dies
red-ulus nicht offenbar eine ableitung aus dem rom. red oder r£?
Rebondre altfr. pr. verbergen, begraben, partic. pr. rebost 'Pass.
de J. Chr. 21, LB. IV, 615", altfr. reboz Ben.; ein starkes verbum, das
mithin von reponere kommen muß, wie sich denn auch das zwischen vo-
calen zu b herabgestimmte p zuweilen wieder einfindet, prov. s. Lex. rom..
altfr. repuns 61 sepulcre LJ. p. 468°; mlat. ut usque in Septem noctes
non reponatur beerdigt werde CModow. Capit. 9, s. Pertz Leg. II, p. 4;
und selbst im classischen latein. Die herleitung aus recondere Beronie,
Dict. limous. 231°, ist also abzuweisen. Das bürg, rebotre 'remettre
scheint dasselbe wort.
Rfeche, reqne pic. herb, daher fr. rechin, fem. rechigne, comask.
reschign, it. arcigno (aus dem franz.) herb, sauer, unfreundlich, vb.fr.
rechigner mürrisch aussehn, die stirne runzeln, comask. reschignäs sie/*
zusammenziehen (ven. rancignare aus dem franz.). Attfr. rechigner, rc-
chiner, pr. rechignar haben auch die bed. knurren, knuttem, sp. pg. re-
chinar knarren (aus dem franz.?). R&che für resche, resque stamint
aus dem dtschen resche, rösche harsch, rauh, spröde, vgl. über das dtsche
IL c. RECRU- RELIEF. 667
wort Schindler III, 140. — Gleiche bedeutung mit rechigner hat da& it.
rincagnarsi, vielleicht aus einer umdeutung (cane hund) so geformt, vgl.
cmck die ital. redensart stare in cagnesco mürrisch aussehn.
Recru fr. nachwuchs, recrne ersatzmannschaft, vb. recruter: vom
fr. recroltre.
Redingote fr, überroch, reiserock; vom engl, ridingcoat reitrock.
Regimber mit den hufen ausschlagen; quasi rejamber, jecter la
jambe riere ou derriere, sagt Nicot. Man könnte dabei an das spätere
lat. gamba huf (bei Vegetius) denken, gleichwohl ist die deutung nicht
ganz unverdächtig. Warum nicht rejamber, und wenn jene herabstimmung
des vocdls auch angeht, wie kommt es, daß man altfranz. auch regiber
sagte und noch bürg, regippai sagt? m wird vor b eingeschoben, nicht
ausgestoßen. Scheler erinnert an das einfache altfr. giber Kse debattre des
pieds et des mains Boq., dessen herkunft aber nicht minder unklar ist.
Regretter fr. bedauern, sbst. regret. Altfr. bemerkt man es auch
in der bed. anrufen, zu hülfe rufen, z. b. fu l'amirans Balans huctäs et
regretäs: sire, c'or venös tost et si nons secouräs! Fier. 152, 12. Als
intransitiv heißt es schmerzlich klagen Alexs. 88, 2, vgl. Gaufr. p. 237.
256. Im prov. ist es nicht heimisch; regretar findet sich nur in der
haibprov. abfassung des Qir. de Boss. Mich. p. 294. Fast allgemein an-
genommen ist seine abkunft aus queritari klagen, verstärkt re-qniritari,
und in der that, daß qu vor e odir i sich in g erweichen konnte, zeigt
uns Guienne aus Aquitania, aigle aus aqnila. Auch das bestdien des t
im Widerspruche mit dessen ausfall in crier aus quirltari läßt sich hin-
nehmen: gab doch z. b. fugita sowohl fuite wie fctfe. Da das wort in-
dessen eilen schwestersprachen, selbst der prov., unbekannt ist, so scheint
das cdtn. grata", ags. grotan, engl, grate Halliw. weinen, klagen, trauern
bessere ansprüche auf dasselbe zu haben. Eine andre deutung gibt Mahn
p. 36 : das franz. verbum stamme von gratns und heiße eigentlich wieder
gern haben, mit dank % wieder aufnehmen, s. darüber Krit. anhang p. 24.
Eine andre, von re-gradus, denn die grundbedeutung liege in der Wieder-
holung eines leides, gibt Littre: t für lat. d finde sich auch in convoitise
von cupidus und pi&on von pes pedis. Genau betrachtet, kann, was das
erste beispiel betrifft, das auf romanische weise aus dem part. cupltus
entstandene convoiter einfluß auf die form des bemerkten franz. Substan-
tivs gehabt haben; pi&on aber rechtfertigt sein t mit pedes peditis.
Reinette fr. eine sorte äpfel; von regina, also königin der äpfet,
oder (glaublicher) vom vrlt. raine = lat. rana, weil dieser apfel gefleckt
ist wie ein frosch.
Relayer fr. die pferde wechseln, jemand in der arbeit ablösen, sbst.
relais umspann, frische pferde ; nur formverschieden von relaisser auf ent-
halt nehmen.
Relief fr. in der bed. Überrest vom essen stammt nach einigen ety-
mologen, die sich auf altfr. antif von antiqnns berufen, von reliquus ; eine
herleitung, mit welcher das buchstäblich und begrifflich zutreffende aus
668 ILc. RENARD-RETROENGE.
lat. relevare (aufheben, wegheben) gesogene it. rilevo, sp. relieve sich in
klarem Widerspruche befindet. Hiernach entspricht es unserm abhüb.
Renard fr. fuchs, altfr. renardie Verschlagenheit, noch pic. renarde
verschlagen. Vom ahd. Reginhart, Reinhart rathgeber, natne des fuchses
in der thierfabel, der endlich im frans, zum appdlativ ward und das
alte volpil = vulpecula aus der spräche verdrängte. S. Grimms Bein-
hart p. CCXL. Auch der nordosten von Spanien hatte sich das wort in
der form ranart angeeignet
Renge ältfr. gürtet den degen hineinzustecken, nUat. rinca; vom
ahd. hringa schnalle, haken, s. Gar. II, 94, woher auch churw. rincla in
erster bed.
Renou pr. wucher, eigentl. Schößling, welche bedeutung auch das
entsprechende sp. renuevo, von renovare, entwickelt hat, vgl. noch lat.
fenu8, gr. toxog, dtsch. wucher, erzeugtes, zins. Daher renovier Wucherer,
bürg, renevei, chw. ranv6r, sp. renovero.
Repairer altfr., repairar pr. heimkehren, sbst. repaire heimath, be-
hausung, nfr. höhle wilder thiere; von repatriare Solin, Gl. Isid. u. s.f.,
it. ripatriare.
Räpit fr., pr. respieit, auch it. rispitto auf schuh, frist; von re-
spectus rücksicht, daher nachsieht, nachlaß, in der roman. bedeutung schon
in einem capitular Ludwigs des frommen (819): detur ei spatinm ad
respectum ad Septem noctes. So denn auch altfr. respiter frist oder
nachlaß vergönnen, von respectare.
Reprocher fr., repropchar pr. vorwerfen, reproche, repropche Vor-
wurf, daher sp. reproche. NicoVs und Caseneuve's deutung aus recipro-
care verträgt sich nicht mit pr. repropchar, das nie in der form reprocar
auftritt. Soll es von opprobrium stammen, so mußte es die compositions-
Partikel (ob mit re) tauschen und von einem solchen tausch der Partikeln
lassen sich mehrere fälle nachweisen: das zweite r konnte schwinden wie
im it. brobbio; nimmer jedoch konnte b zu p hinaufsteigen, indem re-
proche die form repropium verlangen würde; reprobium hätte reproge
gegeben. Aber warum nicht, wie approcher für appropiare, so auch re-
procher für repropiare in der figürl. bed. näher rücken, vorrücken, eigenü.
wiederholt vorrücken? Derselben herkunft ist denn auch pr. reprochier
Vorwurf, dsgl. Sprichwort, denn in dem Sprichworte liegt eine Zurecht-
weisung, eine lehre; castiar tadeln und belehren bietet sich zur vergleichmg
dar. Das gleichbed. pr. und altfr. reprovier läßt sich buchstäblich aüer-
dings auch auf reprobare zurückfuhren, was bei reprochier nicht angehn
würde.
Requin fr. eine art haißsche, auch chien de mer, wegen seiner ge-
fährlichkeit von den normannischen matrosen requiem (seelenmesse) ge-
nannt, entstellt in requin (Acad. frang.J. Das Dict. de Trevoux schreibt
requiem.
Reöeau fr. Meines netz; gleichsam reticellum, it. reticella.
Retroenge, retrowange altfr., weit üblicher mit o rotruange *. b.
IL c. REUPER— RIDER. 669
JBrt. II, p. 111, rotruenge Ren. I, 270, rotruhenge FC. III, 117, auch
rotuenge Bau I, 167, pr. retroencha LR. I, 16, PO. 347, Chx.
V, 171, retroenza Chx. V, 40. Es bedeutet eine liedergattung, bei den
troubadours mit refrän, flach Wachernagels vermuthung (Altfr. lied.
p. 183. 234) ein tanzlied, von retroientia, wenn man die prov. form
retroensa zu gründe legt. Allerdings konnte retroensa mundartlich in
retroencha (vgl. conoisser, conoicher), fr. retroenche, retroenge ausarten.
Ren per 'eructare* Voc. duac. (ältpic.) = aits. rop-izön, ahd. rof-
azön, nhd. reup-sen bei Frisch.
RSve fr. träum, rSver träumen, irre reden, lothr. r&ve, räver. Der
circumflex deutet auf resve, resver, und so schrieben die Alten auch meist.
Da aber der Provenzale, dem das wort übrigens ein fremdes war, reva
{reimend auf leva) Flam. p. 18, nicht resva schrieb, so muß s ein stum-
mes aeichen gewesen sein wie in esve für eve (aqua): es kann darum
nickt mit desver eines Stammes sein, worauf noch Ampere, Form, de la
langue fr. p. 207 (219) besteht. Henr. Stephanus verwies auf gr. Qe/ußeiv (ur-
sprüngl feßeiv) umherirren, andre auf gael. rabhd gefasel ; warum denkt
man nicht lieber an lat. evare, zsgs. re-evare begeistert sein? Indessen
erklärt sich rßve, dem früher auch die bed. Wahnwitz zu geböte stand,
einfach als eine mundartl. form für rage aus rabies, wie etwa cage und
caive (lat cavea) nebeneinander bestanden; das dem franz. entnommene
engl, rave schließt sich der grundbedeutung unmittelbar an. Mit rabia,
raiva, rßve rechtfertigt sich auch die länge der Stammsilbe. Von r&ver
ist ndl. reven, revelen (ravelen KU.), mhd. reben mit gl. bed. Abgeleitet
fr. rßvasser unruhig träumen, bürg, mit ursprünglichem vocal ravasser.
Revel altfr. (rivel Wack. 75) lustigkeit, jübel, engl, revel, revelry;
fäUt zusammen mit pr. revel auflehnung, vom vb. revellar, altfr. reveler,
lat. rebellare, und bedeutet also zuerst aufregung. Das begriffsverwandte
reveiller hätte reveil ergeben müssen. [Zu beachten aber ist die herleitung
von Schder aus röver, s. Dict. etym. s. v. rßve.]
Rez fr. sbst. ebene, fläche, vom alten partic. r6s, j?r. ras, lat rasns;
dsgl. präposüionaler ausdruck, früher von unbeschränkterer anwendung,
jetzt noch üblich in gewissen Verbindungen wie rez terre, eigentl. zum
streifen nahe, vgl. lat. rädere litus; verdoppelt rez ä rez, pr. ras e ras,
pg. rez e rez mit der bed. genau, knapp, bei Gil Vicente. Desselben ge-
brauche* ist auch das part. präs. pr. rasän (rasen lo talo dicht am
knöchel Jfr. 62*), daher entlehnt it. rasente. Dem entspricht die ndd.
präp. rör von rören rühren, anstoßen Brem. wb.; so wie die maü. arent,
neap. pg. rente, von haerens anhängend ; dUsp. pegante, von pegar an-
kleben ; pic. tout serant, von serrer drängen.
Rhume fr. (f.) schnupfen; von rhenma, pr. ranma, it. rema u.s. w.
Rider fr. runzeln, kräuseln, altsp. enridar dass., fr. ride runzel,
krause (im krepp u. dgl.J, ridean Vorhang (weil er falten wirft, nach
Caseneuve) ; vom ahd. ga-rldan drehen, verdrehen (oder ags. vrfdhan, engl.
wrtthe), daher auch das ahd. adj. reid kraus, vgl. riddare IL a. Vom
670 II. c. RIEN-RIVER.
fr. ridfer aber ist das mhd. ridieren f Süden. Perion, Ling. galt. 67* ,
erklärt es aus dem gr. Qi-vig Qvzidog runseh
Rien fr. Verneinung für lat. nihil, vom acc. rem: je ne vois rien =
non video rem, nihil video. Die prov. form ist ren (re) für lat. aliquid,
quidquam, die catal. res, auch altport. sagte man tum rem SRos., algun
rem und volksmäßig algorrem GVic. I, 139; andre zss. pr. ganren
neben gran reu viel, grand9 chose, npr. quauquarren qudque chose, altpr.
aldres autre chose.
Rigole fr. rinne, canal, alt rigot. 'Der stamm ist eher ceUisch eis
deutsch: kymr. rhig einschnitt, rhigol furche, kleiner graben, ndd. rige
hoch Brem. wb. (Benecke mm Wigalois p. 689 leitet rigot daher), vgl.
Dief. Gelt. I, p. 54. Ital. rfgoro bach kann aus lat. rivulus entstellt sein.
Rigot pr. krauses haar, rigotar kräuseln, daher it. rigottato kraus;
vom ahd. rtga kreißlinie, 'circuli linea, *spira.
Rin altfr. (m.) quelle Brand, p. 72, dsgl. comask. rin bäcklein,
wallon. arene canal; cdto-german. wort, kymr. rhfn (f.) canal, goth. rinno
gießbach, ahd. rinnä, nhd. rinne.
Rinceau fr. laubwerk; für raincean = it. ramicello, von ramns.
Rincer fr. spülen; offenbar für rinser, da auch der Picarde rinser,
nicht rincher sprüht, in den alten Wörterbüchern reinser. Es ist das
cdtn. hreinsa (sprich hrejnsa) reinigen. — Davon trenne man das synonyme
pr. recensar, $p. vrU. recentar, cot. rentar d. i. reeentiare, recentare
erneuern (durch reinigen).
Riolö altfr. adj. gestreift; vom dtschen riege reihe, wie Frisch wiU,
und diese ansieht läßt sich mit dem gleichbed. it. rigato (eu riga IL a)
unterstützen.
Riote altfr. (noch bei Nicot), pr. riota hader, streit, daher engl.
riot und nach Muratori's vermuthung it. riotta; vb. rioter streuen, it.
riottare. Zweifelhafter herkunft, vielleicht für rivoter vom ahd. riban
reiben, darum auch ndl. revot, ravot KU., vgl. sp. refiriega streit von
fricare reiben. Zu trennen davon ist. cot. riota gelackter, nfr. rioter lächeln.
Riper fr. abkratzen, ripe Schabeisen; vom ahd. riban, oder besser,
da b sonst nicht zu p wird, vom volksmäßigen rippen, ribben d. i. reiben,
vgl. ndl. rijf (f.) reibeisen.
Rissoler fr. braun braten. Mahn p. 48 vermuthet darin eine ab-
änderung aus roussoler von roux. Es möchte hier, wo das primitiv ronx
die richtige form schützen mußte, eine solche entstellung nickt anzunehmen
sein. Das radicäle i in rissoler steht wohl nickt bedeutungslos da; viel-
mehr scheint darin ein neues und merkenswerthes beispiel von dem einftusse
der nordischen spräche auf die französische vorzuliegen: dän. risfe ent-
spricht unserm rösten, isl. schwed. rist unserm rost, daher das dimin.
rissoler, gleichsam röstein; ss aus st ist bekannt. Im it. rosolare erhielt
sich der hochd. vocäl.
River fr., ribar^r. einen nagel umschlagen; wohl vom ndl. rijven
oder altn. rifa, dän. rive harken, rechen d. h. alles vorragende wegschaffe*,
IL c. RODER-RONCE. 671
ahd. rfban, nhd. reiben, vgl. sehnst, ryben quetschen, drehen Stalder II,
267. In Berry sagt man auch river le lit die bettdecke einbiegen, ihren
rand unter die mairatze stecken. Das neupr. riblo (f.) handramme ist
deutlich das ahd. ribil stempfei (van rfban), daher vb. riblä s. v. a. fr.
river. Woher aber it. ribadire und pg. rebitar, die gleichfalls den
sinn van river ausdrücken?
Rode r fr. umher streifen; wird van Nicot aus dem hebr. rod 'migravit*,
von andern aus dem kymr. rhodio einhergehen, wandern geleitet, es scheint
aber aus reiner lat. quelle geflossen. Rotare heißt hier sich im kreiße
umdrehen, daher sp. cat. pr. rodar rollen, sodann gleich dem fr. rouler
angewandt auf das herumschweifen der menschen und selbst mit transitiver
kraft: sp. rodar mundo die weit durchschweifen (durchrotten), pg. rodar
o mundo, rodar o mar, wie andar tierras. Diesem rodar scheint das fr.
roder entnommen, an dessen stelle als einheimisches wort rouer zu erwarten
war, welches nur in mundarten (s. Le Duchat und .vgl. henneg. rouier)
vorhanden ist. Wie der Spanier rodar la tierra, so sagte auch der Fran-
zose sonst röder le pays Bob. Steph., heut zu tage röder par le pays,
par le monde.
Rogner fr. beschneiden, abschneiden, altfr. rooigner (dreisilb.) häufig
vom abscheren des haupthaares gebraucht, pr. redonhar, rezoynar, sp.
(in Murcia) des-roüar. Man verweist auf rädere oder rodere, die weder
dem begriffe noch der büdung d. h. der prov. endung onhar genügen.
Die reinste form redonhar leitet auf rotundus, wovon das sp. redondear
abrunden, das sich in das eben genannte prov. wort zusammenziehen
konnte, vgl. Bergonha aus Burgundia. Dieselbe begriff sentwicUung, be-
schneiden aus runden, zeigt auch das sp. cercenar, s. cercine L, so wie
das bret. krenna.
Rognie picard. bäumst amm; vom aiui. rono, mhd. rone (m.), nhd.
rahne (f.) umgefallener baumstanm.
Rogue fr. übermüthig; ein von den Normannen entlehntes wort,
oitn. hrök-r anmaßend, engl, rogue schelm, woher gael. rög. Die wallon.
spräche hat aroguer hochmüthig anreden.
Roide fr. starr; von rigidus, it. rigido.
Roitelet fr. einvogd, goldhähnchcn, auch vom Zaunkönig gebraucht,
eine althergebrachte scher zlwfte benennung des winzigen mit goldner kröne
oder haube geschmückten vogels, lat. regulus, regaliolus, gr. ßaoilevg,
ßaoilioxog, Ttgawog, it. reattino, sp. reyezuelo, pg. ave rei; individueller:
norm. r6-pepin (Menage v. pepin), in Berry roi-bertaud, in Saintonge
roi-b^delet, it. re di siepe. Roitelet (für roi-et-ei-et) ist übrigens wegen
der gehäuften diminutivsuffixe zu bemerken.
Ronce fr. (f.), pr. ronser dornbusch. Die formen beider sprachen
sind hier wohl zu wägen : wie fr. ponce, pr. pomser GO. auf pumex, wie
fr. pouce, pr. polzer auf pollex, ebenso leiten ronce und ronser offenbar
auf rumex, welches den Römern für ein geschoß, vielleicht ein mit Wider-
haken versehenes galt (it. ronciglio haken, gleichfalls von rumex?), vgl.
672 IIa RONGER- ROVER.
fr. chardon distel und eisenspitze. Diese deutung bestätigt sich durch das
occ. roumec = fr. ronce s. G'oudelin. Von rumex ist wohl auch das pr.
ronsar schleudern, schütteln.
Ron g er fr. benagen. Menage erklärt es aus rodicare, also mit
eingeschobenem n, was aber vor palatallauten im franz. kaum vorkommt.
Besser erkennt man darin ein gemeinrom. wort, sp. pg. rumiar, pr. romiar,
it. rugumare, maü. rumega, wal. rumega, von rumigare wiederkäuen, eine
bedeutung, die dem dltfr. ronger entschieden zukommt: les chamoz ki
l'ongle ont fendue, mais ne rungent mie die kameele, die gespaltene klauen
haben, aber nicht wiederkäuen LJ. p. 495m.
Rosset fr. derb prügeln, pr. a-rossar nach Baynouard. Man leitet
es wohl aus rosse, so daß die grundbed. wäre: prügeln, wie man eine
mähre prügelt; dies überschreitet aber die logische gränze der ableitung
von vcrbis aus Substantiven. Besser würde man erinnern an ndl. rossen
striegeln, dsgl. jemand durchbläuen, welches aus ros-kammen (ein roß
kämmen) abgekürzt sein könnte. Oder ist das fr. verbum aus lat. russus
entstanden, vgl. rubere flagellis? warum aber alsdann nicht rousser? Ist
es von rnmpere ruptus raptiare ? dann müßte dem ss ein picard. eh ent-
sprechen. Hängt es zusammen mit dem gleichbed. oberital. orzare? Mahn
hält es für das pr. ronsar herumwerfen; s. dagegen Krit. anhang p. 26.
— Ein bemerkenswerthes synonym ist pr. dorssar, altfr. dorser crompre
le dos = nüat. edorsare 'dorsum scindere s. Dueange.
Rat fr. cot. rülps; von ractus, it. rutto.
Rote altfr., pr. rota, auch altsp. Sanchez II. III. IV. ein Saiten-
instrument, das mit der hand gespielt ward. Unsre Alten hielten das
wort für ein deutsches (nomine barbarico rottam appellantes, Graff II,
488, Hoffm. Hör. belg. VI, 198), noch mhd. rotte; da aber Venantius
Fort, die chrotta als britanna bezeichnet, so scheint sie den Celten zu ge-
hören^ die das wort in der that besitzen: altirisch crot cither, gad. croit
(f.), kymr. crwth (m.), s. Zeuß 1, 171, Dief. Gelt. I, 125, Orig. europ.
p. 303. Hierzu kommt, daß die sache unter den romanischen vollem
eigentlich nur bei den Franzosen einheimisch war, die der rote häufig er-
wähnen, Provenzalen und Spaniern war kaum der name bekannt. Nur
wird man unmittelbare herkunft von rote aus crot nicht annehmen dürfen :
vielleicht gieng, wie Graff auch schon vermuthet, ein ahd. hrota voraus.
S. auch Grimms Gesch. d. d. spr. p. 206, Mhd. wb. IIm. 774.
Rouir fr. flachs oder hanf im wasser mürbe machen, dsgl. mürbe
werden ; vom ndd. ndl. roten, rotten mit ders. bedeutung. überdies bringt
Garpentier s. v. roissia noch ein gleichbed. vb. en-roiser nebst sbst. roise
(en mettant le dit lin en la roise . . . lui dist qa'il n'enroisait point
le dit lin ou dit vivier, v. j. 1397), welche offenbar der ahd. mhd. form
rozzen, sbst. bair. röß entnommen sind, die wir mit zusatz des nnd. t in
rösten, röste verwandelt haben.
Rover altfr. begehren (diese form und bedeutung bereits in S.Eukl.
Pass. de J. Chr., S. Leger); von rogare (ro'ar ro-v-er) sich ausbitten,
II. c. RU-RUSTE. 673
verordnen, ndat. überh. befehlen. Das wort fehlt dem Provenzalen, der
Italiener kennt rogare nur als juristischen ausdruck; ganz üblich ist sp.
pg. cot. rogar, wal. ruga mit der bed. bitten wie um eine gnade. Aber
altfr. royer heißt etwas begehren, wozu man befugt zu sein glaubt, nicht,
tote im span., flehentlich bitten, daher wohl nie royer (ä) dieu wie sp.
rogar & dios, häufig dex le nous rueve Gott begehrt es von un&; man
vergleiche -das mhd. biten, welches aus der bed. bitten in die bed. befehlen
übergehn kann. Eine zss. ist altfr. enter-ver, pr. enter-var, entre-var
fragen, erkunden, verstehen DMce. p. 8, 18, walach. ganz ähnlich intrebä;
von interrogare. Vgl. oben corväe.
Ru, altfr. rui rinne, ström; umgestellt aus rivus, wie tuüe aus teula
tegula, henneg. aber rieu, pr. riu, sp. rio, it. rivo, mlat. rio tw einer Ur-
kunde aus Limoges Breq. n. 73 (v. j. 681). Dimin. ruisseau, gleich-
sam rivicellus für rivulus, it. ruscello aus dem franz. Ruisseau aber
gab anlaß, daß man altfr. auch ruis im cos. obl. schrieb, z. b. HBord.
p. 166, 3.
Ruban band, besonders zum putz. Die bekannte herleitung aus
dem particip rubens, so daß es rolhes band hieße, scheitert an der uner-
weislichkeit dieser bedeutung. Wie in hau- b an und ra-ban scheint das
deutsche band darin enthalten. Aber was bedeutet die erste sübe? Hier
ist zu beachten, daß dem üblichen ruban ein mundartliches riban zur
seite steht, so in Lothringen, Berry, Normandie, woher auch engl, riband,
ribbon. Noch Ronsard sagte: je voudrais §tre le riban qui aerre ta
belle poitrine. Riban lcann man sich auf verschiedene weise zusammen-
gesetzt denken, am besten aber hält man sich an eine vorhandene Zusam-
mensetzung, und eine solche ist das ndl. ring-band halsband.
Ruche fr., norm, ruque bienenkorb (ehedem aus baumrinde ver-
fertigt, Adelungs Mithr. II, 69, vgl. sp. corcho korkrinde und bienenkorb),
dsgl. rümpf des schiffes {mit dieser bedeutung auch in der form rouche),
altfr. rasche, rusque, pr. rusca, ruscha, piem. lomb. rusca rinde, dauph.
ruchi lohe, vb. comask. rusca abrinden; ein celt. wort, altir. rüsc Zeuß
I, 33, gael. rüsg, bret. rusk, kymr. rhisg rinde, bret. rusken bienenkorb.
Ahd. glossen enthalten rusca in der bed. korb, s. Schmeller III, 249,
Graff VI, 224.
Ruer fr. schleudern, se ruer sich stürzen, ndl. ruyen KU.; von
ruere, das zur ersten conjugation gezogen ward, wie dies auch andern
verbis zweiter und dritter, besonders denen auf üere, schon in der altern
spräche geschah, argtter, minüer u. dgl.
Runer flüstern, seltenes altfr. wort: eil qui rune parolet priveie-
ment LT 478m, susurrare dinier* (l. runer) Vocab. d'Evreux p. 33; da-
her sbst. runement susurrus 477", vgl. Bob. le diable C. Ila col. 2. Es
ist das ahd. rünen, nhd. raunen. Auch das altsp. ad-runar errathen
(Sanchez gloss. zu Berceo), vgl. goth. runa geheimnis, berathscJUagung,
wird hieher zu rechnen sein.
Rüste altfr. pr. derb, heftig (z. b. rüste dolour Alex. p. 6, 12),
43
G74 II. c. RUT-SAISON.
rauh (miste pendant DMce. p. 380, 20), sbst. altfr. rustte, pr. rustat;
von rusticus, rnsticitas mit unterdrückter ableitung ic; nord. rusti bauer.
Dasselbe wärt oder vielleicht rurestris ist nfr. rustre lümmel.
Rut fr., alt mit brunst des hirsches (cerf de ruit Chev. au Hon L.
Guest p. 143b); von ragitus, wegen des geschreis, das er erhebt, ndat.
rugire- gleichfalls vom hirsch. So mit recht Menage.
Ruzer j>r. grunzen (nur rutz 3. pers. präs. ind. ist vorhanden);
von rudere schreien, brüllen, vom esd, hirsch und andern thieren, iL
rudere (Latinismus).
s.
Sabot fr. kreißet, holzschuh, saboter kreißein, pr. sabotar schütteln.
Für sabot gilt henneg. chabot. Aber woher das wort? Mahn p. 16 halt
es eines Stammes mit savate, von dem es freilich nur der buchstabe b
trennt (s. ciabatta 1.). Weitere bemerkungen über sabot in seinen ver-
schiedenen bedeutungen sehe man bei Scheler.
Sade altfr. süß; von sapidus schmackhaft, vgl. das prov. fem. sabeza
für sabeda. Zsgs. maussade garstig, für mal-sade.
Safre fr. gefräßig, nach dem Biet, de TrSv. leckermavi, nach Reh.
Stephanus muthwillig, petülans, nach Nicot, der auch ein fem. saffrette
kennt, petülans, laseivus; norm, sapre. Stellt man' die begriffsverwandten
bäfre (vb. bäfrer), goinfre, gouliafre und dieses safre zusammen, so scheint
die endung fre leckerei, Schlemmerei auszudrücken und man denkt natür-
lich an lat. -vörus, aber der erste theü dieser Wörter gibt keinen deut-
lichen sinn. Betrachtet man safre außer diesem zusammenhange, so paßt
es trefflich zu dem von Grimm (Haupts Ztschr. VI, 6) angenommenen
goth. safjan schmecken, safareis schmecker. Ferner, ndl. schaffer ist einer
der das essen aufträgt, aber auch ein fresset ■; hier kommt es darauf an
zu wissen, ob das lautlich nah liegende franz. wort dem niederl. nicht
diese bedeutung geliehen hat, doch heißt auch das vb. schaffen auftragen
und essen.
Sais pr. (fem. saissa) grau von haar. Merkwürdig wäre es, wenn
sich in diesem dem Provenzalen ausschließlich eigenen adjeetiv das seltene
lat. caesius (graulich von äugen) erhalten hätte. Die richtige form wäre
freilich ceis, seis, aber ais für eis ist nicht ohne beispiel, wie plais für
pleis (lat. plexuiu) bezeugt; überdies konnte das zusammentreffen mit dem
zahlworte seis zu dieser abweichung verleiten.
Saison fr. Jahreszeit, rechte zeit. t In dem artikel stagione L sind
beide Wörter aus verschiedenen stammen hergeleitet worden, it. stagione
aus statio, fr. saison nebst sp. sazon ff. aus satio. In einer gründlichen
(dort überseJienen) Untersuchung von Aug. Scheler (Revue de Vinstr. publ.
en Belgique 1863) wird dagegen die ansieht vertheidigt, beiden wortern
liege ein und dasselbe Stammwort zu gründe, statio, t nach 8 sei also
IL* SALOPE— SAVAI. 675
ausgefallen. Der Verfasser gibt nun beispiele dieses ausfalles, von welchen
aber, wenn man nur den franz. und prov. anlaut s = st anerkennt und
die, etymologisch zweifelhaften fälle abrechnet, wenig übrig bleibt. Übri-
gens ist es nicht die meinung des verf., daß die frage hiermit abgethan
seit sie solle nur angeregt werden: er verneint die ansprüche von satio
nicht und unterstützt sie selbst mit hinweisung auf die bedetdungen des
gr. üjqcc. [Es dürfte sogar als ein grammatisch mögliches ereignis ange-
nommen werden, daß auch in Italien eine form sagione, fortdauernd in
den mundartlichen sason, sazü u. s. w.7 vorangegangen und durch ein-
Wirkung der klaren würzet sta-re abgeändert worden sei.]
Salope fr., als subst. nur im fem. üblich. A kann eingeschoben
sein wie e in semaque s. u.; gleichwohl läßt sich das wort nicht aus dem
gleichbed. ndd. slumpe, ndl. slompe herleiten, da m vor p nicht ausge-
fallen sein würde; besser vom engl, sloppy schlammig, in mundarten auch
schlumpig, s. HdUiwell.
Salpetre fr. (m.) ein mittelsalz; von sal petrae, weil die steine
es zum theil ausschwitzen. Ein vrlt. sp. salpedrez (m.) führt Secken-
dorf an.
Sambue alt f r. pf erdedecke zum gebrauch vornehmer frauen, s. P.
Paris zum Garin I, 298, in späterem nüatein sambuca. Es ist das ahd.
samboh, sambuoh, sambuh sanfte, dessen Ursprung aber noch nicht aufge-
hellt scheint.
Samedi fr. samstag; zsgz. aus sabbati dies, pr. dissapte, it. sä,-
bato, wcd. sembetq u. s. f.
S^nsonnet fr. staar; von dem eigennamen Samson, also Simson-
chen, zum scherz.
Sap altfr. tanne LRs. 241, im glossar von Tournai 'abies arbor
.». sap, pr. wie fr., daher sapine tannenwald Sax. II, p. 11; von sappinus,
einer der falle, worin die neue spräche eine lat. ableitung auf ein primitiv
zurückführte, denn auch mit dem synonymen sapium kann es nicht iden-
tisch sein, da dies pr. sapi lauten müßte. Neufr. sapin.
Sargotar jpr. kauderwälschen? Chx. IV, 198; für sartagotar von
sartago mischmasch von warten? Man vergleiche auch sard. sarragar
heiser sein, norm, saccouter flüstern. Auch bürg, sargoter ist s. v. a.
cahoter.
Sauge fr. salbei; von salvia, it. sp. pr. gleichfalls salvia, wal.
salvie, salie, zale.
Saale fr. (m.) weidenbaum. Dafür steht bürg, lothr. sausse, pr.
sauze, sautz, it. salcio, wal. salce, sp. salce, sauce, sauz, saz, bask. saliga,
alle von salix Salicis, woher auch fr. saussaie = salicetum. Aber diesen
formen ist saule fremd und hat also wohl seinen Ursprung in dem gleich-
bed. ahd. sälaha, verkürzt säla, gespr. salla: ebenso hat gaule in välu
seinen Ursprung.
Savai pr. schlecht, böse, das gegentheil von pros. Wie die ad-
jectiva ibri-ai und ver-ai von ebrius und verus stammen, so savai von
676 II. c. SCIER--SERPE.
saevus wild, arg, boshaft: e in der tonlosen Stammsilbe ward, wie oft,
durch a verdrängt.
Sei er fr. sägen, scie säge, it. sega; von secare schneiden, pr. se-
gar ff.; früher sier, nachJier mit rücksicht auf die etymologie scier ge-
schrieben. Eine andre form ist altfr. soier, vgl. plier und ployer aus
plicare. Dsgl. scion Schößling z. b. zum setzen, für sicion von Sectio
abschnitt, wie wir sagen schnittling.
Se pr. in den zss. anesä, des6 und jassä s. v. a. die gleichbed. anc
sempre, de sempre und ja sempre; auch mit präpos. en jassä und per
jassä. Abkürzung von se aws sempre wäre stfari und nwY keinem ent-
sprechenden falle zu unterstützen. Cherubini verzeichnet auch ein maü.
puss£e, das er aus piü assai erklärt.
Seine fr. fischergarn; zsgz. aus seYne von sagena, itol. wie lat.
Selon fr. partikd; aus dem veralteten selonc von seeundnm, ge-
mischt mit longum, fr. long, das die räumliche bed. von seeundnm (längs)
ausdrückt. Altfr. sagte man auch solonc, nicht etwa von sublongnm
(Orelli p. 338), denn was sollte dies heißen? sondern weil sich das ohr
an den Wechsel zwischen der silbe se und so in sejorner und sojorner,
semondre und somondre u. a. gewöhnt hatte.
Semaqne fr. (f.) ein flußschiff; vom ndl. smak, engl, smack. So
auch senau (m.) eine art kleiner Seeschiffe, vom ndl. snanw, ndd. snau,
engl. snow.
Simulant fr. lebhaft, unruhig. Aus einer celt. würzet geformt:
kymr. sim voll bewegung, leicht, lose.
Semondre fr., pr. somondre, semondre einladen, partic. „semons,
daher sbst. semonce, somonsa einladung; von summonere. Aus demselben
verbum, nach der 1. conjugation geformt, leitet man auch den gertcht-
liclten ausdruck sommer: bei den Alten scheint nur semoner (woraus tifr.
semonneur), nicht somoner vorzukommen.
Seran fr. hechel, vb. serancer, leitet Frisch befriedigend vom mndd.
schrantsen zerreißen, zerkauen, mhd. schrenzen, sbst. mndl. schrantse,
mlid. ahd. schranz riß u. dgl. Daß die regelrechte büdung öcrancer ge-
wesen wäre, liegt auf der hand; diesmal aber fiel das gurgelnde ndl. ch
aus und der anlaut sr ward durch einschiebung gemildert, aber merk-
würdig ist doch auch das mhd. sranz für schranz.
Serin fr. zeisig; vom gr. oeigtjv, das bei Hesychius einen Meinen
vogel bedeutet, eigentl. Sirene, wegen seines gesanges.
Serment fr. schwur; von sacramentum, altfr. sairement, pr. sagra-
men ff., Soldateneid, durch die Soldaten in den provinzen verbreitetes wort,
sagt Pott, s. dessen abhandl. Plattlateinisch 348.
Serorge altfr. schwager; vom adj. sororius.
Serpe fr., vrlt. sarpe, gartenmesser die bäume zu reinigen. Die
bekannte herleitung desselben aus dem verschollenen lat. vb. sarpere, wo-
von Festus sagt: sarpere antiqui pro purgare dicebant, ist die einzige,
die dem bucJistabcn genügt. Den übrigen sprachen ist dies wort fremd,
II c. SERTIR-SI. 677
nur der Italiener Ugutio hat sarpa csarculum (hacke), quod et sirpa
invenitur, vgl. sarpa 'getisen (jät-eisen) Vocab. opt. p. 22b. Ein ab-
kömnding van scalprum kann es nicht sein, dem widerstrebt der buch-
stdbe. Nimmt man sarpa in passivem sinne, so muß es, toie sarmentum
für sarpmentum, den abgeschnittenen zweig bedeuten, und dazu paßt das
sp. serpa ableger, senker: kommt radicales e für a in dieser spräche
auch nur selten vor (alerce, lexos IL b), so wird es hier durch die franz.
form unterstützt.
Sertir fr. einen edelstein fassen; muthmaßlich von sertum kränz,
daher auch mlat sertare kränzen, einschließen, cigentl. mit einer einfas-
sung umgeben? Die neupr. form ist sartir. — Schder vermuthet in sertir
ein abgekürztes ensertir, von insörere, sup. insertum : aber würde alsdann
das neugeschaffene verbum nicM der ersten conjug. gefolgt sein?
Serviette fr. tellertuch. Servir une table heißt die tafel mit tellern
u. dgl. besetzen {wie lat. ministrare), Service tafelgeräthe (ministerium),
it. servito tracht oder gang von speisen, pr. servit überh. dienstleistung:
aus diesem partieipiahsbst. muß serviette (für servitette, vgl. sp. servilleta)
entstanden sein, nicht aus dem vb. servire, was gegen die grammatik wäre.
Die speisen abtragen heißt desservir, daher dessert nachtisch.
Sescha, cesca pr. röhr, schilf, auch sp. xisca, in Murcia cisca,
bask. sesca, mlat. sisca 'snid-stroe (ags.) in einem glossar s. Mones An-
zeiger VII, 151. Es ist celtischer herkunft, ir. gael. seisg, kymr. h6sg,
wozu auch ags. sege, secg, engl, sedge gehören. Man sehe Armstrong
so wie Diefenbaeh Celt. 1, 97. Abgel. von sescha scheint altfr. seschon
gesträuch Roq.
Setiar pr. (dreisilb.) setzen: la comtessa vas (= va se) setiar Arn.
Vid. gloss.; zsgs. assetiar und assitiar (viersüb.) mit ders. bed. (Gehört
zu sitio IL b.)
Seve fr. pflanzensaft; von sapa, pg. seve ff.
Sevrer fr. ein kind entwöhnen; von separare, it. sceverare.
S i altfr. partikel für den zielpunct im räum und in der zeit, unserm
'bis* entsprechend. Als conjunetion: jamez la moie bouche de pain ne
mengera si seront tuit pendu DMce. p. 315, 29; mes ne serai lie si
arai le traYtre trouv6 180, 18. Combiniert: si la que als conj.: nos ne
poomes si lä que toutes les bestes soient assembläes, s. Orelli 415;
si que als adverb in Verbindung mit einer präposition: li porfent si
qu'en la ventaille ds. 377. Dsgl. desi, dessi adv. : desi es dens bis in
die zahne DMce. 128, 23; dessi el pis bis in die brüst; desi que conj.:
de si ke en Bretaine sont bis sie in B. sind Rou v. 427; adv. de si
que Abelgrant cusque ad Abelmagnum LRs. 23; del menton deci qu'an
Toreille NF. I, 297. Ferner tressi und tressique, z.b. tresiques
au poing bis auf die faust DMce. 251, 16 u. dgl. Endlich noch en-
tressi und entressi que adverbial, z. b. antreei qu'ä la porte PDuch.
p. 69; oft auch enfressi, von infra. Wie erklärt sich nun das mit der
bedeutung von usque ad oder donec ausgestattete theils für sich allein,
678 lLc. SIFFLER- SILLER.
theUs in Verbindung mit andern parttkdn vorkommende si? Hat es seinen
grund im s des lat. usque, indem man die daraus entstandenen desque,
tresque, entresque in desique, tresique, entresiqae erweiterte und dann
si als selbständiges wort herauszog? Allein von einem vorgange dieser
art würde sich kein zweites beispiel aufzeigen lassen. Liebrecht (bei
Gachet 423a) ist geneigt, unser si mit ainsi zu erklären: dies würde zu-
weilen angehn, meist aber nicht, durchaus nicht in den combinationen de
si, si que u. s. w. Für si setzen manche Handschriften auch ci. Diese
Schreibung hält Gachet 118* für die richtige und erkennt darin das orts-
adverb ci = neufr. ici: de ci qu'ä ist elliptisch für de ci oder d'ici
jusqu'ä lvon hier bis an. Auch diese bedeutung wäre auf viele fälle un-
anwendbar, wie schon die obigen beispiele lehren: desci jusque en Espaigne
iriemes Fier. 140, 1 wäre richtig, jel porfendroie desci jusque al poumon
145 , 7 gäbe einen schlechten sinn: die bedeutung von de ci müßte sich ver-
dunkelt haben und der von jusque gewichen sein. Auffallend ist freilich, daß
diejenigen texte, welche stets chi für ci = ici setzen, dieses chi niemals,
wie es scheint, für unsre partikd, sondern statt dessen ci oder si ge-
brauchen; doch gibt Burguy II, 371 deschi für desci. Man hat über-
sehen, daß ein finales si auch im älteren ital. vorhanden ist. Dante sagt
z. b. Inf 29, 30: non guardasti in lä, si fu partito; Boccaccio Dec. 3,9:
ne mai ristette, si fu in Firenze. Dieses si läßt sich ohne mühe aus
den mittein der ital. spräche selbst, nämlich aus der partikd sin (vgl. no
aus non) erklären, sin aber vertritt sin che, und so ist es auch von ein-
heimischen grammatikem z. b. Cinnonio 1, p. 239 (Ven. 1739) erklärt
worden. Sollte das wörtchen nach Frankreich gewandert sein, wo es den-
selben dienst thut? Dies wäre möglich, es wäre aber auch möglich, daß
die. franz. spräche sich dasselbe unabhängig aus dem nämlichen etymon
(signum ziel) verschafft hätte wie die ital. Zwischen den beiden letzteren
auslegungen wird man zu wählen haben.
Siffler fr. pfeifen. Diese form, wofür altfr. auch sibler, bezieht
sich, da im franz. der übertritt des b in f höchst selten ist, auf das ver-
altete lat. sifilare, dessen Nonius gedenkt, s. Schneiders Lat. gr. I, 226,
vgl. sibilus, non sifilus App. ad Probum. Prov. siblar, siular, aber auch
chiflar, sp. silbar und chiflar; man sehe ciufolo I.
Silhouette fr. Schattenriß; eigentl. name eines finanzministers
unter Ludwig XV., dessen Operationen leer waren wie diese bäder.
Man sehe darüber z. b. Sismondi Hist. des Frangais XXIX, 94. 95.
Es ist also ein aus dem material historischer eigennamen geschöpftes
schlechthin unetymologisches wort, deren die sprachen nicht wenige auf-
genommen.
Silier fr. (vb. intr.) das meer durchschneiden, sbst. sillon furche;
vom nord. sila furchen, einschneiden (Biörn) mit erweichung des 1 wie in
piller von pilare. Das wort muß weiterhin verbreitet gewesen sein, da
sich das mail. sciloira pflüg, piem. zsgz. sloira, daraus herzuleiten scheint,
s. aratro I.
IL c. SILLER-SOC. 679
Silier fr. (vb. trans.) einem falken die augerdieder zusammen-
nähen, damit er stül sitzen lerne ; für ciller von cilium.
Sinople fr. (m.) grüne färbe in wappen, ein früh in Spanien ein-
geführtes wart, da schon J. Febrer z. b. str. 205 es braucht, pg. sinople
grüner Jaspis. Daneben it. senopia, pg. sinopla, engl, sinoper röthd,
rothe färbe, vom tat. sinopis rother eisenocker, benannt nach der Stadt
Sinope am Schwarzen Meere. Beiderlei Wörter für rothe und für grüne
färbe müssen eins sein: so wenigstens sah man die sache vorlängst schon
an, wie Menestrier, Orig. des arm. p. 339, aus einer handschrift vom
j. 1400 bezeugt: sicut et in urbe Sinopoli rubicundum invenitur et viride
dictum sinoplum . . synoplum utrumque venit de urbe Sinopoli; der stoff
aber, woraus man die grüne färbe zog, wird nicht näher angegeben. S.
Bernds Wappenwissenschaft II, 44.
Sirvente fr. (m.), aitfr. serventois, pr. sirventös, sirventesc, auch
fem. sirventesca, daher it. serventese, sp. serventesio, eine liedergattung
von unbestimmter form, lob- und rügelied im gegensatz zum minnelied;
wortlich dienstgedicht d. h. ein gedieht, ursprünglich im dienste oder zu
ehren eines herrn abgefaßt, vom pr. sirven = serviens. Auf diese her-
Jcunft spielen schon die troübadours an, wenn sie sagen: un sirventes en
servizi dels fals clergatz Chx. IV, 307 (ironisch zu verstehnj, oder de
sirventes suelh servir LR. I, 400. S. Poesie der troub. p. 111, Wolfs
Lais p. 306, Schlegels Essais litt. 328. Baynouard leitet das wort nicht
aus servire.
Sisclar, cisclar pr., xisclar cot. pfeifen; von fistulare (it. fischiare)
gemischt mit sibilare?
Sitot prov. conjunetion für lat. etsi; zsgs. aus si tot 'wenn aU, wenn
schon, vgl. it. tuttoche.
Sobriquet /r. Spottname, sonst auch sotbriquet geschr., so daß es
aus 80t einfältig und dem sinnverwandten altfr. briquet (vgl. it. bricchetto
kleiner esd) zusammengesetzt sein könnte: donner un sobriquet ä qqun
jemand einen einfaMspinsel anhängen. Nur formell paßt dazu piem.
subrichet adj. eigensinnig, ärgerlich. Das picard. wort ist surpiquet —
Schelers vermuthung, sobriquet komme von supricus (s. v. a. surajoute),
dies von supra, scheint noch weniger zulässig als die vorstehende, da das
suffix Tcus nicht zu neubüdungen verwendet wird.
Soc fr., bei Rob. Stephanus vomer, also pflugschaar, im Gloss. de
Lille p. 9 (21) coutre ou soc de carue * vomer vel vomis\ mlat. in den
Glossis flor. (9.— 10. jh.) socus, ligo 'sech\ mgr. %6xog = soc, gael. soc,
kymr. sweh sowohl pflugschaar wie auch schnabd, schnauze. Mit andrer
bedeutung it. zoeco (in Ravenna, s. DC. v. zoecus), pr. soc, fem. pr. cat.
soca, fr. souche baumstamm, vb. cat. socar einen bäum unten abhauen.
Die Wörter der zweiten bedeutung gründen sich auf das dem Romanen
wohlbekannte soecus, das bei ihm aber meist in der bed. holzschuh, auch
Untersatz oder schaft (daher stamm) erscheint und den anlaut s fast
überall mit z getauscht luü: it. zöccolo, sp. zöcalo, zoclo, zueco, pr. zocs
680 IL c. S01F— SORNETTE.
*pes ligneus propter ludum (l. lutum) GProv. 53, fr. zocle, socle. Zocco
mahnt zwar auch an das begrifflich nähere deutsche stock stipes, truncus,
aber it. sp. z entsteht noch leichter aus lat. s denn aus deutschem st. Ob
auch das fr. soc nebst den celtischen verwandten in soccus seinen grund
habe, ist nicht deutlich: man könnte sich auf eine unverkennbare ähnlich'
keit zwischen schuh und pftugschaar berufen, da diese ein vorn zugespitztes,
hinten breites, in der mitte offenes und zugerundetes eisen ist. Dazu kommt
noch das russ. sochä hakenpflug.
Soif fr. durst, altfr. richtiger soit, soi, pr. set: von sitis. Da in-
dessen der dental t sonst niemals in den labial f ausartet und dieser
eben so wenig ein bedeutungsloser zusatz sein kann, so ist schwerlich eine
andre erJdärung übrig, als daß das schon ganz fertige wort (soi) dem
deutschen saufen d. h. wein oder bier trinken angebildet ward. Schon
Frisch dachte daran, doch müßte man anstand nehmen ihm zu folgen,
wären nicht auch andre das trinken betreffende Wörter oder redensarten
durch die deutschen landsknechte in fremden ländern in umlauf gekommen,
vgl. trincare I. Hieran schließe sich ein veraltetes und auch im alter-
thume seltenes wort für lat. sitire, sezeler Lib. psalm. 62, 2. 106, 5,
welches Littre aus *siticulare (buchstäblich genauer wäre *siticellare), prov.
findet sich cedejar und cedelar.
So live fr. querbalken unter dem boden eines zimmers. Frisch halt
es für eine ableitung aus solum boden, Ducange für eine aus dem ags.
syl säule, allein die mit ive abgeleiteten sind immer verbalia. Kann es
kein derivatum sein, so ist es vielleicht ein cotnpositum, bestehend aus dem
genannten solum, fr. soi in der bed. des it. suolo, sp. suelo boden des
zimmers, oder hauses, und dem altfr. ive = lat. equa mit beziehung dar-
auf, daß neufr. poutre stute und querbalken bedeutet; zunächst müßte frei-
lich diese letztere bedeutung in ive nachgewiesen werden. Isaac Vossius
denkt an sublica pfähl: allerdings konnte man sublfca sprechen und v
konnte die stelle des ausgestoßenen c einnehmen, wofür das altfr. mendive
= lat. mendica ein passendes beispid gewährt ; aber die bedeutung be-
friedigt nicht. Aus sublevare läßt sich ein sbst. sublevium ableiten, wo-
her sp. solivio, it. sollievo hebung, Unterstützung: daraus konnte auch das
freilich weibliche solive gebildet sein; warum aber nicht wenigstens mit ou
soulive wie soulever und soulager?
So mm eil fr., sonelh pr. schlaf, dimin. von somnus, gleichsam som-
niculus schläfchen, eine ableitung, wozu die spräche genöthigt war, um
som (somnus) von son (sonuö) zu scheiden, in mundarten aber, z. b. in
denen von Lothringen und Berry, hat sich som erhalten. Daher altfr.
someilleux, pr. somelhos, it. sonnacchioso, lat. somniculosus u. a.
Sorcier fr. zauberer, fem. sorciere, altfr. sorcerie Zauberei; von
dem lesen der schicksalsloose (pr. legir sort Chx. III, 193), daher sort
(lat. sors) auch Zauberkunst bedeutet. Sorcier erkläre man sich aus sor-
tiarius, wie it. sortiere, sp. sortero, alban. ^ortari aus sortarius. *
Sornette fr. posse, albernheit; vom kymr. swrn Jdeinigkeit, oder,
ILc. SOUBRETTE-SUBERNA. 681
toie Huet meint, vom bret. sorc'hen gefasel? Auch ein dUfr. vb. sorner
wird erwähnt.
Soubrette fr. kammerjungfer (im Schauspiel); woher?
Souci fr. bekümmernis, vom adj. sollicitum, mit fortgerücktem accent
sollicitum bekümmert, oder vom vb. se soucier, neupr. se soucidA, von se
sollicitare.
Soudain fr., pr. sobtan adj. und adv. schnell, plötzlich; von su-
bitaneus.
Soudre fr. lösen; von solvere solv're wie poudre von pulvis
pulv'ris.
So uil tmdsouille fr. sauschwemme, pr.solh schmutz, snlho, schwein,
sulhon meerschwein, fr. souillon schmutzkittel, vb. fr. souiller, engl, soil,
pr. sulhar, venez. sogiare beschmutzen; auch it. sugliardo, wohl auch
sp. sollastre schmutzig. Prov. sulha ist nebst sulhon offenbar von sucula
schwein; fr. souil kann logisch nicht von suculus, wohl aber vom adj.
snillus herrühren, so daß es ursprünglich etwas dem Schweine angehöriges
bedeutete; hieraus denn auch das vb. souiller eigentl. schweinisch machen,
welches also der herleitung aus einem fremden demente (goth. bi-sauljan
oder hd. sudeln) nicht nothwendig bedarf.
Soul fr. ganz satt; von satullus, altfr. saoul, pr. sadöl, it. satollo,
chw. saduls, wal. setül.
Soulager erleichtem; nicht = altfr. soulacier, von solatium, son-
dern = sp. soliviar d. i. *sub-leviare, also für soul6ger durch eine un-
gewöhnliche Umbildung des e in a; souleger noch in der alten spräche,
e. b. DMce. p. 177.
S o u p <} o n fr. (m.), altfr. souspe^on (f.) verdacht ; von suspicio, pr.
sospeissö. Altfr. vb. su scher LRs. 338, Ben. I, p. 11, von suspicari.
Sourdre fr. quellen; von surgere aufsteigen, pr. sorzer, it. sorgere,
sp. surgir. Von dem veralteten partic. sors ist das sbst. source statt
sourse (f.) quelle, wofür die alte spräche auch sorjon (nfr. surgeon
sprossendes reis), sordance, die ital. sorgente (f.), die sicil. surgiva be-
sitzt, ebenso von resordre resors das sbst. ressource (f.) hülfsqudle.
Soventre altfr. partikel für lat. secundum und aus demselben
stamme, vom ablat. sequente, pr. seguentre, chw. suenter.
Stribord fr. rechte seite des schiff es, daher sp. estribord; ist das
ags. steörbord, engl, starboard steuerbord.
Suberna u. sobern pr. in einigen stellen, wie nadar contra suberna
LR, lo cors (cursus) de suberna das., lo sobern de la marina Chrest.
prov., muß heißen Strömung, ström; das in einige Wörterbücher aufge-
nommene in seiner gestalt etwas abweichende fr. souberme (m.J wird mit
debordement erklärt. Ausdrücke für naturereignisse interessieren vor
vielen andern, da man stets geneigt ist, vorrömisches dement darin zu
vermuthen. Unser suberna aber, richtiger soberna, scheint nichts anders
als das lat. superna (sc. aqua) hochwasser, engl, highwater, zumal, gleich
sobern, von dem fluihen des meeres gebraucht.
682 IL c. SUD— TABUST.
Sud fr. (le sud LRs. 107), daher sp. sud, pg. sul {wie sp. ardid,
pg. ardil); vom ags. sfidh, engl, south meridies.
Suie fr., pr. suia, sueia, suga, cot. sutje fm.,) ruß. Die theoretisch
ursprünglichste form suga führt auf ags. sötig {zsgz. sotg), cw^Z. sooty
rw/it^, vorn sbst. söt, f^o^r awcA gael. sfiith. Iftwe t/Zo&e suia *fidigo
hat Graff in das deutsche Wörterbuch aufgenommen.
Suinter fr. ausschwitzen; vom ahd. suizan, ursprünglich suitanm*/
derselben darstellung des anlautes wie in Suisse aus Schweiz. Die ein-
Schiebung des n ist im franz. freilich wenig üblich, sie wird aber auch in
Menage s etymon suditare angenommen werden müssen, das sich bei der
Seltenheit neuer frequentativa auf itare weniger empfiehlt als das dtsche wort.
Suivre fr. folgen; von sequi, pr. seguir und segre, im franz.
mlatein severe mit getilgtem q, altfr. sevre, sivre, suire, endlich suivre.
Sumsir sumpsir, somsir sompsir pr. versenken, ertränken, somsimen
Versenkung, wohl auch somsis abgrund Bth. 182 (sossic B. 250, 16) ;
stark abgeändert aus summergere, pr. auch somergir, indem g hinter r
zu s ward wie in esparser (spargere) oder terser (tergere), also surareir
sumsir. Auch oitsp. pg. sumir hat die bed. von summergere, z. b. pg.
sumir un navio ein schiff versenken: g könnte geschwunden sein wie in
espurrir (exporrigere) oder sobar (sub-agere); oder soll das wart von
sumere kommen? — Aus somsir ist wahrscheinlich auch das fr. intran-
sitive sancir (le vaisseau a sanci ist gesunken): pr. sameimen für sura-
simen hat eine Handschrift s. B. 250, 17.
Sur franz. präpos.; von super, sp, pg. pr. sobre, cdtit. sor. Altfr.
sore, seure aber von supra, jene form bereits im fragm. von Vcdenciennes.
Sur fr. sauer; vom ahd. ags. altn. sür u. s. f., dsgl. kymr. sur.
Daher henneg. suriele, wallon. sural Sauerampfer, ndl. zuuring.
Sür fr. sicher, aftseür, im Liv.de Job segur^ von securus, pr. segur.
Sure au fr. holunder. Sabucus lautet sp. saueo, wed. soc, pr. saüc,
bask. (navarr.) sauca, altfr. pic. seü; da aber der Franzose für namen
der bäume die ableitung mit arius, dimin. arellus, liebt, so erwuchs
ihm aus seu die form sureau. Wie verträgt sich aber damit eine zweite
altfr. bildung setir (:meür NF. Jub.)? entstand sie durch abkürzung aus
seiir-eau, indem man das diminutivsuffix wegwarf?
Surgia pr. umndarzneikunst; für srurgia aus cirurgia chirurgia,
daher altfr. surgien, mndl. surgijn, engl, surgeon wundarzt.
Suzerain fr. adj., verbunden mit seigneur, oberlehnsherr; nachdem
muster von souverain aus fr. sus (lat. susum) geformt? S. Menage.
T.
Tabarin fr.hanswurst; name eines marktschreiers, der um den an-
fang des 17. jh. lebte (Roquefort).
Tabust, tabut altfr. pr. lärm, Verwirrung, tabuster, tabuter, tabustar,
X 11. c. TACHE-TAN. 683
•
tabassar, tustar, turtar klopfen, beunruhigen, it. tambussare ausprügeln;
so auch pr. sbst. taburla LR. 1, 556h, vb. tabornar. Es scheinen schall-
nachahmende auf tabor, tambor (trommel) gegründete producta, wohin
wohl auch pr. talabust, fr. tarabuster gehören; vgl. ndal. taburcium, ta-
burlum für tabor.
Täche fr. (f.) das auferlegte tagewerk, tächer sich beeifern. Daß
tache für tasche gelte, beweist das gleichbed. engl, task, cot. ven. tasca,
so wie das pr. tasca, tascha zins oder einkünfte; das nämliche wort ist
auch rnlai. tasca praestatio agraria DG. Auch die celtischen mundarten
kennen es: Itymr. tasg heißt etwas bestimmtes oder auferlegtes, gael. taisg
bütgschaft. Gleichwohl ist es lateinisch: wie fr. lache, pr. läse aus laxus,
so entstand täche, tasca aus taxa (miat. für taxatio) und bedeutet das
einem augeschätzte, eugemuthete: klar zeigt diese Umstellung das henneg.
tasque = fr. taxe.
Tai altfr. schlämm Boq., vgl. entaiar GProv. p. 41; offenbar votn
ndl. taai klebrig, ahd. zähl, das als beiname des leimes oder lettens ge-
braucht wird (Graff), nhd. zähe, chw. zais. Dasselbe wort ist sicil. taja
lehnt zum bauen.
Taie fr. küssenüberzug ; von theca hülle, futteral, wobei man jedoch
toie Aubery p. 41 (auch henneg. und bürg.) als die ursprünglichere form
annehmen muß, vgl. noyer von necare. Die herleitung wird bestätigt
durch das churw. teija (teigia), welches futteral und bettzieche bedeutet,
von theca, vgl. speija von spica. Auch ahd. ziechä, nhd. zieche wird
von theca stammen wie ziegal von tegula.
Talnar pr. zögern, säumen, z. b. non tai'nar redre tnon tardabis
offerre GO. 299, trans. verzögern, aufschieben (si o tainas, es pechaz),
imperson. me tal'na mich verlanget, wie il me tarde, ahd. mih langet,
sbst. taYna aufschub. Dazu pr. atainar, altfr. ataTner verzögern, z. b. los
atainaz tormens 'tarda supplicia GO. 27, dsgl. reizen, beunruhigen, cht-
canieren, welche letztere Bedeutungen das bret. (auf die mundart von
Vdnnes eingeschränkte, unceltische) atahinein bewahrt; sbst. atal'na, atai'ne,
noch bürg, ataine, bret. atahin (m.). Entstand dies wort etwa, mit aus-
gestoßenem d und romanisierter endung, aus dem alten dtschen teidingen
anberaumen, gerichtlich verhandeln, teidinc d. i. taga-dinc 'indutiae frist,
auch gerichtsverhandlung? Die Verwischung des Wortes dinc wäre nicht
stärker als in unserm vertheidigen für vertheidingen. Von taquiner fr.
(hadern) ist es jedesfalls zu trennen: dies floß aus dem adj. taquin, wo-
neben keine form tahin stattfindet, eben so wenig ein ataquiner neben
atainer.
Taleva 8 altfr. eine ort Schilde; nach Le Duchat umgestellt aus
dem it. tavolaccio hölzerner schild, von tabula, also für tavelas; eine be-
friedigende deutung.
Tan fr. lohe, tanner roth gerben, henn. tener, mndl. tanen, teynen;
daher tannä lohfarbig, lohfarbe, it. tane, sard. tanau, mndl. taneyt, letz-
teres = altfr. taneit partieip. Nach Frisch vom dtschen tanne, weil man
684 lLc. TANCHE-TAPIR
die lohe ehemals aus der rinde dieses baumes bereitet habe (und noch be-
reitet, Krünüzens Encyd. LXVIII, 335); nach andern (Dief. Gdt. I, 142 j
vom bret. tann eiche, aber tann ist den celt. sprachen und selbst der bret.
mit ausnähme der mundart von Leon unbekannt. Die Isid. glossen haben
alia 'tranata*, wofür aluta tanata zu lesen vorgeschlagen wird (Jahrb. für
phil. XIIIj suppl. p. 233) , die Erfurter glossen aluta 'locus, ubi pellcs
in calce pilantur et tanantur (das. p. 273" ); das wort kann also ein
ziemlich hohes älter aufweisen.
Tan che fr. ein fisch, schleie; lat. it. tinca.
Tandis fr. Partikel; von tantos dies oder von tamdiu? Für letz-
teres zeugt die prov. form tandius, vgl. oben qnandius.
Tangoner altfr. antreiben, drängen; offenbar das mlat. tanganare
mahnen, anhalten L. Sal., L. Rip., sbst. tanganum, dem auch in betracld
des Suffixes n zunächst steht kymr. tengyn zäh, festhaltend, vgl. Leo Halb,
glosse II, 148 und wegen seines etwaigen dtschen Ursprunges Grimms
Rechtsalt, p. 5. Das damit zusammenhangende altfr. adj. tangre hart-
näckig worauf bestehend (z. b. tu es si tangres ke ma fille fust mariee
RFlor. p. 13) stimmt buchstäblich zum tnhd. zanger scharf von geschmack,
munter Wb. III, 849, hartnäckig, ausdauernd Frisch II, 149°, mndl
tangher scharf Eil., dazu noch it. tanghero, com. tängan grob, plump.
Taniere fr. höhle wilder thiere; wahrscheinlich, da man altfr. tais-
niere, tesniere schrieb (s. die glossare zum Renard), zsgz. aus taissoniere
dachshöhle. Die erweiterte bedeutung macht keine Schwierigkeit.
Tante fr.muhme, altfr. ante (nebst der accusativform antain), engl.
aunt, pr. amda, lat. amita. Das noch im 16. jh. vorkommende und mund-
artlich fortlebende ante (auch lomb. ameta, amida, in Brescia meda, cre-
men, medda, chw. onda) ward durch das euphonische tante aus der
Schriftsprache verdrängt, als es nicht mehr gestattet war, m'ante für ma
ante zu sagen, und auch mon ante nicht gewagt ward, das aber doch die
nördlichen mundarten in der form men ante durchgeführt haben, s. Hecart
und besonders Gachet. Das anlautende t hat also in diesem werte keinen
etymologischen grund, es beruht so gut auf einschiebung wie in voilä-t-il,
cafetier u. a. Wallon. antin bedeutet großoheim, großtante, s. Grand-
gagnage addit.
Tape fr. schlag mit der hand, vb. taper, tapoter klapsen; vom
ndd. tappe pfote, engl, tap klaps. Eine von Seiten des anlautes mehr
hochd. form desselben Wortes ist it. zampa, ciampa (wie zufolare, ciufo-
lare) pfote, zampare mit der pfote hauen, ciampare, inciampare stolpern.
Tapir fr. (nur reflexiv) sich zusammenducken um nicht gesehen zu
werden, zsgs. altfr. s'atapir sich verstecken (auch bildlich: quel semblance
s'atapissoit souz le pain et le vin s. Roquef), adj. altfr. tap in, pr. tapi
versteckt, a tapi, altfr. en tapin LRs. vermummt, besonders von pilgern
gebraucht, daher altfr. tapin pilger (vermummter) Antioch. 11, 53, vb.
tapiner verstecken, vermummen Gar. I, 269, nfr. en tapinois heimlicher
weise, altfr. en tapinage (qu'ils s'en yront en tapinage ainsi comme en
ILc. TARGER— TARIN. 685
pelerinage Rom. d. I. rose II, p.67 ed. d'Amst.), nüat. tapinatio. Frisch
fühlt in diesen Wörtern einen deutschen auch sonst im roman. vielfach be-
nutzten stamm zapf (s. tape L), der ein kurzes stück hole, einen keil
u. dgl., in dem abgel. fr. tapon einen klumpen oder pack bedeutet, vgl.
schiced. tapp bündel: se tapir wäre sich zu einem klumpen machen, zu-
sammenkauern, sich verstecken: ähnlich heißt fr. cacher platt drücken,
verbergen. Ducange denkt an talpa: se tapir bedeutet sich verkriechen
tcie der maulwurf. Solcher gleichnisse bedient sich die spräche zwar häufig,
überall aber behauptet der buchstabe sein recht und so ist auch hier ein-
zuwenden, daß im franz. die gänzliche Verwischung des 1 bei vorhergehen-
dem a etwas ungewöhnliches ist. Das champ. taupin 'heimlich' gibt sich
leicht als eine anlehnung an taupe (talpa) zu erkennen. Ital. tapino
niedrig, armselig, daher typioare elend leben, ist vielleicht aus dem gr.
raicuvog niedrig, demüthig; aber auch hier bemerkt man eine auf talpa
bezogene form mit 1 oder u talpino, taupino, attaapinarsi PPS. I, 458,
617 u. s. w.
Targer altfr. norm, zögern, pic. atarger und terger. Unpassend
deutet es Ducange aus targe schild, in beziehung auf seine hinderliche
schwere. Wenn die spräche, die lateinische oder romanische, aus einem
Substantiv, das eine sache, namentlich ein geräthe oder Werkzeug bedeutet,
durch bloße anfügung der biegungssüben ein verbum formt, so will sie
damit die anwendung der sache ausdrücken: targer von targe müßte also
etwa heißen mit der tartsche decken, schirmen, wie it. scudare mit dem
schüde decken. Von da bis zur bedeutung mit der tartsche belasten, end-
lich schwerfällig machen, aufhalten ist noch ein weiter schritt. Dagegen
bietet die lat. spräche ihr verbum tardare. Der Provenzale spricht tardar
und tarzar und auch im alt franz. bemerkt man tarzer oder tarser. Sollte
targer aus tarzar entstanden sein? Es wäre möglich; indessen fehlt es
von dieser franz. ausspräche des pr. z an weiteren beispielen. Aber g
läßt sich noch auf andre weise gewinnen. Aus tardare konnte tardicare
geleitet werden, woraus targer wie aus judicare jager: nicht anders ent-
stand aus clinare clinicare, aus pendere pendicare. Vermittelst anderer
suffixe schuf sich der Churwälsche die abll. tardinar und tardivar. Hier-
nach würde sich das altfr. targer zum neufr. tarder wie das altfr. en-
i'erger zum neufr. enferrer verhalten. In den Erfurter glossen p. 267*
steht über tricari geschrieben tarcor, vielleicht das roman. wort in älterer
geskdt, indem aus tardicare zunächst tarcare werden mußte, das der
Schreiber als deponens, wie tricari, darstellen mochte. Dieselbe bedeutung
hat kymr. tario, engl, tarry; es thut aber nicht noth, dem franz. wort
diesen Ursprung anzuweisen, wenn auch die lautlehre nichts dagegen ein-
zuwenden hat.
Tarier altfr. reizen, quälen; vom ndd. targen, ndl. tergen mit gl.
bed., mhd. zergen reißen, vgl. ahd. zerjan.
Tarin fr. zeisig; vielleicht, da es in Paris die form t6rin hat (s. bei
Menage), aus dem picard. t£re = tendre (vgl. terons = tiendrons), so
686 II. c. TARIR-TELER.
daß es zart, schmächtig bedeutet Ebenso bedeutet altn. tita etwas zartes
und einen dem zeisig nah verwandten vogel, fringüla montana.
Tarir fr. pr. trocknen (trans. und intrans.); vom ahd. tharrjan,
darrjan dörren.
Tartarassapr. von Rochegude und Raynouard mit milan (kühner-
geier) übersetzt, nur einmal bei Peire Cardinal, in einer donnernden
Strafpredigt gegen den clerus, vorkommend (tartarassa ni voutor no sent
plus leu carn puden cet.). Noch neupr. tardarassa, wie Honnorat schreibt,
der dies wort mit caprimulgus (nachtrabe) Übersetzt und es aus tardus
erklärt, weil der vogel spät ausfliegt. Wahrscheinlicher ist, daß sein
name von seiner 'schnurrenden stimme herkommt, wie sich Blumenbach
ausdrückt. Raynouard vergleicht das port. tartaranha.
Tas fr., fatz pr. häufe, schickt, vb. tasser^ vom ags. tas (bei Somner),
engl, tass, ndl. tas (f.) kortüiaufe, womit Ettmüller, Lex. anglos. p. 517,
das goth. un-ga-tass (ungeordnet) vergleicht; dasselbe wort ist gael. dais,
kymr. das.*
Tau dir altfr. decken, nfr. taudis hätte, früher auch schutzgerüste,
pic. taudion ; vielleicht germanischer abstammung, altn. tialld, mndl. telde,
ahd. nhd. zeit, vb. altn. tiallda zelte aufschlagen.
Taveler fr. scheckig machen; von table, alt tavele, brettspid, also
einem dinge das ansehn eines Wettspiels geben.
Tax er fr., pr. taxar schätzen, eine Schätzung auflegen, it. tassare/f.,
lat. taxare ; sbst. fr. taxe (f.), pr. taxa, it. tassa ff. Davon zu trennen
ist ein zweites, speciell franz. subst taux (m.)} welches mit taxare gar
nicht verwandt ist, sondern eine altfr. nominativform des sbst. tau = it.
taglio Steuer (s. taglia I.) sein muß, vgl. wegen der buchstaben altfr.
consaux, acc. consail. Altfr. findet sich auch ein aus taux geleitetes vb.
tausser, z. b. in einer Urkunde v. j. 1288, dsgl. tauxer v. j. 1371 Garp.,
auch bei Nicot. Daher das vrlt. pg. tousar.
Teiller fr. hanf brechen; von tiliae (pl.) lindenbast, gleichbed.
altfr. tille FC. 1, 404, henneg. tile, wogegen it. tiglio auf die rinde des
hanf es übergegangen.
Teindre färben; von tingere, it. tignere, sp. tefiir.
Tel er fr. in atteler anspannen (an den wagen), d&eler abspannen,
losspannen, im alten prov. nicht vorfindlich, aber im bask. (navarr.), wo
außer dem vb. athelatu auch ein subst. athela vorkommt in der bei. pflock
um die deichsei an das joch zu befestigen. Atteler heißt auch den wagen
bespannen, schon bei den Alten, z. b. les chars ont fait estruire et malt
bien ateler GBourg. p. 50, 12. Gewöhnlich hält man sich an protelum
das anziehen des Zugviehes, protelare in die länge ziehen, aber davon ist
anspannen oder anschirren sehr verschieden. Für ateler kommt bei den
Alten auch esteler vor, z. b. GBourg. p. 98, 7, doch wohl unser stellen,
entsprechend dem in gleicher bedeutung anwendbaren fr. mettre, sp. poner,
engl, to put, wobei noch zu bemerken ist, daß ahd. gi-stellan affigere heißt
Graff VI, 665. Es kommen im franz. einige beispiele von dem abfalle
II. c. TENCER— TIERE. 687
des anlautenden s impurum vor, so daß die ausspräche atteler für asteler
und däteler für desteler als möglich anzunehmen ist : äteler hätte man in
atteler abgeändert, um die partikd ad damit zu gewinnen^ In jedem falle
ist esteler von gewicht für die beurtheilung des wortes, und schon Frisch
hat es geltend gemacht. Eine dritte, für die bedeutung, wenn man den
diminutivsinn nicht zu hoch anschlägt, sehr befriedigende auslegung (von
Langensiepen) ist: atteler von aptulare für aptare; nur setze man für
aptulare aptillare, da sich jenes anders gestaltet haben würde. Aber auch
hier liegt in der Behandlung der pfäposition etwas unregelmäßiges, da
entweder d&-atteler oder datteler zu erwarten war ; vielleicht gab attacher
und d&acher dieser büdung das muster.
Tencer altfr., tensar^pr. streiten, bestreiten, nfr. tancer ausschelten;
participiaiverbum von tenere tentus in der bed. einen satz behaupten,
gleichsam tentiare, aitfr. auch vertheidigen, schützen. Daher altfr. tence,
ten<jon, pr. tensa, tenson, it. tenza, tenzone. Zsgs. altfr. bestand er,
s. stentare IL a.
Tenere pr. adj. finster, dunkel, mehrmals im Gir. de Boss. (712.
2239. 3919) und bei einigen lyrijeern, scheint im altfranz. nicht vorhan-
den. Daß wir in ihm das lat. tenebricus besitzen, ist klar; es verdiente
aber hier eine stelle, weil es im lateinischen höchst selten ist, indem es
nur einmal bei Cicero und später erst wieder bei Tertullian vorkommt,
seine volksüblichkeit aber durch sein dasein im prov. verbürgt wird.
Terne fr. trüb, ternir trüben, den glänz benehmen; vom ahd. tarni
verhüllt, tarnjan, mhd. ternen verhüllen, daher verdunkeln, trüben, ein
aus Siegfrieds tarnkappe bekanntes wort. Das kymr. tarnu abwischen
hat keine anspräche, theils weil aus verbis keine adjeetiva entstehen ($. vor-
rede), theils weil dem abwischen das glänzendmachen näher liegt als das
trübmachen.
Tertre fr. pr. (m.) anhöhe, in dem Wb.von Evreux p. 36 c Vertex,
altfr. auch teltre, in den Dial. de S. Greg, ter, wallon. tier hoch auf-
springende masse von erde oder stein, beide letztere formen wohl nur ab-
gekürzt. H. Stephanus leitet es vom gr. ztQ&Qov das höchste. Sollte es
nicht eine zss.sein: terrae-torus erd-wtdst, erd-anhöhe? Zwar haben com-
posita den ton auf dem zweiten worte, aber es fehlt nicht an ausnahmen:
trefle z. b. von trifölium wäre dem gegenwärtigen falle ganz analog.
[Hierzu fügt Schder die willkommene vergleichung des gr. yrj-locpog.]
Ti&de fr. lau; von tepidus, pr. tebe, fem. tebeza, cat. tebi, sp.
tibio ff.
Tiere altfr., tieira pr. (noch itzt tieiro) reihe, gefölge; vom ags.
tier reihe, Ordnung, ahd. ziari schmuck, zier. Die letztere bedeutung ist
anzunehmen in: fon bella domna de teira Flam. 1914; sos rics cors de
tan bella tieira LRom. Ital. tiera findet sich bei Iiarberino, tera in der
mundart von Brescia. Wallon. tir gattung, race (geschlechtsreihe, vgl.
razza I.) scheint dasselbe wort: ebenso entspricht wall, plr dem fr. pierre.
Pr. tira, fr. tire (zug) scheint zu tirar zu gehören.
688 ILc. TIFER-TISSERAND.
Tifer altfr., attifer nfrmJ auch piern. tifte, altengl. tife Heiliw.
schmücken, den köpf putz machen. Menage s deutung aus aptum facere
(im älteren nüat. aptificare für passend erklären) tviderspricht hinläng-
lich das einfache tifer. Besser vom ndl. tippen die haarspitzen schneiden,
sofern man ein hochd. zipfen in dieser bed. annehmen datf; vgl. comask.
zifä via Teure abschneiden. Man bemerke noch champ. eifer, chiffer s.
v. a. tifer.
Tige fr. (f.) stengd, röhre; von tibia pfeife, it. sp. gleichlaut., wci.
tzeavej (serb. tzev).
Tillac fr. verdeck eines Schiffes, daher sp. tilla, pg. tilhä; vom dUn.
thilia, schwed. tilja, ags. thille, ahd. dili getäfel, boden = nhd. diele,
vgl. ahd. thil ima pars navis. Woher aber das suffix ac? Erklärt es
sich etwa aus einer anbädung an das sinnverwandte nüat. astracuin
estrich? — [Eine andre auslegung des Wortes tillac gibt J. Grimm im
Wb. v. diele.]
Timbre altfr. eine art pauken: li tymbres est uns estromenz de
musique qui est couverz d'un cuir sec de bestes, Iteißt es in einem com-
mentar zu den psätmen Roquef. Poes, franq. p. 127, vgl. tymbris DC.
Es ist also s. v. a. tympanum, und muß, wiewohl p nach m sich sonst
nicht in b erweicht, davon herrühren, weshalb auch die Allen oft tymbre
schrieben. Die neufr. bedeutung ist glocke ohne Schwengel, die, teie die
pauke, von außen angeschlagen wird, ndl. timber. Dsgl. heim (auf dem
Wappenschild), nach Ducange von der ähnlichkeit der form oder des
klanges beim anschlagen, vgl. Bernds Wappenwissenschaft II, 349; ndl.
ebenso timber, sp. timbre. Sofern es eine aneähl hermdin-, marder- oder
anderer feile bedeutet (nüat. timbrium), sclieint es aus einer nordischen
spräche eingeführt: schwed. engl, timber, mhd. zimber, zimmer.
Tin altfr. Bog., pr. tin und ten scMaf am Haupte. In der limous.
mundart tim, dessen m sich prov. in n verwandeln konnte: also von tem-
pas, wofür das nüatein timpus, zum unterschiede von tempus zeit, vor-
zog, z. b. timpus in bibelglossen Grajf I, 895, dsgl. bei Nyerup 261,
Sumerlaten ed. Hoffm. 46, timpora in einem Erfurter glossar (Haupts
Ztschr. II, 20b), timporibus in den Cass. glossen, vgl. Voss. Etym. P
fiel ab wie in lam von lampas. Es wäre Überflüssig, sich von tempus &
entfernen und tenuis als urwort anzunehmen, dessen bedeutung allerdings
das afid. dunna-pahhun (dünne backen = tempora) entspricht. Über das
dem rom. tin formell begegnende mhd. tinne (n.) s. Grimm Uly 402.
Tinel altfr., tinal pr. Stange die weinbütten damit zu tragen, überk
prügel, in allem mlatein tinalum; von tina. S. Altrom. glossare p. 63.
Tire dllfr., tyrium mlat. ein stoff: tires ne siglaton GBourg.p.93
cet. ; benannt nach der purpurberühmten Stadt, deren gewöhnlicher name
im franz. aber doch Sur war.
Tisserand fr. webet, daher it. tesserandolo; von textor tmt dem
suffixe and = ahd. ing, ine, wozu der franz. geschlechtsname Teisser-enc
stimmt. Ältfr. und mdartl. sagt man tissier.
II. c. TOCSIN-TOUFFE. 689
Tocsin fr. zeichen mit der Sturmglocke; zsgs. aus altfr. toquer =
toucher rühren, anschlagen, und sein oder seint glocke, s. segno I. Die
prov. form wäre toca-senh, wie die limous. toco-sen ist, toquacen schrei-
ben die Joyas del gai saber 149.
Toilette fr. putetisch, auch das dazu bestimmte tiscJUuch; von
toile, lat. tela.
Toise fr. (f.) ein längenmaß; eigentl. die länge der ausgespannten
arme, von tendere tensus, it. tesa ausspannung, vgl. unser klafter von
klaffen auseinander stehen. Vb. altfr. teser, toiser spannen, richten.
Toivre dUfr. vieh, z. b. oisiel et toivre Alex. 233, 27, auch atoi-
vre ds. 282, 28, Ben. I, 44. Nach Grimm, Reinh. p. LIV, Myth. 36,
vom ags. tiber, ahd. zepar opferthier, woher nhd. Ungeziefer d. h. nicht
zum opfer taugliches (hier, unthier. Denselben lautübergang zeigt altfr.
Toivre vom lat. Tiber. Aber .welche bedeutung hat a in a- toi vre? Und
was ist toivre de la nef Parton. I, 27? In seiner hochd. gesialt mit
anlautendem % hat sich das wort sogar nach Portugal verirrt, wo zevro,
fem. zevra, ein stück vieh bedeutete, ochse, kuh, kalb, wenn S. Rosa richtig
übersetzt, z. b. in einem lat. foral von Lissabon vom j. 1179: dent de
foro de vaca 1. denarium et de zevro unum denarium; de coriis boum
vel zevrarum dent etc.
Töle fr. (f.) eisenblech; kann von tabula platte, nordfranz. taule
Jier stammen; piem. com. ebenso tola, maü. tolla, vgl. it. fola von fabula.
Tondre dUfr. norm, (m.) zunder Roq., Brt. II, 245; vom attn.
tundr, ags. tynder, engl, tinder, hd. zunder. Dahin auch pr. tondres
läppen GO.
Tonte fr. Schafschur; von tondere, ebenso zu beurtheilen wie pente,
s. daselbst.
Top in, tupin fr. (mdarfl.), topi pr. gefäß zum kochen; mhd^nhd.
topf, ndl. dop schale, nach Grimm II, 48 gleiches Stammes mit tief.
T ordre fr. drehen; von torquere, it. törcere, pr. torser, also für
torg're torsdre. Zsgs. altfr. bestordre verdrehen, bestors schief.
T o u e r fr. ein schiff am seile ziehen, bugsieren, daher wohl sp. pg.
atoar; vom gleichbed. engl, tow, sbst. tow seil = ags. tov, tav werg.
Von touer ist das sbst. toue nachen, der als fahre dient.
Touffe fr. busch gleichartiger dinge z. b. federn, blumen, haare,
daher engl, tuff Halliw., tuft (zunächst aus pic. touffette), kymr. twf.
Dem ags. thüfe (f.) keim, laub, oder dem ndl. tuif (f.) schöpf wäre nur
ein fr. tufe oder tuffe gemäß ; letzteres zwar führt Roquefort an, aber
nur die neufranz. form kann hier maßgebend sein. Das wort ist dller-
dings deutsch, von demselben stamme, dem auch unser zopf d. i. haar-
büschel, attn. toppr angehört: ein ahd. zupfa ist zwar unnachweislich
(vgl. heriszuph 'colleetd Graff V, 641), aber das Schweiz, zuffe pack (was
man mit der hand zusammenfaßt) kann dessen stelle vertreten. Hiernach
ist touffe eine halb hochdeutsche form für touppe, buchstäblich das it.
zuffa (II. a). Merkwürdig besitzt auch der Walache so wie der Albanese ein
44
690 IL c. TRABAN-TREF.
wort tufe busch, Strauch, wohl nur das gr. Tiyrt s. v. a. av&rjXrj büschd
an pflanzen.
Trab an fr., auch draban, soldat der kaiserlichen garde in Deutsch-
land; ist das deutsche trabant, gewöhnlich hergeleitet vom vb. traben mit
romanischer endung.
Trac, ein in nicJti wenigen zum theil unfranz. Wörtern vorliegender
stamm, ist .vielleicht in verschiedene wurzeln au zertheilen. Die Wörter
sind hauptsächlich folgende. Frans, trac spur des wildes, gang des pfer-
des, geräusch eines federstrichs, engl, track spur, geleise, sp. traque lauf-
feuer, comask. trach klaps wie von einer totschlagenden feile, fr. traquer
einen wald umstellen um das wild in die netze zu treiben (traquer an
loup), dätraquer aus dem gange bringen, verrücken, traquet fallstrick,
dsgl. mühlklapper, sp. traquear klappern, schütteln, it. traccheggiare
(buchstäblich dasselbe wort) trödeln, tändeln, occ. tracane Schlendrian, fr.
traquenard gang des zeiters, dsgl. ein tanz, tracas unruhige bewegung,
tracasser hin und herlaufen (kein compositum mit trans, es würde als-
dann eher tracasser lauten). Zu den meisten dieser Wörter paßt logisch
das ndl. treck zug, strich, feder strich, fang, an dessen stelle man sich aber
besser ein hochd. trach denkt (vb. mhd. trechen, prät. trach Grimm
P, 939), namentlich fügt sich dätraquer gut zu ndl. vertrekken ver-
rücken, verschieben, woher unser nhd. vertrackt. Zu vergleichen ist auch
das wurzelverschiedene nord. tradk häufige spur der füße> tradka auf
etwas treten.
Traille fr. fliegende brücke. Die übliche erklärung aus tiraille
wird weder durch ein it. tiraglia, sp. tiraja unterstützt, noch durch eine
form trailler für tirailler bestätigt. Ein formell tauglicheres etymon ist
das von Varro in der bed. von traha bemerkte tragula. Die Provenzdefi
besitzen tralh mit der bedeutung des fr. trafne. Vgl. trailla IL b.
Träle fr. ein vogd, drossel (Trev.), alt trasle Roq.; vom ahd. thros-
celä, ags. throsle, engl, throstle, altn. thröstr, obd. draschel. Dassdbe
helfet maü. dress, vgl. ags. thrisc.
Trape fr. (bei Nicot u. a.), dsgl. trapu untersetzt, dick und kurz.
Vielleicht darf man bei der im franz. sehr gewöhnlichen Umstellung des
r an ir. gad. tarp klumpen, kymr. talp, erinnern, aber ein adjeetw wäre
willkommener. Und so erklärt es sich besser aus ahd. taphar, in älterer
form tapar, schwer von gewicht, ansehnlich, nhd. tapfer, vgl. taphar!
klumpen, zumal da auch dem vb. tapfem 'maturare (in einem wb. von
1482 Schneller I, 461) ein fr. traper egregie suecrescere (Trev.), gleich-
falls von fruchten gebraucht, entspricht. Trape von tapar ist wie tremper
von temperare.
Tref altfr., trap pr. hütte, zeit; von trabs balken, pars pro toto,
vgl. Papias tenda, quae 'rustice' trabis dicitnr. Für die bed. balken
gilt altfr. gleichfalls tref, pr. trau. Daher altfr. atraver mit der bed.
von loger (löge zeit) Aubery p. 98, Sax. II, p. 42 (vgl travar L), pr.
destrapar abspannen, wofür tnan destrabar erwartet hätte. Die ital. spräche
ILc. TREFONDS-TREVAR. 601
Aaltrabs in trabacca erweitert, im späteren mlatein trabacca 'tentorium
cum trabibus, ut fit in diutina obsidione Nyerup 297.
TräfoncU fr, grund und boden; von terrae fandus nach Nicot. Die
allere Schreibung tresfond wäre also unrichtig.
Treille fr., trelha pr. weingeländer, daher treillis guter (vgl. tra-
liccio L); von trichTla mit ersterer bedeutung.
Trämousser fr. sich lebhaft hin und her bewegen; participialverbum,
van transmovere transmotus, gleichsam transmotiare. Die partikel ist hier
ausdruck des Übermaßes wie in tressaillir.
Tremper fr., trempar pr. einweichen; für temprer, temprar von
temperare mildern. Altfr. tremper une harpe eine harfe stimmen, wie it.
temperare.
Treper, triper altfr., trepar pr. hüpfen, springen; ein mehreren
sprachen eigenes wort: ndl. trippen, nhd. trippeln, engl. trip,, kymr. tripio,
bret. tripa. Daher nfr. träpigner trappeln, das aber ein nomen tr6pin
voraussetzt (s. cligner IL c), altfr. trepeiller hin und herlaufen, unruhig
sein, trepeil unruhe, pr. trepeiar zappeln.
Tr6sor fr. schätz, von thesaurus, it. sp. tesoro, pr. thesaur, aber
altsp. auch tresoro Apol. 130 und oft, wald. tresor Hahn 664. Diese
form mit eingemischtem r, zu welcher sich auch das neap. trasoro bekennt,
ist alt, da sie in dem aus dem romanischen eingeführten ags. tresor und
ahd. treso, triso vorliegt. Aber vielleicht ist r nicht einmal von außen
hereingezogen, sondern hat seinen guten etymologischen grund. In den
hss. des Plautus begegnet man der form then-saurus (s. Plaut, rec. Ritschi
I, p. CHI), dieselbe bietet auch eine römische inschrift, offenbar eine im
latein. ganz übliche form, denn auch Flav. Caper (Putsch p. 2239) sagt
thesaurus sine n scribendum. Diese form setzte sich in Frankreich fest,
man bemerkt sie z. b. in einer sehr alten messe (ed. Monep. 47), ja noch
das heutige bretonische kennt tensaour, s. Barzas Breiz I, 38 (2. ed.).
Aus tensaur aber ward tresaur, indem t das n an sich zog, welches zu-
gleich in das bequemere r übertrat, vgl. frestra für fnestra fenestra Gl.
Placid. u. Papias, ähnlich trotter aus tlutare tolutare.
Träte au fr. ein gerüst oder gesteil, bock, alt trestel, engl, trestle;
vom ndl. drie-stal dreifüßiger sitz (ahd. drt gistelli ?). Daneben . darf noch
ein tat. wort in erwägung kommen. Tr&eau lautet mlat. trestellum 'eine
art dreifuß einen tisch zu tragen DC, dies ist lat. trastillum querbänk-
chen, von transtrum, welches letztere sich bereits im altfr. traste vorfindet;
aber das deutsche etymon stimmt genauer zu dem angegebenen begriff.
Tragstuhl endlich würde, wenn man fauteuil vergleicht, nothwendig tr6teuil
ergeben haben.
Trevar pr. verkehren, Umgang haben, ein seltenes wort. Der Donatus
prov. 33b übersetzt es tnit frequentare; die andern beispielc sind : val ben
tan totz hom qu' ab ellas treva LRom. V, 410; per cella via soen treva
treibt sich herum Flam. 4752. Auf die etymologie führt der Donat in
der darauf folgenden zeüe: en-trevar ctreuguas facere: es ist von tregua
692 II. c. TRICOISES-TRIFOIRE.
friede, Sicherheit thl. I, wo auch ein altfr. atriver = pr. entrevar er-
wähnt ist.
Tricoises (pl.) fr.zange der hu f schmiede ; stimmt zu ndl. trek-ijzer
zug-eisen. Vgl. treccare I.
Tricoter fr. stricken, tricot gestrickte arbeit. Nicht wohl paßt dazu
mit seiner bedeutung das tat. trica, pl. tricae, Verwirrung, wenn man auch
neben d&rier und intriguer eine dritte form mit c zuläßt, die im sp,
estricote (Verwirrung) anerkannt werden mag. Vielleicht ist hier einer
der seltenen falle anzunehmen, worin s impurum anlautend schwand (so
tain für £tain, pämer für 6pämer), indem das wort aus dem ndl. strik
schleife, masche, strikken knüpfen, abgeleitet ward, welche annähme durch
die unverkürzte büdung ötriquet fischergarn, die das Vorhandensein
dieses deutschen Stammes im franz. darthut, noch besonders gestützt wird.
Wie verhält sich nun dazu trique, tricot knüttd, mundartl. triquer,
tricoter prügeln? Haben diese ihren grund in dem ndl. strijken palpare
= ahd. strichen linere, caedere? Altfr. estrique in der mundart von
Douai ist Streichholz, mhd. striche.
Trier fr., pr. cot. triar auslesen, auswählen, daher engl, try, aUU.
triare Brun. Lot. ed. Zannoni p. 63 ; sbst. trie, tria. Frisch sieht darin
Umstellung von tirer, es wäre also eine nebenform für eine bestimmte be-
deutung. Unzweifelhaft läßt sich aber auch dieses wort dem lat. sprach-
stoffe zuwenden. Granura terere heißt körn ausdrescheti: dem entspricht
pr. triar lo gra de la palha das körn von dem halme absondern, triar lo
grau de la flor LB., cot. triar el arroz reis auslesen: aus dem neu ge-
formten frequentativ trltare also, welches der Italiener besitzt und ihm die
bed. zerreiben, figürl. genau untersuchen, beilegt, entsprang triar. Bestäti-
gung bringt das auf tritulare weisende norm, triller, henneg. trilier s. v. a.
fr. trier. Das piem. trie hat franz. form und ital. bedeutung. In der
mundart von Berry ist die bed. absondern sogar in die bed. ein kind ent-
wöhnen (so sevrer von separare) übergegangen. Wegen des ausgefallenen
t vgl. man noch tria via Gl. paris. für trita via Oraff III, 4.
Trieu i?r. (m.) weg, straße, bahn: segre lo trieu, tenir lo trieu
LB., fr. zu Douai triou geebneter weg s. Escallier p. 62, chw. truig. Vom
partic. tritus betreten, also für triuV kaum erlaubt dies der buchstabe.
Besser würde gr. tQißog stimmen, vgl. beu aus bib-it. Stellt man indessen
das altfr. triege daneben, z. b. el bois n'avoit seilte ne triege Ben. L
p. 320, s. auch Ben. III, p. 581, so wird man inne, daß sich beide in
tri vium dreiweg, aber auch straße, gösse, einigen : im prov. warte entstand
u aus v, im franz. g aus palatalem i wie in neige von nivea nivja.
Trifoire altfr. (f.) kunstreiche einfassung in gestalt eines porticus;
mlat. triforium von tri und fores dreithürig DG Beispiele sind: un lit
dunt li pecun e li limun furent al overe Salemun tailliäs k or et ä tri-
foire Mir. I, 62; cele piere . . de tres fin marbre feit1 estoit . . si fu
entaillie euviron de la trifoire Salemon BFlor. 566; triphorle Antxoch.
II, 61. Auch auf sättel, kleider, tücher wandte man diese Verzierungen
ILc. TRIMER-TRON. 693
an: arQons doraz qui sont trifor fadjectivisch gebraucht) GRoss. Michel 388.
Über die opera Salomonis, altsp. salmoniegos, s. Ducange v. Salomon.
Tr i mer pk. eifrig gehn oder arbeiten (Hecart), so auch wallonisch,
in Berry sich sehr ermüden, neupr. trimar schnell gehn. Chevallet I, p. 306
besieht dies in einem großen (heile von Frankreich bekannte wort aus dem
bret. tremeni = kymr. tramwy hin und her gehn. Man bemerkt es aber
auch anderwärts: altsp. trymar Canc. de B. mit der cdtischen bedeutung,
t>ask. trimatu sich ermüden, letzteres romanischer herkunft. Genau mit
dem buchstaben, weniger mit dem begriffe paßt tnhd. trimen wackeln, oder
auch engl, trim schwanken HaUiw. Man merke noch norm, tramer s. v. a.
trimer.
Tri 8 aar, trisar pr. verreiben, zerstoßen; participioiverbum , von
terere tritus (tritiare) wie aussar von altus. Im ital. findet sich nur
tritare, nicht trizzare; lotnb. triza ein Werkzeug die geronnene milch ge-
schmeidig eu machen, so wie sp. triza krümchen deuten aber auf ein ver-
schwundenes trizar.
Tro, prov. partikel für lat. tenus, vollständiger entro; von intro
'in das innere'. In gleicher bei. kennt die comask. mundart tro, die alt-
span. entro. S. oben jusque.
Trogne fr. (f.) drolliges oder häßliches gesicht, piem. masc. trogno,
trugno. Man hat darin das kymr. trwyn (m), com. tron schnauze (s.
besonders Dief. Ce&t. I, 144) erkannt; als etymon liegt fast noch näher
das mit den celtischen formen identische altn. triona (f.), dän. tryne rüssel,
verwandt mit mhd. triel mund, schnauze Grimm P, 481; ndl. tronie mag
aus dem franz. sein, wie ndd. troonje Brem. wb. Hat denn niemand bei
diesem worte an lat. truo truonis gedacht ? Es heißt seerabe und wird
von Caecüius für einen großnasigen menschen gebraucht. Daß daraus
trogno, trogne werden konnte, ist keine frage; eine andre frage ist, ob
die anwendung auf das menschliche gesicht eine volksübliche war.
Trognon fr. kohlstrunk, butzen im obste. Für tronc = truncus
hat sich im altfranz. eine vielleicht aus tron^-on, wofür man sich tron-<jon
dachte, abgezogene form tron festgesetzt: hieraus trognon wie aus rein
roignon. Die bed. kohlstrunk hat z. b. auch das sard. truncu.
Tr 61 .er fr. sich herumtreiben, (transit.) herumschleppen. Vollkommen
das dtsche trollen, engl, troll, trowel, kymr. trölio, drehen, rollen, welchen
man vielleicht eine celt. würzet (tro Wendung) unterlegen darf, doch ist
dabei der diphthong des alteren fr. trauler und des occit s'entrauld 'sich
fortmachen nicht außer acht zu lassen, das an lat. it. travolare (vorüber
fliegen, vorbei laufen) mahnt. Zu bemerken ist noch, daß Weigand unser
trollen auf tröler zurückführt, so wie daß Schder trauler von letzterem
zu trennen geneigt ist.
Tron altfr. pr. firmament, himmel, z. b. fr. tant com li trosnes
avironne alles was das firmament umgibt C. de Poit p. 62; pr. estela
qne lhutz el tro stern der am himmel leuchtet GRoss. 1916; eu prec ne
Jezu del tron fihrest. 31; ebenso mndl. troon, z. b. dat men sterren sach
694 IL c. TR0U-TURQU01S.
an den trone Steenwinkel zu Maerlant II, 31; onder shemels throon
Rein. v. 5470 und Clignetts Bydr. gloss. = altfr. desos le tron Parton.
I, 59, pr. sotz lo tro; mhd. tron: got in sinem trone; der trön so höhe
umbe geit (dreht sich um) s. Wb. Abzusondern ist tron in der bed.
donner, s. trono I. Anspruch auf das rom. wort hat thronus, insofern
der himmel in der spräche der Bibel der thron gottes genannt toird. Wohl
durfte man auch an celt. tro kreiß, rundung, erinnern,' aber das auch auf
fremdem gebiete einheimische wort scheint für die erstere erklärungzu sprechen.
Trou fr., traue pr., trau cot. loch, trouer, traucar durchlöchern.
Die prov. form, die sich auch schon im mied, traugus der L. Bip. vor-
findet, läßt die herleitungen aus gr. tqvuv, aus goth. thafrkö oder aus
kymr. trwyd nicht aufkommen, wiewohl sich kaum besseres wird vorbringen
lassen. Die folgende geht wenigstens mit den Sprachgesetzen. Prov. tra-
bucar heißt stürzen, von bue rümpf; hatte dies subst. auch die allerdings
nicht erweisliche bedeutung des entsprechenden it. bueo loch, so konnte
trabuear durchbohren heißen (vgl. it. traforare) und diese bedeutung konnte
sich durch eine besondere form, das zsgz. trauear (vgl. das einsilbige aal
aus avol) aussprechen.
Tro üble fr. (m.) unruhe, Verwirrung, vb. troubler, aüfr. auch
tourbler z. b. C. de Poit. p. 51; von turbula schwärm.
Truiller altfr. bezaubern, besprechen FC. II, 83: le sain oeil me
laissiez charmer . . tant le truilla et le charma; vom gleichbed. aUn.
trölla, sbst. troll, mhd. trolle zauberhaftes wesen.
Trumeau fr. 1) ochscnkeule, altfr. Schenkel oder bein des menschen:
li sans li muet dou cief jusqu'au trumel Aubery p. 44, daher trume-
liere beinharnisch; 2) fensterpfeiler, Zwischenraum zweier fenster. In
beziehung auf die letztere bedeutung darf man das deutsche trumm an-
führen, kurzes dickes stück eines ganzen, besonders wegen des bair. wertes
fti^eZ-trümmer (ph), balken die von einem fenster zum andern gehn, s.
Schmeller 1, 490.
Trusar, truisar, trussar pr., ebenso lomb. trusä, trussä, zsgs. pr,
atruissar (atriusar GO.) stoßen; lat. trusare, trusitare.
Turbot fr. ein Seefisch, Steinbutte; so auch engl, turbot, kymr. torbwt,
gad. turbaid, mndl. turbot, nndl. tarbot. Wie der Grieche sein Qdfißoi;
wirbel, kreißet, spüle, wegen einer ähnlichkeit der form auf einen fisch
aus der gattung der butten übertrug, so that, nach Huet's ansprechender
vermuthung, das mittelcdter mit dem gleichbed. lat. turbo, dem es nur das
rom. suffix ot anfügte.
Turlupin fr. alberner witzling; name eines possenreißers unter
Ludwig XIII. (Menage).
Turquois altfr. köcher, mhd. tärkis bei Wolfram; eigentlich tür-
kisch, in beziehung auf die bewa/fnung der gefürchteten bogenschützen
dieses volkes. Türkische bogen erwähnen die dichter häufig. Aus tureois
scheint mit anbüdung an eareasso das gleichbed. it. turcasso ent-
standen.
IL c. VACARME-VABECH. 695
V. W.
Vacarme fr. (rn.) geschrei, lärm; von der mndl. interj. wach-arme
d. i. weh armer, s. Ferguut p. 290, Qrimm III, 296. Die franz. spräche
kennt diesen ausruf nicht: wo er vorkommt, nämlich bei G. Guiart, wird
er als belgisch angeführt: en criant wacarrae qui vaut autant com dire
helas, s. Garpentier v. wacarme, vgl Ren. IV, p. 239 flament seut si
cria: waskarme, hiere Benart goude kenape! er verstand flämisch und
rief cet. Die form vacarme erklärt sich übrigens als dissimilation für
gacarme, vgl. den folg. artikel.
Vague fr. (f.) woge, vb. vaguer dttfr. wogen: la mer si commenche
ä vaguier DMce.p. 42, 14; sicher vomahd.wfLc, goth.yegs, mndl. waghe,
dessen streng franz. gestaMung gague durch dissimilation^ zur Vermeidung
des mislauies, in vague abgeändert ward, in dem mundartlichen wague
aber noch au erkennen ist. Aus Frankreich eingeführt scheint aitpg. vagua
Canc. ger., npg. vaga. — Vaguer hin und her laufen, vom lat. vagari.
Vanne fr. Meine schleuse in mühlgräben u. dgl. Venna in fränki-
schen und andern Urkunden bedeutet eine ver zäunung in flüssen oder
teichen um die fische abzusperren, e.b. unter einem könig Chüdebert : cum
piscatoria (fischfang), quae appellatur venna, cum piscatoriis omnibus,
quae sunt in alveo Sequanae. Unter Childerich : Aviaco, ubiGara lacus
vennam habuit. In einer späteren aus Deutschland: concessit . . . unam
vennam pro capiendis salmonibus . . . quas ipse testis reparavit cum
perticis et virgultis. Dalier der name eines ortes an der Seine Caroli-
venna, jetzt Chalevanne. S. DG und Graff III, 126. Das wort ist
noch ungelösten urprunges und scheint weder der celtischen noch der
deutschen spraclie zu entstammen. Graff, der es für einen korb zum
fischen halt, was es offenbar nicht ist, verweist auf benna oder gar, wie
auch Ducange, auf fenna sumpf. Aber der franz. anlaut v läßt sich aus
keinem andern labial ableiten: er weist entschieden auf den gleichen lat.
anlaut. Hier scheint einige anspräche zu haben viminea (etwas gefloch-
tenes), denn diese absperrtmgen bestanden gewöhnlich aus flechtwerk, welches
dem wasser den durchgang erlaubte. Da der Franzose das suffix eus
nickt anerkennt, so zog er viminea in vfmna zusammen, wie er z. b. auch
faginea in fägina (faine), der Provenzale femineus in ferne zusammenzog,
indem der accent auf die Stammsilbe zurückwich. Auch vinne begegnet im
mittellatein.
Varangue fr. (f.) das erste der im kiel befestigten Seitenstücke eines
schiffes; vom schwed. vränger (plur.) tippen des fahrzeuges, nach Diefen-
bach, Goth.wb. II, 590. Daher auch sp. varenga das bauchstück eines
schiffes.
Varech fr. meergras, dsgl. gesunkenes schiff, pr. varec in erster bed.;
aus dem engl, wrack schiff strümmer, ags. vräc etwas ausgestoßenes.
rt% ILo. VARLOPE-VEIT.
Varlope fr. (f.) Schlichthobel; von einem unnachtoeislichen ndl. ndd.
weerloop, weil er auch zurückläuft? Die limous. form ist garlopo, ihr
entspricht sp. pg. garlopa.
Vas prov. präposition, entstellt aus ves, vers = lat. versus; ebenso
de vas, davas aus de versus. Aus der letzteren roman. form muß sieh
(nach Raynouard und Bartsch) vermöge eines seltenen Vorganges, durch
Zurückziehung des accentes auf das unbedeutsame da und syncope des ra-
dicalen vocedes (ddvas davs), die das ausgehn von einem punäe bezeich-
nende partikel daus gestaltet haben, wofür auch das, dous und deus
(d6vas) gefunden werden.
Vaudeville fr. Volkslied, liederspiel; entstellt aus Vaude-vire
gegend in der Normariäie} wo Olivier Basselin am ende des 14. jh. die
so benannte liedergattung aufbrachte, s. die ausgäbe von Du Bois p. 13.
Vautrer fr. (nur reflexiv) sich wälzen; in den Wörterbüchern des
16. jh. veautrer, voutrer, voitrer, im Ben. II, p. 124 voltrer = it. volto-
lare, von volvere.
Veau fr. kalb, alt veel, von vitellus; daher v^lin zartes weißes
pergament von kalbshaut, veler kalben.
Veau s, viaus, viax cet. altfr. partikd für lat.saltem: doinst veaus
une caritö gewähre wenigstens eine gnade Parton. II, 87; dites moi viaus
un seul pechiä sagt mir wenigstens ein einziges vergehen FC. I 218;
dites nous viax quex hom il fu IV, 41. Das alte Älexiuslied str. 90 hat
die einfachere form vels: sed a mei sole vels une feiz parlasses hättest
du doch nur einmal mit mir gesprochen. Das wort ist das lat. vel in
seiner intensiven bedeutung (auch, selbst), mit angefügtem adverbialen s.
Es verbindet sich mit si, altfr. sivels (siveals LBs. 165), pr. sivals,
sivaus (entstellt aus sivels wie vas aus ves, vers) *wenn wenigstens, wenn
auch nur. Vgl. veruno II. a.
Veiaire, viere altfr. (m.), pr. veiaire, auch altspan. (s. Canc. de
Baena, wo vejaire steht) urtheil, ansieht, dsgl. gesicht, antlitz. Überträgt
man es ins lateinische, so paßt es buchstäblich nur zu vicarius, das im
mittellatein richter bedeutete: wie aus arbiter arbitrium, so konnte aus
vicarius ein neutrum vicarium abgeleitet werden, und une arbitrium i»
pr. albire nicht mehr richterspruch, sondern meinung heißt, so auch veiaire,
womit zuletzt auch die miene, das antlitz benannt ward; unser gesiebt
ist gleichfalls ein abstractum. Die deutung mag seltsam scheinen, aber
veiaire weist gebieterisch auf lat. Ursprung, aus videre aber konnte es
sich nicht gestalten. Honnorat kennt ein veraltetes vigaire, was diese
deutung unterstützt, vegaire M. 168, GAlb. 3400. Genau genommen
steht pr. veiaire für veiairi wie albire für albiri. Das wort hat sich er-
halten im wallon. vir, das zu viere paßt wie pir zu pierre: ä la vir hei fit
aufs gerathewohl (auf die meinung, ohne Überlegung).
Veit, viet, vieg pr. veretrum; von vectis, das die L. Angliorum
in demselben sinne anwendet. Den prov. formen entspricht streng die
franz., man stelle z. b. lectus, pr. leit, liet, lieg, fr. lit zur verglekhung
IL c. VELOURS-VERVE. Ü97
daneben. Die hcrleilung aus vltis ist mithin verfehlt und darf nicht mehr
vorgebracht werden, seitdem man die prov. Varianten kennt, deren keine
daraus hervorgehen konnte. — Von ähnlichen verblümten ausdrücken wür-
den sich manche beispiele anführen lassen, wie virga in der L. Long.;
sp. pg. porra (keüle), vgl. gr. $6/ialov (dass.J. Sollte nicht das übliche
span. wort, da es sich mit dem fast in römische zeit hinaufsteigenden
mlat. caragius nicht wohl einigen läßt, im griech. diminutiv xaQ<x*i0V
(kleiner pfähl) seinen Ursprung haben ?
Velours fr. (m.) sammet. Ohne zweifei ist r eingeschoben, noch
Nicot schrieb veloux, velous, das nebst villuse bei Matth. Paris entschie-
den auf lat. villosus führt. Die ital. form ist velluto, die span. veludo,
eine altfr. velu-eau, von villutus, daher auch das nfr. vb. velouter,
dessen ou aber wieder in villosus seinen grund haben muß.
Venaisoii fr., venaiso pr. wild, wildpret; von venatio.
Vendange fr., pr. vendanha, bret. beödem Weinlese; von vindemia.
Vent d'amont Ostwind, vent d'aval westwind; sogenannt, weil
der osten Frankreichs höher, der westen tiefer liegt. Das entlehnte sp.
pg. vendaval hat die bed. südwestwind.
Verglas fr. (m.) glatt eis; von verre (m.) und glace (f.), wörtlich
glas von eis, das getius durch den hauptbegriff bestimmt.
V6ricle fr. (f.) falsche edehteine; gleichsam vitriculum, plur. vitri-
cula, von vitrum, also glaschen, glasstein.
V er jus fr. soft unreifer trauben; zsgs. aus vert jus grüne brühe.
Verne fr., mundartl. vergne, alt berne Bog., pr. verna, vern, in
den neueren mundarten vernho, averno u. dgl., auch piem. verna, crle,
eller; ein kräutername vernetus befindet sich bei Marcellus Burd. Von
arbor venia, weil dieser bäum mit den ersten blüht, wie auch die birke
nach der Jahreszeit maie heißt? Aber deutlicher geht das wort aus dem
celtischen hervor. Kymr. gwern {f.) bedeutet sumpf (bei W. Richards,
fehlt bei Th. Richards), coed gwern erlen d. i. sumpf bäume, auch schlecht-
weg gwern, sing, gwernen, dsgl. bret. gwern, ir. feärn, womit in letzterer
spräche auch der buchstabe f benannt wird. Man sehe Ducange v. alnum,
Adelungs Mithr. II, 76, Diefenbachs Celt. I, 47, Orig. europ. p. 437. Das
celt. wort bedeutet auch den mast des schiffes, vgl. altfr. en sum ces maz
e en cez altes 'vernes* asez i ad carbuncles e lanternes Rol. p. 101, wo
es gleichfalls mast oder etwa segdstange heißen muß.
V^ron fr. ein kleiner bunter fisch, elritze, comask. vairon; von
m
varius bunt.
Verrat fr. pr. eber; von verres, altfr. ver Gl. de Lille 10 (24),
aber ferrat {für verrat) schon in den Cass. glossen. Andre bildungen sind
verrou, verau, verrot, norm, v^rard, sp. verraco, pg. varrao.
Verrou, verrouil fr., verrolh pr. riegel; von veruculum Kleiner spieß.
Prov. ferrolh, pg. ferrolho, sp. herrojo, tvallon. fGrou können dagegen von
ferrum abgeleitet sein oder doch den anlaut daher entlehnt haben.
Verve fr. (f.) laune, eigensinn. Auf einer lat. inschrift findet sich
698 IL c. VESCE-VIAS.
verva mit der bed. widderkopf, eigentl. als zierath an dcrikmälern (Orelli
Inscr. lat.): sollte das franz. wort, dessen begri/fsentuncklung das it.
Capriccio aus caper erläutern könnte, dieses Ursprunges sein? Jedesfatts
indessen legt die alte spräche dem worte einen andern sinn bei, etwa wurf,
schwang, vgl. Ruteb. J, 93. 320, und dem nähert sich die neben der obigen
vorhandene bed. in verve po&ique. Man darf dabei an das ndl. werf
oder werve actio oder besser werp = worp jactus KU. erinnern und elan
von lancer vergleichen. Seltsam ist die bei Zalli vorkommende piem. form
verver.
Vesce fr. wiche; für vece, von vicia, it. veccia.
Vötille fr. Meinigkeit, bagatelle, v&iller sich mit unnützen Metnig-
keiten beschäftigen; auch piem. vetilia, vb. vetilie. Man leitet v&iller mit
hülfe einer starken syncope wohl von vitilitigare muthunllig zanken. Bessere
ansprüche hat vielleicht vitilia geflochtene sachen, körbe cet. (sachen von
geringem werthe), vgl. wegen der bedeutungen lat. gerrae 1) geflochtene
Sachen, vitilia, 2) possen, vötilles (wozu Festus eine etymologische sage
mittheilt). Scheler erblickt darin ein diminutiv von vetus, alte werthlose
sachen.
Veule fr. weich, schwach. Bei den Alten hieß es eitel, leer: taut
iert fiers, cointes et veules Bog. s. v., und cdlitteriert gerne mit dem
synonymen vain: veulz et vains l. c, womit lat. inanes übersetzt toird;
noch jetzt nennt man einen allzu leichten boden terre veule. Eine aU fr. form
ist vole, bei Butebeuf II, 167 pens£e vole; ihm ist auch der ausdruck
vain ne vole sehr geläufig. Diese form muß hier den weg zeigen, veule
konnte daraus entstehen, nicht umgekehrt. Vole aber ließe sich aus fri-
volus erklären, erlaubte sich die franz. spräche so starke abkürzungen.
Aber herkunft aus dem subst. vola (hohle handj ist zulässig, entweder so,
daß man das hohle für das leere .nahm, oder daß das adjeetiv aus dem
compos. van-vole nichtige sacke (vanavola) Ben. I, 147, geschrieben vent-
vole TCant. p. 76, herausgezogen ivard, indem man dies in vain et vole,
vole et vain zerlegte. Dieser deutung ist die endung e, sofern sie lat. a
entspricht, günstig.
Viande fr. fleisch zur nährten g} ursprüngl. und noch in den Wörter-
büchern des 16. jh. lebensmittel; von vivenda in unpassender anwendung;
pr. vianda. Ital. vivanda, zsgs. provianda proviant, verrcUhen mit der
äbl. and offenbar franz. herkunft. Fleisch also ward als das eigentliche
nahrungsmittel betrachtet, wozu die vergleichung des engl, meat aus ags.
mete (speise) sich leicht darbietet. Dem heutigen viande entspricht in der
alten spräche carn durchaus: tut te durai . . pain e carn e vin alles
will ich dir geben, brot, fleisch und wein Alexs. 45.
Vias altfr., pr. viatz, zuweilen vivatz geschr., adverb für lat. cito;
von vivax, oder besser, da dies den accent auf der ersten silbe hat, vom
comparativ vivacius, der sich dem lat. ocius, dem mlat. citius Gl. Ker.
u. s. w. vergleicht, eine von der uralten form vivaziu unterstützte annähme,
s. Alirom. glossare p. 117. Die neuprov. mundart spricht dafür vivacer,
11. c. V1DAME-V1S. 699
viacer. — t>as zweisilbige vias hätte von Orelli nicht mit dem einsilbigen
viaus (s. oben veaus) verwechselt werden sotten; beide sind ganz ver-
schiedenes Stammes.
Vidame fr. stiftsamtmann; von vicedominus, woher auch unser
vizthum.
Vide fr., altfr. cat. vuid, pic. wide, pr. vuei, voig, wation. vud,
chw. vid leer, von viduus mit versetztem ersten u; vb. vider, alt vuidier,
pr. vuiar, voidar, cat. vuydar (buidar J. Febr. 164) leeren, von viduare;
zsgs. d^vider abhaspeln, alt desvuidier NF. Jub. I, 174. Vuit reimt
altfr. auf cuit und noch P. Ramus cap. 6 enkennt in vuider denselben
diphthong wie in puiser; darum ist nicht etwa an das ahd. wit (vastus,
vaeuus) zu erinnern und das pic. wide dabei anzuführen, dessen w das
alte vu vertritt. Anders gestaltete sich viduus, vidua in veuf, veuve,
pr. veuva, vezoa, sp. viuda, pg. viuva, iL vedova, wäl. vedüve (letzteres
nach MUdosich slavischer herhmft).
Vidimer fr. eine abschrift beglaubigen; von vidimus wir haben es
gesehen.
Vierge fr. Jungfrau; unregelmäßige bildung für verge, das mit
verge = virga zusammengetroffen wäre, altfr. gewöhnlich virge in ersterer,
verge in letzterer bedeutung. Ganz alterthümlich ist virgine = pr. ver-
gena Jungfrau Maria.
Vignette ursprüngl. randverzierungen eines buches; eigentl. wein-
stöckchen, weil sie weinranken vorzustellen pflegten.
Vignoble fr. (m.) mit reben bepflanzter landstrich. Entstellt aus
vignole (f.) = it. vignuola kleiner Weinberg? aber dies eingeschobene b
könnte sich nicht einmal mit chasuble rechtfertigen, das aus it. casupola
entstand. Nur als compositum läßt sich das wort verstehen und als solches
paßt es buchstäblich zu vini opulens mit weggeworfenen endeonsonanten
wie in serpe von serpens, also weinreich, etwas weinreiches, Weingegend.
Ist die deutung richtig, so muß die entstehung des wortes hoch hinauf-
gehen, da opulens kaum romanisch ist (it. opulente), ein mlat. vinoblium
reicht nur in das 13. jh. hinauf, vignoble steht z. b. Gaydon p. 108.
Schder vermtUhet in dem warte eine entstdlung aus vin-obre eig. ort wo
man wein macht, obre von operari.
Vi guier fr. pr. richter, Schultheiß, sp. veguier; von vicarius Stell-
vertreter des grafen in dörfern und kleineren Städten.
Vilebrequin traubenbohrer ; nach Frisch vom ndd. winboreken,
vgl. nhd. windelbohrer und mndl. wimpel-ktn (engl, wimble). Dem ent-
sprich augenscheinlich sp. berbiqui, pg. berbequim, pic. biberquinu.s. w.
Vimaire fr. (f.) Sturmwind, der die bäume des waldes niederreißt,
latinisiert vimarium; allgemein mit vis major erklärt.
Viorne fr. (f.) mehlbeerbaum; von viburnum, it. viburno.
Vis fr. (f.) schraube. Man zieht es aus dem rom. vb. virer drehen,
aber daraus entsprang kein feminin dritter decl. vir und endlich vis.
Eher wäre man berechtigt, an das lat. vis (gewalt) zu denken, da das
700 ILc. V1TECOQ-WELKE.
franz. wort zumal die schraube an der presse, den zwang oder druck der-
selben bedeutet. Unbedenklich aber ist folgende herleitung. Prov. vitz,
attfr. vis heißt Wendeltreppe, also etwas spiralförmiges, offenbar das lat.
vitis ranke der reben und anderer gewächse, die sich spiralförmig hinauf-
winden, ital. vite ranke, schraube, altfr. viz LRs. 360, auch piem. vis
oder vi in letzterer bed.
Vitecoq altfr. norm. Schnepfe; vom gleichbed. ags. vudeoc, engl.
woodeock d. t. waldhahn.
Voeu fr. (m.) gdubde; von votura, pr. vot; daher vb. vouer^c-
loben, pr. vodar. Zsgs. ist divouer widmen, lat. devotarc.
Voire und voir altfr. pic. adv.; von lat. vere wahrlich.
Voison altfr.? lothr. veho (in Metz vechoü Jacht 68), waüon. wiha
u. a. formen (Grandgagnage Noms d'anim. p. 10) iltis, stinkthier, mlat.
veso: pntosiorum et juxta aliorum linguam vesonum pellibos utantur
(12. jh.), auch sp. veso (Seckendorf) ; muthmaßlich mit vertauschtem Suf-
fix vom ags. vesle, mhd. wisel, womit ein thier desselben geschlechtes be-
nannt wird. Hieher auch norm, veson liederliches weibsbüd?
Voiture fr. wagen, fuhrwerk; von vectura das fahren, it. vettura.
Volpilh pr. feige, verzagt, das gegentheil von arditz Ghx. 111,256;
adj. am dem sbst. vulpecula füchschen, das sich auf auswege verstehende,
der gefahr ausweichende thier, in der L. Sal. ein Schimpfwort (si quis
alterum vnlpiculam clamaverit etc.). Die cdtfr. spräche braucht ihr golpil
nicht in diesem sinne, wohl aber das vb. goupiller feige handeln.
Voyer fr. wegeaufseher; von viarius. Aber in älterer bedetäung
trifft es zusammen mit vicarius und scheint daraus entstanden, s. Ducangc
v. viarius.
Voyer fr. in convoyer geleiten, envoyer senden, sbst. convoi, envoi;
auch den schwesterprachen bekannt, doch ist das it. convojare (neben con-
vogliare) dem franz. nachgesprochen. Das einfache lat. viare heißt gehen,
viam facere; anteviare vorausgehen; *conviare würde heißen mit einander
gehen, transit. begleiten, convoyer; inviare sollte heißen sich auf den weg
begeben, transit. senden, envoyer, es findet sich aber nur einmal bei Sclin
und zwar in der unromanischen bed. etwas betreten. Altfranz, schrieb
man für en-voyer auch ent-voyer, also mit anwendung der raumpartikel
inde, s. darüber G. Paris im Jahrb. VI, 364, Brächet Gramm, hist. 224.
Vrai fr., altfr. pr. verai wahr; nicht von verax, es setzt vielmehr
veracus voraus, wie aus ebrius ebriaens, pr. ybriai Ghx. III, 169, er-
wuchs, vgl. wegen der endung Cambrai aus Cameracam, Doaai aus Duacum.
Vr6der fr. fvrlt.) hin- und herlaufen; von veredus postpferd, vgl
sp. vereda II. b.
Waggon ein fuhrwerk (neues wort); aus dem engl, waggon, ags.
väcen = dtsch. wagen.
Welke altfr. ein schalthier, seemuschd MFr. II, p. 102; vom ags.
veolc, engl, wilk, mndl. welk dass. Mlat. ad unum ferculum dantur
cuilibet domino duo velkones Ephem. mon. S. GaU. DG.
IL e. WERBLER— ZESTE. 701
Werbler, werbloier dltfr.: si bei werbloie, si bei chante FC.
I, 299; vom dtschen wirbeln (mit der stimme), ndl. wervelen, engl, whirl.
Wigre altfr. speer Hol.; vom altn. vigr oder ags. vigar, vigur dass.
Wilecome eine altfr. begrüßung, vb. welcumier; im 12. jh. ein-
geführtes ivort, ags. vilcume, vilcuiuian, engl, welcome, dtsch. willkommen,
bewillkommnen. Vilcom hieß auch der becher, den man dem gaste zu-
bringt, ungr. billikoni, itcd. (nachRedi) bellicone, nfr.aber vidrecome.
S. Frisch II, 448b.
Y.
Ypröau fr. eine art der idme, aus Ypern nach Frankreich gekom-
men, daher der name.
z.
Zeste fr. (m.) der sogenannte ßattel im innern der nuß, der sie in
vier (heile spaltet. Das wort, dessen herkunft noch unermittelt » scheint,
entstand aus schistus (oxiotog) gespalten, aber in activen sinn (etwas
spaltendes) übergetreten, wenn nicht ursprüngl. die nußtheile selbst diesen
namen führten, wie in der comask. mundart ein solches theilchen fis (von
fissus) genannt wird, s. Monti suppl. Das franz. z vertritt hier seh, wie
das nächstverwandte c in cedule, von schedula, diesen lata vertritt.
ANHANG
VON
AUGUST SOHELER.
I.
GEMEINROMANISCHE WÖRTER.
Abrigo. Dem etymon apricus redet auch Bugge entschieden das
wort (Born. IV, 338). Allerdings heißt apricus „der sonne ausgesetzt",
aber, wie Salmasius ad Solinum bemerkt: „apricus vocatur non omnis soli
expositus locus, sed is demutn qui soli tepido, temper ato, non torrentissimo
patet". So gesellte sich zum ausdruck der begriff „vor Mite geschützt,
müde11; daher apricissimus dies (Colum.), apricum tempus (Ccdpurn.),
apricus: jocundus, delectabilis, proprie autem locus sine frigore (Mai,
Class. auct VIII, 62), locus temperatus sine vento (Erfurter glossen
p. 270, Nr. 302). Auch dem vb. apricare hing die bedeutung „schützen"
an: ventis frigidioribus altus paries resistat qui locum possit defensis
sedibus apricare (Pdllad. I, 38); Martinianum suscipit fraternitas rec-
toque apricat et cibo (Paülinus Nol. Carmen 13 ad Cytherium, v. 311).
Bugge vergleicht noch das scandin. hlyr gemäßigt, müde, hlya fovere,
schützen, vom stamme h\6 schütz. — • Mich bedünkt, daß die einfache
thatsache eines spätlat. apricare = schützen, decken (protegere) der frage
eine vollkommen genügende lösung gibt; es braucht nur das subst. als
davon abgeleitet betrachtet zu werden, und die controverse verliert ihren
grund; es wird niemand jenem apricare ein grundwort apricus abstreiten
wollen.
Acceggia. Die form acceia hat Bönsch schon in einem sehr alten
Itala-codex vorgefunden, s. Jhrb. XIII, 184.
Agina. 8. Tobler zum Pariser glossar 7692 (Jhrb. XII, 205),
wo offenbar agina statt aguia und wohl auch hatance st. hautesce ge-
lesen werden muß; Tobler citirt auch das prov. Glossar 7667: cochar,
citare, festinare, aginare.
Agio. Auf grund des volksüblich lat. asa = ansa, in fig. sinn
anhält, leichtigkeit, gelegenhext (Plaut. Persa IV, 4, 121: quaerere ansam
infectum ut faciat) mag eine derivativform *asium, *asia sich gebildet
haben, wie aus praesepe, occiput, pupa, concha die büdungen praesepium,
occipitium, it. poccia (= *pupia), tose, coccio, coccia entstanden sind.
Also stellt sich Bugge die entstehung des rom. wortes agio vor (Rom.
IV, 349). Mit der von Darmesteter (Rom. I, 167) aus dem 11. jh. nach-
gewiesenen bedeutung von aise „espace vide aux cotes de qqn", wolier die
45
706 ANHANG I. AGUGLIA-ANCA.
redensarten cötre aux aises de qqn., Hre ä son aise, stellt derselbe gelehrte
den ausdruck ansatus incedit bei Plautus (Persa II, 5, 7) zusammen,
auf einen menschen bezogen = 'qui subnixus <üis se infert\
Aguglia. Etwas schaff er begründet die franz. endung. uille Mussa-
fia Rom. II, 478 anm. unter berücksichtigung einer ansieht Ascoixs
(Saggi lad. 76 anm.).
Ajuto. Im altfranz. hatte das jetzige verb aider zwei gestattungen:
vor tonloser endung verblieb das volle thema des lat. wortes, also
adjüto, fr. ajue; vor betonter silbe wurde ajut zu ajt, aYd, aid syncopiert:
also ajutatis = fr. aidiez, ajutare = aidier; vgl. Dorntest eter, Rom. Vy
154. Den beiden themen entsprechen die altfr. Verbalsubstantiven ajue
einer- und aide, alte andrerseits.
Alb ergo. Genauere unterschiede zwischen auberge und herbere
hinsichtlich des alters ihrer resp. etyma, die zeitlich sehr verschieden,
stellt d'Arbois de Jubainville Rom. I, 139 ins licht.
Almanacco. Nach Mahn (Herrig' s Ar eh. L VI, 422) von Arabern
und Juden, die zuerst holender verfertigten, gebadet aus nianachus, dar.
firjvaxog mondkreis an der Sonnenuhr, teeü der holender wie dieser auch
monate, zeichen des thierkreises u. dgl. angab.
Amaca ist ein wort der Gruaranisprache, und findet sich schon in
einer span. schrifl von 1525, also bevor Holländer oder Deutsche den
neuen erdtheil besucht haben; s. Littre suppl.
Amalgamare. Devic (Dict.) scheint die etymologie ttdhxyna nicht
zu kennen und kommt bei seinem versuche, das wort aus dem arab. zu
erklären, zu keinem sicheren resuliat. In dem bei Ste. Paiaye aufgeführten
algame erkennt er arab. al-djam'a cotyunetio oder al-djima* consummatio
matrimonii.
Ambasciata. Unter Zurückweisung der Zeuß9 sehen ableitung vom
kymr. amaeth und der Qrimm'scJien von goth. antbak „im rücken stehen-
der dienerli erklärt Mahn (Hefrig's Arch. LV1, 422) ambaetus durch
altcelt. zmbi+armor. aketuz emsig, fleißig, von aketi fleißig sein, also =
aftcpinolog. — Für das lat. ambaetus, woher es auch zu holen sein mag,
findet sich pr. abah, altfr. abait (II. c).
Amonestar. Cornu ist der ansieht, dieses seltsame wort möcJUe
sich einfacher und ebenso correct aus molestare herleiten lassen; der Pro-
venzale habe ja noch das einfache monestar; grundbedeutung wäre also
„einen mit Vorwurf en behelligen, zurechtweisen11 ; allerdings möge admonere
auf die bildung des wortes eingewirkt haben; bemerkenswerth sei, dass es
dem Itcdiener fremd geblieben. Der Urheber dieser etymologie ist durch
das in Montbovon (Haute-Gruyere) übliche monaxta * einem seinen iibdn
lebenswandel vorwerfen darauf geführt worden; s. Born. Hl, 377. Wir
hätten also in monestar eine doppel- oder scheideform van molestar, fr.
molester.
An ca. Bugge (Rom. IH, 152) trehnt fr. anebe röhre van hauche
— it. sp. pg. pr. anca; letzteres sei das dtsche hanke hüfte, schenket beim
ANHANG I. ANCHE-ASTUCCIO. 707
pferde (verschieden von - ahd. ancha tibia, crusj und gehöre demnach nach
Kuhn (Ztschr. f. v. spr. IV, 431) zum vb. hinken , wie Schenkel zu
einem gleichbed. *skinken.
An che. Sachter (Gröbers Ztschr. I, 432) hält pr. ancanuech, altfr.
enqnennit t für zusammengesetzt nicht aus anca+nuech, enque+nuit, son-
dern aus anc+anuech, enc+annit. Der zweite bestandtheil ist ihm ein dem
lat. ho-die genau entsprechendes fem. ha-nocte; vgl. wegen des tat. ha
die ort. gier und ore.
Andare. Zum fr. aler gehört das merkwürdige altfr. sbst. ale Zu-
lauf, s. meine Glanures lexicographiques Jahrb. X, 246.
Argano. Storm (Rom. II, 328) stellt das wort zu yegavog (kranich
und krahn), das bei den Gelten garanos gelautet zu haben scheint. Aus
garanos wurde argano unter einwirkung von organo, von dem es stets in
den it. mundarten geschieden ist. — 8. auch Schneller, Rom. volksmund-
arten in Südtirol 108. Vgl. auch argue II, c.
Arg ine. Bugge (Rom. II I, 161) belegt die form arger durch
Priscian 35 = 669 P.: arger quoque dicebant (antiqui) pro agger.
Articiocco. Devic verwirft entschieden das übrigens nicht ver-
bürgte ardi chauki und sieht im it. und fr. worte (ndat. articoctus, arti-
coccus) eine entsteüung des gr. xa aQTvrixa „tetes d'artichaut" (s. Journ.
asiat. janv. 1862, p. 83).
Artigiano. Eine andere ansieht über entstehung des sufßx it.
-igiano u. s. w. entwickelt Flechia Post. etim. 13. Ihm zufolge entspricht es
in allen fällen einem prototyp -ensi-ano. Auf grund von lat. laterculensis,
flor. laudesi (lobsinger), cors. piatesi (Sachwalter), seien formen wie ar-
tenses, turrenses, partenses nichts weniger als unwahrscheinlich. Übrigens
würde artitus nicht artit-i-anus ergeben können, vgl. Neapolit-anus, ere-
mitano, sard. turritanu (= torrigiano).
Ascla. Mussafia (Beitrag zur künde der norditalienischen mund-
arten im XV. jahrh. Wien 1873, s. 110) ist der ansieht, daß so lange
u in assuli vorhanden war, ss nicht leicht zu st geworden wäre; erst
die im volksmunde gewiß sehr frühzeitig erfolgte contraction führte
zu stl. Die form astula ist eine spätere restitution des u. Er ver-
gleicht für S8ul S8l stl das wort pessulus pesslus pestlus (pestulus wie
astula zu beurtheilen), daraus senesisch pestio, dann auch pesclus
peschio. Ferrari9 s reihenfolge scheint also richtiger: assula ass'la astla
astula astella.
Assai. Lat. satis gab dem altfr. das subst. s6s genüge, be friedi-
gung, s. Jahrb. X, 267, und Grob. Ztschr. 1, 168.
Assettare, sofern es einrichten, ordnen bedeutet, ist nicht lat as-
seetare, diesem würde nur ein prov. aseitar genügen, sondern = asse-
ditare; Storm, Born. IV, 166.
Astuccio. In altfr. estuire NFC. 247, 461 (Et pren de la
bnsche en l'estuire), wenn es anders die weibliche nebenform von estui
behälter ist, erkennt Tobler dasselbe eingeschobene v, dem er die bildung
708 ANHANG I. ATAUD-BIADO.
von mire, grammaire u. a. zuschreibt Ebenso findet sich für olifr.
estuide = Studium im Rom. de la Rose 4073 die form estuire.
Ataud. Aach Engelmann (s. 65) erkennt im aar ob. t&büt den Ur-
sprung des sp. atahud; Rom. II, 91.
A v a n i a. Die bed. kopfgdd oder wegsteuer scheint die ursprüngliche
zu sein, aber über die quelle des worts herrscht noch dunkel; s. Dem, der
wegen der nebenform avaria, averia (in genueser Urkunden) Verwandtschaft
mit lat. angaria, it. angheria vermuthet.
Bagatella. Schuchardt (Zeitschr. XXI, 451) fragt ob dieses wort,
so wie bagattino, nicht zu bacca (baca) zu ziehen sei; er vergleicht we-
gen der bed. von bagattino, it. bajocco römische und bajella, toskanische
Scheidemünze, „die eher auf it. bajuca Tdeinigkeit, als auf ü. bajo braun
hinweisen11. — Im suppl. fuhrt Littre aus einer lat. schrifl des 15. jh.
eine stelle an, wo bagatella als chirurgischer ausdruck gebraucht ist und
'ring, reif3 zu bedeuten scheint.
Bajo. Wegen bajocco, s. oben bagatella.
Balicare, s. ballare.
Ballare. Gehort nach Schuchardt zum weit verbreiteten, schwingen,
schwanken ausdrückenden stamm bal, zu dem auch balicare, fr. ballant
schlenkernd und ballotter gehören. S. auch Schder.
Bando. Wegen arriere-ban sehe man d' Arbais de JübainviUe
Rom. I, 141, der ahd. hariban, als unbelegt, nicht anerkennt und auf das
fränkisch-lat. [c]harebannus, arribannus (zeit der Merowinger), hari-
bannum (zeit der Karolinger) zurückgeht; arbannum datirt van 1102.
Barbacane. Die zss. balah-kaneh befriedigt nicht; das van Deck
angerufene arab. barbakh wasserröhre stimmt höchstens zu einer der von
Littre dem warte beigelegten bedd., auch nötigenfalls zu * Schießscharte'.
Bargagno. In ital. mundarten findet man auch bragagnar tasten
und Mussafia untersucht, ob es ein homonym von bargagnare oder gleiches
Ursprungs ist, kommt aber zu keinem sichern restdtate; s. Beitr. 37.
Ben na. Die form banasta (für banastra) ist, wie Storm meint,
eine angleichung an das verbreitetere canasta (für canastra). Wegen aus-
falls des r, vgl. sp. madrasta, orquesta, pg. rasto, it. trasto, catasto.
Berretta. Neben barrette hat der Franzose auch die masc. formen
berret, b&et
Berta. Nach Littre ist bertauder, bretauder aus altfr. bertonder
entstellt (ber = bis + tondere). Damit hängt ohne zweifei zusammen das
mundartl. it. bertonar die haare abschneiden, dem Mussafia (Beitr. 33)
mit Galvani dieselbe Zusammensetzung zuerkennt. Dazu stimmt das von
Scheler (nach Oudin und Menage) angeführte altfr. bertouser (bis + ton-
sare).
B iad o. Neben fr. emblaver verdiente gleichfalls das entgegengesetzte
altfr. und mdrtl. döblaver das getreide abräumen, dann abräumen im aüg-,
jetzt nur noch in der form d^blayer üblich, sowie r-emblayer, sbst. rem-
blai, eine er wähnung.
ANHANG I. BIAVO— BRAVO. 7()9
»
Biavo. Dem d in biadetto, sbiadato (auch sbiadito) entspricht das
in chiodo (clavus), s. IL a.
Bicocca. Mail. com. bicocca heißt hospd, winde (Monti dachte
an dtsch. wickeln); vgl. comask. bicoche hnäuel (Mussafia, Beitr. 46,
anm.).
Bigio. Der nordostwind heißt wohl bise, weil sich der himmd
dabei verfinstert; die Schweizer nennen den wirklichen nordostwind „bise
noire?1; in Como wird biss 'finster' vom bedeckten himmd gebraucht] s.
Rom. IV, 256.
Bis. Eine belehrende Untersuchung über diese pejorativ-partikel nach
Ursprung (lat. bis) und begriffsentwicklung hat Darmesteter, Mots com-
poses, p. 108, angestellt.
Boca. Statt box scheint besser die in vielen hss. des Plinius vor-
findliche form boca stehen zu müssen; davon kommt fr. bougui&re, npr.
bnguiero ort netz {ursprünglich zum fangen der bogues), welchem it. bo-
gara, sp. boguera, pg. bogueiro entsprechen.
Bosco. Ganello sieht im mlat. boscus das gr. ß6o%og weide und
beruft sich auf die Vermischung der begriffe waid und weide in lat. saltus,
nemus, silva; auch stimme ßoo%og besser zum offenen o von bosco als das
hypothetische ahd. buwtse; Rivista II, 111. Auch Storm bezweifelt das
Grimmische etymon büwisc; das dtsche busch habe niemals bauholz ge-
heißen. Fr. bois lasse sich nicht von buisson trennen und sei also = lat.
bnxus; der diphthong ui in fr. buis sei, wie Havel Rom. III, 332 darge-
than, durch exceptiondle entwicklung eingetreten und auch das sp. bosque
(nicht buesque) lasse auf ein geschlossenes o des vuigär-lat wortes schliessen.
Der name der species sei auf das genus übertragen worden, wie umgekehrt
der name des genus in ÖQvg (ursprüngl. = bäum) sich zur bezeichnung
einer einzelnen art verengt habe. Von „bäum" habe sich sodann der begriff
zu „baumgruppe" erweitert. Für die nähere ausfuhrung dieser ansieht,
mit bezugnahme auf die verschiedenen derivaten des Stammes bocs, bosc,
s. Rom. V, 169.
Bosso. B0880I0 leitet Caix (Stud. etim. I) von puxida, wie tres-
polo von trespida ; da jedoch dasselbe wort, wie Diez angibt, auch buche-
bäum bedeutet, ist nicht abzusehen, warum für beide bedeutungen ein ver-,
schiedenes etymon aufzusuchen wäre; s. Rom. V, 170. Zu bemerken ist
hier noch, daß die Italiener die pyxis nautica nicht mit bossolo sondern
mü der scheideform bussola bezeichnen. — Ein fr. bossette büchse ist mir
nicht bekannt.
Braca. Abi. altfr. braier, braiel, braieul leibgurt.
B ran ca. Daß branca schon in der rustiken latinität gebräuchlich
war, erhellt aus den römischen agrimensoren oder gromatikern, bei denen
wir (Lachmann-Rudorffsche Ausg., p. 309) lesen: si branca (so anstatt
des acc.) lnpi habnerit facta . . . . si branca nrsi habuerit . . .; Rönsch,
Jahrb. XIV, 336.
Bravo. Storm (Rom. V, 170) leitet das noch unaufgeklärte wort
710 ANHANG I. BREZZA— BRIGA.
von rabidus ab, statt dessen schon Menage das grundwort rabns vor-
schlug. Vorseteung eines b ist, wenn nicht häufig, gerade solchen Wörtern
eigen, die ein schreien oder lärmen ausdrücken (so bruire, bruit, braire).
Brabidu8 ergab (Mit. braido „uomo lesto, hello, vispo" (s. Fanfani), wor-
aus einerseits brado ungezähmt, wild (bue brado), andrerseits *bravio, tf.
bravo (vgl. rancio = rancidus, torbo = turbidus), sp. bravio (vgl. rocio
= roscidus) neben bravo. Die ursprüngliche bed. ist, wie auch Dies
aussagt, unbändig, wild, stürmisch, vgl. rabidum Pelorum (LueanJ, rabidi
canes (LucrezJ; daraus fliessen alle weiteren mit dem worte verbundenen
begriffe. [Ich möchte hier an die verschiedenen bedd. des deutschen wacker
(eig. aufgeweckt) erinnern, das schwed. sogar „schön" heißt] — Boehmers
herleitung von bravo aus fru in defrutum (Jahrb. X, 196) hängt mit
einer phonetischen lehre zusammen, auf deren Widerlegung wir hier nicht
eingehen können.
Brezza. Auch Schuehardt vermuthet identität zwischen brisa und
bisa, Rom. IV, 266.
Bricco. G. Paris zu Alex. 54" weist für altfr. bricon die bed.
scheint entschieden zurück und setzt sich hiemit mit allen Wörterbüchern
in Widerspruch. Es sei allerdings mit diesem sinn unverstandiger weise
bekleidet worden und derselbe mit dem worte nach Italien (it. briccone)
übergesiedelt; die wahre bed. sei „narr11, die auch dem sbst. briconie und
vb. abriconer anhänge. Diese entdeckung vernichtet die Dies* sehe etymo-
logie. — Vielleicht ist bricco verwandt mit altfr. bric, briche, brique
„schlinge, falle"; also „der sich leicht in die schlinge locken lässt11.
Brida. Zu vergleichen mit it. brettine (brett'ne) sind die dialect.
von Mussafia (Beitr. 37) verzeichneten formen brena zäum, veron. sbrenä
zügellos.
Briga. Storm (Rom. V, 171) steht nicht an, die vbb. pr. cat. bre-
gar, fr. broyer mit dtsch. brechen, ndd. breken, engl, break, goth brikan
zu identifizieren. Die kehltenuis und i sind noch erhalten im lomb. brica
krume, vgl. pr. briga dass., vb. esbrigd zerbrökeln (die auch Diez IL c, s. v.
briser mit brechen zusammenstellt). Was briga, brega = lärm, zank
anbelangt, so ist Storm geneigt auch hier auf goth. brikan zurückzugehen,
das ja auch kämpfen ä&Xeiv bedeutet, und woraus sich die vbb. brigare,
bregare brechen, lärmen, zanken entwickelten, vgl. lat. fragor lärm von
frangere. Auch alteat. brecar verringern (mit beibehaltener tenuis) mag
dazu gehören, vgl. die ausdr. altfr. souffraite, dtsch. abbruch leiden. Ganz
besonders stimmt nfr. brigue nach seiner bed. zum altn. brek Zudringlich-
keit, intrigue, vb. breka €zu erlangen streben wozu man nicht berechtigt
ist\ It. briga heisst vornemtich „verdrießliche Sache, zwist, lästige Ver-
handlung"; brigare „ingegnarsi d'ottenere checchessia per mezzo di rag-
girie di cabaleu (Fanfani). 8. auch Mussafia Born. II, 120. — Das fr.
broyer zerreiben, zerschmettern ist wohl schwerlich vom dtschen brechen
zu sondern, auch wenn die Storm1 sehe deutung der rom. wortfamäie brig
angezweifelt werden sollte; dagegen ist ein anderes altfr. broier handeln.
ANHANG I. BRIO— BRUSCO. 711
feilschen, markten, zögern (von Tebler belegt Gott. gel. Ans. 1874, s. 1048,
8. auch Förster zu Richars li b. s. 4667, wo broie = bedenken erwähnt
m m
ist), doch wohl als alte nebenform von briguer zu betrachten. — über die
auffässung von brigant als „bergbe wohner", s. Liebrecht Jhrb. XIII, 224.
Brio. Zu beachten ist das altfr. adv. a brive (im reim mit rive)
hastig, eifrig, Fergus 3, 28, Perceval Ms. de Montpellier zu 9739.
Bronco. Förster bestreitet die Verwandtschaft des fr. broncher
straucheln mit bronco stamm; es sei vielmehr identisch mit altfr. broncher
senken, neigen; s. Glossar zu Chev. as d. esp. Letzteres müßte also, wenn
Diez für das glbed. embronchier (s. embronc IL c) das richtige etymon
getroffen, durch pronicare gedeutet werden. Allerdings lassen sich zur
noth die begriffe vorwärts beugen und straucheln in Zusammenhang brin-
gen, aber es ist doch viel natürlicher broncher straucheln von altfr.
bronche ast herzuleiten nach der ancdogie von it. cespicare, altfr. ehester
(= caespitare), nfr. chopper von altfr. chope baumklolz, choquer von altfr.
choque dämm. Im Baud. de C. 1, 6 habe ich bronchier mit der bed.
hesiter, stocken angemerkt.
Bronzo. Das venez. bronza leitet Ascoli (Zeitschr. XVII, 269)
von prnn-ia; s. Mussafia, Beitr. 37; Storm (Rom. V, 173 anm.) zöge pru-
nicia vor.
Broza. Gar. Michaelis dürfte wohl für ihre gleichung rebours =
tat. revorsum keinen großen anhang gewinnen (Stud. z. rom. wortschöpf.
26 1) ; man beachte, daß das wort ausschließlich französisch ist und sich
in dieser spräche kein ähnlicher fall von v (zwischen vocalen) zu b er-
mitteln lässt.
Bruciare. Storm stellt die genesis dieses Wortes also dar: Aus
combu8tus ward eombnstulare (vgl. ustus ustnlare) und durch den unter
einwirkung von bustum eingetretenen Wegfall von com, bnstulare. Ferner
wie angustus das vb. angustiare, it. angosciare hervorrief, so entsprang
auch combustiare, bustiare aus combnstus. Epenthese eines r, wozu das
dtsche brunst das seinige beigetragen haben mag (vgl. cat. brnsca aus
busca, sp. brujula aus it. bussola), ergab endlich brnstnlare = fr. brusler,
und brustiare = it. brusciarfe; s. Rom. V, 173. Auch nach Boehmer
(Jahrb. X, 195) „ist bruciare lat. "brustare = *bustare, vgl. burere,
bustum, welche letzteren Corssen mit skr. prus zusammennimmt61 ; er lässt
aber die endung -ciare aus -stare unbegründet. Diez erwähnt freüich Rom.
Gramm. I, 231 it. arbuscello aus *arbustellum, allein Storm bemerkt mit
recht, daß diesem it. wort lat. *arbuscella, nebenform von arbuscula, zu
gründe liegt. — Neben altsp. uslar, pr. usclar verdient hier noch altfr.
urler (= usler, vgl. marle = masle) erwähnt zu werden; es findet sich
im Percival le Gallois 39840 Trestout a Piercheval urlet Et le sourcil
et le grenon.
• Brusco. Die Urbedeutung scheint „rauh, rohu zu seiny daher noch
im 16. jh. diamant brusque; deßhalb fragt Bugge (Rom. IV, 352), ob
nicht an das lat. bruscum „tuber aceris arboris intorte crispum" (Plin. H.
712 ANHANG I. BUCHERAME- CAMBELLOTTO.
N. XVI, 16, 27) zu denken sei; er vergleicht damit das deutsche knolle
bildlich = rauh, plump, grob. — [Das von Littre citierte beispiel „diatnant
brusquea könnte vielleicht nur auf einer willkürlichen Verwechslung mit
brut beruhen-] — Canello Rivista II, 111 sagt, wie ruscum it. brusco,
bruscolo geworden, so rusticus {vermittelst brust'co) it. brusco herb. Hat
aber rusticus je brusco im physischen sinne bedeutet?
Bucheram e. Hat das wort keine Verwandtschaft mit fr. boucas-
sin, für welches Littre orientalischen Ursprung vermuthet? so fragt Mus-
safia, Beitr. 34.
Bugna. S. Mussafia, Beitr. 39.
Bujo. Zur bekräftigung der Diez' sehen deutung dient der art.
beretin in Mussafia s Beitr. 33.
• Busca. 8. Mussafia, Beitr. 39, und Rom. V, 176, wo wegen u
statt o auf buttare neben dibottare hingewiesen wird. Bugge denkt an
*buxica, was lautlich und begrifflich anzunehmen, aber, wie Storm be-
merkt, nicht zur altfr. form boisse und buisse passen würde, welche nur
buxa darstellen. — Von altfr. buisse kommt altfr. abuissier stolpern,
straucheln fs. m. anm. zu Baud. Conde s. 397).
Gadaüuo. Anders erklärt P. Meyer die entstehung dieses com-
positums : für ihn ist cada nicht ein davon abgelöstes, sondern ein seihst-
ständiges, schon dem volkslatein eigenes wort. Die VulgcUa bietet cata
mane ,Jeden morgen" und Ducange bringt mehrere beispiele von cata =
seeundum. Dieses cata ist die griech praepos. xaza, die im neu-griech.
ganz dem rom. cadaüno entsprechenden xad-evag vorliegt, und hat sich
noch erhalten in süd- franz. mundarten unter der form cha (so im npr.
a cha pauc = altprov. cada pauc nach und nach, in Poitou cha deine
zu zweit, je zwei), so wie in der Schweiz in der gestalt von tsa. S. Rom.
IV, 80—85u. 453; an letzterer stelle bringt Cornu einige weitere beispiele
aus dem mittellatein, z. b. aus einem ärztlichen rezept: cata singulas oras.
Calafatare. Genaueres über die bed. des arab. qallaf 'ferruminare
bringt Devic. — Galfeutrer ist eine angleichung an feutre.
Galdaja. Mit caldaria wird schon in der Vulgata (1. Könige 2, 14)
gr. xakxüov übersetzt, Rönsch Grob. Ztschr. I, 417.
Galibro. Devic stimmt für qälib modeil.
Galzada. Nach Rönsch (Grob. Ztschr. 1, 417) heißt calciata „die
betreteneu und kommt von einer form calciare, die sich auf grund des
sbst. calcia = Aa£, calx (glosse des nach Oyrülus benannten, 1600 von
Vülcanius herausgegebenen alten griech.-lat. lexicons p. 526, 16) fuglich
voraussetzen lasse. Diese ansieht ist schon bei Ducange vertreten, wo
calcia sowohl für ferse als für kalk erwähnt wird; sie wird gleichfalls
von Littre ausgesprochen.
Cambellotto. Rönsch (Grob. Ztschr. J, 418) sucht darzuthun,
daß das gr. xafitjhtoTTj auf einer umdeutung von (.ir^haTTj ,j>aludamentum
hirsutum a pelle caprina confectum11 beruhe; diese Umwandlung sei einge-
treten, als die abstammung von fifjkov (ovis capra der Vergessenheit an-
ANHANG I. CARAGGA- CASACCA. 713
heimgefallen war; lat. melote wurde zu camelote als ob y.afir^og das
grundwort wäre. Nach G. Paris (Born. VI, 628) hat das wort eben so
wenig in firjktorf, als in camelus seinen Ursprung. Nach dem Journal
ofßciel vom 12. mai 1874 kommt das wort von seil el kemel, dem namen
der angorajsiege.
Caracca. Nach Dozy und Defremery vom arab. qorqour großes
kauffarteischiff, plur. qaräqir. Devic glaubt dieses selbst sei aus dem ma-
layischen kourakoura meerschildkröte, korakora großes schiff, womit die
portug. formen coracora, corocora, sp. caracoa übereinstimmen.
Caraffa. Mohl erwähnt pers. qarabah gläserne flasche mit weitem
bauch, in der man den wein vierzig tage lang ruhen lässt, s. Littre, suppl.
Carcasso. Carol. Michaelis (Jahrb. XIII, 313) scheidet dieses
wort ausdrücklich von carcassa gerippe (woraus fr. carcasse ur\d das
zweifelhafte sp. carcasa). Die deutung des letzteren durch car-cassa
,fleischkasten" ist ihr verdächtig, doch läßt sie dieselbe vorläufig dahin-
gestellt; das rom. wort, so weit es köcher bedeutet, stellt sie unbedenklich
zum gr. yuxqyJioiov, das auch becher bedeutete (ngr. xaQxaoiov heißt mast-
korb und köcher). Sie beruft sich hierbei auf die alte bed. von carquois
„le haut bout du mast" (17. jh., s. Littre), sowie auf die des span. carcaj
,/täteral in dem bei processionen das crucifix getragen wirda. — Was
aber dltfr. taiquois, tarquais (Psalt. gall. vet. p. 268), mhd. tärkis, ngr.
zctQY.aoiov betrifft, das Scheler, Brächet und Müller ohne weiteres als aus
carquois entstanden annehmen und das auch Ducange schon also betrachtete,
so hält sie einen Wechsel von c zu t für durchaus ungerathen und leitet
die form aus dem türk. terkesch (das auch Littre erkannte); dieses nun
sei das pers. tarkasch „pharetra11, abgel. von tark gl. bed., dessen Zusam-
menhang mit sanskrit tarka Spindel (vgl. gr. ä-TQaxTog) in einleuchtßnder
weise dargelegt wird. Durch anbildung an den türkennamen ward tar-
quois zu turquois (s. IL c) entstellt. — Förster (Grob. Ztschr. 156)
kennt nur* eine belegsteile für altfr. turquois, Coron. Looys 636, und hält
sie für unsicher; sonst lautet das wort turcais, wdat. turcasia, it. turcasso,
oder besser tarcais (Rou ed. Pluquet II, s. 148 ist st. cuvrie et archais
zu lesen cuivre e tarcais); unser wort sei also vom adj. turquois = tur-
censis zu trennen. Ferner bemerkt Förster, daß weder ein carquois noch
ein carquais = köcher im altfr anz. existieren; letzteres bei Ducange s. v.
gambeso ist aus tarquais verlesen, ersteres, in der von Diez citierten stelle
aus DMce. wie anderwärts, heißt bloß rippenkasten.
Carestia. Das prov. adj. carestios Flam. 6238 übersetzt P. Meyer
mit lchiche, avare.
Carriera. Ob fr. carrousel mit carrus zusammenhängt, bleibt
problematisch. Noch unwahrscheinlicher ist LittrS's deutung durch it.
garoso streitsüchtig. Scheler denkt es könnte in carr der lat. stamm quadr
stecken (vgl. quadrille); auch engl, carouse 'festlichkeit* sei zu erwägen
(s. E. Müller).
Casacca. Das rom. wort, wenigstens fr. casaque (imlö.jh. reiter-
714 ANHANG I. CASERMA— CHETO.
tnantel), soll slavischen Ursprungs und mit cosaque (kosdk) identisch sein
(vgl. cravate, palatine und andere benennungen von Kleidungsstücken), s.
Littre, suppl.
Gaserma. Bei Furetiere liest man: „Cazernes, ce sont de petites
chambres bäties sur le rempart des vüles de guerre pour loger les soldats
de la garnison: on y löge ordinairement six soldats, qui montent lagardc
alternativement" Es mögen wohl ursprünglich diese räume für vier mann
bestimmt gewesen sein; auf dieser annähme beruht die etymdogie prov.
cafcerna {zu schließen aus dem vb. descazemar) = lat. quaterna, welche
Gaston Paris in den Mim. de la Soc. de lingu., I, 287 niedergelegt hat.
Gasipola. Diezens ableitung des sp. casulla aus ndat. casala
widerstreitet der accent (s. baüle), daher vermuthet Storm folgenden bil-
dungsprozeß : casüpola-casupla-casubla-casulla, indem er auf sp. enjullo
= insubulum hinweist. Das altfr. casule ist nach Bugge dem span. ent-
lehnt, oder vielmehr, meint Storm, da es schon im 13. jh. erscheint, ein
latinismus. S. Bomania V, 174.
Cassa. Ich stelle castone (woraus fr. chaton) lieber eum dtschen
kästen, das dieselbe bed. hat. Auch scheint mir incastrare nicht hieher
zu gehören, s. mein Biet. v. encastrer.
Gataletto. 8. über das wort auch Mussafia Jahrb. XII, HO (ge-
legentlich einer von mir berührten franz. form carlit).
Cavallo. Lat. equa ist im altfr. regelmäßig vertreten durch (das
von Diez unter solive angeführte) ive, vgl. ivel = aequalis. Das im
LR. belegte aigue scheint ein masc. zu sein. — Unter den abll. verdiente
wohl fr. chevalet gerüst, bock, folterbank eine er wähnung, vgl. lat. equuleus-
Cicero. Aus den formen mit n ist nicht deutlich zu ersehen ob
blos cicer (r zu n) oder cic + suffix Tnus gemeint ist, wo dann in c6cero
n zu r geworden wäre, wie in amassent amassero. Schuchardt VcJcal.
II, 265 ist anderer ansieht: in kyknus schob sich epenthetisches i ein:
kykinus und daraus c6cino, cäcero. So auch Flechia in der Rivista
di fil. class. Iy 399 und Mussafia, Beitr. 124.
Celata. Nach Canello (Rivista II, 111) nicht von caelare, sondern
ton celare hehlen, bergen; seine argumente sind trev. cel Ina und die
logische ancUogie der deutschen Wörter heim (von hehlen) und hat (von
hüten), lieber die endung ata wird keine reckenschaft gegeben, mhd.
salier durch *celarium erklärt.
Gheto. Während cheto etc. sich lautlich durch den schwund des
tonlosen T von quietus vor dem betonten e (vgl. partetem-parete-paroi) er-
klärt, ist bei quitus ein anderer Vorgang anzunehmen. Es dürfte hier das
adjeetiv aus dem vb. sich gebildet haben, und fr. quitier, quitter auf dem
aus fall des tonlosen e vor der betonten endsübe beruhen; qnietare wurde
zu quitier wie pietatem zu pittä. Dasselbe thema quit macht sich geltend
in altfr. enquitume = inquietudinem; s. Darmesteter Rom. V, 152. —
Die existenz eines lat. vb. quietare erweist sich aus den von Rönsch be-
legten Substantiven quietator und quietatio.
ANHANG I. CIARLATANO-CONFORTARE. 715
Giarlatano. Das glbd. cerretano leitet Bönsch (Jahrb. XV, 200)
vom sinnverwandten lat. cerritus wahnwitzig, verrückt; eine bildung cer-
ritaneus sei ebenso denkbar als conditaneus von conditus.
Gi ca. Wenn die jetzt übliche bed. von chicane wirklich vom kolben-
spiel herrühren sollte, so dürfte dieses wort allerdings orientalischen Ur-
sprungs sein, etwa pers. tschaugan Möpfel; mgr. zCvxaviov heißt maülc-
spiel, s. Littre u. Devic.
Cima. Die span. adverbiale zss. encitna (vgl. cdtfr. engon, in summo)
stand bisher im index, fehlte jedoch im texte edler ausgaben.
Gobrar. Gegen die Diez'sche etyntologie (re)-cuperare ließe sich,
was altfr. coubrer betrifft, das ungewöhnliche b statt v einwenden; warum
coubrer neben recouvrer? Einfaches couvrer belegt G. Paris aus dem
16. Jh. in den Chansons du 15e siecle, p. 76. — Das in IL c behandelte
altfr. combrer, gl. bed., halte ich für eine rhinistische form von cobrer,
coubrer, s. m. anm. zu Enfances Ogier 2752.
Cogliere. Der bed. nach verschieden vom sp. escoger ist altfr.
escueillir loslassen, fahren lassen (ein pferd, einen pfeU), sbst. escoeil
anlaufj schwung.
Coitare. Ein altfr. ende (von cuidier) ist, wenn es wirklich vor-
kommt, jedenfalls unregelmäßig; der diphthong ui ist geboten.
Coltrice. Fr. courte-pointe bettdecke ist für coute-pointe =
euleita puneta.
Combo. Storm bestreitet ein etymon coneavus; concVo könne cor-
reet nur conquo, niemals combo erzeugen. Letzteres wäre höchstens für
ein spät eingeführtes wort denkbar, indem allerdings die sard. mundart
Wandlung von ngu in mb zulasse (z. b. sambene aus sanguinem). Er
befürwortet daher die eilte deutung durch cymba, cumba; wegen des be-
griffsübergangs citiert er scapha kleines schiff und scaphium becken;
schiff und theibecken seien nah verwandte begriffe; auch gr. xvfußog sei
für jede Vertiefung oder höhlung gebraucht worden. Es sei übrigens auch
ein gallisches cumba (s. Glück, Celt. namen bei Caesar, s. 28) in erwägung
zu ziehen. Bugge unterstützt cumba durch folg. Zeugnisse: Cumba, locus
imus navis Lsid. Orig. XIX, 2, 1; cumba locus [imus] navis, Gloss.
Plac. ed Duerling XXU, 1. S. Rom. V, 175.
Gome. Littre bezweifelt die Zusammensetzung quomodo-mente (wo-
raus comment), weil sich nirgends eine form commement zeige; allein
ment wurde nicht der volleren form comme, sondern der kürzeren com
angefügt. Seine auffassung von comment als quomodo-inde scheint daher
abgewiesen werden zu müssen.
Cominciare. 8. über die gestaltungen dieses Wortes in den ital.
mundarten Mussafia Beitrag 69 und Flechia Post. et. 356. Der letztere
bemerkt, das hier erwähnte sard. ineumbenzai sei = it. ineumbenzare
und abgeleitet von ineumbenza (von ineumbere).
Gonfortare. G. Paris glaubt mit recht, daß die bedd. von con-
hortari und confortare zuweilen vermengt worden sind; St. Leger 20*
710 ANHANG I. CONTRATA CUPIDO.
(Rom. I, 310J. Es halt übrigens schwer mit Diez im pr. conortar aus-
fall des f anzunehmen; bei preon (profundus) ist das f anders gestellt.
Gontrata. Rönsch belegt aus den gromatikern die analogen par~
ticipial-adj. citratus und ultratus, so wie die sbst. citratum, ultratum;
Jahrb. XIV, 337.
Corbacho. It. corbaccio, titel einer prosaschrift Boccaccio' s, sonst
nicht weiter vorkommend, ist dasselbe wort, wie schon Fr. Schlegel meinte;
Schuchardt, Jahrb. XII, 114.
Corruccio. Das etymon cholera ist aus mehreren gründen un-
haltbar; it. corrotto trauer, leidwesen, altfr. corropt (St. Leger 18c), corrot
(Renart 22511) weisen auf corruptare, dagegen corruccio, corrotz, cour-
roux auf corruptiare. Wie corrumpere zu dieser bed. kommen konnte,
lehrt deutlich die analogie des fr. älterer, deutsch ärgern, eigenÜ. ver-
schlimmern; s. auch Littre v. courroux, und G. Paris zu St. Leger
(Rom. I, 309).
Gortina. Grundbegriff des classischen Wortes ist rundung und hat
wohl, ineint Storm, nicht in chors, sondern im gr. xvQrog rund seinen
Ursprung (Fick, s. 441). Bugge dagegen behauptet, xvQvog hätte curtina
ergaben (vgl. curvus) und glaubt cortina sei zsgz. aus covortina (vgl.
unibr. covortus, courtut); es seien folglich das rom. und das class. cortina
aus einander zu .halten; s. Rom. V, 176.
Croccia. Die von Diez gegen das etym. fr. croc (besser hieße es
gegen das gemeinrom. *croccuin) erhobenen bedenken beseitigt in scharfer
auseinander setzung Förster in Grob. Ztschr. II, 88. Wie ich gleichfalls
im Dict. gethan, äußert sich F. zu gunsten eines typus *crocceus, dem
allein das offene o der rom. Wörter genügt. Auch • das dtsche krucka,
krücke verlange ein etym. *croccum. Dagegen enthält die von Diez s. v.
croc II. c. unbeanstandete ableitung von crochu und crochet aus croc
eine Unregelmäßigkeit, welche F. dadurch aus dem wege schafft, daß er
letztere direkt aus dem fem. croche = *crocca (adj. und sbst. s. Littre)
hervorgehen läßt. Daß übrigens für nfr. crochu in der alten spräche
crocu gebraucht wurde und die Schreibung cro<ju der edüoren als eine
willkürliche zu betrachten ist, weist F. mit triftigen gründen nach.
Cuccagna. Beachtung verdient das wort in folg. anwendung:
Qui talent ont de faire ä nos engaigne Et qui bien cuident trouv^e
avoir cokaigne Adenet, Enf. Og. 5621; es entspricht dem sinn „reiche
beute".
Cuccio. Auch das altfr. kennt das wort; s. Scheler zu Baud.
Conde 161, 269, wo wohl gous st. gons zu lesen, und Jean Conde II, 71,
720; 75, 870, wo beidemale besser goueös st. gonces stünde. Im patois
d'Auch heißt gous ein großer hund.
Gupido. Lot. cupiditatem ist wiedergegeben durch altfr. couvoitiö;
Quenes de Bethune: Plus en croisa couvoitiös que creance, s. m. Trau-
vires beiges 13, 30, wo ich es irrthümlich als ein partieipiedsubst. (wie
pensä) erklärt habe. — Wenn couvoittä wirklich, wie Tobler (Gott. gd.
ANHANG I. DESINARE-EBMO. 717
anz. 1877, s. 1618) aufstellt, lat. cupiditatem darstellt, müssen wohl
auch die vbb. cubitar, cobeitar, altfr. covoitier (nfr. convoiter) durch cu-
piditare erklärt werden. Ist dieß unbedingt anzunehmen? Oder liegt
nickt vielmehr cupitare eu grund? Die Wandlung von id't eu eit, oit
scheint mir bedenklich.
Desinare. Der ergründung dieses Wortes haben in der neuesten
seit wieder mehrere competente romanisten ihren Scharfsinn zugewendet,
und wir haben hier drei neue etyma einzuzeichnen. 1. Storni (Born. V,
177) geht aus von *discoenare, einem an disjejunare angelehnten compo-
situm; hieraus zunächst discenare, dann dissenare, desinare und disinare,
endlieh disnare. Die möglichkeit eines s aus sc in der nicht syneopierten
form desinare wird hierbei nicht auf pusigno gestützt, welches regelmäßig
pascigno lauten sollte, sondern auf den umstand, daß desinare ein speciett
oberital. wort sei. — 2. Prof. Suchier (Gröbers Ztschr. I, 429) befür-
wortet eine schon im 17. jh. aufgetauchte ansieht, wornach discus tisch,
mlat. speziell eßtisch, discinare und die übrigen formen hervorgerufen
habe. Es wird hierbei auf altfr. faisner aus fascinare hingewiesen, aber
Iceine rücksicht darauf genommen, daß sich bei solcher lautlichen gestal-
tung im altfranz. die form disnier (wie faisnier) vorfinden müßte. Man
könnte nun freilich annehmen, daß digner diese erweichte form vertrete,
aber gerade in diesem gn erkennt Suchier keine mouillirung, sondern er-
blickt in g einen selbstständigen laut wie d (in didner LRs. III,. 18, 41),
welches d das schon im 12. jh. zur verstummung geneigte s zu ersetzen
bestimmt war (vgl. adne, maidn£e); nur wo i dem s vorausgeht, sei statt
d auch g eingesetzt worden (vgl. maigniäe, ignel). Mir scheint im gegen-
theü g statt d nach i mouillirung anzuzeigen, was dem vorgeschlagenen
etymon discinare tafeln, speisen zu statten käme. — 3. Eine dritte con-
Jectur wird von Rönsch in derselben Ztschr. (I, 418) also dargelegt: es-
care zu escinare erweitert, daraus deescinare (= abfüttern), descinare
u. s. w. Dieses etymon erkläre vortrefflich, meint Rönsch, die construetionen
il est mal din6 (= male escatus est), disner qqn. de qqch., und den
reflexivgebrauch se disner. — Sowohl der zweite als der dritte der obigen
deutungsversuche leidet an dem mangd, daß ein verbalsuffix inare regel-
widrig ist.
Dirupare. Eine analoge bildung ist it. dirocciare, altfr. desrochier
gl. bed. (s. rocca).
Diviso. Man vermißt hier nfr. deviser plaudern, eine interessante
begriffsentwicklung (s. mein Dict).
Drappo. Scheint mir zu einem dtschen etymon trappen treten sehr
tßoht zu passen; auch lat. fullo, eig. walker, heißt tuchbereiter.
Du ca. Wie altfr. duchä feminin werden konnte, erklärt Scheler
im Glossar zu Froissart (s. auch Bueves de Comm. glossar). Die älteste
form war duchete = *ducitatem; daraus das häufig gebrauchte dachet,
zuletzt dachte und duchä. Durch analogie dann auch la cointä.
Erino. Davon abgel. altfr. enhermir verwüsten.
718 ANHANG I. ESCA-FEGATO.
Es ca. Dem sp. enescar entsprechend findet sich auch altfr. enesser,
anesser (s. m. Trouveres beiges, s. 321).
Escanciar. Zum hier angeführten cdtfr. eschancier sucht Tobler
(Mitth. I, 262) einen beleg; an einer stelle seines Aubery findet er da-
gegen ein vb. eschangier, das sich mit der bed. einschenken wohl verträgt.
Escire. Zu erwähnen war, daß altfr. issir noch im part. issu und
sbst. issue fortlebt.
Es mar. Schuchardt (Jahrb. XII, 114) erblickt in azzimare eine
pberital. form von acciniare, das in Mittel-Italien frisieren heißt und von
cima gipfel, höchstes einer sache, köpf, tuchleiste (cimare abstützen, köpfen)
abzuleiten ist; figürl. cima d'uomo = ein prachtmensch. — Ist auch
pr. sesmar Flam. 7795 (ordnen, befestigen) hier einzuordnen? sesmar von
azesmar, wie sermar von azermar?
Estribo. Fr. 6trier ist nicht aus estrivier zusammengezogen, wo-
ran Dies selbst anstoß nimmt, sondern es scheint zu den fällen zu ge-
hören, wo eine Wandlung der endung ieu in ier vorgegangen ist: estrieu
wurde estrier, wie Poitieus Poitiers, Angieus Angiers, nieus (altfr. =
neffe) niers ; s. G. Paris Rom. V, 380, Tobler, Jahrb. XV, 262, Sudiier
Grob. Ztschr. I, 430.
Falavesca. Auch it. mundarten kennen statt falavesca die con-
trafhirte sp.pg. form fal[iv]isca; so friaul. fallisce, bellun. folis'ce, fulis'ce
und vielleicht com. firascola, wo fira für fari und dieses für fali stünde;
Mussafia, Beitr. 54, anm.; s. auch Flechia Post et. 343.
Falda. lieber ein it. vb. afaldare in falten legen, s. Mussafia,
Beitrag 23.
F al 6. Das fr. falot, das heute noch fackd heißt, ist wohl besser
vom altfr. faille = lat. facula abzuleiten, s. Littre.
Fardo. Arab. fard heißt einer der beiden theile eines zwiegetheiUen
gegenständes, und so namentlich einer der beiden die last eines kameds
ausmachenden packe oder ballen; daraus die bed. bündel, last des roman.
worts; Devic, Dictionn.
Fascio. Flechia 365 hält fastello für zsgz. nicht aus fascetello
(bildungen dieser ort seien selten), sondern van fasciatello oder fascitello;
für ersteres spreche das ferrar. fassadel neben fasdel.
Fastidio. Die annähme einer ableitung fasticare ist wohl nicht
nöthig; das sehluß-c oder g in fastig, fastic (woraus vb. fastigar, fasti-
car, adj. fastigos) ist analog dem g in pr. meg (medius), dem c m aloc
(s. alodio) und in aspic (das ich mit donidwv erkläre).
Fägato. Weder pr. fetge, noch fr. foie lassen sich auf ffcatuni
zurückführen; ersteres findet seine erklärung in einer aus figido (bclan.
feghet) umgestellten form fidicum, woraus auch piem. fidich, bergam.
fidech, lomb. fidegh, röm. fedico. Dasselbe fidicum ergab ferner einer-
seits fr. fie, foie, wie medicus mie; andrerseits altfr. firie (Ch. Rol. 1278),
wie medicus mirie. S. G. Paris Born. VI, 132, vgl. mit Tobler Zeitschr.
XXIII, 415 und Mussafia Beitr. 57.
ANHANG I. PELLO-FRANCO. 71Ö
Fello. Wenn sich kein ital. fella findet, so giebt es beispide von
alt fr. feie; so Baud. Cond. 140 \ 194; daraus auch adv. fellement
Felpa. Wenn fr. felpe, feupe eine nebenform von ferpe = fripe
und dieses wirklich von fibra faser herzuleiten ist (s. unten II, c friper),
so darf auch felpa zu fripe gestellt werden; s. Bugge Rom. HI, 148.
Fi no. Die stelle im Gormond ist von Oachet ganz falsch ver-
slanden worden: en dol finä heißt €mit schmerzen geendigt* (finer sterben).
Follare. Toller hat in scharfsinniger weise dargethan, dass ältfr.
afoler wegen seines stets als offen behandelten o von fouler mit geschlos-
senem o zu trennen ist, Zeitschr. XXIII, 419. Das wort bedeute übrigens
nicht sowohl „beschädigen, verderben11 im allgemeinen, sondern „ein leid,
einen schaden am leibe anthun11 und werde nur mit persönlichem objecte
verbunden. Zu dieser bedeutung kommt das wort, meint Tobler, von
der ursprünglichen 'zum narren machen, in der weise, daß mit „narr11
derjenige bezeichnet wird, der im kämpfe, oder einem stärkeren gegenüber
auch sonst, sich als ohnmächtig, nicht widerstandsfähig erwiesen hat (ähn-
lich wird mat gebraucht). Es ist also im gründe gleichbedeutend mit
tenir pour fol „einem übel mitspielen11, wofür mehrere belegsteilen geboten
werden. Tobler stellt auchprov. afolar, obgleich es eine freiere Verwendung
erfahren, zum altfr. afoler; ebenso altspan. afollar. Zur erhärtung dieser
ansieht hat Schder (Bastart de Buillon, zu v. 1058) auch auf den gebrauch
des subst. folie im sinn von Schädigung, verderben aufmerksam gemacht,
so wie auf folier bei Froissart = aler ä folie 'sich ins verderben stürzen.
Folie. Im altnord. findet man das wort ölr trunken für narr ge-
braucht; daraus Schlüssen einige, das roman. wort sei das deutsche voll,
goth. fulls, s. Jhrb. XIII, 225.
Foro. Einzutragen wäre hier das nfr. für (in der redensart au für
et ä mesure), das sich doch nicht anders als durch altfr. feur taxe, preis,
verhältniß, weise, erklären läßt. Auch die fr. redensart ä forfait zu festem
preise, in bausch und bogen, gehört hieher.
Fracassare. Vgl. Caix Grob. Ztschr. I, 423, der eine composition
frac + quassare vermuthet.
Fragrare. Im nfr. fleurer glaubt Suchier (Ghrob. Ztschr. I, 431)
mehr als eine angleichung an fleur erkennen zu müssen; er läßt es aus
dem von Gachet nachgewiesenen altfr. sbst. fleur geruch hervorgehen und
stellt letzteres, für dessen zweisilbigkeit er belege anführt, zu einem lat.
flatorem, das auch it. fiatore (Rivista di f. r. II, 80) erzeugt hat. —
JOieses vorausgesetzte flätor hat auch dem engl, fla-v-our sein entstehen
gegeben, mit welchem schon Ascoli Ztschr. f. v. spr. XVII, 310 unser
fleur in Verbindung brachte, und das Littre suppl. irriger weise mit lat.
fragrorem identißeiert.
Fr an co. Einen interessanten Sprößling dieses Wortes hat Diez un-
berührt gelassen, nämlich das erst im 16. jh. auftauchende vb. franchir
überspringen, übersteigen. Es ist hierin eine naehahmung des glbd. lat.
ausdrucks liberare nicht zu verkennen.
720 ANHANG! FRANGIA -GARBUGLIO.
Frangia. In einem ital.-dtschen glossar des 15. jh. findet sich
franbe „ein willkommener beleg für die mittelform stoischen frimbia (oder
framea) und frangia", Mussafia Beitr. 59.
Froncir. Sbst. fronce, von dem auszugehen ist, könnte sich zu dem
vorhandenen ronce (= disch. runze) verhalten, wie froncher (II. c) m
ronchier (s. roncar IL b). Angleichung an front ist dabei auch denkbar.
S. auch m. anm. au Bast, de BuiU. 570.
Gabbano. Ist das nfr. caban, demLittre arab. Ursprung zuweist,
wirklich dasselbe wort? 'Aba heißt arab. grobes tuch zu mänteln, dann
mantel (vorn offen und ohne ärmel) ; andere deutungen sehe man bei Devk.
Gabbo. Neben gs^p hat das attfrane. ein abgel. gabois (ois = stifjßx
ensis), wie man auch bnfois trifft.
Gabe Ha. Das argument gegen das arab. etymon widerlegt Bevit
durch berufung auf die ital. nebenform caballa, cabella; übrigens sei
Wandlung von arab. q zu g nicht so gar selten, z. b. in algodon von qoton.
Gaglioffo. Eine andere, aber, bemerkt Mussafia (Beitr. 61), wenig
überzeugende deutung von sp. gallofa gibt GdLvani (Glossario modetiese),
Gale Wohlleben. Dieses ursprünglich mit w anlautende wort bringt
Suchier (Grob. Ztschr. 1, 431) lieber mit engl, weal, oder, mit grösserer
Wahrscheinlichkeit, mit mittel-nl. wale in Verbindung.
Galoscia. Schder's deutung von galoche durch calopodia ca-
lop'dia pflichtet G. Paris bei (Rom. III, 113), indem er eine mittelform
calopia voraussetzt; s. auch Mussafia, Beitr. 62.
Gamba. Die Übersetzung des lat. gamba durch ungula erklärt
Rönsch (Jahrb. XV, 174) für irrig; er weist dagegen die bed. fessel nach,
aus welcher erst die rom. 'der theil des beins über dem hufgelenke her-
vorging. — • Das fr. gamache soll nach Devic aus dem attsp. gnadamaci
'ein zuerst in Gadames (Tripoli) und später in Spanien bereitetes leder
herkommen; daraus ebenfalls der in Südfrankreich für grosse r eiterstief d
gebrauchte ausdruck garamaches (gorromatzos).
Garbo. Dem nfr. galbe, das gewöhnlich mit garbo identificiert wird
(Littre, Scheler, Brächet), weist Diez II. c einen gesonderten Ursprung an.
Garbnglio. Caix in seiner abhandlung über die doppelstämmigen
mischwörter (Gröbers Ztschr. I, 424) deutet dies wort durch groppo +
bnglio. Er stützt sich hierbei namentlich auf it. aggrovigliare sich ver-
wickeln, zusammenschrumpfen, das auf ein therm grob hindeute, woraus grab-,
garb-. Das zweite dement zeige sich in snb-buglio, scom-buglio Ver-
wirrung, guazza-bnglio ; es scheine also unser compositum von Italien aus-
gegangen zu sein. — Auch Carolina Michaelis (Studien zur rom. wart-
schöpf. 51 — 54) bespricht garbuglio in ausführlicher weise; sie bestreitet
die Diez'sche deutung (und somit auch die von Caix), „weil eine gemein-
romanische composition dieser art nicht ein einziges mal vorkommt, das
span.-pg. wort aber, wie seine zahlreichen ableitungen beweisen, nicht erst
dem italienischen entlehnt sein kann.u Auch der ausfdtl eines bindevocals
(es müßte sp. garribulle heißen) spreche dagegen. Dem stamme grab garb
ANHANG I. GARGATTA-GRAPPA. 721
(greifen, graben, kritzeln u. s. w.) wurde das suffix uglio angefügt, das
im italienischen oft benutzt wurde, wo mischmasch und Wirrwarr geschil-
dert werden sollte (doch gibt die Verfasserin Zusammensetzung zu in guaz-
za-buglio). Im portugies. hat ulho die gleiche bestimmung; dagegen ist
span. ullo, ujo in den meisten fällen bedeutungsloses füHsuffix und
dient nur ausnahmsweise diesem zwecke. Es ist der Verfasserin auch die
inconsequenz Diezens nicht entgangen, wonach er hier gar-buglio und
Gramm. II, 332 garb-uglio abtheiU.
Gargatt a. Weiteres über diese wortgruppe bietet Mussafia. Beitr. 62.
Garra. Über ein wort jarret ,jpoisson du genre des spares11, welches
Littre s. v. jarret kniebug verzeichnet, das aber ganz anderer herkunft ist
(gerres bei Plinius), verhandelt eingehend J. Bauquier Rom. VI, 266.
Gas. Leo Meyer weist aus den Schriften Van Helmont's selbst nach,
daß dieser das wort gas ganz willkürlich, nur mit anlehnung an das
chaos der alten, ersonnen habe; eine etymologische Untersuchung darüber
sei daher unstatthaft (Zeitschr. XX, 303).
Gas alba. Das vonRaynouard (LR. II, 182) aufgeführte guaralha
ist dasselbe wort, heißt aber nicht streit, sondern geseüschaft, Umgang; P.
Meyer, Rom. IV, 467. — Tobler (Rom. II, 238) belegt auch vb. gua-
zalhar und agasalhar aus dem provenz. An demselben orte verhandelt
derselbe gelehrte über ein andres prov. gazal = mUxt. gadalis „meretriaf1,
von welchem altfr. gaalise, jaelise ' Unzucht* abgeleitet sind.
Gazzetta. Rönsch erklärt dieses wort als eine Umbildung des mlat.
gazetnm schatzbehäUer, schatzkästlein (Gloss. Maii VIII, 258) unter ein-
Wirkung von gazza dster; s. Jahrb. XV, 199. Ansprechend, aber un-
wahrscheinlich.
Giavelotto. Tobler erklärt javelot durch *glavelot, abl. von
glaive „lanzeu (Zeitschr. XXIII, 418); in gavrelot gaverlot garlot sei
das r epenthetisch.
Giga. Scheler vermuthet, es konnte sowohl dem rom. giga geige als
dem fr. gigue gigot bein, hammelskeule (hieraus gigotter sich hin und
her bewegen) als gemeinschaftliche quelle ein deutsches verb mit der bed.
'tretnere^ motitare zugewiesen werden, welchen sinn ahd. geigan, dem altn.
geiga nach zu scMiessen, wirklich gehabt haben muss. Vgl. unten tru-
meau IL c.
Gineta. Nach Cherbotmeau (Journ. asiat. 1849, 1. sem. p. 641)
heißt das {hier auf arabisch djerneit.
Gracco. Analoge fälle zu gracco aus graculus sind it. arbusco
aus arbuscula, vinco aus vinculum, nord-it. bac = bacchio, aus bacu-
lum; s. Storm Rom. V, 174.
Gramo. Neben dem transit. vb. gramoier verdienen auch die in-
trans. altfr. a-, engramir er grämen, sich ereifern (s. Tobler Mittheil.
I, 266) erwähnt zu werden.
Grappa. Mussafia (Beitr. 65) macht auch auf ital. formen mit n
oder m aufmerksam: granfia, aggrantiare; grampa aggrampare.
46
722 ANHANG I. GRATA- LANIERE.
Grata. Mussafia (Beitr. 66) hält besser mail. grella für contrahirt
aus gradella. Er führt auch it. graticella an.
Greve. Littre's deutung von fr. rengräger durch das alifr. adj.
greindre (grandior) ist ein bedauerliches versehen.
Gronda. Daß einfaches grunda auch bei den Römern im gebrauch
war, schließt Bönsch aus einer ghsse bei Läbbaeus I, 83: grunda oriyij
%ai xo vniQ tov nvlewva i£ixov vnbaxsyov. Das compositum findet sich
ebendaselbst I, 177 als subrunda inoaxsyov, p. 179 als BUgrunda mit
den bedd. €x#€tj?s, vnba%syov\ Jahrb. XIV, 338 und XV, 198.
Guadagnare. In betreff des sp. guadana sichel ist Card. Michaelis
anderer ansieht: sie knüpft das wort an den stamm guad, guaz 'mit
einem scharfen instrumente bearbeiten und beschneiden ', aus welchem auch
desguazar 'ein stück nutzholz mit der axt grob behauen hervorgegangen,
und in welchem sie die dtsche wurzeil hvas * scharf (früher hvat) erkennt,
die sich in wetzen erhalten hat. Suffix aöa haben noch andere Wörter
german. Ursprungs erhalten. S. Jahrb. XIII, 204.
G n ad o. Im it. guazzare, diguazzare das ahd. wazzar zu verkennen,
findet Caix (Grob. Ztschr. I, 424) wegen des doppelten z sehr bedenklieh.
— Fr. gächer wird wohl 'richtig auf dtsch. waskan, waschen zurückge-
führt, und ist von it. guazzare au trennen, das dem frone, das sbst.
gouache gegeben.
Guardare. Altfr. esgarder lebt fort im sbst. ägard.
Gubia. JBugge halt das wort für celtisch; altgall. gilb ,f Oratorium
vd rostrum", gilbin „acumine" (Zeuß-Ebd 136), altir. gulpan „aculeum"
Zeuß 60 {für gulban); den stamm gulb stellt er zum gr. yXwpto; Rom.
IV, 368.
Guidare. Bugge(Bom. III, 150) denkt an altnord. vita (=goth.
vi tan) im sinne von bedeuten, vorbedeuten; die grundbedeutung des rom.
Wortes wäre sonach „die richtung, den weg zeigen". Demgemäß entspräche
aUn. viti zeichen, anzeichen dem fr. guidon.
Imbuto. „Schwerlich von in + butis, da butis überall t, tt auf-
weist; könnte es nicht von imbuere sein, mit activer bed. des pari, pass.?"
Mussafia, Beitr. 89, anm.
Imprenta. Ein franz. emprienter fand ich in Baud. Cond. 292,
702 („S'a mon euer si emprientö Dou saiel de la grant biaat6"); die
form erinnert an friente aus fremitus, so daß ein prototyp impremitare
nicht schlechtweg abzuweisen ist.
Lacayo. Die nach Menage aus Froissart angeführte stelle kann
ich nicht finden. — Littre zieht das wort aus dem arabischen.
Laniere. LittrS möcJde auch fr. laniere schmaler riemen flam-
beau de cuir dtchiri') von laniare ableiten, aber dem steht die active bed.
eines typus laniaria von vornherein im wege. Übrigens hat er recht, wenn
er mein etymon lana (laniere wäre zunächst ein wollener riemen) an-
zweifelt; auch habe ich meinen irrthum in meinen l Fragments d'un roman
sur la reine SebOe* (Bull, de VAc. roy. de Belgique 2e Serie t. XXXIX)
ANHANG I. LASCIARE-MALVAGIO. 723
bekannt und dort laniäre, ursprünglich stets lasniere geschrieben, auf lat.
lascinia bezogen. Wenige monate vor mir hatte dies schon seinerseits
Bugge (Rom. III, 154) gethan. In den Rom. Studien I, 437 findet sich
das grundwort lasne {nebst lasnete) genannt
Lasciare. Identität zwischen fr. laier, lomb. laga, tose, laggare
lassen und largare = laxare habenas, fahren lassen, frei lassen sucht
nachzuweisen Caix, Rivista II, 1 74 ; für den ausfaü des r, der jedenfalls
bedenken erregt, citiert er das vereinzelte beispiel spago für spargo aus
sparticus.
Lazaro. Bemerkenswert ist die altfranz. form lazre Trist. 2, s. 24
und Besant de Dieu 1061.
Lendine. Die cot. form Uemena erklärt Storni (Rom. V, 179)
also: "lendena, lenena (n für nd ist regelmäßig im cated), durch dissi-
milation *lemena.
Lievito. Flechia Post. etim. 24 spricht für levitare, aus dem
lievito hervorgehe wie invito aus invitare. Ben einumrf des span. d
statt t beseitigt derselbe durch hinweis auf oblidar, nudar, dudar u. a.
Ascoli (Saggi 69) erklärt churw. levont durch suffix -amen = on mit
epithäischem t; s. auch Mussafia Beitr. 74.
Lonza. Mit Wackernagel stimmt E. Forstemann (Zeitschr. XXIII,
382) über ein.
Lordo. In der zss. balordo erkennt Bugge ad vocem falourde Rom.
IV, 365 das pejorative bis (vgl. it. barlume, bagliore); sp. palurdo mag
aus dem ital. eingebracht sein, wie auch Brächet für das fr. balourd (in
Genf palourd) annimmt.
Lo8a. Bin citat zu gunsten einer celtischen etymologie gibt Lieb-
recht Jhrb. XIII, 226.
Malato. Für ein etymon male habitus sind neuerdings zwei
gelehrte aufgetreten, zuerst Cornu (Rom. III, 377), dann Rönsch (Grob.
Ztschr. i, 419). Ihre verschiedenen belege für das classische habitus
im sinne von „beschaffen, gut beschaffen" sind unabweisbar, und daß
die formet male habitus dem buchstaben besser genügt als das in seiner
bed. gezwungene male aptus kann nicht gdäugnet werden. Bie von
Biet angerufene analogie des dtschen unpässlich ist, wie Rönsch bemerkt,
nickt zutreffend, da hier pass nicht zu passen gehört, sondern das adj.
bass vertritt. Ber haupteinwurf läge im it. malato, aber Cornu hält
dafür, daß er bei dem Vorhandensein eines doppelten t im sbst. malattia
sein gewicht verliere. Bie form malabde in der Passion 116 kommt jeden-
falls der neuen ansieht vorzüglich zu statten. Auch atifr. ate „wohl aufge-
legt, gesund11 hält Cornu für eine nebenform von ade, vgl. coude neben coute.
Malvagio. Bugge (Rom. IV, 362) widerlegt die Biez'sche an-
sieht auf grund der unzulässigkeit einer ahd. form balväsi; er gibt daher
einem lat. etymon den Vorzug und stellt als solches *malvatius auf (unter
vergleich von palatium palais, citfr. belais = bellatius, Sarmaise =
Sarmatia); dieses malvatius zieht er aus *malvatus, sp. malvado, pr.
724 ANHANG I. MANCO -MICIO.
malvat, dttfr. malvä (vgl. it. crojo aus crudus, sp. crasio aus crassus u. a.).
Trotz der beispiele von lat. erweiterung von us zu ius, scheint uns doch
ein fall wie der vorliegende allzu vereinzelt zu stehen. Daß suffix -atus
-ato sich zu -atius -agio fr. ais gestalten konnte, müßte genauer belegt werden.
Man co. Statt des adj. manc hat Rieh, li b. 3774 ein partic. es-
mankiä.
Mangiare. „Manjuer kann eigentlich aus manducare nicht ent-
stehen, sondern die formen wo duc betont ist (mandüco, as, at, ant) wer-
den dasselbe als da (mandue u. dgl.) gestaltet und nur den die endung be-
tonenden formen manducare, -äbam, -Assem u. s. w. zu liebe das g oder j
angenommen haben. Diese erklärung scheint mir annehmbarer eis die
von Diez gegebeneu (Tobler^ Bruchstück aus dem Chev. au lion, 16). Also
ein thema manju bei unbetonter flexionssilbey mang bei betonter; schließ-
lich hat letzteres das erstere verdrängt, ein Vorgang, der sich auch bei
empetrer neben empasturer, bei parier neben paroler erweist (s. parola,
pastoja). Vgl. Rom. V, 155. — Einige merkwürdige starke verbalformen
des vb. manducare aus altfranz. texten bespricht Förster, Grob. Ztschr.
I, 562.
Mare. Unter den abll. wären noch zu beachten sbst. atifr. marois,
und adj. marage (s. m. anmerkung zu Trouveres beiges 212, v. 220 Chardons,
orties, joins marages), -über dessen Ursprung Darmesteter, Mots composes
p. 27, andrer ansieht ist. — In marchais, pic. marquais muß ein stamm
marc angenommen werden; es scheint mit marcassin (s. II. c) verwandt
zu sein.
- Marrir. Caroline Michaelis (Jahrb. XIII, 206) stellt sp. marcana
Verwirrung, so wie sieü. ammaragnar sich verdunkeln, it. marame aus-
schuß, piem. maroca brach, unter eine würzet mar, welcher die grundidee
der dunkelheit, wirre, Unordnung anhängt, und knüpft die genannten Wör-
ter an das gr. fiavQog. Sie hält es für sachgemäßer dieselben von marrir
= goth. marzjan zu trennen.
Mas. Altfr. manant wohlhabend hat sich erhalten mit der bed.
c grober mensch7; s. über die verschiedenen dem warte beigelegten bedd.
Gachefs Glossar.
Menzogna. In cativonia nimmt Mussaßa suff. -oneus an, und führt
aus den ital. mundarten noch andere damit gebildete abstraeta an, als:
piem. ambriacogna trunkenheit, tisicogna Schwindsucht; Beitr. 74 s. v.
levrosonia aussät z.
Merluzzo. Das it. u. sp. wort sind dem franz. entlehnt; fr. mer-
luche, merlus ist zsgs. aus mer + lus (fem. luce, pic. luche) = lucius.
Vom alten sbst. lus (s. Palsgrave p. 241) findet sich bei Littre das von
ihm unerklärt gelassene dim. luset forelle. S. Darmesteter, Mots composes
137 (wo zweimal luscius st. lucius steht).
Mezzo. Der Vf. übergeht hier das fr. adj. mi in mi-chemin, mi-
lieu, mie-nuit {jetzt mi-nuit), sowie das comp, demi =• dimidius.
Micio. Fr. matou kann aus dem veralteten mitou hervorgegangen
ANHANG I. MIRABELLA^ORA. 725
sein wie aronde aus hirundo, oder es ist das a unter einwirkung der
synonymen marcou, marlou, marou (s. mein Biet.) eingetreten.
Mirabella. Fr. myrobalan ist wohl die richtige form; die all-
gemein übliche jedoch ist myrobolan, woraus das volh sogar ein adj.
mirobolant, fem. mirobolante mit der bed. wundervoll, bezaubernd sich
geschaffen hat.
Mulino. Das hier erwähnte pr. revolinar erinnert mich an ein
altfr. avoliner, das ich in einem der texte der von mir herausg. Legende
de Ste Marguerüe s. 27, v. 347 in folg. fassung gefunden habe und das
mir unklar geblieben ist : Par grant aYr le va requerre, Par lee cheveus
le trait ä terre, Le chief ä terre Tavoline (im kreise herumziehen?).
Förster (briefl. mittheilung) glaubt es sei zu lesen: Le chief aval ä terre
cline; dagegen spricht der Zusammenhang.
Munon. Dem bret. mofi entspricht nach laut und begriff altfr.
moing, dem ich ein einziges mal begegnet bin: Adenet Buev. d. Com. 311
Tel coup donne an paien qne del bras le fait moing. — Roquefort gibt
ohne beleg esmougnoner verstümmeln; meinerseits habe ich mit gleicher
bed. esmougonner gefunden (Jahrb. X, 258), aber Mussafia (ib. XII, 111,
und Beitr. 107) stellt dieses lieber mit einem höchst seltenen altital.
smogar verrenken in Verbindung, dessen Ursprung noch unsicher ist
Nasturzio. In Belgien wird die sonst mit capucine, ätsch, pfaffen-
käppchen bezeichnete pflanze mastouche genannt, welches wort Grand"
gagnage wohl richtig von nasturtium ableitet.
Naverare. Herleitung dieses rom. wertes aus dem ahd. nabager
ist nach buchstaben und bedeutung unstatthaft. So urtheüt richtig G.
Paris (Rom. I, 216), indem er dafür folgende entstehung conjiciert. Aus
dem dtsehen narbe (a. und mhd. narwa, narwe, dän. narv, schwed. narf),
dem auch die bed. „rauhe seite des leders11 zukommt (der vermittelnde
begriff wäre <rüz, schramme'), sproß ein rom. subst. navra, nafra (vgl.
vbvqov und nervus), aus diesem das vb. naverare, das noch mundartl.
„aufritzen, die innere seite der haut aufdecken, beschädigen11 heißt. Zur
vollen gewißheit käme diese vermuthung, wenn sich ein rom. nafra im
sinne von narbe oder innere seite der haut aufspüren ließe.
Navilio. NachTobler (Rom. II, 242 J ist fr. navire von navigium
und = altfr. navie mit eingeschobenem r; s. mire IL c.
Nu ca. Daß nuque rückenmark bedeutete, belegt Littre durch mehrere
beispiele; die arab. herkunft befürwortet namentlich Defremery im Journ.
asiat. aoüt 1867, p. 182; sie möchte wohl auch das fehlen des Wortes im
walachischen begreiflich machen.
Ola. Zu berücksichtigen ist noch pg. folla da mar. Devic möchte
das rom. wort aus dem arab. ausdruck baul schrecken, der mit meer ver-
bunden (also „schrecken des meeres11) stürmische see bedeutet.
Ombelico. Fr. lombril = nombril findet sich Bestiaire de Ger-
vaise 306 (Rom. J, 430).
Ora. Suchier, der auch anderswo (s. oben anche und gier II. c)
726 ANHANG I. ORBO-PASTOJA.
•
die existent eines archaischen äblativs ha (entsprechend dem ho in hodie)
vor aussetzt , schlieft aus dem stets offenen o des fr. ore, und aus dempr.
ara auf ein etymon ha hora. Encore sei zsgs. aus enc (= anche) und
ore (= ha hora); lores sei = illa hora, also hier auch das offene o aus
a + o entstanden ; s. Grob. Ztschr. I, 431.
Orbo. Vom altfr. orb hat sich das dim. orvet erhalten mit der bed.
blindschleiche. — Erwähnung verdient auch noch altfr. essorber blenden
z. b. Jean Conde I, 153, 57.
Orlo rand. Carol. Michaelis (Jahrb. XI, 294) glaubt das Hol.
wort sei dem frans, (masc. orle) entnommen, das span. orla dagegen un-
abhängig vom lat. ora; dieses ora könne nur der form orilla (pg. ourela)
zu gründe liegen, das niemals in correcter weise im sinne von fr. ourlet
gebraucht werde. Diese Scheidung der strengen bed. zwischen orla und
orilla veranlaßt sie sp. orla, wie it. orlo, auf fr. orle zurückzuführen und
letzteres mit dem ags. orl rand, säum zu identifizieren, das seinerseits
dem walisisch' gaelischen or, oir entstamme. — So scharf diese ansieht
auch durchgeführt ist, sieht man nicht ein warum orle nicht eben so gut
von orulus oder orula herkommen sollte als perle von pirala und
posterle (n/V. poterne) von posterula.
Paese. Die franz. spräche kennt auch pays, fem. payse, mit der
bed. landsmann. LittrS irrt sich, wenn er für pays einen typus pagesius
aufstellt
Palandrano, mail. balandran; daneben bresc. crem, pelanda; s.
Mussafia, Beitr. 86. Schneller (Romanische mundarten in Südtirol HO)
leitet das wort von balandra herumschweifende person, taugenichts, eig.
wandernd, pilgernd, und vermuthet es habe ursprünglich einen püger-
mantd bedeutet. Sein etymon ist ahd. wallandaere (Übergang von w zu b),
indem er lat. balatro tagdieb für unzulässig hält. Über die Verwandt-
schaft von obigem pelanda mit dem noch unaufgeklärten fr. houppelande,
sp. gopalanda, pg. opalanda, so wie über einen versuch zur deutung des
letzteren von Bugge, sehe man Mussafia Beitr. 86 und Rom. III, 164.
Palpebra. Die vielgestaltigkeit der roman. formen rührt außer der
Schwankung des accents von der gedoppeUheit des etymon; mehrere der
formen weisen auf palpetra, der bekannten nebenform von palpebra; so
pr. palpet, crem. ferr. romagn. palpedra, neap. parpetola, piac. parpella;
s. Ascoli Ztschr. XVI, 200 und Mussafia Beitr. 85.
Parola. Das altfr. vb. paroler betreffend, so ist erwiesen worden,
daß das volle thema parol nur in den fällen tonloser endung sich zeigt
(je parol, ils parol eut); ein infin. paroler dagegen ist nicht nachweisbar,
muß also aus den Wörterbüchern gestrichen werden. Das mundartlich ge-
brauchte paroler (pic.) oder pairolai (bürg, neben palai) hat entweder die
begriffsschattierung 'worte machen, schwatzen oder ist eine entsteUung von
perorer. Im prov. indessen wird sowohl paraul als pari in sämrnüichen
ftexionsformen gebraucht, s. Cornu, Rom. IV, 457.
Pastoja. Das von altfr. pasture abgeleitete verb war empestrer
ANHANG I. PATTA-POLTRO. 727
bei Manier endsübe, empasturer bei unbetonter; dasselbe verhältniß also
, wie zwischen parier und paroler (s. oben parola). S. Rom. V, 155.
Patta. Neben sp. patear wäre auch altfr. patoier patschein zu
nennen, Ren. 5866, und unier den im folg. art. genannten, zu derselben
famüie und bed. gehörenden verben hätte vorzüglich das so übliche fr.
patanger eine erwähnung verdient.
Pelare. Warum sollte denn fr. peler schalen, die haut abziehen,
nicht eben so gut von pellis abgeleitet werden, als pelisse und pr. pellar?
— Von altfr. pelain (Baud. Conde 179, 100) = it. pelame, sp. pelam-
bre kommt wohl fr. plamer ein feil aurfetten.
Pellegrino. Die rom. form pelegrinus erscheint schon auf einer
inschrifi v.j. 860 (bei Rossi I, p. 82, nr. 144); RSnsch Jhrb. XIV, 339.
Perla. Zu beachten sind die ital. ausdrücke peroli, piroli für
birnenförmige ohrengehänge, knöpfchen; Mussafia, Beitr. 87.
Pertugiare. Die deutung von fr. percer durch pertnsier ist eine
kühriheit Menage9 8, die man mit befremden bei Diez wiedertrifft; schon
die picard. form perchier spricht dagegen. Meine frühere annähme per-
cer möchte aus per entstanden sein, wie avancer aus abante, obgleich von
Littre befürwortet, befriedigt mich ebensowenig. Wohl stimmte pic. per-
chier, aber nickt fr. percer, zu *perticare 'mit einem spitzen steck durch-
bohren", vgl. empaler spießen von pal; vgl. auch die form perchant Stoßwaffe
(Bast, de Buillon 1710 u. 2778). Sollte nicht auch in derselben weise
nüat. traucare, woraus fr. trouer, in *trabicare, also in trabs, seinen
grund haben?
Piato. Diese ital. form des lat. placitum, plac'tum kann nur,
meint Ascoli (Saggi lad. 81), auf grund einer zwischenform piäito ange-
nommen werden, vgl. die entsprechende neap. form chiajeto.
Piva. It. piuolo muß von piva getrennt werden; es entspricht viel-
mehr einem lat. piriolum (= *pijuolo), welches letztere, wie ngr. neiqiov
schraube, dem vb. neiqta bohren entstammt; Flechia, Post. etim. 311—317.
— Franz. pivot leitet Scheler, mit rücksicht auf das begriffsverwandte
piton, vom stamm pit: also pitot, pi-ot, pi-v-ot.
Poledro. Nach der analogie von' porcetra junge sau (GeUius
XVIII, 6) setzt Storm (Rom. V, 181) auch die existenz von pnlletra
(woraus pulletrus) voraus. Das e muß in beiden Wörtern kurz und ton-
los gewesen sein, wenn auch Freund porcetra schreibt; dieses e konnte
einerseits zu I werden, daher püllitrus (Ascoli, Saggi lad. 18), anderer-
seits offen und betont, wie es dem in tenebrae (sp. tinieblas) ergangen,
daher it. potedro, sie. puddftru.
Polizza. Das etymon pollex erregt manches bedenken; ich möchte
eher das von Diez in den zwei ersten ausgaben aufgestellte polyptichum
wieder aufnehmen; eine form poliptium würde freilich nicht dem accent,
doch dem buchstoben genügen; das wort mag zuerst einen registerauszug
bezeichnet haben.
Poltro. Über fr. pleutre wagt Bugge (Rom. IV, 364J eine andere
728 ANHANG I. POTARE-RICAMARE.
•
deutung, nämlich durch ahd. plodar „degener", blöder ,/ormidolosusu,
altn. blaudhr ,}imbellis, ignavus, mollis".
Potare. Das alt fr. potin habe ich in meiner ausgäbe des Gormond
durch 'pfau erklärt; die von Die* hier gegebene Übersetzung durch fhippe*,
die ich bei abfassung meiner anmerkung unfreiwillig übergangen hatte,
scheint mir durchaus unzutreffend.
Pote. Liebrecht (Jhrb. XIII, 227) vergleicht altn. pottr kessel,
und su pot lippe engl, poat schmollen, maulen.
Pozione. Dem prov. poizonar entspricht altfr. puisnier.
Pregno. Den rom. verben emprenhar/f. entspricht das bei Quicherat
belegte tat. impraegnare. Der Franzose hat nur noch die gelehrte form
imprägner; die alte spräche jedoch hatte empraigner, und zwar auch mit
intransitiver bed.} so les voiles enflent et empraignent da vent Guill.
de Palerne 4692.
Prigione. Auch alt franz. trifft man prison im sinne von er grei-
fung, angriff, so Baud. Conde 310, 1231 (im reime mit prison gefängniß).
Zu bemerken ist noch, daß die bed. gefangener im ital., prov. (preyo LR.)
und altfr anz. mit genuswechsel verbunden ist
Raggio. Neben rayer sagte das altfr. auch röer; daher die altfr.
redensart k r6e stromweise.
Rallar. Flechiafs deutung von fr. railler durch einen typus ragu-
lare {aus ragire = bragire, fr. braire) möchte doch bedenken erregen
(s. Post. et. 379 anm.); der begriff kratzen liegt ja auch in rampognare,
vgl. dtsch. hecheln.
Rangifero. Lappisch-finnisches raingo ist nicht vorhanden nach
Beauvois (Revue crit. 1870, nr. 6 p. 67).
Rascar. „Ascoli (Studii critici II, 106) bestreitet rasehiare von
raöiculare und nimmt ein altes rastlum statt rastrum an: aus ersterem
wurde rasclum und rasclare. Dagegen scheint sard. rasigare zu sprechen,
das wohl nur ras-icare entsprechen kann.a Mussaßa, Beitr. 93 anm.
Ratto. Das venez. pantegan leiten auch Mussaßa und Flechia,
auf grund der formen mod. pondegh, mant. pontga u. o., von ponticus
ab; s. Beitr. 69 und Post. et. '370.
Reame. Verschieden von roiaume ist das von Diez unerwähnt ge-
bliebene, sehr häufige altfr. royon; Schuchardt Vok. II, 226 weist letz-
terem ein etymon *regumen zu, aber hätte dieses nicht reün ergeben {vgl.
altfr. leün von legumen)? Passender scheint mir die etymologie regionem
mit annähme eines genuswechsds (vgl. soupgon).
Regalare. Zu gunsten meiner ansieht, wonach das vb. von gala,
gale Wohlleben herzuleiten, gibt Suchier (Grob. Ztschr. 431) den umstand
zu beachten, daß im nprov. ein einfaches galä mit ders. bed. sich findet.
Reganar. Bedenken zu der Diez' sehen deutung der hier bespro-
chenen verben, namentlich des fr. ricaner, $. bei Littre und Schder.
Ricamare. Neben arab. raqama stellt Rönsch das ältere hebr.
rakam „TtoiTuXXeiv" (Exod. 26, 36); Grob. Ztschr. I, 419.
ANHANG I. RIFUSARE- ROCCA. 729
Rifusare. Warum das so nahe liegende lat. ref andere übergehen,
das auf romanischem gebiete durch refusare vertreten wurde, wie audere
durch ausare, uti durch usare? Die bed. zurücktreiben, verstoßen ist für
refundere in einzelnen fällen außer zweifei gestellt S. Andresen, Jahrb.
XII, 113 und Schder's Biet. Andresen betont noch den umstand, daß
im gründe lat. refusare nur als eine nebenform von refutare gefaßt wer-
den kann. Brächet nahm eu einer undenkbaren form refutiare seine Zuflucht.
Rima. Arrimer schichten (die Schiffsladung vertheilen) ist doch
wohl nicht zu trennen von dem unter rombo besprochenen (nicht mefir ge-
bräuchlichen) arrumer {zu diesem vgl. deutsch aufräumen).
Risicare. Devic ist geneigt risco gefahr mit arab. rizq 'das was
einem zufällt, geschieh3 zusammenzustellen, eine ansieht, die ihm durch
sp. arrisco unterstützt zu werden scheint. Das argument aus arrisco ist
nicht glücklich, denn dies sbst. ist wohl vom compositum ar-riscar ab-
zuleiten.
Ritorta. Aus dem attfr. roorte reorte hat sich das nfr. rouette
gebildet, das Littre fälschlich als ein dim. von roue betrachtet. Es ist
aus reote (tilgung des r vor t) umgestellt, wie moelle aus meole, pg.
joelho aus jeolho; Tobler, Zeitschr. XXIII, 418.
Rivellino. Vielleicht von re-vallare, woher zunächst *rivallo,
und daraus, durch anlehnung an rivella, das dim. rivellino; re könnte
auch schon dem sbst. vallo vorgesetzt worden sein, wie in ripiano zweiter
plan (vgl. Gramm. II 430); Storm, Rom. V, 182.
Rivescio. Auf das Diez' sehe fragezeichen hinsichtlich der Selb-
ständigkeit des fr. revSche antworten Brächet und C. Michaelis (Studien
z. rom. wortsch. 261) im sinne italienischer herkunft; das hohe alter des
worts läßt daran zweifeln, während andrerseits die form revesche
(:empeesche Born, de la Rose; :flammesche Grautier de Coinsy) als fremd-
artig einiges bedenken erregt. Ist überhaupt die gleichung rivescio =^
reversus gesichert und wäre nicht eher entlehnung des ital. Wortes aus
dem franz. denkbar? Letzteres stimmte wohl zu *reversicus (vgl. pfeche
von persica), aber eine solche büdung darf kaum vorausgesetzt werden. —
Diez stellt hier neben revfeche ein altfr. revois, läßt es aber unbelegt.
Findet sich irgendwo ein fem. revoise, so ist die existenz dieses Wortes
(= revefrjsus) gesichert; wo nicht, so möchte hier eine Verwechslung ob-
walten mit altfr. revoit = revictus, über welches ich mich (Berte a: gr.
p. 770) ausführlich ausgesprochen habe, und das sich zuweilen, dem reime
zu lieb mit ausl. s statt t vorfindet, so Gilles de Ghin 5113: Ha Cheva-
lier couart revois. — Zu untersuchen bliebe noch, ob sp. rebeco mit fr.
reveche (wie G. Michaelis 260 vermuthet), oder nicht vielmehr mit it.
rimbeccare, rimbeeco, fr. se reb6quer zusammenhängt. — S. auch über
revois, revoit und revSche Tobler, Gott. gel. anz. 1874, s. 1050.
Rocca. Den von Diez vorgeschlagenen lat. formen rüpea rupja
für roccia röche widersteht das offene o der rom. formen; auch rupica
für rocca ist abzuweisen; es ist also von rupes, meint Förster (Grob.
730 ANHANG I. ROTTA-SCALOGNO.
Ztschr. II, 86), durchaus abzusehen, und ein typus *roccum anzunehmen.
Diesem typus weist auch der genannte gelehrte das vielgedeutete nfr. rosser,
pr. a-rossar (altfr. roiscier Guill. d'Angl. s. 87, roissier Gautier de
Coinsi 329, 89) zu, das sich zu rocceare verhalte wie rochier (werfen) zu
roccare (vgl. crosser = crocceare und crochier = croccare). — Wie
aber läßt sich begrifflich die deutung Förster's für rosser behaupten, und
wo ist die quelle von roccum zu suchen?
Rotta. Andere bedd. des fr. route und routier, die sich der des walloti-
rote „rang, ligne, file" anschließen, habe ich im glossar zu IVoiss. Chran.
v. routier 2 und in dem zu Buev. de Comm. v. route und de route her-
vorgehoben. — Wenn wirklich brfs6e altfr. im sinne von route gebraucht
worden ist, was belegt werden müßte, so beruht immerhin der fr. ausdruck
„marcher sur les brisees de qqn.u auf einer anderen anschauung, und be-
zieht sich auf die durch abgebrochene zweige bezeichnete fahrte des wildes.
Brisees wird demnach synonym von traces, errements.
Sacco. Ich halte sacco ff. für eine suffixlose verbaiableitung vom
rom. vb. sacare einsacken; neben sac hat das franz. auch (mit suffix) sac-
cage, woher erst vb. saccager, das nicht dem sp. saquear beigeardnä
stehen sollte. Auch escala als nomen actionis hängt mit scala nur mit-
telbar durch das vb. scalare (altfr. escheler) zusammen. Liäre (v. sac 2)
schiebt mir irrthümlich die ansieht unter, daß sac plünderung von saquer
Hirer herzuleiten sei; ich habe das wort Hirer ausdrücklich vermieden
und dafür 'empocher gesetzt, da ich ja (vielleicht mit unrecht) sacher,
saquer einsacken und sacher ziehen aus verschiedener quelle leite. Auch
unter saccade finde ich bei LittrS einen für mich mißlichen druckfehler,
nämlich Italien scaccare' (lies staccare). — Meine conjeetur betreffend
ahd. scäh gebe ich angesichts des häufigen altfr. eschec beute, plünde-
rung (s. scaeco) gerne dahin.
Salma. Ich leite it. assommare, das nicht überladen bedeutet, son-
dern vollenden, so wie fr. assommer todt schlagen, nicht von somme last,
sondern von summus letzt; dies könnte dem etymon totus für tutare
(s. unten) einigen Vorschub leisten. — Was die form des sbst. sommelier
betrifft, so ist Tobler (Rom. II, 244) andrer ansieht als Diez, der ein
dim. somella zu gründe legt. Es sei eine directe abl. von sommier last-
(hier und bezeichne sowohl den aufseher über die lastthiere als den treiber
derselben; es lautete zuerst somerier (vgl. sorcellerie für sorcererie, con-
tralier für contrarier); man findet auch t statt r in sommetier Guiart II,
6571, somettere Livre des Mart. 383; vgl. papetier neben paperasse.
[Auch prov. saumatier GProv. 48]
Sargia. Schuchardt (Zeitschr. XX, 251) stellt gleichfalls zu serica
das span. sarco eine art wollenrock; auch alban. särkfe, altslav. sraka u. a.
Scalogno. Beachtung verdienen die altfr. und mundarü. form
escaloigne (vgl. meine Lexicographie lat. du 12e et 13* s., p. 76, und
Gloss. de Lille 42a), aus welcher Schalotte durch suffixvertauschung her-
vorgegangen ist.
ANHANG I. SCANDELLA-SERA. 731
Sc&ndella. Schon die Römer kannten scandula als eine art körn,
s. Forcettini; damit fällt jeder zweifei über den Ursprung des rom. worts;
s. Flechia, Post. et. 352. Schon Rönsch (Jahrb. XIV, 340) hatte auf
das acht römische scandula aufmerksam gemacht und dabei citiert Edidum
stratonicense de pretiis rerum vom j. 316 n. Chr.: scandulae sive speltae;
Isidorus Origg. XVII, 3, 11: scandula (dl. scindula) a divisione vocata,
duplex est enim scanditurque (al. scinditur), id est dividitur.
Scarpa. Scheler (Dict. etym.) fragt beiläufig ob fr. escarper,
sp. escarpar sich nicht auf lat. scalpere zurückführen lassen konnten {vgl.
it. scarpello = scalpellum); statt dessen sagt Littre, Seh. halte dafür
scarpa sei eine abl. von lat. scalpellum Kpetit couteau. Das mißverstand-
niß ist allzu stark, als daß ich nicht dagegen protestieren sollte. Meine
muthmaßung, das sp. escarpar möchte mit dem dtschen schrapen, engl.
scrape zusammenhängen, blieb dagegen unbeachtet; ich wiederhole sie hier,
indem ich auch an schwed. skräf jäh, dtsch. schroff, die wahrscheinlich
stammverwandt sind, erinnere. — Eine arab. deutung von scarpa schuh
u. s. w. versucht Devic, aber in nichts weniger als überzeugender weise.
— Fr. escarpin ist noch sehr im gebrauch.
Scartare. Gegründete bedenken gegen die ableitung von carta
werden in lAürSs Suppl. erhoben auf grund eines textes aus dem 13. jh.,
worin escarter Tost (sich vom läget entfernen?) vorkommt und wofür die
deutung mettre au quart = ä quartier, ä part vorgeschlagen wird* Littre
citiert auch aus Ben. Chron. de Norm. 9281: Nul autre escard n'i sai
tronver (ausweg?).
Schiantare. Eine andere etymol. erklärung des rom. Stammes
sciat (sclant) bietet Ascoli (Zeitschr. XVI, 209); er erkennt darin ein
altrom. thema sclap-it; vom primitiv sclap kommt it. schiappare holz Mein
spalten; s. auch Mussafia, Beitr. 55.
Schiena. Einer der von Mussafia behandelten ital.-deutschen glossare
(Beitr. 101) hat schena ,jschinpeinu.
Schifo. Altfr. esquiper heißt nicht sowohl sich einschiffen, als vom
ufer fahren, abschiffen, s. mein gloss. zu Froissart.
Scotta. Neben altfr. escote setze nfr. 6coute.
Sedio. Abi. prov. setjar setzen; Quäl, de la Barre fol. 28d La
comtessa vas setiar, wo wohl se setjar gelesen werden muß.
Sentare. Die von Diez zum beleg eines altfr. assenter 'setzen
angerufene stelle aus Berte ist nicht glücklich gewählt; s'assente ist dort
der präs. conj. von assentir zu teilten sein; Toblcr Qött. gel. anz. 1874,
s. 1040 steüt daher das Vorhandensein des aufgestellten Wortes in abrede;
ich möchte nicht so unbedingt verfahren, denn in demselben gedieht (v.
1248 meiner ausgj liest man: „Ha ermttes", fait ele, „Dieu Tarne o lui
assente", wo die bed. setzen sich kaum abweisen läßt und es sich nur um
die ztüässigkeit der conjunetivendung handeln könnte.
Sera. Sereno u. s. w. ist einfach das lat. serenus, das die volks-
etymologie natürlicherweise mit sera in beziehung setzte; so hat sich auch
732 ANHANG I. SETTIMANA-STANCO.
sp. forensc, it. forese von foras gebildet unter atdehnung an forensis von
forum; Storm Rom. V, 182.
Settimana. Mit dem cot. werte doma vgl. das von Mussafia
(Beitr. 52) behandelte glbd. altiU domada.
Soldo. Eine franz. abl. mittelst icare gab soudoyer, in sold nehmen;
verschieden davon ist altfr. soudoiant, souduiant, von subducere verführen,
betrügen.
Sorn. Meine im Dict. ausgesprochene vermuthung eines etymon
Saturnus „der finstere gottu wird von Storm getheilt ; nur ist ihm Saturnus
der unheilbringende planet im gegensatz zum Jupiter, dem bekanntlich das
<*dj- jovial sein entstehen verdankt. Diese auffassung bestätigt er mit fr.
saturnien, engl, saturnine 'düster . Die bildung von sorne aus sadorne,
*soorne ist der reget gemäß ; nur möchte das prov. wort, da in dieser
spräche ausfall des t selten ist, dem franz. entnommen sein. Susornione
paßt freilich nicht zu dieser etymologie; auch hält es Storm für nah ver-
wandt mit susurrare. Sp. sonia nacht und altfr. sorne dämmerung, sagt
derselbe, erinnern an das im Pariser rothwälsch übliche und von Victor
Hugo in den Miserables gebrauchte wort sorgue = nacht, bei welchem
Bugge einwirhmg von morgue vermuthet; s. Rom. V, 184, und über
sorgue sorgne, Francisque Michel, Dict. d'argot. 386. Mit sornette
(II. c) scheint unser wort nicht verwandt zu sein; doch ließen sich die
bedd. unschwer vereinigen (s. mein Dict. s. v.).
Sortire ausgehen. sDa t aus d unannehmbar, ist lÄttrSs ansieht,
sortir sei eine doppelform von sourdre, abzuweisen. Auch die etyma ex-
ortus (Rönsch, Jahrb. XIV, 175) und sevortere ( Böhmer, Jahrb. X, 2U0)
finden mit recht keine büligung bei Storm (Rom. V, 183), welcher das
schon bei Fra Guittone vorkommende it. sortire direct aus dem bei Festus
(297, ed. Müller) als häufig von Livius Andronicus gebraucht bezeichneten
partieipium sortus /hervorgehen läßt.
Spada. über altfr. inspieth s. G. Paris zu St. Leger 38f (Rom.
I, 316).
Spinace. Devic weist die abl. von spina unbedenklich zurück; das
rom. wort komme vielmehr vom glbd. arabisch-pers. isfinädj, ißfanädj,
aspanakh (mgr. onava%iov), was einleuchtend dargethan wird. Die roman.
formen mögen freilich unter einfluß von spina sich gebadet haben.
St an co. Der versuch Bauquiers (Rom. VI, 452), die verba estan-
car ff., so wie tancar, von einem prov. *estanc tanc im sinne von sperre
und = dtsch. stang (npr. tanco) herzuleiten, woraus estanc = 'abgesperr-
ter räum, teich\ sei hier, wo nicht befürwortet, doch erwähnt. •— Wichtiger
ist die frage, ob altfr. sanchier hemmen, stillen, sättigen (s. Schder Saud,
de Condi p. 508, Gloss. des poes. et des chron. de Froissart, Bast, de
Buill. 4079), wie Scheler meint, = stancare sei (anl. st zu s erleichtert,
wie, nach Seh., auch in saison, saisir u. a.), sonach ein doublet von
estanchier. Abgesehen vom anlaut erhebt Tobler gegen dieses etymon zwei
einwürfe: erstens sei sanchier nicht zu trennen vom glbd. essanebier
ANHANG I. STOFFA-TESTA. 733
(Band. Seb., H. Cap.7 Aiol), zu dem es sich verhalte wie saier zu essaier;
zweitens weise der umstand, daß das vorzüglich dem norden eigentümliche
verb im auslaut niemals ein k oder q eintreten läßt und sanche mit puis-
sance reimt, auf einen Stammesauslaut auf ti oder ci hin. Biese rücksichten
beseitigen allerdings das etymon staneare; ob aber das von ToUer dafür
conjicirte *exemptiare „der Wirksamkeit entheben, außer thätigkeit setzen,
befriedigen, genüge thun" das richtige sei, möchte ich nicht geradezu be-
stätigen. Wenn mein s für st geltung finden sollte (vgl. unten IL a. stag-
gire), möchte ich lieber stantiare 'zum stehen bringen vorschlagen; es-
sanchier konnte übrigens im gründe nur ein verstärktes sanchier sein. 8.
Gott. gel. ans. 1877, st. 61.
Stoffa. Hinsichtlich des it. vb. stoppare zieht es Mussafia vor,
dasselbe mit jenem weitverbreiteten und der verschiedensten bedeutungen
fähigen stamme top in Zusammenhang zu setzen, welcher auch dem deut-
schen s-topfen zu gründe liegt (s. toppo): s wäre also präfix; man findet
mit ad- sicil. attupari; s. Beitr. 112.
Stoppia. Biese it. form erklärt sich am natürlichsten mit Mus-
safia (Beitr. 57, anm.) durch annähme einer durch die labialis geförderten
gegenseitigen steUevertauschung der vocale; also stipula stupila stupla;
vgl. fibula, piac. fubbia. — Ein rustik-lat. stupula findet sich schon, be-
merkt Rönsch (Jahrb. XIV, 340), im uralten bauernkalender bei Gruter
p. 138: stupulae incenduntfur ?] ; in der anderen della Valley sehen abschrift
steht die syncopierte form stuplae.
Stordire. Die roman. formen haben geschlossenes o; deßhalb weist
Förster das et. torpidus zurück und nimmt das von Diez aufgegebene
et. turdus als vollkommen passend wieder auf. Span, und pg. aturdir
stimmt zwar nicht zu tordo, aber man findet auch sp. atordir, und neben
pg. corto hat sich ja auch vb. eneurtar festgesetzt; s. Grob. Ztschr. II, 84.
Strada. Boman. Ursprungs ist wohl auch engl, stray umherstreifen,
irren, s. E. Müller.
Strega. Bolopathos8668—'9 Lai vinrent malvais esperit Que ces
gens apelent estries.
Stroppolo. Über die Verwendungen des tat. struppus stroppns
im romanischen, s. Mussafia, Beitr. 112.
Stufa. Ist nach Bugge auf roman. boden entstanden (Rom. IV,
366): vb. stufare, das dem subst. vorausgieng, ist == ex-tufare, ein
vcilksthümliches von zwpog dampf (s. tufo) abgeleitetes wort ; präfix ex wie
in excalefacio. Heute noch heißt ätuver dämpfen
Targone. Die vorsübe es im port. estragäo könnte der arab. ar-
tikel el, et sein, den die emphatische ausspräche des t entstellt haben mag ;
s. Devic s. v. estragon.
Tartaruga. S. auch Mussafia, Beitr. 34, s. v. bissasendara.
Tas so. Rönsch (Grob. Ztschr. I, 420) halt mlat. taxns für hebräi-
schen Ursprungs; es sei wie das dtsche dachs dem hehr, vnq nachgebildet.
Testa. Bas erwähnte dttfr. tes findet sich in der reget nur für
734 ANHANG I. TIRARE-TUTARE.
test-s (so os für ost-s); sonst test; in der stelle des HBord. 195 muß die
var. test (oder tiest) vorgezogen werden; 8. auch Toller Mitth. I, 269.
Tirare. Über altfr. tire = verdruß, Unannehmlichkeit s. mein
glossar zu den Poesies de Froissart; vgl. auch engl, tired müde, überdrüssig.
Torso. Neben tros bestand auch mit der bed. „abgebrochener tanzen-
schaftu die zss. retros (Brt. 3189, 12973; Atre perül. 4784 retrox und
4624 retrois im reim mit fois), die auch im Rou ed. Andresen 3897
(st. recors) zu lesen ist; s. Förster, Grob. Ztschr. I, 158.
Toso. Ich halte mit Liebrecht (der auch sicil. carusti knabe tu
carusari stellt Jhrb. XIII, 225) zum etymon tonsas, als synonym von
imberbis gefaßt.
Treccare. Storm (Rom. V, 172) bekennt sich zu dem von Die2
afjgewiesenen etymon trlcari; letzteres sei trfccare geworden, wie glüttas,
cuppa aus glütus, cüpa; daraus regelmäßig it. treccare, fr. trecher und
tricher.
Tregg6a. In der stelle aus Papias ist, meint Liebrecht (Jhrb.
XIII, 228), Graecos statt Hebraeos zu lesen ; es wird auf gr. xolXvfia
angespielt.
Trinchetto. Scheler citiert das von Müller erwähnte lat. trique-
trus, das auch Storm (Rom. V, 186) als etymon anerkennt. — Sp. trinca
ist aus *trlmca entstanden und verhält sich zu trinus wie unicus zu unus;
liugge, ibid. anm.
Tromba. Nach Tobler (Gott. gel. ans. 1874, s. 1044) heißt das
fr. tromper eigentlich posaunen, dann ausposaunen, refl. sich ausposaunen
(de qqn. mit bezug auf einen, über den man sich also lustig macht), end-
lich trans. zum narren heilten, foppen, höhnen.
Tropa. Storm (Rom. I, 490) stellt mlat. troppus zum german.
thorp, torp, dessen bed. menge, trupp, heerde aus den scandinav. dialeäen
nachgewiesen wird; auch in der Schweiz heiße dorf Zusammenkunft, Ver-
sammlung („einen dorf halten"). Obwohl lat. turba mit richtiger lata-
Verschiebung zu thorp stimmt, könne es doch nicht unmittelbar eine form
troppus erzeugt haben.
Truan. Wenn in diesem wort ein rom. thema truc angenommen
werden darf, wäre hier noch fr. trucher betteln, faulenzen zu erwähnen,
das übrigens auch mit trut-icare sich verträgt.
Trucco. Es bleibt zu untersuchen, ob das hier erwähnte venee.
strucare auspressen von dem unter stringa erwähnten gleichbed. stricar
wirklich, wie Diez meint, zu trennen sei; s. Mussafia, Beitr. 113.
Tatare. Die von IAttre aufgestellte etymologie tuditare oder *tudare
hat sehr geringe Wahrscheinlichkeit; wie Mussafia (Beitr. 52) richtig be-
merkt, ließe ersteres keine Schwächung oder elision des t zu und vom zweiten
würden sich die formen mit t schwer erklären. Ascoli (Saggi ladini 36)
stellt in längerer sehr beachtenswerther ausführung lat. tötus als etymon
der roman. wortgruppe tutare auf. Von tötus oder vielmehr tutus (it.
tutto) bildete sich tutare, extutare (dotier stutare) mit den bedd. vollenden,
ANHANG I. UGUANNO-VILUPPO. 735
den garaus machen (vgl. terminare und exterminare). Eine weitere ana- ,
logie bietet assommer von summas. Man bedenke auch unser deutsches alle
machen = töäten.
Uguanno. S. weitere mundartl. formen des it. worts beiMussafia,
Beür. 23.
Uracano. In Central- America heißt oder hieß Hurakan der stürm-
gott; Liebrecht Jhrb. XIII, 238.
Urlare. Wegen chiurlare ist nachzusehen Schneller 164, der ein
sbst. chiurla ende voraussetzt, und diesem eine herkunft vom dtsch. quirl zu-
weist, weil die eule beim Vogelfang auf einen pflock gestellt wird und auf
einem fuße stehend beim anziehen der schnür sich dreht (vgl. it. ciurlo,
nebenform von chiurlo).
Valigia. Eine andere deutung versucht Ascoli (Saggi lad. 512
anm.): „Le voligie non sarebbero esse i vahri, väle a dire li cose di
qualche prezzo, c?te il viaggiatore porta seco?' — Devic erwähnt arab.
oualiha ' Saccus frumentarius, cqphinus magnus undpers. walitchä, großer
sack, weiß jedoch nicht, ob diese Wörter in diesen sprachen einheimisch sind.
Veglia. Neben pg. vigia war auch fr. vigie schiff wache zu erwähnen.
Verrina. Das etymon veru für vrille konnte sich nicht mehr be-
haupten, nachdem die ältesten formen dieses Wortes, denen das r fehlt, zu
tage gefordert waren. Die vonLittre belegten Wörter viille, veille mußten
bald die etymologie viticula hervorrufen, welche denn auch zuerst von
Bugge (Born. III, 160) aufgestellt und dann von Tobler (Zeitschr.
XXIII, 414) bestätigt worden ist. Nur gehen die beiden forscher hin-
sichtlich der entstehung des r auseinander. Bugge, dem G. Paris (Born.
VI, 133) beipflichtet, erblickt darin ein einschiebsei wie in fronde, fanfre-
luche, fringalle, gringalet ; Tobler dagegen, dem eine beispiellose epenthese
von r hinter anl. v nicht zusagen wül, ist der ansieht, daß der nach til-
gung des t in viticula sich ergebende hiatus durch ein r gehoben worden
sei, in der nämlichen weise, wie von ihm für mire, remire, navire, gram-
maire und für hure selbst von Bugge angenommen wird. Was die be-
griffliche seite der neuen deutung von vrille rebenranke (daraus die bed.
bohrer) betrifft, erinnert Tobler ah das it. viticchio und viticcio, so wie
an awitichiarsi sich anranken. — Die npr. Wörter birou, birounieiro
(vgl. Ducange s. v. bironerius) gehören zum it. pirone, mdrtl. birone und
somit zum gr. neiQto bohren, Flechia, Post et. 317.
Viluppo. Möchte sich doch, meint Storm (Born. V, 187), mit dem
begrifflich so nah verwandten volutare einigen lassen und zwar durch
eine aus sbst. volutus entspringende verbalform volutuare (vgl. fluetuare,
aestuare, flatuare). Daraus voluppare, wie pipita aus pituita (vgl. du
dv = b in bis, bellum). „Kommt diese lautwandlung sonst noch vor?1
fragt Storm, „denn unter den zahlreichen von Schneller gegebenen bei-
spielen befriedigt mich keines". [Mir fällt hier auf deutschem gebiete das
Schweiz, öppes = etwas, goppel = gott will ein. — Was das i im ital.
tcorte betrifft, so erscheint es gleichfalls in vilume.]
736 ANHANG H.a. VIRARE -BACIO.
Virare. Kommt van vibrare (vgl. lira van libra); so spricht sich
Storni (Rom. V, 187) aas; wie sich die begriffe schwingen und drehen
berühren, erhellt namentlich aus dem engl, to Swing a ship „es drehen
machen" [vgl. besonders die bedd. des dtschen schwenken]. Eine nasali-
sierte rom. form vimbrare bohren behandelt Bugge (Born. III, 149) an-
läßlich des fr. gibelet * wickbohr er. — Zum it. viera bemerkt Mussafia
(Beitr. 119): ie wird wohl von secundärem e herrühren, vgl. nTvis neve
nieve; in der von Diez nicht erwähnten form ghiera wird t durch g
ersetzt worden sein, entweder an und für sich, wie in golpe = volpe,
oder möglicherweise durch die doppelförmigkeit von viera ghiera pfeil"
Mussafia stellt ebenfalls zu viria das aUfr. verge ring im Du dou vrai
aniel, ed. Tobler (13, 311).
Visciola. S. gelegentlich einer it. form verla(/t<> vesla), Mussafia
Beür. 120.
Vizio. Interessant für die begriffliche geschickte des rom. Wortes
ist die von Mussafia (Beitr. 53) nachgewiesene bedeutung verzärteln des
compos. enviciar, piac. inviziA, eigentlich mit liebkosungen {it. vezzo)
überhäufen.
Zagaia. Füge hinzu prov. arssagaya (s, P. Meyer, Guill. de la
Barre, glossar).
Zappa. NachLittri von lat. sappa, das beilsidor vorkommt; vgl
die von Oehler her aus g. Amplonian. Glossen, s. 372, nr. 8: rastrum,
genus [in]strumenti, sappa. Dieser ableitung steht wohl anlautendes z im
it. u. sp. wort nicht im wege; vgl. Grob. Ztschr. I, 420.
Z im bell o. Die bed. anmaßung, stolz scheint dem fr. chembiel an-
zuhaften im Bast, de Buülon 1477 u. 1487 (s. meine anm.). — IAebrecM
macht auf altn. snmbl, ags. simbel convivium (Grimm II, 555, III, 128)
aufmerksam.
IL a.
ITALIENISCHES GEBIET.
Aggueffare. Mussafia (Beitr. 46, anm.) zieht ebenfalls zum dtschen
wifan tose, guaffile vstrumento da fare gueffe a matasse".
An co na. Mussafia, der zahlreiche mundarü. darstdlungen des worts
vorführt (Beitr. 26), bemerkt, es bedeute nicht nur büd, sondern auch
altar, kleine kapeile an Straßenecken, nische zur aufnähme von Standbildern.
Bacfo. Flechia, Arch. glottol.II, 3 (Postille etimcl.), bemerkt, daß
der alte Übersetzer des Pälladio 'opacis locis durch a bacio wiedergibt.
ANHANG II. a. BACIOCCO-BRULLO. 737
Baciocco. NachCaix eine Verschmelzung von baccello + sciocco ;
Grob. Ztschr. I; 425.
Badalucco. „Aus badare + altit. alloccare spähen (zum deutschen
luoken, fr. luquer gehörig)", Caix, Gröber* s Ztschr. I, 427.
Baleno. Kommt nicht von ßilsfxvov, sondern vom rom. stamm
bal schwingende betoegung bezeichnend; Schuchardt, Rom. IV, 254. Vgl.
graubündtn. baleina Schaukel. —■ Weitere roman. benennungen des regen-
bogens bAngt Mussaßa, Beitr. 29.
Balza. Altfr. baugant heißt „schwarz mit weiß gemischt" und hat
mit balza nichts zu thun ; es stimmt vollkommen, meint Devic, mit arab.
balqä, fem. von ablaq 'albo nigroque colore variegatus, 'usque ad femora
albis pedibus praediius (equus/ Menimki und Freytag. Devic weist nach
faras balqa ,Jument bausant". Es bliebe nur noch das z oder q, s der
rom. formen zu begründen.
Berlasco. Das henneg. warlouque deute ich durch war (entstellt
aus ndl. dwaers obliquus) und wallon. loukf ansehen (s. Grandgagnage).
Bettola. Dimin. des gleicJtbed. wälschtirol. bait hütte, lomb. baita
(Schneller, 109), wclcfies Diez vom ahd. baitön (Rom. Gramm. I, 88) ab-
leitet; s. Caix Rivista II, 176. Bettola heißt also zunächst hüttchen,
dann wirthshaus, schenke. Freilich sollte aus baitön, beitön, eher it. baitola
oder batola erwartet werden (Rom. gramm. I, 309), aber zur beschränkung
der regel ahd. ai, ei zu ai, a und Stützung seiner etymologie führt Caix
iL Enrico {aus ahd. Heinrih) an, eine jedenfalls ältere form als das von
Diez genannte Arrigo.
Biasciare. Daß das ital. wort auch in den mundarten stammeln
bedeutet, lehrt Mussaßa, Beitr. 33.
Bilenco. Schneller (HO) bejaht, die frage, doch erinnert er neben-
bei an dtsch. lenken, mlid. lingen gehen; vgl. wälschtir. balengh schlecht
gehend, fig. unpassend, nicht stimmend.
Bisbetico. Rönsch schlägt vor gr. äfHpioßtjrixog zwei fei- und
streitsüchtig, Jaivrb. XIV, 341.
Bizzocco. Andere ital. formen dieses wortes gibt Mussaßa (Beitr.
87), der das Diez'sche etymon nicht beanstandet.
Borchia. Nach Canello (Rivista II, 111) = *porcula, vom gr.
iioQx*} ffibtda\ woher wohl auch brocca, broeco. Mir ist uoqxij nicJU be-
kannt, wohl aber 7ioqxt]q ring, reif.
Bova. Mussaßa glaubt dieses wort nicht von boja (thl. 1)
trennen zu müssen; ,j kann ja zwischen vocalen ausfallen und v oder g
sind zunächst beruf %en den entstandenen hiatus wieder aufzuheben16 (Beitr. 34).
Brina. Äscoli (Saggi lad. 111 anm.) hat keinen zweifei am etymon
pruina, aus welchem sowohl chw. purgina geworden ist, als mail. prinna.
Brullo. Bugge (Rom. IV, 368) erkennt in brollo ein dimin. von
*blotto (iL biotto) durch blot-lo, blollo; auf ähnliche weise entstanden
frollo aus fluidulus, sollo aus sol(u)tulus, strillo aus stridulus. — Was
biotto betrifft (= prov. blos), s. Mussaßa Beitr. 98 s. v. sbiotar.
47
•\
738 ANHANG H.a. BUSSARE- COVONE.
Bussare. Altfr. buissier, buscher, busquer Hopfen (kenne g. bnquer)
ist wohl mit unserem bussare unverwandt, und gehört zum rom. stamm
busc (busca, stück höh); Grandgagnage s. v. bouh! (= buschier) denkt
an das bair. bauschen ; meine deutung wird du%ch die begriffliche analogie
von choquer stoßen von choque klotz (s. ciocco) unterstützt.
Caleffare. Das von Bugge (Rom. 111,161) vorgeschlagene etymon
ist gr. x^evaCsiv mit gl. bed.; wegen % = c, vgl. it. calare = zatyi
cal für %l, vgl. calappio, calabrone; f für v, vgl. schifare für schivarc
(ahd. sciuhan), altit. dolfi = dolui, biffera = bivira. — 8. auch Mus-
safia Beitr. 41.
Galpestare. Das vb. pistare erscheint bei Apulejus und Vegetius;
Rönsch, Grob. Ztschr. I, 420.
Caluco. Dieser artikd findet, hinsichtlich des pr. caluc, weiter unten
s. v. caluc II. c. seine berichtigung.
Cänova. Rönsch (Jahrb. XIV, 176) schlägt vor das auf insckrif-
ten vielfach mit der bed. Weinschenke, cetta promptuaria vorkommende lat.
canaba; Mussafia dagegen (Beitr. 42), alÜat. canipa fruchtkorb.
Gapocchia. Daraus fr. caboche, cabochon.
Caratello. Bei Bonvesin auch carrera; sard. carrada, s. Mussafia,
Rom. II, 121.
Cavelle. Dieses seltsame wort erklärt Storm (Rom. 11,328) durch
die formet 'quid velles', was du auch willst, gleichbed. mit dem classischen
quidvis. Daß es nicht als chevoglia, cavoglia erscheint, rührt wohl da-
her, daß man velles nicht mehr verstand. Zunächst sagte man wohl che-
velle, woraus sowohl cavelle (a für tonloses e), al§ covelle (o für e wegen
des folgenden lippcnlauts). — Denselben Ursprung weist Suchier (Grob.
Ztschr. I, 428) dem bisher rätselhaften (s. Tobler, Jahrb. XII, 213)
altfranz. interjectiondlen adverb chaeles, cheles (auch keles, kieles) zu;
diese deutung läßt sich lautlich annehmen (cha aus qui wie in chascun),
ist aber der sinn 'höre doch3 oder 'hörst du' (die alten glossare über-
setzen mit keles das lat. sodes oder euge, s. Tobler) mit quid velles in
einUang zu bringen? Etwa so: was möchtest du? = möchtest du doch!
= bitte! Neben chaeles liest man auch chaieles, Fergus 71, 2 7.
Chiappare. Flechia vermuthet *clapare aus caplare = capulare
(capulus) und vergleicht sard. giobare aus copulare (besser mod. ciopa,
ven. chiopa = it. coppia, lat. copula).
Cigolare. Galvani (Saggio di un gloss. modenese) schlägt nun-
mehr lat. cire eiere citare *cicare vor und vergleicht lat. cicada „die
schreiende".
Cioncare. Die formen s'ciancä s'cincä stellt Mussafia (Beitr. 65,
anm. 3) wohl besser zu schiantare (nt zu nc).
Conciare. Sbst. contigia scheint mir eher dem altfr. cointise Zier-
lichkeit, anmuth zu entsprechen, das von cointe = it. conto (s. tU. I)
abgeleitet ist.
Covone. Ableitung von cavus hat wegen der bed. seine schwierig-
ANHANG II. a. CUTRETTA- GHIERA. 739
Jceit; das wort scheint eigentlich häufen zu bedeuten; daher schlägt Schnei-
ler 135 als etymon ahd. hufö vor, die schwache form von houf ; deutsches
h eu c im anlaut ist, in den wälschtirol. dialekten wenigstens, nickt un-
gewöhnlich.
Cutretta, cigentl. cudretta. Nach Fleehia 325 = co[da]-trep'da
(cauda-trepida) ; so auch ratto = rapidus (nicht raptus). Andere benen-
nungen der bachstehe bringt Mussafia, Beitr. 110 anm. Derselbe bemerkt
richtig, daß hoche-queae, das sich offenbar auf die zweite eigenschaft
(die bewegung des schwankes) bezieht, von Diez am unrechten platz er-
wähnt worden; es müßte also hausse-queue heißen.
Ditello. Dies wort mit titillare zusammenzustellen ist eben so
wenig unstatthaft als, wie Diez selbst s. v. solleticare thut, dileticare für
tileticare anzunehmen; die Wandlung des t zu d beruht auf dissimüation;
Fleehia, Post. et. 319.
Elsa. Über ein in der bed. abweichendes altfr. enheudir zurathen,
bestrichen, s. meine anm. zu Enf. Ogier 764.
Fiappo. Nach Fleehia 344 von flaecus (der lippenlaut habe Iceine
Schwierigkeit); nach Ascoli (Ar eh. glott. I, s. 614 anm.) von *flavio aus
flavido (vgl. flavescere welken), p = vj wie im oberit. foppa von fövia
fovea. — Das wort erinnert vorzüglich an engl, flabby schlaff, welk,
worüber Wedgwood und E. Müller nachzusehen.
F ras ca. Wegen des Verhältnisses des worts zum dtschen fratz,
s. Grimms Wb. IV, 68.
Frignare. Bezüglich der bed. höhnen schließt Liebrecht das wort
an frigna eunnus, welches letztere gleichfalls dem lomb. frigna felsenöffnung
seine bed. gegeben haben soll; s. Jahrb. XIII, 229. — Bugge (Rom. IV,
356) leitet lieber fr. refrogner von einem dtschen *frunjan, entsprechend
schwed. fryna das gesteht runzeln als zeichen des unmuths (auch vom
pferd gebraucht, wie altfr. frogner), norweg. frayna und fryna. Derselbe
gelehrte erkennt in den germanischen Wörtern, aus denen frignare abge-
leitet wird, auch die quelle des fr. frime grimasse, Verstellung.
Frusoo. Nach Gaix ein mischwort aus fronda + raaca. Lot.
ruscum „ramus cum foliis" findet sich außer brasco (thl. I) im aret.
ruschia ruthef peitsche; Oröbers Ztschr. I, 423. — Mit Rönsch (Jahrb.
XIV, 176) herkunft von lat. fnitex anzunehmen (fruticio, frutcio, frusco),
wäre gewagt.
Gavigna. Mit jabot verwandt, meint Rönsch (Jahrb. XIV, 176 J; also
eigentL kröpfchen; so leite Isidor XI, 1, 57 toxillas (tusillas vulg.) von toles
kröpf. — Statt jabot hätte ich lieber gave (s. unter II. c) vorgeschlagen.
Ghiera. Das als queUe vorgeschlagene deutsche g§r wird von
Mussafia beanstandet, erstens wegen der nebenform viera, da g zu v doch
kaum angeht, dann wegen der abll. veretta (s. rira), verone, die sich
nicht von viera trennen lassen und in veru ein ganz befriedigendes etymon
finden. Daß das deutsche gßr den correkten wandet in ghiera beeinflußt
habe, sei übrigens anzunehmen; Beitr. 119.
740 ANHANG II. a. GIRE-LERCIO.
Gire. Dieses ausschließlich der poetischen spräche ungehörige wort
stammt aus den südital. mundarten; g ist eine verstärkende prosthesis vor i,
wie sich auch v dafür findet, so im aret. vire für ire; Caix, Rivista H, 174.
Gnocco. Caix erblickt darin lat. nucleus, woher nocchio, dann
umgestellt njocco = gnocco; oder auch gnocco durch dissimilaren von
gnocchio (vgl. giogaia für gioghiaia = *jugularia), und gn = n wie in
gnudo u. a.; ö aus u sei regelrecht vor cc; Rivista II, 176.
Grascia möchte Liebrecht zu derselben wortgruppe stellen, der gr.
yQaoTtg, dtsch. gras, oitfr. grasse futter (Jean cFOutremeuse) angehören.
Greggio. Daraus das fr. soie grege {auch greze) rohseide.
G r e p p o. Die form grebano vergleicht Schuchardt ("Ztschr. XX, 245)
mit ngr. yQajunavog, welches MiJdosich vom serb. greben herleitet. Er führt
auch einefriauh form clapp an, als stütze für die ableitung vom ahd. kl£p.
Greto. Flechia (Post etim. 44): „Höchst wahrscheinlich eine syn-
copierte form von *ghiareto = *glaretum (von glarea, wie vinetum von
vinea)." Dieser gar zu künstlichen etymologie möchte ich um so weniger
beistimmen, da auch das mit grieß begriffs- und stammverwandte dtsche
grütze ähnliche bed. entwickelt hat: in Deutschland heißt grütz €ackerfdd
mit steinigem boden, vgl. grodnerisch gruzza, grüzzena ,Jdeines anwesen
auf schlechtem bodenu; wälschtir. grusa „rauher unfruchtbarer boden" (viel-
leicht direct vom dtsch. graus). 8. Schneller, 160.
Guana. S. hierüber vermuthungen bei LiebrectU, Jahrb. XIII, 230.
Gudazzo. Vgl. den art. guolo bei Mussafia, Beitr. 66.
Guitto. Caroline Michaelis (Jahrb. XIII, 210 J, vergleicht arag.
und catal. guit, guito böse, böswillig, besonders von störrischen maulthieren
gebraucht (s. II, b guito); dieses weise auf das acht baskische wort gait
gaitz gaist schlecht. Mussafia (Rom. II, 479), in entgegnung auf Toblers
ansieht guitto = gretto (ib. p. 240), denkt an das lothring. ouetine
rordurc, vilenie', abzuleiten von einem primitiv ouet = guet.
Innesto. Ferrario, dem Flechia 354 beipflichtet, erklärt innestare
auf folgendem wege : *in-insitare, inistare, inestare, vgl. pinsitare, *pin-
stare, pistare, it. pestare. Eine nebenform ist annestare, i zu a wie in
vielen fällen (aneudine, anguinaglia).
Intuzzare. Nach Ascoli (Saggi lad. 36) von *in-tuditiare regel-
recht abzuleiten; tuditare verhalt sich eu tuditiare wie admortare (it.
ammortare) zu admortiare (it. ammorzare). Auch tozzo stimmt lautlich
und begrifflich zu tuzzare — tuditiare.
Izza. Anzumerken ist altfr. hicier fietzen (Que il hice son chien
la ü il n'ose aler Elias de St. GUI. 1691) und enhicier anfeuern Cluv.
as d. esp. 9604, wo die anm. Förster's nachzusehen.
Las ca. „Ob nicht vielmehr vom deutschen asch, ahd. asco, ein
forcllenartiger fisch"? Diez, Handschr. notiz.
Lercio. Nach Caix ist gualercio ein Zusammenfluß von gnercio
und lercio, wie von ihm auch tose, valampa = it. vampa durch vampa
4- lampa erklärt tvird; Gröber9 s Ztschr. I, 427.
ANHANG IL a. LOJA-PIOTA. 741
Loja. Lieber illuvies {statt alluvies) }ysordes non lotete in corpore
animedis" (Forcellini) ; Caix, Rivista U, 176.
Maccherone. Von fiaxaQeg c die seligen genannt, weil diese speise
bei den leichenessen zu ehren des verstorbenen in anwendung kam, welches
essen jetzt* noch ^axagia heißt; Liebrecht, Jahrb. XIII, 230.
Magone. Ausführlich behandelt das wort Mussafia, Beitr.76. Die
daselbst in der anm. vorgebrachten ausdrücke parm. maghett gddbörse,
geldhaufen, ferr. magalott häufen, Humpen dürften wohl auch zur auf-
Märung des über dem nfr. magot noch schwebenden dunkeis angerufen
werden.
Mallo. Ist das lat. mallo, -onis schale, hülse; „quindiun belVesem-
pio di forma nominativa11, Canello, Rivista II, 111. Ein beleg zum lat.
mallo in der angegebenen bed. wird leider nicht gegeben. -
Marza. In Grimm* s Wb. wird der Zusammenhang zwischen märz
und ausmärzen verneint.
Pazzo. Grrimm {Wb.) leitet dtsch. batzig von batze klumpen. —
Der ansieht Caix9 zufolge ist strapazzare die pejorative form von strap-
pare (vgl. svolazzare, sgignazzare, scorazzare) und heißt also eigentl.
€strappare ossia tirare in qua e in lä senza garbo, dann auch „mißhan-
deln, zerreißen"; Rivista II, 175. Diese deutung stimmt zu der bei
Scheler s. v. estrapade ausgesprochenen; man übersehe nicht daß dem
deutschen lehnwort strapazieren der begriff „nicht schonen", und zwar
mehr auf Sachen als auf personen bezogen, innewohnt.
Pecora. Vgl. fr. pöcore thier im allgemeinen.
Pevera. Mussafia (Beitr. 89) erklärt gleichfalls das wort durch
den stamm ple-, einestheils mit suffix -bro, woraus pevera st. pievera,
anderntheils mit suffix -tro und erweiterung der form durch Ya, woraus
pletria, pedria, pidria.
Picciuolo. über das verhältniß der formen mit gutturalem c zu
den andern und die etymologie beider äußert sich Mussafia folgendermaßen:
„Schuchardt II, 203 hat die verschiedenen gestaüungen des Stammes pit-
(pet-) erörtert. So wie nach ihm aus pit-i-olus it. picciolo und aus pit-
-ic-ulus it. piecolo, so läßt sich wieder neben dem von Schuchardt ange-
führten picciuolo = pit-i-ölus auch pfeeol p6col = pit-ic-ulus, dann
peeöll = pit-ic-ullus annehmen. Die bedeutung „fuß11 des berg. friaul.
wortes spricht nicht dagegen: auch wal. picior = petiolus bedeutet fuß;
die beiden begriffe fuß und stiel werden, wie Schuck, richtig bemerkt, oft
vertcechselt" {Beitr. 88). Das diese beiden bedeutungen vereinigende altfr.
peeol pecou läßt sowohl Diez als Mussafia unerwähnt.
Piota. Bugge {Rom. IV, 368) erhärtet das etymon plotus durch
die iveitere folge des citats aus Festus: „Soleas quoque dimidiatas quibus
utebantur invenando quo planius pedem ponerent, semiplotia appellabant"
Diese form semiplotium setzt, wie bereits Schmidt {Gesch. des indogerm.
vocalismus I, 179 ff.) bemerkt, ein grundwort plota mit der bed. des iL
piota voraus.
742 ANHANG H.a. RAGAZZO-SINO.
Ragazzo. Weitere bemerJcungen über form und bed. des worts bei
Mussafia, Beitr. .93, s. v. regazo.
Randell o. Mussafia vermuthet, das synonyme maü. tarell könnte
= ratello sein und somit hieher gehören; Beitr. 77, anm. 3.
Ratto. Ist nach Flechia (s. oben cutretta) nicht raptuä, sondern
rapidus. Vgl. ättfr. rade.
Refe. Dieses wort, das Caroline Michaelis im Diez 'sehen tob. ver-
mißt, obgleich es in allen ausgaben steht und für welches zwei etyma, gr.
(Hx<rr] naht und ahd. reif strick aufgeführt werden, leitet die genannte for-
scherin vom arab. refi' dünn; doch findet sie es auffallend, daß das wort
dem span. und port. abgeht; Jahrb. XI, 293.
Rezza. Rönsch macht zur Stützung der Dies' sehen etymologie auf
das häufige vorkommen der form retia, -ae in der Vulgata aufmerksam;
Grob. Ztschr. I, 420.
Rombo. In frombola erblickt Caix (Grob. Ztschr. I, 423) ein-
mischung von *fronda (fionda).
Rovello. Zu lat. rubentem scheinen altfr. rouvent roth und dim.
rouvelent zu gehören, s. m. anm. eu Berte 3667.
Scaffale. Über das primitiv scafa, scaffa, die mannichfachen be~
deutungen des Wortes in den ital. mundarten und den deutungsversuch
durch lat. scapha, gr. axacpTj, s. Mussafia, Beitr. 98. Grundbegriff wäre
das hohle.
Scialacquare. Die beiden deutungen sind unzutreffend; nach
Caix eine „voce nata della fusione di due temi". Die senensische form
scialeguare führt ihn auf scialare + liquare; die urspr. ausspräche war
durch assimüation getrübt worden; Grob. Ztschr. I, 420.
Scornare. Über das gleichbed. engl, scorn, s. Ed. Müller.
Scotolare. „Ließe sich nicht mit hinweis auf neap. scotolare sco-
tolejare, sie. scutulari cutulari, ebenfalls 'schütteln, heftig bewegen, an
excutere denken?" Mussafia, Beitr. 109, anm.
S er qua. Rönsch (Jahrb. XIV, 343) schlägt vor siliqua, woraus
sirqua serqua (vgl. felzare ferzare, scalmo scarmo). Dem laute nach
genügend, aber siliqua war nur ein gewichtsmaß.
Sgomentare. Muß zugleich mit dem sinnverwandten sgominare
untersucht werden; letzteres nun weist auf lat. comminari durch drohungen
in schrecken setzen (man hatte auch ein volksthündiches comminare vor-
wärts treiben, verjagen), so daß sich sgomentare füglich durch commini-
tare erklären läßt; minitari bestand ja schon im class. latein; Caix,
Rivista II, 175.
Sino. Bugge kann sich zum etymon Signum nicht verstehen (gn
zu n sei fürs ital. unzulässig) und sucht die möglichkeit eines wandeis
von fino zu sino darzuthun. Aus den rom. sprachen beruft er sich auf
einzelne beispiele wie fr. senegrä, cot. sinigrec aus foenum graecum, cot.
sivella = lat. fibula (s. Rom. gramm. I, 285); umgekehrt f aus s, in
pr. sofanar, sp. sosanar = subsannare. Derselbe Übergang, häufig in
ANHANG IL a. SOLLETICARE— VOTO. 743
den aliital. sprachen, sei noch vielfach in den jetzigen mundarten Italiens
und der waschen Schweiz bemerkbar; s. Rom. III , 161.
Sollet icare. Flechia 320 erklärt diese büdung folgendermaßen:
tilliticare (metathet. form von titillicare) wurde durch dissimilation dile-
t icare; dieses, fälschlich für ein compositum von liticare gehalten (vgl.
neap. tellecare für tetellecare), gab mit sab verbunden {vgl. neap. sotta-
tilleco achselhöhle) das vb. solleticare.
Staggire. Storm wäre geneigt als quelle dieses verbs ein dem
altn. stedja cstabilire sistere sta&uere entsprechendes ahd. stadjan anzu-
nehmen. In sagire (s. thl. I) sieht derselbei meiner ansieht beipflichtend,
eine bloße erleichterung von staggire, s. Rom. V, 167.
Stamberga. Bugge (Rom. III, 163) stellt das wort zum altfr.
estamperche (stans perca), s. DC. $. v. etarehartea. Die ital. behand-
lung des worts beruhe vielleicht auf einunrkung des sinnverwandten al-
ber go; was die bed. betrifft, so sei der Übergang von stange zu hütte
nichts ungewöhnliches. Auch Littre stelle goberge zu 6coperche. — Nach
Caix (Grob. Ztschr. I, 420) ein mischwort = stanza -t- albergo.
Stentare. Zu bemerken ist, daß it. bistentare und pr. bistensar vom
atifr. bestancier, was die bedetäung betrifft, zu trennen sind; letzteres
schließt sich an tancer an und heißt zuvörderst zanken, streiten.
Strozza. Vgl. ndl. strot dass., Jahrb. XIII, 231.
Ticchio. Wie verhalt sich fr. tic zum ital. wort? In der bed.
laune möchte es daraus entlehnt sein.
Tozzo. S. oben intuzzare.
Trastullo. Mit diesem ital. wort dürfte auch sp. tertulia €ein
kleiner kreis von freunden, abendunterhaltung" zusammenhängen', mittel-
glieder wären trastulia, terstulia; vgl. it. traliccio = sp. terliz; ausfall
von 8 wie in it. poltro (von bolstar); Storm, Rom. V, 185.
Ubbia. Nach Canello dasselbe wort mit fr. lubie, diso lat. lubido;
abfall von anl. 1 wie in usignuolo ; syncqpe von d wie in biava für bia-a
aus ablata; Rivista II, 112. G. Paris (Rom. IV, 499) widerspricht
dieser ansieht und hält fr. lubie für ein dem it. ubbia abgeborgtes wort.
Vasca. Daraus das fr. vasque.
Voto. Das unbefriedigende volto sucht Storm (Rom. II, 327) da-
durch zu beseitigen, daß er voto von votare ableitete (wie porto von por-
tare), und votare, oder vielmehr die alte* form voitare, durch vuid'tare
= viduitare erklärte. Aber auch diese deutung hat ihre phonetischen
Schwierigkeiten. Die richtige lösung des räthsels scheint Thomsen getroffen
zu haben, der (Rom. IV, 257—62) sowohl it. voto, als das altfr. vuit,
voit einer eingehenden prvfung unterzieht, deren ergebniß folgendes ist:
altfr. vuide (nfr. vide) hat mit lat. viduus, das übrigens auch dem be-
griff nach abliegt, nichts zu thun. Man muß sich nach einem andern
etymon umsehen, und dieses bietet die erwiesene nebenform vocare = va-
care (s. Schuchardtf Vok. I, 177) an die hand. Daraus ein partieip vo-
citus (vgl. rogitus), voe'tus, welches allen romanischen gestaltungen des
744 ANHANG IL b. ZOTICO-ASIR.
Wortes genüge leistet: it. voito, woraus voto, aUfr. voit, vuit, vnide, wo-
raus nfr. vide; vgl. aus cogitare it. coitar, cotar, cdtfr. cuidier. Im
wesentlichen trifft diese deutung mit der in demselben hefte der Born.
s. 256 von Schuchardt ausgesprochenen überein.
Zotico. Vom ahd. zota, nhd. zotte; adj. zoteht sottig, ratth;
Liebrecht, Jahrb. XIII, 231.
n. b.
SPANISCHES GEBIET.
Acibar. Entsprich dem sicü. zabbara und hängt mit arab. qibär
zusammen; Gar 61. MicJiadis, Rom. II, 91.
Aguinaldo. Nach Schuchardt (Rom. IV, 263) von calendae, vgl.
chalendes in den frans, mundarten = Weihnacht; wegen der Versetzung
der consonanten vgl. guirnalda = guirlanda. Liebrecht, Jahrb. XIII,
231 stellt unser wort zu fr. aguilaneuf, welches Vülcmarque, Barsaz Brek
4. ed. I, 346 durch den ruf eghinad d'6 {entstellt zu eghina' n'6) = ge-
schenke mir! erklärt. Schuchardt erwähnt noch aus Jaubert's Glossaire
du Centre guilanä, neujahrs~almosen4 und fragt ob dieses dem Span, ent-
nommen. — Nach Mahn (Herrigs Arch. 37, *133) vom baskisch-iber.
againdu anbieten, darbringen, und def wortbildungsendung aldi.
Alazan. Nach Devic vom arab. a'hlas, fem. 'halsä 'spadix cquns\
Alboroto. Etwas gewagt ist Storm1 s vermuthung, es möchte in
diesem worte das lat. rutuba 'perturbatio' (Varro bei Nonius) stecken;
die Umstellung *buruta dürfe im span. nicht auffallen, vgl. zaherir aus
facerir; s. Rom. V, 164. In al, meint Storm, steckt ad: ad-rutubarc
*arrotobar, *aborotar alborotar.
Anafar. Entspricht dem sp. alifar glätten, poliren (1 zu n, und i
zu a durch assimilierung), Bugge, Rom. III, 160. Alifar stellt Bugge tu
lat. allevare; wegen sp. i = lat. e, vergleicht er consigo = secum;
wegen f aus v, ältsp. femencia = vehementia, pg. safo = salvus.
Angurria. Das wort ist auch in Italien verbreitet, s. Mussafia
Beitr. 27; hinsichtlieh der etymologie bemerkt letzterer: „Diez häÜ dieses
wort für ein baskisches; warum nicht mit Galvani vom gr. dyyovQiöv?11
Siehe auch Miklosich, Die fremdworter in den slav. sprachen, s. v. ugorek.
Aro. Vielleicht das lat. anus ring Plaut. Men. I, 1, 9; vgl. pg.
sarar = lat. sanare. [Der Geiväfwsmann dieser deutung ist mir entfallen.]
Asear. Vielleicht wmassedare als causativ von sedere verstanden;
logisch bietet sich iL assettare = asseditare, Storm, Rom. V, 165.
Asir. Storm (Rom. V, 166) lehnt das etymon apiscire nach form
ANHANG IL b. AZA— CHARCO. 745
und bed. ab, ebenso das von Böhmer (Jahrb. X, 183) vorgeschlagene ad-
cio (== sp. asgo im praes.). Ihm ist asir, azir = prov. sazir, fr. saisir;
die form habe in einer falschen auffassung des compositum^ dessazir als
des-asir seinen grund. Praes. asgo sei analog dem praes1. salgo von salir.
Aza. über die Verbreitung desselben wortes in Italien mit der be~
deutung herikel, oer, wasche, knopfloch, $. Mussafia, Beitr. 30, der auch das
mundartl. vb. azolar einheftein (ib. 31) darauf zurückzuführen geneigt wäre.
Ba lad rar. Nach Caix ein volksthümliches mischwort aus balar +
ladrar gebildet; Grob. Ztschr. 1, 422.
Barriga. Eine andere deutung von parm. boldriga bietet Mussafia,
Beitr. 36, anm.
Barrueco. Nach Littre von dem scholastischen ausdruck baroco
(eine besondere art des Syllogismus); unwahrscheinlich.
Brincar. Nach Storm (Rom. V, 173) verküret aus esbrincar
(wie pasmo von espasmo) ; dieses für esprincar (wie esgrimir für escri-
mir) und dieses für espringar (wie estrinque für estringue, s. stringa
thl. I); also dasselbe wort mit it. springare, cdtfr. espringuer, ätsch.
springen.
Cafre. Andere deutungen des fr. cafard, theils durch xa&agög als
name einer religiösen sekte, theils durch cafard 'grülon, findet man bei
Littre, Suppl.
Ganasto. Unmittelbar vom nüat. canastra = </r. xavaatga, Storm,
Rom. V, 167.
Carcomer, carcoma. Carol. Michaelis (Jahrb. XIII, 209) fügt
diese Wörter unter die wurzel carc, corc, welclier sämmtliche span. port.
cot. und arag. bejseiclmungen für die am körne, am holze oder am thier-
körper nagende krebskrankheit etitsprossen sind und welche vorliegt im gr.
xaQTuvog, lat. corculio, cnrculio, und, zu canc modifiziert, in Cancer. Dem-
nach sei carcoma wie das gleichlautende port. wort, die verkürzte form
von Carcinoma, gr. xaQxivcoiua. Diese ansieht werde gestützt durch das
bestehen eines cai. corc und arag. corca *holz- oder kornwurm \
Genteno. Der roggen hieß schon bei den Römern im gemeinen
leben centesimnm (Edict des Diocletian de pretiis vom j. 301, und bei
lsidorj; Rönsch, Grob. Ztschr. I, 420.
Ghapuzar. Da die entstehung der spem. vorsilbe za, sa, cha, sa
(verstärkt zam, cham) aus lat. sub keinem zweifei unterliegt, ließe sich
vielleicht chapuzar durch sup-putearc erklären; in gleicher weise sind
zafondar (cdtsp. sofondar), pg. chafundar = sub-fundare. Vgl. Rom. II, 89.
— Ob und wie die glbd. pr. cabnssar und accabustar (ersteres ist auch
catal.) damit zu verbinden sind, bleibe dahin gestellt; ich halte sie mit
Raynouard für abll. von cap, also zunächst €praecipitarey bedeutend.
Cha reo. Lautlich stehen zu weit ab die von Liebrecht erwähnten
altn. kjöiT, schwed. karr (spr. dschärr) sumpf, dän. kjerr lache, pfütze,
Jhrb. XIII, 232. — Sollte denn das deutsche quark koth sich nicht
damit einigen lassen?
746 ANHANG IL b. CORI§CAR-ENCLENQUE.
Coriscar. Rönsch (Jahrb. XIV, 177) belehrt uns, ein rusttkes
coriscus erscheine mehrmals in den vorhieronymianischen bibdübersetzun-
gen. Im sicil. surruscu erkennt derselbe das ebenfalls erwiesene sbst. co-
ru8CU8 (nach dev 4. decl.) mU prothetischem s.
Goto via. Eine verschiedene, sehr problematische deutung (toppo
schöpf, topita, tovia, durch reduplic. totovia, durch dissimü. cotovia) gibt
Rönsch, Jahrb. XIV, 343.
Cr e ii c ha. Die ableüung von crena gewinnt an glaubwürdigkeit
durch das gleichbedeutende cretnonesisdte crena, s. Mussafia fBeitr. 103),
welcher sard. gringia für identisch mit dem span. crencha erachtet.
Crisuelo. Gehört zu der Wörtergruppe, die ich in meinem Did.
s. v. crenset angeführt und mit mhd. krus, nhd. krause zusammengestellt
habe. S. Hüdebrand in Grimmas Wb. s. v. krause, auch LUtre au crenset,
wo mit unrecht mlat. crucibulum als die quelle der betreffenden Wörter
hingestellt wird.
Cutir. Storm (Rom. V, 176) halt es für gerathener cutir als ein
aus den compos. reentere, coneutere abgezogenes primitiv aufzufassen;
das wort habe gelehrten anstrich und so stehe die tenuis dieser erktärung
nicht entgegen; man sage zwar saendir = suecutere, aber auch repercotir.
Despedir, wohin auch pg. despir, praes. 3. sg. d£spe. Etwa von
despicere (praes. d^spicit, woher däspe?) von sich thun = verachten, weg-
werfen? Handschrifll. notiz des Verfassers.
Dexar. Eine sorgfältige musterung von mehr als tausend zwischen
938 und 1164 abgefaßten Urkunden, der sich J Taühan (Born. IV, 262)
unterzogen, hat ergeben, daß das vb. dexar weder in vulgärer, noch in
latinisierter form darin in anwendung kommt; eben so wenig ein lat.
desinere mit der bed. lassen oder verlassen; die ausdrücke dafür sind
stets relinquere, derelinquere, di mitter e und laxare. Das vb. dexar muß
also nicht vor ende des 12. jh. im span. aufgekommen sein, und die ety-
mologie desitare verliert zugleich alle historische Wahrscheinlichkeit; wie
sollten die Spanier, längst im besitz von laxar und lexar, sich aus desinere,
das bei ihnen niemals die ihm beigelegte bedeutung aufweist, ein neues
synonymes vb. dexar geschaffen haben? Es ist also die ansieht Schuchardt's
und Coelho's (s. Questöes da lingua portugueza 1. thl., s. 292), wonach
lexar und dexar identisch sind, die stichhaltigere; vgl. Rofh. II, 287.
Audi Carol. Michaelis, Wortschöpfung s. 236, führt dejar als scheideform
von lejar auf.
Enclenque. Auch C. Michaelis (Studien z. rom. Wortschöpfung
s. 268 u. 286) setzt dieses wort als das vclksthünüiche dem gelehrten
clinico als scheideform entgegen. Indessen ist die etymölogie clinicus
nickt unzweifelhaft (warum nicht enclenge, wie canonge ?). So hat es W.
Förster (Grob. Ztschr. I, 669) vorgezogen, das ahd. slinc, dessen bed.
link sehr leicht in die von schwach, kränklich übergehen konnte (vgl. Diez
unter stanco u. gauche) herbeizuziehen. Aus slinc wurde esclenque, dar-
aus durch die einschiebung eines n vor dem Sibilanten (ein lautlicher wnr-
ANHANG II. b. ENLEAR-FESTO. 747
gang, den Förster durch zahlreiche beispiele für das aUfranz., span. und
port. belegt) ensclenque und, mit ausfall des 8, enclenque; vgl. enclusa
aus exclusa. Altfr. esclenc habe ich in Watr.de Couvin4, 86 (ä l'esclen
lez) angemerkt, worauf mich F. selbst neuerdings schriftlich aufmerksam
machte.
Enlear. Die alt fr. form enlaier für in-ligare ist nicht annehmbar,
wohl aber enleier.
Entremes. Die etymologische Verschiedenheit zwischen dem span.
worte und fr. entremets bedarf eines beweises; letzteres wurde früher oft
im sinne von Zwischenspiel gebraucht, s. m. Glossar zu Froissart.
Escada. Goelho (Rom. II, 287) begreift nicht warum das d einen
andern grund haben sollte als das in amydo (amylum), in it. sedano
(aelivov), u. a. (s. Rom. gramm. I, 204).
Escarapelarse. Gehört nach C. Michaelis (Stud. z. rom. wortsch.
56 anm.) nicht zum stamm scalp, sondern unmittelbar zum deutschen
skarp, wenn beide auch ursprünglich eins gewesen sein mögen. Scalp
hätte span. escop gegeben, wie escoplo, escopa bezeugen, denn sp. escal-
pelo oder escarpelo erweist sich nach form und inhdlt als gelehrte bildung.
Es carba. Bugge, Sche&er beistimmend, stellt (Rom. IV, 367) das
wort in beziehung mit fr. äcarver, dtsch. Scharben, engl, scarf „to join
timbers with a slanting Joint". F oder b ist ein seeundäres dement des
Stammes und so vergleicht denn Bugge unser wort mit isländ. skara fas-
seres reeiproce coaptare. — [Die hier mir angerechnete etymologie ist
schwerlich mein verdienst; meine 2. ausgäbe (1873) ist mit benutzung der
Diez'schen dritten erschienen und in letzterer ist nicht nur äcarver, son-
dern auch sp. escarba im sinne Bugge9 s erklärt (s. äcarver IL c). Diez
hat leider versäumt, als er letzteren artikel seinem werke einschaltete,
den widerstreitenden artikel escarba 77. b zu streichen oder zurückzunehmen.]
Escoplo. Dem altfr. eschalpre, auch escople, entspricht nfr.
ächoppe in seiner bed. grabstichel. Ich irrte mich, als ich in meinem
Dict. sp. escoplo, pg. escopro für franz. Ursprungs erklärte. Vom ge-
nannten escople kommt vb. altfr. escopeler zerkratzen, zerhauen (Ne se
sont fait gaires d'anui Fors que d'escns escopeler Ch. as d. esp. 10000—1);
vgl. it. scarpellare.
Espertar. Auch altfr. despert kühn, grausam gehört hieher, s.
m. anm. Jean de Conde I, p. 395.
Feligres. Nach Cäbrera und Carol. Michaelis (Jahrb. XIII, 211)
von filius ecclesiae.
Festo. In einer eingehenden Untersuchung über das unter diesem
altpg. worte behandelte fr. falte (Rom. I, 97) hat O. Paris den beiden bis
jetzt für letzteres vorgebrachten etyma, nämlich fastigium (Diez) und *fastum
(Littre), jede berechtigung abgesprochen und die existenz des von Diez
ohne beleg angeführten altfr. faltete in Zweifel gestellt. Sein etymon ist
das dtsche first und wird von ihm auf das überzeugendste, nach laut und
begriff, dargelegt. Dem masc. first entspricht im altfr. fest, altprov. frest,
748 ANHANG IIb. FRAIRE-MARFIL.
dem fem. firste die einst nicht minder üblichen formen feste festre, pr.
fresta. An citaten für diese verschiedenen gestciltungen des Wortes läßt
es G. Paris nicht mangeln, so tvie für den masc. gebrauch von feste,
welches erst spät und willkürlicher weise in faiste umgewandelt ward.
Abfall des r vor st ist analog dem in astrent = arserunt, und dem
vor sc in pesche = persica. Die portug. form festo läßt der Verfasser
unberührt (er entschuldigt sich hierüber Rom. II, 378). Daß übrigens
Diez altfr. freste, pr. frest und ihre herkunfl von first sehr wohl bekannt
war, erweist sein art. freste (11. c), der von Paris ebenfalls unberück-
sichtigt gelassen worden, zur genüge; nur deren identität mit feite ist ihm
wegen des trugbildes fauste nicht in den sinn gekommen.
Fraire. Wir nehmen hier anlaß, des wal. Wortes fartat gefährte
erwähnung zu thun, welches Diez Gramm. I, 137 anm. und nach ihm
Cihac durch foederatus erklären, aber, wie Hasdeu Columna lui Traian
7. Jhrg. 466—68 ausführt, von frate herzuleiten ist, wie surta Schwester,
gefährtin von sora.
Garabato. Gar. Michaelis (Wortschöpf 62) erblickt in garab den
bekannten fruchtbaren stamm garb grab greifen, klammern.
Goldre. Die hier gegebene etymologie wird von Carol. Michaelis
gutgeheißen und ausführlich nachgewiesen in einer besonderen Studie über
die roman. bezeichnungen des köchers (Jahrb. XIII, 212 ff.). Die Ver-
fasserin irrt sich aber, wenn sie Diez die Schreibung corythus beilegt (s.
214); in allen ausgaben steht corytus. Letzteres ist bekanntlieh das ho-
merische yioQtrtog.
Guito, s. oben H.a. guitto.
Halagar. Storm (Rom. V, 176) weist mehrere falle eines span.
suffix ag für lat. ic oder sp. eg nach (so encenagar = incoenicare); es
ließe sich daher afalagar durch *af-flaticare erklären; zunächst aflagar
(vgl. sosegar aus subsedicare), dann afalagar' (vgl. filibote für flibote).
Lleco. Ist entstellt aus *llueco (vgl. frente, fleco, estera, brezo,
serba, wo e = ue). Llueco ist = *flueco = *floco; dieses entspricht
dem bei DC s. v. fraustum citierten fr. floc ffriche\ welch letzterem froc,
frou (mlat. frocus) eterra inculta vorausging. Die adjeetivische Verwen-
dung des jetzigen span. Wortes ist zu vergleichen mit der von hondo tief,
puerco schmutzig. S. Bugge, Rom. III, 163.
Malvar. Zur stütze der deutung von malvado durch „übel er-
zogen, ungezogen^ erwähnt Bugge (Rom. IV, 362) engl, wanton = ags.
wantigen schlecht erzogen. [Ich glaube kaum, daß ags. wantigen, wenn
es bestehen sollte, engl, wanton erzeugen konnte; besser also ist letzteres
mit Wedgwood in wan (Verneinungspartikel) + towen, itowen (gesogen)
zu zerlegen.]
Mafia. Im itaH. manna, sp. mana bündel erkennt Rönsch (Jahrb.
XIV, 178) das vulgär Aat. manua 'manipulus*. Ist jedoch die Wandlung
nv zu nn, n durch beispiele oder theoretisch zu erhärten?
Marfil. Die etymologie nab-al-fil hat Diez in der 3. aufl. aufge-
ANHANG IL b. MARIPOSA— REBENTAR. 749
geben; das hatte Devic im j. 1877 berücksichtigen sotten, aber leider scheint
er Diez nur aus Littri zu kennen.
Maripos a. Kommt von Maria posa 'Marie, setze dkh\ wie pg.
pousalousa = 'setze dich auf den stein. Storm vergleicht hierzu den nor-
wegischen namen des sonnenkäfers marja marja fly fly, den franz. bete
är bon Dieu, den engl, lady bird, und verweist auf Mannhardt, Germa-
nische mythen, s. 243 ff.; s. Rom. V, 180.
Morro, vorspringende lippe, schnauze. Mussafia (Beitr. 50) stellt
zu demselben stamm ven. moragia, mant. moraecia, fr. morailles, mo-
raillon, sämmtlich zunächst Werkzeuge bedeutend, welche dazu dienen, den
unbändigen pf erden die obere lippe zu fassen; ebenso prov. moralha visier,
cot. morallas mautkorb, morralet ,jsacculus cibandis equis".
Mouco. Nach Bugge {Rom. IV, 367) etwa von einem lat. volks-
ausdruck *mucus = fivxog 'aqxovog' (Hesych.); heißt ja auch das dtsche
dumm sowohl stumm als taub; dieselben begriffe vereinigen auch gr.
xcüfpog und goth. bauths. Den buchstaben betreffend beruft sich Bugge
auf louco, das Diez von alücus, ulücus herleitet.
Mozo. Ein weibl.fr. mousse mädchen findet sich Chans.fr. du
15e s. p. 7.
Pantorrilla. Vgl. ventrichi „wadenu bei Mussafia, Beitr. 118.
Perol. Nicht von patina, sondern wie pr. fr. pairol, it. pajuolo,
graubündtn. (soprasilv.) pariel, priel, durch Vermittlung eines dim. pario-
lum, vom kymr. pair, cornw. per kessel; Schuchardt, Rom. IV, 256.
Pestillo. Ist, meint Bugge {Rom. IV, 367), das volksübliche lat.
p es tu 1 um für pessulum (s. Caper de verbis dubiis, p. 2249 P); dieselbe
sufßx-vertauschung wie in astilla von astula = assula {s. thl. I, ascla),
und in mancilla von macula.
Quejando, quijando, seltener quejendo pg. adject., bed. wie be-
schaffen, in welchem zustande; nicht selten in Urkunden, aber auch bei
alten dichtem. Etymologisch unklar; in der letzten silbe läßt sich die
Partikel que 'wie1 vermuthen, in jendo, wenn dies die reinste form ist,
verbirgt sich vielleiclvt genitus d. i. geschaffen, in die bed. beschaffen
übergehend; nd für nt wie auch sonst (findo = finitus, renda = sp.y
renta). Dieses pg. jendo wäre das freilich einen andern sinn aus-
drückende altsp. gento. [Handschriftlich von Diez.~] — Diese deutung
wird wohl kaum beanstandet werden können; quomodo genitus = wie
geartet erinnert an altfr. confait, ndl. hoedanig.
Quilma. Von culeus durch ein abgel. culeamen, wie costuma von
consuetumen ; Rönsch, Jahrb. XIV, 179. Läßt manche einwendung offen.
Radio. Vgl. it. (tose.) andar ratio; s. Mussafia, Beitr. 92.
Raudo. Warum nicht eher von rapidus, das dem buchstaben eben
so gut und dem begriff besser genügt? vgl. rapidum flumen bei Caesar.
Rebentar. Nicht etwa eine scheideform von crebantar, quebrantar?
Aehnlich berühren sich rampa und crampa. -Es könnte auch, wie Rönsch
meint (Jahrb. XIV, 179), angleichung an repente obwalten.
750 ANHANG II. b. REDOR -TROPEZAR.
Redor. Nach Stortn (Rom. V, 182) von *rotatorium; das natür-
liche rodador wurde durch syncope *rodor und durch dissimüation redor
(vgl. redondo = rotundus, reloj = horologium). Rededor (in alrededor)
hält Morel- Fatio (Rom. IV, 39) für eine metathese von de-redor; Storm
dagegen meint, daß, wenn es sich schon in der alten spräche darbiete,
es eher für das volle rotatorium anzusehen sein möchte.
Remolacha. Im Hennegau und in Lüttich heißt ramonasse (auch
remolas), schwarzer rettig.
RilhaT. Etwa syncopiert aus *roilhar (wie fr. räble aus roable
= rutabulum); also von *rodic,lare, dim. von rodere, pg. roer? Bugge,
Rom. IV, 368.
Roncar. Ist ein gemeinromanisches wort, denn es findet sich auch
altfr. ronchier (aber auch rouchier), bresc. comasc. mail. roncä, s. Mus-
safia, Jahrb. XII, 111 u. Beitr. 96. Außerdem besteht rouker Trouv.
beiges 238, 384, noch jetzt henneg. roukler (Sigart), das an ndl. rokelen,
ätsch, röcheln sich anschließt. — Mit prothetischem f fronchier, s. II. c.
Salpicar. Daher fr. saupiquet, s. Littre.
Sancochar. Wahrscheinlicher von semicoctus; €dimidia coctura
ist ein bei Apicius oft wiederkehrender technischer ausdruck; Rönsch,
Jahrb. XIV, 344.
Sosegar. Entspricht vollkommen einem tat. subsedicare, wenn ein
solches als causativ von subsidere (engl, subside sich legen) angenommen
werden darf; vgl. vengar aus vindicare ; auch sosezgar, wenn es je existiert
hat (vgl. juzgar = judicare), mußte nach den beiden s bald sein z ab-
geworfen haben; Storm, Rom. V, 184.
Tasajo. Zu gunsten von tassella vergleicht Liebrecht gr. xvßtov
das in viereckige Stückchen eingesalzene fleisch des 7ir}foxiivg (ort thun-
fisch), Jahrb. XIII, 232.
Tocho, s. tosco. Storm glaubt, bei der Unsicherheit des Ursprungs
des it. tozzo, sei es gerathener, letzteres etymologisch von tocho zu scheiden.
Tosco. Nach Storm (Rom. V, 185) aus torsico (von tbyrsus,
tursus); zunäclhst 'verstümmelt, stumpf, dann 'grob*. Die form findet
in it. pesca (persica), sp. masco (von mastico) ihre berechtigung. Regel-
recht wäre tozgo oder tosgo, aber es läßt sich vermuthen, daß torsico
zuerst sich in tosseco verwandelte (vgl. ursus *osso oso) und daß ss
das c geschützt hat wie st in masco. Diez behauptet das suffix
icus lasse, mit ausnähme von völkernamen und foresticus, keine neuen
adjectivbildungen zu; Storm weist nach, daß dieser säte allzu absolut ge-
sprochen sei. Auch tocho (altsp. tozo Sanchez) und arag. tozo, welches
letztere Diez durch tnnsus (dem sinne nach = obtunsus) erklärt, stellt
Storm zu thyrsus, torso, womit Diez auch it. toso, fr. tosel deutet. Mit
tocho, tozo ist noch zu vergleichen sp. tosa abgevierter bedhe (auch tocho
heißt ein gerundetes stück holz).
Tozo, s. oben tosco.
Tropezar. Mussafia (Beitr. 112, anm.) fragt, ob diesem werte
ANHANG II. b. URRACA— ZORRA. 751
nicht eher der stamm top „klotz" zu gründe liege ; das eingeschobene r
mache keine Schwierigkeit, und die begriffe „Mofa und anstoßen, stolpern"
seien verwandt (vgl. fr. chope und chopper; lat. caespes und caespitare);
Mussafia vergleicht noch it. intoppare anstoßen mit bergam. topicä stolpern.
Urraca. Für die herleitung des frauennamens aus dem der elster,
als eines in der alten volksvorstellung sehr geachteten vogels bringt beweise
Liebrecht, Jhrb. XIII, 232. Der franz. frauenname Furaque (G.
Paris, Hist. poet. de Charlemagne} p. 262) scheint ihm der nämliche zu
sein wie Urraca.
Vag tag o. Vielleicht vom goth. wahstus wachsthutn; der mit suffix
ägo gebildeten roman. Wörter gibt es ja viele und daß germanische stamme
rom. suffixe zulassen, davon sind die beispiele nicht weniger zahlreich
(fr. wambais, it. borino, giuliuo, guafme); was die Wandlung von goth.
v = w zu rom. v betrifft, vgl. vdguido; Storm, Born. V, 187.
Veta. Mussafia (Beitr. 120 anm.) vergleicht sicil. vitta 9fstriscia
di pannou.
Zabullir. Der gezwungenen deutung Covarruvias stellt Gar 61.
Michaelis (Rom. II, 88) folgende entgegen: Sepelir, sebellir, sebollir,
sobollir sind lauter belegbare span. formen für sepelire begraben; mit
der zeit neigte sobollir zur bedeutung des modernen zabullir (auch zambullir)
fsubmergere\ so daß in letzterem, dem niemals der begriff des brudelns
wirklich anhängt, eine bloße lautliche angleichung an sub-buüire vor-
zuliegen scheint.
Zaherir. Aus facerir = altsp. faz-herir 'ins gesteht schlagen
umgestellt; auf gleiche weise entstanden garzo aus zarco, gavasa aus
bagasa, bazucar aus zabucar (za = sub + buc, s. thl. I, v. bueo). Hin-
sichtlich des compositums faz-herir sind zu vergleichen fe-mentir, mani-
atar, perni-quebrar, cap-girar (catj; Carol. Michaelis, Rom. II, 86.
Zar an da. Das gesuchte etymon ist nach Storm (Rom. V, 188 J
lat. cernenda; der ausfall des ersten n beruht auf dissimilierung; en zu
an auch in resplandecer, milmandra (milimendrum) u. a.; a vor r be-
darf keiner recht fertigung. Cernenda (sc. grana) mag zunächst das zu
siebende körn bedeutet haben (vgl. sp. molienda) und dann auf das dazu
dienende Werkzeug übertragen worden sein (vgl. eine ähnliche Übertragung
auf den ort in it. filanda). Lat. cernere (woraus bekanntlich cribrum) ist
noch mit der bed. sieben in Spanien gebräuchlich.
Zorra. Zur bed. scortum vergleicht Liebreckt (Jhrb. XIII, 232)
sp. pelleja. — Rönsch (Grob. Ztschr. I, 420) leitet das wort unbedenklich
vom gr. iptoQa kratze, räude her.
752 ANHANG IL c. AATIR-ARGÜE.
II. o.
FRANZÖSISCHES GEBIET.
Aatir. Wie verhält sich zu diesem von Diez aus deutscher quelle
bezogenen verb das prov. adaptir azaptir 'attaquer, assaillir (LR. II, 24
und G. des Albig. ed. Meyer, gloss.)? Darf man letzteres wie begrifflich,
so auch etymologisch mit ersterem zusammenhalten? In diesem fall müs-
sen sich beide auf das adj. apte ate (s. azaut, s. 615) = lat. aptus eis
grundwort zurückführen lassen. Aus ate 'wohl aufgelegt" (s. G. Paris,
Mem. de la S. de lingu. I, 91) geht leicht a-atir in eine bestimmte (vor-
züglich gereizte) Stimmung versetzen, also reizen hervor; andererseits
möchte pr. adaptir angreifen aus der redensart s'adaptir (= fr. s'aatir)
ä entstanden sein, wie attaquer aus s'attaquer ä; besser noch läßt sich
vergleichen mit adaptir aus aptus 'gefügt' das fr. aherdre 'angreifen =
adhaerere verbunden sein. Auf die annähme eines Zusammenhangs zwischen
aptus und aatir führt mich auch noch die diesem vb. zukommende bed.
'in vergleich stellen, auf gleichen rang setzen : so Cleomades 211 (Mais
a ces deus n'aatiroie nului, k'ä envis mentiroie), vgl. 17640; s. auch
Sainte-Palaye I, 4.
Abait. Im Guill. de Palerne {her. von Michelant 1876), v.900—3
liest man: Bien m'a fortune confondue, Bien m'a mise de haut en bas,
Quant mon sergant et mon ampas Ai fait signor et moi ancele. Wie
sollte ampas anders zu erklären sein als durch ambactus, oder vielmehr
goth. andbahts diaxovog, ahd. ampath (s. Grimm Wb.)?
Abom6. Im Pariser gloss. 7692 wird abominari durch escoinuio-
voir (ergreifen, erregen), übersetzt, s. Tobler Jahrb. XII, 205.
Äff übler. Wegen i zu u, vgl. auch piac. fubbia = it. fibbia, lat.
fibula; s. Mussafia, Beitrag 67 s. v. fiuba.
Aglan. Cornu erkennt im prothetischen a, trotz des eingetretenen
genuswechsels, einen rest des artikels la, vgl. alemelle. In ähnlicher
weise sagt man in der franz. Schweiz alesson (legon), und sogar amaron
(marron) wahrsch für omaron aus lo maron; Rom. VII, 108.
Ais iL Man trifft auch aisin, ndl. azijn.
Allouer. Heißt eine summe für einen bestimmten gegenständ aus-
setzen und verwenden, ist also == allocare, wie die alte form aleuer (oft-
mals fälschlich alever geschrieben) zur genüge darthut.
Argot, ergot. Scheler vermuthet auf einen stamm eric (erice, ericius).
Argue. Scheler und Littre sehen darin das mlat. arganum =
oQyavov toerkzeug; wegen a vergleicht der erstere (tos volksübl. arpftilleur
für orpailleur. Es ist also dasselbe wort mit argano (s. thl. I).
ANHANG IL c. ARMOIRE-BAUCHE. 753
Armoire. Armoirie ist für armoierie und das verbal-sbst. von
armoier und hat seinerseits ein vb. amorier hervorgerufen.
Arna. Ist = tarna = tarma (s. thl. I); so entstand ebenfalls durch
abfall des anl. t prov. arda, arta, altfr. arte aus *tarmita, erweiterung von
tarmes, -itis ; s. Bugge, Rom. IV, 350. Daselbst wird auch für fr. ar-
tison (früher artuson, artuison, artoison) eine ctymologie arte-toison pelz-
motte (vgl. die zss. banlieue, lad. murmont, altfr. beeq-oiset) fragend
aufgestellt. *
Assen er. Scheler erkennt in dem nfr. verb lieber altfr. assener
richten (von sen richtung), als assener = assigner; man sagte auch ein-
fach assener im sinne von „attaquer, frapper".
Atelier. Rönsch (Jahrb. XIV, 180) empfiehlt ein etymon *astu-
larium von astula assula span, splitter (s. I. ascla), also der ort wo ge-
hauen, gespalten, gemeißelt wird, 'wo es splitter gibf. Daß assula auch
abspdlt von stein oder marmor bedeutete, erhellt aus Vitruv Archit. 7, 6.
S. andre deutungen bei Scheler.
Avachir. „Vielleicht vom spätlat. vascus d.i.vacuus, s. Quicherat".
Dies, handschrißl. notiz.
Avec. Neben poruec war auch die syncopierte form pruec und
prenkes im gebrauch. Wie avuec, urspr. ein adverb, zur präposition
geworden, so auch poruec und pruec, s. G. Paris, Rom. VI, 689, der
namentlich die merkwürdige behandlung des Wortes in der Verbindung
aler pruec (= aMer querir) bespricht; auch Tobler (Jahrb. XV, 263) hat
sich damit beschäftigt.
Avel. O. Paris [Chans, du 16* s. p. 7) bezweifelt das etymon
lapillus; aber auchveWe scheint ihm bedenklich, da das wort in keiner der
schwestersprachen vorhanden ist.
Babeurre. Eigentlich wohl cunterbuttcr, weil sie nach dem buttern
zurückbleibt; Liebreckt, Jahrb. XIII, 232. Auch Darmesteter, Mots
composes p. 192, stellt die deutung bat-beurre in frage.
Bäfre, vb. bäfrer. Vielleicht zum mlat. baffa baffo speck, Speckseite
gehörig (alt.-ven. bafa speck, Schinken); s. Mussafia, Beitr. 31.
BaYonnette. Die hier gestellte frage scheint nach Larousse negativ
beantwortet werden zu müssen. Den namen der waffe gab Bayonne als
fabrikort.
Balevre. Nach Darmesteter, Mots composes p. 110, ist ba das
pejorativ-präfix.
Barioler. Nach Darmesteter, p. 106 = bis-regulare; unzutref-
fend, denn reguläre gab rieuler (zweisilbig), aber nicht ri-o-ler.
Bascule. Der gedanke der Zusammensetzung liegt wohl in dem
umstand, daß beim schaukelspiel der cul des einen zur erde fällt (bas-
cul), während der des andern in die höhe fliegt; die kinder mögen zuerst
gesagt haben jouer ä bas-cul. Anders erklärt Littre den ausdruck
(battre + cul).
Bauche. Als grundwort von d6- und em-baucher möchte Scheler
48
754 ANHANG IL c. BEGUE-BOUCHER.
das wort zum ältfr. baue = ätsch, balke (s. bau) stellen, aus dem sich
ein fem. bauche mit der bed. hütte, bude gebildet haben kann. Für
bauche tünchwerk, aus dem 6baucher hervor gieng .{wenn es nicht aus
altfr. esbocher = it. sbozzare entstellt ist), sagt man heute bauge, s. Littre.
Begue. Nach Bugge (Rom. IV, 351) verkürzt aus *baubegue,
sp. *bobegue, abll. von balbus, altfr. baube, sp. bobo; abfall der ersten
silbe wie im pr. paver, it. baco (bombaco), fr. basin, bis (bombyeius),
cenelle; was das suffix betrifft, vgl. it. mocceca, apizzeca, sp. babieca,
pg. boneco, faneco, prov. bavec, manec, ufec, caveca, s. Rom. Gramm.
II, 306.
Bele* S. auch die weitläufige Untersuchung über die ital. benennungen
der wiesei bei Flechia, Post, etitn. 46—52.
Bellezour. Zum Superlativ belledissemo hat Mussafia, Beitrag 33
aus oberital. mundarten die Variante beletissimo belegt; vgl. auch Rajna,
Rom. VII 49.
Beter. Von beter gerinneti kommt b6ton erste muttermilch (s. Littre).
Doch ist auch Herkunft vom deutschen biest, wie sie Bugge als vermuthung
hinstellt (Rom. III, 145), sehr ansprechend; die ursprüngliche form wäre
dann beston.
Beugler. Altfr. bügle lebt fort als name eines blasinstruments,
s. Littre.
Bidon. Dies wort hat Diez in der 1. ausg. unter bedon gestellt,
in der 2. und 3. aber unberührt gelassen. Bugge (Rom. III, 145) ver-
weist auf isländ. byda cvas superne adstrictum und vergleicht norm.
bide butterfaß und bidne kanne.
Blafard. Tritt erst im 14. jh. auf, also zu einer zeit, wo sich
germanischer einfluß nicht mehr geltend machte; daraus schließt Storm
blafard sei = blavard, also abzuleiten von pr. blau, blava ; dem stamm
blau kam bekanntlich auch die bed. bleich zu (vgl. besonders it. sbiadito) ;
wegen v zu f, vgl. toutefois = toutevoies, it. schifare = fr. esquiver;
s. Rom. V, 168. — Es findet sich auch einfaches blafe, was die ansieht
Storm9 s unterstützt.
Bleme. Zur bestärkung der Diez' sehen etymologie zieht Bugge
(Rom. III, 146) auch das altn. sbst. blaman heran, das einen durch
schlagen hervorgerufenen blauen flecken bedeutet und ein vb. bläma blaue
flecken machen voraussetzt.
Bon de zapfen. Im comask. heißt bondon kleine dicke frau und
boldon zapfen. Es könnte sonach unser wort auch zum stamm bod
(s. bouder) gestellt, und eine verwandtschaß zwischen bonde zapfen und
bodne, bonde, borne markstein angenommen werden. S. Mussafia, Beitr.
35 antn.j so wie Littre.
Bou. Das prov. baue findet sich in der that: baue, id quod poni-
tur supra manica cultelli, Donat. prov. ed. Stengel 43, 33 (Guess 43b).
Bou eher zustopfen. Littre neigt zu einem etymon des Stammes
bosc, nämlich altfr. bouche garbe, strohtoisch (woher bouchon bierwisch),
ANHANG II. c. BOUDER— CAHIEß. 755
und beruft sich hierbei auf die Schreibung boschier. Die deutung boucher
= fermer la bouche hat allerdings etwas verdächtiges.
Boa der. S. wegen boudin auch den art. boldon (blutwurst) in
Mussafia's Beitr. 34; der stamm bold weist auf Versetzung von bot' lus
zu bold (vgl. span. rolde von rotulns). — Mussafia gibt anläßlich des-
selben oberital. Wortes noch eine große anzahl zum stamm bod gehöriger
Wörter, namentlich Verbindungen von bod- mit inflare, aus ital. und franz.
mundarten; auch zum warte boursonfler bemerkenswerthe erläuterungen.
Vgl. auch Schneller 110.
Bougre. Nachzusehen über die behandlung des Wortes, nach form
und begriff, in den ital. mundarten, Mussafia, Beitr. 39.
Brague. Zu demselben stamm gehört auch wäUon. bräkeler groß-
thun, aufschneiden, das Grandgagnage gleichfalls auf altn. braka zurück-
führte. S. auch Storm, Rom. V, 172.
Bredouiller heißt nicht gerade stottern, sondern schnell und un-
deutlich reden; es erinnert daher, wie Scheler bemerkt, an die gleichbed.
deutschen ausdrücke brodeln, brudeln, bradeln. VielleicM ist das wort
verwandt mit pr. bretz Khomo linguae impedxtai , vb. bretoneiar cloqui im-
petuose (l. impedite), Donatus provincialis (s. Stengel, die beiden ältesten
prav. grammatiken, Marburg 1877, ss. 28, 50 und 101, und G. Paris,
Rom. I) 235). Mundartliche formen sind bredaler, berdeler.
Brette. Vgl. das in Wälschtirol verbreitete brittola Schnappmesser,
Schneller 123.
Briser. Ven. ver. sbrega heißt scheu, Splitter und hängt gewiß,
meint Mussafia, mit dem verbreiteten vb. sbregar zerreißen zusammen.
Letzteres nun stellt nach Ascoli (Ztschr. f vgl. spr. XVI, 125) mit briser
ein altes w ortpaar, sei es deutschen oder celti sehen Ursprungs, brica bricea
dar, woraus nach ihm einerseits briga brigar sbregar, andrerseits bricia
briciolo briciare brizar briser hervor giengen; s. Mussafia, Beitr. 37.
Brou ir scheint etymologisch von bruir geschieden werden zu müssen.
B aquer. Eher beuken von buquer; s. oben bassare 11. a.
Bar. Altfr. buron (auch buiron) findet man noch bei Chateaubriand,
s. Littre.
Cabeliau. Die akademie schreibt cabliau und cabilland.
Cadeau. Brächet (Doublets, suppl. p. 17) hat die nichtigkeit der
etymologie catellus dargethan; das wort ist aus capitellum entstanden
wie cadastre aus capitastrum. Der ausdruck „lettre capitale" bestätigt
diese erUärung vollkommen.
Cagot. Die neueste ethnolog. und histor. Untersuchung über die
Cagots von V. de Rochas (Les Parias de France et d'Espagne, Paris 1876)
führt deren namen auf bret. cacodd aussätzig zurück. — Die jetzige be-
deutung des worts mag auf begriffliche angleichung an bigot beruhen.
Cahier. Ein etymon codicarium ist schon lautlich unzulässig. —
Auf quaternum, caern ist auch carnet (für caernet) zurückzuführen,
dessen prov. form cazernet im seeausdruck fr. casernet schiff sbuch fortlebt.
756 ANHANG II. c. CALUC-CHOYER
Caluc. Darmesteter, Mots composes p. 112, führt in seinem Ver-
zeichnis der mit dem pejorativ-präfix cal, cali, ca zusammengesetzten
Wörter folgende schieläugig oder kurzsichtig bedeutenden (mdartl.) aus-
drücke auf: calorgne, caborgne, caliborgne, caloure, calonche.
Caquer. Das sbst. caque tonne ist vielleicht unabhängig von
caquer; s. Scheler, Biet.
Carcan. Bugge (Rom. III, 146) denkt an das cdtisl. kverkbant
kehl- oder kinnband, so daß in carcant eine entstellung aus carquebant
vorläge. Das klingt etwas kühn; man darf das prov. careol halsband
nicht außer beachtung lassen; die endung in carcant erinnert an die von
percant (s. perche).
Chaire. Bezüglich der form cadrega s. Mussafia. Mon. ani. s. v.
carega u. Beitr.' 42, wo Schnelleres ableitung von craticula zurückge-
wiesen wird.
Chaland boot. Dem etymon x&vdQog kommt zu statten, daß in
venezianischen Chroniken mit derselben bed. auch gagiandra (=gajandra,
s. I, s. v. tartaruga) vorkommt; s. Mussafia, Beitr. 60, anm. — Unser
wort in der bed. 'künde eines Kaufmanns* ist nach Scheler das partieip
von chaloir, eig. warm sein, fig. sich interessieren, Umgang pflegen. Es
wurde früher nicht nur vom künden, sondern aucli vom beschützer, gönner,
namentlich vom buhlen gebraucht und steht imgegensatz zum nonchalant,
d. .h. zum gleichgültigen, s. hierüber Tobler, Grob. Ztschr. I, 22—23.
Man findet auch im altfranz. (und noch in einigen mundarten) die form
chanlant, s. beispiele bei Tobler l. c. und Rom. VII, 8. Chalant ist
also synonym mit altfr. aeeointe, das mit cognitus zusammenhängt wie
dtsch. künde mit kennen.
Chapler. Über den stamm cap, cop, cip — schneiden, zerliauen,
s. Scheler, Revue de Vinstr. publ. en Bdg., nov. 1863.
Charivari. Zusammengesetzt aus cali ( der pejoraliv-partikd) +
vari Wirrwarr, Darmesteter p. 113.
Gharpente. Besser als abl. von charpenter denn als darstellutig
des lat. carpentum zu betrachten.
Chatouiller. Entspricht genau, wie sie. gattugghiari, einem lat.
catueulare, während pr. catilhar lat. caticnlare darstellt. Flechia (Post,
et. 322) hat zur genüge aus zahlreiclien mundartl. formen, sowohl des
rom. als des germ. gebiets, den Zusammenhang zwisclien catus und ckitzeln
nachgewiesen.
Chauve-souris. Weitere rom. bezeichnungen der fledermausy s.
bei Mussafia, Beitr. 32 s. v. barbastrello.
Chenille. Flechia fragt, ob lomb. gatta nicht etwa als abgekürzt
aus bigatta (s. baco IL a) zu betrachten sei, Post. etim. 41, anm. Schwer-
lieh; altfranz. heißt die raupe cate pelue, woraus engl. Caterpillar.
Chiffe. Andre denken an arab. chiff Kvestis tenuis et peUucida',
s. Devic.
Choyer /r. zärtlich belumddn, verzärteln; daher it. sojare, dar la
ANHANG IL c. CINGLER- CR AINDRE. 757
soja spottend schmeicheln; auch alt fr. chuer RRose (gloss.). Müßte lat.
mit ca- anfangen, nach Scheler etwa von cautus [Die*, hdschr. notiz]. —
Bugge (Born. III, 146) nahm suer (bei Littre aus dem 13. jh. belegt)
für die urspr. form (wegen ch aus s, vgl. chucre, chufler, chifler) und
erblichte darin goth. süthjön kitzeln (vgl. bru = goth. bruths, altfr.
goi = goth. guth Rom. Gramm. I} 316); als jedoch Havet ib. 301 *cau-
care (für *cavicare aus cavere, das schon Menage vorbrachte) befürwor-
tete, indem er jede Verwandtschaft mit altfr. suer, it. soiare beseitigte,
stimmte ihm auch Bugge bei und stützte das neue etymon, wenigstens was
cboyer betrifft, durch das waadtländ. tschoue in acht nehmen (Rom. IV, 363).
Cingler. Das hier angeführte sillon peitschenlitze erinnert mich
an den ausdruch de cillanz verges eilige (Leg. de Ste Margu. ed. Scheler
II, 130). Sollte dieses ciller etymologisch mit silier furchen (s. d. w.)
zusammentreffen? Aus cingler läßt es sich nicht abziehen; auch schwer-
lich aus *seculare (secare). Sbst. eilande peitsche findet man Perceval
2382 (ed. Potvin), wo die Varianten cillant, cillante, cinglant lauten.
Ci viere. Schneller 131 denkt an gleichen Ursprung mit den ober-
ital. und tirol. Wörtern c6ver, s£ber, czuber', welche durch ahd. zuibar
(zwi + baren) erklärt werden.
Clique. Die bed. coterie, rotte erklärt sich aus der bed. bei fall
Tdatsclhen; denselben sinn hat auch claqne (vorzüglich ein theaterausdruck).
Clop. Neben cloper, clopiner besteht auch altfr. clopier = clo-
picare (Bastart de B. 3052).
Combrer, s. oben thl. I cobrar.
Concierge. Littre' s etymon conservire hat grammatische wie
logische Schwierigkeit; Scheler (2. ausg.) sucht das von Seiten der endung
in conservius gegen conservare erhobene bedenken zu heben.
Gormoran. Im Pariser gloss. 7692 findet man cormorage für
cormarage, gleichsam corvus maratiens.
Cornard. Für hahnrei trifft man altfr. wihot (auch huihot, voi-
hot), s. meine anm. Jean de Conde I, p. 410 u. II, 379, Trouv. beiges
313; ich sehe bis jetzt darin das dtsche. widhop, Wiedehopf, aber auch
die form willot ist zu beachten. Engl, wittol ist wohl unverwandt.
Couire. Dieses wort existiert nicht und beruht nur auf einem lese-
fehler Pluquet's in der angeführten belegsteile; die richtigen formen des
fraglichen Wortes sind einestheils cuevre, quevre, anderntheils coivre,
cuivre, quivre. Couire muß also in coivre geändert werden. W. Förster,
dem das obige entnommen ist (Grob. Ztschr. 1, 166), vergleicht sehr glück-
lich wegen des v aus c in cokerum (cueurum) = coivre, altfr. soivre,
suivre aws söcerum. — Belehrende bemerkungen sowohl über das ihr noch
unverdächtige couire, als über das deutsche köcher, mlat. cueurus und
dessen zweifelhaften Ursprung, enthalten die artikel von Caroline Michaelis
im Jahrb. XIII, 308—11.
Craindre. Wegen des wandeis von anl. tr zu er ist sp. crema
= TQtjfia zu vergleichen (Ztschr. f. vgl. spr. XX, 140).
758 ANHANG IL c. CRAPAUD-DUPE.
Crapaud. „Ich vertnuthe daß crapaud, dial. auch grapaud, cot.
gripau, mit sp. galapago, neucat. calapat identisch ist und daß es zu
dem viel vertretenen stamme grb gehört, der, wenn ich nicht irre, auch
ein altfr. vb. craper kriechen aus sich abzweigte. Ob auch das it. carpare
hieher eu ziehen ist? Daß kröten und kriechendes gethier aller ort vom
sogenannten krabbeln (krabbe selbst kommt freilich von carabus) ihren
namen erhielten^ ist sehr natürlich und kommt oft vor.u Car. Michaelis,
Studien, s. 53, anm.
Cuire. Littre, dem G. Paris zustimmt, identificiert sbst. cuistre mit
coustre, nilat. custor (= custos), dtsch. küster; sie lassen jedoch den
diphthong ui unerklärt. Paris sagt zu Alex. 36a cocistro habe coistron
gegeben; das schließt aber eine nebenform cuistre nicht aus; was ihn vor-
züglich dieser etymologie abgeneigt macht, ist die bed. von cuistre, die eher
die idee eines küsters ah eines kochs hervorrufe.
Gulbute. Verbalsubst. von culbuter = buter oder bouter le cul
en Tair (Scheler) oder = buter sur le cul (Darmesteter).
Daintiö. Das deintiet der Chanson de Roland erklärt Gautier
gtrnz unstatthaft mit dominitatem.
D and in. Heißt zunächst ein haltloser mensch, und gehört nebst
dem gleichbed. dadais und dem kinderausdruck dada Schaukel- oder Stecken-
pferd zu einem stamm dad; dandiner sagt dasselbe wie dodiner, it. don-
dolare (thl. II. a).
Danger. S. über dieses vieldeutige wort auch J. Verdam in Tael-en
Letterbode III, 52-63.
Däbit. -Es schwebt mir immer vor, als ob sich d£biter auch mit-
telst dehibitare erklären lassen könnte: man nehme debere = dehibere
im sinne von exhibere zeigen, zur schau stellen, in kauf geben.
Dia. Dieser artikel beruht auf einem irrigen verständniß der frag-
lichen steile, welche also zu übersetzen ist: „Niemals (wörtl. cnie einen tag')
wird er mein herr sein, noch ich der seinige.il Dia hat hier seine ge-
wöhnliche bed. 'tag*. S. P. Meyer, Born. V, 113.
Disette. Das von Littre auf grund einer alten form disgete er-
hobene bedanken ist nicht stichhaltig; die form disiete (ie für e ist im
norden correct vor doppelconsonanz) wurde irrthümlich disjete gelesen
und so auch disgete geschrieben.
Dour. Dieses dor wirft mir wohl mit recht P. Meyer (Rom. VII.
341) vor' in Leg. de Se. Margu. p. 83, v. 328 verkannt zu haben, wo
ich ,Jä en vos deus d'or ne crerraia geschrieben habe.
Dräsche, nfr. dreche malz. Bugge identificiert das wort mit
einem dtschen drastja, drestja = ags. daerste (faex\ altengl. drastes, ahd.
trester, Schweiz, träst, träsch; Rom. III, 147.
Duire. Die frage ob fr. duit als ductus oder als doctus aufzu-
fassen, behandelt Förster, Rom. stud. heft 10, 181 und entscheidet ßr
letzteres. So auch Havel, Rom. III, 326.
Dupe. S. auch Littre.
ANHANG. ILc. ECHANTILLON— ENGRANT. 759
Echantillon. Am etymon cant ist nicht zu zweifeln, aber das
wort erheischt noch wegen seiner mannichfaUigen anwendung in der alten
spräche eine nähere Untersuchung.
Embler. Hätte in den gemeinroman theil aufgenommen werden
können, da auch der Italiener involare und der Provenzale envolar in
ders. bed. gebraucht. Es hält» schwer das fr. voler, das erst gegen ende
des 16. jh. aufkommt, als ein verkürztes in-volare aufzufassen ; dbfoll von
in (wie etwa in plätre aus emplätre) läßt sich für die neuere spräche
kaum annehmen. Es liegt daher viel naher in voler rauben nur eine be-
griffserweiterung von dem üblichen jagdausdruck 'voler le gibier zu er-
kennen. S. Littre, Scheler und G. Paris (Chansons du 15. siede, p. 46).
— Die ansieht, wonach das lat. involare stehlen als „in die hand (vole)
practicieren" aufgefaßt wird, scheint sich immer mehr zu verbreiten; s.
hierüber Rönsch, Itala und Vulgata} p. 372. Involare entspräche somit
ganz dem fr. ausdruck empoigner.
Embronc. Förster (Chev. as d. esp. glossar) bestreitet die bed. ein-
hüllen, bedecken für das vb. embroncher. Es findet sich neben embron-
cher im sinne von senken, beugen auch das einfache broncher, s. Tobler,
Mitth. I (glossar) u. Chev. as d. esp. 146 (li reis aval son chief broncha).
S. auch oben bronco 1.
Enfrnm. Mussafia macht mich {brieflich) aufmerksam auf lucches.
infrunire (desiderare o pretendere di conseguire checchesia, anclare e desi-
derare con passione, agognare, struggersi di desiderio* (Fanfani, Vocab.
delV uso toscano). — Ein adj. enfrum findet sich auch mit der bed. finster,
mürrisch (chiere enfrume Baud. Conde 102, 127; 471, 108); es könnte
von enfrogni6 abgezogen sein (s. frignare IL a); enfrigner, enfrin, en-
frnm? Oder hängt es mit dem eben erwähnten infrunire 'sich abzehren
zusammen?
Enger. Sofern es sich vermehren bedeutet (auch aengier Baud. de
Conde 3, 64 Partout voi le mal aengier) läßt sich das wort wohl schwer-
lich mit enecare erklären.
Engrant. Die richtige sowohl begriffliche als etymologische er-
klärung dieses ausdrucks, der in zwei Wörtern geschrieben werden sollte,
hat Tobler gegeben im Dil du vrai aniel 22. Neben der häufigen redens-
art tenir oder mettre en grant (einem zusetzen, einen drängen) läuft
parallel estre en grant (besorgt, in bedrängniß, bemüht sein). Grant ist
also ein substantivisch gefaßtes weibliches adjeetiv, neben welchem ebenso
wohl die singularform grande, als die pluralformen granz und grandes
(G. Guiart II, 9104) gebraucht werden; mit diesem grant = große be-
drängniß, noth vergleicht Tobler die ausdrücke la voire, la pure der wahre
thalbestand. Schon 1866 hatte Scheler zu Jean de Conde I, 15, 482
(Dont je sui de coeur en grant sogne) die bemerkung gemacht: „Je crois
gue c*est cette expression cen grant sogne qui a donne Vadj. (freilich nur
ein scheinbares adj.) engrant, dont Vetymologie n'a point encore pu etre
fixee" Der unterschied zwischen Scheler' s und Tobler' sauffassung liegt
760 ANHANG IL c. ENGRES— EPELER.
darin, daß letzterer im neutralen begriff, der mit dem weiblichen adjectiv
graut grande zu verbinden sei, einen grund findet, die annähme einer
ellipse des Substantivs abzulehnen. Ihm zufolge sdieint demnach z. b.
im Cleomades die redensart engrant 14924 (Moult furent ses serours
engrant . . d'aaisier Clarmondine) von en grant soing 8624 (De ce ne
sont pas en grant soing) grammatisch getrennt werden zu müssen; ebenso
das einfache teile (D'une esp6e ä deux mains li a teile donn6e, Bast, de
Buill. 333) von teile coläe (An premier Sarrasin donna teile col£e,
ib. 4946).
Engr&s. Auch ein actives vb. engresser findet sich im sinne von drän-
gen: Jean Condö I, 40, 1827 Tant la presse et l'engresse la maqnerielle;
ib. 218, 1602. Zu diesem vb. würde lat. *ingressare (ingredi) anfahren,
zu leibe gehen wohl passen, aber daraus ein adj. engres abzuziehen ist
kaum zulässig. Auch das adj. engrös durch ingressus (wie confes —
confessus) zu erklären, hat seine Schwierigkeit. Sind die formen engrais,
engrois nachweislich?
En tarn er. Zu der begriffsentwicklung von anfangen zu anschneiden,
wie sie im sp. encentare vorliegt, bringt Mussafia (Beitr.69) interessante
belege aus itäl. mundartlichen, lat. initiare darstellenden Wörtern (inizar,
nezzar, inzä u. öl), welche anschneiden und einfach schneiden bedeuten.
Enticher. Nach Littre und Scheler (2. ausg.) = altfr. entechier
beflecken, anstecken. Vielleicht ist nfr. s'enticher = s'äprendre dem äo-
mqnymen entieier anfeuern, reizen zur seite zu stellen, dessen Ursprung
nicht sicher ist (titio ergäbe entiser). Beide vbb. lauteten entechier, so
Watriquet 140, v. 86—87 Quant gentils hons est entechiez d'oeuvre ä
vilain fait entechie {erpicht auf ein mit gemeinhext beflecktes verfahren).
Envis. Die redensart ä l'envi betreffend, habe ich schon in meinen
anm. zu Baud. de Conde, s. 426, also im j. 1866, geäußert, daß das
subst. envi hier als das suffixlose derivat des vielverbreiteten altfr. vb.
envier einladen, herausfordern {pr. sp. envidar, pr. enviar, nfr. r-envier)
zu betrachten ist, also herausf orderung, wette bedeutet {daher auch auf-
gebot im spiel). Dieser ansieht, die ich denn auch 1873 in die 2. ausg.
meines Dktionnaire aufgenommen, haben O. Paris (Mem. de la Soc. de
linguist. t. I, 1870 p. 289) und Tobler {Mitth. J, 262) ihre zusage ge-
geben, während LittrS dem von Dicz mit recht abgewiesenen invitus treu
geblieben ist. [Zu meiner bemerkung im Baud. de Conde war ich durch
das sbst. envial herausforderung (wofür auch fem. enviaille Parton. 38
gebraucht wird) veranlaßt worden^] — Envi ist also identisch mit dem
pr. envit, it. invito, sp. envite, nfr. invite (fem.). Ein dem letzten worte
entsprechendes altfr. envie erkenne ich in folgender stelle: II sembloit
bien que par envie (= ä Venvi) Li nns ponr Tantre s'efforchast) Jean
de Conde II, 2, 18.
Envoüter. Invotare kann nur envouer ergeben; und warum das
bekannte afr. vont vultus als grundwort abweisen?
Epeler. Wie G. Paris richtig bemerkt {Alex. 70e), altfr anz. es-
ANHANG ILc. EPIEU-EXPLOIT. 761
pelt espiant weist auf einen inf. espelir, der im edtfries, spelljäü seine
begründung finden möchte. Den infin. espelir belegt Förster (Grob. Zischr.
L 148) mit Horae Belg. IX, 64. 41, indem er auch espeliroit Sept Soges
3367 anführt.
Epieu. Die ableitung dieses worts von splculum setzt lautübergänge
voraus, welche sonst nicht vorkommen, denn axiculus, fr. essieu hat kurzes
i. Suchier (Grob. Ztschr. I, 429) nimmt daher prov. espeut, worin er
das bürg, oder fränk. speut (die älteste form des nhd. spieß) erkennt,
zum etymol. ausgangspunkt. Daraus zunächst espieut, wohl die älteste
franz. form, wenn auch nur im prov. nachweisbar; dann durch abfäll des
t, espieu. Ferner, durch ersetzung der seltenen endung -ieu mittelst der
häufigen -ier (ein Vorgang, der hier ausführlich nachgewiesen wird) ent-
stand attfr. espier (vgl. estrieu-estrier). Die form espiel, meint nun
Suchier, möchte durch den nom. espieus hervorgerufen worden sein, dem
man fälschlich ein thema espiel unterlegte (hat man ja auch aus vieus
= vilis einen accus, viel Aiol 986 sich erlaubt)-, espieil verhält sich zu
espieus etwa wie yieil zu vieus. Was endlich die form espiet, espiä
betrifft, so könne ersteres aus deutschem speut oder speot entstanden sein
(vgl. fief von feodum feudum); espie hingegen möge entweder auf ersterem
durch vertust des t, oder auf wandet von ieu zu \6 (vgl. ältfr. estrte =
estrieu) beruhen. — Das ältfr. so häufige espoit 'stoß- oder schneide-
waffe* läßt Suchier unberührt; mit recht, denn es läßt sich mit den übrigen
nicht vereinigen und hat sein eigenes etymon, währsch. dasselbe mit nfr.
6pois (s. thl. I spito).
Eschiter. Vgl. Mussafia (Beitr. 102), der ein it. sconchigarse
(von concacare) vorführt.
Espier. Nach Suchier eine Umformung von espieu wie Poitiers
aus Poiteus, s. oben 6pieu.
Espiet, s. oben £pieu.
Estern. Nicht etwa von sternere, wenn nicht im sinne c mit steinen
bestreuen wie bei strada (s. thl. 1), doch in dem *mit abgebrochenen zweigen
bestreuen wie bei bris^es (s. oben thl. I rotta) ?"
Estovoir. Eine eingehende Studie über dieses unpersönl. verb von
Tobler findet sich in der Ztschr. f. v. spr. XXIII, 421. Sie läuft darauf
hinaus, daß das praes. estuet sich aus der formet est ues (est opus) in
sehr frülwr zeit entwickelt und daß diesem praesens sich weitere formen
nach dem vorgange der starken conjugation angeschlossen haben. Tobler
fragt, ob nicht auch das glbd. it. abbisogna aus ha bisogno hervorgegan-
gen sei. Bedenken gegen diese etymolog. deutung von estovoir erhebt
Behaeghel (Grob. Ztschr. I, 468), wobei mit Wackernagel und Neumann
ahd. stuen empfohlen wird.
Estraguar. Die form estrates Cleofn. 8809 ist wohl = estraiers
(wie vregies = vregiers) und bietet kein argument gegen die Diez'sche
annähme eines ausschließlich adjectiven gebrauchs des ältfr. estraier.
Exploit Die begriff sentwicklung von esploitier ist wohl vielmehr
762 ANHANG IL c. FALOURDE-FRAYEUR.
diese: seine kraft entfalten, sich abmühen (daher s'esploitier sich be-
eilen, eine suche rasch abmachen), arbeiten, ausarbeiten, ausnutzen, aus-
führen.
Falourde, bei Froissart velourde, belourde. Bugge {Rom. IV,
355) stellt es zu sp. vilordo schwer; be, ve, vi sei die pejorative partikcl
bis; vilordo für vislordo wie pr. biluga für beslaga. — Mir ist belourde
bei Froissart nicht vorgekommen.
Fat ras. Die herleitung aus fartus (farcire) erschweren die altfr.
formen fastras, fastroulle, fastrasie, s. Littre, Suppl.
Filou. S. weiteres bei Littre und Schelcr. — Brächet (Doublets,
Spi>l.) hält filou für eine nebenform von fileur toie gabelou von gabeleur.
— Das populäre vb. flouer ist wohl = filouer, doch ist auch fraudare
(so von Boucherie, Revue des langues romanes IV) vorgeschlagen worden.
Flasque. Zusammenfluß der zwei stamme flac und lasque; Caix
in Gröber9 s Ztschr. I, '422.
F latter. Storm deutet das wort durch flatitare (vgl IL c halagar);
Scheler führt an aus den Gloss. Flac. flatare c auger e et amplum reddere,
aber Bugge glaubt es sei da elatare zu lesen; auch hätte, meint Storm,
flatare eher flayer oder flöer erzeugt; begrifflich bietet sich die analogie
von altfr. flavelle Schmeichelei (von flabellum), s. Rom. V, 179.
Fleche. Über das hier beiläufig erwähnte altfr. haste, s. Tobler
Jahrb. XU, 208, der es für unlateinisch hält, und Rom. IV, 360, wo
ihm Bugge zwar herlcunft von lat. hasta, aber unter einwirkung des ahd.
barst, harste (frixorium, crates, craticula) zuerkennt. Neuprov. heißt
astelier, astier feuerbock und ist = fr. hastier; vgl. Diez s. v. atelier.
Fl^chir. Es findet sich auch ein altfr anz. partic. fleche = lat.
flexus, 8. Eloi 92b genous fleches, enclin le chief.
Foin. Oi aus ae, oe ist ganz in der reget: so praeda proie,
poena, altfr. poine, s. Rom. Gramm. I, 169.
Frais. Die etymologie fredus vertheidigt d'Arbois de Jubainville
(Rom. 1, 143) gegen fractum, für das sich Littre ausgesprochen hatte.
F rap p er. Welches auch der Ursprung des Wortes sein möge (hrappa
befriedigt nur zur noth), es muß einst ^laufen geheißen haben, daher der
ausdruck se mettre au frapier 'davon laufen (s. Scheler, Enf. Og. 954 und
dessen Glossar zu Bueves de Comm.). Auch frapaille (worüber man sehe
Scheler Enf. Og. 5402) möchte zunächst 'fahrendes völky bedeutet haben.
Frayeur. Sein etymon frigidus hat Diez im Krit. anh. begrifflich
sehr gut verfochten, aber es bleiben doch noch einige bedenken. Wie läßt
sich die bildung des sbst. frayeur begründen? Doch wohl nicht anders
als aus dem mlat frigörem? Altfr. effroi lärm, geräusch mag sich zum
begriff schaudern, erschrecken verhalten, wie aus fremir rauschen die bed.
zittern hervorgieng. Jedenfalls nöthigt der diphthong ei der prov. Wörter
von fragor lärm abzusehen. — Grimm Wb. II. s. v. brög sagt: „Diez,
der beim franz. frayeur an lat. frigus denkt, hätte wol auch ahd. bruogo
terrqr, ags. bröga erwägen können." Diez hat es wohl mit bedacht unterlassen.
ANHANG ILc. FRINGUER-GLAISE. 763
»
Fringuer. In der veralteten bed. reinigen, spülen, putzen hält
Bugge (Rom. IV, 356) das wort für eine nasalisierte form des sp. fregar
= fricare, also eine doppelform fremden Ursprungs von froier, frayer.
Dies fringuer ist Übrigens nicht das von Die* gemeinte und nur beiläufig
hier erwähnt — Zur erläuterung der it. form filunguello sehe man Mus-
safia, Beitr. 54.
Friper. Bugge (Rom. III, 148) weist das isländ. etymon als der
wirkl. bed. des worts nicht entsprechend zurück. Das vb. friper komme
vielmehr vom sbst. fripe lumpen (altfr. frepe, ferpe, > felpe, feupe) und
dieses von lat. fibra durch Umstellung (vgl. fimbria frange) und Wandlung
von b^p wie in ensouple von insubulum. Bugge stellt ebenfalls eu
fripe it. esp. pg. felpa. Ein typus firpa fripa aus fibra ist freilich kühn und
bedenklich, aber doch nicht mehr als trompa aus tuba. — Zu felpe =
fripe gehört auch altfr. feupir, nfr. foupir * chiffonner' f so wie das von
Die* s. v. felpa (thl. 1) erwäJmte feupier = fripier. Wie aber ist das
im Rieh, li b. 1907 vorkommende defelipr£ (ses robes defeliprees) „aus-
gefasert, zerrissen11 eu erklären? Sollte felipre nicht eine erleichterte form
von felpre, felpe sein; in tonloser silbe wäre der einschob eines i viel-
leicht wohl annehmbar. Oder auch so: flipe, flipre, felipre (etwa wie
im span. filibote für flibote)? — Noch bliebe eu untersuchen ob friper
„gierig essen11 und fripon spitzbube mit fripe zusammenhängen; ich glaube
nicht. Grundbegriff ist 'rasch thun, stibitzen. Ahd. findet man hrifa
rapere und hripä prostituta, und wie Diez anführt, isländ. hripa tumul-
tuarie agere.
Froisser. Eine dritte conjeetur bietet *frustiare (frustum), vgl.
Otinel p. 29 frusse la lance.
Gaimenter. Die form guermenter könnte aus gramenter versetzt
und dieses von lat. gravamentum abgeleitet sein; syncope des langen a
liegt auch in serment (von sacramentum) vor.
Gale. Die bed. schiviele ist nicht zu verkennen Baud. Gond. 166,
393 A tes crons mustiaus as soros Et ä tes plas pi£s plains de gales.
Diese bed. ist jetzt noch im Hennegau dem werte eigen.
Gercer. Mlat. charaxare (xagaooeiv) ritzen, kratzen, das von
Littre aufgestellte etymon, widerstreitet dem buchstaben.
Gibier. Bugge führt als conjeetur dieses altfr. verb auf ein lat.
*capicare, abl. von mlat. capus falke zurück. Zur bed. stellt er die des
engl, to hawke, und wegen gi aus ca vergleicht er girofle aus caryo-
phyllum und dägingander = mail. scanchinä (Rom. III, 147); s. Rom.
IV, 358.
Gier. Suchier (Grob. Ztschr. I, 431) versucht eine erUärung von
gierres (Oxforder Psalm. 72, 13) auf ein lat. de ha re zu gründen; der
cmlaut g wie in jour und vielleicht in gehni = de hodie; doch stößt er
sich an der zsgs. form regieres Fantosme 1330.
Glaise. Die altfr. form war gloise (Chev. as d. esp. 7008 \ was
kürze des stammvocals andeutet.
764 ANHANG IL c. GOURMER-HANTER.
Gourmer. IMbrSs erklärung von gourmet — es heiße zunächst der
diener (s. grumo thl. I) eines weinhändlers — wird widerlegt bei Schcler.
Grammair e. Sowohl masc. als fem. kann dies wort nicht auf
grammaticarius zurückgeführt werden, sondern es kommt von grammaticns
durch denselben lautlichen proceß, welcher medicus in altfr. mire und
artem magicam in oitfr. artimaire verwandelt hat (s. unten mire). So
lautet die wohl begründete ansieht Tobler9s (Rom. II, 244); das von Diez
nach Raynouard angeführte pr. gramäire hält Tobler, ohne es anzweifeln
zu wollen, für eine franz. lehnform; das pr. gramatge entspricht voll-
kommen der form metge von medicus.
Gravi r. Wenn ramper zu rampa kralle gehört, warum sollte nicht
auch graver (dies die fotm deren sich Rabelais bediente und wohl die
ursprüngliche) auf grau (altfr. und noch mundartl. = kralle) zurückge-
führt werden?
Greve. Das celtische etymon wird vollends unterstützt durch altfr.
groe sand, kies Berte a. gr. p. 838 (Berte gist sor la terre, qui est iure
com groe), Baud. Seb. i, p. 169 (au champ dessus le groe).
Grigou. Zu diesen Wörtern auf ou ist noch gabelou Zöllner zu
fügen; cagou ist nicht mehr im gebrauch. Dazu kommt noch der jedem
Franzosen bekannte volksausdruck voyou, worüber man sehe Fr. Michel,
Dict. d'argot, und Ch. Nisard, Curiosites, p. 174 ff. — Grigou vom
dtschen grind abzuleiten, darf bei Littre wunder nehmen.
Grim. Auch altfr. fem. grime, Trouv. beiges 239, 422 ven6s avant,
ma dame grime.
Grimoire. Scheler denkt an ein volkstümliches vb. grimer 'grif-
fonner\ dem auch grimaud und grimelin schuljunge, gleichsam 'papier-
kratzer, entsprossen zu sein scheinen.
Grive. Nach Scheler' s conjeetur zum thema grip 'rauben gehörig,
vgl. oiseau de grip und vb. griveler stibitzen.
Gueuse. S. weiteres bei Scheler.
Gueux. S. auch G. Paris, Chansons du 15e siede, p. 129, wo die
etymologie coquus entschieden abgewiesen wird.
Hante. Förster (Grob. Ztschr. II, 84) empfiehlt das etymon hasta,
erstens weil ames seiner bed. nach ( querholz) mehr abliegt, zweitens weil
hasta ein gemeinrom. wort, und drittens weil banste die ältere form ist
{Psalter, Roland u. s. f.). Die einschiebung des n vor s + cons. ist ein ge-
wöhnliches factum; zu den im Chev. as d. esp. s. L und Grröb. Ztschr. I, 560
angeführten beisp., fügt Förster noch das besonders zutreffende tanster
(Hiob 338, 4; 346, 29) neben taster.
Hanter. Das aspirierte h ist nicht stammhaft, sondern hinzugetreten
wie in haut, houlette, h^risson, hulotte, huppe, hurler; die beispiele von
reinem a sowohl beim verb als beim subst. antise liegen zahlreich vor (s.
Scheler). Ferner ist die grundbedeutung des worts nicht sowohl häufiger
besuch als utngang, verkehr, bleibender auf enthalt; es ist synonym mit
altfr. converser, lat. conversari. Diese umstände rechtfertigen das von
ANHANG IL c. HATEREL-HURE. 765
mir in der 2. ausg. des Dich aufgestellte etymon *ambitare umgehen.
Gegen laut und bed. ist nichts einzuwenden; daß das freqaentativ von
ambire nicht vorkommt, macht keine schwierigheit, sonst müßte man die
dllgemein angenommenen etyma von oser, user, refuser, oublier, profiter
gleichfalls in zweifei ziehen. Daß das von Dies angerufene altn. heimta
sich nur künstlich mit dem sinn von hanter einigen läßt, hat wohl man-
eher gefühlt; zumal bei hanter = exercer, pr atiquer, wo sich dagegen
der gedanke cmit einer sache umgehen* so natürlich aufdrängt. Habitare,
zu dem sich Littre bekennt, genügt lange nicht allen Verwendungen des
worts. Die begriffliche entwicklung, die ich für das fr. hanter annehme:
herumgehen, begehen (einen weg), umgehen, verkehren, sich aufholten, ein
geschüft betreiben, ist etwas verschieden von der im Grimmschen Wb.
dem dtschen hantieren beigelegte, aber dieses lehnwort hat eben seine be-
sondere geschickte.
Haterel. Bugge (Rom. IV, 360) halt mit Grandgagnage haterel
für identisch mit hätereau Uranche de foie de porc, poivree, salee et
grillee\ das zu haste = dtsch. harst (s. oben fleche) gehört, indem es
auch die bed. €col de veau ou de porc" besaß. Zunächst bezeichnete
hätereau einen theil des geschlachteten thieres und wurde dann auf das
lebende, selbst auf den menschen, übertragen. Altflämisch hieß herst 'spina
porci, dorsum porci\ so heißt auch haterel Renart I, 167 rückgrat; wie
die bedd. rücken, rückgrat, nacken, hals in einander spielen, beweist sp.
cerro und lat. tergum, welch letzteres mit gr. TQaxrjlog verwandt ist
Haut. P. Meyer (Ecole des Ghartes 3. s*e IV, in der recension von
Littre): „Es gibt franz. Wörter mit vorgesetztem h ohne deutschen einfluß:
hieble, heur, huis, huitre, huit So auch haut, hurter, heingre. Die ein-
silbigen mit anl. vocal (wozu im gründe auch huitre, hieble, heingre ge-
hören) haben die neigung aspiration anzunehmen; sie scheinen damit
einen größeren widerstand zu gewinnen und weniger in gefahr zu sein,
mit dem vorhergehenden worte zusammenzufliessen.il
Haver. Davon dim. *ha voter rauben, plündern, woraus sbst. altfr.
havot rauh, plünderung, engl, havoc ; s. m. anm. Trouv. beiges s. 352.
Herse. Eine weitere analogie für harceler peinigen bieten ital.
mundartl. ausdrücke, welche zugleich hirpex und ineubus (der peiniger)
bedeuten; s. Flechia, 11.
Hide. Nach Schuchardt, Vok. 11, 258 = foeda, sbst von foedus.
Hie. Ist unmittelbar abzuleiten vom altfr. hier keichen, fig. sich
anstrengen, ereifern, Band. Gond. 275, 130.
Hotlille. Eine weitere autorität zu gunsten des etymons schölle,
prof. Bormans in Lüttich, citiert Scheler (2. ausg.).
Houspiller. Scheler beanstandet die Littre9 sehe deutung.
Hure. Bedeutete ursprünglich eine Iwpfbedeckung ; eine Handschrift
von Jean de Garlandes Dictionarius übersetzt pilea durch hures und
pileola durch hurez (s. Jahrb. VI, 294—5); auch in der von Diez an-
gezogenen stelle des TCant. ist la hure abati, wie der lat. text lehrt, zu
766 ANHANG IL c. ISART-MARAUD.
verstehen 'pileum dejectf; vgl, noch altengl. hure = galerus, pileus (s.
Ducange). Dies veranlaßt Bugge (Rom. IV, 362) unser wort durch altn.
hufa hui oder kappe, besonders eine härene oder pdzmütze = dtsch. haube
zu deuten; die syncope des f ergab hue, die einschdltung von r (5. mire)
hure. Die bedd. köpf, haar, struppiges haar sind später hinzugetreten;
einen ähnlichen begriffsweehsd zeigen verschiedene Wörter für hut in den
scandinav. sprachen. Die überlebende bed. des worts ist köpf, besonders
wüdschweinskopf. Altfr. huve, huvette wären sonach dem deutschen hüba
(haube), hure hingegen dem altnord. entnommen. — Das cps. dehurä Trouv.
beiges, 237, v. 373 scheint kahlkopf zu bedeuten.
Isart. Deutungsversuche bei Littre.
Larigot Das in der 1. ausg. vermutungsweise aufgestellte etymon
arinca (roggenstengd) hat Diez in der 2. stillschweigend aufgegeben;
wahrscheinlich auf grund der von Diefenbach, Orig. europ. p. 234, ange-
stellten Untersuchung über das gallische wort. Wenn aber arinca versagt,
läßt sich vielleicht eine deutung mittelst alica versuchen. Der kunstaus-
druck largo befriedigt kaum.
Liart Wenn, wie Liebrecht behauptet, liard früher eine süber-
münze bezeichnete, so ist es unzweifelhaft identisch mit Hart weiß, vgl.
blanc, sp. blanca (silbermünze); Jahrb. XIII, 234.
Locman. In der 2. ausg. zieht Scheler altfr. laman {woher *la-
maner, lamaneur) aus 'l&d-man, vom ags. lad leiten. Das etymon ndl.
loadsman für fr. locman erachtet er für unsicher.
Lodier. Ist den neueren Wörterbüchern fremd.
# Lop in. Anders denken Littre und Schder. Zu erwägen ist auch
die unter Littre'' s citaten sich darbietende bed. 'schlag'.
Lorgner. Wie ist das adj. lorgne zu erklären Perceval 2010:
Ne sui 8i lorgnes ne si lois (= luscus) Que vostre fausetö ne voie?
Die patois haben auch calorgne, worüber nacJizuschen Darmesteter p. 112
(ca ist pejorativ-präfix). Auch findet man altfr. lour, s. DG. s. v. lus-
cus. Vgl. oben caluc.
Lumignon. Das wort wurde bisher allgemein für eine ableitung
von lumen angesehen; daß diese ansieht nicht stichhaltig ist, habe ich
hoffentlich zur befriedigung meiner mitforscher in der Rom. IV, 460 be-
wiesen) meine argumente zu gunsten des mlat. Kernen habe ich zu meiner
genugthuung in Littre9 s Supplement abgedruckt gesehen, aber mit geringerem
Wohlgefallen fand ich daß die in der Born, mit meiner Unterschrift ver-
sehenen worte dort herrn Cornu in den mund gelegt werden.
Luquer. Lomb. lughera ist, wie Flechia 342 meint, abgeleitet von
demselben luca, von welchem bellugue, beluga u. s. w., also = lucaria.
Manevir. Das gegentheil von amanevi ist esmanevi 'entfremde?
(Brun de la Mont. 2916).
Mar au d. Bugge, von der bed. armselig, verlumpt ausgehend, sieht
in maraud eine rom. ableitung von malus (vgl. die büdungen courtaud,
richaud); malaldo wurde zu maraldo wie melancolie zu merancolie.
C'
ANHANG II. # MARCASSIN-MEGUE. 767
Wenn im deutschen lehnwort marode der sinn *müdigkeit, entkräftung
vorwiegt, so erinnert das an das it. malito, sp. maluco ; s. Rom. III, 155.
— Diese deutung hat viel für sich, und für meinen theil wüßte ich nichts
einzuwenden; sie ist jedenfalls zusagender als die von Rönsch (Jahrb.
XIV, 183), welcher das hehr, marud caus der heimath verstoßen, umher-
irrend, obdachlos' für das etymon ansieht. Das von Littre erwähnte cors.
marodi, com. marö kränklich spricht gleichfalls für eyien stamm mar = mal.
Marcassi n. Roülin (bei Littre, Suppl.) sieht hierin ein ndl. melk-
swyn. So sehr fr. cochon de lait diese ansieht zu unterstützen scheint,
so steht ihr doch der buchstabe entgegen, das wort müßte ssuin zur endung
haben (vgl. marsouin). Ich stelle es lieber zu marqnais pfütze, grübe,
wovon norm, margas eine nebenform sein mag. Das wühlen in der pfütze
hat ja auch, wie es scheint, dem gr. yQ0fiq>ig und dem lat. scrofa den
namen gegeben. Woher aber marquais, mlat. marcasium? Läßt es sich
mit mare mariscus in Verbindung bringen?
Mar eher. In der 2. ausg. erinnert Schder an ein ähnliches be-
griffliches verhältniß zwisclien walken und engl. walk. — Im fig. sinne
wird altfr. marchier treten, zertreten zuweilen mit marchir = marcescere
verwechselt, so sagt Band. Cond. 197, 8 pour lor orguel marchier, und
200, 82 est or bien li orguex inarchis.
Mare. Ein langes verzeichniß von ital. ausdrücken für „ineubus"
hat Mussafia zusammengestellt, s. v. mazaruol seines Beitr. 78, anrn.,
unter denen, wegen cauche-mar, die mit calcare gebildeten besonderes in-
teresse verdienen. Noch weitere findet man bei Flechia, Postille etymo-
logiche, 10—11.
Massacre. Wenig zusagend ist Gaix9 deutung massacrer = am-
mazzare + sacrare (Grob. Ztschr. I, 426). Dem worte, das nicht über
das 16. jh. hinauf belegt wird, mag allerdings eine anlehnung an sacrare
die jetzige gestalt aufgeprägt haben, aber ursprünglich war das thema
macecr; ich habe Enf. Ogier 5685 ein sbst. maceclerie metzelei und in
meinen Deux red. de la leg. de Ste Marguerite 36, 566 masecrier henker
hervorgehoben.
Matelot Bugge (Born. III, 155) empfiehlt altn. matunautr (ent-
sprechend mhd. m&z-genöze) tischgenosse, ein besonders von den schiff-
leuten gebrauchter ausdruck, die in verschiedene mötuneyti oder tisch-
genossenschaften eingethcilt waren. Matelot verhalt sich zu matenot wie
gonfalon zu gonfanon, it. temolo zu lat. thyminus. Diese erUärung be-
günstigt die von G. Paris in einer der handschriften der Passion aufge-
fundene form mathenot.
Mazette. Gaston Paris (Rom. III, 113) fragt ob sich dieses wort
nicht mit it. mazeta (bei Mussafia, Beitr. 78, mit ,ßtehkin" Übersetzt),
dem dim. von mazza stock, identificieren lasse; vgl. burdo maülthier und
bourdon stob, sp. muleta maülthier und krückenstock.
Megue. Liebrecht (Jahrb. XIII, 234) denkt unter anderem an
gr. fiilxa, saure milch.
768 ANHANG IL c. MERIR— MIRE.
Merir. Der conjunctiv mire = mereat ist eben so wenig anstößig
als empire = imperium.
Micmac. Besser statt * Spitzbüberei setze 'maukdei.
Mi e vre. Die gleichstellung von inievre und nievre und folglich das
etymon nebulo Hesse sich zur noth lautlich rechtfertigen; wandet von n
su m liegt auch in Mitouche (für Nitouche) und mastouche (Tat. nastur-
tium, s. Schder) vor. . — Das wort lautete wohl ursprünglich mieuvre
(mieure wird bei Littre belegt); da nun pieuvre {nebenform von poulpe,
proü. poupre = polypus, polpus) ein thctna popl (umgestellt aus polp)
andeutet, Hesse sich auch füglich mieuvre auf lat. mobilia beweglich, ruhrig
zurückführen. Diese meine im Dict. (2. ausg.) ausgesprochene conjectur
mag vielleicht mehr gönner finden als das etymon semiebrius, dem Rönsch
(Jahrb. XIV, 184) sich zuwendet. Meuble, meuvre, mieuvre, mieure,
mievre ist eine, scheint mir, correcte entwicklung. [Diese deutung wird
auch den lescrn des Courrier de Vaugelas (Jahrg. VII, p. 82) mit den-
selben details als die zutreffendste geboten, der name ihres Urhebers jedoch
übergangen.]
Mire. Die herleitung aus mediearius bestreitet Tobler entschieden
(Born. II, 242); syncope der silbc ca sei unzulässig. Er geht vielmehr
von medicus aus, welches in folgender weise eine dreifache behandlung er-
faJtren habe. 1) Medicus ergab regelrecht zunächst meide (höchst selten)
und daraus meie (Sermons de S. Bern. 526, 628, 570, vgl. per mei =
per medium), und die verbreitete form mie (vgl. -erium, fr. -ire in avou-
tire, empire u. ähnl., vgl. besonders mie-nuit = media nocte). — 2) Das
durch syncope des c sich herausstellende thetna medie wurde gleichfalls
in gewohnter weise zu med]' und so entstand das bekannte miege (vgl.
piege, Jumieges aus pedica, Gemeticum). — 3) Ein dritter verwand-
lungsmodus beruht auf der von Tobler an einer ganzen reihe von beispielen
nachgewiesenen einschiebung eines r an die stelle des ausgefallenen d:
medie, durch attraction midie, durch syncope mi-ie, wurde mirie (LR.
304) und schließlich mire; nebenbei auch mere und miere (vgl. matire
neben matere matiere). Zur form mirie gehören die abll. mirgesse weiblicher
arzt (Ruteb. II, 179) und mirgie medizin (Ch. au lyon 649); zu mire:
miresse, meresse (L. des Mest. p. LXXVIII und 38). In analoger weise sind
nach Tobler entstanden aus remedium homicidium navigium grammatica
artem magicam die formen remire omecire navire grammaire artumaire.
Gegen diese tiieorie des eingeschobenen r, welche Tobler späterhin, an-
läßlich des Wortes vrille %(s. d.), noch an weiteren fällen zu bewähren
suchte (Ztschr. XXIII. 414), legte G. Paris (Rom. VI, 127) einspruch;
für ihn ist in den meisten der angezogenen fälle das fragliche r aus ur-
sprünglichem d durch ein vermittelndes 1 entstanden (vgl. concilinm con-
cire, nobilius nobire). So ergebe sich für unser medicus die formenreihe
midie mfiie mirie mire, vgl. Aegidius 'Gfdie Gilie (woher Gilles) Gire.
[In entsprechendem sinne sprach sich auch, vor G. Paris, Mussaßa aus,
bezüglich einer im Chevalier as deus espees 2257 vorßndlichen form miles
ANHANG II. c. MOIRE-OTER. 769
= mires.] — Anders denkt sich die bildung van mire L. Havet (Rom.
VI, 266): „Später als der wandet von tund d in d (dh), als der Schwund
des medialen c, als der fall der protonischen vokale und epitonischen
endlaute, und als die Schöpfung einer gewissen anzahl gelehrter Wörter,
hat sich die consonanten-gruppe di, da wo sie die franz. spräche damals
besaß, in die gruppe ri verwandelt, welche dem rhotacismus von d bei der
berührung mit dem consonanten i (jot) direct entspringt"
Moire. Das arab. wort ist mokhayyar, zu dem auch it. mocajardo
*una sorta di tela di pelo stimmt; s. Devic.
Moite. Scheler schlägt vor mixtus, das sowohl dem buchstoben (vgl.
espois von spissus, dois von discus) als dem begriff genügt (moite liegt
zwischen trocken und naß). Ducange s. v. mixtum erwähnt cble moitangä'.
Baudry bei Littre stimmt für mucidus, das aber nur moisde ergeben konnte.
Moquer. Z/ur erhärtung meiner auffassung, die von Littre geneh-
migt wird, bemerke ich noch, daß auch unser schneuzen im sinne von
prellen gebraucht wird, s. Sanders.
Morgue. Deutungsversuche bei Scheler.
Nans. Die bildung nantir ist gegen alle reget (s. Schieler). Das
alte wort bedarf einer näheren auf klär ung.
Orfraie. Diesen vogelnamen trennt Suchier (Grob. Ztschr. I, 432)
vom altfr. ospres (Auguis, Poetes II, 140) = engl, osprey. Dieses osprfcs,
ursprünglich wohl osprais, stelle das gr.-lat. oripelargus dar, woraus
*oriperagus und fr. orprais; die gleichartigkeit der bedeutung bewirkte
vermengung der formen: orprey wurde osprey und osfraie wurde orfraie.
Uebrigens könnte auch letzteres oripelargus zur quelle haben, vgl. fresaie
aus praesaga.
Orfroi. Liebrecht (Jahrb. XIII, 235) verweist, wegen fresum (in
aurum fresum), auf Uhland, Schriften I,.279 anm. 1.
Orif lamme. Ist, meines erachtens, nicht aus auriflamma, sondern
letzteres aus dem franz. worte. Wir haben hier eine verkürzte form von
orie -flamme des Rolandslieds 3093 (vgl. dimanche für diemanche,
minuit f. mienuit). Man behauptet freilich, daß in der erwähnten stelle
orie zweisilbig gelesen werden müsse wie v. 466 und Alex. 117 a, und es
haben die herausgeber zu diesem behufe eine sübe in den vers eingefügt
(i, il, lor); aber läßt sich denn neben orie = oire = aureus golden
nicht auch eine form ori, orie goldfarbig anerkennen, sei es = *aurivus,
oder besser = *auritus (vgl. blanchi, blesmi, jauni)? Ich verkenne das
bedenkliche dieser annähme nicht, aber es scheint mir nicht minder ge-
wagt, mit Darmesteter, Formation des mots comp. 27, ohne beleg, in ori-
flamrae, ori aus orie = orje werden zu lassen. Vgl.pr. auria-flor, neben
auriflour, auriflan, auriban (s. banda).
Oter. Scheler 2. ausg. verzichtet auf seine conjectur abstare austar
oster. — Den deutungsversuch Lücking's (Die ältesten franz. mundarten)
durch hospitare bezeichnet Neumann mit recht als geistreich aber zu weit
hergeholt (Grob. Ztschr. II, 159)!
49
770 ANHANG IL c. OUAICHE-PIETRE.
Ouaiche. Nach der Akademie männlich, nach Littre weiblich;
wurde früher houache houaiche geschrieben. In meiner ersten ausg. stellte
ich das wort zum glbd. engl, wake ; auch Littre hat seitdem dieses etymon
aufgestellt; Ed. Müller jedoch gibt der Die*? sehen deutung den vor eng
und ihm habe ich mich in meiner zweiten ausg. angescJdossen.
Paletot. Anders Littre, den Scheler widerlegt.
Pan. Wie pannus zur bed. ( weggenommene sache, pfand* hat ge-
langen können, läßt sich, wie mir scheint, nur auf folgende weise er-
läutern. Es muß das vb. paner, pr. panar zu grund gelegt werden, das
wohl zunächst 'der kleider berauben hieß und dann die allg. bed. rauben,
wegnehmen entwickelte; aus diesem das suffixlose sbst. pan genommene
Sache, pfand. Dieses pan erzeugte seinerseits ein hier übergangenes vb.
panir pfänden, in schaden setzen; von diesem kommt hinwiederum sbst.
panie p fändung, beeinträcJUigung (prendre panie sur qn. Baud. Conde
23, 163). Mir scheint übrigens ein fr. paner in der bed. von nehmen
etwas verdächtig, so daß sich pan pfand kaum daraus ableiten läßt (dem
Provenzalen ist pan unbekannt und sein verb panar muß wahrscheinlich
anders gedeutet werden). Wenn es sich bestätigen sollte, daß tnlat. pannus
zunächst 'velum quod obsignatis rebus appenditur bedeutete, versehwände
jede Schwierigkeit.
Pantois. Daß pantaisar nicht mit Caix (Grob. Ztschr. J, 428)
durch pant + *anxiare (= it. ansare) sich erklären lasse, wird man
G. Paris gerne zugeben, aber ob das etymon phantasiare, weiches dieser
befürwortet (Rom. VI, 629), das richtige sei und ob pantois oder pantais
dem lat. phantasticus entspreche, bedarf des be weises; Paris sagt nur
pantaiser habe seit dem mittelalter neben seiner bed. athendos sein in den
südl. provinzen die bed. „rever", irre reden (oder träumen?), und der
eigentliche sinn sei „avoir le cauchemar". Ist anl. p aus ph so ohne
weiteres zulässig?
Parelle. Das von Ducange aus dem Pseudo-Macer citierte glbd.
paratella darf als eine lat. Umbildung des span. Wortes angesehen werden.
Immerhin bleibt das etymon pratum zweifelhaft; warum sollte der Spanier
paradela neben prado gesagt haben?
Parrain. Förster (Ch.as d. esp. 10769) weist nach, daß die form
auf ain so alt ist als die auf in, daher neben patrinas auch patranus
vorausgesetzt werden müsse; so auch für marraine.
Pier. Das hier erwähnte sp. empinar ist nur eine specidle Ver-
wendung desselben verbs in dessen bed. heben, in der art wie der fron-
zose 'lever le coude sagt. So meint wohl richtig Liebrecht, Jahrb.
XIII, 236.
Pietre. Dieses icort, in der ersten aufläge von Diez durch pedestris
erklärt und dann wegen mangels an gelwriger begründung beseitigt, neh-
men wir hier wieder auf, indem das etymon pedestris durch das von
Tobler an mehreren stellen des Gautier de Goinsy erwiesene Vorhandensein
eines altfr. peestre in der bed. des nff* pi6tre vollkommen gerechtfertigt
ANHANG IL c. PIROUETTE-RADOTER. 771
ist ; aus peestre ward pYestre (vgl. pion, Hon, altfr. crier = creare), und
daraus das zweisilbige pietre (vgl. diable, lien u. a.). Brächet hat die
Die*' sehe etymologie aufgenommen ohne der Schwierigkeit au gedenken, auf
welche Dies hinwies; s. Ztschr. XXIII, 418.
Pirouette. Für Caix (Grob. Ztschr. I, 423) sind die beiden bil-
dungselemente pir 4- rouettc. „Der stamm pir bezeichnet gegenstände
die sich schraubenartig um sich selbst drehen; er findet $ich in vielen
composita der itcd. mundarten, so wie im fr. piron 'eine art thürangeV
und im pr. birou bohr er \ Flechia (Ar eh. glottol. II, 316—7) führt ihn
auf gr. neigiov schraube, 7ceiQog pflock zurück. Nach analogie von
girouette gebildet."
Plais. Altfr. plaissier = lat. plexare findet sich im sinne von
beugen, zähmen: la char fraindre et plaissier Quenes deBethune (Trouv.
beiges 12, 11).
Posnäe. Einen bescheidenen erJdärungsversuch durch potis, *poti-
nus bietet Schder im Gloss. zu Froissarfs Chron.
Poudre. Andrer ansieht sind Gachet und Littre hinsichtlich der
bildung von poussiere. Man beachte das von pols abgeleitete prov. adj.
polsos.
Pouillä. Ein grundwort polypticarium läßt sich nur mit mühe
rechtfertigen; auch gäbe die contraction polptcarium niemals pouiller,
auch wenn sich letztere form finden sollte. Leider hat das wort keine
geschickte; mir schwebt vor es sei eine einfache willkürliche Verkürzung
von d6pouill6 *relev6, verzeichniß '; so sagen die Wallonen dicace kirch-
weih statt dädicace.
Prinsantier. Nfr. prime-sautier ist noch in vollem gebrauch.
Puirier. Nach Tobler (Mitth. I, 266) von procerare von proce-
rus, welches sein erstes r durch dissimüation verloren hätte, wie span.
postrar, pr. penre; wie ist dies aber der bed. nach zu begründen? Läßt
sich einefn vb. procerare die bed. darreichen unterlegen, wie dtsch. langen
von lang? Am buchstaben ist nichts auszusetzen; p(r)oc7rare aus pro-
cerare ist nicht weniger correct als blasf mare aus blasphemare. Jeden-
falls ist porrigere nic/d passend (zu diesem gehört sp. espurrir ausstrecken).
S. auch Jahrb. X, 264 und XI, 152.
Pupitre. Meine erklärung der franz. form durch vorrücken des
accents und Versetzung der liquida (also pupft'lum) habe ich in der 2.
ausg. meines Dict., obgleich von Brächet und Littre gutgeheißen, aufge-
geben; ich halte dafür"', daß pupitre auf einem dim. pulpitulum beruht.
Quenne altfr. kinnlade, s. Du Meril, Dict. norm.; daher quenotte
kleinkinderzahn; Diez, hdschr. notlz; s. auch LittrS.
Quivrer. Vgl. meine bemerkung zum vb. cuvrier im Bastart de
Buälon, v. 3082.
Radoter. Es wäre zu untersuchen, ob redoter nicht als ableitung
des altfr. reder delirare zu betrachten sei; s. mein Dict. s. v. rever und
mein gloss. zu Froissart s. v. enrederie.
772 ANHANG II. c. RAME -REGRETTER.
Rame. Daß ein altfr. rein für rame wirklich bestand (Ben. LI,
54), findet man bei Littre, aber nirgends begegnete mir eine erwähnung
des bei Froissart und nordfranz. dichtem vielfach gebrauchten rime, vb.
rimer (s. mein glossar zu den Chroniques); dies ist doch wohl das dtsche
riemen, ahd. riemo rüder? — Brächet, Mem. de la Soc. de ling. I, 419,
halt rame für verderbt aus prov. rem.
Rate. Das gegentheil von d&ratä scheint altfr. ratier zu bedeuten:
mürrisch, griesgrämisch, daraus geusig, karg, s. Schder eu Froissart,
Poesies I, 162, 2653, und Förster eu Chev. as d. esp. 21.
. Ravauder. Ich möchte lidber ravaut zum stamme rav von ravasser
(s. rever) stellen; zunächst einer der unsinn redet; daraus vb. ravauder
und von diesem sbst ravaut, unsinn, aufschneiderei. Das wort hat mit
ravauder flicken (der alten spräche, wie es scheint, fremd) nichts zu thun.
R6. Das hier vorgeschlagene etymon rete hat regelrecht roit, roi
gegeben; langes e kann nur in gelehrten Wörtern zu fr. 6 werden. Da-
rum leitet Förster richtig r6 von lat. ratem floß ab, dessen bed. 'zusam-
mengefügte bälken für Scheiterhaufen wohl besser paßt als 'netz'; Ghrob.
Ztschr. I, 561.
Reche. Davon (oder direct aus dem deutschen?) enreski harsch,
brach; s. Jahrb. X, 255..
Recru, recrue. Diese beiden Substantive stimmen vollkommen zum
etymon recroltre, sie bedeuten nachwuchs, Zuwachs; auch recruter, eine
bildung des 17. Jahrhunderts, wurde bisher ohne Widerspruch eis directe
abl. vom particip recru (vgl. chu, chute) betrachtet. Diese herkömmliche
ansieht ist jedoch von G. Paris (Jahrb. XI, 157) in zweifei gezogen
worden. Das ächte wort sei recluter = it. reclutare, sp. reclutar, dessen
eigentl. bed. (ein Meid) flicken, aufbessern, figürlich auf die Vervollstän-
digung einer truppenmannschaft Übertragen worden sei; „recruter un
regiment, c'est le rapiecer, lui remettre les morceaux qui lui manquentu;
später construierte man 'recruter des hommes pour un regiment\ Woher
nun aber dieses altfr. recluter aufflicken, von dem Paris die belege nicht
schuldig bleibt? Fs gehört nebst altfr. clutet (s. Tobler zum Besamt de
Dieu v. 260) zum altfr. clut (Pariser Gloss. 7692, nr. 410), welches
'frustum stück, stück tuch, fleck' bedeutet, und von dem sich noch die
abll. cluterel fetzen, cluter, mlat. clustare zerstückeln, auch clustrer, clis-
trer kleine Stückarbeit ausführen (daher dtsch. klütern, klittern, klitter-
werk) vorfinden (s. Ducange s. v. reclutare). Dieses clut nun stellt Paris
zum altn. klutr, schwed. dän. klut stück tuch, fetzen. Er spricht sich
aber nicht darüber aus, ob er recrue als das verbal-subst. von recruter =
recluter ansieht, und somit reclue für die normalform hält, denn beide
etymologisch zu trennen erregt doch bedenken.
Regretter. S. über das wort G. Paris zu Alex. 26e und Schder,
Dict. d'etym.; beide bekennen sich zum etymon goth. gretan weinen (— alt-
nord. grata), das auch Diez im Krit. anh. 25 empfahl, aber in der 3. ausg.
(ob absichtlich?) nicht wieder erwähnt hat.
ANHANG IL c. RELAYER- SELON. 773
Relayer. Relais kann nur als suffixlose ableitung von relaisser
angesehen werden, also engl, release entsprechend; relayer ergab sbst.
relay, das im engl, fortlebt.
Renge. Das wort bedeutet nach G. Paris (Alex. p. 179) die
schnalle zum anstecken des Schwertes; er citiert die Beichenauer glosse
'fibulas, hrincas vel fiblas\
Rez. Neben rez läuft noch die med. form ras in an ras de l'eau,
an ras de terre. Von der redensart an rez' de chanssäe kommt sbst.
rez-de-chauss6e erdgeschoß (zu ebener erde).
Rin. Ich hatte dieses wort in meinen text des Bueves de Commar-
chis 2360 aufgenommen, aber mit einigem zweifei, ob nicht besser rin oder
rni zu lesen sei. Seinerseits' äußert sich Tobler (Gott. gel. anz. 1874,
s. 1043) also darüber: Existiert das wort rin t quelle wirklich? Mir
ist es nirgends begegnet als an der von Diez citierten stelle und auch da
hat es vielleicht dem bekannten rin oder rni (rivus) zu weichen.
Rincer. Mit prov. recensar ist zusammenzustellen altfr. rechin-
cier auffrischen, spülen (noch jetzt heißt rechinser bei den tuchmaehern
auswaschen), worüber ich mich in meinem glossar zu Froissart ausge-
sprochen; mein muthmaßliches etymon recentiare, das ich damals mit
übersehung des Diez* sehen artikds aufgestellt hatte, findet durch den ort.
recentar in Mussafias Beitr. 94 volle bestätigung. Flechia (Post. etim. 28),
der sich gelegentlich des moden. arsinzer lang und breit mit den roman. Ver-
tretern des nüat. recentare und recentiare abgibt, macht Diez einen Vor-
wurf daraus, daß er etymologisch fr. rincer und prov. recensar getrennt
habe; aber um dieselben zu vereinigen, müßte nicht nur die zülässigkeit
einer syncope des palatalen c auf franz. gebiete, sondern auch eine form
remeier, so wie ein picard. rinchier nachgewiesen werden. Jedenfalls
ist das von LittrS für rechinser als unzweifelhaft aufgestellte resincerare
entschieden abzuweisen.
Ronce. Ein anderes fr. ronce mit der bed. runzel, also wohl
deutsch, findet man Rieh. I. b. 143.
Rosser. S. oben rocca thl. I.
Rner. Dieses volksthümliche hoch hinauf reichende wort kommt
nicht von ruere, das altfr. roer, nfr. roner geben müßte, sondern von
dem intensivum dieses verbs, rütare, wie arguer von argütare {nicht ar-
gnere); nachgewiesen von Förster, Grob. Ztschr. II, 87.
Rnner. Eine weitere bdegsteUe ist Priere Theophilus 108, 3 in
Grob. Ztschr. I, 257.
Rüste. Nfr. rnstre ist offenbar = rnstiens mit dem bekannten
einschub von r (vgl. tristre celestre); abgd. rnstaud.
S,aule. Von sälicem hat auch das altfr anz. die form saus (Are
perül.) überkommen; dimin. altfr. sancel.
Selon. Man trifft auch altfr. soron (Mont S. Mich. 1086), und
seront (Jehan de Journi 603, 913), worin Tobler (Ztschr. XXIII, 415)
das r als an die stelle des ausgefallenen c von seeundum getreten be-
774 ANHANG IL c. SEMILLANT-SERI.
trachtet, während G. Paris (Rom. VI, 13) hierin einfache Wandlung von
1 in r erkennt. Förster (Grob. Ztschr. I, 564) tritt nicht nur der Tob-
ler'schen ansieht bei, sondern seines erachtens ist selon erst aus seron
entstanden. Wir hätten also folgende formenreihe: segond, seon (ohne
beleg), se-r-on, endlich selon. Die Schreibung selonc, meint Förster, steht
nicht im wege. Wenn diese neue darstellung der genesis von selon zu
allgeqieiner geltung gelangen sollte, wird sie natürlich die Scheler9schen
argumente zu gunsten von feub longo hinwegschwemmen.
Semillant. Nach Bugge (Rom. IV, 366) von *submiculare (wegen
u zu e, vgl. secourir, säjourner, semondre). [Zu beachten ist altfr. seniille
loser streich Rom. de la Rose (von Roq. citiert).]
Seri, auch sieri altfr., fem. serie, prov. fehlt (doch hat Honnorat
luna seria 'lune sereine); vm Nicot, der es noch kennt, mit serenus er-
Märt, von andern mit serein, doux (Bartsch), auch mit agreable, melo-
dieux (Gachet); beisp. voix basse'et serie; il se tint coy et seri (Nicot),
issi moult coiement et moult seri NFC. J, 210; serie 1 6 stüle, ruhe:
Quant tout fu en grant serietä, il encommen^a ä chanter GNev. (bei
Roq.); asserir beruhigen Roq. ohne beleg, la noit est aserie 'devenue
epaisse Michel Hol. LVI, ib. CCXCVI 'assombrie; aserisier: quant
le peuple fust asseriste, 'befriedigt* Bartsch Chrest. 414, 18 (das vb. ge-
bildet wie pr. assuauzar, it. soavizzare). Es versteht sich, daß hier weder
an serenus, noch an s&ius gedacht werden darf; wohl aber könnte seri
aus asseri abgekürzt sein, also eigentl. beruhigt, ruhig, still, verwandt mit
der bed. von serius. Oder ist asserir von lat. asserere in der bed. von
inserere einmischen? Oder ist adj. serus 'spät, langsam' im spiel? —
So weit eine handschriftliche notiz des Verfassers. Ich stelle ihr folgende
Untersuchung von Suchier (Grob. Ztschr. I, 452) an die seile: „Das wort
hat zwei bedeutungen. In der ersten 'sacht' oder €stffi führt Tobler
dasselbe auf lat. secretus zurück (Gott. gel. anz. 1874, s. 1048). Wie
aber läßt sich die andere bed., cklar, die vom weiter und getrunken aus-
gesagt wird, mit jener vereinigen? Sie bezeichnet fast den gegensatz
der ersten. Daher ist man wohl berechtigt, für die bedeutung klar ein
anderes etymon zu suchen. Nun erscheint seri sehr häufig in der Ver-
bindung mit cler; z. b. li tens ert clers et seris Durmart 3047, ewe
clere e serie Modwenna 706b. 762*, bon vin cler e seri, ebd. 127 lb, li
oisel chantent cler e seri Amis 538. Dieselbe Verbindung aber ist auch
im prov. beliebt: era dos temps clars e sere Chrest. 263, 29, vei lo
temps clar e sere Bernh. v. Ventadour Quan par. Dieses provenzedische
wort ist unzweifelhaft das lat. serenns, von welchem das fr. seri dtrect
herzuleiten die lautgesetze verbieten; seri muß also wohl ein provenzalisches
lehnwort sein {wie acesmer, cadet, caisse, caserne). Man konnte auch
für die bed. still den gleichen Ursprung vermuthen. Vom weiter ausge-
sagt erscheinen die begriffe klar und still als nahe verwandt. Dennoch
scheint mir eins für Tobler9 s ansieht zu sprechen: secretus mußte m der
mundart von Lille und Tournay in erster silbe ie enthalten; und sieri
ANHANG IL c. SERVIETTE-SI. 775
lautet das wort im Partim* 6321 (li tans est soes et gierig), wo die be-
deutung still vorzuliegen scheint. In mundarten, welche auslautendes t
erhalten, mußte das wort serit lauten, und diese form erscheint im Char-
lemagne s. 15. 16 (suef e serit) und im Meunier d'Arleux 161 (en serit
ins geheim, im reime zu lit). Es ist sehr wahrscheinlich, daß auch diese
mundarten seri klar und sieri oder serit still mit der zeit durch einander
warfen, doch habe ich für diese Vermischung kein sicheres beispid. Neben
seriz (secretus 536) steM serains {acht franz. für serenus) im B. du
Mont S. Michel 723." — G. Paris, Rom. III, 605, bezweifelt das etymon
secretus. Zur weiteren erörterung möchte ich hier die schon in meinem
Gloss. zu Froiss., s. 4P gemachte bemerkung wiederholen, daß neben
aserisiö clivre au repos sich bei Ghastellain die formen assegriset Oeuvres
ed. Kervyn I, 95 mit gl. bed.9 und assegrir 'stillen (einen schmerz/ VI,
115 vorkommen; also ein stamm segr, wobei unzweifelhaft von securus
abgesehen werden muß. Man sehe übrigens auch das bei Ste Palaye
s. v. asseri, asserir, asserisier aufgehäufte material.
Serviette. Die endung iette ist allerdings befremdend, aber auch
die Diez'sche erklärung durch itette hat ihr bedenkliches; das glbed. ital.
salvietta, vielleicht eine umdeutung des franz. Wortes, ist nicht minder
auffallend. Auch das adj. serviable, das noch höher hinaufreicht als Ser-
viette, ist gegen die grammatik gebildet; die henneg. mundart sagt regel-
recht servissape (= servigable) 'dienlich3, und im Guillaume de Palerne
551 lese ich: Et soi6s frans et debonaires et servigables et tempräs;
765 servigables, cortois et prous.
Sevrer. Altfr. = trennen, scheiden; se sevrer = partir; zsgs.
desevrer entscheiden (Trouv. beiges ed. Scheler, s. 51, v. 41).
Si. Einen auslegungs-versuch der bed. cbis* gibt Tobler (Mitth. I,
237 J in folg. fassung : „Sollte nicht zur erklärung dieser bed. die annähme
einer ellipse genügen, die annähme der Unterdrückung des dem [stets vor-
ausgehenden] negativen satze entgegengesetzten pqsitiven satzes, so daß si
etwa mit 'ja wenn zu übersetzen wäre? Für lat. si ist zwar altfr. se
die vorherrschende form, allein das bedeutendere gewicht, welches durch
die ellipse auf die conjunetion fällt, mag die bevorzugung des i erklären,
an dessen stelle übrigens bisweilen auch e sich findet.11 — Verschiedene
muthmaßungen über das fragliche factum hat in lebendiger, aber weit-
schweifiger weise Bormans in seinen ' Observations sur le texte de Cleo-
mades (Liege 1867) s. 131 — 138 niedergelegt, ist aber, trotz des massen-
haft aufgespeicherten materials, zu keinem sicheren resultate gekommen. —
Mir scheint, daß hier der umstand besonders zu betonen ist, daß das si
stets das verbum anzieht, folglich das adverbiale, logiscJie gleichung aus-
sprechende lat. sie sein muß. und in der (hat, der negative satz ( jamais
ne mengerai') und der durch si eingeleitete (*si seront tuit pendu') stehen
im coordinationsverhältniß; das eine negative factum wird nicht ohne das
andere positive gedacht; es handelt sich um ein entweder oder: 'entweder
muß ich verhungern oder die andern gehenkt werden. Diese auffassung,
776 ANHANG IL c. S1LLER-TAR1ER.
dünkt mich, hebt alle Schwierigkeit und liegt im wesen einer naturwüchsigen
spräche. Wir sagen ja auch 'ich lasse dich nicht oder du segnest
micti (statt 'du segnest mich denn), wo oder das gegenstück, wie
fr. si das selten stück zum inhalte des negativen Satzes zur darsteUung
bringt.
Silier. Scheler9 mit beruf ung auf altfr. geillon und mlat. sica
furche, stimmt für ein lat. etymon *seculare (secare) 'einschnitte machen.
Sobriquet. Die erste bed. des worts war Kcoup sous le mentori,
s. Littre; daraus der sinn spott, Spottname. Mit hinweis auf die ent-
sprechenden ausdrücke fr. sous-barbe, sp. so-papo denkt sich Bugge ein
it. sotto-becco, dimin. sottobecchetto, daraus fr. soubzbequet und mittelst
einschubs von r {vgl. fanfreluehe, pimprenelle) soubzbriquet, sobriquet;
s. Rom. III, 168.
Soif. Das ausl. f ist, meint Ascoli (Saggi lad. 111), das resuüät
einer epenthese: sitis, se[d]e, se-v-e. — Das verschwinden der urspr. form
soi soit ist um so befremdender als soif mit dem sehr üblichen soif saun
(aus seps sepes) zusammentraf. — Auch sitic'lare findet sich franz., ich
bin mehrmals einem altfr. seeiller, sel'llier dürsten begegnet, so Jean
Cond. II, 66, 566 Et que plus boit, est seeillans qni tel mal a, s. auch
Jahrb. X, 267.
Solive. Die deutung durch soli equa, die P. Meyer (Rom. III, 143)
irriger weise Brinkmann zuschreibt, findet der pariser gelehrte „tropjolie",
sie ist jedoch nicht mehr ,jolie" als die in den ausdrücken chevalet, che-
valer un mur und poutre vorliegenden metaphern (s. Brinkmann, Die
Metaphern, Bonn 1878, s. 303—304).
Sornette. Dim. von sorne (vgl. sornfAZ. I), welches Littre aus dem
16. jh. belegt.
Soubrette. Vom altfr. soubret (von sobrius), nüchtern, besonnen,
listig, verschmitzt; Mahn, Herrig's Arch. 37, 133.
Souci. Ist offenbar eine suffixlose abl. von soucier; direct vom
lat. sollfcitus dagegen kommt altfr. souloit = solic'tum, Mir. de St. EUn
62* Lors fu li sains en grant soulloit.
Soudain. Von subitus kommt das nicht seltene altfr. adverb so-
dement, soutement, pr. soptament.
Sumsir. S. über dies vb. und das sbst. somsis G. Paris (Rom.
VI, 148), welcher altfr. sousir heranzieht, das sich in Chron. d. d. de
Norm. 26153 vorfindet und dieselbe bedeutung zu haben scheint; Paris
schlägt als etymon, doch mit bedenken, sorbere, part. sorpsus vor, und
vertritt es nochmals VI, 437 gegen zwei andere, nämlich subscindere,
subscissus und *sumpsus von sumere (s. auch Diez, Altrom. sprachd. 65).
Sureau. Nach Tobtet (Rom. VI, 13 1) ist r eingeschoben nach
ausfall von c; also seti-el, dann seti-r-el, surel.
Tabust. Nach Caix ist it. tambussare eine Vermischung von tarn-
burare und bussare klopfen; Grob. Ztschr. I, 424.
Tarier. Auch enterier, Psaut d* Oxford V, 12 [für lat. irritare),
ANHANG II. c. TAUDIR- TRUMEAU. 777
IAvre des Psaunes (im 2. Lied Mosis, 32) p. 275, entarierai eis = irri-
tabo illos (der Index schreibt entarcherai).
Tau dir. Der Die*' sehen vermuthung kommt zu statten nfr. tand,
taude plane, Schutzdach; es fragt sich aber, wie sich unser wort und sp.
toldo II. b gegenseitig verhalten.
Taxer. Die erJdärung der form taux durch tails ist doch sehr
problematisch; warum nicht die nebenform tauxer tausser = taxer (s. m.
Gloss. zu Froissart) als primitiv von taux anerkennen? Auch phantasma
wurde zu fantauma, fantome.
Tenser. G. Paris bemerkt sehr richtig (Rom. IV, 480), daß attfr.
tencer niemals vertheidigen, schützen heiße und diese bed. nur der form
tenser zukomme. Das eine vertritt tentiare (aus tentus mittelst abl. i),
das andere tensare (aus tensus).
Terne. Scheler Dict. conjeeturiert ein etymon tetrraus aus teter;
Bugge (Rom. IV, 366) empfiehlt diese ansieht und vergleicht, die form
betreffend, galbinus von galbo, und hinsichtlich des Sinnes, it. tetro
dunkel, schwarz, finster.
Tiede. Ältfr. tieve, entsprechend dem pr. tebe. Daneben findet
man die assimilierte form tedde S. Sag. 2930.
Toivre. Mussafia (Jahrb. VIII, 119) glaubt auch pr. sibra (Flam.
4297) dürfte mit toivre zusammenhängen. •
Tref. Nach Suchier (Grob. Ztschr. 1, 433), nicht von trabs (denn
tref bedeute zeit, nicht etwa hütte), sondern von dem altengl. traf zeit,
welches nebst nord. traf ein kopftuch der frauen = ahd. trabo (s. drappo
thl. I) auf die sanscritwurzel drabh winden oder aneinanderreihen zurück-
zuführen sei; demprov. trap, it. tr&bucca könne hochdeutsche oder gothische
(traf, gen. trabis) form zu gründe liegen. Dagegen bemerkt G. Paris
(Rom. VI, 629) engl, traf könnte wohl dem lat. trabs entstammen, wofern
sich die bed. zeit schon im volkslatein nachweisen ließe; jedenfalls holte es
schwer, angesichts der ausdrücke atraver und destraver, die beiden Wörter
tref balke und tref zeit zu trennen; letzteres mag, im gegenscUz zu pa-
pilio dem rund- oder kegelförmig ausgespannten zelte, ein über ein ge-
bälke aufgeschlagenes zeit bedeutet haben. — Zu bemerken ist atraver in
der bed. * bebauen Watriquet 244, v. 530: [Ge pont] richement atravä
de maisons, chastiaus et dongons.
Tremper; die bed. härten, stählen läßt sich für temperare schon
aus dem 4. jh. nachweisen; s. Jahrb. XIV, 339.
Treper. Zum deutschen trippeln stellt Schneller auch das tirol.
tripolar mit den fußen auf den boden stampfen, maü. tripillä, com. tripilä.
Tregor. Weitere beispiele aus itdl. mundarten für die einmischung
von r, s. Mussafia, Beitr. 116.
Trieu. Wegen triege vgl. Förster in Grob. Ztschr. I, 149, wo
falsche auffassungen des wortes berührt werden.
Trume an, altfr. auch tremeau, früher bein, jetzt ochsehkeule, möchte
vielleicht zum lat. tremere sich hin und herbewegen (vgl. giga I) zugehören.
778 ANHANG IL c. TURBOT-VILEBREQUIN.
Es könnte auch mit trimer, tndrtl. trumer, zusammenzustellen sein. —
Abi. altfr. estrumelä mit langen oder ausgestreckten leinen, Band, de
Conde 169, 506; s. auch Gachet Gloss. 192".
Turbot. Im Besant de Dien trifft man mehrmals (2255, 2427 u.
2429) das fem. sbst. torbote mit der bed. wasserwirbel.
Varech. Unmittelbar, meint Liebrecht (Jahrb. XIII, 235), vom
altn. vagrek Strandgut.
Varlope. Scheler setzt statt des fictiven weerloop das vorhandene
, ndl. voor-loop * Vorlauf ; also eine species von hobel, etwa der dem Schlicht-
hobel vorarbeitende scharf hobel?
Veiaire. S. Sclieler, Gloss. zu Froiss. s. v. viaire. InPhiLMous-
ket 10805 und Trouv. beiges 230, 161 begegnet man der redensart ce
m'est aviere = ce m'est avis; daselemcnt viere (zweisilbig) stimmt nicht
zum dreisilbigen veiaire, viaire, wohl aber zum wallon. vir (i = ie).
Veit. Diez übergeht hier die franz., seine ctymologie bestätigende
form vit (s. Gloss. de Lille 14°).
Velours. Eine ähnliche einschiebung von r erlitt das adj. jalous
(jaloux), das, zu jalours geworden, das heutige ndl. jaloersch hinterließ.
— Das im 16. jh. erst aufkommende vb. velouter möchte, wenn nicht
direct dem it. vellutare nachgebildet, wohl willkürlich aus velous erzeugt
wordet* sein, wie taluter aus talus.
Verglas. Vgl. das von Mussafia (Beitr. 38, anm.) erwähnte par-
mes. vedergiazz.'
Veule. Was vanvole betrifft, s. auch venvole bei Littre, der es
mit „qui vole au gre du ventu erklärt. Eineti andern beleg für veule
eitel bietet J. de Baisieux (Trouv. beiges 208, 96).
Vi de. Die etymölogie viduus, so beglaubigt sie auch scheinen mag,
ist durch Thomsen's auseinandersetzung (Rom. IV, 257) um ihre ansprüche
gebracht worden; sie leidet an lautliclien wie an begrifflichen mangeln,
und hat also nur noch für it. vedovo, fr. vedve, veuf, veuve gdtung.
8. oben voto II, a. Das altfr. vb. vuidier wurde sehr häufig intransü.
in der bed. 'sich entfernen {vgl. nfr. vider lefe lieux) gebraucht, s. Schel>er,
Jean de Conde I, 403, 429, 456, Tobtet, Vrai aniel 25. Über ein partic.
voiant = leer (das die etymölogie vocans = vacans besonders begünstigt),
s. Tobler, Grob. Ztschr. 7, 22 u. G. Paris, Rom. II, 311.
Vilebrequin. Nach Scheler (2. ausg.) vom fläm. wielboorken
'foret ä roue.
NACHTRAG ZU I. ASTORE— SALA. 779
NACHTRAG ZU I.
Astore. Bezüglich der im mittelalter vermutheten Verwandtschaft
zwischen accipere und accipiter citiert Förster (Grob. Ztschr. II, 166
anm.) Greg. Mor. in Tob. XXXIII, 24: accipere namque aliquando di-
cimus auferre, unde et aves illae quae sunt rapiendis avibus aptae
accipitres vocantur. Ebendaselbst wird auch die prov. form austor in
schütz genommen, indem au sich regelmäßig aus ak entwickle (vgl. Ja-
cobum = Jaume, *caracta = charaude, u. a. entsprechende falle).
Brando. Nach Förster (Grob. Ztschr. II, 170) ist branler direct
aus brander (d = 1) als scheideform von brander brennen entstanden.
Fio. Ganz anders erklärt feudum, neben welchem ja auch fedum,
feidum, fedium sich finden, prof. Kern (Mem. de la soc. de ling. II,
228 u. ff.). Feudum, feodum heißt usus, fruetus, id quo quis fruitur,
usus fruetus und ist = ahd. *fehod = goth. faheid-s, fahed-s nutznießung,
gehört also zum vb. ahd. fehon, goth. feihon cuti, frut. Wahrscheinlich
ist fehod, fehid eds fränkisches wort die unmittelbare quelle des9 mlat.
feodum, feidum. Fio, meint Kern* ist vielleicht synonym von feudo, in
diesem fall aber entspricht es goth. faih (neutr.) ^nXeove&a.
Piato. In gründlicher weise behandelt die geschickte des lat. pla-
citum, und zwar abweichend von Ascoli, V. Thomsen in den Mein, de la
soc. de ling. III, 120.
Sala. In den Mem. de la soc. de ling. II, 231 behauptet Kern,
das rom. wort könne direct nur dem niederl. oder fränkischen entnommen
sein. Die übrigen germ. dialekte kennen kein weibl. sala.
REGISTER.
Anm. Was man im ersten thcile des buches nicht findet, suche man im zweiten
unter der betreffenden spräche, wobei zu merken, daß die portugiesischen Wörter unter
den spanischen, die provenzalischen unter den französischen stehen. Was man auch
im zweiten theüe nicht findet, suche man im register. Dieses enthält nur solche com-
posita, deren aufnähme nöthiger schien. Die veralteten Wörter sind als solche nicht
bezeichnet. Die Wörter ohne beigefügte zahl weisen auf den ersten theil. Die wörter}
welche auch im anhange vorkommen, sind mit * bezeichnet.
aate fr. — azaut II. c
ab pr. — appo
aba pg. — alabe IL b
aba 8p. — evay II. b
abalear sp. — *balicare
abandon fr. — *bando
abarcar sp. — barcar II. b
abbacare it. — rabächer II. c
abba^liare it. — bagliore II. a
abbajare it. — bajare II. a
abbandono it. — *bando
abbentare it. — awentare II. 8
abbozzare it. — bozza
abbrivo it. — *brio
abbrusciare it. — *bruciare
abedul sp. — betula
abeille fr. — ape
abeja sp. — ape
abellucar pr. — bellugue II. o
abequer fr. — becco
abes sp. — aveso II. b
abetarda pg. — ottarda
abeter fr. — *beter II. c
abime fr. — abisso
abivas sp. — vivole
abobeda pg. — volto
abois fr. — aboyer II. c
abri fr. — *abrigo
abriaga pr. — ebbriaco
abricot fr. — albercocco
abrive fr. — *brio
abrolhar pg. — broglio
abrunho pg. — brugna
abnbilla sp. — upupa
abutre pg. — avoltore
abuzzago it. — buse II. c
acä sp. — qua
acabdar sp. — aocattare
acafroa pg. — zafferano
acamar sp. — cama II. b (1)
acarar sp. — cara
acariatre fr. — cara
acatar sp. — catar
accabler fr. — caable II. c
acoarnare it. — acharner II. c
accasciare it. — cass
acchinea it. — haca
acciacoo it. — achaque II. b
accio it. — avacciare II. a-
accise fr. — assises II. c
accismare it. — *esmar
accointer fr. — conto
acoorgere it. — corgere II. a
accoutrer fr. — cucire
acee fr. — *acceggia
acener fr. — cenno
acero sp. — acciajo
acesmer altfr. — *esmar
aoetre sp. — secchia
acha pg. — *ascla
achat, acheter fr. — accattare
achever fr. — acabar
acbier fr. — ape •
aciago sp. — auce II. b
acier fr. — acciajo
aconchar sp. — conciare II. a
acontecer sp. — contir II. b
acotar sp. — coto II. b
acotar sp. — quota
agoute pg. — azote II. b
acudir sp. — cudir II. b
acullä sp. — cola
REGISTER.
781
adaga pg. — daga
adail pg. — adalid II. b
adala 8p. — dala
adaptir pr. — *aatir II. c
adarga sp. — targa
adastiare it. — astio II. a
addietro it. — retro
aderredor 8p, — *redor IL b
ades fr. — eeso
adesso it. — esso
adieu fr. — dio
adiman pr. — diamante
adivas sp. — vivole
adizzare it. — *izza II. a
admoneter fr. — *amonestar
adouber fr. — addobbare
adresser fr, — rizzare
aduana sp. — dogana
aduela sp. — doga
afa it. — affanno
afagar pg. — *halagar IL b
afeurer fr. — *foro
affaisser fr. — *fascio
afficher fr. — ficcare
affreux fr. — afre IL c
affrioler fr. — frique II. c
affüt fr. — fusta
aforar 8p. — *foro
afouto pg. — hoto II. b
afrenta sp. — affrontare
afro it. — afre IL c
agace fr. — gazza
agacer fr. — agazzare
agachar sp. — quatto
agalla sp. — *gale IL c
agarrafar sp. - graffio
agasajar sp. — *gasalha
agastar pg. — agazzare
agencer fr. — gente
aggavignare it. — *gavigna IL a
aggecchire it. — *gecchire
agherbino it. — garbino
aglayo sp. — ghiado
agora sp. — ora (2)
agraffe fr. — graffio
agras pr. — agresto
agreable, agreer fr. — grado
agreer fr. — agres II. c
aguer pr. — hagard IL c
aguet fr. — guatare
aguijar sp. — *aguglia
aguilando sp. — *aguinaldo IL b
aguilen pr. — aiglent IL c
aguzzino it. — alguacil IL b
ahan fr. — affanno
ahi 8p. — ivi
ahora sp. — ora (2) *
ahurir fr. — *hure IL c
aicel pr. — quello
aicest pr. — questo
aide, aider fr. — *ajuto
aigrette fr. — aghirone
aigron pr. — aghirone
aiguille fr. — *aguglia
aillier fr. — alerion II. c
aimant fr. — diamante
aina it. — *agina
ainc fr. — *anche
aincpis fr. — anzi
ainda pg. — inda II. b
aine fr. — inguine
ains fr. — anzi u. *anche
ainsi fr. — cosi
air, aire fr. — aere
airain fr. — rame
airamen pr. — inchiostro
aire sp. — aere
airon sp. — aghirone
ais, aissa pr. — ansia
aise fr.y aisina pr. — *agio
aissa pr. — accia
aissi pr. — qui
aisso pr. — ciö
aizzare it. — *izza IL a
ajar sp. — hallar IL b
ajo it. — ayo II. b
ajouter fr. — giusta
ala sp. — enola
alacha sp. — laocia
alambic fr. — lambicco
alambre sp. — rame
alare it. — lar
alaton sp. — ottone
alaude pg. — liuto
alazor sp. — zafferano
albarda sp. — barda
alberchigo sp. — persica
albire pr. — »albedrio II. b
albran sp. — halbran IL c
albudieca pg. — pateea IL b
albur sp. — able II. c
alcachofa sp. — *artioiocco
alcaparra sp. — cappero
alcaravea sp. — carvi .
alcurnia sp. — alcuüa II. b
ale fr. — *andare
alece sp. — laccia
aleli sp. — goivo II. b
alem pg. — allenda IL b
alene fr. — lesina
alerte fr. — erto II. a
alerto sp. — erto IL a
alesna sp. — lesina
alezan fr. — *alazan II. b.
alfandega pg. — fondaoo
alfarda sp. — *fardo
alfarroba pg. — carruba
alfil sp. — alfido
alfinete pg. — alfiler II. b
alforria pg. — horro II. b
alforva pg. — alholba IL b
algarade fr. — algara IL b
algarrobo sp. — carruba
algodon sp. — cotone
alguien sp. — quien II. b
alhondiga sp. — fondaoo
alice it. — laccia
alicorno it. — licorno
782
REGISTER.
alifar sp. — *anafar II. b
aljuba sp. — giubba
alla sp. — la
alla it. — halle II. c
allazzare it. — laisse II. c
alleger fr. — lieve
alleggiare it. — lieve
aller fr. — *andare
alleu fr. — allodio
alli sp. — li
alraa sp. — anima
almacen sp. — magazzino
almadraque sp. — materasso
almafre pg. — almafar II. b
almear sp. — meta
almeja sp. — niochio
almendra sp. — mandorla
almete sp. — elmo
almidon sp. — amido
almizcle sp. — musco
almogarave sp. — mugavero
almoradux sp. — majorana
alooar sp. — locco
alocco it. — locco
aloi fr. — lega (2)
alors fr. — ora (2)
aloser fr. — lusinga
alosna sp. — aluine II. c
alouette fr. — allodola
alperche pg. — persica
alquirivia pg. — chirivia II. b
alquitran sp. — catrame
alredcdor sp. — *redor II. b
alrotar pg. — arlotto
alumelle fr. — lama (2)
alvacao pg. — albazano II. b
alvacil sp. — alguacil II. b
alverja sp. — ervo
alvic,ara pg. — albricia II. b
amafil pr. — afiafil 11. b
amagar pr. — amago II. b
amande fr. — mandorla
amanevir fr. — *manevir IL c
amargo sp. — amaricare
amarvir pr. — *manevir II. c
ambascia it. — *ambasciata
ambassade fr. — *ambaBc!ata
ambler fr. — ambiare
ame fr. — anima
amedano it. — ontano II. a
ameia pg. — amena U. b
amenaza sp. — minaccia
amiraglio it. — almirante
amiral fr. — almirante
ammannare it. — *maüa IL b
ammazzare it. — mazza
ammutinare it. — meute II. c
amo sp. — ama II. b
amparar pr. — parare
ampas fr. — *abait II. c
amusco sp. — musco IL b
amuser fr. — muso
anar pr. — *andare
anc pr. — *anche
anche fr. — *anca
anchoa sp. — acciuga
anchois fr. — acciuga
anciano sp. — anzi
ancien fr. — anzi
ancon sp. — anco IL b
ancora it. — ora (2)
ancse pr. — se IL c
andado sp. — alnado IL b
andain fr. — andana
andamio sp. — andana
andorinha pg. — rondine
anegar sp. — negare
angiva pr. — gengiva
anguinaglia it. — inguine
annegare it. — negare
annitrire it. — hennir
anqui fr. — qui
ansare it. — asma IL a
ansi sp. — cosi
ansiar sp. — asma IL a
ansimare it. — asma II. a
anta, antar pr. — onire
antenois fr. — antaQo
antes sp. — anzi
antorcha sp. — torciare
antruejo sp. — entroido IL b
antuviar sp. — uviar IL b
anzuelo sp. — ancino
apafiar sp. — *pan IL c
apcha pr. — accia
apenas sp. — appena
apertar pg. — prieto II. b
apesgar sp. — peso
apitar sp. — pito
apostille fr. — postilla
appareil fr. — parecchio
appat fr. — pasta
appetto it. — rimpetto IL a
appiccare, apicciare it. — pegar
approcciare it. — proche II. c
approcher fr. — proche IL c
appui fr. — poggio
apres fr. — presso
apretar sp. — prieto IL b
aprisoo sp. — apero IL b
aquecer pg. — calentar II. b
aquel sp. — quello
aquem pg. — aquende IL b
aquentar pg. — calentar IL b
aqueste sp. — questo
aqui sp. — qui
aquo pr. — cio
ara pr. — ora (2)
araire pr. — aratro
arambre sp. — rame
arban fr. — *bando
arbolar sp. — alberare
arborer fr. — alberare
arbousier fr. — albedro IL b
arcame it. — *carcasso
arce sp. — acero
arcea sp. — *acceggia
arcen sp. — *argine
REGISTER.
783
archal fr. — oricalco
archegaye fr. — *zagaia
arcigno it. — reche II. c
arcobaleno it. — *baleno II. a
arcon fr. — arcione
arda pr. — *arna II. c
ardalho pr: — ardiglione
ardid, ardil sp. — ardire
arenga sp. — aringo
aresta sp. — arista
arestol pr. — resta
arete fr. — arista
arezzo it. — aura
arfil sp. - - alfido
arganeau fr. — *argano
argousin fr. — alguacil II. b
argue fr. — *argano
aria it. — aere
arioso it. — aere
arlabecca pr. — ribeba
arma pr. — anima
armazem pg. — magazzino
armet fr. — elmo
arna sp.t — arnia
arnequin sp. — arlccchino
arnione it. — rognone
arquebuse fr. — arcobugio
arrabbatare it. — rabasta II. c
arrabil pg. — ribeba
arraffare it. — raffare
arraial pg. — real IL b (2)
arraigar sp. — ranco
arranger fr. — rang II. c
arrappare it. — rappare
arratel pg. — arrel II. b
arrecirse sp. — recio II. b
arredio pg. — *radio II. b
arredo it. — redo
arrelde sp. — arrel II. b
arreo sp. — redo
arriere fr. — retro
arriere-ban fr. — *bando
arriffare it. — riffa
arrimar sp. — rima
arrimer fr. — rima
arroi fr. — redo
arropea sp. — ferropea II. b
arroser fr. — ros
arrostire it. — roatire
arroz sp. — riso
arrufar sp. — ruffa
arruga sp. — ruga
arrumar sp. — rombo
arrumer fr. — rombo
artalejo sp. — artoun II. c
artesa sp. — artoun II. c
artillerie fr. — artilha
*artison fr. — *arna II. c
aruöar sp. — arafiar II. b
arveja sp. — ervo
arzon sp. — arcione
as fr. — asso
asayo sp. — saggio (2)
aacia it. — accia
asciugare, asciutto it. — suco
asedio sp. — *sedio
asermar, asesmar pr. — *esmar
asestar sp. — sesta
asfiori it. — zafferano
asi sp. — C08l
asiento sp. — *sentare
asima it. — asma IL a
asolare it. — scialare IL a
asomar sp, — sommo
assaggio it. — saggio (2)
assedio it. — *sedio
asseitar pg. — acechar IL b
assembler fr. — sembrare
assentare it. — *sentare
assez fr. — *assai
assiette fr. — *assettare
assisa it. — assises IL c
assommer fr. — *salma
assortir fr. — sortire (2)
assoviar pg. — soffiare
astilla sp. — *aecla
astine fr. — aatir IL c
astiu pr. — hate IL c
astreindre fr. — etreindre IL c
astrico it. — piastra
atacar sp. — tacco
atal sp. — cotale
atambor sp. — tamburo
atancar sp. — *stancare
atanto sp. — cotanto
atarazana sp. — arsenale
atarjea sp. — targa
ate pg. — te II. b
ate fr. — azaut IL c
atear sp. — tea IL b
aterecer, aterir sp. — intero
atinar sp. — tino IL b
atizar sp. — tizzo
atoar sp. — touer IL c
atorar sp. — tuero IL b
atorner fr. — torno
atour fr. — torno
atrasait pr. — entresait IL c
atravesar sp. — travieso IL b
atre fr. — piastra
atropellar sp. — *tropa
atrozar sp. — torciare
atta it. (mdartl.) — tata
attacher, attaquer fr. — tacco
atteler fr. — teler IL c
attelle fr. — *ascla
attifer fr. — tifer IL c
attiser fr. — tizzo
attizzare it. — tizzo
attutare it. — *tutare
atufar sp. — tufo
atun sp. — tonno
aturdir sp. — *stordire
aube fr. — alba
auberge fr. — *albergo
aubour fr. — aubier II. c
aubrelle fr. — albaro IL a
aubrier fr. — alban
784
REGISTER.
aucube fr. — aloova
aucun fr. — alcuno
auferrant fr. — ferrant II. c
aufin fr. — alfido
augel pr. — uccello
aujourd'hui fr. — oggi
aumone fr. — limoeina
aumusse fr. — almussa
aun sp. — *anche
aune fr. — alna
aunee fr. — enola
aunir pr. — onire
auques fr. — algo
anriban pr. — banda
autorgar pr. — otriare
autour fr. — *astore
autruche fr. — struzzo
avahar sp. — bafo II. b
avancer, avant, avantage fr. — anzi
avanti, avanzare it. — anzi
averia sp. — avaria
avarie fr. — avaria
avestruz sp. — struzzo
aveu fr. — avouer II. c
aveugle fr. — ävocolo
avis, aviser fr. — viso
avives fr. — vivole
avol sp. — avol II. c
avoliner fr. — *mulino
avutarda sp. — ottarda
avvenente it. — avenant II. c
avvezzare it. — *vizio
axedrea sp. — satureja
aye fr. — ea
ayer sp. — ieri
ayunar sp. — giunare
ayunque sp. — inoude
aza sp. — haza II. b
azada sp. — accia
azafran sp. — zafferano
azagaya sp. — *zagaia
azar sp. — azzardo
azemar sp. — *esmar
azesmar pr. — *esmar
azevinho pg. — acebo II. b
azevre pg. — *acibar II. b
azienda it. — facoenda
azinho pg. — elce
azor sp. — *astore
azucar sp. — zucchero
azuela sp. — accia
azufre sp. — solfo
azza it. — accia
azzimare it. — *esmar
B.
baba, babieca, baboaa sp. — bava
babbaccio, babbuasso it. — babbeo
babine fr. — babbuino
babioles fr. — babbeo
bacalao sp. — *cabeliau II. c
bacharel pg. — baccalare
bacbele fr. — bagascia
bachelier fr. — baccalare
bachiller sp. — baccalare
bacioccolo it. — bacino
bacocco it. — albercocco
badaud, badin fr. — badare
badea sp. — pateca II. b
baderla it. — badare
badigliare it. — badare
bafouer fr. — boffa
bagage fr. — baga
baguette fr. — bacchetta
babo sp. — bafo II. b
bahut fr. — baule
baie fr. — baja (1 u. 2)
baie fr. — bague II. c
baigner fr. — bagno
bailar sp. — *ballare
baille fr. — bac IL c
bailler fr. — bailo
bailler fr. — badare
baillet fr. — *bajo
baillif fr. — bailo
bain fr. — bagno
baisele fr. — bagascia
baiser fr. — bacio
bajasse fr. — bagascia
bajocco it. — *bajo
bajuca it. — baja (2)
balais fr. — balascio
balance fr. — bilancia
balandra sp. — palandra
balandran sp. fr. — *palandrano
baiandre fr. — palandra
balanquin sp. — baldacchino
balanza sp. — bilancia
balcon sp. fr. — balco
balde (en), sp. — baldo
baldonar sp. — baldo
baldoria it. — baldo
balija sp. — *valigia
ballotta it. — bellota IL b
balocco it. — *badalucco IL a
baloier fr. — *balicare
balordo it. — *lordo
baloard fr. — *lordo
baltrasca it. — bertesca
balaardo it. — boulevard II. c
baluc pr. — *badalucco IL a
balustre fr. — balaustro
balzan fr. — *balza IL a
bamba sp. — bambo
bambagello t*. — *bigio
bambin, bamboche fr. — bambo
bambino etc. it. — bambo
ban fr. — *bando
banasta sp. — *benna
bände, bander fr. — benda
bandola sp. — pandura
bandon fr. — *bando
bandurria sp. — pandura
banne fr. — *benna
banniere fr. — banda
bannir fr. — *bando
REGISTER.
785
banoyer fr. — banda
banque fr. — banoo
banse fr, — *benna
baquet fr. — bac II. c
baraja sp. — baro
baran pr. — baro
barato sp. — baratto
baratter fr. — baratto
barbaglio it. — bagliore II. a
barbajol pr. — jusbarba
barbassoro it. — vassallo
barbotar, barbullar sp. — borbogliare
barda pg. — barda
bardeau fr. — barda
bardosso it. — bisdosso II. a
bardot fr. — barda
barguigner fr. — *bargagno
barigel fr. — bargello
baril fr. — barra
barile it. — barra
barlume it. — *bis
barnatge pr. — barone
barniz sp. — vernice
baroccio it. — biroccio
barocco it. — baro
baroque fr. — *bamieco II. b
barque fr. — barca
barrachel sp. — bargello
barral sp. — barra
barrena sp. — *verrina
barrette fr. — *berretta
barrica, barril sp. — barra
barroca pg, — *barrueco IL b
barrocho sp. — biroccio
baruffa it. — ruffa
barullo it. — baro
barutel pr. — bluter II. c
bas sbst. fr. — basso
basane fr. — badana II. b
basca pr. — basca II. b
basin fr. — bambagio
bassin fr. — bacino
bastar sp. — basto
bastare, bastione it. — basto
bastear sp. — basto
bastille, bat fr. — basto
bataille fr. — battere
batard fr. — bastardo
bateau fr. — batto
bätir, bäton fr. — basto
baue pr. — baule
baucant fr. — *balza II a
baudequin fr. — baldacchino
bauge fr. — "bauche II. c
baus fr. — balzare
bausan sp. — bugia (1)
bausia pr. — bugia (1)
baut pr. atifr. — baldo
baxel sp. — vascello
baxo sp. — basso
bayer fr. ■*- badare
bazo sp. — *bigio
becasse, beche fr. — beeco
becquer, becher fr. — beeco
bedaine fr. — *bedon II. c
bedeau fr. — bidello
bedel sp. pr. — bidello
bedello it. — betula
beer fr. — badare
beffler fr. — beffa
beffroi fr. — battifredo
befo sp. — beffa
beignet fr. — *bugna
beira pg. — riviera
beldroega pg. — portulaca
belette fr. — *bele IL o
belitre sp. — belitre II. c
belfo sp. — beffa
bellaco sp. — vigliacco
bellico it. — *ombelico
bellicone it. — wilecome IL c
bellizcar pg. — pellizcar II. b
beort pr. — bagordo
bequille fr. — beeco
bera pr. — bara
berbiqui sp. — vilebrequin IL c
berca pr. — breche IL c
bercail fr. — berbice
bercilocchio it. — bircio IL a
berele fr. — baro
beret fr. — *berretta
bergamota sp. — bergamotta
bergamote fr. — bergamotta
bergan te sp. — *briga
berge fr. — barca
berge fr. — barga
berger fr. — berbice
berlanga sp. — brelan IL c
berlue fr. — bellugue IL c
berma sp. — berme IL c
bermejo sp. — vermiglio
berroviere it. — berruier IL c
berrueco sp. — *barrueco IL b
bersaglio it. — bercer IL c (1)
berser fr. — bercer IL c (1)
bertouser fr. — *bis u. *berta
bertuccio it. — *berta
berza it. — verza
berza sp. — verza
besace fr. — bisaccia
besaigu fr. — bicciacuto IL a
besant fr. — bisante
beslei pr. — *bis
beso sp. — bacio
besoin fr. — sogna
be8temmia it. — biasimo
bestordre, bestors fr. — tordre IL c
beta pg. — *veta IL b
betarda pg. — ottarda
betoine fr. — brettonica
beton fr. — *beter IL c
bezan pr. — bisante
bezzicare it. — beeco
biadetto it. — *biavo
biais fr. — biasciu
biastemma it. — biasimo
biaza sp. — bisaccia
bibaro sp. — bevero
60
786
REGISTER.
bicerra sp. — becerro II. b
bicha, bicho sp. — biscia II. a
bidetto it. — bidet II. c
bidon fr. — *bidon II. c
bief fr. — bied II. c
biere fr. — bara
biöre fr. — birra
biövre fr. — bevero
biez fr. — bied II. c
biga pr. — viga, IL b
bigatto it. — baco IL a
bigione it. — *bigio
bigne fr. — *bugna
bigote pr. — bigot IL c
biucare, bilico it. — *ombelico
billard, bille fr. — biglia
billet fr. — bolla
billot fr. — biglia
biltre pg. — belitre II. c
bimbo it. — barabo
bindolo it. — ghindare
bique fr. — becco II. a
birar sp. — *virar
birba, birbone it. — bribe
birracchio it. — birro IL a
birreta sp. — *berretta
bis fr. — *bigio
bisarma sp. — giusarma
biscanto it. — canto
biscuit fr. — biscotto
bise fr. — *bigio
biseau fr. — *bis
bisel sp. — *bis
biset fr. — *bigio
bislessare it. — lessare IL a
bislungo it. — barlong II. c
bismalva it. — malvavischio
bisogno it. — sogua
bissac fr. — bisaccia
bisse fr. — biscia IL a
bistensar pr. — *stentare IL a
bistento it. — *stentare II. a
bistondo it. — tondo II.. a
bizerra sp. — becerro IL b
bizza it. — bizzarro
blame fr. — biasimo
blanc fr. — bianco
blandir sp. — brando
blastenh pr. — biasimo
blau pr. — *biavo
ble fr. — *biado
bledomora sp. — bledo IL b
bleu fr. — *biavo
blezo pr. — blasone
blezo sp. — bercer IL c (2)
blinde it. — blinder IL c
blocus fr. — bloc IL c
bloi, blond fr. — biondo
bioquer fr. — bloc IL c
blos pr. — biotto
blouque fr. — boucle IL c
blü it. — *biavo
bluette fr. — bellugue IL c
bobans pr. — bomba (1)
bocage fr. — *bosco
boccia it. — bozza
bocel sp. — buz II. b
bocera sp. — buz IL b
bocha sp. — bozza
bodrio sp. — brodo
bofeton sp. — buf
boffice it. — buf
boga sp. — *boca
bogar sp. — vogare
bogia pr. — bugia (2)
bogue fr. — *boca
bohena sp. — bofe IL b
bois fr. — *bo8Co
boisie, boisdie fr. — bugia (1)
boisseau, boiter fr. — boite II. c
boldrie pg. — baudre IL c
boldrone it. — *poltro
bolegar pr. — bouger II. c
boleta pg. — bellota II. b
boleta sp. — bolla
bolota pg. — bellota IL b
boha sp. — boraa
bombaßin fr. — "bambagio
bombo, bombola it. — bobo IL a
bonheur fr. — augurio
bonnet fr. — bonete
bor fr. — ora (1)
borbotar sp. — borbogliare
borbottare it. — borbogliare
boroeffui sp. — borzacchino
bordel fr. — borda
bordello it. — borda
borgne fr. — bornio
borla sp. — burla
borraccia it. — borra
borracha sp. — borra
borraja 5p. — borraggine
borrasca sp. — burrasca
borrego, borro sp. — borra
borrero sp. — bourreau II. c
borrico sp. — burro
borroffler fr. — *bouder IL c
borron sp. — borra
bosar sp. — versare
bosquejar sp. — bozza
bosquet fr. — *bosoo
bosse fr. — bozza
bossette fr. — *bosso
bosso pr. — bolzone
bossolo it. — *bo880
bostezar sp. — bocear IL b
bot fr. — botta
boto it. — boda IL b
botro it. — borro II. a
boucassin fr. — *bucherame
boucbe fr. — bocca
boucber sbst. fr. — bouc IL c
bouchon fr. — *boucher II. c
boudin, boudine fr. — *bouder II. c
bouee fr. — boja (1)
bouffer, bouffon fr. — buf
bouge, bougette fr. — bolgia
bougie fr. — bugia (2)
REGISTER.
787
bougran fr. — *bucherame
bouguiere fr. — *boca
bouhourt fr. — bagordo
bouillir, bouillon, boule fr. — bolla
bouleau fr. — betula
bouler fr. — bolla
boulimie fr. — bulimo IL a
boulon fr. — bolla
boundel fr. — benda
bouquet fr. — *bosco
bouracan fr. — baracane
bourdon fr. — bordone (1 u. 2)
bourg fr. — borgo
bournous fr. — albornoz IL b
bourrache fr. — borra£gine
bourras fr. — borra
bourrasque fr. — burrasoa
bourre fr. — borra
bourreler fr. — bourreau IL c'
bourrer fr. — borra
bourrique fr. — burro
bourse fr. — borsa
boursoufler fr. — *bouder IL o
boussole fr. — *bosso
bout fr. — bottare
boute, bouteille fr. — botte
bouter, bouton fr. — bottare
boutique fr. — bottega
boveda sp. — volto
box Sp. — *b0880
boya sp. — boja (1 u. 2)
boyau fr. — budello
bozal sp. — bocca
bozzago it. — buse IL c
braconnier fr. — bracoo
bradar pg. — braire IL c
brado it. — *bravo
bradon pr. — brandone
brai fr. — brago
braidar pr. — braire IL c
braidif fr. — braire IL c
braie fr. — *braca
brailler fr. — braire IL c
braion fr. — brandone
braise fr. — bragia
bran fr. — brenno
brafia sp. — brenno
branche fr. — *branca
brandir, brandon, branler fr. — brando
brano it. — brandone
Twraque fr. — bracoo
brasa sp. — bragia
brasse fr. — braza
brasser fr. — bras IL o
brau pr. — *bravo
brea sp. — brago
brebis fr. — berbice
breccia it. — breche IL c
brecha sp. — bröche II. c
bredola pr. — predella IL a
breloqne fr. — loque IL c
bresche fr. — bresca
bresil fr. — brasile
bresiller fr. — *briser IL c
bressar pr. — beroer II. c (2)
bretauder fr. — *berta
breteche fr. — bertesca
bretelle fr. — brete
brettine it. — *brida
breuil fr. — broglio
brezo sp. — bercer IL c (2)
briaco it. — abbriaco
brial sp. — bliaut
bribar, bribon sp. — bribe
bricca it. — *bricco
bricco it. — burro
briccola it. — breche IL c
bricia, briciolo it. — *briser IL c
bricole fr. — breche IL c
brifaud fr. — bribe
briffalda it. — bribe
briga pr. — *brisar IL c
brigade fr. — *briga
brigand fr. — *briga
brigantino it. — *briga
briglia it. — *brida
brignole fr. — brugna
brigola sp. — breche IL c
brindar sp. — brindisi IL a
brinde fr. — brindisi IL a
brique fr. — *bricco
brisa sp. — *brezza
brise fr. — *brezza
brisee fr. — *rotta
brizar, brizo sp. — bercer IL c (2)
broc fr. — brocco
brocard, broche, brochef fr. — brocco
brocchiere it. — boucle IL c
brodequin fr. — borzacchino
broder fr. — bordo
broion fr. — brete
broissier fr. — briscar IL b
broisson pr. — brocca
brollo it. — brullo IL a
bronc pr. — *bronco
broncher fr. — *bronoo
brosder fr. (wall.) — bordo
brosse fr. — *broza
broBtar pr. — *broza
brostia pr. — boite IL c
brouet fr. — brodo
brouette fr. — biroccio
brouillard fr. — brouee IL c
brouiller, brouillon fr. — broglio
broussaille fr. — *broza
brout fr. — brote
brouter fr. — *broza
broyer fr. — *briga
brucare it. — bruco
bruces sp. — buz IL b
brucio it. — bruco
brugnon fr. — brugna
bruit fr. — bruire
bruizar pr. — *bruciare
brüler fr. — *bruciare
bruno sbst. sp. — brugna
bruolo it. — broglio
brus pr. — *broza
788
REGISTER
brusca cot. — *busca
brustia it. — *broza
brustolare iL — *bruciare
bruxula sp. — *bosso
bruyere fr. — bru II. c (1)
bruza sp. — *broza
bruzzaglia it. — *broza
bua, buba sp. — bubbone
bubbola it. — upupa ,
bucha, buchar, buche sp. — bozza
buche fr. — *busca
budget fr. — bolgia
budriere it. — baudre II. c
buer fr. — bucato
buer altfr. — ora (1)
bufFoi fr. — buf
bufo pg. — buho II. b
bugio it. — bugia (1)
bügle fr. — *beugler II. c
buie fr. — boja (1)
buire fr. — bujo
buis, buisson fr. — *tx>8so
buitre, buitron sp. — avoltore
bula sp. — bolla
bulicare it. — bouger IL c
bulla it. sp. — bolla
bullaccio it. — pula II. a
bulletin fr. — bolla
bullir sp. — bolla
bufiuelo sp. — *bugna
burat, bureau, buret fr. — bujo
buratto %t. — bujo
burbero it. — borbogliare
burbuja sp. — borbogliare
burda it. — buda II. a
burella it. — bujo
burgo sp. — borgo
buriel sp. — bujo
buril sp. — borino*
burin fr. — borino
burjaca sp. — bolgia
burrone it. — borro IL a
busare it. — bugia (1)
busart fr. — buse IL c
busecchio it. — bozza
buscione it. — *bosso
buso it. — bugia (1)
busquer fr. — buBcare
but fr. — bozza
butin fr. — bottino
buttare it. — bottare
butte fr. — bozza
buxeta sp. — *bosso
buzio pg. — *bigio
buzzo it. — bozza
c.
c,a fr. — qua
cabaöa sp. — capanna
vcabane, cabinet fr. — capanna
cabdal pr. - ■ caudal IL b
cabeza, cabezo sp. — cavezza
cable, cabo sp. — cappio
cable fr. — cappio
caboral sp. — caporale
caboz pg. — chabot II. c
cabus fr. — cappa
cacapo pg. — gazapo II. b
cacha sp. — cacho IL b
cache, cacher, cachet, cachot/r. — quatto
cacho sp. — quatto
- cachonda sp. — cachorro IL b
cacio it. — cascio
cadahalso sp. — catafalco
cadalecho sp. — *cataletto
cadalso sp. — catafalco
cadastre fr. — cattstro
cadenas fr. — candado IL b
cadre fr. — quadro
caea pg. — cayo
cafard fr. — *cafre II. b
cafura it. — canfora
cagado pg. — galapago II. b
cage fr. — gabbia
cagliare t*. — quagliare
cagnard fr. — casnard IL c
cagou fr. — *grigou IL c
caille fr. — quaglia
cailler fr. — quagliare
caim pr. — cadimo IL b
cairel pr. — quadro
cais pr. — casso (2)
caisse fr. — *cas8a
cajoler fr. — gabbia
cajute fr. — cahute IL c
calabre pr. — caable II. c
calabrino it. — carabina
caladre sp. — calandra
calan sp. — *chaland IL c
calappip it. — *chiappare IL a
caleche fr. — calesse
calecon fr. — calzo
calfeutrer fr. — *calafatare
calhao pg. — caillou IL c
callar sp. — calace
calterire it. — scalterire IL a
camafeo sp. — cammeo
camaieu, camee fr. — cammeo
camal sp. — camaglio
camard fr. — camuso
camba pg. — *gamba
cambro pg. — calambre II. b
camedrio sp. — calamandrea
camois pr. — camuso
camoissie fr. — camuso
camo8cio it. — camuso
campione it.s — campo
camuffare it. — muffare
canape fr. — canope
canard fr. — oane IL c
canastre fr. — *canasto II. b
canavaccio it. — canape
canevas fr. — canape
cangiare it. — cambiare
cangiräo pg. — cangilon IL b
cangrejo sp. — granohio
REGISTER.
789
canivete sp. — oanif II. c
canot fr. — cane II. c
cansar, canso sp. — cass
cantel sp. — cantiere
cantillo sp. — canto
cantimplora it. — chantepleure II. o
caüamo sp. — canape
caparrosa sp. — capparosa
capazo sp. — cappa
capdel pr. — oapitello
capezzale it. — cavezza
capot fr. — cappa
cappella it. — cappa
cäpre fr. — cappero
captener pr. — mantenere
capuchon fr. — cappa
carajo sp. — *veit II. c
caramillo sp. — chalumeau II. c
carauz sp. — trincare
caravella it. — caraba
caravelle fr. — caraba
carcame it. — *carcasso
carciofo it. — *articiocco
carcol pr. — "carcan IL c
careme fr. — quaresima
caribe sp. — cannibale
carmin sp. — carmesino
carmin fr. — carmesino
carminio it. — carmesino
carnajo it. — cimeterio
carnasciale it. — carnevale II. a
carnaval sp. fr. — carnevale II. a
carnel, carneler fr. — cran IL o
carnet fr. — *cahier IL c
carnicol sp. — carnero II. b
carosello, carrozza it. — carriera
caroube, carouge fr. — carruba
carousse fr. — trincare
carquois fr. — *carcasso
carraca sp. — *caracca
carraque fr. — *caracca
carre, carreau, carrer fr. — quadro
carriere fr. — *carriera t*. quadro
carrignon fr. — *cahier II. c
carrosse fr. — carriera
carrousel fr. — carriera
carroza sp. — carriera
carrubo it. — carruba ,
carvallo sp. — carrasca IL b
casar sp. — casa
cascajo, cascara, casco sp. — cascar Il.b
cascare, cascata it. — casco IL a
casco it. — cascar IL b
casernet fr. — *cahier IL c
casque fr. — cascar IL b
casser fr. — cass v. casso (1)
cassero it. — alcazar II. b
casserola it. — cazza
casserole fr. — cazza
caetone it. — *cassa
casulla sp. — *casipola
catacolto it. — catar
catir fr. — quatto
cau, caucala pr. — choe II. o
cauchemar fr. — *mare II. c
caudillo sp. — capitello
causer fr. — oosa
cautivo sp. — cattivo
cavecon fr. — cavezza
caveira pg. — calavera IL b
caxa sp. — *cassa
cazar sp. — cacciare
cazo sp. — cazza
ce fr. — ciö
ceans fr. — ens IL c
cebellina sp. — zibellino
cecial sp. — cers II. c
cecina sp. — cers II. c
cedazo sp. — staccio
cedelar pr. — n *soif IL c
cederno it. — cedro
cedilla sp. — zetiiglia
cedille fr. — zediglia
cedo sp. pg. — oetto
cel fr. — quello
celeri fr. — sedano
celosia sp. — zelo
celui fr. — quello
cembel fr. — *zimbello
cendal sp. — zendale
cenh pr. — segno
cennamella it. — ceramella II. a
cenoura pg. — zanahoria II. b
censal fr. — Sensale
centinela sp. — sentinella
cercelle fr. — cerceta
cerda sp. — cerdo II. b
cereza sp. — ciriegia
cerise fr. — ciriegia
cerne, cerner fr. — cercine
ceroulas pg. — zaragüelles* II. b
cerrar sp. — serrare
cerre fr. — cerro II. a
cerretano it. — *ciarlare
cerveza sp. — birra
cesca pr. — sescha IL c
cespuglio it. — cespo IL a
cessal pr. — Sensale
cesto \t. — cespo IL a
cet fr. — questo
cetera, cetra it. — chitarra
cezer pr. — cece
cha it. — te
chablis fr. — caable IL c
chaborra sp. — chabasco IL b
chachara sp. — ciancia
chacun fr. — ciascuno
chaeles altfr. — *cavelle II. a
chainae fr. — camicia
chalit fr. — *cataletto
chamar pg. — chiamare
chamarra sp. — zamarro IL b
chamarrer fr. — zamarro IL b
chamois fr. — camozza
champion fr. — campo
chanca pg., chanclo sp. — zanca
chanceler fr. — cancellare
chancre fr. — granchio
790
REGISTER.
change, changer fr. — cambiare
chanteau fr. — canto
chantier fr, — cantiere
chanvre fr, — canape
chanza sp. — ciancia
chaon fr. — chignon II. o
chape, chapeau, chapelle fr,— cappa
chaperon fr. — cappa
chapitre fr. — capitolo
chardon fr. — cardo
charge, charger fr. — caricare
charlatan fr, — ciarlare
charnierc fr. — carne II. c
charogne fr. — carogna
charpa sp. — sciarpa
charpente fr. — carpentiere
charroie fr. — charme IL c (1)
charrna pg, — aratro •
charme fr. — aratro
chasse, chasser fr. — cacciare
chässe fr. — *cassa
chasuble fr. — *casipola
chat fr. — gatto
chata, chato sp. — piatto
chat-huant /r., chauana jw. — choe II. c
chaton fr. — *cassa
chaudiere, chaudron fr. — *caldaja
chaumiere fr. — chaume n. c
chausse fr. — calzo
chaussee fr. — *calzada
chebec fr. — chaveco
chep-ar pg. — llegar II. b
cheirar pg. — *fragrare
eherner fr. — scemo
chemin fr. — cammino
cheminee fr. — caminata
chemise fr. — camicia
cheppia t*. — chieppa II. a
chercher fr, — oercare
chere fr, — cara
chervis fr, — chirivia II. b
chetif fr, — cattivo
cheval, chevaucher fr. — *cavallo
chevet fr. — chef II. c
cheville fr. — cavicchia
chevir fr. — chef II. c
chevrette fr. — crevette II. c
chi it. — che
chibo sp. — zeba
chicane, chiche, chicot fr. — *cica
chicchera it, — xicara IL b
chicharo sp. — cece
chicharra sp. — cigala
chiche fr. — cece t*. *cica
chico sp. — *cica
chier fr. — *eschiter IL c
chiffre fr. — eifra
chifla pr. — ciufolo
chifonie fr. — sampogna
chimica it. — alchimia
chimie fr. — alchimia
chinea it. — haca
chinela sp. — chanela IL b
chinquer fr. — *escanciar
chiotto it. — *cheto
chiourme fr. — ciurma
chiovo it. — chiodo II. a
chiquet fr. — *cica
chirlar sp. — zirlare
chitare it. — *cheto
chito sp. — zitto
chiurlare it. — *urlare
choc fr. — cioeco
chocha sp. — chorcha IL b
chocolat fr. — cioocolata
chommer fr. — calma
chopo sp. — pioppo
chopper fr. — zoppo
choque sp. — cioeco
choquer fr. — cioeco
chose fr. — oosa
chotar, choto sp. — ciocciare
chou fr. — cavolo
chouan, chouette fr. — choe IL c
choucas fr. — choe II. c
choupo pg. — pioppo
chousa pg. — llosa IL b.
chouvir pg. — chiudere
chova, choya sp. — choe IL c
chubarba sp, — jusbarba
chuba8CO sp. — pioggia
chuchoter, chut fr, — zitto
chufa sp. — ciufolo
chupa sp. — giubba
chupar sp. — eopa
chu8ma sp. — ciurma
chuva pg. — pioggia
ci it. — qui
ci fr. — qui
cia it. — te
eiampa it. — tape IL c
ciarpa it. — sciarpa
ciausire it. — choisir IL c
eibera sp. — cebada IL b
eidra, eidro, cidronela sp. — cedrp
eidre fr. — sidro
ciera it. — cara
cierzo sp. — cers Ü. c
cigarra sp. -*- cigala
cigna it. — cinghia
cigolo it. — *cica
cigurelja pg. — satureja
cilha pg. — cinghia
cilla sp. — celda IL b
oimbel sp. — *zimbello
eimbra, eimbria sp, — oentinare
eimeterre fr, — seimitarra
eimitarra sp, — seimitarra
cincelle fr, — zenzara
cingler fr, — singlar
cingottare it. — *cigolare IL a
cinto it. — cinghia
cintre fr. — centinare
cinza pg. — ceniza II. b
cio pg. — zelo
cioppa it, — giubba
ciotola it. — ciocciare
ciottare it. — azote II. b
REGISTER.
791
ciovetta it. — choe IT. c
ciranda pg. — *zaranda II. b
cirzir pg. — zurcir II. b
cisale it. — cesoje IL a
ciscranna it. — scranna IL a
ciseau, ciseler fr. — cincel
cisne sp. — *cecero
citano sp. — zutano IL b
citole fr. — chitarra
citron, citronnelle, citrouille fr. — cedro
ciu fr. — avocolo
civada pr. — oebada II. b
civanza it. — chef IL c
civeo it. — *civiere IL c
civetta it. — choe II. c
civette fr. — zibetto
civire it. — chef IL c
cizias pr. — assises IL c
cizza it. — tetta
clabaud fr. — glapir IL c
clairon, clarinette fr. — chiarina
clapier fr. — clapir IL c
claque fr. — *clique IL c
darin cct. sp. — chiarina*
clarinetto it. — chiarina
clas pr. — chia880
clatir fr. — ghiaitire
cieda pr. — claie IL c
clin fr. — cligner IL c
clocher fr. — *clop IL c
cloquear sp. — chiocciare
clore fr. — chiudere
clou fr. — chiodo II. a
clueca, clueco sp. — chiocciare
coalho pg. — quagliare
coalla sp. — quaglia
cobarde sp. — codardo
cobe pr. — *cupido
cobir pr. — *cupido
cocagne fr. — *cuccagna
cocarde fr. — coq IL c
coccia, coccio it. — cocca (2)
cocear sp. — coz IL b
oochar pr. sp. — coitar
coche sp. — cocchio
coche fr. — cocca (1)
coche fr. — cocchio
Cochenille fr. — cocciniglia
cochinilla sp. — cocciniglia
cochino sp. — coche II. c
cociöre it. — *cuire IL c
cocon fr. — cocca (*2)
cocu fr. — cucco
codaste sp. — coda
oodea pg.t codena sp. — cotenna
codicia sp. — *cupido
codillo, codo sp. — cubito
codrione it. — coda
coelho pg. — coniglio
cofe sp. — cofano
coffa %t. — cofano
coffre fr. — cofano
cofia sp. — cuffia
coger sp. — *cogliere
cogolmar sp. — colmo
cogote sp. — cocca (2)
cogotz, cogul pr. — cucco
cogujon sp. — cognjada IL b
coi fr. — *cheto
coiffe fr. — cuffia
coing fr. — cotogna
oointe fr. — conto
coiser fr. — *eheto
coite fr. — *coltrice
cojon sp. — coglione
col sp. — cavolo
cola sp. — coda
colcha sp. — *coltrice
colchete pg. — croc II. c
coldre pg. — *goldre II. b
colgar sp. — colcare
coltra pr. — *coltrice
colui it. — quello
comble fr. — colmo
combleza sp. — bercer II. c (2)
combro pg. — colmo
commencer fr. — *cominciare
comment fr. — *come
comoro pg. — colmo
comprar «p., comprare it. — parare
compte, compter fr. — contare
comte fr. — conte
oonde sp. — conte
confalon sp. — gonfalone
congedier fr. — conge IL c
congedo it. — conge IL c
congoxa sp. — angoscia
conhortar sp. — *confortare
coniller fr. — coniglio
connetable fr. — contestabile
connin fr. — coniglio
conortar pr. — *confortare
conquidere it. — chiedere II. a
conrear sp. — redo
conroi fr. — redo
contadino, contado it. — conte
contigia it. — conciare ü. a
contraindre fr. — §treindre IL c
contrebande fr. — *bando
contrecarrer fr. — cara
contree fr. — *contrata
controle fr. — rotolo
convier fr. — convitare
convin, convine fr. — convegno
convoiter fr. — *cupido
convojare it. — voyer IL c
convoyer fr. — voyer IL c
copete, copo sp. — coppa
coque fr. — cocca (2)
coquemar fr. — cogoma IL a
coquet fr. — coq H. c
coquille fr. — cochiglia
cor (partikel) fr. — ora (2)
corbata sp. — cravatta
corcare it. — colcare
corche sp. — alcorque II. b
corchete sp. — croc IL c
corcos pg. — corcovar IL b
792
REGISTER.
oorcusir sp. — corcovar II. b
cordonnier fr. — cordovano
corine fr. — *corruccio
oormano sp. — hermano II. b
oorral sp. — oorro II. b
oorrea sp. — coreggia
oorredo it. — redo
oorreo sp. — redo
corroyer fr. — redo
cortege fr. — corte
corteza sp. — oorteccia
cortir pg. — *curtir II. b
corveta pg. — corbeta
corvette fr. — corbeta
coBcar sp. — cocar II. b
oosensa pr. — *cuire II. c
coser sp. — cucire
cospel fr. — copeau II. c
cosquillas sp. — cocar II. b
cosser fr. — cozzare
cossi pr. — *come
costribo sp. — *estribo
costui it. — questo
oostura it. — cucire
cota pr. — *coltrioe
cota, cotar, ootejar — quota
cote, cote, ooteau fr. — costa
cote, coter, coterie fr. — quota
cotica it. — cotenna
cotillon fr. — cotta
cotio pg. — cote II. b
cotovello pg. — cubito
oouard fr. — codardo
coubrer fr. — *cobrar
couchant fr. — ponente
cpucher fr. — oolcare
coucou fr. — cucco
coude fr. — cubito
coudre fr. — cucire
oouenne fr. — cotenna
couette fr. — *coltrice
oouillon fr. — ooglione
coulis, coulisse fr. — couler II. c
ooup fr. — colpo
coupe, coupeau fr. — coppa
couper fr. — colpo
couple, couplet fr. — coppia
coupole fr. — coppa
cour fr. — corte
courage fr. — coraggio
courbette fr. — corvetta
courge fr. — cucuzza
courlis fr. — corlieu II. c
courroie fr. — coreggia
courroux fr. — *corruccio
courte-pointe fr. — *coltrice
courtier fr. — cura
courtine fr. — *cortina
courtisan, courtois fr. — corte
COU8 fr. — cucco
Cousin fr. — cugino
cousser pr. — *coltrice
coussin fr. — *coltrice
couto pg. — coto II. b
coutume fr. — costuma
couve pg. — cavolo
couver fr. — covare
covado pg. — cubito
covelle ü. — cavelle II. a
coxa pg. — coscia
coxin sp. — *coltrice
coxo sp. — coscia
coyon fr. — coglione
cracher fr. — racher II. c
cramoisi fr. — carmesino
crampe, crampon fr. — grampa
cranc pr. — granchio
cranequin fr. — crone II. c
craquer fr. — crac II. c
# crasse fr. — grasso
cravache fr. — *corbacho
cravanter fr. — crebantar
creche fr. — greppia
cremisi it. — carmesino
creneau fr. — cran II. c
crepon fr. — groppo
cresson fr. — crescione
crever fr. — crepare
crier fr. — gridare
crocciare it. — chiocciare
croche fr. — *croccia
crochet fr. — croc II. c
croi pr. — crojo IL a
croissir, croistre fr. — crosciare
Crosse fr. — *croccia
crotorar sp. — crocchiare II. a
crouler fr. — crollare
Croupe, croupion, croupir fr. — groppo
cruccia it. — *croccia
crucciare it. — *corruccio
cruxir sp. — crosciare
cuajar sp. — quagliare
cuba sp. — coppa
cubilete sp. — coppa
cucar sp. — cucco
cuchara sp. — cucchiajo
cuculo it. — cucco
cuebano sp. — cofano
cueillir fr. — *cogliere
cuento sp. — contare
cueva sp. — covare
cueza sp. — cocca (2)
cuidado, cuidar sp. — *coitare
cuidier fr. — *ooitare
cuiller fr. — cucchiajo
cuirasse fr. — corazzo
cuisine fr. — cucina
cuisse fr. — coscia
cuietre fr. — *cuire II. c
cumbre «p., cume pg. — colmo
curattiere it. — cura
curare it. — cosa
cuscino it. — *ooltrioe
cusir sp. — cucire
cussö pr. — cozzone
cuticagna it. — cotenna
cutio sp. — cote II. b
cuve fr. — coppa
REGISTER.
793
D
da it. — a
dace fr. — dazio
daguet fr. — guatare
dail fr. — dalle
daino it. — daim II. c
dalle fr. — dala u. adalid II. b
dame fr. — donno
damigello it. — donno
dans fr. — ens II. c
darga sp. — targa
darre pr. — redo
darse fr. — arsenale
darsena it. — arsenale
datil sp. — dattero
datte fr. — dattero
daus pr. — vas II. c
davanti it. — anzi
de fr. — dado
debanar pr. — dipanare
debarrasser fr. — barra
debaucher fr. — '"bauche II. c
debicar pg. — becco
deblayer fr. — *biado
debonnaire fr. — aere
debout fr. — bottare
debris fr. — *briser II. c
debut fr. — bozza
decentar sp. — encentar II. b
dechat pr. — dechado II. b
dechirer fr. — eschirer II. c
dechouer fr. — echouer II. c
deci, dessi fr. — *si II. c
decombres fr. — colmo
deTalquer fr. — falcare
defaut fr. — faltare
defelipre fr. — *friper II. e
defi, defier fr. — disfidare
defiler fr. — fila
defois fr. — dehesa II. b
deTrayer fr. — *frais II. c
deguerpir fr. — guerpir II. c
deguiser fr. — gnisa
deitar pg. — gettare
deja fr. — gib
'dejeuner fr. — giunare
delabrer fr. — lambeau II. c
delante ap. — anzi
delayer fr. — dileguare
deleznar sp. — liscio
demain fr. — mane
demarrer fr. — amarrar
demas sp. — mai
dementare it. — mentar
dementiers fr. — mentre
demoiselle fr. — donno
denan pr. — anzi
dende sp. — indi
denier, denree fr. — denaro
depecher fr. — pacciare
däpetrer fr. — *pastoja
depouille fr. — spoglio
depuis fr. — poi
deramer fr. — derramar II. b
derate fr. — *rate II. c
derecho sp. — ritto
dernier fr. — retro
derober fr. — roba
deroute fr. — *rotta
derrata it. — denaro
derrear pg. — derrengar
derriere fr. — retro
derrocar sp. — *rooca
derrubio, derrumbar sp. — *dirupare
derver fr. — desver II. c
desafiar sp. — disfidare
descaptar pr. — capüare II. a
desde sp. — des
des6 pr. — se II. c
deseo sp. — disio
desi sp. — qui
designare it. — disegnare
designer fr. — disegnare
deslegar pr. — dileguare
desleir sp. — dileguare
deslizar sp. — liscio
desman sp. — ademan II. b
desmayar sp. — smagare
desnot pr. — denuesto II. b
desormais fr. — des
despachar sp. — pacciare
desparpajar sp. — parpaglionc
despejar sp. — specchio
despertar sp. — *espertar II. b
despiojar sp. — pidocchio
despir pg. — *despedir IL b
despojo sp. — spoglio
despues sp. — poi
desrubant fr. — *dirupare
dessein, dessin, dessiner fr. — disegnare
dessert fr. — *serviette II. c
dessous fr. — sotto
deS8U8 frt — 8U80
destrozar sp. — *torso
detacher fr. — tacco
deteler fr. — teler II. c
detrancher fr. — trinciare
detraquer fr. — trac II. c
detras sp. — tras
detrier fr. — tricare
detroit fr. — etroit II. c
detta it. — dicha II. b
deuil fr. — cordoglio
devanar sp. — dipanare
devant fr. — anzi
devider fr. — *vide II. c
devire pr. — *diviso
devis fr. — *diviso
devouer fr. — voeu II. c
diane fr. — diana II. a
diante pg. — anzi
dianzi it. — anzi
dietro it. — retro
dieu fr. — dio
digiunare it. — giunarc
digrignare it. — grinar
dilajare it. — delai II. c
794
REGISTER
dilayer fr. — delai II. c
dileticare it. — *solleticare II. a
dilu8 pr. — lunedi
dimanche fr. — domenica
dimenticare it. — mentar
dimercres pr. — mercoledi
diminuer fr. — menovare
dinanzi it. — anzi
diner fr. — *desinare
dinero sp. — denaro
dintel sp. — linde IL b
dirnar pg. — *desinare
disfrazar sp. — farsa
dita pg. — dicha Ht b
diva fr. — da IL c
dodiner fr. — doridolare IL a
dodu fr. — dondon IL c
doesto pg. — denuesto IL b
doge it. — *duca
domani it. — mane
dombo sp. — duomo IL a
dorne fr. — duomo IL a
domentre pr. — mentre
donc fr. — dunque
donde sp. — onde
donde it. — onde
donoier fr. — donno
donoso sp. — donaire II. b
dont fr. — onde
dopo ü. — poi
dornajo, dornilla sp. — dorna IL c
dorp pr. — *orbo
dorssar pr. — rosser IL c
dosel sp. — dais II. o
dossiere it. — dais IL c
dotta it. — ottall. a
douaire fr. — douer IL c
douane fr. — dogana
douche fr. — docciare
douillet fr. — douille II. c (1) •
dousil fr. — douille II. c (2)
douve fr. — doga
dove it. — ove
dovela sp. — doga
dragee fr. — *treggea
dreche fr. — *drasche IL o
dresser fr. — rizzare
dritto it. — ritto
drizzare it. — rizzare
drogman fr. — dragomanno
droit fr. — ritto
drut fr. — drudo
ducado sp. — *duca
ducat fr. — *duca
ducato it. — *duca
ducha sp. — docciare
duela sp. — doga
duende sp. — duendo IL b
dusque fr. — jusque II. o
E.
dbabir fr. — baire
ebaucher fr. — *bauche II. c
Sbranler fr. — *brando
ebrouer fr. — *bravo
eca pg. — *herse IL c
ecacher fr. — quatto
ecaille, ecale fr. — scaglia
ecarlate fr. — scarlatto
ecarter fr. — *scartare
echafaud fr. — catafalco
ecbalotte fr. — *scalogno
echanson fr. — *escanciar
ccbapper fr. — scappare
echar sp. — gettare
echarde fr. — cardo
echarpe fr. — sciarpa
echars fr. — scarso
echauder fr. — chauffer IL c
echec fr. — acacco
echemer fr. — sciame
echevin fr. — scabino
ecbiue fr. — *schiena
echiquete, ecbiquier fr. — scacco
echome fr. — scalmo
echoppe fr. — *escoplo IL b
eclater fr. — *scbiantare
eclisse fr. — clisse IL c
eclope fr. — *clop IL c
eclore fr. — cbiudere
ecluse fr. — eBcluea
ecorce, ecorcer fr. — scorza
ecoroher fr. — corteccia
eco8se fr. — cosse IL c
ecot fr. — sootto
ecouer fr. — coda
ecour fr. fpic.) — scoroiare
ecourgee fr. — scuriada
ecoute (aitfr. escote) — scotta
ecouter fr. — ascoltare
ecueil fr. — scoglio
ecume fr. — schiuma
ecurer fr. — sgurare
ecureuil fr. — scojattolo
ecuseon, ecuyer fr. — $cu IL c
effacer fr. — faccia
effondrer fr. — fondo
effort fr. — forza
effrayer, efiFroi fr. — *frayeur II. c
effronte. fr. — afiFrontare
egarer fr. — garer IL c
eglantier fr. — aiglent IL c
egraffigner fr. — greffe IL c (1)
egratigner fr. — grattare
egruger fr. — gruger IL c
eis pg. — ecco
eisaurar pr. — sauro
cissernir pr. — scernere IL a
el fr. — al
elan fr. — lancia
ele sp. — ecco
electuaire fr. — lattovaro
elever fr. — allevare
elingue fr. — slinga
ella it. sbst. — enola
eloendro sp. — oleandro
email fr. — smalto
REGISTER.
795
embabacar pr. — bava
embair sp. — baire
embarazo sp. — barra
embarras fr. — barra
embastar sp. — basto
embaucar sp, — bava
embaucher fr. — *bauche II. c
embaxada sp. — *ambasciata
emberguer altfr, — *abrigo
embestir sp, — investire .
embigo pg, — *ombelico
emblaver fr. — *biado
embora pg. — ora (1)
emborcar pg. — volcar II. b
embraser fr. — - bragia
embudo sp. — imbuto
embu8quer fr. — *bosco
embuste sp. — busto
emeraude fr. — smeraldo
emeri fr. — smeriglio
emerillon fr. — smerlo
erneute fr. — meute IL c
emmitoufler, fr. — pantofola
emoi fr. — smagare
emouchet fr. — moschetto
emousser fr. — mozzo
empachar sp. — pacciare
empan fr. — spanna
emparar sp. — parare
emparer fr. — parare
empecher fr. — pacciare
empedegar pr. — pacciare
empeguntar sp. — pegar
empeine sp, — pettine
empero sp. — pero
empeser, empois fr, — pegar
empetrer fr, — *pastoja
empezar sp. — *cominciare
empiffrer fr. — *piva
empinar sp. — pino II. b (2)
emplasto sp. — piastra
emplätre fr, — piastra
emplear sp. — piegare
employer fr. — piegare
empreinte fr, — *imprenta
emprunter fr, ~ improntare
en pr. (sbst.) — donno
en fr. — indi
enan, enantar pr, — anzi
encan fr. — incanto
encarnicar pg, — acharner IL c
encastrer fr, — *cassa
encausar pr. — incalciare
eneeinte fr. — incinta
eneeitar pg. — encentar IL b
enchässer fr. — *cassa
enchaucer fr. — incalciare
encher pg. — henchir II. b
enchova pg, — acciuga
encia sp, — genjpva
eneima sp. — *cima
encina sp, — elce
encluget pr. — ineude
enclume fr. — ineude
encombre fr. — oolmo
encore fr. — ora (2)
encre fr, — inchiostro
eneui fr, — *anche
endec pr. — dec IL c
endecha sp. — dec IL c
enderezar sp. — rizzare
endever fr. — desver IL c
endilhar pr. — hennir
endro pg, — eneldo II. b
endroit fr. — ritto
enebro sp. — ginepro
enel fr, — snello
enfeitar pg, — afeitar IL b
enfiar pg, — fila
enfoncer fr, — fondo
enfreindre fr, — fraindre II. c
engafio sp. — inganno
engar pg. — *enger IL c
engarrafar sp. — graffio
engastar sp. — *cassa
engeance fr. — *enger IL c
engin fr. — ingegno
engle sp. — inguine
engloutir fr. — ghiotto
engo pg. — ebbio
engodar pg. — goda II. c
engouer fr. — gave II. c
engrimanco pg. — grima II. b
engrot fr. — heingre IL c
engrudo sp. — » glu IL c
enhaner fr. — affanno
enherdir fr. — yerto IL b
enheudir fr. — *elsa II. a
enhiesto sp. — *festo IL b
enilhar pr. — hennir
enjoler fr. — gabbia
enloier fr. — *enlear II. b
ennui fr. — noja
enquar pr, — *cominciare
enquenuit fr, — *anche
enqui fr. — qui
enojo sp. — noja
enristre sp. — resta
enrizar sp. — riccio (2)
enrocar pg, — rocchetto
ensalzar sp. — alzare
ensanchar sp. — ancho IL b
ensayo sp. — saggio (2)
einseigne fr. — msegna
enseigner fr. — insegnare
ensemble fr. — insembre
ensemble sp. — insembre
ensement fr. — esso
enseüa sp. — insegnare
ensouple fr. — subbio
enteado pg. — alnado II. b
entero sp. — intero
enterver fr. — rover IL c
entier fr. — intero
entraver, entraves fr. — travar
entrudo pg. — entroido II. b
envelopper fr. — *viluppo
envi fr, — envis II. c
796
REGISTER.
environ fr. — *virar
envoieier fr. — *vizio
envoyer fr. — voyer II. c
enxada pg. — accia
enxalma sp. — *salma
enxambre sp. — sciame
enxarcia pg. — sarte
enxergar pg. — cercare
enxofre pg. — eolfo
enxoval pg. — axuar II. b
eivxugar sp. — suco
enxullo sp. — subbio
enxuto sp. — buoo
epaig fr. — spesso
epargner fr. — sparagnare
eparpiller fr. — parpaglione
eparvin fr. — spavenio
epaule fr. — spalla
epeautre fr. — spelta
epee fr. — *spada
eperlano sp. — eperlan IL c
eperbn fr. — sperone
epervier fr. — sparaviere
epice fr. — spezie
epier fr. — spiare
epinard fr. — *spinace
epinceler, epincer fr. — pizza
epingle fr. — spillo
epitima sp. — bizma II. b
eplucher fr. — piluccare
epois fr. — spito
epouiller fr. — pidocchio
epouvanter fr. — spaventare
epoux fr. — sposo
epreindre fr. — preindre II. c
equerre fr. — quadro
equi fr. — qui
equiper fr. — schifo
er, era pr. — ora (2)
erable fr. — acero
ercer sp. — erguir II. b
ereinter fr. — derrengar
ergot fr. — *argot II. c (2)
erizo sp. — riccio (1)
erranment fr. — erre IL c
errement fr. — inchiostro
ers fr. — ervo
ervodo pg. — albedro II. 1)
es fr. (sbst.) — ape
es fr. — ecco
esbalauzir pr. — eblouir IL c
esbanoier'/r. — banda
esbosar pg. — bozza
esbulhar pg. — bolla
escadre, escadron fr. — quadro
eßcala pr. — schiera
escalavrar pg. — *naverare
escalin sp. — scellino
e8calmo sp. — scalmo
escalona sp. — *scalogno
escamotar sp. — escamoter IL c
escancarar pg. — gangbero II. a
eficandallo sp. — scandaglio
escandia sp. — *8candella
eecapar sp. — scappare
escarabajo sp. — scarafaggio
escaramuzo sp. — ecaramuccia
escaravelho pg. — scarafaggio
escarbot fr. — scarafaggio
escarcela sp. — sciarpa
eecarcelle fr. — sciarpa
escardar sp. — cardo
escarir pr. — schiera
escarlate sp. — scarlatto
e8carroouche fr. — scaramuccia
escarnio, escarnir sp. — scherno
escarpa pr. — carpa
escarpa sp. — *scarpa
escarpe fr. — *ecarpa
escarpelo sp. — escoplo IL b
escarpin fr. — scarpa
escaso sp. — scarso
escharnir fr. — scherno
eschiele fr. — schiera
eschiele fr. — equilla
esclate fr. — schiatta
esclave fr. — schiavo
esclavin sp. — scabino
esciavo sp. — schiavo
eeclenc fr. — *enclenque IL b
esclet pr. — schietto IL a
escolh pr. — *coglicre
escollo sp. — scoglio
escolta sp. — corgere IL a
escopeta sp. — schioppo IL a"
cscopette fr. — schioppo IL a
escopir fr. — escupir
escorcer fr. — scorciare
escorchar sp. — corteccia
escorre fr. — scuotere
eecors fr. — scorciare
esconar sp. — scorza
escorte fr. — corgere II. a
esoorzar sp. — scorciare
escorzon sp. — escuerzo IL b
escota sp. — scotta
escote sp. — scotto
escouade fr. — quadro
escousse fr. — scuotere
escozar sp. — *cuire IL c
escrafe fr. — escraper II. c
escriraer fr. — schermo
escroc fr. — scrocco
escuchar sp. — ascoltare
escueil fr. — *cogliere
escuma sp. — schiuma
escurar sp. — sgurare
esdruxolo sp. — sdrucciolo II. a
ese sp. — esso
esfalfar pg. — fofo II. b
esfolar pg. — desollar II. b
esglay pr. — ghiado
esgrima, esgrimir sp. — schermo
esguazo sp. — guado
esguince sp. — sguancio II. a
eslingua sp. — slinga
esmaier fr. — smagarc
esmair sp. — smagare
REGISTER.
797
esmalte sp. — smalto
esmeralda sp. — smeraldo
esmerar sp, — smerare
esmerer fr. — smerare
esmeril sp. — smeriglio
esmeril, esmerejon sp. — smerlo
esmola pg. — Limosina
espaciar sp. — spazzare
espada sp. — *spada
espalancar sp. — spalancare II. a
espalda sp. — spalla
espalhar pg. — paglia
espalier fr. — spalla
espantar sp. — spaventare
esparavan sp. — spavenio
esparavel sp. — sparaviere
espasmo sp. — spasimo
especia sp. — spezie
espedo sp. — spito
espejo sp. — specchio
espelh pr. — specchio
espelta sp. — spelta
espeso sp. — spesso
espeto sp. — spito
espiar sp. — spiare ,
espiegle fr. — specchio
espinaca sp. — *spinace
espineta sp. — spinetta
espingarda sp. — springare
espion fr. — spiare
espita sp. — spitamo
espojo sp. — spoglio
espolin sp. — spola
espolon, espuela sp. — sperone
esponton sp. — spuntone
esposo sp. — sposo
espreitar pg. — *exploit II. c
espringuer fr. — springare
esprit fr. — spirito
espurriar sp. — esproher IL c
esquadra sp. — quadro
esquela sp. — cedola
esqueleto sp. — scheletro
esquena sp. — *schiena
esquentar pg. — calentar II. b
esquero sp. — *esca
esquerro sp. — izquierdo II. b
esquicio sp. — schizzo
esquif fr. — schifo
esquife sp. — schifo
esquila sp. — squilla
esquilmo sp. — *quilma II. b
esquilo sp. — scojattolo
esquinela sp. — *schiena
esquintar pr. — esquinzar II. b
esquira pr. — schiera
esquisse fr. — schizzo
esquiu pr. — schivare
esquivar sp. — schivare
esquiver fr. — schivare
essai fr. — saggio (2)
essaim fr. — sciame
essoigne fr. — sogna
essor, essorer fr. — sauro
essuyer fr. — suco
estaca sp. — stacca
estache fr. — stacca
estacion sp. — stagione
estafette, estafilade fr. — staffa IL
estala sp. — stallo
estallar sp. — *8chiantare
estamena sp. — stamigno
estampar sp. — stampare
estanc pr. — > *stancare
estancar sp. — *stancare
estancia sp. — stanza
estandarte sp. — stendardo
estafio sp. — stagno
estarna sp. — starna
estay sp. — etai IL c
estera sp. — stoja
esteu fr. — stovigli IL a
estiere fr. — esturman IL c
estival pr. — stivale
estivar sp. — stivare
estoc fr. — stocco
estofa sp. — *8toffa
estoire fr. — flotta u. stuolo
estojo pg. — *astaccio
estol sp. — stuolo
estopa sp. — stoppa
estoque sp. — stocco
estor fr. — stormo
estrabot fr. — *estribo
estracar pr. — straccare II. a
estrada, estrado sp. — *strada
estrade fr. — *strada
estragäo pg. — *targone
estragon fr. — *targone
estraier fr. — *strada
estralar pg. — *schiantare
estrambote sp. — strambo
estrafio sp. — stranio
estrapade fr. — strappare IL a
estrapazar sp. — *pazzo IL a
estrazar sp. — stracciare
estree fr. — *strada
estregar sp. — fregare
estreper fr. — estraper II. c
estriar pg. — *strega
estribord sp. — stribord II. c
estribot fr. — estribo u. strambo
estrillar sp. — strecchia
estringa sp. — stringa
estrinque sp. — stringa
estriver fr. — *estribo
estrope fr. — *stroppolo
estropear sp. — stroppiare
estropier fr. — stroppiare
estrovo sp. — *stroppolo
estrubar pr. — *estribo
estrajar sp. — torchio
estromele fr. — *trumeau IL c
estucho sp. — *astuccio
estufa sp. — *stufa
estuque sp. — stucco
esturar sp. — torrar II. b
esturgeon fr. — storione
a
798
REGISTER.
esturion sp* — storione
etable fr. — stallo
etage fr. — staggio
etain fr. — stagno
etal, etalon fr. — stallo
etamer fr. — stagno
etamine fr. — stamigno
etamper fr. — stampare
etance, etancon fr. — stanza
etancher, etang fr. — *stancare
etangues fr. — stanga
etau fr. — stallo
etele sp. — ecoo
etendard fr. — stendardo
eteule fr. — *stoppia
etoffe fr. — *stoffa
etouble fr. — *stoppia
etouffer fr. — tufo (1)
etoupe, etoupin fr. — stoppa
etourdir fr. — *stordire
etrange, etranger fr. — stranio
etrape fr. — estraper IL c
etre fr. — essere
etrecir fr. — etroit II. c
etrier fr. — *estribo
etrille fr. — stregghia
etriquet fr. — tricoter IL c
etriviere fr. — *estribo
etron fr. — stronzare IL a
etrope fr. — *stroppolo
etui fr. — *astuccio
etuve fr. — *stufa
eventail fr. — ventaglio
6vier fr. — eau II. c
evol pr. — ebbio
exaucer fr. — alzare
F.
fabuoo sp. — faggio
faca pg. — haca
facha sp. — faccia
facha pg. — accia
facher fr. — *fastidio
facistol sp. — faldistorio
fade fr. — fat II. c
fado iL — fat II. c
faille fr. — fiaccola
faillir fr. — fallire
faine fr. — faggio
faisca pg. — *falavesca
faisceau fr. — *fascio
faissa pr. — haza IL b
faite fr. — *festo IL b
falla, fallo sp. — fallire
falla pg. — favola
fallar sp. — hallar IL b
falot fr. — »falö
faluca sp. — feluoa
fanal sp. fr. — *falö
fanale iL — *falö
fanciullü iL — fante IL a
(anfano iL — fanfa
fanfare fr. — fanfa
fanfarron sp. — fanfa
fanfreluche fr. — fanfaluca
faquin fr. — facchino
farapo pg. — arpa
faraute sp. — araldo
farce fr. — farsa
fardaggio iL — *fardo
fardeau fr. — *fardo
farfante sp. — fanfa
farfouiller fr. — fouger IL c
farfullar sp. — farfogliare
farga pr. — forgia
farinella pg. — flanella
farpa, farpSo, farpar sp. — arpa
fascona sp. — azcona IL b
fastello iL — *fuscio
fata sp. — te IL b
fattucchiero iL — fattizio
faucon fr. — faloone
faute fr. — faltare
fauteuil fr. — faldistorio
fautre, fautrer fr. — feltro
fauve fr. — falbo
faxo sp. — *fa8cio
fazaleja sp. — fazzuolo IL a
feble sp. — fievole
fee fr. — fata
feindre fr. — faint II. c
feira pg. — fiera
felon fr. — *fello
fenouil fr. — finocchio
ferrolh pr. — verrou IL c
fersa pr. — fieroe IL c
ferte fr. — ferme IL c
fetge pr. — *fegato
feu fr. — fuooo
feur altfr. — *foro
feudo iL — *fio
feurre fr. — fodero
feutre fr. — feltro
fia, fiata iL — via (1)
fiaba iL — favola
fiale iL — fiavo IL a
fiche fr. — fitto
ficher fr. — ficcare
fie, fiee fr. — via (1)
fief fr. — *fio
fifre fr. — *piva
filtrar sp. — feltro
filtrer fr. — feltro
filunguello it. — *fringuer II. c
fincar pg. — ficcare
fita 8p. — fetta
fiutare it. — flauto
flaco sp. — fiacco
flacon fr. — fiasco
flageolet fr. — flauto
flairer fr. — *fragrare
flamme fr. — fiama
flan fr. — fiadone
flan altfr. — *frignare IL a
flanc fr. — fianco
flaon sp. — fiadone
REGISTER.
799
flasque fr. — fiacco
flatir fr. — *flatter II. c
flecha sp. — freccia
fleche fr. — freccia
flecme pr. — fiama
fleis pr. — flechir IL c
fleme sp. — fiama
flete sp. — fret
fleurer fr. — *fragrare
flibote sp. — flibot II. c
floc pr. — froc II. c
floc fr. — folc II. c
floresta sp. — foresta
florin fr. — fiorino
flot fr. — fiotta
flota sp. — fiotta
flotar sp. — frettare
flouer fr. — *filou II. c
floxo sp. — floscio
fluet fr. — flou II. c
flusso it. — floscio
flute fr. — flauto
focar pg. — hoz II. b (2)
focile it. — fuoco
fogote sp. — fagotto
foible fr. — fievole
foie fr. — *fegato
foire fr. — fiera
fois fr. — vece
fola it. — favola
folata, folla it. — *follare
folego pg. — holgar II. b
folgar pg. — holgar IL b
folla pg. — *ola
follon sp. — *folle
fome pg. — hambre IL b
foncer fr. — fondo
fontaine fr. — fontana
forain fr. — fuora
forastico it. — foresta
forban fr. — *bando
force fr. — forza
forceis pr. — fuora
forcene fr. — senno
forcier fr. — forziere IL a
forese it. — *foro
foret fr. — foresta
forfait fr. — *foro
forge fr. — forgia
forro pg. — horro IL b
forro sp. — fodero
fouasse fr. — focaccia
fouce pg. — hoz II. b (1)
fougere fr. — felce
fougue fr. — foga IL a
foui Her fr. — fouger IL c
fouine fr. — faina
foule, fouler, foulon fr. — *follare
foupir fr. — *friper IL c
fourbe, fourbir fr. — forbire
fourcele fr. — forcatura
fourrage, fourreau, fourrer fr. — fodero
fouteau fr. — faggio
fouto pg. — hoto II. b
fraco pg. — fiacco
fradicio it. — fracido IL a
fragata it. — fregata
fragello it. — fleau II. c
fragua sp. — forgia
frai fr. — fregare
fraile, freile sp. — *fraire IL b
frais fr. — fresco
fraise, fraiser fr. — fregio
fralda pg. — falda
franzir sp. — *froncir
frappa it. — arpa
frascar pr. — *fracassare
frasque fr. — *frasca IL a
frassugno it. — fresange IL o
fray sp. — *fraire IL b
frayer fr. — fregare
frazada sp. — fregio
fregola it. — fregare
frejol sp. — frisol II. b
freluquet fr. — fanfaluca
freso sp. — fregio
fressa pr. — frizzare
fretes sp. — frette IL c
fretta it. — frettare
frezada sp. — fregio
frezar sp. — frizzare
friand, fricandeau, fricasser fr. —
frique U. c
frime fr. — *frignare II. a
fripon fr. — *friper IL c
frisato it. — fregio
friso sp. — fregio
froler fr. — frettare
fromage fr. — formaggio
fromba, frombo it. — *rombo II. a
fremde fr. — fionda
frotar sp. — frettare
frotta, frottola it. — fiotta
frotter fr. — frettare
frouxo pg. — floscio
frusta it. — fni8to IL a
fucile it. — fuoco
fucia sp. — fiueia IL b
fuero sp. — *foro
fuerza sp. — forza
fuina sp. — faina
fuisca sp. — *falavesca
fula pg. — *follare
funcho pg. — finocohio
für fr. — *foro
furacSo pg. — *uracano
furbo it. — forbire
fureter fr. — furon
fusil fr. — fuoco
futaine fr. — fustagno
gabata sp. —
gabbiano it.
gabinete sp.
gabinetto it.
e.
— gavetta
— gavia
— capanna
— capanna
800
REGISTER.
gacho sp. — quatto
gadelha pg. — vedija II. b
gado pg. — ganado II. b
gafar sp. — gafa
gage fr. — gaggio
gaglio it. — quagliare
gagner fr. — *guadagnare
gago pg. — ganguear IL b
gai fr. — gajo
gaillard fr. — gagliardo
ga'in fr. — guaime
gaine fr. — guaina
gaiväo, gai vota pg. — gavia
galabrun fr. — isanbrun II. c
galant fr. — *gala
galappio it. — "chiappare II. a
galardon sp. — guiderdone
galeffare it. — *caleffare II. a
galera it. — galea
gai er a sp. — galea
galere fr. — galea
galet fr. — gai II. c
galga sp. — galgo II. b
galgulo sp. — galbero
galla it. — *gale II. c
gallardo sp. — gagliardo
galleria it. — galea
gallofo sp. — *gaglioffo
gallone it. — *gala
galocha sp. — *galoscia
galoche fr. — *galoscia
galon fr. — *gala
galtera sp. — gota
gamache fr. — *ganiba
gambeson fr. — gambais
gambo it. — *gamba
gamuza sp. — camozza
ganache fr. — *ganasoia
ganar sp. — *guadagnare
gangar pg. — *guadagnare
gangola it. — ganguear II. b
gangröne fr. — cangrena
ganguil pr. — ganghero II. a
ganivet fr. — canil II. c
gannacha pr. — guarnire
ganren pr. — rien II. c
ganse fr. — gancio
ganso sp. — ganta
gant fr. — guanto
garabia pg. — garbino
garag pr. — barbecho
garanguejo pg. — granchio
garant fr. — guarento
garante sp. — guarento
garaüon sp. — guaragno
garba sp. — gerbe II. c
garba pr. — gerbe II. c
garbin sp. — garbillo II. b
garce, garcon fr. — garzone
garde, garder fr. — *guardare
gardingo sp. — *guardare
garfio sp. — graffio
garfo pg. — greffe II. c
gargagliare it. — *gargatta
gargamela pr. — *gargatta
garganello it. — ceroeta
garganta sp. — *gargatta
gargar pr. — *gargatta
gargola sp. — *gargatta
garingal fr. — galanga
garlopa sp. — *varlope II. c
garnache, fr. — guarnire
garnir, garnison fr. — guarnire
garone it. — gherone
garosello it. — carriera
garou fr. — lou$-garou IL c
garrafa sp. — *caraffa
garrobo sp. — carruba
garrot fr. — *garra
garupa pg. — groppo
garza it. — garzone
garza sp. — garzone
gasa sp. — gaze II. c
gasajar sp. — *gasalha
gasarma pr. — giusarma
gäter fr. — guastare
gaucher fr. — gualcare IL a
gaude pr. — gualda
gaug pr. — godere
gavasa sp. — bagascia
gavia sp. — gabbia
gavina, gaviota sp. — gavia
gavion fr. — gave IL c
gayo sp. — gajo
gayola sp. — gabbia
gazanhar pr. — *guadagnare
gazouiller fr. — jaser U. c
gazua pg. — ganzua II. b
gazzo it. — garzo IL b
geai fr. — gajo
gehir fr. — gecchire
geitar pg. — gettare
gelda pr. — geldra
geloso it. — zelo
gelsomino it. — geamino
gencive fr. — gengiva
genet fr. — ginete IL b
genette fr. — *gineta
gengibre sp. — zenzovero
gengiovo it. — zenzovero
genh pr., genie fr. — ingegno
genievre fr. — ginepro
genou fr. — ginocchio
gent (adj.) fr. — gente
geole fr. — gabbia
gequir pr. — gecchire
gerfaut fr. — girfalco
gerigonza sp. — gergo
germandree fr. — calamandrea
ge8 pr. — gens II. c
geto it. — gettare
gheda it. — *ghiera II. a
gherniire it. — gremire II. a
ghiozzo it. — ghiotto
gialda it. — geldra
gianetto it. — ginete II. b
giarro it. — giara
gibeciere fr. — *gibier II. c
REGISTER.
801
gibet fr. — giubbetto
gieser fr. — gese IL c
giffer fr. — *aggueffare IL a
gigot fr. - *giga
gigotter fr. — *giga
gina it. — *agina
gingembre fr. — zenzovero
gioja, giojello it. — godere
giolho pg. — ginocchio
giostrare it. — giusta
girandola it. — giro
girandolc fr. — giro
girandula sp. — giro
girofle sp. — garofano
girofle fr. — garofano
giron sp. — gnerone
giron fr. — gherone
girouette fr. — giro
gisarme fr. — giusarma
gite fr. — gesir IL c
giu fr. — giuflo
giullaro it. — giocolaro
glacis fr. — glacier IL c
glai fr. — ghiattire
glaieul fr. — glaive IL c
glas fr. — chia88o
glasto sp. — guado
glatir fr. — ghiattire
glave it. — glaive IL c
glay pr. — ghiado
glousser fr. — chiocciare
glouteron fr. — gleton IL c
glouton fr. — ghiotto
gnacchera it. — nacchera
'gobelet fr. — ooppa
gober fr. — gobbe IL c
gobin fr. — gobbo
gocciola it. — gotta
godailler, godon fr. — goda II. c
godo sp. — goda IL c
gofon pr. — gonzo
goguenard fr. — gogue IL c
goinfre pg. — goda IL c
goiva pg. — *gubia
goivo pg.- — godere
golafre sp. — goliart II. c
golondrina sp. — rondine
golpe sp. — oolpo
gombito, gomito it. — cubito
gond fr. — gonzo
gonfler fr. — gonfiare
gorbia it. — *gubia
göret fr. — gorre IL c (2)
gorge fr. — gorgo
gorgia, gorgogliare it. — gorgo
gorgomillera sp. — *gargatta
gormar sp. — gourme IL c (1)
goro pg. — huero IL b
gorrin sp. — gorre II. c (2)
gorupo sp. — groppo
gosier fr. — *gueux IL c
gosma pg. — gourme IL c (1)
gouache fr. *guado
goudron fr. — catrame
gouffre fr. — golfo
gonge fr. — *gubia
gouine fr. — goda II. c
goujat fr. — gouge II. c
gouliafre fr. — goliart IL c
goupil, goupillon fr. — golpe
goupiller fr. — volpilh IL c
gour fr. — gorgo
gourd fr. — gordo
gourde fr. — cucuzza
gourmette fr. — grumo
gousse fr. — guscio
goutte fr. — gotta
goz pr. — *cuccio
gozne sp. — gonzo
gozque sp. — *cuccio
gozzoviglia it. — gozzo IL a
grabar sp. — graver IL c
grada sp. — *grata
gragea sp. — *treggea
grahusa pr. — grabuge II. c
graigne fr. — gramo
graille fr. — *gracco
graja sp. — *graccho
grajo it. — blaireau IL c
gramalla sp. — camaglio
gramallera sp. — cremaillon IL c
gramilla sp. — grama
grancire it. — granchio
grange fr. — granja
grangear sp. — granja
granguejo pg. — granchio
granter fr. — creanter IL c
granza sp. — garance II. c
grappe, grappin fr. — *grappa
graspo it. — raspare
gratnser fr. — grattare
gravelle fr. — greve IL c
gravier, gravois fr. — greve IL c
graznar sp. — gracidare
gre fr. — grado
greanter fr. — creanter IL c
gredin fr. — gretto
gröge fr. — *greggio IL a
grele, greler fr. — grÖB IL c
grelo pg. — grillo IL b
grenon fr. — grena
gr68Ü fr. — gros II. c
grief fr. — *greve
grifaigne fr. — grif IL c
grifo it. — grif II. c
grigio it. — griso
grignoter fr. — grignon IL c
gril, grille fr. — *grata
grimace fr. — grima IL b
grimpa pg. — guimple II. c
grimpola sp. — guimple IL c
grinalda pg. — ghirlanda
grinza it. — grimo IL a
gripo sp. — gripper IL c
grippo it. — gripper IL o
grisette fr. — griso
gritar sp. — gridare
grogner, groin, fr. — grugnire
51
802
REGISTER
grola it. — grole II. c
groncer, gronder fr. — grugnire
grotesco it. — grotta
grotto it. — agrotto II. a
groupe fr. — groppo
gruccia it. — *croccia x
grude pg. — glu II. c
grueso sp. — grosso
grumeler fr. — grumo
grupo sp. — groppo
gruta 8p. — grotta
guacharo sp. — *guado (l)
guadarella it. — gualda
guajo it. — guai
gualdo sp. — gualda
gualercio it. — *lercio II. a
guapo sp. — guappo
guardingo it. — *guardare
guarismo sp. — alguarismo II. b
guarnaccia, guarnello it. — guarnire
guascotto it. — biscotto
guattera it. — guetre II. c
guazardon pr. — guiderdone
guazzo t*. — *guado (1)
gue fr. — *guado (1)
guede fr. — guado (2)
guedeja sp. — vedija II. b
guenchir fr. — ganchir II. c
guer, guerle pr. — guercio
gaercho sp. — guercio
guerdon fr. — guiderdone
guere fr. — guari
gueret fr. — barbecho
guerir, guerite fr. — guarire
guermenter fr. — *gaimenter II. c
guet, guetter fr. — guatare
gueude fr. — geldra
guever fr. — gaif II. c
guia pr. — guisa
guiar sp. — *guidare
guider, guidon fr. — *guidare
guiggia it. — guiche II. c
guigne fr. — "visciola
guigner fr. — ghignare
guilha pg. — guile II. c
guimauve fr. — malvavischio
guinda sp. — *visciola
guindar sp. — ghindare
guinder fr. — ghindare
guiftar sp. — ghignare
guiren pr. — guarento
guirlande fr. — ghirlanda
guirnalda sp. — ghirlanda
guitarra sp. — chitarra
guitarre fr. — chitarra
guitran fr. — catrarae
guivre fr. — givre II. c (1)
guizzo it. — vizzo II. a
H.
c
haca
haberia sp. — avaria
habla, hablar sp. — favola
habler fr. — favola
hacha sp. — accia
hacha sp. — fiaccola
hache fr. — accia
hacia sp. — faccia
hacienda sp. — faccenda
hacina sp. — fascio
hada sp. — fata
halbrene fr. — halbran IL c
halcon sp. — falcone
halda sp. — *falda
haleche sp. — laccia
haieine fr: — alenare
haier fr. — hal&r
hallebarde fr. — alabarda
haloza sp. — *galoscia
hamac fr. — *amaca
hamaca sp. — *amaca
hamecon fr. — ancino
hampa sp. — vampo II. a
hanap fr. — anappo
hanche fr. — *anca
haner fr. — affanno
hangar fr. — angar II. c
hansart fr. — hansacs II.
haquenee, haquet fr. — hi
haraldo sp. — araldo
haraler fr. — harer IL c
harangue fr. — aringo
harapo sp. — arpa
harceler fr. — *herse II. c
harcelle fr. — hard II. c
harda pg. — arda IL b
harde, hardes fr. — hard IL c
hardi fr. — ardire
hareng fr. — aringa
harer fr. — haro IL c
harlot fr. — arlotto
harnacher, harnois fr. — arnese
harouche fr. — farouche II. c
harpe, harper, harpon fr. — arpa
hasard fr. — azzardo
haschie fr. — haschiere II. c
hasple fr. — aspo
hastas sp. — hasta IL b
haatio sp. — *fastidio
haubert fr. — usbergo
hausser fr. — alzare
havet fr. — *haver IL c
haya sp. — faggio
haz sp. — faccia u. *fascio
heaume fr. — elmo
heberger fr. — *albergo
hechicero, hechizo sp. — fattizio
hedo sp. — feo IL b
helas fr. — lasso
helecho sp. — felce
helt fr. — *elsa II. a
hendrija sp. — rendija IL b
heraut fr. — araldo
heri8ser, herisson fr. — riccio (1)
hermine fr. — annellino
heron fr. — aghirone
herren sp. — ferrana
REGISTER.
803
herrojo sp. — verrou IL c
herrumbre sp. — herrin II. b
heur, heureux fr. — augurio
heurt, heurter fr. — urtare
heux fr. — *elsa IL a
hicier fr. — *izza IL a
hieble fr. — ebbio
hienda sp. — fiente IL c
hier fr. — ieri
higado sp. — *fegato
hincar ap. — ficcare
hinojo sp. — finocchio
hinojo sp. — ginocchio
hirondelle fr. — rondine
hisser fr. — issare
hita, hito sp. — fitto
hiver fr. — inverno
hobereau fr. — hobin IL c
hoche fr. — hoc IL c
hogaza sp. — focaccia
holgin sp. — jorgina II. b
hollar sp. — *follare
hombre, homenage sp. — uomo
homme, hommage fr. — uomo
hondo sp. — fondo
honnir, honte fr. — onire
hopital fr. — oste (2)
hopo sp. — houppe IL c
hoqueton fr. — cotone
horacar, horadar sp. — huraco IL b
horde fr. — orda
hormis, hors fr. — fuora
hose fr. — uosa
hote, hotel fr. — oste (2)
houle fr. — *ola
houppelande fr. — *palandrano
houseaux. fr. — uosa
houssine, houssoir fr. — houx IL c
hoy sp. — bggi ,
hozar sp. — hoz IL b (1. u. 2)
hu ata sp. — ovata
hucia sp. — fiucia IL b
hueca sp.* — hoc IL c
huella sp. — *follare
huer fr. — hu IL c
huesped sp. — oste (2)
hueste sp. — oste (1)
huevos sp. — uopo
hui fr. — oggi
huis, huissier fr. — uscio
huivar pg. — *urlare
hulla sp. — *houille IL c
hulotte fr. — *urlare
huna sp. — hune IL c
huppe fr. — upupa
liura sp. — hure IL c
huracan sp. — *uracano
hurafio sp. — furo IL b
hurepe fr. *— herupe IL c
hurgar sp. — frugare
hurler fr. — *urlare
husma sp. — orma
huta sp. — hutte IL c
i.
ici fr. — qui
iddio it. — dio
if fr. — iva
ilhal pg. — ijar IL b
ilharga pg. ~ ijar IL b
iman sp. — diamante
imbastare it. — basto
imbottatojo it. — imbuto
impacciare it. — pacciare
impeciare, impegolare, impiccare, im-
picciare it. — pejar
impla sp. — guimple IL c
impronta it. — *imprenta
improperar sp. — improverare
improperer fr. — improverare
inaffiare it. — achar IL b
mqa.r pg. — *cnger IL c
incastrare it. — *cassa
inchar pg. — hinchar IL b
inciampare it. — tape IL c
inde fr. — indaco
infingardo it. — faint IL c
infino it. — fino IL a
infrigno it. — *frignare IL a
ingenieur fr. — ingegno
ingombro it. — colmo
ingordo it. — gordo
ingremance fr. — negromante
inhilar pg. — hennir
innanzi iL — anzi
innaverare it. — *naverare
insetare it. — *innesto IL a
insieme it. — insembre
insino it. — *sino IL a
inteiricar pg. — intero
intirizzare it. — intero
intriguer fr. — tricare *
intrincar sp. — tricare
introcque it. — mentre
iqui fr. — qui
irmSo pg. — hermano IL b
isnel fr. — snello
issa it. — esso
issi fr. — cosi
issir fr. — *escire
issue fr. — *escire
itant fr. — cotanto
itel fr. — cotale
ive fr. — *cavallo
ivoire fr. — avorio
ivraie fr. — ebbriaco
J.
ja fr. — gia
jabalina sp. — *giavelotto
jaboter fr. — jabot IL c
jacerina sp. — ghiazzerino
jaco sp. — giaco
jadeau fr. — gavetta
jaelise fr. — *gasalha
804
REGISTER.
jal, jau pr. — coq IL c
aide «p., jalne pg. — giallo
alon fr. — - j auger II. c
aloux fr. — zelo
amba, jamon sp. — *gamba
ambe, jambon fr. — *gamba
anella pg. — ventana IL b
aque fr. — giaco
ardin sp. — giardino
ardin fr. — giardino
argon fr. — gergo
arra sp. — giara
arre fr. — giara
arret fr. — *garra
arrete sp. — *garra
a8min fr. — gesmino
asse pr. — se II. c
atte fr. — gavetta
aula sp. — gabbia
aune fr. — giallo
auzion, jauzir pr. — godere
iaveline, javelot fr. — *giavelotto
avelle fr. — gavela
azerant fr. — ghiazzerino
e fr. — io
eter fr. — gettare
eudi fr. — giovedl
eüne fr. — giunare
ocera pg. — gioglio
oelho pg. — ginocchio
oglar sp. — giocolaro
oie fr. — godere
oli fr. — giulivo
ongleur fr. — giocolaro
onquille fr. — giunchiglia
orro pg. — chorro IL b
oubarbe fr. — jusbarba
oue fr. — gota
ouir fr. — » godere
our fr. — giorno
oute, jouter fr. — giusta
oya, joyel sp. — godere
oyau fr. — godere
oyo sp. — gioglio
ubon sp. — giubba
ucher fr. — juc IL c
uelh pr. — gioglio
ueves sp. — giovedl
ujube fr. — giuggiola
iulep fr. — giulebbe
iulepe sp. — giulebbe
upe fr. — giubba
usarme fr. — giusarma
usquiame fr. — giusquiamo
ustar sp. — giusta
L.
labarda it. — alabarda
labech pr. — libeccio
lacchetta it. — racchetta
lache, lächer fr. — *laseiare
lacs fr. — laccio
ladino it. — latino
ladino sp. — latino
ladon sp. — xara II. b
ladre fr. — *lazaro
lagarto sp. — lacerta
lai it. — lai II. c
laiche fr. — lisca
la;denge fr. — Iaido
laier fr. — *lasciare
laisser fr. — *lasciare
laiton fr. — ottone
laja sp. — lasca IL b
lamaneur fr. — *locman IL c
lambel sp. — lambeau II. c
lambrequin fr. — lambeau II. c
lambris fr. — lambre IL c
lamproie fr. — lampreda
lance, lancer fr. — lancia
lancha sp. — lasca II. b
landre sp. — lande IL b
landreux fr. — lendore II. c
lanza sp. — lancia
lanzo it. — lanzichenecoo
laüa sp. — lama (2)
laquais fr. — *lacayo
laranja pg. — arancio
lascio it. — laisse IL c
lasco it. — *lasciare
lasquenete sp. — lanzichenecco
laste, laste fr. — lasso
lastima sp. — biasimo
lastra it. — lasto
lastre sp. — lasto
lastrico it. — piastra
latir sp. — ghiattire
laton sp. — ottone
laud sp. — liuto
laudemio it. sp. — lusinga
lausa pr. — *losa
lavange fr. — avalange II. c
lave fr. — lava II. a
lavello it. — avello II. a
lazo sp. — laccio
lazzarone it. — *lazaro
lazzeretto it. — *lazaro
le fr. — il
leans fr. — ens II. c
leardo it. — *liart II. c
lebeche sp. — libeccio
lebrel sp. — levriere
leccio, leccete sp. — elce
leche fr. — lisca
lecher fr. — leccare
lechuzo sp. — lechon II. b
leger fr. — lieve
leggiero it. — lieve
legorizia it. — regolizia
legua sp. — lega
leixar pg. — *lasciare
lella ü. — enola
lembrar pg. — membrare
lendemäin fr. — mane
lente fr. — *lendine
Jepar pr. — lappare
REGISTER.
805
ero it. — ervo
lerdo sp. — *lordo
6sine flr. — lesina
eemä pg. — lumaocia
essive flr. — lisciva
lest fr. — lasto
eu pr. — leve IL b t*. lieve
eudo sp. — *lievito
eur fr. — egli
leurre fr. — logoro
evedo pg. — *Uevito
exia sp. — lisciva
ezard fr. — lacerta
libistico it. — levistico
iendre 8p. — *lendine
ienzo sp. — lenza
ierre fr. — edera
ieue fr. — lega
igio it. — lige II. c
ilas fr. — lilac
imace, limacon fr. — lumaccia
imaza sp. — lumaccia
imon sp. — lerne II. b
imon fr. — lerne II. b
in fr. — linea
inceul fr. — lenza
irio sp. — giglio
iron sp. — ghiro
is fr. — giglio
isera sp. — lista
isiere fr. — lista
iso sp. — liscio
isse fr. — liscio
isto sp. — lesto
itera sp. — lettiera
itiere fr. — lettiera
iveche fr. — levistico
livianos sp. — leve II. b
iza sp. — liccia
izne sp. — liscio
lamar sp. — chiamare
lares sp. — lar
lueco sp. — chiocciare
luvia sp. — pioggia
oco sp. — locco
odola it. — allodola
oendro pg. — oleandro
oge, loger, logis fr. — loggia
oir fr. — ghiro
ioire pr. — logoro
oiria pr. — lontra
olla it. — loppa II. a
omia it. — limone
lonja sp. — loggia
onja sp. — longe IL c (1)
oquet fr. — loc II. c
oro ü. — egli
lors fr. — ora (2)
oscnge fr. — lusinga
osna pg. — aluine II. c
ot fr. — lotto
oterie fr. — lotto
ouange fr. — lusinga
ouco pg. — locco
lourd fr. — *lordo
lousa pg. — loura II. b
loutre fr. — lontra
louvoyer fr. — lof II. c
loyer fr. — louer IL c (2)
lubie fr. — *ubbia IL a
lucchetta it. — loc II. c
lucerta it. — lacerta
lucherä it. — *luquer IL c
luego sp. — loco
lues fr. — loco
lui it. — egli
lui fr. — egli
*lumignon fr.^ — *lumignon
luneß sp. — lunedi
luseau fr. — luoillo II. b
luset fr. — *merluzzo
lusignuolo it. — rosignuolo
luth fr. — liuto
lutria sp. — lontra
luva pg. — lua IL b
M.
ma it. — mai
maca pg. — 'ämaca
maca sp. — macco
maoca it. — macco
machacar, machucar, sp. — macho IL b
machar sp. — macho II. b
mächer fr. — masticare
mächurer fr. — maschera
macigno it. — madna IL a
madexa sp. — matassa
madiö it. — dio
madios sp. — dio
madraco pg. — materasso
maglia it. — macchia
magnano it. — *mafia II. b
magoa pg. — macchia
magot fr. — *magone IL a
maguer pg. — macari IL a
mahon flr. — pavot II. c
maidieu fr. — dio
mail fr. — maglio
maille fr. — macchia
maille fr. — medaglia
main ((ulv.) fr. — mane
mainada pr. — magione
maintenant fr. — immantinente
maintenir fr. — mantenere
mais fr. — mai
maison fr. — magione
mait fr. — madia II. a
maitre fr. — maestro
majar sp. — maglio
mal t*. — ora (l)
malade fr. — *malato
malaise fr. — *agio
malandrin sp. — landra
malandrino it. — landra
malavez sp. — aves II. b
malgre fr. — grado
806
REGISTER.
malheur fr. — äugurio
malina sp. — bonaccia
malingre fr. — heingre II. c
malle fr. — mala
malogro «sp. — logro II. b
malotru fr. — astro
malviz sp. — mauvis II. c
manada sp. — mägione
manant fr. — *mas
mancha, mancilla sp. — macchia
manche fr. — manico
manchot fr. — *manco
mancip pr. — mancebo II. b
mandola it. — pandura
mandore fr. — pandura
mane8calc fr. — mariecalco
manga sp. — manico
manganilla sp. — mangano
manger fr. — *mangiare
mango sp. — manico
mangoneau fr. — mangano
mangra pg. — mangla II. b
manicordion fr. — monocordo
manier fr. — menear II. b
maniqui sp. — mannequin II. c
manlevar sp. — mallevare
manna it. — *maÖa II. b
mannequin fr. — manne II. c
mano pg. — hermano II. b
manoir fr. -— *maB
manovaldo it. — mondualdo IL a
manso sp. — manso
manto it. — maint II. c
manucare it. — *mangiare
manzo it. — manso
manana sp. — mane
mar adv. fr. — ora (1)
marage fr. — *mare
maraia, marois fr. — *mare
marame it. — *marrir
marafia sp. — *marrir
marazzo it. — *mare
marcear sp. — *marza II. a
marchais fr. — *mare
marchand fr. — marche II. c
marchar sp. — *marcher II. c
marche fr. — marca
marchese it. — marca
marciare it. — *marcher II. c
marcone it. — macho II. b
mar corel la it. — mercorella II. a
marcotte fr. — margotta
mardi fr. — martedi
marecage fr. — *mare
marechal fr. — mariscalco
marese it. — *mare
margolato it. — margotta
margue pr. — manico
margulhao pg. — marangone II. a
marjolaine fr. — majorana
marmaglia it. — merme
marmelo pg. — membrillo II. b
maronier fr. — maron IL c
marotte fr. — marionette II. c
marque, marquis fr. — marca
marques sp. — marca
marra sp. — marron IL b
marrano it. — marrano IL b
marrar sp. — *marrir
marritta it. — ritto
marron fr. — marrone IL a
marteau fr. — martello
martes sp. — martedi
martre fr. — martora
marves pr. — *manevir IL c
maß sp. — mai
masa sp. — *mas
mascar sp. — masticare
mascarra pg. — maschera
masnada it. — magione
masque fr. — maschera
massaro it. — *mas
masse, massue fr. — mazza
massepain fr. — marzapane
mastin sp. — magione
mastin o it. — magione
mastouche fr. — *nasturzio
mastuerzo sp. — *nasturzio
mat fr. — masto
matalahua sp. — batafalua IL b
matar sp. — matto
matita it. — amatita IL a
matou fr. — *micio
matracca it. — matraca IL b
matelas fr. — materasso
matin fr» — mane
matin fr. — magione
mattino it. — mane
maussade fr. — sade IL c
mauvais fr. — *malvagio
mazapan sp. — marzapane
mazo sp. — mazzo
me-, mes- fr. — mis
mec pr. — mego IL b
mecha sp. — micciä
meche fr. — miccia
mechef fr. — menoscabo
meda, medano, megano sp. — ineta
medecin fr. — mege
medeBimo it. — medes
mege fr. — mege
mehaing fr. — magagna
meia pg. — media II. b
meimandro pg. — milmandro IL b
meiminho pg. — mimar IL b
melange, meler fr. — mischiare
melarancia it. — arancio
mella pr. — mandorla
melsa sp. — milza
meme fr. — medes
mena it. — menare
mena sp. — menare
menace fr. — minaccia
menester, menestral sp. — mestiero
menetrier fr. — mestiero
menguar sp. — menovare
menino sp. — mina (2)
mensonge fr. — *menzogna
REGISTER.
807
mentira sp. — *menzogna
mentoivre fr. — mentar
mentovare it. — mentar
menu, menuet, menuisier fr. — minuto
merci fr. — merce
mercredi fr. — mercoledi
merlon fr. — raerlo
merluche fr. — *merluzzo
merma sp. — mcrme
merveille fr. — maraviglia
me8quin fr. — meschino
metä it. — *mezzo
metail fr. — medaglia
metairie fr. — *mezzo
metayer fr. — *mezzo
mete, mette fr. — meta
metier fr. — niest iero
metis fr. — mestizzo
metralla sp. — mitraille IL c
meugler fr. — mugghiare
meunier fr. — mulino
mezclar sp. — mischiare
mi fr. — *mezzo
miche fr. — mica
mie fr. — mica
mieg pr. — *mezzo
miercoles sp. — mercoledi
mignard fr. — mignon IL c
mignatia it. — miniare
mignone it. — mignon IL c
migraine fr. — magrana
migrafia sp. — magrana
mille sbst. fr. — miglio
mimma it. — mimar IL b
mineral fr. — mina (1)
mi nette, minon fr. — mina (2)
mingherlino it. — heingre IL c
mingrana sp. — milgrana IL b
mintro it. — mentre
minuzzare it. — minuto
mirabolano sp. — *mirabella
miraglio it. — miroir IL c
misa sp. — messa
mismo sp. — medes
mistral fr. — maestro
mitad sp. — *mezzo
mitaine fr. — *mezzo
mite, mitou fr. — *micio
moccolaja sp. — moccio IL a
moccolo it. — moccio II. a
mochin, mocho sp. — mozzo
modele fr. — modano
mofletes sp. — muffare
mofo, mofino sp. — muffo
mogio it. — murrio II. b
mogote sp. — mogo IL b
mono, mohino sp. — muffo
moie fr. — meta
moie fr. — meule IL c
moignon fr. — *mnfion
moing fr. — muöon
mois pr. — moscio
moitie fr. — *mezzo
mojar, moje sp. — molla
molde sp. — modano
molho pg. — manojo IL b
molino sp. — *mulino
molle it. — molla
molleja, molleta sp. — molla
mollet fr. — molla
molondro sp. — landra
momio sp. — mummia
monco it. — *manco
monseigueur, monsieur fr. — signore
morailles fr. — *morro IL b
moraine fr. — mora
morcego pg. — murciego IL b
morga sp. — morchia
morgeline fr. — coq IL c
morno pg. — morne II. c
moron sp. — mora
morre pr. — *morro IL b
mortier fr. — mortajo #
morueco sp. — marron II. b
morve fr. — mormo
mosaique fr. — musaico
mostaza sp. — in ob tarda
motin sp. — meute IL c
moufette fr. — muffo
moufle, moufler fr. — muffare
mouiller fr. — molla
moule fr. — modano, nicchio
moulin fr. — mulino
mousquet fr. — moschetto
mousse fr. — mozzo
mous8c fr. — *mozo IL b
mou8seline fr. — mussolo
mousser, mousseron fr. — mousse IL c
moustacbe fr. — mostaccio
moutarde fr. — mos tarda
mouton fr. — montone
moyen fr. — *mezzo
moyo sp. — moggio
mozzetta it. — almussa
mozzo it. — *mozo IL b
muceta sp. — almussa
muci it. — *micio
mueca sp. — *moquer IL c
muelle sp. — molla
muelle sp. — molo •
muermo sp. — mormo
muge fr. — muggine
mughetto it. — mugue IL c
mugnajo it. — *mulino
muid fr. — moggio
muir sp. — mungere
muire fr. — moja
muito pg. — mucho IL b
mujar sp. — mugghiare
mulätre fr. — mulato IL b
mulet fr. — muggine
muliaca it. — meliaca IL a
mulilla sp. — mula
mulon fr. — meule IL c
muneca sp. — * muöon
munto it. — mungere
muradal pg. — muladar IL b
murecillo sp. — mur
808
REGISTER.
murganho pg.9 musgafio sp. — mur
murria sp. — moja
mursa pg. — almussa
mu8eau, muser fr. — muso
mustio sp. — moscio
mulin fr. — meute II. c
muy sp. — mucho II. b
N.
na pr. sbst. — donno
nabisso it. — abisso
nacar sp. — nacchera
nache fr. — natica
nacre fr. — nacchera
nagruere fr. — guari
naibi it. — naipe II. b
nalga sp. — natica
nantir fr. — *nams II. c
naranja sp. — arancio
narquois fr. — narguer II. c
nasitort fr. — *nasturzio
naepo ü. — aspo
nauclero sp. — nocchiero
navire fr. — *navilio
navrer fr. — *naverare
ne it. — indi
neanmoine, neant fr. — niente
nedeo pg. — netto
neel fr. — niello
nefa pr. — niffa
nefle fr. — nespola
negaca pg. — afiagaza II. b
neguilla sp. — niello
nenhum pg. — niunp
nenni sp. — ne II. c
nespera sp. — nespola
nesto it. — *innesto II. a
niais fr. — nido
niche fr. — nicchio
niche fr. — nique II. o
nicho sp. — nicchio
nidio, nidiace it. — nido
niego sp. — nido
nieule fr. — nevula
nigaud fr. — nee II. c
ninferno it. — abisso
ninguno sp. — niuno
ninho, ninhego pg. — nido
nitrire it. — hennir
niveau, niveler fr. — libello
nivel sp. — libello
nocher fr. — nocchiero
noer fr. — notare
nolis fr. — nolo
nombril fr. — *ombelico
nonada sp. — nada II. b
nonnain fr. — nonno
norabuena sp. — ora (1)
novias pr. — novio II. b
noyer fr. — negare
nuance fr. — nuer II. o
nuque fr. — *nuca
nutria sp. — lontra
0.
octroyer fr. — otriare
od fr. — appo
oes fr. — uopo
ogan pr. — *uguanno
ogre fr. — orco
ogro sp. — orco
oie fr. — oca
oille fr. — olla II. b
oiseau fr. — uccello
oison fr. — oca
olvidar sp. — obblio
olzina pr. — elce
omai it. — oggi
ommaggio it. — nomo
on fr. — nomo
onc, onques fr. — *anche
once fr. — *lonza
onta it. — onire
onza sp.
'lonza
ora, oreggio, orezzo it. — anrä
orage, orear, oreo sp. — aura
orage, ore fr. — aura
orange fr. — arancio
oreille fr. — orecchia
orfövre fr. — forgia
orge fr. — orzo
orgue fr. — organo
orgueil fr. — orgoglio
orilla sp. — *orlo
orin sp. — ruggine
oripeau fr. — orpello
oropel sp. — orpello
orre, orrezar pr. — ordo
orteil fr. — artiglio
oruga sp. — ruca
ospres fr. — *orfraie II. c
otage fr. — ostaggio
otogar sp. — otriare
ou fr. — o
oü fr. — ove
ouaie fr. — guai
ouan fr. — *uguanno
ouate fr. — ovatä
oublier fr. — obblio
oueo pg. — hueco II. b
ouragan fr. — *uracano
ouriep pg. — riccio (1)
ourler fr. — *orlo
ouree fr. — orza
outarde fr. — ottarda
outorgar pg. — otriare
outreeuidanoe fr. — *coitare
ovvero it. — o
p.
pabellon sp. — padiglione
paffuto it. — papa
paflon sp. — pflafond II. c
pa^e fr. — paggio
paüe fr. — palio
REGISTER
809
paillard, paille fr. — paglia
pairol fr. — *perol II. b
paja sp. — paglia
palabra sp. — *parola
palanca it. sp. — pianca
palco it. — baloo
palefroi fr. palafreno
palizä sp. — balisa
palla it. — balla
palpet pr. — *palpebra
paltoquet fr. — palletot IL c
palurdo sp. — *lordo
pamer fr. — spasimo
päna sp. — panne II. c
panca it. — banco
panir fr. — *pan IL o
panoja sp. — pannocchia
pause fr. — pancia
panser fr. — peso
panteler fr. — pantois II. c
papel sp. — papier II. c
papelard fr. — pappalardo
papin fr. — papa
papoula pg. — ababa II. b
pappo it. — papa
papudo sp. — papa
päque fr. — pasqua
paquet fr. — pacco
paquete sp. — pacco
para sp. — por
parangon fr. — paragone
parapet, parapluie, parasol fr. — parare
pardal sp. — pardo II. b
pareil fr. — pareochio
parejo sp. — parecchio
paresse fr. — pigrezza
parlar sp. — *parola
parlare it. — *parola
parier fr. — *parola
panni fr. — *mezzo
paroisse fr. — parrochia
parpado sp. — *palpebra
parque sp. — parco
parquer fr. — parco
parvente ü. — parven II. c
pasear sp. — passare
pasmo it. — spasimo
pasmo sp. — spasimo
passeggiare it. — passare
passemeni fr. — passamaoo
patan sp. — *patta
pataud fr. — *patta
patauger fr. — *patta <.
pate fr. — pasta
patear sp. — *patta
patin fr. — *patta
patrouille fr. — pattuglia
patruca pg. — plie II. c
patrulla sp. — pattuglia
pattino it. — *patta
päturon fr. — *pastoja
paul pg. — padule II. a
paumier fr. — palmiere
paupiere fr. — *palpebra
paura it. — peur IL c
pautonier fr. — paltone II. a
pavillon fr. — padiglione
pavio pg. — pabilo
pavois fr. — pavese
payen fr. — pagano
payer fr. — pagare
payla sp. — poele IL o (1)
pays, paysan fr. — *paese
peage sp. — pedaggio
peage fr. — pedaggio
pecchia it. — ape
pecchoro it. — bicchiere
pecego pg. — persica
peche fr. — persica
pecilgar sp. — pellizcar II. b
peconha pg. — *pozione
pecorea sp. — picorer IL c
pecoul fr. — *picciuolo II. a
pepo pg. — pelago
peigne fr. — pettine
peine sp. — pettine
pejo pg. — piege II. c
peleg pr. — pelago
pelerin fr. — *pelleyrino
pelisse fr. — pelliccia
pelitre sp. — pilatro
pella pg. — poele II. c (1)
pelota sp. — pillotta
pelote fr. — pillotta
pelouse fr. — peluche II. o
pelpa it. — *felpa
peluca sp. — piluccare
penche pr. — pettine
pendeloque fr. — loque II. c
pendola, pendon sp. — pennone
penil fr. — pettine
pensar sp. — peso
pensare it. — peso
penser fr. — peso
penzolo it. — pentola IL a
pefla sp. — penna
peon sp. — pedone
pepie fr. — pipita
pepita sp. — pipita
pequefio sp. — piccolo
percer fr. — *pertugiare
percha sp. — perche II. c
perdrix fr. — perdice
perexil sp. — petrosellino
pereza sp. — pigrezza
perfilar sp. — profilare
periquito sp. — parocchetto
pernice it. — perdice
pernio sp. — perno
perno, pernio, pernil sp. — pierna IL b
perola pg. — *perla
perpunte sp. — ponrpoint II. c
perroqnet fr. — parocchetto
perrnca it. — piluccare
perruque fr. — piluccare
persil fr. — petrosellino
perto pg. — prieto II. b. (1)
pertuis fr. — *pertugiare
810
REGISTER.
pertuisane fr. — partigiana
pesca iL — persica
pesebre pg. — greppia
pesponto pg. — pourpoint II. c
pestafta sp. — pestare
petiller fr. — petardo
petit fr. — pito
petiscar pg. — pito
petrina sp. — poitrine II. o
petrosemolo it. — petrosellino
pezolh pr. — pidocchio
pezon sp. — *picciuolo IL a
piailler fr. — piare
picaro sp. — picco
picchio it. — picco
piccino it. — piccolo
picciolo it. — piccolo
pichel sp. — bicchiere
pichon sp. — piccione
piece fr. — pezza
pieton fr. — pedone
*pietre fr. — *pietre
pieza sp. — pezza
pifaro sp. — *piva
pifiFero iL — *piva
piffre fr. — *piva
pigeon fr. — piccione
pignon fr. — penna
pignone it. — penna
pigolare it. — *piva
pila sp. — pella II. b
pile fr. — pella II. b
piler, piller fr. — pigliare
pillacchera it. — zaccaro II. a
pillar sp. — pigliare
piment fr. — pimiento
pimpa pr. — *piva
pincer fr. — pizza
pinchar, pinzas sp. — pizza
pingue sp. — pinque
pintasirgo pg. — pintacilgo II. b
pinzo iL — pizza
pinzon sp. — pincione
pinata sp. — pignatta IL a
piojo sp. — pidocchio
piola sp. — pihuala IL b
pion, pionnier fr. — pedone
piot fr. — *pier IL c
piovano it. — pieve IL a
pipa sp., pipilar pg. — *piva
pipe fr. — *piva
pique fr. — picco
pisar sp. — pestare
piscar pg. — pizza
piser, piste fr. — pestare
pisser fr. — pisciare
pistagna iL — pestare
pitance fr. — pietanza
pitar pr. — pito
pitorra sp. — pito
pittima iL — bizma IL b
piuolo iL — *piva
pivot fr. — *piva
pizca sp. — pizza
pizzico iL — pizza
placard fr. — plaque IL c
place fr. — piazza
plage fr. — piaggia
plaid, plaider fr. — *piato
plamer fr. — *pelare
planche fr. — pianca
plasta sp. — pasta
plat fr. — piatto
plata sp. — piatto
platija sp. — plie IL c
plätre fr. — piastra
playa sp. — piaggia
plaza sp. — piazza
plegar sp. — piegare
pleige fr. — plevir IL c
pleito sp. — *piato
plessier fr. — *plais II. c
plier fr. — piegare
plonger fr. — piombare
ployer fr. — piegare
pluie fr. — pioggia
pobo sp. — pioppo
podar, podon sp. — *potare
poge fr. — poggia IL a
poids fr. — peso
poignard fr. — . pugnale
poincpn fr. — punzar
point fr. — punto
poison fr. — *pozione
poissas pr. — poi
poisser fr. — pegar
polea sp. — poulier IL c
poleo sp. — poleggio
polgar pr. — pollegar
police fr. — *polizza
police fr. — polizia
polichinelle fr. — pulcinello
policia sp. — *polizia
poliza sp. — *polizza
polizon sp. — polisson II. c
poltron fr. — "*poltro
pompe fr. — bomba (2)
ponzoBa sp. — *pozione
poppone iL — pepin II.c
porcellana it. — portulaoa
porem pg. — porende II. b
poruec fr. — perö w. *avec IL c
po8 pr. — poi
posar, posada sp. — pausare
posare iL — pausare
poscia it. — poi
poser fr. — pausare
postierla it. — poterne II. c
postrar sp. — prostrare
potage sp. — *pote
potage fr. — *pote
pot-pourri fr. — olla IL b
potro sp. — *poledro
pottaggio iL — #*pote
pou fr. — pidocchio
pouffer fr. — buf
pouliot fr. — poleggio
pouls fr. — pulaar
REGISTER.
811
poün fr. — *|)otare
poupa pg. — upupa
pour fr. — por
pourpier fr. — portulaea
pousalousa pg. — *mariposa II. b
pousse, poussif fr. — bolso II. a
pousser fr. — pulsar
poussiere fr. — *poudre II c
poutre fr. — *poledro
pouvoir fr. — potere
poyo sp. — poggio
praia pg. — piaggia
preboste sp. — prevosto
predella it. — *brida
prego pg. — priego II. b
preguiya pg. — pigrezza
prele fr. — esprelle IL o
prenda sp. — *nans II. c
preon, preonsar pr. — fondo
pres, presque fr. — presso
presciutto iL — suco
preste sp. — prete
presunto pg. — suco
pret fr. — presto
preter fr. — prestare
pretina sp. — poitrine IL c
pretre fr. — prete
preux fr. — pro
preveire pr. — prete
prevot fr. — prevosto
prezzemolo it. — petrosellino
primavera iL — ver
primavera sp. — ver
printeraps fr. — ver
prioste sp. — prevosto
prisco sp. — persica
prision sp. — *prigione
prison fr. — *prigione
proa sp. — prua
proda iL — prua
profenda iL — prebenda
promener fr. — menare
prosciutto iL — suco
prou fr. — pro
proue fr. — prua
provano iL — tema IL b
proveceio t*. — profitto
provecho sp. — profitto
proveito pg. — profitto
provena sp. — propaggine
provende fr. — prebenda
provianda iL — viande IL c
provigner, provin fr. — propaggine
provoire fr. — prete
pruir pg. — prüdere
puce fr. — pulce
pucelle fr. — pulcella
puchero sp. — puches IL b
pues sp. — poi
pui fr. — poggio
puis fr. — poi
puiser. puits fr. — pozzo
pulga sp. — pulce
pulgar sp. — pollegar
pulizia it. — policia
punaise fr. — punais IL o
punchar sp. — punzar
punzellare iL — punzar
puput fr. — upupa
putain fr. — putto (1)
putput sp. — upupa
puxar sp. — pulsar
quai fr. — cayo
quait pr. — puatto
quaresma sp. — quaresima
quartel, quarto sp. — quartiere
que sp. — che
que fr. — che
quebrantar sp. — crebantar
quebrar sp. — crepare
quec pr. — chaque IL c
quedar, quedo sp. — *cheto
queixo pg. — casso (2)
queixo pg. — cascio
quelha pg. — calha IL b
quelque fr. — qualche
quenotte fr. — *quenne II. c
quenouille fr. — conocchia
queso sp. — cascio
queue fr. — coda
qui fr. — che
quichar pr. — quatto
quien sp. — che
quignon fr. — coin IL c
quilate sp. — carato
qui IIa sp. — chiglia
quille fr. — chiglia
quimera sp. — chimera
quincaille fr. — clinquant II. c
quindi iL — quinci IL a
quiflon sp. — coin IL c
quitar, quito sp. — *cheto
quitare iL — *oheto
quitte, quitter fr. — *cheto
quivi it. — quinci IL a
quixada, quixera sp. — casso (2)
quixote sp. — coscia
quoi fr. — che
quora pr. — ora (2)
raban fr.
rabeca pg.
rabel sp. —
rabesco iL
rabrouer fr
race fr. —
rachar pg.
räcler fr. —
rade fr. —
radis fr. —
raffio it. —
R.
— haubans IL c
— ribeba
ribeba
— arabesco
— *bravo
razza
— rajar IL b
— *rascar
*raudo IL b
raifort II. o
raffare
812
REGISTER
rafler fr. — räffare
raie fr. — *raggio
railler fr. — *rallar
raiponce fr. — raperonzo
ramadouer fr. — amadoner II. c
rame fr. — risma
ramentevoir fr. — mentar
ramero sp. — ramingo
rammaricare it. — amaricare
rammentare it. — mentare
rämpognare it. — rampa
ramponer fr. — rampa
ramponzolo it. — raperonzo
rancare it. — ranco
rancho sp. — rang II. c
rancio it. — arancio
rancune fr. — rancore
randola pr. — qondine
randoner fr. — randa
rangier fr. — *rangifero
rannicchiare it. — nicchio
ranoochia it. — grenouille II. o
rapar sp. — rappare
rapar pr. — rampa
raper fr. — raspare
rapetasser fr. — pedazo II. b
rappa it. — rappare •
raquette fr. — racchetta
raschiare iL — *rascar
rascia it. — raso
rasente it. — *rez II. c
rasgar, rasgufiar sp. — *rascar
rasilla sp. — raso
ras8ettare it. — *assettare
ratar pg. — *ratto
ratear sp. — *ratto
räteau fr. — rastro
räton fr. — *rate II. c
raudal sp. — *raudo II. b
raüser fr. — rifusare
ravacher fr. — rabacher II. c
ravelin fr. — *rivellino
rayer, rayon fr. — *raggio
rayo sp. — *raggio
razzo it. — arazzo II. a
rebec fr. — ribeba
rebellin sp. — *rivellino
rebitar pg. — river II. o
rebosar sp. — versare
rebours, rebrousser fr. — *broza
recado sp. — reoaudar II. b
recamare sp. — *ricamare
recamer fr. — *ricamare
recato sp. — catar
recear pg. — zelo
recensar pr. — *rincer II. c
reohef fr. — chef II. o
rechigner fr. — röche II. c
rechinar sp. — reche II. c
recif fr. — arrecife II. b
reciner fr. — *desinare
recluter fr. — *recru II. o
recodo sp. — cubito
recoi fr. — *cheto
recourre, recousse fr. •— scaoiere
recreant fr. — ricredersi
recudir sp. — cudir II. b
recnlar sp. — rinculare
reculer fr. — rinculare
redea pg. — redina
redoute, reduit fr. — ridotto
ree fr. — *raggio
refem pg. — rehen II. b
refrain fr. — refran
refriega sp. — fregare
refrogner fr. — *frignare II. a
refuser fr. — rifusare
regain fr. — guaime
regal fr. — *regalare
regaliz sp. — regolizia
regatar pg. — accattäre
regime fr. — *reame
reglisse fr. — regolizia
regna pr. — redina
regocijo sp. — gozo II. b
rehusar sp. — rifusare
reissidar pr. — destare II. a
reja sp. — reih»
rejo sp. — rebbio II. a
relampago sp. — lampo
relinchar sp. — hennir
relox sp. — oriuolo
reluquer fr. — *luquer IL c
remate sp. — matar II. b
remblayer fr. — *biado
remolcar sp. — rimurcbiare
remorquer fr. — rimurchiare
remous fr. — *mulino
rempart fr. — parare
remuer fr. — muer II. o
rencilla sp. — reflir II. b
renda pg. — randa
rene fr. — redina
renfrogner fr. — *frignare II. a
rengo sp. — ranco
rengreger fr. — *greve
renifler fr. — niffa
renne fr. — *rangifero
renta sp. — rendere
rente pg. — *rez II. c
reponche fr. — raperonzo
reposer fr. — paueare
represaille fr. — ripresaglia
reproche sp. — reprocher II. c
reprovier fr. — reprocher II. c
requebrar sp. — crepare
requiebro sp. — crepare
requinquer fr. — clinquant II. c
rescatar sp. — accattäre
resemblar sp. — sembrare
resgatar pg. — accattäre
reama sp. — risma
re8oflar sp. — sollar IL b
resquicio sp. — quicio IL b
ressembler fr. — sembrare
ressort fr. — *sortire (1 u. 2)
resta it. — arista
restaüar sp. — *8tancare
REGISTER.
813
restreindre fr. — etreindre II. c
retar sp. — reptar
reter fr. — reptar
retif fr. — restio
retroB fr. — *torso
reüser fr. — rifusaro
reussir fr. — *escire
revanche fr. — vengiare
reveche fr. — *rivescio
reves sp. — *rivesoio
revoit fr. — *rivescio
revora pg. — robra II. b
rezaga 8p. — zaga II. b
rezelar sp. — zelo
rezzo it. — aura
rhubarbe fr. — rabarbaro
ribadire it. — river II. c
ribaudequin fr. — ribaldo
ribeca it. — ribeba
ribera sp. — riviera
ribrezzo it. — *brezza
ricaner fr. — *regafiar
riche fr. — ricco
rico sp. — ricco
ricp pg. — riccio (2)
rienda sp. — redina
riesgo sp. — risicare
rifar sp. — riffa
riffilo it. — riffa
riffler fr. — riffa
rifmtare it. — rifusare
rigoglio it. — orgoglio
rigogolo, rigolet to it. — galbero
rigoletto it. — riga IL a
rigoro it. — rigole II. c
rigottato it. — rigot II. c
rimbombare it. — bomba
rime fr. — *rame II. c (1)
rinchar pg. — hennir
rincontra it. — rimpetto IL a
rinfrignato zu infrignato it. — *fri-
gnare IL a
ringavagnare it. — *guadagnare
ringhiera it. — aringo
rintuzzare it. — *intuzzare IL a
rifia sp. — refiir II. b
rifion sp. — rognone
rio it. — reo IL a
riorte fr. — *ritorta
riotta it. — riote IL c
riparo it. — parare
risca pg. — risicare
riscossa it. — scuotere
rispitto it. — repit II. c
risque fr. — risicare
ristra sp. — resta (1)
ristre sp. — resta (2)
riz fr. — riso
rizo sp. — riccio (2)
robbio it. — roggio
robin sp. — ruggine
roble sp. — rovere
rocchetta it. — *rocca (2)
röche, rocher fr. — *rocca (1)
röchet fr. — rocchetto
rociada, rocio sp. — ros
rocin sp. — rozza
rodela, rodilla 8p. — rotella
roffia it. — ruffa
rognon fr. — rognone
roion fr. — *reame
roise idtfr. — ronir II. c
rojar pg. — rozar II. b
rolde, rollo sp. — rotolo
role fr. — rotolo
roman fr. — romanzo
romarin fr. — ramerino
romero it. — romeo
romero sp. — ramerino
romo sp. — rombo II. b
ronchier fr. — *roncar IL b
ronchione it. — rocchio II. a
ronciglio it. — *ronce II. c m
roncin fr. — rozza *
rondon sp. — randa
ronsar pr. — *ronce II. c
ronzino it. — rozza
rofia sp. — rogna
roque sp. — rocco
roquete sp. — rocchetto
roquette fr. — ruca
rorro pg. ~ ro IL b
roseau fr. — raus IL c
rosee fr. — ros
rosse fr. — rozza
rotir fr. — rostire
roture fr. — *rotta
ronche fr. — ntche IL c
rouette fr. — *ritorta
roti£e fr. — roggio
ronille fr. — ruggine
rouler fr. — rotolo
roussin fr. — rozza
route, routine fr. — *rotta
rouvent, rouvelent fr. — *rovello II. a
rouvre fr. — rovere
roux fr. — rosso
rovescio it. — *rivescio
roxo sp. — roggio u. rosso
royaume fr. — *reame
roznar sp. — ronzare IL a
rua sp. — ruga
rubaldo it. — ribaldo
rnbare it. — roba
rnbiglia it. — ervo
rubio sp. — roggio
rnbis fr. — rubino
rue fr. — ruga
meca sp. — *rooca
ruf pr. — ruffa
rufo sp. — ruffa
rugiada it. — ros
rupumare it. — ronger II. c
ruiponce sp. — raperonzo
ruiseflor sp. — rosignuolo
ruisseau fr. — ru II. c
ruivo pg. — roggio
rollo it. — rotolo
814
REGISTER.
rumb fr. — rombo
ruqueta sp. — ruca
ruscello it. — ru II. c
rase fr. — rifusare
rustre fr. — rüste II. c
ruzzolare it. — rotolo
s.
sa pr. — qua
sabio 8p. — saggio (1)
sable 8p. — sciabla
sable fr. — zibellino
sabre fr. — sciabla
sabueso 8p. — segugio
saccade fr. — sacar
saccager fr. — *sacco
sacomano sp. — *sacco
sach"r fr. — sacar
sacre fr. — sagro
sacudir sp. — cudir II. b
sadreia pr. — satureja
safran fr. — zafferano
sage fr. — saggio (1)
sagerida sp. — satureja
sagetta it. — saja
saie fr. — saja
sain-doux fr. — saime
sainete sp. — saime
8aisir fr. — sagire
saison fr. — stagione u. saison II. c
sajar sp. — sarrafar II. b
sala it. — Barria II. b
salade fr. *celata
salamoja it. — moja
salchicha sp. — salsa
saldo it. — soldo
sale fr. — salavo
sallar pr. — saja
sallar sp. — sacho II. b
salle fr. — *sala
salmuera sp. — moja
salpare it. — sarpare
salvietta it. — *serviette II. c
samit pr. — sciamito
8anchier fr. — *stanco
sancir fr. — *sumsir IL c
sanco sp. — zanco
sangle fr. — cinghia
sanglier fr. — cinghiare
sanglot fr. — singhiozzo
sanna it. — zanna II. a
sans fr. — senza
santoreggia it. — satureja
sape fr. — *zappa
sarcelle fr. — cerceta
sarcia sp. — sarte
sarco sp. — *sargia
sargento sp. — sergente
sarjar sp. — sarrafar II. b
sarriette fr. — satureja
sarro sp. — sarna II. b
sartan pr. — sarten IL b
aas fr. — staccio
satin fr. — seta
sauce, saucisse fr. — salsa
saumätre fr. — salmastro
saumure fr. — moja
saupiquet fr. — *salpicar IL b
saure fr. — sauro
saussaie fr. — *saule II. c
sauvage fr. — salvaggio
savate fr. — ciabat ta
savena pr. — sabana
savoir fr. — sapere
saya sp. — saja
sayette fr. — saja
sazon sp. — stagione u. saison IL c
sbaglio it. — bagliore IL a
sbalzo it. — balzare
sbarro it. — barra
sbavigliare it. — badare
sberleffe it. — balafre IL c
sbiadato it. — *biavo
sbieco it. — bieco IL a
sbiescio it. — biasciu
sbigottire it. — bigot IL c
sbirciare it. — bircio IL a
sbirro it. — birro II. a
sbranare it. — brandone
sbrattare it. — bratta IL a
sbricco it. — *bricco
sbrizzare it. — sprazzare IL a
sbrocco it. — brocco
sbulimo it. — bulimo IL a
scalabröne it. — calabrone IL a
scampare it. — scappare
scana it. — zanna IL a
scancia it. — *escanciar
scancio it. — sguancio IL a
scapitare it. — capitare IL a
scappino it. — *scarpa
scarabone it. — scarafaggio
scardo it. — cardo
scarpello it. — - eacoplo IL b
scarsella it. — sciarpa
scarzo it. — scarso
scavezzare it. — cavezza
schencire it. — sguancio IL a
scherano it. — schiera
schermugio it. — scaramuccia
schiabecco it. — chaveco
schiancio it. — sguancio IL a
schiappare it. — schiantare
scbiatta it. — piatto
schiattire it. — ghiattire
schiavino it. — scabino
schidone it. — spito
8chimbe8cio it. — sghembo II. a
schincio it. — sguancio II. a
sobiniera it. — *schiena
sciagura it. — augurio
scialuppa it. — chaloupe IL c
sciancato it. — *anca
sciatta it. — piatto
scion fr. — scier IL c
aciorinare it. — sauro
BEGISTER.
815
sciupare it. — scipare II. a
scivolare it. — *cigolare II. a
scodella iL — ecuelle II. c
scompigliare it. — pigliare
scoppiare iL — coppia
scoppio iL — schioppo II. a
scorreggia iL — coreggia
scorgere, scorta iL — corgere II. a
scorticare iL — corteccia
scozzone it. — cozzone
screpolare iL — crepare
scuffia iL — cuffia
sdrucire it. — cucire
seau fr. — secchia
seche fr. — seppia
secouer, secousse fr. — scuotere
seda sp. — seta
segnare it. — salassare II. a
sega iL — scier II. c
sego it. — sevo
segola iL — segale
segurelha pg. — satureja
seigle fr. — segale
seigneur fr. — signore
seille fr. — secchia
sei'ller fr. — *soif IL c
seira pg. — sarria IL h
sejour fr. — giorno
selga pg. — acelga IL b
sem pg. — senza
sem pr. — scemo
semaine fr. — *settimana
semana sp. — *settimana
sembeli pr. — zibellino
semblant, sembler fr. — sembrare
semblar, semejar sp. — sembrare
semonce fr. — semondre IL c
semoule fr. — semola
senau fr. — semaque IL c
sene fr. — sena
senechal fr. — siniscalco
senescal sp. — siniscalco
senopia it. — sinople IL c
sentier fr. — senda
sentiero it. — senda
seüa sp. — insegna
sefior sp. — signore
sepoule fr. — spola
ser sp. — essere
ser pr. — cerro IL b
sera sp. — sarria II. b
serail fr. — serrare
serge fr. — *sargia
sergozzone it. — gozzo IL a
serein fr. — *sera
seringue fr. — sciringa
sermar pr. — *esmar
serpa sp. — serpe II. c
serper fr. — sarpare
serpollo iL — sermollino IL a
serralha pg. — sarraja IL b
serventese ü. — sirvente IL c
serviable fr. — *serviette IL c
serzir pg. — zurcir IL b
ses fr. — *assai
sescalco it. — siniscalco
sesmar pr. — *esmar
setier fr. — sestiere
seton fr. — seta
seuil fr. — suolo
severonde fr. — *gronda
sferzare iL — ferzare II. a
sfidare iL — disfidare
sfrontato iL — affrontare
sgarrare iL — garer IL c
sghignare iL — ghignare
sgombrare it. — colmo
sgorbia iL — *gubia
sgretolare it. — gretola II. a
sgridare it. — gridare
sguizzare it. — gaizzare IL a
siege fr. — sedio
sien fr. — mien IL c
Sierra sp. — serra
sieur fr. — signore
siglaton fr. — ciclaton
sigle fr. — singlar
sim pg. — sl
simigliare it. — sembrare
sin sp. — senza
sino pg. — segno
sinople pg. — sinople IL c
sire fr. — signore
sirgo sp. — sargia
siroc fr. — sirocco
siso pg. — 8eso IL b
sivels fr. — veans IL c
sizel pg. — cincel
slandra iL — landra
smaccare iL — macco
8maniglia it. — maniglia
smarrire it. — *marrir
smeriglione iL — merlo
smilzo it. — milza
smorfia iL — morfire IL a
smunto iL — mungere
smussare it. — mozzo
so pr. — ciö
soanar pr. — sosanar IL b
sobaco sp. — barcar IL b
sobajär sp. — sobar IL b
sobarcar sp. — barcar IL b
sobbissare iL — abisso
sobejo pg. — soverchio
sobrino sp. — cugino
socle fr. — 80c II. c
sodo it. — soldo
sofanar pr. — sosanar IL b
sofracha pr. — soffratta
soglio it. — suolo
soie fr. — seta
soin fr. — sogna
soir fr. — *sera
solapar sp. — lapo
solar sp. — ■ snolo
solare it. — suolo
sole fr. — suolo
solfege fr. — solfa
816
REGISTER.
sollastre sp. — souil II. c
sollozo sp. — 8inghiozzo
sorna it. — *salma
sombre fr. — sombra II. b .
somigliare it. — sembrare
somme, sommelier fr. — *salma
sommer fr. — semondre II. c
sommet, son fr. — sommo
soplar sp. — soffiare
soprar pg. — soffiare
soräre it. — sauro
sorgozzone it. — gozzo II. a
Borne, sornette fr. — *sorn
sorra sp. — zavorra
Bosa sp. — soda
Bot fr. — zote
bou fr. — *soldo
souche fr. — soc II. c
Boude fr. — soda
souder fr. — *soldo
soudoier fr. — *soldo
Bouffier, soufflet fr. — soffiare
souffreteux fr. — soffratta
soufre fr. — solfo
8ouhait fr. — hait II. c
souiller fr. — souil II. c
soulas fr. — sollazzo
soulier fr. — suolo
soupe fr. — sopa
Boupente fr. — pente II. c
souple fr. — 8offioe II. a
8ouquenille fr. — guenille II. c
source fr. — sourare II. c
sourifl fr. — sorce
8ournoi8 fr. — sorn
8ou8, soutane fr. — sotto
souvent fr. — sovente
sozzo it. — sucido
spacciare it. — paociare
spantare it. — epaventare
Bparare it. — parare
sparmiare it. — sparagnare
sparpagliare it. — parpaglione
speciale it. — oste (2)
spesa it. — spendere IL a
spiaggia it. — piaggia
spiccare it. — pegar
spicchio it. — spigolo II. a
spidocchiare it. — pidocchio
spiedo it. — spito
spingarda it. — springare
sprizzare it. — sprazzare II. a
Bprocco it. — broccb
8pruzzare it. — sprazzare II. a
spulciare it. — pulce
squadra it. — quädro
squelette fr. — scheletro
squillo it. — spillo
staccare it. — tacco
stajo it. — sestiere
stioppo it. — schioppo II. a
stizza, stizzo it. — tizzo
störe fr. — stoja
storpiare it. — stroppiare
stramba it. — strambo
strämbasciare it. — *ambasciata
st r apasser fr. — *pazzo II. a
strapazzare it. — *pazzo IL a
strascinare it. — trassinare IL a
strato it. — *strada
strebbiare it. — trebbia
stroscio it. — troscia IL a
8tutare it. — *tutare
SU it. — 8USO
suc pr. — cucuzza
succiare, sugare it. — suco
suoer fr. — suco
sucio sp. — sucido
sucre fr. — zucchero
suela sp. — buoIo
sueldo sp. — *soldo
sugliardo it. — souil IL c
8uif fr. — sevo
suignante fr. — sogna
sujo pg. — sucido
sumac fr. — somraaco
sumir sp. — *sumsir IL c
super fr. — sopa
supercheria sp. — soverchio
'supercherie fr. — soverchio
surcot fr. — cotta
surdir pg. — *sortire (1)
Burgeon fr. — sourdre IL c
surplis fr. — pelliccia
surtir sp. — *sortire (1)
suscher fr. — soupcon IL c
sussiego it. — *sosegar IL b
8usto sp. — sostare
suzzare it. — suco
svanire it. — evanouir IL c
sverza it. — verza
T.
taballo it. — ataballo
tabouret fr. — tamburo
tacafio sp. — taccagno
taccia ♦*. — tacco
tacha, tacon sp. — tacco
tache fr. — tacco
tache, tasque fr. — tasca
tahur sp. — tafur
taie fr. — tata
taille, tailler fr. — taglia
tain fr. — stagno
taisson fr. — *tasso
taja, tajar sp. — taglia
taladro sp. — taraire
talmasche fr. — maschera
talon fr. — tallone
tambussare it. — 'tabust IL c
tamica pg. — tomiza IL b
tamis fr. — tamigio
tampa pg. — tape
tampon fr., tampir pr. — tape
tancar pr. — *stancare
tancer fr. — *tencer IL o
REGISTER.
817
tanghero it. — tangoner IL c
tangre fr. — tangoner II. o
tanqae pg. — *stancare
taon fr. — tafano
tapino it. — tapir II. c
tapis fr. — tappeto
tapiz sp. — tappeto
taquin fr. — taccagno
tarabuster fß. — *tabust II. c
taracena pg. — arsenale
taradore it. — taraire
taragona sp. — *targone
taraud fr. — taraire
taraza sp. — taraire
tarazon sp. — *torso
taravel pr. — taraire
targuer fr. — *targa
tariere fr. — taraire.
tarlo it. — tarma
tarna sp. — tarma
tarte fr. — torta
tartufo it. — truffe
tasse fr. — tazza
tasseau fr. — tassello
tasugo sp. — *tasso
tataro pg. — tartagliare
täter fr. — tastare
tato sp. — tata
tato sp. — tartagliare
taut fr. — *ataud
taux fr. — *taxer II. c
tayon fr. — tata
tecca it. — tacco
techir pr. — tacco
teigne fr. — tigna
teixugo pg. — *tasso
tehir fr. — tecchire II. a
teja sp.f telha pg. — tegola
temblar sp. — tremolare
tenaille fr. — tanaglia
tenaza sp. — tenaglia
tendon fr. — tenda
tente fr. — tenda
tenza it. — *tencer II. c
terchio it. — terco II. b
tercena pg. — arsenale
terliz sp. — traliccio
terzeruolo it. — terzuolo
tertulia sp. — *trastullo II. a
teschio it. — *testa
tesoura pg. — tesoira
tesserandolo it. — tisserand II. c
tesson, tet, tete fr. — *testa
teste it. — testeso II. a
texon sp. — *tasso
the fr. — te
thon fr. — tonno
tic fr. — ticchio II. a
tien fr. — mien IL c
tiercelet fr. — terzuolo
tigella, tijola pg. — tegola
til pg. — tilde IL b
timalo sp. — temola
timbal sp. — ataballo
timballo it. — ataballo
titnbro sp. — timbre II. c
tio sp. — zio
tique fr. — zecca
tiretaine fr. — tiritaüo IL b
tison fr. — tizzo
tixera sp. — tesoira
tiznar sp. — tizzo
toalla sp. — tovaglia
toba sp. — tufo
tocha pg. — torciare
tocon sp. — tocca
todavia sp. — via (1)
toison fr. — tosone
tolda pg. — toldo II. b
tomare it. — tombolare
tomber, tombereau fr. — tombolare
tomplina pr. — tonfano IL a
tondino sp. — tondo II. a
tonne fr. — tona
tonner fr. — trono
tonnere fr. — trono
topar, tope sp. — toppo.
toque fr. — tocca
toquer fr. — toccare
torca sp. — torciare
torche, torcher fr. — torciare
toriga pr. — toura II. b
torlo it. — tuorlo IL a
torsello it. — torciare
tortis fr. — torciare
tortue fr. — tartaruga
tortuga sp. — tartaruga
torzuelo sp. — terzuelo
tosoira pr. — tesoira
tot fr. — tosto
totovia sp. — *cotovia IL b
touaille fr. — tovaglia
toucher fr. — toccare
toupet, toupie, toupon fr. — toppo
tour fr. — torno
tourbe fr. — torba
tourner, tournoi fr. — torno
tourte fr. — torta
toutefois fr. — via (1)
trabacca it. — *tref II. c
trabajo sp. — travaglio
traboccare it. — buco
trac,a pg. — taraire
tracäo pg. — *torso
tracas fr. — trac IL c
traccheggiare it. — trac IL c
trace, tracer fr. — tracciare
tracotanza it. — *coitare
trado pg. — taraire
trafagar sp. — traffico
tragin sp. — traino
trahir, traitre fr. — tradire
trainer fr. — traino
trambasciare it. — *ambasciata
trambustare it. — busto
trampa sp. — trappa
tran^a pg. — treccia
trance sp. — transito
52
818
REGISTER.
trancher fr. — trinciare
trangugiare it. — gozzo IL a
transe, transir fr. — transito
trapano it. — trepano
trapo sp. — *drappo
trappe fr. — trappa
traquear sp. — trac IJ. c
traquet fr. — trac II. c
traquete pg. — *trinchetto
traripare it. — derribar II. b
trasfegar sp. — trasegar II. b
trassare it. — tracciare
traste sp. — tastare
travoella pg. — taraire
trazar sp. — tracciare
trebol sp. — trifoglio
trebucher fr. — buco
treco pg. — terzuolo
trefle fr. — trifoglio
treillis fr. — traliccio
trembler fr. — tremolare
tremie fr. — tramoggia
tremonha pg. — tramoggia
trencar pr. — trinciare
trenza sp. — treccia
treo sp. — treu
treou fr. — treu
trepeiller, trepigner fr. — *treper II. c
tres fr. — tras
tresse fr. — treccia
tressi fr. — si II. c
treuil fr. — torchio
treve fr. — tregua
trevo pg. — trifoglio
tribolare it. — trebbia
tricher fr. — treccare
tricot fr. — *tricoter IL c
trigar pr. — tricare
trigaud fr. — tricare
trilla sp. — triglia
trillo sp. — trebbia
trinar sp. — trillare
trincar, trinchar sp. — trinciare
trinquer fr. — trincare
trique fr. — *tricoter IL c
triquer fr. — treccare
triscar sp. — trescare
trivello it. — taraire
triza sp. — trissar IL c
troar pg. — trono
trobar sp. — trovare
trombe fr. — *tromba
trompe, tromper fr. — *tromba
trompicar sp. — *tropezar II. b
tron sp. — trono
troncon fr. — *torso
tronzar sp. — *torso
trop fr. — *tropa
troquer fr. — trocar
tros, trosar pr. — *torso »
trosqu'a fr. — jusque II. c
trou de chou fr. — *torso
troupe fr. — *tropa
trousße fr. — torciare
trouver fr. — trovare
trovejar sp. — trono
trovisco pg. — torvisco II. b
troxa, troza sp. — torciare
trozo sp. — *torso
trucha sp. — trota
trucheman fr. — dragomanno
trucher fr. — *truan
truhan sp. — *truan
truie fr. — troja
truite fr. — trota
trujaman sp. % — dragomanno
trumbo sp. — truffe
tueissec pr. — tosco
tuer fr. — *tutare
tuerca sp. — torciare
tuile fr. — tegola
tulipe fr. — tulipano.
tumba sp. — tomba
tumbaga sp. — tombacco
tumbar sp. — tombolare
tumer fr. — tombolare
tuono it. — trono
tupir sp. — toppo
turar sp. — atturare
turare it. — atturare
turbante it. — tulipano
turbote fr. — *turbot IL c
turcasso it. — turquois II. c
turchino it. — turchese
turcimanno it. — dragomanno
turga pr. — toura IL b
turma sp. — truffe
turrar sp. — torrar IL b
tuttavia it. — via (1)
tuyau fr. — tudel
tuzar pr. — *tutare
u.
ubbriaco it. — ebbriaco
ubino it. — hobin IL c
ufano sp. — uffo
ugola it. — luette II. c
umbigo pr. — *ombelico
umbrilh pr. — *ombelico
ümiliaoa it. — meliaca IL a
unguanno it. — *uguanno
uria it. — augurio
usatto it. — uosa
uscire it. — *escire
usclar pr. — *bruciare
usignuolo it. — rosignuolo
utlague fr. — lague IL c
v. w.
vado sp. — *guado
vaho sp. — bafo II. b
vaissa pr. — avaissa IL c
vaisseau fr. — vascello
valanga ü. — avalange n. o
REGISTER.
819
valcare it. — varcare II. a
valet fr. — vassallo
valetto it. — vassallo
valise fr. — *valigia
vanello it. — vanno
vanille fr. — vainiglia
vanneau fr. — vanno
vantaggio it. — anzi
vantail fr. — ventaglio
varenga sp. — varangue II. c
varenne fr. — garenne II. c
varon sp. — barone
varvassore it. — vassallo
vasa pg. — gazon II. c
vasca pg. — basca II. b
vase fr. — gazon II. <j
vautour fr. — avoltore
vavasseur fr. — vassallo
vaya 8p. — baja (2)
vec pr. — ecco
vedette fr. — vedetta II. a
vedro sp. — vecchio
vegada sp. — vece
vegada pr. — vece
veillaquerie fr. — vigliacco
veille, veilles fr. — *veglia
vela 8p. — *veglia
veletta it. — *veglia
velhaco pg. — viffliacco
velin fr. — veau II. c
venda sp. — benda
vendaval sp. — vent d'amont IL c
vendredi fr. — venerdi
vengar sp. — vengiare
venres pr. — venerdi
ventaja sp. — anzi
vera sp. — riviera
verano sp. — ver
verdolaga sp. — portulaca
verduco it. — verdugo II. b
verge altfr. — *virare
vergel sp. — verziere
verger fr. — verziere
vergüenza sp. — vergogna
vermeil fr. — vermiglio
vermelho pg. — vermiglio
verno it. — inverno
veröle fr. — vajuolo
verretta it. — vira
verricello it. — *verrina
verruma pg. — *verrina
verveux fr. — bertovello
verzino ü. — brasile
vesgo pg. — bizco II. b
veuf fr. — *vide II. c
vezo, vi co pg. — *vizio
vezzo it. — *vizio
VI lt. — 1V1
viautre fr. — veltro
vidrecome fr. — wilecome II. c
vieil, vieillard fr. — vecchio
viejo sp, — vecchio
viera it. — virar
vielle fr. — viola
viernes sp. — venerdi
vieux, vies fr. — vecchio
viez pg. — biasciu
vigia sp. — *veglia
vigie fr. — *veglia
vigliulo it. — vigliare II. a
vihuela sp. — viola
vilain fr. — villa
vilandrier pr. — landra
vilordo sp. — *lordo
vindas fr. — ghindare
vipistrello it. — pipietrello II. a
virole fr. — *virar
viruela sp. — vajuolo
viseus fr. — *viziö
vislumbre sp. — barlume II. a
vispo it. — visto
vite fr. — visto
vivac sp. — bivac II. c
vocolo it. — avocolo
voisdie, voisie fr. — *vizio
volc fr. — *veule II. c
voler fr. — *embler II. c
vore fr. — *orlo
vorma pr. — mormo
vouer fr. — voeu 11. c
vouloir fr. — volere
voüte fr. — volto
voyage fr. — viaggio
vrille fr. — *verrina
vulto sp. — bulto II. b
warlouqne fr. — *berlusco II. a
wihot fr. — *cornard II. c
x.
xabeque sp.
xadrez sp. •
xalma sp. -
xaloque sp.
xamete sp.
xaque sp. -
xarcia sp. -
xarope sp.
xauip sp. —
xeme sp. —
xerga sp.
xergon spi
xeringa sp.
xeve sp. —
xibia sp. —
xiroque sp.
xisca sp. —
xugo sp. —
— chaveco
— axedrez II. b
- *salma
— scirocco
— sciamito
— scacco
— sarte
— siroppo
— augurio
scemo
— gergo
— *sargia
— sciringa
chef II. c
seppia
— scirocco
sescha IL c
8UCO
Y.
y fr. — ivi
ya sp. — giä
yedgo, yezgo sp. — ebbio
yegua sp. — *cavallo
yelmo sp. — elmo
820
REGISTER.
yermo sp. — *ermo
yero, yervo sp. — ervo
yesca sp. — *esca
yeso sp. — algez II. b
yeuse fr. — elce
ynnque sp. — incude
z.
zaffata, zaffö it. — tape u. ceffo II. a
zaffrone it. — zafferano
zahareöo sp. — safara II. b
zahorra sp. — zavorra
zaina sp. — zaino II. a
zaino it. — zaino II. b
zampa it. — tape II. c
zampar sp. — tape
zampillo it. — tape
zampogna it. — sampogna
zampofia sp. — sampogna
zanefa sp. — cenefa II. b
zanzara it. — zenzara
zapata sp. — ciabatta
zapuzar sp. — *chapuzar II. b
zara it. — azzardo
zarpa, zarpar sp. — sarpare •
zarzaparilla
zarzeta sp.
zebelina sp.
zeca sp. —
zenzalo sp.
zerbo pg. -
zevro cätpg.
zezzo it. —
zezzolo it. -
zigrino it. -
zimarra it.
zimbro pg.
zinir pg. —
zitta it. —
zoccolo it. -
zoira pr. —
zolfo it. —
zompo sp. -
zouzo sp. —
zucca it. —
zufolo it. —
zumaque sp.
zunir pg. —
zuppa it. —
zurriago sp.
zurro it. —
sp. — salsapariglia
— cerceta
— zibellino
zecca II. a
— zanzara
— zirbo O. a
— *toivre IL o
sezzo II. a
— tetta
— obagrin II. c
— zamarro II. b
— ginepro
zenzara
tetta
- SOC II. 0
*zorra II. b
eolfo
— zoppo
— soso II. b
cucuzza
ciufolo
— sommaco
zenzara
Bopa
— scuriada
zurlo II. a
BERICHTIGUNGEN.
S. 60 s.
m 67 „
n 83 »
» 90 „
n 103 „
» 137 „
» i«?o „
n **& »
. 177 „
n 194: ,
77 77 77
i, ^05 „
. 313 ,
t» 229 n
. 343 „
b 368 „
» 374 ,
. 384 ,
» 388 „
n 319 „
n 344 „
v. borraggine, z. 1 l. zsgz. st. zsgs.
„ brida, z. 1 l. predella
campo, z. 11 l. altfr. st. fr.
carruba, z. 2 l. carrubo st. carrobo
coglione, z. 1 l. couillon st. coillon
n
n
n
7)
7)
n
n
ti
n
»
»
n
n
n
7}
7)
7)
escire, z. 4 l. ussir st. issir
fata, z. 3 l. feien st. feinen
forgia, z. 2 l. fragua st. fraga
guaragno, z. 1 l. sp. garafion
lisca, z. 3 l. leche st. leche
„ z. 7 füge nach anderes das wort glossar
lista, z. 6 l. lisera st. lisiera
marrochino l. marrocchino und fr. maroquin (mit einem r).
mezzo, z. 4 setze sp. vor mitad
ostaggio, z. 1 l. otage (ohne circumflex)
petardo, z. 1 l. petard
reBta (2), z. 1 l. enristre
rognone, z. 2 l. rognon st. roignon
scaramuccio, z. 1 l. sp. pr. escaramuza
scotta, z. 1 l. altfr. escote st. escota
tesoira, z. 1 setze, vor tixera, sp. st. pg.
vizio, letzte zeile l. zsgz. st. zsgs. i<
ünivonitätS'Buchdruckerei von Carl Georg! in Bonn.
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